Tintenzirkel - Das Fantasyautorenforum

Allgemeines => Tintenzirkel => Thema gestartet von: Alaun am 06. August 2009, 09:47:55

Titel: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Alaun am 06. August 2009, 09:47:55
Hallo liebe Tintenzirkler!

Mich würde interessieren, welche Strategien ihr habt, wenn der gute alte Zweifel mal wieder auf eine Stippvisite vorbeikommt. (Ich gehe jetzt einfach mal davon aus, dass jeder Schreiberling ab und an mit diesem sperrigen Kollegen zu tun hat...)

Ich bin durchaus auch der Meinung, dass Zweifel gut sein können. Sie sorgen dafür, dass ich auf dem Boden bleibe und meine Texte kritisch sehe. Sie helfen mir, mich selbst nicht so wichtig zu nehmen. 

Und sie sind so ziemlich das Nervtötendste, was mir passieren kann!
Denn leider führen sie auch dazu, dass ich Schlechtes sehe, wo gar nichts schlecht ist. Sie reden mir ein, dass meine Texte zu banal sind, der Plot nicht ausgefeilt genug, die Figuren blass. Sie legen den Kopf schräg und sagen: "Schön, schön, damit verbringst du also deine Zeit...aber ist das nicht alles schon mal dagewesen? Und das viel- besser?" Und wenn ich nicht aufpasse, dann führen sie mich laut beifallklatschend direkt in eine  Blockade... 

Meine Strategie gegen Zweifel: ihnen die Tür vor der Nase zuschlagen und einfach weiterschreiben. Stoisch. Meistens kann ich sie mir nämlich nicht leisten, sie sind einfach zu exzentrisch für meinen Alltag. Und dagegen anschreiben wirkt meistens Wunder. Leider aber eben nicht immer.
Also, welche Strategien habt ihr? Schokolade essen? Ins Kino gehen? Ein richtig schlechtes Buch durchblättern und danach denken: "Hach, eigentlich bin ich ja gar nicht soooo schlecht?"

Bin gespannt, was ihr zu diesem Thema schreibt!

Ganz viele liebe Grüße
*A (die letzte Nacht dem Zweifel mal wieder die Tür vor der Nase zugeschlagen hat)


Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Coppelia am 06. August 2009, 09:56:56
Zitat
Ein richtig schlechtes Buch durchblättern und danach denken: "Hach, eigentlich bin ich ja gar nicht soooo schlecht?"

Ja! ;D Das mache ich manchmal!
Ehrlich, ich kenne den Zweifel nur zu gut. Und ich fürchte mich auch jedes Mal wieder vor ihm. Eine richtig gute Strategie hab ich auch nicht, ich bin dem ziemlich ausgeliefert.
Was mir manchmal hilft: Spaß an der Geschichte zu haben. Ich suche mir selbst die Punkte heraus, an denen ich an der Geschichte Spaß habe. Und wenn mir etwas in den Sinn kommt, was Probleme macht, sage ich mir: egal, vergiss es erstmal! Darum kannst du dich kümmern, wenn du fertig bist.
Also, woran hast du Spaß? Bei mir sind es meist die Charaktere, ich erzähle mir selbst, wie toll die Charaktere sind und dass es solche nirgendwo anders gibt, und dass sie MEIN SCHATZ sind und solche Dinge. ;D Oder bist du auf das Setting stolz oder auf Landschaftsbeschreibungen, auf spannende Stellen oder auf Liebesszenen? Ich denke, es kann alles sein, Selbstbeweihräucherung hilft oft ein bisschen.
Leider nicht immer. :( Es ist vielleicht tröstlich, dass Zweifel oft nach einer Weile vorbeigehen, wenn man die Ansprüche (z. B. was zu veröffentlichen, weswegen ich mich z. B. immer frage: "Ist es actionreich genug? Bestimmt nicht") runterschraubt, denn durch die Ansprüche an sich selbst macht es oft keinen Spaß mehr.
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Alaun am 06. August 2009, 10:01:18
Hallo Coppelia,

das stimmt absolut, Spaß am Schreiben haben ist eine prima Strategie, um den Zweifel loszuwerden! Sozusagen eine "Akute-Phase-Hilfe". Bei mir sind es auch die Figuren, die mich aufbauen. Ich denke mir dann immer, dass deren Geschichte es allemal wert ist, aufgeschrieben zu werden. Und dass sie verdient haben, dass ich Spaß dabei habe  ;)
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Angelus Noctis am 06. August 2009, 10:09:49
Hallo Alaun!

Oh ja, Zweifel ... Ich zweifle sehr oft an meinen Texten. Wo andere sagen: "Hey, das ist gut", sehe ich dann nur noch Schund. ::) Anfangs habe ich mir damit den einen oder anderen - eigentlich ganz guten - Text völlig zerbastelt. :wums:

Ist es mal wieder soweit, dass ich feststelle, wie doof die Sachen doch sind, die ich schreibe, klappt bei mir das "Weiterschreibprinzip" leider überhaupt nicht. Alles, was ich in solch einer Phase schreibe, entpuppt sich beim späteren Lesen als völliger Unsinn (so meine ich jedenfalls - vielleicht schlägt aber auch da schon wieder der Zweifel zu ;)).
Deshalb lasse ich das Schreiben dann für eine Weile sein. Manchmal gelingt es mir auch, etwas völlig anderes zu schreiben; nur das Projekt, dem mein vorrangiges Interesse gilt, wird dann eben hintan gestellt.
In den Momenten des Zweifels oder der Blockade bin ich dazu übergegangen, eine Zeitlang nur zu "konsumieren": Ich untersuche meine Bücherregale nach den Büchern, die ich noch nicht gelesen habe. Was mich "anspringt", wird gelesen. Oft hilft es mir, wenn ich solche Texte ein wenig näher unter die Lupe nehme, um wieder einen klareren Blick für mein eigenes Zeugs zu bekommen.
Außerdem ist es für mich hilfreich, Texte anderer Autoren testzulesen, Anmerkungen zu machen und dabei für meine eigenen Texte zu lernen. Eigentlich ist das ja paradox, aber erstaunlicherweise funktioniert das prima.

Meist habe ich dann nach einigen Tagen die Selbstzweifel überwunden und stürze mich mit Feuereifer an mein Projekt, bis der nächste Zweifel kommt. ;)

Liebe Grüße!
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Issun am 06. August 2009, 10:52:30
Hallo Alaun,

Solche Zweifel können jede Motivation abtöten, das kenne ich leider nur zu gut. Vielleicht hilft es dir, Stellen aus deinen früheren Projekten herauszusuchen, die du immer gemocht hast, dich daran zu erbauen und dir zu sagen "Hey, das schaffe ich wieder." Wenn der Zweifel besonders bösartig ist und du sogar an alten Lieblingsstellen kennen Gefallen mehr findest, ist es sicher gut, ein wenig Abstand zu nehmen. Lesen ist oft die beste Option, dabei sammelt man neue Ideen - und sollte man etwas Schlechtes lesen, kann man dann immerhin darüber lästern. ;)
Aber wenn dir Passagen, die dir und womöglich auch anderen Leuten schon gefallen haben, jetzt schlecht vorkommen, ist der Zweifel wahrscheinlich ohnehin unberechtigt.
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Artemis am 06. August 2009, 11:30:35
Diese Grübeleien kenne ich auch zu gut  ;D
Da liest man sich immer die eher schlechten, unausgegorenen Stellen durch und denkt sich mufflig: "Wat´n Scheiß." Man würd am liebsten alles einfach löschen und aus dem Hirn verbannen und die Zeit mit gaaanz viel anderen Dingen verbringen, weil mans ja doch zu nix bringt, weil man eh nur seine zeit verplempert und eh nie veröffentlicht wird und alle anderen Autoren das besser können und so weiter und so fort *schnauf*

Tja, und dann ...
Dann stöpsel ich mir nichts ahnend im Zug die Köpfhörer rein, höre einen neuen Soundtrack, und zack, sind sie wieder da, die bösen Ideen. Dann toben die Charaktere in meinem Kopf wieder munter rum, und ich bekomme Einfälle für neue Szenen und bin total motiviert und begeistert. Die Bande lässt mich einfach nie in Ruhe. Es ist zum Verrücktwerden  ;D

Wenn ich wirklich mal total am Boden bin, denke ich mir einfach, dass ich ja in erster Linie für mich schreibe, und da muss es noch nicht so perfekt sein wie bei anderen Autoren. Und solange ich mich an der Geschichte und den Figuren erfreuen kann, ist ja alles in Ordnung  ;)
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Churke am 06. August 2009, 11:36:14
Der Zweifel ist ein gern gesehener Gast, weil er mir sagt, dass etwas nicht so ist, wie es sein sollte. Dann stecke ich nicht den Kopf in den Sand, sondern finde den Fehler - oder, wenn mir sonst nichts anderes einfällt, probiere herum und feile so lange ab, bis ich eine neue Form gefunden habe. Und wenn das ganze Kapitel raus fliegt.  :no:

Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Artemis am 06. August 2009, 12:15:47
Und wenn das ganze Kapitel raus fliegt.  :no:

Autsch, so was tut immer weh  :-\
Aber ich mache das im Moment richtig krass durch: Bei mir fliegt nicht nur ein Kapitel, sondern gleich das halbe Buch. DAS tut weh, kann ich euch sagen   :gähn: Aber mein Gott, wenns halt schrottig und unrealistisch ist - was soll man sonst machen? Auf jeden Fall gefällts mir so wesentlich besser, und ich bin mit dem Ergebnis zufriedener als mit etwas Hingewurscheltem.
No Sacrifice, no Victory  :d'oh:
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Luciel am 06. August 2009, 12:38:05
Das "Rausschmeißen" kommt bei mir erst nach den Zweifeln und nach der sich daran anschließenden Erkenntnis: das Ganze führt so zu nichts. Das heftigste dieser Art hatte ich, als ich mich nach über 20 fertigen Kapiteln entschlossen habe meinen Roman noch mal ganz von vorn anzufangen - aus einer ganz neuen Perspektive. Meine Freundin fragte mich, ob ich etwa krank sei .... nein, ich habe es nie bereut.

Die lieben Zweifel klopfen auch bei mir natürlich, aber eigentlich immer dann, wenn ich anfange, mein Projekt "mit den Augen anderer zu lesen". Wenn ich mir vorstelle, wie "andere" meine Geschichte wohl finden, ob sie originell genug ist, im Vergleich zu dem, was es alles schon gibt, oder ob sie zu abgedreht ist .....
Mir hilft dann, mich selbst zu ermahnen, dass ich hauptsächlich für mich schreibe und dass ich es tue, weil es mir Spaß macht. Das sollte es jedenfalls. Ich erinnere mich ganz bewußt daran, wie begeistert ich mal mit dem Projekt angefangen habe - und versuche, diese Begeisterung wieder zu finden.
Und wenn alles nichts hilft, gebe ich den Text jemanden zum lesen - und lasse mich immer aufs neue überraschen, dass außer mir eigentlich niemand was zu meckern hat (im Großen und Ganzen). Das motiviert mich auf jeden Fall!
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Falckensteyn am 06. August 2009, 12:55:29
Zweifel sind bei mir ein sehr grosses Thema. Nicht nur beim Schreiben, generell im Leben. Ich zweifle oft. Aber das ist ein anderes Thema.

Beim Schreiben habe ich mir jetzt schon 2x ein Manuskript versaut, weil ich zweifelte. Und zur Zeit habe ich Angst, zum 3. Mal zu beginnen, weil ich mir sicher bin, dass ich sehr rasch wieder zweifle. Klar denke ich auch ab und zu, dass ich doch ganz gut bin und das Zeugs zum erfolgreichen Schreiberling habe, aber wenn die Zweifel sich einschleichen, dann ist plötzlich alles Mist. Jeder Satz, jede Wortstellung, jede Handlung. Einfach nur Bulls..t. Schade eigentlich. Und ich habe noch nicht gelernt, damit umzugehen.  >:(
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Tenryu am 06. August 2009, 14:05:04
Da ich von Natur aus ein Pessimist bin, habe ich kein Problem mit Zweifeln. Ich weiß, daß, egal was ich anfange und wie viel Mühe ich mir dabei gebe, es irgendwo auf der Welt mindestens eine Million Menschen gibt, die das besser können als ich.
Meine Motivation beinträchtigt das hingegen nicht, da ich ausschließlich zu meinem eigenen Vergnügen schreibe und mir die anderen herzlich egal sind. Ich habe es nicht nötig, einem Publikum hinterher zu laufen und meine Werke wie sauer Bier anzupreisen. Ich werde keine Klinken putzen bei Verlegern und sicher kein eigenes Geld ausgeben, um meine Geschichten drucken zu lassen.
Ich setze mich an meinen Tisch und schreibe meine Geschichten und habe großen Spaß dabei. Das ist alles, was zählt.
Wenn man in einer Sache gut ist, muß man mit vielen Konkurrenten wettstreiten. Aber als Mittelmäßiger ist man frei und aller Selbstzweifel ledig.
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Linda am 06. August 2009, 14:27:36

Beim Schreiben habe ich mir jetzt schon 2x ein Manuskript versaut,

wer sagt das? Gefällt es dir selbst nicht mehr?  Oder hast du vielleicht nur diesen Eindruck, weil der Zweifel stärker ist?
Ehe man so ein endgültiges Urteil über ein (angefangenes) Werk fällt, sollte man vielleicht auch noch andere Stimmen dazu hören.
Auf jeden Fall aber würde ich an deiner Stelle nach einer längeren Pause noch mal an den Text gehen und prüfen, ob das was da steht, (ungetrübt von alten Gefühlen) wirklich misslungen oder verdorben ist. Abstand klärt den Verstand und das Urteilsvermögen.
Ich rate ja jedem, ein Werk erst mal fertig zu schreiben, anstatt immer wieder am Anfang zu doktern und das Werk und die Lust daran so totzuüberarbeiten.

Das muss aber jeder natürlich selbst wissen...

Gruß,
Linda
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Luna am 06. August 2009, 14:48:25
Ich denke mal, dass es normal ist zu zweifeln und wenn diese aufkommen, gerade nachdem ich einige Sätze geschrieben habe, habe ich auch schon mal die letzten Seiten gelöscht und es hat mir geholfen, was besseres zu erschaffen.

Dennoch bin ich bisher nie soweit gegangen, ein Buch fast vollständig zu löschen. Wenns mir nachher nicht gefällt, ists auch nicht schlimm... an anderen habe ich auch schon gezweifelt, gerade wenn ich viel bessere Bücher gelesen habe (das ist schlecht fürs Ego), aber dann hilft es Abstand zu gewinnen oder irgendetwas schlechtes zu sehen.

Im Notfall ne Pause machen und sich teiben lassen, irgendwann kommen neue Ideen von alleine und schon macht es wieder Spaß an einem Kapitel zu arbeiten. Wenn man nur schreibt, weil man das Gefühl hat, schreiben zu müssen, werden die Sätze, die man fabriziert, einfach schlechter.

Also, ich nehme etwas Abstand und neue Eindrücke auf und dann geht das schon wieder...
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Coppelia am 06. August 2009, 15:04:05
Meinen Text lösche ich sowieso nie ganz, sondern verlagere ihn in eine Datei, die "Ausschuss", "Müllhalde" oder so heißt. ;D Vielleicht braucht man ihn ja doch noch mal.
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Katharina am 06. August 2009, 15:07:53
Wenn mir Zweifel kommen, ob mein derzeitiges Projekt überhaupt was taugt versuche ich mir immer vor Augen zu halten, dass Schreiben ein Lernprozess ist. Niemand ist perfekt und man lernt nie aus. Ich schreibe gerade mein erstes Buch, natürlich wird das kein literarisches Meisterwerk werden. Das heißt aber noch lange nicht, dass ich mir keine Mühe gebe. Ich schreibe das beste Buch zu dem ich momentan in der Lage bin und wenn ich fertig bin, werde ich eine Liste machen mit den Dingen die ich gelernt habe. Das zweite Buch wird dann zwangsläufig besser werden. Das dritte dann noch besser usw.

Und wenn ich doch mal zu sehr an mir Zweifel und alles hinschmeißen will, dann hab ich entweder meine beste Freundin, die mir sagt, dass das Buch schon gut werden wird oder ich seh mir einfach die Skizze meiner Charaktere an. Die lasse ich mir nämlich gerade malen und allein die Probeskizzen lassen mich jedesmal dumm grinsen, weil ich irgendwie richtig stolz auf mich bin. Das sind zwei Charaktere die ich erfunden habe. Ich habe ihnen eine Persönlichkeit gegeben.  ;D Das erinnert mich immer daran wieviel Spaß ich doch eigentlich beim Schreiben habe und dass die Zweifel doch bitte schön ihre Klappe zu halten haben.
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Agrona am 06. August 2009, 15:26:57
Zweifel!?  :wums: also ich denke das gehört zu jedem Projekt dazu vorallem wenn man Feuer und Flamme ist für das was man tut man will ja das es "perfekt" ist.. jeden falls kenne ich niemanden der (freiwillig) Zeit für etwas her gibt das am Ende eh nur Frass für den Mülleimer werden >soll< und das was einem besonders wichtig ist zieht Zweifel in der Regel an ;)

Mein perönliches Rezept ist:
-Aufstehen. Weg vom Projekt. Sich anderweitig vergnügen. Mit irgendwem drüber reden. und dann mutiviert sich wieder ans Werk machen.
-Sich selbst sagen das es besser wird oder das es nur ein versuch ist.
-Wenn man Zweifel an einem bestimmten Teil nur hat überspringe ich den einfach und mach wo anders weiter und verbinde das am ende dann..

Ich glaube aber das wir das alle schon schaffen!! Immerhin haben wir mittlerwiele dank unserer Fantasie eine kleine Armee von Helden die uns beim aufstehen und weiter machen sich helfen können ;) Ah noch ein Rezept:

-Das lesen was bisher entstanden ist oder ausschnitte (am besten richtig gute sezenen) und das mutiviert auch.. oder ihr wollt eurem Charakter helfen (Mutterinstinkte und so :D ).. also egal wie mir hilft das irgendwie oft ;)
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Alaun am 06. August 2009, 18:26:48
Hallo,

das ist wirklich interessant zu lesen, danke für eure zahlreichen Beiträge und Meinungen. Herr Dr. Zweifel ist ja anscheinend vielbeschäftigt!

Ich habe heute festgestellt, dass ich zweifeln kann, so viel ich will- es hält mich einfach nicht vom schreiben ab. Und das war ungemein beruhigend. Ohne Zweifel...  ;)

Ganz liebe Grüße
*Alaun
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Joscha am 06. August 2009, 20:23:48
Ich zweifle prinzipiell immer an mir und bin mir in jeder Sekunde sicher, dass das auf jeden Fall schon mal jemand besser gemacht hat, was ich da mache. So bin ich eigentlich immer, aber solange es nicht überhand nimmt, bin ich daran gewöhnt. Nur wenn ich mal richtig deprimiert bin, nehmen mich meine Zweifel so mit, dass ich kurz davor bin, das ganze hinzuschmeißen. Meine besten Strategien dagegen: Entweder eines meiner Erstlingswerke lesen, nach dem Ich-bin-doch-gar-nicht-so-schlecht-Prinzip, oder, ich arbeite ja als Hobby-Autor ohne Zeitdruck, so lange an was anderem schreiben, bis die Zweifel verblassen und ich wieder denken kann: Okay, ist doch gar nicht so schlecht.
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Lucien am 06. August 2009, 21:18:01
Ob ihr's glaubt oder nicht, Zweifel sind für mich wie Irrwichte.  ::)
Und wenn die vorher noch so:  :darth: aussehen, sehen die hinterher so:  :pfanne: aus. Dann lache ich ne Runde, weil es so dämlich aussieht ... und renne danach frustriert zum Kühlschrank, stopfe Schokolade in mich rein und trinke mindestens zwei Tassen Kakao, weil ich immer noch zweifle.  :seufz:

Aber dann kommen alle meine Protas und klopfen mir lieb auf die Schulter und sagen "Hey, wir helfen dir!" Und dann packe ich meine Tastatur, entreiße sie allen Zweifeln der Welt und schreibe weiter ... Bis zum nächsten Zweifel-Anfall.  ;D
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Judith am 07. August 2009, 10:25:01
Zweifel gehören bei mir beim Schreiben eigentlich ständig dazu. Aber das liegt auch gar nicht am Schreiben an sich - ich zweifle immer und an allem, was ich mache.  ::)

Beim Schreiben hilft es mir, wenn ich mir sage "Das ist ja erst mal nur die Rohfassung" und dann stur weiterschreibe. Dann denk ich mir zwar immer noch "Was für ein Mist", aber ich weiß ja, dass ich da noch mehrmals drübergehen werde, also macht es nichts, wenn es im Moment noch Mist ist. Und so finde ich es dann gar nicht so schwer, einen Roman einfach kontinuierlich "runterzuschreiben".

Schwierig wird es beim Überarbeiten. Zum Einen ist dann dieses beruhigende "Ist ja nur die Rohfassung"-Gefühl weg, zum Anderen blockiere ich mich selbst beim Überarbeiten, weil ich manchmal alles einfach nur schlecht finde und gar nicht mehr einschätzen kann, ob davon nicht doch etwas brauchbar ist.

Und das ist dann der Punkt, wo ich selbst keine Strategien mehr für mich finde. Was mir dann hilft, das ist meine Schreibgruppe. Wenn da eine Szene besprochen wird, die ich von vorn bis hinten fürchterlich finde, und diese dann gar nicht so schlecht ankommt, dann minimiert das meine Zweifel wieder ein wenig.
Ich denke mir dann: "Wenn diese eine Szene doch keine einzige Katastrophe ist, dann sind es die anderen vielleicht auch nicht." Das hilft mir immer enorm.
Echt, sollte ich irgendwann mal ein Buch veröffentlichen, dann kommt meine Schreibgruppe sofort in die Danksagungen. Die ist einfach unbezahlbar.  :knuddel:
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Falckensteyn am 07. August 2009, 10:47:30
wer sagt das? Gefällt es dir selbst nicht mehr?  Oder hast du vielleicht nur diesen Eindruck, weil der Zweifel stärker ist?

Das war meine persönliche Meinung. Die Manuskripte sind natürlich nicht gelöscht und datengesichert. Der erste Misserfolg begründete sich in der Länge der Geschichte, und der zweite weil ich den zu langen Plot einfach aufteilte in 3 Teile, was ebenfalls ziemlich unbedacht war.

Die Zweifel in mir spornen mich aber auch an. D.h. es gibt in mir auch noch eine weitere Stimme die mir sagt: "Hey, du kannst es! Zeigs der Welt da draussen und schreibe weiter!"  ;)
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Waffelkuchen am 07. August 2009, 22:59:30
Die Zweifel in mir spornen mich aber auch an.

Geht mir genauso. Da ist diese kleine Stimme in meinem Kopf, die sagt: "Das da ist Müll, aber du kannst es besser. Also mach es gefälligst!"
Aber so positiv ist es natürlich nicht immer. Manchmal geben sie einem den nötigen Dämpfer, wenn man gerade ein bisschen zu sehr von sich und der Geschichte überzeugt ist, aber manchmal ist es einfach nur frustrierend. Wenn man seine eigenen Texte durchliest und sich denkt: "Das ist schlecht, und das, das und das..." und den Blick für das verliert, was gut ist. Und dann für sich zu dem Schluss kommt: "Was willste da noch überarbeiten, du kannst es doch gar nicht anders." Zum Glück kommt das bei mir nur extrem selten vor und läuft meistens parallel zu anderen Dingen, die in meinem Leben gerade schief laufen.
Allgemein gegen Zweifel und den inneren Korrektor: Sich (wie Judith) immer vorhalten, dass man in der ersten Fassung nicht perfekt schreiben muss. Mir hilft es auch, ein bisschen an der Welt zu arbeiten, weil ich oft neue Motivation entwickle, wenn mir was Gutes einfällt- und die Motivation bringt meine Zweifel immer recht schnell zum Schweigen. Ganz vom Projekt weggehen- ich weiß nicht, wenn ich gerade richtig schlecht darauf zu sprechen bin, ist es irgendwie in meinem Hinterkopf drin und verschwindet nicht. Spätestens wenn ich mich wieder dransetze, sind die Zweifel wieder da.
Ansonsten hilft Zuspruch meiner Beta-Leserin (oder mich gegebenenfalls mit ihr zusammen mit dem Problem zu beschäftigen), schlechte Bücher lesen (Eragon ist da, ehrlich gesagt, mein Favorit. Mag ja nicht jeder so sehen, aber für mich ist es einfach das schlechteste Buch, dass ich je gelesen habe.) und sich mit alten Lieblingsszenen zu beschäftigen. Eine ~4 Jahre alte Liebesszene (da war ich 13... *hust*) ist da irgendwie mein absoluter Favorit. Sie ist lange nicht perfekt, aber trotzdem hab ich jedes Mal gute Laune, wenn ich sie aus den Tiefen meiner Ordner herausziehe.
Außerdem amüsiert es mich immer sehr, in meinem Erstling querzulesen (der handgeschriebenen Version, die nicht überarbeitet ist) und festzustellen, wie schlecht ich da war.  ;D Irgendwie befriedigend, wenn man merkt, wie sehr man sich verbessert hat.
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Alana am 14. August 2009, 16:36:05
Hallo Alaun,

tja, das kenne ich auch sehr gut.
Immer wenn ich ein gutes Buch ausgelesen habe, oder ein Buch in der Hand halte, das auch nur die winzigste Ähnlichkeit mit meinem hat, denke ich sofort, dass das doch alles irgendwie sinnlos ist.

Aber dann denke ich mir:

Erstens ist irgendwie alles schon einmal da gewesen und es kommt auch gar nicht darauf an, dass es etwas komplett neues ist. Es kommt nur darauf an, dass man dem Thema den eigenen Stempel aufdrückt und etwas Spannendes daraus macht.
Die meisten Leute lesen gerne mehrere Bücher vom gleichen Schlag, solange man nicht abschreibt, ist das total egal.

Zweitens mache ich mich dann immer von dem Gedanken frei, unbedingt veröffentlichen zu wollen.
Ich schreibe für mich, es macht mir Spaß, und wenn mal irgendwas Vorzeigbares fertig ist, dann sehen wir weiter. Trotzdem versuche ich natürlich, was richtig Gutes zu schreiben, aber eben erstmal für mich.

Drittens hilft es mir dann sogar, ein Buch zu nehmen, das mir richtig gut gefällt, und davon zu lernen.
Nicht abschreiben, nicht Ideen klauen, nein, analysieren: Was wurde wie umgesetzt? Was ist daran so gut? Wie kann ich das für mich benutzen?
Also mehr die Schreibtechnik, die Art, Figuren einzuführen und zu verknüpfen etc.

Und dann hab ich das Loch meistens schon überwunden. :)

Aber das herauszufinden, war harte Arbeit, davor bin ich regelmäßig verzweifelt und war immer total blokiert.







Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Junipera am 14. August 2009, 18:14:35
Klopf, Klopf
"Wer da?"
"Der Zweifel!"
"Zweifel Wer?"
"Selbstzweifel!" :darth:

Ich hasse diese Situation, wenn meine Gedanken mir sagen das es tausende gibt, die ein Buch Veröffentlichen wollen und warum ausgerechnet meine Geschichte dazugehören sollte ....

Wenn dann noch ein blöder Kommentar kommt, wie "Das du damit deine Zeit vergeudest" oder "Glaubst du wirklich das jemand das lesen will?"   :seufz:
Dann ist erstmal Schicht mit kreativ.

Mir hilft dann folgendes:
Erstmal ein wenig Schoki!  ;D

Ob ich meine Geschichte je veröffentliche steht in den Sternen, erstmal schreib ich sie für mich und nicht für andere. Es gibt so viele schlechte Geschichten, und warum sollte gerade meine davon am schlechtesten sein? Ich lese dann ältere Texte (Hab dann Abstand gewonnen) und stelle fest das es sehr viele gut gelungene Stellen gibt.
Meine Figuren sind mir ans Herz gewachsen, ich kann doch jetzt nicht alles in den Müll schmeißen und Sie im Stich lassen! Wenn man es wagt, ist nichts unerreichbar!

Also,Zweifel aussperren oder über Bord werfen und ran an die Tastatur, den Stift oder die Feder. Schreiben, schreiben , schreiben, schreiben .....

Liebe Grüße Juni

Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: die_Hex am 14. Oktober 2009, 14:49:39
Irgendwie gut zu lesen, dass es anderen auch so geht.
Ich bin inzwischen total blockiert. So lange ich nur für mich / für ein Fanfictionpublikum geschrieben habe, konnte ich mich noch irgendwie überzeugen, dass ich auch schlecht sein darf. Aber an allem, das vielleicht auch nur potentiell irgendwann eines Tages mal veröffentlichungsfähig sein könnte, beiße ich mir die Zähne aus. Kurzgeschichten werden endlos überarbeitet und gefallen mir dann doch nicht, Romane breche ich mittendrin ab, wenn die Idee nicht schon in meinem Kopf zerpflückt wird. Ich traue mich schon garnicht mehr, anzufangen. Sobald ich ein paar Zeilen schreibe sagt eine Stimme hinter meinem rechten Ohr "Schläächt!" und das war's.

Schlechte / unvollkommene Bücher helfen ein wenig. Aber für meine derzeitige Schreibblockade brauche ich glaube ich härtere Drogen. Falls jemand Ideen hat, her damit.  ;)
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Smaragd am 14. Oktober 2009, 15:42:20
Mhm, Zweifel. Schwieriges Thema. Ganz grundsätzlicher Zweifel - "Was machst du da? Fällt dir nicht was besseres ein, das du mit deiner Zeit anstellen kannst? Überlass das Schreiben doch gefälligst den Profis!" - ist bei mir schon vor einiger Zeit endgültig verbannt worden, als ich akzeptiert habe, dass Schreiben ein Hobby für mich geworden ist. Nicht mehr, nicht weniger. Hauptsache, es macht mir Spaß.

Ich schreibe gar nicht erst darauf hin, etwas "Veröffentlichungsfähiges" zu Stande zu bringen. Vorerst schreibe ich einfach für mich, dann wird editiert, bis es mir gefällt. Wenn ich die Phase jemals mit ein, zwei Werken abschließen sollte - ich schreibe erst seit ca. einem Jahr an eigenen Sachen und arbeite immer noch daran, die einzige Geschichte zu editieren, die ich je fertig geschrieben habe - dann werde ich mir vielleicht mal Gedanken darüber machen, ob ich andere lesen lasse/das Ganze irgendwie veröffentlichungsfähig werden könnte. Aber vorerst mag ich noch gar nicht darüber nachdenken, das blockiert zu sehr.

Zweifel, was die Schreibfähigkeiten angeht... ja, der klopft regelmäßig mal an. Er wird dann auch freundlich hereingebeten, auf Sofa gesetzt, mit Tee versorgt und dann aufgefordert, doch mal genau zu erzählen, wo er Probleme sieht und wie man die vielleicht lösen könnte. Meine Charaktere beteiligen sich auch ganz gern an solchen Gesprächen. Das wird meistens recht konstruktiv.

Lange Rede, kurzer Sinn - wenn`s dich blockiert, Hex, dann versuch mal, überhaupt nicht ans Veröffentlichen zu denken. Schreib einfach das, was du schreiben möchtest und lass die auf die Charaktere und die Story ein. Und gib nicht auf, sobald du ein Plotproblem entdeckst - dafür sind wir ja da, wenn du allein nicht weiterkommst!
Und wenn du deinen inneren Editor - diese böse Stimme, die alles madig macht - wirklich ausschalten willst, dann setz dir einfach ein Ziel, wieviele Worte du pro Tag schreiben willst und tu das dann, ganz egal, wie schlecht es dir vorkommen mag (das Nanowrimo-Prinzip, aber 50.000 Worte in einem Monat müssen es ja nicht unbedingt sein, es sei denn, du hast eigentlich genug Ideen).

Viel Glück!
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Thaliope am 14. Oktober 2009, 17:38:52
Genau mein Thread ...  :darth:
Ich war lange von der Vorstellung, etwas Außergewöhnliches, besonders Tolles schreiben zu müssen, so blockiert, dass ich jahrelang keine einzige Geschichte fertig gekriegt habe.
Und dann habe ich die Fanfiction für mich entdeckt: Da das der Rechte wegen eh nicht veröffentlicht werden kann, hab ich zum ersten Mal seit Ewigkeiten, einfach so zum Spaß geschrieben, eine kurze Geschichte, von Anfang bis Ende in einem Zug runter. Da habe ich  meine Beziehung zum Schreiben neu entdeckt.

"Du musst dich immer mit den Besten messen" - Diese Einstellung, die irgendwo ganz tief drinnen sitzt, führt bei mir dazu, dass ich gar nichts hinkriege ... Aber seit ich den Tintenzirkel kenne und weiß, dass ich nicht als erstes den großen Aufklärungsroman der Postmoderne schreiben muss, sondern einfach phantastische Geschichten schreiben darf, weil es mir Spaß macht, ist vieles ein Stück leichter geworden.

LG und eine Umarmung an alle, die gerade an sich zweifeln,
Thaliope
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: et cetera am 14. Oktober 2009, 18:39:42
Nach meiner zweijährigen Schreibblockade habe ich es tatsächlich geschafft, mich selbst davon zu überzeugen, einfach nur für mich zu schreiben und nicht an Veröffentlichung zu denken. Das hat auch gut geklappt, ich habe tatsächlich wieder etwas fertig geschrieben.
Inzwischen habe ich aber festgestellt, dass sich das Problem nur verlagert hat. Jetzt bin ich mit der Geschichte fertig und müsste mich eigentlich ans Überarbeiten machen, aber es will nicht so recht. Denn wenn ich überarbeite, erwarte ich auch, dass das Ergebnis gut wird. Dieser Erwartungshaltung blockiert mich aber wieder so sehr, dass die Geschichte seit Wochen in der hintersten Ecke meiner Festplatte liegt, wo ich sie möglichst selten zu Gesicht bekomme.

Und das Problem ist, dass ich genau weiß: Es ist nicht getan, die Zweifel auch beim Überarbeiten auszuklammern. Denn danach kommt die Rückmeldung durch die Freunde. Ich schätze die Kritik sehr und ich verbessere mich auch jedes Mal dadurch, aber leider habe ich danach auch erst einmal tagelang (im schlimmen Fällen auch länger) den Eindruck, überhaupt nichts zu können.

Ich bräuchte also eine Möglichkeit, den Zweifel nicht nur beim Schreiben, sondern auch beim Überarbeiten und bei den ersten Kritiken auszusperren ... und selbst dann käme der Zweifel vermutlich gerade dann um die Ecke, wenn ich das Anschreiben an den Verlag aufsetze  ;)
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: FeeamPC am 14. Oktober 2009, 18:41:15
Immer, wenn ich Zweifel kriege, setze ich mich hin und lese ein Buch. Irgendeins. Massenware.
Die meisten dieser Bücher sind auch nur mäßiger bis guter Durchschnitt und nicht überragend, und dann sage ich mir immer: So gut kann ich das auch.
Womit der Zweifel erfolgreich kuriert ist.
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Coppelia am 14. Oktober 2009, 18:49:24
Im Moment leide ich sehr unter Zweifeln und habe meine üblichen Methoden schon erschöpft.
Ich muss einfach abwarten, bis der Zweifel weggeht, glaub ich. Dummerweise hindert er mich am Arbeiten.
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Abakus am 14. Oktober 2009, 19:28:45
Zweifel. O ja... kenne ich auch!

Aus jedem Zweifel versuche ich stets das Beste zu machen, was natürlich nicht immer funktioniert. Aber ich bin ein Optimist. Ich versuche manchmal meine Zweifel am eigenen Text zu analysieren. D. h. ich versuche zu erörtern, ob der Zweifel vielleicht doch angebracht ist, also ob der Text vielleicht doch nicht so gut ist wie ich denke.

Zweifel sind meiner Ansicht nach letztendlich auch dafür gut, um einen Autor besser (stilistisch etc.) werden zu lassen. Nun, ein Optimist eben. Für mich ist das Glas immer halb voll! ;)
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Falckensteyn am 22. Oktober 2009, 11:19:28
Ich denke, so spontan wie der Herr Zweifel anklopft, geht er auch wieder. Seit einiger Zeit beherzige ich den Rat, trotz Zweifeln einfach mal weiter zu schreiben. Und das klappt eigentlich ganz gut. Wenn da nur der Zeitfaktor nicht wäre. Je weniger ich mich ins Schreiben stürzen kann, desto öfter klopft Herr Zweifel auch wieder an und stellt das alles in Frage.

Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Moa-Bella am 22. Oktober 2009, 12:45:39
Deswegen brauche ich mit meinen Texten oft ziemlich lange. Wenn mir ein Plot oder eine Formulierung nicht gefällt, bastele ich manchmal Stunden daran herum. Ich bin aber eigentlich froh, dass ich meine Texte kritisch betrachten kann, meine Texte hätten sonst keine Chance gut zu werden. ich habe mal nach der Hälfte eines Buches aufgehört zu schreiben, weil ich gemerkt hatte, dass das alles im Grunde nicht funktioniert und dass es im Grunde Schund ist. War vielleicht ein bisschen spät, aber wenn ich nicht gezwefelt hätte, hätte ich noch mehr Zeit auf das projekt verwendet, anstatt etwas vernünftiges zustande zu bringen.
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Kath am 10. Juli 2011, 00:01:31
Ich befördere diesen Thread mal wieder nach oben, weil auch ich mich momentan mit Zweifeln abplage. Allerdings nicht mit den hier viel genannten Zweifeln, die meine schreiberischen Fähigkeiten als solche umfassen. Viel mehr habe ich das Gefühl, rein ideentechnisch nicht das zu schreiben, was ich eigentlich schreiben will. Ich habe das Gefühl, irgendeinen langweiligen Schund zu tipseln, für den sich eh niemand interessiert und gleichzeitig sehe ich andere Geschichten, denke mir "Wow! Sowas in der Art will ich auch schreiben!" und schaue dann auf meinen bisherigen Text und merke, dass ich in eine ganz andere Richtung arbeite. Und plötzlich kommt mir der Gedanke, alles hinzuschmeißen und etwas ganz anderes zu plotten.

Das einzige, das mich momentan noch davon abhält, ist die "Geschichte hinter der Geschichte", wenn man denn so will. Zum Beispiel habe ich mit meinem aktuellen Projekt ein wahnwitziges Battle gegen Sprotte bestritten, was mir unheimlich Freude bereitet hat und ich fürchte, dass diese Erinnerung an Bedeutung verliert, wenn ich mein Projekt ad acta lege. Genauso motiviert mich auch der TiNoJuliMo, denn weiß ich hier: Um mein Ziel von 50k Wörtern im Juli zu erreichen, kann ich es mir nicht leisten, mich mit einer völlig neuen Idee zu befassen.

Trotzdem bleiben die Zweifel und hindern mich schon den ganzen Tag daran, weiterzuschreiben. Und ich weiß nicht, was ich dagegen unternehmen könnte. Für das hier im Thread vorgeschlagene "Abwarten und sich mit was anderem beschäftigen" fehlt mir, wie ich angedeutet habe, eigentlich die Zeit und das Lesen eines schlechten Romans bringt mir auch nichts, außer neue Ideen, die ich erstrecht nicht gebrauchen kann.

Habt ihr vielleicht irgendwelche Tipps und Strategien, die ihr anwendet, wenn euch Zweifel an eurem eingeschlagenen Weg kommen (und nicht an euren schreiberischen Fähigkeiten)?
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Sprotte am 10. Juli 2011, 00:15:38
1. Ausjammern (machst Du hier schon, und das ist gut so)
2. Freunde/Betaleser, die die Geschichte kennen, mit genau diesen Zweifeln vertraut machen (Ich habe meine Ansprechpartnerin, wenn ich das Gefühl habe, Mist zu bauen, die mit eeeeendloser Geduld die Wogen glättet und meinen Nervbratzenalarm erträgt.)
3. Doch das bisher Geschriebene durchgehen, gute Stellen einfärben, sich merken, sich genau daran erfreuen und sich vornehmen, bei der Überarbeitung den Rest daran anzupassen.
4. Zähne zusammenbeißen, Bauch rein, Brust raus, weiterschreiben. Wenn Du keine Rohfassung schreibst, wirst Du nie überarbeiten, feilen und verbessern können.

Ich habe Kenna auch zweimal an die Wand gefahren. Jetzt hatte ich das Glück, daß sich Nycra des Textes erbarmt hat und mir gnadenlose Kommentare reingeschrieben hat. Nach Roveon ist Kenna mit der Überarbeitung der ersten Hälfte dran. Und dann - Gnaden ihm seine Götter, ich tu es nicht! - schreibe ich den Roman um meinen rothaarigen Krieger zu Ende.

Zweifel an sich sind etwas Gutes. Sie zeigen uns Schwächen (teilweise leider auch da, wo gar keine sind, weil es mal wieder diese Zeit des Monats ist, oder weil privat/beruflich/schulisch zu viel Streß ist oder weil die Gänseblümchen nicht mehr blühen. Whatever!) und verhindern, daß wir in Selbstgefälligkeit versinken. Stillstand ist unser Feind - nicht nur beim Tippen sondern vor allem in der Entwicklung unserer Fähigkeiten.
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Rosentinte am 10. Juli 2011, 10:24:17
Liebe Kath,
Lass dich zuerst mal  :knuddel:.
Mir ging es mit dem TiNo ähnlich, wie du ja mitbekommen hast, ich hatte Mittwoch wirklich mein persönliches Tief, wo ich drauf und dran war alles hinzuwerfen. Dann hätte ich diesen Monat lang wahrscheinlich kaum etwas geschrieben.
Du musst es langsam angehen lassen. Hey, ich lese im Moment auch Terry Pratchett und ich weiß, dass ich längst nicht so gut bin. Ich würde auch gerne so witzige Ideen haben, aber ich weiß, ich kann es nicht. Ich kann nicht lustig schreiben.
Du darfst dich nicht mit anderen Autoren vergleichen. Es sollte dein Ziel sein, so gut zu werden, aber wie man so schön sagt: Der Weg ist das Ziel.

Mir ging es so ähnlich wie dir. Als ich mich im Februar hier angemeldet habe, habe ich direkt total stolz meinen Roman vorgestellt. Und dann kam die gnadenlose und leider auch berechtigte Kritik. Ich habe an der ganzen Idee gezweifelt. An dem, was ich bis jetzt geschrieben hatte, sowieso. Und dann habe noch mal von vorne begonnen. Wirklich, von vorne. Der Plot war verändert, enthielt aber noch den Grundplot und viele Szenen aus der alten Idee.
Wassermelodie wurde in geänderter Form zu meiner ersten vollendeten Geschichte.

Ich habe gelesen, dass du Vielplotterin bist. Vielleicht kannst du aber doch versuchen, den Plot nur ein wenig zu ändern oder spontan zu schreiben. Dann fällt dir vielleicht etwas besseres ein. Oder du beherzigst Sprottes Rat, der auch richtig ist: Schreib, egal was. Überarbeiten und verbessern kannst du später noch. Jetzt wird geschrieben.

Zweifel kommen, aber sie helfen, unsere Fehler zu finden und uns zu verbessern.
LG, Rosentinte
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Wolli am 10. Juli 2011, 10:44:36
Oh Gott, wie ich genau das kenne!
Liebe Kath, es gibt es nur eine einzige Antwort darauf: Schreib es zu Ende!
Überarbeiten kannst du später noch. Du kannst auch die Hälfte der Geschichte wieder umstellen. Aber bitte, schreib die Geschichte erstmal fertig. Oft merkt man dann, dass sie gar nicht so schlecht ist. Mit etwas Abstand filterst du die schlechteren Stellen heraus und kümmerst dich darum. Aber wenn du bei solchen Zweifeln aufgibst, dann bereust du es später.
Ich hab früher bei genau diesem Zweifeln an der Idee überhaupt ALLES wieder umgeschrieben. Selbst wenn da schon 150 Seiten waren. Auf Dauer hat mich das wahnsinnig gemacht, weil ich die Geschichte nie zu Ende geschrieben habe und das tut einem irgendwann nicht mehr gut.
Schreib es zu Ende und hol dir dann Meinungen ein (sagte Sprotte ja schon). Dann arbeite daran. Aber gib jetzt nicht auf, du packst das  :pompom:
Und unter uns: Meistens sind die Ideen gar nicht so schlecht, oft ist es einfach so, dass es hier und da noch an geschliffener Umsetzung fehlt. Und das lässt sich bei der Überarbeitung alles richten  ;)
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Lavendel am 10. Juli 2011, 13:11:04
Ich glaube, diese Zweifel kennt jeder Autor. Ich bin auch grade wieder in dieser Phase (es interessiert keinen, was ich schreibe, alles ist so belanglos und ausgelutscht und außerdem nicht gut genug durchkonstruiert und blaaaaa).

Versuch es von dieser Seite zu sehen: Meistens kommt irgendwann doch ein Punkt, an dem man wieder quietschend vor dem PC sitzt, weil man sein eigenes Buch grade so toll findet. Es ist schrecklich, wenn man in dieser anderen Phase ist, aber das müssen wir einfach aushalten. Meistens ist dieses Gefühl total irrational und hat wenig mit der Realität zu tun.
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Lemonie am 10. Juli 2011, 15:15:18
Oohhh, kenn ich....
Das kann einen echt fertigmachen.

Vor allem, wenn man total enthusiastisch angefangen hat, geschrieben, geschrieben, geschrieben hat und dann denkt: Das ist doch alles sch***
Bisher hab ichs dann immer gelöscht (manchmal - hab ich hinterher immer bereut) oder eben einfach gelassen und was Neues angefangen.
Aber da wurde es dann auch wieder so.

Ich denke nicht, dass ich je irgendwas schreiben werde, bei dem ich diese Phase nicht habe. Aber das ist eigentlich bei allem so, nicht nur beim schreiben. Und die Momente, in denen es einem einfach nur Spaß macht und man sich toll fühlt dabei, die sind es definitiv wert, daran versuch ich ab jetzt zu denken :)

Zitat
Meistens kommt irgendwann doch ein Punkt, an dem man wieder quietschend vor dem PC sitzt, weil man sein eigenes Buch grade so toll findet.

Genau das meine ich. Das Projekt an sich ändert sich von Phase zu Phase gar nicht - nur unsere Stimmung. Seine Gefühle über etwas macht man immer selbst (sagt meine Mutter immer ;) Und die hat meistens Recht). Man muss einfach irgendwie versuchen, trotzdem weiterzumachen.

Ein kleiner Egoboost durch Lob von außen schadet aber auch nie. Für sowas sind nicht - schreibende FreundInnen dann perfekt  ;D
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Feuertraum am 10. Juli 2011, 16:34:03
Zweifel haben nur eine Aufgabe: den Enthusiasmus unter sich zu begraben und jemanden einzureden, dass alles, was er macht, schlecht ist. Zweifel ist Freund und Feind zugleich, weil er einerseits verhindert, dass man eine zu unrealistische Vorstellung von sich hat und meint, dass jedes Wort, jede Idee, jede was weiß ichnoch allesTM absolut fantastisch ist, Nobelpreisverdächtig und man überhaupt ein Genie ist, wie es kein zweites gibt.
Gleichzeitig ziehen Zweifel einen runter.
Wenn ich zum Beispiel eine Bewertung in einer Fernsehzeitung über einen Film sehe, die beschrieben wird mit "Unlustig, lohnt nicht" usw. dann "weiß" ich, dass man genau das auch über meine Stories schreiben wird.
Ich weiß allerdings, dass diese Gedanken nur in meinem Kopf stattfinden.
Und ich weiß, es wird immer Menschen geben, die meine Geschichten doof und Menschen geben, die meine Geschichten toll finden.
Ganz ehrlich, Kath, im Grunde genommen wird man nie wirklich mit einer Geschichte zufrieden sein.
Spätestens nach 4 Wochen wird man sich hinstellen und murmeln: "Ach, Mist, der Sätz hätte so besser geklungen. Hier habe ich was vergessen, was hingepasst hätte, das hätte weggemusst.
Lassen Sie Ihre Betaleser entscheiden, ob es ihnen gefällt.
Beherzigen Sie einen Ratschlag von Anno dazumal, der auch heute noch Gültigkeit besitzt: "Schreiben Sie für den Leser! Ist er zufrieden, haben Sie es richtig gemacht!"

LG
Feuertraum
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Kath am 10. Juli 2011, 18:45:45
Ihr alle habt wahrscheinlich recht, insbesondere Sie, Feuertraum, wenn Sie sagen, dass ich nicht die letzte Instanz bin, die zu entscheiden hat, ob die Geschichte gut ist und gefällt. Es fällt nur so verdammt schwer, etwas zu schreiben, hinter dem man nicht mehr vollständig steht und wenn man beim Schreiben gelegentlich über den Tellerrand schielt und dabei so viele andere tolle Geschichten entdeckt, an die man herankommen will, aber nicht kann und sei es auch nur, weil man einen ganz anderen Ansatz hat und in eine ganz andere Richtung schreibt.

Ich werde mir heute mal einen ruhigen Abend gönnen, nicht daran denken, was und wie ich schreibe und auch nicht, was und wie ich schreiben möchte. Morgen sieht die Sache vielleicht schon ganz anders aus und wenn nicht, dann hilft wohl wirklich nur stures Weiterschreiben.

Vielen Dank für eure Beiträge, die machen doch zumindest ein bisschen Mut. :knuddel:
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Smaragd am 10. Juli 2011, 19:02:20
Die Art Zweifel kenne ich auch. Die musst du aber wirklich beiseite schieben, den inneren Zensor zum Schweigen bringen und stur an deiner Geschichte weiterschreiben. Sonst wirst du es nämlich nie schaffen, etwas fertig zu schreiben. Es gibt ganz unterschiedliche tolle Geschichten und deine gehört sicher auch dazu! Wenn man etwas schreibt, kommt es einem selbst immer ganz anders vor als jemandem, der es später liest.
Die Idee hat dir schon so gut gefallen, dass du die Geschichte geplottet hast und angefangen hast zu schreiben. Das ist das einzige Quaslitätsmerkmal, das für eine erste Version zählt! Kritik kommt später, beim Überarbeiten. Nicht beim ersten Schreiben.

(Und falls dir eine gaaanz tolle andere Plotidee kommt, schreib sie kurz auf und mach dann mit deiner aktuellen Geschichte weiter.)
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: AngelikaD am 10. Juli 2011, 19:40:42
Das Gefühl kenne ich sehr gut.
Daher habe ich mich seitdem ich mit meinem aktuellen Fantasyprojekt arbeite (seit gut eineinhalb Jahren) nichts mehr in der Richtung gelesen.
Nur noch Sachbücher oder eben andere Genres. Ich weiß, dass mich gute Ideen anderer verleiten können "sowas" schreiben zu wollen anstatt mein aktuelles Projekt durczuziehen.
Aber wenn ich irgendwann mal fertig sein will, dann darf ich mich nicht verunsichern oder ablenken lassen. Ist schwer genug, wenn man über so viele tolle Bücher stolpert.
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Rigalad am 10. Juli 2011, 19:44:15
Tolle Bücher können aber auch inspirieren. Wenn ich schlechte Phasen habe, hilft es mir, ein gutes Buch zu lesen, weil es meine Kreativität wieder weckt. Natürlich denke ich auch oft: Warum kannst du nicht so gut schreiben?
Aber auf der anderen Seite kann es auch den eigenen Ehrgeiz wecken, irgendwann einmal daran anknüpfen zu können.
Außerdem, Zweifel hin oder her, möchte ich ja sehen, was die Konkurrenz so treibt. :)
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Drachenfeder am 11. Juli 2011, 07:24:02
"Wenn der Zweifel an die Tür klopft" ?? Das kennte ich nur zu gut und viel zu oft. Gute Bücher haben mir bisher nicht so gut geholfen. Am besten Hilft mir ein Gespräch mit einer vertrautren Person die ebenfalls schreibt oder durch und durch Kreativkopf ist. Da kann wirklich beflügeln. Ich brauche immer ein wenig Mut gemacht bekommen und einen kärftigen Tritt in den Hintern. Aber Zweifel werden mich immer und ewig begleiten  :-\
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Antonia Assmann am 11. Juli 2011, 09:47:00
"Wenn der Zweifel an die Tür klopft" ?? Das kennte ich nur zu gut und viel zu oft. Gute Bücher haben mir bisher nicht so gut geholfen. Am besten Hilft mir ein Gespräch mit einer vertrautren Person die ebenfalls schreibt oder durch und durch Kreativkopf ist. Da kann wirklich beflügeln. Ich brauche immer ein wenig Mut gemacht bekommen und einen kärftigen Tritt in den Hintern. Aber Zweifel werden mich immer und ewig begleiten  :-\

Das kann ich nur so unterschreiben- ich bin gerade wieder mitten drin im Tal der Zweifel. Ich habe diesen Thread sehr aufmerksam gelesen und mir wirklich überlegt, was mir immer so hilft. Also eins ist, wirklich einfach weiterzuschreiben.
Also wie damals, als man in der Schule ein neues Heft anfing und die erste Seite immer besonders ordentlich geschrieben hat.
 Ich denke mir, wenn ich wieder an dem Punkt "Das alles Mist" angelangt bin,  "Okay, das ist alles doof, aber die Geschichte an sich ist gut. Also vergiss, was du bisher geschrieben hast, das kannst du demnächst überarbeiten. Fang jetzt an diesem Punkt an ordentlich und gut zu schreiben."
 Wie gesagt, wie das neue Heft in der Schule. Man konzentriet sich, man bemüht sich. Die Sätze gefallen einem, man fühlt sich wieder ganz ordentlich an und plötzlich, oh Wunder- wenn man hinten was nachschauen muss, stellt man fest, dass es garnicht so schlecht war, was man da verbrochen hat.
Aber der Zweifel kehrt natürlich mit Regelmäßigkeit zurück und man ist schon wieder an dem Punkt.... Aber das macht ja nichts- umso mehr Zweifel, desto öfters auch ein konzentrierter "Neubeginn"- bedeutet also weniger Überarbeitung am Ende!

Liebe Grüße
Antonia :winke:
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: zDatze am 11. Juli 2011, 10:06:49
Zweifel, Zweifel, überall Zweifel. Lass dich davon nicht runterziehen, Kath! :knuddel:
Ich weiß jetzt zwar nicht, mit wessen Geschichte du die deine verglichen hast, aber ich finde, dass so ein Vergleich immer sehr krumm ist. Wenn du einen veröffentlichten Autoren heranziehst, dann kannst du schon fast davon ausgehen, dass er um einiges mehr Erfahrung und Schreibübung hat als du. Außerdem wurde der Text sicherlich x-mal überarbeitet und durch ein Lektorat gejagt. Du selbst sitzt noch bei deiner Rohfassung. Und eine Rohfassung und einen druckfertigen Text kann man auch absolut nicht vergleichen, finde ich.
Von daher: Schreib fertig! Dein Text ist nur ein Grundstein. Und wenn der Grundstein wirklich nichts taugt, dann kannst du dich an einem neuen versuchen. Aber um das halbwegs objektiv einschätzen zu können, brauchst du einen fertigen Text und ein paar Wochen/Monate Abstand. ;)
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Sanjani am 11. Juli 2011, 12:14:16
Was mir bei Zweifeln manchmal hilft, ist einen älteren Text von mir zu lesen, von dem ich früher überzeugt war, dass er gut war. Dazu muss man natürlich erst mal so einen Text haben. :) Aber meist finde ich diesen Text dann immer noch gut und das beflügelt mich ein bisschen.

LG Sanjani
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Drachenfeder am 11. Juli 2011, 13:25:32
Stimmt, soetwas habe ich auch schon erlebt. Oder man findet den alten Text gar nicht mehr gut und hat das große Bedürfnis ihn neu zu schreiben.
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Artemis am 11. Juli 2011, 13:44:35
Ganz ehrlich: Ich zweifle lieber, als falschem Stolz zu verfallen. Denn nur wenn ich an mir zweifle und kritisch bin, kann ich mich verbessern. Würde ich immer alles gut finden, was ich fabriziere, dann wäre das die Situation Soll=Ist - und mal ehrlich, wann erreicht man die denn wirklich?

Meistens ist es bei mir so, dass ich nach der Rohfassung noch relativ begeistert bin, ehe mich Betas zurück in die Ecke schmettern. Da liege ich dann ein paar Tage und heule Rotz und Wasser, hasse mich und die ganze Welt und nehme mir vor, nie wieder was zu schreiben, bis ich dann irgendwann wieder rauskrieche, die Nase putze und von vorne anfange, um es besser zu machen. Tut weh, ja, aber irgendwie auch gut.
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Lavendel am 11. Juli 2011, 14:29:33
Meistens ist es bei mir so, dass ich nach der Rohfassung noch relativ begeistert bin, ehe mich Betas zurück in die Ecke schmettern. Da liege ich dann ein paar Tage und heule Rotz und Wasser, hasse mich und die ganze Welt und nehme mir vor, nie wieder was zu schreiben, bis ich dann irgendwann wieder rauskrieche, die Nase putze und von vorne anfange, um es besser zu machen. Tut weh, ja, aber irgendwie auch gut.

Ach du! :knuddel:
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Amber am 11. Juli 2011, 15:01:54
@ Artemis: Das ist ja ganz heftig :( Ich finde, allein für die Arbeit, eine Rohfassung fertiggestellt zu haben, kann man sich mal auf die Schulter klopfen.
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Pety am 11. Juli 2011, 15:04:52
Ich bin ja noch nicht so lange dabei, irgend etwas von mir zum Lesen frei zu geben, geschweige denn veröffentlichen zu wollen. Eben, weil ich ständig an mir gezweifelt habe.
Nun habe ich gelernt, wenn ich von meinem Werk begeistert bin, dann halte ich mich meinen Betalesern gegenüber zurück und warte ab, was die dazu sagen. Zweifle ich schon im Vorfeld, bekommen die es gleich mit meiner eigenen, schlechten Meinung kommentiert, zum lesen.
Zweifle ich doch zu sehr an dem, was ich da geschrieben habe, dann lese ich mir deren positive Meinungen und "Streicheleinheiten" genüßlich noch einmal durch und schreibe um.
Oder ich lege es erst einmal, für 1-3 Tage, ganz auf die Seite, fange etwas Neues an oder lese ein gutes Buch.
Ich denke, wenn ich nicht ab und zu an dem zweifle, was ich da mache, dann schreibt vorwiegend der Kopf und nicht das Herz ;)
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Artemis am 11. Juli 2011, 18:31:29
Ach du! :knuddel:

Sollte jetzt kein Seitenhieb in deine Richtung sein, Liebes  :knuddel:
Es ist einfach so, dass man bei Kritik immer erst mal etwas moralische Schräglage hat. Das dauert dann seine Zeit, bis man einsieht, dass der Kritiker doch irgendwie Recht hat. Und schon verwandelt sich die anfängliche Enttäuschung neue Motivation. Man muss einfach immer einmal öfter aufstehen, als man hinfällt, nur so kommt man voran  :)

@ Amber: Klar ist man stolz, und das soll auch so sein. Aber kaum etwas, das gerade fertig wurde, ist wirklich reif. Der Feinschliff machts, und dafür müssen eben beide Parteien bluten - Autor und Buch  ;)
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Hanna am 12. Juli 2011, 12:00:12
Ich zweifle seit gestern auch ganz gewaltig und blöderweise geht es mir nicht aus dem Kopf. Ich weiß eigentlich ganz genau, dass diese Woche denkbar schlecht dafür geeignet ist, irgendetwas Schriftstellerisches zu tun (sei's Überarbeiten, Schreiben oder Bewerben), da ich genug zu tun habe. Habe alleine Stallwache im Büro, muss die Bude auf Hochglanz polieren und habe nebenbei den Zwerg. Ich müsste auch endlich Urlaub buchen und noch viele tausend Dinge mehr. Trotzdem denke ich die ganze Zeit: du musst neue Bewerbungen rausjagen! Gleich gefolgt von: was soll's. Dich will doch eh keiner. Zum Verrücktwerden.
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Drachenfeder am 12. Juli 2011, 14:41:33
Ach Hanna, dass ist eine unangenehme Situtation  :knuddel: So viel zu tun, so viel zu wollen, so viel müssen und das wollen kommt ganz zum Schluss an die Reihe, so ist es leider immer. Finde erst einmal eine ruhige Minute und versuche "runter" zu kommen. Wenn der Stress dich sonst zu sehr packt bringt das auch deinen Bewerbungen nichts. Kopf hoch!
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: caity am 12. Juli 2011, 16:00:44
Liebe Hanna,

Bei deiner Situation ist mir sofort ein Bibelvers durch den Kopf gehuscht:
"Alles hat seine Zeit
und jegliches Vornehmen
unter dem Himmel seine Stunde."
Prediger 3,1

Mach dich nicht verrückt. Vielleicht sind die Agenten und Lektoren einfach noch nicht bereit für deine genialen Geschichten. Aber verlier deshalb nicht den Glauben an dich selbst.

Zitat
du musst neue Bewerbungen rausjagen! Gleich gefolgt von: was soll's. Dich will doch eh keiner.

1. Nein, Hanna, du musst nicht!
2. Irgendeiner da draußen will dich und deine Geschichten hundertpro!

Bye
caity
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Sorella am 12. Juli 2011, 18:54:29
Ach Hanna, ich fühle mit dir.  :knuddel:
Du weißt ja, das Absagen vielfältige Ursachen haben können, auf die du gar keinen Einfluß hast. Es ist mMn eine Art Glücksspiel, man kann nur oft genug spielen - evtl. auch mit anderen Varianten - um irgendwann vielleicht einen Treffer zu landen. Du bist auf alle Fälle nicht allein!

Ich haue deinen Selbstzweifel jetzt klein  :pfanne:
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Hanna am 12. Juli 2011, 21:28:10
Ihr seid lieb.  :) Als ich vorhin meinem Sohn die Zähne geputzt habe, tippt er mir gegen die Stirn und sagt: "Mama, du hast da Falten." Ja, soweit ist es schon gekommen.  :'( Ich sollte langsam wissen, dass diese Phasen vorübergehen. Ich habe sie ja oft genug. Aber ich danke euch von Herzen für eure Worte.
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Malinche am 12. Juli 2011, 21:31:33
Hanna: Lass dich  :knuddel:. Am Freitag spülen wir diese ganzen blöden Zweifel mit einem ordentlichen peruanischen Cocktail weg. Du wirst sehen, der wirkt Wunder. Lass bloß nicht den Kopf hängen!
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Franziska am 12. Juli 2011, 22:15:39
Hanna :knuddel: es geht bestimmt wieder vorbei. Ich bin auch fest davon überzeugt, dass es mit dir und einer Agentur noch klappt. Wenn es dich jetzt zu sehr mitnimmt, Absagen zu bekommen, mache eine Pause. Nicht dass du noch den Spaß am Schreiben verlierst. 
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Hanna am 12. Juli 2011, 22:19:22
Jaa, ich bekomme auf Facebook gerade von meinen Fans mein Talent um die Ohren gehauen  :rofl: und drücke mich in meinem Selbstmitleid davor, die Küche zu putzen. Ach, ich seid alle so lieb!  :knuddel:
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Eluned am 12. Juli 2011, 22:46:11
Hallo Hanna und ihr anderen,
würde Dir, Hanna ja gern auch was tröstendes oder helfendes sagen, aber ich stecke gerade selber auch in solch einer Phase. Und das obwohl ich gerade eine supertolle Rückmeldung von einer Leserin bekommen habe, wirklich besser geht es gar nicht, aber was tut die Schere im Kopf? Natürlich, zensieren, runtermachen. "Die meint es nur gut. Die hat eben nicht so viel Ahnung."
Sie schreib, dass sie bisher immer müde geworden ist, wenn sie Bücher beim Bahnfahren zur Arbeit gelesen hat, aber bei meinem sei es nicht so, im Gegenteil und es sei so leicht zu lesen "logisch, also platt und naiv!" sagt mein fieses Ich in mir. Ist doch schlimm, wenn man sich so fertig macht.
Dabei sollten einem doch in erster Linie die Geschichten und Bücher selber gefallen, oder? Aber man möchte ja auch verkaufen und Leser gewinnen. Ein mieser Kreislauf. Und ehrlich, ich finde, was andere schreiben meistens viel besser und gewählter, als mein Geschreibsel.
Ich wünsch Dir, Hanna, jedenfalls ein "Kopf hoch". Das Exposé was ich von Dir gelesen habe, fand ich jedenfalls spannend.
Allen eine gute Nacht, und viele Grüße, Eluned
 
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Shin am 12. Juli 2011, 23:27:51
Ich geselle mich mal mit in diesen Thread.
Ich hatte seit Anfang der Woche extreme Selbstzweifel. Ich bin eher der Typ, der lästige Dinge unnötig aufschiebt, doch dieses Mal ging es um das Schreiben, etwas das ich liebe und dennoch aufgeschoben habe. Im Moment nicht konnte.
"Das schaffst du sowieso nicht."
"Überlass das den Großen."
"Bleib lieber beim Wunschdenken."
"Sei ehrlich zu dir: Das packst du nie!"
So und so ähnlich klang es in meinem Kopf. Seien wir ehrlich, ich habe geweint, weil mir wegen eines Fehlers plötzlich alles zu viel wurde und alles aufgebrochen ist. Als hätte mir der Stress der letzten Wochen, den ich bis dahin in meinem Kopf verbannt hatte, mit einem Mal aufs Gemüt gedrückt.

Und dann bin ich eben an meinen PC gegangen und hatte zu einer hochgeladenen Fanfic 4 Kommentare von der gleichen Person, die sich echt unheimliche Mühe gemacht hat, mir auf jedes einzelne Kapitel zu antworten. Unter anderem:
Zitat
- Haaah, einfach toll wie du diese Geschichte schreibst.
Hin und weg und ich kann mich so gut in seine Gedankengaenge einfinden, irgendwie finde ich einige Angewohnheiten und Charakterzuege in mir wieder.
- Herrlich, bin schon von den ersten paar Zeilen eingenommen (: !
- Jaaa diese Gefuehle kenn ich nur zu gut.. 'seufz' Mensch, ich liebe es wie du schreibst, da seh ich mich schon selbst in der Geschichte.. >w< Wuuui.
- Oohh man, dieses Kapitel fang ich mit 'ner richtigen Vorfreude an zu lesen !! wuuhuu
Es ist zwar ein wenig kurz, aber verdammt schoen und waaaahh !!
Du machst mich wahnsinnig, diese Gedanken, solche Gefuehle. >_<
Ernsthaft ich bin echt geruehrt und got Sandy ist ja so ein lieber Kerl.

Ich war einfach nur baff!! (und 2 Kommentare kommen noch, sie wollt' mir zu jedem Kappi eins schreiben!  :vibes:)
So etwas habe ich mir schon immer gewünscht: Ein Leser, der sich in meine Charaktere reinfinden kann, sich vielleicht selbst erkennt und sich dann auch noch die Zeit nimmt, mir das auch mitzuteilen!  :bittebittebitte:
Das hat mich wieder so aus dem Loch geholt, unglaublich! Jetzt ist die Antwort, weshalb ich schreibe, wieder ganz deutlich da.

(Mensch so lang!  :d'oh:)
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: moonjunkie am 19. Juli 2011, 10:09:54
So ein Zweifelbesieger ist doch Gold wert, Shin. Schön! :jau:

Puh, ich bin auch mal wieder vom Zweifel gepackt worden. Habe eben mein Ende umgeschrieben, noch nicht ganz fertig, aber es gefällt mir irgendwie überhaupt nicht. Die Spannung fehlt und überhaupt. Klar, ich hab noch gar nicht überarbeitet aber ich finde es ist überhaupt keine Basis um noch was schönes draus zu basteln. Menno und dann fand ich alle Geschichten die ich in letzter Zeit beta gelesen hab, viel toller und interessanter als meine. Ich finde meine gerade sehr langweilig.

Mist. Das Problem ist ja bei mir immer, dass ich die Sachen dann unbedingt schnell fertig haben möchte. (Das geht vermutlich nicht nur mir so, ich weiß). Und jetzt ist irgendwie überhaupt kein Ende in Sicht.  :brüll:

Vielleicht sollte ich was anderes schreiben... aber ich will diese Geschichte doch fertig haben und ich mag Teile davon doch sehr. Kann meine Figuren doch nicht so im Stich lassen...
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Grey am 19. Juli 2011, 10:24:34
Mein Rat: Schreib es fertig und schließ damit ab. Dann schreib was anderes, das viel viel besser ist. Das hilft, ehrlich! :knuddel:
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Rosentinte am 19. Juli 2011, 10:29:29
moonjunkie, mir ging es am Ende genauso wie dir. Ich wollte einfach nur noch fertig sein, mich nicht mehr mit der Geschichte "belasten". Das habe ich dann auch getan und vier oder fünf Szenen "vergessen". Aber ganz ehrlich: Das Triumphgefühl war es wert. Schreib einfach zu Ende und öffne die Datei ein paar Wochen lang nicht mehr. Und einfach nur genießen, was man geschafft hat! (das ist nämlich wirklich enorm)
LG, Rosentinte
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Sorella am 19. Juli 2011, 10:42:17
Ich finde meine gerade sehr langweilig.

Mist. Das Problem ist ja bei mir immer, dass ich die Sachen dann unbedingt schnell fertig haben möchte. (Das geht vermutlich nicht nur mir so, ich weiß). Und jetzt ist irgendwie überhaupt kein Ende in Sicht.  :brüll:
Mir geht es gerade exakt genauso. Gestern habe ich bei Sol Stein gelesen, dass man die schwächsten Szenen streichen sollte. Aber was tut man, wenn man ganze Kapitel schwach findet?

Ich kann dich also nicht wirklich aufbauen, nur mitleiden. Ich will jeden Tag das ganze Manuskript wegwerfen, am nächsten Tag bastel ich doch wieder weiter daran herum.
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: zDatze am 19. Juli 2011, 11:17:35
Zitat
Aber was tut man, wenn man ganze Kapitel schwach findet?
Hm. Herausfinden, woher diese Schwäche kommt, würde ich sagen. Wenn das Bauchgefühl sich meldet, dann hat es meistens doch einen Grund. (Auch wenn man ihn nicht sofort findet.) Du könntest auch einen Betaleser deines Vertrauens fragen, ob er in dem Kapitel ein grobes Problem entdecken kann. :)

Dass man andere Geschichten besser findet, als das eigene Geschreibsel ist, glaub ich, sehr weit verbreitet. Ich finde andere Geschichten auch meistens besser und mag dann meine nicht mehr so recht, weil mir alles platt und doof vorkommt. Ich denke mir dann aber immer: Das ist eine Rohfassung und die darf platt und doof sein. Mir hat der Gedanke schon aus so manchem Schreibtief geholt.
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Runaway am 19. Juli 2011, 11:37:07
Aber was tut man, wenn man ganze Kapitel schwach findet?
Brutal werden und sie streichen oder umarbeiten. Ich bin mittlerweile bei allem, was mich nicht überzeugt, rigoros. Das ereilt dann mitunter auch halbe oder ganze Geschichten. Bereut habe ich es noch nie!
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Feuertraum am 19. Juli 2011, 12:14:30
Mir geht es gerade exakt genauso. Gestern habe ich bei Sol Stein gelesen, dass man die schwächsten Szenen streichen sollte. Aber was tut man, wenn man ganze Kapitel schwach findet?

Es gibt diesen netten sympathischen Witz: "Ich habe soviel über die negativen Auswirkungen von Zigaretten, Alkohol und Sex gelesen, dass ich beschlossen habe, das Lesen aufzugeben."

Für mich persönlich ist Sol Stein einer jener Schreibratgeberautoren, die mit Vorsicht zu genießen sind (ja, ich weiß, damit bringe ich massig Sol Stein Fans in Rage).
Die Frage ist ja: was ist schwach?
Ich kann und werde das wiederholen, was ich schon Kath geschrieben habe: Das Publikum entscheidet. Klar kenne ich wie Sie auch den "inneren Zensor", der alles niedermacht, einen klein zu halten versucht und scheinbar nie müde wird zu betonen, das jeder andere doch besser ist als man selber.
Ich hasse diesen Kerl, und er hasst mich.
Manchmal schafft er es, mich runterzuziehen.
Doch dann kommen manchmal die Meinungen von 10, 15, 20 Leuten, die sagen: "Alter, geil, was du da geschrieben hast. Fette Ideen, abgedreht, lässig geschrieben, zieht einen in den Bann. Mehr davon. Jetzt! Sofort! Auf der Stelle! Sonst gibbet  :pfanne:
Und wenn ich dann diese 10, 15, 20 Leute auf die eine Seite der Waagschale lege und den einen inneren Zensor auf die andere...ich mein, das Ergebnis dürfte klar sein - der Zensor verliert ( :ätsch:)

Ich weiß, das ganze ist schwer. es ist sogar sehr schwer.
Aber es gibt einen Weg, wie man den Zweifler in sich einschränken kann: Sollte er wieder auftreten, halten Sie mit ihm Zwiesprache und - machen ihn lächerlich.
Was kann er schon großartig: Ihre Arbeit schlechtmachen. das ist das einzige, was er hinkriegt! kann er so wie Sie Geschichten schreiben? Kann er so wie Sie Fantasie einsetzen? Kann er so wie Sie (und natürlich jedem anderen von uns) den Leser mitfiebern, mitleiden, mitlachen lassen?
Antwort: Nein!
Er kann nur schlechtmachen. Peinlich für ihn, oder?
Sie (und auch die anderen Autoren) können so viel mehr.
Darum: Jedesmal, wenn er auftaucht, den Zensor zur Brust nehmen und ihm um die Ohren hauen, was er für ein Loser ist und das man viel, viel, viel besser ist als er einem verzweifelt einzubleuen versucht.

Und wissen Sie, was das Fatale an dieser Übung ist: Sie ist wie das Schreiben. Am Anfang schwächelt man, aber je öfter man schreibt, umso besser wird man. Und so ist es auch mit der Übung. Am Anfang ist man noch zurückhaltend und schüchtern und lässt dem Zweifler in einem die Oberhand. Doch je öfter Sie ihn in seine Schranken weisen...um so kleiner und leiser wird er.

Von daher: Zähne zeigen. Ärmel hochkrempeln und weitermachen!

LG
Feuertraum
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: moonjunkie am 20. Juli 2011, 10:42:18
Ach Sorella, ich weiß ja nicht, was Du jetzt verändert hast und woran Du gerade feilst, aber mir gefiel die erste version schon so super, dass Du das bestimmt hinbiegst.

Was ich jetzt gemacht habe: zuende geschrieben. nochmal durchgelesen - gemerkt - es hat vielleicht noch Potenzial. Datei ausgedruckt, weggelegt. Irgendwann diese Woche werde ich anfangen den Ausdruck zu lesen. Es ist ja nur das Ende neu, da ist es wieder einigermaßen frisch, wenn ich da ankomme. Dann überarbeiten. Dann wieder bewerben.

Wenn alle Agenturen und Verlage auf meiner Liste abgesagt haben, werde ich es in die Schublade legen und was neues schreiben.

Aber bei Dir sieht der Fall ja anders aus, Sorella. Sie haben doch schon Interesse gezeigt. Das kriegst Du auf jeden Fall hin, wenn Du willst kannst Du's ja nochmal ein paar betalesern schicken, oder schick mir das eine Kapitel, was Dich wurmt und ich mach mal Kommentare dazu. Vielleicht entdeck ich ja das Problem.
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Sorella am 22. Juli 2011, 10:02:30
Von daher: Zähne zeigen. Ärmel hochkrempeln und weitermachen!

Jawoll! Diesen Ratschlag habe ich beherzigt und auch den Schreibratgeber beiseite geworfen. Nichts gegen Herrn Stein, aber Feuertraum hat Recht, ich mache mich in dieser Phase nur verrückt damit.

Vielen Dank für die tollen Ratschläge, mir hat schon alleine geholfen, dass jemand mein Problem ernst nimmt. Ich habe einen Hilferuf an Dani, der liebsten Betaleserin der Welt abgesetzt und sie hatte noch gar nicht geantwortet, habe ich schon einiges weiterschreiben können (und sie antwortet wirklich schnell  ;D). Es scheint also tatsächlich eine psychische Kiste bei mir zu sein.

@moon Dein Angebot nehme ich gerne an, du hast Mail  ;) Und danke für die aufbauenden Worte. Es ist gut zu wissen, dass man nicht alleine ist. Wenn du willst, lese ich auch gerne mal den Teil, mit dem du noch nicht ganz zufrieden bist. Ich bin auch der Meinung, dass du den Text nicht aufgeben solltest.

Habe ich schon mal gesagt, dass ihr alle ganz tolle Forumskollegen seid? :gruppenknuddel:
Bis zum nächsten Mal an dieser Stelle, denn der Zweifel kriegt uns alle - früher oder später *HöHöHö*
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Pestillenzia am 23. Juli 2011, 10:58:07
Ich geb mir gleich mal selbst die  :pfanne: , weil ich mich schon wieder um das Schreiben herumdrücke. Die ganze Zeit, wenn ich etwas anderes zu tun habe, freue ich mich darauf, endlich an meinem Ewigkeitsprojekt weiterarbeiten zu können und wenn es dann so weit ist, mache ich alles mögliche, nur um nicht schreiben zu müssen.

Und warum? Weil ich zum einen von meinen 300 Seiten mindestens 150 in die Tonne treten kann (wenn nicht noch mehr) und zweitens wieder das kleine Männlein mit der Donnerstimme in meinem Kopf herumschleicht und dann sämtliche Synapsen nur Parolen wie "Guck dich doch mal im Forum um, die sind alle viel besser, das schaffst du nie" - "Gib doch gleich auf" - "Laaaangweilig" - "Stümper" - "Das Buch will doch eh keiner lesen, abgesehen davon wird es nie fertig" übertragen.

Ich hab es gerade mit einer gehörigen Portion Nutella versucht, aber so recht funzt es nicht. Selbst wenn ich einen Motivationsschub bekomme, wieder ein paar Seiten zustande bringe und mir währenddessen tatsächlich die inneren Ohren zuhalten kann - es kommt der Moment, an dem die Ohrenstöpsel rausfallen und schon höre ich wieder "Uaaarrgggg.... so ein Riesenschmarrn... und soooo schlecht..." 

Und weil ich grundsätzlich nur negative Kritik glaube und bei positiven Rückmeldungen immer denke, dass das sowieso nur gut gemeinte nette Worte sind, weil man dem hoffnungslosen Schreiberling ja die Illusionen nicht nehmen und schon gar keine Kritik üben wil, deshalb blähen sich die Zweifel immer weiter auf...  :brüll:
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Grey am 23. Juli 2011, 14:05:22
Und weil ich grundsätzlich nur negative Kritik glaube und bei positiven Rückmeldungen immer denke, dass das sowieso nur gut gemeinte nette Worte sind, weil man dem hoffnungslosen Schreiberling ja die Illusionen nicht nehmen und schon gar keine Kritik üben wil, deshalb blähen sich die Zweifel immer weiter auf...  :brüll:

Du hast definitiv die falschen Testleser. ;)
Negative Kritik ist völlig nutzlos. Ausschließlich positive Rückmeldungen auch. Konstruktiv, das ist alles was zählt. Was natürlich nicht heißen soll, dass ein guter Testleser auch mal loben darf, wenn eine Stelle im Text besonders schön ist. :)
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Sanjani am 23. Juli 2011, 14:25:04
Hallo zusammen,

ich glaube, man muss hier zwischen verschiedenen Zweifeln unterscheiden.

Der eine ist der gesunde Zweifel, der einen dazu antreibt weiterzuschreiben, sich zu verbessern. Den brauchen wir, sonst würden wir ja gar nichts mehr an unseren Texten ändern wollen und uns über jegliche Betakritik erhaben fühlen.

Der andere, der uns am Schreiben hindert und uns lähmt, ist der kranke. Dem können wir aber auch begegnen. Feuertraum hat uns ja schon gezeigt, wie das geht.

Ich habe letztens ein Buch über die Praxis der kognitiven Psychotherapie bei Depressionen gelesen. Dachte, nachdem die Ausbildung erst im Oktober beginnt, ich aber gern nen Job möchte, hilft mir das vielleicht weiter.
Auf jeden Fall wird depressiven Patienten dort u. a. beigebracht, Bewältigungskarten zu schreiben. Dort schreibt man zuerst den Gedanken auf, der einen depressiv macht bzw. in die Zweifel treibt o.ä. Und dann entwickelt man eine Antwort darauf, wie Feuertraum es gemacht hat. Die Antwort muss aber zu einem persönlich passen, damit sie auch wirklich weiterhilft.

Wenn z. B. der Gedanke kommt: "Das Buch will eh keiner lesen" könnte ich dazu folgendes antworten:

Stimmt nicht, denn ich hatte schon mehrere Betas, die es lesen wollten. Außerdem kann ich das Buch so gut machen, dass es ganz viele lesen möchten. Und so langweilig ist die Geschichte auch nicht, denn diese oder jene Idee ist neu und ich habe sie in noch keinem anderen Werk in dieser Art entdeckt. Beta X hat dazu geschrieben, dass sie neidisch ist, weil ihr so etwas Tolles nicht eingefallen ist (das hat mir wirklich mal eine Beta geschrieben und würde ich auf meine Karte schreiben).

Und bevor man sich zum Schreiben hinsetzt, kann man diese Karte lesen um die positiven Gedanken zu stärken. Die negativen kommen ja oft automatisch und man muss erst wieder lernen die negativen Gedanken durch positive zu ersetzen, bis die positiven automatisch kommen.

Vielleicht hilft dieses Vorgehen ja dem einen oder anderen weiter. Selbiges kann man natürlich auch machen bei Gedanken, die den eigenen Erfolg schmälern, z. B. Die meint es ja nur gut mit mir.

das tückische an solchen Gedanken ist ja, dass sie oft die Realität verzerren oder nicht richtig wiedergeben. Und wenn sie doch mal stimmen, kann man sich auch die Frage stellen, was einem dieser Gedanke jetzt nützt. Z. B. zu denken, dass das eigene Buch eh langweilig ist, nützt mir nicht wirklich was, weil die Konsequenz daraus ist, dass ich das Buch aufgebe und andererseits aber auch traurig bin, weil ich vielleicht schon gern was schreiben möchte. Ohne diesen Gedanken würde ich aber vielleicht genau das tun und das bietet mir wiederum die Chance mich weiterzuentwickeln und gleichzeitig meiner Leidenschaft nachzugehen.

So, ich hoffe, das hilft dem einen oder anderen vielleicht ein bisschen weiter. Ich überlege zur Zeit mir auch solche Karten zu machen und mal zu schauen, inwiefern sie mir weiterhelfen.

LG Sanjani
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Pestillenzia am 23. Juli 2011, 18:42:33
Du hast definitiv die falschen Testleser. ;)
Negative Kritik ist völlig nutzlos.

Da hab ich mich unklar ausgedrückt. Mit negativer Kritik meinte ich den Zweifler in mir, der mir ständig flüstert, dass das alles brotloser Quark ist, den ich schreibe.

Wobei - es gibt Foren, da brüsten sich die Mitglieder damit, besonders "hart" mit anderen ins Gericht zu gehen.
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Feuertraum am 23. Juli 2011, 19:05:43


Der andere, der uns am Schreiben hindert und uns lähmt, ist der kranke. Dem können wir aber auch begegnen. Feuertraum hat uns ja schon gezeigt, wie das geht.

Ich habe letztens ein Buch über die Praxis der kognitiven Psychotherapie bei Depressionen gelesen. Dachte, nachdem die Ausbildung erst im Oktober beginnt, ich aber gern nen Job möchte, hilft mir das vielleicht weiter.
Auf jeden Fall wird depressiven Patienten dort u. a. beigebracht, Bewältigungskarten zu schreiben. Dort schreibt man zuerst den Gedanken auf, der einen depressiv macht bzw. in die Zweifel treibt o.ä. Und dann entwickelt man eine Antwort darauf, wie Feuertraum es gemacht hat. Die Antwort muss aber zu einem persönlich passen, damit sie auch wirklich weiterhilft.

Sanjani hat natürlich recht. Ich habe den Fehler gemacht, mehr oder minder einen Allgemeinplatz zu wählen, um meine "Hilfe" näher zu bringen. Sie hat es genau auf den Punkt gebracht, was die Individualität angeht. Kompliment! :D
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Merrit am 23. Juli 2011, 19:08:26
*geändert wegen Missverständnis*

Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Grey am 23. Juli 2011, 19:16:54
Na super, jetzt hast du allen anderen ein für alle mal die Möglichkeit genommen, den Satz so zu lesen, wie er gemeint war ... :seufz:
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Nuya am 23. Juli 2011, 20:47:10
Du hast definitiv die falschen Testleser. ;)
Negative Kritik ist völlig nutzlos. Ausschließlich positive Rückmeldungen auch. Konstruktiv, das ist alles was zählt. Was natürlich nicht heißen soll, dass ein guter Testleser (nicht) auch mal loben darf, wenn eine Stelle im Text besonders schön ist. :)
Seh ich genauso. Ich bin eine direkte Person - in eigentlich allem, was ich tue. Ich schreibe meine Kommentare in einen Text ohne unnötige Smilies oder "Weichmacher". Aber natürlich kann ich auch mal positiv aus der Reihe fallen, das ist nötig und wenn es angebracht ist, geschieht es ja wie von allein und ist kein "Ich muss jetzt nett sein."-Motiv.

Was die Zweifel angeht, ich halte meine Sachen oft solange für gut, bis sie von jemandem gelesen wurden. Dann fallen natürlich immer Stellen auf, die nicht rund sind oder ähnlich. Oft fasse ich beta gelesene Texte für Wochen nicht an, weil mich die immense Bearbeitung abschreckt oder weil ich mich erst mit der Zeit an die Kommentare heranzuwagen traue.
Aber Texte die direkt ins Herz gehen, die vom Testleser direkt als gut gewertet werden, räumen die kleinen und großen Zweifel recht schnell aus. Hält sich bei mir glücklicherweise die Waage. :)
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: HauntingWitch am 09. Oktober 2011, 16:19:51
Ich sehe, ich bin nicht die einzige mit dem Problem. Vor kurzem habe ich von einem Autor gelesen "mit den ersten Absagen kamen dann auch die Selbstzweifel" und ich dachte nur so: Erst mit den ersten Absagen?! Die haben sich bei mir schon viiel früher eingestellt und klopfen immer mal wieder gerne an die Tür. Zum Glück ist mein Gehirn da weitgehend shift-fähig, so dass ich dann zwischenzeitlich zu einem anderen angefangenen Text wechseln kann, bis es mir in Bezug auf den bezweifelten Text wieder besser geht.

@Nuya: Mir ist letztens das genaue Gegenteil passiert. Ich hielt meinen Text für zu banal und schlicht zu wenig gut, bis meine Testleserin mir ein total begeistertes Feedback gegeben hat. Natürlich hatte sie auch Kritikpunkte, aber wesentlich weniger, als ich selbst. Da war ich dann schon etwas überrascht. Ich habe ihn dann aber trotzdem noch einmal überarbeitet, denn wenn es einem selbst nicht gefällt, bringt ja auch ein noch so gutes Urteil nichts.
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: AngryMuffin am 10. Oktober 2011, 17:28:23
Also ich muss sagen, dass ich bisher nur einmal das Vertrauen in meine Texte verloren habe (nach der dritten Absage einer Schreibwerkstatt), aber inzwischen ist es so, dass ich da ziemlich resistent gegen jeden Zweifel geworden bin, weil meine Charas und auch die Plots in den vielen Stunden des Tagträumens und der Musiktrance so lebendig und farbenfroh geworden sind. Demnach wäre es an einem Text zu zweifeln gleichzusetzen mit dem Zweifel am Chara und der springt mir dann jedes Mal ins Gesicht, wenn ich auch nur daran denke.
Früher, als ich weniger Zeit mit Charakter-Design u. ä. verbracht habe, war ich viel schneller dabei ein Projekt abzubrechen, auch bin ich nach einer Absage eher dabei zu denken "Der weiß nicht, was ihm entgeht, vielleicht ist es noch nicht perfekt, aber es hat Potenzial."
Inzwischen ist das, wie gesagt, "schwerer" zu zweifeln. Also wäre mein Rat, um den Zweifel gar nicht erst aufkommen zu lassen:
- Sorge dafür, dass da ein Herz schlägt, in dem was du schreibst, denn man kann nur schwer etwas totschweigen, was einen Puls hat.

Ich will damit keinesfalls anderen hier auf die Füße treten oder die Universal-Lösung überhaupt anbieten. Es sind tolle Möglichkeiten beschrieben worden, Zweifel zu bekämpfen, zu umgehen, etc. und was ich hier "zu Papier" gebracht habe  ist lediglich etwas, was auf meine Arbeitsweise sehr gut passt (da ich mich viel von Emotionen und Musik beeinflussen lasse) und vielleicht dem ein oder anderen helfen kann. Ich lebe damit sehr gut und habe seitdem nur noch den Zweifel, dass ich überhaupt irgendwann mal ein ENDE unters Manuskript kriege, aber der lässt sich wunderbar als Ansporn gebrauchen.  ;)
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: HauntingWitch am 10. Oktober 2011, 22:01:19
- Sorge dafür, dass da ein Herz schlägt, in dem was du schreibst, denn man kann nur schwer etwas totschweigen, was einen Puls hat.

Tut es, sehr laut sogar. Ich zweifle auch nicht an meinen Charas, sonst würden sie gar nicht erst existieren. Nur an meiner Fähigkeit, alles richtig rüberzubringen. Zum Beispiel bei Horrorszenen: Logischerweise empfindet man das selbst weniger als Horror, weil man ja im Gegensatz zum Leser weiss, wie es ausgeht und die Kontrolle darüber hat. Aber empfindet es nun der geübte Horror Fantasy Leser auch wirklich als Horror? Denn ich will ja, dass er das tut. Klar denkt man während der Produktion nicht darüber nach, was wohl ein potentieller Leser denken könnte. Aber eine gewisse Atmosphäre soll schon vorhanden sein.

Es sind allgemein mehr so Stil-Fragen, die ich mir stelle. Würde zum Beispiel ein Typ (ich sage jetzt nicht Mann, weil zu jung) einen krassen inneren Wandel äusserlich gleich widerspiegeln, wie ein Mädchen im selben Alter? Könnte sein oder auch nicht. Schreibe ich ihm einfach zu, dass er das tut, gebe ihm einen guten Grund und eine Art und Weise, das zu tun: Ist das wirklich so glaubwürdig, wie ich glaube, das es ist? Nur weil ich es glaube, nimmt man ihm das deswegen ab? Es sind nicht die Charaktere an sich oder ihre Denkweise oder so... nur wie man das atmosphärisch rüberbringt, damit das erzielt wird, was man erzielen will. Da kriege ich fast die Krise, wenn ich darüber nachdenke.  ;)
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Schommes am 10. Oktober 2011, 22:26:07
Es sind allgemein mehr so Stil-Fragen, die ich mir stelle. Würde zum Beispiel ein Typ (ich sage jetzt nicht Mann, weil zu jung) einen krassen inneren Wandel äusserlich gleich widerspiegeln, wie ein Mädchen im selben Alter? Könnte sein oder auch nicht. Schreibe ich ihm einfach zu, dass er das tut, gebe ihm einen guten Grund und eine Art und Weise, das zu tun: Ist das wirklich so glaubwürdig, wie ich glaube, das es ist? Nur weil ich es glaube, nimmt man ihm das deswegen ab? Es sind nicht die Charaktere an sich oder ihre Denkweise oder so... nur wie man das atmosphärisch rüberbringt, damit das erzielt wird, was man erzielen will. Da kriege ich fast die Krise, wenn ich darüber nachdenke.  ;)
Das ist jetzt so abstrakt erzählt, dass ich nicht wirklich etwas dazu sagen kann. Eigentlich ist die Regel, dass äußerliche Veränderungen (Verhalten, Kleidung, sonstiges Aussehen etc.) gerade die beste Option sind einen inneren Wandel darzustellen. Viel besser z.B. als ein Blick in seinen Kopf. Show don't tell, wie es so schön heißt.
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: AngryMuffin am 10. Oktober 2011, 22:57:43
@HauntingWitch: Ich persönlich würde aber sagen, dass sich deine Zweifel eher ein Recherche-"Problem" ist, kein Zweifel an den eigenen Fähigkeiten.  :) Wenn du dieses Problem mit der Veränderung des Jungen, etc. lösen möchtest, wäre die nächste Idee, sich in Psychologie und entsprechenden Symptomen schlau zumachen.
Natürlich können wir den beschriebenen Situationen nur ein gewisses Maß an Authentität (heißt das so?  ::)) geben, denn wir haben sie meist nicht selbst erlebt, aber je mehr man über etwas weiß, desto besser und sicherer kann man darüber schreiben.  :hmmm:

Zum Beispiel bei Horrorszenen: Logischerweise empfindet man das selbst weniger als Horror, weil man ja im Gegensatz zum Leser weiss, wie es ausgeht und die Kontrolle darüber hat. Aber empfindet es nun der geübte Horror Fantasy Leser auch wirklich als Horror?

Dazu wäre es eventuell eine Idee sich mal selbst zu überlegen, was einem selbst furchtbare Angst macht, dann schließt man kurz die Augen und stellt sich die Situation vor und nimmt die Emotionen u. ä. mit in den Text. Klingt ziemlich banal, ich weiß, aber so mache ich es oft. Ich lasse es zu, dass ich mir selbst z.Bsp. einmal richtig Angst einjage und das dann auf meine Figur übertrage.  Ansonsten lässt sich nur sagen, dass man das Schreiben in jedem Genre üben muss - vor den ersten Werken von Stephen King hat sich vielleicht auch niemand gefürchtet  ;)
Also ich helfe mir in solchen Situationen, indem ich versuche empfindungsmäßig so nah wie möglich an das gesuchte "Erlebnis" dranzukommen. Ansonsten gibt es immer noch die Möglichkeit, sich bekannter Stilmittel zu bedienen. (Bsp.: kurze, abgehackte Sätze für die Verdeutlichung von Nervosität und Orientierungslosigkeit) Ich hoffe, ich konnte dir damit wenigstens ein bisschen helfen.  :vibes:
Wie gesagt: Es ist kein Universal-Rezept.  :)
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: HauntingWitch am 10. Oktober 2011, 23:06:11
Dazu wäre es eventuell eine Idee sich mal selbst zu überlegen, was einem selbst furchtbare Angst macht, dann schließt man kurz die Augen und stellt sich die Situation vor und nimmt die Emotionen u. ä. mit in den Text. Klingt ziemlich banal, ich weiß, aber so mache ich es oft. Ich lasse es zu, dass ich mir selbst z.Bsp. einmal richtig Angst einjage und das dann auf meine Figur übertrage.  Ansonsten lässt sich nur sagen, dass man das Schreiben in jedem Genre üben muss - vor den ersten Werken von Stephen King hat sich vielleicht auch niemand gefürchtet  ;)
Also ich helfe mir in solchen Situationen, indem ich versuche empfindungsmäßig so nah wie möglich an das gesuchte "Erlebnis" dranzukommen.

Das ist nicht das Problem, das mache ich und glaube es zu können. ;) Aber da fängt es an: Ich glaube. Ich lese eben selbst Horror und habe daher kaum ein Verhältnis, was den jetzt von aussen noch als Horror betrachtet wird. Wobei ich sagen muss, es gibt auch Lichtblicke, wenn es zum Beispiel vorkommt, dass ich ab etwas von mir Geschriebenem selbst erschrecke und mich frage, wie ich das schreiben konnte. Dann wird der Effekt wohl da sein. Aber sonst: Who knows? Ich kann mich schon hinein versetzen und in mir selbst die entsprechenden Zustände erzeugen, nur ob das wirkt...

Das andere müsste ich mir vielleicht mal durch den Kopf gehen lassen. Wobei ich solche Zweifel-Gedanken wie oben erklärt immer wieder habe.

@Schommes: Das ist auch nur ein Beispiel. Es geht einfach darum, ob man meinen Charas glaubt, nur weil ich ihnen glaube. Wobei man da wiederum als Leser sagen kann, warum nicht? Es gibt sowieso immer beides: Einen der es glaubt und einen der es nicht glaubt. Da kann man eigentlich nur hoffen, dass die Mehrheit es glaubt, oder? Aber eben, das kann ich an nichts festmachen, ausser meiner Testleserin. Und sie kennt mich. Das ist es, aber ich glaube oder hoffe, es ist auch irgendwie normal.
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Dogtales am 11. Oktober 2011, 13:52:31
@HauntingWitch: Ob es einem jemand glaubt, was man schreibt, oder nicht, vor diesem Problem wirst du wahrscheinlich dein Leben lang stehen. Oder so lange eben, die du schreibst. Das ergibt sich ganz einfach aus den unterschiedlichen Charakteren der Menschen - es wird immer jemanden geben, der ist anderer Meinung. Das ist so. Das wird sich nicht ändern.
Du kannst lediglich versuchen, es so vielen wie möglich glaubhaft rüberzubringen. Eine der wenigen Möglichkeiten, die du hast, das zu überprüfen, wäre nur, dir so viele Meinungen wie möglich einzuholen. Nicht nur von einer Testleserin. Suche dir mehrere, fünf vielleicht, dann hast du schon fünf verschiedene Meinungen, oder Leser unterschiedlichen Geschlechts.
Meist sind es sowieso nicht die Menschen, die dir und deinem Schreiben weiterhelfen, die mit dir einer Meinung sind, sondern die, die eine andere Meinung haben. Von denen lernt man meistens mehr. :)

Und im Rest stimme ich AngryMuffin zu:
aber je mehr man über etwas weiß, desto besser und sicherer kann man darüber schreiben.  :hmmm:
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: HauntingWitch am 11. Oktober 2011, 13:58:01

Meist sind es sowieso nicht die Menschen, die dir und deinem Schreiben weiterhelfen, die mit dir einer Meinung sind, sondern die, die eine andere Meinung haben. Von denen lernt man meistens mehr. :)

Das stimmt natürlich. Du bringst das sehr schön auf den Punkt, da werde ich mich wohl dran gewöhnen müssen.  ;)
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: AngryMuffin am 12. Oktober 2011, 08:42:00
@HauntingWitch: Genau, Dogtales bringt das eigentlich sehr schön auf den Punkt und der Vorschlag mit den Beta-Lesern ist auch gut. Außerdem würde ich dir ganz allgemein noch sagen, dass du dich als Autorin deines Werkes durchaus ernster nehmen darfst, lass nicht alles von deinen Zweifeln zerpflücken, auch eine nur semi-perfekte Szene kann beim Weiterschreiben helfen und wenn du die Szene gruselig findest (um das Beispiel noch einmal aufzugreifen) dann ist das so. Solange dein Text noch von keinem Beta gelesen wurde, würde ich die Zweifel an der Glaubwürdigkeit erstmal ganz hinten anstellen.  ;) 
Du kannst, was du kannst, sei stolz drauf!  :pompom:
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: HauntingWitch am 12. Oktober 2011, 11:11:30
Danke AngryMuffin. Ja, vielleicht bin ich auch ein bisschen zu selbstkritisch. Gestern habe ich wieder fast die Krise bekommen. Ich liebe die Story, ich liebe meinen Prota Schatz, aber irgendwie erschien es mir holperig. Wobei ich natürlich auch momentan ganz hohe Kunst lese, da kann ich logischerweise nicht mithalten. Und trotzdem wurmt mich das.  >:( ;) Andererseits, wenn ich dann wieder Sachen lese, die mir nicht so gefallen, denke ich mir wieder: Das toppe ich ja locker.
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Söfchen am 17. Oktober 2011, 21:34:12
Ich habe dieses Problem des Zweifelns momentan auch wieder. Und ich denke, das ist auch der Grund, warum ich nicht weiterkomme.
Jemand meinte schonmal zu mir, dass mein Projekt evtl. nicht mehr zu mir passt und ich mir eine neue Idee zu einem Buch suchen sollte. Aber das will ich nicht, ich liebe meine Charaktere, ich möchte es unbedingt zu Ende bringen. Bloß frage ich mich dauernd: Ist die Story wirklich gut? Will das wirklich jemand lesen? Ist sie nicht zu "einfach"? Ich habe auch schon gute Kritiken gehört, aber der Zweifel bleibt. Dann denke ich auch, vielleicht kommt es nur mir so fade vor, weil ich die Geschichte ja schon kenne...
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Wolli am 17. Oktober 2011, 21:53:16
Hey Söfchen,
lass den Kopf nicht hängen deshalb! Ich kenne das wirklich gut, denn ich habe lange an einem einzigen Projekt gearbeitet, das erst dieses Jahr fertig geworden ist. Es hat sich quasi mit mir entwickelt, ist durch alle Phasen mitgekommen, hat sich gedreht und gebogen. Wenn ich mir die Endfassung und die erste Fassung angucke, hat sich, bis auf die Hauptleitmotive des Plots, alles verändert. Wirklich alles. Charaktere, Beziehungen, Subplot, ja, die ganze Welt in der die Geschichte spielt.
Was ich damit sagen will: Eng dich nicht ein. Wenn du das Gefühl hast, irgendetwas passt noch nicht ganz: Probier dich aus. Probier, alles aus der Geschichte herauszuholen. Und meiner Erfahrung nach ist das ein ganz schöner Akt bis zum finalen Ergebnis.
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Grey am 17. Oktober 2011, 22:11:36
Oh Söfchen, das ist eigentlich nur ein gutes Zeichen: Du hast dich weiterentwickelt! Was hilft: Die Idee auch weiterentwickeln, bis sie wieder zu dir passt. Ich finde es wichtig, dass du diese Geschichte beendest, ehe du dir etwas neues suchst. Es gibt kaum einen größeren Schritt in der Entwicklung als Autor, als sein erstes Buch abzuschließen. Wahrscheinlich entspricht das fertige Werk nicht annähernd den Standards, die du irgendwann erreichen wirst, aber das macht doch nichts. Es ist dein erstes Buch - das ist wie die erste große Liebe, eine Qualität, die ihm niemand und nichts nehmen kann. Und das erste Ende - das ist eine Erfahrung, die man machen muss. Das ist eine sehr sehr intensive Erfahrung. Mach sie mit deinem ersten Buch. Und denk nicht zu viel darüber nach, ob das "jemand lesen will". Viel wichtiger ist erstmal, dass DU es SCHREIBEN willst. Um die Leser kümmern wir uns später. ;)
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Söfchen am 18. Oktober 2011, 11:50:26
Danke für Eure Antworten!

Ja, das mit der Entwicklung stimmt... Z.B. habe ich noch einen ganz anderen Charakter hinzugefügt, was ich erst gar nicht vor hatte. Das wiederum machte das Ganze, meiner Meinung nach, auch wieder spannender.
Wahrscheinlich denke ich auch einfach zu viel darüber nach und lese zu oft, das, was ich schon geschrieben habe. Irgendwo habe ich mal gehört, man sollte erst schreiben und dann korrigieren und nicht während des Schreibens. Vielleicht ist das mein Fehler. Denn dann kommen die Zweifel.

Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Grey am 18. Oktober 2011, 12:21:53
Das würde ich so jetzt auch nicht uneingeschränkt unterschreiben - ob man ein "Zurückleser" ist oder nicht, muss man irgendwann für sich selbst herausfinden. Ich weiß von vielen hier im Zirkel (mich eingeschlossen), dass sie viel in dem herumlesen, was sie schon geschrieben haben, ehe sie in Ruhe weitermachen können. Aber es schadet definitiv nichts, beides mal ausprobiert zu haben.
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Waffelkuchen am 18. Oktober 2011, 12:25:37
Ich denke, es ist eine Typfrage, ob man damit klarkommt, wenn man schon während dem Schreiben liest und korrigiert. Bei mir funktioniert das eigentlich recht gut, aber natürlich kann es auch Sinn machen, einfach nur zu schreiben und nicht zurückzuschauen. Das muss jeder für sich selbst herausfinden.
Ansonsten verstehe ich dich sehr gut. Ich hab mein allererstes Buch damals abgebrochen, weil mir klar wurde, dass ich daraus kein nach meinen neuen Maßstäben gutes Buch mehr machen kann.
Aber ich geben Grey recht, wenn sie sagt, dass Fertigschreiben eine ganz andere Erfahrung ist. Ich finde es auch immer noch schade, dass ich es nicht fertiggeschrieben habe. Das hätten mir meine (immer noch) geliebten Protagonisten eigentlich wert sein müssen.

Und so wie du schreibst, klingt es so, als würdest du dir einen nicht vorhandenen Erwartungsdruck auferlegen, der dich ein bisschen lähmt. Hey - das ist dein erstes Buch, und noch dazu erst die Rohfassung. Und wie schon Hemingway sagte: »Die erste Fassung ist immer Scheiße.« Gesteh dir das zu und wenn der Zweifel wiederkommt, schick ihn mal in den Pfannenthread. Da wird er nicht in einem Stück wieder rauskommen. ;D
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Sprotte am 18. Oktober 2011, 12:29:42
Ich kann mich nur anschließen: Entspannt zu Ende schreiben, wirklich entspannt und ohne Perfektionismus. Natürlich möchte man die Rohfassung so gut wie möglich haben. Aber: Wozu gibt es die Überarbeitungsphasen? Richtig, um aus einer Rohfassung einen Diamanten zu feilen.
Und manchmal geht nicht einmal das.
Mein allererster Roman steht hinter mir im Regal - als abschreckendes Beispiel und als Mutmacher, wenn mich der Zweifel packt.
Doch ich habe den Roman vor zwei Jahren komplett neu geschrieben, mich von der gruseligen Vorlage gelöst und etwas ganz anderes, Tolles daraus gemacht. Wäre nicht gegangen, wenn das Wörtchen Ende unter der Erstfassung fehlen würde.  :vibes:
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Drachenfeder am 18. Oktober 2011, 14:31:38
"Wenn der Zweifel an die Tür klopft" ... Klopft? Der klingelt gerade Sturm!

Eigentlich dachte ich, das vergangene Wochenende würde die Motivation in die Höhe treiben, aber dem ist wohl nicht so. Ich verzweifle gerade an einer Kurzgeschichte und noch an anderen Dingen die ich angehen wollte. Vielleicht wäre es besser erst einmal alles liegen zu lassen. Aber hallo? Ich habe Urlaub und endlich etwas Zeit für die Schreiberei, und dann alles in die Schublade knallen? Ich hasse solche Momente, ich weiß sie gehen wieder vorbei, aber ... *hmpf*

So, genug bei euch rumgeheult, ich muss mein Märchen jetzt endlich fertigbekommen.
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Söfchen am 18. Oktober 2011, 20:50:13


Und so wie du schreibst, klingt es so, als würdest du dir einen nicht vorhandenen Erwartungsdruck auferlegen, der dich ein bisschen lähmt. Hey - das ist dein erstes Buch, und noch dazu erst die Rohfassung. Und wie schon Hemingway sagte: »Die erste Fassung ist immer Scheiße.« Gesteh dir das zu und wenn der Zweifel wiederkommt, schick ihn mal in den Pfannenthread. Da wird er nicht in einem Stück wieder rauskommen. ;D

Ja, das stimmt, den Druck mache ich mir selber. Muss gestehen, dass ich ein Perfektionist bin. Ich will alles immer sofort und von Anfang an richtig machen.
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Franziska am 18. Oktober 2011, 23:27:36
Ich bin auch so eine Perfektionistin. Im Moment gefällt mir gar nicht, was ich schreibe. Vom Inhalt ja, aber vom Stil kann ich nicht richtig ausdrücken, was ich eigentlich möchte. Und ich weiß irgendwie auch nicht, wie ich mich verbessern kann. Im Moment will es irgendwie nicht.  :(Gestern habe ich mir Spaßeshalber mal ein par Romantasy Leseproben durchgelesen. Eigentlich mag ich Romantik ja, aber das meiste war wirklich gruselig. Da konnte ich wenigstens sagen: das kann ich besser, ich weiß wenigstens was Athmosphäre ist, und habe schon mal was von show don't tell gehört. Aber egal welchen der drei Romane, die ich angefangen habe ich mir vornehme, ich finde alles schrecklich.
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Söfchen am 19. Oktober 2011, 09:27:27
Ich komme einfach nicht richtig "in die Pötte". Es plätschert so dahin und ich weiß nicht, wie es weitergehen soll. Gestern habe ich immerhin ein paar Zeilen geschafft, aber wirklich gut fand ich es nicht. War so 08/15... Ich glaube, ich stelle es doch mal in der Roman-Ecke vor, vielleicht hat ja jemand ein paar Tipps für mich?!
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Grey am 19. Oktober 2011, 10:47:28
Also, nach allem was du im Guten-Morgen-Thread erzählst wundert es mich gar nicht, dass es nicht läuft. Wie soll man arbeiten, wenn man so erschöpft ist? Gib dir ein bisschen Zeit und Ruhe. :knuddel:

Muss gestehen, dass ich ein Perfektionist bin. Ich will alles immer sofort und von Anfang an richtig machen.

Ganz ehrlich? Vergiss es. Man lernt schreiben nur durch üben, und dass du bei deinem ersten Buch noch nicht so viel Übung hast, ist doch klar. Es wird nicht perfekt sein. Es darf gar nicht perfekt sein, dein erstes Buch - denn sonst springe ich vom Bordstein und gebe das Schreiben auf, weil ich erst fünf Romane schreiben musste, ehe ich gut genug für eine Veröffentlichung war. ;)
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Söfchen am 19. Oktober 2011, 16:13:21
Danke für's Knuddeln!

*lach* Ja, da hast du Recht. Einerseits ist es wohl ganz gut, wenn man sich fordert (ist ja eine Art Motivation), aber ich mache das anscheinend zu viel!
Heute Morgen dachte ich, ich hätte mal ein halbes Stündchen Zeit... Ruhe ja nicht wirklich. Aber was ist? Meine Mutter stand vor der Tür. Zwar mit Brötchen, aber trotzdem.
Na ja, aber das gehört wohl eher in einen anderen Thread.

Ich schreibe einfach weiter. Denke, es kommen auch wieder bessere Tage.
Danke Euch für's Zuhören und Eure Worte!
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Pestillenzia am 24. Oktober 2011, 07:44:56
Bei mir donnert der Zweifel gerade mit einer Ramme gegen die Tür, nachdem ich dieses Jahr bei sämtlichen Wettbewerben, an denen ich teilgenommen habe, nur Nullnummern gelandet habe.
Das ist nicht unbedingt ein Kriterium, ich weiß, aber das fiese kleine Hutzelmännchen auf meiner Schulter flüstert mir was ganz Anderes ins Ohr, so dass ich mir schon wünsche, dass jemand die "Schreibwut" aus mir rauspfannen würde, damit ich nienienie mehr im Leben das Bedürfnis empfinde, etwas zu schreiben.  :pfanne:
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Drachenfeder am 24. Oktober 2011, 10:25:38
Das frustriert natürlich.
Aber es ist auch ein weiterer Grund die Wettbewerbe weiter ins Auge zu fassen.
Vielleicht ist es schon der Nächste der den Erfolg bringen kann.
Nur nicht aufgeben.
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Nirathina am 25. Oktober 2011, 16:24:58
Hallöchen!

Zweifel kommen bei mir immer dann auf, wenn ich gerade ein Blackout habe. Ich weiß nicht, wie das passiert, aber es beginnt dann gut und gerne mal damit, dass ich nichts, aber auch wirklich gar nichts aus den Fingern kriege und mein Hirn sich anfühlt wie ein ausgedrückter Schwamm. Dann halte ich mich mal zwei Tage von allem fern, was mit meiner Geschichte zu tun hat, und sofort kommen diese grausigen Gedanken ans Aufhören: "war doch alles schon mal ... ist doch eh 08/15 ... interessiert keine Sau...".

Um diesen Zweifeln Herr(in) zu werden, denke ich dann immer an einige Bücher, bei denen ich mich schon immer mal gefragt habe: "Wer liest so einen Schund?". Und dadurch beginne ich langsam, nicht mich, sondern betreffendes Buch in Gedanken herunterzuputzen, wodurch ich mich gleich besser fühle  ;D
Was auch eine gute Methode ist (fr mich zumindest): Ich blättere im Weltbild-Katalog und sehe mir die bunten Bilder auf den Seiten über Bücher an. Dadurch steigt mein Ehrgeiz, auch irgendwann so ein chices Cover mit meinem Buchtitel drauf zu sehen. Klingt irgendwie ein bisschen nach Egotrip, aber ich glaube, genau das braucht man manchmal.

Nirathina
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Söfchen am 25. Oktober 2011, 17:55:17
@Nirathina: So ähnlich motiviere ich mich auch. Ich gehe dann an unserem Buchladen vorbei und und stelle mir vor, wie mein Buch im Schaufenster steht.  ;D

Der Zweifel hat mich immer noch nicht los gelassen. Im Gegenteil, als ich es gerade in der Roman-Ecke vorgestellt habe, dachte ich nur: Was für eine blöde Handlung! :P
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Nirathina am 25. Oktober 2011, 18:38:15
@Söfchen: Deine Vorstellung habe ich gerade gelesen und fand sie gar nicht mal so übel...  ;)

Was mir eben noch eingefallen ist: Wenn die Zweifel gar nicht gehen wollen, dann zocke ich verstärkt irgendein actionreiches RPG. Dann kommt nicht nur Inspiration, nein, dann habe ich auch ein schlechtes Gewissen, weil ich zu viel Zeit mit Gaming und zu wenig mit meinem Projekt verbracht habe  :'(

Selbstgeißelung ist eine gute Strategie xD
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Grummel am 25. Oktober 2011, 18:52:17
Ich lese jetzt seit einiger Zeit diesen und andere Bereiche zu dem Thema und habe gestern Abend einen Entschluss gefasst. Ich habe mir einfach einen Paten zu einem Projekt gesucht und mache Nägel mit Köpfen. Warum zweifeln? Anfassen und schauen was daraus wird ist meine Devise. Allerdings setze ich meine Ansprüche auch ganz niedrig an. Erstmal überhaupt etwas fertig machen. :omn:
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Söfchen am 25. Oktober 2011, 19:38:43
Die Idee mit dem Paten ist ja gut! Ist das dann einer hier aus dem Forum oder aus "real life"?
Bei mir ist es so, dass Freunde und Verwandte immer sagen: "Doch, das liest sich gut!" Ich kann das aber nicht ernst nehmen, denke, sie hätten auch Hemmungen etwas anderes zu sagen, obwohl ich jedes Mal darum bitte, ehrlich zu sein.
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Grummel am 25. Oktober 2011, 19:43:31
Lies dich mal ein Söfchen. Wir haben hier so etwas, das nennt sich "Betalesedingens (http://forum.tintenzirkel.de/index.php/board,4.0.html)". Mir geht es mit meinem Umfeld ähnlich. Ausser meinen Sohn brauche und will ich keinen damit belasten, begeistern oder wie auch immer ich das nennen will. (Und mein Sohn findet fast alles toll was ich mache. ;) ) Nein ich habe mir Paten aus dem Tintenzirkel besorgt. :jau:
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Grey am 26. Oktober 2011, 01:18:20
@Söfchen
Im Betaleserboard kannst du einen Paten suchen, sobald du dich im Forum eingelebt und eine bestimmte Anzahl Beiträge verfasst hast (wie viele habe ich gerade nicht genau im Kopf, aber du bist auf einem guten Weg ;)). Eine weitere Möglichkeit wäre, dir über die Arbeitsgruppe "Plotschmiede" eine Plotgruppe zu suchen - so entstehen auch häufig Buchpatenschaften.
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Grummel am 26. Oktober 2011, 11:48:02
Upps, ja sorry. Ich habe nicht daran gedacht, dass Söfchen den Bereich evtl. noch garnicht sieht. :schuldig:
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Söfchen am 29. Oktober 2011, 23:05:21
@Söfchen
Im Betaleserboard kannst du einen Paten suchen, sobald du dich im Forum eingelebt und eine bestimmte Anzahl Beiträge verfasst hast (wie viele habe ich gerade nicht genau im Kopf, aber du bist auf einem guten Weg ;)). Eine weitere Möglichkeit wäre, dir über die Arbeitsgruppe "Plotschmiede" eine Plotgruppe zu suchen - so entstehen auch häufig Buchpatenschaften.

Ah, danke für den Hinweis! Hatte schon bei dem Betaleseboard gesehen, dass ich da noch nicht schreiben kann, aber verständlich.
Ich wollte mir mal die Plotschmiede anschauen, aber heute bin ich ein gutes Stück voran gekommen und erstmal wieder etwas optimistisch!  :)
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Snöblumma am 21. Dezember 2011, 16:16:28
Bei mir klopft der Zweifel gerade ganz gewaltig.

Nicht nur, dass es gerade mit dem Schreiben gar nicht läuft. Das allein - okay, vor Weihnachten ist es stressig, ich bin gerade allgemein nicht gerade happy und gut drauf, also wäre das allein nicht zuuu tragisch.

Mein NaNo-Projekt kommt mir kitschig vor, klischeehaft und im Vergleich zu den anderen tollen Ideen hier irgendwie viel zu simpel und doof. Ich habe da gerade keinen Spaß mehr daran. Ich lese es mir durch und finde überhaupt nichts mehr daran gut.

Dann kam heute auch noch die Ablehnung der Bayerischen Akademie des Schreibens. Das kann an x-tausend Gründen gelegen haben, sagen sie einem ja aber nicht. Wenn es eine Agentur oder ein Verlag gewesen wäre, fände ich das wahrscheinlich nicht so schlimm. Dann wäre mein Text einfach noch nicht reif gewesen oder der Markt gibt gerade nichts her. Darauf habe ich mich innerlich schon eingestellt, immerhin hängt mein Herz an der High Fantasy und das geht gerade ja nicht so toll. Damit könnte ich leben. Ich wäre zwar auch traurig, klar, immerhin sind meine Texte nicht für meine Schublade, aber darauf habe ich mich wirklich eingestellt. Kein Markt, kein Verleger, ganz einfach.

Aber ich habe gerade das Gefühl, dass hier irgendwie alle weiterkommen, und ich werde noch nicht einmal für Kurse genommen, in denen man das Schreiben lernen soll. Wenn nicht mal die mich haben wollen, kann ich es doch auch wieder aufgeben, oder? Diese gehässige Stimme in meinem Kopf sagt, dass ich nicht so viel Zeit und Herzblut in eine Sache investieren sollte, bei der ich nicht einmal für einen Kurs, um das zu lernen, aufgenommen werde. Sie sagt, dass es besser wäre, wenn ich das Schreiben einfach ganz aufhöre, es sein lasse und mich sinnvolleren Hobbies zuwende - Hobbies, bei denen ich irgendwie weiterkomme und die mir wirklich etwas bringen. Wenn ich noch nicht einmal für so etwas genommen werde, brauche ich ans Veröffentlichen ja gar nicht denken...

Das wird gerade immer schlimmer. Ich habe versucht, mich gerade dazu zu zwingen, den Bewerbungstext noch einmal zu lesen, aber es geht nicht. Ich könnte kotzen, wenn ich nur das Dokument im Ordner sehe. Ich konnte gerade noch nicht einmal Word aufmachen. Diese blöden Zweifel in meinem Kopf wollen, dass ich das Schreiben an den Nagel hänge, und ich habe gerade keine Kraft, mich gegen diese Stimmen zu wehren. Dieser lapidare Hinweis im Ablehnungsschreiben, dass es manchmal eben etwas Übung braucht, bevor die Texte die Schublade verlassen können, steht vor meinen Augen. Ich übe ja erst seit... immer?! Seit sieben Jahren ernsthaft? Ich weiß theoretisch, was ich tue, aber wenn nicht mal das weiterhilft, scheine ich ja ganz einfach nicht Schreiben zu können, und zwar so hoffnungslos, dass nicht einmal Schreib-Lern-Kurse mich haben wollen.

Das macht mich gerade mehr fertig als ich gedacht hätte. Normalerweise sage ich bei sowas: "Tja, wenn die mich nicht wollen, selber schuld" - das hat in meinem Leben schon an einigen Stellen geholfen und mich eigentlich immer zu Dingen geführt, die besser waren als das, was ich eigentlich vorhatte. Aber hier wächst gerade ein Berg von Zweifeln.

Hör einfach auf, zu schreiben, schreien sie, ganz laut und immer lauter. Lass es bleiben und vergeude nicht deine Zeit für soetwas. Wird eh nie was.
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Kerimaya am 21. Dezember 2011, 16:37:02
Absagen sind doof - das wird sich leider nie ändern, egal von wem. Aber was du dir in diesem speziellen Fall bewusst machen musst, ist, dass es bei solchen Kursen in der Regel um eine andere Art des Schreibens geht, als um die, die wir Belletristen brauchen. Literatur und Unterhaltungsschreibe, oder U- und E-Literatur, sind immer noch zwei Paar Schuhe.
Wenn du das Schreiben lernen willst und dich aus dem Frustloch rausholen möchtest, konzentrier dich auf das Weitermachen und MACH DAS INTERNET AUS! Es nährt deinen Frust nur noch, wenn du dich mit anderen vergleichst. Im TZ kommen Leute in den unterschiedlichsten Phasen des Veröffentlicht-Seins oder Veröffentlicht-Werdens zusammen, und es hilft dir nichts, wenn du dir andere Geschichten, Ideen etc. ansiehst und die Stimmen dadurch nur lauter werden.
Besorg dir am besten das Buch "Über das Schreiben" von Stephen King, such dir die Schreibaufgabe darin raus und setz sie um. Schreib, guck nicht ins Internet und lass dir Zeit zu reifen. Die Stimmen werden mit der Zeit von alleine leiser werden.
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Erdbeere am 21. Dezember 2011, 16:40:07
Ach Snö, hör doch nicht auf diese doofen Akademiker mit ihrem schnöden Getue. :knuddel: Die haben keine Ahnung! Wahrscheinlich wollten die hochphilosophische Texte, um dann im Kurs den nächsten Mann/Frisch/Goethe zu formen. (Kerimaya war schneller...)
An der Kunsthochschule haben sie mir das selbe gesagt, dass ich das mit dem Zeichnen lieber lassen sollte, weil ich a) unbegabt und b) unter dem Niveau der anderen sei. Hab ich damit aufgehört? Nein. Ich dachte mir, jetzt erst recht.

Und genau das solltest du auch denken. Ich weiss, es ist hart, besonders wenn man von den "Profis" gesagt kriegt, dass man es nicht drauf hat, aber ehrlich, was geht die das überhaupt an? Du schreibst in erster Linie doch für dich und nicht für andere. Wenn dich Zweifel an deinem Nano-Projekt plagen, fang was neues an (und sei es nur ein kurzes Spassprojekt). Mein Nano-Roman macht sich auch grad lustig über mich und ich schüttle nur den Kopf, weil ich auch alle anderen Projekte viel besser finde als meines. Aber fertig schreiben will ich ihn doch, das verlangt allein schon mein Stolz.

Sorry, wenn ich das jetzt so hart sage, aber du klingst wie ein trotziges Kind. "Alle dürfen doch, alle sind besser!" Meine Mutter hat mir als erstes einmal den Kopf gewaschen und gesagt, ihr sei es egal, was "alle anderen" sind oder tun oder dürfen. Schau nicht immer auf die anderen. Es gibt immer welche, die sind dir voraus oder die dir besser vorkommen, aber es gibt auch immer welche, die genau das von dir denken, also hör auf zu jammern und tu etwas. Tritt in den Hintern, ich weiss, und ich entschuldige mich auch gleich wieder dafür, aber ich sehe es nunmal so.

Es gibt kein Allgemeinrezept gegen Zweifel, das musst du schon für dich selber herausfinden. Aber in erster Linie schreibst du für dich und für niemanden sonst. Wenn du einen Schreibkurs machen willst, such dir einen anderen (also keinen "akademischen" mehr), davon gibt es so viele mittlerweile. Wenn dich Zweifel am Nano-Projekt packen, lege es beiseite und fang etwas neues an. Oder schreib eine Weile gar nichts, vielleicht brauchst du auch einfach etwas Abstand, so nach dem ganzen Nano-Wahnsinn.

Nochmal :knuddel:
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Manbou am 21. Dezember 2011, 16:57:19
Auch ich kenne das Problem mit den Zweifeln nur zu gut. Wenn ich mal näher über eine Szene oder ein Kapitel nachdenke, dann denke ich mir oft: "Wieso soll das jemand lesen, gab's doch alles schon" (also so ähnlich wie Nirathina.  Aber wenn ich mir das Gesamtwerk betrachte, Bände, die noch folgen sollen, denk ich mir: "Ja; Ich bin gerade dabei, etwas zu schaffen, und es wird etwas Großes werden." Auch wenn ich sagen muss, dass es schon gut zwei Jahre her ist, als ich mit meinem aktuellen Projekt angefangen habe. Jetzt bin ich dabei, ein Verlagsanschreiben und ein Exposé zu schreiben, und ich habe echt keinen Plan  :versteck: Da bleibt natürlich viel Zeit, über den Sinn und Unsinn meines Vorhabens nachzudenken, aber das Papier habe ich schon gekauft und ich habe mich auch darauf eingestellt , dass ich vielleicht (oder auch hochwahrscheinlich!) sehr viele Anläufe brauchen werde, wenn ich sehe, wie lange spätere Bestseller brauchten, um akzeptiert zu werden.
Aber der Gedanke daran, dass man dabei ist, etwas Gutes und Unabhängiges zu schaffen, hilft einem schon weiter. Und erst der Blick und die Hochachtung in der Stimme einer Person, die einen bewundert, weil man es geschafft hat, über 200 Normseiten zusammenzukriegen! Und natürlich, Neben- und Spaßprojekte sind immer ein gutes Training für Fähigkeiten und Motivation.
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Grey am 21. Dezember 2011, 17:02:31
Ach Snö. Mach das nicht. Nicht vergleichen mit anderen. Solche Phasen kommen immer wieder, dann muss man sich auskotzen und dann weitermachen.

Ich bin nicht so der High-Fantasy-Typ. Aber ich habe immer mal wieder in deine Schnipsel im NaNo gelesen, und die waren absolut kein Grund, den Kopf in den Sand zu stecken! :knuddel:
Und was Keri sagt, ist auch ganz wichtig: Wenn irgendwelche hochliterarischen Menschen dir sagen, du wärst nicht anspruchsvoll genug, dann heißt das noch lange nicht, dass du keine guten Geschichten erzählen kannst! Denn das kannst du. Ich bin mir sicher.
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Arcor am 21. Dezember 2011, 18:52:42
Snöblumma, versuch den Kopf nicht in den Sand zu stecken.

Das ganze klingt jetzt vermutlich einfach nur nach Durchhalteparolen oder ähnlichem, aber du solltest definitiv nicht aufgeben, nur weil du von dieser Akademie abgelehnt wurdest. Natürlich ist das ärgerlich und frustrierend. Aber deswegen solltest du nicht gleich das ganze Schreiben aufgeben. Das ist kein Anzeichen dafür, dass du überhaupt nicht schreiben kannst.

Wie Grey und Erdbeere schon sagten, das Schreiben, was die dort suchen, ist etwas völlig anderes als das, was wohl die meisten hier praktizieren. Sag den doofen Zweifelstimmen, sie sollen leise sein, die wissen auch nicht alles. Versuch nach Weihnachten am besten direkt weiterzumachen. Im Zweifelsfall hilft das am meisten.
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Rika am 21. Dezember 2011, 20:13:31
Snöblumma - jede Absage ist enttäuschend, um so mehr, wenn ein so wichtiger Traum in dem erhofften nächsten Schritt enttäuscht wird. Daß du dich erstmal völlig daneben fühlst ist normal, und die Frustreaktion, jetzt alles in den Sand schmeissen zu wollen, auch.
Gib dir ein bißchen Zeit. Schalt den Rechner ab, mach was anderes, verwöhn dich ein bißchen, geh spazieren, ins Kino, was auch immer. Du mußt, und solltest, nicht jetzt im Schwung der ersten emotionale Reaktion entscheiden, ob du in Zukunft weiter schreibst oder nicht. Erstmal bist du gerade im Äquivalent des "Füße unterm Körper weggefegt bekommen, mit Rücken auf den Boden geknallt, kriege keine Luft".
Da kann mensch nicht sofort wieder aufspringen, egal ob um weiterzumachen, oder sich umzudrehen und wegzugehen. Erstmal muß mensch wieder zu sich finden, wieder zu Atem kommen, Orientierung gewinnen.

Fühl dich :knuddel: und laß dir ein bißchen Zeit, ok?
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Alana am 21. Dezember 2011, 20:51:13
Snöblumma, ich verstehe dich sehr gut.  :knuddel:
Aber es gibt so viele prominente Beispiele von Künstlern (Musiker, Maler, Schauspieler) die von diversen Schulen abgewiesen wurden und dann trotzdem den Durchbruch geschafft haben und sogar mehr als das. Das sagt doch gar nichts aus. Zumal es auch nur Menschen sind, die über die Zulassung entscheiden, sowas ist nie objektiv und gerade solche Schulen haben auch immer bestimmte Vorstellungen von ihren zukünftigen Schülern.
Außerdem schreibst du doch bestimmt nicht nur, weil du veröffentlichen willst.
Dass dich Manches hier entmutigt, kann ich gut verstehen. Davon darf man sich nicht lähmen lassen. Ich weiß, leicht gesagt. Ich weiß auch, dass egal, wa sich hier jetzt schreibe, du dieses Tief überwinden wirst und weiter machst. Weil du es einfach liebst, zu schreiben, so wie wir alle hier.
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Snöblumma am 21. Dezember 2011, 22:44:08
Ihr seid toll. Ihr seid so lieb.  :knuddel: Ich hab jetzt den ganzen Nachmittag Frust geschoben. Mein Schatzl hat mich jetzt überredet, eine Flasche Sekt darauf zu trinken (guuut, ich habe sie alleine getrunken, weil er müde war, was solls  :rofl:) und jetzt sieht die Welt ganz anders aus. Meine Figuren quengeln, dass sie aus meinem Kopf raus wollen. Das ist schon mal ein gutes Zeichen.

Keine Ahnung, ob ich morgen oder übermorgen weiterschreiben werde.

@Rika
Ich werde deinen Rat beherzigen und erst mal eine Pause machen. Es ist ja sowieso Weihnachten, darum komme ich eh nicht zum Schreiben. Und danach wollen wir mal sehen, wer hier cooler ist. Meine Figuren oder diese Akademie.  :darth:

@Grey
Boa. Danke. Ich bin gerührt. Ich heule hier fast, weil ihr alle so lieb seid.

@Kerimaya
Hab ich doch schon längst. Liegt schon seit vier Jahren oder so als Dauerbegleiter auf dem Nachttisch, neben Sol Stein und Frey.  :knuddel: Danke für den Tipp trotzdem, vielleicht sollte ich die Bücher wirklich mal wieder zur Hand nehmen.

@Alana
Es stimmt, ich liebe das Schreiben. Ich kann mir nicht wirklich vorstellen, ohne zu leben.

@Erdbeere
Danke für den Ansch***. Das hab ich gebraucht, glaube ich.  :knuddel:

Ach, ihr seid toll. Der Sekt hat die blöden Zweifler weit weg verbannt, mein Schatzl hat dazugeholfen, und jetzt sitze ich hier und bin wirklich gerührt von euren tollen, aufmunternden Antworten. :gruppenknuddel:
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Rika am 22. Dezember 2011, 00:41:06
@Alana
Es stimmt, ich liebe das Schreiben. Ich kann mir nicht wirklich vorstellen, ohne zu leben.
...und das ist doch das wichtigste, eine klare Antwort deines Herzens! :) :knuddel:
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Snöblumma am 22. Dezember 2011, 06:49:01
So ganz klar ist die Antwort noch nicht. Mir wird gerade nicht mehr schlecht bei dem Gedanken, nachher im Zug zu schreiben, aber das ist ein Fortschritt im Vergleich zu gestern.   :knuddel: Die Stimmen sind immer noch da, die mir sagen, dass ich es gar nicht erst probieren brauche. Aber mein altes Trotz-ich ist auch wieder da, das "Jetzt erst recht" sagt.

Ich suche den Fehler dummerweise immer bei mir selbst... Ich frage mich, ob es wirklich so klug war, von Anfang an damit herauszurücken, dass ich Fantasy und Chick lit schreiben will, und dass ich einfach nur gute Unterhaltung bringen will. Ob es klug war, eine Fantasy-/Horror-angehauchte Arbeitsprobe einzureichen, aber etwas anderes kann ich eben nicht. Ob ich vielleicht lieber eine Textprobe aus einer anderen Kurzgeschichte genommen hätte statt aus meinem Fantasybuch. Und und und.  :pfanne:

Aber wenigstens bekomme ich Word geöffnet, ohne dass es mir hochkommt. Das ist schon mal ein Anfang, wirklich.
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Michaela am 22. Dezember 2011, 07:51:03
Hi Snöblumma,
vielleicht hilft es dir einen Brief an deinen Kritiker zu schreiben. Nicht irgendeinen Brief, sondern einen in dem du dich austoben kannst.

Sag ihm darin zum Beispiel, er soll in Zukunft die Klappe halten oder du Tackerst sie ihm zu. Oder du drohst ihm mit Essensentzug und Aushungerung wenn er sich nicht aus deinen Angelegenheiten heraus hält...

Mir hat so ein Schimpfbrief schonmal sehr geholfen.  :pfanne:  Hau drauf und lass dich nicht unterkriegen.

LG Michaela
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Grey am 22. Dezember 2011, 09:21:56
Snö, als ich mit Unberührbar fertig war (zum ersten Mal), war ich ähnlich verzweifelt wie du gerade - und ganz ohne Absage. Ich habe diesen Text so gehasst, und mir ist jedes Mal schlecht geworden, wenn ich auch nur daran gedacht habe, dass ich dieses Dokument irgendwann noch mal öffnen muss. Hast du liebevolle Testleser? Ich denke, genau das brauchst du jetzt. Such dir jemanden, dessen Meinung du vertraust, und bitte ihn/sie, den Text zu lesen und dir zu sagen, was alles gut daran ist. Dass es auch viel Verbesserungswürdiges gibt, weißt du ja selbst, aber manchmal tut Begeisterung dem Autorenseelchen sehr gut. Um Kritik kannst du dich später noch kümmern, wenn du alles ein bisschen verdaut hast. :knuddel:
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Nirathina am 22. Dezember 2011, 09:53:29
Snöblumma,

ich drück dich erst einmal ganz fest  :knuddel:.

Eine Bekannte von mir, eine überaus talentierte, junge Dame, deren Zeichnungen wirklich beineidenswert sind, hat sich an einer Kunsthochschule beworben - und wurde abgelehnt. Kommentar: "Wir suchen moderne Künstler mit Hang zum Abstrakten". Was lernen wir daraus? Es hängt immer nur von ein paar alten Säcken ab und das sage ich jetzt ganz offen, weil es nun einmal so ist. Da sitzen ein paar Leute mit ihrer Meinung, dass sie Äpfel lieber mögen als Birnen und letztere am liebsten zu Brei zerquetschen wollen. Wer auch immer die Entscheidung hatte, dich abzulehnen, ist offenbar ein Apfelmensch.  ;)
Kennst du eine Kurzgeschichte von Patrick Süskind, wo es um "Tiefen" geht? Wenn nicht, lies sie dir einfach mal durch... Die Botschaft ist sehr überzeugend.

Was ich damit sagen will: Du weißt doch eigentlich, dass du gut bist in dem, was du tust. Wenn irgendein hochdekorierter Mister Wasweißich daherkommt und dir naserümpfend erklärt, du passt nicht ins Konzept - dann lächle ihn freundlich an, sag *****, dreh dich um und geh. Man sollte nur auf die Meinung von jemandem vertrauen, der mit der Materie bekannt ist. Ich würde niemals auf einen Kritiker hören, der ein eingefleischter Physik-Verfechter ist und einen Fantasy-Roman im Hinblick auf Newton kritisiert.

Gib bloß nicht auf! Halt dich ran und tritt die Unwissenden mit Füßen  ;D
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: HauntingWitch am 22. Dezember 2011, 10:42:33
Snöblumma, fühl dich mal ganz fest gedrückt.  :knuddel:

Diese Hochnasen haben doch keine Ahnung - die haben ihre Bücher, wo drin steht, wie was zu funktionieren hat, und vermutlich auch noch nie etwas von echter Inspiration gehört. ;) Versuche, dich nicht von denen beeinflussen zu lassen, auch wenn das schwer sein kann. Ich bin auch nicht der totale High Fantasy-Liebhaber. Aber was du für komplexe Welten erschaffst, das sollen diese Typen erst einmal nachmachen. Ganz ehrlich, ich könnte das nicht und habe grossen Respekt davor, wenn jemand so viel erschaffen und auch noch den Überblick darüber bewahren kann.  :knuddel: Und suche den Fehler nicht bei dir, jeder Mensch hat Fehler und macht Fehler. Da vertrete ich ganz einfach die Devise: "Die mich kennen mögen mich, die mich nicht mögen, können mich." Auch in Bezug auf meine Arbeit, ganz frech. Wer sich für etwas so viel Besseres hält, hat es doch nicht verdient, dass du so viel Frust-Energie auf ihn verwendest. ;) Wenn Fantasy und Horror nun einmal deins ist, dann ist es eben so und dass ein paar (ich zitere mal Nirathinia) "alte Säcke" das nicht verstehen wollen, heisst doch noch lange nicht, dass dich niemand will. Irgendwo da draussen gibt es irgendwen (ein Verlagsmensch, Lektor, Fan oder so), der deine Sachen mögen wird und dir helfen wird, sie weiterzuentwickeln. Du hast ihn nur noch nicht gefunden. Langer Rede kurzer Sinn: Gib nicht auf deswegen. Steh auf und bleib dran, denn ist es letztlich nicht auch eine Art von Lohn, dass deine Geschichten am Ende stehen? Du etwas Neues erschaffen hast, was ganz allein deins ist und nun da ist, weil du es geschrieben hast?  ;)

Man muss sich immer auf die Hinterbeine stellen und wehren, wenn man nicht untergehen will. Und wenn du innerlich total blockiert bist und gar nichts mehr geht, kannst du auch eine Pause machen: Das Schreiben ist ja in deinem Herzen verankert und das wird nicht einfach von einem Tag auf den nächsten absterben.  :knuddel:
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Sanjani am 27. Dezember 2011, 21:11:14
Hallo Schneeblümchen :)

ich wollte mich jetzt verspätet auch noch äußern, obwohl ich meinen Vorrednern eigentlich nichts hinzuzufügen habe. Auch bei einer Schreibakademie sitzen Leute, die bestimmte Vorlieben haben und wenn dein Text nicht dazugehört, heißt das noch lange nicht, dass er nichts taugt. Aber vielleicht brauchst du auch einfach eine Pause oder musst irgendetwas anderes schreiben. Die Idee mit dem Brief finde ich übrigens gut, ich glaube, das probier ich auch mal aus, wenn es mich mal wieder packt. Ich selber würde wirklich sehr gerne mal was von dir lesen und ich kann mir überhaupt nicht vorstellen, dass das nix taugen soll.

In diesem Sinne halt die Ohren steif,

LG

Sanjani
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Angela am 27. Dezember 2011, 21:37:07
Schreiben ist was für Masoschisten. Wir lassen uns wieder und wieder ablehnen, ach, bekommen noch nicht einmal eine Rückmeldung. Dennoch. Nach jedem Absturz machen wir weiter, krabbeln aus dem tiefen Loch und stehen auf. Ab und zu braucht es seine Zeit. Machen wir uns nichts vor. Wir sind süchtig.
Und es könnte uns schlimmer erwischt haben. Ich als Billy Elliot, das wäre eine echt peinliche Nummer.
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Brigadoona am 28. Dezember 2011, 16:13:08
Hallo Snöblumma,
es tut mir auch sehr leid und natürlich kenne ich dieses Gefühl.

Ich gebe Angela recht, Schreiben ist wirklich etwas für Masoschisten. Ich war einmal so weit, dass aufgrund einer Leseprobe das komplette Manuskript angefordert worden ist. Alles hatte sich so gut und so viel versprechend angehört. Ich bin schon auf rosaroten Wolken geschwebt. "Ich habe es geschafft! Oh, Glück!" Dann kam die Nachricht: "...konnte uns stilistisch und inhaltlich nicht überzeugen. Wir wünschen viel Glück auf der Suche nach einem geeigneten Verlag." Das hat weh getan. Immerhin hat sich jemand die Mühe gemacht, meine Geschichte komplett zu lesen und dann konnte sie nicht überzeugen. All meine Hoffnungen, das Gefühl nicht doch nur "Mist" verzapft zu haben, waren mit einmal wieder auf den Boden der Realität angekommen.
"Du bist einfach schlecht!" habe ich mir immer wieder eingeredet. "Du öffnest nie wieder eine Works-Datei und wenn sich wieder dieses "ich habe da so eine wundervolle Idee"-Karussell in Deinem Kopf dreht, dann schaltest Du es einfach ab." - ABER ES FUNKTIONIERT EINFACH NICHT!!! Also bleibt einem nur die Hoffnung eines Tages wieder hoffen zu dürfen.
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Nirathina am 28. Dezember 2011, 16:21:25
@ Angela & Brigadoona:

Brotlose Kunst  :) So nennt meine Mutter es immer, weil man ja nur davon leben kann, wenn man es damit weit bringt und einen berühmten Namen trägt. Es ist wie mit der Schauspielerei und dem Gesang: Wenn man groß rauskommen will, muss man viel Zeit und Geduld investieren und man sollte einige Rückschläge verkraften können. Ja, in der Tat: Wir sind alle Masochisten  ;D

Meine liebste Methode, meine Zweifel unter den Teppich zu kehren: Ich lese die ersten paar Seiten von Twilight und ärgere mich dann, dass so ein Unsinn groß rausgekommen ist. Motivation: Das kann ich schon lange und obendrein zehnmal besser  ;)
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Snöblumma am 28. Dezember 2011, 16:48:41
Hach ja - erst mal danke euch allen für die lieben, aufmunternden Worte :gruppenknuddel:.

Mal sehen, wie es im neuen Jahr weitergeht. Derzeit komme ich überhaupt nicht zum Schreiben, es ist mal wieder viel zu viel zu tun zwischen den Jahren. Leider fehlt mir das Schreiben gerade auch überhaupt nicht, obwohl Ideen und Szenen in meinem Kopf herumspuken. Ich hoffe, dass das mit dem neuen Projekt, das ich ab Januar plotte, besser wird.

@Grey
Betaleser habe ich bisher leider nur eine (Danke, Jara, an dieser Stelle, du bist ein Schatz!). Vielleicht suche ich mir demnächst jemanden, nur will ich niemanden mit meinem Epos behelligen und mein NaNo-Projekt ist noch nicht fertig überarbeitet. Vielleicht im Januar.  :seufz:

Naja, mal sehen, es wird nichts so heiß gegessen, wie es gekocht wird. Im neuen Jahr kommt hoffentlich der Spaß am Schreiben wieder, auch wenn es zeitlich nicht einfacher wird bei mir. Blöhöde Uni.
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Alana am 09. Januar 2012, 20:43:50
So, jetzt hat es mich auch erwischt. Ich war so glücklich mit meinem Plot, mit meinen Protas, mit meinen Fortschritten. Ich bin es immer noch. Und dann läuft mir ein Buch über den Weg, das mehrere Gemeinsamkeiten mit meinem hat. Zwei signifikante Dinge sind ähnlich und dann noch einige Kleinigkeiten. Trotzdem ist meine Geschichte ganz anders, meine Protas sind anders, aber dennoch deprimiert es mich.
Natürlich schreibe ich für mich, nicht mit dem einen Ziel der Veröffentlichung und ich weiß auch, dass es unheimlich viele Bücher gibt, die sich ähnlich sind und dass das manchmal sogar ein Vorteil sein kann, aber mich hat das grad trotzdem ein bischen runtergezogen und ich bräuchte einfach ein bischen Trost.  :bittebittebitte:
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: HauntingWitch am 09. Januar 2012, 20:59:41
Oh, Alana, das ist ein total doofes Gefühl.  :knuddel: Kenne ich. Auch wenn das Buch anders ist - was ja logisch ist - fühlt man sich doch so seiner Eigenheiten beraubt. Aber behalte immer im Kopf: Deine Protas, deine Locations und wie du alles verbindest, kann dir keiner rauben. Ähnlichkeiten mit anderen wird es immer wieder geben, aber was zählt sind deine Eigenheiten. Und diese sind immer vorhanden, jede Ausführung ist so individuell wie du. Geschichten eines Autors sind immer in irgendeiner Weise einzigartig, auch wenn es manchmal anders scheint. Statt dich darüber verrückt zu machen: Denke an all die Dinge, die das Besondere ausmachen und wenn nur du selbst darüber Bescheid weisst.  :knuddel:
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Alana am 09. Januar 2012, 21:06:24
Das hast du schön geschrieben, das trifft es genau. Danke dir.  :knuddel:
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Grey am 09. Januar 2012, 21:28:26
Ach, das Gefühl kenne ich sehr gut, Alana. Ich hatte das jetzt mit meinen Vampiren schon zweimal, und das obwohl die schon veröffentlicht sind! Da hilft nur Zähne zusammenbeißen und wissen, dass das eigene trotzdem immer etwas besonderes bleiben wird. :knuddel: Deine Geschichte kannst nur du erzählen, und niemand sonst.
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Alana am 09. Januar 2012, 21:30:11
Danke dir, Grey.  :knuddel: Ich kann mir gut vorstellen, dass einen sowas immer runterzieht, gerade wenn sie mal auf dem Mark sind.
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Sanjani am 09. Januar 2012, 21:41:56
Hallo Alana,

auch ich kenne das Gefühl, das du beschreibst. Aber ich sag mal so: Es muss doch eine sehr gute Idee sein, wenn sie schon mal jemand zwischen zwei Buchdeckel gebracht hat, oder? :) Leider bist es nicht du, aber die Idee wird deshalb nicht weniger gut oder originell oder interessant. Und darüber hinaus kann man nie genau dasselbe schreiben, wie jemand anderes. Es bleiben immer die ganz persönlichen Eigenheiten, die eine Geschichte einzigartig machen.

In diesem Sinne hau in die Tasten!

LG und :knuddel:

Sanjani
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Alana am 09. Januar 2012, 21:44:34

Zitat
Es muss doch eine sehr gute Idee sein, wenn sie schon mal jemand zwischen zwei Buchdeckel gebracht hat, oder?
Das hab ich vorhin auch schon gedacht ;D

Danke euch allen, ich bin so froh, dass es euch gibt, das tut wirklich gut.  :knuddel:
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Zanoni am 10. Januar 2012, 01:33:54
Hallo Alana,

auch wenn Du Deine Zweifelphase nach all den guten aufbauenden Antworten wahrscheinlich bereits hinter Dir hast, würde ich gerne noch eine kleine Ergänzung anbringen.

Dabei nenne ich nur einen Titel: Romeo und Julia.

Was meinst Du, wieviel abermillionen Varianten es von dieser Geschichte gibt? Und? Stört das irgendjemanden? Nö, ganz im Gegenteil! Es gibt wahnsinnig viele Menschen, die nicht genug von Geschichten dieser Art bekommen können ... immer und immer wieder ... in unzähligen Variationen ... und trotzdem bleibt das Interesse ungebrochen. Warum? Die Geschichte ist doch längst hinlänglich bekannt.

Vermutlich ist nicht so wichtig, es wirklich Neues zu schreiben, etwas, das es noch niemals zuvor in irgendeiner Variation gegeben hat (falls das überhaupt möglich sein sollte), sondern einfach nur die ganz eigene Sichtweise der Grundidee hinzu zu fügen. Das ist es, was die Menschen wirklich interessiert! Deine ganz individuelle, persönliche Note. Egal, welche Art von Geschichte Du erzählen hast - nur Du kannst allein sie auf Deine spezielle Weise erzählen, niemand sonst.

Und daher ist es wichtig, dass Du sie auch wirklich erzählst, und Dich nicht von einzelnen Elementen ablenken lässt, die irgendwann irgendwer irgendwo ebenfalls verwendet hat.

Viele Grüße
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Nirathina am 10. Januar 2012, 13:45:57
Ach Leute, ich bin so deprimiert  :seufz:

Meine Barden-Geschichte läuft gut, meine Story mit den Drachen nimmt total tolle Ausmaße an ... aber ausgerechnet mein Erstling, mein liebstes Baby, mein Augenstern - stagniert.
Mit dem ersten Teil bin ich ja völlig zufrieden und auch meine Betaleser haben mir bisher attestiert, dass es ihnen gefällt; was mich gerade vor eine riesige Herausforderung stellt ist aber der zweite Teil. Nachdem ich ihn komplett neu skizziert hatte (die vorherige Version spottet jeder genaueren Ausführung), war ich hochmotiviert - und hab nicht mal ein ganzes Kapitel zustande bekommen  :'(
Das Haupproblem ist, dass mir alles durch die Finger rinnt und jede Idee, die ich zuvor für so atemberaubend gut gehalten hatte, ist in meinen Augen jetzt Müll. Mir schweben unzählige Handlungsverläufe vor, aber die scheinen einfach nur schlecht zu sein, sogar das Schicksal meines wichtigsten Protagonisten verschleiert sich mir - ich überlege wirklich, die ganze Sache kurzzeitig auf Eis zu legen, aber ich kann mich nicht dazu durchringen, schließlich ist es mein Baby  :versteck:

Verdammt, was soll ich denn machen? Ich hatte noch nie solche Probleme damit!
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Dogtales am 10. Januar 2012, 13:56:36
Ach Nirathina, auf jeden Fall darfst du nicht aufgeben und immer positiv denken.
Ich kenne das Gefühl nur allzu gut. Ich hatte 70 NS geschafft, mein Liebling, den ich über Jahre mit mir getragen habe, um dann festzustellen, dass ich alles ganz schrecklich finde. Dass nichts aufgeht, wie ich es gern haben möchte und meine Charaktere mit fast egal waren.
Ich habe mir zwei Wochen Auszeit genommen. Gar nichts gemacht. Aber mir Gedanken gemacht, wie ich in die Geschichte wieder hineinkommen könnte. In meinem Fall hat mir die Schneeflocken-Methode geholfen. In den Grundzügen hatte ich die Geschichte im Hinterkopf, den Rest habe ich mich komplett neu leiten lassen und jetzt bin ich an einem Punkt angelangt, an dem ich meine Geschichte wieder liebe wie zuvor.

Was ich dir damit sagen will, ist nicht, nimm die Schneeflocke, immerhin macht jeder es anders und jeder hat so seine eigenen Methoden, ich will damit sagen: Vielleicht hilft es dir, deine Geschichte mal aus einem ganz anderen Blickwinkel zu betrachten. Vielleicht hilft es dir, einfach mal eine andere Herangehensweise, eine andere Methode zu plotten oder dich mit deinen Figuren auseinanderzusetzen, auszuprobieren. Versuch's mal, schaden kann's ja nicht :)

Ich wünsche dir auf jeden Fall, dass es wieder klappt und du und deine Geschichte euch wieder vertragt.  :knuddel:
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Nirathina am 10. Januar 2012, 14:06:01
Danke Dogtales  :knuddel:
So schwer es mir auch fällt: Ich werde mal versuchen, den Blickwinkel zu ändern, aber dazu brauche ich wohl erst einmal eine Auszeit von meinen Wölfen  :seufz: Vielleicht sollte ich mal etwas tun, was gar nicht mit der Geschichte in Verbindung steht. Das wird nach all den Jahren Arbeit zwar schwer, aber einen Versuch ist es wert, wenn es danach weitergeht.
Ja, das klingt gar nicht so übel. Danke für den Vorschlag  :)
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Kisara am 10. Januar 2012, 14:09:03

Ach Nira, tut mir Leid hören zu müssen, dass du in einer Krise steckst.

Manchmal hilft es tatsächlich, die Geschichte eine Weile in die Schublade zu legen und erst einmal ein paar andere Ideen aus dem Kopf zu kriegen.
Vielleicht brauchst du auch einfach Urlaub - auf jeden Fall immer positiv denken und nichts aus Frust löschen. Das bereust du später.

Vielleicht hilft es auch, wenn du dir einen neuen Beta suchst, der mit frischen Ideen neuen Wind in deine Gedanken bringt.
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Serisamara am 10. Januar 2012, 16:11:24
Hey Nira, ( ich bin jetzt mal so frech  ;D)

Ich kenne dieses Gefühl ebenfalls. Seit Wochen habe ich nicht ein Wort zu Papier gebracht. Auch ich denke, dass ich es mit meinem Baby sein lassen sollte.
Und das "kurz" vor dem Abschluss. Es ist nicht mehr viel was ich schreiben muss ... aber irgendwie habe ich ein totales Blackout. Ich bin sogar soweit, das ich an meinen Fähigkeiten zweifle. Auch andere Sachen, die ich mir vorgenommen habe, liegen brach. Mein Kopf fühlt sich an wie ein Haufen Matsch. Und ich weiß nicht, was ich dagegen tun soll.
Desweiteren kommt noch hinzu, das es mir wie Alana geht. Viele der bereitsveröffentlichten Vampirbüchern haben Ähnlichkeiten mit meinem Baby und ich könnte heulen. Auch wenn ich weiß, dass die Ideen von mir kommen und nicht abgeschaut wurden. Ich zweifle an der Geschichte, ich zweifle an meinen Fähigkeiten ... und das zieht mich noch weiter runter.

LG

Seri
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Alana am 10. Januar 2012, 16:21:48
@Zanoni: Danke dir, das denke ich auch, und ich bin ja auch selbst jemand, der sehr gerne nach Ähnlichem sucht, wenn mir eine Geschichte gefallen hat.

@Serisamara: Achje, lass dich mal drücken. Letztendlich hilft es wohl nur, wenn wir uns daran erinnern, wieviel Spaß das Schreiben macht und was die anderen gesagt haben: Deine Stimme zählt. Und die kannst du nur entwickeln, wenn du schreibst. Lass nicht zu, dass irgendwas dich vom Schreiben abhält.  :knuddel:

@Nira: Ich verstehe dich sehr gut, mir geht es gerade ähnlich. Der erste Teil ist super geplottet, aber der zweite entgleitet mir immer. Dann denke ich, ich habe eine gute Idee, aber nach zwei Tagen zweifle ich wieder daran. Vielleicht liegt es daran, dass ich mich nicht trennen kann von alten Szenen, die aber so einfach nicht funktionieren. Sich zum Entrümpeln zwingen oder tatsächlich mal eine Pause machen hilft vielleicht wirklich.
Außerdem kann ich die Plotschmiede sehr empfehlen, damit hab ich meinen ersten Teil super hinbekommen und den zweiten nehmen wir auch noch in Angriff.
Gib nicht auf, das wird schon! Mein Baby liegt übrigens auch seit einigen Monaten in der Schublade. Jetzt, wo es mit dem neuen Projekt einigermaßen läuft, bin ich aber endlich zuversichtlich, dass ich mein Herzenskind auch irgendwann hinbekomme. Also kann es vielleicht auch hilfreich sein, eine Auszeit zu nehmen, das ist nicht nur negativ.
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Arcor am 10. Januar 2012, 16:41:05
@ Nirathina

Ach du, lass dich erstmal drücken  :knuddel:. Ich würde denke ich versuchen, das ganze erstmal ein wenig ruhen zu lassen. Ich weiß, dass es schwer ist, sich Auszeit vom Baby zu nehmen, aber in meinen Augen ist das das Beste, was du momentan machen kannst. Du hast ja auch genug andere Sachen in der Mache.
Vielleicht liegt es sogar gerade daran. Ich wäre zum Beispiel glaube ich hemmungslos überfordert, an mehreren Geschichten gleichzeitig nicht nur zu plotten (das geht vielleicht noch mehr schlecht als recht), sondern auch zu Schreiben. Da muss man doch das Gefühl für Figuren und Plots verlieren.
Versuch dich davon nicht runterziehen zu lassen, sondern stürze dich erstmal am besten mit Feuereifer auf Nightingale und Sanguis Draconis. Der Fokus und das Gefallen an deinem Baby wird schon noch zurückkehren. Stephen King schreibt auf diese Weise auch immer an mehreren Büchern zugleich, immer da, wo es gerade läuft. Und wenn er an der einen Geschichte einen Hänger hat, setzt er sich an eine andere und schreibt die weiter.
Das wird schon wieder.  :)
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Nirathina am 10. Januar 2012, 16:46:15
Ach, Leute, ihr seid toll  :knuddel:

@ Kisara:

Zitat
Vielleicht brauchst du auch einfach Urlaub - auf jeden Fall immer positiv denken und nichts aus Frust löschen. Das bereust du später.

Das mit dem Urlaub klingt toll. Aber nein, keine Sorge, gelöscht wird nichts. Die alte Version von Teil 2 hab ich noch, gewissermaßen als Vergleichsexemplar.


@ Seri (ich bin jetzt auch mal so frech  ;))

Lass dich knuddeln  :knuddel: Geteiltes Leid ist ja bekanntlich halbes Leid. Wir schaffen das irgendwie.


@ Alana:

Zitat
Ich verstehe dich sehr gut, mir geht es gerade ähnlich. Der erste Teil ist super geplottet, aber der zweite entgleitet mir immer.

Ja, genau das ist es!! Mit meinem Erstling bin ich jetzt in der 3. Version. Die erste war einfach nur Mist, weil durcheinander und total ohne Sinn und die zweite hat sich im zweiten Band als Unfug entpuppt. An der dritten habe ich jetzt sehr lange gearbeitet und ich finde sie zum ersten Mal wirklich richtig gut und jetzt droht der zweite Teil wieder, das alles zu vermasseln. Ist das irgendwie eine Seuche? Band zwei eines Mehrteilers killt die Nerven des Autors?  :brüll:


@ Arcor:

 :knuddel: Ja, vielleicht übernehme ich mich mit den drei Projekten auf einmal tatsächlich ein bisschen.
Dass Stephen King so verfährt wusste ich gar nicht - dann muss ich mich wohl nicht schämen, wenn ich das auch mache  :) Vermutlich sollte ich mich wirklich erst einmal auf Nightingale und Sanguis Draconis stürzen. Immerhin dürfen die nicht unter Shattered leiden, nur weil auch ich darunter leide (dabei befürchtete ich immer, es würde irgendwann umgekehrt sein).


Ich werde eure Ratschläge beherzigen und mein Baby erst einmal in die Schublade stecken. Wenn es nicht auf mich hören will, muss es eben lernen, wem es seine Existenz zu verdanken hat  :darth:
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Serisamara am 10. Januar 2012, 16:57:29
Auch ich habe zu danken  :knuddel: Ja geteiltes Leid ist halbes Leid  ;)
Ich arbeite seit 2005 an diesem Roman. Und bis jetzt ist auch alles super. Ich weiß auch WAS in den letzten Kapiteln passieren SOLL. Nur irgendwie finde ich keine Worte um es zu schreiben. Ich hab leider kein anderes Schreibprojekt.  :wart:
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Assantora am 10. Januar 2012, 20:16:34
@ Nira

Zitat
Mit meinem Erstling bin ich jetzt in der 3. Version.
Erst? Bitte nicht böse sehen, aber ich habe meinen Erstling, den ich dank euch allen hier wieder hervor gekramt habe, endlich in einem richtigen Gewand gegossen bekommen. Ich glaube das ist jetzt mindestens schon die fünfte Version. Also lass dich davor nicht zurückschrecken. Ich brauchte extrem viel Abstand und vor allem neuen Input, deswegen auch mein Nick und die damit verbundene Webseite  ;)
Wer weiß, vielleicht ist die Geschichte auch noch nicht bereit geschrieben zu werden. So etwas gibt es nämlich auch. Also immer positiv denken, dass klappt schon  :)

@ Seri

Zitat
Ich arbeite seit 2005 an diesem Roman. Und bis jetzt ist auch alles super. Ich weiß auch WAS in den letzten Kapiteln passieren SOLL. Nur irgendwie finde ich keine Worte um es zu schreiben.
Ich lass mal den Psycho-Onkel hier raus hängen, aber ist es möglich, dass ein Teil von dir es nicht beenden will? Wer weiß. Vielleicht hockt da ein kleines Männchen in deinem Kopf, dass sofort los schreit, als wäre sein Überleben davon abhängig, dass du die letzten Kapitel nicht schreibst.
Denn das Ende einer Geschichte ist doch immer etwas deprimierendes. Ich kenne das bei Filmen, vor allem bei meinem Liebling Herr der Ringe. Da ist der Ring nicht mehr und man fragt sich, was kommt danach, obwohl die Geschichte ja ein Ende hat. Man mag die Charaktere, wie Sam, ohne den die Reise ganz anders ausgegangen wäre, O Mann, werde ich hier wohl sentimental.
Aber vielleicht hilft dir das als einen kleinen Trost. Das bedeutet für mich auch nur, dass deine Charaktere sehr lebendig sein müssen und hey, was will man mehr?
Nicht den Kopf in den Sand stecken und vielleicht mal doch ein anderes Projekt versuchen. Ideen gibt es ja wie Strand am Meer, ansonsten der Chat vielleicht als Hilfe?
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Rosentinte am 10. Januar 2012, 21:21:32
Mir schweben unzählige Handlungsverläufe vor, aber die scheinen einfach nur schlecht zu sein, sogar das Schicksal meines wichtigsten Protagonisten verschleiert sich mir - ich überlege wirklich, die ganze Sache kurzzeitig auf Eis zu legen, aber ich kann mich nicht dazu durchringen, schließlich ist es mein Baby  :versteck:
Hast du denn das Gefühl, du hättest einfach keine Ideen dafür oder "verschweigt" er es dir? Im zweiten Falle würde ich dir empfehlen, den Prota durch die Vorstellungsgespräche hier zu jagen (das hilft eigentlich meistens). Vielleicht entdeckst du dann eine neue Seite an deinem Prota, die sowohl sein Schicksal entscheidet als auch dir neuen Input gibt.

Ihr lieben, verzweifelten Schreiber - lasst euch drücken :gruppenknuddel: So doof das auch klingt: Das wird schon und wenn ihr Hilfe braucht, meldet euch!
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Alana am 10. Januar 2012, 21:29:29
@Nira: Ich meinte den zweiten Teil vom ersten Buch, aber das Problem ist das Gleiche.
Tröste dich, viele Menschen, vor allem Drehbuchautoren scheinen mit den 2. Teilen ihre Probleme zu haben. Obwohl ich bekennende 2. Teile Liebhaberin bin, ist doch der allgemeine Konsens, dass die zweiten Teile meist für die Tonne sind. Sie sind eben Mittelteile und haben eine undankbare Aufgabe. Aber bestimmt bekommst du das hin, da bin ich sicher.

Mein Erstling befindet sich noch in der ersten Version und wird wohl auch so bleiben, denn ich glaube, da bräuchte ich auch mindestens 5 Versionen.
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Atischara am 10. Januar 2012, 22:38:51
@ Seri
Ich lass mal den Psycho-Onkel hier raus hängen, aber ist es möglich, dass ein Teil von dir es nicht beenden will? Wer weiß. Vielleicht hockt da ein kleines Männchen in deinem Kopf, dass sofort los schreit, als wäre sein Überleben davon abhängig, dass du die letzten Kapitel nicht schreibst.
Denn das Ende einer Geschichte ist doch immer etwas deprimierendes. Ich kenne das bei Filmen, vor allem bei meinem Liebling Herr der Ringe. Da ist der Ring nicht mehr und man fragt sich, was kommt danach, obwohl die Geschichte ja ein Ende hat. Man mag die Charaktere, wie Sam, ohne den die Reise ganz anders ausgegangen wäre, O Mann, werde ich hier wohl sentimental.
Aber vielleicht hilft dir das als einen kleinen Trost. Das bedeutet für mich auch nur, dass deine Charaktere sehr lebendig sein müssen und hey, was will man mehr?
Nicht den Kopf in den Sand stecken und vielleicht mal doch ein anderes Projekt versuchen. Ideen gibt es ja wie Strand am Meer, ansonsten der Chat vielleicht als Hilfe?

Da könnte wirklich was dran sein. Ich kenne einen Fall, wo das letzte Kapitel einer wissenschaftlichen Arbeit nicht heraus wollte. Es lief erst, als ich ohne große Vorkenntnisse ein paar Abschnitte zum Thema des Kapitels geschrieben habe. Offenbar gab das den nötigen Anstoß für den Autor, die Sache selber in die Hand zu nehmen. In einem anderen Fall ist eine Doktorarbeit wahrscheinlich bis heute nicht fertig geworden, aus ähnlichen Gründen. Das kommt also auch bei anderen Arten von Büchern vor, nicht nur bei Romanen. Könnte also auch Erfüllungsangst sein. Vielleicht gibt es hier ja Psychologen, die mehr dazu sagen können.

Aber grundsätzlich: Ich glaube, an meinem Roman sitze ich jetzt auch schon seit 2006, und obwohl die Grundzüge der Geschichte stehen, gibt es noch viel nachzuarbeiten. Deshalb hakt es hie und da, und dann brauche ich eben meine Zeit, um mich wieder zu motivieren und tatsächlich weiterzuschreiben. :omn:
Wenn man das nebenbei macht und auch sonst stark beansprucht ist, dann finde ich das ganz normal. Manchmal kann man einfach ein paar Wochen lang nicht produktiv arbeiten, weil man vom Beruf und anderen Projekten oder auch vom Privatleben und manchmal von Problemen so ausgepowert ist, daß man sich nicht noch hinsetzt und an einer widerborstigen Szene weiterschreibt. Wahrscheinlich wäre das Buch in einem Jahr fertig, wenn ich mich nur damit befassen könnte und irgendetwas davon abhinge, daß es auch wirklich in dieser Zeit fertig wird. Aber solange einem kein Verlag im Genick sitzt...  ;)

Der Thread hier ist jedenfalls toll! Bei der nächsten Runde "böse Zweifel an meinen Fähigkeiten und überhaupt" komme wieder her!  :jau:
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Serisamara am 11. Januar 2012, 08:17:11
@Assantora, das könnte sein, aber es ist der erste Band einer Reihe und die Geschichte ist noch lang nicht zu ende. Es ist dennoch ein Bruch und ja vielleicht habe ich ein bisschen Angst davor es zu beenden. Trotzdem will ich es beenden.
Ich hab durchaus vor, mich erst mit anderen Ideen zu befassen ... wenn diese denn endlich anklopfen würden  :versteck:

@Atischara, auch du hast vollkommen recht. Mein Kopf ist voll mit anderem Kram, warum ich auch Matsch in der Birne habe.  :hmmm:

Vielen Dank an euch  :knuddel:
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Dogtales am 11. Januar 2012, 09:44:34
@Seri: Nicht aufgeben, das wird schon wieder.  :knuddel:
Selbst wenn du Angst hast, die Angst kann man sicherlich überwinden. Versuch doch, dir zu sagen, es ist ja noch nicht vorbei, wenn du es fertig geschrieben hast. Es geht danach ja weiter und hört nicht vollkommen auf. Also keine Sorgen :)
Wenn dein Kopf so voll ist, dass du davon ganz Banane wirst, vielleicht hilft es dir,  eben diese Gedanken oder Sorgen erst einmal aus dem Weg zu räumen. Mach ersteinmal fertig, was fertig gemacht werden muss. Und zweifle nicht an dir. Egal wie schwer es ist, du musst an dich glauben. Und vielleicht hilft es dir auch, nur deine Gedanken aufzuschreiben. Irgendwann kommen die Worte schon. Und wenn der Kopf erst einmal frei ist, dann kommt sicherlich auch wieder etwas Platz für neue Ideen :)
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Serisamara am 11. Januar 2012, 14:05:48
Danke Dogtales  :knuddel:

aber jetzt wo bekannt ist das meine Hexen KG nicht genommen wurde, nagt das wieder an mir. Aber ich werde mich zusammenreissen und für andere Ausschreibungen so Hammer KGs schreiben und alles zeigen was ich kann ... Ich hab mir das jetzt fest vorgenommen.

Also Ideen, wird zeit das ihr euren Weg zu mir findet. Hier bin ich!
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Nirathina am 11. Januar 2012, 19:02:15
Liebe Leute, ihr seid echt super  ;D

Ich habe jetzt 24 Stunden nicht an meine Wölfe gedacht und endlich komme ich mir nicht mehr vor wie in einer Schraubzwinge  :D Fühlt euch alle geknuddelt! Meine Wölfe schlafen jetzt ein bisschen und ich wende mich anderen Dingen zu. Wenn sie dann quengelig werden, werde ich wohl (wie von Rosentinte vorgeschlagen) meinen Prota zum Vorstellungsgespräch zwingen, damit er sich mir endlich wieder offenbart. Ihr verdient alle ein Therapeuten-Diplom!

Und Seri, dir kann ich nur raten: Wenn du wirklich nicht weiterkommst oder dich gar vor dem Ende fürchtest, nimm auch mal ein bisschen Abstand, zeichne, male, hör Musik und versuche dann mit neuem Elan an deine Story ranzugehen. Eine "Trennung auf Zeit" wirkt wahre Wunder. Na gut, meine dauert erst einen Tag, aber es wirkt. Man muss seinen Leutchen zeigen, wer die Tastatur bedient  :snicker:
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Assantora am 20. Januar 2012, 19:36:44
Ach ja, jetzt hat es mich auch mal erwischt. Der Zweifel in Person.

Ich mag meine Geschichte eigentlich und sie zu schreiben läuft auch ganz gut. Doch nun langsam werden Fragen laut. Nicht nur die, ob die Geschichte überhaupt lang genug wird, um sie Buch zu nennen, sondern das schlimmste, was passieren kann: Mein Hauptchara wird langsam aber sicher überflüssig. Ich habe gedacht, dass dieser Chara eine viel größere Rolle in der Geschichte einnimmt. Seine 'Heldentaten' beschränken sich im Moment nur auf das Überbringen einer Nachricht, die eigentlich auch von jemand anders hätte überbracht werden können. Und ich empfinde diesen Charakter wirklich als zu flach. Scheinbar hat er vergessen, was passiert ist. Dem Tode gerade entkommen und die Gefahren im Auge gehabt, scheint er es ganz locker verkraftet zu haben.
Ich muss mir die Frage stellen, ob dieser Mensch nur so tut, als ob alles ok wäre, doch innerlich sich furchtbaren Qualen stellen muss und in Wahrheit sich lieber um andere sorgt, als um sich selber.
Dennoch läuft der Plot diesem Chara fort. Er wird immer mehr ins Abseits gestellt und ich weiß nicht so Recht, wie ich damit umgehen soll. Ein heldenhafter Tod, krampfhaftes Festhalten, oder ihn einfach gehen lassen, wenn die Situation es zulässt.
Das passiert, wenn man plottet und gleichzeitig auch schon beginnt zu schreiben. Denn ich muss schreiben, um zu sehen, wohin die Geschichte in etwa führt. Das eine hilft den anderem, nun aber nicht mehr dem Chara.

Ich habe beschlossen es konsequent durchzuziehen und zu schauen, was mit diesem Chara wirklich passiert. Vielleicht muss er erst ins Abseits geraten, um dann später in den Mittelpunkt zu rücken. Im Moment hat er aber von den festen Charakteren den geringsten Stellenwert, ist also austauschbar oder zu vernachlässigen.

Ich weiß nicht so Recht, wie ich damit umgehen soll. Hin und wieder blitzt ein Gedanke wie: "Das wird nichts", oder "Du hast es verbockt" in meinem Oberstübchen auf und weiß nicht, wie lange ich diese Gedanken noch verdrängen kann.
Und das alles, obwohl ich weiß, dass ich nicht der überragende Schriftsteller bin und wahrscheinlich auch nie sein werde.  >:(
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Tintenweberin am 20. Januar 2012, 19:46:04
Vielleicht solltest du diesen sonderbaren Helden zum Verhör zum Gespräch in den Tintenzirkel bitten ...   ;)
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Zit am 20. Januar 2012, 19:50:53
Mal langsam mit den Pferden. ;) Wenn sich der Charakter als Luftnummer entpuppt, ist das enttäuschend, aber verkaftbar, vorallem, weil du andere, aktivere Figuren hast. Geh in dich und frag deinen Charakter aus, wie er sich das denn vorgestellt hat: Erst nach der Hauptrolle schreien und dann Schattenspiele veranstalten, so geht das ja mal gar nicht. Und wenn er nicht mit dir redet, vll. redet er mit uns, wie Tintenweberin schon riet. Verzweifel nicht, das wird schon. Und wenn du ihn am Ende kickst, dann soll es nicht anders sein. Wer nicht arbeitet, verdient auch keine Hauptrolle. Als Autor sitzt man immer noch am längeren Hebel.
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Kayla am 20. Januar 2012, 20:13:53
Ich denke auch, dass du den  Chara mal zur Vorstellung hier vorbei schicken solltest.

Auf jeden Fall liegt es mit Sicherheit nicht an dir. Vielleicht soll der Held ja gar nicht der Held sein. Klingt blöd, ich weiß. Aber wenn er in der Versenkung verschwinden soll, dann kannst du da nicht viel machen, befürchte ich. Dann tritt bestimmt ein anderer Chara ins Licht und übernimmt gerne diese Rolle!

Lass dich mal richtig  :knuddel:
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Nirathina am 21. Januar 2012, 09:16:30
Hey Assantora  :winke:

Oh, das tut mir echt leid. Gerade ein nutzlos erscheinender Protagonist ist echt das evil Nonplusultra  :(
Neben der Idee, die bereits genannt wurde, also ein Vorstellungsgespräch, würde ich dir auch wie Zitkalasa raten, einfach mal in dich zu gehen und dich zu fragen, was deinen Prota denn ausmacht.
Ein stiller Protagonist ist auch was wert - es muss ja nicht gerade Herkules sein.
In den griechischen Heldensagen wurde ein Held zum Helden, weil er entweder auserwählt wurde oder ein Kind von Göttern war. Dadurch entstand ein Nutzen. Dein Prota muss ja nicht unbedingt der Mega-Held sein, aber er kann sich ja hervortun: Er überbringt eine Nachricht, hast du gesagt; vielleicht passiert auf diesem simplen Weg etwas, wodurch er seinen Mut (Nutzen) beweisen kann? Etwas, das auch jedem anderen hätte passieren können, der diese Nachricht hätte überbringen sollen? Eventuell liegt der "geringe Wert" deines Charas ja nicht am Chara selbst, sondern am Plot?
Außerdem ist ein sich weiterentwickelnder Charakter auch etwas Feines...

Steck also nicht den Kopf in den Sand (und bitte auch nicht den Sand in den Kopf), sondern sag "Stop!", hol tief Luft und lass die Gedanken kreisen. Das bekommst du schon hin, da bin ich mir sicher.
Und zum Abschluss: Aufheiterungs- :knuddel:

Nira
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Aphelion am 21. Januar 2012, 10:09:02
Ich sehe es auch eher als Chance - wenn es gut gemacht ist und noch "mehr" passiert, als dass der Protagonist von A nach B und weiter nach C läuft, sehe ich da überhaupt kein Problem.
Denk doch nur mal an "Herr der Ringe"... Frodo bringt den Ring zum Recycling. ;) Die Frage ist doch, was du daraus machst und wie sich dein Protagonist entwickelt, welche Hürden er überwinden muss... :)
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Assantora am 21. Januar 2012, 12:13:06
Ihr seid alle so lieb  :knuddel:

Das ist nun schon das zweite oder dritte Mal in dem Projekt, wo ich jammere und das eigentlich ohne Grund.
Ich hab's ja im Prinzip schon angesprochen.

Zitat
Ich muss mir die Frage stellen, ob dieser Mensch nur so tut, als ob alles ok wäre, doch innerlich sich furchtbaren Qualen stellen muss und in Wahrheit sich lieber um andere sorgt, als um sich selber.
Und die Antwort ist ja. Er ist förmlich der Seelentröster der Heldengruppe momentan. Eine Szene hab ich jetzt wieder geschrieben, wobei die Charas immer bessere Einfälle haben, als das, was im Plot steht und schwupps, handelt er, weil jemand anders zweifelt. Das ist gut :) (Ob seine Handlung vielleicht etwas übertrieben ist, muss ich mir dennoch mal überlegen)
Wann ich den Bruch des Charas einbaue, dass steht noch in den Sternen. Er muss doch mit seinen Ängsten konfrontiert werden *überleg*

@ Zitkalasa
Zitat
Erst nach der Hauptrolle schreien und dann Schattenspiele veranstalten, so geht das ja mal gar nicht.
mmh, Warum nicht? Es lenkt den Leser ab, dass ist klar, aber vielleicht übersehe ich nur, dass er momentan nicht im Mittelpunkt steht, ich nur krampfhaft versuche, ihn die erste Geige spielen zu lassen, obwohl er nur eine zweite ist, oder so. *wieder überleg*

@ Kayla

Zitat
Lass dich mal richtig  :knuddel:
Ach, das tut gut :)

@ Nirathina

Zitat
Eventuell liegt der "geringe Wert" deines Charas ja nicht am Chara selbst, sondern am Plot?
Da sagst du was. Die Geschichte ist nämlich förmlich eine Neuauflage meiner ersten Geschichte. Wenn ich mich zurückerinnere, die beiden Charas unterscheiden sich vollkommen, der alt war auch mehr im Schema "Auserwählter" zu finden, während der jetzige nur ein einfacher Soldat ist. Der Plot, daran kann es wirklich liegen. Er nur ein einfacher Soldat, die Geschichte dreht sich aber mehr um den Krieg, dem der Soldat plotbedingt momentan fernbleibt, Magiern und magischen Wesen.

@ Aphelion
Zitat
Denk doch nur mal an "Herr der Ringe"... Frodo bringt den Ring zum Recycling. ;)
Ja und je häufiger ich ihn mir anschaue, umso mehr stelle ich fest, dass Frodo mit einem Satz vollkommen Recht hat: "Ohen Sam wäre er nie so weit gekommen." Vielleicht übernimmt mein Chara eine ähnliche Rolle.

Vielleicht habt ihr auch nur mal wieder Recht: Ich will zu viel. Vielleicht ist mein Hauptprotagonist nur einen Nebenrolle, ein Mensch, der eine Geschichte begleitet, sie nicht immer erzählt, aber seinen Begleitern hilft, wo er nur kann, sei es durch Aufmunterung, oder wie heute passiert, durch ein chaotisches Verhalten, welches ich selber nicht von ihm erwartet hätte.
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Söfchen am 23. Januar 2012, 09:44:01
So was ist mir Gott sei Dank noch nicht passiert. Bei mir war es so, dass ich damals erst den Charakter entwickelt habe und die Geschichte hat sich sozusagen aus dem Charakter heraus entwickelt. Vielleicht wäre das eine Möglichkeit, die Geschichte erstmal ruhen zu lassen und dass du weiter den Charakter erforschst?! Dafür wäre das Vorstellungsgespräch ja echt gut!
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Arcor am 13. Februar 2012, 10:44:12
*KlopfKlopf*

Ja, jetzt hat's mich auch erwischt. Und ich Idiot mach auch noch die Tür auf.  :d'oh:

Bei mir nagt es gerade hauptsächlich, weil ich ein Buch lese, dass vom Thema und Stil nicht ganz unähnlich meiner eigenen Geschichte ist, die ich gerade schreibe. Und da packt mich doch echt der Zweifel, weil ich dieses Buch so unglaublich gut finde. Verdammt, dass ist wirklich eine Geschichte, wo es mir total schwer fällt, mich von loszureißen. Das ist mir so schon länger nicht mehr passiert. Ich hatte ja gehofft, dass sie nicht so ganz unähnlich ist, damit man bei einer etwaigen Agenturbewerbung angeben kann "Meine Geschichte ist ähnlich wie Buch X, nur mit mehr Y und weniger Z" oder so. Dachte mir mal, dass das eventuell ganz gut käme, quasi als Argument, dass eine solche Geschichte auf dem Markt funktionieren kann.
Tja, und jetzt finde ich besagte Geschichte super toll und frage mich gerade, warum man meine dann noch bräuchte.  :happs: Vielleicht ist das auch nur eine Momentaufnahme, da ich mit meiner Welt noch ringe und gerade der Aufbau der Welt in dem Buch absolut großartig ist. Aber auch mein Plot fühlt sich auf einmal merkwürdig brüchig unter meinen Fingern an.

Mhh, und die Worte von Schommes' Agent aus dem TZ-Blog ("Die Fantasywelle ebbt ab") tragen gerade auch nicht zur Stimmungsbesserung bei.

Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Michaela am 13. Februar 2012, 11:26:43
Oh Arcor lass Dich erst mal  :knuddel:

So ähnlich ging es mir vor einigen Tagen auch und der Spruch das die Fantasy Welle abebbt, hat da auch noch sein übriges getan. Nach einer Weile habe ich mich dann allerdings gefragt, ob das wirklich ein Grund ist, deswegen die Geschichte nicht zu schreiben.

Du bist Du und Du hast Deinen eigenen Stil. Es gibt ein Buch, das Deiner Geschichte ähnelt? Na und?
Es ist nicht dieselbe und Du wirst Deine ganz eigenen Ideen umsetzen. Vielleicht wird ein Anderer irgendwann Deine Geschichte genauso lesen und denken: schitt schreibt der aber gut und das ähnelt meiner Geschichte auch noch ...  ;D

Also Kopf hoch und nicht unterkriegen lassen. Nur wer aufgiebt verliert wirklich!
Außerdem unterliegen Genres genauso wie Mode einem Trend. Alles kommt irgendwann wieder.
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Sven am 13. Februar 2012, 11:40:07
Vor allem würde ich Aussagen wie "Die Fantasywelle ebbt ab" nicht allzu ernst nehmen. Wellen ebben immer mal wieder ab, aber sie steigen auch wieder.
Fantasy hat es schon gegeben, als die ersten Geschichten aufgeschrieben wurden, und ich bin mir sicher, dass es sie noch geben wird, wenn das letzte Buch gedruckt wird.
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Michaela am 13. Februar 2012, 11:50:33
Amen!  :pompom:
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Silvia am 13. Februar 2012, 13:50:30
Außerdem isses doch kein Wunder, dass diese Welle gerade mal etwas abebbt. Harry Potter ist zu Ende, Panem ist zu Ende, Biss ist zu Ende ... wo sollen denn die Renner so plötzlich herkommen, die in den letzten Jahren die Umsätze in die Höhe schießen haben lassen?
Also davon mal nicht beunruhigen lassen.  :)
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Sanne am 13. Februar 2012, 14:22:22
Genau - wird Zeit, dass aus dem Tintenzirkel Nachschub kommt!

Ich hab so etwas Ähnliches hinter mir, Arcor - und ich schreib fleißig daran weiter! Wem hab ich diese Erkenntnis zu verdanken?

Ja - dem Tintenzirkel! Dafür gibts gerne immer wieder  :gruppenknuddel:
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Alessa am 13. Februar 2012, 14:30:02
Lass dich  :knuddel: Arcor

Dein eigener Stil und deine Geschichte sind es, die sich von dem anderen Buch unterscheiden. Auch wenn sich beide vielleicht in der einen oder anderen Sache ähneln, so sind sie nicht gleich wie ein Zwillingspaar. Vielen Lesern gefällt vielleicht gerade deine Umsetzung des Themas und dein Stil, also nicht den Kopf hängen lassen, nur weil ein anderer sich an dem Thema bereits versucht hat. Ja?

Und auch wenn die Fantasy-Welle vielleicht eben einmal abebbt, so denke ich, das sich der Trend ganz schnell ändern kann. Ich glaube nicht, dass die Menschen nun urplötzlich gar keine Fantasy mehr lesen wollen.  :no:

Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Aphelion am 13. Februar 2012, 14:41:34
Selbst wenn die "Fantasy-Welle" (das klingt so negativ  :hmmm: ) wirklich abebbt: Bis man sein Buch fertig geschrieben UND überarbeitet hat UND einen Verlag gefunden hat UND das Lektorat durch ist UND das Buch auf den Markt kommt, kann nochmal eine ganz schöne Zeit vergehen. Und bis dahin ist die Welle vielleicht schon längst wieder da. :)
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Arcor am 13. Februar 2012, 18:13:19
Ach, ihr Lieben, danke für eure aufbauenden Worte. :gruppenknuddel:

Ich habe heute jetzt erstmal nicht weitergeschrieben, dafür aber das MP3-Orakel ein paar Vorlieben und Abneigungen zu meinen Protas ausspucken lassen (sowie eine Idee für den Track17-Wettbewerb  ;)). Ich glaube, ich werde die nächsten Szenen erstmal in Ruhe durchplotten, bevor ich drauflos schreibe und wieder das Gefühl habe, dass alles Müll ist.

@Sven & Aphelion
So habe ich das Wellen-Bild echt nicht gesehen. Aber es stimmt ja. Es kommt und geht und kommt zurück. Der Gedanke ist gleich schon viel aufbauender.  ;D
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Alana am 13. Februar 2012, 23:36:03
Ich bin zwar spät dran, aber lass dich auch nochmal drücken. Das mit der Ähnlichkeit ist mir auch schon passiert (einfach ein paar Seiten zurück blättern ;D) das ist gemein. Aber mittlerweile denke ich, vielleicht ist es auch eine Chance zu erkennen, was das eigene Buch so einzigartig macht und von anderen abhebt. Das wird schon wieder!  :knuddel:

Das mit der Fantasy-Welle hat mich auch erst ein wenig bedrückt, aber ich sage mir: Was solls? Natürlich kann man die Markt-Mechanismen nicht verleugnen, aber ich lasse mir davon nicht diktieren, was ich schreiben soll. Ich schreibe, was mir gefällt und was mir Spaß macht. Und wenn es jetzt keinen Platz dafür gibt, dann vielleicht später und eine Agentur kann man damit vielleicht trotzdem von sich überzeugen, so dass sie einen zumindest mal in die Kartei aufnimmt.
Außerdem glaube ich einfach nicht, dass der Fantasy-Markt wirklich abebbt. Klar, es ist immer ein auf und ab, aber ich denke das liegt auch an den ganzen Klonen, die die Verlage produzieren. Sorry, das wird jetzt OT. Ich wollte eigentlich nur sagen, dass ich glaube, dass man was solche Dinge betrifft, sich als Autor einfach ein dickes Fell zulegen muss. (Ich arbeite allerdings auch noch dran.  :gähn:) Und dass du dich deswegen nicht grämen sollst.  :knuddel:
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Arcor am 14. Februar 2012, 09:41:24
@Alana
Das mit dem dicken Fell muss ich auch noch üben.  ;)
Danke für's spätabendliche Drücken.  :knuddel: Ich muss zugeben, dass es heute schon etwas rosiger aussieht. Ich habe mir über die folgenden Szenen ein paar Gedanken gemacht  und werde mich da heute Nachmittag mal dransetzen, nachdem ich was für meine Hausarbeit getan habe, so für's Gewissen und so.  ;) Mal sehen, wie es wird.
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Nirathina am 15. Februar 2012, 09:14:57
Oh, ich böses Ding  >:( Jetzt war ich doch gar nicht da, um emotionalen Beistand zu leisten!

Also holen wir das nach: Lass dich 1000x  :knuddel: Arcor. Ich schließe mich den anderen an, vor allem der überaus passenden Metapher, die Sven geliefert hat, ist ja wohl mehr als aufbauend.

Einfach stur weiterarbeiten und immer daran denken: "Das war meine Idee ... ich war zuerst da"  ;)
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Pety am 07. März 2012, 14:47:10
Ich weiß gerade nicht, ob ich an mir zweifeln oder einfach nur um Zuwendung betteln soll. Innerhalb kürzester Zeit habe ich die dritte Absage einer Auschreibung bekommen, bei der ich teilgenommen habe. Okay, bei der einen hatte ich mir nicht wirklich Chancen ausgerechnet. Das war komplettes Neuland für mich. Aber die anderen beiden... auch nicht. Ich freu mich riesig für die Gewinner, wenn dann noch TZ-ler dabei sind, sowieso. Aber wann bin ich mal wieder dran? War das mal eine Eintagsfliege, was ich hatte? Ich bin gerade so entäuscht von mir  :versteck: so ein blödes Gefühl hatte ich lange nicht. Vor mir liegt mein derzeitiges Projekt und meine Prota will unbedingt ihre Ausbildung beenden, damit sie zum großen Finale kann, aber ich schau sie an, zuck mit den Schultern und sage zu ihr: "Such dir eine andere Autorin, ich bin keine."  :schuldig:
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: caity am 07. März 2012, 14:51:17
Achje, lass dich mal  :knuddel:

Es gibt immer wieder Durststrecken, vor allem, was das Veröffentlichen angeht. Und warum ein Beitrag nicht genommen wird, hat meist so viele Gründe. Ich würde mal behaupten im TZ wird es zu 90% nicht daran liegen, dass die Geschichte nicht gut war, sondern dass andere besser gefallen haben. Das ist immer so eine elendige Geschmacksfrage und davon werden wir nie verschont bleiben, pety. Ich würde sagen: Mach weiter! Lass dich nicht unterkriegen! Nach der Ebbe kommt auch wieder die Flut  :knuddel:
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: HauntingWitch am 07. März 2012, 14:58:45
Oh, pety, fühl dich mal gedrückt.  :knuddel:

Mach dich bitte nicht selbst fertig. Natürlich ist es hart, aber das kann tausende und abertausende Gründe haben. So ein Lektor ist letztlich auch nur ein Mensch mit einem subjektiven Empfinden. Vielleicht sind diese drei, die das gelesen haben, halt einfach anders gestrickt oder hatten andere Vorstellungen und schon ist es passiert. Aber deshalb solltest du auf keinen Fall alles aufgeben.  :knuddel: Besinne dich auf die Geschichten, die du bereits an den Mann gebracht hast: Sie beweisen doch, dass du gut bist, oder? Sie zeigen doch, dass du es kannst. Konzentriere dich darauf und versuche, dich nicht aufgrund der Meinung anderer nieder zu machen. Wichtig ist doch, dass du deine Geschichten liebst und von Herzen gern schreibst. Lass dich nicht aufhalten, das ist nicht dein Fehler.  :knuddel:
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Sprotte am 07. März 2012, 15:10:06
Die niederschmetternde Wirkung von Absagen ... Kenn ich. Da müssen wir leider durch. Es ist immer Geschmacksfrage und teilweise auch die Frage, wie die Anthologie vom Gesamteindruck sein soll, damit sie als geschlossene Einheit auftritt.
Ich tu mich auch schwer damit, mich nach einer Absage wieder vom Boden aufzukratzen und weiterzumachen. Aber es geht. Auch das kann man lernen - und übt es leider automatisch, wenn man sich rege an Ausschreibungen beteiligt oder sich bei Agenturen und/oder Verlagen bewirbt.
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Adam_Charvelll am 07. März 2012, 15:16:06
Ich stimme da Witch völlig zu. Deine bisherige Veröffentlichung zeigt dir doch, dass du gut bist :) Ausschreibungen sind immer so eine Sache (darüber wird auch gerade im Ausschreibungsthread gesprochen), da spielen so viele Faktoren zusammen. Man darf es einfach nicht persönlich nehmen oder gar als Rückmeldung über die eigene Leistung sehen. Man kann noch so tolle Texte produzieren, es wird immer jemanden geben der besser ist oder der den Lektoren mehr gefällt. (Oder wie es in Musikerkreisen so schön heißt: Es ist egal wie gut du bist, es wird immer einen Asiaten geben der es besser kann  ;D ).

Natürlich ist es schade um die Texte, da man viel Hoffnung und Emotionen reingesteckt hat, aber es wird noch mehrere Möglichkeiten geben, ihn unterzubringen. Es sei denn du hast bei einer Ausschreibung über das Paarungsverhalten der südostafrikanischen Schnattergänse teilgenommen, dann wirst du wohl etwas länger warten müssen ;)
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Pety am 07. März 2012, 15:29:37
Vielen lieben Dank ihr, :gruppenknuddel: normalerweise stecke ich Absagen gut weg, was solls... selber Schuld wenn die meine Geschichte nicht wollen, aber heute hats mich doch enttäuscht. War die Absage, mit der ich eigentlch sogar gerechnet habe. Der Essay-Preis, der zur Buchmesse vergeben wird. Ich hatte zuvor noch nie so ein Ding geschrieben und war über die Absage nicht wirklich überrascht. Nur... das in letzter Zeit so garnichts klappen will  :wums: so langsam kommt bei mir wieder der Kapfmodus in Aktion, was dem Lachanfall zu schulden ist bei:
Zitat
Es sei denn du hast bei einer Ausschreibung über das Paarungsverhalten der südostafrikanischen Schnattergänse teilgenommen, dann wirst du wohl etwas länger warten müssen ;)
Adam, der war gut!
Danke euch allen, es geht schon wieder. Bei euch fühle ich mich verstanden, wenn ich einen Hänger hab und nicht mehr mag. Wer, wenn nicht ihr, kann einen so schön wieder aufbauen.  :vibes:
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: moonjunkie am 09. März 2012, 14:18:19
pety, diesen Gedanken hatte ich auch letztens. Ich hatte bisher auch genau eine Veröffentlichung in einer Anthologie und danach habe ich noch bestimmt an fünf anderen Ausschreibungen teilgenommen und meine Geschichte wurde nie genommen. Das ist wirklich ein Elend, ich weiß. Aber man darf sich nicht runterziehen lassen davon.

Lass doch Deine Prota erstmal die Ausbildung beenden, mach das Finale und dann hast Du erstmal das gute Gefühl "Ende" drunterzuschreiben. Danach siehst Du dann weiter.

Ich versuche mir dann immer zu sagen, dass ich ja noch übe. Und ich übe weiter, bis ich richtig gut bin. Und dann schaffe ich es vielleicht auch wieder in eine Anthologie oder es wird ja vielleicht doch irgendwann mal ein Roman von mir veröffentlicht. Hach, das wäre sooo schön.  :d'oh:
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Alaun am 09. März 2012, 14:22:21
Zitat
Ich versuche mir dann immer zu sagen, dass ich ja noch übe

Da gibts einen wunderbaren Spruch: "Ich bin ein Meister im Üben."

Ja, genau so ist das. Zwischendurch ist heulen erlaubt, ehrlich.  ;) Und dann macht man einfach weiter.
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: feelingSouldream am 09. März 2012, 16:12:58
Dieser bescheuerte Zweifel kommt bei mir auch oft.

Langsam bin ich aber beinahe immun gegen ihn, weil ich weiß,
dass er, wenn ich ihm nicht nachgebe, irgendann von selbst verschwindet.

Und falls er wiederkommen sollte kriegt er von mir eins auf die Rübe  :darth:
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Mr. Yo am 09. März 2012, 16:25:03
Jaja der ZWeifel... Ohne ihn wäre schön, doch leider geht es nicht! Würden wir kein Zweifel verspüren, würden wir stolz auf etwas sein können. Oder wir wären arrogant und niemand hätte uns lieb :)

Ich habe noch nie was veröffentlicht oder gewonnen und ständig habe ich selbst das Gefühl, dass das alles Quatsch ist was ich hier mache. Großer Autor werden? Das schaffst du doch nie... Aber ich glaube alle Autoren haben so angefangen und eine Gemeinde wie diese soll uns ja schließlich unterstützen und genau sowas verhindern! Ich bin stolz auf jeden Text den ich schreibe und habe großen Respekt vor euch allen, die ihr ebenfalls euch die Zeit nehmt und ohne viel Endgeld (zumindest die meisten ;) ) hinsetzt und schreibt. Schreibt um andere mit euren Texten zu unterhalten und das alles obwohl unsere Gesellschaft uns vorschreibt, dass das einzig Richtige, die Arbeit ist!

Also seid stolz auf eure Werke und gebt nicht nach! Denker und Macher in einem, wie wir es sind, gibt es nicht viele! Vollidioten hingegen gibt es mehr als genug!

Meine Signatur bringt es eigentlich sehr geil auf den Punkt. Also finde ich zumindest und ich bin froh zu den Machern zu gehören!

Liebe Grüße
MR.Yo
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Assantora am 10. März 2012, 11:14:42
Zitat
Ich habe noch nie was veröffentlicht oder gewonnen und ständig habe ich selbst das Gefühl, dass das alles Quatsch ist was ich hier mache. Großer Autor werden? Das schaffst du doch nie...
So geht es mir auch. Obwohl ich ja schon mal was gewonnen habe, gut einen forumsinterner Schreibwettbewerb, wo ich wahrscheinlich nur wegen der Thematik meines Textes, nicht wegen meiner Schreibgewandheit gewonnen habe. Ja ja, da ist der Zweifel wieder, aber egal. Ich habe mich hin und wieder unter Druck gesetzt, dass ich gut schreiben muss, da ich es ja veröffentlichen will, prompt hat man Zweifel, deswegen gehe ich nun ganz anders vor: Schreiben als Hobby und wenn ich irgendwann mal ein Buch veröffentliche, freue ich mich, wenn nicht, auch egal.
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Brigadoona am 17. März 2012, 20:07:35
Kennt ihr das eigentlich auch, wenn nicht nur der Zweifel an die Tür klopft, sondern ihr so alles, was das Schreiben betrifft in Frage stellt?

Ich habe bis jetzt an drei Ausschreibungen teilgenommen, eine davon war sogar eine Zusage. Okay, ich habe mich gefreut. Aber das ist auch schon ein paar Tage her. Vielmehr frage ich mich, warum nicht die anderen Geschichten? Die eine war definitiv besser. Natürlich schreibt man an einer Kurzgeschichte nicht lang, aber eine Absage ist trotzdem eine verlorene Idee. Es wird keine Ausschreibungen mehr geben, wo man genau diese Geschichten einreichen kann.

Außerdem sind es nicht nur die Kurzgeschichten. Da tummeln sich noch einige weitere Romane auf meinem PC, die anscheinend auch niemand haben will. Zwei Stück habe ich eingereicht. Mit dem Erfolg, dass - nachdem ich wirklich alle Verlage abgeklappert habe - sie eventuell 2014 (in Kleinstverlagen) erscheinen könnten. Mündliche Zusage versteht sich.

Dann sitze ich zur Zeit an einem mystischen Jugendkrimi und komme nicht weiter. Es ist, als wenn die Idee "Schnell weg!" schreien würde, sobald meine Finger die Tastatur berühren. Und so starre ich jeden Tag den blöden Bildschirm an und würde ihm am liebsten die Zunge herausstrecken.

Kennt ihr diesen Zustand?
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Aphelion am 17. März 2012, 20:32:05
Hallo Brigadoona,

eine Zusage bei drei Ausschreibungen ist doch eine recht gute Quote. Mal ein Tipp: Schau dir Veröffentlichungslisten von angehenden Autoren/Hobbyautoren an. Natürlich weiß man nicht, an wie vielen Ausschreibungen jemand teilnimmt; aber oft entdeckt man in solchen Listen bei Kurzgeschichten oder anderen Anthologiebeiträgen nur sehr wenige Veröffentlichungen pro Jahr.
Erwarte nicht zu viel von dir; anderen geht es ähnlich oder noch deutlich "schlechter".
Das soll nicht heißen, dass Anthologiebeiträge ein Maßstab sind; sie sind es eben *nicht*, wie man sieht, wenn man genauer hinschaut. Genau das kann man aber ablesen, wenn man sich gründlicher umguckt. :)

Bei Ausschreibungen muss nicht nur dein Text gut sein, sondern auch in ein Gesamtkonzept passen. Viele Ausschreibungen sind recht allgemein gehalten - obwohl sich der Herausgeber etwas ganz bestimmtes vorstellt. Wenn du dann nicht (zufällig) das triffst, was der Herausgeber sich vorgestellt hatte, bist du draußen. Das hat aber nichts mit der Qualität deines Textes zu tun.
Bei vielen Einsendungen gibt es vielleicht auch genug "bessere" Texte; aber das heißt nicht, dass dein Text schlecht war.

Ich habe selbst schon mehrmals die Erfahrung gemacht, dass eine mal eben runtergeschriebene Geschichte eine Zusage bekam, aber eine fein polierte Geschichte eine Absage. Da fühlt man sich manchmal fast schon verar***t. ;) Aber so ist es eben. Wenn man sich die Geschichten mit etwas Abstand ansieht, kann das aber schon wieder anders aussehen. Man hat oft Phasen, in denen man etwas bestimmtes gut findet und anderes nicht so gut. Aber diese Phasen kommen, gehen und verschieben sich auch. Deshalb finde ich persönlich es auch verdammt schwer, so etwas überhaupt einzuschätzen, wenn es um meine eigenen Texte geht. Ich weiß nicht, ob es dir hilft: Aber ich habe mich einfach damit abgefunden, dass es so ist. Wenn anderen etwas gefällt, ist das doch schön. Geschmäcker sind eben verschieden.

Wenn du dich mit Romanen bei Verlagen auf eigene Faust bewirbst, hast du es schwer; nicht nur hier im Forum wird gemunkelt, dass das nahezu aussichtslos ist bzw. das man da schon *sehr* viel Glück braucht, selbst wenn der Roman einfach nur klasse ist. Auch hier gibt es so viele Faktoren, die zusammenkommen...

Am wichtigsten ist aber die Frage: Warum schreibst du? Und für wen? Willst du wirklich alles, was du schreibst, veröffentlichen? Welche "Quote" muss es für dich *selbst* sein?

Ich kann mir vorstellen, dass der Veröffentlichungsdruck, den du dir selbst machst, dich hemmt.  Wenn du unbedingt veröffentlich werden willst und an dir zweifelst, wenn du nicht veröffentlicht wirst, dann baust du dir selbst massiven Druck auf. Und unter Druck geht oft die Muse flöten.

Lass dir Zeit. Du musst nicht von 0 auf 100 durchstarten. Sieh Veröffentlichungen als Bonus an, aber nicht als Muss. :)

Wenn (momentan) kein Verlag deine Texte haben will, lass sie vielleicht erst einmal betalesen. Und wenn sie nach gründlicher Überarbeitung immer noch niemand haben will, denk mal darüber nach, sie selbst zu veröffentlichen. *Wenn* dir das Veröffentlichen so wichtig ist.
Es ist nur meine Meinung, aber ich habe den Eindruck, dass in Foren, wo sich veröffentlichte und unveröffentlichte Autoren tummeln, sich die unveröffentlichten oft selbst sehr viel Druck machen und enttäuscht von sich selbst sind. Nicht alle, nicht immer, aber es gibt eine gewisse Gruppendynamik in "gemischten Autorengruppen", finde ich. Wenn scheinbar alle anderen es schaffen, warum man selbst nicht? Was macht man falsch? Aber wahrscheinlich machst du gar nichts falsch, sondern vergleichst Äpfel mit Birnen. :)
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Brigadoona am 17. März 2012, 20:51:43


Am wichtigsten ist aber die Frage: Warum schreibst du? Und für wen? Willst du wirklich alles, was du schreibst, veröffentlichen? Welche "Quote" muss es für dich *selbst* sein?


Hallo Aphelion,

irgendwie hast du Recht.
Einst habe ich geschrieben, weil ich es nicht lassen konnte. Da waren tausend Ideen in meinem Kopf, die einfach irgendwohin mussten. Es hätte keine Alternative gegeben, ich musste sie einfach niederschreiben.
Bei den Ausschreibungen funktioniert es immer noch ähnlich. Eine Idee, die sich formt und in Worte umgesetzt werden muss.
Ansonsten setze ich mich vielleicht wirklich unter Druck. Einst habe ich Seiten über Seiten geschrieben und konnte nicht aufhören. Dann habe ich gelesen, man soll täglich schreiben. So habe ich mir das Soll von mindestens einer Seite täglich gesetzt, egal, ob meine Fantsie diese Seite vollbringen wollte oder nicht. Einfach weiterschreiben.
Ja, vielleicht sollte ich mich wirklich fagen:
"Wo ist die Leidenschaft geblieben?" und
"Was ist mir mehr wert?"
Irgendwie habe ich diese Denkweise verloren, aber es ist interessant wieder darüber nachzudenken.
Danke.
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Alana am 17. März 2012, 20:57:57
@Brigadoona: Ich finde, 1 von 3 Geschichten ist doch eine tolle Ausbeute! Und dass Kleinstverlage sich für deine Bücher interessieren, ist doch mal ein guter Anfang. Selbst wenn dir das vielleicht nicht reicht, was ja legitim ist, bedeutet es doch immerhin schonmal, dass deine Texte Chancen haben.
Was Aphelion zum Veröffentlichungsdruck schreibt, könnte ich mir auch gut vorstellen.
Mir passiert es manchmal, dass ich beim Schreiben denke: Achje, das kann ich jetzt aber so nicht schreiben, wenn ich das jemals an den Mann bringen will. Oder ich denke, was soll das eigentlich alles, das will sowieso keiner drucken. Dann lande ich auch manchmal hier im Thread ;D.
Am meisten hilft mir dann der Gedanke, dass ich es für mich mache. Dass ich auch schreiben würde, wenn ich absolut keine Chance auf Veröffentlichung hätte, einfach weil es mir Spaß macht und weil ich es brauche. Ich kann nicht ohne.
Aber ich kann das schon verstehen, manchmal stehe ich im Buchladen und will so unbedingt mein eigenes Buch dort liegen sehen, dass es weh tut. Aber das geht wieder vorbei und ich mache einfach weiter. Vielleicht klappt es irgendwann und wenn nicht, dann eben nicht. (Dann werde ich sicher enttäuscht sein und wieder hier landen  :P)
Was die Qualität deiner Texte angeht: Ich finde, wenn du damit zufrieden bist, dann ist das schonmal ein guter Anfang und ob sie gedruckt werden oder nicht, sagt darüber prinzipiell gar nichts aus. Jeder Text, den du schreibst, lohnt sich. Auch wenn er hinterher komplett in der Tonne landet. Und wenn du dir nicht sicher bist, dann ist das Betalesen lassen eine ganz tolle Sache. Mir hilft das jedenfalls sehr, sowohl stilistisch als auch inhaltlich.

Hast du schonmal überlegt, dich bei einer Agentur zu bewerben?
Ich habe vor, wenn ich denn mal soweit bin, es auf jeden Fall zuerst bei den Agenturen zu versuchen. Ich glaube, dass es sich wirklich lohnt, als Autor nicht alleine dazustehen, sondern einen Agenten zu haben.
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Kraehe am 17. März 2012, 21:39:45
Hi Brigadoona.

Hier ist schon viel Gutes gesagt worden. Ich denke auch, dass du dir da erstmal nicht so viel Druck machen solltest. Wenn einem über lauter Professionalisierung die Leidenschaft ganz verloren geht, ist irgendwas falsch.
Ich hab mich gerade zwei Monate lang selbst blockiert und fange erst heute - gefühlt - an, mich wieder zu entblockieren. Heute kommt der Spaß und die Freude zurück. Weil ich mir weniger Druck mache bzw. meine Ansprüche an meine Texte wieder mit meiner Arbeitsweise vereint bekomme.
Das hast du vielleicht auch nötig :hmmm: Eine von drei Ausschreibungen ist eine gute Quote und wenn du dich hier umsiehst wirst du entdecken, dass es ganz vielen so geht, dass am Ende das Durchhaltevermögen eine große Rolle spielt. Und dass es wichtig ist, trotz allem den Spaß zu behalten.
Und zum Schluss das Wort zum Samstag: Der Zweifel kann ja auch erst an die Tür klopfen, wenn man ihn vor die Tür gesetzt hast.
Hol ihn rein, sprich mit ihm, klär die Sache mit dir selbst und mach weiter. Ab und zu tut sowas ja auch zum Neuorientieren gut ;)
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: gbwolf am 17. März 2012, 21:53:29
Ich bringe sie ja immer wieder gerne auf den Tisch, Meine Liste der Geduld (http://forum.tintenzirkel.de/index.php/topic,8119.msg252597.html#msg252597) (Unten im Posting). Was ich daraus gelernt habe ist vor allem, dass es mir wichtiger ist, wenige Veröffentlichungen zu haben, aber dafür gute. Was nützen einem 10 Anthologieveröffentlichungen im Jahr, wenn die Bücher furchtbar aussehen und niemand sie liest? Was nützt einem eine Romanveröffentlichung in einem Verlag, der alles druckt und nicht lektoriert? Dann nehme ich lieber die Schmerzen in Kauf, die das lange Warten und die tausend Absagen bedeuten.  :ithurtsandstings!:
Mein erster Roman wird übrigens nächstes Jahr erscheinen. Dann bin ich fast 32 und habe mehr als 10 Jahre Lernprozess hinter mir. Was ich jetzt weiß ist: Je weiter man kommt, umso stärker erdrückt einen die eigene Erwartungshaltung. An Ausschreibungen nehme ich nur noch teil, wenn ich denke, ich habe eine Chance, wenn mir eine Geschichte einfällt, die sich wahrscheinlich von den anderen abheben kann (Es tut dann - wie du ja auch sagst - noch mehr weh, wenn man abgelehnt wird. Aber bis jetzt habe ich die meisten Sachen irgendwo anders unterbringen können, auch wenn es dann ein paar Jahre und viele Überarbeitungen gebraucht hat). Vor allem wünsche ich mir momentan die Zeit zurück, in der ich ganz enthusiastisch geschrieben habe und versuche, den Druck von mir zu nehmen. Meinen Roman muss ich demnächst abgeben und ich stehe mir ständig selbst im Weg, weil ich das ja so gut wie nur möglich machen möchte, damit es Folgeprojekte geben wird und natürlich auch um meiner Selbstachtung willen.

Und irgendwie muss es doch diese Mischung geben, professionell zu schreiben und dennoch den Schwung zu genießen, sich erstmal die Schublade mit guten Sachen zu füllen, bevor man mit dem großen Bewerbungskram loslegt! Das habe ich definitiv verpasst und jetzt vermisse ich ein paar fertige Romane, die ich aus der Backlist zaubern kann. Es ist sehr anstrengend, immer wieder Konzepte zu machen, loslegen zu wollen und dann alles wegschmeißen zu können. Ein solider Grundstock an fertigen Romanen ist eine hervorragende Basis, auch wenn es sich ersteinmal ziemlich grausam anfühlt, wenn man gefühlt von dutzenden Veröffentlichungen und Erfolgen liest (Vergleiche einmal die Zahl der Veröffentlichten mit der Zahl der Mitglieder im Forum - das sind gar nicht mal so viele). Ich haue für mich jetzt erstmal die Bremse rein und schreibe ein oder zwei Romane fertig, bevor ich wieder etwas anbiete. Und ich freue mich schon darauf, in den nächsten Monaten einfach nur so und mit viel Spaß an zwei ganz bestimmten Romanen zu arbeiten, egal wie es mit denen ausgeht  :vibes:

Edit: Was ich mit dem ganzen Blah eigentlich sagen möchte: Gräm dich nicht. Versuch deinen Blick auf die Erfolge zu richten und freu dich auf anstehende Lektorate und hoffentlich auch Rezensionen, aus denen du viel lernen wirst. Und mach dich nicht verrückt mit dem Veröffentlichen von Romanen! Trend, Programme, Geschmack, Können, ... es kann an so vielen Dingen liegen, ob etwas veröffentlicht wird oder nicht. Und wenn man zu früh veröffentlicht, dann kann einen der Druck, schnell etwas vergleichbar Gutes liefern zu müssen, richtig kaputt machen! Lass dir dein Tempo, lass deinen Romanen deren Tempo. Schreibe weiter und wenn du eine kleine Backlist aufgebaut hast, dann hast du ein ziemliches Pfund hinter dir stehen! Vor allem, wenn eine Agentur oder ein Verlag dann sagen: "Ja, der Roman ist nicht für uns, haben Sie was anderes?". Dann steht man nicht da und klappt die leeren Taschen um oder zaubert ein unausgegorenes Konzept aus der Tasche - das habe ich leider schon mal gemacht und es war eine ziemlich dämliche Erfahrung, die mich richtig Zeit und Selbstbewusstsein gekostet hat.
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Brigadoona am 18. März 2012, 10:28:11
Ich sag jetzt erst einmal "Danke".
In meinem Kopf beginnt es ein klein wenig "Klick" zu machen und ich fange an zu begreifen, was momentan falsch läuft.

Die Sache mit der Geduld ist wirklich ein großes Problem.
Nicht nur die Eigenschaft Absagen vertragen zu können, sondern auch seine euphorischen, aber leider vorschnellen Handlungen in den Griff zu bekommen. Dabei habe ich allerdings stark versucht mich zu bessern. Es bringt leider nichts eine Geschichte zu beenden, zu überarbeiten, nochmals zu überarbeiten und dann weg damit.
Geduld in jeder Beziehung üben und dabei das Wesentliche nicht aus den Augen verlieren - das ist so "verdammt" schwierig.
Im Moment muss ich versuchen mich auf das Wesentliche zu konzentrieren. Vielleicht kommt dann auch die Zeit zurück, in der meine Finger den Gedanken hinterherjagen werden. Hoffentlich.

Hi Alana.
Agenturen gehörten auch zu diesem Weg. Erfolg gleich Null.
Aber ganz ehrlich muss ich sagen, dass die Geschichten auch noch nicht ausgereift waren. Ich weiß nicht einmal, ob sie es nun sind. Immerhin bin ich damals auch davon ausgegangen und könnte jetzt die Hände über dem Kopf zusammenschlagen.
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Alana am 18. März 2012, 11:58:17
@Brigadoona: Oje. Dann lass dich nochmal fest drücken. Aber immerhin hörst du dich schon etwas besser an.  :knuddel:
Genau aus dem Grund werde ich mein Vorhaben jetzt wahrscheinlich doch nicht umsetzen. Ich wollte Verflucht soweit fertig machen, dass ich es einreichen kann. Das werde ich machen um diesen Prozess einmal komplett zu durchlaufen. Aber bewerben werde ich mich dann wohl noch nicht damit. Ich möchte noch mehr lernen, noch mehr üben und noch mehr in der Schublade haben, bevor ich das in Angriff nehme. Ach und da fällt mir noch ein schöner link ein, der zum  Thema passt:

10 Things I would have done differently
 (http://betweenfactandfiction.blogspot.de/2012/02/10-things-i-wish-i-would-have-done.html)
Fand ich persönlich auch ganz zutreffend.
Falls jemand eine Übersetzung braucht, einfach fragen. :)
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Brigadoona am 18. März 2012, 20:06:12
Danke fürs Drücken, Alana. Mir gehts wirklich schon wieder besser.

Lass dich trotzem nicht von dem ganzen Geduldgerede runterziehen. Das ist etwas für die Ungeduldigen, nicht für diejenigen, die schon genug Geduld geübt haben.

Die Liste trifft viele Dinge genau auf den Punkt.
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Alana am 19. März 2012, 21:49:23
Zitat
Lass dich trotzem nicht von dem ganzen Geduldgerede runterziehen.

Nein, das mache ich nicht.  :knuddel: Ich fühle mich momentan total gut mit der Entscheidung. Kann natürlich sein, dass es sich nochmal ändert, falls ich am Ende unglaublich begeistert von dem fertigen Roman bin, aber im Moment will ich eigentlich nur das Editing hinter mich bringen und mit dem nächsten Roman anfangen. Einfach nur Schreiben.
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Bianca Jones am 20. März 2012, 20:28:32
Oh, dass ist ein wirklich gute Thread, finde ich...

Ich glaube, ich kenne kaum einen Schreibtag, an dem mein Zweifel mich nicht angeschrien hat (wäre ja schön, wenn er nur klopfen würde   ;)). An manchen Tagen kann ich damit umgehen und das Schreiben und Plotten macht mir unheimlich Spaß... an anderen Tagen fang ich deswegen erst gar nicht an.

Aber mir ist in der letzten Zeit bewusst geworden, dass es doch auch gut ist so ein "Willen" zu haben - wie eineR von euch hier schrieb, das man so gerne sein Buch beim Buchhändler sehen will - wenn man etwas wirklich will, dann gehts immer ums Ganze. Zumindestens ist das bei mir so, dann muss ich mich ganz verschreiben und auch das Risiko eingehen, dass ich abgelehnt werde, dass ich niemals veröffentlichen werde, dass ich am Ende gar scheitern werde... Aber ohne vollen Einsatz gehts doch nicht, oder?

In dem Schreibratgeber von Kellermann habe ich mal gelesen, dass man immer nur den Schriftsteller an seinen Veröffentlichungen misst und ihn dann auch erst als Schriftsteller gelten lässt. Bei einem Maler, z.B. würde man das nie tun, wie viele Maler, die heute sehr bekannt sind, haben nie ein Bild verkauft als sie lebten und dennoch würden wie sie ja auch immer Maler nennen, oder?

Also, lasst uns gemeinsam gegen den blöden Zweifel ankämpfen...
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Alessa am 21. März 2012, 07:22:18
Ich glaube, ich kenne kaum einen Schreibtag, an dem mein Zweifel mich nicht angeschrien hat (wäre ja schön, wenn er nur klopfen würde   ;)). An manchen Tagen kann ich damit umgehen und das Schreiben und Plotten macht mir unheimlich Spaß... an anderen Tagen fang ich deswegen erst gar nicht an.

Dem kann ich nur zustimmen, bis auf das Letzte. Anfangen  tue ich trotzdem, jedoch blockieren an solchen Tagen meine Zweifel meine Gedanken und Gefühle. Dann gehe ich mit mir ins hart ins Gericht, irgendwie bringt es ja nichts, darauf sinnlos herumzukauen. Und seitdem ich gelesen habe, das es selbst Bestsellerautoren so geht, kann ich irgendwie damit wesentlich besser umgehen.
Allerdings finde ich die Zweifel in einer Hinsicht auch positiv ... ich beleuchte das, was ich so von mir gebe bzw. schreibe sehr intensiv. Klar, irgendwo ist dem auch eine Grenze gesetzt, aber mir Hilft die Selbstkritik dabei, mit den Zweifeln umzugehen.

Im Augenblick ist es mit meinen Zweifeln so, dass sie sich in ausführlicher Recherche niederschlägt. Da mein Projekt Themen beinhaltet, mit denen ich mich gar nicht, oder nur Ansatzweise auskenne, recherchiere ich bis ins allerkleinste Detail und bin dennoch nicht zufrieden. Ich habe einfach große Angst, dass ich mich damit lächerlich mache.  :schuldig:
Das hält mich leider oft vom Schreiben ab, da ich mir das Hirn zermartere, ob ich alles recherchiert habe. Und bevor ich mich versehe, bin ich bereits wieder bei Google.  :wums:
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Bianca Jones am 21. März 2012, 07:44:17
Oh, Alessa, das kann ich echt so gut nachvollziehen: recherchieren, lesen und suchen und plotten... irgendwie tut man dann alles, nur nicht schreiben! Das kenn ich schon aus der Uni... seufz! Da habe ich auch immer furchtbar viel gelesen, bis ich dann endlich mit dem Schreiben angefangen habe - mein Freund schimpft dann auch jetzt mit mir, wenn ich zuviel nachschauen.

Aber es ist ja auch echt ein Drahtseilakt, gerade bei Themen, in denen man sich noch nicht so sicher fühlt - und irgendwie braucht man ja auch Imput und Inspiration. Ich finde aber, WENN man schon merkt, "jetzt drück ich mich aber vorm anfangen", ist das doch auch ein gutes Zeichen - denn man kann ja nur an Dingen arbeiten, die einem bewusst sind, gell?

 Aber am Ende ist es dann doch immer eine Grenze, wenns mit dem Schreiben los- bzw. weitergehen soll... vielleicht hilft es dir ja auch, mit Stopuhr zu schreiben? Ich hab da sehr gute Erfahrungen gemacht, handschriftlich schreibe ich 5 Minuten am Stück und am PC 10, ich weiß, dass ist wenig, aber wenn man das ein paar Mal wiederholt, dann kommen schnell 50 Minuten zusammen und am Stück hätte man das ja kaum gemacht....
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Amaryn am 21. März 2012, 14:03:22
Ah, ich bin nicht allein!  :)
Ich kenne solche Phasen, in denen ich denke "Wozu das alles?" Da investiert man so viel Zeit und Energie (und Herzblut) und wird wahrscheinlich nie bei einem Verlag "einen Fuß in die Tür" kriegen. Das ist furchtbar deprimierend. Vor allem, wenn man sich mit anderen "Literaturleuten" trifft und hört, wie nahezu aussichtslos es ist, bei einem Verlag (oder einer Agentur) angenommen zu werden. "Und dann auch noch Fantasy, du liebe Zeit. Schreib mal lieber 'nen Regionalkrimi."
Nö!  :brüll:
Trotzdem ist mir noch nie der Gedanke gekommen, die Schreiberei aufzugeben. Zum Glück gibt es ja auch Phasen, in denen ich denke: "Warum eigentlich nicht..."
Zweifel gehören wohl einfach dazu, man darf sich von diesen Mistpocken nur nicht lähmen lassen.
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Alana am 21. März 2012, 18:17:07
Unter anderem deswegen finde ich es so toll, hier immer wieder von den Erfolgen zu lesen. Das zeigt mir, dass es klappen kann und ich freue mich so für jeden, der es schafft. Man darf sich echt nicht von diesem Gerede runterziehen lassen, wie schwierig das alles ist.
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Alessa am 21. März 2012, 19:18:52
Unter anderem deswegen finde ich es so toll, hier immer wieder von den Erfolgen zu lesen. Das zeigt mir, dass es klappen kann und ich freue mich so für jeden, der es schafft. Man darf sich echt nicht von diesem Gerede runterziehen lassen, wie schwierig das alles ist.
Da gebe ich dir recht, jeder kleine Erfolg baut einem auf und ist Balsam für die 'geschundene Autorenseele' und dann denkt man, du schaffst das irgendwann und hast die Tür zu einem Verlag aufgestoßen, aber dann kriechen ganz von allein wieder die Zweifel den Rücken lang nach oben.  :happs:

Das folgende lese ich mir dann immer wieder durch und klammere mich daran fest:
Zitat
Freyer meint,  die meisten Schriftsteller führen ein ziemlich eintöniges Leben.  Sie verbringen ihre Zeit in einem stillen Kämmerlein vorm  PC, verfolgt von der Vorstellung die Leser könnten ihre Romane dümmlich, flach oder öde finden. Seine Botschaft ist folgende: Das Schreiben ist weder glanzvoll, aufregend noch romantisch. Es ist harte Arbeit. Befriedigend, ja. Aber verdammt harte Arbeit.
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Alana am 21. März 2012, 21:03:12
Da ist ein gutes Zitat! Und zum Glück sind wir ja nicht alleine vor dem PC.
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: chaosqueen am 31. März 2012, 21:12:57
Puh, ich muss auch mal hier reinschneien und "hallo" sagen.

Ich hab im letzten Sommer so dringend das Gefühl gehabt, wieder schreiben zu müssen, dass ich letztendlich im TZ gelandet bin, was eine der besten Entscheidungen meines Autoren-Daseins war.

Dann habe ich recht kontinuierlich so ca. 8k im Monat geschrieben, im November immerhin 35k während des NaNo. Den NaNo-Roman hab ich im Januar und Februar auf 54k gebracht und mehr oder weniger beendet.

Und da sitze ich jetzt. Ideen hab ich genug, aber ich kann sie nicht aufschreiben. Das, was da "fertig" ist, ist unterstes Kindergartenniveau, mit Logikfehlern, ins Leere laufenden Handlungssträngen, schlechten Formulierungen, seitenweise Blabla, einem viel zu abrupten Ende, dem man anmerkt, dass ich einfach keine Lust mehr hatte und vielem mehr.
Kurz: Ich sehe derzeit nicht, dass ich das jemals geradebiegen kann. Vielleicht nur ein weiterer Ausdruck meines allgemeingültigen Problems, dass ich das Interesse an einer Sache verliere, wenn ich weiß, wie sie endet. Deshalb ist Plotten für mich ja auch so schwierig, weil ich die Geschichte nicht mehr schreiben mag, wenn ich sie bereits geplottet habe - wenn ich aber nicht plotte, dann passiert es eben, dass ich völligen Schwachsinn fabriziere, den ich nie wieder rückgängig machen kann.

Ich stelle fest, dass ich im Prinzip eine wirklich riesige leere Wand brauche, um die Ideen, Szenen, Handlungsstränge etc. irgendwie zu visualisieren, aber nicht mal dazu kann ich mich aufraffen. Alles in allem einfach nur ein großes "Gna", das mich gerade tierisch lähmt. So sehr, dass auch die beiden neuen Ideen in meinem Kopf als Idee total toll aussehen, die ersten geschriebenen Sätze aber schon wieder so sch*** sind, dass ich das Buch in einer Buchhandlung vermutlich nach "Genuss" Des Klappentextes wieder weglegen würde.

Nehmen wir mal an, dass ich gerade weder ein Grippe noch eine Depression bekomme (was beides gute Gründe für temporäre Anfälle dieser Art sind, allerdings hab ich die Blockade jetzt schon eine ganze Weile), dann wüsste ich gerne, wie ihr das macht, aus so etwas wieder heraus zu kommen, Texte konstruktiv zu überarbeiten und neue möglichst so zu verfassen, dass sie weniger Überarbeitung brauchen als die vorigen. Ich bin gerade mit meinem Latein am Ende und werde immer nur wütend auf mich selber, sobald ich eines der Dokumente öffne (den Ordner mit dem ausgedruckten "Roman" hab ich erstmal wieder ins Regal gestellt, der macht mich noch fertiger). :(
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Sprotte am 31. März 2012, 21:27:52
Ich habe vor einer Stunde einen "Tiefschlag" erhalten, daß eine sehr gute Freundin, die alles bislang von mir gelesen hat, Roveon nicht mag. Überhaupt nicht. Weder den Roman noch den Helden. Das hat mich gerade sehr heruntergerissen. Aber: Es ist nur eine Meinung. Eine von vielen, und die meisten sind der Meinung, daß Roveon toll ist. Daran halte ich mich gerade fest.

Was hilft mir bei den unvermeidlichen "alles mistig, was ich da schreibe"-Phasen?
Austausch!
Nicht im kleinen, dunklen Kämmerlein schreiben. Das habe ich jahrzehntelang gemacht, und die meisten Bücher aus der Zeit möchte ich - zu Recht - verstecken. Telefonate, Ideen "pingen" (meine Spezialität: Szenen und Ideen anderen erzählen und auf Reaktion lauern), Beta- und Testleser! Ganz wichtig. Wie soll man als Kämmerlein-Schreiber wirklich die eigene Qualität ohne vernünftiges Feedback abschätzen können? Und nein: Mama, Freund und Lieblingsschwester (hab ich nicht) zählen nicht!

Ich hatte bislang erst einmal Gelegenheit, gemeinsam mit jemandem zu schreiben. Merrit und ich. Jeder las mal einen frischproduzierten Satz vor, rang um eine Formulierung, ein Wort, einen Satz, und der Schreibpartner half aus. Das war so toll! So fruchtbar und hilfreich.

Liebes Chaos: Das machen wir Montag!
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: caity am 31. März 2012, 21:35:09
Hallo chaos,

was ich dir sonst noch raten könnte: Konzentrier dich erst einmal auf "kürzere" Sachen. Versuche, Szenen fertig zu schreiben, von vorne bis hinten. Nimm dir einen Wettbewerb und eine Kurzgeschichte dazu vor, beende es und feile solange daran, bis du damit zufrieden bist. Mir geht es zumindest so, dass ich am meisten aus meinen fertigen Geschichten lerne. Die angefangene und nicht beendeten - nee, da hatte ich nie etwas von. Das will ich ja auch nicht mehr lesen. Wenn ich mich wirklich mit etwas auseinandersetze und an einer Sache lange dran bleibe, dann sehe ich Fortschritte. Und das bedeutet für mich durchaus auch mir von anderen mal vorhalten zu lassen, wo denn eigentlich meine Schwächen liegen.
Oder was ich auch gerne in diesem Zusammenhang mache: Einfach ein paar Schreibübungen. Heute konzentriere ich mich darauf, meinen Protagonisten ordentlich mit Handlung darzustellen, seinen Charakter und sein äußeres. Morgen arbeite ich mit vielen Gerüchen, Geräuschen, Gefühlen und versuche, möglichst viel Atmosphäre aufzubauen. Mal in die eine Ecke springen, dann in die andere. Völlig unverfänglich, weil es eben nichts ist, was irgendjemand sonst zu lesen braucht. Es sind Übungen, mit denen ich mich ausprobiere und schaue, wie ich mit meinem Geschreibsel am besten so zurande komme, dass es mir gefällt. Viel bringt in dem Zusammenhang auch, wenn man dann hängt, mal im Lieblingsroman nachzuschauen: Wie hat der Autor denn das Problem mit dem Charakter/der Atmosphäre/dem Setting, an dem ich gerade hänge, gelöst?
Und dann, allgemein zum Thema Romane schreiben: Hast du schon einmal versucht, dir einen groben Szenenplan aufzuschreiben und dann zu springen? Also, dass du wirklich mal hier eine Szene schreibst, mal da und am Ende das Ganze zusammenfügst? So ein bisschen "Chaos" schreiben? Vielleicht kriegst du ja damit insgesamt qualitativ hochwertigere Sachen zustande.

Das wären so spontan die Dinge, die mir in deiner Situation einfallen würden.

Auch, wenn nichts von den Sachen dir hilft: Ich wünsch dir auf jeden Fall, dass du diese Krise irgendwie überwunden bekommst. Ganz viel Kraft dafür  :knuddel:

Bye,
caity
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Tintenweberin am 31. März 2012, 21:38:32
... dann wüsste ich gerne, wie ihr das macht, aus so etwas wieder heraus zu kommen, Texte konstruktiv zu überarbeiten und neue möglichst so zu verfassen, dass sie weniger Überarbeitung brauchen als die vorigen.

Den Zustand, den du schilderst, kommt mir bekannt vor. Bei mir stellt er sich meist vor einem "Durchbruch" in ein neues Thema oder eine komplexere Technik ein. Das Alte gefällt mir nicht mehr und das Neue trägt noch nicht. Ich habe aus meinen "Umbruchzeiten" viele hundert Seiten Text, die niemals überarbeitet oder fertig geschrieben werden, weil es einfacher wäre, alles neu zu schreiben. Wenn du das Gefühl hast, dass sich deine "Schreibe" momentan tatsächlich ändert, lohnt es sich kaum, lange oder komplexe Projekte anzufangen. Vielleicht könntest du einen Zeitlang mit kürzeren Literaturformen arbeiten

Da ich auch Blankpager bin, habe ich schon viele Texte zwei oder sogar dreimal geschrieben, bevor ich damit zufrieden war. Gegen den lähmenden Frust beim Überarbeiten oder Neuschreiben helfen mir begeisterte Beta-Leserinnen, die sich mit mir freuen, wenn der Text dichter oder klarer und damit natürlich auch spannender werden. Außerdem habe ich Abgabetermine, die ich nicht ohne gewichtige Gründe in den Sand setzen will und eine Lektorin, die mir im Zweifelsfall Feuer unterm Hintern macht ...
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Lavendel am 31. März 2012, 21:49:01
@chaosqueen: Schreiben ist einfach frustrierend. Das liegt in der Natur der Sache, denke ich, auch wenn es auf der anderen Seite natürlich seine unheimlich tollen Momente hat. Es liegt auch in der Natur der Sache, dass die ersten Sachen, die man schreibt einfach grottenschlecht oder maximal so mittelmäßig sind, wenn man echt viel Talent hat. Viele denken dabei nur an den Stil, aber auch das Entwicklen von Figuren und Plots braucht viel, viel Übung.
Ich persönlich finde übrigens nicht, dass es unbedingt hilft, sich auf kürzere Sachen zu konzentrieren. Kurzgeschichten sind eine ganz andere Sache als Romane und unterliegen ganz anderen Regeln. Wichtig ist, sich klarzumachen, dass man es nicht vermeiden kann, Sachen in den Sand zu setzen, bzw. nie veröffentlichungsreif machen zu können. Das ist immer schmerzhaft, weil man so lange an einem Roman arbeitet und emotional sehr viel in ihn investiert hat. Manchmal kommt einem ein halbes oder ein ganzes Jahr später aber dann doch die Erleuchtung.
Leg das Projekt weg, wenn es dich so verrückt macht. Fang ein neues an. Von Null, auch wenn es vielleicht ein paar Wochen dauert, bis dir eine zündende Idee kommt. Und lass das alte auf jeden Fall in Ruhe! Nur, was dich fertigmacht, bringt dich weiter, das ist leider die Wahrheit. ::)

@Sprotte: Gräm dich nicht. Wie du gesagt hast, es ist nur eine Meinung.
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Sprotte am 31. März 2012, 22:02:04
@ Chaos: Was mir noch eingefallen ist: Tintenschnipsel mit Bitte um Kritik. Das hilft mir meistens sehr, wenn ich mit einer Textstelle hadere.

@ Lavendel: Danke. Genau das sage ich mir nun auch die ganze Zeit. Aber wenigstens hat sie mir eine ehrliche Meinung gegeben. Das ist von Seiten einer Freundin schon sehr viel wert.
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: gbwolf am 31. März 2012, 22:02:50
Vielleicht nur ein weiterer Ausdruck meines allgemeingültigen Problems, dass ich das Interesse an einer Sache verliere, wenn ich weiß, wie sie endet.
Da ich exakt dieses Phänomen nur zu gut von mir kenne, also, dass ich schnell das Interesse an einer Sache verliere, wenn sie mir schon "fertig" erscheint, kann ich aus meiner Perspektive nur ganz gemein und arschtreterisch sagen: Das ist genau der Punkt, an dem die Träumerei aufhört und die Arbeit beginnt. Das ist der Punkt, an dem man sich hinsetzen und aussitzen muss. Einfach weitermachen, heulen, fluchen, tippen. Da muss man sich entscheiden, ob man ein Träumer ist, der alles nur haben will, wenn es sofort perfekt funktioniert oder ob man den Arsch in der Hose hat, weiterzuarbeiten.
Ja, das sage ich so salopp. Ich kömpfe mich gerade Millimeter um Millimeter durch meinen Roman und gehe daran kaputt, dass ich so unendlich langsam bin und mir alles dämlich vorkommt, was ich schreibe. Vor allem hasse ich es an mir, dass ich nicht einfach sitzen bleibe und weitermache und alles vorschiebe, nur um dem bisschen Disziplin zu entkommen, das ich bräuchte.

Insofern bin ich absolut Lavendels Meinung: Nicht in kürzeren Sachen verlieren, wenn du damit der Langform ausweichen möchtest, sondern akzeptieren, dass du erst wieder ins Schreiben einsteigst und an dir arbeiten. Und keine Scheu davor haben, neu zu schreiben und ganze Szenen in die Tonne zu kopfen!

Oder du suchst dir Testleser, die dir helfen, deine Szenen besser einschätzen zu können. Mir hilft das gerade enorm (Schnipsel wären mir zu wenig).
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Assantora am 31. März 2012, 22:16:33
@ chaosqueen

Was du beschreibst kommt mir wahnsinnig bekannt vor. Man will am liebsten von Anfang bis Ende ein Buch durchschreiben, ohne das Ende sich selbst zu verraten und dann auch noch logisch aufbauen und am besten die nächste Harry-Potter-Erschafferin sein. Ein Tipp: So funktioniert das nicht.
Schreiben muss in erster Linie Spaß machen, aber nicht nur. Ein wenig Selbstdisziplin gehört dazu. Hast du schon mal mit deinen Texten gespielt? Ich persönlich nicht, sollte ich wohl auch mal tun, aber vielleicht einfach mal experimentieren. Lass deine Charas etwas verrücktes tun, innerhalb der Geschichte, worauf du nicht gleich gekommen wärst. In jeder Szene kann man etwas einbauen, was vorher nicht geplant war und das macht es zumindest bei mir wieder einfach weiter am Ball zu bleiben.
Peter bekommt von Jessica eine Ohrfeige, aus heiterem Himmel. Was ist passiert? Im Plot ist davon keine Rede, dass das passiert. So kann man plötzlich die Szene würzen, wie eine gute Suppe.
Deine Ideen würde ich im Hinterkopf behalten. Vielleicht ist der auch schon zu überfüllt. Vielleicht brauchst du auch nur ein Überdruckventil. Du hast Ideen, zu viele Charas, oder ähnliches. Nimm etwas, schreib etwas wildes auf, nur damit du den Kopf wieder frei bekommst.
Aus meiner Sicht hast du nur eine Schreibblockade, die Gründe sind vielfältig, Auftreten, Hartnäckigkeit und Dauer sind so unterschiedlich, dass man daraus eine Wissenschaft machen könnte. Sie zu durchbrechen ist nicht schwer, je nachdem, wo man den Hebel ansetzt und wo man zerrt und zieht.
Schreibübungen, kreative Pause, wildes Geschreibsel, ohne den Ansatz es wirklich gut hin zu bekommen. Das alles kann helfen, oder es braucht jemanden, der dir ein wenig auf die Finger klopft, also mach ich das mal eben:  :pfanne: Schreib jetzt einfach :pfanne:
Ich hoffe, die eine oder andere Idee ist wirkungsvoll.

PS: Dieser Post zeigt mir mal wieder, wie verrückt ich bin  ;D
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Alia am 31. März 2012, 22:21:03
Hi Chaos,

in Bezug auf das Zeichnen habe ich mal gelernt: Jeder Strich ist wichtig. Denn gerade auch die falschen Striche helfen weiter. Das was du da gerade auf das Papier - bzw. auf den Bildschirm - bannst ist nur ein Zwischenstadium. Ich mag ganz gern das Bild von der hässlichen, fetten und verfressenen Raupe. Schmetterlinge müssen da erstmal durch. Einfach mal Wörter fressen, sich nicht groß um Kleinigkeiten kümmern und zunächst einfach wachsen. Wenn dann etwas da ist, kann man damit arbeiten. Im Puppenstadium liegt dann der Text komplett vor dir. Wird umgebaut, verbessert, verschönert. Überflüssiges kommt weg. Neues und Schöneres kommt hinzu. Bis dann der Moment gekommen ist, wo dieses komische kleine Ding, was man mal begonnen hat etwas Wunderschönes geworden ist, was man aus dem Dunkeln in die Welt fliegen lassen kann. Lass bloß nie das Bild von dem Endziel aus dem Kopf und mach einen Schritt nach dem anderen. Irgendwann kommst du dann an.

Und wenn du dich vollkommen verfranst hast, kannst du einfach eine neue Datei öffnen und von vorne anfangen. Was du bis dahin gelernt hast, nimmt dir keiner. Du weißt dann besser, was geht und was nicht. Und sicher sind auch ein paar Sätze, oder sogar Szenen so gut, dass sie wiederverwertet werden können.

Kopf hoch - das wird!

LG Alia
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Nina am 01. April 2012, 09:10:33
Kurz: Ich sehe derzeit nicht, dass ich das jemals geradebiegen kann. Vielleicht nur ein weiterer Ausdruck meines allgemeingültigen Problems, dass ich das Interesse an einer Sache verliere, wenn ich weiß, wie sie endet. Deshalb ist Plotten für mich ja auch so schwierig, weil ich die Geschichte nicht mehr schreiben mag, wenn ich sie bereits geplottet habe - wenn ich aber nicht plotte, dann passiert es eben, dass ich völligen Schwachsinn fabriziere, den ich nie wieder rückgängig machen kann.
Ich denke nicht, dass das ein Problem ist, dass du mit Plotten lösen kannst. Früher habe ich nie geplottet, hatte allerdings immer zwei Varianten vom Ende im Kopf und somit wusste ich, wo ich hin wollte. Dann habe ich das Plotten angefangen, aber es hat mich nicht davor bewahrt "Schwachsinn" zu produzieren. Wenn die Geschichte eine unvorhergesehene Wendung annimmt oder die Protas etwas anderes tun, als sie sollten, dann lass ich das zu. Das kann entweder schief gehen oder einen ganz neuen Aspekt hervorbringen, der die Geschichte so viel besser macht. Natürlich kann das zu Unstimmigkeiten führen und es ist mehr Arbeit bei der Überarbeitung und wenn es nicht passt, dann lösche ich halt einige Kapitel, dann weiß ich zumindest, wie es nicht funktioniert und das kann auch hilfreich für die Geschichte sein.

Nachdem die Euphorie über das Ende verflogen ist, hilft es mir, das komplette Werk relativ zügig zu durchzulesen, auch wenn ich ständig denke, das ist schlecht oder an der Formulierung kann ich noch feilen. Dann setze ich mir an den Rand ein Kommentar und lese weiter ohne groß zu Überarbeiten, das kommt erst dann danach und das kann lange dauern, aber daraus lernst du für spätere Geschichten. Hab keine Scheu davor, Szenen umzuschreiben, löschen, anzupassen oder neue einzufügen. Eine perfekte Geschichte wirst du nicht auf Anhieb kreieren können, dazu gehört eine Menge Arbeit und Übung.

Wenn du mit dem Plotten überhaupt nicht klar kommst oder einfach keine Lust darauf hast, könntest du auch nach jedem Kapitel eine kurze Zusammenfassung aufschreiben, mit den wichtigsten Infos über den Verlauf, Protas, etc. Dann hast du am Ende sozusagen deinen Plot, der dir bei der Überarbeitung hilft.

Lass auf keinen Fall den Kopf hängen und gönn dir ein paar entspannte Tag. Du wirst die beste Lösung für dich finden :knuddel:
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: chaosqueen am 21. April 2012, 22:53:28
Hallo ihr Lieben,

wow, so viele tolle Antworten und ich hab hier gar nicht wieder reingeschaut ...  :-[

Ich glaube, dass ich nicht unbedingt mit Kurzgeschichten weiterkomme. Die "kann" ich, jedenfalls habe ich jahrelang Kurzgeschichten geschrieben, die mal mehr, mal weniger gut ankamen, von denen ein paar veröffentlicht wurden und zwei immerhin bei Wettbewerben etwas geworden sind.

Romane sind halt doch erheblich anders, sie erfordern einen viel längerne Atem im Spannungsbogen, viel ausgefeiltere Charaktere, viel mehr Worte. Es ist ein bisschen wie Suppe kochen: Ich kann einen Fond einkochen, aber wie ich gleich eine schmackhafte Suppe hinbekomme, weiß ich nicht.

Wölfin, ganz lieben Dank für Deinen "Arschtritt", denn genau so, wie Du es beschreibst, ist es bei mir auch. Ich glaube immer mal wieder, es müsse einfach so aus der Feder fließen, und dann verzweifel ich. Und da ich gerade in allen Bereichen lerne, nicht aufzugeben, werde ich Deinen Rat beherzigen und mir auch beim Schreiben ein bisschen mehr "Arsch in der Hose" zulegen. ;)

Sprotte, wir battlen demnächst mal wieder! dann aber wirklich, auch wenn mir das Quatschen neulich sehr gut getan hat! :knuddel:

Ich werde eure Anregungen und Ideen mal nehmen und schauen, was ich draus mache. Ich fürchte nur, dass ich meinen Kurzroman trotzdem nicht mehr auf die richtige Länge aufgeblasen bekomme ... Egal! Gibt ja noch mehr Projekte, an denen ich arbeiten kann.
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Debbie am 22. April 2012, 13:36:44
@chaosqueen: Ich weiß ich bin mit dem Antworten jetzt etwas spät, aber lieber spät als nie  :vibes:

Wieviel liegt dir denn an dem "Kindergartenniveau-Projekt"?? Liebst du es genug, um überhaupt Zeit in intensives Überarbeiten zu investieren?

Die Grundfassung solltest du nie in Frage stellen - die ist immer irgendwie... naja. So wie meine  ;)  Also hab ich danach noch weiter geplottet, da Dinge und Figruen entfernt werden mussten oder eine neue Rolle zugeteilt bekamen. Versuch doch ohne Plotten zu schreiben, und plotte erst nachdem du die Grundfassung hast. Dann kannst du den Plot in der Überarbeitung miteinbauen. Im Übrigen hab ich dann nochmal komplett neu angefangen, also den alten Text nicht als Vorlage benutzt, sondern lediglich als "geistiges Gerüst".

Was Überarbeitung angeht: Da braucht es m. E. schon mindestens zwei Durchgänge. Einen mit dem Szenebogen, um erzähltechnische Ungereimtheiten zu beheben und jede einzelne Szene zu optimieren:

http://forum.tintenzirkel.de/index.php/topic,8416.msg268171.html#msg268171

Und dann eine weitere Runde, die sprachlich orientiert ist. Dafür hab ich mir einen Punkte-Plan aus Eschbachs Korrekturweise, - die ja im Papyrus Autor bereits drin ist - und "The first five pages" von Noah Lukeman erarbeitet. Der ist noch nicht komplett; ich will auch noch einige Punkte aus der "Stilfibel" übernehmen, aber dazu bin ich noch nicht gekommen  ::)

Überarbeiten macht glaube ich nie wirklich Spaß, weil es nicht mehr viel mit Kreativität sondern mit "echter" Arbeit zu tun hat. Um effektiv arbeiten zu können, brauche ich immer To-Do Listen - ohne geht bei mir garnichts. Da kann ich mich dann Schritt für Schritt durcharbeiten... Wobei ich mich dann immer wieder ermahnen muss, einen Schritt zu beenden ehe ich den nächsten beginne. Aber das klappt inzwischen auch immer besser  ;)
Jedenfalls ist das dann meine kurzfristige Hauptmotivation: Einen Punkt nach dem anderen abzuhaken. Danach fühle ich mich wie nach einem erfolgreichen Shopping-Trip  :vibes:



Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Amaryn am 26. Mai 2012, 16:14:49
Mich hat's zur Zeit wieder voll erwischt; ich stecke bis zum Scheitel im Sumpf des Zweifels... ("Das wird ja sowieso nie was!" "Ich werde nie einen Verlag/eine Agentur finden!" "Vergeudete Zeit!"usw.)
Oder ist es einfach das Wetter, das mich lähmt? Im Moment geht jedenfalls gar nichts mehr.  :schuldig:
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Thaliope am 26. Mai 2012, 16:18:19
Oh je, Amaryn. Lass dich drücken.  :knuddel: Ich kenn das so gut. Gönn dir ein Päuschen, lass dir die Sonne auf den Pelz scheinen ... und dann kommt das Schreiben zu dir zurück. Als Notwendigkeit, ganz egal, was daraus wird. Und dann ... kann auch was daraus werden.

LG, Kopf hoch und viel Sonnenschein
Thali (die *hust* selbst schon länger nichts Vernünftiges mehr zu Papier Chip gebracht hat)
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Tintenweberin am 26. Mai 2012, 16:23:47
Bei mir waren es das Jetzt-erst-Recht-Gen und Petys Motivationspralinen, die mich bei meiner letzten Flaute schnell wieder auf Kurs gebracht haben. Wenn wir uns nicht nur in der virtuellen sondern auch in der echte Welt begegnen würden, würde ich dir jetzt eine Tasse Kaffee, die restlichen Motivationspralinen (oder ein Stück Rhabarberkuchen) und einen inspirierenden Blick auf die gegenüberliegenden burgruinengekrönten Hügel in maigrün anbieten ...
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Amaryn am 26. Mai 2012, 16:35:48
Danke, Thaliope!  :knuddel:
Es ist gar nicht so sehr das Schreiben (obwohl ich DAS im Moment wohl noch weniger hinkriegen würde) sondern das Editieren. Ich komm' nicht weiter.
Es ist nicht mal so, dass mir mein eigener Text mittlerweile aus den Ohren quillt und mich anödet, sondern einfach die "Ahnung", dass alles umsonst war, weil ich nicht den nötigen "Biss" bzw. das Durchhaltevermögen, die Kontakte oder die Überzeugungskraft habe, irgendwo einen Fuß in die Tür zu kriegen.
Das alles gehört zur Schriftstellerei dazu, und ich kann es nicht.
Ich habe mir selbst schon eine Pause auferlegt, aber das scheint auch nicht zu helfen. Meine Güte, warum bin ich so nölig? Liegt vielleicht einfach nur an meinem Heuschnupfen, der hat mich fest im Griff. Vielleicht wird alles wieder besser, wenn ich wieder atmen kann...  :-\

@Tintenweberin: Burgruinengekrönte Hügel... Motivationspralinen, Kaffee - das könnte helfen. Anfang Mai war ich auf der Nürburg, das war wirklich inspirierend! (Vielleicht hilft es, wenn ich mir die Fotos nochmal ansehe und in meiner Erinnerung blättere...) Jetzt bin ich ja wieder zurück in der Norddeutschen Tiefebene - und jetzt geht das Genöle wieder los, schnell abschicken und ganz, ganz lieben Dank an euch!
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Nayoni am 26. Mai 2012, 17:41:25
Versuch es mal positiv zu sehen: du hast ein Buch geschrieben, dass dich im Nachhinein nicht anödet, das du weiterhin gut findest und bei dem es sich lohnt, ans Überarbeiten zu gehen - das ist doch toll! Schreib dein Buch weiter und mach es zum besten Buch, das du je schreiben wirst, alles andere ist viel zu weit gedacht. Vor allem, weil du ja noch gar nicht weißt, ob du es vielleicht nicht doch kannst und das notwendige Durchhaltevermögen besitzt, schließlich hast du es ja noch nicht ausprobiert.. Wir können nicht wissen, was wir können, bevor wir es ausprobiert haben  ;)

Außerdem wette ich, dass du beim Schreiben Spaß gehabt hast, oder? Dann war es auf keinen Fall umsonst  :) Daran halte ich mich fest, wenn die Zweifel kommen... Und überhaupt, selbst wenn nichts draus wird, kann man immer noch sagen, "Ich habe ein Buch geschrieben." Wie viele Menschen können das schon von sich behaupten?

Schritt für Schritt, ok?

Und Heuschnupfen kann einen wirklich mitnehmen, bestimmt siehst du es in ein paar Tagen schon wieder anders! Ich wünsch dir gute Besserung  :knuddel:
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Assantora am 27. Mai 2012, 16:13:21
@ Amaryn

Solch eine ähnliche Phase habe ich im Moment auch so ein wenig. Ersten Band einer Duologie geschrieben und nun nicht so wirklich Lust weiter zu schreiben, obwohl man eigentlich wollen sollte und auch will, aber sich nicht so Recht aufraffen kann.
Solche Phasen kommen und gehen. Ich habe einen Ausflug in ein anderes Genre unternommen, einfach um ein wenig rein zu schnuppern. Null Bock auf Editieren, was da hilft, weiß ich nicht, da ich noch nicht so weit bin. Will erst einmal die Rohfassung der Geschichte nieder schreiben. ;)

Ich wünsche dir, dass du ganz schnell aus diesem Loch wieder heraus kommst und wieder Spaß am Autorenleben hat. Es ist wirklich verdammt harte Arbeit. ;)
Lass dich mal drücken  :knuddel:
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Amaryn am 07. Juni 2012, 14:29:51
Ihr Lieben, vielen Dank!
Ich glaube, ich habe die Talsohle hinter mir. Ich editiere wieder und es macht sogar Spaß.  :hmhm?:
Anfang Juli werde ich einen Vortrag besuchen, in dem es um das Suchen und Finden von Verlagen geht. Ich bin mal gespannt und hoffe auch, ein paar andere Schreibende aus der näheren Umgebung kennenzulernen, zwecks Erfahrungsaustausch.
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Chizuru am 11. August 2012, 23:35:03
Ich hoffe, dass hier ist der richtige Thread dafür. Beim Überfliegen der Posts muss ich annehmen, dass er es ist  :rofl:

Jedenfalls überkommen mich derzeit auch wieder diese blöden Zweifeln, weil mein innerer Kritiker beim Niederschreiben der ersten paar Sätze einfach nicht seinen Mund halten kann  :brüll:
Ist echt schlimm momentan, besonders wenn man schon eine genaue Vorstellung von allem hat, vorplante, die Charaktere fertig sind und man nur noch darauf wartet, wenigstens einen Teil mal ungestört aufschreiben zu können  :schuldig:

Motiviert bin ich, aber der Kritiker erweckt dauernd diese blöden Zweifel zum Leben, egal wie viel Motivation derzeit in mir hochzusprudeln versucht und wie sehr ich alles ausgearbeitet habe~
 :no:
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: FeeamPC am 12. August 2012, 00:01:39
Den inneren Kritiker bringt nur eines zum Schweigen: Einfach drauflos schreiben, ohne an Qualität zu denken, mit dem einzigen Ziel, möglichst viele Worte in möglichst kurzer Zeit aufs Papier zu bringen. Dann muss er seine Klappe halten, weil es ja nicht um Inhalte, sondern nur um Schreibleistung geht. Und wenn man so, sagen wir, 10 Minuten rum gekriegt hat, kann man oft wieder herrlich normal schreiben.
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Chizuru am 12. August 2012, 16:35:37
Den inneren Kritiker bringt nur eines zum Schweigen: Einfach drauflos schreiben, ohne an Qualität zu denken, mit dem einzigen Ziel, möglichst viele Worte in möglichst kurzer Zeit aufs Papier zu bringen. Dann muss er seine Klappe halten, weil es ja nicht um Inhalte, sondern nur um Schreibleistung geht. Und wenn man so, sagen wir, 10 Minuten herum gekriegt hat, kann man oft wieder herrlich normal schreiben.

Vielen Dank für den Tipp, FeeamPC  :)
Als ich gestern einfach was aufgeschrieben habe, ging es dann.
Ich habe mir zwar alles nochmal angeschaut, aber nicht darüber nachgedacht, wie es klingt und endlich konnte ich mich wieder aufs Weiterschreiben konzentrieren! Und die Motivation kommt heute garantiert eh wieder, wenn ich sehe, wie viel ich bis jetzt in so kurzer Zeit geschrieben habe  :wolke:
Titel: Fantasy vs. Gegenwartsliteratur vs. Literaturwissenschaft
Beitrag von: Hr. Kürbis am 08. September 2012, 22:42:03
Hallo Leute,

als ganz frisch (und absolut gerechtfertigt) als inaktive gekürtes Mitglied hab ich das dringende Bedürfnis, mich hier zu melden, das Thema rechtfertigt dies meiner Meinung nach. Aber macht euch auf eine etwas längere Lektüre gefasst ...  :P

Wer mich (noch) kennt dem brauche ich mich (vielleicht) nicht vorzustellen, wer keinen blassen Schimmer hat aber auch nichts weltbewegendes verpasst. Tatsächlich bin ich schon ein paar Jährchen Mitglied des Tintenzirkels und ehemaliger Blaustern, hab mich dann aber wegen verschiedenster Dinge etwas rar gemacht. Ein Grund (und der Hauptgrund) war der beständig an mir nagende Zweifel, ob Fantasy tatsächlich "mein" Genre ist und ich als Schreiberling darin eine mögliche Zukunft habe.
Diese Zweifel wurden gespeist von der Erkenntnis, dass meine Texte mit Gegenwartsbezug OHNE jegliches Fantasy-Elemente einen viel höheren Anklang in meinem Umfeld gefunden haben und mir immer nahe gelegt wurde, mich doch in der Richtung weiter zu versuchen. Ich habe es getan, habe die Genres gewechselt mit dem Gedanken im Hinterkopf, mich festlegen zu müssen. ENTWEDER Fantasy ODER Gegenwartsliteratur. Das ging so weit, dass ich letztendlich alle Schreibtätigkeiten eingestellt habe, im Kopf spuckte immer noch das zwanghafte Sich-Entscheiden-Müssen herum und die Waagschale neigte sich mal in diese und jene Richtung ...

Einen eindeutigen Ausschlag gab es aber nie und ich wollte ihn doch so gerne erzwingen ... und ich bin ehrlich, für die Fantasy stand es zeitweise sehr schlecht!

Letztendlich kam es aber nicht dazu, denn vor einem Jahr schmiss ich mein komplettes Leben hin, kündigte den Job, verkaufte dieses Jahr sogar meine Wohnung und begann mit einem (späten) Studium ein "neues Leben". Dadurch schob ich aber auch die Entscheidung auf, die Uni erforderte eine gravierende Umstellung der Lebensgewohnheiten und die Schreiberei rückte in den Hintergrund. Das war mir sehr recht, so konnte und brauchte ich mich nicht entscheiden. Allerdings studiere ich jetzt Kulturwissenschaften mit dem Schwerpunkt "Literarische Kulturen" (also Literaturwissenschaften mit kulturwissenschaftlichem Blickwinkel) und rückte damit immer weiter von der Fantasy weg. Noch immer gibt es diese "E" und "U" Unterscheidung, auch wenn es nicht ganz so schlimm ist bei KuWi. Da beschäftigt man sich ja viel mit gesellschaftlichen Auswirkungen von Kulturphänomenen und verschiedensten Medien, egal welcher "Wertigkeit". Dennoch wird wohl nie "Fantasy" auf dem Seminarplan auftauchen, vielleicht in irgendeiner Nische und garantiert nicht ganz Vorurteilsfrei.

Na ja, wie dem auch sei, gerade hatte (und habe) ich "Semesterferien" (kann man bei 1 Klausur, 4 Hausarbeiten und 3 Essays nicht von sprechen) und war gerade um etwas Abstand zu bekommen mit meiner Familie "auf Urlaub" im Allgäu. So ganz ohne nervige Uni-Literatur konnte ich endlich mal in mich gehen und neue Gedanken fassen. Literaturwissenschaft versaut einem das Lesen ja ziemlich, da lässt man sich ja nicht vom Werk in dessen Welt ziehen sonder "extrahiert" mit wissenschaftlichem Blick alle (un-) möglichen Aspekte des Werkes, deutet sie, bricht sie herunter, stellt Beziehungen her etc. Also da ist wenig Lesegenuss dabei, auch wenn die "Ermittlungsarbeit" in Bezug auf Texte schon sehr spannend ist. Aber in diesem Urlaub vermisste ich echt das Lesen (und Schreiben) von Texten einfach nur so zum Spaß, ohne Kanon im Hintergrund. Ich bekam "Fantasy-Hunger", aber auch die Zweifel kehrten zurück, die Entscheidung wollte getroffen werden. Ich bin jetzt aber auf den Dreh gekommen, dass das völlig unsinnig ist. Ich MUSS mich nicht entscheiden, ich DARF Fantasy mögen, lesen, schreiben, GUT FINDEN!

Ich liebe Fantasy seit meiner Kindheit, sie hat mich immer begleitet, in trashigen Barbaren-Filmen der 80er Jahre, heiß geliebten Zeichentrickfilmen und -serien unterschiedlichster Qualität, von pixeligen Computerspielen bis hin zu den effektgeladenen Polygon-Monstern von heute, Rollenspielgruppen am Tisch oder live "im Wald" und natürlich ... Büchern! Ich mag diesen ganzen nerdigen Kram in dem Zusammenhang, Fantasy ist toll und selbst wenn sie "reine Unterhaltung ohne Nährwert" und trivial ist (was ich nicht denke), dann ist das eben so ... in den Augen der anderen!

Mit dieser Erkenntnis wollte ich also gerade durchstarten und beschloss, wieder mehr im Tintenzirkel (der guten alten Nabelschnur) aktiv zu werden, lustigerweise bekam ich just am Tag drauf die Mail, als inaktives Mitglied geführt zu werden. Das MUSS doch ein Zeichen sein, oder? :hmmm: Also sitze ich hier, schreibe diese Zeilen (gefühlt schon seit Stunden) und hoffe, dass es nicht nur beim Vorsatz bleibt ... auch wenn ich am Montag erstmal zu Hausarbeit Nr. 4 (Kafkas "Prozess") zurückkehren muss.

Meine allerherzlichsten Grüße also an alle alten und neuen Tintenzirkler, ganz besonders an Maja inkl. Dank für ihr "Fantasy-Freudenhaus" (kleine Anspielung auf den für mich legendären Ausspruch) und "Auf Wiedersehen, Zweifel!", die werden allerdings wieder kommen, aber ich werde jetzt gelassener mit ihnen umgehen können.

Euer Stefan :winke:
 
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Jara am 08. September 2012, 23:12:59
Ich denke, dass du mit deinen Gedanken einigen hier aus der Seele gesprochen hast, Stefan.
Neben ganz grundsätzlichen Zweifeln daran, ob man selbst gut genug ist, sich überhaupt eine Chance im Bereich Schriftstellerei ausrechnen darf, ist der Genre-Zweifel auch etwas, das mich öfter befällt. Nicht weil ich wirklich besser darin wäre, etwas anderes als Fantasy zu schreiben. Und vor allem nicht, weil ich das wirklich wollte. Aber den ein oder anderen schiefen Blick hat wohl jeder von uns schon einmal zugeworfen bekommen, wenn er stolz verkündet hat "Ich schreibe Fantasy". Bzw. sind solche Blicke und entsprechende Bemerkungen ein Grund dafür, warum viele es nicht einmal ihrem engsten Umfeld mitteilen, dass sie Fantasy schreiben . . .
Auch wenn sich durch bekannte Werke und rege arbeitende Autoren, die das schriftstellerische Handwerk beherrschen, Fantasy nicht nur etabliert hat, sondern einen beachtlichen Anteil der Unterhaltungsliteratur stellt, wird das Genre noch nicht richtig ernst genommen und milde belächelt. Für richtige Literatur hat es beim Autor wohl eben nicht gereicht.
Dass es nicht für jeden erstrebenswert ist Goethe nachzueifern, genauso wenig wie jeder Arzt werden möchte, wird dabei gerne außer Acht gelassen. Gerade auch in meinem "seriösen Juristenumfeld" ist für etwas anderes als nüchternes Erfolgsstreben und zwar mit den entsprechend gesellschaftlich angesehenen Mitteln kein Platz. Individualität hat sich dem gesellschaftlich Anerkannten zu beugen. Wenn man nach den Regeln der anderen spielt und die äußeren Zwänge zu seinen eigenen macht.
Daraus auszubrechen ist ziemlich schwierig. Man hat es aber schon getan, wenn man erkennt, dass es nicht nur das entweder "ich spiele mit" oder das "ich mache mein eigenes Ding" gibt, sondern dass man jederzeit frei ist, je nach Situation neu zu entscheiden und auch gerne beides parallel laufen lassen kann.
Natürlich kann ich Fantasy mögen bzw schreiben und erfolgreich in meinem nüchternen Jurastudium sein. Die anderen glauben es eben erst, wenn man ihnen tatsächlich beweist, dass es geht. Eine schöne Herausforderung ;)

Lange Rede und der Uhrzeit entsprechend vielleicht wenig Sinn: Schön, dass du deine Zweifel nun auf Trab halten kannst, das ist ein Schritt, der viel Mühe kostet und viel Erfolg dabei!

Liebe Grüße,
Jara
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Hanna am 08. September 2012, 23:37:42
Ich finde es toll, dass du die silbernen Sterne jetzt zum Neustart nutzen willst. Auf Facebook habe ich ja immer noch einiges von dir mitbekommen und dadurch gar nicht richtig gemerkt, dass du im Forum nicht mehr aktiv gewesen bist. Ich komme im Moment kaum zum Schreiben und das frustet mich auch ungemein. Aber irgendwie holt es einen ja doch immer wieder ein. Also, willkommen zurück!
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Ryadne am 08. September 2012, 23:50:51
Hallo Stefan.

Jo, also auch ich bin eine von denen, denen du sehr aus der Seele sprichst.

Beim Fantasyschreiben geht es mir zum Beispiel so, dass ich früher einfach irgendwelche High Fantasy-Stories drauflos geschrieben und auch diese Art der Fantasy gerne gelesen habe, bis mir irgendwann dessen Oberflächlichkeit total auf die Nerven ging, um es mal höflich auszudrücken.
Seitdem habe ich zumindest bei längeren Geschichten, die ich schreibe immer das Gefühl, etwas ausdrücken zu müssen. Ohne irgendwelche pseudo?philosophischen Dialoge geht bei mir gar nichts mehr, aber ich merke auch, wie ich mir damit manchmal selbst im Weg stehe. In solchen Fällen kommen dann Ausschreibungen ganz gut ;)
Davon abgesehen geht es auch mir so, dass mir häufig gesagt wird, ich würde Realistisches besser schreiben, aber das wird meistens sehr persönlich, deshalb habe ich bisher davon abgesehen, mich stärker darauf zu konzentrieren.

Stärkere Zweifel zur Fantasy oder Phantastik generell sind bei mir auch durchs Studium aufgekommen, aber auf etwas andere Art als bei dir. Ich studiere ebenfalls KuWi und bei mir ist es aber so, dass ich mich sehr darauf konzentriert habe, soziale Aspekte der Phantastik zu behandeln. Das hat mir bisher Spaß gemacht und der Dozent, bei dem ich meine Bachelorarbeit geschrieben habe, hat mich ermutigt, das auch weiter zu verfolgen. Deshalb habe ich das als Forschungsvorhaben in der Matserbewerbung angegeben und bin damit auch angenommen worden. Aber jetzt, wo ich meine Bachelorarbeit schon zu dem Thema geschrieben habe und das Gefühl habe, völlig damit ausgefüllt zu sein, frage ich mich - hat das wirklich Sinn? Müsste ich mein Studium nicht etwas mit mehr gesellschaftlichem Gehalt widmen? Das verunsichert mich im Moment sehr. Es ist ein Thema, das mir Spaß macht, ja. Und es freut mich, dass ich dafür eine gewisse Anerkennung bekomme und mir fällt auch noch viel dazu ein. Aber manchmal denke ich mir auch, dass ich dieses Thema nicht wissenschaftlich auswalzen und stattdessen etwas... naja "Sinnvolleres" untersuchen sollte. (Übrigens - bei uns taucht Fantasy auf dem Lehrplan auf, es gibt z.B. eine Germanistik-Dozentin, die Seminare und Vorlesungen zu Jugendfantasy anbietet.)
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Grummel am 09. September 2012, 00:01:22
Lieber Stefan, deine Worte zeigen, dass du hier hin gehörst. Mehr gibt es von meiner Seite dazu nicht zu schreiben. ;)
Titel: Re: Fantasy vs. Gegenwartsliteratur vs. Literaturwissenschaft
Beitrag von: Sanne am 09. September 2012, 08:30:51
Mit dieser Erkenntnis wollte ich also gerade durchstarten und beschloss, wieder mehr im Tintenzirkel (der guten alten Nabelschnur) aktiv zu werden, lustigerweise bekam ich just am Tag drauf die Mail, als inaktives Mitglied geführt zu werden. Das MUSS doch ein Zeichen sein, oder? :hmmm: Also sitze ich hier, schreibe diese Zeilen (gefühlt schon seit Stunden) und hoffe, dass es nicht nur beim Vorsatz bleibt ... auch wenn ich am Montag erstmal zu Hausarbeit Nr. 4 (Kafkas "Prozess") zurückkehren muss.

Ich hoffe sehr für dich, dass du dich nicht von Kafka verunsichern lässt und immer wieder Zeit bleibt für Fantasy. Ich kann sie mir nicht mehr wegdenken, obwohl ich slebst auch so oft überlege, ob es sinnvoll ist, meine wenige Freizeit gerade in diesem Bereich anzusiedeln. Wenn ich dann aber wieder abtauche in diese fremden Welten, dann weiß ich plötzlich wieder, dass ich da zu Hause bin. Und das ist ein schönes Gefühl, auf das ich nicht verzichten möchte.

Ich wünsch dir viel Glück bei deinen Vorhaben und freu mich, wieder mehr von dir zu lesen (auch wenn ich ganz oft nicht hinterherkomme im TiZi, dieses Jahr hat es in sich gehabt und hat es noch ...  ;) ).

Liebe Grüße
Sanne
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Hr. Kürbis am 09. September 2012, 08:43:24
@alle
Danke für Eure aufmunternden Worte, hier kann man halt immer wieder zurückkommen und in die Arme des TiZi geschlossen werden.

@Ryadne
Das würde mich aber schon sehr interessieren mit den sozialen Aspekten der Fantasy/Phantastik, mach das mal! Ist bestimmt spannend und wenn schon du keine Lanze brichst, wer dann? In Deutschland wird das Thema wohl auch noch nicht so ausgelutscht sein, damit kannst du bestimmt punkten. Wenn ich mir mal so meinen Bib-Katalog ansehe, dann gibt es unter den 232 Treffern für Fantasy hauptsächlich englische Literatur (was für eine Überraschung!), weniger deutsche Publikationen ... ah, ich werde mir gleich mal ein paar Bücher raus schreiben, da sind auf den ersten Blick ein paar interessante Sachen dabei. Wäre doch auch ein Thema für meine Bachelorarbeit ... in zwei Jahren! Da schaffe ich bis dahin auch ein paar Bücher "nebenher".
Titel: Re: Fantasy vs. Gegenwartsliteratur vs. Literaturwissenschaft
Beitrag von: KaPunkt am 09. September 2012, 09:28:35
Ich hoffe sehr für dich, dass du dich nicht von Kafka verunsichern lässt und immer wieder Zeit bleibt für Fantasy.
... Außerdem ist Kafka in vielen Fällen Fantasy. (Oder Phantastik, oder so)
 ;)

Ansonsten:
Stefan, diese Erkenntnis hat mich auch jahrelangen Kampf gekostet. Aber seit sie da ist, geht es mir hervorragend mit meinem Lebensentwurf in der Mischung aus allem, was mich interessiert und zufrieden macht. Mag es für andere auch noch so wenig zusammen passen.

Liebe Grüße,
KaPunkt
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Grey am 09. September 2012, 20:14:10
Oh, Stefan! Ich habe, das muss ich ehrlich sagen, schon einen Schreck bekommen, als ich dich auf der Liste der Inaktiven gesehen habe. Umso mehr freue ich micht, dass du zurück bist! Und ich hoffe, du bleibst jetzt da!

Ehrlich, wärst du nicht von selbst drauf gekommen, hätte ich dir jetzt schleunigst gesagt, dass man sich beim Schreiben ganz sicher nicht für oder gegen ein Genre entscheiden muss. Aber du hast es ja allein rausgekriegt. Sehr gut! :jau: ;)
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: gbwolf am 09. September 2012, 20:43:43
Schön, dich wieder hier zu lesen und: Du bist sicherlich noch immer nicht für die Suppe  ;D

Ach, ums Genre mache ich mir schon lange keine Gedanken mehr. Ich schreibe viel mehr SF, Thriller und Jugendthriller als Fantasy und fühle mich hier trotzdem wohl.

Dann drücke ich dir mal die Daumen fürs Schreiben und fürs Leben, wenn man anschaut, was sich bei dir alles verändert hat und verändert.  :winke:
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Drachenfeder am 09. September 2012, 21:00:47
Welcome back Stefan!  :winke:

Ich sehe und handhabe das mit dem Genre genau wie Nadine. Ich fühle mich hier pudelwohl, obwohl ich mich zur Zeit eher im Bereich Historik & Reiseerzählungen herumtreibe. Sind Lesereisen überhaupt einem Genre zuzuordnen?
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Hr. Kürbis am 10. September 2012, 07:23:21
Ja ja, die Grenzen im Kopf sind eben immer am schwersten zu überwinden, ich nehme sie noch wahr, spaziere jetzt aber munter drüber weg ... nachher in der Bib werde ich mit erstmal ein paar Bücher zur Literaturtheorie der Fantasy besorgen und meinen Fokus neu ausrichten.
Titel: Re: Fantasy vs. Gegenwartsliteratur vs. Literaturwissenschaft
Beitrag von: Angela am 10. September 2012, 07:35:36
... Außerdem ist Kafka in vielen Fällen Fantasy. (Oder Phantastik, oder so)
 ;)

Wenn wir schon mit diesen Dingen anfangen, die Bibel ja wohl auch, und von da aus geht es dann munter weiter.
Allerbeste Gesellschaft, die haben es nur gut verkauft.
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Ary am 10. September 2012, 08:06:32
Stefan, schön, dass Du wieder da bist! Dieses Mal tackern wir Dich hier fest, das ist Dir hoffentlich bewusst. Sonst mache ich (Anspielung auf alte Nicks) Kürbissuppe. Aus Dir.  :darth:

Zum Thema... ich zweifle gerade gar nicht daran, ob Fantasy mein Genre ist, damit habe ich mich schon lange "abgefunden" im positiven Sinne. Egal welche Subgenres, ich werde immer Phantastik machen, ganz gleich ob high, low, urban, romantic oder was auch immer. Mein Problem ist gerade irgendwie, dass welche Idee ich auch immer Bekannten und Freunden vorschlage, diese dann zu Recht sagen, dass das Thema schon ziemlich abgenuckelt ist. Irgendwie bekomme ich im Moment nur Ideen in den Kopf, die nicht schon tausend-sondern hunderttausendmal da waren. Und da hilft mir auch die Erkenntnis nicht, dass jede Geschichte irgendwo irgendwann schon einmal erzählt wurde. Ich würde so gern mal was frisches, spritziges, wenigstens ein kleines bisschen Neues schreiben, aber ich lange immer wieder bei den alten Klischees.  :seufz:
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Thaliope am 10. September 2012, 08:56:55
Mein Problem ist gerade irgendwie, dass welche Idee ich auch immer Bekannten und Freunden vorschlage, diese dann zu Recht sagen, dass das Thema schon ziemlich abgenuckelt ist. Irgendwie bekomme ich im Moment nur Ideen in den Kopf, die nicht schon tausend-sondern hunderttausendmal da waren. Und da hilft mir auch die Erkenntnis nicht, dass jede Geschichte irgendwo irgendwann schon einmal erzählt wurde. Ich würde so gern mal was frisches, spritziges, wenigstens ein kleines bisschen Neues schreiben, aber ich lange immer wieder bei den alten Klischees.  :seufz:

Es gibt da ganz zauberhafte Kreativitäts-Techniken, um die eigenen Denkmuster ein bisschen zu überlisten. Man sucht sich zum Beispiel aus einem Wörterbuch blind blätternd zwei Wörter raus, die möglichst nichts miteinander zu tun haben, und fängt dann an, ein bisschen rumzuspinnen, was sich daraus entwickeln lassen könnte. Die daraus resultierenden, oft arg abwegigen Ideen dann etwas zu "konventionalisieren" ist dann ja ein Leichtes :)

LG
Thali
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Nayoni am 10. September 2012, 09:08:56
Ich bin wie Thali ein großer Freund von Kreativitätstechniken. Mein Favorit: Man nehme sich drei beliebige Postkarten (können auch Flyer sein oder Geburtstagskarten) und denkt sich mithilfe der Motive eine Geschichte dazu aus. Die sind meistens so abwegig, die können gar nicht schon dagewesen sein :)

Obwohl ich es meistens anders mache, denn ich überlege mir eigentlich immer zuerst ein Thema (Freundschaft, Liebe, Selbstfindung) über das ich schreiben möchte und überlege dann, welche Figuren ich brauche, um dieses Thema auszudrücken. Und dann kommt langsam aber sicher der Rest.

Wie dem auch sei, liebe Aryana, lass dich nicht entmutigen! Suche so lange nach deiner Idee, bis sie dich endlich findet  :knuddel:
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Moni am 10. September 2012, 09:25:46
@Stefan: erstmal ein willkommen zurück  :knuddel: und dann gleich zu dem, was du geschrieben hast. Irgendwann kommen ja den meisten von uns diese Zweifel, ich hatte sie auch schon und habe auch entschieden, dass ich mich eben nicht für eine Sache entscheiden muß, sondern durchaus beides pflegen kann.
Fantasy muß ja nicht frei von Anspruch sein, kann in Form von Satire eine gute Portion Gesellschaftskritik mitbringen (s. zb Pratchett) oder sich in poetische Gefilde begeben. Das schöne am Genre ist ja gerade seine Vielfalt und die großen Entfaltungsmöglichkeiten, die jedem Autor offen stehen.
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Ary am 10. September 2012, 11:04:45
Danke für die Kreativ-Tipps! Davon werde ich mal was ausprobieren, auch wenn es mir bei meinem augenblicklich ganz aktuellen Plot-Problem noch nicht wirklich hilft. :)
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Franziska am 10. September 2012, 12:07:26
Hallo Stefan,

ich freue mich, dass du dich hier mal wieder meldest. Ich kann deine Zweifel durchaus verstehen. Ich schreibe im Moment auch eher Gegenwartsliteratur. Und die meisten Ideen, die ich noch habe sind das auch, oder SF. Und manchmal dachte ich auch, ob das überhaupt zusammen passt? Es gibt schon kaum Agenturen, die beides vertreten. Aber einige wenige gibt es dann doch. Und es gibt auch viele Autoren, die beides schreiben. Die E/U-Unterscheidung darüber haben wir hier auch schon öfter diskutiert. Ich habe manchmal das Gefühl, es kommt auf das Selbstverständnis des Autors an, wie das in der Öffentlichkeit wahrgenommen wird. Wenn ein Autor erstmal Gegenwartsliteratur veröffentlicht und dann z.B. eine Dystopie gilt das nicht als SF. Oder wenn er dann ein Fantasyjugendbuch schreibt, dass aber nicht Fantasy nennt, wird es auch im Fuilleton besprochen, egal wie gut das Buch ist und egal ob es schon 20 ähnliche Bücher gibt, die der Autor nicht gelesen hat, weil er das Genre gar nicht kennt und denkt, er hätte da was Neues erfunden. Ob man das so machen muss ist eine andere Frage. Ich sehe jedenfalls nicht, dass das eine das andere ausschließt. Mich überkommt jedenfalls regelmäßig die Fantasy und SF-Sehnsucht, wenn ich da länger nichts gelesen habe.
Ich glaube, dass ich durch das Schreiben von Gegenwartsliteratur sehr voran gekommen bin so im Schreiben allgemein und dass da meine zukünftigen Fantasy-Texte sehr von profitieren können.
Und K.Punkt hat recht. Kafka ist doch das Beispiel für Phantastik in der "Literatur".

Außerdem gibt es hier mittlerweile viele Autoren, die alle möglichen Genre schreiben und über Projekte anderer Genre darf hier auch mal gesprochen werden.
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Assantora am 12. September 2012, 20:51:55
@ Aryana
Ach, die Gedanken habe ich auch bei meinem Projekt. Ich würd es als Herr der Ringe, nur ohne Ringe beschreiben  ;D
Nein, Scherz beiseite. Etwas neues willst du schreiben? Etwas was vorher noch nicht da gewesen ist? Dann musste du wahrscheinlich alle deine Erfahrungen über Bord werfen. Die meisten Geschichten enden ja mit einem 'guten' Ende. Warum? Weil man ja noch am Leben ist. Menschen passieren negative Dinge, die einen meist nicht umbringen.
Bei Geschichten ist das ähnlich, wahrscheinlich ist diese scheinbar schmale Bandbreite an Möglichkeiten in der Phantastik dadurch abhängig, dass Phantastik nun einmal davon lebt, nicht im normalen Raum, Zeit, oder Ort zu agieren. Fremde Welten und Planeten, die nie ein Mensch... Ok, das lassen wir mal  ;)
Aber meiner Meinung nach solltest du dich nicht davon verrückt machen, dass deine Ideen schon mal da waren. Wenn wir so schnell überdrüssig von solchen Geschichten wären, dann hätte die DVD-Industrie ein Problem: Wozu DVD kaufen, hab den Film ja schon gesehen.
Außerdem kann man eine Geschichte auf mehr als eine Art erzählen. Darum geht es doch beim Schreiben. Ich habe beim Lesen hin und wieder das Gefühl, dem Autor geht es weniger um die Geschichte, sondern viel mehr um die Charaktere. Wenn sie entweder besonders normal, worin sich jeder wieder erkennt, oder durch ihre Andersartigkeit, etwas interessantes ausstrahlen, dann kann sich der Leser besonders gut in sie hinein versetzen, oder liest gespannt, was der Chara jetzt schon wieder anstellt und zwar das, was man selbst am allerwenigsten erwarten würde.

Aber bevor ich allen etwas vorlabere, höre ich lieber auf und lasse den nächsten zu Wort kommen. Ich hoffe, dass du ganz schnell deine Zweifel gegen die Wand fahren lässt.

@ topic
Da fällt mir ein, dass ich auch zweifeln könnte. Mein Nebenprojekt ist richtige SF, also mit Raumschiffen, fremden Spezies und vielen komischen kosmischen Unmöglichkeiten. *gg*
Aber ich bin ein großer Star-Trek-Fan, ja ich oute mich und mir ist egal, was alle sagen  :P Aber ich weiß nicht, irgendwie habe ich Angst, dass man es zu sehr in die Schiene packt, allein schon, wegen Raumschiffen und so  ::)
Vielleicht ist das der Grund, weswegen dieses Projekt nicht weiter kommt. Oder ich bin einfach nicht multitasking-fähig  ;)
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Alana am 12. September 2012, 21:08:49
@Aryana: Vielleicht würde dir ja der Brainstormingchat dabei helfen? Mal ohne viel Vorgerede, einfach nur ein paar (völlig abstruse?) Ideen sammeln? Oder das mp3-Orakel?
Ansonsten würde ich in ein ähnliches Horn stoßen, wie Assantora. Vielleicht würde es helfen, die Sache nicht von der Fantasy-Seite aus anzugehen, sondern von der Charakterentwicklung. Was wäre eine Charakterentwicklung, die du gerne schreiben würdest? Vielleicht eine, die völlig absurd, merkwürdig und unpopulär ist? Und dann lass diese Person in deine Idee schlüpfen.
Oder ordne jeder deiner Ideenknospen eine total klischehafte Person zu und lass sie ein Streitgespräch führen. Vielleicht ergibt sich daraus was?
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Ary am 12. September 2012, 21:23:03
@Assantora: :) Ich denk drüber nach!

@Alana: ich werde meistens ziemlich unsicher, wenn ich zu viele Meinungen höre, darum bin ich nicht so der Brainstormingchatter.  :-\
Aber mit der Charaentwicklung habe ich angefangen. Mein NaNo-Protagonist, zumindest einer von ihnen, hat an die Tür geklopft.
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Rhiannon am 21. September 2012, 00:17:40
Was Zweifeln manchmal einen Riegel vorschieben kann, ist erstaunlich.

In der letzten Zeit hat sich mein Schreibstil und die Themen über die ich schreibe, massiv geändert, wohl bedingt durch etliche Änderungen meines Lebens.
Aber mit diesen Änderungen kamen auch die Zweifel: Ist das gut? Ist das auch nicht zu abgefahren? Kann ich es wagen, mich damit zu bewerben? Wenn ich meine Charaktere nicht unter Kontrolle habe, heißt das dann nicht, dass ich noch nicht weit genug bin? Und bla bla. Ich denke, jeder kann sich noch ein paar weitere Sätze dieses kleinen, nervigen Blaffers auf der Schulter vorstellen.

Und dann habe ich wieder einmal einige Tiefschläge erhalten, die nichts mit dem Schreiben zu tun haben und plötzlich war da die Erkentnis, die sämtliche schreiberischen Selbstzweifel fürs Erste davongejagt hat.

Ich kann immerhin schreiben, sprich ich habe Ideen! Und damit habe ich mehr, als so viele andere, die kein Ventil für ihren Alltagsfrust haben!

Und mit dieser Erkenntnis, dass mir das Schreiben, meine Passion, immer bleiben wird, auch wenn kein Verlag dieser Welt mich jemals will und dass Schreiben nicht an Verlage oder meine Position in einem Ranking irgendwelcher Art geknüpft ist, hat meinen Selbstzweifeln eine Solche übergebraten, dass ich sie bisher nicht wiedergesehen habe.
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Shin am 25. Januar 2013, 19:26:38
Ich spüre gerade zum ersten Mal richtig den Druck, wenn man für ein bestimmtes Ziel schreibt.
Ich bin gerade immer noch am tippen der Leseprobe für das Literaturstipendium. Wollte ich eigentlich gestern Nacht machen, aber gegen 20 Uhr bin ich einfach weg gekippt, lag 3 Stunden platt und war danach auch bald wirklich schlafen gegangen.

Ich schreibe gerade quälend Satz um Satz. Wirklich quälend.
"Das ist nicht spannend genug, das zieht sich zu lange, das reißt nicht mit, das ist einfach schlecht, das will kein Mensch lesen, die haben das bestimmt jetzt schon weggelegt und lesen gar nicht mehr weiter."

Und so weiter und so fort.
Bei Texten für Ausschreibungen habe ich bisher nie so gedacht. Ich habe einfach meine Idee herunter geschrieben und weg geschickt. Und wurde dann genommen oder eben nicht. Aber jetzt? Jetzt steht wirlich etwas auf dem Spiel. Jetzt wird es ernst. Die Geschichte kann doch gar nicht gut werden und sich frei entfalten, wenn ich schon auf den ersten Seiten nur darum bange, wie sie ankommen wird. Oder eben doch nach den ersten drei Seiten rausfliegt...
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Sorella am 25. Januar 2013, 19:38:29
Such dir doch einen Paten, der mitliest, Shin  ;) Jemanden der dir Rückmeldung gibt, und der dich aus dem negativen Teufelskreis herausholt.
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Shin am 25. Januar 2013, 19:44:19
Ach, habe ich schon erwähnt, dass ich das Ganze samt anderen Arbeitsproben, Exposé, etc. bis 31.01. einreichen muss? ;D
Jepp, ich bin pünktlich wie immer...
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Zit am 25. Januar 2013, 22:03:18
Lass dich nicht irre machen. Die erwarten kein Meisterwerk, sondern Potential. Aber vorallem sollte der Text sagen: "Leute, ich weiß wie der Hase läuft. Eine Flinte habe ich auch schon -- nur Zielen und Treffen muss ich noch üben." ;)
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Shin am 26. Januar 2013, 14:41:24
Netter Satz. :)

So, dann versuche ich es wieder... Gestern Abend haben mich meine leider zu gut bekannten Stress-Bauchkrämpfe aus dem Verkehr gezogen.  ::)
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: HauntingWitch am 27. Februar 2013, 12:59:26
So, jetzt muss ich hier auch mal etwas loswerden. Mein Gehirn spielt nämlich gerade verrückt. Es ist zwar nicht so, dass ich gar nicht mehr schreiben könnte oder keine Lust mehr daran hätte. Aber in letzter Zeit kommen mir immer mehr realistische (also ganz und gar unfantastische) Geschichten in den Sinn, die unbedingt getippt werden wollen. Alles in mir schreit: Schreib Realistisches! Dabei mag ich die Fantasy doch und habe alle diese offenen Projekte, bei denen ich nun aber nicht weiter komme. Und dann stelle ich fest, dass mir die realistischen Sachen sogar ganz gut gelingen. Manchmal glaube ich sogar, dass es besser wäre, mich darauf zu konzentrieren. Was mache ich denn jetzt? Dem einfach nachgeben? Ich meine, ich sage ja selbst immer, was von innen kommt kann so falsch nicht sein und man sollte darauf hören. Nur befürchte ich halt, dass mir die Fantasy dadurch abhanden kommt. Und das will ich auch nicht. Verwirrung pur. ???
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Alana am 27. Februar 2013, 13:01:18
Auf jeden Fall würde ich das versuchen! Realistische Sachen werden doch gesucht, wenn ich das könnte, würde ich das sofort schreiben. Das bedeutet doch auch nicht, dass du die Fantasy aufgeben musst.  :knuddel:
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Nycra am 27. Februar 2013, 13:12:12
Ich denke, die Fantasy-Sachen kommen von selbst wieder, wenn du in deinem Oberstübchen Platz geschaffen hast. Dazu musst du aber erstmal die realistischen Sachen wegschreiben. Versuch es doch einfach und sieh, wohin es dich führt. Wenn du selbst schon sagst, die Ideen gefallen dir, warum gibst du nicht einfach nach?  :knuddel:
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Malinche am 27. Februar 2013, 13:14:06
Das sehe ich auch so: Es heißt ja nicht, dass du Phantastisches komplett hinter dir lässt, wenn du einmal einen realistischen Stoff bearbeitest. Meine Erfahrung ist es, wenn ein Projekt sich meldet und geschrieben werden will, gibt man dem besser nach. Was als nächstes kommt, weiß man eh nie. Ich schreibe auch am liebsten Phantastisches und habe mittlerweile trotzdem einen historischen Krimi und ein realistisches Jugendbuch in der Schublade, und bei beiden hat es mir verdammt gut getan, das zu schreiben. Und danach kamen trotzdem weiterhin Plotideen für Fantasy. Also, ran an die Tasten! :)
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Serena Hirano am 27. Februar 2013, 13:32:40
Was mache ich denn jetzt? Dem einfach nachgeben?

Ja, verdammicht, genau das!  :)
Vertrau einer, die im letzten Jahr nicht mal zu irgend nem großartigen Text fähig war und dann einfach auf ihr Bauchgefühl hörte, dass sagte: "lass es einfach, wenns grad nicht geht, das kommt schon wieder"
Bauchgefühl ist so wichtig und wenn es Dich noch dazu führt, weiterhin Tätig zu sein, ist das umso besser.

Du bist nicht Fantasy, aber sie ist doch ein wichtiger Teil von Dir und die wirst Du sicher nicht einfach mal eben verlieren  :vibes: Ich denke je mehr Du Deine eigenen Sehnsuchten nutzt und sie auslebst, umso besser wird es Dir tun. Wie würde sich Fantasy in Zukunft für Dich anfühlen, wenn Du ihr das Attribut auferlegst zu ihr "gezwungen" zu werden? Wie der waaaahnsinnig leckere und gesunde Apfel, wenn Du eigentlich grad am liebsten 3 Kilo Schokolade verdrücken und genießen würdest?
Feier all Deine Ideen!  :pompom:
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Runaway am 27. Februar 2013, 13:58:30
Ich hab (sinnigerweise) aufgehört, Fantasy zu schreiben, kurz bevor ich hier aufgeschlagen bin ;) Hier gelandet bin ich trotzdem, weil ich schon vor hatte, auch irgendwann mal zurückzukehren. Genrewechsel sind doch nicht endgültig!
Ich verstehe, daß sich das komisch anfühlt und man denkt, man würde einen Teil von sich aufgeben oder eine Leidenschaft verraten. Aber das ist Quatsch. Das eine ist nicht besser als das andere und nichts läuft weg.
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Kati am 27. Februar 2013, 14:10:32
HauntingWitch: Ich denke auch, du solltest es einfach schreiben. Ich habe lange Zeit dasselbe gemacht, aber mit Altersgruppen. Ich hatte mir immer dieses "ab 12" auferlegt und bin, wenn es ein bisschen gruseliger wurde, sofort zurückgerudert um das zu ändern. Bis mir dann irgendwann klar wurde: Was mach ich da eigentlich für einen Unsinn. Wenn es nicht für 12-jährige geeignet ist, ist es halt so. Und, wenn du mal einen realistischen Text schreibst, ist das auch gut so. Ich glaube nicht, dass dir die Fantasy dabei verloren geht. Alles hat seine Zeit. Schreib einfach das, worauf du Lust hast.  :)
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Adam_Charvelll am 27. Februar 2013, 14:57:25
Vielleicht könntest du beide Genres ja auch verbinden? Es gibt ja genug Texte, die eigentlich sehr realistisch sind und dann halt doch 1-2 fantastische Elemente enthalten, die dem ganzen Text dann das Prädikat "Fantasy" ausstellen. Im Prinzip sind es aber realistische Texte. Als zum Beispiel einige Bücher aus der Contemporary Fantasy, auch wenn ich mich dort nicht so gut auskenne. Wenn dir diese realistische Schreibweise zur Zeit mehr Spaß macht, würde ich die fantastischen Elemente dann halt eben ein bisschen weniger häufig platzieren und ihre Bedeutsamkeit für die Handlung nicht zu sehr überstrecken. :)
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Pestillenzia am 27. Februar 2013, 15:49:58
Genau vor der Frage stand ich auch vor einiger Zeit. Ich hab es (aus schlechtem Gewissen??? Wem gegenüber eigentlich???) dann mit etwas Halbgarem, einer Verbindung aus Fantasy und Realität versucht, aber das war nicht Fisch und nicht Fleisch. Erst als ich die Fantasyelemente komplett ausradiert hatte, kam die Story ins Rollen und entwickelte eine echte Eigendynamik.

Und prompt kamen auch wieder die Fantasyideen zurück und die Lust, an ihnen zu arbeiten. Aus eigener Erfahrung kann ich deshalb sagen, dass man seinem Wunsch/inneren Drang nachgeben sollte, ohne das Gefühl zu haben (so wie es bei mir war), sich selbst zu "verraten", weil man plötzlich der geliebten Fantasy den Rücken zukehrt. Erstens ist es ohnehin nicht für immer (würde mich schon sehr wundern) und zweitens selbst wenn es so wäre - was soll's? Schreiben soll Spaß machen und so lange Du nicht an einen Vertrag gebunden bist, der Dich zwingt, ein bestimmtes Genre zu bedienen, hast Du alle Freiheiten der Welt.
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: HauntingWitch am 27. Februar 2013, 17:18:55
Erstmal danke für eure Antworten.

Warum ich es nicht einfach fraglos tue? Nun, das hat Dani so schön erkannt. Ich fühle mich, als würde ich einen Teil von mir verraten bzw. aufgeben. Aber es ist beruhigend, zu lesen, dass das wahrscheinlich nicht passiert.

@Serena: Daran, dass es mich in Zukunft blockieren könnte, wenn ich mir etwas auferlege, habe ich gar nicht gedacht. Danke für den Anstoss.

@Adam_Charvell: Das ist zwar eine schöne Idee, aber durch so einen Text bin ich erst in das Dilemma gekommen. Deshalb muss ich jetzt entweder nur das eine oder das andere auf einmal machen.

Okay, ihr habt mir sehr geholfen, danke!  :knuddel: Dann werde ich mich demnächst mal an diese neuen realistischen Ideen setzen und schauen, was dabei herauskommt. Ich hoffe nur, dass sich mein Geschmack dann nicht so sehr verändert, dass ich gar keine Fantasy mehr schreiben möchte. Aber nein, das wird er schon nicht, ich bin doch ein Fan der Fantasy.
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Melenis am 19. Juni 2013, 00:46:25
Oh man...
ich dachte eigentlich, ich hätte mit einem Protagonist abgeschlossen, da seine Kapitel fertig geschrieben sind, und da kommt plötzlich dieser Song daher (Miracle von Hurts) und was passiert? Der Song passt auf diesen Prota wie die Faust aufs Auge. Mein Problem: das Lied hat mir ganz neue Seiten eröffnet und wunderbarerweise ein Plotloch gestopft, das mich bis dahin gar nicht so sehr gestört hat, aber trotzdem immer da war. Also was tun? Die ganzen Kapitel neu schreiben (was anderes bleibt mir nicht übrig, Plot hat sich leicht geändert) oder die Kapitel lassen wie sie sind und unglücklich bleiben?
Warum ich ausgerechnet in diesem Thread schreibe: die neuen Szenen und Ideen sind hart. Richtiger harter Tobak. So viel intensiver, als das, was ich zuvor geschrieben habe. Nicht, dass das davor nicht schon hart an der Grenze gewesen wäre. Und jetzt stehe ich da, habe total Lust zu schreiben, wären da nicht die Selbstzweifel. Ich habe die Idee genau im Kopf, ich spüre den Schmerz meines Protas fast körperlich, aber schaffe ich es, auch nur einen Prozent davon in das Word-Dokument zu tippen? Ich könnte schreien. Oder heulen, je nachdem.
Ich traue mich einfach nicht, weiterzumachen. Ich kriege das nämlich nicht hin. Da passiert so viel zwischen den Zeilen, so viele Gefühle, so viel Hass und Liebe und Abhängigkeit und all das, und ich habe einfach Angst, nichts davon rüberbringen zu können. Ach, shit.  :wums:

 :'( :brüll: :'(
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Fynja am 19. Juni 2013, 00:55:11
Melenis, so wie du das beschreibst, würde ich dir raten, sich auf diese Herausforderung einzulassen. ;) Es klingt, als wäre es falsch, das nicht zu tun, gerade wenn es dabei hilft, neue Seiten deines Protagonisten zu entdecken und das Plotloch zu stopfen, ersteres ist wichtig und für letzteres müsstest du dir ansonsten ohnehin früher oder später eine neue Lösung einfallen lassen, oder?

Trau dich, weiterzumachen! Du musst die Szenen, die du neu schreiben müsstest, ja keinesfalls sofort löschen, sondern kannst sie halten, und es einfach mal anders versuchen. Wenn es dann wirklich gaaar nicht klappen sollte, ist immer noch nichts verloren, aber falls es klappen sollte, würde das deine Story vielleicht viel lebendiger machen? "Intensive" Szenen sehe ich persönlich als positiv an und so wie es klingt, würde das deine Geschichte auch viel authentischer machen. Und wie gesagt, wenn du die "alten" Szenen vorerst auch mal behältst, kannst du dich immer noch umentscheiden und du kannst nur gewinnen! Ich bin mir sicher, dass du es hinkriegen kannst, wer nicht wagt, der nicht gewinnt!  :)
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Melenis am 20. Juni 2013, 10:12:28
Danke Kiara, das habe ich gebraucht  :D
Ich habe tatsächlich mit den Kapiteln neu angefangen und bis jetzt bin ich soweit zufrieden, also danke für den Anstupser  :jau:
Dann nichts wie ran an die Tasten!
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Assantora am 28. Juni 2013, 20:49:11
Jetzt muss ich auch meine Zweifel hier kund tun. Ich glaube ich habe mein Epos gegen die Wand gefahren  :(
Nachdem ich in den letzten Tagen mir darüber klar werden musste, dass die Welt(en) in der die Geschichte spielt noch einige Fehler aufweisen und das für meine Helden alles ziemlich kompliziert macht, muss ich jetzt mir langsam darüber klar werden, ob die ganze Sache nicht zu groß für mich ist.
Ich habe gerade ernsthaft Schwierigkeiten, mich in den Szenen wohlzufühlen und wenn ich das nicht tue, dann kann ich nicht schreiben und die Szenen wirken auf mich gestellt und nichtssagend, obwohl sie wichtig sind. Ich hoffe, ihr versteht, was ich meine.
An meinen schreiberischen Fähigkeiten liegt es nicht. Mir scheint nur, dass ich ein Projekt erst mehrmals gegen die Wand fahren lassen muss, bevor es klappt. Auf Anhieb alles richtig machen, kann ich scheinbar nicht  :(
Auf dieses Epos habe ich mich jetzt wohl so 5 Jahre drauf vorbereitet, von der ersten Idee, bis heute und es kann es wirklich nicht sein, dass ich jetzt damit Schluss mache. Aber ich kann auch nicht einfach die Fehler, die ich gemacht habe, einfach erst mal ignorieren, um sie später zu korrigieren. Will dieses Mal einfach nicht.

Vielleicht konzentriere ich mich die nächsten Tage einfach auf ein Spaßprojekt, was mir just eingefallen ist, dass könnte mich ein wenig ablenken und vielleicht hilft es, ein wenig Abstand zu bekommen und vielleicht auch einen klaren Kopf.
Danke fürs Lesen.
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Fynja am 28. Juni 2013, 21:09:38
Ich glaube, die Idee mit dem Spaßprojekt ist sehr gut, Assantora. ;) Manchmal ist es wirklich die beste Möglichkeit, erst einmal Abstand zu einem Werk zu gewinnen und erst mit der nötigen Distanz fallen einem, gerade wenn man sich nicht zu sehr darüber den Kopf zerbricht, Lösungen für diese Fehler ein. Und selbst wenn du einige Szenen ganz neu schreiben musst oder ganze Kapitel löschen müsstest- gib das Projekt nicht auf! Beim ersten Mal alles richtig machen können wohl nur die wenigsten und es ist wohl auch besser, wenn du halt ein paar Versuche mehr benötigst und nachher dafür einen Roman hast, der dir gefällt, als dich dazu zu zwingen trotz diesen Fehlern weiterzuschreiben, nur um voranzukommen, und nachher ewig unzufrieden zu sein mit deiner Schöpfung.
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Naudiz am 28. Juni 2013, 21:18:08
Ach Assantora. Lass dir von der Tante sagen, die sich seit 8 Jahren mit ihrem Epos rumschlägt: So etwas schreibt sich selten in einem Rutsch runter. Ich sitze jetzt an der ich glaube achten oder neunten Version meiner Geschichte. Die ganzen vorigen Male habe ich sie total an die Wand gefahren. Und ich wage zu behaupten, das ist nicht so schlimm - denn wenn das passiert, dann stimmt irgendetwas mit der Geschichte noch nicht, und es ist glaube ich besser, die Fehler zu beseitigen, ehe sie so sehr in die Geschichte eingefahren sind, dass man sie nicht mehr herausbekommt, ohne komplett neu anzufangen. Mir mehrfach passiert.

Wenn man zu viel Zeit mit einer Geschichte verbringt, dann wird man irgendwann blind für die Fehler, oder Langeweile schleicht sich ein, weil man die Welt und Figuren schon fast so gut kennt wie sich selbst. Ein Spaßprojekt kann dir den Staub aus den Augen wischen... und irgendwann werden dir die Figuren aus deinem Epos fehlen, und du wirst von allein wieder drangehen, und dann wird es laufen. Wie gesagt, ich spreche aus Erfahrung :)

Also tritt das Projekt jetzt bitte nicht in die Tonne. Das tut dir später nur leid.
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: HauntingWitch am 29. Juni 2013, 15:11:42
Auf Anhieb alles richtig machen kann vermutlich niemand. Man kann ja auch am Anfang gar nicht alles wissen, was man beachten muss. Weisst du denn, wo überall die Probleme liegen? Vielleicht hilft es, wenn du ein neues Blatt nimmst und den Plot von A - Z neu aufnotierst. Dann kannst du hinterher nach diesem roten Faden gehen und das schon Geschriebene anpassen.

Eine kurze Pause finde ich auch eine gute Idee. Wenn der Kopf durchgelüftet ist, geht es besser. Setz dich nicht zu sehr unter Druck. Es sagt dir ja niemand, wann du fertig sein musst und kleinere Fehlerchen kann man auch bei der Überarbeitung am Schluss noch ausbügeln. Dafür ist sie ja da. :knuddel: Lieber über länger brauchen und dafür am Ende etwas richtig Gutes haben, als auf die schnelle irgendeinen Unsinn produzieren.  ;)
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Assantora am 30. Juni 2013, 21:46:47
So ihr Lieben. Ich bin im Moment ganz eifrig dabei, mein Spaßprojekt zu schreiben. Runter rattern wäre vielleicht der passendere Begriff. Jetzt weiß ich, dass es am Plott lag und den allzu bekannten Charas. Immerhin war das jetzt schon Teil Drei meines Epos.
Und diese neue Erfahrung macht Spass. Ganz frische Charas. Mal was anderes. Wahrscheinlich hat sich in meinem Epos deswegen ein Chara um 180° entwickelt, also das komplette Gegenteil. Einfach weil ich Abwechslung drin haben wollte. Vielleicht muss ich dass andernorts auch machen, aber ich bleibe erst mal diesen Spaßprojekt treu: Kriminalroman in meiner Fantasy-Welt *freu*

@ Kiara
Zitat
Manchmal ist es wirklich die beste Möglichkeit, erst einmal Abstand zu einem Werk zu gewinnen und erst mit der nötigen Distanz fallen einem, gerade wenn man sich nicht zu sehr darüber den Kopf zerbricht, Lösungen für diese Fehler ein.
Tja, dass ist mir prompt passiert. Ein Problem ist schon beseitigt. Die Szene, an der ich hängen geblieben bin, muss anders geschrieben werden, bzw. es muss ganz was anderes passieren.

@ Naudiz
Zitat
Lass dir von der Tante sagen, die sich seit 8 Jahren mit ihrem Epos rumschlägt: So etwas schreibt sich selten in einem Rutsch runter.
Meinen Respekt, dass du durchhälst, dass klingt nicht gerade spaßig, aber wie gesagt, hatte ich bei meinem ersten Großprojekt ja auch. Hmm, ich hatte mir da ja noch die Möglichkeit eingeräumt einen dritten Teil noch zu schreiben...  :hmmm:

Zitat
Also tritt das Projekt jetzt bitte nicht in die Tonne. Das tut dir später nur leid.
Das definitiv nicht. Ich bin am Überlegen, ob man die Gesamtgeschichte nicht ein wenig abspecken will, aber ich habe Charas, die ich noch brauche, ich meine, ich habe da keine richtige Love-Story drin *duck und weg*

@ Witch
Danke für die lieben Worte. Ja, vielleicht sollte ich mich weniger unter Druck setzen, immerhin habe ich nicht so unheimlich viele Ideen noch im Hinterkopf, als das ich mich da beeilen müsste. Gucken, was noch alles auf mich zukommt.
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: pink_paulchen am 30. Juni 2013, 22:34:21
In Sachen Zweifel hab ich hier gerade ein Luxusproblem. Ich habe einen Text geschrieben. Das erste Mal einen, der an einen Verlag verkauft war, bevor ich ihn geschrieben hatte. Quasi ein verkauftes Konzept. Jedenfalls habe ich einige Betaleser drüber gejagt, grob korrigiert, nochmal fein korrigiert, nochmal endkorrigiert und im ersten Drittel aus purer Unsicherheit nochmal an den Sätzen geschraubt. Jetzt trau ich mich nicht, ihn zum Lektorat wegzugeben.
Ich hab aus lauter Verzweiflung ganz vorsichtig beim Lektorat angefragt, ob sie den Text ganz möchten, oder lieber erstmal den komplett fertigen Teil, damit ich grundsätzliche Dinge direkt im Rest einarbeiten kann. Ich hoffe, sie möchte diesen ersten Teil vorab, weil wenn sie den lektorieren und dabei ein paar nette Dinge schreiben, dann würde mir das Aufschwung für die übrigen 2/3 geben.
Es ist gruuuuuselig - ich kenn das gar nicht von mir. Ich bin sonst immer viel zu selbstsicher.  :40°C:
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Cairiel am 02. Juli 2013, 10:45:25
Oje, pipa, das kann ich nur zu gut nachvollziehen.  :-\  Ich hoffe für dich, dass sie dein Angebot mit dem ersten Teil vorab annehmen und dich das Lektorat davon wieder von deiner Geschichte überzeugt!

Mich plagen im Moment auch massive Zweifel an meiner Schreiberei ... Ich kassiere Absage um Absage, ich hab schon gar keine Lust mehr, irgendwas an irgendeinen Verlag oder eine Agentur zu schicken. Aber noch mehr als das sorgt mich momentan der zweite Teil meiner Winterchroniken. Ich habe das Gefühl, nur Mist zu fabrizieren, was durchaus an dem Druck liegen kann, den ich mir mache, weil ich ihn unbedingt mindestens so gut, wenn nicht besser als den ersten Teil schreiben will. Hinzu kommt, dass ich einfach schon von zu vielen Leuten gehört habe, dass ich damals besser geschrieben habe als heute - mich freut zwar die ehrliche Meinung sehr, aber ... Ich weiß einfach nicht, woran es liegt, dass ich schlechter geworden bin statt besser. Ich habe keine Ahnung, wie ich wieder besser werden kann. Im Moment erscheint mir meine ganze Schreiberei einfach so sinnlos ... Aber aufhören kann ich auch nicht! Das Schreiben füllt einen so großen Teil meines Leben aus, dass ich mich ohne furchtbar leer fühlen würde.  :seufz:

In meinem Kopf entstehen immer so schöne Szenen und Geschichten, aber sobald ich sie dann niedergeschrieben habe, gefallen sie mir überhaupt nicht mehr. Meine eigenen Figuren sind mir dann zu unsympathisch, zu blass, zu gleich. Ich kann noch so viele Steckbriefe und Fragebögen mit ihnen ausfüllen, ich kann ihnen noch so skurrile Angewohnheiten, Vorlieben usw. verpassen, wenn ich sie schreibe, sind sie einfach alle gleich. Ich bekomme keine vernünftigen Plotwendungen zustande, ich bin nicht in der Lage, mir etwas Spannendes auszudenken, meine ganzen Formulierungen, mein ganzer Schreibstil, einfach alles ist ein einziger, grauer Einheitsbrei.  :wums:  Ich glaube, statt den nächsten Roman an die Wand zu fahren, versuche ich mich einfach mal mit ein paar kleinen Fingerübungen oder so ... Vielleicht bringt das ja was.
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: caity am 02. Juli 2013, 11:04:11
Hallo Cairiel,

lass dich mal  :knuddel:

So Phasen kenne ich, das ist immer unangenehm. Allerdings hat mir mal eine Schreibkollegin eine sehr interessante Antwort darauf gegeben: Wenn du unzufrieden mit deinen Texten bist, ist das ein Indiz dafür, dass du dich weiter entwickelst. Kann gut sein, dass du dich gerade in einer Übergangsphase befindest und es bald wieder richtig bergauf geht.

Zitat
Hinzu kommt, dass ich einfach schon von zu vielen Leuten gehört habe, dass ich damals besser geschrieben habe als heute - mich freut zwar die ehrliche Meinung sehr, aber ... Ich weiß einfach nicht, woran es liegt, dass ich schlechter geworden bin statt besser.

Autsch, das ist aber hart  :-\
Sind das Freunde / Bekannte von dir? Oder Schreibkollegen? Manchmal hat man sich ja auch einfach so an einen Schreibstil gewöhnt, dass man es immer als "schlechter" empfindet, wenn es sich plötzlich ändert. Es erfüllt dann die Erwartungen nicht mehr und dann ist es ganz egal, ob es besser oder schlechter geworden ist.

Und Absagen tun immer weh! Wichtig ist, dass man sich davon nicht unterkriegen lässt.
Vielleicht würde es dir ja helfen, mit einem Paten an deinem Text zu arbeiten? Irgendjemand, auf den du immer wieder zurückgreifen kannst, wenn es wieder klemmt?

Lg,
caity
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Coppelia am 02. Juli 2013, 11:20:00
Ich kann beides gut nachvollziehen und kenne es. Mir geht es so - beides - wenn ich nicht aus Spaß, sondern unter Druck schreibe. Dann habe ich das Gefühl, viel schlechter zu sein als sonst, und glaube, dass das, was ich produziert habe, nichts taugt. Daher fühle ich mich dann ganz unsicher und unglücklich und weiß nicht, was ich machen soll.
Meiner Erfahrung nach ist das aber nur Einbildung und liegt an der Grundeinstellung, die ich zu den Texten habe.

Was ich dagegen zu machen versuche: So schreiben, als wäre der Roman nur für mich ganz allein. Oder tatsächlich den Roman erstmal ganz für mich allein schreiben. Später kann ich dann immer noch sehen, was ich damit anfange. Das schönste Geschenk an mich selbst: Der schönste Roman, den ich mir ausdenken kann, und er gehört mir, mir ganz allein! Muahaha! ;) Dann braucht man sich keine Gedanken zu machen, was andere davon halten. Mich blockiert das nur.

Cairiel, ich glaube nicht, dass man beim Schreiben schlechter werden kann, wenn man "dranbleibt". Eventuell schleichen sich irgendwelche Gewohnheitsfehler ein, aber wenn man immer an sich arbeitet, kann das meiner Meinung nach nicht dauerhaft passieren.
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: HauntingWitch am 02. Juli 2013, 11:37:03
Mich plagen im Moment auch massive Zweifel an meiner Schreiberei ... Ich kassiere Absage um Absage, ich hab schon gar keine Lust mehr, irgendwas an irgendeinen Verlag oder eine Agentur zu schicken.

So geht es mir auch gerade. Aber ich denke dabei immer an William Golding. Ihm hat man damals gesagt, so ein dystopisches Science Fiction Zeug verkaufe sich nicht, ein Lektor fand es dann doch gut und hat das Risiko auf sich genommen, der Autor hat sich damit einen Nobelpreis geholt.  ;D Also: Bloss nicht aufgeben. Und wenn es dir gerade zu viel ist, dann kannst du es ja auch mit diesem Projekt vorerst lassen und es mit einem nächsten von Neuem versuchen.  :knuddel:

Zum anderen: Kann es sein, dass du dich zu sehr verkrampfst oder schon verkrampft hast? Woran denkst du, beim Entwickeln; Ist es die Geschichte, die du unbedingt schreiben willst oder der mögliche Erfolg, den du dir davon versprichst? Ich merke das bei mir selbst, sobald ich mit der Absicht, es perfekt zu machen und Erfolg zu haben an etwas rangehe, macht mein Gehirn zu. Das liegt daran, dass ich mich nicht auf die Sache konzentriere und auch nicht wirklich Freude daran habe, sondern nur aus diesem "Ich-muss-das-jetzt-schaffen"-Zwang heraus arbeite. Das sind dann die KG's, bei denen es mich hinterher nicht wundert, wenn sie die nicht in die Anthologie kommen. Nur leider merke ich das oft erst, wenn ich sie schon verschickt habe.

Schreibe ich aber aus Freude an der Geschichte, weil ich diese Geschichte schreiben will, egal ob sie Aussichten auf Erfolg hat oder nicht, geht es mir viel leichter von der Hand und wird auch besser. Natürlich schreiben wir alle grundsätzlich aus Freude, ich möchte dir auch nichts unterstellen oder so. Aber manchmal passiert das unbewusst, dass man das vergisst. Ich muss mich auch selbst immer wieder daran erinnern, nicht immer gleich durchzudrehen. In erster Linie schreibt man für sich und es wird immer eine weitere Gelegenheit geben.  :knuddel:
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Sanjani am 02. Juli 2013, 11:38:50
Hallo Cairiel,

ich habe zwar mit Verlagen und Agenturen momentan nichts am Hut - weil ich nämlich die Befürchtung habe, dass mir viele Absagen genau dasselbe verursachen könnten wie dir jetzt - aber ich schreibe auch gerade eine Fortsetzung und ich kann das Gefühl gut nachvollziehen - jedenfalls kommt es mir so vor. Es soll mindestens genauso gut sein wie der erste Teil und idealerweise innovativ und originell und was weiß ich noch alles. Aber ich habe das Gefühl, es wär total - ich weiß nicht, langweilig ist immer so ein Totschlagwort, deshalb möchte ich es nicht verwenden, aber es kommt mir alles so platt und uninteressant vor. Die Spannung fehlt, die Charaktere entwickeln sich nicht, was ich mit meinen neuen Charakteren anfangen will, weiß ich noch nicht, und eigentlich ist das eh alles Mist.

Für mich war die Lösung mit einem Paten genau die richtige. Ich habe mir eine gute Freundin ausgesucht, die den ersten Teil schon kennt und die sehr konstruktiv Kritik, aber auch gerne Lob äußert. Ich glaube, dass ich nicht mehr in der Lage bin, mein Geschriebenes vernünftig einzuschätzen. Deshalb motiviert es mich, wenn sie sagt, dass es gut ist, dass ich mir gute Wendungen ausgedacht habe usw. Aber das Gefühl ist trotzdem immer noch da, v. a. habe ich jetzt eine Zeitlang nicht mehr geschrieben, eigentlich nur ein paar Wochen, und jetzt komme ich nicht mehr rein oder habe Angst wieder anzufangen.

Es ist natürlich bitter, wenn jemand sagt, der Stil sei früher besser gewesen, und ich bin froh, dass ich dieses Problem nicht habe. Aber ich kenne das auch und ich kann bei vielen meiner Werke genau sagen, wo der Knoten wieder aufging und mein Stil wieder gut war. Ich nenne das immer "meine Schriftsprache wiederfinden". Leider verliere ich sie immer mal wieder, v. a. wenn ich länger nichts mehr geschrieben habe. Aber ich weiß, dass sie zurückkommt. Vielleicht ist das bei dir ja auch so. Ich wünsche es dir jedenfalls sehr. Da hilft m. E. nur dran bleiben und dieses ätzende Gefühl aushalten.

Viele Grüße

Sanjani
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Cairiel am 02. Juli 2013, 11:59:20
Vielen, vielen Dank, caity, Coppi, Witch und Sanjani!  :gruppenknuddel:  Es tut unglaublich gut, eure Worte zu lesen.

So Phasen kenne ich, das ist immer unangenehm. Allerdings hat mir mal eine Schreibkollegin eine sehr interessante Antwort darauf gegeben: Wenn du unzufrieden mit deinen Texten bist, ist das ein Indiz dafür, dass du dich weiter entwickelst. Kann gut sein, dass du dich gerade in einer Übergangsphase befindest und es bald wieder richtig bergauf geht.
Das wäre schön!  :vibes:  Ich gehe jetzt einfach mal davon aus, dass das bei mir gerade so der Fall ist, dann läuft es vielleicht auch mal wieder besser.

Autsch, das ist aber hart  :-\
Sind das Freunde / Bekannte von dir? Oder Schreibkollegen? Manchmal hat man sich ja auch einfach so an einen Schreibstil gewöhnt, dass man es immer als "schlechter" empfindet, wenn es sich plötzlich ändert. Es erfüllt dann die Erwartungen nicht mehr und dann ist es ganz egal, ob es besser oder schlechter geworden ist.
Sowohl Freunde als auch Schreibkollegen. Bei den meisten war es jedoch tatsächlich anders herum, sie haben zuerst andere Geschichten von mir gelesen und dann den Verfluchten, den sie dann ausnahmslos besser fanden als meine neueren Sachen.  :-\

Und Absagen tun immer weh! Wichtig ist, dass man sich davon nicht unterkriegen lässt.
Vielleicht würde es dir ja helfen, mit einem Paten an deinem Text zu arbeiten? Irgendjemand, auf den du immer wieder zurückgreifen kannst, wenn es wieder klemmt?
Du hast recht, ich darf mich davon nicht so runterziehen lassen.
Die Arbeit mit Paten hilft mir auf jeden Fall, aber mein derzeitiges Hauptprojekt ist kein Fantasyroman, weshalb ich mich bislang gescheut habe, hier danach zu fragen.^^"


Ich kann beides gut nachvollziehen und kenne es. Mir geht es so - beides - wenn ich nicht aus Spaß, sondern unter Druck schreibe. Dann habe ich das Gefühl, viel schlechter zu sein als sonst, und glaube, dass das, was ich produziert habe, nichts taugt. Daher fühle ich mich dann ganz unsicher und unglücklich und weiß nicht, was ich machen soll.
Meiner Erfahrung nach ist das aber nur Einbildung und liegt an der Grundeinstellung, die ich zu den Texten habe.

Was ich dagegen zu machen versuche: So schreiben, als wäre der Roman nur für mich ganz allein. Oder tatsächlich den Roman erstmal ganz für mich allein schreiben. Später kann ich dann immer noch sehen, was ich damit anfange. Das schönste Geschenk an mich selbst: Der schönste Roman, den ich mir ausdenken kann, und er gehört mir, mir ganz allein! Muahaha! ;) Dann braucht man sich keine Gedanken zu machen, was andere davon halten. Mich blockiert das nur.
Ich hoffe so sehr, dass das bei mir auch nur Einbildung ist! Besser gesagt, ich gehe jetzt einfach mal davon aus und handhabe es so wie du: Diese wundervolle Geschichte ist nur für mich und für niemanden sonst. Das ist ein wirklich guter Tipp, vielen, vielen Dank!  :vibes:

Cairiel, ich glaube nicht, dass man beim Schreiben schlechter werden kann, wenn man "dranbleibt". Eventuell schleichen sich irgendwelche Gewohnheitsfehler ein, aber wenn man immer an sich arbeitet, kann das meiner Meinung nach nicht dauerhaft passieren.
Ich hoffe es. Ich bin aber ehrlichgesagt schon am überlegen, ob ich nicht doch mal nach dem Camp eine kleine ZwangsPause einlegen soll. In letzter Zeit habe ich ja wirklich eher viel geschrieben und vielleicht tut mir ein kleiner Abstand zur Materie ganz gut, damit ich alles wieder in einem anderen Licht sehen kann. Zumindest bei meinen anderen Hobbys war es immer ganz gut, mal zu pausieren, wenn es gerade nicht lief. Und sobald ich dann wieder angefangen habe, lief alles so reibungslos, dass ich mich darüber gewundert habe, wie es jemals haken konnte.


So geht es mir auch gerade. Aber ich denke dabei immer an William Golding. Ihm hat man damals gesagt, so ein dystopisches Science Fiction Zeug verkaufe sich nicht, ein Lektor fand es dann doch gut und hat das Risiko auf sich genommen, der Autor hat sich damit einen Nobelpreis geholt.  ;D Also: Bloss nicht aufgeben. Und wenn es dir gerade zu viel ist, dann kannst du es ja auch mit diesem Projekt vorerst lassen und es mit einem nächsten von Neuem versuchen.  :knuddel:
Ich fürchte, das habe ich in letzter Zeit zu häufig gemacht. Ich habe mir erlaubt zu schreiben, worauf ich grad Lust hatte, und jetzt sitze ich da mit gefühlten hundert angefangenen Projekten.^^" Nein, ich möchte mein Hauptprojekt unbedingt schreiben. Aber der Übergang vom Wollen zum Tun fällt mir gerade unglaublich schwer, weil ich es eben genauso toll schreiben will, wie es in meinem Kopf schon ist, aber das irgendwie nicht so funktioniert, wie ich es mir vorstelle.

Zum anderen: Kann es sein, dass du dich zu sehr verkrampfst oder schon verkrampft hast? Woran denkst du, beim Entwickeln; Ist es die Geschichte, die du unbedingt schreiben willst oder der mögliche Erfolg, den du dir davon versprichst? Ich merke das bei mir selbst, sobald ich mit der Absicht, es perfekt zu machen und Erfolg zu haben an etwas rangehe, macht mein Gehirn zu. Das liegt daran, dass ich mich nicht auf die Sache konzentriere und auch nicht wirklich Freude daran habe, sondern nur aus diesem "Ich-muss-das-jetzt-schaffen"-Zwang heraus arbeite. Das sind dann die KG's, bei denen es mich hinterher nicht wundert, wenn sie die nicht in die Anthologie kommen. Nur leider merke ich das oft erst, wenn ich sie schon verschickt habe.

Schreibe ich aber aus Freude an der Geschichte, weil ich diese Geschichte schreiben will, egal ob sie Aussichten auf Erfolg hat oder nicht, geht es mir viel leichter von der Hand und wird auch besser. Natürlich schreiben wir alle grundsätzlich aus Freude, ich möchte dir auch nichts unterstellen oder so. Aber manchmal passiert das unbewusst, dass man das vergisst. Ich muss mich auch selbst immer wieder daran erinnern, nicht immer gleich durchzudrehen. In erster Linie schreibt man für sich und es wird immer eine weitere Gelegenheit geben.  :knuddel:
Du hast den Nagel auf den Kopf getroffen. Gerade beim zweiten Teil der Winterchroniken, der ja sicher veröffentlicht wird, denke ich die ganze Zeit daran, dass es für die Leser unbedingt super und toll und fantastisch sein muss, anstatt mich auf das eigentlich essentielle zu konzentrieren: Die Geschichte. Das Schreiben. Der Spaß dabei. Du hast so recht, ich muss mich unbedingt wieder mehr darauf besinnen. Vielen Dank, dass du mich wieder daran erinnert hast!  :vibes:  Ich werde es gleich mal ausprobieren gehen.


Für mich war die Lösung mit einem Paten genau die richtige. Ich habe mir eine gute Freundin ausgesucht, die den ersten Teil schon kennt und die sehr konstruktiv Kritik, aber auch gerne Lob äußert. Ich glaube, dass ich nicht mehr in der Lage bin, mein Geschriebenes vernünftig einzuschätzen. Deshalb motiviert es mich, wenn sie sagt, dass es gut ist, dass ich mir gute Wendungen ausgedacht habe usw. Aber das Gefühl ist trotzdem immer noch da, v. a. habe ich jetzt eine Zeitlang nicht mehr geschrieben, eigentlich nur ein paar Wochen, und jetzt komme ich nicht mehr rein oder habe Angst wieder anzufangen.
Vielleicht sollte ich mir doch für mein derzeitiges Projekt einen Paten zulegen.  :hmmm:  Mir geht es genau wie dir, ich kann mein eigenes Geschreibsel absolut nicht einschätzen. Vermutlich wird es auch mir helfen, wenn mir jemand seine ehrliche Meinung dazu sagt und ich dadurch besser weiß, woran ich bin.  :)

Es ist natürlich bitter, wenn jemand sagt, der Stil sei früher besser gewesen, und ich bin froh, dass ich dieses Problem nicht habe. Aber ich kenne das auch und ich kann bei vielen meiner Werke genau sagen, wo der Knoten wieder aufging und mein Stil wieder gut war. Ich nenne das immer "meine Schriftsprache wiederfinden". Leider verliere ich sie immer mal wieder, v. a. wenn ich länger nichts mehr geschrieben habe. Aber ich weiß, dass sie zurückkommt. Vielleicht ist das bei dir ja auch so. Ich wünsche es dir jedenfalls sehr. Da hilft m. E. nur dran bleiben und dieses ätzende Gefühl aushalten.
Das ist ja interessant! So habe ich das bei mir noch nie beobachtet, muss ich mal machen. Ich habe gerade richtig Lust darauf bekommen, meine vor sich hinstaubenden Manuskripte auseinanderzunehmen.  ;D
Da ich nun schon seit mehreren Jahren ziemlich regelmäßig schreibe, weiß ich nicht, was bei mir passiert, wenn ich mal länger nicht schreiben würde. Aber wie schon weiter oben gesagt, ich habe große Lust, es auszuprobieren ... Vielleicht ist es bei mir ja anders herum, also dass ich mich einfach in einen Einheitsbrei hineingeschrieben habe und mir eine kreative Schaffenspause gut tut, um wieder herauszukommen. Mal sehen.  :vibes:


Nochmal ganz vielen lieben Dank an euch! Ich fühle mich gleich schon viel besser und bin ganz heiß darauf, meine neuen dank euch gewonnenen Erkenntnisse in die Tat umzusetzen.  :knuddel:
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Coppelia am 02. Juli 2013, 14:46:00
Freut mich, wenn ich helfen konnte. :)

Wo ich das hier gerade lese:
Zitat
Aber der Übergang vom Wollen zum Tun fällt mir gerade unglaublich schwer, weil ich es eben genauso toll schreiben will, wie es in meinem Kopf schon ist, aber das irgendwie nicht so funktioniert, wie ich es mir vorstelle.
Das war eine Phase, die ich auch mal hatte. Sie hat auch relativ lange gedauert, einige Jahre. :gähn: Ich war während der Zeit aber nicht wirklich unglücklich, weil ich damals noch nichts mit Veröffentlichen am Hut hatte. Ich hatte Geschichten auf eine bestimmte Art im Kopf, habe mich aber irgendwie nicht getraut, dann auch wirklich mit den aufregenden Worten und großen Emotionen zu arbeiten, die ich in mir sozusagen gespürt habe.
Ich habe dann die Sachen genauso aufgeschrieben, wie ich sie im Kopf hatte, und mir darin alles markiert, was mir noch nicht gefallen hat. Ich hatte nicht den Anspruch, einen guten oder lesbaren Text zu produzieren, sondern ich wollte nur wissen, was sich da in mir versteckt. Ich habe nie so viel Fleiß ins Formulieren gesteckt. Rückblickend hat mir selten etwas so viel Spaß gemacht.
Es war quasi meine experimentelle Phase. Sie hat mir sehr viel gebracht: Ich habe den Mut gefunden, auch ungewöhnliche Formulierungen zu nutzen und meinem Geschmack zu vertrauen.

Keine Ahnung, ob es dir ähnlich geht, ich dachte, ich erwähne das einfach mal.

Bei all meinen "guten Tipps" muss ich aber sagen: Ich bin so ziemlich die letzte, die nicht ständig von Frust befallen wird ... ::)
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: HauntingWitch am 02. Juli 2013, 15:57:19
Zitat
Du hast den Nagel auf den Kopf getroffen. Gerade beim zweiten Teil der Winterchroniken, der ja sicher veröffentlicht wird, denke ich die ganze Zeit daran, dass es für die Leser unbedingt super und toll und fantastisch sein muss,

Vergiss "den Leser". Du bist doch selbst ein Leser und weisst ja, was du toll und super findest und was nicht. Geh nach dem. Den Rest sagen dir die Betas und der Lektor dann sicher früh genug.  ;) Wenn man nur daran denkt, was man sollte oder nicht, darf oder nicht, wie es sein "muss", macht man sich doch nur verrückt.

@Coppelia: Ja, die guten Tipps bei sich selbst anzuwenden ist immer am schwierigsten.  ;D
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Janika am 02. Juli 2013, 19:03:33
Mich plagen im Moment auch massive Zweifel an meiner Schreiberei ... Ich kassiere Absage um Absage, ich hab schon gar keine Lust mehr, irgendwas an irgendeinen Verlag oder eine Agentur zu schicken. Aber noch mehr als das sorgt mich momentan der zweite Teil meiner Winterchroniken. Ich habe das Gefühl, nur Mist zu fabrizieren, was durchaus an dem Druck liegen kann, den ich mir mache, weil ich ihn unbedingt mindestens so gut, wenn nicht besser als den ersten Teil schreiben will. Hinzu kommt, dass ich einfach schon von zu vielen Leuten gehört habe, dass ich damals besser geschrieben habe als heute - mich freut zwar die ehrliche Meinung sehr, aber ... Ich weiß einfach nicht, woran es liegt, dass ich schlechter geworden bin statt besser. Ich habe keine Ahnung, wie ich wieder besser werden kann. Im Moment erscheint mir meine ganze Schreiberei einfach so sinnlos ... Aber aufhören kann ich auch nicht! Das Schreiben füllt einen so großen Teil meines Leben aus, dass ich mich ohne furchtbar leer fühlen würde.  :seufz:

In meinem Kopf entstehen immer so schöne Szenen und Geschichten, aber sobald ich sie dann niedergeschrieben habe, gefallen sie mir überhaupt nicht mehr. Meine eigenen Figuren sind mir dann zu unsympathisch, zu blass, zu gleich.
[...]
Ich bekomme keine vernünftigen Plotwendungen zustande, ich bin nicht in der Lage, mir etwas Spannendes auszudenken, meine ganzen Formulierungen, mein ganzer Schreibstil, einfach alles ist ein einziger, grauer Einheitsbrei.  :wums:

Das unterschreibe ich mal direkt so. Ich sitze am zweiten Trilogie-Band, und als mir eine Deadline gegeben wurde, die ich nicht zwangsläufig einhalten, bis zu der aber das Manuskript an den Verlag gehen muss, wenn der zweite Band mit auf die nächste LBM soll - ja, da dachte ich, ich packe das. Sind ja Ferien dazwischen. Da schaffst du auch 30k oder mehr im Monat.
Und nu? Im Mai kam ich ins Projekt überhaupt nicht rein, die 20k musste ich mir abwürgen. Die 30k im Juni hab' ich gepackt, nun startet der Juli. Und ich merke, dass ich noch nicht einmal bei der Hälfte stehe.
Nirahil und Windfeuer sind ja meine Patinnen. Erstere hilft mir ganz viel bei Panikanfällen, von letzterer kriege ich täglich(!) eine Motivations-PN mit einer Menge hilfreicher Pfannen.
Aber das allein ist es ja nicht, es ist nicht nur das Problem, fertig zu werden ...

Was ich schreibe, gefällt mir nicht mehr wirklich. Tagsüber kann ich nur selten schreiben, wenn dann aber nachts die Ideen kommen, bin ich teilweise schon total k.o. Dann beginne ich zu schwafeln oder aber total lasch zu schreiben, ich bin echt nicht mehr zufrieden damit, kann die Überarbeitung aber erst ins Auge fassen, wenn die Rohfassung steht, weil sonst der Zeitplan endgültig über den Haufen fällt.
Ich hatte die ganze Zeit insgeheim gehofft, Ende diesen Monats fertig zu werden, damit och genug Zeit bleibt, ein oder zwei Betas zu finden. Wenn die total wenig Zeit kriegen, wird sich das wohl kaum jemand antun.

Ich habe teilweise die wundervollsten, schillerndsten, atemberaubendsten Szenen im Kopf - aber ich kriege mein Kopfkino nicht zu Papier.
Vor ein paar Tagen hat ein Junge, der bei mir auf die Schule geht, mir bei Facebook geschrieben, dass er Band 1 gerade liest und wie toll ihm die Geschichte gefällt. Er habe es beim Lesen fast nie, dass er das Geschehen wie im Kino vor sich sehe, bei diesem Buch jedoch ununterbrochen. Ich habe mich megadoll gefreut, wollte dann beschwingt am ´zweiten Band weiterschreiben - und saß dann davor und hätte das angefangene Kapitel am liebsten wieder gelöscht.

Dann kam bei der neobooks-Ausschreibung zu meiner Kurzgeschichte eine Rezension. Die Idee sei toll, die Umsetzung schlecht, viel zu knapp, nicht genug Atmosphäre. Ich habe mich mit meiner KG für die "Dunklen Stunden" abgelenkt, war zufrieden, habe sie abgeschickt - und hätte mich dafür am nächsten morgen in meine vier Buchstaben beißen können, so grausig war das Ende  geschrieben. :wums:

Ich glaube, es liegt auch an meiner heutigen Verfassung, die eh nicht so gut ist, aber als ich mich in Cairiels Beitrag so sehr wiederfand, musste ich auch einfach mal alles rauslassen. Und mir geht es genauso, dass ich mein Geschriebenes momentan dermaßen in die Ecke pfeffern könnte, das Schreiben auf der anderen Seite auch jetzt in den Ferien wie die Luft zum Atmen brauche. Ich hatte in den letzten Monaten oft das Gefühl, dass es für mich nicht (mehr) mehr als der Ausgleich zum vielen Stress in der Schule war, jetzt merke ich, dass dem nicht so ist. Umso unzufriedener bin ich, dass ich so mau schreibe. :zensur:

So, jetzt habe ich schon wieder ein wehleidiges Posting geschrieben. Das wievielte ist das heute? Ich hoffe ihr nehmt es mir nicht übel, es tut gut, sich das mal von der Seele zu tippen.
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Nirahil am 02. Juli 2013, 19:13:44
Ich wollte ja eigentlich nichts sagen, weil ich bei euch beiden involviert bin, aber ... hey! Eure Sachen sind nicht schlecht! Es gibt Verbesserungsbedarf, aber den gibt es überall. Manchmal ist es mehr und manchmal eben weniger (ich will ja gar nicht wissen, was sich in meinen Texten alles für Schnitzer tummeln). Ich mochte bisher alles, was ich von euch lesen durfte und ich hoffe, das habe ich euch so gesagt. Wenn nicht, hole ich das jetzt nach. Ich weiß, wie schnell man dabei ist, das eigene Gekritzel nicht zu mögen und zu löschen und dann ist sofort der Druck da, dass der neue Satz genauso dämlich klingt. Aber das ist meiner Meinung nach vor allem die Trotzreaktion des Gehirns, wenn es unzufrieden ist. Der Text an sich ist gar nicht so schlecht, wie es einen glauben lassen will, aber die Unzufriedenheit braucht halt ein Ventil und der Text ist grade da. Außerdem bin ich der Meinung, gerade wenn so viel Zeit und Entwicklung zwischen Band eins und Band zwei liegt, muss der zweite nicht zwangsläufig "schlechter" sein. Er ist anders, weil man sehr viel gelernt hat und sich der Stil weiter verändert, aber deswegen ist er immer noch nicht schlecht. In ein paar Jahren lest ihr euch das durch und findet es geil. Vertraut mir, das Phänomen hatte ich schon mal.
Ansonsten unterschreibe ich caitys Meinung über die Entwicklung. Neue Tricks auf dem Skateboard lernt man auch erst, wenn man zehnmal vom Brett fliegt, aber irgendwann sitzt er. Bis dahin gibt es viele Schürfwunden und Tränen, um am Ende ganz stolz zu sein.
Und jetzt lasst euch alle beide noch mal ganz doll  :knuddel:!
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Tinnue am 02. Juli 2013, 20:44:12
"Wer kennt das nicht?" - so Sachen bekommt man häufig zu hören in der Verbindung mit Zweifeln (auch ich sage das hin und wieder), und trotzdem fühlt man sich doch immer ein bisschen alleine damit.
Sicher, jeder zweifelt hin und wieder mal, aber diese hartnäckigen Zweifel, die sind es, die einem richtig aufs Gemüt schlagen und am Selbstwertgefühl nagen. Vielleicht ändert sich das mit Roman 1, 2, 3.... oder auch nicht. Wichtig ist, sich klar zu machen, wo sie herkommen und so gut es geht zu versuchen, dagegen anzugehen.

Ich hatte das letztes Jahr. Ich habe eine meiner KGs in einer Anthologie veröffentlicht - und dann war von einem auf das andere Mal plötzlich eine Blockade da. Ich wollte an einem Roman arbeiten. Und weil ich es dieses Mal - wenn man den naiven Versuch in der Jugend als solchen werten kann - richtig machen wollte, ging einfach gar nichts mehr. Ich fand einfach alles besch...eiden. Die Seite ist nichts, der Absatz ist nichts, der Satz ist nichts. Undd as Wort da, hört sich das oder das Synonym nicht besser an? X-mal habe ich alles umgestellt, nur um es dann doch wieder in die Tonne zu kloppen. Mein eigenes Kopfkino war aus.
Dabei half rein gar nicht, was andere dazu gesagt haben. Leute, die meine Geschichten kennen, die sie rezensiert haben, Lektorinnen, Herausgeber ... alle guten Worte waren nichts, weil ich selbst den Glauben verloren hatte. Ich hab mir selbst einfach zu viel Druck gemacht.
Von daher verstehe ich euch, und dich, Cairiel, sehr gut. Ich glaube, wir sind nicht allein auf diesem Boot.  :knuddel:

Bei mir hat der Kampf gegen die Zweifel sein (vorzeitiges) Ende gefunden, indem ich mir schlicht die Frage gestellt hab: Was bleibt dir übrig, wenn du jetzt denkst "Es geht nicht (besser) und alles hinschmeißt? Kannst du WIRKLICH ohne Schreiben leben?"

Ich kann es nicht, und deshalb sitze ich immer noch da. Ich bin nicht frei von Zweifeln und werde es, weil es einfach auch ein bisschen zu meinem Charakter gehört, wohl auch nie wirlich sein. Aber ich habe mittlerweile geht es wieder ganz gut. Ich schalte einfach vor dem Schreiben ab, meistens mit Meditation oder einer kurzen Sport-Session oder dem bewussten Genießen einer Tasse Kaffee. Dann schaue ich mir vorher und den Tag über kein FB und sonstiges an, weil mich das meistens dann auch wieder unter Druck setzt (was machen denn die anderen alles? Wooow! So viel schaffst DU nicht usw usw.).

Fühlt euch beide ganz doll geknuddelt. Ich verstehe euch, und ich kann die Worte meiner Vorredner nur unterstreichen. Ihr entwickelt euch, da ist nur natürlich, wenn man manches nicht (mehr) gut findet, hier und da vielleicht eher hängen bleibt und meckert als vielleicht zuvor. Und wenn andere alte Geschichten lieber mögen, dann hat ihnen vielleicht auch einfach der damalige Stil ein wenig besser gefallen, so ganz persönlich. Dasmuss nicht unbedingt gleich heißen, dass der jetzige schlechter geworden ist.
Versucht euch einfach nicht ZU sehr mit dem idealen Leser unter Druck zu setzen - ja, das schreibt sich einfacher als es sich anhört. Dennoch. Ihr schreibt AUCH für euch, weil ihr es liebt, weil euer Herz an das Schreiben geknüpft ist. Ihr könnt gar nicht aufhören oder aufgeben. Und das werdet ihr auch nicht. Zweifel strengen an, fordern Kraft, aber am Ende machen sie euch nur stärker.  :knuddel:
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Cairiel am 02. Juli 2013, 21:24:06
Coppi, als ich deinen Text gelesen habe, ist mir ein ganz entscheidender Punkt aufgefallen: Ich glaube, mir fehlt ein wenig der Mut zu Neuem, dazu, ungewöhnliche Formulierungen, die in mir stecken, zuzulassen. Stattdessen mühe ich mich verzweifelt ab, das gute, alte in mir zu finden, was wiederum zu besagtem Einheitsbrei führt. Ständig dieselben Formulierungen und Beschreibungen. Es wundert mich fast schon, dass Menschen wie Nirahil, die wirklich viele Texte von mir lesen, noch nicht die Lust daran verloren haben.^^" Dein Experiment klingt sehr interessant, ich hoffe, ich schaffe es, dass ich das dieses Jahr im NaNo oder so mal ausprobiere.  :vibes:

Witch, das werde ich versuchen tun!  :vibes:

Janika, da sitzen wir wohl im selben Boot.  :knuddel:  Ich hoffe, es wird bei dir - bei uns beiden - bald wieder besser!

Nirahil, einfach nur:  :knuddel:  Ich fürchte, ich habe es dir noch nie so richtig direkt gesagt, aber ohne dich hätte ich die Schreiberei vermutlich schon längst frustriert in die Ecke gepfeffert. Du wirst dich ja vermutlich an Mitarah noch genauso gut erinnern wie ich - jedes Kapitel war ich mir sicher, dass es furchtbar schlecht wäre und immer schlechter werden würde, und erst deine positiven Worte haben dazu geführt, dass ich dieses Manuskript überhaupt erst in einem anderen, weitaus besseren Licht sehen konnte. Und das nur stellvertretend für die vielen anderen Sachen, die du schon von mir gelesen und für die du mir deine ehrliche Meinung geschrieben hast.  :wolke:  Ich bin unendlich froh, dass du dich meinem Geschreibsel annimmst und überhaupt dass ich dich kennenlernen durfte.  :vibes:

Ihr schreibt AUCH für euch, weil ihr es liebt, weil euer Herz an das Schreiben geknüpft ist. Ihr könnt gar nicht aufhören oder aufgeben. Und das werdet ihr auch nicht. Zweifel strengen an, fordern Kraft, aber am Ende machen sie euch nur stärker.  :knuddel:
Tinnue, bei deinem ganzen wundervollen Beitrag ging mir das Herz auf, aber weil es unsinnig wäre, gleich nochmal alles zu zitieren, nur noch einmal den besten Teil davon: einfach nur wow. Das hast du wunderschön geschrieben! Und du hast sooo recht damit!  :vibes:  Vielen Dank für deine Worte!  :knuddel:
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Tinnue am 02. Juli 2013, 21:36:34
Mit Dank zurück, Cairiel!

Mit dem Absatz triffst du nämlich genau die richtige Stelle bei mir:
Zitat
Coppi, als ich deinen Text gelesen habe, ist mir ein ganz entscheidender Punkt aufgefallen: Ich glaube, mir fehlt ein wenig der Mut zu Neuem, dazu, ungewöhnliche Formulierungen, die in mir stecken, zuzulassen.

Vielleicht liegt auch das teilweise am Charakter, aber ich habe einige schlechte Erfahrungen mit "Neuem" im Leben gemacht, und auch beim Schreiben habe ich öfters Angst, einfach mal auszuprobieren. Wie sonst kommen wohl all meine literarischen Vorbilder auf ihre tollen Bilder, Vergleiche usw. Da muss ich noch sehr üben einfach mal zu sagen "Hey, möglich, dass dir das später zu 80% jemand anstreicht, vielleicht lacht sich auch jemand krank. VIelleicht ist es aber auch einfach nur ungewöhnlich und genial. :D

Lass uns beide dran arbeiten! Zusammen machts eh mehr Spaß!  :jau:
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Janika am 02. Juli 2013, 22:31:31
Auch von mir vielen Dank! Tut gut, zu wissen, dass man nicht allein ist.

Und Nirahil: :knuddel: :wolke: :knuddel: Du bist echt ein Schatz, weißt du das?

Ihr schreibt AUCH für euch, weil ihr es liebt, weil euer Herz an das Schreiben geknüpft ist. Ihr könnt gar nicht aufhören oder aufgeben. Und das werdet ihr auch nicht. Zweifel strengen an, fordern Kraft, aber am Ende machen sie euch nur stärker.  :knuddel:
Da geht es mir wie Cairiel, Autorenherzchenkribbeln! :wolke: Danke!

Ich habe gerade seit etwas längerem mal wieder Lust gehabt, einen Glückskeks zu essen. Zu Weihnachten bekam ich ein Paket geschenkt, drei Stück waren noch übrig.
Irgendwie habe ich das Gefühl, dass der Spruch hier reinpasst.
Zitat
Ihr Gespür zeigt Ihnen den richtigen Weg.

Ich sollte mich einfach wieder einmal treiben lassen. Dass sollten wir alle drei machen, hm? Wir sitzen im selben Boot, sagtest du, Cairiel - dann lasst uns jetzt jeder ein Paddel nehmen und losfahren! :gruppenknuddel:
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: pink_paulchen am 02. Juli 2013, 22:48:26
Dann wünsch ich euch eine aufregende Bootsfahrt und immer eine Handbreit Wasser unterm Paddel. Mich hat heute die Antwort erreicht - im Moment Land unter und keine Zeit. Bitte das Gesamtmanuskript später senden.  :d'oh:
Grad wollt ich verzweifeln, als in der gleichen Mailauslieferung eine Zusage eines weiteren Publikumsverlags füt dasselbe Werk kam.(vergessen abzusagen)
Jetzt fühl ich mich doch nicht mehr unfähig. Wird schon, ich paddel mal mit.
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Nirahil am 03. Juli 2013, 07:03:53
Warum gibt es hier keinen vernünftigen, knallrot anlaufenden Smiley?  ;D Achje, ihr seid süß. Vielen Dank  :knuddel: Und ihr kriegt das hin. Nach einem Tief kommt immer auch ein Hoch, selbst wenn man es noch nicht sehen kann.

Herzlichen Glückwunsch, pipa! Das klingt ja echt klasse. Ich freu mich für dich!  :vibes:
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Leann am 04. Juli 2013, 13:44:56
Jetzt ist hier schon so viel zu den Zweifeln geschrieben worden, auch sehr gute Tipps, und es macht Mut zu lesen, dass es anderen genauso geht wie einem selbst.
Zu den üblichen Zweifel an meinen schreiberischen Fähigkeiten gesellt sich neuerdings etwas ganz Neues: Der Zweifel, ob ich überhaupt veröffentlichen will. Klingt seltsam, und früher hätte ich das gar nicht verstanden. Ein Buch zu veröffentlichen war immer ein großer Traum von mir, gleichzeitig aber so utopisch wie eine Mt. Everest-Besteigung. Da sich die Wahrscheinlichkeit aber jetzt rapide vergrößert hat, bin ich mir gar nicht mehr sicher, ob es das ist, was ich wirklich möchte und ob ich es überhaupt mit meinem hedonistischen Lebensstil vereinbaren kann. Ich habe darüber nachgedacht und gemerkt, dass mir bisher nichts Spaß macht, was mit einer Veröffentlichung zusammenhängt. Ich schreibe nicht gerne Exposés, es liegt mir nicht, mein Werk anzupreisen, ich hasse das Warten auf eine Antwort vom Verlag, überhaupt diese ganze Warterei macht mich wahnsinnig. Das Lektorat macht auch alles andere als Spaß. Mir graut jetzt schon bei der Vorstellung, was für unsägliche Covervorschläge und Klappentexte mir unterbreitet werden. Und wenn ich daran denke, dass mein Machwerk irgendwann auf Leser losgelassen wird, packt mich wilde Panik. Ganz abgesehen davon, wie sich schlechte Kritiken auf meine Laune auswirken werden. Bisher konnte ich immer gut schlafen, aber neuerdings habe ich Albträume und schwanke ansonsten zwischen manisch und apathisch und, absolut untypisch für mich, heule ständig ohne Grund los. Wenn das jetzt schon so ist, wie schlimm wird das noch werden? Will ich das wirklich? Ich habe glaube ich nicht das Zeug dazu, nicht die Dickfelligkeit oder gefestigte Persönlichkeit, um das durchzuziehen.
Vielleicht wäre es besser, wenn ich weiterhin einfach so schreibe, nur für mich, denn das macht mir Spaß, und ich zitierte jetzt mal den tollen Satz von Coppelia:
Zitat
So schreiben, als wäre der Roman nur für mich ganz allein. Oder tatsächlich den Roman erstmal ganz für mich allein schreiben. Später kann ich dann immer noch sehen, was ich damit anfange. Das schönste Geschenk an mich selbst: Der schönste Roman, den ich mir ausdenken kann, und er gehört mir, mir ganz allein! Muahaha!
Ist das feige? Bin ich überhaupt keine Schriftstellerin, wenn ich nur für mich selbst schreibe? Und stört mich das? Bin ich eigentlich noch ganz dicht? Sollte ich lieber den Mt. Everest besteigen?
Zweifel über Zweifel ...
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Alaun am 04. Juli 2013, 13:53:53
Bin ich überhaupt keine Schriftstellerin, wenn ich nur für mich selbst schreibe? Und stört mich das? Bin ich eigentlich noch ganz dicht? Sollte ich lieber den Mt. Everest besteigen?
Zweifel über Zweifel ...

Ein Schriftsteller ist jemand, der Schrift erstellt. Nichts anderes und vorerst ganz ohne Druck von außen. Sonst hieße er "Fürjemandanderenschriftsteller". Sagt diejenige, die genau diesen Druck gerade mehr als deutlich merkt und auch nicht so recht weiß, wie sie damit umgehen soll.  ::)

Was mir in deiner Aufzählung zu Veröffentlichungen fehlt, ist übrigens der schöne Teil des Ganzen: das eigene Buch sehen und anfassen können. Positives Feedback von begeisterten Lesern. Die Freude, die es macht, andere mit eigenen Geschichten zu begeistern. Daraus kann man eine Menge Kraft ziehen.
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Nycra am 04. Juli 2013, 14:33:30
Ich habe mir das jetzt durchgelesen und mir fällt dabei vor allem eine Sache bei Cairiel, Janika und Aqua auf. Ihr sprecht alle von der Verzweiflung, den zweiten Band zu schreiben und davon, dass ihr euch dem Druck ausgesetzt fühlt, genausogut zu schreiben, wie im ersten Band.

Als ich den zweiten Dhraden-Band angefangen habe, habe ich auch gejammert. Meine Schreibe sei nicht mehr so gut, die Story sei lahm, das Übliche eben. Und obwohl mir meine Betas versicherten, das stimme alles nicht, konnte ich das nicht sehen. Da waren die schweren Eisenketten, die mich runterzogen und mir vormachten, dass alles, was jetzt nachkommt, nur Schrott sein muss, ließen sich nicht abschütteln. Dabei habe ich die Dhraden erstmal nur für mich geschrieben (okay und für ein paar Fans vielleicht ;) ).

Während ich also jammerte und mit mir vollkommen unzufrieden war, antwortete mir eine Autorin auf Facebook und meinte: "Pass auf, das ist ein Mehrteiler. Du wirst den zweiten Band hassen. Du wirst fluchen und denken, er sei der letzte Mist. Weil du dich selbst unter Druck setzt. Aber ich verspreche dir jetzt etwas. Wenn du mit dem dritten Teil anfängst, läuft es."

Ich dachte mir erst, jaja, die hat gut reden. Hat ja selbst gerade erstmal drei Folgeromane veröffentlicht und sitzt "erst" am vierten Teil. Ich habe mich weiter durch das Skript gequält, es an meine Betas geschickt und mir die Nägel abgekaut. Und mit Band III angefangen.

Ich wurde überrascht. Zum einen schickten mir die Betas schon lange vor Ablauf der Frist die Korrekturen zurück und das ohne Mecker und Haue, es sei so grottenschlecht. Zum anderen liefen mir die ersten 150 Seiten von Band III super von der Hand. Ich war warm mit meinen Charkteren, hatte das Setting schon so sehr verinnerlicht, dass ich locker drauflosschreiben konnte. Es stimmt zwar, dass ich das Projekt derzeit ruhen lasse, aber es juckt mich in den Fingern, weiterzumachen und es fühlt sich so an, als würde es dann auch sofort laufen.

Vielleicht haben mich die Worte der anderen Autorin nur wachgerüttelt. Vielleicht ist es tatsächlich der Fluch der Nummer II, der mich ereilt hatte und auch bei euch zugeschlagen hat. Ich gehe jedenfalls jetzt lockerer mit dem Schreiben der Fortsetzung um.

Ich maule zwar immer noch über einen gewissen anderen zweiten Band, an dem ich gerade sitze, aber es löst nicht mehr sofort eine Schreibblockade aus. Weil ich mir die Zeit dafür nehme, die ich will; auch weil ich weiß, dass es ein zweiter Band ist und dieser immer Zweifel mit sich zu bringen scheint. Ich hatte mir ursprünglich ein Ziel bis zur Fertigstellung gesetzt, aber nach meinen Erfahrungen mit den Dhraden II kurzerhand beschlossen, es nicht zu erzwingen. Es steht niemand wirklich hinter mir und tippt mit den Zehen auf den Boden oder sieht mich vorwurfsvoll an. Klar würden sich einige darüber freuen, wenn die Fortsetzung sofort käme. Aber ich schreibe das erstmal für mich. In zweiter Linie für Nana und Sprotte, weil sie die Paten des Projekts sind und erst laaaaaaaaaaaange danach kommt der Wunsch, den zweiten Band hinterher zu schieben. Außerdem ist Juli. Wer denkt den ernsthaft, dass der zweite Band noch dieses Jahr erscheint? Ich sicher nicht.

Ich weiß jetzt nicht, ob euch das hilft. Mir jedenfalls hat es gut getan, mal die Perspektive einer Autorin zu hören/lesen, die genau das durchgemacht und überwunden hat, was ich empfand und eine Erklärung dafür gefunden hat: Es liegt nur an dem dämlichen zweiten Band. Nicht an mir!

Euch allen wünsche ich die Kraft, einzusehen, dass Schreiben zwar Arbeit ist, aber auch Vergnügen sein kann, nein soll. Es ist vielleicht kein einfacher Weg, aber durchaus einer, den man beschreiten lernen sollte. Wenn es euch dabei hilft, nur für euch selbst zu schreiben, dann tut es. Was kümmert euch der ganze Rest? Es sind eure Babys, nicht deren.  :knuddel:
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Grey am 04. Juli 2013, 14:36:44
Oh, da kann ich Nycra nur beipflichten. Zweite Bände sind die Hölle. Das war bei meinen Vampiren genauso, und ich habe das auch schon von anderen gehört. Deswegen will ich ja auch so gern irgendwann den dritten Band schreiben. :innocent:
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Janika am 04. Juli 2013, 14:44:26
Oh, da kann ich Nycra nur beipflichten. Zweite Bände sind die Hölle. Das war bei meinen Vampiren genauso, und ich habe das auch schon von anderen gehört. Deswegen will ich ja auch so gern irgendwann den dritten Band schreiben. :innocent:
Wenn du DAS machst ... will ich betalesen! :bittebittebitte:

Nycra, irgendwie beruhigt mich dein Beitrag gerade ungemein. Wenn das Problem des zweiten Teils ein verbreitetes Problem ist, bin ich damit alles andere als allein, das ist immerhin schonmal etwas. Nur das "langsam angehen" wird bei mir halt leider nicht klappen. :-\
Grey, hattest du für Band 2 zufällig eine Deadline? Hast du Erfahrungen mit der Verbindung?

Danke auf jeden Fall für eure Hilfe! :knuddel: Ich hab ja in Nirahil und Windfeuer auch zwei jammererprobte Patinnen gefunden, ich hoffe nur, dass ich ihnen nicht zu sehr die Ohren volljammern werde in der zweiten Hälfte, in der ersten war es schon mehr als genug ... :zensur:
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Alaun am 04. Juli 2013, 14:46:47
Danke @ Nycra & Grey :knuddel:

Janika, was das Problem mit dem zweiten Band angeht, bist du definitiv nicht alleine, nein... :no: Mir hilft es gerade ungemein, ein Spin Off einzuschieben, an dem ich parallel arbeite. Das verhindert, dass der zweite Band sich selbst wichtiger nimmt als nötig und sich zu einem Monster aufbläht. Funktioniert nicht immer, aber meistens ;)
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Antonia Assmann am 05. Juli 2013, 08:36:09
Jetzt ist hier schon so viel zu den Zweifeln geschrieben worden, auch sehr gute Tipps, und es macht Mut zu lesen, dass es anderen genauso geht wie einem selbst.
Zu den üblichen Zweifel an meinen schreiberischen Fähigkeiten gesellt sich neuerdings etwas ganz Neues: Der Zweifel, ob ich überhaupt veröffentlichen will. Klingt seltsam, und früher hätte ich das gar nicht verstanden. Ein Buch zu veröffentlichen war immer ein großer Traum von mir, gleichzeitig aber so utopisch wie eine Mt. Everest-Besteigung. Da sich die Wahrscheinlichkeit aber jetzt rapide vergrößert hat, bin ich mir gar nicht mehr sicher, ob es das ist, was ich wirklich möchte und ob ich es überhaupt mit meinem hedonistischen Lebensstil vereinbaren kann. Ich habe darüber nachgedacht und gemerkt, dass mir bisher nichts Spaß macht, was mit einer Veröffentlichung zusammenhängt. Ich schreibe nicht gerne Exposés, es liegt mir nicht, mein Werk anzupreisen, ich hasse das Warten auf eine Antwort vom Verlag, überhaupt diese ganze Warterei macht mich wahnsinnig. Das Lektorat macht auch alles andere als Spaß. Mir graut jetzt schon bei der Vorstellung, was für unsägliche Covervorschläge und Klappentexte mir unterbreitet werden. Und wenn ich daran denke, dass mein Machwerk irgendwann auf Leser losgelassen wird, packt mich wilde Panik. Ganz abgesehen davon, wie sich schlechte Kritiken auf meine Laune auswirken werden. Bisher konnte ich immer gut schlafen, aber neuerdings habe ich Albträume und schwanke ansonsten zwischen manisch und apathisch und, absolut untypisch für mich, heule ständig ohne Grund los. Wenn das jetzt schon so ist, wie schlimm wird das noch werden? Will ich das wirklich? Ich habe glaube ich nicht das Zeug dazu, nicht die Dickfelligkeit oder gefestigte Persönlichkeit, um das durchzuziehen.
Vielleicht wäre es besser, wenn ich weiterhin einfach so schreibe, nur für mich, denn das macht mir Spaß, und ich zitierte jetzt mal den tollen Satz von Coppelia: Ist das feige? Bin ich überhaupt keine Schriftstellerin, wenn ich nur für mich selbst schreibe? Und stört mich das? Bin ich eigentlich noch ganz dicht? Sollte ich lieber den Mt. Everest besteigen?
Zweifel über Zweifel ...

Liebe Leann,

soweit ich das mitbekommen habe, hast du im Moment ein "Baby" an der Startlinie und  bist im Lektorat. Ich kann dir nur von meiner Seite sagen: Seitdem ich eine Zusage von einem Verlag habe, habe ich keine Lust mehr zu schreiben und halte mich für unfähig. Frag mich bitte nicht, warum. Ich habe einfach keine Lust. Vielleicht ist das wirklich die Panik vor der ersten Veröffentlichung und dass man die erst mal ablegen muss, damit man dann halbwegs normal weiterschreiben kann. Auch wenn man sich selber sagt, dass man nur für sich selber schreibt.
Ich kann dich jedenfalls sehr gut verstehen, ich habe auch keine große Lust auf das alles, was du aufgezählt hast. Ich freue mich jetzt dann einfach mal darauf mein Buch in der Hand zu halten und zu hoffen, dass es ganz viele Leute gut finden.
Ob ich weitermache steht auf einem andern Blatt. Aufhören zu schreiben werde ich sicherlich nicht, aber ob es jetzt nur für mich ist, oder auch für die Öffentlichkeit kann ich noch nicht abschätzen. Vielleicht muss man sich dann auch wieder erst das fertige Projekt angucken und dann entscheiden. Und bis dahin sollte man den Spaß am Schreiben nicht verlieren!

Das mit dem zweiten Teil ist wirklich so eine Sache. An dem scheitere ich auch gerade... Ich habe jetzt mal ne Pause eingelegt und warte erst einmal ab, wie der erste Teil ankommt.
Jedenfalls glaube ich ganz sicher, dass man zu streng zu sich wird, wenn man den zweiten Teil schreibt. Dass man sich übertreffen will, sich steigern. Und das ist ein unglaublicher Druck. Ich wünschen allen "Zweiten -Teil-Schreibern" viel gute Gedanken, Kraft und Selbstbewusstsein.
Die ersten Teile wurde ja schließlich nicht umsonst verlegt. :)
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Janika am 10. Juli 2013, 00:31:00
Und da hocke ich wieder. Meine Verfassung war allgemein nicht die beste heute, und eben überrollte mich dann eine große Welle der Hoffnungslosigkeit. Mal ernsthaft, in den letzten drei Tagen habe ich kaum mehr als das geschrieben, was ich mir als Tages-Mindestsoll und Durchschnitt gesetzt hatte. Mir bleiben noch ein Monat und 5 Tage, bis die Rohfassung stehen muss. Ich hänge in einem unwichtigen Plotloch, komme aber nicht heraus. Ich kann das Manu nicht ruhen lassen, sondern muss direkt im Anschluss ans Schreiben mit dem Überarbeiten anfangen. Ob sich Betas finden, die sich das in so knapper Zeit antun, ist mehr als fraglich. Und falls doch, muss ich dann noch einmal überarbeiten.
Ach, okay, eine Betaanfrage habe ich schon. Ein dreizehnjähriges Mädchen, das möchte, das ich ihre Geschichte beta'e, und im Gegenzug meine machen möchte. Sie habe vermutlich eh nicht so viel Geld, um sich den zweiten Band zu holen. Erfahrungen? Nein, sie weiß auch nicht genau, was beta'en ist, aber sie würde es lesen und mir eine ausführliche Rezension schreiben. Ich bin gerettet.

Mag mir jemand eine ernsthafte Einschätzung geben? Vielleicht kann ich ja noch ein paar mehr Leute rekrutieren, die mich täglich mit Pompoms und Pfannen bepuscheln, auch wenn ich fast nicht glauben mag, dass es noch mehr so wundervolle Menschen geben kann, die das tatsächlich durchhalten und ertragen. Aber hier sind so viele Leute mit Erfahrung - kann ich das überhaupt schaffen? Ohne jahrelange Routine? Trotz des Drucks?
Wenn ihr nicht daran glaubt, sagt es bitte umso dringender. Besser, ich kündige es dem Verlag in nächster Zeit an, als das Datum einfach zu überziehen ...
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Naudiz am 10. Juli 2013, 00:40:02
Ach, Kätzchen! :knuddel: Ich habe keinerlei Erfahrungswerte aufzuweisen, aber mit Pompoms bepuscheln und pfannen auf täglicher Basis, das bekomme ich hin. Du packst die Deadline, wirst du schon sehen! Ich glaub an dich!
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Sanjani am 10. Juli 2013, 08:46:53
Hallo Janika,

mit Erfahrungswerten kann ich leider auch nicht dienen, aber lass doch das Plotloch erst mal Plotloch sein und schreib irgendwoanders weiter, also an einer Stelle, die du schon kennst, die erst später dran kommt. Mehr fällt mir leider auch nicht ein. Ich schätze, das ist ein bisschen so, wie wenn du eine Hausarbeit oder so was schreiben musst, die eine Deadline hat. Nur es ist halt ein anderes Genre. Da hilft wohl nur erst mal hinsetzen und schreiben. Überarbeiten kannst du danach immer noch, aber es muss halt erst mal was auf dem Papier stehen.

Alles Gute und immer dran bleiben, dann wird das schon!

LG Sanjani
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: FeeamPC am 10. Juli 2013, 09:41:57
Wenn du nicht mehr willst als ein Überfliegen des Textes mit einem Eindruck vom Gesamtbild und ein paar Hinweisen zum Plot, dann darfst du dich auch gerne bei mir melden. Intensives Betalesen geht nicht, dafür habe ich im Verlag derzeit zu viel zu tun, aber einen Grundeindruck könnte ich dir geben, dass passt noch in mein Zeitfenster (schließlich bin ich Speed-Leserin).
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Grey am 10. Juli 2013, 19:14:27
Wie viel fehlt dir denn noch am Manuskript? Das wichtigste, denke ich, ist ob du selbst glaubst, den Rest in der verbleibenden Zeit schaffen kannst. Geh mal in dich und versuch das rauszufinden. Und wenn du ehrlich sein musst und sagen, dass du es wohl eher nicht schaffst, dann sag es deinem Verlag - allerdings nicht, ohne dir eine realistische neue Deadline zu setzen, die am besten auch nicht zu weit weg ist. Sonst kommst du nur in die Gefahr, so lange zu faulenzen, bis es wieder ganz genauso knapp ist, wie jetzt. Ich kenne deinen Vertrag nicht, aber in meinen Verträgen steht für gewöhnlich eine zweimonatige Kulanzzeit, die ich die vom Verlag gesetzte Deadline überschreiten darf.

Das allerwichtigste ist jetzt aber, dass du dich selbst realistisch einschätzt. Dann gehst du in den Brainstormingchat oder in die Plotschmiede und klärst das mit deinem Plotloch. Und dann setzt du dich auf den Hintern und schreibst diesen blöden zweiten Band zuende. Das wär doch gelacht, wenn der dich fertig machen würde. Du bist doch eine Bestie! :knuddel:
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Tinnue am 10. Juli 2013, 19:29:52
Leider hab ich weder Erfahrung mit zweiten Teilen noch ausreichend Zeit aktuell, um größere Projekte betazulesen.
Aber Ich möchte dir einen ganz dicken Drücker auf den Weg geben! Grey hat recht, nimm dir einfach einen Moment für dich und blende all die negativen Sachen mal für einen Moment aus (ich weiß, dass hört sich immer supereinfach an - aber je klarer der Kopf, umso ungehemmter kannst du realistisch drüber nachdenken).

Ein paar beta-geübte Helferlein wirst du sicher finden, und damit gehts dann bestimmt nochmal fixer! Ich denk an dich und drück Daumen und Pfoten!  :knuddel:
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Janika am 10. Juli 2013, 21:09:56
Du bist doch eine Bestie! :knuddel:
Hachja ... hab ich schon erwähnt, dass ich dich im NaNo bitten wollte, dir beweisen zu dürfen, dass das Kätzchen gewachsen ist und Tupfen & spitze Zähnchen bekommen hat? Huff ...

Nach alter Planung würden etwa 30k fehlen, nach neuer darf ich wohl eher von 45-50k ausgehen. Zu schaffen wäre das. Ich kann 3k täglich schaffen, notfalls auch ein klein wenig mehr, ohne umzukippen. Ich kann nicht so toll wie Valaé, Robin oder Christian mal eben hohe zweistellige Zahlen bieten, aber es würde reichen.
Wenn ich diese Zahlen denn auch SCHREIBEN würde.
Es fing Anfang Juni so gut an, täglich 50% mehr als Tagessoll. Und zum Monatsende musste ich dann doch kämpfen, um die 30k noch voll zu kriegen.
Und nun das hier. Ich hab heut Mittag mit Nirahil gebrainstormed, sie hatte tolle Ideen, es passte alles gut zusammen. Jetzt denk ich an die kommenden Szenen und da ist schon wieder kein Kopfkino, nicht einmal Standbild.

Der Verlag wäre da unproblematisch, das weiß ich. Meine Deadline ist aber leider der späteste Punkt, an dem ich abgeben kann, bevor das Buch nicht mehr zur LBM fertig wird - und sowohl mein Verlegerduo als auch ich hätten es dort einfach wahnsinnig gerne dabei, der Verlag wird ab '14 einen Stand haben!

Wenn du nicht mehr willst als ein Überfliegen des Textes mit einem Eindruck vom Gesamtbild und ein paar Hinweisen zum Plot, dann darfst du dich auch gerne bei mir melden. Intensives Betalesen geht nicht, dafür habe ich im Verlag derzeit zu viel zu tun, aber einen Grundeindruck könnte ich dir geben, dass passt noch in mein Zeitfenster (schließlich bin ich Speed-Leserin).
Wow, das ist lieb, danke! :knuddel: Ich brauche auch ein oder zwei Speed-Betas, aber der große Gesamteindruck ist mir ebenfalls wichtig! Das wäre toll!

Leider hab ich weder Erfahrung mit zweiten Teilen noch ausreichend Zeit aktuell, um größere Projekte betazulesen.
Aber Ich möchte dir einen ganz dicken Drücker auf den Weg geben! Grey hat recht, nimm dir einfach einen Moment für dich und blende all die negativen Sachen mal für einen Moment aus (ich weiß, dass hört sich immer supereinfach an - aber je klarer der Kopf, umso ungehemmter kannst du realistisch drüber nachdenken).

Ein paar beta-geübte Helferlein wirst du sicher finden, und damit gehts dann bestimmt nochmal fixer! Ich denk an dich und drück Daumen und Pfoten!  :knuddel:

Grey hat recht, nimm dir einfach einen Moment für dich und blende all die negativen Sachen mal für einen Moment aus (ich weiß, dass hört sich immer supereinfach an - aber je klarer der Kopf, umso ungehemmter kannst du realistisch drüber nachdenken).
Ich will's gern versuchen. Allerdings stürzt momentan so viel Negatives auf mich ein und ich hab die letzten Nächte schlecht geschlafen, sodass meine Gesamtverfassung momentan eher matt und dumpf ist.
Wobei ich sagen muss, dass dieser eher miese, anstrengende Tag in den letzten Stunden etwas besser wurde. Ich hatte das Gefühl, als hätte ich internen Zirkelgeburtstag oder so. Neues für's Zirkelregal, dass ich mir in den eigenen 4 Wänden später unbedingt anlegen muss!

Vielleicht lass ich mich von meiner Mutsch nachher einfach mal in Trance legen. Sie muss mir nicht helfen damit, das soll sie auch gar nicht. Bei sowas bräuchte ich jemand nicht-Familienzugehörigen zum Bereden. Aber Ruhe geben kann sie mir.


Danke euch allen, dass ihr so mit mir fühlt und mich aufzubauen versucht! Das bedeutet mir wirklich, wirklich viel! Ich habe gestern Greys Vampire ausgelesen, da muss ich gerade an einen Satz aus der Danksagung denken, in der sie sich bei Maja bedankt für die schönste und beste Schreiberlingsfamilie. Das unterschreibe ich jetzt einfach mal so. Und in drei und siebzehn Tagen gibt es dann wieder eine dringend benötigte TiZi-Kur. Mit Stammtisch und Rudel. :wolke:
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Linda am 10. Juli 2013, 21:19:48
Janika... wenn du über dein Plotloch zur Zeit keine architektonische Meisterbrücke spannen kannst, dann kipp doch ein paar Eimer Sand rein. Nimm eine Lösung, die unter deiner Würde ist, unoriginell und vieeel zu einfach. Und schreib von da an weiter.
Oftmals erledigt sich das Problem von selbst. Mitunter kommen dann doch die tollen Ideen. Und wenn nicht - nicht jede Buchseite ist Kaviar. Manchmal genügt auch Leberwurst, um den Bauch zu füllen... (he, ich mag beides nicht, aber der Vergleich fiel mir nun mal gerade ein)

Wird schon werden.
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Rhiannon am 14. Juli 2013, 22:51:57
Meh, wer hat die Zweifel denn jetzt auf mich losgelassen?
Ich bin gerade auf Heimaturlaub und wenn ich 100 Wörter schaffe, bin ich stolz... Das kann es doch nicht sein! Und da melden sich natürlich prompt die Zweifel: Wenn du bei ein paar Störungen nicht mehr schreiben kannst, wie willst du es denn dann überhaupt jemals hinkriegen, ein Buch an den Verlag zu kriegen und überhaupt?
Ich will doch schreiben, nicht zweifeln!  :'(
Mit meiner Umgebung zu plotten oder sowas ist aber auch nicht drin, die haben alle kein Verständnis für meine Schreiberei und das macht die Zweifel nicht unbedingt besser. *seufz*
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Sanjani am 15. Juli 2013, 09:26:46
Hallo Rhiannon,

Ich bin gerade auf Heimaturlaub und wenn ich 100 Wörter schaffe, bin ich stolz... Das kann es doch nicht sein! Und da melden sich natürlich prompt die Zweifel: Wenn du bei ein paar Störungen nicht mehr schreiben kannst, wie willst du es denn dann überhaupt jemals hinkriegen, ein Buch an den Verlag zu kriegen und überhaupt?

Ich weiß jetzt nicht, ob das hilft, aber aus meiner Sicht ist es völlig normal, dass es Umgebungen gibt, in denen man schreiben kann, und solche, wo das nicht so gut geht. Nicht umsonst kann man im Netz immer wieder nachlesen, dass ein Tipp für ein gutes Schreiben ist, dass man sich seinen Platz gut aussuchen und schön einrichten bzw. gestalten soll. Also, geb deinen Zweifeln mal ne ordentliche :pfanne: und vielleicht gibt es ja noch etwas, das du verändern kannst, damit es besser läuft. Ansonsten einfach dran bleiben und nicht entmutigen lassen!

LG Sanjani
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Pestillenzia am 17. Juli 2013, 09:13:39
Eigentlich sollte ich mich freuen - eine Autorin hat mich eingeladen, an ihrer Lesung zum Thema "Nacht" am kommenden Freitag teilzunhemen. Ich hab natürlich total begeistert zugesagt, aber jetzt würde ich am liebsten einen Rückzieher machen. Ich passe da so gut rein wie ein Nilpferd in ein Cocktailkleid.

Die Autorin, die mich eingeladen hat, ist etablierte Erotik-Autorin, ebenso die zweite Autorin, die lesen wird. Weiterhin wird noch aus dem Roman einer dritten Erotik-Autorin vorgelesen, die selbst nicht kommen kann. Und mittendrin bin ich mit meiner Horror-Kurzgeschichte. Die beiden anderen Autorinnen bringen wohl sogar eine eigene Fangemeinde mit - da will mein Zeug doch keiner hören. Eigentlich war ja geplant, dass ich noch einen kurzen Auszug aus meiner eBook-Reihe lese, aber ich glaube nicht, dass das eine gute Idee ist. Als vierter im Bunde kommt ein Autor, der schon jede Menge historische Romane veröffentlicht hat, aber das motiviert mich auch nicht gerade.

Ach menno, am liebsten würde ich mir die Decke über den Kopf ziehen und erst am Samstag wieder rauskommen.
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Leann am 17. Juli 2013, 09:32:49
Oje, kann ich zwar einerseits verstehen, aber andererseits ist diese Lesung doch eine tolle Sache! Die Autorin, die dich eingeladen hat kennt doch vermutlich deine Werke und sie gefallen ihr, sonst wäre sie doch gar nicht auf die Idee gekommen. Und zur Fangemeinde: Wo ist denn die Lesung? Vielleicht haben ja ein paar aus dem TiZi Lust, zu kommen. Ich würde kommen, wenn es nicht so weit weg wäre (ich schätze mal in der Gegend München?).
Sieh es als Chance, neue Leser zu gewinnen. Die wenigsten lesen nur aus einem Genre. Erotik / Horror /History ist eine interessante Kombination und vielleicht findet jemand aus dem Publikum Gefallen an etwas, an das er bisher nicht gedacht hat. Schlimmstenfalls applaudieren sie dir höflich und bestenfalls hast du einigen den "Horror" näher gebracht  ;D und vielleicht sogar Fans gefunden. Auf jeden Fall wirst du um eine Erfahrung reicher sein und neue Leute kennenlernen, evtl. amüsierst du dich sogar dabei. Ich drück dir jedenfalls die Daumen für Freitag!
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: FeeamPC am 17. Juli 2013, 09:53:05
Nur mal so als Idee am Rande: wäre es nicht eine nette Idee, den gleichen Plot einmal als Horror-Story und einmal als Erotik-Story zu bekommen. Als zukünftiges Autoren-Projekt für solche Lesungen?
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Pestillenzia am 17. Juli 2013, 11:00:51
Die Autorin, die dich eingeladen hat kennt doch vermutlich deine Werke und sie gefallen ihr, sonst wäre sie doch gar nicht auf die Idee gekommen.

Die Autorin kennt keines meiner Werke ... Ist auch kein Wunder, bisher habe ich nur ein paar Anthologiebeiträge vorzuweisen. Wir kennen uns nur über Facebook und sie hat mich eingeladen, weil ich nicht allzuweit von Augsburg entfernt wohne (die Lesung findet in Augsburg statt).

Ich habe vor vielen Jahren mal an einer Lesung teilgenommen und es hat mir riesig viel Spaß gemacht. Ich hab damals sogar von völlig Fremden Komplimente für meine Art zu lesen bekommen, deshalb war ich anfangs so begeistert, dass ich wieder lesen darf. Inzwischen hab ich aber nur noch Panik, dass meine Geschichten nicht passen und ich alles kaputtmache.  :versteck:

Nur mal so als Idee am Rande: wäre es nicht eine nette Idee, den gleichen Plot einmal als Horror-Story und einmal als Erotik-Story zu bekommen. Als zukünftiges Autoren-Projekt für solche Lesungen?

Grundsätzlich eine tolle Idee, Fee, aber das hakt daran, dass ich mit Erotik nichts anfangen kann. Das ist so gar nicht mein Genre und ich könnte weder in eine Erotik-Story Horrorelemente einbauen, noch kann ich mir Erotik-Elemente in meiner Geschichte vorstellen, weil es überhaupt nicht zum Hintergrund der Story passt.
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Antonia Assmann am 17. Juli 2013, 13:09:06
Dann sieh es einfach als Übung an. Du willst ja gar nicht ins Horror-genre, da kann es dir eigentlich egal sein. Lies und beurteile mal die Reaktionen im Publikum. Vielleicht sind ein paar sogar ganz froh darüber, dass sie kurzfristig mal was anders als Erotik zu hören bekommen  ;D Das wird schon, Pesti!
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Pestillenzia am 17. Juli 2013, 14:33:06
Du willst ja gar nicht ins Horror-genre

Ähm ... äh ... doch, auch ... Ich hab auch schon ein fertiges Exposé für einen Horror-Roman und eine fast fertige Leseprobe dazu.  ;)
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Berjosa am 17. Juli 2013, 16:51:06
Was liest denn der Herr in der Runde? Doch auch nix Erotisches, oder? Dann sieht das Ganze doch schon eher wie Absicht aus.

Für mein Empfinden als Zuhörerin bei Lesungen kommt es viel mehr drauf an, wie jemand liest, als was. Wenn dich die Leute als gute Leserin im Gedächtnis behalten, können sie dich schon mal an Bekannte weiterempfehlen, die mit deinem Genre mehr anfangen können - wenn sie sich nicht selbst bekehren lassen.
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Pestillenzia am 18. Juli 2013, 07:12:56
Danke für's Mutmachen.  :knuddel:  Heute schaut alles schon nicht mehr ganz so düster aus und ich freue mich sogar ein bisschen auf morgen.
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Antonia Assmann am 18. Juli 2013, 07:15:45
Ähm ... äh ... doch, auch ... Ich hab auch schon ein fertiges Exposé für einen Horror-Roman und eine fast fertige Leseprobe dazu.  ;)

Na dann, umso besser! Und warum kenne ich das noch nicht? Und warum bekomme ich davon nichts zu lesen? Ts ts ... ;) Ich drück dir die Daumen!
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Cailyn am 18. Juli 2013, 10:42:16
Ich hege gerade dieser Tage einen furchtbaren Zweifel:
Seit einiger Zeit lese ich meine frühen Versuche - Geschichten und Bücher - und merke (damn'!!!), dass ich früher viel besser geschrieben habe als heute. Ein Schock. Ein Schock. Ein Schock. Wie kam es dazu? Also ich bin grad total irritiert davon... aber um auf die Frage des Threads zu kommen: leider weiss ich kein Rezept, wie man diese Zweifel eliminieren könnte.
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Fynja am 18. Juli 2013, 13:08:59
Cailyn, das geht mir genau so!
Ich weiß nicht, ob es nur subjektives Empfinden ist, aber gerade beim Überarbeiten meines Romans, den ich vor 5 Jahren angefangen habe, fallen mir zwar jede Menge katastrophale Formulierungen auf- dennoch finde ich meinen damaligen Schreibstil irgendwie besser. Einerseits habe ich das Gefühl, die deutsche Sprache nicht mehr so gut zu beherrschen wie vor einigen Jahren - an vielen Formulierungen zweifle ich jetzt und vieles muss ich nachschlagen, obwohl ich diese Dinge ansonsten automatisch richtig gemacht habe... Andererseits ist mein Schreibstil nüchterner geworden und irgendwie unkreativer, ich greife zu oft auf langweilige Standartformulierungen oder klischeeartige Vergleiche zurück, statt mir selbst etwas einfallen zu lassen und tu mich schwerer damit, Gestik und Mimik meiner Figuren passend zu beschreiben.

Könnte es bei dir denn einen Grund geben, an dem das liegen könnte, hast du eine längere Schreibpause hinter dir? Bezieht sich deine Feststellung auf den generellen Schreibstil oder allein auf die Sprache, die Grammatik...? (Letzteres entschuldige ich bei mir damit, dass ich, wenn ich überhaupt dazu gekommen bin, eher englischsprachige Bücher gelesen hab und auch unser Unterricht in der Schule auf Französisch war, sodass ich die deutsche Sprache schlicht "vernachlässigt" habe  ;D)
Vielleicht aber ist dein Empfinden wirklich nur subjektiv und du bist einfach anspruchsvoller geworden, was deine aktuellen Texte betrifft und findest dort dann mehr Mäkel. ;) Oft ist es ja auch so, dass man erst einigen Abstand zu den eigenen Texten gewinnen muss, um sie objektiv beurteilen zu können.
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Lemonie am 18. Juli 2013, 13:19:52
Zitat
Bezieht sich deine Feststellung auf den generellen Schreibstil oder allein auf die Sprache, die Grammatik...? (Letzteres entschuldige ich bei mir damit, dass ich, wenn ich überhaupt dazu gekommen bin, eher englischsprachige Bücher gelesen hab und auch unser Unterricht in der Schule auf Französisch war, sodass ich die deutsche Sprache schlicht "vernachlässigt" habe  ;D)

Kann das nicht auch für die stilistischen Schwächen teilweise verantwortlich sein? Jede Sprache hat ja eine andere Sprachmelodie und ich denke beim Schreiben in letzter öfter einen Satz, von dem ich dann plötzlich merke, dass er sich total bescheuert anhört und dann fällt mir auf, dass es auf Englisch total Sinn ergeben hätte...
Klar, für solche Sachen wie dass du das Gefühl hast, nüchterner zu schreiben, kann es nicht verantwortlich sein, aber auf jeden Fall ist es schon so, dass einem weniger einfällt, wenn man auf der Sprache nicht mehr so viel liest (durchs Lesen werde ich immer kreativer).
Vielleicht hilft es, gute deutsche Bücher zu lesen?
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Fynja am 18. Juli 2013, 13:35:25
Kann das nicht auch für die stilistischen Schwächen teilweise verantwortlich sein? Jede Sprache hat ja eine andere Sprachmelodie und ich denke beim Schreiben in letzter öfter einen Satz, von dem ich dann plötzlich merke, dass er sich total bescheuert anhört und dann fällt mir auf, dass es auf Englisch total Sinn ergeben hätte...
Klar, für solche Sachen wie dass du das Gefühl hast, nüchterner zu schreiben, kann es nicht verantwortlich sein, aber auf jeden Fall ist es schon so, dass einem weniger einfällt, wenn man auf der Sprache nicht mehr so viel liest (durchs Lesen werde ich immer kreativer).
Vielleicht hilft es, gute deutsche Bücher zu lesen?

Doch, dass es da einen Zusammenhang mit den stilistischen Schwächen gibt, kann sehr gut sein. Und dass mit dem nüchterneren Schreibstil kann auch daran liegen, dass ich in letzter Zeit mehr mit wissenschaftlichen Zeitschriften oder politischen Artikeln zu tun habe und abgesehen von Schullektüren nicht mit deutschsprachigen fiktiven Büchern. Aber was du sagst, stimmt auch, und ja, ich denke gegen mein persönliches Problemchen ist das beste Mittel (schon wieder ist mir erst das französische Wort "remède" eingefallen und ich musste gerade tatsächlich nachschlagen, wie ich das am besten auf deutsch ausdrücke :wums:) wohl deutschsprachige Literatur. (Und Bastian Sicks Zwiebelfisch-Kolumnen ;D) Da bin ich auch schon fleißig am Üben.  :)

Aber eigentlich wollte ich gar nicht so viel von mir reden, sondern nur illustrieren, dass es wohl das beste ist, die objektiven Gründe einer solchen Verschlechterung zu suchen und dann dagegen vorzugehen. Vielleicht hat sich dein Schreibstil, Cailyn, ja nicht wirklich verschlechtert, sondern lediglich verändert und dann kannst du ja auch deine heutigen Texte mit früheren vergleichen und Unterschiede herausfiltern, die du dann einzeln beurteilen kannst und findest so heraus, was genau dir nicht gefällt.
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Cailyn am 19. Juli 2013, 11:20:22
... Andererseits ist mein Schreibstil nüchterner geworden und irgendwie unkreativer, ich greife zu oft auf langweilige Standartformulierungen oder klischeeartige Vergleiche zurück, statt mir selbst etwas einfallen zu lassen und tu mich schwerer damit, Gestik und Mimik meiner Figuren passend zu beschreiben.

...Könnte es bei dir denn einen Grund geben, an dem das liegen könnte, hast du eine längere Schreibpause hinter dir? Bezieht sich deine Feststellung auf den generellen Schreibstil oder allein auf die Sprache, die Grammatik...?
....Vielleicht aber ist dein Empfinden wirklich nur subjektiv und du bist einfach anspruchsvoller geworden, was deine aktuellen Texte betrifft und findest dort dann mehr Mäkel. ;)
Hallo Finya!
Mein Problem ist sehr ähnlich! Auch ich habe manchmal das Gefühl, meine Texte wirken unkreativer. In alten Texten lese ich manchmal so ganz poetische Sätze, nicht gekünstelt oder ungeschickt, sondern einfach nur tolle Sätze. Heute bin ich viel nüchterner und langweiliger.
Ich denke, es hat damit zu tun, dass ich beruflich journalistische Texte schreibe - nicht etwa Kreatives über z.b. Kulturelles, sondern eher Sachen wie Communiqués oder Texte für Online-Meldungen. Das ist halt schon irgendwie eine seelenlose Sprache.

Ich überlege gerade, ob es auch damit zu tun haben könnte, dass man halt selber viel liest und sich viele von diesen "Standardumschreibungen" ins eigene Hirn brennen. Früher waren wir ja noch nicht so belesen und irgendwie "reiner im Geiste". Weisst du, wie ich meine? Das könnte ja auch den Schreibstil kreativer gemacht haben. Das Hirn sucht sich ja leider immer den einfachsten Weg, um an ein Ziel zu kommen. Vielleicht greift man halt natürlicherweise auf "Vielgelesenes" zurück, wenn man sich über die Jahre schon mal eine grosse Auswahl an Formuliereungen angeeignet hat. Selbsterfundenes versus Erfahrungsschatz sozusagen...
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Thaliope am 19. Juli 2013, 11:34:28


Ich überlege gerade, ob es auch damit zu tun haben könnte, dass man halt selber viel liest und sich viele von diesen "Standardumschreibungen" ins eigene Hirn brennen. Früher waren wir ja noch nicht so belesen und irgendwie "reiner im Geiste". Weisst du, wie ich meine? Das könnte ja auch den Schreibstil kreativer gemacht haben. Das Hirn sucht sich ja leider immer den einfachsten Weg, um an ein Ziel zu kommen. Vielleicht greift man halt natürlicherweise auf "Vielgelesenes" zurück, wenn man sich über die Jahre schon mal eine grosse Auswahl an Formuliereungen angeeignet hat. Selbsterfundenes versus Erfahrungsschatz sozusagen...

Hm, also, wenn das tatsächlich der Fall sein sollte, würde ich eher dazu raten, dein Lese-Portfolio zu erweitern. :)

Ich kenne das Phänomen, dass sich bestimmte stilistische Merkmale einschleichen, wenn man viel in einem bestimmten Genre, einem bestimmten Stil liest.

Aber die literarische Welt da draußen ist ja so unglaublich breit gefächert. Es gibt so viele Autoren mit so vielen eigenen Arten, Sprache einzusetzen, zu gestalten. Ich kann mir nicht vorstellen, dass es die eigenen Möglichkeiten tatsächlich einschränken soll, wenn man viel, vielfältig und aufmerksam liest.
Anders sieht das natürlich bei Unterhaltungsliteratur in Massenware aus, wenn oft nur noch Klischees reproduziert werden, inhaltlich wie sprachlich. Zu viel davon könnte die sprachliche Ausdrucksfähigkeit durchaus einschränken :)

LG
Thali

EDIT: Aber ich könnte mir vorstellen, dass oft der innere Kritiker daran schuld ist, dass man mit der Zeit vorsichtiger wird, sich nicht mehr so viel traut. Dass man nicht mehr einfach drauflosschreiben und ausprobieren kann, sondern immer mehr an das fertige Ergebnis, an eine mögliche Vermarktbarkeit, an Testleser denkt. Dass man Angst bekommt, sich mit allzu eigenwilligen Ideen zu blamieren. Irgendwo unterschwellig, wo man es nicht sieht, wo es aber Einfluss aufs Schreiben nimmt.



 
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Cailyn am 21. Juli 2013, 20:50:42
Thali,
Letzteres kann gut sein. Beim Schreiben beginne ich oft einen Satz und verwerfe ihn bereits nach ein paar Worten wieder weil ich denk: Ach, ist eh nur blöd. Man würgt quasi das Brainstorming viel schneller ab.
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Tinnue am 29. Juli 2013, 22:21:43
Uiiiii, toll ... bei mir klopft es gerade wieder an der Tür, aber so richtig.
Seit einer Woche geht genau nichts. In Zahlen: 0 - 0 Seiten, 0 Sätze, 0 Wörter, die mich selbst irgendwie überzeugen. Eigentlich wollte ich nur mal neben dem ach so tollen Romanprojekt an einer Ausschreibung teilnehmen. Da fing die Misere an. Alles sieht erstmal gut aus (im KOpf). Ich fange an, drei Seiten, klopfe alles in die Tonne. Jetzt habe ich mir zweimal 2 Tage frei genommen - denn am Wochenende ist hier HIgh Life, da ist es nciht ruhig genug. Und trotzdem: Nichts. Es will einfach nicht überspringen.
Klar, kann man jetzt sagen: Dann lass doch die Ausschreibung einfach sein.
Aber sollte ich das nicht irgendwie könne(müssen)? Auch ein mal ein Thema schreiben, dass jetzt nicht unbedingt 100% das ist, was ich sonst scheibe, aber mich trotzdem anlacht?

Irgendwie habe ich gerade das Gefühl, jeder jauchzt und macht irgendwie mehr oder weniger Fortschritte. Das freut mich natürlich ungemein. Aber dann sitzte ich da mit dem Gefühl "Ich möchte jetzt gerne einfach nur heulen" und frage mich wie so oft: Soll es überhaupt sein? Habe ich das überhaupt verdient? Ich - erfolgreich in dem, was ich tue?
Und nein, ich meine jetzt keinen materiellen Erfolg, sondern erst einmal nur "nicht für die Schublade". Ich schreibe nicht primär des Geldes wegen. Aber ich möchte logischerweise jemanden erreichen, berühren, und wenn es nur ein paar Menschen sind, die beim Lesen lachen oder weinen.
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Malinche am 29. Juli 2013, 22:39:52
Ach, Tinnue!  :knuddel: Das hört sich ja nicht gut an.

Ich denke aber, was dir da gerade passiert, ist relativ normal - und geht uns allen so. Einerseits, dass plötzlich überhaupt nichts mehr geht, andererseits, dass es einem in genau diesen Phasen besonders stark auffällt, wie gut es bei allen anderen läuft. Beziehungsweise zu laufen scheint.

Es gibt einfach Phasen, in denen nichts geht. (Momentan kommt da vielleicht auch die sommerliche Hitze hinzu?) Und nicht immer lässt sich zweifelsfrei sagen, warum der Akku jetzt leer ist. Ich habe z.B. den ganzen Juni hindurch für meine Verhältnisse sehr wenig geschrieben, unglaublich viele Nullrunden gefahren. Mir hat allerdings der Gedanke geholfen, dass diese Phase nicht nur irgendwann vorbeigehen wird, sondern dass sie auch einfach nötig ist. Manchmal hilft es, wenn man sich zum Schreiben zwingt - und manchmal eben nicht. Dann muss der Akku neu geladen werden und das kann halt auch mal ein paar Tage dauern.

Wenn die Ausschreibung dich anlacht, ist das doch schon einmal sehr gut - lass dich nicht davon frustrieren, dass dir nicht auf Anhieb die Umsetzung gelingt. Auch das ist relativ normal, behaupte ich, passiert mir zumindest auch oft genug, dass mich ein Thema total reizt, aber mein Beitrag dazu sträubt sich. Mir hilft dann meistens, locker zu lassen und zu warten. Wenn die Geschichte geschrieben werden will, kommt sie irgendwann und streicht dir um die Beine, aber wenn sie sich gerade unterm Bett verstecken mag, dann ist das eben so.

Diese Phasen, in denen nichts geht und man an allem zweifelt, sind immer eklig, und meistens helfen liebe Worte auch nicht hundertprozentig. Aber es sind Phasen. Sie gehen vorbei. Erzwing nichts, sei nicht frustriert. Nutz deine freien Tage, um deinen Akku anders aufzuladen. Spaziergänge? Schöne Musik? Ein gutes Buch? Es gibt kein Patentrezept. Aber aus Erfahrung weiß ich, dass einen neue Ideen jederzeit aus dem Hinterhalt anspringen können, wenn man sich nur entspannt.

Kurz gesagt: Das wird wieder, bestimmt. Und ich bin sicher, dass deine Geschichten noch viele Leser erreichen und berühren werden. :knuddel:
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Rhiannon am 29. Juli 2013, 22:41:04
Tinnue, diese Art von Blockade kenne ich.
Kann es ein, dass du einfach gerade etwas im Kopf hast, das du nicht loswirst?
Mein Ausstoß ist deswegen gerade auch sehr gehemmt und wenn ich 300 Wörtchen am Tag schaffe, weil ich mich zwinge, habe ich Glück gehabt.
Mach dir deshalb keine Gedanken, solche Phasen vergehen.
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Sprotte am 29. Juli 2013, 22:46:21
Ich stimme Malinche voll und ganz zu. Ich habe im Prinzip seit dem NaNo genau diese Phase gehabt. Nicht schreiben und löschen, sondern gar nicht erst schreiben, weil ja ohnehin alles Mist wird.
Bei mir lag es möglicherweise am Kampfschreiben des letzten Jahres. Auf jeden Fall an offenen, unerledigten Geschichten, die auf ihr Ende warteten. Die habe ich nun ziemlich abgearbeitet (zwei Romane, drei Kurzgeschichten!), nun geht es wieder. Hast Du vielleicht auch noch Altlasten liegen, die dich ausbremsen?

Insgesamt rufe ich Dir zu: Halt die Ohren steif!
Diese Phasen gehen vorbei. Bei jedem Autor dauern sie unterschiedlich lange und sind unterschiedlich fies ausgeprägt.
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Hanna am 29. Juli 2013, 22:57:06
Ich bin im Moment in genau der gleichen Situation. Schreiben erscheint gerade entsetzlich fern und das tut unglaublich weh. Aber bei mir ist es auch einfach, dass das Leben im Moment viel zu viele Baustellen hat. Eine Freundin hat mir das mal so erklärt: jeder angefangene Prozess ist ein offener Kreis. Also quasi ein C. In einem C kann die Energie nicht fließen. Ein C ist blockiert. Wir haben ganz viele von diesen C's, also gilt es, sie abzubauen. Vielmehr zu schließen. Ein O daraus zu machen, in dem die Energie fließen kann.

Meine C's sind im Moment:

Die Wohnung
Das Schreiben
Das Arbeitsamt
Der Schmuckshop
Julians Ferienende
Mein Körper

Und diese C's enthalten viele kleine C's. Meine Wohnung hat die Küche, das Wohnzimmer, den Keller u. s. w.
Ich muss jetzt langsam anfangen, einen Kreis nach dem nächsten zu schließen, aber es sind so viele, dass ich oft nciht weiß, wo ich anfangen soll. Also habe ich erst einmal bewusst gesagt: schreiben ist im Moment nicht drin. Andere Sachen haben Priorität. Ist einfach so.

Keine ordentliche Wohnung - kein Ramses  :seufz:
Kein Arbeitsamt - kein Geld  :brüll:
Kein Schmuckshop - keine Selbstständigkeit - wieder kein Geld

Wenn ich jetzt auch noch schreiben würde, obwohl ich damit frühestens nächstes Jahr Geld verdienen kann, würde ich total am Rad drehen (es wird mir eigentlich gerade erst klar, wo ich es hier aufschreibe).

Du musst das Schreiben nicht ganz drangeben, aber vielleicht doch zum einen oder anderen Projekt "Tschüß" sagen. Das C einfach durchstreichen. Oder eben zu einem O machen. Zu einer Seifenblase. Die dann einfach plopp! weg ist.  ;D
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Naudiz am 30. Juli 2013, 06:14:28
Ich geselle mich mal zu den Zweiflern dazu :schuldig:

Eine ganze Weile, sprich die ersten 20k an meiner Geschichte, war ich ziemlich zufrieden mit dem, was ich tue. Aber seit ca. zwei Wochen kommt mir alles nur wie der größte Schund der Welt vor. Alles wirkt total unrund auf mich, das Setting schlecht, meine Figuren blass, der ganze Stil zum Weglaufen mistig ... die Liste könnte ich ewig fortsetzen. Mittlerweile bin ich an einem Punkt angelangt, an dem ich die Story einfach nur noch in die Tonne treten und endgültig für tot erklären möchte. Das Schlimme ist - bei den anderen Projekten geht es mir genauso :seufz: Ich fühle mich einfach nur wie die schlechteste Autorin der Welt, und das Teufelchen auf meiner Schulter sagt, ich sollte das Schreiben ganz sein lassen, da ich es ja eh nicht kann und das sowieso keiner lesen will, und dass meine Betas sich das nur aus Mitleid antun.

Am liebsten würde ich echt gerade alle meine Projektordner löschen.
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Leann am 30. Juli 2013, 07:18:29
@ Naudiz: Nein, tu es nicht! Was du da schreibst, hätte so original auch von mir kommen können. Aber: Es ist nur eine Phase. Eine schlimme Phase, aber sie geht vorbei. Lösche nichts! Warte ab. Und lies dir alles in ein paar Wochen oder vielleicht sogar Monaten noch einmal durch. Ich wette mit dir, dass es dir dann nicht mehr wie Schund vorkommt. Bestenfalls gefällt es dir dann, schlimmstenfalls bist du mäßig zufrieden und setzt dich ans Überarbeiten. Aber es wird dir nicht vorkommen wie Schund. Das mit der Wette meine ich ernst. Ich muss mir nur noch einen Einsatz ausdenken. Vielleicht fällt dir ja was ein?

@ Hanna: Das mit den C´s und den O´s finde ich interessant. Vor allem das mit der Seifenblase. Ich wünsche dir, dass du ganz bald einige C´s ver-o´st.
Meine C`s haben sich mittlerweile in eine Art Treibsand verwandelt, in denen ich mehr und mehr versinke, und komischerweise ist das Schreiben seit ein paar Tagen wieder der Rettungsanker geworden. Ganz aufgeben ist also für mich keine Lösung. Schreiben hilft mir, die vielen C´s eine Weile zu vergessen. Das geht natürlich nur, da ich nur für mich zum Vergnügen schreibe, ohne Ausschreibungen, Deadlines oder andere Zwänge.
Schreiben ist gerade mein großes O, meine Seifenblase, die mich zwar nicht ganz aus dem Treibsand herausziehen kann, mir jedoch hilft, zumindest den Kopf oben zu halten und nicht zu ersticken.

@ alle Zweifler: Ich wünsche euch, dass es bald wieder besser läuft!  :knuddel:  Und ich finde es schön, dass hier jeder ehrlich von seinen Problemen erzählen kann und ernst genommen wird. Obwohl es natürlich blöd ist, dass ihr zweifelt, möchte ich euch dafür danken, dass ihr es offen schreibt, denn jetzt komme ich mir nicht mehr so allein vor.
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Sprotte am 30. Juli 2013, 10:13:48
Naudiz, ich glaube, unsere Teufelchen sind Zwillinge! Eineiige!
Zitat
und das Teufelchen auf meiner Schulter sagt, ich sollte das Schreiben ganz sein lassen, da ich es ja eh nicht kann und das sowieso keiner lesen will, und dass meine Betas sich das nur aus Mitleid antun.
Genau diesen Gedanken kenne ich so gut wie meine Westentasche. Er ist ein häufig auftauchender Gast.
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Alana am 30. Juli 2013, 10:18:57
Lasst euch mal alle drücken. :gruppenknuddel:

@Hanna: Ich kenne dieses Gefühl wahnsinnig gut und ich habe festgestellt, dass es nichts bringt, mir zu verbieten, was mir Spaß macht. Das führt nur dazu, dass ich weder mache, was ich machen muss, noch was ich machen möchte. Wie wäre es, wenn du dir den ganzen Mist (kämpfe auch gerade am laufenden Band mit Bürokratie :zombie:) in winzige Häppchen teilst (z.B. Anruf hier, Zettel raussuchen da) und aufschreibst. Und dann nimmst du dir jeden Tag nur eins davon vor. Klar, das sieht erst so aus, als würde das nichts bringen, aber es ist ein Anfang. Bei mir hilft meist nur noch das, wenn ich das Gefühl habe, der Verwaltungskram erdrückt mich. Und verbiete dir das schreiben nicht! Der Rest läuft bestimmt besser, wenn du vorher ein paar Seiten geschrieben hast.  :knuddel:
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Tinnue am 30. Juli 2013, 19:19:56
Vielen Dank euch allen!
Jetzt fühl ich mich nur noch zu 80% als Versager!   :knuddel:

Wie Malinche sagt, liebe Worte sind zwar z.T. auch "nur" Phrasen, aber sie helfen, die inneren Wogen ein wenig zu glätten. Es ist natürlich nicht toll, dass es jedem mal so geht, aber etwas Beruhigendes hat es. Irdgendwie ist es typische für solche Downs, dass man denkt, man wäre allein zu blöd und kann nichts. Dabei sitzt vielleicht gerade jetzt irgendwo irgendwer anders und denkt genau das Gleiche.

Hanna hat das super beschrieben mit dem Kreis und dem "C". Im Kreis kann die Energie ungehemmt fließen, und damit bestimmt auch die Ideen. Im anderen Fall blockiert man sich einfach selbst. Es ist vielleicht nochmal schwerer, wenn man perfektionistisch veranlagt ist. Wobei, das sind sicher (fast) alle Kreativen/Künstler. Die Schwierigkeit liegt wahrscheinlich eher darin, sich selbst diese Momente zu verzeihen und nicht zu wütend mit sich selbst zu sein. Das erinnert mich immer ein bisschen an die Jedi-Weisheiten aus Star Wars! :)
Mit Sicherheit ist es so, dass bei anderen nur scheinbar alles super ist. Vielleicht sollte cih weniger facebooken oder allgemein weniger online lesen!? Wo ich hinsehen, ist alles "Jetzt schreibe ich Roman 5 für 2013, und parallel noch 3 Kurzgeschichten. Danach gehts gleich weiter mit Projekt 7 und 8..." Das ist jetzt ein bisschen überspitzt, aber da fühle ich mich dan ziemlich erdrückt von.
Es gibt Menschen, die nehmen das entfernte Ziel oder das, was andere gerade alles erreichen als Antrieb zu sagen "Wow, das will ich auch schaffen"/ "Ich will auch alles geben". Bei mir liegt es schlicht nicht in meiner Natur, so zu sein. Ich übe, aber ganz wird es wohl nie so sein. Ich war schon als kleines Kind immer so, dass mich solche Dinge - sehr zu meinem Leidwesen - immer eher negativ beeinflusst haben, indem die Sachen größer und mich selbst dafür immer kleiner mache.

Ich werde jetzt erstmal ins Fitnesstudio gehen und mich mittels Workout mal so richtig körperlich auspowern. Vielleicht ist das ein Schritt. Ich fühl mich immer noch ziemlich doof, müde (obwohl cih viel schlafe) und irgendwie unmotiviert. Aber wer wei?? besser als rumsitzen!

Jedenfalls will ich nochmal ganz arg Danke sagen. Wir kennen uns noch nicht lange, und wenige kenne ich hier persönlich. Trotzdem greifen wir uns gegenseitig alle unter die Arme und ziehen uns hoch, wenn wir mal unten sind. Ich finde das bemerkenswert und frage mich, was ich wohl ohne meinen TiZi täte.

Hanna, Naudiz: Bleibt dran! Irgendwie machen wir das schon!
Euch allen: Danke!
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Christian am 31. Juli 2013, 08:49:16
Dabei sitzt vielleicht gerade jetzt irgendwo irgendwer anders und denkt genau das Gleiche.
Ja, ich hier. Momentan ist alles bäh. Roman ist fertig, lektoriert, korrigiert - alles fertig. Nur noch ein bisschen technischer Kleinkram ist zu erledigen. Und jetzt liegt das Ding locker seit 14 Tagen hier rum. Ich könnte ja doch noch an einen Verlag oder eine Agentur schicken. Oder vielleicht ein zweites Lektorat einkaufen. Oder noch ein neues Cover... oder... oder... Ich hasse mich selbst und das verdammte Buch.
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Pestillenzia am 31. Juli 2013, 09:00:23
Wo ich hinsehen, ist alles "Jetzt schreibe ich Roman 5 für 2013, und parallel noch 3 Kurzgeschichten. Danach gehts gleich weiter mit Projekt 7 und 8..." Das ist jetzt ein bisschen überspitzt, aber da fühle ich mich dan ziemlich erdrückt von.

Genau so geht's mir gerade auch. Ich freu mich natürlich für alle, die so viel Erfolg habe, fühle mich daneben aber total klein und wie ein kompletter Versager. Mein eigener kleiner Erfolg sieht dagegen so mickrig und lächerlich aus, dass mich das total hemmt und - hallo Teufelskreis - ich alles nur doof finde, ich mich unfähig fühle und mir schon wieder denke, ich sollte mit dem Schreiben ganz aufhören, weil ich ja ohnehin nur langweiliges, uninteressantes, schon tausendmal dagewesenes Zeug zu erzählen habe.
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Cailyn am 31. Juli 2013, 09:06:23
Hi Christian

Was meinst du mit "ein zweites Lektorat einkaufen"?

Also viele würden dich ja darum beneiden, an diesem Punkt zu sein, wo alles erledigt ist. Aber ich kann deine Situation verstehen. Das Ende eines Buches schafft Ängste wegen des nächsten, wichtigen Schrittes, den man ja schon lange Zeit im Nacken sitzen hatte, und nun kommt dieser neue Schritt zum Zug - oder sollte zum Zug kommen - und fürchtet sich. Oder ist es bei dir was anderes? Also ich würde mich schon fürchten. Vor dem Urteil der Verlage, eventuellen Niederlagen, oder noch schlimmer...dass keine Sau das Manuskript überhaupt wahrnimmt/kommentiert/beachtet. Ich war noch gar nie an diesem Punkt, muss ich ehrlich sagen. Aber mir sitzt es auch schon im Nacken. Aber was es auch immer bei dir ist: Selbsthass ist eher unpraktisch fürs Leben. Dieses Gefühl will ja nur verhindern, dass man von aussen verletzt werden kann. Lieber man hasst sich selbst, bevor es andere tun können. Und wenn du das Buch hasst, dann wohl, weil du an all die Möglichkeiten denkst, was du hättest anders machen können. Aber ein Buch zu schreiben, heisst ja auch, dass man ständig Entscheidungen trifft, und die Alternativen sind nicht immer besser, sondern einfach alternativ. Also steh zu deinen Entscheidungen und deinem Buch!

Blablabla...ich weiss, wenn man in einem solchen Zustand ist, wirken solche mutmachenden Worte nur wie liebgemeinte, aber unnütze Floskeln. Aber bedenke, dass die Umwelt - z.B. fremde Menschen aus dem Internet  ;D - manchmal eine objektivere Sicht auf ein Problem haben können und das, was sie sagen, auch wirklich so meinen (und nicht nur um dich aufzumuntern, weil ihnen nichts anderen übrig bleibt).

Also, erhebe dein Haupt und kneif dir in deinen Allerwertesten. Manchmal helfen dabei auch körperliche oder Beschäftigungen wie Schwimmen in einem kalten See, die Wanderung auf einen Berggipfel oder etwas Bastlerisches wie "Ich baue mir jetzt einen Tisch" können schon Wunder wirken. Einfach mal den Fokus auf was ganz anderes werfen  :prost:
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Christian am 31. Juli 2013, 12:28:05
Hi, Cailyn! Danke für deine Antwort. Ich beantworte erstmal nur deine Frage, die anderen Punkte muss ich ein wenig sacken lassen.

Was meinst du mit "ein zweites Lektorat einkaufen"?
Ich veröffentliche diesen Roman selbst und kaufe die Dienstleistungen, die ich selbst nicht hinkriege, ein.
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Janika am 31. Juli 2013, 12:37:49
Genau so geht's mir gerade auch. Ich freu mich natürlich für alle, die so viel Erfolg habe, fühle mich daneben aber total klein und wie ein kompletter Versager. Mein eigener kleiner Erfolg sieht dagegen so mickrig und lächerlich aus, dass mich das total hemmt und - hallo Teufelskreis - ich alles nur doof finde, ich mich unfähig fühle und mir schon wieder denke, ich sollte mit dem Schreiben ganz aufhören, weil ich ja ohnehin nur langweiliges, uninteressantes, schon tausendmal dagewesenes Zeug zu erzählen habe.

Oh hallo, Clubmitglieder! Ich hab es nicht gepackt, die Wandlerin fertig zu machen, sondern musste sie der Trilogie zuliebe auf Eis legen. Dann habe ich viel zu spät diesen Schritt gemacht und im Juli noch einen Hänger gehabt, sodass meine Deadline quasi schon vorbei ist. Für Band III habe ich noch keine allzu genauen Pläne. Wenn ich den nicht bald plotte und doch noch auf zwei Schreibparts (September/Oktober und Dezember/Januar/vllt. Februar) aufteile, kann ich die NaNo-Teilnahme dieses Jahr knicken. Was nebenbei auch noch geplottet werden will. Und all die anderen Sachen, die mir momentan so auf den Kopf fallen, machen es auch nicht gerade besser ...
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Cailyn am 31. Juli 2013, 14:39:22
Hi, Cailyn! Danke für deine Antwort. Ich beantworte erstmal nur deine Frage, die anderen Punkte muss ich ein wenig sacken lassen.
Ich veröffentliche diesen Roman selbst und kaufe die Dienstleistungen, die ich selbst nicht hinkriege, ein.
Gut, jetzt verstehe ich auch, warum es für doch wohl doppelt nervenaufreiben ist. 
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Sanjani am 31. Juli 2013, 23:27:03
Ich würde ja gerne etwas Positives beitragen, aber zur Zeit geht das leider nicht wirklich. Ich weiß eigentlich nicht so recht, was los ist. Ich bin weiß Gott nicht unkreativ und zumindest einer meiner schwimmenden Handlungsstränge hat einen Weg für sich gefunden. Ich bin auch nicht ideenlos, wenn ich ein bisschen in meinem Hirn graben würde, würde mir auch was einfallen, das ist alles so weit ok, aber irgendwie - und das hat erst kürzlich hier jemand geschrieben - wenn ich mich hinsetze und schreiben will, kommt entweder ewig nichts oder es kommt nur Mist. Die Szenen sind in meinem Kopf total lebendig, aber sobald ich versuche sie auf Papier zu bannen, möchte ich einfach alles in die Tonne treten. Ich weiß gar nicht, wann das anfing, irgendwann letzte Woche und eigentlich hatte es nichts mit meiner Schreibe zu tun. Ich musste beruflich ein paar Dinge regeln, die mich gestresst / frustriert haben und jetzt hänge ich mal wieder in der Warteschleife - irgendwie hänge ich seit Anfang dieses Jahres dauernd in der Warteschleife. Man sollte meinen, das ist doch super um kreativ zu sein, aber ich frag mich irgendwie gerade, wie soll das überhaupt gehen, wenn ich nur dann kreativ sein kann, wenn ich keinerlei Stress habe (es gab tatsächlich einige gute Wochen, wo mich die Warterei nicht gestresst hat)? Was soll dann erst sein, wenn ich wieder zu arbeiten anfange? In dem einen Jahr, in dem ich gearbeitet habe, habe ich nur einen kurzen Lauf von ein paar Wochen gehabt und dann war ein ganzes Jahr Pause und davor war auch ein ganzes Jahr Pause. Das ist so ätzend, das will ich nicht noch mal haben.

Aber ich sag mir jetzt Schluss mit dem Geheule, bringt ja doch nichts. Ich möchte jetzt einfach dafür sorgen, dass ich nicht wieder in so lange Schreibpausen gerate und mein Stil wieder lausig wird. Deshalb schreib ich jetzt einfach weiter. In die Tonne treten kann ich hinterher immer noch. Und ich überlege, ob ich noch ein anderes meiner Projekte planen möchte. Heute Abend hab ich mal wieder eins entdeckt, das ich mochte, wo ich aber nicht mehr weiter kam. Dann kann ich mich noch mit dem Schreiben beschäftigen, muss mich dabei aber nicht nur auf das Produzieren von Text beschränken, wenn es nicht so gut läuft. Insofern möchte ich allen Mut machen, die gerade am Verzweifeln sind. Es kann nicht immer gut laufen, aber es läuft auch nicht immer schlecht und vielleicht soll es einfach auch gerade so sein, wie es ist. In der Achtsamkeit sagt man, es ist alles unbeständig, und vielleicht stimmt das auch.

LG Sanjani
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Christian am 01. August 2013, 19:14:07
Aber ich sag mir jetzt Schluss mit dem Geheule, bringt ja doch nichts.
Das sag ich mir jetzt auch (wieder). Der 11.08. ist meine letzte Deadline - jetzt oder gar nicht. Ich habe nichts, gar nichts zu verlieren.
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Cailyn am 06. August 2013, 12:55:40
In Punkto Zweifel habe ich auch mal eine ganz konkrete Frage zu euren Plots:
Kommt ihr auch irgendwann an einen Punkt, wo ihr euch fragt, ob das Geschriebene überhaupt ansatzweise spannend ist?
Beim ersten Drauflosschreiben habe ich nämlich immer den Eindruck, nun etwas wirklich Gutes geschrieben zu haben, dann feile ich ein wenig herum, mache immer wieder Änderungen, ordne neu, und irgendwann, wenn ich das Buch schon zig Mal durchgekaut habe, frage ich mich: Wirkt das jetzt nur auf mich total langweilig, weil ich es so oft überarbeitet habe, oder ist es langweilig?


Sanjani,
Zitat
Es kann nicht immer gut laufen, aber es läuft auch nicht immer schlecht und vielleicht soll es einfach auch gerade so sein, wie es ist. In der Achtsamkeit sagt man, es ist alles unbeständig, und vielleicht stimmt das auch.
Wie wahr... Also ich habe auch mal gelesen, dass das Suchen nach Lösungen bei Konflikten die Kreativität fördert. Das gilt natürlich auch für innere Konflikte, was wiederum bedeuten würde, dass Zweifel uns im Endeffekt einen Schritt weiterbringen.
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Sanjani am 08. August 2013, 11:03:17
Hallo Cailyn,

In Punkto Zweifel habe ich auch mal eine ganz konkrete Frage zu euren Plots:
Kommt ihr auch irgendwann an einen Punkt, wo ihr euch fragt, ob das Geschriebene überhaupt ansatzweise spannend ist?
Beim ersten Drauflosschreiben habe ich nämlich immer den Eindruck, nun etwas wirklich Gutes geschrieben zu haben, dann feile ich ein wenig herum, mache immer wieder Änderungen, ordne neu, und irgendwann, wenn ich das Buch schon zig Mal durchgekaut habe, frage ich mich: Wirkt das jetzt nur auf mich total langweilig, weil ich es so oft überarbeitet habe, oder ist es langweilig?

Das kenne ich auch gut, aber meistens verschwinden diese Zweifel bei mir wieder, wenn ich das Werk längere Zeit ruhen lasse und dann noch einmal angucke. Manchmal - wie zuletzt bei mir - kann es aber auch sein, dass ich die Idee gut finde, mir die Umsetzung aber irgendwie nicht mehr gefällt und das ist dann schon frustrierend. Andererseits ist es aber auch immer die Chance darauf es noch besser zu machen. So versuche ich es jedenfalls zu sehen.

LG Sanjani
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Tinnue am 08. August 2013, 11:34:01
Die Frage stell ich mir in Momenten der Pause auch - und das, obwohl ich das Projekt wirklich richtig krass durchgeplottet habe. Nicht  unbedingt, ob da ansatzweise Spannung ist. Ich denke, die ist da. Nur die Aneinanderreihung von Szenen, kapiteln. Ergibt das Sinn so? Lieber was umstellen? Lieber nochmal umstellen?
Immer, wenn ein Dialog kommt, der für die Handlung wichtig ist, habe ich dennoch gleich Angst, etwas falsch zu machen/ihn zu lange zu machen, sodass man sich langweilt. Nicht einfach im Moment. :/
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: serenade am 12. August 2013, 15:24:26
Tinnue, das kommt mir bekannt vor... Der beste Ratschlag, den man mir in dem Fall bisher gegeben hat, ist: Weiterschreiben. Später bei der Überarbeitung kann man die Szenen ja noch umstellen und die Dialoge umschreiben...
Wenn das aber auch nicht geht: Den Plot weglegen, den bisher geschriebenen Kapitelanfang nicht mehr ansehen, sondern ohne Vorgabe und Einschränkung in einem neuen Dokument alles neu schreiben (und sich dabei so viel Zeit lassen, bis es wieder von selbst fließt - ohne, dass man sich zu sehr unter Druck setzt).
Ich weiß, die Welt ist nicht immer so einfach wie vermeintlich gute Ratschläge ;) Vielleicht konnte ich Dir aber doch ein bisschen helfen.
Ich wünsche Dir jedenfalls viel Erfolg :) Vielleicht machst Du Dir wirklich einfach nur zu viel Druck.
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Cailyn am 13. August 2013, 08:50:57
Tinnue,
Wenn ich beim Aufbau unsicher bin, dann versuche ich mir vorzustellen, das Buch laufe als Film ab. Ob ein Dialog dann zu lang ist oder welche Szene nach welcher kommen soll, das wird dann meist klarer.
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Tinnue am 13. August 2013, 10:17:27
Danke, @serenade. Ich glaube, ich steh mir wirklich eher selbst im Weg als dass es nur am Handwerk liegt. Ich bin so ein Mensch, wenn ich will, dann will ich. Dann bin ich manchmal wieder wie 15, bockig. Dann hat es jetzt und nur jetzt zu gehen. Pause? Akku aufladen? Schwer. Ich denke immer, wenn du mal ein so guter Schriftsteller sein willst wie die, die heute davon leben, dann musst du immer können. Dann musst du schnell und auf Knopfdruck können - ich vergesse da manchmal, dass ich einfach mein Tempo habe.

@Cailyn: Genau das müsste ich mal wieder machen. Ich habe es früher oft gemacht. Heute ist es schwerer, sich bewusst die Zeit zu nehmen und auch nicht ablenken zu lassen. Fürchte, das muss ich wieder etwas lernen.  :omn:
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Grey am 13. August 2013, 11:37:05
Ich denke immer, wenn du mal ein so guter Schriftsteller sein willst wie die, die heute davon leben, dann musst du immer können. Dann musst du schnell und auf Knopfdruck können - ich vergesse da manchmal, dass ich einfach mein Tempo habe.

Was das betrifft: Diesen Druck musst du dir wirklich nicht machen! :o Auch als Berufsschriftsteller hat man immer Phasen, in denen man einfach nicht kann, und dann kann man auch nicht. Dafür gibt es andere Phasen, in denen es toll läuft und mit denen man die Hungerstrecken wieder ausgleicht. Klar muss man eine gewisse Disziplin haben und darf nicht jeden Anfall von KeinBock als EsGehtGradNicht interpretieren, bloß um eine Ausrede zum xBox zocken zu haben. ;) Aber mach dir bitte keinen Stress, den du von Berufs wegen nur in den seltensten Fällen (oder bei viel zu guter Auftragslage) haben würdest. Und lass dir davon vor allem nicht die Freude am Schreiben vermiesen. :knuddel:
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: moonjunkie am 13. August 2013, 12:22:40
@ Tinnue: ich würde mir über die Dialoge und Kapitelreihenfolge auch erst bei der Überarbeitung Gedanken machen. Erstmal weiterschreiben, wenn nötig einen Platzhalter setzen, wenn der Dialog noch gar nicht funktionieren will. Vielleicht hilft das ja? Und ich denke auch, dass Grey da absolut Recht hat, wenn man so Phasen hat, wo es gar nicht läuft - dann ist das eben so und man sollte sich keinen Druck machen.

Manchmal hilft auch einfach etwas anderes zu schreiben, sei es ein anderes Projekt oder eine Kurzgeschichte zwischendurch. Die erste Version ist wohl so gut wie bei keinem perfekt und muss sie auch nicht sein, dafür gibt es die Überarbeitung ja später und mit etwas Abstand fällt dir das sicher viel leichter einzuordnen, was wo besser hinpassen würde und welcher Dialog noch verändert werden muss. Und wenn du absolut sofort wissen willst, wie die Dialoge sind, dann kannst du sicher einen Betaleser finden, der da mal drüber guckt. Wobei das meiste vermutlich nur im Gesamtzusammenhang geht. Aber das ist bei der Überarbeitung jedenfalls eine riesige Hilfe, ein frisches paar Augen sieht manchmal die Dinge viel klarer. Drücke dir die Daumen, dass es bald wieder besser geht!
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: HauntingWitch am 13. August 2013, 12:50:08
Danke, @serenade. Ich glaube, ich steh mir wirklich eher selbst im Weg als dass es nur am Handwerk liegt. Ich bin so ein Mensch, wenn ich will, dann will ich. Dann bin ich manchmal wieder wie 15, bockig. Dann hat es jetzt und nur jetzt zu gehen. Pause? Akku aufladen? Schwer.

Hm, das kommt mir doch irgendwie bekannt vor... ;) Aber gerade in diesen Momenten mache ich mir erst recht keine Gedanken mehr über das Wie, was geht und ob das Produzierte dann auch gut ist. Dann schreibe ich einfach nur, drauflos und was gerade raus muss und wie es gerade kommt. Meine Devise ist immer: Zuerst Inhalt. Genau dafür gibt es doch die Möglichkeit der Überarbeitung. Da kannst du immer noch streichen oder sprachliche Verbesserungen anbringen. Abgesehen davon sind diese einfach mal so frei rausgeschriebenen Sachen bei mir meistens die besten. Versuche, dich nicht verrückt zu machen und solche Zustände auch zu geniessen.
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Tinnue am 13. August 2013, 12:53:53
@Grey: Danke. Du hast ja recht, und so höre ich es auch immer wieder. Ich könnte mich dann auch nicht hinsetzen und - in meinem Fall - Nintendo zocken. Ich würde nur irgendwo sitzen und schmollen. Aber so oder so ist das einfach falsch und vergeudete Zeit.

Ich denke im Moment einfach auch viel an die Zukunft; Wir haben immer gesagt mit 28 rum möchten wir mit der Familienplanung anfangen - spätestens. Ich hab also noch 2 Jahre so zum Schreiben. Vor dem, was danach kommt habe ich ehrlich gesagt Angst. Zumindest mit einem ganz kleinen Kind ist Schreiben wahrscheinlich erstmal hinten angestellt (was ich auch durchaus verstehe, ich will keine "halbe" Mutter sein). Außerdem unterstützt mich mein Mann sehr, indem er einverstanden ist damit, dass ich Einiges weniger verdiene als selbstständige Texterin als er es eben tut. Er iost Projektmanager. Ich denke immer, ich muss mich ein bisschen ranhalten mit einem Roman-Schreib"erfolg", da ich es ihm und der Familie irgendwie auch schuldig bin.
Ein Teufelskreis eben.

Ich nehme mir deine Worte und Moonjunkies Tipps mti Weiterschreiben und Platzhaltern zu Herzen und werde einfach mal sehen, ob ich mit der Zeit wieder reinkomme.  :knuddel:
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Churke am 13. August 2013, 13:20:11
Ich denke immer, wenn du mal ein so guter Schriftsteller sein willst wie die, die heute davon leben, dann musst du immer können.
Ich glaube, der einzige Beruf, bei dem das Immer-können ein Qualifikationsmerkal ist, ist der des (männlichen) Pornodarstellers.

Etwas routiniert herunter schreiben zu können, heißt nicht automatisch, ein guter Schriftsteller zu sein. Unsicherheit beruht oftmals (ich möchte fast sogar sagen meistens) auf einem Mangel an Erfahrung. Der führt dazu, dass man nicht weiß, ob etwas funktioniert oder nicht. Ich probiere das dann einfach aus, lasse es liegen und lese dann darüber. Wenn ich dann (immer noch) ein komisches Gefühl habe, dann weiß ich, dass ich was ändern muss. Ich bastel manchmal tagelang an einzelnen Szenen herum, bis ich endlich dahinter gekommen bin, wo es hakt. Wobei ich es mir zur Grundregel gemacht habe, nichts erzwingen zu wollen.
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Tinnue am 13. August 2013, 13:29:46
Du hast das passend und humorvoll auf den Punkt gebracht.  ;D

Das mit dem "komischen Gefühl" kenne ich. Das ist dann wirklich so eine Art Bauchgefühl, das mir sagt, dass irgendwas noch nicht ganz stimmt.
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Stahlkarnickel am 13. August 2013, 16:13:11
@ Churke
Zitat
Unsicherheit beruht oftmals (ich möchte fast sogar sagen meistens) auf einem Mangel an Erfahrung.

Genau so ist es. Als 'Frischling' suchen mich die Zweifel ziemlich häufig heim. In Kombination mit kleinlichem Perfektionismus kann das ziemlich nerven. Immer wenn ich so einen Anfall von Zweifeln bekomme, wenn plötzlich alles Mist ist, zwinge ich mich deswegen einfach etwas zu machen. Schreiben, Charaktere erstellen, meine Welt gestalten, irgendwas. Das ganze lass ich dann einige Zeit liegen und sehe es mir noch einmal an. Wenn nur ein Satz, eine Landschaft, ein Charakter nicht in der Mülltonne landet, dann hat es sich gelohnt. Wenn wirklich garnichts gut ist, habe ich eben einen neuen Weg gefunden, wie man es nicht macht!
Jeder Fehlschlag ist eben eine Erfahrung.
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Brigadoona am 13. August 2013, 18:00:10
Auch mich suchen zur Zeit - was heißt zur Zeit? - große Zweifel heim. Zweifel, was die Schreiberei im Allgemeinen betrifft.  Die Zweifel sind so stark, dass ich nun seit ca. 3 oder 4 Monaten gar nicht mehr schreibe. Bewusst nicht mehr schreibe und mich zwinge die Ideen, die mir im Kopf herumschwirren, nicht einmal zu notieren. Es ist diese Sinnlosigkeit des Ganzen.
Ja, ich habe bereits im Kleinverlag veröffentlicht. Aber bringt mich das auch nur einen Schritt weiter? - Nein. Ich bin frustrierter als irgendwann zuvor. Ich bin in den Bücherläden "betteln" gegangen und bei der örtlichen Presse. Die Bücherläden waren freundlich, die Presse weniger. Ich habe versucht, meine Werbeideen in die Tat umzusetzen. Hat es mich weitergebracht? - Nein. Ich habe auf Rezensionen gehofft. Haben deswegen mehr Leser meinen Roman gelesen? - Nein.  Hat mir mein Buch beim Sprung zu einem größeren Verlag weitergeholfen? - Nein. Ich besitze nun zwei oder drei weitere "verbrannte" Manuskripte. Träume, die man ablegen kann.
Warum sollte ich also weiterschreiben? Weil es mir Freude bereitet? - Wieder nein. Ich habe auch Familie. Eine Familie, die viele Stunden ertragen hat, dass ich doch beträchtlich viel Zeit dem Schreiben gewidmet habe.
Hoffe ich immer noch? - Das erste Ja. Vielleicht wird diese Hoffnung irgendwann einmal wieder den Zweifel oder den Frust überwiegen. Im Moment nicht. Und es ist gar nicht so einfach, all die Ideen, die man im Kopf hat, auszublenden.
Ein "Danke schön" an jeden, der sich nun den ganzen Text durchgelesen hat. Ich will auch niemanden mit diesen Zeilen hinunterziehen. Es ist ein wunderschönes Gefühl, sein erstes Buch in den Händen zu halten. Und es muss auch nicht jedem so gehen wie mir. Es muss nicht jeder sein Ziel so hoch/zu hoch stecken.
Vielleicht wollte ich einfach einmal meinen zurückgehaltenen Frust abladen. Und vielleicht kann mich der ein oder andere verstehen? Und vielleicht kennt auch der ein oder andere diese Situation.
LG Brigadoona
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Junipera am 13. August 2013, 18:52:03
Zitat
Die Zweifel sind so stark, dass ich nun seit ca. 3 oder 4 Monaten gar nicht mehr schreibe. Bewusst nicht mehr schreibe und mich zwinge die Ideen, die mir im Kopf herumschwirren, nicht einmal zu notieren.

Hallo Brigadoona!

Das klingt nach mir...... auch ich schreibe schon seit ein paar Monaten nichts mehr.
Bei mir liegt es daran dass ich alles was ich schreibe einfach langweilig und nicht gut finde. Alles klingt so banal und zu einfach in meinen Augen/Ohren.
Seit drei Tagen habe ich mir darüber Gedanken gemacht was ich tun soll. Das schreiben aufgeben? Mir ein neues Hobby suchen?
Meine Antwort war NEIN.

Sei stolz dass Du schon etwas Veröffentlicht hast, auch wenn der gewünschte Erfolg ausgeblieben ist, denn viele schaffen ja nicht mal das! Du hast gezeigt das Du es schaffst ein Projekt zu beenden. Wie viele kommen nicht mal über die Rohfassung hinaus?
Du brauchst ein neues Projekt, dann vielleicht ein anderen Verlag oder eine Agentur und weiter gehts mit dem nächsten Buch.....es gibt so viele Autoren, deren Erstling war auch kein Erfolg.
Klar kostet schreiben Zeit, Familienzeit, Freundezeit........ aber auch die haben Ihre Hobbys oder? Da muss man versuchen einen Mittelweg zu finden, so dass man auch kein schlechtes Gewissen hat.
Wenn Du im Moment einfach nicht schreiben willst, so finde ich das ok. Nimm dir Zeit für Familie und Freunde, aber notiere dir wenigstens deine Einfälle und Ideen und blende Sie nicht einfach aus. Und wenn dann die Schreiblust an deine Tür klopft, dann gib ihr nach. Vielleicht hilft es dir wenn du dir darüber Gedanken machst was schreiben für dich bedeutet ohne dabei Erfolge sehen zu müssen.
Gebe nicht auf nur weil die andere Veröffentlichung nicht so gelaufen ist wie du es erhofft hast.

Ich wünsche dir alles gute.

Liebe Grüße Juni
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: canis lupus niger am 13. August 2013, 19:52:52
Nicht jeder, "der heute davon lebt", ist ein guter Schriftsteller. Nicht jedes in einem Großverlag veröffentlichte Buch ist von hoher Qualität. Ohne Euch schmeicheln zu wollen, hier habe ich manches gelesen, was mir besser gefällt, als in der aktuellen Massenware!

 
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Cairiel am 13. August 2013, 20:27:18
Ohne Euch schmeicheln zu wollen, hier habe ich manches gelesen, was mir besser gefällt, als in der aktuellen Massenware!
Das unterstreiche ich ganz dick doppelt und dreifach!
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Alaun am 13. August 2013, 20:32:17
*seufz* Aber ist die Tatsache, dass sich hier (und nicht nur hier!) so viele tolle Talente und gute Texte finden, und dennoch der Markt gesättigt ist mit überwiegend eintönigem Einheitsbladiblubber, nicht doppelt frustrierend?

Ich bin im Moment nicht entmutigt, ich zweifle auch nicht, aber ich habe mich heute zum Beispiel auch mal wieder geärgert. Ich war guter Dinge und immer, wenn ich guter Dinge bin und eine Buchhandlung in unmittelbarer Nähe ist, traue ich mich und gehe rein, um mein Buch unter die Buchhändler zu bringen. Ich bin inzwischen drauf eingestellt, dass nicht jeder Hurra schreit. Das erwartet man ja auch nicht bei der Flut an Literatur, die ständig neu auf den Markt kommt. Aber heute traf ich auf den mit Abstand überheblichsten Buchhändler, der mir in meinem ganzen Leben begegnet ist. Was für ein arroganter Vollpfosten ... Ich will das hier nicht näher ausführen, aber ich hätte ihn vierteilen können - mindestens.

Da frage ich mich, wieso sich immer alle beschweren, dass in den Buchhandlungen nur noch die immer gleiche Soße zu finden ist - anscheinend WILL ja fast niemand mehr ein Risiko eingehen und auch bisher unbekannte Autoren ins Programm nehmen. Glücklicherweise gibts auch einige Buchhandlungen, die anders reagiert haben, aber trotzdem ist es nervtötend ... ::)
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Zit am 13. August 2013, 20:58:28
Wie heute im Film Persepolis (http://de.wikipedia.org/wiki/Persepolis_%28Film%29) gelernt: Die Menschen verletzen einen aus purer Dummheit. ;D Tröste dich, das war vll. kein ausgebildeter Buchhändler, sondern einer, der froh ist, seine Software vom Großhändler zu haben, die ihm schön nicht nur die bestverkauften Bücher anzeigt, sondern auch fertige Buchpakete zur Bestellung bereit hält. Besser sogar: Man kann sich auch Services kaufen, die einen die gesamte Sortimentspflege abnehmen. Da kommt dann in regelmäßigen Abständen jemand und bestückt deine Regale...*

*Wobei, was ein echtes Unikum ist, das bringt sich auch ohne Kenntnisse und mit viel Ego selbst durch und braucht sowas nicht. Gibts auch.

Nicht ärgern lassen. Der hats nicht besser verdient. Entgeht ihm eben Kohle, die ihm dann zum Erhalt fehlt. ;)
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Brigadoona am 13. August 2013, 21:11:18
@ Juni
Danke dir. Ich wollte nicht wie der vollendete Jammerlappen klingen. Meine Verlegerin ist echt toll und ich freue mich auch, dass sie noch eine Geschichte von mir herausbringen wird. Nur hatte ich vor, irgendwann ein paar Groschen zu unserem Lebensunterhalt beizutragen und das ist nun einmal leider kaum möglich.

@ Aquamarin
Bei mir war die Reaktion der Presse wohl mit der liebenswürdigen Art deines Buchhändlers zu vergleichen. Unsere Stadt läuft angeblich vor Autoren über, die ihre veröffentlichen Werke in unserem Tageblättchen erwähnt haben möchten. Beinahe tägliche Anfragen lassen wohl darauf schließen...

So langsam nehme ich an, dass bestimmt einige Schreiber nach ihrem ersten "Erfolg" trotzdem aufgegeben haben.
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Cailyn am 14. August 2013, 09:12:48
Ich denke im Moment einfach auch viel an die Zukunft; Wir haben immer gesagt mit 28 rum möchten wir mit der Familienplanung anfangen - spätestens. Ich hab also noch 2 Jahre so zum Schreiben. Vor dem, was danach kommt habe ich ehrlich gesagt Angst. Zumindest mit einem ganz kleinen Kind ist Schreiben wahrscheinlich erstmal hinten angestellt (was ich auch durchaus verstehe, ich will keine "halbe" Mutter sein).
Ich denke, das ist bei jeder Frau total verschieden. Ich konnte während der Schwangerschaft und auch während der Stillzeit keinen klaren Gedanken mehr fassen. Ich war irgendwie fast dumm und am weltlichen Geschehen desinteressiert geworden. Aber dann kam die Lust auf das Schreiben enorm heftig zurück, und als ich mich wieder an mein Buch gesetzt habe, sprudelte es nur so aus mir heraus. Das aufs Schreiben bezogen Verpasste habe ich aufgeholt, und auch wenn es jetzt mit Kleinkind viel schwieriger ist, sich Zeit zu nehmen, schafft man es irgendwie dennoch, denn der Drang zu Schreiben ist ja meistens intensiver als der, einmal die Woche ins Kino zu gehen. Lass dich also nicht zum Vornherein in das Bild der jahrelang umsorgenden Mutter drängen, die sich zu 100% nur noch um ein Kleinkind kümmert, denn du wirst, auch wenn du eine tolle und umsorgende Mutter wirst, auch noch Zeit finden zum Schreiben.
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Steffi am 17. August 2013, 18:15:41
Ich will endlich wieder ein Buch schreiben, aber alle meine Projekte erscheinen mir so...blah. Nicht reizvoll genug aber ich frage mich, ob ich nach so langer Abstinenz nicht auch einfach Angst davor habe, wieder einzusteigen. Angst davor, es nicht hinzukriegen, vor dem Frust, vor der Feststellung, dass ich mal wieder am Plot scheitere oder einfach nicht schreiben kann. Oder vielleicht mag ich bloß nichts altes verwerten, aber was neues fällt mir auch nicht ein. Mein Gehirn, scheint es, weigert sich vehement, sich etwas neues auszudenken. Vielleicht blockieren die Zweifel mich.

Laut Hutorakel (ziehe so lange Projekte aus einem Hut bis das richtige dabei ist), hätte ich mich jetzt an Thimble House setzen müssen. Ein Angstprojekt von mir, aber man hätte es ja angehen können. Also hab ich zur Eigenmotivation einen Thread im Romanboard erreichtet...und es kam keine einzige Rückmeldung. Die Idee scheint niemanden geflasht zu haben, was völlig in Ordnung ist, aber pling--schon sind die Selbstzweifel wieder da. Hab also das Projekt verschoben, Thread gelöscht und suhle mich momentan in Selbstmitleid. Hilft nicht, dass andere zeitgleich grandiose Romane vorstellen. Oder dass ich grade Aquamarins neustes Werk testlesen durfte und gütiger Gott, kann die Schreiben...

Für den NaNo seh ich jetzt schon schwarz. Arrrrrgh Manno, ich will doch nur mal wieder mit Elan und etwas Verliebtheit an ein Buch gehen!
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Hanna am 17. August 2013, 18:31:15
Wie lange stand denn dein Thread im Romanboard? Gerade bei dem Wetter am Wochenende ist wenig im Zirkel los und manchmal dauert es etwas, bis sich Leute ins Romanboard verirren. Ich würde mich davon nicht demotivieren lassen.

Ich kann deine Zweifel verstehen. Ich habe sie selbst oft genug. Vielleicht erwartest du auch einfach zu viel von dir? Erst mal wieder schreiben. Es muss nicht gleich ein Meisterwerk sein. Und du darfst scheitern und Fehler machen. Das ist okay. Wir meißeln unsere Worte nicht in Stein. Wir tippen am PC und alles kann gelöscht und neu geschrieben werden. Nichts ist endgültig. Es gibt keinen Grund, Angst zu haben.
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Malinche am 17. August 2013, 18:38:45
Hab also das Projekt verschoben, Thread gelöscht und suhle mich momentan in Selbstmitleid.

Ich wollte dich ja eigentlich knuddeln, aber für das Threadlöschen gibt es gerade nur eine Reaktion:  :pfanne: Der stand noch auf meiner Leseliste, du Nuss!

Und da ich jetzt gepfannt habe:  :knuddel:

Hanna hat recht. Und ich kenne diese Zweifel und Ängste auch gut genug. Ich kenne kein Patentrezept, wie man sie wegbekommt. Wichtig ist, dass du dich von ihnen nicht blockieren lässt. Oder irgendwelche Messlatten rauskramst, wenn du etwas von anderen liest (ja, ich weiß, was Aquamarin mit Sprache anstellt, ist einfach atemberaubend  :wolke:). Aber ich erinnere mich an die Schnipsel deiner Krüppel, und ich mochte die und deinen Stil immer gern. Du musst dich weder verstecken noch vor irgendetwas Angst haben. Und darf ich dich daran erinnern, was du gerade mit BLITZ erlebst? :) Das würde sich nicht so entwickeln, wenn du nicht schreiben könntest, Süße. Aber du kannst es, du hast es gekonnt und du wirst es auch weiterhin können.

Und nun, husch. Ich will deinen Roman-Thread endlich in Ruhe lesen. Also hol ihn aus dem Hut. :P
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Grey am 17. August 2013, 18:43:45
Oh, da möchte ich mich Hanna und Malinche voll und ganz anschließen. Ich habe den Thread heute zum Beispiel überhaupt nicht zu Gesicht bekommen. Vielleicht ist er mir nicht aufgefallen, weil ich immer nur ganz schnell einmal alles überflogen habe, es ansonsten aber nicht so lang am PC ausgehalten habe.

Darauf zu gucken, wie andere schreiben und sie dafür zu bewundern, hilft dir nur insofern weiter, als dass du scheinbar ein Gespür dafür hast, wie es sein sollte. Dass du das nicht auf Anhieb hinbekommst, so aus der Übung, wie du bist, ist doch aber klar. Ich bin seit einem knappen Dreivierteljahr nicht mehr beim Ju Jutsu Training gewesen und kann jetzt auch nicht mehr bis auf meine eigene Kopfhöhe kicken, sondern nur noch knapp bis zur Schulter. Theoretisch weiß ich aber wie es geht, und würde ich wieder trainieren, käme das auch ganz schnell wieder. Aber davon, dass ich auf dem Sofa sitze und denke, ich würd gern mal wieder, aber ich kann es ja eh nicht mehr, wird es natürlich nicht besser.
Also los! Geh es an, nimm hin dass es anfangs vielleicht etwas holprig läuft, und vertrau auf dich. Du kannst doch schreiben. Du bist bloß aus dem Training, weiter nichts. :knuddel:
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Alana am 17. August 2013, 19:09:04
Geht es um Thimble House, Steffi? Ich hab den Thread gelesen, und ja, ich hätte was dazu schreiben sollen, denn ich fand die Idee wirklich gut. Viele tolle Charaktere, eine gute Story, aber so dermaßen umfangreich, dass ich nicht so recht wusste, was ich antworten soll. Einzig die Idee mit der Handschuhgabe war mir etwas zu abgedreht ;D und ich hätte die andere Variante bevorzugt, aber das ist ja Geschmackssache. Den Rest fand ich wirklich gut und stimmungsvoll. Also stell den Thread mal schnell wieder ein, damit die anderen ihn auch noch lesen können!

Achja: Auf mein Betagesuch für Verflucht hat sich damals nach, wie es mir vorkam, ewig langer Zeit gerade mal eine (sehr tüchtige und liebe) Betaleserin gemeldet. Trotzdem erscheint die Trilogie jetzt demnächst. Ich war damals auch sehr deprimiert, dass sich so lange keiner gemeldet hat, aber das sagt absolut gar nichts über deine Schreibfähigkeiten oder die Aussichten des Projektes aus.  :knuddel:
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Aphelion am 17. August 2013, 19:09:58
Hallo Steffi,

In erster Linie sollte die Geschichte für dich interessant sein. Also zwei Bedingungen: Interessant. Und: für dich.

Zu diesem Projekt hast du jetzt die Befürchtung geäußert, es könnte andere nicht interessieren und es sei angstbesetzt. Das sehe ich als etwas vollkommen anderes an.

Selbst wenn (!) die Idee niemanden interessieren würde, außer dir - das heißt noch lange nicht, dass die Geschichte, die daraus mal entsteht, niemanden interessiert. Aber diese Geschichte will erst einmal geschrieben werden - und da liegt eher dein Problem, wie es klingt?

Wenn die Idee für dich interessant genug ist: Schreib daraus eine Geschichte.

Warum das Projekt angstbesetzt ist, weiß ich natürlich nicht. Ist es auch der Zweifel daran, dass die Idee nicht genug Interesse bei anderen wecken könnte? Dann: siehe oben. :) Oder liegt es daran, dass die Geschichte zu schreiben eine hohe Hürde ist, weil die Geschichte z.B. zu komplex ist? Daran kann man arbeiten.

Aber man muss anfangen zu arbeiten. Und eigentlich willst du genau das doch tun, oder? Es anpacken. Sonst hättest du vermutlich nicht hier gepostet. :) Wenn du selbst begeistert sein kannst, kannst du auch andere begeistern.
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Fianna am 17. August 2013, 19:53:41
Ich versuche mir anzugewöhnen, jeden Tag zu schreiben.
Vorbild: mein Freund, Ausbeute am Wochenende ca 1.000 Wörter pro Tag (umgerechnet, er schreibt nicht täglich).

Normalerweise mache ich das schubweise an freien oder kürzeren Tagen, aber wenn ich zu lange nicht schreibe, schleiche ich um den Laptop drum rum.
Erste Versuche haben sehr gut geklappt (für sehr lange Arbeitstage hab ich 500 Wörter angesetzt - durchschnittlich - ich "darf" sie auch an einem anderen Tag schreiben), nur wenn das nicht hinhaut, drücke ich mich wieder :(

Mein Freund schreibt wohl schlechtere Erstversionen, jedenfalls reagiert er immer sehr ungnädig, wenn ich von Projektzweifeln rede und hält mir vor, dass die gelesenen Kapitel  so toll gewesen wären... Hilft irgendwie nicht.

Eigentlich ganz gut, dass mein Netzwerkadapter am Laptop jetzt kaputt ist und grad das Geld für den neuen fehlt - dann muss ich eben damit schreiben und sonst nix :D

Und ich erzähle euch das grad alles, damit ich einen Erfolgsdruck habe, wieder zu schreiben und bis Montag viel schaffe :D
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Arcor am 17. August 2013, 19:54:36
Ich hänge mich jetzt einfach mal an Steffis Zweifel an, wenn ich darf. Bei mir hat der gerade nicht angeklopft, sondern die Tür einfach eingerannt. :seufz:

Seit mehr als einem Monat versuche ich irgendwie, mein humoriges Seefahrer-Schurken-Projekt zu überarbeiten, was ich im letzten Frühjahr geschrieben habe. Prinzipiell gefällt mir gut, was ich da stehen habe. Vieles ist ganz gelungen, hier und da ist noch was zu verbessern, aber das wäre ok.
Das Problem besteht darin, dass die Hälfte des Plots auf Logikfehlern beruht. Ich weiß, wo die liegen, und bemühe mich verzweifelt, sie auszumerzen. Aber es will einfach nicht gelingen.  :wums: Ich plane um und je mehr ich damit ringe, umso mehr neue Lücken tun sich auf. Mir kommt es vor, als ob das alles auf Sand gebaut ist und sobald ich ihn an der einen Seite festklopfe, fängt es an der anderen Seite an zu rieseln.

Besonders aufgefallen ist mir das bei der Inhaltsangabe. Ich habe aufgehört zu zählen, seit wie vielen Tagen ich versuche, einen Text für einen Thread im Roman-Board zusammenzuzimmern. Es ist einfach nicht schlüssig.  :brüll: Das passt vorne und hinten nicht zusammen und wirkt nur fade. Von daher kann ich deine Reaktion super verstehen, Steffi. Vermutlich würde es mir momentan ähnlich gehen, darum lass ich es lieber gleich. Mein Gehirn ist wie vernagelt und die paar Wörter, die ich neu geschrieben habe, sind fad und versprühen nicht das, was ich beim ersten Schreiben gefühlt habe.

Vielleicht bin ich nur zu verbohrt und verliebt in all das, was ich wegschmeißen müsste, damit es funktioniert. Vielleicht ist die ganze Geschichte aber auch einfach inhaltlich Murks und das einzig Passable sind die Charaktere, die gut zusammen funktionieren. Dass der zweite Band sich schon mit Macht aufdrängt und im NaNo geschrieben werden möchte, macht das ganze auch nicht einfacher oder angenehmer. Wenn ich schon den ersten nicht hinkriege, was soll dann erst mit dem zweiten werden, der eigentlich komplexer sein soll?  :d'oh:

In jedem Fall habe ich momentan die Schnauze ziemlich restlos voll. Von mir, von dem blöden widerspenstigen Plot und meinem momentanen Unvermögen, das ganze mal vernünftigt hinzukriegen.  :versteck:
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Steffi am 17. August 2013, 19:59:24
Ich gebs zu...sohoooo ewig lange war der Thread nicht im Board, aber er hatte durchaus einige Aufrufe und da niemand drauf geantwortet hat bin ich davon ausgegangen, dass die Idee nicht gut ankam. Zumal es sich ja eh um das Projekt handelt, das schon ewig Kinderkrankheiten hat. Und dann hat Malinche ihren Roman gepostet und das klang sohoooo toll und dann hab ich Panik gekriegt und meinen Thread gelöscht. In einer Kurzschlussreaktion. Ahem.  ;D

Den ganzen langen Thread nochmal posten? Hmmmmm :-) Den hatte ich natürlich nicht gespeichert. Also soll ich es doch mit dem Buch wagen?

@Malinche: die Krüppel nochmal komplett zu überarbeiten steht auch noch auf der Liste. Aber das wird so viel Arbeit  :d'oh:

@Grey: Du hast ja Recht. Ich merks ja auch immer, wenn ich ne zeitlang nicht Gitarre geübt habe. Immer dranbleiben *seufz*

@Alana: ja, Thimble House. Und das mit dem Handschuh kam mir auch selber irgendwie seltsam vor.


@Aphelion: Die Idee ist angstbesetzt, weil ich zwölf Monate an dem Plot gewerkelt habe und damit auf keinen grünen Zweig kam.  Das ist jetzt...Anlauf Nummer fünf oder sechs oder so. Daher hab ich vor dem Buch ein bisschen Bammel.



@Arcor: hast du vielleicht schon mal überlegt, den Plot von ein oder zwei Leuten aus dem TZ prüfen und abklopfen zu lassen? Vielleicht würde dir einfach ein bisschen Brainstorming, wie du dein Buch "handfester" machen kannst, gut tun? Ich kenne diese doofen Projekte, die vor Plotlöchern so strotzen und es ist einfach sch... , wenn man das selber weiß. Aber ein frisches Paar Augen könnte vielleicht helfen? Denn Seefahrer klingt doch grundsätzlich gut  :vibes:
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Erdbeere am 17. August 2013, 20:24:48
Steffi, lass dich mal knuddeln. :knuddel:

So. Ich kann dir ehrlich sagen, auch, weil ich deine Schreibe kenne, dass ich sehr mag, wie du schreibst. Nämlich toll. Großartig. Hör nicht auf, bevor du überhaupt angefangen hast. Ich weiß sehr gut, wie sich diese Angst und die Zweifel anfühlen, doch sie halten mich nicht auf, das zu schreiben, was ich schreiben will (sei es auch noch so bescheuert).

Weißt du was, wir beide machen eine Plotgruppe auf. Ich brauche nämlich für mein nächstes Projekt unbedingt eine, denn ich habe Angst, diese schöne, tolle Idee, die ich hab, zu verbocken. Da packst du Thimble House hin und wir arbeiten zusammen am Plot, damit er richtig großartig wird. Na? :vibes:
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Steffi am 17. August 2013, 20:48:06
@Erdbeere: Danke. Das ist so lieb von dir  :knuddel:

Und: ich bin sofort dabei. ich überlege eh schon seit Wochen, bei einer Plotgruppe anzuklopfen. Machen wir es uns eben selbst  ;D
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Erdbeere am 17. August 2013, 21:42:06
Aye, aye, Captain! :vibes: :knuddel: Und wie ich sehe, hast du den Roman-Thread wieder eingepflanzt. Gut, den werde ich gleich morgen früh durchlesen.
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Steffi am 17. August 2013, 23:12:04
Dann harre ich mal der Dinge, die da kommen mögen  ;D
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Cailyn am 20. August 2013, 09:37:58
Steffi,
Ich kenne dich ja nicht, aber es klingt schon so, als hättest du ein Angstthema zu lösen. Verhaltsnstherapeutisch ( ;)) heisst das ganz klar: Ran an den Tisch und rein in die Tasten! Es führt kein anderer Weg dran vorbei. Und je länger du wartest, desto schwieriger wird es doch. Du müsstest halt herausfinden, ob deine Angst was mit deinem Schreiben an sich zu tun hat oder ob die noch nicht zu Ende gebrachten Manuskripte nicht mehr die richtigen für dich sind.

Arcor,
Bist du sicher, dass es nur fade ist? Ist natürlich schwer zu beurteilen, wenn man es nicht gelesen hat. Aber häufig hat man einfach zu wenig Distanz dazu. Pick doch einmal eine Stelle heraus, die du fade findest, setz dich hin und brüte lange darüber, wie es denn sein müsste, damit es nicht mehr fade ist. Oft macht man einfach den Fehler, dass man Seite um Seite liest und überall denkt: Ach, hier und dort und da ist alles nicht so, wie ich es möchte. Und es erscheint einem zu mächtig, als dass man etwas daran ändern könnte. Aber wenn du - wie bei einem Hologramm - nur einen kleinen Abschnitt rauspickst und den von A bis Z analysierst, siehst du vielleicht wieder ganz klar. Oder aber du nimmst ganz Abstand und machst mal eine Weile was völlig anderes.
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Zit am 20. August 2013, 11:29:20
@Arcor

Ohhh, Plotten. :vibes: Weißt du, fürs Romaneboard muss dein Text doch nicht perfekt sein. Wichtig ist, dass du das Gefühl deiner Geschichte einfängst und präsentierst. Für alles andere werden sich schon Kritiker finden.
Schreib doch mal den ganzen Plot haarklein auf und wenn du weißt, wo es hakt, dann häng gleich die Liste ran. Erstens hast du dann eine schöne Übersicht für dich, wo du abhaken kannst, was du bereits verändert hast und was nicht -- und zweitens würde ich du zu gern sehen und Zimmermann spielen. *Säge zückt*
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Arcor am 23. August 2013, 15:33:51
@Zit: Danke für das Angebot, den Zimmermann zu spielen.  :) Ich komme ziemlich sicher darauf zurück, aber im Moment ist mein Hirn einfach dicht. Der Plot in sich funktioniert, sitzt aber leider auf einem unlogischen Gerüst. Somit zieht jede (notwendige) Änderung zwangsweise einen Haufen weiterer Änderungen nach sich, damit es wieder stimmt, und da steig ich im Moment nicht durch und dazu fehlt mir gerade auch ehrlich gesagt der Nerv.

Ich werde glaube ich erstmal Cailyns Rat beherzigen und etwas Abstand gewinnen. Vielleicht seh ich ja irgendwann mal klarer.  ::)
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Feuertraum am 26. August 2013, 16:54:48
Momentan klopft der Zweifel auch bei mir an die Tür. Wobei "klopfen" ist dafür ein viel zu schwaches Verb. Momentan hämmert er mit voller Wucht, ja, ich möchte sogar fast beinahe sagen, dass der Zweifel gerade ein Rammbock ist, der gegen mein (ohnehin schwach ausgeprägtes) Selbstvertrauen drischt.
Nachdem ich einige Posts zum Thread "Leseverhalten der Tintenzirkler" gelesen habe und damit auch, was für sie in einer Geschichte, einem Roman, wichtig ist, hüpft in mir fröhlich der Gedanke durch meinen Kopf, dass ich diesen Ansprüchen nie wirklich gerecht werden kann.
Hatte ich vor einiger Zeit noch geglaubt, dass ich so untalentiert nicht bin, glaube ich gerade eher, dass ich doch eher talentfrei bin  :-[ :-\
Und momentan wirkt für mich jedes Wort, jeder Satz, den ich aufs Papier banne, inhaltslos und leer und nichtssagend.
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Smaragd am 26. August 2013, 17:08:59
Feuertraum :knuddel: Falls es Sie tröstet - ich lese und liebe viele Bücher, von denen ich weiß, dass ich sowas nicht schreiben kann! Schreiben und lesen sind einfach zwei unterschiedliche Paar Schuhe. Seither ist mein einziger Anspruch beim Schreiben, dass ich Spaß daran haben will (das zieht zwar einen Rattenschwanz nach sich, aber :hand: ). Keiner erwartet von Ihnen, dass Sie das Rad neu erfinden, der Menschheit große Weisheiten vermitteln oder gar die Antwort auf die Frage aller Fragen liefern, die Frage nach dem Sinn des Lebens, der Welt und überhaupt allem! Sie haben doch großartige Charaktere und wunderbar skurrile Einfälle. Warum sollte sowas inhaltslos oder nichtssagend sein? :knuddel:
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: HauntingWitch am 27. August 2013, 08:17:52
Ach, Feuertraum, das Gefühl kennen wir glaube ich alle.  :knuddel:  :knuddel: Vielleicht würde es Ihnen helfen, wenn sie versuchten, (statt zu denken: dem kann ich sowieso nicht gerecht werden), zu schauen, wie Sie es machen könnten? Gerade solche gesammelten Aussagen finde ich immer gut, weil man da auch viele Merkpunkte für die eigene Arbeit herausziehen kann. Ausserdem: Man nimmt sich selbst immer als untalentierter und schlechter war, als die anderen. Und andere finden es dann doch ganz gut. ;)
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Nirahil am 27. August 2013, 08:24:53
Nachdem ich einige Posts zum Thread "Leseverhalten der Tintenzirkler" gelesen habe und damit auch, was für sie in einer Geschichte, einem Roman, wichtig ist, hüpft in mir fröhlich der Gedanke durch meinen Kopf, dass ich diesen Ansprüchen nie wirklich gerecht werden kann.
Aber die meisten dieser Autoren haben sich doch eigentlich auch nur an vorhandenem bedient.  :psssst: Die Zwerge zum Beispiel - ich liebe diese Reihe, obwohl die Handlung von vielen als vorhersehbar, klischeebeladen und langweilig abgetan wird. Na und? Ich finde es gut geschrieben, ich habe mich dabei gut unterhalten und mich nicht von Klischees erschlagen gefühlt. Heitz hat nichts neu erfunden, was nicht irgendwie so schon existiert, aber das stört mich nicht im Mindesten. Er hatte eine schöne Idee, hat sie gut verpackt und mehr brauche ich als Konsument gar nicht. Und ich bin sicher, Sie können das auch - vielleicht nicht genau so wie er, aber anders. Und vielleicht sogar besser.
Wenn ich Sci-Fi lese, weiß ich - das werde ich im Leben nicht können. Ich könnte noch so viel üben, bei so vielen Handlungssträngen würde ich ständig den Überblick verlieren, könnte das nie so spannend formulieren und würde daran scheitern. Aber: ich habe es bisher nie versucht. Wie also kann ich mir so sicher sein, dass ich es tatsächlich nicht kann? Der Kopf erzählt uns gern, was wir angeblich alles nicht können, aber er ist grundsätzlich negativ subjektiv, wie HauntingWitch das schon auf den Punkt gebracht hat. Schlagen Sie Ihrem Kopf ein Schnippchen, probieren Sie aus, was er Ihnen angeblich nicht zutraut und ich bin sicher, Sie werden auf Ihre Weise etwas wundervolles zaubern.  :knuddel:
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Pestillenzia am 27. August 2013, 14:14:34
Ich kenne diese Gedanken auch nur zu gut, Feuertraum. Wie Haunting Witch schon sagte, es gibt vermutlich keinen Autor, dem es nicht zumindest hin und wieder so geht.
Bei mir ist es so, dass ich genau dann, wenn ich etwas besonders gut machen und "ganz besonders" schreiben will, nur verkrampfte und wirklich schauderliche Sätze/Texte zusammenschustere. Das klingt dann alles so schrecklich bemüht - und ist natürlich Wasser auf die Mühlen des kleinen Männchens, das mir einreden will, dass ich nichts kann.
Ich finde die Ideen anderer immer besser, finde ihre Figuren interessanter und den Schreibstil natürlich auch.

Aber wenn ich dann nach ein paar Monaten manche meiner Texte durchlese (diejenigen, bei denen ich einfach geschrieben habe, ohne mich um besondere Originalität oder sonst etwas zu bemühen), bin ich immer wieder ganz überrascht, was ich zustande bringen kann. Einmal habe ich sogar mit meiner Figur mitgefiebert, obwohl ich genau wusste, wie die Szene ausgeht, und ein anderes Mal sind mir sogar die Tränen übers Gesicht gekullert, weil mich mein eigener Text so berührt hat. Wenn mir das jemand vor einem Jahr gesagt hätte, wäre ich lachend zusammengebrochen.

Die Zwerge zum Beispiel - ich liebe diese Reihe, obwohl die Handlung von vielen als vorhersehbar, klischeebeladen und langweilig abgetan wird. Na und? Ich finde es gut geschrieben, ich habe mich dabei gut unterhalten und mich nicht von Klischees erschlagen gefühlt. Heitz hat nichts neu erfunden, was nicht irgendwie so schon existiert, aber das stört mich nicht im Mindesten. Er hatte eine schöne Idee, hat sie gut verpackt und mehr brauche ich als Konsument gar nicht.

Ich sehe es ähnlich. Eine Idee muss nicht vollkommen neu sein. Ein Autor muss nichts noch nie Dagewesenes erfinden, um mich zu unterhalten. Wenn seine Schreibe mir gefällt und er nicht nur platt abkupfert sondern etwas Eigenes entwickelt, mich in seine Welt zieht - dann bin ich als Leser zufrieden.

Allen Lesern kann man nicht gerecht werden. Das möchte ich zwar auch gern und ich bin immer todtraurig, enttäuscht und zweifle an mir, wenn es mir nicht gelingt. Dabei weiß der Kopf genau, dass ich das gar nicht erreichen kann. Es ist zwar platt, jetzt ein Sprichwort zu bemühen, aber so verkehrt sind die Dinger manchmal gar nicht. "Jedem Menschen recht getan, ist eine Kunst, die niemand kann."
Auch Bestsellerautoren schaffen es nicht, jedem zu gefallen. Wie viele Menschen können "Harry Potter" nicht leiden? Aber wie viele lieben ihn im Gegenzug?
Ich selbst finde Dan Brown zum Davonlaufen. Aber er verkauft Millionen Bücher.

Ich bin sicher, Sie können schreiben, Feuertraum. Schreiben Sie das, was sich für Sie gut und richtig anfühlt, nicht das, was Sie glauben, das andere Leute lesen wollen. Das funktioniert normalerweise nicht. Es muss nicht jeder Satz bedeutungsschwer sein. Sätze dürfen auch einfach nur Vergnügen bereiten.
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Feuertraum am 28. August 2013, 09:01:07
Guten Morgen!

Danke für Ihre aufmunternden Worte (und gleichzeitig eine dicke Entschuldigung, dass ich mich erst jetzt wieder melde; ich bin derzeit etwas computerunlustig).

Ich glaube, das ganze liegt momentan an meiner Gesamtsituation in meinem Leben, aus der ich ausbrechen will. Und das gelingt mir nicht so.  :(

LG und noch einmal ein dickes Dankeschön

Feuertraum
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Cailyn am 28. August 2013, 12:24:08
Feuertraum, wenn ich schon nur deinen Post lese, diese äusserst bildliche Darstellung deines Problems, dann habe ich schon den Beweis, dass du sicherlich nicht talentfrei bist.
Ausbrechen klingt doch schon mal gut. Dämme einreissen, mutig sein, vom 10-Meter in den Pool springen, was wagen (also jetzt nicht dat Ding mit dem 10-Meter ;)). Das setzt doch ungeheuer Energie frei, auch fürs Schreiben.
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: chaosqueen am 01. September 2013, 15:52:46
Momentan klopft der Zweifel auch bei mir an die Tür. Wobei "klopfen" ist dafür ein viel zu schwaches Verb. Momentan hämmert er mit voller Wucht, ja, ich möchte sogar fast beinahe sagen, dass der Zweifel gerade ein Rammbock ist, der gegen mein (ohnehin schwach ausgeprägtes) Selbstvertrauen drischt.
Nachdem ich einige Posts zum Thread "Leseverhalten der Tintenzirkler" gelesen habe und damit auch, was für sie in einer Geschichte, einem Roman, wichtig ist, hüpft in mir fröhlich der Gedanke durch meinen Kopf, dass ich diesen Ansprüchen nie wirklich gerecht werden kann.
Hatte ich vor einiger Zeit noch geglaubt, dass ich so untalentiert nicht bin, glaube ich gerade eher, dass ich doch eher talentfrei bin  :-[ :-\
Und momentan wirkt für mich jedes Wort, jeder Satz, den ich aufs Papier banne, inhaltslos und leer und nichtssagend.

Da haben wir anscheinend zur gleichen Zeit das gleiche Problem, Feuertraum. Und leider hab ich keine Hilfe parat, nur den schwachen Trost, dass Sie damit nicht alleine sind. :knuddel: Wobei ich ja nicht mal meinem eigenen Anspruch gerecht werde ...


Ich habe zaghafte Ideen, Texte in so ziemlich allen Stadien von "erste Seite" bis "Rohfassung fertig", aber sobald ich mich hinsetze und schreiben will, geht nichts. Ich mag meinen eigenen Stil nicht, weil er nicht ansatzweise so ist, wie ich ihn gerne hätte, aber ich habe keine Ahnung, wie ich es ändere. Vielleicht bin ich einfach nicht zum Scheiben geboren?

Wenn ich mir ansehe, was andere Zirkler schreiben, dann bin ich überwältigt. Dieser Einfallsreichtum, die Sprache, diese Bilder! Ich kann das nicht. Ich lese Juli Zeh und sage "wow, das will ich können!", aber obwohl ich Literaturwissenschaft studiert habe (!), bekomme ich es nicht hin, die Essenz ihrer Texte zu extrahieren um herauszufinden, was genau es eigentlich ist, das mich so fesselt. Ja, klar: Sie malt mit zwei, drei Sätzen so präzise Bilder, dass ich beim Lesen einen Film im Kopf ablaufen habe - aber WIE sie das macht, bleibt mir schleierhaft.

Ich kenne eine Million Schreibratgeber und vieles von dem, was darin enthalten ist, halte ich für gut und wichtig, es leuchtet mir ein und zeigt mir, wie man interessante Texte schreibt - aber wie ich das selber umsetze, bleibt rätselhaft. Wenn ich schreibe, dann mache ich letztendlich immer wieder die gleichen Fehler: Ich stehe einen Kilometer vom Geschehen entfernt und beobachte durchs Fernglas, anstatt mitten im Getümmel zu stehen. Ich beschreibe zu Tode, anstatt Leben in meine Figuren zu bekommen. Ich mache genau das, was ich an den Texten anderer hasse: Ich erkläre alles bis ins letzte Detail, aus lauter Angst, der Leser könne sonst etwas nicht verstehen (und wenn ich es mal nicht mache, dann höre ich von meinen Testlesern, dass man das jetzt aber ohne Erklärung nicht verstehen könne ...). Das macht die Texte langatmig und langweilig. Ich löse Konflikte innerhalb des nächsten Absatzes, spätestens nach einer Seite wieder auf, anstatt einen saftigen Cliffhanger draus zu machen und erst im übernächsten Kapitel darauf zurückzukommen, dass da ja noch jemand über dem Abgrund baumelt und langsam aber wirklich mal gerettet werden möchte.

Ich erfinde nichts Neues, ich käue wieder. Ich bin weder innovativ noch kreativ, und je länger ich das Problem beobachte, desto mehr bestärkt es mich in dem Verdacht, dass es mir irgendwie an Phantasie mangelt. Ich bewundere die Leistungen anderer (nicht nur beim Schreiben, generell im künstlerisch-kreativen Bereich) ich bin zutiefst beeindruckt, welche schöpferische Energie in ihnen steckt, aber ich habe selber nichts davon in mir. Wenn mich mal ein Plothäschen anspringt, dann ist es ausreichend für eine Szene. Ich habe vage Ideen für Romane, aber mir fehlt das komplette Gerüst.
Als Beispiel: Es reicht nicht, einen "Liebesroman" schreiben zu wollen, man braucht auch Figuren, eine Handlung und nach Möglichkeit mindestens einen Konflikt. Sonst hat man "Frau lernt Mann kennen, sie verlieben sich, heiraten und leben glücklich bis an ihr Lebensende." Das ist dann der Popcorntüten-Kurzroman, aber leider nichts, womit ich irgendjemanden emotional erreichen kann. Und das möchte ich mit meinen Texten.

Manchmal glaube ich, dass ich gut im Recherchieren, aber grottenschlecht im Schreiben bin. Ich bin derzeit bestimmt super informiert, was Ernährung angeht, weil ich mehrere Stunden täglich damit verbringe, mich darüber zu informieren, aber das einzige, was ich daraus machen kann, sind leckere Gemüsegerichte nach Rezept. Sobald ich versuche, selber tätig zu werden, kommen "Nudeln mit Gemüse" dabei heraus.

Und genauso schreibe ich auch: Wenn ich recherchiere, dann gebe ich das wieder, was ich gelesen habe. Im schlechtesten Fall sogar in den originalen Worten, im nicht wirklich besseren Fall mit meinen eigenen, die meistens schlechter gewählt sind. Das war schon zu Schulzeiten mein Problem: Ich habe bei Referaten schreckliche Mühe gehabt, aus all dem, was ich zum Thema gelesen habe, das Relevante herauszufiltern. Letztendlich hatte ich 20 Seiten Referat, weil ich alles wichtig fand, aber es war nur aus den Büchern wiedergegeben, es war nichts Eigenes, Lebendiges dabei. Und ich war immer enttäuscht, wenn ich für all die Mühe, die ich mir gegeben und all die Zeit, die ich investiert hatte, bestenfalls eine Drei bekam.

Und nun? Suche ich mir ein neues Hobby? Und einen neuen Job gleich dazu, denn auch da bin ich nicht wirklich kreativ-innovativ, sondern ändere bestehende Rezepte ab, um nicht als Plagiator dazustehen. Wirklich erfunden habe ich keines meiner Produkte, in der einen oder anderen Form waren sie alle schon da.

Ihr seht schon, ich hab gerade ein Tief. Aber ich schreibe schon wieder ewig nicht mehr, nicht mal mehr Kurzgeschichten, und ich traue mich streckenweise kaum ins Forum, weil ich nicht mehr weiß, was ich hier soll.

TiZi-Treffen tun mir in einer Hinsicht gut: Ich bin unter Menschen, die die Literatur genauso lieben wie ich und mit denen ich mich zumindest darüber unterhalten oder ihnen zuhören kann, wenn sie sich unterhalten. Und ich freue mich immer, euch zu sehen und Texte von euch zu hören, aber manchmal habe ich das Gefühl, dass ich gar nicht wirklich dazugehöre. Dass ich mich unter Vorspiegelung falscher Tatsachen eingeschlichen habe.
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Golden am 01. September 2013, 17:56:29
Vielleicht solltest du dann erst einmal aufs Recherchieren verzichten? Wäre zumindest ein Versuch wert (... denn wo nichts ist, kannst du nichts kopieren... ).

Beruflich machst du doch Seifen, oder? Vielleicht habe ich da die falsche Einstellung oder gehöre nicht zu deiner Zielgruppe, aber sollen Seifen überhaupt kreativ sein!? Ersteinmal sollen die doch gut sein, oder nicht?
In dein Sortiment gehören natürlich auch Klassiker und auch gute Ideen, welche andere Personen schon hatten. Gibt ja auch diverse Abkupferungen was Essen und andere Dinge angeht.

Hoffe es war klar, was ich ungefähr sagen wollte ;)
LG und Kopf hoch, Chaos! :winke:
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: chaosqueen am 01. September 2013, 18:26:23
Hallo Golden,

Du hast Dir jetzt zwei kleine Punkte rausgepickt ... Ich recherchiere sehr, sehr wenig für meine Romane, genau aus dem Grund. Ich recherchiere derzeit privat mehrere Stunden täglich, nämlich im Bereich Ernährung. Das hat sich ggf. in meinem Post etwas vermischt.

Nicht zu recherchieren löst also nur das Problem, dass ich wiederkäue, nicht aber das Problem der mangelnden Kreativität.

Und ich stelle Kosmetika her, ja. Wenn ich da aber nicht kreativ bin, sondern ausschließlich das mache, was alle anderen auch machen, dann fragen meine Kunden sich zu Recht, warum sie bei mir und nicht bei einer der vielen anderen Firmen kaufen.
Die Firma Lush bringt permanent innovative Kreationen auf den Markt. Sei es vor ein paar Jahren der "Duschwackelpudding" oder zuletzt die "Waschknete", es ist immer sehr kreativ. Und genau das geht mir ab. In allen Bereichen. Ich brauche Input, um etwas erschaffen zu können, ich bin nicht aus mir heraus schöpferisch tätig. Und genau das sollte man als Autorin doch sein ...
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Pestillenzia am 01. September 2013, 18:38:06
Die Firma Lush bringt permanent innovative Kreationen auf den Markt. Sei es vor ein paar Jahren der "Duschwackelpudding" oder zuletzt die "Waschknete", es ist immer sehr kreativ. Und genau das geht mir ab. In allen Bereichen. Ich brauche Input, um etwas erschaffen zu können, ich bin nicht aus mir heraus schöpferisch tätig. Und genau das sollte man als Autorin doch sein ...

Mach dich nicht kleiner als du bist, chaosqueen. Lush ist, wie du selbst geschrieben hast, eine Firma. Die haben nicht nur ein Gehirn, das für die Firma arbeitet, sondern viele. Und da macht auch nicht ein Kopf alles, angefangen vom Handwerklichen über die Vermarktung bis hin zur Buchhaltung. Da arbeiten in jedem Bereich Spezialisten, die nur für einen Aufgabenbereich zuständig sind. Und ganz abgesehen davon haben die ganz andere finanzielle und logistische Möglichkeiten als du. Wie sollst du denn als Ein-Frau-Betrieb herumforschen, bis du das perfekte Rezpet für Duschwackelpudding herausgefunden hast? Das ist so gut wie unmöglich.

Mist, ich hätte noch so viel zu schreiben, aber ich muss aufhören, weil das Essen gleich auf dem Tisch steht und mein Mann schon grimmig guckt.
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Thaliope am 01. September 2013, 18:47:49
chaos:  :knuddel:

Niemand erschafft etwas aus dem Nichts. Kein Autor und kein Seifensieder. Alles Neue gründet sich auf Vorhandenes. Und wie viele Köpfe bei Lush da dran sitzen, um "ganz neue" Sachen zu entwickeln, die trotzdem funktionieren und von der Kundschaft angenommen werden, mag man sich ja auch gar nicht ausmalen.

Ich glaube, in gewisser Hinsicht ist Schreiben mit Zeichnen vergleichbar. Wer zeichnen können will, muss sehen können, hieß es früher immer. Und ich glaube, so ist es beim Schreiben auch. Ich finde Texte besonders gelungen, wenn sie mit wenigen "Pinselstrichen", einer flüchtigen Skizze, ein komplexes Bild in meinem Kopf entstehen lassen. Und da kommt die subjektive Sichtweise des Autors auf die Welt ins Spiel: ich muss mir überlegen, was an einer bestimmten Szene, oder an einem Bild, das ich vor Augen habe, charakteristisch ist. Was macht die Situation für mich aus? Welche "Pinselstriche" machen den Unterschied zu den tausend anderen ähnlichen Situationen aus, die ich gerade nicht beschreiben will. Mit welchen Worten wecke ich welche Assoziationen? Wenige, ganz konkrete Worte sind da oft wirkungsvoller als viele umschreibende.

Und Konflikte ... muss man glaube ich einfach üben, wenn man es, so wie ich, selbst immer gern so harmonisch hat. Hilfreiches Trainingsgebiet sind da für mich Soap-Operas. GZSZ, Verbotene Liebe ... natürlich keine hohe Literatur, aber so ziemlich alle zwischenmenschlichen Konflikte werden in aller Ausführlichkeit abgehandelt. Und man kann in sich selbst reinhorchen und sich fragen: Was macht das gerade mit mi? Warum will ich jetzt wissen, wie es weitergeht - obwohl ich mir denken kann, was passiert, will ich sehen, wie die Fetzen fliegen,  und nicht nur dass. :)

So, äh, das mal meine Gedanken dazu. Vielleicht hilft dir ja irgendwas davon weiter. Ansonsten einfach nur  :knuddel:
LG
Thali
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Jarek am 01. September 2013, 19:29:19
Liebe chaosqueen,

ich kenne deine Texte nicht, mit denen du so unzufrieden bist. Aber auf ein paar Punkte deines Beitrages möchte ich antworten.

Zitat
Ich lese Juli Zeh und sage "wow, das will ich können!", aber obwohl ich Literaturwissenschaft studiert habe (!), bekomme ich es nicht hin, die Essenz ihrer Texte zu extrahieren um herauszufinden, was genau es eigentlich ist, das mich so fesselt. Ja, klar: Sie malt mit zwei, drei Sätzen so präzise Bilder, dass ich beim Lesen einen Film im Kopf ablaufen habe - aber WIE sie das macht, bleibt mir schleierhaft.
Aber genau das Schöne am Schreiben ist doch, dass man genau sieht, wie die anderen es machen. Einem gemalten Bild siehst du nicht an, mit welcher Technik, welchen Mischverhältnissen und welchen Kniffen der Maler gearbeitet hat. Im Film bleibt unsichtbar, welches Licht genau in einer Szene gesetzt wurde, wie die Effekte entstanden sind, was außerhalb des Bilder passiert. In der Literatur jedoch bleibt nichts verborgen. Wenn du findest, dass Juli Zeh so präzise Bilder entwirft, dann schau doch genau hin. Kopier ihre Sätze, Stück für Stück und füge sie in deine Szenen ein. Tausche Namen und Orte und sieh, wie es wirkt. Ich finde es großartig, zu schauen, wie Sätze von großen Schriftstellern funktionieren.
Juli Zeh hat die Kunst gemeistert, eine Person, eine Szene, ein Gefühl mit wenigen wichtigen Details zu beschreiben. Sie schaut dabei – wie du schon sagst – nicht mit dem Fernglas von weitem drauf, sondern geht ganz nah dran. Sie pickt sich zwei, drei prägnante Auffälligkeiten heraus, die einer involvierten Person am ehesten auffallen bzw. im Gedächtnis bleiben. Wenn du sagst, dass du zu viel erklärst, weil du Angst hast, dass der Leser sonst nichts versteht, dann schau doch mal, was in guten Büchern da steht. Da wird so wenig erklärt und so viel dem Leser überlassen, weil selbiger so gut darin ist, aus wenigen Details das große Ganze zu erfassen. Setzte dir doch einfach mal das Ziel, eine Szene in nicht mehr als drei knappen Sätzen, sagen wir 30 Wörtern, einzuführen. Wenn du das dann einem Beta- oder Testleser gibt, wette ich, dass er kein Verständnisproblem haben wird. Und wenn du derart reduzierst, hörst du automatisch damit auf, zu distanziert zu schreiben, denn du bist gezwungen, die prägnanten, persönlichen, interessanten Details herauszuarbeiten, um ein Gefühl für die Szene zu vermitteln.

Zitat
Ich erfinde nichts Neues, ich käue wieder. Ich bin weder innovativ noch kreativ, und je länger ich das Problem beobachte, desto mehr bestärkt es mich in dem Verdacht, dass es mir irgendwie an Phantasie mangelt.
Je mehr ich schreibe, desto mehr habe ich das Gefühl, dass Phantasie und Kreativität bei der ganzen Sache die kleinste Rolle spielt. Jede kleine Idee durchläuft bei mir viele Iterationen, in denen ich mit Phantasie nichts erreiche, sondern methodisch auf andere Dinge achte und an ihnen feile: an der Wortwahl, der Perspektive, dem Klang, dem Umfang, etc. Was am Ende wie der großartige kreative Akt aussieht, ist meiner Meinung nach meistens einfach nur schnöde Arbeit am Text.

Zitat
Manchmal glaube ich, dass ich gut im Recherchieren, aber grottenschlecht im Schreiben bin. Ich bin derzeit bestimmt super informiert, was Ernährung angeht, weil ich mehrere Stunden täglich damit verbringe, mich darüber zu informieren, aber das einzige, was ich daraus machen kann, sind leckere Gemüsegerichte nach Rezept. Sobald ich versuche, selber tätig zu werden, kommen "Nudeln mit Gemüse" dabei heraus.
Wenn das Fantasy-Genre Gemüse ist, dann sind geschätzt 95% aller Fantasybücher Nudeln mit Gemüse. Der eine Autor salzt ein bißchen mehr, der andere nimmt Curry statt Majoran, aber das grundlegende Rezept ist doch sehr oft das gleiche. Vielleicht ist deine Erwartungshaltung an eine Geschichte bei dir einfach etwas zu hoch angesetzt. Du musst das Rad nicht neu erfinden, du musst es nur so beschreiben, dass nicht jeder sofort begreift, dass du das Rad meinst.
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: FeeamPC am 01. September 2013, 19:50:03
Hi chaos!
Wenn die Seifen ein Outlet deiner Fantasie sind, warum benutzt du sie dann nicht einfach mal für dein Schreiben?
Schreibe eine Szene, in der eine Frau deine Seifen benutzt... an ihnen schnuppert, sie mit den Fingern streichelt, ihre samtige Oberfläche bewundert, das Dekor,  sie ist fasziniert, lässt sich ein Bad ein, stellt Kerzen auf, sinkt in das Wasser, greift nach der Seife...und vielleicht kommt dann noch ein Mann dazu... oder sie erinnert sich an etwas aus ihrer Kindheit... an einen besonderen Urlaub...
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Rhiannon am 01. September 2013, 19:52:19
Chaos, ich schätze, dich hat gerade eine Künstlerkrankheit erwischt. Sie nennt sich Perfektionismus und ist leider nicht heilbar, nur einzudämmen.
Nein, ernsthaft, du machst dich schlechter, als du bist!  :knuddel:
Wenn ich deine Beiträge hier im Forum lese, erkenne ich, dass du sehr gut darin bist, Situationen zu analysieren, die entsprechenden Vorgänge zu sehen und auch emotionale Dinge zu erkennen. Und das führt dann gerne mal zu etwas, das ich auch häufig tue: Du analysierst dein eigenes Geschriebenes zu Tode und betrachtest die Szenen mit dem nüchternen Blick des Analytikers. Und damit bringst du dich selbst um die ganze Schönheit der Texte. Du überlegst dir, was funktionieren muss und wie und genau so schreibst du es dann vermutlich auf.
Das ist ein Talent und per se auch nicht schlecht fürs Schreiben, aber auch mir macht es deshalb oft Probleme, den Übergang von "neben der Figur" auf "in der Figur" zu schaffen.
Etwas, das mir dabei ganz gut geholfen hat, war die jeweilige Figur in den Alltag mitzunehmen. Vielleicht nicht gerade in Situationen, in denen ich selber emotional belastet wurde, aber wenn man aufräumt, oder ähnliches, kann man seine Protas ganz gut mitnehmen und in Gedanken neben sich arbeiten lassen.
Und auf diese Weise hat man sich irgendwann so an das Aussehen und Verhalten der Figur gewöhnt, dass man dann, vor allem bei langweiligen Tätigkeiten, auf einmal nicht mehr neben der figur herarbeitet, weil das dann auch nicht mehr interessanter ist, sondern dass man plötzlich im Kopf der Figur landet. Und wenn man das einmal geschafft hat, klappt es dann meistens beim Schreiben auch besser.
Und um beim Seifenmachen zu bleiben: Was spricht dagegen, bewährte Rezepte zu nehmen? Du willst Seifen, bei denen du weißt, dass sie dem Kunden nicht die Hände verätzen oder so. Und du willst Geschichten, die du selber stemmen kannst. Die kreativen Höhenflüge kommen automatisch, wenn man erst Mal vom Beobachter zum Teilnehmer geworden ist, aber damit kann man sich eben auch schwer tun! Das ist kein Grund zum Zweifeln und schon gar keiner zum Verzweifeln!
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Christopher am 01. September 2013, 20:42:11
Irgendwo mal so im groben gelesen, daher hier nur vage wiedergegeben:

Phasen des Künstlers/Schriftstellers/hier einen weiteren kreativen Beruf/Tätigkeit einfügen

1. Euphorie
Alles was man macht ist toll, super und sowieso besser als das was all die anderen machen
2. Perfektion
Da war doch noch etwas nicht so toll, man will es besser machen, noch ein kleines bisschen feilen...
3. Ernüchterung
Alles mist. Doch nicht so toll wie das von anderen. Alles was man macht ist scheisse, schlecht und taugt nichts.
4. Realismus/Professionalismus
Man versteht, das man weder perfekt sein kann, noch besser oder schlechter ist als alle anderen, lebt seinen Stil, fängt an das eigene Ding durchzuziehen und wird früher oder später gut darin.

Dieser Ablauf (sofern ich ihn halbwegs richtig wiedergegeben habe) ist charakteristisch für kreativ tätige Menschen. Viele werden sich da vermutlich in den diversen Phasen wiederfinden oder zumindest erkennen, dass sie da schonmal waren. Glückwunsch an dich: So wie ich das rauslese, bist du mindestens schon in Phase 3 (die Euphorie hat jeder und den Perfektionismus hast du ja auch abgehandelt ;D ). Solltest du jetzt dranbleiben und dich durchringen, kommt irgendwann auch die Phase 4.

Ich empfehle aber die Lektüre von jemandem der das besser umschreibt. Phasen der kreativen Entwicklung oder so. Einfach mal googlen, lesen und sich selbst wiederfinden. Da gibts dann auch Tipps, wie man die einzelnen Phasen am besten gewinnbringend verarbeitet ;)

Würde es gerne noch raussuchen, nur fehlt mir leider die Zeit, da ich morgen wieder arbeiten muss und nu nochmal 1-2 Std Autofahren muss um anzukommen  :(

Hoffe, ich konnte zumindest ein wenig helfen.
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: chaosqueen am 02. September 2013, 10:08:41
Hallo ihr Lieben!

Erstmal ein ganz dickes Dankeschön für all eure wunderbaren Posts und jede Menge Zuspruch! :gruppenknuddel:

Ich bin aus meinem Loch noch nicht heraus, daher klingt meine Antwort vermutlich noch immer ziemlich nach "ich weiß aber, dass ich das nicht kann!" (man stelle sich eine bockige Dreijährige vor, die mit dem Fuß aufstampft). Ich gehe trotzdem mal durch, vielleicht bringt es mir ja was, wenn ich eure Aussagen kritisch durchgehe und mich ggf. dabei selber demontiere. ;)

Pesti, Du hast natürlich Recht damit, dass Lush eine riesige Firma ist, die mehr als einen kreativen Kopf hat. Allerdings haben die halt auch mal sehr klein angefangen und waren die ersten, die das Wasser aus den Produkten gezogen haben, um Verpackungsmüll zu eliminieren und Kosten zu sparen. Und wenn drei Köpfe natürlich mehr Output liefern als einer, müsste ein enzelner doch trotzdem hin und wieder mal was tolles Neues ausspucken können. Ich will ja gar nicht unbedingt komplett Neues erschaffen, aber das Rad eben so verpacken, dass man es nicht mehr sofort als Rad erkennt - danke für das hübsche Bild, Jarek!

Ich glaube, in gewisser Hinsicht ist Schreiben mit Zeichnen vergleichbar. Wer zeichnen können will, muss sehen können, hieß es früher immer. Und ich glaube, so ist es beim Schreiben auch. Ich finde Texte besonders gelungen, wenn sie mit wenigen "Pinselstrichen", einer flüchtigen Skizze, ein komplexes Bild in meinem Kopf entstehen lassen.

Tja ... da hast Du genau mein Problem gefunden. Ich "sehe" nicht. Ein paar kleine Beispiele gefällig? Ich ärgere mich über ein Auto, das sich in die Spur drängelt, dann doch wieder zurück wechselt, dann wieder in meine Spur, ich beobachte es eine ganze Weile lang - und als ich abbiege, weiß ich gerade noch, dass es ein Kleinwagen war, nicht aber, ob es der weiße oder der blaue von den beiden fraglichen Autos gewesen ist (kein Scherz, genau das habe ich gestern gehabt).

Schon als Kind habe ich gemerkt, dass ich eine lausige Zeugin abgeben würde: Bei einer Täterbeschreibung könnte ich vermutlich gerade mal angeben, ob es sich um einen Mann oder eine Frau gehandelt hat und vielleicht noch das ungefähre Alter - So "interessante" Details wie Brille, Bart, Kleidung und deren Farbe, Haarfarbe (bei mir ist eh alles, was heller als mein "fast-schwarz" ist, pauschal "blond") Narben etc. sind aus meinem Gedächtnis gestrichen.

Und da kommt die subjektive Sichtweise des Autors auf die Welt ins Spiel: ich muss mir überlegen, was an einer bestimmten Szene, oder an einem Bild, das ich vor Augen habe, charakteristisch ist. Was macht die Situation für mich aus? Welche "Pinselstriche" machen den Unterschied zu den tausend anderen ähnlichen Situationen aus, die ich gerade nicht beschreiben will. Mit welchen Worten wecke ich welche Assoziationen? Wenige, ganz konkrete Worte sind da oft wirkungsvoller als viele umschreibende.

Da haben wir dann wieder mein Referatsproblem: Ich kann nicht differenzieren. Für mich ist alles wichtig oder nichts. Ich hab mal versucht, Medizin zu studieren ... Es war die Hölle. Ich hatte zehn  wirklich große, dicke Bücher auf dem Tisch liegen und wusste, dass ich am Ende des Semesters alles, was darin steht und abgebildet ist, wissen muss. Und genau das habe ich versucht, es komplett in meinen Kopf zu bekommen. Das war aussichtslos. Grobe Zusammenhänge bleiben haften, aber Einzelheiten, kleinste Details? Weg. Und genau diese Details machen einen Text doch lebendig. Dass der Held am Ende das Mädchen bekommt, wissen wir alle, aber wie er das macht, ist interessant. Und genau da setzt es bei mir aus. Ich habe keine Idee, wie er das hinbekommen soll. Da ist immer nur eine gähnende Leere, und wenn ich nicht jedes Mal mich selber schreiben will, dann passiert mehr oder weniger nichts. :(

Und Konflikte ... muss man glaube ich einfach üben, wenn man es, so wie ich, selbst immer gern so harmonisch hat. Hilfreiches Trainingsgebiet sind da für mich Soap-Operas. GZSZ, Verbotene Liebe ... natürlich keine hohe Literatur, aber so ziemlich alle zwischenmenschlichen Konflikte werden in aller Ausführlichkeit abgehandelt. Und man kann in sich selbst reinhorchen und sich fragen: Was macht das gerade mit mi? Warum will ich jetzt wissen, wie es weitergeht - obwohl ich mir denken kann, was passiert, will ich sehen, wie die Fetzen fliegen,  und nicht nur dass. :)

Ich hab früher leidenschaftlich gerne Soaps gesehen! Und Vampire Diaries schaue ich vor allem wegen der verworrenen Liebesbeziehungen. Ich bin voll da und fiebere mit, als wären die Personen lebendig - aber ich habe keine Ahnung, wie ich einen Text so gestalte, dass andere mitfiebern. Manchmal glaube ich, mir fehlt da ein Gen, um Gesehenes und Erlerntes auch umsetzen und anwenden zu können.

Schreibratgeber: Großartige Bücher! Wenn ich sie lese, dann ist alles völlig klar, aber während ich schreibe, weiß ich nur noch, dass in diesem oder jenem Buch hilfreiche Tipps standen. Ich müsste jedes Mal den Schreibratgeber von vorne durchlesen und immer dann, wenn ich an eine passende Stelle komme, schnell den nächsten Satz meines Romans schreiben.
Vielleicht wäre das nicht mal völlig verkehrt, um zu verinnerlichen, wie es geht, aber wie lange soll ich an einem Roman schreiben? Mein ganzes Leben? :o

Danke Dir, Thali! Der ein oder andere Gedanke, den ich mir mit klarerem Verstand anschauen sollte, ist dabei. :-*

Aber genau das Schöne am Schreiben ist doch, dass man genau sieht, wie die anderen es machen. Einem gemalten Bild siehst du nicht an, mit welcher Technik, welchen Mischverhältnissen und welchen Kniffen der Maler gearbeitet hat. Im Film bleibt unsichtbar, welches Licht genau in einer Szene gesetzt wurde, wie die Effekte entstanden sind, was außerhalb des Bilder passiert. In der Literatur jedoch bleibt nichts verborgen. Wenn du findest, dass Juli Zeh so präzise Bilder entwirft, dann schau doch genau hin. Kopier ihre Sätze, Stück für Stück und füge sie in deine Szenen ein. Tausche Namen und Orte und sieh, wie es wirkt. Ich finde es großartig, zu schauen, wie Sätze von großen Schriftstellern funktionieren.

Hier wage ich, zu widersprechen: Meine Mutter ist ein großer Kunstfan. Als wir in NY im Guggenheimmuseum waren, hat sie manche der Exponate stundenlang betrachtet und sich genau angesehen, wie es gemacht wird. Sie malt und gestaltet selber und konnte sehr genau sehen, wie die Kunstwerke gemacht wurden.
Ich erwische mich wiederum immer wieder dabei, dass ich bei Filmen darauf achte, wie das Licht gesetzt wurde, wie die Musik die Szene unterstreicht, und manchmal denke ich tatsächlich darüber nach, wie und wo der Kameramann gerade steht, der Tonmann, der Beleuchter. Vielleicht hätte ich damals meinen Studienschwerpunkt auf die Medienwissenschaft setzen sollen, der Bereich hat mir immer ausgenommen viel Spaß gemacht, sowohl in der Theorie als auch die Praxis.

Beim Film konnte ich dieses "Sehen" auch umsetzen. Ich weiß, wie ich das Licht positionieren muss, um einen bestimmten Effekt zu erzielen, wann die Musik einsetzen muss und wie der Tonmann verhindert, das am Ende die Tonangel im Bild ist. Beim Schreiben bekomme ich genau das nicht hin: Das Handwerkszeug so einzusetzen, dass man es am Ende nicht mehr wahrnimmt. Insofern passt es doch wieder, dass Du schreibst, beim Schreiben ist alles offen, die Kunst ist doch aber, so zu schreiben, als hätte man nicht ewig lange die Worte gesetzt (was ja auch das allgemein gängige Bild vom Autor in der Öffentlichkeit stützt, ein Buch würde man "mal eben so herunterschreiben").

Juli Zeh hat die Kunst gemeistert, eine Person, eine Szene, ein Gefühl mit wenigen wichtigen Details zu beschreiben. Sie schaut dabei – wie du schon sagst – nicht mit dem Fernglas von weitem drauf, sondern geht ganz nah dran. Sie pickt sich zwei, drei prägnante Auffälligkeiten heraus, die einer involvierten Person am ehesten auffallen bzw. im Gedächtnis bleiben.

Siehe oben: Ich bin eine lausige Beobachterin. Ich brauche Tage, um die völlig verkrüppelten Finger meine Kommilitonin zu bemerken und Wochen, um zu sehen, dass einem Kumpel von mir ein kleiner Finger fehlt. Feuermale im Gesicht nehme ich hingegen auf den ersten Blick wahr, und schiefe Zähne auch ... ;D

Wenn du sagst, dass du zu viel erklärst, weil du Angst hast, dass der Leser sonst nichts versteht, dann schau doch mal, was in guten Büchern da steht.

Das meine ich ja: Ich sehe es nicht. Ich merke, was der Text mit mir macht, aber selbst, wenn ich die einzelnen Sätze betrachte, begreife ich nicht, wieso sie diese Wirkung auf mich haben. Ich bin an Juli Zeh verzweifelt, weil sie exakt so schreibt, wie ich schreiben will, wie meine Texte sich in mir drinnen anfühlen - und das, was dann auf dem Papier landet, ist eine Karikatur der schlechtesten Vorabendserie. Es macht mich wahnsinnig!

Da wird so wenig erklärt und so viel dem Leser überlassen, weil selbiger so gut darin ist, aus wenigen Details das große Ganze zu erfassen. Setzte dir doch einfach mal das Ziel, eine Szene in nicht mehr als drei knappen Sätzen, sagen wir 30 Wörtern, einzuführen. Wenn du das dann einem Beta- oder Testleser gibt, wette ich, dass er kein Verständnisproblem haben wird. Und wenn du derart reduzierst, hörst du automatisch damit auf, zu distanziert zu schreiben, denn du bist gezwungen, die prägnanten, persönlichen, interessanten Details herauszuarbeiten, um ein Gefühl für die Szene zu vermitteln.

Ich versuche es. Ich hab neulich eine Szene geschrieben, die mir aus den Fingern floss, die Spaß gemacht hat beim Schreiben - und dann hab ich mich gefragt, ob ich ein Buch zur Kasse tragen würde, das mit dieser Szene beginnt, und es war ganz klar, dass ich es wegen diverser Faktoren nicht tun würde:

- ich würde Klamauk erwarten, den ich aber von der Thematik her nicht würde haben wollen (man setze mal voraus, es gäbe einen guten Klappentext)
- die Szene wäre mir zu langatmig und belanglos gewesen
- ich habe nur Stereotypien über die Figuren erfahren
- Das Bild in meinem Kopf enthielt die Umgebung (ein Geschäft), die Figuren jedoch waren seltsam blasse Pappaufsteller, die darin herumgeschoben wurden

Ich kann meine eigenen Texte also analysieren, teilweise auch die anderer, nur WIE etwas gemacht ist, begreife ich nicht und kann es daher nicht umsetzen.
Leider funktioniere ich so. Ich habe mal eine Probestunde Pilates mitgemacht. Der Trainer sagte die ganze Zeit, ich müsse in mein Powerhouse atmen, konnte mir aber nicht erklären, was ich effektiv mit meinem Körper machen soll. Irgendwann bin ich regelrecht wütend vor Frustration gegangen.
Gegenbeispiel: Mein Chorleiter zu Schulzeiten. Der hat extrem anschaulich gemacht, wie wir atmen sollen, so dass ich nie ein Problem damit hatte. Übertrieben ausgedrückt: Ich brauche die Anleitung, welchen Muskel ich wann wie stark an- oder entspannen soll, damit ich es umsetzen kann. Und so ähnlich ist es auch beim Schreiben: Ich muss wissen, zu welchem Zeitpunkt ich welches Stilmittel wie einsetzen soll, damit das gewünschte Ergebnis heruaskommt. Nur, dass das dann leider kein kreativer, schöpferischer Prozess mehr ist, sondern Auftragsarbeit für andere.

Je mehr ich schreibe, desto mehr habe ich das Gefühl, dass Phantasie und Kreativität bei der ganzen Sache die kleinste Rolle spielt. Jede kleine Idee durchläuft bei mir viele Iterationen, in denen ich mit Phantasie nichts erreiche, sondern methodisch auf andere Dinge achte und an ihnen feile: an der Wortwahl, der Perspektive, dem Klang, dem Umfang, etc. Was am Ende wie der großartige kreative Akt aussieht, ist meiner Meinung nach meistens einfach nur schnöde Arbeit am Text.

Das unterschreibe ich. Nur kommt mir hierbei auch wieder das "Grober Zusammenhang vs. Details"-Problem in die Quere: Die Geschichte an sich mag ich noch immer, sie ist der große Zusammenhang. Leider sind geschätzt 95% der Sätze großer Mist, so dass ich sie alle neu schreiben müsste. Wenn ich das aber mache, habe ich am Ende eine andere Geschichte. Und: Ich habe überhaupt keine Ahnung, wie ich die Sätze umbauen soll. Sie stehen ja alle im zusammenhang miteinander. Ändere ich hier eine Formulierung, muss ich womöglich im nächsten Satz den Bezug ändern, das geht aber schon nicht mehr, weil der ganze Satz ebenfalls umgestellt werden muss. Und überhaupt, bin ich mir noch sicher, dass die Figur blaue Augen hat, oder sind sie nicht eher goldbraun? Jetzt muss ich erstmal das Dokument der Figur aufschlagen, und dann stelle ich fest, dass ich sie als schüchtern angelegt habe, was mit der aktuellen Szene mal gar nicht zusammenpasst, weil sie gerade einem feuerspeienden Drachen gegenübersteht und diesem freche Antworten gibt ... (Das war spontan, diese Geschichte gibt es bisher nicht ...).
Das Ende vom Lied: Ich stelle wieder fest, dass der gesamte Text Mist ist und gehe zurück unter meinen Stein. Aus die Maus. :(

Wenn das Fantasy-Genre Gemüse ist, dann sind geschätzt 95% aller Fantasybücher Nudeln mit Gemüse. Der eine Autor salzt ein bißchen mehr, der andere nimmt Curry statt Majoran, aber das grundlegende Rezept ist doch sehr oft das gleiche. Vielleicht ist deine Erwartungshaltung an eine Geschichte bei dir einfach etwas zu hoch angesetzt. Du musst das Rad nicht neu erfinden, du musst es nur so beschreiben, dass nicht jeder sofort begreift, dass du das Rad meinst.

Tja, und genau das schaffe ich nicht. Entweder schreibe ich "guck mal, ein Rad!" und weise noch fünfmal mit dem Finger darauf, weil ich nicht sicher bin, ob es wirklich verstanden wurde, oder ich beschreibe alles außer dem Rad und erwarte vom Leser, dass er das radförmige Loch schon mit dem passenden Gegenstand füllt. Wie findet man den Mittelweg? *seufz*

Auch Dir vielen Dank, sobald ich nicht mehr mit "geht nicht, kann ich nicht!" gefüllt bin, werde ich das eine oder andere davon mal umsetzen. Oder es zumindest versuchen.

Hi chaos!
Wenn die Seifen ein Outlet deiner Fantasie sind, warum benutzt du sie dann nicht einfach mal für dein Schreiben?
Schreibe eine Szene, in der eine Frau deine Seifen benutzt... an ihnen schnuppert, sie mit den Fingern streichelt, ihre samtige Oberfläche bewundert, das Dekor,  sie ist fasziniert, lässt sich ein Bad ein, stellt Kerzen auf, sinkt in das Wasser, greift nach der Seife...und vielleicht kommt dann noch ein Mann dazu... oder sie erinnert sich an etwas aus ihrer Kindheit... an einen besonderen Urlaub...

Kurzgeschichte? Kein Problem, kann ich. Ich kann extrem dichte, atmosphärische Szenen schreiben, sofern sie genau das bleiben dürfen: Kurze, in sich abgeschlossene Szenen. Ich gebe zu, dass meine letzten Kurzgeschichten etwa zehn Jahre her sind und ich damals noch an heftiger Adjektivitis gelitten habe, aber einige sind durchaus noch repräsentabel.

Aber vielleicht liegt hier der Schlüssel zu meinem Problem: Ich habe ja immer "das große Ganze" im Kopf und renne dann irgendwie da durch, als gälte es, einen Marathon im Schnellschreiben zu gewinnen. Vermutlich muss ich noch viel exakter plotten und alles auf kurze, knappe Szenen herunterbrechen, die ich dann schreibe, als stünden sie für sich allein. Das würde gleich noch das zweite Problem meiner Romane lösen: Ich habe irgendwie immer das dringende Bedürfnis, meine Protagonisten auf Schritt und Tritt zu verfolgen und ja keine Sekunde ihres Lebens zu verpassen (ein Wunder, dass bisher noch keine meiner Figuren dreimal pro Kapitel aufs Klo rennt!). Mein "Referatsproblem". Vielleicht kann ich das wirklich lösen, indem ich mir überlege, was relevant ist und was nicht und dann eben lauter Einzelszenen schreibe, die sich ggf. am Ende sogar zu einem großen Ganzen fügen.

Hausaufgabe an mich selber: Erstens: Kurze, dichte Szenen verfassen, und sei es nur, um meine Figuren mal näher kennenzulernen. Zweitens: Eines meiner Lieblingsbücher genau darauf noch mal durchzulesen. Wie werden einzelne Szenen beschrieben und wie miteinander verknüpft?

Ich glaube es war Sol Stein, der das Schreiben von Romanen in drei verschiedene Abschnitte unterteilt hat: Zum einen das aktuelle Geschehen, bei dem jeder Schritt, jede (relevante) Handlung sowie Sinneseindrücke etc. beschrieben werden, die schnellere, oberflächlichere Verbindung von intensiven Szenen, und (wenn ich mich nicht irre, das muss ich noch mal genauer nachschlagen), die Auslassung. Kein Mensch will lesen, wie hundert Leute vier Wochen lang belagert werden und auf welche erdenklichen Arten sie sich dabei zu Tode langweilen. Stattdessen reicht ein kurzes knappes "aus Stunden wurden Tage, aus Tagen wurden Wochen, bis keiner der Menschen in der Burg noch recht wusste, wie lange die Belagerung schon dauerte." Und dann setzt man einen Absatz oder ein neues Kapitel und beschreibt eine Szene, die Wochen nach der vorigen spielt.
Wirklich grandios hat das in meinen Augen übrigens Stephenie Meyer gelöst, indem sie drei aufeinanderfolgende Seiten lediglich mit den aufeinanderfolgenden Monatsnamen bedruckt hat. jedem Leser ist klar: Es passiert absolut nichts Erwähnenswertes in Bellas Leben, aber es vergehen drei lange, zähe Monate.

Chaos, ich schätze, dich hat gerade eine Künstlerkrankheit erwischt. Sie nennt sich Perfektionismus und ist leider nicht heilbar, nur einzudämmen.
Nein, ernsthaft, du machst dich schlechter, als du bist!  :knuddel:

Die Krankheit hatte ich schon immer. Und bisher lautete mein Medikament dagegen: "Wenn Du es nicht zu Deiner eigenen Zufriedenheit erledigen kannst, dann lass es lieber ganz." Was mich eine gute Abinote und einen Studienabschluss gekostet hat. ::)

Wenn ich deine Beiträge hier im Forum lese, erkenne ich, dass du sehr gut darin bist, Situationen zu analysieren, die entsprechenden Vorgänge zu sehen und auch emotionale Dinge zu erkennen. Und das führt dann gerne mal zu etwas, das ich auch häufig tue: Du analysierst dein eigenes Geschriebenes zu Tode und betrachtest die Szenen mit dem nüchternen Blick des Analytikers. Und damit bringst du dich selbst um die ganze Schönheit der Texte. Du überlegst dir, was funktionieren muss und wie und genau so schreibst du es dann vermutlich auf.

Leider nicht. Ich schreibe aus dem Bauch heraus und habe danach keine Ahnung, wie ich den Murks wieder geradebiegen soll. ;D

Das ist ein Talent und per se auch nicht schlecht fürs Schreiben, aber auch mir macht es deshalb oft Probleme, den Übergang von "neben der Figur" auf "in der Figur" zu schaffen.
Etwas, das mir dabei ganz gut geholfen hat, war die jeweilige Figur in den Alltag mitzunehmen. Vielleicht nicht gerade in Situationen, in denen ich selber emotional belastet wurde, aber wenn man aufräumt, oder ähnliches, kann man seine Protas ganz gut mitnehmen und in Gedanken neben sich arbeiten lassen.
Und auf diese Weise hat man sich irgendwann so an das Aussehen und Verhalten der Figur gewöhnt, dass man dann, vor allem bei langweiligen Tätigkeiten, auf einmal nicht mehr neben der figur herarbeitet, weil das dann auch nicht mehr interessanter ist, sondern dass man plötzlich im Kopf der Figur landet. Und wenn man das einmal geschafft hat, klappt es dann meistens beim Schreiben auch besser.

Tja ... Meine Figuren leiden alle an einer ganz schlimmen Krankheit: Sie haben keine Seele. Meist haben sie nicht mal ein Gesicht - nein, nicht meist, nie. Das haben aber auch Figuren in Romanen, die ich lese, nie. Da kann sich der Autor noch so viel Mühe geben, in meinem Kopf ist eine halbwegs menschenförmige Masse, die sich agierend durch die Gegend bewegt, aber ich habe keine klaren Vorstellungen von den Figuren. Wenn ich eine Verfilmung sehe, weiß ich allerdings ganz genau, ob der Darsteller meinem Bild von der Figur entspricht oder nicht. Schon ein bisschen bekloppt, oder? ;)

Ich habe noch nie mit meinen Figuren Zwiesprache gehalten oder ähnliches. Ich plotte beim Radfahren, beim Autofahren, beim Seife sieden, ich habe ganze Dialoge und Szenen im Kopf (und ärgere mich dann meistens, dass ich sie gerade weder aufschreiben noch diktieren kann), aber die Figuren bleiben seltsam blass. Vielleicht interessieren mich ihre Äußerlichkeiten nicht, so dass ich sie mir nicht vorstelle? Leider schaffe ich es oft genug auch nicht, sie anhand ihrer Persönlichkeit so zu beschreiben, dass das Bild klarer wird, aber das zumindest ist ja ein Ansatzpunkt - und das nächste Mal, wenn ich putze, muss eine der Figuren dran glauben und mitmachen! ;D

Und um beim Seifenmachen zu bleiben: Was spricht dagegen, bewährte Rezepte zu nehmen? Du willst Seifen, bei denen du weißt, dass sie dem Kunden nicht die Hände verätzen oder so. Und du willst Geschichten, die du selber stemmen kannst. Die kreativen Höhenflüge kommen automatisch, wenn man erst Mal vom Beobachter zum Teilnehmer geworden ist, aber damit kann man sich eben auch schwer tun! Das ist kein Grund zum Zweifeln und schon gar keiner zum Verzweifeln!

Naja, es geht ja nicht nur um Seifen. Bei meinen bestehenden Produkten habe ich ja bereits reichlich gut erprobte Rezepte. Ich möchte mittelfristig aber auch Gesichtscremes, Körperlotionen und Duschgels anbieten. Und natürlich werde ich dann auf vorhandene Rezepte zurückgreifen und sie nach meinen Ideen abändern. Aber ich hätte auch gerne mal ein Produkt, was sonst noch keiner hat, wo ich sagen kann: "Ja, das Schwubbelwubbel ist meine Erfindung!" Kein komplett neues Rad, aber halt etwas, das so perfektioniert wurde, dass es eben doch irgendwie etwas eigenes ist.

Irgendwo mal so im groben gelesen, daher hier nur vage wiedergegeben:

Phasen des Künstlers/Schriftstellers/hier einen weiteren kreativen Beruf/Tätigkeit einfügen

1. Euphorie
Alles was man macht ist toll, super und sowieso besser als das was all die anderen machen
2. Perfektion
Da war doch noch etwas nicht so toll, man will es besser machen, noch ein kleines bisschen feilen...
3. Ernüchterung
Alles mist. Doch nicht so toll wie das von anderen. Alles was man macht ist scheisse, schlecht und taugt nichts.
4. Realismus/Professionalismus
Man versteht, das man weder perfekt sein kann, noch besser oder schlechter ist als alle anderen, lebt seinen Stil, fängt an das eigene Ding durchzuziehen und wird früher oder später gut darin.

Dieser Ablauf (sofern ich ihn halbwegs richtig wiedergegeben habe) ist charakteristisch für kreativ tätige Menschen. Viele werden sich da vermutlich in den diversen Phasen wiederfinden oder zumindest erkennen, dass sie da schonmal waren. Glückwunsch an dich: So wie ich das rauslese, bist du mindestens schon in Phase 3 (die Euphorie hat jeder und den Perfektionismus hast du ja auch abgehandelt ;D ). Solltest du jetzt dranbleiben und dich durchringen, kommt irgendwann auch die Phase 4.

Hehe, das dachte ich beim Lesen auch. Dafür müsste ich nur überhaupt erstmal wieder schreiben, und das klappt leider noch nicht.

Ich empfehle aber die Lektüre von jemandem der das besser umschreibt. Phasen der kreativen Entwicklung oder so. Einfach mal googlen, lesen und sich selbst wiederfinden. Da gibts dann auch Tipps, wie man die einzelnen Phasen am besten gewinnbringend verarbeitet ;)

Würde es gerne noch raussuchen, nur fehlt mir leider die Zeit, da ich morgen wieder arbeiten muss und nu nochmal 1-2 Std Autofahren muss um anzukommen  :(

Hoffe, ich konnte zumindest ein wenig helfen.

Danke, ja. So wie ihr alle! :) Jetzt muss ich nur irgendwas draus machen ... *seufz* ;)
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Thaliope am 02. September 2013, 10:28:22
Zitat
Tja ... da hast Du genau mein Problem gefunden. Ich "sehe" nicht. Ein paar kleine Beispiele gefällig? Ich ärgere mich über ein Auto, das sich in die Spur drängelt, dann doch wieder zurück wechselt, dann wieder in meine Spur, ich beobachte es eine ganze Weile lang - und als ich abbiege, weiß ich gerade noch, dass es ein Kleinwagen war, nicht aber, ob es der weiße oder der blaue von den beiden fraglichen Autos gewesen ist (kein Scherz, genau das habe ich gestern gehabt).

Schon als Kind habe ich gemerkt, dass ich eine lausige Zeugin abgeben würde: Bei einer Täterbeschreibung könnte ich vermutlich gerade mal angeben, ob es sich um einen Mann oder eine Frau gehandelt hat und vielleicht noch das ungefähre Alter - So "interessante" Details wie Brille, Bart, Kleidung und deren Farbe, Haarfarbe (bei mir ist eh alles, was heller als mein "fast-schwarz" ist, pauschal "blond") Narben etc. sind aus meinem Gedächtnis gestrichen.

Ich bin sehr sicher, dass man dieses Sehen lernen kann, dass man seine Beobachtungsfähigkeiten schulen und stärken kann. Und beim Schreiben geht es lustigerweise gar nicht unbedingt darum, was wichtig ist, sondern was dir wichtig ist. Das erfordert den Mut, zu seiner eigenen Sichtweise, zu seinem eigenen Standpunkt zu stehen und die Erkenntnis, dass man es nie allen recht machen kann. (An dem Punkt steh ich selbst immer wieder, weil sich das, was ich selbst will, so gern mit dem vermischt, von dem ich glaube, dass andere es von mir erwarten. Das auseinanderzufriemeln und dann zu sich zu stehen ... ist manchmal mindestens genauso eine Herausforderung wie das Schreiben selbst.)

Zitat
Und genau diese Details machen einen Text doch lebendig. Dass der Held am Ende das Mädchen bekommt, wissen wir alle, aber wie er das macht, ist interessant. Und genau da setzt es bei mir aus. Ich habe keine Idee, wie er das hinbekommen soll. Da ist immer nur eine gähnende Leere, und wenn ich nicht jedes Mal mich selber schreiben will, dann passiert mehr oder weniger nichts. :(

Für sowas gibts Kreativitäts-Techniken. So Sachen wie Blind-Drauflos-Schreiben, Brainstorming, Such-dir-blind-zwei-Stichworte-aus-einem-Lexikon-und-bring-sie-irgendwie-zusammen. Spinn-mit-andren-Autoren-rum. Vieles davon kann man üben und lernen. Das ist ein Prozess, der wohl tatsächlich ein ganzes Leben andauert. Und ganz zufrieden sein wird man wohl nie, wenn man grundsätzlich mit der Gabe des Zweifelns "beschenkt" wurde. ;) Aber das hindert uns offensichtlich nicht ...

LG und eine Packung Ohren-Steif von Dr. Oetker ...  ;)
Thali
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: gbwolf am 02. September 2013, 10:33:19
Also, ich habe dein erstes Posting gelesen und Nummer 2 überflogen. Wahrscheinlich könnten wir jetzt einen ganzen Abend diskutieren, aber mein Zeitbudget lässt gerade nur eine Verknappung zu (Wobei Walter Moers ja sagt: "Dicke Bücher sind deshalb dick, weil der Autor keine Zeit hatte, um sich kurz zu fassen."):

Tja ... da hast Du genau mein Problem gefunden. Ich "sehe" nicht. Ein paar kleine Beispiele gefällig? Ich ärgere mich über ein Auto, das sich in die Spur drängelt, dann doch wieder zurück wechselt, dann wieder in meine Spur, ich beobachte es eine ganze Weile lang - und als ich abbiege, weiß ich gerade noch, dass es ein Kleinwagen war, nicht aber, ob es der weiße oder der blaue von den beiden fraglichen Autos gewesen ist (kein Scherz, genau das habe ich gestern gehabt).
Das geht mir haargenau so. Ebenso bin ich nicht die große Reinpaukerin und ich erblasse ständig vor Neid, wenn ich Literatur lese, die messerscharf beobachtet, seziert, analysiert und dabei noch genial die Spannung konstruiert. Oder auch Menschen, die sich völlig auf ein oder mehrere Fachgebiete konzentrieren und darin brillieren. Ebenso fehlt mir absolut alles, um besondere Bilder zu malen, sollte ich jemals das Bedürfnis haben, zu zeichnen.

Auch wenn ab und zu die Depression darüber hochkocht, muss ich mir doch sagen: Ich bin eben ein anderer Typ Mensch und Autor. Das tut weh, aber manche Dinge kann ich nicht ändern. Deshalb ist es wichtig, viel auszuprobieren und Stärken auszuloten. Was ich schon immer gut konnte, auch als Rollenspielmeister, ist es, Stimmungen zu erzeugen. Und nach einem wundervollen Semniar kann ich auch ganz gute Figuren erstellen und halten. Und wenn ich dann noch versuche, nicht krampfhaft originell oder ambitioniert zu sein, kommt meistens auch etwas ganz Gutes bei raus (Spätestens nach zwei Überarbeitungen + 2 Lektoratsrunden ...).

Was ich damit sagen möchte: Nach den Meistern schielen und davon lernen ist nicht verkehrt, aber schau, was dir am besten liegt und was dir am Herzen liegt. Vielleicht sind es eher Innenansichten? Kurzgeschichten? Essays? Ich erinnere mich dunkel an "Tango to Evora" und mir scheinen die Kurzgeschichten dieser Epoche deine Stärken wiederzuspiegeln.

Edit: Um Thaliope aufzugreifen: Setz dich mal in ein Café und schreibe nur auf, was die Leute um dich herum machen. Überleg dir, welche Erwartung du an sie hast, wenn du ihre Physis siehst und wie sie dann sprechen/reagieren. Ich finde das auch in der Bahn immer wieder spannend.
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Pestillenzia am 02. September 2013, 11:07:49
Schon als Kind habe ich gemerkt, dass ich eine lausige Zeugin abgeben würde: Bei einer Täterbeschreibung könnte ich vermutlich gerade mal angeben, ob es sich um einen Mann oder eine Frau gehandelt hat und vielleicht noch das ungefähre Alter - So "interessante" Details wie Brille, Bart, Kleidung und deren Farbe, Haarfarbe (bei mir ist eh alles, was heller als mein "fast-schwarz" ist, pauschal "blond") Narben etc. sind aus meinem Gedächtnis gestrichen.

Da bist du in bester Gesellschaft. Die meisten Menschen sind lausige Zeugen. Und warum? Weil niemand darauf vorbereitet ist, ein Zeuge zu sein. Entweder erfährt man erst im Nachhinhein, dass der Typ, der einen angerempelt hat, ein Räuber auf der Flucht war, oder - wenn man tatsächlich z.B. einen Raub beobachtet - man ist so von den Socken, dass das Gehirn überfordert ist, auch noch die "nebensächlichen" Details aufzunehmen. Wenn fünf Leute einen Verkehrsunfall beobachten, kannst du davon ausgehen, dass alle etwas anderes gesehen haben, angefangen von der Farbe der Autos bis hin zur Marke, zu den Fahrern etc.

Tja ... Meine Figuren leiden alle an einer ganz schlimmen Krankheit: Sie haben keine Seele. Meist haben sie nicht mal ein Gesicht - nein, nicht meist, nie. Das haben aber auch Figuren in Romanen, die ich lese, nie. Da kann sich der Autor noch so viel Mühe geben, in meinem Kopf ist eine halbwegs menschenförmige Masse, die sich agierend durch die Gegend bewegt, aber ich habe keine klaren Vorstellungen von den Figuren. Wenn ich eine Verfilmung sehe, weiß ich allerdings ganz genau, ob der Darsteller meinem Bild von der Figur entspricht oder nicht. Schon ein bisschen bekloppt, oder? ;)

Ich habe noch nie mit meinen Figuren Zwiesprache gehalten oder ähnliches. Ich plotte beim Radfahren, beim Autofahren, beim Seife sieden, ich habe ganze Dialoge und Szenen im Kopf (und ärgere mich dann meistens, dass ich sie gerade weder aufschreiben noch diktieren kann), aber die Figuren bleiben seltsam blass. Vielleicht interessieren mich ihre Äußerlichkeiten nicht, so dass ich sie mir nicht vorstelle? Leider schaffe ich es oft genug auch nicht, sie anhand ihrer Persönlichkeit so zu beschreiben, dass das Bild klarer wird, aber das zumindest ist ja ein Ansatzpunkt - und das nächste Mal, wenn ich putze, muss eine der Figuren dran glauben und mitmachen! ;D


Geht mir nicht anders. Meine Figuren haben auch keine Gesichter. Ich weiß, ob sie einen Drei-Tage-Bart oder einen Kinnbart haben, ob die Augen blau oder grün, die Haare kurz und strubbelig oder lang und wellig sind. Aber die Gesichter? Totalausfall. Blinder Fleck auf der ganzen Linie.
Andererseits habe ich aber - genau wie du - eine wie auch immer geartete Vorstellung von den Figuren anderer Autoren, die bei Verfilmungen auch schon des öfteren ziemlich enttäuscht werden.

Ich kann mich mit meinen Figuren auch nicht unterhalten. Ich sehe und höre sie, wie sie sich miteinander unterhalten, aber mit mir spricht keine von ihnen. Das geht nur dann, wenn ich einen  Dialog zwischen ihnen und mir schreibe, weil ich dann ebenfalls nichts anderes als eine Figur bin.

Ich weiß - alles keine besondere Hilfe, aber vielleicht bringt dir das Wissen etwas, dass du damit nicht allein bist.  :knuddel:
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: FeeamPC am 02. September 2013, 12:04:58
Wenn du die Figuren nicht siehst, dafür aber ihre Dialoge genau hörst, dann schreib in der 1. Person. Der Ich-Erzähler hat selten Grund, lang und breit sein Aussehen oder das seiner Gegenüber zu beschreiben. Einmal, zu Anfang, das reicht, man selbst denkt ja auch nicht: "der braungelockte schlanke Mann, der mir gegenüber sitzt", sondern "mein Gegenüber", bei der Sichtweise entfällt also gleich eine Menge von dem, was dir Kummer macht.
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Churke am 02. September 2013, 13:42:39
Chaosqueen, ich finde, dass da etwas nicht zusammen passt.
Du schreibst:

Zitat
Kurzgeschichte? Kein Problem, kann ich. Ich kann extrem dichte, atmosphärische Szenen schreiben, sofern sie genau das bleiben dürfen: Kurze, in sich abgeschlossene Szenen.

Und andererseits:

Zitat
- die Szene wäre mir zu langatmig und belanglos gewesen
- ich habe nur Stereotypien über die Figuren erfahren
- Das Bild in meinem Kopf enthielt die Umgebung (ein Geschäft), die Figuren jedoch waren seltsam blasse Pappaufsteller, die darin herumgeschoben wurden

Ja, was denn nun? Der legendäre Douglas Adamas konnte übrigens auch keine Romane schreiben, geschadet hat ihm das nie. Die Kunst besteht mitunter darin, das Projekt seinen Fähigkeiten anzupassen.
Die Figuren sind blass? Gut - da wäre Military SF fast ideal für dich.  ;D Nein, aber ich hoffe, du verstehst, worauf ich hinaus will. Wenn du dichte, atmosphärische Szenen schreiben kannst, dann musst du deinen Roman eben so aufbauen, dass er sich aus solchen Szenen zusammen setzt. Das geht! Und wenn du es gut machst, dann wird sich niemand dafür interessieren, dass die Figuren vielleicht unzureichend beschrieben sind. Ich sage mal so: Wenn du nicht darauf achtest, dann interessiert es dich offensichtlich nicht. Weshalb sollte es dann den Leser interessieren?
Was ich übrigens sehr treffend fand, das war neulich deine Beschreibung des Y-lastigen Kollegen-Speechs. Das hätte ich gerade abschreiben können.  8) Aus so etwas mache ich Figuren und nicht aus Segelohren oder Hakennasen.
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Mogylein am 02. September 2013, 13:51:15
chaosqueen, ich kann dir nur sehr wenig helfen, aber lass dir gesagt sein: du bist nicht allein  :knuddel:  In 90% von dem, was du geschrieben hast, kann ich mich selbst vorfinden, ganz besonders in der fehlenden Kreativität und den "seelenlosen" Figuren. Auch mir geht es so, dass ich mich hier im TZ umgucke und das Gefühl habe, dass ich mit so einem Problem ganz alleine dastehe.


Mein Tipp, so klein er auch sein mag:


Schreibe ausserhalb deiner Komfort-Zone. Und bedien dich ruhig möglichst extremer Wortwahl, ganz egal, in welche Richtung. Ich arbeite gerade daran, für unterschiedliche Charaktere unterschiedliche Stimmen zu entwerfen - und es kommt mir momentan alles total übertrieben und unrealistisch vor. Aber ich halte es für eine tolle Übung, um später dann den Mittelweg zu finden.
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Merlinda am 01. November 2013, 22:41:59
Kennt ihr das?
Ihr habt da eine Idee, die unbedingt geschrieben werden will. Oder besser gesagt geschrieben werden muss!
Aber ihr habt Angst davor? Ich meine so richtige Angst? Angst davor eine unsichtbare Grenze zu überschreiten, die von der Gesellschaft gezogen wurde?
Ein Thema ... ja schon fast zu beschönigen, dass von allen Seiten als falsch und verwerflich und schlimmstenfalls totgeschwiegen wird?
Irgendwie bin ich gerade von mir selbst voll geschockt, dass wirklich damit begonnen habe, das leere Dokument mit Wörtern zu füllen, die mir selbst Angst machen ...  :versteck:
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Moni am 01. November 2013, 23:04:07
Das tolle am Schreiben ist, dass man damit Grenzen überschreiten kann. Zum einen die von der Gesellschaft auferlegten, zum anderen die selbst gezogenen.
Und es ist normal, dass man dann an einen Punkt kommt, an dem man innehalten und darüber nachdenken muß. Dieser Punkt liegt bei jedem an einer anderen Stelle, aber es ist immer ein wichtiger Moment, nicht nur aus schriftstellerischer Sicht, sondern auch ganz persönlich.
Bei dir klingt es so, als hättest du gerade diesen Punkt erreicht. Das kann einem Angst machen, oder Zweifel wecken, aber eines sollte es nicht: dich aufhalten.   :knuddel:
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Merlinda am 01. November 2013, 23:10:45
Danke Moni. :knuddel:
Okay ... ich hab mir jetzt selbst einen Tritt gegeben ... Ich starte einen Doppel - NaNo ...  :versteck: Auch wenn es zeittechnisch wahrscheinlich gar nicht hinhauen wird...
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: AngelikaD am 02. November 2013, 16:21:53
Ich muss gestehen, mir fällt gar kein Thema ein, das totgeschwiegen wird. Von Kindesmissbrauch bis Hetze gegen Andersdenkende, von Genozid bis Kanibalismus, von Inzest bis Vernachlässigung - über alles gibt es Texte, Bücher, Filme ect... Also ran an die Tasten. Welches Thema dir auch auf der Seele brennt, du bist bestimmt in Gesellschaft.
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: HauntingWitch am 02. November 2013, 16:43:24
Merlinda, ich weiss nur zu gut, was du meinst. Ich frage mich bei jeder Horror-Story, die sich mir aufdrängt, ob ich noch normal bin, so etwas wirklich zu Papier zu bringen. Antwort: Ich weiss es nicht. Aber erstens schadet mir das nicht, im Gegenteil, es ist befreiend. Und zweitens ist doch gerade das der Sinn und Zweck der Literatur. Themen anzusprechen und auf den Tisch zu bringen, die in der Gesellschaft verrufen sind. Ansichten und Seiten aufzuzeigen, die sonst keiner preiszugeben vermag. Also, was immer es ist, schreib es. Das schlimmste, was passieren kann, ist, dass es vielleicht niemand lesen möchte. Aber das darf in diesem frühen Stadium einer Geschichte noch kein Kriterium sein.  :knuddel: Und betrachte die Furcht "vor dir selbst" sozusagen bitte nicht als Grund, es nicht zu schreiben. Du lernst dadurch höchstens neue Aspekte von dir kennen und das ist nichts Schlechtes.  ;)
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Rosentinte am 10. November 2013, 15:56:24
Nun hat der Zweifel es auch zum ersten Mal an meine Tür geschafft. Schreibtechnisch war dieses Jahr ein Graus. Ich habe "gerade mal" 100k geschafft, was eigentlich weit unter meinem Niveau liegt (ich bin Schnelltipperin und schaffe locker 1k/30min). Das schiebe ich aber u.a. dem Abi zu, dass mich in vielerlei Hinsicht blockiert hat.
Trotz Unistress verspüre ich in den letzten Wochen aber wieder Lust zu schreiben. Ich habe mehrere Plots, die ich gern schreiben würde, für die ich aber viel Recherche brauche, was momentan zeitlich einfach nicht drin ist (weswegen ich leider auch den NaNo ausfallen lassen musste). Also habe ich mich für mein "erstes" Projekt entschieden und dem Plot eine gründliche Politur verpasst. Er gefällt mir jetzt besser, die Protas sind viel lebendiger... aber es ist nicht mein Plot. Ich fühle beim Schreiben nicht den Stolz, dass ich meine Idee aufschreibe, stattdessen scheint mir der Plot völlig fremd (genauso wie die Charaktere, obwohl es zum großen Teil immer noch dieselben sind). Noch schlimmer ist aber, dass ich das Gefühl habe, ich würde den Roman nicht ordentlich hinbekommen. Ich habe ihn schon einmal verhauen (nun gut, damals war ich 13), aber jetzt will ich es "richtig machen". Vielleicht kommt auch noch dazu, dass ich ja jetzt Deutsch studiere und das Gefühl habe, ich müsste doch die Theorie irgendwie mit einfließen lassen und etwas "Besseres" produzieren als vorher. Blödsinn nach vier Wochen Uni, aber mir kommt es so vor.
Ich weiß, dass ich Geschichten runtertippen kann. Schnell. Vielleicht mit einigen Highlights, aber sehr viel Potenzial zum Überarbeiten. Aber wenn ich es wirklich "gut" machen will, dann stehe ich plötzlich vor einer riesigen Blockade. Und ich will doch nichts als zu schreiben  :-\
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Grey am 10. November 2013, 16:28:56
Ach je, der böse Theorieteufel. Das ist ein ganz bekanntes Phänomen, glaube ich, dass man durch so ein Studium oder die Lektüre von Ratgebern seltsame Ansprüche an sich entwickelt, die man dann nicht umsetzen kann, weil sie denkbar unkonkret sind. Einer der Gründe, warum ich eine Naturwissenschaft studiert habe und keine Ratgeber lese. ;)

Ich würde dir raten: Verabschiede dich davon, "gut" schreiben zu wollen. Schreib, wie du schreibst. Mit einem Plot, der dich mitreißt, den du liebst. Sonst zerdenkst du dir nur alles. Du bist schon gut, davon hast du mich hier im Forum an mehreren Stellen überzeugt, und ich denke, es ist wichtig, dass du das selbst auch wirklich weißt. Du bist gut. Das heißt nicht, dass du dich nicht selbst kritisch betrachten darfst, ganz und gar nicht! Aber immer von der Warte aus, dass das, was du beim schnellen Runterschreiben fabrizierst, keineswegs schlecht ist, sondern höchstens noch verbessert werden kann (das kann es immer). Ganz sicher bist du sowieso schon von ganz allein besser geworden durch die Erfahrungen, die du im vergangenen Jahr gesammelt hast. Wichtig ist jetzt, dass du schreibst, und dass du deine eigene Stimme über lauter Bessermacherei nicht aus dem Kopf verlierst. Sonst kann dir dein Text nur fremd werden, und das tut ihm und dir nicht gut.

Du machst das schon. Bestimmt. :knuddel:
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Rosentinte am 11. November 2013, 19:41:47
Danke, Grey  :knuddel:

Im Laufe des Tages wurde mir bewusst, dass es vermutlich auch daran liegt, dass mein Manuskript für die Andersen-Ausschreibung abgelehnt wurde - völlig zurecht, aber das nagt natürlich an meinem Selbstbewusstsein. Wahrscheinlich suche ich deswegen nach "Ratgebern", wie ich es besser machen kann.
Na ja, ich werde es mal weiter versuchen... Wenn man einmal eine Grundsubstanz hat, kann man ja alles verbessern, da hast du wohl recht.
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Pandorah am 16. November 2013, 15:27:10
Ich lese im Moment viele Schreibblogs aus dem US-amerikanischen Raum, die sind irgendwie immer so motivierend. Und was mir persönlich sehr geholfen hat, ist der Begriff "shitty first draft". Ganz viele Autoren scheinen damit zu kämpfen, und es hilft sehr, dass ich mir die Erlaubnis gebe, einen ersten "beschissenen" Rohentwurf zu schreiben.

Immer, wenn der Zweifel donnernd an die Tür klopft und dann überheblich hereinschlendert, ohne dass ich ihn hinein gebeten habe, um mit dem Altbekannten loszulegen - "Na, ist das wirklich irgendwas, das jemand lesen will? So ein Müll, den du da tippst. Noch blassere Charaktere und sie verschwinden. Oder du bekommst einen Preis für einen Machwerk ohne Charaktere - goldene Himbeere für Schreiber. Freust du dich schon?" - sage ich mir, dass es okay ist, wenn hier hinten und vorne nichts stimmen sollte. Erst mal geht es darum, die Grundzüge der Geschichte auf Papier zu bringen. Es darf Müll sein. Nach der Schreibphase kommt die Korrekturphase. In der lade ich meinen Kritiker dann herzlich ein, dass er da wieder vorbeikommen und mir helfen darf. Aber bis dahin soll er bitte Urlaub an der Adria machen, sich gut erholen und eine schöne Tasse Milchkaffee für mich mittrinken.

Ich finde das wirklich hilfreich. Zugeben, dass es Müll sein kann (aber eben nicht muss), einmal durchatmen, mich auf die Editierphase vertrösten und weitermachen. Und wenn ich dann am Korrigieren bin, kann ich feststellen, dass ich wirklich an vielen Stellen polieren muss, aber andere Stellen wirklich gelungen sind.
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Christopher am 17. November 2013, 10:36:54
Ich weiss nicht mehr wer es war, aber vor kurzem hab ich (hier im TiZi) den Link zu einem Artikel gefunden. Die Verfasserin erwähnte darin ihr Treffen mit einem nicht namentlich genannten, sogenannten "Beststellerautor". So ein Typ, dessen Bücher in 30 Sprachen übersetzt sind usw.

Und weisst du was sein Problem war? Er war auf dem Weg zu einer Lesung und fühlte sich hundeelend, weil er sein Buch scheisse fand. Einfach scheisse. Obwohl tausende Leser anderer Meinung waren.

Die Verfasserin stellte danach die These auf, dass vielleicht eben diese Unzufriedenheit der Schlüssel dazu ist, gut zu sein und gut zu bleiben. Nur hätte es eben den Nachteil, dass man permanent unzufrieden ist ;)

Was sagt das für dich?
Auch wenn du das Gefühl hast schlecht zu sein, muss das nicht richtig sein. Als Autor/Künstler sieht man die "Fehler" so deutlich wie kein anderer Mensch. Man weiss, wo man seine Makel hat und findet diese mit einem Augenaufschlag. Andere Leute die dein Werk betrachten, sehen nur das große ganze - und das sieht gut aus. Kleine Fehler werden nicht mal bemerkt, wenn man nicht gezielt danach sucht. Aber das tut niemand bei etwas, was rundum betrachtet gut ist.
Jetzt kann man natürlich seine Zeit damit verbringen, zu versuchen, all diese Fehler die man ja so gut sehen kann auszubügeln... oder, man aktzeptiert eines Tages, dass Perfektion unerreichbar ist. Und ist zufrieden mit dem was man erreicht hat.
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Alastair Kaya am 17. November 2013, 12:29:14
Gab es da nicht auch einen Roman, worin es darum ging, dass ein ganz bestimmter Autor nur brillant sein konnte, wenn es ihm so richtig dreckig ging? Und irgendjemand -- waren es seine Agenten? -- sorgten dann dafür, dass ihm auch nur schlimme Sachen widerfuhren. Ich weiß es auch nicht mehr genau, aber ich meine, mich daran erinnern zu können, dass mir meine Chefin davon mal was erzählt hatte.

Ich denke, man selbst ist sein schlimmster Kritiker. Im Gegenteil! Erst wenn man denkt, man sei perfekt und man brauche alles nur aus dem Ärmel zu schütteln, damit es ein Geniestreich würde, sollte man sich zu sorgen anfangen.
Ein ideales Beispiel:
Meine Buchhandlung hat mit dem Café gegenüber diese Woche eine Lesung mit Frühstück organisiert. Zwei Autorinnen haben gelesen.
  Eine davon ist sagenhaft sympathisch und schreibt so erfischend spannend! Sie hat auch schon einiges veröffentlicht und es waren stets tolle Werke. Vor der Lesung jedoch ist ihr ordentlich die Pumpe gegangen, sie hat gezittert -- ein seelisches Wrack eben. Sie könne das nie schaffen, hat sie gesagt, und dass sie froh wäre, wenn es ganz schnell vorüberginge. Hinterher ist sie der Höhepunkt der Veranstaltung gewesen. Die lokale Presse hat sich vor Lob und Preis geradezu überschlagen.
  Die Zweite dagegen war kein bisschen nervös. Sie hat bis jetzt drei Romane veröffentlicht, allesamt in einem dieser Verlage erschienen, die mit Annoncen sogar offensiv nach Autoren suchen, die ihr ins Netz gehen. Auf allen dreien ihrer Roman steht im Autorenportrait auf dem Klappentext, ich darf zitieren: "Sie selbst sieht das Schreiben als Gottesgabe, die sie gerne und dankend annimmt." So tritt sie auch auf: selbstsicher, überzeugt von ihrem Talent, als ob wir nur die Dilettanten wären, die ihr Originalgenie nicht erkennen könnten.
  Ich habe die Bücher quergelesen. Es ist auch rein gar nichts Geniales dabei -- soviel zur Gottesgabe. Ich darf mich gewiss selbst noch nicht als den geborenen Literaturkritiker schimpfen, aber ihr Schreibstil und ihre Erzähltechnik sind übel. Immerzu Hauptsätze aneinandergereiht, berichten von banalen Belanglosigkeiten, die dem Verlauf des Romans nicht im geringsten dienen. Langweilige Dialoge einfallslose Überleitungen. Die Frauen schimpfen beim Spaziergang über ihre unbequemen Schuhe, während sich die Männer nach dem regionalen Bier verzehren -- nicht dass das auf irgendeine Weise relevant für den Plot sein könnte. Es gibt Momente des Alltags, die es sich aufzuschreiben nicht lohnt.
  Alles in allem -- wenn man diese beiden Damen gegenüberstellt -- die Eine, von Selbstzweifeln geplagt, dafür aber auch stets selbstkritisch und auf das Gelingen ihres Werks bedacht, und die Andere, völlig naiv, komplett von ihrer Gabe überzeugt, genauso wie von dem eigentlich nicht vorhandenem Genius ihres Schaffens. Das Ergebnis ließ sich auch sehen, während die Zweiflerin mit verdientem Lob überschüttet wurde, hieß es über Frau "Ich-kann-alles-und-das-auch-besser!" sinngemäß:

"Es ist tragisch, dass in Zeiten des Internets und der dubiosen Kleinverlage jeder meint, er müsse ein Buch herausbringen, wenn doch ihr Werk allerhöchstens etwas für die Tonne wäre. Man sah es ihren Gesichtern an, dass sich die Zuhörer nur schwer vom Schlafen abhalten konnten."

Ich persönlich bin auch ein Selbstzweifler und sehe den gerade eben genannten Wortblock, als Antrieb, immer besser und besser zu werden. Wenn ich jetzt meine Texte von vor sechs Jahren lese, möchte ich mich fragen, was mich denn da geritten hatte. Es könnte also auch sein, dass in weiteren sechs Jahren meine heutigen Texte mir nur noch peinlich sind. Also trimme ich mich selbst Tag für Tag zum Besserwerden und sehe den Selbstzweifel als notwendigen Kollegen. Dabei darf ich mich nur nicht selbst sperren, sondern muss eben den Mut aufbringen, auch mal scheiße sein zu dürfen -- man entschuldige mir an dieser Stelle den Kraftausdruck.
  Ich bin mit meinen 23 auch noch nicht so weise, wie vielleicht mit 73, deswegen höre ich doch jetzt auch nicht auf, mir Meinungen und Wissen anzueignen und auch dazu zu stehen, oder? Wenn also wieder mal der Zweifel an meiner Tür klopft, bitte ich ihn rein, hör mir seine Argumente an, akzeptiere meine Imperfektion und bitte den Zweifel, jetzt dann aber auch mich zu Wort kommen zu lassen, damit ich weiter fürs Leben lernen kann.

Danke für eure Geduld, ist mal wieder ein kleiner Aufsatz geworden. :buch:
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Leann am 17. November 2013, 12:39:57
Hier sind ja wieder neue, spannende Beiträge dazugekommen. Ich finde es sehr motivierend, was ihr schreibt. Zweifel müssen nicht von vorneherein schlecht sein, sie dürfen nur nicht blockieren. Die "Zweifelnde" von der Lesung hat gezweifelt, aber sie hat trotzdem gelesen und Erfolg damit gehabt. Das ist gut. Ich zweifele oft so stark an meiner Schreibfähigkeit, dass es mich total blockiert. Das war jahrelang so schlimm, dass ich gar nicht mehr geschrieben habe. Erst letztes Jahr habe ich es geschafft, das einigermaßen zu überwinden, aber es gibt immer Rückfälle. Für mich persönlich habe ich herausgefunden: Es gibt diese Zweifel, sie sind immer da, mal stärker, mal schwächer, aber ich lasse mich nicht mehr von ihnen lähmen. Es ist ein täglicher Kampf, ab und zu fällt es mir leichter zu gewinnen, und manchmal, selten noch, verliere ich auch. Aber aufgeben gilt nicht.
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Alastair Kaya am 17. November 2013, 14:37:16
Sollte der Zweifel mal wieder Stalker spielen, sagt einfach Bescheid. Ich geb euch dann eine Infusion mit Vitamin S (Selbstvertrauen). Ich denke, ein gesundes Ego balanciert stets zwischen "Ich bin ein Nichts!" und "Ich bin der König der Welt!" ;)
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Thaliope am 17. November 2013, 14:58:00
Hier sind ja wieder neue, spannende Beiträge dazugekommen. Ich finde es sehr motivierend, was ihr schreibt. Zweifel müssen nicht von vorneherein schlecht sein, sie dürfen nur nicht blockieren. Die "Zweifelnde" von der Lesung hat gezweifelt, aber sie hat trotzdem gelesen und Erfolg damit gehabt. Das ist gut. Ich zweifele oft so stark an meiner Schreibfähigkeit, dass es mich total blockiert. Das war jahrelang so schlimm, dass ich gar nicht mehr geschrieben habe. Erst letztes Jahr habe ich es geschafft, das einigermaßen zu überwinden, aber es gibt immer Rückfälle. Für mich persönlich habe ich herausgefunden: Es gibt diese Zweifel, sie sind immer da, mal stärker, mal schwächer, aber ich lasse mich nicht mehr von ihnen lähmen. Es ist ein täglicher Kampf, ab und zu fällt es mir leichter zu gewinnen, und manchmal, selten noch, verliere ich auch. Aber aufgeben gilt nicht.

Ich glaube, ich kann das ziemlich gut nachvollziehen.:knuddel: Ich habe im Moment das Gefühl, so weit wie nie zuvor davon entfernt zu sein, etwas Veröffentlichungswürdiges zu Papier zu bringen.
Es ist mir ein Rätsel, wie man es trotz all dieser Zweifel schaffen soll, seine Geschichten zu Ende zu bringen, auch noch zu überarbeiten und dann auch noch anzubieten. Wie man verhindert, dass man den Glauben an die eigene Geschichte verliert, bevor sie fertig ist. Wie hat jemand, der mit solchen Zweifeln in jede Lesung geht, es je bis zu diesem Punkt geschafft?

LG
Thali
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Eleanor am 17. November 2013, 15:07:05
Dann will ich auch mal ein bisschen meinen Senf dazugeben  ;)

Das Problem beim Schreiben war bei mir tatsächlich nie, dass mich Zweifel komplett blockiert hätten, immer wenn der Gedanke aufkam, das ist doch richtig unlogischer Mist, den du da fabrizierst, dann hat es meistens gereicht mir zu sagen: Ja! Dann schreibe ich jetzt einfach mal kompletten Nonsens, schließlich ist Schreiben ja auch irgendwo mein Hobby und Hobbys dürfen generell auch mal Spaß machen. Es wird jetzt vielleicht nicht von meinerseits das Rad neu erfunden werden, aber ich konnte mich fantasiemäßig mal austoben.
Allerdings wenn in der Familie geschrieben wird, (in dem Fall meine Schwester) komme ich schon öfter mal ins Grübeln und fange unbewusst mit Vergleichen an. Hat sie nicht einen viel besseren Stil? Warum hört sich bei ihr alles so schön schlüssig an nur bei mir nicht? Sollte ich überhaupt bei mir weiter schreiben? Der Zweifel der dann entsteht ist wahrscheinlich auch eine gewisse Form von Neid, den kann man leider nie ganz abstellen. Der beste Weg über diese Art des Zweifelns heraus zu kommen war bisher immer für mich darüber zu reden. Wir unterstützen uns gegenseitig sehr viel, auch wenn aus meiner Sicht alles was sie schreibt ziemlich gut ist muss ich feststellen, dass sie genauso oft Bedenken an dem was sie verfasst hat, wie ich.
Auch wenn man denkt, jemand wäre ein so toller Autor, er/sie hatte bestimmt noch nie irgendwelche Kratzer am Schreiber-Ego, so muss man feststellen: Selbst die erfolgreichsten Schriftsteller schütteln nicht einfach alles aus den Ärmeln. So gut wie in jeder Danksagung hinten steht "Danke an
denjenigen der mich unterstützt hat, weiter zu schreiben, ohne den und den hätte es dieses Buch wahrscheinlich nie gegeben."
Das ständige Gezweifel ist eben meistens da, denn wenn es einem aller Unbescheidenheit komplett fehlt, wie Alastair vorhin beschrieben hat, heißt es nicht das automatisch, dass dank mordsmäßigem Selbstbewusstsein gleich ein viel besseres Werk herauskommt. Wichtig ist meiner Meinung nach einfach die Balance zwischen Selbstbewustsein und Selbstkritik. (So und jetzt habe ich wieder Zweifel ob mein Kommentar nicht ein ziemlicher Müll ist ;) )
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Anaya am 17. November 2013, 16:03:50
Das ist für mich gerade ein ganz aktuelles Thema ... :-\

Vor einem Jahr habe ich eine etwas längere phantastische Kurzgeschichte geschrieben, die in eine Heimat bezogene Anthologie integriert werden sollte. Leider wurde die Anthologie abgeblasen, weil der Verlag zur Zeit wohl kleinere Brötchen backen muss.

Nun saß ich also da mit meiner Geschichte und dachte mir: Hey, die bietest du jetzt einfach einer ortsansässigen Zeitung an! Guter Plan! Aber vorher nochmal drüber lesen ... ob nicht doch was besser zu machen wäre ... oder umzuändern ... oder neu zu formulieren.
Also habe ich versucht, meine Story 'objektiv' zu lesen - so wie sie ein Redakteur lesen würde.
Und jetzt bin ich so verunsichert, dass ich mich einfach nicht überwinden kann, bei der Zeitung vorstellig zu werden, um das Teil anzupreisen. Inzwischen sind Wochen vergangen und meine Geschichte modert auf dem Pc vor sich hin. :(

Das Witzige daran ist, als ich sie damals geschrieben hatte und beim Verlag einreichte, fand ich sie noch ganz passabel.
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Pandorah am 17. November 2013, 17:21:55
@Anaya
Lass doch mal einen Betaleser deines Vertrauens darüber schauen. Der kann dir dann Feedback geben. Ich finde Betaleser ohnehin unglaublich wichtig. Man ist doch immer irgendwie betriebsblind, wenn man so viel Zeit mit einem Text verbracht hat.


Zum Thema zweifelnde bekannte Autoren fällt mir etwas ein, dass ich zu Neil Gaiman gelesen habe (und der ist ja nun wirklich kein Niemand, den keiner lesen mag). Der ruft wohl auch regelmäßig seine Lektorin an und beklagt sich, dass sein neustes Werk Schrott ist und dass man das vielleicht unter den Tisch fallen lassen solle und überhaupt. Und sie kontert nur trocken mit: "Ach, du bist an der Stelle des Romans." Er hat geschrieben, dass ihm das bei jedem Roman aufs Neue passiert und laut der Lektorin nicht nur ihm, sondern vielen Autoren, die sie betreut. Es geht also wirklich auch den besten so. :)
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: HauntingWitch am 18. November 2013, 15:43:31
Ich weiss nicht mehr wer es war, aber vor kurzem hab ich (hier im TiZi) den Link zu einem Artikel gefunden. Die Verfasserin erwähnte darin ihr Treffen mit einem nicht namentlich genannten, sogenannten "Beststellerautor". So ein Typ, dessen Bücher in 30 Sprachen übersetzt sind usw.

Das war in dem Zoë Beck Artikel, den habe ich verlinkt.  :) Ich finde eure Beiträge auch gerade total motivierend. Danke für's Anstossen, Pandorah.

@Thaliope: Nun, ich denke, da muss man seine Geschichte einfach so sehr lieben, dass sie einem zu schade für die Tonne ist. Seit ich mit der Überarbeitung von meinem Skript angefangen habe, empfinde ich das meiste davon auch als Schrott. Aber ich liebe die Charaktere darin. Ich liebe die Welt. Ich liebe meine Geschichte. Es wäre doch dumm, all das aufzugeben, nur weil es zu wünschen übrig lässt. Dafür überarbeite ich es ja. Vielleicht hängt es auch damit zusammen, wie man gestrickt ist, aber ich sage mir einfach immer, ich habe so viel Liebe hinein gesteckt, das darf nicht umsonst gewesen sein. Deshalb mache ich immer weiter, selbst wenn ich zwischendurch frustriert bin.
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Thaliope am 18. November 2013, 15:55:37


@Thaliope: Nun, ich denke, da muss man seine Geschichte einfach so sehr lieben, dass sie einem zu schade für die Tonne ist. Seit ich mit der Überarbeitung von meinem Skript angefangen habe, empfinde ich das meiste davon auch als Schrott. Aber ich liebe die Charaktere darin. Ich liebe die Welt. Ich liebe meine Geschichte. Es wäre doch dumm, all das aufzugeben, nur weil es zu wünschen übrig lässt. Dafür überarbeite ich es ja. Vielleicht hängt es auch damit zusammen, wie man gestrickt ist, aber ich sage mir einfach immer, ich habe so viel Liebe hinein gesteckt, das darf nicht umsonst gewesen sein. Deshalb mache ich immer weiter, selbst wenn ich zwischendurch frustriert bin.

"Da muss man ... einfach so sehr lieben", schreibst du. Genau das ist der springende Punkt für mich. Wie macht man das? Was mich immer wieder dazu bringt, aufgeben zu wollen, sind nicht in erster Linie Zweifel an der Umsetzung, sondern die plötzliche Überzeugung, dass die ganze Geschichte nichts taugt und ohnehin gar nicht zu mir passt und ich nur meine Zeit damit verschwende.
Aber ich glaube, der NaNo hat mich gerade an einen ganz interessanten Punkt gebracht. Ich bin gespannt, was daraus wird und werde ggf. beizeiten in der Schreibbar darüber berichten ... Drückt mir die Daumen, ja?  :bittebittebitte:

Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Christopher am 18. November 2013, 16:04:54
Fühl meine Daumen als gedrückt  :jau:

Bin nu auch beim NaNo auf ein, zwei Dinge gestoßen, die mir vielleicht gar nich gefallen. Aber mal sehen. Man lernt ja schließlich immer dazu. Vielleicht findet man sein eigenes Werk auch nur immer scheisse, weil man es in zeitlichem Abstand liest.

Vielleicht sind Leute, die ihr Werk gut finden, einfach nicht besser geworden, seitdem sie es geschrieben haben?
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: HauntingWitch am 18. November 2013, 16:07:21
"Da muss man ... einfach so sehr lieben", schreibst du. Genau das ist der springende Punkt für mich. Wie macht man das?

Das kann ich dir leider nicht sagen, bei mir ist es einfach so. Ich strebe das nicht gewolllt an, es passiert einfach, dass ich sie lieb habe. Ich drücke dir aber auf jeden Fall auch die Daumen.  :jau:
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Pandorah am 18. November 2013, 16:15:13
@Thaliope
Beim NaNo war ein Motivationsschreiben von Donna Freitas dabei, dass genau den Punkt des Liebens der eigenen Sachen aufgegriffen hat. Nicht im regulären NaNo, sondern für die Young Writers. Erinnere dich zurück, was dir dieses Bauchkribbeln gebracht hat, das dich dazu verleitete, die Geschichte überhaupt zu beginnen: http://ywp.nanowrimo.org/donna-freitas
Die Daumen sind auf jeden Fall gedrückt für dich.
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Thaliope am 18. November 2013, 16:19:13
Das kann ich dir leider nicht sagen, bei mir ist es einfach so. Ich strebe das nicht gewolllt an, es passiert einfach, dass ich sie lieb habe. Ich drücke dir aber auf jeden Fall auch die Daumen.  :jau:

Danke fürs Daumendrücken  :knuddel: Und das mit dem Liebhaben ... das lässt sich wohl einfach nicht bewusst steuern, wie sonst im Leben ja auch nicht. Naja. Wie gesagt, im Augenblick habe ich wieder ein kleines bisschen Hoffnung.

@Christopher: Auch dir danke für deine Daumen.  :knuddel:
Eine komplett unkritische Haltung ist der eigenen Entwicklung sicher nicht zuträglich, das stimmt schon. Aber manchmal beneide ich manche Autoren schon darum, wie bedingungslos sie von ihren Projekten überzeugt sind. :)

@Pandorah: Das ist ein sehr schöner Ansatzpunkt, ja. Danke. :)
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Anaya am 19. November 2013, 09:21:59
Huch, schon wieder so viele Beiträge.  :)

@Pandorah:
Mein Betaleser mochte die Geschichte. Trotzdem kann ich mich nicht überwinden ...

Zum Glück sehe ich hier, dass ich mit meinem Problem nicht alleine bin! Das hilft schonmal sehr. :)
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Pandorah am 19. November 2013, 20:19:53
Dann grab vielleicht mal in dir nach, warum du dich nicht überwinden kannst. Ist es die Angst vor Ablehnung? Da hat Malinchen einen ganz tollen Beitrag in dem entsprechenden Thread über Absagen zu geschrieben: http://forum.tintenzirkel.de/index.php/topic,13556.msg559353.html#msg559353

Oder ist es dir in der Regionalzeitung zu "nah dran", zu "persönlich"? Oder vielleicht nicht das richtige Medium, weil du es lieber in Buchform hättest?

Und wenn du auf keinen grünen Zweig kommst, vielleicht eine gute Freundin schnappen, ihr sagen, dass du das gute Stück bis spätestens zum x-ten November eingeschickt haben willst, so als Zielsetzungsmotivator, und dann Augen zu und durch. Wenn du die Geschichte einschickst, kann sie abgelehnt werden. Wenn nicht, bleibt sie auf jeden Fall in der Schublade. *sanft anstups*
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Arcor am 15. Dezember 2013, 19:02:27
Gott, ich könnte gerade so  :brüll: und  :wums: und so richtig ko**en!

Dieses Projekt geht mir langsam so dermaßen auf den Sack! Ich weiß auch gar nicht, warum, aber irgendwie will es einfach nicht.

Ich habe es ja schon einmal geschrieben. Da war es ok, aber oft unlogisch. Ich weiß, wo seine Schwachstellen liegen. Ich habe den halben Aufbau verändert. Ich habe es entschlackt und logischer gemacht und mich von überflüssigem Ballast getrennt - aber eben alles nur im Plotten. Sobald ich aber vor dem Dokument sitze, herrscht Flaute, Ebbe, totaler Stillstand im Hirn. Nichts will mir gelingen, nichts was ich schreibe gefällt mir. Und wenn doch einmal etwas Gutes dabei ist, dann muss ich das hinterher wieder wegwerfen, weil es zu langatmig oder langweilig oder langsam ist oder nach der nächsten Plotänderung nicht mehr reinpasst.  :happs:
Wahrscheinlich wäre es am besten, alles einfach in die Tonne zu kloppen und ganz neu anzufangen, aber darauf habe ich auch keine Lust und obendrein keine Zeit. Unter der Woche komme ich kaum zum Schreiben und am Wochenende geht dann bis auf 500 krude Wörter hier und da einfach nichts. Mir fehlt die Energie und langsam auch wieder die Motivation. Ich hab wegen dem verdammten Projekt erst im August zwei Monate Schreibauszeit genommen, ich habe eigentlich keinen Bock, dass das schon wieder passiert.

Ich will endlich das Ding auf die Rille kriegen! Ich will einfach! Und ich habe auch keine anderen Projekte in der Hinterhand, die so fertig geplottet wären, dass ich da einfach loslegen könnte, um mich mit ihnen aus dem Tief zu ziehen. Im Gegenteil, wahrscheinlich würde es da genauso enden.  :-\ Aber wenn ich da kein Land sehe, zieht es mich richtig runter - einfach, weil mir die Figuren und die Idee so gut gefallen. Und je mehr Wochenenden ich ohne was Zählbares vergehen lasse, umso beschissener fühle ich mich. Ganz ehrlich, mir graut gerade vor den Feiertagen, wo ich zehn Tage am Stück schreiben könnte, ohne Arbeit und alles. Eigentlich hatte ich mich darauf gefreut, aber wenn es dann so läuft wie jetzt, wird es ein einziges Desaster.  :gähn:
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Cailyn am 16. Dezember 2013, 17:54:22
Eine komplett unkritische Haltung ist der eigenen Entwicklung sicher nicht zuträglich, das stimmt schon. Aber manchmal beneide ich manche Autoren schon darum, wie bedingungslos sie von ihren Projekten überzeugt sind.
Also dazu möchte ich noch etwas sagen. Ich finde es ein Irrtum, sein Werk zu lieben gleichzusetzen mit der Überzeugung, dass man es gut und zufriedenstellend geschrieben hat. Ich kann da nur von meiner Warte aus sagen: Ich liebe meine Figuren, jeden einzelnen, auch die Bösen, und ich liebe die Konflikte, in welche sie geraten, und ich liebe ebenso den roten Faden, der alles zusammenhält. Das heisst aber noch lange nicht, dass ich mein Werk für super halte, denn die Umsetzung von den Figuren, den Konflikten und dem roten Faden ist ja das, was die Qualität des Buches schliesslich ausmacht. Und genau da kommt mein grosser Zweifler ins Spiel, der mir dann sagt, dass man doch alles noch viel besser umsetzen könnte. Der schreit mich dann täglich an und wirft mir sogar vor, ich würde meine Figuren und meine eigens erfundene Geschichte nicht gebührend behandeln, weil ich nicht das Allerbeste aus diesem Gedankengut heraushole. Wirklich selbstbewusst ist das nicht. Und trotzdem liebe ich das Buch.   :hmmm:

Arcor,
Ich glaube, du brauchst dringend ein Zwiegespräch. Nein, ehrlich. Mir scheint, du drehst dich im Kreis. Kann es sein, dass du im Sommer auch schon mal davon gepostet hast? Irgendwie ist mir das so vage in Erinnerung. Jedenfalls, ich würde mich mal mit jemandem zusammensetzen, der an deinem Buch interessiert ist und über eine der Stellen diskutieren, die du überarbeiten solltest. Warum? Ich bin überzeugt davon, dass Blockaden jeglicher Art auch immer mit einem blinden Fleck zu tun haben, den man nicht als solchen wittert. Da kannst du noch so überzeugt sein zu wissen, was nicht gut ist - irgendwo fehlt da ein kleines Stückchen, eine letzte zündende Idee, die dich dann nämlich enormst motivieren würde, es niederzuschreiben. Und da eignet sich meistens ein Gesprächsparnter, der Fragen über eine Szene stellt, die dir gar nicht in den Sinn kommen, der das Ganze neu beleuchtet.
Also please...no desaster  :knuddel:
Und wenn du kein Zwiegespräch suchen willst, dann sprich mit deinen Figuren. Manchmal haben auch die eine ganz schön grosse Klappe!  ;D
Und wenn's dir helfen täte, würde ich mich auch anerbieten, ein "Problem"-Kapitel zu lesen. Auch wenn man vom Ganzen keine Ahnung hat, kann man ja was diskutieren.
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Leann am 19. Dezember 2013, 16:15:42
@ Arcor: Vielleicht brauchst du "Urlaub" von dem Projekt. Kommt mir so vor, als wärst du ein wenig verbissen, wenn es um dieses eine Projekt geht und verkrampfst dich. Es ist natürlich immer so einfach als Außenstehende zu sagen "Sei mal locker". Wenn das so einfach wäre. Versuch doch mal eine Auszeit von dem Projekt zu nehmen, und zwar so richtig. Nicht dran denken, nicht dran schreiben. Die 10 freien Tage kannst du dann nutzen, um einfach mal draufloszuschreiben, was dir gerade so Spaß macht, nur für dich, aus Freude am Schreiben, ohne Hintergedanken. In ein paar Wochen kehrst du dann zu dem Projekt zurück. Vielleicht klappt es dann, vielleicht auch nicht, aber erzwingen kannst du es nicht.

@ Cailyn: Genauso geht es mir auch. Ich liebe einige meiner Werke, aber oft denke ich, die könnten wirklich gut sein, wenn ich sie nicht geschrieben hätte, sondern jemand, der es kann.

Gerade in den letzten Tagen packt mich noch ein anderer Zweifel. Ich habe mehrere Schreibideen, aber ich finde die alle abgedroschen, unausgegoren, platt, viel zu simpel, belanglos und langweilig. Wage ich einen Blick auf meine bereits vollendeten Werke, wird das Trauerspiel noch deutlicher. Auch hier nur altbekanntes, ödes Zeug. Austauschbare schablonenhafte Figuren, vorhersehbare Plots (oder gar kein Plot), einfach nur zum gähnen.
Wenn ich hier im TiZi die Projekte der anderen ansehe, wird mir das immer wieder vor Augen geführt, denn alle haben originelle Ideen, interessante, vielschichtige Plots, faszinierende Figuren und akribisch geplante und ausgefeilte Welten. Ich will das auch haben, aber alles was mir einfällt ist s.o., halt platt. Immer, wenn mir mal was einfällt, merke ich schnell: Das gibt es schon. Meistens macht mir das nichts. Ich bin ein seichter Mensch, ich habe Spaß daran, einfaches Zeug zu lesen und zu schreiben. Aber im Moment packen mich Zweifel. Ich schreibe gerne, aber hab ich überhaupt was zu schreiben? Vermutlich sind meine Ansprüche an mich selbst mal wieder zu hoch. Vielleicht bin ich einfach der Typ für belanglose Geschichten, die es schon hundert Mal in ähnlicher Form gibt. Dann muss ich mich wohl damit abfinden, denn anders krieg ich es offenbar nicht hin.   
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Alaun am 19. Dezember 2013, 16:20:32
Leann, ich glaube diese Zweifel sind einfach immer da. In unterschiedlicher Ausprägung. Es ist völlig egal, an was man gerade schreibt - die wenigsten Autoren die ich kenne sitzen an ihrem Projekt und denken sich "Boa, ich bin der geilste Autor in diesem Universum." Um ehrlich zu sein kenne ich niemanden, der das von sich denkt. Und ich glaube, mit solchen Leuten würde ich auch nichts zu tun haben wollen ...

Zweifel sind ätzend, weil sie blockieren können. Aber Zweifel sind auch unglaublich wertvoll, weil sie uns davor bewahren, unseren Texten gegenüber zu blind zu werden. Ich habe auch noch keine Lösung gefunden, um mit meinen Zweifeln in friedlicher Koexistenz zu leben, aber wenn man akzeptiert, dass sie mal mehr und mal weniger präsent sind, dann geht es meist irgendwie.

Dass alles an Ideen und Geschichten im Grunde schon einmal da war: Ja. Klar. Und? Es geht ja darum, wie DU die Geschichte erzählst. Um deinen ganz eigenen Tonfall, um das was deine Geschichten im Inneren ausmacht. Und das gibt es noch nicht. :knuddel:
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Tinnue am 19. Dezember 2013, 16:43:32
Zitat
Gott, ich könnte gerade so  :brüll: und  :wums: und so richtig ko**en!

Dieses Projekt geht mir langsam so dermaßen auf den Sack! Ich weiß auch gar nicht, warum, aber irgendwie will es einfach nicht.

Geht mir im Moment leider exakt genauso, Acor, daher fühl dich mal  :knuddel:. Kann dich sehr gut verstehen. Mein Projekt hat während des NaNo richtig Fahrt aufgenommen, wobei ich dabei sicher auch die eine oder andere SZene an die Wand gefahren habe. *g* Nun, rückblickend, ist irgendwo ein Knackpunkt, ich weiß nicht wo. Irgendetwas passt/stimmt nicht, ich komme nicht weiter, finde meine Erzählstimme nicht, finde nicht mehr in den Prota.

Vielleicht hat Leann recht und du bist zu verbissen (aufgrund der Vorgeschichte des Projekts)? Mir jedenfalls geht es genauso. Klar sind da auch Probleme vielleicht am Projekt selber, aber größtenteils ist es ein Kampf gegen meinen Perfektionismus. Verbissenheit nimmt uns die Chance, so weit klar und frei im Kopf zu werden, dass es einfach fließen kann. Es wird zum Marathonlauf, die Schreib-"Muskeln" schmerzen, es strengt an. Hast du das Gefühl, da verbissen zu sein? oder denkst du, der Ursprung ist ein anderer?

Ich nehme mir jedenfalls schwer vor, schreibtechnisch als auch überhaupt im nächsten Jahr an mir zu arbeiten. Perfektionismus kann gut sein, man kommt manchmal recht viel weiter als andere. Aber irgendwann gibt es diese Grenze, und ab da schadet er einem nur. Außerdem gehe ich, glaube ich, mittlerweile ein paar Leuten mit meinem ewigen Selbstgezweifel auf die Nerven - verständlicherweise. Ab und an bin ich aber seeehr dankbar, dass da einfach jemand ist. Das stille Kämmerlein ist und bleibt eben ein stilles Kämmerlein.
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Snöblumma am 19. Dezember 2013, 16:57:17
@Leann

Zeig mir mal die eine Geschichte, die es so noch nie gab. Das ist, wie Aqua auch schon sagte, absoluter Quatsch. Alles war irgendwo irgendwie schon mal da. Was es besonders macht, ist die Art, auf die du sie erzählst. Und niemand sonst könnte sie so erzählen - weil du mit deinen Erfahrungen, Erkenntnissen und Herangehensweisen sie zu etwas besonderem machst. Das Technische ist nur die eine Seite der Medaille, aber dieses Besondere, das kann niemand auf dieselbe Weise wie du. Und ich glaube ganz fest daran, dass dieses Funkeln Besonderes in jeder Geschichte drinsteckt. Es geht gar nicht anders, wenn wir kreativ sind - irgendwo stecken wir selber. Und das ist genau der Touch, der unsere Version von Romeo und Julia von den fünftausend anderen unterscheidet.

Du sagst das mit dem seichten Menschen, der seichte Unterhaltung schreiben und lesen will, als wäre es etwas negatives. Finde ich ehrlich gesagt gar nicht. Seichte Unterhaltung ist etwas wahnsinnig tolles. Millionen von Menschen wollen nach einem anstrengenden Tag nichts anderes. Es ist vielleicht nichts, das uns in ein Deutschbuch bringt, aber gut, dann halt nicht. Seichte Unterhaltung hat in meinen Augen dieselbe Existenzberechtigung wie hohe Literatur. Sie hat einfach ein anderes Publikum, andere Voraussetzungen, andere Ansprüche und andere Zwecke.

Wenn du sagst, du hast Projekte, die dir vor Augen führen, was dir selbst deiner Meinung nach fehlt: Ich analysiere in solchen Fällen gerne, was genau der Autor gemacht hat, um diesen Eindruck zu erwecken, den ich selbst meiner Meinung nach nicht schaffe. Wenn es Projekte aus dem Zirkel sind, umso besser. Frag nach, wie die Leute das machen. Es ist dir sicher niemand böse, wenn du ihn auf einen bestimmten Kniff ansprichst, oder wie er/sie auf dies und das gekommen ist, wie er/sie seine Figuren anlegt usw. Vielleicht können sie dir eine (technische) Antwort darauf geben. Die technische Seite des Schreibens lässt sich lernen. Und der Rest ist Übung, Spaß und eben dieser Touch eigener Kreativität, der meiner Meinung nach einfach da ist, bei jedem einzelnen von uns. Sonst könnten wir nämlich gar nicht schöpferisch tätig sein, und zwar in gar keiner Weise - und so ein Mensch ist mir bisher jedenfalls noch nicht begegnet. Ich glaube daran, dass Menschen von Grund auf darauf angelegt sind, schöpferisch tätig zu sein.

@Tinnue
Wahrscheinlich brauchst du einfach Abstand zum NaNo. Der NaNo ist trotz allem Spaß immer wieder krass. Ich kenne fast niemanden, der dann einfach so weiterschreibt und nicht einen kurzen Abstand zum Wörterklopfen braucht. Nimm dir die Zeit. Lies deine Geschichte noch mal durch, geh auf die Suche nach dem Knackpunkt (denn wenn du glaubst, er ist da, wird er irgendwo sein - deine Geschichte sagt, so geht's nicht weiter. Das kann nur ein kleiner Halbsatz sein oder ein fetter Plotfehler, aber wenn du deine Geschichte einfach mal ansiehst, wird sie dir schon sagen, wo du etwas drehen musst). Aber auf die Nerven gehst du hier niemandem damit.  :knuddel: Wir kennen das doch alle, dieses blöde Zweifelgefühl.  :knuddel:
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: HauntingWitch am 19. Dezember 2013, 17:02:18
@Arcor: Vielleicht hilft wirklich eine Pause von dem Projekt. Ich kenne dich zwar nicht persönlich, um in dich hinein blicken zu können, aber dein Post klingt sehr verkrampft und verzweifelt. In diesem Zustand geht natürlich erst recht nichts, das ist nur menschlich. Sobald man etwas zu sehr will, sich selbst unter Druck setzt und sagt: Das muss jetzt aber, blockiert man sich noch mehr. Kurzum, Leann hat eigentlich schon alles gesagt. Damit du trotzdem irgendetwas schreibst, wie wäre es mit einer KG? Vielleicht auch nur einzelne Sequenzen, die dir im Kopf herumschweben? Dann würdest du nicht gar nichts machen, aber könntest doch etwas Abstand von dem Projekt nehmen.

@Leann: Oh solche Zweifel habe ich dauernd. Ich habe auch immer das Gefühl, die Sachen der anderen sind so wahnsinnig vielfältig, mit vielen Figuren und Orten und so weiter und meines kommt mir dagegen so eintönig vor. Mir hilft es dann immer, wenn ich diese Dinge tatsächlich zähle; In diesem oder jenem ach so guten Buch, wie viele wichtige Figuren gibt es wirklich? Wie viele gibt es in meinem Roman? Meistens sind die Abweichungen gar nicht so gross, wie es zunächst scheint.

Ausserdem zweifle ich gerade auch wieder ganz arg an meinem Liebling, sowohl Hauptcharaktere als auch Sprache. Ich frage mich dauernd, ob er nicht doch zu flach ist, ob meine Formulierungen nicht doch zu sehr "Kindergartensprache" sind, ob ich nicht doch etwas fantastischer, magischer, origineller usw. sein könnte. Aber das kommt und geht, immer wieder, im Wechselmodus. Wichtig finde ich, trotzdem weiterhin an sich und seine Sache zu glauben und sich nicht unterkriegen zu lassen. Auch wenn man sich immer wieder, manchmal mehrmals in der Stunde, daran erinnern muss.  ;)

Abgesehen davon, ist mir vor kurzem etwas bewusst geworden. Ich denke bei Büchern und Filmen immer wieder "Wow, ich will auch einmal so etwas schreiben, so eine Geschichte zustande bringen". Bei manchen kommt dann irgendwann der Punkt, wo ich feststelle, hey, das ist in etwa das, was ich mir damals vorgenommen hatte. Gilt es, besser darin zu werden.  ;D
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Leann am 19. Dezember 2013, 17:22:15
@ Aquamarin:
Zitat
Ich habe auch noch keine Lösung gefunden, um mit meinen Zweifeln in friedlicher Koexistenz zu leben, aber wenn man akzeptiert, dass sie mal mehr und mal weniger präsent sind, dann geht es meist irgendwie.
  Daran muss ich noch arbeiten. Immerhin hindern sie mich nicht mehr am Schreiben an sich, das ist ja auch schon was.

Zitat
Dass alles an Ideen und Geschichten im Grunde schon einmal da war: Ja. Klar. Und? Es geht ja darum, wie DU die Geschichte erzählst. Um deinen ganz eigenen Tonfall, um das was deine Geschichten im Inneren ausmacht. Und das gibt es noch nicht.
  Da bin ich mir manchmal nicht so ganz sicher. Oft denke ich, dass mir eben genau dieser eigene Tonfall fehlt und ich nur so 08/15 schreibe.

@ Snöblumma:
Zitat
Und ich glaube ganz fest daran, dass dieses Funkeln Besonderes in jeder Geschichte drinsteckt. Es geht gar nicht anders, wenn wir kreativ sind - irgendwo stecken wir selber.
Dieser Glaube fehlt mir im Moment.
Zitat
Seichte Unterhaltung ist etwas wahnsinnig tolles. Millionen von Menschen wollen nach einem anstrengenden Tag nichts anderes.
Das kann ich voll und ganz so unterschreiben. Ich lese gerne was Seichtes, und ja, darum schreibe ich auch gerne was Seichtes. Also sollte ich mich am besten einfach damit abfinden und zufrieden damit sein. Das funktioniert sogar meistens. Bis zur nächsten Zweifelphase.

Das mit den Projekten mache ich schon so, das macht mir auch richtig Spaß. Ich verfolge sehr gerne, wie andere ihre Romane planen und schreiben und überarbeiten und habe schon wertvolle Tipps erhalten. Aber zur Zeit werde ich das nagende Gefühl nicht los, dass mir eben genau der Funken individueller Kreativität fehlt, den man eben nicht lernen kann, den hat man oder man hat ihn nicht. Früher hatte ich ihn, aber irgendwo unterwegs ist er mir abhanden gekommen.

@ HauntingWitch:
Zitat
Meistens sind die Abweichungen gar nicht so gross, wie es zunächst scheint.
Bei mir sind die Abweichungen aber bedenklich groß. Keine Ahnung wieso, aber das bringt mich jetzt zum Lachen  ;D  Ich fürchte, ich nehme meine Werke einfach zu ernst und sollte sie einfach mal als das sehen, was sie sind. Ja, danke, mein Humor wacht gerade aus dem Zweifelschlaf auf.
Zitat
Wichtig finde ich, trotzdem weiterhin an sich und seine Sache zu glauben und sich nicht unterkriegen zu lassen.
Genau.

Jedenfalls danke!  :knuddel:  Es ist schon etwas beruhigend, dass andere auch zweifeln und ähnliche Probleme haben und dass es "die" völlig neue, nie dagewesene Geschichte wohl doch nicht gibt (und wenn, würde sie evtl. niemand lesen wollen).
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Zanoni am 19. Dezember 2013, 21:06:03
Nur mal so in die Runde geworfen:
Irgendwer meinte mal „Zweifel sind der Fluch der Intelligenz“   ;)
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Tinnue am 19. Dezember 2013, 21:18:01
Zitat
Aber zur Zeit werde ich das nagende Gefühl nicht los, dass mir eben genau der Funken individueller Kreativität fehlt, den man eben nicht lernen kann, den hat man oder man hat ihn nicht. Früher hatte ich ihn, aber irgendwo unterwegs ist er mir abhanden gekommen.

Ach, Leann, HAARGENAU mein Gedanken. Da war mal etwas, was unterwegs abhanden gekommen ist - ich weiß nicht mal wann genau und warum - und jetzt suche ich, in mir, in den Projekten. Ich drück dich und hoffe, dass wir gemeinsam finden, was wir verloren haben.

Zitat
Irgendwer meinte mal „Zweifel sind der Fluch der Intelligenz“   ;)
Zanoni, ja, da ist was Wahres dran. Ich hab mir öfter mal gedacht, das Leben wäre schon was leichter, wenn man ein "einfacher" Mensch mit "einfachen" Zielen ist. Aber unsereins hat sich ja was rausgesucht, bei dem man ordentlich ranklotzen muss. Tz tz.  :no:
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Zanoni am 19. Dezember 2013, 22:53:13
Ach, Tinnue, ich glaube nicht, dass dies nur ein auf die schreibende Zunft zutreffendes Phänomen ist. Wahrscheinlich trifft das jeden - egal in welchem Bereich er/sie versucht etwas "Gutes" zu vollbringen. Man schaue sich einfach nur mal irgendeine der vielen Talent- und Castingshows an - wer hat da üblicherweise die meisten Selbstzweifel? Und wer überhaupt keine? *g*

Zitat
..., dass mir eben genau der Funken individueller Kreativität fehlt, den man eben nicht lernen kann, den hat man oder man hat ihn nicht.
Diese Vorstellung betrachte ich allerdings als äußerst üblen Aberglauben! Extrem hinderlich, wenn man versucht kreativ zu sein.
Es stimmt zwar, dass wir alle mit recht unterschiedlichen Ausgangsvoraussetzungen starten, aber selbst wenn jemand komplett unkreativ wäre (und das gibt es nicht, weil Kinder sowieso immer kreativ sind), könnte er/sie es sich (wieder) antrainieren. Denn tatsächlich ist es mehr eine Übungssache als eine "Begabung".
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Fianna am 19. Dezember 2013, 22:57:10
Bei mir kam das z.B., als ich mehr über das Schreiben an sich und Plotten gelernt habe.

Seitdem nehme ich immer wieder Dinge in Filmen, in Büchern oder im Alltag wahr, die Ausgangspunkt oder Bestandteil dieses Prozesses sind - und denke mir "Warum hat der Regisseur/Autor das nicht von der Seite gedacht/nicht als jene Möglichkeit genutzt" (oder bei Beobachtung an realen Menschen ist der Gedankengang unwesentlich anders) und zack, habe ich eine Ideenflut, die nichts mehr mit dem inspirationsauslösendem Werk oder Situation zu tun hat, aber für mich untrennbar verbunden ist.
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: FeeamPC am 19. Dezember 2013, 23:57:10
Ein kleines Kind baut im Sandkasten eine Sandburg und findet sie wunderschön. Das kleine Kind zweifelt nicht an seiner Kreativität, sondern ist einfach nur stolz auf seine Leistung.
Der Architekt baut ein Haus, das seine Bewohner ganz wunderbar finden. Er slbst aber fühlt nagenden Zweifel in sich, ob er überhaupt noch kreativ ist, wenn er immer wieder aufs neue nur Wohnhäuser baut.

Wir sind Architekten unserer Welten. Wir bauen eine nach der anderen, wie der Architekt seine Häuser baut. Und wir sind weit gekommen seit unseren Sandburg-Tagen. Zweifel sind normal, aber glaub mir, die Kreativität ist immer noch da. Und sie geht nie weg. Sie tarnt sich nur hinter handwerklichem Wissen und einer gewissen Routine, die uns glauben macht, wir würden nur noch Steinchen aufeinander setzen und nicht mehr schöpferisch entwerfen.
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: HauntingWitch am 20. Dezember 2013, 08:49:13
Zanoni, ja, da ist was Wahres dran. Ich hab mir öfter mal gedacht, das Leben wäre schon was leichter, wenn man ein "einfacher" Mensch mit "einfachen" Zielen ist. Aber unsereins hat sich ja was rausgesucht, bei dem man ordentlich ranklotzen muss. Tz tz.  :no:

Das glaube ich nicht. Ich arbeite jeden Tag mit solch "einfachen" Menschen zusammen, also Menschen, die kein Kreatives Hobby haben und nichts mit unserem Hobby/Arbeit Vergleichbares tun und das auch nicht anstreben. Ich mag die auch irgendwie, sie sind nette und angenehme Zeitgenossen. Aber ich habe immer wieder das Gefühl, dass ihnen sozusagen etwas "fehlt", dass sie gelangweilt und teilweise sogar ein bisschen frustriert darüber wirken. Ihre Lieblingsthemen (u.a. Backen, Gospelchor und die (vermutlich nicht ganz so) glückliche Beziehung) wirken auf mich sehr trivial. Versteht mich nicht falsch, ich verurteile sie nicht, das sind nun einmal Dinge, die deren Leben bestimmen. Aber für mich wäre das ehrlich gesagt kein richtiges Leben, so ganz ohne Kreativität und ohne Erfüllung, in dem ewigen Versuch, sich an freien Tagen möglichst viel aufzuhalsen, damit einem nicht langweilig wird.

Natürlich ist das Schreiben nicht immer leicht und es gibt Zeiten, in denen man am liebsten alles hinschmeissen würde. Aber wäre das andere wirklich besser? Ich glaube nicht. Was würden wir denn machen ohne das Schreiben? Könnten wir noch glücklich sein? Nein, es ist in uns und ein Teil von uns, den wir brauchen, damit es uns gut geht. Ich vermute jetzt einfach mal ganz frech, dass es nicht nur mir so geht.  ;) :knuddel:
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Klecks am 20. Dezember 2013, 09:02:08
Ich frage mich täglich, wie ein Mensch ohne das Schreiben leben kann. In Phasen, in denen ich sehr wenig Zeit zum Schreiben habe, bekomme ich ein Gefühl, als würde mir jeglicher Lebenssinn fehlen. Ich denke in jeder einzelnen Sekunde meines Lebens auf irgendeine Weise an meine Geschichten. Wie machen das nur Nichtschreiber?  :gähn:

Ich würde mich unerträglich leer fühlen und furchtbar langweilen und vermutlich absolut durchdrehen. Ich stehe schon am Rande des Nervenzusammenbruchs, wenn ich, wie in den letzten Tagen, nicht einmal ein Schreibprogramm öffnen kann vor lauter Stress bei der Arbeit. Ich wäre ohne das Schreiben nicht ich, und ich bin mir sicher, dass ich ohne meine Geschichten nicht leben könnte.
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Cailyn am 20. Dezember 2013, 17:00:05
Leann,
Es ist natürlich schwierig, wenn man deine Schreibe nicht kennt. Aber ich sehe das ähnlich wie Aquamarin. Zweifel sind normal für Autoren. Das Gegenteil wäre eher komisch. Und wenn du es eintönig findest, dann könnte es auch sein, dass dir das so vorkommt, weil du es selbst erfunden hast. Hä? Ja, also ich meine deshalb, weil 1) weiss man als Erfinder von Geschichten und Charakteren nicht, wie es sich für Aussentstehende anfühlt, es zu lesen - ergo weisst du nicht, wie überraschend und individuell es auf andere wirkt, und 2) wirken da natürlich all die Selbstzweifel, die ja jeder hat und die sich doch in einem Produkt, das man selber erschaffen hat, toll wiederspiegeln. Und da es niemanden gibt, der sich für eine geile Sau hält, ist es auch ganz natürlich, dass man seine Produkte nicht nur für vergoldenswert hält.

HauntingWitch
Das mit dem trivial ist schon gefährlich, als Aussage. Ich sehe das eher "buddhistisch". Also nicht dass ich Buddhistin wäre ;). Aber ich glaube, es kommt immer darauf an, mit welcher Hingabe man etwas macht und nicht, ob die Tätigkeit an sich einen hohen gesellschaftlichen Wert hat. Zum Beispiel schreibst du vom Backen. Ich bin sicher, dass es Leute gibt, die seit 20 Jahren die 3 gleichen Standart-Cake-Versionen aus dem Betty Bossi-Kochbuch backen. Ich gebe zu, das ist nicht sonderlich kreativ. Aber es gibt sicher auch viele andere, für die Backen der Gipfel der Kreativität ist. Die bestellen sich dann bei irgendeinem Versand Marzipandeckflächen, gefärbten Puderzucker und verschiedenstartige Streusel und kreieren damit Cakekugeln mit Totenkopfmotiven oder Gugelhöpfe mit einem Chiliförmigen Aufsatz. Und dieses Produkt ist ja dann weit entfernt von trivial, finde ich.
Aber ich bin schon auch der Meinung, dass heutzutage viele Leute fast verblöden wenn es um Konsum-Hobbys geht. Ich meine, es ist nicht wirklich geistreich oder erfüllend, wenn man nur TV schaut, ins Kino geht, mal hier und da einen Krimi liest und gut essen geht. Das sind zwar alles Dinge, die ich persönlich liebe, die mich aber nicht erfüllen (ausser dass meine Hüften immer dicker werden, weil ich mir zum ewigen TV gucken die Wampe vollstopfe ;D). An sowas wächst ja niemand persönlich, weil es nur Inputs sind, die keinen Output generieren. Schreiben, Backen, Kochen, Töpfern, Singen, Meditieren, sich im Sport steigern...ich denke, das sind schon eher Beschäftigungen, die entweder den Geist, den Körper oder beides zusammen stimulieren.
Sorry, bin hier wohl gerade ein wenig vom Thema abgekommen... :hmmm: ;D

Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Arcor am 20. Dezember 2013, 18:54:44
Auch wenn ich die letzten fünf Tage aus unterschiedlichen Gründen keine Zeit gefunden habe, ins Forum zu kommen, danke ich euch doch erstmal für den Zuspruch und die hilfreichen Ratschläge. :gruppenknuddel: Zum Glück hat der Zweifel erstmal wieder etwas Ruhe gegeben - könnte aber auch daran liegen, dass ich seit Sonntag nicht mehr geschrieben habe.  ;)

@Cailyn: Über ein solches Zwiegespräch habe ich noch nie wirklich nachgedacht. Mit Malinche habe ich schon mal einzelne Probleme abgeklopft und durchgespielt, aber einfach so im Dialog, abseits des Textes. Ich bin da aber auch sehr zurückhaltend, weil es mir ähnlich geht wie Tinnue: Ich bin einfach zu perfektionistisch (ich fühle da also auch ganz mit dir, Tinnue  :knuddel:). Ich kann Texte von mir einfach niemandem zeigen, wenn sie in meinen Augen nicht mindestens Beta-Version-Status erreicht haben. Und da das Projekt im Moment ein einziges Durcheinander aus alter und neuer Version ist, kommt es für mich leider nicht in Frage - oder sagen wir mal, nur als absolut letzter Notnagel. Trotzdem finde ich die Idee interessant. Wie gesagt, wenn das Projekt etwas weniger roh wäre, würde ich darauf auch gerne zurückkommen (es ergibt sich also vielleicht noch.  ;))

@Leann: Du hast es ziemlich gut getroffen. Verkrampft war genau das richtige Wort. Ich hatte echt richtig Schulter- und Nackenverspannungen am Montag, einfach weil es mich so gefrustet hat.
Und deine Zweifel kann ich auch nur zu gut nachvollziehen. Aber wie die anderen gesagt haben, gehört das glaube ich irgendwie dazu. Das macht es natürlich nicht einfacher, damit umzugehen, aber vielleicht beruhigt es dich ja etwas, dass wir alle hier und sicherlich auch jeder beruflich erfolgreiche Autor da draußen diese Zweifel kennt und sie ihn immer mal wieder überkommen. Fühl dich mal  :knuddel:.

@Witch: Ich hätte da sogar noch eine oder zwei KGs in Petto, die ich schon ewig vor mir herschiebe.  :hmmm: Mal überlegen, vielleicht bekomme ich da ja sogar spontan Lust drauf, eine davon zu schreiben. Und die Recherche für die "Damen der Geschichte" steht auch noch an, womöglich springt da auch noch etwas raus.

Ihr alle habt mir geraten, doch etwas Pause und Abstand von dem Projekt zu nehmen. Nun, ich glaube, ich werde mir den erst einmal noch nicht nehmen (mit der Betonung auf erst einmal). Ich bin die Woche über ruhiger geworden und habe noch etwas weitergeplottet - und einen Plan gefasst, wie ich weiter vorgehen will. Früher habe ich immer für jedes Kapitel 1 oder 2 DIN-A4 Zettel vollgeschrieben, wie das Kapitel ablaufen soll, wer was sagt, sieht, fühlt etc, und mich dann beim Schreiben an diesem Leitfaden entlanggehangelt. In der letzten Zeit habe ich das vernachlässigt. Den letztjährigen NaNo habe ich ohne solche Notizen geschrieben und es lief prima. Und da ich die Geschichte des momentanen Projekts ja schon einmal geschrieben hatte, dachte ich, es geht so. Aber offenbar habe ich mich da geirrt. Vielleicht brauche ich einfach bei reinen Fantasy-Projekten diese Hilfestellung.

Darum werde ich das erst einmal machen: Die ersten 2-4 Kapitel komplett auf solchen Zetteln vorplanen, en detail, egal, ob ich das alles schon einmal geschrieben habe oder nicht. Vielleicht hilft mir das ja, den Fokus zurückzugewinnen und den schwierigen Einstieg zu überstehen. Da muss ich nämlich am meisten neu schreiben, hinterher kann ich mit der alten Version vermehrt Puzzle spielen.  ;D

Und als zweite Stütze möchte ich versuchen, endlich (anhand meiner Planungen) eine brauchbare Vorstellung zu erstellen und die im Romanbereich zu posten. Damit wäre die Katze aus dem Sack, wer Interesse an der Geschichte hat kann mir Feedback geben und durch die Komprimierung finde ich vielleicht noch die eine oder andere schwammige Stelle, an der ich noch vertieft planen muss.

Auf, auf, sage ich da also nur! Aber schön mit Ruhe. Ich werde es langsam und vorsichtig angehen lassen. :)
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Grey am 20. Dezember 2013, 19:17:55
Aber zur Zeit werde ich das nagende Gefühl nicht los, dass mir eben genau der Funken individueller Kreativität fehlt, den man eben nicht lernen kann, den hat man oder man hat ihn nicht. Früher hatte ich ihn, aber irgendwo unterwegs ist er mir abhanden gekommen.

Ach, Leann, HAARGENAU mein Gedanken. Da war mal etwas, was unterwegs abhanden gekommen ist - ich weiß nicht mal wann genau und warum - und jetzt suche ich, in mir, in den Projekten.

Weil ich gerade drüben in einem anderen Thread etwas dazu geschrieben habe - habt ihr mal darüber nachgedacht, dass in euch selbst und in euren Projekten vielleicht der falsche Ort zum Suchen ist? Ich stelle immer fest, dass mir die "besonderen", die funkelnden Ideen fehlen, wenn ich zu lang im eigenen Saft geschmort und zu viel zu Hause gesessen und immer nur die gleichen Dinge getan habe. Rausgehen, mit Menschen sprechen, Menschen beobachten, neue Dinge lernen, fremdes Essen probieren oder verrückte Sachen unternehmen, sich kopfüber an eine Kletterstange auf dem Spielplatz hängen und die Welt aus einem anderen Winkel betrachten - sowas hilft mir dann. Vielleicht ist es ja auch etwas in der Art, das euch fehlt?
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Tinnue am 20. Dezember 2013, 19:25:39
Grey, da sagst du was. Gut möglich, immerhin sitze ich ja bis auf Fitnesstudio usw. eher allein im Homeoffice. :D Da kommt natürlich nicht viel Input. Ich habe mir auf jeden Fall vorgenommen, öfter mein "Muster" zu brechen, den Tag mal anders zu beginnen und nicht alles so festgefahren zu haben. Mal morgens ins Studio, mal nachmittags, mal wandern.

Im Großenganzen ist es bei mir momentan eher eine Mischung aus: Ich weiß "zuviel" (hab mir allerhand Regeln so verinnerlicht, dass ich mich ständig frage,ob ich diesen gerade entspreche), ich hatte ein Scheißjahr (muss ich auch einfach mal lernen, jetzt hinter mir zu lassen) und der "typisch europäische" PErfektionismus (jedenfalls hat mir mal ein Buddha-Lehrer erzählt, dass das so typisch euorpäisch sei; findet man sich auch anderswo). Ich schau einfach immer noch zu viel auf andere, darauf wo andere sind, was andere machen. Dabei sollte ich viel eher auf mich selber schauen. Das hört sich vielleicht doof an, aber wenn man sowas lange macht und in seinem Verhaltensmuster steckt, fällt es schwer, sich da rauszuholen. Trotzdem, es muss ja. Ich hoffe also für uns alle, dass wir einen Weg finden, mit unsren Zweifeln mehr oder wenigen angenehm zusammenzuleben, denn ganz los werden wir sie wohl nicht.
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Christopher am 20. Dezember 2013, 19:30:31
Ich schau einfach immer noch zu viel auf andere, darauf wo andere sind, was andere machen.

Das ist ne gefährliche Sache. Befrag mal z.B. einen Künstler (Zeichner) zu einem Bild, welches du absolut großartig findest. Die meisten werden unzufrieden sein mit dem eigenen Werk, denn niemand sonst nimmt die Fehler des eigenen Werkes so deutlich wahr, wie der Künstler selbst. Vermutlich nimmst du, wenn du dich selbst siehst, auch sehr viele Fehler wahr und siehst zwischen all den Fehlern nicht die Dinge, die du gut machst. Weil dir deine Fehler eben deutlich bewusster sind als das was du gut gemacht hast.
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Cailyn am 20. Dezember 2013, 21:27:28
Arcor,
Danke für das Kompliment mit dem Notnagel  :rofl: Dieses Forum birgt echt ein paar seltene Charmebolzen, ha!  :wolke:
Aber jetzt im Ernst: Schau mal, wonach dir ist. Ich meine, du müsstest ja dann nicht erwarten, dass ich was Grandioses von dir erwarte, wenn es noch keine Betaversion ist. Teilweise schreibe ich auch Abschnitte in einem Text mal so dahin, komme zu einem, den ich ausarbeite und gehe erst später wieder zum "Provisorischen" zurück. Sowas nennt sich halt Arbeitdokument und sieht auch danach aus. Und da meine Muttersprache nicht mal Hochdeutsch ist, sehen meine Erstversionen bestimmt viel schlimmer aus als deine. Wäre also kein Problem für mich. Fühl dich frei  :omn:.
(...eine Pause würde ich übrigens auch nicht machen)
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: HauntingWitch am 21. Dezember 2013, 14:53:19
@Cailyn: Ja, okay, das stimmt, daran habe ich nicht gedacht. Aber ich sehe schon, grundsätzlich meinen wir das Gleiche.
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: HauntingWitch am 21. März 2014, 16:48:32
Sorry für den Doppelpost. Ich bin mir auch nicht sicher, ob ich in diesem Thread wirklich richtig bin, aber ich traue mich nicht, gleich schon wieder einen neuen aufzumachen. Es ist nicht so, dass ich extrem verzweifelt bin oder eine Blockade habe oder so etwas...

Aber kennt ihr diese Werke, bei denen ihr so richtig, richtig schlimme Komplexe bekommt? Ich bin momentan ein bisschen süchtig nach Game Of Thrones (die Serie). Wer es kennt, wird wissen, dass der Autor der Buchvorlage da ein extrem durchdachtes, detailliertes und vielschichtiges Worldbuilding erschaffen hat (ich weiss gar nicht, ob ich wirklich wissen möchte, wie es erst in den Büchern ist  ;D). Ich finde das genial, ohne Frage, ich geniesse, kann man nur schwärmen von.

Und dann denke ich an meinen eigenen Roman mit meiner eigenen Welt und sie kommt so unglaublich flach und unzulänglich vor. Fast neige ich dazu, das alles zerreissen und neu machen zu wollen. Das ist natürlich völlig irrational, sich als mehr oder weniger Anfänger mit einem der ganz grossen messen zu wollen, der ausserdem noch vierzig Jahre älter ist als man selbst und höchstwahrscheinlich über entsprechend mehr Lebenserfahrung, Allgemeinbildung usw. verfügt. Aber trotzdem würde ich auch gerne so etwas Tolles erschaffen, so etwas Tiefgründiges, richtig Gutes. Und ich schaue mein Werk an und habe das Gefühl, dass es das einfach nicht ist. Das ist übrigens nur ein Beispiel. Ähnliche Probleme habe ich auch bei anderen Autoren, die ich als besonders gut empfinde. So gut möchte ich auch werden, irgendwann. Aber der Weg erscheint mir so lang, meine Skripte so klein und unbedeutend dagegen...  :seufz: Habt ihr das auch?
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Siara am 21. März 2014, 17:02:49
Als ich 11 war und mir die "Herr der Ringe" Filme angesehen habe, habe ich angefangen zu heulen. Mit anderen Worten: Ich kenne das nur zu gut.

Und es ist immer noch schwer, diese unrealistischen Erwartungen an sich selbst von sich wegzuschieben. Ich versuche zu lernen, mir wenigstens die Techniken abzugucken... und hoffe, dass das etwas hilft. Ich sehe das Ganze inzwischen einfach als Lernprozess an. Vielleicht reicht man irgendwann wenigstens ansatzweise an die Großen heran, wenn man ebenfalls 30 Bücher geschrieben hat und 50 Jahre Schreiberfahrung hat. Dass jemand eine solche Genialität unter den ersten 5 Romanen hat, ist doch sicher eher selten.

Ich denke aber auch, dass es einem teils tatsächlich nur so vorkommt. Welten, die in andererleuts Köpfen stecken, erschließen sich einem schließlich viel langsamer, dementsprechend wirken sie gewaltiger. Mit seiner eigenen Welt beschäftigt man sich viel mehr, und wenn man sie irgendwann in und auswendig kennt, erscheinen einem die Besonderheiten zu gewöhnlich. Schließlich sind sie für den Schriftsteller zum Alltag geworden. Das kann den Lesern aber ganz anders gehen.

Immerhin geben auch die berühmten Autoren immer wieder zu, wie viele Zweifel sie hatten und dass sie glaubten, niemals so gut zu werden wie ihre Lieblingsschriftsteller. Dieses Gefühl hat also vermutlich wenig zu sagen - es bringt einen lediglich dazu, sich auf die tollen Geschichten zu konzentrieren und von ihnen zu lernen.  ;)
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Rhiannon am 21. März 2014, 17:27:10
Witch, vergleichst du dich auch sofort mit Usain Bolt, wenn du mit dem Laufen anfängst?
Ich weiß, das "Will auch" und "Ich wäre doch gerne so wie mein Lieblingsschriftsteller etc." ist fies und man kriegt es nicht immer aus dem Kopf, aber anstatt auf diese Weise zu denken, hilft es dir vielleicht, wenn du dir genau überlegst, was dich an deiner Welt stört und was du bei Martin gefunden hast. Vielleicht kannst du dir ja das eine oder andere dadurch gefälliger machen. Und wenn du nichts findest, dann hast du eine andere nette kleine Welt, die wahrscheinlich trotzdem funktioniert. Ganz ehrlich, nicht jede Geschichte braucht ein Westeros!
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Grey am 21. März 2014, 18:51:29
Ist halt auch die Frage, was man will, so als Erzähler. Will man eine riesige, komplexe Welt, in der man sein Leben lang schreiberisch bleibt? Dafür brauchst du vor allem eines: Zeit. Ich meine, wie lang schreibt Martin jetzt an seinem Epos? Wie lang braucht er jeweils für das nächste Buch? Klar, dass Welt und Figurenkonstellation ein Monstrum an Komplexität sind, wenn man bedenkt, wie viele Stunden und Aberstunden er daran herumgedacht haben muss. Es steht ja auch zu erwarten, dass er niemals etwas anderes schreiben wird als das Lied von Eis und Feuer - und nicht mal da ist es sicher, dass er es noch vor seinem Tod zu einem Abschluss bringt. Aber sind nur solche Geschichten, solche Lebenswerke, wirklich gut? Ich würde mal behaupten: Nein. Tiefgründig und bedeutsam kann man auch auf 200 Seiten sein, dafür braucht es keine etlichen tausend. Mir persönlich wäre das ja auch zu eng, mich immer und ewig nur mit der gleichen Story zu befassen, egal wie komplex sie ist. Und ich behaupte weiterhin, dass sich durch das Erdenken vieler unterschiedlicher Geschichten die Chance erhöht, irgendwann DIE zündende Idee zu finden. Dieses Meisterwerk, das ganz bestimmt in jedem von uns schläft. Wir müssen es ja nur finden. Und bis dahin können wir doch prima an unserem Handwerk arbeiten, damit wir die Idee, wenn wir sie denn haben, auch stilvoll umsetzen können. :) Also, husch husch! An den Schreibtisch! ;)
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Cailyn am 21. März 2014, 20:23:05
HauntingWitch,
Ich kann das gut nachvollziehen. Schon oft dachte ich, dass mein Geschreibe fast lächerlich ist im Angesicht der grossen Werke. Aber Rhiannon hat schon recht. Kein Meister fällt vom Himmel. Und auch der Martin hat mal klein angefangen (mit Sci-Fi KGs) und diese waren wohl auch noch nicht so fulminant wie die Saga.
Was aber auch noch bedacht werden sollte: Man empfindet das eigene Schaffen bis zu einem gewissen Grad immer als weniger grossartig. Schon nur deshalb, weil man da direkt hinter die Kulissen sieht. Von Aussen betrachtet sieht doch alles gleich viel glanzvoller aus.
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Sascha am 21. März 2014, 20:51:31
Hey!

Ich habe das bei Andreas Eschbach irgendwo gelesen:
Es ist sinnlos, sich mit den ganz Großen zu vergleichen und dann zu denken, das eigene Werk kommt da nie ran, also wird man auch nie veröffentlichen usw.
Stattdessen soll man sich in der Bücherei/Buchhandlung die Romane nehmen, die recht schlecht geraten sind und sich denken: Wenn sogar sowas es zur Veröffentlichung geschafft hat, dann krieg ich das auch hin.

Recht hat er, der Eschbach. :jau:

Und ehrlich: Ich hab schon einige Bücher in den Fingern gehabt, wo ich mir das gedacht habe. Teils fand ich die Sprache unterirdisch, teils die Handlung. Da waren aber hochgejubelte, wahnwitzig erfolgreiche Autoren drunter.
Also: Ranhalten, Hilfe holen (Dafür sind wir doch irgendwie alle hier, um einander zu helfen, oder?) und besser machen als so manche Schreiberlinge, die auch veröffentlicht wurden.

Servus!
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Esora am 21. März 2014, 21:43:49
Hi HauntingWitch,

mir ging es auch schon einige Male so... nachdem ich ein richtig gutes Buch gelesen, oder einen megaguten Film gesehen und dann auf mein Projekt niedergeblickt habe, stand ich fast an der Grenze zur Verzweiflung. Ich war mir fast sicher, dass ich niemals etwas schaffen würde, dass dasselbe Potenzial in sich birgt.

Aber seit einiger Zeit hab ich meine Ansicht aber ganz geändert. Ich lasse mir die Genailität von solchen Werken nicht mehr allzu nahe treten. Ich lese sie/schaue sie an und ganz am Ende (nachdem ich zwischendrin immer noch manchmal den Mut zum weiterschreiben verliere) betrachte ich das gesammte nochmal und zwar von außen, als neutraler Beobachter. Und dann betrachte ich mein Projekt und spiele mit dem Gedanken, die Dinge, die mit faszinieren auf mein Werk zu übertragen. Einige Gedanken später jedoch entferne ich mich immer weiter von dieser Idee, denn ich erarbeite mir immer wieder aufs Neue die Dinge aus meinem Projekt heraus, die besonderes und einzigartig sind - und davon hat jedes Projekt etwas. Was bleibt, ist allerhöchstens ein Hauch, der vermischt mit all dem anderen und meiner Kreativität vielleicht erst bei Beobachtung unter dem Mikroskop auffällt. Und dann setze ich mich voll neuem Elan an die Arbeit und tippe und tippe immer weiter und ziehe neue Handlungen durch meine Welten. Und im Hinterkopf ist immer noch dieses Buch/Film, das mich fasziniert und entmutigt hat und ich spüre den Ansporn, immer besser und besser zu werden, um eines Tages über das Buch/Film hinauszuwachsen. Manchmal fange ich auch an, eine andere Geschichte zu analysieren, ihre Schwachstellen herauszufiltern und diese in meinem Projekt dann auszufüllen.

Und auch, wenn es nie dazu kommen sollte, dass mein Projekt besser werden wird, als das Buch, dass ich bewundert habe, so ist doch der Wille da und der zählt ;D

Und außerdem... das Entscheidende beim Schreiben und dem Erzählen von Geschichten ist doch diese seltsame, ergreifende Macht, die einen packt, wenn man in die Welt einer Geschichte eintaucht, und dieser unbändige Wunsch, immer Neues zu schaffen.

LG
Esora
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: traumfängerin am 21. März 2014, 21:59:48
Was Sascha gesagt hat, kann ich so nur unterschreiben. Und ja, es gibt diese Werke wo man denkt, o mein Gott, so gut werde ich das niemals hinbekommen! Die Frage ist nur, was man mit solchen Momenten macht (wie Esora auch schon so treffend bemerkt hat). Lässt man sich davon runterziehen, oder schaut man sich an, wie diejenigen das hinbekommen haben, um es zu lernen und zu versuchen dies selbst in seinem aktuellen oder nächsten Werk einzubauen? Und manchmal ist es auch ganz heilsam, sich einfach in Ehrfurcht vor einem solchen Schriftsteller zu verneigen und sich zu sagen: "Gut, das werde ich niemals schaffen." Aber das muss man ja auch nicht. Schließlich wird ja nicht nur der 1. Platz der Bestsellerliste gelesen.  ;) (Ganz davon abgesehen, dass die Qualität eines Buches nichts darüber aussagt, wie erfolgreich es schlussendlich ist).

Außerdem ist ein Buch so vielschichtig, dass selbst der beste Autor niemals alles perfekt machen kann. Gegen zu viel Depression beim Lesen eines hervorragenden Werkes oder Ansehen einer tollen Serie hilft es manchmal, sich auf die kleinen Mini-Fehler zu konzentrieren, die sich überall finden. Denn dann kann man sich denken: "Gut, mag sein, dass er eine unglaublich tolle durchdachte Welt hat, aber anders als zumindest in der Serie müssen sich meine Frauen nicht ständig ausziehen und nackt durch die Gegend springen!"  :D
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Feuertraum am 21. März 2014, 22:33:05
Ich kenne das nur zu gut, Haunting Witch. Man liest die Werke von anderen Autoren und denkt sich: "Boah, ich möchte auch so faszinierend schreiben können. Ich möchte auch eine Welt erschaffen, die man nicht bloß liest, vielmehr eine Welt, die man beim Lesen spürt. Jeder Atemzug des Protas (oder Antos) streift die Wange. Man spürt es auf der Haut, wenn die Sonne scheint oder wenn es regnet.
Allerdings machen Sie etwas, was irgendwie Vergleich Äpfel mit Birnen ist: Sie vergleichen Film mit Buch. Und das ist mbMn. ein Vergleich wie David gegen Goliath, nur dass der Riese hier ganz klar als Sieger hervorgeht.
Beim Buch hat man im Grunde genommen nur die Möglichkeit, eine Szene, einen Effekt, nur mittels Wörtern zu beschreiben, und der Leser bekommt nur eine Möglichkeit, sich diesen Effekt in seinem Kopf vorzustellen.
Im Film hat man sehr viele Möglichkeiten mehr, die zudem auch noch in schneller(er) Reihenfolge und einer etwas größeren Größe zu sehen sind.

Was den Weltenbau angeht: Ich bezweifele, das Martin sein Universum ganz alleine geschaffen hat. Vielmehr gehe ich davon aus, dass es ein paar Köpfe mehr waren, die zusammen gebrainstormt haben.

Was nun den Vergleich mit anderen Autoren angeht: Ja, auch das kenne ich. Ich lese auch hin und wieder ein Buch, bei denen ich dastehe und sage: "SO will ich auch schreiben können. Dieser Autor/diese Autorin hat es einfach drauf. Aber ich werde nie, nie, nie seine Nonchelance, seinen Stil, seine Art, Bilder zu weben, erreichen."
Und um den von Sascha erwähnten Eschbach ein wenig in die Parade zu fahren: Natürlich wird es immer Autoren geben, die Sie, ich oder Erna Müller bewundern werden. Aber bedeutet dass, dass Sie, ich oder Erna Müller nicht vielleicht auch ihre Fans haben? Kann es nicht sogar sein, das ein Andreas Eschbach sich hinstellt und sagt: Ja, Mensch, cool, HW hat es drauf!"
Ist natürlich nur eine Vermutung.
Aber seien wir ehrlich: wir alle haben unsere eigene Stimme, haben Ideen, haben unsere Art, diese Ideen mit unserer Stimme umzusetzen.
Wir unterstützen uns gegenseitig, um das, was wir als "Nuscheln" bezeichnen mögen vielleicht in eine klare, deutliche, moderative Aussprache zu bringen. Und dabei immer noch wir selber zu sein.
Und darum schließe ich mich Greys Worten an: Ab an den Schreibtisch.
LG
Feuertraum
(der eben seine Motivationspeitsche herausholt, um HW ein klein wenig...äh...aufzumuntern, weiterzumachen... ;) ;D)
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Sascha am 22. März 2014, 10:14:42
Und um den von Sascha erwähnten Eschbach ein wenig in die Parade zu fahren: Natürlich wird es immer Autoren geben, die Sie, ich oder Erna Müller bewundern werden. Aber bedeutet dass, dass Sie, ich oder Erna Müller nicht vielleicht auch ihre Fans haben? Kann es nicht sogar sein, das ein Andreas Eschbach sich hinstellt und sagt: Ja, Mensch, cool, HW hat es drauf!"
Ich glaube nicht, daß Sie dem Eschbach damit in die Parade fahren. So etwas in der Art meinte er damit: Man muß nicht seinen größten Idolen nacheifern bzw. sich an denen messen, auch anderes wird gelesen. Man sollte sich an denen messen, die verlegt wurden, obwohl sie nicht besser oder sogar schlechter schreiben als man selbst.
Eschbach sagt über sich selbst, daß es in seinen ersten Romanen von flachen Charakteren und hölzernen Dialogen nur so wimmelte. Also, er will durchaus Jungautoren Mut machen und gibt ja auch eine Menge Tips zum Schreiben.
Und natürlich sind die Geschmäcker verschieden. Ich fand z.B. "Todesregen" von Dean Koontz einfach mies. Nur billige Gruseleffekte, 08/15-Horror von der Stange und ein dämliches Ende. Einige andere sehen das ähnlich, wieder andere nennen es ein Meisterstück:
http://www.amazon.de/Todesregen-Dean-Koontz/dp/345343336X/ref=sr_1_1/279-0167725-9016527?ie=UTF8&qid=1395479270&sr=8-1&keywords=todesregen (http://www.amazon.de/Todesregen-Dean-Koontz/dp/345343336X/ref=sr_1_1/279-0167725-9016527?ie=UTF8&qid=1395479270&sr=8-1&keywords=todesregen)
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: HauntingWitch am 22. März 2014, 12:58:22
Danke euch.  :knuddel:

@Grey: Du triffst einfach immer wieder den Nagel auf den Kopf. So betrachtet: Nein, ich möchte tatsächlich keine 20 Jahre und länger im gleichen Projekt gefangen sein, ohne irgendetwas anderes machen zu können.

@Siara und Rhiannon: Ja, sehen und lernen, das sage ich mir auch immer wieder. Aber davon geht dieser "so gut werde ich nie"-Gedanke leider nicht weg. Ich habe auch beschlossen, nicht mehr zu sagen "so gut werde ich nie", sondern eher "so gut möchte ich auch einmal werden", weil das positiver ist.

@Sascha: Okay, das stimmt. Von denen kenne ich mehr als genug. Aber man will sich ja nicht mit den schlechten Büchern befassen, sondern lieber mit guten. Manchmal frage ich ich auch, wie so ein Schund (wie ich jetzt auch gerade wieder aus der Bibliothek geholt habe) veröffentlicht werden kann und manche wirklich guten Sachen (aus dem TiZi z.B.) ihr Dasein in der Schublade fristen müssen. Das finde ich irgendwie auch traurig.

@Feuertraum: Hihi, das wäre natürlich eine Ehre.  ;D Ja, das hat schon was.

Also, ich gehe jetzt schreiben, bis später.  ;)
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Aphelion am 22. März 2014, 13:42:18
Und dann denke ich an meinen eigenen Roman mit meiner eigenen Welt und sie kommt so unglaublich flach und unzulänglich vor.
Just habe ich einen Blogartikel zu dem Thema gelesen, den ich dir verlinken möchte: *klick* (http://mjwrightnz.wordpress.com/2014/03/22/essential-writing-skills-we-all-need-to-write-tolkiens-appendices/)

Es wird inzwischen "erwartet", dass eine Fantasy-Welt sehr komplex ist - was sicherlich (wie im verlinkten Artikel beschrieben) auf Tolkien zurückzuführen ist. ABER.

Das heißt nicht, dass eine hochkomplexe Welt mit zig Hintergrundgeschichten und schier endlosen Details die einzige Möglichkeit ist, eine Geschichte zu erzählen.

Es ist eine Möglichkeit von mehreren.

Der Autor im verlinkten Artikel hält diese Hintergründe für unabdingbar - weil er sich dabei auf das bezieht, was momentan "marktkonform" ist.

Selbst wenn deine Geschichte wirklich in einer "flachen Kulisse" spielt (was ich nicht beurteilen kann), ist das also nicht zwingend ein Hinweis darauf, dass dein Manuskript schlecht ist.

Andererseits spricht nichts dagegen, deine Welt noch weiter auszubauen, wenn du das Bedürfnis dazu hast. Aber es sollte - erst einmal - DEIN BEdürfnis sein, solange du keinen Vertrag für das MS hast und dein Vertragspartner auf eine bestimmte "Marktkonformität" besteht.

BESTIMMTE Marktkonfomrität ... Nicht vergessen. Dein MS ist nicht unverkäuflich, nur weil deine Welt "kleiner" ausgefallen ist, als die von Sonstwem. :)
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Coppelia am 22. März 2014, 13:59:37
Ich habe noch eine etwas andere Sicht auf die Dinge. Meiner Meinung nach ist es nur eine Frage der Zeit. Wenn man sich lange genug mit Romanen aus derselben Welt mit denselben Figuren beschäftigt, wird die Welt von ganz allein komplex.

Was Weltenbau oder Originalität betrifft, halte ich Martin nicht mal für besonders bemerkenswert. Aber er hat interessante Figuren, einen recht ausführlichen politischen Hintergrund und einen guten Schreibstil.

Und nicht, dass ich mir jetzt einen Vergleich mit Martin anmaßen wollte, aber: Ich schreibe Kessel-Romane seit 2007, also seit 7 Jahren. Inzwischen ist dieses Setting so komplex geworden, dass es bei neuen Romanen viel zu viele Dinge zu bedenken gibt. Ich habe jede Menge Figuren und mehr politischen Hintergrund, als mir lieb ist. Die Figuren bekommen - so empfinde ich es jedenfalls - mit jedem Roman mehr Profil, und auch die Welt wird immer mehr ausgebaut. Das ist nicht unbedingt nur ein Vorteil.

Martin schreibt schon lange an seiner Romanreihe und hat auch schon wesentlich mehr Seiten gefüllt als ich.

Daher, Witch, wenn du eine komplexe Welt möchtest, bleib einfach dran und gib deiner Welt und deinen Figuren eine liebevolle Betreuung. Ich glaube nicht, dass Komplexität eine besondere Leistung ist. Es ist bei einer bestimmten Art zu arbeiten eher ein unvermeidlicher Nebeneffekt. Die Leistung besteht meiner Meinung nach eher darin, trotzdem die Übersicht zu behalten.
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Arcor am 27. Mai 2014, 18:29:42
Aus gegebenem Zweifel zerre ich den Thread mal wieder etwas empor. So schön das Lesen meistens auch ist, manchmal ist es auch ziemlich hinterhältig.
Jetzt habe ich mit großer Vorfreude angefangen, Scott Lynchs dritten Gentlemen Bastards-Band The Republic of Thieves zu lesen und schon schaut Mr. Zweifel wieder bei mir vorbei.  :brüll: Nicht primär wegen der Geschichte, denn soweit bin ich noch nicht, um zu sagen, ob die Geschichte richtig gut ist, sondern wegen des Weltenbaus. Ich finde die Stadt, die Lynch erschaffen hat, einfach so genial und fesselnd und toll, zusammen mit den Figuren und dem ganzen Konzept mit Magie und Alchemie und einfach allem ...  :wolke:
Ich schwärme selten so für Weltkonzepte, aber irgendwie hat mich das voll erwischt. Ich will das auch gar nicht missen, aber meine eigene Welt (namentlich beim Weißen Ruf) kommt mir dagegen gerade so richtig fad und gewöhnlich und überhaupt nicht spannend vor. :happs: :gähn: Ich bin wirklich versucht, das ganze Konzept noch einmal über den Haufen zu schmeißen und neu zu plotten, auch wenn ich nicht weiß, ob das der Geschichte gut tut.  :d'oh:
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Phea am 27. Mai 2014, 18:57:03
Ach Arcor  :knuddel:
Ich weiß, dass man gerne anfängt zu schwärmen und dabei auch schnell in die Falle gerät an sich selber zu zweifeln. Aber ich bin mir sicher, dass auch du das mit deiner Welt schaffst. Schau dir an, wie dieser Autor das gemacht hat und vielleicht kannst du dir da auch ein bisschen Inspiration abholen, statt deine Welt zu betrachten und zu denken "Ist doch alles Mist". Gerade dann höre ich meistens auf zu planen oder schreiben und nehme mir ein anderes Projekt vor, welches ich weiter ausbauen oder schreiben kann. Wenn ich mich dann beruhigt habe, geht es auch wieder.

Lass deinen Kopf nicht hängen und sieh dir an, was du geschafft hast. Es ist sicherlich mehr, als du in diesem Augenblick wahrnehmen möchtest/kannst.
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Lucien am 27. Mai 2014, 20:07:23
Kopf hoch, Arcor!  :knuddel:
Ich halte es für den falschen Weg, jetzt alles über den Haufen zu werfen, nur weil dir die Welt eines anderen Autors so viel besser gefällt. Wer weiß? Vielleicht würden andere Leser von deiner Welt genau das Selbe denken. Und vielleicht hat Lynch zwischendurch ebenso gezweifelt.  ;) Immer positiv denken!
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Klecks am 27. Mai 2014, 23:02:20
Lieber Arcor, werf bloß nicht deine Welt über den Haufen, nur weil du Gefallen an einer anderen gefunden hast. Deine ist richtig so, wie sie ist, und die anderer Autoren ist auch richtig, so wie sie ist. Wenn man so schwärmt, sieht man manchmal gar nicht, dass das Werk das anderen Autors auch Makel hat - und das hat es sicherlich, denn welches Buch ist schon perfekt? Mach dir nicht so viele Gedanken. Oder sieh es nicht traurig und negativ, sondern nimm dir das als Ansporn, weiter an deiner Welt zu arbeiten.  :knuddel:
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: canis lupus niger am 28. Mai 2014, 15:43:38
... sieht man manchmal gar nicht, dass das Werk das anderen Autors auch Makel hat - und das hat es sicherlich, denn welches Buch ist schon perfekt?

Da möchte ich sogar ergänzen, dass nur eine Welt mit Makeln realistisch wirken kann, denn auch die Realität ist nicht perfekt.

Ein Beispiel (unbescheidenerweise aus meinem eigenen Geschreibsel   ::)): Als ich anfing, mich in die Welt von Isrogant einzulesen, um einen eigenen Roman dafür zu schreiben, war ich sehr unglücklich mit manchen Namen. Insbesondere der Name für das Land, in dem meine eigene Geschichte spielen sollte, war durch andere KGs und einen Roman bereits vorgegeben, und ich fand ihn grausig. Niemals hätte ich selber ihn gewählt. Aber ändern konnte ich ihn ja schließlich nicht mehr. Es dauerte eine Weile, bis ich mich damit arrangieren konnte. Der Gedanke dabei war, dass Namen von Ländern oder auch Staaten nicht immer gut klingen. Sie sind oftmals von anderen, weniger wohlmeinenden Leuten erfunden worden (Beispiel Eskimo = Rohfleischfresser oder auch Slawen = Sklaven). Oder sie klingen nur zufällig unschön, weil sie in einer Sprache etwas anderes bedeuten können, als in einer anderen. (Beispiel in Pratchetts Roman "Klonk" die Stadt 'Bums', deren Zwergen- Orginalname Burums etwasd ganz anderes bedeutet, als das, was Menschen da heraushören. Es gibt eben nur eine bestimmte Anzahl von Silben, die man zu Worten zusammenfügen kann. Und wenn (m)ein Land nun mal aus seiner Historie einen 'doof' klingenden Namen hat, weil zum Beispiel die Nachbarvölker den ursprünglichen Namen nicht aussprechen konnten, dann ist das bedauerlich, aber leider nicht zu ändern.

Ähm, ... was will ich mit meinem Geschwafel sagen? Die Wirklichkeit ist nicht immer so, wie wir sie uns wünschen. Und es wäre verfehlt, wenn eine Fantasy-Welt das wäre. Borsdorfer Äpfel mit einer Pocke fallen mir dazu ein ... Hat noch jemand in der Schule "Frau Jenny Treibel" lesen müssen? Ein unendlich langweiliges Buch, aber diese Theorie aus einem Altherren-Philosophie-Gespräch ist mir in Erinnerung geblieben. Etwas Vollkommenes ist langweilig und schon deswegen wieder unvollkommen. Borsdorfer Äpfel sollen einen wunderbaren Geschmack haben (hab selber nie einen gegessen), aber ihre Haut muss einen kleinen Makel, eine Pocke, haben, weil sie sonst zu perfekt und damit unvollkommen wären.

Also: Deine Welt ist so wie sie ist, und das ist gut so! Wenn sie Dir (noch) zu flach erscheint, dann steht es Dir ja frei, sie noch etwas farbiger zu gestalten. Du musst nicht einen anderen Autoren kopieren, aber Du weißt jetzt, was eine Stadt für Aspekte haben kann, die sie interessant erscheinen lässt. Dann kannst Du deine eigene Stadt doch auch noch ein bisschen ausbauen. Aber an die "Pocke" denken!
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Arcor am 28. Mai 2014, 18:44:29
Danke für eure aufbauenden Worte, ihr vier.  :knuddel:
Ich bin immer noch etwas niedergeschlagen, aber versuche das Gefühl gerade als Ansporn zu nehmen, meinen Weltenbau weiter voranzutreiben und zu verfeinern, bis ich das Gefühl habe, dass die Städte und Reiche "organisch" und "rund" sind und man sich in ihnen verlieren kann, weil sie interessant sind. Dann verzögert sich das Schreiben und Überarbeiten eben noch etwas, aber das ist ja nichts Neues bei mir.  :versteck: Über den Haufen werfen werde ich das alles aber nicht, denn wie ihr richtig sagt, würde das nichts bringen oder alles nur noch verschlimmbessern.
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Coppelia am 20. Juli 2014, 06:42:34
Ich weiß allmählich nicht mehr, was ich machen soll. Wie ich seit Monaten sage, mir fällt nichts ein, was ich schreiben könnte. Und wenn mir ein ganz kleines bisschen was einfällt, taugt es nichts, und ich bekomme einfach keinen guten Plot auf die Reihe. Das ist ein allgemeines Problem von mir, aber es war noch nie so schlimm wie jetzt.
Ich habe gewartet. Ich habe mir keinen Druck gemacht. Ich habe mir wirklich Mühe gegeben, mir was einfallen zu lassen, ich habe noch länger gewartet, ich habe an meinen Ideen gearbeitet, aber es ist einfach nichts Sinnvolles dabei herausgekommen. Das trifft für einen Roman über Cicero zu, den ich entwerfen wollte, und es trifft für meine Vhaskalia zu. Ich habe spannende Figuren, aber keinen guten Plot. Und den kriege ich auch nicht, da kann ich tun, was ich will. Und obwohl ich mich für alle freue, die tolle Ideen haben und super Plots, macht es mich immer trauriger, dass ich nichts mehr davon habe.

Richtig verzweifelt gemacht hat mich ein Gespräch mit meiner Mutter gestern, die mir durch die Blume gesagt hat, dass meine Geschichten früher viel besser wären - dass gegen meinen Roman, der nächstes Jahr erscheint, "Blutgeister" langatmig und stilistisch minderwertig ist und nichts darin passiert, und dass sogar meine DSA-Romane früher fantasievoller und spannender waren. Sie wollte wohl eher meine alten Texte loben als meine neuen schlecht machen, aber dafür bin ich gerade nicht sehr empfänglich. Ich weiß ja selbst, dass früher schreibtechnisch alles besser bei mir lief. Und wenn sogar "Blutgeister", was ich eigentlich immer für ganz gut hielt, nichts taugt, wie soll dann erst die Vhaskalia sein, bei dem ich beim ersten Kapitel schon denke, dass es wahrscheinlich keinen Sinn hat, weiterzumachen? Meine Mutter hat auch "Mord in Laidon" kritisiert, und dabei hatte es ihr beim Lesen noch gefallen. Tja, ich weiß schon, man sollte seinen eigenen Eltern die Texte nicht geben, aber sie sagt ja genau das, was ich auch finde - "Blutgeister" ist nicht so gut, wie ich es gern hätte, und "Mord in Laidon" ist bei allen tollen Figuren eine inhaltliche Katastrophe, und ich werde es wohl nie fertig schreiben. Und mein erstes Kapitel der Vhaskalia wollte sie nicht mal lesen. Und es fühlt sich für mich auch so an, als wäre es das nicht wert.

War ich früher besser, hab ich Kreativität und sogar die Fähigkeit, gut und spannend zu schreiben, verlernt, sollte ich einfach hinschmeißen und es überhaupt nicht mehr versuchen?

Ich glaube nicht, dass mir irgendwer helfen kann. Ich habe auch schon all eure Tipps versucht zu befolgen, und es ist nichts dabei herausgekommen. Vielleicht ist meine Schreib-Zeit einfach vorbei, obwohl ich das nicht hoffe. Ich komme ohne Schreiben einfach nicht klar. :(

Komischerweise habe ich Ideen zu anderer Leute Projekte, das schon.
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Alana am 20. Juli 2014, 07:19:52
Oh Coppi.  :knuddel: Ich weiß leider nicht, was ich dir jetzt raten soll, außer vielleicht, mal zu versuchen, kürzere und einfachere Plots zu bauen? Nur mal, um das Selbstvertrauen wieder zu bekommen. Das Gefühl, dass man gerade nur Schlechtes zustande bringt, kenne ich auch, habe allerdings festgestellt, dass das nicht sehr verlässlich ist. Ich würde mich auch nicht auf die Meinung einer Person verlassen, man entwickelt sich und der Schreibstil ändert sich, nicht immer zum Gefallen bestimmter Leser, das bedeutet aber nicht, dass es schlecht ist.
Mir geht es gerade ein bisschen ähnlich, weil ich mich mit dem Lektorat total unter Druck setze, (hatte einen Teil schon lektoriert bekommen, während ich noch schreibe) so dass ich ein paar Tage lang keinen geraden Satz rausgebracht habe. Bis ich beschlossen habe, erst mal nicht mehr ans Lektorat zu denken, sondern einfach zu schreiben, wie ich will und mich hinterher um den Rest zu kümmern. Vielleicht fehlt dir das ja auch? Dieses Gefühl, nur für dich und den Spaß zu schreiben bzw. zu plotten? Mit hilft ja auch oft, einfach was vollkommen verrücktes, übertriebenes zu machen, also in deinem Fall: einen vollkommen verrückten Plot anzulegen, den ich so wohl nicht schreiben würde. Dabei kommt oft was raus, was gar nicht so schlecht ist und hinterher kann man gucken, was davon bleiben kann. Manchmal, vor allem nach einer langen Pause, muss man das Gehirn auch erst wieder in den Plotmodus bringen. Je mehr man sich mit Plot beschäftigt, desto mehr Ideen kommen auch. Mir hilft da immer eine lange Wanderung, die Bewegung bringt bei mir die Plotmaschine richtig in Gang.
Ansonsten kann ich dich nur drücken.  :knuddel: Ich denke, es gibt immer mal solche Zeiten, aber ich glaube ganz sicher nicht, dass du irgendwas verlernt hast.
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Miezekatzemaus am 20. Juli 2014, 08:20:17
Ach Coppi. :knuddel: Vielleicht kannst du einen Plot aus dem Musenbrunnen verarbeiten, der möglichst detailliert ist? Oder mit jemandem zusammen versuchen, an einem Roman zu schreiben, der deine Texte immer sofort liest, bei dem du dann das Gefühl hast, etwas auf die Reihe zu bekommen?
Du könntest, wie Alana schon sagte, versuchen, Kurzgeschichten zu schreiben, nur zum Spaß an der Freude.
Wie du selbst ja schon festgestellt hast, meint deine Mutter es bestimmt nicht böse, sondern will dir vielleicht einfach nur helfen. Möglicherweise kannst du einen deiner alten Romane neu aufgreifen, das Handlungskonzept so lassen und nur drauflosschreiben? Gar nicht groß an den Stil denken, alles nur für dich machen, zum Spaß an der Freude.
Es tut mir leid, dass ich dir keinen Ratschlag geben kann, der nicht mit vielleicht oder eventuell oder möglicherweise anfängt. :knuddel:

Viele Grüße
Mieze
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Klecks am 20. Juli 2014, 09:48:36
Erst einmal bekommst du einen dicken Knuddler, Coppi.  :knuddel:

Helfen kann dir da leider tatsächlich niemand, denn ich finde, das sind Phasen. Mitunter kurze, vielleicht aber auch mal sehr lange Phasen. Es gibt Phasen, in denen es beim Schreiben super läuft, und dann kommt auf einmal eine Zeit, in der gar nichts klappen will. Das ist leider so.

Aber wie kommst du darauf, dass du deshalb aufhören solltest? Warum aufgeben? Warum das Schreiben hinwerfen? Schreib weiter, einfach für dich, weil dir das Schreiben wichtig ist und wieder Spaß machen soll. Was interessiert uns der Inhalt, wenn wir das Schreiben an sich lieben? Genieße deine Figuren, sieh es so, dass du beim Schreiben deinen Figuren nahe sein kannst, und mach es eine Zeit lang einfach nur für dich und dein Wohlbefinden. Schreib weiter, die ganze Zeit über, und irgendwann wirst du merken, dass es wieder besser wird. Ganz bestimmt.  :prost:
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: FeeamPC am 20. Juli 2014, 10:15:22
Brainstorming mit ein paar netten Tintenzirklern?
Damit habe ich schon bei mehr als einem Buchplot gute Ergebnisse gekriegt.
Manchmal sieht man als Autor den Wald vor lauter Bäumen nicht.
Und schreiben kannst du, soviel ist schon mal sicher. Wäre zu schade, wenn du jetzt vor lauter Selbstzweifel dir eine hausgemachte Schreibblockade holst.
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Coppelia am 20. Juli 2014, 10:37:16
Ich danke euch herzlich für eure netten Worte! :knuddel:

Ich weiß, ich bin ein undankbares Objekt fürs Trösten, weil bei mir wenig wirkt und ich mich allein berappeln muss, aber es tut jedenfalls gut, das zu lesen.

@ Alana
Mit dem Plotmodus stimme ich dir zu (leider ein Modus, den mein Gehirn so gut wie gar nicht kennt), und das Wandern ist eine super Idee. Ich würde am liebsten gleich loswandern. Leider sitze ich hier mit einem verstauchten Fuß, blödes Zusammentreffen. Aber wenn ich nächste Woche ein paar Tage frei habe, müsste es gehen. Am besten suche ich mir schon mal einen Wanderweg! Bei meiner letzten Schreibkrise hat mir das auch geholfen.

@ Mieze
Das meiste davon habe ich sogar schon versucht. Hat leider nicht funktioniert. Trotzdem sind es gute Tipps. :)
Einen anderen meiner alten Romane als die Vhaskalia zu schreiben, hatte ich auch schon überlegt - er hat meiner Meinung nach auch einen viel besseren Plot - aber ich bin irgendwie gar nicht in der Stimmung für diese Art von Fantasy. Natürlich muss man sich beim Schreiben immer ein bisschen zwingen. Ob das hier das richtige ist? Ich habe nämlich nur diesen einen alten Roman mit funktionierendem, vollständigem Plot - und bestimmt 12 ohne vollständigen Plot. :seufz:
Ein Pate ist auch eine gute Idee. Aber wenn ich dann doch hinschmeiße oder sich herausstellt, dass wirklich nichts aus dem Roman wird, hat sich der Pate umsonst bemüht, das fände ich nicht fair. :-\

@ Klecks
Da kann ich nur zustimmen. Phasen, genau. Lange Phasen, genau. Ich kenne sie auch, sie haben bei mir schon zum Teil über ein Jahr gedauert, und ich habe häufiger schon überlegt, das Schreiben dranzugeben. Meist waren die Gründe aber, dass ich nicht erfolgreich war. Im Moment läuft es in der Hinsicht eigentlich ganz brauchbar, das kann diesmal nicht der Grund sein.

Ich schreibe eigentlich nur Dinge, von denen ich annehme, dass ich sie nicht verkaufen kann, sodass ich sie nur für mich schreibe. Dass ich es dann trotzdem versuche und sogar einmal mit Erfolg, ist eine andere Sache. Ich versuche immer das zu schreiben, was ich selbst gern lesen würde, aber im Moment kann ich nicht mal genau sagen, was das wäre. Vielleicht sollte ich das erstmal rausfinden ...
Im Augenblick habe ich das Gefühl, nur für den Mülleimer zu produzieren. Wenn es wenigstens für die Schublade wäre!

@ Fee
Fürs Brainstorming hab ich ja den Vhaskalia-Thread eröffnet, aber ich sehe ein, dass da viel zu viel Text steht, um die Leser anzulocken. Und ich kann ja schlecht andere Leute bitten, meinen Plot zu verbessern oder sich überhaupt einen einfallen zu lassen.
Obwohl das cool wäre - möchte nicht jemand mal erzählen, welche Handlung er in Kessel gern hätte? ;D Oder vielleicht, was er überhaupt gern mal lesen würde? Wenn 10 Leute etwas sagen, kann ich vielleicht daraus einen Plot machen. Aber keine Ahnung, ob es der Plot wäre, den ich gern hätte. Naja, einen Versuch könnte es wert sein.

Und jetzt versuch ich noch mal 500 Wörter zu schreiben. Denn Lust auf meine Figuren hab ich ja trotz allem ...
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: caity am 20. Juli 2014, 10:50:07
Zitat
Und jetzt versuch ich noch mal 500 Wörter zu schreiben. Denn Lust auf meine Figuren hab ich ja trotz allem ...

Das ist schon einmal ein guter Ansatz, Coppi  :knuddel:
Vielleicht hast du ja heute Abend Zeit/Lust in den Brainstorming-Chat zu kommen? Da geht's um 19:30 los. Ansonsten, wenn du möchtest können wir auch gerne mal via Skype/Telefon quatschen. Ich plote unglaublich gerne. Aber die Romanthreads sind (für mich persönlich) ganz große Kreativitätskiller. Ich brauche das mehr oder weniger "mündlich", sei es eben wirklich bei einem Gespräch oder aber in einem Chat, weil man da eben direkt nachhaken kann ... da kommt mMn viel mehr bei raus. :)

Und gute Besserung an den Knöchel!
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Feuertraum am 20. Juli 2014, 11:10:49
Ich brauche das mehr oder weniger "mündlich", sei es eben wirklich bei einem Gespräch oder aber in einem Chat, weil man da eben direkt nachhaken kann ... da kommt mMn viel mehr bei raus. :)

Danke caity  :knuddel:
Ich sehe das ganze genauso (und bin deswegen immer so gerne dabei). Vor allen Dingen kommen viele gute Ideen tatsächlich durch das Sprunghafte, der Wirbelsturm der Ideen. Dadurch, dass man nicht in eine, sondern in mehrere Richtungen lenkt, kann man Einbahnstraßen vermeiden und viele tolle Ideen wälzen  :D
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Coppelia am 20. Juli 2014, 11:13:50
Das Problem beim Brainstorming ist ja, dass man ein konkretes Problem braucht, über das man reden kann. Und ich habe nur so eine allgemeine Matschpampe ...
Aber wenigstens bei einer Sache hätte ich eine konkrete Frage, daher versuche ich, heute Abend in den Chat zu kommen. :) Auch wenn meine Erklärungen wahrscheinlich mal wieder lang sein werden.

Caity, danke für das Angebot mit dem Telefonieren! Leider telefoniere ich so ungern. :knuddel: Vielleicht treffen wir uns aber bald mal persönlich. Das würde mich sehr freuen!

Ich hab's mit dem Schreiben versucht, aber es geht gar nichts, und das bestätigt mich nur darin, dass der ganze Roman nichts taugt und dass es keinen Sinn hat. Ich hätte es besser nicht probiert. Da hilft vermutlich nur warten, bis die Stimmung wieder vorbeigeht. Bis die Krise wieder vorbei geht, kann es sicher noch Monate dauern. Hoffentlich nicht Jahre. :seufz:
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Sanjani am 20. Juli 2014, 11:43:46
Hallo Coppi,

ich hatte gerade ein ziemlich unangenehmes Déjà-vu, als ich deinen Beitrag gelesen habe. Ich kenne dieses Problem und es ist zum Kotzen! Früher haben mich meine Ideen eigentlich immer ereilt und mein Motto war "Go with the flow" :) Dann war irgendwann Schluss damit und die Phase der Kreativitätslosigkeit hat 2 Jahre angehalten. Danach war es etwas besser, aber ich würde sagen, es hält immer noch an. Mittlerweile bin ich aber zu einer Erkenntnis gekommen: Geschichten bedeuten in erster Linie Arbeit. Das fand ich für mich hilfreich. Ich war nie ein großer Plotter, es liegt mir einfach nicht, und Ideen kommen mir auf Knopfdruck bzw. auf bestimmte Fragen wie "Was wäre wenn" auch nicht, aber ich habe so die Fantasie, dass ich das jetzt ein Stückweit lernen soll und dass es deshalb nicht mehr mit dem Schreiben klappt. Ich finde, das Fiese ist, wenn ich keine Ideen habe, kann ich auch nichts schreiben, und dann wird mein Stil Mist, und dann denke ich hey, eigentlich kann ich es auch ganz lassen. Und wenn ich mal eine Idee habe, denke ich, ach das ist schon zigmal dagewesen, und verwerfe sie wieder.

Ich mache es inzwischen so, dass ich manchmal, wenn mir ein Ideenblitz kommt, Szenen über und mit meinen Figuren schreibe, von denen ich weiß, dass ich sie wahrscheinlich nie verwenden werde, aber so bleibe ich wenigstens schreibtechnisch in Übung, und manchmal kommt doch was Gutes bei heraus. Außerdem mach ich auch manchmal assoziatives Schreiben, heißt ich suche mir ein Wort und schreibe los und gucke mal, was dabei herauskommt. Ich finde, gerade bei Ideenflaute gibt es eigentlich kaum etwas, das wirklich hilft, denn Ideen kommen und gehen, wie es ihnen beliebt, und warten macht einen kirre, zumindest geht es mir so, und es hilft auch nicht wirklich weiter. Mir hilft es tatsächlich auch manchmal, mich mit jemandem über meinen Plot zu unterhalten, v. a. mit jemand, bei dem ich weiß, dass der gerne Ideen produziert und nicht wertet, aber dann hab ich auch manchmal das Gefühl, dass ich das ja jetzt nicht selber geplottet habe, sondern der andere, und das ist dann natürlich auch nicht so toll.

Langer Rede, kurzer Sinn: Ich glaub, man braucht einfach einen längeren Atem und ganz viele offene Sinne und man sollte schreibtechnisch irgendeine Möglichkeit haben, um in Form zu bleiben.

Ich fürchte, da war jetzt nicht viel Tröstliches dabei, aber das sind mal meine Gedanken zum Thema. Ich drücke die Daumen, dass die Phase bei dir bald vorbei geht.

VG Sanjani
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: gbwolf am 20. Juli 2014, 11:46:32
Mir hilft da immer eine lange Wanderung, die Bewegung bringt bei mir die Plotmaschine richtig in Gang.
Ja, genau das hatte ich auch gedacht. Man kommt ja irgendwann immer in diesen Modus, in dem man so völlig verkopft ist. Da hat man so viel über das Romanschreiben gelernt, dass man das Gefühl hat, in einer Perfektionsmaschine gelandet zu sein. Wenn ich manche meiner alten Texte lese, denke ich auch: Wo sind diese Ideen hin? Dieser Schwung? Diese Lebendigkeit und Dynamik?
Wie kann ich das diese frühere Leichtigkeit mit meinem heutigen Handwerk in Einklang bringen und einfach wieder gelöst schreiben?

Raus zu gehen, hilft wirklich. Am besten sogar für einige Tage. Hast du die Möglichkeit, in den Semesterferien ein wenig Urlaub zu machen? Einfach nur mal etwas ganz anderes sehen und vielleicht ein paar genrefremde Bücher lesen?
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Coppelia am 20. Juli 2014, 12:11:42
@ Sanjani
Das klingt wirklich ziemlich stark so wie das, was mir gerade passiert. Wie doof. Das tut mir wirklich leid für dich!
Dass Schreiben Arbeit ist, hab ich schon vor vielen Jahren begriffen, und hab es auch immer so gehandhabt. Ich dachte, davor wäre ich nie zurückgeschreckt. Aber vielleicht tue ich das im Moment doch, weil es sonst auch sehr stressig war und ich nicht noch mehr "Arbeit" haben wollte.
Das Gefühl, dass ich schreibtechnisch außer Form bin, hab ich eigentlich (noch) nicht, aber das wird sich sicher auch irgendwann einstellen.
Dass mein Stil so viel schlechter geworden ist, glaube ich eigentlich noch nicht mal. Immer wenn ich "Blutgeister" gelesen hab, war ich mit dem Stil zufrieden. Aber im Moment lese ich es wohl besser nicht!
Ich wünsche dir auf jeden Fall, dass es wieder Bergauf geht. Uns. ;)

@ Nadine
Ja, der Urlaub ist zum Glück schon beantragt! Und dann werde ich hier raus, jawoll.
Es ist etwas blöd, dass man allein als Frau besser nicht an abgelegenen Wegen unterwegs sein sollte, aber wo viele Menschen rumwuseln, macht das Wandern weniger Spaß. Ich hoffe, ich finde eine Möglichkeit. Normalerweise wandere ich nämlich mit Partner.
Genrefremde Bücher lese ich eigentlich ausschließlich. ;D

Dass ich seit meinem Lieblingsroman so viel neues Handwerk dazu gelernt habe, glaube ich gar nicht. Aber vielleicht ist das Bewusstsein gewachsen, dass ich etwas schreiben kann, was ich selbst richtig super finde. Mit einem richtig gut funktionierenden Plot. Und dann will ich das natürlich auch immer wieder tun ... ::) Vorher hatte ich beim Schreiben oft das Gefühl "joah, irgendwie so". Bei diesem Roman hatte ich das Gefühl: "Genau so muss es sein!" Das war aber auch nur dieses eine Mal so, und jetzt bin ich mit "joah, irgendwie so" nicht mehr zufrieden. :-\
Allerdings hatte ich vor meinem Lieblingsroman auch die längste Schreibkrise, die ich bisher hatte.
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Siara am 20. Juli 2014, 13:21:53
Das alles klingt wirklich nach großem Mist. Nach richtig großem Mist. Eine Lösung habe ich nicht für dich, so gerne ich auch helfen würde. (Die Ideen, die ich zu solchen Phasen habe, habe ich entweder schon einmal angemerkt oder jemand anders hat es getan).

Wenn du nächste Woche wandern gehst, wünsche ich dir wirklich, dass es dir hilft. Aber selbst, wenn es nicht klappt, bitte wirf das Schreiben nicht hin. Du sagst selbst, ohne das Schreiben geht es nicht, und du hast Lust auf gemeinsame Zeit mit deinen Figuren (die schließlich wirklich super sind). Momentan ist es bei dir stressig und es läuft schon seit einer Weile nicht. Das alles nervt sicher, ist ermüdend und demotivierend. Auch kann ich gut verstehen, dass du so empfindlich aufnimmst, was deine Mutter gesagt hat. Aber: Ich glaube fest an eine "Phase", selbst wenn es eine längere ist. Woran es bei dir liegt, da hat wohl niemand außer dir selbst den Durchblick, wenn überhaupt. (Das Unterbewusstsein macht ja in der Regel, was es will, ohne sich groß zu erklären).

Deshalb nur das: Bleib dran und gib nicht auf. Wenn du das Gefühl hast, eine Pause zu brauchen, dann nimm sie dir, aber schließe bitte nicht mit der Sache ab. Deinen Lieblingsroman, bei dem einfach alles stimmte, entstand nach einer Zeit der Krise? Na vielleicht regeneriert sich dein Unterbewusstsein gerade, stellt ein Heer von Ideen auf, um dich irgendwann zu überfallen? Du bist Autorin, und das ist nicht nur ein Beruf. Die Zeit gerade muss dich wirklich runterziehen, aber das bedeutet nicht, dass deine Zeit als Autorin vorbei ist. Ich kann vollauf nachfühlen, dass es schwer ist, geduldig zu sein, besonders wenn man eigentlich schreiben möchte. Trotzdem ist das Wichtigste vielleicht, den Glauben an das, was du gerne tust, nicht aufzugeben. :knuddel:
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Linda am 20. Juli 2014, 13:47:27
Wenn du keine laufenden Verträge hast, leg doch mal ein Sabbatjahr ohne Schreiben ein. Mach, was dir Spaß macht, such dir ein brandneues Hobby, wo du ganz von vorne startest, am besten etwas Kreatives/Gestalterisches. Oder einen neuen Sport.
  Sieh' dich selbst und dein Leben nicht als Ideenproduziermachiene, sondern tue schöne oder anstrengende Dinge als Selbstzweck. Zeig dem Schreiben den Stinkefinger.
Vielleicht kommen die Ideen wieder, (schneller als du denkst) vielleicht erst mal nicht. Aber du hast die Zeit mit größtmöglichem Gewinn für dich verbracht, anstatt zu hadern.

Viel Glüçk!
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Coppelia am 20. Juli 2014, 14:24:43
@ Siara
Das ist wirklich nett von dir, danke! :)
Ich hoffe, dass es so ist, wie du sagst, und irgendwie glaube ich es auch.

@ Linda
Ja, die Idee ist sicher nicht die schlechteste. Während meiner letzten Krise hab ich mir stricken beigebracht. Das mache ich heute noch sehr gern. Und im Augenblick treibe ich auch ziemlich viel Sport, was ich früher eher nicht gemacht habe. Zum Glück habe ich ja auch noch mein Computerspiel, da werde ich mich in nächster Zeit wieder mehr ransetzen. Das liegt mir nämlich auch am Herzen.
Leider kann nichts mit der Art von Freude mithalten, die mir das Schreiben gibt. Diese Freude am Formulieren, an Figuren, an Handlungen ... ich kenne einfach nichts Vergleichbares, so schön andere Hobbies auch sein mögen. Und daher vermisse ich halt einfach konkret das Schreiben. Das ging mir auch bei allem Sockenstricken und Spieleprogrammieren immer so.

Aber allmählich ist es auch gut, ich will den Thread nicht länger blockieren. Ich muss da einfach durch und werde jetzt mal versuchen, mich abzulenken.
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Sanjani am 20. Juli 2014, 15:09:09
Leider kann nichts mit der Art von Freude mithalten, die mir das Schreiben gibt. Diese Freude am Formulieren, an Figuren, an Handlungen ... ich kenne einfach nichts Vergleichbares, so schön andere Hobbies auch sein mögen. Und daher vermisse ich halt einfach konkret das Schreiben.

Du sprichst mir aus der Seele :) Aber ich seh das inzwischen so, dass es sich ja vllt auch irgendwann abnutzt, wenn man das zu oft "konsumiert", und wenn es dann irgendwann wiederkommt, habe ich nur noch mehr Freude daran. Ich mache es jetzt so ähnlich, wie Linda vorgeschlagen hat, und nehme gerade einen meiner Songs auf, was ich schon immer mal machen wollte. Es ist fern von Professionalität und geht sehr langsam voran, zumal meine Gitarre leider irreparabel kaputt ist, aber es ist dem Schreiben ein bisschen ähnlich, weil ich zusehen kann, wie etwas wächst und Gestalt annimmt, und momentan macht mir das Freude. Alles, was ein bisschen Freude macht, ist besser als hadern :) Also Kopf hoch und weitergehen!

LG Sanjani
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Franziska am 20. Juli 2014, 15:36:21
Hi coppi, ich würde auch sagen, mach eine Pause. Warum immer alles oder nichts? Ich bin mir sicher, dass dir wieder Ideen kommen. Es muss ja nicht jeder drei Romane imJahr schreiben. Mir kam die Idee für den letzten Roman über einen Zeitungsartikel und für den aktuellen durch andere Romane. Manchmal muss man viele andere Sachen machen, damit einem Ideen komen. Das mit dem Stil kenne ich auch. Ich hatte auch das Gefühl, was ich jetzt schreibe iyst schlechter als das davor. Aber dann ging es irgendwann wieder.
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Issun am 20. Juli 2014, 15:51:30
Coppi!  :knuddel:

Es tut mir sehr leid, zu lesen, dass du dir solche Sorgen wegen deiner Projekte machst. Ich will nicht wiederholen, was die anderen hier bereits geschrieben haben. Für mich steht außer Frage, dass „Blutgeister“ sehr gut ist, und ich finde nach wie vor, dass „Mord in Laidon“ viel Potenzial hat. In den Genuss deines erscheinenden Romans werde ich noch kommen. Ich finde es wichtig, dir mitzuteilen, dass sowohl deine Werke wie auch deine Begeisterung mir viel gegeben haben. Ich habe dadurch selbst die Liebe zum Schreiben wiederentdeckt, und das spricht eigentlich per se für die Qualität deiner Arbeit.

Ich habe den Verdacht, dass du dir immer noch zu viel Druck machst. Das kenne ich sehr gut von mir selbst. Zeitweise ziehe ich mich so tief runter, dass ich nicht weiß, wie ich mit dem Schreiben weitermachen soll. Irgendwie tue ich es dann doch immer. Du hast in der letzten Zeit wirklich viel Arbeit gehabt und eine ganze Menge Erfolge. Du hast Dinge geschafft, die absolut nicht selbstverständlich sind, und eigentlich hast du jedes Recht, darauf mit Stolz und Zufriedenheit zurückzublicken. Es ist auch kein Wunder, dass einem in solchen arbeitsintensiven Phasen keine Kraft mehr bleibt, sich einer bestimmten Aufgabe so zu widmen, wie man sich das wünscht. Wir sind doch Menschen, wir können nicht andauernd Leistungen erbringen, so lieb uns das auch wäre.

Ich finde deine Produktivität beeindruckend, deinen Stil ebenfalls. Dass nicht permanent Ideen fließen, die sich umsetzen lassen, ist ganz natürlich. Wahrscheinlich müssen sich deine Batterien nach so viel erfolgreicher Arbeit erst wieder aufladen. Sei nett zu dir, quäl dich nicht. Das hast du dir nicht verdient.

Ich wünschte, ich könnte noch etwas Hilfreicheres sagen, aber im Trösten bin ich leider ganz schlecht. Ich denke auf jeden Fall an dich, fühl dich gedrückt! Und du weißt ja - wenn du ein bestimmtes Anliegen hast oder auch nur Kummer abladen willst, habe ich ein offenes Ohr (bzw. einen offenen Posteingang   :)). Alles Liebe!




 
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Assantora am 20. Juli 2014, 15:53:16
Oh, Coppi, ich glaube ich weiß, in welch verzwickter Lage du dich befindest.  :knuddel:

Ich habe ja schon das ganze Jahr, seit Abbruch meines Nano-Romans, Probleme mit dem Schreiben an sich. Neben diversen Schreibblockaden und Hängern, bin ich derweil an einem Punkt, wo ich mir jeglichen Stress verboten habe.
Du hast heute nicht geschrieben? Ist vollkommen egal.
Du hast dein angestrebtes Tagessoll nicht erreicht. Wen interessiert schon, wie viel ich schreibe?
Meine Hauptprojekte liegen derzeit alle brach. Eines habe ich abgebrochen, bevor ich alles in der Luft zerreiße und alles andere hat noch zu viele Plotlöcher.
Ich habe eine Auszeit gemacht, waren letzten Endes nur zehn Tage, wo ich mich neu orientieren musste, selbst finden, zu dem Ursprung zurück finden. Nämlich die Freude am Schreiben, ist bei mir auch deutlich verschwunden und das, obwohl ich noch nie veröffentlicht habe, mir aber genauso den Sinn des Schreibens an sich, in Frage gestellt habe.
Ich halte mich ganz wacker, nehme mir heute wohl eine Auszeit vom Schreiben, wegen dem Wetter, aber im Moment fahre ich damit ganz gut. Ich schreibe nicht mehr so viel, aber dafür habe ich das Gefühl, dass dieses zeitweilige "Schlechtschreiben" nicht mehr ganz so schlimm ist.
Ich sehe das als posoitive Entwicklung und ich hoffe, dass du auch wieder zurückfinden wirst, damit es noch viele schöne Geschichten von dir zu kaufen und zu lesen gibt. :)
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Sunflower am 20. Juli 2014, 15:58:22
Also ...  :knuddel: Ich kann nur eines noch hinzufügen: Wie kommst du bitte überhaupt auf die Idee, du würdest "ideenlose" Sachen schreiben? Ich kenne deine alten Bücher, deine DSA-Bücher usw. nicht, aber ich kenne Flügel aus Asche. Von dem Buch war ich wirklich begeistert, gerade weil es so innovativ war, so erfrischende Ideen hatte, so ... anders war. Deinen neuen Roman erwarte ich auch schon gespannt. Lass dir also nicht einreden, deine Romane seien ohne Ideen, blutleer oder ähnliches. Das stimmt einfach nicht  :knuddel:

Dass nicht permanent Ideen fließen, die sich umsetzen lassen, ist ganz natürlich. Wahrscheinlich müssen sich deine Batterien nach so viel erfolgreicher Arbeit erst wieder aufladen. Sei nett zu dir, quäl dich nicht. Das hast du dir nicht verdient.

Das ist sehr, sehr wahr. Ich weiß nicht, wie es bei anderen ist, aber zumindest bei mir kommen Ideen nicht andauernd. Monatelang geht gar nichts, dann habe ich plötzlich mehr Ideen, als ich je umsetzen könnte. Druck blockiert deine "Ideenschmiede" noch zusätzlich. Also, auch wenn es schwer fällt, lehne dich zurück. Entspanne dich. Beobachte Leute, lies viel, geh spazieren, lass die Welt um dich herum auf dich wirken und irgendwann wird dich wieder eine Idee befallen. Erzwingen kann man es nicht, aber mit dem Druck, den du dir machst, klappt das erst recht nicht. Gönn' dir eine Pause.
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Tinnue am 20. Juli 2014, 16:03:31
Eigentlich wurde schon alles gesagt. Viel mehr als die gegebenen Vorschläge fallen mir auch nicht ein. Das Problem dabei ist ja meist auch: Die eine LÖsung gibt es nicht. Mir haben solche Vorschläge anfang des Jahres nur mäßig geholfen, auch wenn ich natürlich sehr dankbar dafür war und mich nicht so allein mit meinem Mist gefühlt hab. Leider - zumindest sehe ich das so (kann auch gut sein, dass ich mich da täusche) - ist man mit einer Schreibblockade/Schreibproblem am Ende doch irgendwo eher allein. Aber vielleicht ist das auch gut so. Vielleicht brauchst du einfach mal wieder Zeit für dich und mit dir? Zeit für deine Stimme. Und wenn sie noch nicht hörbar oder gerade nicht hörbar ist, dann vielleicht Zeit, sich ihr anzunähern, reinzuhören in dich oder einfach nur etwas Leere zu schaffen - Platz, an dessen Stelle schließlich neue Ideen rutschen können. Manchmal kann man die Dinge auch einfach nicht suchen - manche Dinge wollen einen selbst finden. Es muss ja kein Dauerzustand sein. Aber mag sein, dass es hilft, einfach mal den Kopf zu lüften? Kein Stoßlüften, sondern Durchlüften!

Ich muss dazu sagen, wie toll ich es finde - auch wenn der Grund sicher kein angenehmer ist - wie offen wir hier alle damit umgehen. Mich überrascht es immer wieder, wenn ich an anderer Stelle etwas von jemandem lese, vielleicht sogar, dass dieser Autor durchaus das Selbstbewusstsein ("Ich kann schreiben") hat, zu dem ich mich immer mal wieder ein bisschen anstupsen muss - und dann dennoch hin und wieder selbe/ähnliche Probleme hat. Wir sind eben keine Maschinen. Das Leben mit dem Schreiben ist irgendwo eine Symbiose. Das eine beeinflusst das andere, beide profitieren voneinander und beide können nicht ohne einander.
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Coppelia am 20. Juli 2014, 16:28:39
Danke auch euch noch mal!

@ Franziska
Hm, viele andere Dinge mache ich ja eigentlich schon. Allein durch die Arbeit usw. geht es quasi nicht anders.

@ Issun
Hm, ich habe noch dir gut zugeredet und dachte irgendwie nicht, dass es mir schon bald so ergehen würde wie dir. Komisch ist das manchmal. Auf jeden Fall "schulde" ich dir noch eine Mail. :)
Dass ich viel Arbeit hatte, ist natürlich richtig. Möglicherweise liegt es auch daran, dass ich einfach zu müde bin für Ideen.

@ Assantora
Ja, ich kann mich noch daran erinnern, dass es dir auch so ging. Allerdings kann ich deinem Post nicht so ganz entnehmen, ob du da jetzt wieder raus bist oder nicht. Ich hoffe, du konntest dem Loch entkommen.
Ich will ja eigentlich gar nicht auf Leistung schreiben - ich möchte bloß zum Spaß schreiben. Absurd, dass ich mich offenbar unter Druck setze, Spaß zu haben.

@ Tinnue
Danke! Aber da hab ich mich wohl unklar ausgedrückt. Ideen sind bei mir nicht das Problem, Ideen hab ich viele und auch originelle für Figuren, Welt, Details - nur keine Ideen für einen Plot. Und das ist ja auch nicht ganz unwichtig. ;)

Naja, also danke nochmal. Ich fürchte, richtig helfen kann da nichts außer Abwarten. Vielleicht muss ich auch mal eine Weile traurig sein, damit es danach wieder aufwärts gehen kann. Andere Leute haben ja sehr viel schlimmere Probleme, und wenn man keine hat, macht man sich halt welche ... vielleicht kommt mir ja eines Tages wieder eine Plotidee, oder ich werde irgendwie doch noch Herrin meines Kraut-und-Rüben-Beetes.
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Zit am 20. Juli 2014, 16:29:42
Stimmt, Tinnue, diese Offenheit schätze ich auch sehr, weil es einen auf dem Böden hält und man sich dadurch nicht so alleine fühlt. :)

Ob beide, Mensch und Schreiben, nicht ohne einander können, mag ich aber etwas bezweifeln. Vll. hilft es manchmal auch, sich hinzusetzen und mal ehrlich darüber nachzudenken, ob einem eine Sache tatsächlich noch so wichtig ist, ob man sich nur einredet, dass sie wichtig ist, weil sie es ja immer so war und sie sich viel zu tief in das eigene Selbstbild eingegraben hat. Das heißt nicht, dass ich Coppi das Schreiben ausreden will.
Für mich habe ich nur festgestellt, dass es mir ab und an mal gut tut, zu überlegen, was mir wirklich noch wichtig ist und was nicht. Ich habe mich bspw. vom akademischen Erfolg abgewandt, weil ich feststellte, dass es zwar schön wäre, Erfolg zu haben, mir der Preis dafür aber zu hoch ist und mir meine Beziehung mittlerweile einfach wichtiger ist. Wenn ich Filme mit Archäologen gucke oder die alten Tomb-Raider-Spiele zocke/ -Comics lese, werde ich auch wehmütig, aber das wird letztlich auch immer weniger. Meine Ausbildung zur Buchhändlerin macht mir auch immer noch Spaß, aber ich habe festgestellt, dass mir Beratung 8h am Tag doch nicht so liegt, eine eigene Buchhandlung aber zu viel Verantwortung ist (gerade auch finanziell) und ein kleiner Teil von mir hofft, nicht übernommen zu werden, weil ich dann ohne schlechtes Gewissen Verlage nach Praktikumsstellen abgrasen kann, in der Hoffnung, darüber den Einstieg zu finden. Die Hoffnung vom erfolgreichen Berufsautor, der Romane am Stück schreibt, ist immer noch da, aber hinten an gestellt, weil ich immer noch keinen Roman beendet habe und weil mir das ganze Gedöns mit Künstlersozialkasse, Fiskus und Marktentwicklung-im-Vergleich-mit-den-Themen-die-ich-behandel zu suspekt ist.

"Ich kann nicht ohne Schreiben atmen." klingt mir persönlich immer ziemlich theatralisch. Klar, mir ist es auch wichtig in meine Welten abtauchen zu können, aber ich halte es auch mal eine Weile ohne aus. Und wenn es wirklich wichtig ist, kommt es früher oder später von alleine wieder.

Edith:

@Coppi

Die Sache mit dem Plot habe ich auch. Ich mutmaße ja schon fast, dass es daran liegt, dass ich doch nicht mit ganzem Herzen dabei bin oder mir Themen zumute, die einfach nicht zu mir gehören. So wollte ich einen simplen Romantasy-Schinken schreiben -- aber um Plot zu bekommen, musste ich das Ganze dann doch zum Romantic Thrill umstricken. Da ich aber mit dem Plotten noch lange nicht fertig bin, frage ich mich natürlich, ob am Ende noch wirklich Romance drinnen ist oder es dann doch nur ein Plot auf dritter Eben oder so wird. ;D
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Tinnue am 20. Juli 2014, 16:35:47
Zitat
Danke! Aber da hab ich mich wohl unklar ausgedrückt. Ideen sind bei mir nicht das Problem, Ideen hab ich viele und auch originelle für Figuren, Welt, Details - nur keine Ideen für einen Plot. Und das ist ja auch nicht ganz unwichtig. ;)

@Coppi: Nein, ich glaube, ich bin diejenige, die sich unklar ausgedrückt hat. Ich habe schon gelesen, dass es bei dir nicht zwangsweise um die Ideen selbst geht, wohl aber darum, dass sie nicht wirklich "fruchten" in deiner Vorstellung. Oder habe ich das falsch verstanden? Zumindest denke ich auch da, dass etwas "Leermachen" helfen kann, den Quell dieser Ideen besser zu greifen. Dieses gewisse Etwas, das im Moment zwischen Idee und Umsetzung bei dir steht. Meistens liegt auch das sehr daran, dass man dazwischen blockiert ist durch zu strenges Wollen, zu starkes Fokussieren, zu wenig Freiraum, damit sich die Idee vielleicht in eine Richtung x entwickeln kann, wo sie dann doch mehr fruchtet und es plötzlich "bing!" macht. Aber es muss nicht so sein.
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Coppelia am 20. Juli 2014, 16:40:12
Oh tut mir Leid, ich meinte Sunflower und nicht dich, Tinnue! Eure Avatare sehen sich so ähnlich ... äh nein, doch nicht. ::)
Deinen Beitrag hatte ich irgendwie übersehen. Aber ich glaube auch, dass du recht hast. Und wenn ich dich beruhigen konnte, dass auch veröffentlichte Autoren (man darf das Veröffentlichen echt nicht überschätzen) von Selbstzweifeln und Frust geplagt werden, dann war mein Gejammer ja noch zu etwas gut. ;)

Edit
@ Zitklasa
Entschuldige, dein Beitrag wurde mir auch nicht angezeigt, jetzt sehe ich ihn aber.
Kein Schreiben ist für mich keine Option. Zeitweise ja, habe ich ja auch schon erlebt. Aber das Arbeiten mit Sprache ist für mich einfach das Schönste. Und dann meine Figuren. Für mich wäre das Leben viel weniger interessant, wenn ich keine Figuren im Kopf hätte und keine Geschichten, an denen ich herumspinnen kann, selbst wenn ich nicht daran schreibe. Nur in einer Welt zu leben, ist mir zu wenig.
Aufgegeben habe ich schon viele Hobbies, die mir mal wichtig waren (z. B. Zeichnen und Computerspielen) und auch viele Träume. Ich finde Socken stricken super, weil es mich entspannt, aber ich könnte eher nie wieder Socken stricken als nichts mehr zu schreiben. Schreiben ist für mich viel mehr als ein Hobby. Nichts, was ein einfach lassen könnte, sondern ein Teil von mir. Klingt wahrscheinlich auch dramatisch, ist aber so.

Ja, die Plots - ich habe auch die Erfahrung gemacht, dass ich über Themen, die mir persönlich nahe sind, auch am besten plotten kann.
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Zit am 20. Juli 2014, 16:51:47
;D Kein Ding. Meine ellenlange Ausführung bezog sich auch eher auf Tinnues Äußerung. Ich wollte dir damit keinen Vorschlag machen, das Schreiben sein zu lassen. Geht mir ja auch nicht unbedingt anders. (Was, im Grunde, das Nervige ist: Ohne gehe ich auf Dauer auch kaputt bzw. mir fehlt eindeutig etwas, mit komme ich aber auch nicht zu potte. Mein größter Wunsch ist es im Moment, einen Roman von vorn bis hinten auch mal fertig zu haben und nicht immer nur rumzuplanen und Szenen zu schreiben, die blutleer sind oder am Ziel vorbei gehen. :omn:)
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Tinnue am 20. Juli 2014, 18:50:05
Zitat
Ob beide, Mensch und Schreiben, nicht ohne einander können, mag ich aber etwas bezweifeln. Vll. hilft es manchmal auch, sich hinzusetzen und mal ehrlich darüber nachzudenken, ob einem eine Sache tatsächlich noch so wichtig ist, ob man sich nur einredet, dass sie wichtig ist, weil sie es ja immer so war und sie sich viel zu tief in das eigene Selbstbild eingegraben hat. Das heißt nicht, dass ich Coppi das Schreiben ausreden will.

@Zit: Oh entschuldige, jetzt hab ich dich auch übersehen. Mea Culpa. Naja, zumindest ich für mich kann die Frage mit "Geht nicht ohen" beantworten, und da ist jetzt der Gedanke der VÖ nicht mal an erster Stelle. Aber es war auch nicht so allgemein gemeint, dass ich es für alle so darstellen will. Sicher, manche werden, wenn sie lange darüber nachdenken, auch dazu kommen, dass es wunderbar ohne geht. Meine Äußerung bezog sich damit eher auf den Zustand, wenn das nicht so ist. Ich kann meine Kreativität zu Teilen lenken, manchmal lenkt sie aber auch mich. Mir hat es zumindest aus meiner Sicht heraus sehrt geholfen, mir das endlich einmal einzugestehen. Mein "Talent", meine Figuren und Ideen können und wollen einfach nicht imme so wie ich, weil sie ebenso wenig einer Maschien entspringen wie ich. Entschuldigt, falls das hier als allgemeingültige Regel von mir rüberkam.
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Assantora am 20. Juli 2014, 19:55:16
@ Assantora
Ja, ich kann mich noch daran erinnern, dass es dir auch so ging. Allerdings kann ich deinem Post nicht so ganz entnehmen, ob du da jetzt wieder raus bist oder nicht. Ich hoffe, du konntest dem Loch entkommen.
Ich will ja eigentlich gar nicht auf Leistung schreiben - ich möchte bloß zum Spaß schreiben. Absurd, dass ich mich offenbar unter Druck setze, Spaß zu haben.
Das kannst du meinem Post nicht entnehmen, weil ich selbst noch nicht weiß, ob ich die Blockade hinter mich gelassen habe, oder nicht. Ich würde sagen, es ist 50:50, auf Messers Schneide also. Heute nichts geschrieben, weil mein Hirn gekocht wird und wie das in den nächsten Tagen wird, weiß ich nicht. Auch bin ich von meinem derzeitigen Projekt noch nicht so überzeugt.
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Feuertraum am 29. August 2014, 11:45:14
Der Zweifel klopft derzeit so richtig laut bei mir an der Tür.
Ich schreibe, und ich empfinde jedes Wort, jeden Satz, jeden Absatz als schlecht, so als würde ihn ein Kleinkind verfassen.
Wenn ich Bücher anderer Autoren lese, dann finde ich deren Schreibstil brilliant. Es kommt mir so vor, als ob ich ein Stück perfekt gewürztes Fleisch vor mir haben, und jeder Biss umschmeichelt meine Geschmacksknospen und lässt einen imaginären vor Freude den Wasserstrahl nur so rausschießenden Springbrunnen denken, der so voller Kraft ist und Energie ausstrahlt. Wenn ich dann meine Texte lese, habe ich da eher Knäckebrot und stilles Wasser.
Dabei möchte auch ich so gerne so schreiben können, dass die Worte wie Fontänen aus dem Springbrunnen den Himmel kitzeln.
Aber derzeit tröpfelt es.
Wird das je enden? Wird man irgendwann einen Zustand erreichen, dass man zufrieden ist mit seiner Arbeit?
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Sanjani am 29. August 2014, 11:57:34
Hallo Feuertraum,

allein der Beitrag, den Sie gerade verfasst haben, zeigt mir, dass hier eine völlige Fehleinschätzung Ihrer Fähigkeiten vorliegt. :) Den Vergleich finde ich genial! Mir hilft es bei so etwas, meine Gedanken nicht so ernst zu nehmen. Das muss man natürlich auch erst mal etwas üben, aber bei Russ Harris steht eine gute Distanzierungstechnik, die für uns Autoren total gut passt: Stellt euch vor, euer Gehirn erzählt euch Geschichten und ihr findet einen Titel für diese Geschichten. Z. B. die "Du bist ein lausiger Autor" Geschichte. Wenn dann solche Gedanken kommen, kann man sich sagen, ach hallo, da ist ja wieder die "Du bist ein lausiger Autor" Geschichte. Und weitermachen :) Es sind eben doch nur Geschichten. Das lästige ist nur, dass man den Vorleser oben im Stübchen nicht knebeln kann ;) Also vielleicht hilft es dann ja, ihn gut zu behandeln, damit er sich wohl fühlt und vielleicht dann einschläft, dann kann er auch nicht mehr vorlesen :)

LG und Kopf hoch

Sanjani
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Fynja am 29. August 2014, 11:58:23
Es kommt mir so vor, als ob ich ein Stück perfekt gewürztes Fleisch vor mir haben, und jeder Biss umschmeichelt meine Geschmacksknospen und lässt einen imaginären vor Freude den Wasserstrahl nur so rausschießenden Springbrunnen denken, der so voller Kraft ist und Energie ausstrahlt. Wenn ich dann meine Texte lese, habe ich da eher Knäckebrot und stilles Wasser.

Allein dieser Vergleich gefällt mir so gut, dass ich mir sicher bin, dass Sie auf jeden Fall sehr viel besser schreiben können, als ein Kleinkind.  :D Vielleicht hilft es, beim Schreiben nicht darüber nachzudenken, sich zu sagen, dass sowieso alles überarbeitet werden muss - manche Texte mehr, manche weniger - und Abstand zum Text zu bekommen. Mir selbst geht es auch oft so, aber wenn ich meine Texte nach einigen Monaten dann wieder lese, finde ich sie zwar immer noch nicht perfekt, aber viel besser als ich in Erinnerung hatte.

Zitat
Wird das je enden? Wird man irgendwann einen Zustand erreichen, dass man zufrieden ist mit seiner Arbeit?

Ich fürchte, für die meisten Schriftsteller lautet die Antwort auf dieser Frage "Nein". Perfektion ist nun mal nicht oder sehr schwer erreichbar, aber das Gute daran ist, dass man sich mit jedem Text weiterentwickeln kann. Vielleicht hilft Ihnen der Gedanke, dass es den Autoren, deren Schreibstil Sie so bewundern, aller Wahrscheinlichkeit nach genau so geht? Das Ganze ist so subjektiv, und der Autor ist sich selbst immer der größte Kritiker - ich glaube, das ist eher das Problem.

EDIT: Sanjani, danke, diese Technik werde ich auch mal ausproberen, die klingt super!  ;D
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Sanjani am 29. August 2014, 12:03:58
Noch ein Gedanke: Will man Perfektion überhaupt erreichen? Klar, wenn ich einen Text xmal überarbeitet habe, möchte ich ihn natürlich gut finden, aber ich finde, das ist meist auch einigermaßen möglich. Aber perfekt, nee, danke, das würde ja heißen, dass man ein Level erreicht hat, wo alles super ist und man nie wieder was ändern wollen würde, weil alles "toll" wäre, und ich glaube, das schließt sich gegenseitig aus oder wäre zumindest für mich so langweilig, dass ich nie wieder was schreiben würde. Ich finde, das Spannende ist ja immer wieder aufs Neue, dass man sich mit dem Inhalt auseinandersetzen und ihn irgendwie möglichst gut auf Papier / in die Datei bannen muss. Wäre man perfekt, würde einem das ja keine große Mühe bereiten, und dann wäre es auch nicht mehr wirklich kreativ für mich. Also, lieber nicht perfekt, finde ich.

So, jetzt bin ich aber fertig für heute ;)
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: HauntingWitch am 29. August 2014, 12:52:44
Wird das je enden? Wird man irgendwann einen Zustand erreichen, dass man zufrieden ist mit seiner Arbeit?

Ich weiss nicht mehr, in welchem Zusammenhang, aber der Musiker Jack White sagte einmal, er habe Angst vor dem Tag, an dem er mit sich selbst zufrieden sein wird, denn das wird der Tag sein, an dem er aufhört, sich Mühe zu geben. ;) Was fand ich das beruhigend.

Ich denke, die totale Zufriedenheit gibt es nicht. Aber man kann soweit zufrieden sein, dass man ein "Ende" darunter setzen kann. Phasen, in denen einem alles schlecht vorkommt, kennen wir alle und es gibt zwei Möglichkeiten: Trotzdem weiter machen oder Pause einlegen. Feuertraum, ich weiss aus dem Brainstorming-Chat, dass Sie stets geniale Ideen haben. Wie Fynja schon sagte, allein Ihr Vergleich hier zeigt, dass Sie durchaus in der Lage sind, mit Sprache zu arbeiten und tolle Bilder zu erschaffen. Ich würde Ihnen vorschlagen, schreiben Sie das, woran Sie gerade sind, trotzdem zu Ende. Egal, wie bescheiden es Ihnen vorkommt, machen sie einfach weiter. Achten Sie zunächst nicht darauf, wie gut oder schlecht alles ist, sondern machen Sie es fertig. Und dann, legen Sie es für ein paar Wochen beiseite und schauen mit etwas Abstand noch einmal drüber. Es wird alles ganz anders aussehen, bestimmt.  :knuddel:

Der Vergleich mit anderen macht übrigens auch unglücklich, obwohl man das natürlich automatisch tut. Man hat immer das Gefühl, diesen tollen Autoren gehe alles so leicht von den Fingern. Ist das so? Wir wissen nicht, wie viele Stunden die vor dem PC sitzen und den Kopf auf die Tischplatte hauen, weil sie es für unzulänglich halten. Wir wissen nicht, für wie gut oder schlecht die ihr Werk selber halten. Wir wissen nicht, wie oft sie im Verlauf ihrer Arbeit daran gedacht haben, das Manuskript in die Tonne zu kloppen. Mir hilft es immer, zu schauen, was genau es ausmacht, das mich so fasziniert und mich dann darin zu üben. Wahrscheinlich werde ich nie so gut wie mein Lieblingsautor, aber ich kann daraufhin arbeiten und im Zuge dessen etwas ebenfalls Gutes erschaffen.  :)
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Churke am 29. August 2014, 13:19:47
Leonardo da Vinci konnte keine Fresken malen.
Er war immer unzufrieden und nie fertig, wollte das Gemalte immer verbessern. An manchen Bildern malte er Jahrzehnte herum. Bei einem Fresco geht das aber nicht.

Man vergleiche das mal mit Bob "We don't make mistakes here, just happy little accidents" Ross, der Pinsellegende des Nachtprogramms.

Aber perfekt, nee, danke, das würde ja heißen, dass man ein Level erreicht hat, wo alles super ist und man nie wieder was ändern wollen würde, weil alles "toll" wäre, und ich glaube, das schließt sich gegenseitig aus oder wäre zumindest für mich so langweilig, dass ich nie wieder was schreiben würde.

Ein Text ist ja nicht sofort perfekt, das muss man sich jedes Mal mühsam erarbeiten.

Feuertraum, vielleicht wollen Sie in einem Stil schreiben, der Ihnen nicht liegt. Nach meinem Dafürhalten ist es selten ratsam, jemanden nachahmen und ihm hinterherlaufen zu wollen. Ich finde auch, dass Sie sehr individuell schreiben, da brauchen Sie sich nicht als Kupferstecher zu versuchen.
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Miezekatzemaus am 29. August 2014, 14:15:27
Feuertraum, ich gebe Churke Recht. Sie haben einen einzigartigen Stil, Sie schreiben gut. Wenn Sie anders schreiben wollen, dann müssen Sie es in Kauf nehmen, dass Sie Ihren Anforderungen nicht sofort genügen.
Bleiben Sie bei Ihrem Stil und probieren Sie anderes nebenher aus. Wenn Sie sich nur auf den anderen Stil festlegen, frustriert Sie jede Lücke und jedes Plotloch, jeder Satz, der Ihnen Ihres Erachtens nach nicht gelingt. Glauben Sie an sich. :knuddel:
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Feuertraum am 29. August 2014, 21:24:55
Hallo an Alle!

Vielen lieben Dank für die aufmunternden Worte. Die Idee, diesen negativen Gedanken den Anstrich einer Geschichte zu geben, sie zu betiteln und dann, wenn sie wieder mal auftaucht, einfach als Geschichte zu entlarven, finde ich ebenfalls sehr gut. Ich will es einfach mal ausprobieren.
In einem Punkt will ich allerdings ein schüchternes "Veto" einwerfen: Ich will niemanden kopieren. Ich schreibe immer so, wie ich es für richtig halte, auch wenn dass dann eben einzigartig (und somit vielleicht nicht unbedingt massenkompatibel) ist.
@ Zit: Das Beispiel des Musikers Jack White gefällt mir auch sehr gut. Danke, dass Sie es geschrieben haben.
Natürlich will und werde ich weiterschrieben. Vielleicht kommt der Tag, an dem dieser fiese kleine ekelige Madigmacher wieder verschwunden ist, früher, als ich denke. Und dann stürze ich mich wieder mit "spitzer Feder" in die Überarbeitungsschlacht.

LG und noch einmal Dankeschön an Alle  :gruppenknuddel:
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: HauntingWitch am 30. August 2014, 14:37:46
@ Zit: Das Beispiel des Musikers Jack White gefällt mir auch sehr gut. Danke, dass Sie es geschrieben haben.

*räusper* Ähm, das war ich. :psssst: Aber freut mich, wenn es Sie aufheitert. :)
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: yvilis am 30. August 2014, 18:19:28
Kann man Schreibblockkade gleichsetzen mit: „Ich will nicht zu Ende schreiben?“
Bei mir ist es momentan so, dass ich mit dem Buch fast fertig bin. Die Handlungen und auch die Worte sind in meinem Kopf, aber immer, wenn ich mir vornehme weiterzuschreiben, überarbeite ich lieber die anderen Kapitel. Es ist, als will ich nicht, dass es zu Ende ist. Kann mir jemand folgen?
Sind das Selbstzweifel? Ich hab keine Ahnung.
Kennt ihr dieses Gefühl?
Natürlich möchte ich mit dem Roman fertig werden, stehe mir aber irgendwie selber im Weg.  :wums: So kommt es mir zumindestens vor.
Was macht ihr in so einer Situation?
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Angela am 30. August 2014, 18:51:20
Kann man Schreibblockkade gleichsetzen mit: „Ich will nicht zu Ende schreiben?“
Bei mir ist es momentan so, dass ich mit dem Buch fast fertig bin. Die Handlungen und auch die Worte sind in meinem Kopf, aber immer, wenn ich mir vornehme weiterzuschreiben, überarbeite ich lieber die anderen Kapitel. Es ist, als will ich nicht, dass es zu Ende ist. Kann mir jemand folgen?
Sind das Selbstzweifel? Ich hab keine Ahnung.
Kennt ihr dieses Gefühl?
Natürlich möchte ich mit dem Roman fertig werden, stehe mir aber irgendwie selber im Weg.  :wums: So kommt es mir zumindestens vor.
Was macht ihr in so einer Situation?

Mir geht es ein wenig ähnlich. Ich muss etwas in meinem Buch ändern, was ich aber eigentlich nicht ändern will. Also drücke ich mich drum herum und tu mir selbst leid. Blöd. Irgendwann geb ich mir dann hoffentlich einen Tritt und zwing mich, wenn ich sauer genug auf mich geworden bin.
So lange schreib ich an etwas anderem, was mir leider überhaupt nicht liegt, was ich aber versuchen möchte ...  :brüll:
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Miezekatzemaus am 30. August 2014, 19:18:41
:knuddel: Das ist schwierig, ihr beiden. Ich würde in einer solchen Situation - auch, wenn ihr das vielleicht schon macht - die letzten hundert Seiten lesen und nachdenken, ob mich etwas daran stört. Wenn es das ist, dann versucht, das Problem aus der Welt zu schaffen, wenn es das nicht ist, dann könnte es daran liegen, dass ihr euch nicht von dem Roman trennen wollt.
In diesem Fall würde ich ihn liegen lassen, damit ihr etwas Abstand gewinnt. Auch, wenn er dann später beendet wird - er wird dann zumindest beendet werden. :)
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Erdbeere am 30. August 2014, 21:28:27
@yvilis: Das hab ich ständig. Es ist wie bei einem guten Buch, das man gerade liest: Man möchte einfach nicht, dass es zu Ende geht. Ich nenne es "End of Book Blues" und ja, es ist ein mieses Gefühl. Ich überwinde diese Blockade meist damit, dass ich ein sehr episches und vor allem verdammt cooles Finale schreibe. Das flutscht dann nur so und oh, plötzlich ist das Buch fertig. :snicker:

Wenn du Plot hast und kurz vor dem Ende stehst - und dir eigentlich nichts im Wege liegt, das Buch auch zu beenden - dann schreib es auch zu Ende. Auch wenn es nur ein Satz am Tag ist. Jeder Satz bringt dich dem Ende näher, jeder Satz drängt den End of Book Blues ein wenig zurück. Und wenn du dann am Ende wirklich Ende schreiben kannst, ist die Euphorie darüber sowieso viel besser. :wolke:
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Waldkatze am 31. August 2014, 16:51:39
Und wenn du dann am Ende wirklich Ende schreiben kannst, ist die Euphorie darüber sowieso viel besser. :wolke:

Stimmt!  ;D
Das wiegt alles auf! Du wirst schon sehen - auch du wirst mit einem dämlichen Grinsen im Gesicht das kleine Wörtchen "Ende" verliebt anstrahlen   ::)
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Sanjani am 31. August 2014, 18:56:15
Du wirst schon sehen - auch du wirst mit einem dämlichen Grinsen im Gesicht das kleine Wörtchen "Ende" verliebt anstrahlen   ::)

Nun muss ich mich aber doch etwas wundern. Mir geht es nie so. Klar, ich finde es nett, wenn was fertig ist, aber das läutet bei mir eher eine leichte depressive Verstimmung ein. Ich hasse Abschied nehmen. Interessanterweise führte das bisher aber auch glücklicherweise nie dazu, dass ich etwas nicht fertig schreiben konnte. :) Und vielleicht bin ich deshalb dazu übergegangen, Mehrbänder zu schreiben. So muss ich mich nicht von meinen Lieblingscharas trennen :) Euphorie gibt's bei mir immer nur während des Schreibprozesses selbst. Aber kaum ist das Ende da - gähnende Leere. Geht es außer mir niemandem so?
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: yvilis am 02. September 2014, 14:59:59
Ja, vielleicht muss ich mich einfach noch mehr dazu zwingen. Alles andere bringt ja auch nichts.

Ich danke euch für die aufmunternden Worte  :D

... könnte es daran liegen, dass ihr euch nicht von dem Roman trennen wollt.
In diesem Fall würde ich ihn liegen lassen, damit ihr etwas Abstand gewinnt. Auch, wenn er dann später beendet wird - er wird dann zumindest beendet werden. :)
Daran hatte ich auch schon gedacht, aber die Abenteuer gehen ja weiter. Das ist es ja eben. Es wird vorerst keinen Abschied von meinen "Figuren" geben. Die ersten Seiten vom zweiten Teil und das Ende vom letzten Buch sind schon geschrieben und ich bastele auch weiter daran herum. Ich überarbeite auch alles immer wieder ... nur das Finale vom ersten Teil schiebe ich vor mir her. Eigentlich total bekloppt, oder? :brüll:


@yvilis: Das hab ich ständig. Es ist wie bei einem guten Buch, das man gerade liest: Man möchte einfach nicht, dass es zu Ende geht. Ich nenne es "End of Book Blues" und ja, es ist ein mieses Gefühl. Ich überwinde diese Blockade meist damit, dass ich ein sehr episches und vor allem verdammt cooles Finale schreibe. Das flutscht dann nur so und oh, plötzlich ist das Buch fertig. :snicker:

Wenn du Plot hast und kurz vor dem Ende stehst - und dir eigentlich nichts im Wege liegt, das Buch auch zu beenden - dann schreib es auch zu Ende. Auch wenn es nur ein Satz am Tag ist. Jeder Satz bringt dich dem Ende näher, jeder Satz drängt den End of Book Blues ein wenig zurück. Und wenn du dann am Ende wirklich Ende schreiben kannst, ist die Euphorie darüber sowieso viel besser. :wolke:
Gott sei Dank bin ich nicht die Einzige mit so einem Problem. "End of Book Blues" ist gut  ;)
Das mit dem "von einem Satz zum nächsten" probier ich mal aus. Vielleicht geht es mir damit besser  :)


Stimmt!  ;D
Das wiegt alles auf! Du wirst schon sehen - auch du wirst mit einem dämlichen Grinsen im Gesicht das kleine Wörtchen "Ende" verliebt anstrahlen   ::)
Ich nehme dich beim Wort und schieße ein Selfie von meinem dämlichen Grinsen, während ich das Wörtchen ENDE in die Tasten "schlage". Irgendwann einmal  ;D

Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Waldkatze am 02. September 2014, 19:12:11
Ich nehme dich beim Wort und schieße ein Selfie von meinem dämlichen Grinsen, während ich das Wörtchen ENDE in die Tasten "schlage".

Mach das! Und vergiss bitte nicht, es hier zu posten  ;D
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Guddy am 24. Oktober 2014, 23:45:31
Ist gerade Hochstimmung oder was? Der Thread ist ja vollkommen verstaubt! ;D (was ich gut finde, btw.!)

Jedenfalls.. kann ja sein, dass ich einfach down bin, weil ich dumm und mit einer Erkältung zu Hause rumsitze... aber es nervt mich so sehr, dass ich einfach nicht gut genug bin. Es nervt mich, dass meine Stories nicht interessant sind, dass ich zwar cineastische Szenen im Kopf habe und die wirklich, wirklich atmosphärisch aussehen.. aber sobald ich sie aufs Papier bringe, wird es zu einem wurmzerfressenen Haufen §$%&&§.
Und selbst wenn es atmosphärisch wäre, wer würde es lesen, wen interessieren schon charakterbezogene Geschichten, wenn man den Charakter gar nicht kennt? Wenn die "Werbetexte" zu den Projekten schon so langweilig klingen, dass ich mich ernsthaft frage, ob ich irgendwo in die Werbelehre gehen soll.
Es nervt, nervt, nervt mich! Ich bin frustriert, so verdammt frustriert!

So. Sorry. Ausgekotzt. Jetzt kann ich mich an die Verbesserungen machen!
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Valkyrie Tina am 25. Oktober 2014, 00:33:30
Och Guddy  :knuddel:
Für mich hört sich das so an, als hättest du ein fieses Herbsttief. Ehrlich, was du erzählst, habe ich die letzten Tage am laufenden Band gehört. Zumindest in Stockholm scheint es keinen zu geben, der sich nicht derzeit völlig inkompetent, unzufrieden mit dem Leben, den Hobbys, den Schreibprojekten etc. fühlt. Und wenn dann noch die Erkältung dazu kommt....  :40°C:

Aber du weißt doch, dass das alles gar nicht stimmt.

aber es nervt mich so sehr, dass ich einfach nicht gut genug bin. Es nervt mich, dass meine Stories nicht interessant sind, dass ich zwar cineastische Szenen im Kopf habe und die wirklich, wirklich atmosphärisch aussehen.. aber sobald ich sie aufs Papier bringe, wird es zu einem wurmzerfressenen Haufen §$%&&§.

1. der erste Entwurf von allem ist Mist.
2. so geht es uns allen. Ich hab heut noch einer Freundin gesagt: ich wünschte, die Betas würden das sehen, was ich schreiben wollte, und nicht was da geschrieben steht. Und ich wette, du hast auch Szenen und Texte, die so gut sind, dass du kaum glauben kannst, dass du die geschrieben hast.

Und selbst wenn es atmosphärisch wäre, wer würde es lesen, wen interessieren schon charakterbezogene Geschichten, wenn man den Charakter gar nicht kennt? Wenn die "Werbetexte" zu den Projekten schon so langweilig klingen, dass ich mich ernsthaft frage, ob ich irgendwo in die Werbelehre gehen soll.

Von welchem Projekt redest du? Dein Nano-projekt hört sich jedenfalls total spannend an. Und charakterbezogene Geschichten sind die Besten. Besser auf jeden Fall als der hundertste Aufguss von "die Welt retten"

Also noch mal zusammengefasst: du bist nicht unfähig, oder dumm, oder was auch immer. Du bist erkältet, und hast die Schnauze voll und langen dunklen Fünfuhrtee der Seele (Kein Wunder...Herbst in Berlin...*schauder*). Sei lieb zu dir! Wir sind es auf jeden Fall  :knuddel: (wo ist das verd. Gruppenknuddelzeichen) und dein Projekt wird super!  :jau:
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Linda am 25. Oktober 2014, 01:58:18
Es nervt mich, dass meine Stories nicht interessant sind, dass ich zwar cineastische Szenen im Kopf habe und die wirklich, wirklich atmosphärisch aussehen.. aber sobald ich sie aufs Papier bringe, wird es zu einem wurmzerfressenen Haufen

ich habe mich davon verabschiedet, dass alles 100% so wird, wie es in meinem Kopf ist. Ich arbeite aber auch eher umgegekehrt, häufe also Stein auf Stein und baue alles beim Schreiben, anstatt aus dem Vollen einer Vision zu schöpfen. Innere Bilder oder gar Filme habe ich fast nie, sondern hauptsächlich Ideen und verknüpfte Emotionen, die mich leiten.
   Und weißt du was, irgendwie ist es auch schön, dass man diese Variante ganz für sich privat hat.  :wolke:
Wichtig ist aber, dass mir meine 'perfekte' innere Vorstellung dabei hilft, etwas aufs Papier zu bringen, das (hoffentlich) auch anderen gefällt.  Jeder Leser aber sieht den Text ohnehin durch seine eigene Brille und wird ihn etwas anders und persönlich interpretieren.  Daran kann man sowieso nichts ändern.

Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Pestillenzia am 25. Oktober 2014, 10:01:57
wen interessieren schon charakterbezogene Geschichten, wenn man den Charakter gar nicht kennt?

Es sind genau die charakterbezogenen Geschichten, die interessieren. Das sage nicht nur ich als Leserin (und mein Mann sagt das auch), sondern auch Literaturagenten und Lektoren. Ich hatte erst gestern so ein Gespräch, indem es genau um dieses Thema ging. Beispiel Kriminalroman: der Fall, den der/die Kommissar/in (oder wer auch immer) zu lösen hat, ist meistens nur schmückendes Beiwerk (sofern die Tat keinen persönlichen Bezug zu der Figur hat). Was wirklich interessiert und den Leser bei der Stange hält, ist die Figur und die Probleme, mit denen sie zu kämpfen hat.

Der Leser kennt die Figur nicht? Macht nichts, du hast ein ganzes Buch Zeit, sie vorzustellen und den Leser mit ihr leiden zu lassen ...  ;)

Ich bin beim Schreiben auch Perfektionist. Ich bastle manchmal unendlich lang an manchen Sätzen herum, weil sie einfach nicht das aussagen, was ich im Kopf vor mir sehe. Dann vergehen schon mal zwei Stunden, in denen ich nicht mal eine Seite zustande bringe. Und was ist am nächsten Tag? Da schmeiße ich genau die Szenen weg, an denen ich ewig gebastelt habe. Weil sie total gekünstelt wirken.
Ich schaffe es zwar nicht immer, aber doch in und wieder, den Perfektionisten auszuschalten und einfach zu schreiben. Ich verabschiede mich dann (okay, zumindest teilweise) von dem Zwang, alles genau so niederschreiben zu müssen, wie ich es mir vorstelle, weil ich dann immer viel zu viel in die Szenen hineinpacke und alles fürchterlich überladen und künstlich wirkt.

Ich glaube, diese Angst oder dieses Gefühl, nicht gut genug zu sein, kennt so ziemlich jeder, der schreibt. Ich denke mir das auch ständig. "So gut wie XY werde ich nie." Kann ich auch gar nicht. Weil ich anders bin. Weil ich anders schreibe, aber deshalb nicht unbedingt schlechter. Vielleicht anders gut?

Der innere Lektor, der immer auf der Schulter sitzt und meckert, noch bevor ein Satz zu Ende geschrieben ist, ist ein ziemliches ***** (hier beliebiges Schimpfwort einsetzen). Los wird man ihn vermutlich nie ganz, aber man kann ihn zumindest zeitweise mundtot machen, indem man sich - wie Linda schon geschrieben hat - davon verabschiedet, dass alles 100% so wird wie im Kopf. Und eigentlich ist das auch gut so, denn so hat die Fantasie des Lesers genug Raum.
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Guddy am 25. Oktober 2014, 12:43:15
Danke  :knuddel:
Eure worte haben mich wirklich beruhigt :)
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Pandorah am 25. Oktober 2014, 12:54:40
Es nervt mich, dass meine Stories nicht interessant sind, dass ich zwar cineastische Szenen im Kopf habe und die wirklich, wirklich atmosphärisch aussehen.. aber sobald ich sie aufs Papier bringe, wird es zu einem wurmzerfressenen Haufen §$%&&§.
Weißt du, was mir unheimlich über diesen Haufen wurmzerfressener §$%&&§ hinweg geholfen hat? Der Begriff "shitty first draft" und das Wissen, dass es ganz, ganz vielen anderen Autoren auch nicht anders geht. Mein erstes Runterschreiben liest sich meist nämlich exakt so. Aber das ist okay! Das ist vollkommen in Ordnung, denn dann hat man zumindest einen  Haufen §$%&&§, mit dem man arbeiten kann. Manchmal braucht es nur ein kleines Wort, um aus dem §$%&&§ einen ordentlich leserlichen Satz zu machen, manchmal nur eine winzige Umstellung. Ja, manchmal muss man auch eine Szene rauswerfen und neu schreiben. Aber andererseits gibt es dann auch wieder die Szenen, die man fast gar nicht ändern muss, weil sie so toll sind.

Und selbst wenn es atmosphärisch wäre, wer würde es lesen, wen interessieren schon charakterbezogene Geschichten, wenn man den Charakter gar nicht kennt?
*meld* Mich! Ich lese tausendmal lieber charakterbezogene Geschichten, in denen wenig passiert, in denen aber die Figuren toll sind, als handlungsbezogene Geschichten mit einer genialen Grundidee, wo man aber Pappfiguren verfolgt. Und irgendwer *suchsuch* ah, Pestilenzia sagte, dass du ein ganzes Buch hast, sie vorzustellen. Jepp! Ist wie im richtigen Leben. Am Anfang hast du nur den ersten Eindruck, und erst mit der Zeit lernt man die Figur/die Person wirklich kennen.
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Klecks am 25. Oktober 2014, 14:37:22
Ich bin froh, dass es dir wieder besser geht, Guddy. Und bei den charakterbezogenen Geschichten geht es mir wie Pandorah, mir sind die Charaktere tausendmal wichtiger als der Plot. Wenn die Charaktere faszinierend sind, "schaue" ich ihnen auch gern dabei zu, wie sie einen leckeren, cremigen Milchkaffe schlürfen.  ;D
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Guddy am 25. Oktober 2014, 22:19:11
Ja, manchmal muss man auch eine Szene rauswerfen und neu schreiben. Aber andererseits gibt es dann auch wieder die Szenen, die man fast gar nicht ändern muss, weil sie so toll sind.

Ich glaube, ich bin da auch noch zu sehr Newbie. Ich hatte auch überlegt, mir Schreibratgeber zu kaufen oder zumindest zu lesen, doch geht das völlig an meinem Sinn für Spaß vorbei. Vermutlich gibt's bei mir einfach nur eine erhebliche Diskrepanz zwischen "Es ist nur ein Hobby!" und meinem Anspruch an mich selbst. Heroine und den Leuten, die mir ihre Projekte schicken, sage ich immer, dass ich wirklich streng bin und das bin ich bei mir selber auch. Naja ok, bei meinen eigenen Texten bin ich noch strenger ;) Es gab auch bisher nur einen Absatz, de ich richtig toll fand.

Jedenfalls beruhigen eure Erfahrungen wirklich sehr und ich denke, dass ich nun erstmal Anspruch und Erwartungen ans Hoby einander annähren werde, sonst wird das ja nichts mehr hier! ;D
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Pandorah am 25. Oktober 2014, 22:29:14
Ich hatte auch überlegt, mir Schreibratgeber zu kaufen oder zumindest zu lesen, doch geht das völlig an meinem Sinn für Spaß vorbei.
Ganz ehrlich? Teilweise macht mir das Spaß, die zu lesen. :vibes: Mir sind da schon das eine oder andere Mal kleine und große Lichtlein aufgegangen. Von "Oh! Deswegen hat das nie funktioniert, wie ich das wollte!" über "Ah, das mache ich ja eh schon, wie schön." bis hin zu "Nö, da bin ich anderer Meinung." Versuch's doch einfach mal. Bibi, ausleihen, schauen. Kann auch unglaublich motivierend sein, über das Schreiben zu lesen.
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Guddy am 25. Oktober 2014, 22:33:50
Hm ja, du hast wahrscheinlich Recht. Ich muss jedoch für die Uni schon unglaublich vel lesen und habe deswegen seit etwa einem Jahr nur einen einzigen Roman gelesen. Komme einfach nicht zu mehr. Aber ich suche hier im Forum mal nach empfehlenswerten Schreibratgebern und gucke mir zumindest einen mal an :) Schaden kann es ja nicht.
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Feuertraum am 26. Oktober 2014, 11:00:42
Der Gedanke, ein cineastisches Kopferlebnis 1:1 aufs Papier zu bannen, ist eigentlich ein Versuch, einen Apfel mit einer Birne zu vergleichen. Die Möglichkeit dieser Medien ist einfach zu unterschiedlich. Es ist mbMn. auch nicht die Aufgabe eines Autors, einen Roman so zu schreiben, dass er ein Film ist, sondern so zu schreiben, dass im Kopf des Lesers Kino entsteht. Und da liegt ein großer Vorteil am Schreiben: Der Leser kennt Filmszenen, und durch das Beschreiben der Szene spult sich ein Film ab. Beschreibungen sind also das Erwecken von Erinnerungen.
Von daher ist es mbMn. nicht wichtig, eine Szene so zu schreiben, wie Sie sie sehen. Sondern so, dass andere ihre eigene Vortsellung davon Revue passieren lassen.

Ansonsten schließe ich mich einigen meiner Vorredner an: Jeder erste Entwurf ist perfekt - für den Altpapiercontainer!  ;D Erfreulicherweise hat man beim Schreiben den enorm großen Vorteil, dass man das Geschriebene korrigieren kann, bis es "sitzt".


Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Dämmerungshexe am 27. Oktober 2014, 09:04:40
A: Ich stimme Feuertraum voll und ganz zu: Film und Buchs ind einfach zwei vollkommen unterschiedliche Medien, die sich nie 1:1 übertragen lassen. Wer das außer Acht lässt stößt früher oder später auf Probleme und an seine Grenzen.

B: ich finde es zum Teil wesentlich einfacher, etwas zu schreiben, von dem ich eben kein detailliertes Bild oder einen genauen Wortlaut im Kopf habe. Weil es so einfacher ist Umzuformulieren, neue Sichtweisen zu finden, etwas zu verändern. Ist auch beim Zeichnen nicht anders: wenn ich Bilder genaz genau vor meinem inneren Auge habe wird mich das Ergebniss auf dem Papier sicher enttäuschen.
Unser Kopf ist nunmal ein unglaublich komplexes Werkzeug und in der Fantasie ist alles möglich. Wo hingegen alle Medien, mit deren Hilfe wir versuchen, die Inhalte unserer Köpfe und Träume festzuhalten, nur Hilfsmittel sind. Über die Jahrhunderte haben wir sie immer weiter verbessert und Neue dazu erfunden. Aber das ändert nichts daran, dass es Hilfsmittel bleiben und sie nie die "Brillanz" unserer Vorstellung erreichen werden.

Ich habe auch oftmals die Problematik, dass die Dinge, die ich mir vorstelle, und die ich vermitteln will, zum Teil als Worte, zum Teil als Bilder besser funktionieren. Was soll ich jetzt tun? Schreiben, Zeichnen? Selbst Comics bekommen das nicht so hin wie ich es möchte. Da müsste man tatsächlich schon jegliche Konventionen und die Grenzen sämtlicher Medien einreißen, um zu einem Punkt zu kommen, wo das halbwegs funktioniert. Und wie vermittelt man das dann seinem Publikum?
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Guddy am 27. Oktober 2014, 09:18:20
A: Ich stimme Feuertraum voll und ganz zu: Film und Buchs ind einfach zwei vollkommen unterschiedliche Medien, die sich nie 1:1 übertragen lassen.
Keine Sorge, das weiß ich.  :)

Bei mir persönlich funktionieren die Szenen am besten, die ich genau im Kopf habe, da ich schlichtweg ein visueller Mensch bin. Habe ich gar kein Bild im Kopf, kann ich weder zeichnen, noch schreiben (also normalerweise. Zur Zeit ist halt alles Müll :( ). Andersherum finde ich die Romane am besten, die cineastische Bilder in meinem Kopf entstehen lassen.
Unabhängig davon, dass es zweifellos zwei unterschiedliche Medien sind ;)
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Klecks am 27. Oktober 2014, 16:36:48
Dämmerungshexe, ich finde, das bei B hast du wirklich ganz toll ausgedrückt.  :D

@Guddy: Es ist doch nicht alles Müll!  :knuddel:  Das ist gerade eine Phase, in der es nicht so läuft, wie du es dir erhoffst. Das wird vorbeigehen, ganz bestimmt, und dann kannst du wieder richtig durchstarten.  :D
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: HauntingWitch am 12. Januar 2015, 16:54:31
Jetzt ist es wieder einmal soweit, ich brauche etwas Aufmunterung. Ich weiss, normalerweise bin ich die, die allen sagt, dass sie sich bitte nicht solche Gedanken machen sollen, dass gut oder schlecht Geschmackssache ist und dass man auf jeden Fall weitermachen soll usw. blablabla. Ich weiss, dass ich mir das alles selbst sagen sollte, aber irgendwie klappt es nicht. Ich fühle mich total niedergeschlagen.

Gestern fing das an, ich war ja schon vorher etwas ein bisschen down, weil es mit meinem aktuellen Projekt nur tröpfchenweise vorangeht. Dann habe ich die Dummheit begangen (die zwar meine Inspiration am Leben erhält, mich aber regelmässig fertig macht), mich mit faszinierenden Menschen zu beschäftigen, die geniale Dinge (also Bücher, Musik oder Filme) erschaffen haben. Und gestern diesen Film über J.K. Rowling geguckt. Jetzt hat es mich wieder erwischt, dieses Gefühl, niemals so gut zu sein wie diese Leute. Niemals so etwas Tolles erschaffen zu können, was die Leser einfach völlig umhaut. Manchmal wünschte ich mir ich wäre mehr wie sie (nicht speziell Rowling, sie alle) - besser, verrückter, extrovertierter, origineller, als ich es bin.

Aber mein eigenes Geschreibsel kommt mir im Moment einfach nur total unzulänglich und doof vor, um nicht zu sagen dumm… Zumal es so schwerfällig vorangeht. Da frage ich mich, liegt das vielleicht daran, dass es wirklich so schlecht ist? Dass es einfach zu flach ist? Der Zwischenzeitliche Höhenflug mit meinem Liebling ist, ja richtig, verflogen und ich bin wieder da, wo ich war und habe das Gefühl, nicht vorwärts zu kommen und nichts erreichen zu können. Dass mein Job mich unglücklich macht, verstärkt das noch. Da ist der Traum, aus alledem auszubrechen, vom Schreiben zu leben, den grossen Erfolg zu haben. Aber das ist eben eher unwahrscheinlich, deshalb ist es ja auch ein Traum und nicht die Realität. Wenn ich solche Filme sehe oder solche Erfolgsstorys von diesen genialen Leuten lese, wird mir wieder bewusst, dass mich kein anderer, normaler Job wirklich glücklich machen kann (ich habe mich da umfassend informiert). Es ist nur ein Traum und manchmal fühle ich mich, als könne er nie in Erfüllung gehen. Besonders, wenn mir meine Romane gerade so flach vorkommen wie jetzt.

Also, das war jetzt ein langes Lamentio und ich möchte eigentlich nicht im Selbstmitleid versinken. Aber manchmal überkommt mich einfach dieser gewisse Frust.  ::)
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Miezekatzemaus am 12. Januar 2015, 18:39:30
Manchmal wünschte ich mir ich wäre mehr wie sie (nicht speziell Rowling, sie alle) - besser, verrückter, extrovertierter, origineller, als ich es bin.
Ich weiß nicht, inwiefern dir der folgende Ansatz hilft, aber vielleicht bringt es ja etwas. Sie sind alle einzelne Personen und das macht sie ... nennen wir es mal besonders. Sie sind also besonders. Weil sie verrückt und extrovertiert und originell sind. Aber jede einzelne Person ist besonders. Jeder ist interessant. Weil niemand gleich ist oder sein kann. Du bist auch besonders. Du hast Eigenschaften, die dich aus der Masse hervorheben.
Vielleicht tun sie das (noch) nicht so deutlich. Aber du bist gut. Glaub an dich.
Zitat
Es ist nur ein Traum und manchmal fühle ich mich, als könne er nie in Erfüllung gehen.
Er kann in Erfüllung gehen, wenn du nur fest genug daran glaubst. Wenn du gut, verrückt, extrovertiert und originell bist, dann wird er in Erfüllung gehen. Aber wenn du nicht an ihn glaubst, wird er das nicht. Glaub an dich, glaub an deinen Traum. :knuddel:
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Franziska am 12. Januar 2015, 19:11:19
Das hast du total schön ausgedrückt, Mieze. :)
Ich kenne das gut, wenn man sich immer mit erfolgreichen Leuten vergleicht. Aber erstens bist du noch lange nicht so alt wie die, Rowling hat auch sehr lange nichts erreicht, bis es dann geklappt hat. Lies mal ein paar wirklich schlechte Büchern, dann wirst du merken, dass du doch was kannst. Ich weiß, das ist immer leicht gesagt. Ich denke, solche Phasen hat jeder Autor mal. Ein Autor, der sich immer für genial hält, entwickelt sich ja nicht weiter. Man muss vor allem von dem das werde ich nie erreichen wegkommen, nur weil man es jetzt noch nicht erreicht hat. Sowas dauert. Seinen Stil ausbilden dauert, richtig gut schreiben lernen dauert. Und es ist manchmal wirklich sehr frustrierend. Aber ich denke, du wirst dabei bleiben. Und wenn dir deine Bücher nicht tiefgründig genug erscheinen, heißt das doch nur, dass du ein tiefgründiger Mensch bist, und dann wirst du es auch schaffen, das in deine Bücher zu packen. Am besten suchst du dir ein paar Betaleser, die dir sagen, wie toll sie deine Sachen finden. Sowas motiviert mich immer total. ;)
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: canis lupus niger am 12. Januar 2015, 19:48:19
Meiner Meinung nach ist der beste Weg, aus seinen Selbstzweifeln herauszukommen (und davon verstehe ich was, hab selber immer wieder jede Menge), weiterzuschreiben. Die Liebe zu Deiner Geschichte und zu Deinen inzwischen lebendig gewordenen Charakteren wird Dir helfen, sie möglichst gut zu schreiben, nämlich um ihnen gerecht zu werden.  :knuddel: Sogar die verd****** Selbstzweifel helfen dabei, zwingen sie Dich doch, immer weiter zu feilen, immer wieder zu hinterfragen und zu überarbeiten. Wenn die Inspiration gerade etwas abgeflacht ist, ist das doch ganz normal. Inspiration kommt doch immer in Schüben, oder? Nutze die Flaute zum Überarbeiten. Dabei kannst Du Deine Charaktere und Ideen so richtig schön zelebrieren und liebhaben.

Und wenn Du mal objektiv die Großen und ihre Werke betrachtest, dann wirst Du feststellen, dass auch sie nicht nur Vollkommenheit geschaffen haben, sondern dass auch bei ihnen mal eine Formulierung holpert, eine Wendung etwas gewollt wirkt, ein Kapitel ein bisschen schleppender ist, als nötig. Gerade die älteren und alten Weltbestseller haben nach heutigen Maßstäben sogar ganz schöne Schwächen. "Den" richtigen Stil und "das" gute Buch gibt es nicht. Nur gute Bücher, die das Glück haben, im richtigen Moment ihrer Zielgruppe zu begegnen. Und natürlich gibt es auch schlechte Bücher, aber so eins schreibst Du ja nicht.  ;)

Außerdem haben auch die Großen nicht gleich groß angefangen. Neben dem immer wieder zitierten Beispiel von J.K. Rowling, deren Potter-Reihe anfangs kein Verlag haben wollte, gibt es auch viele andere Autoren, denen nicht gleich der Erfolg auf dem Silbertablett serviert wurde. Selbst Goethe musste seine ersten Veröffentlichungen selbst finanzieren, weil das damals so üblich war. Und der Autor L. Frank Baum (den hierzulande kaum einer kennt) musste seinen "Wonderful Wizard of OZ" im Selbstverlag herausbringen, weil die Verlage ihn für einen Ladenhüter gehalten und abgelehnt haben. :o  Gerade habe ich das in einer antiquarisch erworbenen Anthologhie (Drachenwelten) gelesen.

Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Tinnue am 12. Januar 2015, 20:43:12
Zitat
Meiner Meinung nach ist der beste Weg, aus seinen Selbstzweifeln herauszukommen (und davon verstehe ich was, hab selber immer wieder jede Menge), weiterzuschreiben. Die Liebe zu Deiner Geschichte und zu Deinen inzwischen lebendig gewordenen Charakteren wird Dir helfen, sie möglichst gut zu shreiben, nämlich um ihnen gerecht zu werden.  :knuddel:

Ich kann mich Canis nur anshcließen, deren Worte mir gerade selbst sehr gut tun. Danke dafür.

Dass Beispiele wie J.K. Rowling so weit weg sind, ist nur logisch. Wir neigen dazu uns verständlicherweise solche Vorbilder zu nehmen. Wobei das "nie so gut sein wie ..." genauso ist wie das "Perfektsein", das wir gerade wieder im Quasselthread hatten. Tolle Tipps kann ich dir keine geben, das würde falsch klingen, da ich ja gerade selbst ein wenig struggle. Und ich mag in erster Linie immer ehrlich sein. Also versuche ich es mal so herum: Es ist irgendwo auch immer alles Perspektivfrage, auch wenn das natürlich nicht einfach ist, das zu lernen oder bekannte Muster zu verändern. Wenn du Vorbilder hast, dann siehst du sie natürlich als etwas, auf dass du hinarbeiten willst. Das noch eine Stufe über dir ist (oder mehrere). Ich finde Rowling ehrlich gesagt nicht besonders, ich habe HP zu lesen angefangen und weggelegt. Hat mich nicht gepackt, erst recht nicht der Schreibstil. Da sieht man aber gut daran, dass viel auch Ansichtssache ist. Leser deiner Werke werden nochmal ganz anders draufschauen wie du, und vor allem auch ohne diesen direkten Vergleich im Hinterkopf, wie du in dann heißt ("so wie ..."). Und wie Mieze auch schon sagte: Jeder ist anders und das macht doch unsere Geschichten und Figuren aus? :) Niemand kann deine Geschichten so schreiben wie du, sie sind allein für dich bestimmt.  :knuddel: Und ich mag gar keine zweite Rowling oder so (ich weiß, das war jetzt nur ein Beispiel), ich mag eine Witch lesen.

Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: FeeamPC am 12. Januar 2015, 21:42:59
Über 90% der Autoren können nicht von ihrer Schreiberei leben (oder waren es 99%? Egal ...)
Das heißt nicht, dass ihre Bücher es nicht wert sind, geschrieben und gelesen zu werden.
Das heißt nur, dass sie weniger Glück hatten als andere.
Und: Wenn Bestseller vorhersagbar wären, wären die Verlage stinkreich.
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Siara am 12. Januar 2015, 22:00:34
@Witch: Ach Mensch, lass dich drücken. :knuddel: Gerade vorhin habe ich ein Interview mit Brandon Sanderson gesehen. Darin erzählte er, wie er zum Schreiben kam und wie er so unfassbar gut (meine Einschätzung) geworden ist. Er sagte, dass er vor seinem ersten Bestseller nicht ein oder zwei oder drei, sondern !dreizehn! Romane geschrieben hat. (Von denen keiner veröffentlicht wurde). Dreizehn, bevor er ein Gefühl für seinen Stil, seine Erzähweise, seine Geschichten gefunden hat. Dreizehn, bis er durch langes herumfeilen endlich so weit war, dass er sich selbst auch im Nachhinein noch für die eigene Arbeit begeistern konnte. Dreizehn, bis er Elantris veröffentlichte und damit einen Bestseller landete. Natürlich zweifelt man zwischendurch an sich, denn schließlich kann man nicht stolz auf etwas sein, das noch nicht erreicht wurde. Aber er sagte, anstatt so zu denken, hat er sich auf das konzentriert, was er schon damals hatte: Beendete Romane, Figuren, die er - selbst wenn sie nicht unendlich vielschichtig waren - gerne begleitete, Geschichten, die er - selbst wenn sie nicht vollkommen waren - gerne erzählte. Der Prozess des Schreibens, des Lernens. Er erwähnte sogar Rowling, und dass man nicht ihren Weg gehen muss, um ein erfolgreicher Autor zu werden. Wenn du magst, kann ich dir den Link zu dem Interview gerne mal schicken, ich fand es nach dem Film gestern (ja, mich hat's auch ein wenig erwischt) sehr aufmunternd. ;)
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Klecks am 12. Januar 2015, 22:21:52
@Witch: Erst einmal möchte ich dich knuddeln.  :knuddel:  Und jetzt versuchen, dich aufzumuntern. Ich habe den Film gestern auch gesehen - und ich möchte versuchen, dir zu zeigen, dass du viel mehr Hoffnung als Niedergeschlagenheit daraus ziehen könntest. J.K. Rowling hatte eine kaputte Ehe und lange Zeit nicht einmal einen Brotjob. Sie hatte es schwer in der Zeit, zu der Harry Potter - über viele Jahre hinweg - entstanden ist. Aber sie hat es trotzdem geschafft. Es war unwahrscheinlich, fast unmöglich, und sie wusste das, aber sie hat es trotzdem geschafft. Und das ist wunderschön, das grenzte schon an ein Wunder, und so kann es auch dir jederzeit ergehen, auch wenn du nicht weißt, mit welchem Projekt und zu welchem Zeitpunkt es passiert. Aber dass es passiert, ist tatsächlich möglich. Also lebe mit der Hoffnung darauf und sage dir immer wieder, dass du es kannst, und lass dich nicht davon traurig machen. Lass es dir im Gegenteil zeigen, dass alles möglich ist. Und ansonsten möchte ich gern Fee zustimmen.  :knuddel:
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: canis lupus niger am 12. Januar 2015, 22:51:24
... dieses Gefühl, niemals so gut zu sein wie diese Leute. Niemals so etwas Tolles erschaffen zu können, was die Leser einfach völlig umhaut.
Auch "diese Leute" haben nicht nur "so etwas Tolles" erschaffen, sondern auch (an ihren Meisterleistungen gemessen) weniger Großartiges. Vielleicht waren sie damit ebenso unzufrieden wie wir Lernenden mit unseren aktuellen Werken. Vielleicht haben sie der Veröffentlichung manches Manuskriptes nur deswegen zugestimmt, weil der Verlag sie dazu gedrängt hat. Der Name eines Bestseller-Autors hilft auch, ein durchschnittliches Buch erfolgreich zu verkaufen. Beispiele dafür gibt es genug. Der Autor dagegen hätte vielleicht lieber das manuskript ein paarmal überarbeitet oder Weggeworfen. Stephen King soll "Carrie", seinen (späteren) ersten Bestseller,  in den Papierkorb entsorgt haben. Seine Frau war es, die den Stapel Papier gerettet hat.

Vor jedem und für jedes Meisterwerk, das ein Weltklasse-Autor erschafft, schreibt er leicht  noch drei, fünf oder zehn weitere Romane und etliche Kurzgeschichten, die weit weniger Beachtung finden. Wenn ein erst beginnender Autor seine ersten zehn Romane geschrieben und davon zwei veröffentlicht hat, dazu ein dutzend Kurzgeschichten, von denen EINE echte Beachtung und Anerkennung gefunden hat, dann sei ihm vergönnt, ein Resümee über seine Begabung und sein bisheriges Lebenswerk zu ziehen und sich mit seinen großen Vorbildern (an diesem Punkt der Entwicklung, nicht auf deren Höhepunkt des kreativen Schaffens!) zu vergleichen. Cornelia Funke hat auch nicht gleich mit Tintenherz angefangen, sondern mit KGs und mit den netten, aber nicht weltklassemäßigen "Gespensterjägern".


Manchmal wünschte ich mir ich wäre mehr wie sie (nicht speziell Rowling, sie alle) - besser, verrückter, extrovertierter, origineller, als ich es bin.
Das Bessere, Verrückte, Extrovertierte, Orginelle ist oftmals nicht die Ursache, sondern die Folge erfolgreichen, künstlerischen Schaffens. Und das Werk eines tüchtigen Agenten und Medienberaters. Wer einmaL eine der ersten Lesungen von Kerstin Gier gesehen und gehört hat, der weiß, dass auch diese super-erfolgreiche Autorin als ganz normaler Mensch angefangen hat, er sich verhaspelt, aus Liebe zu seinem Buch irrsinnig lange Abschweifungen einfügt, einfach lebt. Inzwischen ist sie ein Medienprofi.
Man mag von der "Twilight"-Reihe halten, was man will, das Beste, was die Autorin je dazu geschrieben hat, war meiner Meinung nach in einem Vorwort zu einem der Bände (fragt mich nicht, welchem) die Danksagung an ihre Agentin dafür, dass durch sie aus "Steph inzwischen Stephenie Meyer wurde".  Erst kommt der Erfolg, dann kommt das extravagante, verkaufsfördernde Image. Besonders sind wir doch jetzt schon alle. Wir haben nur noch niemanden, der der Weltöffentlichkeit das klarmacht.  ;D
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: HauntingWitch am 13. Januar 2015, 08:39:09
Ich weiß nicht, inwiefern dir der folgende Ansatz hilft, aber vielleicht bringt es ja etwas. Sie sind alle einzelne Personen und das macht sie ... nennen wir es mal besonders. Sie sind also besonders. Weil sie verrückt und extrovertiert und originell sind. Aber jede einzelne Person ist besonders. Jeder ist interessant. Weil niemand gleich ist oder sein kann. Du bist auch besonders. Du hast Eigenschaften, die dich aus der Masse hervorheben.
Vielleicht tun sie das (noch) nicht so deutlich. Aber du bist gut. Glaub an dich.Er kann in Erfüllung gehen, wenn du nur fest genug daran glaubst. Wenn du gut, verrückt, extrovertiert und originell bist, dann wird er in Erfüllung gehen. Aber wenn du nicht an ihn glaubst, wird er das nicht. Glaub an dich, glaub an deinen Traum. :knuddel:

Ach, du bist ein Schatz. :knuddel: Es ist nicht so, dass ich pauschal denke, es ist unmöglich. Ich weiss, dass alles möglich ist und ich hoffe und arbeite darauf hin. Aber es gibt einfach diese Phasen... Ich meine, im Moment lese ich z.B. "Wächter des Morgen" von Lukianenko. Ich liebe diese Reihe, ich finde sie genial. Und ich möchte lernen daraus. Aber gleichzeitig sehe ich diese Genialität, diese Tiefe, dieses komplexe Magiesystem. Und dann fühle ich mich schlecht, weil meine Sachen nicht halb so komplex sind. Ich weiss nicht mehr, wer zu mir gesagt hat, es muss nicht immer alles super tiefgründig und super komplex sein, um gut zu sein. Aber es ist ein Anspruch, den ich an mich selbst habe. Vielleicht ein sehr hoher, ich weiss nicht, ist es nicht normal, hohe Ansprüche an sich selbst zu haben?

@Tinnue: Einfach nur  :knuddel:.

@FeeamPC und Canis: Ihr seid gut, völlig nüchtern. Das ist zwar einerseits beruhigend, aber irgendwie auch frustrierend. Und ja stimmt, auch meine Lieblingsautoren haben ihre Fehler, nur fallen die da natürlich weniger ins Gewicht. Das mit dem "Zauberer von Oz" habe ich gar nicht gewusst, das mag ich ja fast nicht glauben.  :o

@Witch: Ach Mensch, lass dich drücken. :knuddel: Gerade vorhin habe ich ein Interview mit Brandon Sanderson gesehen. Darin erzählte er, wie er zum Schreiben kam und wie er so unfassbar gut (meine Einschätzung) geworden ist. Er sagte, dass er vor seinem ersten Bestseller nicht ein oder zwei oder drei, sondern !dreizehn! Romane geschrieben hat. (Von denen keiner veröffentlicht wurde). Dreizehn, bevor er ein Gefühl für seinen Stil, seine Erzähweise, seine Geschichten gefunden hat. Dreizehn, bis er durch langes herumfeilen endlich so weit war, dass er sich selbst auch im Nachhinein noch für die eigene Arbeit begeistern konnte. Dreizehn, bis er Elantris veröffentlichte und damit einen Bestseller landete.

Diese Geschichte heitert mich ein wenig auf. Wenn ich das im Verhältnis zu mir anschaue, kann ich wohl wirklich von Glück reden... Ja, schick mir doch den Link, das würde mich auch interessieren.

@Klecks: Ja, das stimmt schon. Normalerweise baut mich so etwas auch eher auf und ich sollte mich darauf konzentrieren. Ich glaube, es hat mich einfach in einer total blöden Phase erwischt.

@all: Mich auf das konzentrieren, was ich habe, ist eine gute Idee. Nur fällt es mir gerade schwer, weil ich da innert Sekunden wieder frustriert werde. Ich schaue dann das Dokument an und denke nach ein paar Zeilen: Ach, die Prota ist viel zu flach, der Plot ist zu banal, es gibt zu wenig Action... Natürlich liebe ich diese Figuren und auch diese eine Geschichte, die so schwerfällig läuft. Aber diese Liebe zu bewahren über den Frust hinweg, puh. Ich konnte es einmal, ich habe es schon einmal getan, aber im Moment weiss ich nicht mehr, wie. Naja, ich finde es schon wieder.  :omn:
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Tinnue am 13. Januar 2015, 09:13:20
Zitat
. Ich meine, im Moment lese ich z.B. "Wächter des Morgen" von Lukianenko. Ich liebe diese Reihe, ich finde sie genial. Und ich möchte lernen daraus. Aber gleichzeitig sehe ich diese Genialität, diese Tiefe, dieses komplexe Magiesystem. Und dann fühle ich mich schlecht, weil meine Sachen nicht halb so komplex sind. Ich weiss nicht mehr, wer zu mir gesagt hat, es muss nicht immer alles super tiefgründig und super komplex sein, um gut zu sein. Aber es ist ein Anspruch, den ich an mich selbst habe. Vielleicht ein sehr hoher, ich weiss nicht, ist es nicht normal, hohe Ansprüche an sich selbst zu haben?

Ich verstehe ganz genau, was du meinst. Ich kenne sie und habe ähnliche Kandidaten. Ich liebe Komplexes, nicht unbedingt viele Intrigen, aber gerade habe ich auch das Gefühl, dass ich selbst mit den wenigen Verwirrungen, die ich einbauen will, überfordert bin. Ich kriege kein Netz hin, ohne mich selbst darin zu verwirren.
Wir sind aber auch echt zwei.  ;D Scheinbar gibt es immer wieder Phasen, wo jemand von außen sagen muss "Nein, du denkst wieder soundso" und "Hab Geduld, du kannst". Wenn du so jemanden brauchst, du weißt, du kannst mich immer anpinnen. Ich helfe dir gern oder hör mir Story oder Szene an, und dann finden wir raus, ob du dich selbst klein machst oder nicht.  :knuddel:
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: HauntingWitch am 13. Januar 2015, 09:26:08
Ich verstehe ganz genau, was du meinst. Ich kenne sie und habe ähnliche Kandidaten. Ich liebe Komplexes, nicht unbedingt viele Intrigen, aber gerade habe ich auch das Gefühl, dass ich selbst mit den wenigen Verwirrungen, die ich einbauen will, überfordert bin. Ich kriege kein Netz hin, ohne mich selbst darin zu verwirren.
Wir sind aber auch echt zwei.  ;D Scheinbar gibt es immer wieder Phasen, wo jemand von außen sagen muss "Nein, du denkst wieder soundso" und "Hab Geduld, du kannst". Wenn du so jemanden brauchst, du weißt, du kannst mich immer anpinnen. Ich helfe dir gern oder hör mir Story oder Szene an, und dann finden wir raus, ob du dich selbst klein machst oder nicht.  :knuddel:

Das gebe ich doch mal genau so zurück. :knuddel: Genau das, ich habe dann immer das Gefühl, ich habe sozusagen zu wenig Plot und zu wenige verschiedene Charaktere und überhaupt... Gerade "Wächter", aber auch andere, wirken auf mich auch so extrem detailliert und dann sehe ich mir meine an, die nicht so viele Details haben... Ich möchte das lernen, nur immer, wenn ich dann schreibe, vergesse ich das und am Ende steht da der nicht zufriedenstellende Text.
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Tinnue am 13. Januar 2015, 09:30:52
Genau, genau! Also, manchmal denke ich, wir sind da in dem Punkt seelenverwandt.  ::)
Nein, im Ernst. Ich versuche ja dann auch zu lernen, lese extra die Bücher, nicht um zu kopieren, aber um ein Gefühl für die Arbeit zu bekommen ("Wann setzt Autor X das hier und hier ein und nicht woanders?", "Wie foglt das auf das" ...). Und wenn ich fertig bin mit Lesen denke ich, ich bin total voll mit Wissen, habe auch ein besseres Gefühl für Sprache und Handwerk - und dann, gerade mal ein paar Stunden später ist alles weg. Ich weiß natürlich noch, was ich gelesen hab, aber groß explizit erinnern, wie und warum der Autor sein Handwerk gerade so einsetzt, ist dann nicht mehr da. Das hält einfach immer kurz an und ist dann wieder weg und ich sitze da und frage mich, ob meine Handlung nun doch zu langsam ist, der Spannungsbogen falsch gesetzt und und ... :rofl:

Aber denk daran: Nur du schreibst wie du. Wir kennen alle das Problem, uns nicht zu genügen. Und wann immer du jemanden brauchst, der dir ehrlich sagt, wie deine Ideen sind - ich helfe gern.  :knuddel:
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Alana am 13. Januar 2015, 10:06:28
Ich kenne das auch sehr gut. Das ist doch typisch für uns Fantasy-Autoren, das erste, was man schreibt, muss ein mehrbändiges komplexes Epos sein. ;D Ich hab das auch gemacht, habe mich ein wenig an Harry Potter orientiert (nicht inhaltlich, ich habe aber versucht, zu erkennen, was HP für mich so großartig macht und das bei meinem eigenen Buch auch einzusetzen) und bin zunächst daran verzweifelt. Weil ich den Glauben verloren habe, das Ding jemals fertig zu schreiben, habe ich mir was einfacheres gesucht, das mich immer noch genug Zeit gekostet hat, einfach, um mal was fertig zu haben und auch zu veröffentlichen. Ich finde, man muss sich Einfachheit auch zugestehen, man muss nicht versuchen, gleich den nächsten super-komplexen Bestseller zu schreiben. Für mich war es jedenfalls ein ordentlicher Motivationsschub, zwei kürzere Sachen veröffentlicht zu haben und positive Reaktionen darauf zu bekommen. Damit im Rücken habe ich mich dann auch wieder an meine Trilogie gewagt und das hat mich trotzdem noch unendlich Nerven und Zeit gekostet. Band 2 hat mich fast um den Verstand gebracht und ganz zufrieden bin ich immer noch nicht. Aber ich denke, das ist man wahrscheinlich nie. Deswegen würde ich euch wirklich raten: Versucht erst mal, etwas zu schreiben, was euch Spaß macht und etwas einfacher ist. Feilt es aus, sprachlich und inhaltlich, bis es eine wirklich gute spannende Geschichte ist. Das finde ich nämlich schon schwierig genug. Und ich finde übrigens auch nicht, dass man erst den komplexen perfekten Mehrbänder veröffentlichen sollte. Wenn man eine gute runde Geschichte hat, die von Testlesern für gut befunden wurde, dann fängt man eben damit an. Ich finde es wäre ein Jammer, eine solche Geschichte in der Schublade versauern zu lassen. Außerdem hat man so, wenn das Herzblut-Monster-Epos irgendwann erscheint, auch schon ein paar Leser, die sich dafür interessieren.
Also lasst euch nicht einschüchtern von den Leistungen anderer, sondern geht den Weg, der für euch passt. (Ich weiß, das sagt sich leicht, ich gehöre ja auch zu denen, die immer wieder beim Lesen von Harry Potter verzweifeln. ;) ) Aber ich hoffe, ich konnte euch vielleicht trotzdem etwas aufmuntern.  :knuddel:
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: HauntingWitch am 13. Januar 2015, 11:22:25
@Tinnue: Naja, ich glaube, unbewusst geht dieses Wissen doch irgendwie rein. Nur fühlt es sich halt nicht so an bzw. man ist sich mit der Umsetzung nie sicher. Ich sollte wieder üben, mich damit abzufinden, ohne frustriert zu werden dabei. :omn:  :knuddel:

@Alana: Sagt jetzt die, deren Buch ich Zuhause auf dem Tisch liegen habe und die auch so plastische Charaktere hat. ;) Und jetzt zum Punkt, das ist ja das Problem. Ich habe schon mehrere Sachen geschrieben, alle machen mir Spass, ich schreibe nur Sachen, die mir Spass machen. Ich versuche auch nicht auf Teufel komm' raus das nächste Epos zu kreiieren, erzwingen nützt ja nichts. Aber ich würde gerne mal so eine Idee haben oder eine Idee so weit ausbauen können. Nur irgendwie bin ich dafür, glaube ich, nicht so recht geschaffen. Es muss ja nicht einmal ein mehrbändiges High-Fantasy Stück sein. Aber einfach etwas, das... Nun ja, eine gewisse Substanz hat.
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Churke am 13. Januar 2015, 11:39:26
Sustanz kommt nicht aus der Luft. Literatur hat etwas mit der Biographie des Autors zu tun. Ich halte es für eine Fehlvorstellung, sich im Turmzimmer einzuschließen, bis das Opus Magnum das Volk begeistert. Kein Output ohne Input! Und da hat es imho auch wenig Sinn, sich mit irgendwelchen Granden vergleichen zu wollen. Ich kann nicht schreiben wie Jack London, weil ich nicht in Klondike war. Ich kann höchstens von Jack London abschreiben, aber soviel Geld hat mir noch keiner angeboten.  ;)
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Feuertraum am 13. Januar 2015, 12:00:31
Kein Output ohne Input! Und da hat es imho auch wenig Sinn, sich mit irgendwelchen Granden vergleichen zu wollen. Ich kann nicht schreiben wie Jack London, weil ich nicht in Klondike war.

Kleiner Einwurf: Karl May war auch nie im Wilden Westen ... ;)

Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Blackhat am 13. Januar 2015, 12:31:20
Außerdem muss man niemanden vorher umgebracht haben, um über einen Mord zu beschreiben, wäre ja irgendwie schlimm  :)
Und eine Rebecca Gablé hat die historischen Figuren, über die sie schreibt, auch nie persönlich getroffen. Aber ich kann verstehen was Churke meint. Wenn es um Tiefe in einem Text geht, ist es schon nicht ganz verkehrt einiges selbst erlebt zu haben, vor allem in Hinblick auf Gefühle und Charaktere. Doch gibt es auch junge Autoren, die da eine erstaunliche Reife beweisen. Die Fähigkeit sich in eine Situation oder in eine Person hineinversetzen zu können ist für einen Autor daher essentiell.
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Churke am 13. Januar 2015, 13:05:30
Kleiner Einwurf: Karl May war auch nie im Wilden Westen ... ;)

Karl May alias Old Shatterhand alias Kara Ben Nemsi war ein unnachahmlicher Lügner und Betrüger. ;D
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Lothen am 13. Januar 2015, 13:26:06
Ich glaube, das Zauberwort ist wirklich "Erfahrung". Egal, ob man die sammelt, indem man reist, Orte kennen lernt, Neues sieht oder indem man einfach schreibt. Frei nach dem Motto: Der Weg ist das Ziel.

Gerade wenn ich mich mit so komplexen Realitäten wie bei Martin o.ö. beschäftige, kommen bei mir auch immer Zweifel auf, ob ich so etwas jemals hinbekommen könnte. Aber hey: Wenn ich vergleiche, wie meine Charaktere oder meine Plots vor fünf Jahren aussahen und wie sie heute aussehen ist das schon eine meilenweite Verbesserung. Auch der Stil und die Innovation haben sich deutlich verbessert. Ich bin mir sicher, Witch, wenn du dich in der Rückschau ansiehst, kommst du sicher zum selben Schluss. Man reift, man entwickelt sich - und sicher, vielleicht erreicht man den angestrebten Ideal-Zustand nie, aber man kann sich ihm annähern. Schritt für Schritt und Wort für Wort.

Im übrigen finde ich J.K. auch kein schlechtes Beispiel dafür. Wenn man sich mal die ersten zwei Potter-Bände ansieht, dann sind weder die Charaktere besonders tiefsinnig und vielschichtig, noch ist die Handlung extrem komplex und unerwartet. Auch diese Aspekte haben sich erst über die Zeit entwickelt. Am Anfang stand eine gute Idee - und die ist mit der Zeit gereift. So einfach kann das sein. ;)

Und was FeeamPC gesagt hat, finde ich auch total wichtig: Ob ein Werk ein Bestseller wird, der so richtig einschlägt, der die Massen begeistert, weiß man vorher nie. Ich meine, eine Love-Story zwischen Mensch und Vampir? Ein Epos über SM-Sex? Klingt auch erstmal nicht wirklich nach DEN Megasellern, wenn man mich fragt. ;) Aber es kam eben anders ...
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: HauntingWitch am 13. Januar 2015, 14:10:30
@Churke: Ich verstehe, was du meinst und ich denke, das stimmt. Also die Sache mit der Erfahrung, das mit Karl May weiss ich nicht. ;D

@Lothen: Naja, einerseits würde ich dir jetzt zustimmen. Ich würde euch allen dasselbe erzählen, wenn jemand anders in der Situation wäre. Aber momentan funktioniert diese Betrachtung bei mir nur mit dem Erstentwurf meines ersten Romans, den ich überhaupt begonnen habe. Bei allem anderen habe ich das Gefühl, insgesamt eher schlechter zu werden. Mein Projekt vom letzten Jahr erscheint mir schwächer als sein Vorgänger, mein jetziges verglichen mit meinem ersten beendeten, weiss ich nicht. Vielleicht fehlt mir im Moment auch einfach allgemein der Enthusiasmus.

Es geht mir aber schon ein bisschen besser, Beschäftigung mit anderen Autoren und ihren Wegen hilft, merke ich gerade.
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Churke am 13. Januar 2015, 14:37:47
Bei allem anderen habe ich das Gefühl, insgesamt eher schlechter zu werden. Mein Projekt vom letzten Jahr erscheint mir schwächer als sein Vorgänger, mein jetziges verglichen mit meinem ersten beendeten, weiss ich nicht.

Das ist eine Frage des Referenzmaßstabs.
Ich bilde mal eine Analogie zum Schwertkampf. Wenn man immer die selben Trainingspartner hat, herrscht gefühlt die totale Stagnation. Warum komme ich nicht weiter?  :wums:
Kämpft man dann mal mit jemandem, den man ein halbes oder ganzes Jahr nicht gesehen hat, bemerkt man krasse Verbesserungen.
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: canis lupus niger am 13. Januar 2015, 20:53:09
Karl May alias Old Shatterhand alias Kara Ben Nemsi war ein unnachahmlicher Lügner und Betrüger. ;D

Kleines OT:

Jules Verne war auch nie im Mittelpunkt der Erde oder auf dem Meeresgrund.

Auch andere Autoren haben komplett erfundene Geschichten in der Ich-Perspektive geschrieben, wurden dafür aber nicht als Betrüger beschimpft, sondern als große Künstler gelobt. May hat nie wirklich behauptet, selber Old Shatterhand und Co. zu sein, auch wenn er sich gerne in den entsprechenden Outfits hat ablichten lassen. Im Gegenteil. Aber er hatte eine immens große Bibliothek und hat immer gründlich recherchiert. Das ist mehr, als viele ander Autoren seiner Zeit von sich sagen konnten. Den Vorwurf des Betruges hat sein erster Verleger in die Welt gesetzt, um ihn, wie angedroht, zu ruinieren, nachdem Karl May den Verlag gewechselt hatte. Die Unterlassungsklage Karl Mays ging nach hinten los, denn wie heutzutage bei einem Internet-Shitstorm blieb nicht die erstrittene Wahrheit in den Köpfen hängen, sondern die Diskussion. "Da war doch mal die Rede von ..." Tatsächlich ist Karl May als junger Mann auf die schiefe Bahn geraten und musste sogar eine mehrjährige Haftstrafe verbüßen. Bei der Gelegenheit brachte ihn ein katholischer Gefängnispfarrer zur Einsicht. In etlichen seiner Romane verarbeitete Karl May seine Erfahrungen mit Verbrechen, Strafe, Einsicht, Reue, Buße/Vergebung und auch Glauben immer wieder einmal. So gesehen stellen sie in Teilen tatsächlich seine eigenen Erfahrungen dar.

Im Alter ist May übrigens (nachträglich) doch noch sowohl in den USA als auch im Orient gewesen.

Back to Topic:

Bei allem anderen habe ich das Gefühl, insgesamt eher schlechter zu werden. Mein Projekt vom letzten Jahr erscheint mir schwächer als sein Vorgänger, mein jetziges verglichen mit meinem ersten beendeten, weiss ich nicht.
Vielleicht hast Du in der letzten Zeit Dein Manuskript zu oft in der Hand gehabt und zu oft gelesen. Mir geht es dann auch immer so, dass ich denke: Ist das flach! Überhaupt keine peppigen Wendungen. Die Charaktere haben keine Tiefe. Die Geschichte ist so LANGWEILIG.
Aber wie soll Dir denn da noch etwas überraschend und spannend vorkommen, wenn Du jeden Satz hundertmal hin- und hergewendet hast? Wenn Du das ganze Skript auswendig kennst, und sogar jede angedachte alternative Entwicklung? Es ist unheimlich schwer, dem eigenen Skript gegenüber dann noch objektiv zu sein. Wie gut es wirklich ist, wird Dir erst wieder bewusst, wenn Du ein paar Wochen oder sogar Monate Abstand gewonnen hast. Vielleicht sagst Du Dir dann: ist ja eigentlich doch ein verd... gutes Buch. ^^
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Miezekatzemaus am 15. Januar 2015, 20:55:13
Jetzt war der Zweifel hier auch da. Er hat angeklopft, mich vorwurfsvoll angesehen und mich gefragt, warum ich eigentlich veröffentlichen möchte. Er hat lange auf mich eingeredet und mir gesagt, dass es gerade noch okay wäre, dass ich Kurzgeschichten ab und an einreiche, dass es aber absolut gar nicht geht, dass ich versuchen möchte, einen Roman an einen Verlag zu schicken. Schon gar nicht an einen großen.
Ich möchte meine Bücher veröffentlichen. Wer möchte das nicht? Aber ich traue mich nicht, sie wirklich irgendwo einzureichen, Wettbewerbe ausgenommen.
Der Zweifel sagt mir immer wieder, dass ich in einigen Jahren besser sein werde. Viel besser. Aber ich liebe meine jetzigen Werke. Warum sollte ich schreiben, wenn ich sowieso nur für die Schublade schreibe? Ich kann nicht "nur für mich" schreiben. Nicht nur für die Schublade. Ich möchte, dass meine Romane gelesen werden (können). Und das in gebundener Form.
Wenn ich nur für die Schublade schreibe, warum schreibe ich dann überhaupt? (Jetzt bitte, bitte, nicht falsch verstehen, - es geht nur um mich persönlich. Ich beziehe mich auf absolut niemanden anderen und möchte auch niemanden kränken, der für die Schublade schreibt. Aber ich will einfach mehr als das.)
Ja, klar, für die Entwicklung. Aber dann könnte ich auch immer nur exemplarische Szenen schreiben. Eine nach der anderen. Ich könnte Schreibratgeber um Schreibratgeber lesen. Ich will meine Werke schreiben. Und ich will, dass sie Anerkennung erfahren (könnten).
Ich zweifele des Öfteren. Aber gerade ist es ziemlich heftig. Der Zweifel sagt, ich soll nichts einreichen. Ich sage, ich will. Aber muss es da nach dem Zweifel gehen oder nach meinem Willen?
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Feuertraum am 15. Januar 2015, 21:15:25
Ganz klar:nach dem Willen von MKM.
Warum auch nicht? Ich glaube, der Sprung von der Phantastatur in den Tintenzirkel für jemanden, der gerade mal 11 Jahre jung ist, das ist etwas, bei dem Kurzgeschichten nur ein kleiner Schritt sind. Kein unwichtiger und ein Schritt, der das Fundament aufbaut. Aber nur weil der Zweifel sagt: Bloß keinen Roman, dann hat er unrecht.
Also: Besen schnappen, ihn aus der Wohnung fegen und an einem Roman arbeiten ... ;)
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Siara am 15. Januar 2015, 21:25:01
Mieze, lass dich bloß nicht von den Zweifeln unterkriegen! :knuddel:

Der Zweifel sagt mir immer wieder, dass ich in einigen Jahren besser sein werde. Viel besser.
Selbst wenn ich deinem Zweifel hier ausnahmsweise mal zustimme. Du wirst in ein paar Jahren besser sein als heute. Viel besser. Beim Schreiben entwickeln wir uns (so sehe ich das) immer und ständig weiter, wenn wir es regelmäßig tun. Sehe ich mir meinen ersten Roman an, liebe ich ihn und er hat wirklich tolle Aspekte. Damals war es das Beste, was ich leisten konnte. Der nächste war besser und ich glaubte, mein Maximum erreicht zu haben. Der nächste hat diesen um Längen übertroffen und das Ende war wiederum besser als der Anfang, so rasant verlief die Entwicklung. Heute gefällt er mir, aber das ist nicht das Ende. Wir entwickeln uns weiter und werden besser. Viel besser.

Aber wenn man sich auf Dauer davon aufhalten lassen würde, dass man noch nicht seine Bestform erreicht hat, würde man nie anfangen können, es zu versuchen. Du liebst deine Geschichten und du hast Mühen und Arbeit genauso wie Herzblut investiert. Du glaubst, sie haben es verdient, veröffentlicht und gelesen zu werden. Das sind meiner Meinung nach die einzigen Grundlagen, die es braucht, um sie reinen Gewissens einem Verlag anbieten zu können.

Dass du in den nächsten paar Jahren noch viel lernen wirst, bedeutet außerdem nicht zwangsläufig, dass du heute nicht gut genug wärest. Natürlich tut es im Fall einer Absage weh, das kennt wohl jeder, der schon einmal irgendwo irgendetwas angeboten hat. Aber Absagen - selbst viele - sind schließlich nicht unbedingt ein Indiz dafür, dass jemand kein talentierter Autor ist. Du kannst dich im Schreiben von Exposés üben, deine Romane aufpolieren und ebenso die Überwindung finden, auf Verlage oder Agenturen zuzugehen. Wenn du so sehr hinter deinen Werken stehst, und es unbedingt möchtest, könntest du es wagen.
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Malinche am 15. Januar 2015, 21:45:48
@Mieze: :knuddel:

Weißt du, wenn der Zweifel behauptet, dass du in ein paar Jahren besser bist, dann hat er damit vermutlich sogar recht. Das gilt aber für die meisten Leute, die wirklich regelmäßig schreiben: Wir entwickeln uns. Natürlich sind wir in ein paar Jahren besser.

Aber es erstaunt mich, dass du etwas zu hören bekommst, das stimmt – denn solche Argumente sind nicht die gängige Art des Zweifels. Der ist ein kleiner fieser Mistkerl. Der Zweifel würde dir erzählen, dass du nie gut genug sein wirst. Und er würde dabei hämisch kichern. Ich gehe also davon aus, wer gerade bei dir angeklopft hat, ist nicht der Zweifel, sondern ein entfernter Verwandter von ihm, der sich vielleicht aus einer Laune heraus seiner Maske bedient. Es könnte die Vorsicht sein.

Was ich jetzt schreibe, wird dir vielleicht nicht unbedingt gefallen, weil ich etwas einbeziehen muss, was für mich persönlich und für dein Auftreten im Forum an sich keine Rolle spielt: dein Alter. Wie alle anderen hier stelle auch ich immer wieder fest, dass du für dein Alter wahnsinnig reif bist, dich in Diskussionen unglaublich konstruktiv und einfühlsam beteiligst und dich sehr gut ausdrückst. Ich habe noch nichts von dir gelesen, aber ich gehe davon aus, dass du auch gut schreibst, und es ist auch meine Meinung, dass Alter auf keinen Fall der alleinige Indikator für die Qualität oder handwerkliche Reife unseres Schreibens ist – da spielen noch viele andere Faktoren mit rein.

Ich schicke das alles einfach mal voraus, entzünde das Kaminfeuer und setze mich im Oma-Modus in den knarrenden Schaukelstuhl (das Strickzeug in meiner Hand ist reine Dekoration und dient dem Ambiente):

Ich habe genau wie du sehr früh mit dem Schreiben angefangen. Und ich hatte in genau deinem Alter auch exakt dieselben Träume – ich liebte die Geschichten, die ich bisher erzählt hatte, ich wollte sie veröffentlicht sehen. Ich hatte Lieblingsbücher, bei denen ich verstohlen über den Buchrücken streichelte, dort wo der Verlagsname stand, und im Impressum nach der Verlagsadresse guckte, um mir dann vorzustellen, wie es wäre, wenn ich denen ein Buch von mir schicken würde und sie es veröffentlichten.

Eine Zeitlang hatte ich das Gefühl, ich muss das unbedingt machen und mich sehr damit beeilen. Ich wollte Anerkennung für mein Geschriebenes und vor allem wollte ich Leute damit beeindrucken, dass ich in meinem Alter schon gut schreiben konnte.

Ich habe das damals nicht gemacht, und ein Grund dafür ist, dass ich mit der Zeit angefangen habe, an meinen Motiven zu zweifeln: Wollte ich wirklich die Anerkennung aufgrund meines Alters? Wollte ich, dass meine Texte in Relation dazu bewertet und gelobt werden anstatt aus ihrer eigenen Kraft heraus? Wollte ich später zweifeln, ob die Anerkennung tatsächlich meiner Schreibe galt – oder nur meiner Schreibe in Relation zu meinem Alter? Von Vermarktungsstrategien und ähnlichem hatte ich damals wenig konkrete Ahnung, aber unbewusst schwang das doch in meinen Gedanken mit: Wollte ich, dass Leute meine Bücher kaufen, weil ich eine erstaunlich junge Autorin bin?

Ich liebe die Geschichten immer noch, die ich damals geschrieben habe. Manche davon würde ich auch gern irgendwann aus der Schublade holen, wahrscheinlich neu erzählt. Ich denke noch immer, dass es gute Geschichten sind. Ich bin aber wahnsinnig froh, dass ich sie damals nicht veröffentlicht habe, dass ich damals nicht mit einem meiner Bücher an einen Verlag geraten bin.

Dass ich mich in den Jahren weiterentwickelt habe und diese Entwicklung für mich unverzichtbar war, um mich bereit für eine Veröffentlichung zu fühlen, ist nur ein Punkt. Wir müssen natürlich bedenken, dass du ungleich mehr Austausch und Input hast als ich damals, ich vermute, du wirst dich deutlich schneller entwickeln, und ich halte es für möglich, dass deine Texte – auch die längeren – für eine Veröffentlichung auch jetzt schon geeignet sein könnten.

Aber. Wo ich mit der ganzen Predigt eigentlich hin will, ist ein dickes Aber. Und das betrifft das ganze Drumherum einer Romanveröffentlichung. Das betrifft die Gedanken zur Einordnung, die ich mir damals selbst gemacht habe. Ein Verlag, der eine Autorin in deinem Alter einkauft, wird dich sehr wahrscheinlich im Hinblick auf dein Alter vermarkten. Ob es dir gefällt oder nicht. Und vielleicht sitzt dann der echte Zweifel schneller auf deiner Schulter, als du es dir vorstellen kannst, weil du dich möglicherweise nach dem Wert der Anerkennung fragst. Weil deine Texte möglicherweise hinter dir verschwinden – nicht, weil du das so wollen würdest, sondern weil dein Verlag das so vermarktet.

Und es gibt noch mehr Drumherum. Veröffentlichen ist kein Zuckerschlecken. Ja, es ist ein großartiges Gefühl, einen Verlagsvertrag in den Händen zu halten. Oder die ersten gedruckten Exemplare deines eigenen Buchs, auf dem ganz allein dein Name steht. Ich wünsche dir von ganzem Herzen, dass du in deinem Leben viele, viele Glücksmomente dieser Art haben wirst, und ich gehe davon aus, dass der Tag, an dem du dein erstes Belegexemplar knuddelst, nicht so furchtbar weit entfernt ist.

Aber eine Romanveröffentlichung hat auch ihre Schattenseiten. Es ist eine Achterbahnfahrt. Ich erlebe es gerade wieder selbst mit einem Buch, das im Lektorat steckt (eigentlich eine ganz tolle Sache) und mir viele Selbstzweifel beschert. Es ist auch viel Druck hinter einer Veröffentlichung, dem man sich selbst aussetzt. Man muss viel schlucken, viel weinen, viel warten. Vor allem warten. Es kann einen zermürben. Es kann einen krank machen. Man wird natürlich auch dafür entlohnt, und damit meine ich nicht Vorschüsse oder Tantiemen, sondern das, was uns unsere Leser zurückgeben. Aber: Ich bin der Meinung, es ist etwas, wofür man sich bereit machen und in das man auch ein bisschen hineinwachsen muss – auch wenn man sich immer wieder, in jedem Alter, so fühlen kann, als wäre man noch nicht stark genug dafür.

Ich verstehe, dass du dir wünschst, deine Geschichten als gebundenes Buch in der Hand zu halten oder gar in einem Buchladen zu entdecken. Ich verstehe, dass du deine jetzigen Geschichten liebst – du hast jedes Recht dazu. Hör nie auf, sie zu lieben. Das ist nämlich überhaupt der Schlüssel zu allem.

Aber wenn du nicht nur schreiben, sondern auch veröffentlichen willst, dann ist Warten ein ebensolcher Schlüssel. Geduld. Sitzfleisch. Schreib, so viel du kannst, lerne, so viel du kannst – du hast mit Tintenzirkel und Phantastatur wunderbare Gemeinschaften dafür um dich herum, und ich will dich hier wachsen sehen und eines Tages dabei sein, wenn die Pressemitteilung für deine erste Romanveröffentlichung in unserem Veröffentlichungsboard hängt und der Thread vor Glückwünschen explodiert.

Schreib Kurzgeschichten, reiche sie ein, schnuppere auf diesem Weg in die Verlagswelt, in Lektoratsabläufe, in alles, was damit zusammenhängt. Aber überstürze nichts. Geh nicht das Risiko ein, dass ein Verlag dich verpulvern will, weil du jung bist, ohne dass die Welt darauf achtet, dass du auch gut bist. Freunde dich ganz in Ruhe mit den elend langsamen Mühlen des Buchwesens an. Und lass dich niemals vom Schreiben abbringen. Aber mach in Ruhe. Und sieh dir in ein paar Jahren an, wo du dann stehst, wie du dich handwerklich entwickelt hast, und  dann triumphiere – mit Projekten, denen man gestattet, aus sich selbst heraus zu leuchten. Die Zeit wird kommen, und zwar schneller als du denkst, aber sie muss noch nicht jetzt sein. Das kleine Kerlchen, das dich da anguckt und zum Warten rät, ist nicht der Zweifel. Es ist eine seiner Cousinen – Vernunft, Vorsicht oder Geduld.

:knuddel:
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Sternsaphir am 16. Januar 2015, 00:07:59
Ach Malinche, besser hätte man es nicht sagen können.
Bei mir nagt auch grad wieder der Zweifel bzw. der Frust, nicht voranzukommen, nichts Richtiges leisten zu können, immer nur hinten anzustehen.

Da hab ich Deinen Post gelesen und musste ein wenig lächeln, dass das, was Du sagst, den Nagel auf den Kopf trifft. Geduld ist ein so wichtiges Gut, wenn es ums Schreiben geht. Vor allem auch Geduld mit sich selbst.  :knuddel:
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Golden am 16. Januar 2015, 10:52:22
Genau, genau! Also, manchmal denke ich, wir sind da in dem Punkt seelenverwandt.  ::)
Nein, im Ernst. Ich versuche ja dann auch zu lernen, lese extra die Bücher, nicht um zu kopieren, aber um ein Gefühl für die Arbeit zu bekommen ("Wann setzt Autor X das hier und hier ein und nicht woanders?", "Wie foglt das auf das" ...). Und wenn ich fertig bin mit Lesen denke ich, ich bin total voll mit Wissen, habe auch ein besseres Gefühl für Sprache und Handwerk - und dann, gerade mal ein paar Stunden später ist alles weg. Ich weiß natürlich noch, was ich gelesen hab, aber groß explizit erinnern, wie und warum der Autor sein Handwerk gerade so einsetzt, ist dann nicht mehr da. Das hält einfach immer kurz an und ist dann wieder weg und ich sitze da und frage mich, ob meine Handlung nun doch zu langsam ist, der Spannungsbogen falsch gesetzt und und ... :rofl:

Aber denk daran: Nur du schreibst wie du. Wir kennen alle das Problem, uns nicht zu genügen. Und wann immer du jemanden brauchst, der dir ehrlich sagt, wie deine Ideen sind - ich helfe gern.  :knuddel:
Vielleicht bin ich zu naiv oder allgemein zu dumm, was Schreiben angeht, aber sollte es nicht an sich viel mehr Gefühl sein? Klar, Planung muss ja auch sein und Instrumente, um Effekte zu erzielen, aber ansonsten ... ist Schreiben nicht vielmehr intuitiv und Gefühlssache als Planung? (bitte nicht hauen :-D )
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Tinnue am 16. Januar 2015, 10:59:52
Es sollte meiner Meinung eine gesunde Mischung aus allem sein. In dieses Projekt habe ich viel reingesteckt, dennoch merke ich einfach, dass es an vielen Stellen noch am Handwerk hapert. Und das kann dann unter Umständen auch eine Szene kaputt machen, egal, wie viel Gefühl drin steckt. Umgekehrt kann natürlich das gleiche passieren. Mir ging es jetzt hier um meine ewig anklopfenden Zweifel, und die sind leider einmal im Handwerk begründet, das ich einfach noch nicht gut genug beherrsche, und zum zweiten leider in der Psyche, denn mir fällt es noch immer schwer, so etwas wie ein gesundes Selbstbewusstsein für mich zu entwickeln.

OT Ende  ;)
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Valkyrie Tina am 16. Januar 2015, 11:02:20
Vielleicht bin ich zu naiv oder allgemein zu dumm, was Schreiben angeht, aber sollte es nicht an sich viel mehr Gefühl sein? Klar, Planung muss ja auch sein und Instrumente, um Effekte zu erzielen, aber ansonsten ... ist Schreiben nicht vielmehr intuitiv und Gefühlssache als Planung? (bitte nicht hauen :-D )

Golden, das führt glaub ich zu weit vom eigentlichen Thema weg jetzt, aber wir haben im Forum mehrere Threads, die sich genau mit dem Thema beschäftigen (ich find grad nur die nanointerne Diskussion, aber mit einer einfachen Suche findest du die bestimmt schnell).
Ganz kurz beantwortet hat jeder Autor seine eigene Meinung und seine eigene Strategie, wie viel Handwerk und wie viel Gefühl oder wie viel Planung er einsetzt -und auch, wo die Grenzen dazwischen sind (z.b. verwendest du eine 3-Akt -Struktur, weil du das so geplant hast, oder weil es sich für dich richtig "anfühlt"). Du wirst also hier im Forum 400 Meinungen dazu finden. Aber die einzelnen Herangehensweisen sind durchaus interessant, also wenn du magst, kannst du gerne eines der alten Threads wieder beleben.  :pompom:
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Signy am 16. Januar 2015, 11:14:58
@ Miezekatzemaus,

der anklopfende Zweifel gehört zum Schreiben dazu, und jeder findet für sich eine eigene Art und Weise, mit ihm umzugehen.

Leider ist es so, dass nur die allerwenigsten eingereichten Manuskripte jemals veröffentlicht werden.

Und das hat ganz bestimmt nicht nur mit deren Qualität zu tun, denn ich habe ein paar Bücher (an)gelesen, veröffentlicht von Publikumsverlagen, die waren einfach nur dilettantisch.
Logikfehler, Plotfehler, grobe Fehler im Setting, eine Spannungskurve wie Oma Waldtrauts Ausfahrt mit dem Rollator oder ein Stil, so spritzig wie ein alter, zäh an deinem Schuh klebender Kaugummi.
Such dir aus, was - gerne auch mehrfach.

Ich habe jetzt schon eine ganze Menge an Manuskripten (unveröffentlichter) Autoren beta gelesen, und die ganz große Mehrzahl davon braucht sich nicht hinter der Qualität von veröffentlichten Büchern zu verstecken.

Ganz besonders überrascht hat mich alte Frau dabei, wie unglaublich gut die Qualität gerade bei jungen Autoren ist.

Du wirst es schon ahnen, jetzt kommt das große Aber:

Den meisten Agenten und Verlegern wird es einfach zu unsicher sein, sich auf jemand so junges wie dich einzulassen.
Es heißt ja immer und überall, dass sie auf eine langfristige Beziehung aus sind, man liest ständig, dass die Erstlinge so gut wie nie Profit einbrächten, sondern erst dann Geld verdient würde, wenn der Autor Nachhaltigkeit beweist.

Und da sehen die Profis eben - wohl ganz zu recht - mögliche Stolpersteine bei jemandem, der so jung ist, wie du.

Nehmen wir an, momentan kommst du super in der Schule zurecht und hast deswegen Zeit, dich mit dem Schreiben zu befassen. Was aber, wenn du - ich fabuliere - im nächsten Jahr Latein, Physik und Philosophie auf den Lehrplan bekommst - alles versetzungsrelevante Fächer - und es stellt sich heraus, dass du einer der beklagenswerten LPP-Legastheniker bist?
Und auf einmal sitzt du, statt an deiner Schreiberei, jeden Nachmittag nur mit Nachhilfelehrern und Übungsaufgaben über dämlichen Fächern, die deine Zeit auffressen.

Oder ein anderes Szenario: Deine Klassenkameradin lädt dich ein, mit ihr auf den Reiterhof zu gehen, du gehst höflichkeitshalber mit, stellst dann aber fest, dass das ja gar nicht öde, sondern im Gegenteil total klasse ist. Verbringst die ganzen Sommerferien mit Anfänger- und leicht fortgeschrittenen Kursen und bist in den folgenden Jahren erst einmal, zweimal, dann drei Mal in der Woche auf dem Reiterhof.
Wobei es mit einer Reitstunde ja nicht getan ist ... Vorher muss man das Pferd erstmal putzen, satteln, es (und sich selbst) aufwärmen, und hinterher wieder: Pferd putzen, eventuell abduschen, ausmisten, in der Sattelkammer helfen, und ...
Am Ende stellt sich vielleicht heraus, dass du ein gewisses Talent besitzt, und schwupps, ist es mit dreimal wöchentlich Training nicht mehr getan. Dazu dann noch viele Wochenende zu Kursen oder Turnieren auf Achse ...
Zeit fürs Schreiben?

All das muss in deinem Fall nicht eintreten, aber es ist möglich.
Und deshalb werden deine Chancen derzeit (!) wohl noch geringer sein als bei all den übrigen möchtegern-Autoren.

Deshalb: Warum mit dem Kopf durch die Wand zu rennen versuchen?
Ich habe ja etwas von dir lesen dürfen, sprachlich-stilistisch schreibst du absolut top (ich kämpfe immer noch mit heftigen Neidgrün-Anfällen).

Schreibe weiter, ja. Sammele die Erfahrung, wie es sich anfühlt "ENDE" nicht nur unter eine Kurzgeschichte, sondern unter einen Roman zu schreiben.

Suche dir Betaleser, die dir bei deinem Feinschliff (mehr brauchst du gar nicht) helfen, und wenn du unbedingt das Gefühl haben willst, DEIN Buch in den Händen zu halten, dann lass es im privaten Modus bei BoD oder so drucken. Nur für dich, für dein (bestimmt total stolzen) Eltern, vielleicht für die beste Freundin.

Schreib weiter, und sobald du volljährig bist fallen all die oben genannten Einschränkungen weg.
Und wenn du dann eine Zusage bekommst (was ich dir von Herzen wünsche), was glaubst, du, wie sehr dein Agent/Verleger dich lieben wird, wenn du aus deiner Schublade so viel hervorzaubern kannst?

Soviel "Wort zum Wochenende" von einer alten Frau.
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: HauntingWitch am 16. Januar 2015, 11:15:45
(Jetzt, da es mir wieder besser geht, kann ich ja wieder versuchen, andere aufzuheitern.  ;D)

@Golden: Genau diese Frage habe ich mir bis vor einiger Zeit auch noch gestellt und dazu auch einen Thread aufgemacht, hier: http://forum.tintenzirkel.de/index.php/topic,12486.msg500629.html#msg500629  :) Dann haben wir irgendwo noch den Thread über Bauchschreiber oder Handwerker, aber den finde ich jetzt gerade nicht...

@Miezekatzemaus: Ich kann Malinche nur noch zustimmen. Und der Gedanke "in ein paar Jahren bin ich sicher besser" stimmt zwar, aber das trifft auf alle zu, auch auf die, die 40 sind und schon 10 Romane geschrieben haben.  ;)
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Signy am 16. Januar 2015, 11:27:10
Und der Gedanke "in ein paar Jahren bin ich sicher besser" stimmt zwar, aber das trifft auf alle zu, auch auf die, die 40 sind und schon 10 Romane geschrieben haben.  ;)

Nicht unbedingt. Ich erinnere mich da mit Grausen an die Kurve, die Jean M. Auel mit ihrem Ayla-Zyklus hingelegt hat.

(Und dennoch sind auch die letzten drei Bände veröffentlicht worden ... Soviel zu Buchmarkt und Qualität.)
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: HauntingWitch am 16. Januar 2015, 11:51:24
Nicht unbedingt. Ich erinnere mich da mit Grausen an die Kurve, die Jean M. Auel mit ihrem Ayla-Zyklus hingelegt hat.

(Und dennoch sind auch die letzten drei Bände veröffentlicht worden ... Soviel zu Buchmarkt und Qualität.)

Das stimmt, manche werden auch wieder schwächer mit der Zeit. Vielleicht muss ich mich noch etwas klarer ausdrücken, ich meinte es eher so, dass man als Autor immer noch etwas dazulernen kann, unabhängig vom Alter.
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Signy am 16. Januar 2015, 11:59:56
Ich sage mal stellvertretend für alle Ü40 "Danke" *lach*

Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: FeeamPC am 16. Januar 2015, 12:49:30
Abgesehen davon, liebe Mieze - nichts gegen dein Alter, ich habe ja im NaNo gesehen, wie gut du schreibst- aber da kommen noch so Sachen wie Pubertät, Jungs, Verliebtsein ... auch das benötigt seine Zeit.
Ich schlag ja normalerweise nicht mit der Bibel um mich, aber darin steht irgendwo : ... ein Jegliches hat seine Zeit ...
Das trifft auch für deine Bücher zu. Irgendwann kommt der passende zeitpunkt, da bin ich mir bei dir ganz sicher. Dann hälst du voller Stolz dein erstes gedrucktes Buch in den Händen. Und dieses Irgendwann ist, wenn du so weiter schreibst, nicht so riesig weit weg, denke ich.
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Miezekatzemaus am 16. Januar 2015, 14:19:20
Vielen Dank für eure Meinungen.
Ich verstehe, dass du dir wünschst, deine Geschichten als gebundenes Buch in der Hand zu halten oder gar in einem Buchladen zu entdecken. Ich verstehe, dass du deine jetzigen Geschichten liebst – du hast jedes Recht dazu. Hör nie auf, sie zu lieben. Das ist nämlich überhaupt der Schlüssel zu allem.
Danke für deine ausführliche Äußerung dazu. Natürlich sind meine Bücher der Schlüssel, aber theoretisch könnte ich ja auch einfach immer nur exemplarische Szenen schreiben, bestimmte Schreib-Übungen machen und einen Ratgeber nach dem anderen lesen, damit ich mit *hierpassendesAltereinsetzen* weit genug bin, um wirklich sehr gut zu schreiben. Und genau das hält mir der Zweifel - oder die Vorsicht/Vernunft/etc. vor.
Dass ich einfach üben soll. Aber nicht mit meinen Romanen - wer auch immer da klopft, guckt mich vorwurfsvoll an und erzählt mir, wenn ich die Geschichten schreibe, habe ich vielleicht irgendwann keine Ideen/whatever mehr. Heißt es nicht so schön "Lebe jeden Tag als wäre es dein letzter"? Das sagt meine Unvernunft (nehmen wir mal an, die Vernunft klopft, mir fällt kein anderes Gegenteil ein). Und die Vernunft/wer auch immer widerspricht und sagt: Nein, die Romane kann Mieze auch später noch schreiben. Jetzt erstmal was anderes. Szene um Szene.
Allerdings erwidert die Vernunft auch, dass ich meine Bücher schreiben muss, damit ich ein Gefühl dafür bekomme. Dass ich ein Ende unter meine Manuskripte setzen soll. Aber gleichzeitig streitet sich ein anderer ungebetener Gast mit der Vernunft und er sagt das mit den Ideen.
Wie dem auch sei, ich werde den Wunsch erstmal wegschieben. Danke für eure Meinungen nochmals!
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Tinnue am 16. Januar 2015, 14:26:08
Mieze, ich weiß, was du meinst, ich habe denselben Traum, seit ich in deinem Alter war. In einigen Punkten wirkst du hier viel reifer als ich es damals war, du hast ein gutes Gefühl für Ausdruck und dafür, wie du deine Meinung in Worte packst. Ich weiß, das sagt sich leicht, aber: Denk nicht zu viel. Zu viel denken kann unheimlich blockieren und wenn du nicht Acht gibst, nimmt es dir irgendwann die Liebe zum Schreiben. Und das muss nicht sein. Natürlich wollen wir alle unsere "Babys" in die Welt bringen, sie erstrahlen sehen, sie auf einen guten Weg bringen. Aber wie Malinche sagt: Geduld ist da ein großes Stück vom Kuchen. Natürlich hast du irgendwo Talent und ein weiteres Stück ist dein Handwerk, das du kennenlernen und beherrschen lernen musst. Ich meine, warum musst du jetzt perfekt sein? Warum muss es jetzt klappen? Du hast sooo viel Zeit! Figuren entwickeln sich, Geschichten entwickeln sich und in den allermeisten Fällen geschieht das ganz natürlich und am allerbesten, wenn man die Dinge fließen lässt. Stell dir deine Kreativität wie einen Fluss vor. Jeder Stein, den die Ehrgeiz und Anspruch da hinein setzen, kann den Fluss stören. Das heißt nicht, dass du nicht ehrgeizig sein sollst. Aber denke wirklich mal daran, wie viel du noch vor dir hast. Lass es sich entwickeln. Wer war das, von dem wir es hier hatten? Brandon Sanderson, der wundervoll schreibt, aber gut 16 Romane in der Schublade verschwinden ließ, bevor es klappte? Er ein Gefühl für sich und sein Schreiben hatte? Andere haben das auch, und jeder von uns muss lernen, damit umzugehen. Setzt dich unter Druck, wenn du denkst, es tut dir in der und der Situation mal gut, aber übrtreib es nicht. Das wichtigste ist, die Freude am Schreiben zu erhalten und in sich zu spüren. Es gibt uns so verdammt viel, was uns manches im Alltag nimmt.
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Sprotte am 16. Januar 2015, 14:34:23
Das mit den Ideen vergiß ganz schnell wieder! Ich entsinne mich, mir vor grauer Urzeit Ähnliches gedacht zu haben. Ich schreibe seit 30 Jahren, und ich habe keine Chance, den Ideenfunken zu entkommen, die fröhlich auf mich einprasseln. Das wird kaum jemandem von uns anders ergehen. Durststrecken, ja, in denen einen alles blöd vorkommt. Aber totale Ebbe? Nö!

Wenn ich mir heute meinen Erstling (geschrieben mit 16-19) ansehe, rollen sich mir die Zehennägel auf. Ich hab das Ding 20 Jahre später neu geschrieben und liebe es. So mag ich es auch aus den Händen geben (wenn es endlich final überarbeitet ist), während ich mich für den Erstling in Erstfassung heute zu Tode schämen würde.

Selbst wenn ich meinen NaNo-Roman 2010 mit dem 2014er vergleiche, sehe ich Entwicklungen - und zwar gewaltig. Wer an sich und seinem Schreiben arbeiten will, wird sich weiterentwickeln. Und dazu gehört, denke ich, daß man auch Romane fertigstellt. Wie willst Du nur mit Szenen lernen, einen Spannungsbogen komplett zu halten, Figuren glaubwürdig weiterzuentwickeln etc. Dazu kommen Betakommentare, Überarbeiten, noch einmal überarbeiten und Feinschliff. Das alles entwickelt Dich und Dein Schreiben weiter.

Wichtig ist die Liebe zum Geschichtenerzählen, die halte ich für die wahre Antriebsfeder zum Schreiben. Veröffentlichen mag toll sein (stressig ist es, da stimme ich Malinche voll zu, und ich bin weit weg von einem Großverlag, aber ... Meine Nerven!), aber beim Schreiben denke ich nie an die Veröffentlichung. Ich denke an die Geschichte, meine Figuren, an schöne Sätze und viel Spaß.

Da Tinnue mir zuvor kam:
Meine Schublade enthält (unwiderruflich): 6 Agentenromane, 2 Richterromane, 1 Geisterroman, 12x Maynard und noch ein paar kürzere Romane. Die bleiben da. Ich habe mit ihnen Schreiben gelernt, und ich bin dankbar und glücklich, diese Romane geschrieben zu haben. Ich hatte Spaß mit jedem einzelnen dieser Romane, und sie haben mich so viel weiter gebracht. Aber ich bin verflixt froh, daß keiner von ihnen das Licht der Öffentlichkeit erblickt hat. Und ich bin 46 (und fühle mich nach Malinches Beitrag noch mal 100 Jahre älter.  :rofl: )
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Tinnue am 16. Januar 2015, 14:38:37
Zitat
Meine Schublade enthält (unwiderruflich): 6 Agentenromane, 2 Richterromane, 1 Geisterroman, 12x Maynard und noch ein paar kürzere Romane. Die bleiben da. Ich habe mit ihnen Schreiben gelernt, und ich bin dankbar und glücklich, diese Romane geschrieben zu haben. Ich hatte Spaß mit jedem einzelnen dieser Romane, und sie haben mich so viel weiter gebracht. Aber ich bin verflixt froh, daß keiner von ihnen das Licht der Öffentlichkeit erblickt hat. Und ich bin 46 (und fühle mich nach Malinches Beitrag noch mal 100 Jahre älter.  :rofl: )

Ich bin zwar nicht Mieze, aber damit machst du auch mir Mut. Danke, liebes Sprottchen. Du bist zu recht der Oberfeldwebel der Heroen.  :knuddel:
Ich glaube, ich persönlich mache mir gerade deswegen so viel in die Hosen, weil wir beschlossen haben, dieses Jahr wirklich die Familienplanung zu beginnen. Ich sehe tolle Beispiele, gerade hier im Zirkel, wo das wunderbar funktioniert. Dennoch hab ich Angst. Ein Kind ist viel Verantwortung und viel Zeit. Man muss schon unter Druck funktionieren können, wenn man da noch schreiben will. Aber wahrscheinlich ist auch das wieder so viel Kopfsache, wie Witch so schön erklärt. Es wird gehen, irgendwie. Ohne schreiben gehen wir ja alle kaputt!

Und jetzt wieder back to Mieze und ... danke! Ein Leben ohne Zirkel? Mittlerweile unvorstellbar!
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Signy am 16. Januar 2015, 14:44:03
Ich glaube, ich persönlich mache mir gerade deswegen so viel in die Hosen, weil wir beschlossen haben, dieses Jahr wirklich die Familienplanung zu beginnen. Ich sehe tolle Beispiele, gerade hier im Zirkel, wo das wunderbar funktioniert. Dennoch hab ich Angst. Ein Kind ist viel Verantwortung und viel Zeit. Man muss schon unter Druck funktionieren können, wenn man da noch schreiben will. Aber wahrscheinlich ist auch das wieder so viel Kopfsache, wie Witch so schön erklärt. Es wird gehen, irgendwie. Ohne schreiben gehen wir ja alle kaputt!

Nicht lange zögern, sondern Köpper hinein. Am liebsten hätte ich fünf gehabt. Naja, jetzt habe ich noch vier vierbeinige.
Ich könnte und kann auf vieles verzichten - aber nicht auf meine drei Kinder, auch wenn sie manchmal ...

 ;D Aber das ist ein anderes Thema.
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Valkyrie Tina am 16. Januar 2015, 14:50:50
Hmm, ich glaube, es geht hier um 2 verschiedene Sachen. Das eine ist die absolut praktische Sache, dass du eventuell vorsichtig sein solltest, von Verlagen oder der Öffentlichkeit als Fräuleinwunder verbrannt zu werden. Aber....

Zitat
aber theoretisch könnte ich ja auch einfach immer nur exemplarische Szenen schreiben, ..... Und genau das hält mir der Zweifel - oder die Vorsicht/Vernunft/etc. vor.
Dass ich einfach üben soll.

Aber Mieze, lass dir nie von der Fraud Police erzählen, wie du deine Kunst ausführen sollst.
Der Begriff der Fraud Police wurde von Neil Gaiman und Amanda Palmer geprägt. Es ist das Gefühl, dass man eigentlich nicht würdig ist, seine Kunst auszuführen. Dass irgendwann ein Mann vor der Tür steht mit einem Klemmbrett und sagt "Herr Gaiman, wir haben Sie erwischt, wir wissen dass Sie das alles immer nur erfunden haben, dass Sie schuldig sind Ungeprüfte und nicht von uns genehmigte Geschichten niedergeschrieben zu haben. Dass Sie keine Lizenz haben."
Die Fraud Police kennt jeder von uns, und wir prügeln regelmäßig auf sie ein. Die Fraud Police hat nämlich keine Ahnung von Kunst. Natürlich könntest du Übungen machen, und wenn dich eine bestimmte Übung anspricht, warum nicht mal eine Übung probieren? Aber vielleicht bist du keiner der Künstler, die mit Übungen arbeiten können? Ich persönlich hasse Schreibübungen, ich lerne viel mehr während ganzer Geschichten (Allerdings bin ich in der Lage, eine Szene zehnmal neu zu schreiben, aus verschiedenen Perspektiven und mit verschiedenen Schwerpunkten, und sowas zähl ich schon fast als Übung.) Wenn es dir genauso geht - Warum sich mit Übungen quälen? Und dass irgendwann die Geschichten alle sind, ist völliger Blödsinn. Das wär als würdst du ans Meer fahren und gucken, wann die letzte Welle kommt. Geschichten gibt es immer, und Ideen. Entspann dich! Du hast noch so viel Zeit.

Kurz: Vernunft ist eine gute und kluge Sache. Aber jag die Fraud Police zum Teufel. Die braucht nämlich kein Mensch!
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Snöblumma am 16. Januar 2015, 15:34:52
@Mieze Eigentlich ist ja schon alles gesagt worden ;). Ich will nur noch einen Punkt anfügen, den ich immer ganz wichtig finde: Du bist wahnsinnig jung und hast so viele Entscheidungen noch vor dir, die du alle nicht absehen kannst gerade eben. Es gibt etliche Berufe/Branchen, in denen selbst eine respektable Veröffentlichung ernster Literatur ein Karrierekiller ist, von Unterhaltung wollen wir da gar nicht reden. Du kannst jetzt gerade noch gar nicht absehen, ob du nicht doch in eine dieser Branchen rutscht - und allein darum bin ich ja immer dafür, mit dem Veröffentlichen zu warten, bis man wirklich die Folgen absehen kann. Ja, ich weiß, ich hätte in deinem Alter auch liebend gerne ein Buch in der Hand gehabt. Ich habe damals auch an Epen geschrieben, die wahrscheinlich gar nicht mal sooooo dramatisch schlecht waren und vielleicht sogar Chancen gehabt hätten, wenn ich denn was in die Richtung unternommen hätte. Vielleicht, weiß man nicht - aber der Punkt ist: Ich bin immer wieder froh, dass ich damals mangels Internet und Community gar nicht auf den Trichter kam, zu veröffentlichen, und damit gewartet habe, bis ich halbwegs absehen konnte, was das für mein berufliches und familiäres Leben bedeutet. Damit konnte ich das Risiko bewusst eingehen, was zwar in der Sache wenig ändert, aber wenigstens weiß ich in dieser Hinsicht sicher, was ich da tue. Solange du aber noch gar nicht weißt, wo die Reise hingeht in deinem Leben, ist es ja schwer, solche Entscheidungen zu treffen - bzw. wenn du als eine Art Wunderkind vermarktet würdest, was sicher passieren würde, dann wäre es mit Pseudonymisierung etc. ja sowieso sehr schwer.

Ich weiß, sowas gesagt zu bekommen ist doof, aber lass dir die Zeit. Wer weiß schon, wofür es gut ist?

Und was die Schublade angeht: Nur weil die Romane jetzt erst mal dort landen, muss das ja nicht heißen, dass sie dort bleiben. Wenn du dann durchstartest, hast du eine tolle Basis, aus der du fertige Manuskripte ziehen und den Markt aufrollen kannst. Ein Portfolio zu haben, ehe der Zug so richtig anfährt, ist eine sehr entspannende Sache. Sowas kann immer gut sein :D.

Aber ich bin mir sicher, so geplant und reif du das alles angehst, es wird schon gutgehen für dich.  :knuddel:
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: HauntingWitch am 16. Januar 2015, 15:36:09
@Mieze: Zu den Ideen schliesse ich mich Sprotte an. Vor einiger Zeit hatte ich solche Befürchtungen auch einmal. Mein Gehirn hat mir plötzlich nur noch realistische Geschichten aufgetischt, ich hatte keine Lust mehr auf Fantasy. Ich hatte echt Bange, die Fantasy zu verlieren und all die tollen Sachen zu verlieren. Es war auch nichts Brauchbares dabei und ich dachte, noch ein paar Wochen und dann habe ich gar nichts mehr. Dem war nicht so. Es dauerte ein paar Wochen und die Ideen haben mich regelrecht überfallen, auch mit Fantasy. Das Ergebnis: Ich habe ein paar realistische Übungen in der Schublade und ich kann etwas mehr als davor. Und ich weiss, dass mich die Ideen nie verlassen werden. Kann sein, dass sie sich zwischendurch zurückziehen und man wie auf flüssigem Teer geht. Aber verschwinden tun sie nicht, das liegt in unserer Natur.  :knuddel:

@Tinnue: Puh, Familie, das verstehe ich, dass dir das Angst macht. Es ist ja auch eine grosse Sache. Aber sind wir mal ganz rational: Du hast einen Mann, der von deinem Schreiben weiss und dich unterstützt, oder? Ihr habt ein Dach über dem Kopf und genug Geld zum essen, oder? Es kann dir also nichts passieren, ausser, dass du mit einem Baby natürlich weniger Zeit haben wirst. Aber zum einen dauert es noch, bis es wirklich so weit ist und diese Zeit kannst du nutzen. Zum anderen ist das eine neue Erfahrung, die neuen Input mit sich bringen wird. Ich weiss, das klingt sehr theoretisch, aber versuche doch mal, den Fokus auf die positiven Punkte zu legen.  :knuddel:
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Christopher am 16. Januar 2015, 16:35:28
Ich schließe mich Snö in ihrem Punkt an. Eigentlich wollte ich z.b. mein Herzensprojekt auf jeden Fall so schnell wie möglich unterbringen. Jetzt ist es eher so, dass ich mein NaNo Projekt zuerst unterbringen will. Es ist ein gutes Gefühl, etwas in der Hinterhand zu haben, wenn es dann genommen wird. Stell dir vor, du bewirbst dich bei einer Agentur/einem Verlag und ihnen gefällt zwar wie du schreibst, aber das Manuskript passt gerade nicht ins Konzept. Dann kommt die Frage: "Es gefällt uns wie sie schreiben, aber leider passt das gerade nicht. Haben sie noch andere Manuskripte? Vielleicht etwas in der Art von ...?" Und du kannst sagen: "Ja! Jede Menge!" ;D

Für mich ist es zumindest eine Erleichterung zu wissen, dass ich - sollte so eine Frage kommen - mit meinem über 500k Wörter satarken Herzensprojekt um die Ecke kommen kann ;D

Und so solltest du es mit deinen Geschichten auch sehen: Das ist ein Fundus, aus/mit dem du arbeiten kannst. Nichts ist verloren. Schreib einfach weiter wie bisher. Du lernst, du erweiterst deinen Fundus und kannst dann, wenn du so weit bist, mit unglaublich vielen möglichen Geschichten glänzen und dir den Anfang so viel leichter machen. Dafür brauchst du nur eines: Geduld. Lass dir Zeit :)

Zum Thema Geduld ein Nachbrenner: Wie lange dauerte es noch mal, bis der durchschnittliche Autor seine erste Veröffentlichung hat? 6 Jahre? 7? 8? Länger? Hab Geduld :)
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Churke am 16. Januar 2015, 17:20:34
Nein, die Romane kann Mieze auch später noch schreiben. Jetzt erstmal was anderes. Szene um Szene.
Ich lehne mich jetzt mal ein wenig aus dem Fenster und versteige mich zu der Aussage, dass das so nicht funktionieren wird.
Schreibübungen, Szenen, Ratgeber - das würde ich mal fix vergessen, und zwar ganz schnell!

Ein Roman ist überwiegend Schreibtechnik. Schreibtechnik lernt man durch Schreiben. Ich bin Rechtsanwalt. Die Prüfung besteht aus fünfstündigen Examensklasuren, also lernt man an der Uni, wie man Klausuren schreibt. Und zwar duch Übung. Als Faustregel gilt, dass man es nach 100 Klausuren à 5 Stunden drauf hat.
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Alana am 16. Januar 2015, 17:31:44
Da stimme ich churke zu. Das Schwere an einem Roman ist der Spannungsbogen, das Verflechten der Subplots, die gekonnte Auflösung aller Handlungsstränge, ohne in belangloses Geplänkel abzurutschen. Nur einzelne Szenen zu schreiben, führt da auf Dauer nicht zum Ziel, genauso wenig, wie nur Kurzgeschichten zu schreiben.

@Mieze: Ich fürchte, Selbstzweifel gehören dazu. Ich glaube, ein Autor, der nie an sich zweifelt, hat auch nicht den Willen, an sich zu arbeiten. Insofern sind Selbstzweifel zwar ätzend, aber leider auch Grundvoraussetzung für Autoren. Was das Veröffentlichen angeht, ich bin etwas hin und hergerissen. Ja, du bist sehr jung. Ja, die Verlage wollen dauerhaft verlässliche Partner. Aber auch Erwachsenen steht oft ein bewegender Abschnitt im Leben bevor (zum Beispiel die Familienplanung) und die warten deshalb auch nicht mit der Agentur- und Verlagssuche. Es gibt ja auch sehr prominente Beispiele für junge Autoren, die erfolgreich veröffentlicht haben. Ich würde deshalb nach deinem Gefühl gehen. Wie fühlst du dich bei dem Gedanken, jetzt zu veröffentlichen? Ist dir das noch eine Nummer zu groß? Bekommst du bei dem Gedanken Herzrasen oder Magenschmerzen? Dann lass es vielleicht, entwickel dich ein bisschen und warte, bis du dich bereit fühlst. So hab ich es auch gemacht, weil ich einer Agentur wirklich was bieten können wollte, bevor ich mich bewerbe. Hast du aber das Gefühl, dass du etwas Gutes anzubieten hast und dass du es jetzt gerne wissen willst, dann lass dich nicht abhalten. Mein Rat wäre, deine Eltern für den Auftritt gegenüber Verlagen und Agenturen ins Boot zu holen. Sie müssen ja sowieso alles absegnen und wenn du sie von vornherein mit einbeziehst, könnte ich mir vorstellen, dass das auf Agenturen durchdacht wirkt und sie dann geneigter sind, ins Gespräch zu kommen. Vorher würde ich dir außerdem empfehlen, dir ganz genau zu überlegen, was du dir für die nächsten Jahre erwartest, was und wie viel du schreiben möchtest und so weiter. Wichtig finde ich auch, dass du bereits gut mit Kritik umgehen kannst. Ich weiß nicht genau, wie weit du da bist, aber ich war sehr froh, dass ich von meinen Betalesern einiges gewohnt war, als ich ins Verlagsgeschäft eingestiegen bin. Wie auch immer du dich entscheidest, ich wünsche dir viel Erfolg dafür und dass die dummen Selbstzweifel endlich (zumindest eine Weile) Ruhe geben.  :knuddel:
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Miezekatzemaus am 17. Januar 2015, 14:51:08
Danke für eure Meinungen, ihr Lieben. :gruppenknuddel: Ich lasse mir die Sache besser noch einmal gründlich durch den Kopf gehen und taste mich erst mal durch Kurzgeschichten vor. :)
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Maja am 17. Januar 2015, 15:14:04
Mieze, was du schreiben solltest, ist ziemlich leicht zu beantworten: Dass, worauf du Lust hast. Und das gilt nicht nur jetzt, das gilt auch in zwanzig, dreißig Jahren noch. Wenn du voll den Bock hast auf Kurzgeschichten, schreib Kurzgeschichten. Wenn du denkst, dass Fingerübungen gerade genau das richtige für dich sind, zum Beispiel, um mit Perspektiven und Stil zu experimentieren, ohne gleich ein ganzes Projekt von die Wand zu fahren, dann schreib Fingerübungen. Du wirst in drei Jahren, fünf, zehn, zwanzig besser sein als jetzt - aber nur dann, wenn du bis dahin immer weiter und weiterschreibst. Wenn du jetzt die Brocken hinschmeißt und versuchst in fünf Jahren erstmal wieder, etwas zu Papier zu bringen, wirst du merken, dass du zwar älter bis als jetzt, aber nicht mehr so gut wie heute, weil du aus der Übung bist.

Schreiben lernt man vom Schreiben. Es ist eine Frage von Begabung - die hast du, ohne jeden Zweifel. Es ist eine Frage, wie viel Erfahrung man hat - du hast früh genug angefangen und jetzt schon mehr Erfahrung als jemand, der mit siebenundvierzig Jahren beschließt, das Schreiben anzufangen, zum Beispiel mit einem Fernkurs. Du bist jetzt schon unheimlich gut, mir schaudert, wenn auch wohlig, bei der Vorstellung, was du drauf hast, wenn du so alt bist wie ich. Ich überlege, ob ich dich jetzt um ein Autogramm bitte, das ich ganz stolz rumzeigen kann, wenn du dreißig bist, und sagen "Ich habe das immer schon gewusst!".

Das ist keine Frage davon, ob du jetzt veröffentlichst oder nicht. Auch ich gehöre zu denjenigen, die dir davon abraten würden, und nicht, weil ich dich nicht für gut genug halte, aber weil du viele Konsequenzen, die sich aus einer Veröffentlichung ergeben, noch nicht abschätzen kannst. Das können die wenigsten vor ihrer ersten Veröffentlichung, egal wie alt, aber in vieler Hinsicht fängt der Ärger damit erst an. Da ist die Frage von Rezensionen, die weh tun können, und gerade bei jugendlichen Autoren habe ich da schon so oft gesehen, dass es immer nur hieß "Die hat das Buch doch nur verkaufen können, damit der Verlag sie als Wunderkind vermarkten kann, außer jung sein kann die doch nichts" - egal wie gut das Buch in Wirklichkeit sein mag.

Du bist gut, und du wirst noch früh genug ein Teil dieses Haifischbeckens. Ich denke, bei dir spielt im Moment auch das mit rein, was du in der Schule erlebst, und eine Veröffentlichung wäre ein super Boost für das Selbstbewusstsein und etwas, womit du den anderen zeigen kannst, was du drauf hast. Genau das wollte ich in deiner Situation auch, deswegen ziehe ich diesen Rückschluss. Ich bin letztes Jahr nicht auf mein zwanzigjähriges Abitreffen gegangen, weil ich dachte, ich brauche eine richtige Veröffentlichung, ein gedrucktes Buch, um es den anderen unter die Nase zu halten und zu sagen "Dä, ihr habt gelacht, und seht, wo ich jetzt stehe!". Aber ich hatte "nur" zwei Ebooks, und damit war die alte Unsicherheit wieder da und das Gefühl, nicht gut genug zu sein, nicht genug geschafft zu haben.

Sowas trägt man als Autor immer mit sich rum, und das wird man auch nie ganz los. Es ist ein Teil des Ganzen, etwas, ohne das man sich als Autor nicht weiterentwickeln könnte. Nur wenn man sich immer wieder hinterfragt, kann man sich weiterentwickeln und den nächsten Schritt tun auf dem Weg. Ich habe über ein Jahr nichts geschrieben, als ich "Schuld und Sühne" gelesen habe und gedacht, diese Perfektion erreiche ich im Leben nicht, und ein ähnlich niederschmetterndes Erlebnis hatte ich, als ich den ersten Trailer vom ersten Herrn-der-Ringe-Film gesehen habe und gedacht, zu solcher Bildgewalt kann ich niemanden inspirieren, aber trotzdem kam immer irgendwann immer der Moment, wo der Drang zu schreiben wieder da war und diesen Frust überwogen hat.

Das Schreiben ist in uns drin. Es ärgert uns immer wieder, aber es ist da, und es will raus. Schreib, was du willst. Alles andere wär falsch.
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Siara am 17. Januar 2015, 15:29:26
Maja, ich möchte mal eben Danke für deine Worte sagen, insbesondere für die letzten beiden Absätze. Momentan habe ich ja auch ein wenig zu knabbern - weniger an Zweifeln als an mangelnder Inspiration und Ideen - und das hat mich gerade wieder ein bisschen daran erinnert, was ich liebe und dass das Negative dazugehört.
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Lauren Mandrake am 22. Januar 2015, 16:23:52
Ich muss mich auch noch mal kurz auskotzen bei euch :(

Seit November schreibsel ich an meinem Roman herum, war auch voller Elan und habe mir ein Magiesystem ausgearbeitet, plante diesen schönen Hybriden aus Liebesroman und Urban Fantasy. Ich war richtig elektrisch und hab geschrieben, geplottet und Charaktere ausgearbeitet. Aber jetzt ist mir aufgefallen, dass alles zu "kompliziert" ist... bzw für mich zu kompliziert. Ich habe ja Fanfiction geschrieben und da ging es einfach drauflos. Ich hab geschrieben worauf ich Bock hatte und habe denkbar wenig recherchiert oder recherchieren müssen, weil ich als Teenie über Teenie-Probleme geschrieben habe. Jetzt versuche ich mich an etwas, wo ich weiß, was passieren soll, und ich fing an zu recherchieren. Aber jetzt fang ich an zu zweifeln, ob ich nach fast vier Jahren überhaupt noch in der Lage bin, etwas anständiges zu Papier zu bringen oder auch: überhaupt mal was anständiges.

Ich traue mir schlichtweg nicht zu, etwas Gutes zu schreiben, etwas Ausgefeiltes, Spannendes. Etwas, das nicht nur aus Gefühlsduselei besteht. Manchmal sitze ich vor meinen Notizen und würde am liebsten alles wegwerfen, obwohl ich so unheimlich viel Bock auf meine Geschichte habe. "Meine" Charaktere liebe ich jetzt schon so.

Ich hab auch das Gefühl, bisschen alleine damit zu sein. Mein Freund interessiert sich nicht für meine Plots, weder für "Livia's Blood", noch für meinen noch namenlosen Roman über einen Trans*Mann. Und selbst wenn er sich interessierte, er ist kein Schreiberling.

Das ist doch blöd. Die Geschichte überwältigt mich...  :versteck:
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Miezekatzemaus am 22. Januar 2015, 16:37:04
@Lauren:  :knuddel: Natürlich ist Recherche manchmal blöd und langweilig und vor allem kompliziert. Aber halt dir bitte beim Recherchieren immer vor Augen, dass du die Geschichte mit jedem noch so kleinen Fetzen dessen, was dich fast zum Verzweifeln bringt, besser machst.
Wenn du recherchierst, wird sie besser, weil sie realistischer wird.

Ich weiß nicht, ob dieser Ratschlag funktioniert, aber vielleicht hilft er ja: Schreib, was du willst. Du schreibst doch in erster Linie für dich selbst, oder? Und weil du für dich schreibst, kannst du das schreiben, auf das du Lust hast. Das dir Spaß macht! (Und wer weiß, vielleicht merkst du hinterher, wie gut dein Roman ist. Ich bin sicher, das ist er! Und wenn nicht, dann war es immer noch eine Bereicherung für dich selbst und eine sehr gute Erfahrung.)

Hast du deinem Freund schon gesagt, dass es dich freuen würde, wenn er mal ein Stück hineinlesen könnte? Manche Menschen interessieren sich einfach nicht für Bücher und Geschichten oder fürs Lesen. Ist dein Freund so jemand?
Erkläre ihm vielleicht in Ruhe, wie viel dir deine Geschichten bedeuten. Wenn er nicht will, dann wird er sicherlich einen Grund dafür haben.

:knuddel: Lass dich bitte nicht runterziehen. Schreib, was dir Spaß macht!
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: canis lupus niger am 22. Januar 2015, 16:40:29
Man wächst mit seinen Aufgaben. Trau dich und versuch es! Wenn es nicht klappt, kannst Du immer noch hinschmeißen. Aber gib einer Geschichte, die erzählt werden will, unbedingt eine Chance. Und wenn Dein Partner Dir nicht helfen kann (Mein Mann interessiert sich auch nicht für Fantasy und mein Geschreibsel!), dann hast du ja noch uns. Frag, wenn Du Hilfe brauchst! :knuddel:
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Sprotte am 22. Januar 2015, 19:19:56
Ich bin ein Verfechter von "Geschichtenerzählen muß Spaß machen". Wenn Du bislang mit Fan Fiction und dem wilden Drauflosschreiben viel Spaß und Erfolg hattest, könnte tatsächlich der Schwenk auf "Dies ist ein Roman, der muß erwachsen sein, ich muß arbeiten" der Grund für Deine Hemmung und Unlust sein.
Dumm gefragt: Schielst Du damit auf eine Veröffentlichung und versuchst deswegen, besonders schön für Markterwartungen zu schreiben?
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Pandorah am 22. Januar 2015, 21:00:28
Schreib erst mal. Einfach wild drauflos, so wie du es sonst gemacht hast, so wie es dir sonst Spaß macht. :vibes: Der erste Entwurf darf so aussehen, wie er will. Du kannst alles später noch verbessern. Wenn du es aber nicht schreibst, kannst du nicht verbessern.
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Sunflower am 22. Januar 2015, 21:26:05
Ich bin ein Verfechter von "Geschichtenerzählen muß Spaß machen".

Das unterschreibe ich mal. Es gibt unter den Schreiberlingen ja grob eine Zweiteilung - eigentlich sind viele irgendwo dazwischen, aber wie auch immer: Es gibt die Plotter und die Bauchschreiber. Keins ist besser als das andere.
Plotter müssen sich erst einmal hinsetzen und ihre Geschichte ausfeilen, Kapitel und Szenen erstellen, seitenweise Charakterinterviews bearbeiten etc. etc. Ich bin so jemand, ich kann nicht schreiben, wenn ich nicht weiß, wo es hingeht. Ich plotte sogar Kurzgeschichten.
Dann die Bauchschreiber, die sich einfach erst einmal von ihrer Geschichte entführen lassen, ohne zu wissen, wohin die Reise geht. Und im Laufe des Schreibprozesses wird ihnen einiges klar. Bauchschreiber müssen ihre Geschichten von der Handlung her wohl einige Male überarbeiten (hat mir mal eine überzeugte Bauchschreiberin erzählt), weil ihnen z.B. erst am Ende einfällt, dass Charakter XY ja eigentlich der Antagonist ist ... oder so.
Und dann gibt es viele, die ein bisschen plotten und viel auf sich zukommen lassen, welche, die nur Charakterbögen ausfüllen und dann ihren Figuren über die Schultern sehen und mit ihnen die Geschichte erkunden ....

Man muss erst einmal herausfinden, mit welcher Arbeitsweise man sich am wohlsten fühlt. Beim Schreiben gibt es kein Richtig oder Falsch und Spaß ist normalerweise ein Indikator dafür, dass du eine für dich passende Weise gefunden hast. Mit dem strengen Plotten hat es keinen Spaß gemacht. Also ist es nicht deine Arbeitsweise. Jetzt versuch es mal mit dem Bauchschreiben, und wenn du merkst, dir fehlt etwas, kannst du wieder schrittweise auf das Plotten zugehen, bis du irgendwann deinen ganz eigenen Weg gefunden hast. :)
Ach - und ich weiß, dass Werke von Bauchschreibern nicht weniger komplex sind als die von Plottern. Es sind unterschiedliche Arbeitsweisen, aber die eine ist definitiv nicht besser oder anspruchsvoller oder irgendwas als die andere.
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Snöblumma am 22. Januar 2015, 21:32:37
Volle Zustimmung zu dem, was Sunflower sagt. Ich bin ja auch Kategorie Bauchschreiber, und der einzige Roman, den ich geplottet habe bis ins Detail, das ist auch bislang der einzige, den ich grandios gegen die Wand gefahren habe, einfach weil mir zwischendrin das Gefühl für die Figuren abhanden kam. Überarbeiten kann man ja immer noch später, was zählt ist der Spaß an der Sache und mit den Figuren. Ich will, während ich schreibe, gar nicht groß nachdenken, weder über den Plot noch über das Veröffentlichen oder sonst etwas, sondern einfach nur schreiben.

Das ist aber etwas, das jeder für sich rausfinden muss, und da kann es eben einfach mal passieren, dass man etwas gegen die Wand setzt beim ersten Versuch. Dann heißt es einfach nur: schütteln, anderen Plot nehmen, andere Arbeitsweise ausprobieren und an seinen Fehlern wachsen.  :rofl:
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Sprotte am 22. Januar 2015, 21:35:03
@Sunflower Das hast Du so klasse aufgedröselt!  :pompom:
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Lauren Mandrake am 22. Januar 2015, 21:44:06
@Sprotte: Ja, das könnte tatsächlich der Grund sein. Auf eine Veröffentlichung setze ich es gar nicht an, also zumindest nicht in Verlagen. Eher so auf den Portalen wo ich schon seit 10 Jahren aktiv bin. Aber ja, geplantes Schreiben behindert mich stark - ein Grund warum meine Hausarbeiten an der Uni manchmal ziemlich wirr sind und ich trotz guten Argumenten Punkteabzug für "Kraut und Rüben" bekomme.

Ihr seid alle so super, danke  :knuddel: (Ah, wo ist denn der Gruppenumarmungssmiley? D:)

Ich habe heute beim Sport auch viel drüber nachgedacht und dachte: hey, schreib doch, dann isses eben wie deine Fanfictions: unberechenbar! Klar, irgendwann fängt man an, die roten Fäden die man angelegt hat, auch einzusammeln, aber meistens brauche ich so... drei, vier, oder auch zehn Kapitel bis ich dahin komme und manchmal bau ich auf einmal Charas ein, die nicht geplant waren und die ich dann wieder loswerden muss :D

Vielen Dank für euern Zuspruch, jetzt hab ich doch grade wieder Lust das Dokument zumindest mal wieder anzuschauen (was ich seit Dezember nicht mehr getan habe, weil "AAAAH!).

(insert the Gruppenkuschel-Smiley here, ich brauche den echt dringend in meinem Inventar!)

 :knuddel: :knuddel: :knuddel: :knuddel:

Dumme Lauren, macht sich selber runter für unnötige Sorgen.  :pfanne:
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Snöblumma am 22. Januar 2015, 21:49:45
manchmal bau ich auf einmal Charas ein, die nicht geplant waren und die ich dann wieder loswerden muss :D

Oder du schreibst einfach einen neuen Roman mit diesem Chara in der Hauptrolle und hast auf einmal eine Trilogie.   :rofl: So geht es mir jedenfalls regelmäßig...
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Valkyrie Tina am 22. Januar 2015, 21:51:27
Lauren, ich muss sagen, ich les deinen Beitrag, und denk nur immer wieder: joooo, normal!  :)

Du hast eine Superidee, fängst an, sie zu entwickeln, hast tausend weitere Ideen, alles spurdelt, ist neu und aufregend: normal!
Dann fängst du an zu schreiben, am Anfang geht es super, aber dann, nach einigen tausend Wörtern, kommst du zu einem Halt: normal!
Entweder fehlt dir gerade das technische Know How, wie weiterzumachen ist,
oder dir ist aufgefallen, dass die Version auf deinem Bildschirm so ganz anders ist wie das was du dir erträumt hast: Beides, leider, sowas von normal.  (Sogar der Meister Hemingway meinte: die erste Version von jedem Manuskript ist Scheiße)
Und dann kommen die Zweifel: solltest du dich überhaupt an sowas versuchen? Nicht besser was anderes, oder es ganz sein lassen. ich lass mal jemand anderes "normal sagen: http://nanowrimo.org/pep-talks/neil-gaiman (http://nanowrimo.org/pep-talks/neil-gaiman)
Und du hast das Gefühl, niemand versteht dich, und kann deine Probleme nachvollziehen. Leider ist auch das- du errätst es: normal.
Die gute Nachricht ist, dass es zu jedem dieser Punkte Lösungen gibt. Ich weiß jetzt nicht, an welcher Stelle deines Romans du bist. Hast du schon einen ersten Entwurf fertig? Wo genau liegen die Probleme?
Mein Tip wäre, erst mal eine Nacht drüber zu schlafen (Probleme schrumpfen über Nacht) und dann das ganze noch mal logisch und planmäßig anzugehen. Vielleicht magst du auch einen Thread bei "mein Roman" eröffnen. Dann kannst du uns die ganzen Probleme vorstellen und wir überlegen zusammen, was geht.
Du schaffst das. Wir sind da!  :knuddel:



Ich muss mich auch noch mal kurz auskotzen bei euch :(

Seit November schreibsel ich an meinem Roman herum, war auch voller Elan und habe mir ein Magiesystem ausgearbeitet, plante diesen schönen Hybriden aus Liebesroman und Urban Fantasy. Ich war richtig elektrisch und hab geschrieben, geplottet und Charaktere ausgearbeitet. Aber jetzt ist mir aufgefallen, dass alles zu "kompliziert" ist... bzw für mich zu kompliziert. Ich habe ja Fanfiction geschrieben und da ging es einfach drauflos. Ich hab geschrieben worauf ich Bock hatte und habe denkbar wenig recherchiert oder recherchieren müssen, weil ich als Teenie über Teenie-Probleme geschrieben habe. Jetzt versuche ich mich an etwas, wo ich weiß, was passieren soll, und ich fing an zu recherchieren. Aber jetzt fang ich an zu zweifeln, ob ich nach fast vier Jahren überhaupt noch in der Lage bin, etwas anständiges zu Papier zu bringen oder auch: überhaupt mal was anständiges.

Ich traue mir schlichtweg nicht zu, etwas Gutes zu schreiben, etwas Ausgefeiltes, Spannendes. Etwas, das nicht nur aus Gefühlsduselei besteht. Manchmal sitze ich vor meinen Notizen und würde am liebsten alles wegwerfen, obwohl ich so unheimlich viel Bock auf meine Geschichte habe. "Meine" Charaktere liebe ich jetzt schon so.

Ich hab auch das Gefühl, bisschen alleine damit zu sein. Mein Freund interessiert sich nicht für meine Plots, weder für "Livia's Blood", noch für meinen noch namenlosen Roman über einen Trans*Mann. Und selbst wenn er sich interessierte, er ist kein Schreiberling.

Das ist doch blöd. Die Geschichte überwältigt mich...  :versteck:
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Lauren Mandrake am 22. Januar 2015, 21:57:54
Liebe Valkyrie,

also im Moment bin ich noch bei der mickrigen Seite 25 und bisher ist gerade mal die Prota aufgetaucht. Ich stocke hauptsächlich daran, soviel Informationen wie ich mir schon zur den Chars überlegt habe, in bisher noch einen ungewissen Plot zu packen. Und ich befürchte einen derben Logikfehler im Magiesystem, aber ich komm nicht drauf. Ich kann noch keinen Beitrag in "Mein Roman" freischalten, dafür muss ich noch ein paar Beiträge verfassen *g* Aber da ich ja nicht rumspammen will, dauert's eben so lange wie es dauert. Vielleicht hab ich bis dahin auch die Ruhe wieder weg oder meinen Fehler gefunden, bzw. den Plot weitergeführt.
Aber da hier ja nicht die Roman-Section ist, plapper ich mal nicht zu viel rum, sonst wird's offtopic :)

Wenn dieses Gefühl allzu normal ist, sollte ich mich dran gewöhnen und versuchen, nicht immer gleich den Stift fallen zu lassen. Sondern ich reagier mich ab, denk noch mal genau drüber nach und dann geht's weiter!

/edit: ich kann doch ein Thema erstellen! Jetzt muss ich nur noch wissen ob's Sinn macht, in so einem mickrigen Stadium schon was einzustellen! :D
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Entropy am 22. Januar 2015, 22:09:29
@Lauren Mandrake: Ich finde es gut, dass du einen neuen Anfang wagen willst. Wenn du deine Charaktere liebst, dann würde ich an deiner Stelle die Geschichte einfach schreiben. Recherche ist in dieser Hinsicht eher nebensächlich, Logikfehler kannst du im Nachhinein immer noch ausbessern. Ich denke, man merkt, ob der Autor eines Buches mit seinen Charakteren im Einklang stand. Dann werden die Gefühle viel authentischer und belebter vermittelt, es entwickelt sich eine größere Nähe zu den Charakteren.

Ich habe zur Zeit ein anderes Problem, was das Schreiben betrifft. Ich kann mich nicht entscheiden, was ich zuerst schreiben soll und welcher Plot besser noch ein bisschen ruhen sollte, damit er ausgereifter wird. Nach meinen enttäuschenden Erfahrungen mit dem Bauchschreiben habe ich Angst meine Projekte unrettbar gegen die Wand zu fahren. Ich habe mir eigentlich vorgenommen mein Herzensprojekt vorerst ruhen zu lassen, weil ich mir noch nicht reif genug vorkomme, um es zu schreiben. Trotzdem ist es das Einzige, worauf ich mich im Moment ausreichend konzentrieren kann, wo ich mir sicher bin, nicht kompletten Müll zu schreiben. Bei den restlichen Projekten bin ich mir schrecklich unsicher, was Plot und Protagonisten betrifft. Jetzt kann ich jedenfalls überhaupt nicht mehr schreiben. Ich komme einfach nicht weiter, denn alles landet unmittelbar im Papierkorb. Charaktere, Plots, Ideen und Kapitelanfänge werden wöchentlich verschrottet und langsam habe ich keine Lust mehr auf den anwachsenden Stapel an Ideen, die mir zwar gefallen, aber bei denen ich nicht weiß, wie ich sie umsetzen kann. Ich komme mir gerade überhaupt nicht wie die Möchtegern-Autorin vor, die ich gerne sein würde, sondern wie eine Ideenschleuder, die längere Texte darüber schreibt, wie sehr sie das Schreiben nicht hinkriegt, anstatt wirklich etwas zu schreiben.  ::)
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Sprotte am 22. Januar 2015, 22:20:15
Dieser Wunsch nach Reife vor dem Schreiben ... Ich kenne das nicht, ehrlich.
Entweder die Geschichte ist reif zum Schreiben, oder sie ist es nicht. Mein Lieblingsspruch: Nur was geschrieben ist, kann überarbeitet werden.

Wie willst Du Dich schreiberisch weiterentwickeln, wenn Du nicht schreibst, Herausforderungen meidest, nicht wachsen willst, weil Du "noch nicht reif" bist?

Meinen ersten Roman habe ich - aus dem Bauch, angefüllt mit Enthusiasmus aber ohne die geringste Ahnung, worauf ich mich einlasse - mit 16 - 19 geschrieben. Ich habe unglaublich viel gelernt. Und den Roman 20 Jahre später neu geschrieben, weil die Teenagerversion einfach nur zum Weglaufen war. Aber ich hab das Ding geschrieben, ohne an so etwas wie Reife auch nur zu denken. Ich beherberge viele Schubladenromane, aber auch das ist okay. Weil die Lust am Geschichtenerzählen ungebrochen in mir pulsiert.

Macht Euch nicht klein, bevor ihr es nicht versucht habt. Ja, klar, man kann alles gegen die Wand fahren. Auch die Erfahrung habe ich gemacht. Einen Roman habe ich nur mit energischer Betahilfe retten können, einen anderen habe ich ins Asyl zu guten Freunden geschafft und dann von meiner Festplatte gelöscht. Aber ich habe es versucht.
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Alana am 22. Januar 2015, 22:21:36
@Lauren: Wenn mich die Komplexität einer Geschichte überwätligt, dann gehe ich immer zu den Figuren zurück. Ich überlege mir genau, wie ihre Charakterentwicklung verlaufen soll, auch für die Nebenfiguren. Das hilft mir meist schon, mehr Struktur reinzubringen und klarer zu sehen. Dann überlege ich, an was für Szenen ich die Entwicklung gut zeigen könnte. Die Infos, die ich mir ausgedacht habe, dienen dann meist im Hintergrund zum Ausschmücken oder als Werkzeuge, um etwas zu zeigen. Jeder macht das natürlich anders, aber mir hilft diese Methode sehr gut. :)

Du bekommst das hin, Lauren.  :knuddel:
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Entropy am 22. Januar 2015, 22:32:00
Bisher habe ich auch nie wirklich über Reife nachgedacht. Ich habe einfach geschrieben, was ich gerade schreiben wollte. Letzlich habe ich allerdings jemandem von meinem Projekt erzählt und er meinte, dass es sich um ziemlich ernste Themen drehen würde und dass ich davon doch noch gar nichts verstehe. Da bin ich ins Grübeln gekommen. Und seitdem lässt mir der Gedanken keine Ruhe mehr.

Vielleicht stimmt es wirklich. Ich meide Herausforderungen beim Schreiben, weil ich Angst habe mich selbst zu enttäuschen und deswegen werde ich niemals weiterkommen. Ich versuche es andauernd, aber am Ende lerne ich nichts und dann gebe ich auf. Erbärmlich.
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Lauren Mandrake am 22. Januar 2015, 22:36:46
@Entropy: Dann sitzen wir ja grade auch etwas im selben Boot.
Nun ja, ernste Themen... da muss man einfach mit Fingerspitzengefühl angeht und wovon du keine Ahnung hast, dann lies dir Wissen an. Einfach pauschal sagen, "Das kannst du nicht, das ist ernst", das ist ja auch irgendwie nicht so die feine englische Art :/



Zu meiner Erleichterung hab ich grade zwei Seiten geschrieben und ich komm wieder rein.

Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Malinche am 22. Januar 2015, 22:39:14
@Entropy: Ich kenne zwar das Gefühl, dass man sich noch nicht reif genug für eine Geschichte fühlt, und ich denke, es hat manchmal durchaus seine Berechtigung. Ich habe selbst vor Jahren mal eine Projektidee gehabt, die ich damals nicht umgesetzt habe (bis heute nicht), weil ich wusste, ich konnte dem Thema in jenem Moment nicht gerecht werden, ich muss dafür sowohl eine Menge recherchieren als auch handwerklich wachsen. In dem Fall war das auch die richtige Entscheidung, es muss nicht immer so sein. Aber es sollte auf jeden Fall aus einem selbst heraus kommen und nicht von anderen an einen herangetragen werden, wie es in deinem Fall klingt, Entropy.

Dein Herzensprojekt scheint jedenfalls nach dir zu rufen, und dann würde ich mich nicht von anderen verunsichern lassen. Lass dich nicht einschüchtern, auch nicht von deinen eigenen Zweifeln. Versuch es einfach. Wenn du merkst, dass du dich in eine Sackgasse geschrieben hast, kannst du noch immer abbrechen. Wenn du merkst, dass bestimmte Szenen und Entwicklungen einfach noch mehr Zeit brauchen, kannst du noch immer eine Pause machen. (Ich habe auch schon öfter den Fehler gemacht, dass ich Geschichten zu früh begonnen habe - da waren sie noch nicht reif genug.) Aber dafür musst du erst einmal anfangen.

Ich habe vor ein paar Monaten mit einem historischen Projekt begonnen, das gerade ruht, das ich aber sehr liebe, obwohl es unglaublich viel Recherche bedeutet. Und eine Zeitlang habe ich mir auch gesagt, ich sollte besser nicht anfangen, weil ich noch so viel dafür herausfinden muss. Aber dann hat es mir so in den Fingern gejuckt, dass ich es einfach getan habe, und letztlich habe ich bislang vor jedem Kapitel den gleichen Prozess durchlaufen - Zweifel, ob ich es schon kann, unbändiges Verlangen, es einfach zu versuchen, und dann doch das Schreiben. Das hatte für mich den Vorteil, dass ich im Schreibprozess fokussiert gesehen habe, wo ich innehalten und recherchieren muss, anstatt mich ganz unbestimmt in Recherchebergen zu vergraben. Es ist in deinem Fall sicher noch mal anders, weil es ja keine Frage der Recherche zu sein scheint, aber ich will auch nur darauf hinaus, dass man ein Projekt auch stückchenweise wachsen lassen kann - um stückchenweise selbst daran zu wachsen. Trau dich. :)
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Sunflower am 22. Januar 2015, 22:45:08
Vielleicht stimmt es wirklich. Ich meide Herausforderungen beim Schreiben, weil ich Angst habe mich selbst zu enttäuschen und deswegen werde ich niemals weiterkommen. Ich versuche es andauernd, aber am Ende lerne ich nichts und dann gebe ich auf. Erbärmlich.

:knuddel: Schreib, was du willst. Ich finde das soooo wichtig! Denk nicht darüber nach, wie kompliziert jetzt dieses oder jenes Projekt sein könnte, sondern geh es an. Versuch es einfach. Fahre es gegen die Wand. Nochmal. Und nochmal. Und irgendwann wirst du schon herausfinden, wo es hängt, oder wie du es noch besser machen kannst.

Und du lernst mit jedem Wort, das du schreibst. Nenne es nicht erbärmlich. Weißt du, als ich mit 16 in den TiZi gekommen bin, habe ich auch kurz danach den Nano mitgeschrieben, das erste längere Projekt. Dann habe ich es liegen gelassen, weil ich ein schrecklicher Überarbeitungsmuffel bin. Mit 18, letztes Jahr, habe ich mir das Projekt wieder angeschaut und weil ich da eben schon weiter war im Schreiben als mit 16, habe ich die ganzen Anfängerfehler gesehen. Das Projekt neu geschrieben. Und liegen gelassen.
Jetzt bin ich 19, in ein paar Monaten 20, und sehe mir das Projekt wieder an. Wenigstens ist es so weit, dass ich es überarbeiten kann. Aber ich muss vieles neu schreiben, teilweise habe ich haarsträubende Fehler gemacht und auch der Plot ist ... puuuh. Verbesserungswürdig. Das sehe ich jetzt und wenn ich mir in zwei Jahren die Version ansehen werde, die ich in den nächsten Monaten erstellen werde, dann werde ich vermutlich wieder die Hände über den Kopf zusammenschlagen.
Und das ist gut so. Ich merke, ich lerne. Jedes Jahr, selbst in den paar Monaten zwischen August 2014 und Januar 2015 kann ich wieder Veränderungen, Verbesserungen an meiner Schreibe feststellen.

Aber man lernt nur, wenn man auch schreibt. Erst einmal ist es völlig egal, was eigentlich, Hauptsache, man schreibt. Schreiben ist, abgesehen vom Lesen, wahrscheinlich das einzige, durch das man wirklich Schreiben lernen kann. Trau dich und schreib. Und warum nicht dein Herzensprojekt? Es macht dir Spaß und man wächst ja bekanntlich mit seinen Herausforderungen.
Was die Reife angeht, die kommt schon noch. Schreib die Geschichten, die du erzählen willst - ich verweise da mal auf meine Signatur, Mr. Gaiman drückt das unendlich viel besser aus als ich es kann. Und ja, ich habe das in meiner Signatur stehen, um mich selbst immer wieder daran zu erinnern. Ich habe nur einmal versucht, ein Projekt zu schreiben, das kein Herzensprojekt war und es nach 100 NS gegen die Wand gefahren.
Seitdem schreibe ich nur noch die Projekte, in die ich mich mit Herz und Seele verliebt habe.

Also: Trau dich!

Und @Tina, danke für den Link. Ich finde, Neil Gaiman sagt immer wieder ganz tolle Sachen über das Schreiben. Und sein Peptalk hat mir wirklich gut getan, denn wenn selbst ein solches Genie überwältigende Selbstzweifel hat ... Naja, es gehört wohl dazu. Wie er schreibt.

Edit: Ähnelt teilweise dem Post von Malinche.
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Entropy am 22. Januar 2015, 23:41:35
Dein Herzensprojekt scheint jedenfalls nach dir zu rufen, und dann würde ich mich nicht von anderen verunsichern lassen. Lass dich nicht einschüchtern, auch nicht von deinen eigenen Zweifeln. Versuch es einfach. Wenn du merkst, dass du dich in eine Sackgasse geschrieben hast, kannst du noch immer abbrechen. Wenn du merkst, dass bestimmte Szenen und Entwicklungen einfach noch mehr Zeit brauchen, kannst du noch immer eine Pause machen.

Danke für deinen Zuspruch, Malinche! :) Ich werde versuchen meine Unsicherheit endlich über Bord zu werfen. Es brennt mir auf der Seele diese Geschichte zu schreiben und ich denke mittlerweile, ich sollte nicht mehr warten. Der Plot ist reif, ich habe mich noch bei keinem anderen Projekt den Charakteren so nahe gefühlt und der Anfang steht bereits. Ich liebe diese Idee und deswegen hatte ich das Bedürfnis, ich müsste das Beste aus mir herausholen. Daher habe ich überlegt, zuerst an einigen anderen Werken zu schreiben und Erfahrungen zu sammeln. Nach einigen Nachdenken habe ich nun beschlossen, mich wirklich zu trauen. Das Problem mit der Recherche kenne ich, aber in diesem Fall handelte es sich wirklich um die Themen an sich.

Aber man lernt nur, wenn man auch schreibt. Erst einmal ist es völlig egal, was eigentlich, Hauptsache, man schreibt. Schreiben ist, abgesehen vom Lesen, wahrscheinlich das einzige, durch das man wirklich Schreiben lernen kann. Trau dich und schreib. Und warum nicht dein Herzensprojekt? Es macht dir Spaß und man wächst ja bekanntlich mit seinen Herausforderungen.

Ich weiß. Deswegen habe ich in den letzten Tagen auch massenweise gelesen, wenn ich schon nichts geschrieben habe. ;D Aber du hast natürlich recht, was die Herausforderungen betrifft. Der Plot hatte mich im Dezember allerdings so gefordert, dass ich fast verzweifelt bin. Das lag vermutlich daran, dass ich damals noch kontinuierlich geschrieben habe. Bei dem Wollen kann ich dir auch nur zustimmen. Wenn ich nicht vollkommen überzeugt von der Geschichte bin, dann kann ich sie nicht erzählen. Ich kenne zwar Neil Gaiman nicht - Ist das irgendwie eine Bildungslücke? - aber das Zitat ist wirklich schön und motivierend. :)
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Sunflower am 23. Januar 2015, 10:04:22
Ich weiß. Deswegen habe ich in den letzten Tagen auch massenweise gelesen, wenn ich schon nichts geschrieben habe. ;D Aber du hast natürlich recht, was die Herausforderungen betrifft. Der Plot hatte mich im Dezember allerdings so gefordert, dass ich fast verzweifelt bin. Das lag vermutlich daran, dass ich damals noch kontinuierlich geschrieben habe. Bei dem Wollen kann ich dir auch nur zustimmen. Wenn ich nicht vollkommen überzeugt von der Geschichte bin, dann kann ich sie nicht erzählen. Ich kenne zwar Neil Gaiman nicht - Ist das irgendwie eine Bildungslücke? - aber das Zitat ist wirklich schön und motivierend. :)

Ich habe bei jedem Projekt aufs Neue das Gefühl, dass ich dem Plot nicht gerecht werde. Aber hey, dafür gibt es die Überarbeitung. Nur muss man erst einmal was geschrieben haben, um es auch zu überarbeiten ;)
Neil Gaiman kannte ich bis letzten Sommer auch noch nicht, habe immer nur davon gehört, wie toll er schreibt und wie wunderbar seine Geschichten sind ... Dann habe ich mir "The Ocean at the End of the Lane" von ihm gekauft und seitdem ist er sowas wie mein großes Vorbild  :engel: Er hat einen sehr besonderen Schreibstil und eine ganz eigene Art, seine Geschichten zu erzählen. Meiner Meinung nach ist er wirklich einer der besten da draußen, aber es gibt auch einige Menschen, die nichts mit ihm anfangen können. Ist wohl so einer, den man entweder liebt oder ihn gar nicht mag. Aber sein "Neverwhere" ist mein Lieblingsbuch geworden und ich glaube, ich hatte kein Lieblingsbuch mehr seit der vierten Klasse oder so.
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Sipres am 29. Januar 2015, 00:20:40
Wenn der Zweifel mal bei mir klopft, dann wegen meines Schreibstils. Mit meinen Plots und Chars bin ich immer zufrieden. Ich habe immer nur Angst, dass die Leute es langweilig finden, weil ich beschissen schreibe. Bis heute habe ich keine Möglichkeit gefunden, irgendwas dagegen zu machen. Bei Freunden und Verwandten glaube ich die Nettigkeiten nicht immer zu hundert Prozent. Ich hab immer das Gefühl, dass sie mir nur sagen, ich sei gut, weil sie mich nicht verletzen wollen.

Wenn einer von euch einen Rat hätte, wie ich das wegbekomme, wäre ich echt dankbar.
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Blackhat am 29. Januar 2015, 08:28:46
Hier scheint mir ein grundlegendes Problem vorzuliegen, daher schau mal hier nach:

"Wie man einen verdammt guten Roman schreibt 2"
James N Frey

und

"Spannend schreiben: Krimi, Mord- und Schauergeschichten"
 Christian Schärf

Man kann ja von "Ratgebern" halten was man will, hier drin werden aber ein paar sehr nützliche Werkzeuge beschrieben, um Spannung zu erzeugen.
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Thaliope am 29. Januar 2015, 08:35:02
Vielleicht brauchst du mal Feedback von anderen Autoren? Wenn du eine Weile hier bist, kannst du dir im Betaleser-Board jemanden suchen, der dir knallhart (oder auch ganz sanft) die Meinung zu deinem Text sagt. (Wobei auch das natürlich immer nur Meinungen sind und selten die ultimative Wahrheit).
Hat mir sehr geholfen :)

LG
Thali
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: HauntingWitch am 29. Januar 2015, 08:43:22
Das ist natürlich schwierig, weil sich die Frage stellt, ob dein Schreibstil wirklich so schlecht ist oder ob du das lediglich so empfindest. Da stimme ich Thaliope zu.

Vielleicht würde es dir auch helfen, den Autoren, die du magst, abzugucken. Schau dir an, welche Satzstellungen sie verwenden, welche Stilmittel, wann, usw. Natürlich bist du nicht diese Leute und wirst deshalb nie genau gleich schreiben. Aber du kannst Techniken übernehmen, die dir besonders gefallen. Dadurch fühlen sich auch die eigenen Sachen mit der Zeit besser an. Es geht natürlich nicht von einem Tag auf den anderen und das neu gelernte muss sich unter all deinen bisherigen Gewohnheiten einen Platz suchen, aber mit etwas Übung und viel, viel Reflektion geht es.
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Sipres am 29. Januar 2015, 10:48:45
Ich hab schon Ratgeber gelesen. Die haben mir auch geholfen, aber na ja... Zweifel sind halt so eine Sache. Abgeguckt hab ich auch schon, hab auch ein wenig von anderen übernommen, um es individuell zu verändern und meinen Stil daraus zu machen. Und genau da komme ich zu halt zu dem Punkt: Ist dieser Stil gut?

Ich denke, sobald ich die Möglichkeit habe, werde ich das Betaleser-Board nutzen. Ich hoffe, es nimmt mir meine Unsicherheiten.

Edit: Hab vergessen zu erwähnen, dass meine Zweifel immer phasenweise komme. Es gibt Tage, da bin ich voll überzeugt und wenn ich es dann noch mal lese, will ich am liebsten alles Löschen. So hab ich mal über hundertfünfzig Seiten verloren, weil ich einfach nicht zufrieden war.
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Klecks am 29. Januar 2015, 12:40:31
Hab vergessen zu erwähnen, dass meine Zweifel immer phasenweise komme.

So geht es mir auch, Sipres. Das sind bei mir dann richtig deprimierende, schlimme Phasen, in denen ich mich kaum aufraffen kann, mehr als ein paar Worte zu tippen, weil ich denke, ich bin sowieso unfähig. Aber irgendwann läuft es dann wieder, und meistens folgen auf meine grässlichsten Phasen der Selbstzweifel auch meine besten Texte. Ich würde trotzdem gern auf diese Phasen verzichten.  :omn:

Hundertfünfzig Seiten sind viel, das tut mir leid.  :knuddel:  Du hast sie doch hoffentlich nicht gelöscht, sondern irgendwo abgespeichert, oder? Vielleicht brauchst du sie eines Tages nochmal. Ich habe mal ein Projekt dreimal fast an die Wand gefahren, aber die rund 300 Normseiten, die ich davon geschrieben habe, behalte ich trotzdem.  :D
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Sipres am 29. Januar 2015, 12:45:50
Du hast sie doch hoffentlich nicht gelöscht, sondern irgendwo abgespeichert, oder?

Ich verfluche meine "Ganz oder gar nicht"-Mentalität. Sie sind weg, verschwunden im dreckigen Limbus des Selbsthasses. Ja, ich weiß. Ich bin bescheuert...
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Klecks am 29. Januar 2015, 12:56:24
Ich verfluche meine "Ganz oder gar nicht"-Mentalität. Sie sind weg, verschwunden im dreckigen Limbus des Selbsthasses. Ja, ich weiß. Ich bin bescheuert...

Ich denke, jeder hat sein eigenes "richtig" und "falsch", mit sowas umzugehen, und würde das vielleicht als eine Art der Befreiung sehen, aber du wirkst, als bereust du es. Deshalb: Tut mir leid.  :knuddel:  Jetzt weißt du ja, dass es dir nicht gut damit gehen würde, das nochmal zu machen.
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Sipres am 29. Januar 2015, 13:00:05
Deshalb: Tut mir leid.  :knuddel:

Danke. Das hab ich jetzt echt gebraucht. Ich komme mir geborgen und verstanden vor. Richtig ungewohnt, so etwas in einem Forum zu erleben.
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Klecks am 29. Januar 2015, 13:04:14
Och, du bist ja süß! Nichts zu danken.  :knuddel: 
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: HauntingWitch am 29. Januar 2015, 13:11:46
Ich hab schon Ratgeber gelesen. Die haben mir auch geholfen, aber na ja... Zweifel sind halt so eine Sache. Abgeguckt hab ich auch schon, hab auch ein wenig von anderen übernommen, um es individuell zu verändern und meinen Stil daraus zu machen. Und genau da komme ich zu halt zu dem Punkt: Ist dieser Stil gut?

Wie definierst du denn "gut"? Was gut ist und was nicht, ist ja für jeden etwas anderes. Es gibt Dinge, die ich als objektiv schlecht betrachten würde, insofern, dass sie nicht viel mit Geschmack zu tun haben. Z.B. eklatante Grammatikfehler oder die falsche Verwendung eines bestimmten Wortes in einem Zusammenhang, in den es nicht gehört. Dinge, für die es feste Regeln gibt und die dir jeder Deutschlehrer wohl anstreichen würde, weil z.B. der Duden etwas anderes sagt. Alles andere, alle anderen Regeln - damit meine ich jetzt Dinge wie, schreibe ich Bandwurmsätze oder lieber einfache, mag ich Wortwiederholungen als Stilmittel oder nicht - sind Geschmackssache.

Ich kenne dich nicht, aber vielleicht hast du auch einfach sehr hohe Ansprüche an dich selbst.  :knuddel: Sagt jetzt die, die das Problem auch immer wieder hat... In diesem Fall hilft glaube ich nur, das eigene Selbstvertrauen zu stärken und zu akzeptieren, dass man gewissen (eigenen) Ansprüchen einfach (noch) nicht genügen kann. Z.B. mangels Erfahrung oder Übung.  :knuddel:
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Alana am 29. Januar 2015, 13:19:47
Sipres, mir geht es genauso. Mal bin ich zufrieden, dann wieder lese ich mein Zeug und finde es unterirdisch. Wenn ich Lob bekomme, freue ich mich 10 Minuten und dann denke ich, dass derjenige mir nur nicht sagen wollte, wie übel es ist. (Gerade erst mit meinem aktuellen Manuskript passiert. :P ) Ich weiß im Prinzip, dass es nicht so ist, aber trotzdem kommt es immer wieder vor, dass mich die Selbstzweifel zerfressen. Es freut mich jedenfalls sehr, dass du dich hier getröstet fühlst, das ist toll.  :knuddel:
Tatsächlich ist Stil sehr viel Geschmacksache und ein wenig sicherer fühlt man sich erst, wenn einem einige Leute, die man nicht richtig kennt, gesagt haben, dass man unterhaltsam /gut / spannend etc. schreibt. Deswegen ist auch mein Rat: such dir Leser. Kritik ist nicht immer schön, aber sie hilft und sie hilft auch, das Gute zu sehen, das man schon erreicht hat.
Ansonsten empfehle ich dir noch "The Work" von Byron Katie, denn sich selbst anzuzweifeln ist leider eine Autorenkrankheit und ich persönlich kann mit "The Work" ein bisschen ausbrechen, wenn es wieder ganz schlimm wird.
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Churke am 29. Januar 2015, 13:21:15
Ich verfluche meine "Ganz oder gar nicht"-Mentalität. Sie sind weg, verschwunden im dreckigen Limbus des Selbsthasses. Ja, ich weiß. Ich bin bescheuert...

Nicht unbedingt.
Ich lösche längere Passagen nie im Text, sondern schiebe sie ans Ende des Dokuments. Zur ggf. weiteren Verwendung.
In der Praxis habe ich so eine Passage noch nie gebraucht. Wenn das Manuskript fertig ist, wird hinten eifnach gelöscht.
Wenn du 150 Seiten also vorher gelöscht hast, war das wahrscheinlich eher ein psychologischer Verlust als ein tatsächlicher.
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Sipres am 29. Januar 2015, 13:24:31
Wie definierst du denn "gut"?

Das ist natürlich schwer zu sagen. Gut ist, denke ich, was der Masse gefällt. Als Autor ist man ja nicht bestrebt, einigen wenigen zu gefallen, sondern vielen. Ich denke, ich bin nicht der einzige hier, der damit seinen Lebensunterhalt verdienen möchte.

Ich kenne dich nicht, aber vielleicht hast du auch einfach sehr hohe Ansprüche an dich selbst.

Das ist durchaus möglich. Ich bin eigentlich recht anspruchslos, was mich betrifft. Ich erwarte in keinem Lebensbereich allzu viel von mir, weil das, was ich leiste, ausreicht, um ein schönes Leben zu haben. Beim Schreiben aber ist das ganz anders. Da will ich immer alles geben, was ich kann. Und immer wieder hab ich das Gefühl, das nicht zu schaffen.

Sagt jetzt die, die das Problem auch immer wieder hat...

Ich fühle mit dir :knuddel:

Edit: Wo ich grad mal dabei bin, mich über mich selbst zu beschweren: Selbst bei den Sachen, die nie jemand anderes lesen wird als ich (zum Beispiel, die Informationen zu meinem Buch, die ich mir aufschreibe, um nicht ständig hin- und herblättern zu müssen) plagen mich Zweifel, ob ich alles gut geschrieben habe. Dabei ist dort total egal. Es sind nur Klatten und Infotexte, die lediglich als Merkzettel dienen.
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: HauntingWitch am 29. Januar 2015, 13:41:50
Das ist natürlich schwer zu sagen. Gut ist, denke ich, was der Masse gefällt. Als Autor ist man ja nicht bestrebt, einigen wenigen zu gefallen, sondern vielen. Ich denke, ich bin nicht der einzige hier, der damit seinen Lebensunterhalt verdienen möchte.

Das ist doch schon mal ein Ansatz. Ich kann dir jetzt keinen direkten Tipp geben, weil ich nur wenige Ratgeber lese, aber es gibt Bücher, die sich damit befassen, warum gewisse Werke Erfolg haben. Du kannst dich ja auch selbst ein bisschen umsehen... Was haben die meisten erfolgreichen Bücher und Filme gemeinsam, was ist es, was die Fans daran so toll finden. Gerade für diese letzte Frage eignen sich Leser-/Fanforen ganz gut, finde ich.

Ich persönlich finde übrigens nicht, dass gut ist, was der Masse gefällt. Das kann so sein, muss aber nicht. Es gibt ganz viele tolle Sachen, die nur eine kleine, dafür aber umso treuere Fangemeinde haben. Und es gibt Sachen, die die Masse erreichen und trotzdem gut sind (ich war früher einmal der Meinung, die Masse sei tendenziell dumm und das Meiste, was der Masse gefällt, daher nicht gut, aber das hat sich in letzter Zeit geändert). Ja, ich glaube, Meinungen von aussen einholen ist da wirklich ein gutes Stichwort.

Ich lösche längere Passagen nie im Text, sondern schiebe sie ans Ende des Dokuments. Zur ggf. weiteren Verwendung.
In der Praxis habe ich so eine Passage noch nie gebraucht. Wenn das Manuskript fertig ist, wird hinten eifnach gelöscht.
Wenn du 150 Seiten also vorher gelöscht hast, war das wahrscheinlich eher ein psychologischer Verlust als ein tatsächlicher.

Das sind bei mir zwar separate Dokumente, aber da geht es mir genau gleich. Ganz ganz selten kann ich irgendetwas von diesen grossen Sammlungen tatsächlich noch einmal gebrauchen. Es ist natürlich schade, dass deine 150 Seiten weg sind, aber das Positive daran ist, dass du den Kopf so frei für Neues bekommst. Und das wird dann auch zwangsläufig besser, weil du ja mehr Übung hast.  ;D

@Alana: Du hast immer diese guten Tipps.  :knuddel:  ;D
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Alana am 29. Januar 2015, 13:58:56
@Witch:  :knuddel:

Ich glaube auch, es ist sehr schwer, über die Masse weiterzukommen. Wie will man wissen, was der Masse gefällt? An den Verkaufszahlen kann man das sicher nicht fest machen. Es gibt genug wunderbare Bücher, die sich schlecht verkaufen, weil niemand sie bemerkt. Es gibt auch genug Bestseller, die unterirdisch geschrieben sind, aber eben trotzdem etwas in der Masse ansprechen und deshalb gut laufen. Ich würde mir ein paar Leser suchen und zusätzlich versuchen, den eigenen Blick zu schulen und auch zu gucken, was dir gefällt. Ich mag gerne einen sehr schlichten Schreibstil, der Gefühle transportiert und sich schnell wegliest. Andere mögen es lieber blumig und verschlungen, mit poetischen oder philosophischen Aussagen. Alles hat seine Daseinsberechtigung.
Wenn man den schlichten Stil mag, dann hilft es enorm, einmal einen Roman nach dem Schema von Andreas Eschbach (http://www.andreaseschbach.de/schreiben/10punkte/10punkte.html) durchzuarbeiten, da bekommt man ein gutes Auge dafür. (Keine Umwege bitte, alles genauso machen, wie er es sagt! ;) ) Und ganz wichtig: Viel für andere lesen. Das schult enorm die Fähigkeit, auch die eigene Arbeit besser einzuschätzen. (Bis dann die Zweifel wiederkommen. :P )
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Valkyrie Tina am 29. Januar 2015, 14:49:02
Das ist natürlich schwer zu sagen. Gut ist, denke ich, was der Masse gefällt. Als Autor ist man ja nicht bestrebt, einigen wenigen zu gefallen, sondern vielen. Ich denke, ich bin nicht der einzige hier, der damit seinen Lebensunterhalt verdienen möchte.

Ich denke, das sind zwei verschiedene Sachen. Gutes Schreiben, also flüssiges, gut lesbares Schreiben, ist eine Sache des Handwerks. Was Leuten gefällt, hat eher was mit dem Inhalt, Plot Charakter oder so zu tun. Und "schlechtes schreiben" also handwerklich schlechtes Schreiben wird von den Leuten eher toleriert, aber ich hab noch nie jemanden gehört, der gesagt hat "also, ich mag ja diese vielen Wortwiederholungen des Autors, und diese Ausdrucksschwäche  :d'oh:

Mir hat das Betaleserboard unheimlich geholfen, und zwar in beide Richtungen. Ich habe sehr viel selbst gebetat im letzten Jahr, um zu sehen, an welcher Stelle ich stehe, und das war wirklich eine Offenbarung, seine Entwürfe mit Entwürfen von anderen zu vergleichen, und nicht mit fertigen Büchern.

und um die 150 Seiten... schade, aber egal, weg ist weg, schreib neue 150. die sind besser  :knuddel:
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Sunflower am 29. Januar 2015, 15:05:31
Ich denke, das sind zwei verschiedene Sachen. Gutes Schreiben, also flüssiges, gut lesbares Schreiben, ist eine Sache des Handwerks. Was Leuten gefällt, hat eher was mit dem Inhalt, Plot Charakter oder so zu tun.

"Gutes" Schreiben, also handwerklich gutes Schreiben kann man bis zu einem gewissen Grad lernen - wie ja andere auch schon gesagt haben. Da hilft es tatsächlich, den ein oder anderen Ratgeber zu lesen (ich war ganz begeistert von Elizabeth Georges Wort für Wort), oder in den zahlreichen Blogs über das Schreiben zu lesen - da gibt es auch einige gute. Außerdem hilft es zu lesen, zu lesen, zu lesen. Bis man ein Gefühl bekommt, was gute Formulierungen ausmacht und was nicht. Man kann es auf einige Regeln herunterbrechen, wie Adjektive besser weglassen - außer sie sind unbedingt nötig. Nicht zu lange Sätze, Verben nicht auseinander reißen, ein Gefühl für die richtige Sprachmelodie bekommen ... und ich habe so einen Kurs auch tatsächlich an der Uni, also kann man es wirklich lernen. Den eigenen Stil zu finden dagegen dauert ungemein länger. Auch da muss man ein Gefühl für bekommen, was wieder mit viiiiel lesen zusammen hängt. Frag dich: Wenn dir ein Stil gefällt, warum? Warum gefällt dir etwas weniger? Liegt es an der Wortwahl, der blumigen/schlichten Sprache, etc.? Es ist eine ganze Menge Übung, Erfahrung und viel Sitzfleisch nötig und man verändert sich auch immer weiter. Man kann, glaube ich, nicht irgendwann sagen: Jetzt habe ich meinen Stil gefunden, hier bleibe ich, so gefällt es mir. Man kann sich nur immer weiter dem annähern, was man als "Ideal" hat.

Plotting, Charaktere und Spannungsbögen kann man bis zu einem gewissen Grad auch lernen. Auch da: Schreibratgeber, Blogs, Erfahrung. Ich habe mal den Ausspruch gelesen, Talent bei Autoren bedeutet hauptsächlich, den wirklich langen Atem zu haben, den man braucht, um eine wirklich gute, runde, gut geschriebene Geschichte zustande zu bekommen. Also Willenskraft, Durchhaltevermögen und auch irgendwie Wahnsinn :D

Und natürlich hilft ausführliche, ernst gemeinte Kritik ganz ungemein :)

Edit: Achso, und Alana, danke für den Link! Das ist eine wunderbar strukturierte Herangehensweise für die sprachliche ÜA.
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Fafharad am 30. Januar 2015, 14:34:51
Wenn der Zweifel sich bei mir meldet, macht er das meistens mit der Stimme des inneren Kritikers. Er ist bei mir also durchaus kein vages Gefühl, sondern ein sicheres Anzeichen, dass ich irgendwo Mist gebaut habe. Nur blöd, dass er nie in der Lage ist, Seiten- und Zeilennummern mitzuliefern  >:(. Das muss ich dann immer selbst machen.
Nach einer Überarbeitung des Textes lösen sich die Zweifel meistens in Wohlgefallen auf.
Bei der Arbeit an der "Verschlusssache" war ich an einem Punkt, an dem ich glaubte, aufs falsche Pferd gesetzt zu haben. Die Story funktionierte einfach nicht. Und das nach einem Monat Recherche!
Weil ich nicht wahrhaben wollte, mir die ganze Arbeit umsonst gemacht zu haben, probierte ich den Blickwinkel eines anderen Protagonisten aus. Mit dem als Reflektorfigur ging es plötzlich. Das falsche Pferd war also lediglich der falsche Protagonist.

Zitat von: Sipres
So hab ich mal über hundertfünfzig Seiten verloren, weil ich einfach nicht zufrieden war.
Oh Mann, 150 Seiten für die Katz! *Haare-rauft*
Allerdings ist so etwas ja nie wirklich verloren, solange man den Inhalt im Kopf behält. Solltest du irgendwann wieder auf diese Geschichte zurückkommen, hast du bereits ein fertiges Gerüst, das du nur noch füllen musst. Es wird beim zweiten Mal definitiv besser. Und wenn genug Zeit verstrichen ist, wirst du dich auch nicht mehr wie Sisyphos fühlen  ;D.
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Sipres am 30. Januar 2015, 14:46:25
@Fafharad: Wäre schön, wenn ich meine Zweifel auch so einfach wegbekommen würde.

Oh Mann, 150 Seiten für die Katz! *Haare-rauft*
Allerdings ist so etwas ja nie wirklich verloren, solange man den Inhalt im Kopf behält. Solltest du irgendwann wieder auf diese Geschichte zurückkommen, hast du bereits ein fertiges Gerüst, das du nur noch füllen musst.

Das versuche ich nun schon seit einigen Jahren. Ich hab schon so oft überlegt, das Projekt fallen zu lassen, aber ich kann das nicht. Die Grundideen sind alle da, aber an der Umsetzung hapert es. Wenn ich nicht ständig an meinem Stil zweifeln würde, wäre das Buch in zwei Monaten druckbereit.

Falls sich jemand fragt, wieso ich so sehr daran hänge: Ich habe mich in die Geschichte und die Charaktere verliebt. Vielleicht ist die Liebe gefährlich und sinnlos, aber ich kann nichts dagegen machen.
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Lazlo am 30. Januar 2015, 17:28:25
Ach wie schön! Das klingt aber nach einer wirklich großen Liebe ;)

Das kenne ich sehr gut! Mein erstes Projekt habe ich so oft überarbeitet und daran rumgefeilt, weil ich die Welt, die ich erschaffen hatte, so mochte und mich nicht lösen konnte, davon geträumt habe, eine Fortsetzung zu schreiben. Das Ganze zog sich über ein paar Jahre, immer wieder habe ich es eine Zeitlang liegen zu lassen und irgendwann wieder hervorgeholt. Meine Betaleser haben mir dann dabei geholfen, den Rohdiamanten immer weiter zu schleifen, die Figuren authentischer werden zu lassen. Nach meinen heutigen Ansprüchen ist es immer noch nicht gut genug, aber vielleicht hänge ich auch so daran, weil es mein erstes Projekt war. Aber ich habe festgestellt das das ständige Überarbeiten sehr ermüdend sein kann und war irgendwann froh, etwas Neues zu schaffen. Aber soll ich Dir was sagen: Das Ganze hat mir sehr geholfen, meinen Schreibstil zu verbessern und mich weiterzuentwickeln.
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Sipres am 30. Januar 2015, 18:21:18
Ich hoffe nur, ich kriegs irgendwann mal fertig.
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Ivy am 30. Januar 2015, 19:59:00
Dranbleiben, Sipres, nicht aufgeben und sich immer wieder dransetzen - mit Pausen dazwischen, um sich abzulenken und zu entspannen (Sport, Lesen, Spazieren gehen, die Spülmaschine ein/ausräumen ...) und wieder weiter am eigenen Text arbeiten.
Niemals aufhören zu schreiben und zu überarbeiten und Kritik von Betas einholen.
Dann klappt das. Durchhalten.
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: DodyLuNatic am 30. Januar 2015, 20:37:34
Oh ja, das Gefühl kenne ich. Genau da stehe ich gerade noch.

Momentan motiviere ich mich damit, dass immer, wenn ich drüber lese, mir etwas auffällt, was noch nicht rund klingt, und es danach wesentlich flüssiger zu lesen ist. Oder wenn ich an Plotlücken denke, die mir vor Urzeiten mal aufgefallen sind, und mir dann, wenn ich sie korrigieren will, auffällt, dass ich diesen Teil schon sehr elegant behoben habe.

Und, was mich sogar noch mehr antreibt: Mir hat eine Testleserin mal gesagt, dass sie sich einen meiner Charaktere zum Vorbild genommen hat, um sich selbst Mut zuzusprechen. :)
Jetzt stelle ich mir vor, dass der Charakter vielleicht noch dem ein oder anderen Leser später einen Stups verpassen kann. Darum MUSS das einfach irgendwann gedruckt werden.  ;D
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Miezekatzemaus am 31. Januar 2015, 12:29:36
Ich war gerade im Chat und habe versucht, ein bisschen Problemanalyse zu Zweifeln und Ähnlichem zu betreiben und daher möchte ich mal einige allgemeine Gedanken dazu hierlassen.

Ich beginne mal mit einem Beispiel: Mit mir selbst. Ich habe 2014 recht viel geschrieben (300k) und halte sehr wenig (11k) davon für wirklich gelungen. Ungefähr 170k dürften für die Schublade oder den Müll sein, etwa 130k sind halbwegs in Ordnung und  mit mehreren Überarbeitungsrunden kann man wohl etwas daraus machen.
Die 11k, die ich für gelungen halte, gehören zu einer Novelle, die ich geschrieben habe. Sie sind sehr überarbeitungsbedürftig und ich drücke mich schon seit Wochen darum herum, aber ich weiß gleichzeitig, dass sie das Beste sind, was ich je geschrieben habe - schon allein vom Stil her. Der Inhalt ist okay, aber ich mag den Stil bei dieser Novelle.
Normalerweise sagt man ja, man soll sich die Bücher anschauen, die andere geschrieben haben, wenn sie einem selbst  gut gefallen haben - und dann soll man herausfinden, was genau einem daran so gut gefallen hat. Das ist mit den eigenen Sachen genauso - was man selbst für gelungen hält, was man gut findet, das sollte man sich ansehen, um zu sehen, warum man es gut findet. Und dann kann man aus diesen Erkenntnissen eine Basis für die nächste Geschichte schaffen.

Ich sagte ja bereits, ich habe über 300k geschrieben und finde davon 11k wirklich gut und einiges okay. Das bedeutet, ich mag nur einen geringen Teil meines Geschriebenen. Aber ich glaube, es bringt nichts, wenn man das vergleicht. Natürlich ist das bei jedem anders, aber ich denke, dass es die meisten Leute eher demotiviert, wenn sie sehen, dass ein Dreißigstel von dem, was sie geschrieben haben, nach ihren eigenen Maßstäben gut ist.
Ich schätze, man muss sich an den Teil des Guten klammern und, wie im vorigen Absatz beschrieben, analysieren, was daran gut ist. Das mehr oder weniger Schlechte kann man ein Mal sortieren - ob man es behalten will, um es zu überarbeiten, oder ob man damit nach dem Prinzip "aus den Augen, aus dem Sinn" verfahren will. Danach kann man sich auf Neues konzentrieren. Ich bezweifele, dass es etwas bringt, es sei denn, man kann über die alten, schlechten Sachen lachen, wenn man sich nicht davon losreißen kann und wenn man denkt, dass sie schlecht sind. Dann sind sie eben schlecht. Die neuen Sachen können besser werden - und das werden sie auch!

Womit ich beim nächsten Punkt wäre: An das Projekt glauben. Ich denke nicht, dass es etwas bringt, wenn man sich vorhält, dass das Projekt schlecht ist, weil *hier passende Begründung einfügen*. Als Kommentar an den Rand oder auf Notizzettel schreiben und bei der Überarbeitung verwerten.
Die Geschichten, egal von welcher Form, die man schreibt, sind toll. Man muss an seine Geschichten glauben, damit sie gut werden. Wenn man nicht daran glaubt, dann wird es auch nichts. Man kann sie hinterher immer noch als "okay, sie sind nicht gut, aber ich hab wieder was dabei gelernt" verbuchen. Denn so macht das Lernen Spaß. Und ich glaube, wir schreiben alle aus dem einen Grund: Weil das Schreiben uns Spaß macht.

Ich hoffe, es fühlt sich niemand angegriffen durch meine Worte. Ich ziele weder auf Posts noch auf Personen noch auf was weiß ich ab, ich wollte das nur zusammenfassen und ich dachte mir, hier passt es gut hin.
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Fafharad am 31. Januar 2015, 13:13:21
@Sipres : Ist deine "große Liebe" ( :)) eigentlich dein einziges aktuelles Projekt? Wenn es dir so viel Kummer bereitet, würde ich es an deiner Stelle erst mal in die Schublade legen und beispielsweise eine Kurzgeschichte schreiben. Ein Erfolgserlebnis wird dir wieder Wasser unter den Kiel spülen.
Aus eigener Erfahrung kann ich bestätigen, dass es funktioniert. Okay, ich gebe zu, dass mein Herzensprojekt schon seit einem Jahr in der Schublade liegt, weil mir die Kurzgeschichten einfach viel mehr Spaß machen. (Könnte aber auch eine Vermeidungsstrategie sein  ::)).

Übrigens: Wenn du so sehr an deinem Stil zweifelst, dann stell doch mal eine Probe in der Schreibwerkstatt (http://www.schreibwerkstatt.de/) ein. Dadurch bin ich überhaupt erst auf den grünen Zweig gekommen.
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Sipres am 31. Januar 2015, 13:43:47
Hab derzeit drei große Projekte am Laufen, aber mein Zweifel ist leider übergesprungen. Das mit der Leseprobe werde ich am Montag mal machen, wenn ich die Zeit dafür habe. Jetzt am Wochenende sehe ich mein Schatzi das erste Mal seit zwei Wochen. Da wird das Schreiben hinten angestellt.
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Entropy am 31. Januar 2015, 13:45:44
Ich finde, das hast du sehr treffend formuliert, Mieze. Selbst wenn du zurückblickst und eher wenig für gelungen hälst, ist es besser als überhaupt nicht geschrieben zu haben. Mich würde eine bloße Statistik auch demotivieren, deswegen sind meine Einschätzungen nach Gefühl. Natürlich sind Zahlen wichtig um sein Arbeitstempo im Blick zu behalten, aber man sollte sich nicht ausschließlich an ihnen orientieren, da Misserfolge oder hohe Erwartungen sonst schnell zu Zweifeln und Demotivation führen können. Ich habe im Resumee dieses Monats sehr wenig geschrieben. Das hat mich zwischenzeitlich enorm demotiviert, aber wenn ich zurückblicke, habe ich trotzdem auf gedanklicher Ebene an meinen Projekten weitergearbeitet. Ich habe die Welten und die Charaktere weiterentwickelt, einige wichtige Entscheidungen getroffen und alte Ideen aus 2013 sortiert und umgewandelt. Keine dieser Ideen ist schlecht. Sie sind verbesserungswürdig und ich musste erkennen, dass sie noch nicht funktionieren.

Ich denke auch, dass der Spaß an erster Stelle stehen sollte. Wenn man bei einem Projekt überhaupt nicht mehr weiterkommt und es einem keinen Spaß mehr macht, daran zu arbeiten, dann sollte man sich eine Auszeit nehmen und an etwas anderem arbeiten. Es hilft wenig das Schreiben zu erzwingen. Dann ist man automatisch unzufriedener damit. Vielleicht gibt es genau zu diesem Zeitpunkt eine andere Idee, an der man gerade wahnsinnig gerne weiterschreiben würde. Und nach einigen Tagen oder Wochen hat man das alte Projekt ein bisschen überdacht und kann es wieder anpacken. Deswegen wechsele ich meine Projekte sehr häufig. Ich habe erkannt, dass ich nicht zu den Menschen gehöre, die kontinuierlich an einer einzigen Sache arbeiten können, bis diese abgeschlossen ist. Aus diesem Grund dauert es logischerweise länger, bis ein Projekt zum Abschluss gebracht wird. Aber ich verliere nicht die Hoffnung daran, dass ich es irgendwann schaffe. ;D

Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Fafharad am 31. Januar 2015, 14:28:08
Zitat von: Entropy
Es hilft wenig das Schreiben zu erzwingen. Dann ist man automatisch unzufriedener damit.
Hierzu stelle ich die Gegenthese auf, dass Schreiben unter Zwang durchaus förderlich für Kreativität und Effektivität sein kann - und dadurch im Endeffekt auch wieder Spaß bereitet. Beim Schreiben unter Druck lasse ich mich deutlich weniger ablenken - auch nicht von Selbstzweifeln. Ich habe einen konkreten Grund zu schreiben, also bin ich motivierter. In dieser Situation befindet man sich automatisch, wenn man auf eine Deadline hinschreibt.
Aber ich glaube, diesen Druck von außen meintest du gar nicht, sondern das verbissenene Ankämpfen gegen den inneren Schweinehund. Der ist manchmal einfach stärker, und dann sollte man ihm ruhig ein bisschen Auslauf gönnen. Zum Beispiel Hausarbeit, frische Luft, eine Runde Bejeweled oder ein paar Beiträge im Tintenzirkel schreiben  ;).

@Sipres : Wenn du einen Text in der Schreibwerkstatt hast, schaue ich ihn mir auf jeden Fall mal an. Schick mir gerne ein PM, wenn es soweit ist.
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Leygardia am 31. Januar 2015, 21:54:17
Huhu:)
Auch wenn die Frage hier schon etwas älter ist, gebe ich jetzt mal meinen Senf dazu...
Immer wenn mich solche Zweifel überkommen,  sage ich jedesmal folgenden Satz "Liebe Zweifel, macht es doch erstmal besser,  dann könnt ihr weiter reden",  danach schreibe ich einfach weiter und die Zweifel halten ihren Mund. Und wenn sie dann mal hartnäckig bleiben,  höre ich nicht auf sie,  ignoriere die Zweifel und dann verschwinden sie wie von selbst :)
Oder ich mache mir mein Lieblings-Epic-Lied an,  nämlich "The Battle of the 5 Armees"  von der Hobbit und lese mir meine Kritiken durch.  Diese zaubern mir dann wieder ein Lächeln ins Gesicht und ich weiß,  dass mir die Zweifel dadurch nix anhaben können...
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Sipres am 02. Februar 2015, 17:54:40
Hab jetzt einfach mal den Rat von Fafharad angenommen und den Prolog meines Romans in der Schreibwerkstatt (http://www.schreibwerkstatt.de/) hochgeladen. Hoffentlich hilft das endlich gegen meine Zweifel.

EDIT: Weiß jemand, wie langes dauert, bis die Mods dort endlich einen Kommentar oder ein Werk freigeben?
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Fafharad am 03. Februar 2015, 23:13:50
Zitat von: Sipres
EDIT: Weiß jemand, wie langes dauert, bis die Mods dort endlich einen Kommentar oder ein Werk freigeben?
Normalerweise taucht ein Kommentar sofort auf, wenn du ihn absendest. Er kann nachträglich von den Mods entfernt werden, wenn er nicht regelkonform ist.
Handelt es sich bei den Löschungen um "Pflichtkommentare", sind unter Umständen die Bedingungen für das Einstellen eigener Werke nicht mehr erfüllt - die fliegen dann auch raus.
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Sipres am 05. Februar 2015, 22:21:59
Da sich die Schreibwerkstatt beharlich weigert, meine Kommentare zu veröffentlichen, hab ich einfach mal auf die Ratschläge gehört, die hier drin stehen. Ich kämpfe einfach gegen den inneren Schweinehund und meine Zweifel und schreibe. Wird schon werden. Vielen Dank übrigens, dass ihr euch mein Geheule angehört habt. Tat gut, mal mit Leuten zu reden, die ebenfalls schreiben. Ihr versteht, wie sich diese Zweifel anfühlen.
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Phea am 06. Februar 2015, 10:33:09
Ich bin gerade auch am verzweifeln. Und ich glaube nicht, dass das an den Hormonen liegt (Das ist ja die Lieblingsaussage von Ilargi  ;D )

Ich habe jetzt so lange nicht mehr geschrieben - mir kommt es so vor, als hätte ich unendlich lange kein einziges Wort aufs Papier bringen können ... Mir entfallen die leichtesten Dinge (Gut, dass kann auch eine Art Schwangerschaftsdemenz sein), der Satzbau hört sich nicht flüssig an und überhaupt scheine ich das Schreiben verlernt zu haben. Oder ich bin einfach zu blöd um wieder hineinzufinden ...
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: HauntingWitch am 06. Februar 2015, 10:47:43
@Macpheana: Wie lange war denn die Auszeit? Meine "Low-Phasen" (wie ich sie nenne) dauern selten mehr als zwei Wochen, aber ich merke bereits dann jeweils schon, wie viel mehr Worte bzw. Seiten ich brauche, um wieder reinzukommen, als wenn ich intensiver produziere. Vielleicht braucht es einfach noch ein paar Worte mehr, ein paar Seiten mehr?  :knuddel: Sicher ist eins: Nur durch machen kommst du wieder rein. Es muss auch nicht gleich perfekt sein, ein schlechter Entwurf ist immer noch besser als keiner. Wenn dir das Projekt zu wertvoll für diese Übungen ist, übe mit etwas anderem. Alltagsszenen zum Beispiel.

Ich glaube nicht, dass man das Schreiben verlernen kann. Es ist so tief in uns drin, das geht nicht einfach verloren. Aber es kann einrosten, wie einem Fahrradreifen die Luft ausgeht. Aufpumpen ist anstrengend und braucht Zeit, aber wenn man weiter fahren will, muss man es machen. Bleib dran, wie mehr du wieder schreibst, umso leichter wird es dir fallen.  :knuddel:
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Phea am 06. Februar 2015, 10:55:35
Ich habe im November wieder angefangen, davor war die Auszeit vom Februar an. Im November dachte ich halt "Der NaNo ist der perfekte Monat um wieder reinzukommen" - aber irgendwie blieb es nur bei 20k und danach war wieder flaute. Im Januar habe ich es noch einmal probiert, da das Projekt nach mir schrie und da habe ich es geschafft einen Satz zu vollbringen, für den ich grandiose 2 Stunden gebraucht habe.

Und heute sitze ich vor dem blinkenden Zeiger und denke: Du weißt, wie es weiter geht. Du weißt es. Wieso schreibst du nicht?

Danke Witch für deinen Trost. Ich probiere es mal mit einer Szene aus meiner Fanfiktion, die ich schon seit langem wieder schreiben möchte.
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Sipres am 06. Februar 2015, 10:59:46
@Phea: Selbst, wenn es nicht klappt, ist das nicht schlimm. Die Frau meines besten Freundes hat es während ihrer Schwangerschaft nicht hingekriegt, auch nur die simpelsten Sachen zu zeichnen. Kurz danach, als der Hormonhaushalt sich wieder ein wenig normalisiert hat und sie wieder ein wenig Übung hatte, war sie wieder so gut wie vorher.
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Phea am 06. Februar 2015, 11:07:22
Ich kann meine Schwangerschaft aber auch nicht immer als Ausrede verwenden ... Das tue ich ja so schon mehr als genug. Ich bin dauermüde - liegt an den Hormonen. Ich bin vergesslich - liegt an den Hormonen. Da kann ich ein "Ich kann nicht schreiben" nicht auch noch da dran hängen  :rofl:
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Sipres am 06. Februar 2015, 11:13:40
Na ja, genau dafür ist es eine Schwangerschaft. Da verändert sich halt alles. Wem erzähl ich das eigentlich? Du bist schwanger. Ich bin nur fett genug, um schwanger auszusehen.
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Phea am 09. Februar 2015, 20:16:29
Es. Will. Einfach. Nicht!!

Dafür werde ich Meisterin im Plotten. Aber schreiben? Nein. Überarbeitung? Dann bin ich kurz davor den "löschen" Knopf zu drücken. Weil ich alles scheiße finde. Entschuldigung für den Ausdruck ...
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Sipres am 09. Februar 2015, 20:19:22
Das kenne ich. So erging es mir die ganze Zeit, bis ich hier Mitglied wurde. Ich rede mir jetzt einfach immer selbst ein, wenn ich gut genug für den Tintenzirkel bin, bin ich auch gut genug, um Autor zu sein. Falls du deine Zweifel aber nicht so einfach abschütteln kannst (so wie ich früher), dann versuch es mit einem Ortswechsel. Schreib irgendwo, wo du noch nie geschrieben hast. Als ich das erste Mal auf dem Balkon geschrieben habe, sind meine Finger auch wunderbar über die Tastatur geflogen.
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Miezekatzemaus am 09. Februar 2015, 20:19:33
Phea, darf ich dich drücken? :knuddel: Vielleicht hilft es, wenn du die Augen zumachst (sofern du blind tippen kannst), die Finger auf die Tastatur legst und einfach Handlung schreibst? Manchmal wird das besser als man glaubt. Und ich glaube nicht, dass deine Geschichten sch... sind.
Oder du versuchst es handschriftlich, manchmal sieht da alles viel besser aus als am Computer. :knuddel:
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Phea am 09. Februar 2015, 20:23:58
 Ortswechsel geht auch nicht ... schon ausprobiert. Genauso wie das Blind schreiben und das handschriftliche Schreiben ...

Hinsetzen und Schreiben ist auch leichter gesagt als getan. Dann gucke ich den blinkenden Zeiger an und es kommt nichts.
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Miezekatzemaus am 09. Februar 2015, 20:27:37
 :knuddel: Manchmal geht es einfach nicht. Vielleicht liegt es daran, dass du es erzwingen willst? Ich weiß nicht, inwieweit du das tust, aber wenn du es tust, könntest du dir vielleicht für eine Weile eine Pause gönnen und nur dann schreiben, wenn du wirklich Lust hast? (Ich weiß, du hattest eine recht lange Schreibpause, aber ich denke, wenn das hier helfen kann, dann ist es besser, es zu versuchen als etwas anders zu machen und das zu erzwingen.) Oder ein neues Projekt beginnen, das dir nur so aus den Fingern fließt?
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Windfeuer am 09. Februar 2015, 20:30:43
Wie wäre es mit festen Schreibzeiten? Das hilft bei mir wahre Wunder. So komme ich auch am besten voran. Vielleicht ist das ja auch was für dich. Gekoppelt mit einer Belohnung ist es noch besser. Ich darf danach lesen oder irgendetwas anderes machen. Das spornt mich dann an. Und sollte es einmal überhaupt nicht gehen, ist es auch in Ordnung mal nicht zu schreiben. Musste ich mir allerdings auch erstmal klar machen. So lange es Spaß macht ist alles in Ordnung. Zweifel und schlechtes Gewissen haben dort nichts verloren. Ihre Anwesenheit ist streng verboten während ich schreibe.  ;D
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Phea am 09. Februar 2015, 20:35:02
Ich kenne das so ja gar nicht wirklich ... Zweifel - ja. Aber so, dass gar nichts geht? Noch nie. Und jetzt, seit November, will mir nichts gelingen ...
Was das neue Projekt angeht: da dachte ich ja, dass mir die Fanfiction hilft, weil ich so viel für sie im Kopf habe. Aber auch das geht nicht ... einfach aus dem leeren Kopf heraus schreiben ging sonst auch immer. Sonst.
Und die Pause hatte ich ja eigentlich schon wieder. Eine viel zu lange Pause.
Danke Mieze für deine Worte. Ich glaube nur, die üblichen Methoden funktionieren hier nicht mehr ...

@ Windfeuer: das geht nicht, weil ich zur Zeit wirklich nie um die gleiche Zeit am PC sein kann ...
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Windfeuer am 09. Februar 2015, 20:44:23
@ Windfeuer: das geht nicht, weil ich zur Zeit wirklich nie um die gleiche Zeit am PC sein kann ...

Das ist natürlich blöd.  :-\ Vielleicht versuchst du es nochmal Handschriftlich? Sine Seite schreiben, dann Pause und die nächsten Szenen im Kopf herumwälzen.  :hmmm: Was ich dir noch raten kann ist: Denk nicht viel drüber nach wie du schriebst. Es ist vollkommen egal wie mies du das empfindest. Solche Phasen hatte ich auch häufiger. Ich habe alles für totalen Mist gehalten. Statt es zu löschen, habe ich mir gesagt, dass ich es jederzeit überarbeiten kann. Zuerst brauch ich dafür allerdings ein fertiges Manuskript. Schließlich ist nichts davon in Stein gemeißelt. Ich habe die Zähen zusammengebissen und weiter geschrieben. Und im nachhinein festgestellt, dass das meiste was ich geschrieben habe überhaupt gar kein Schrott war, sondern es sich zum teil gut angehört hat.
Deswegen: Schreiben. Nicht zu viel drüber nachdenken sondern weiter schreiben.
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Duana am 09. Februar 2015, 20:55:05
Wenn du die Schwangerschaft nicht als Negativausrede verwenden willst, wieso probierst du es dann nicht einmal anders herum? Mach einen Spaziergang, jeden Tag eine halbe Stunde und setze dich dann mit frischer Luft im Kreislauf ans Schreiben. Es verbringt manchmal wahre Wunder, den Körper in Bewegung zu bringen und frische Luft zu schnappen - auch auf die Gefahr hin, dass ich jetzt sehr esoterisch klinge. ;D

Ansonsten versuche alle möglichen Schreibübungen. Meiner Meinung nach ist es ein Unterschied, ob du nicht schreiben kannst, weil es Schreiben ist und du eine Krise hast, oder ob du das, was du schreibst, nicht leiden kannst. Das sind für mich zwei Paar Schuhe und jedes davon benötigt eine andere Vorgehensweise, um gelöst zu werden.
Windfeuers Idee mit dem handschriftlichen Schreiben einer Seite finde ich auch gut. Und wenn dir die Qualität deiner Sachen im Moment so gar nicht gefällt, dann leg die Seiten alle in einen Schuhkarton und schiebe ihn jeden Tag unter einen Schrank oder unters Bett. Aus den Augen, aus dem Sinn. In einem halben Jahr (oder, wenn du wieder mit der Schreibe zufrieden bist), kannst du die Sachen durchsehen und vielleicht war doch nicht alles nur schlimm.

Da ich selbst nach dem Nano in ein großes Loch gefallen bin und gerade daran arbeite, mich wieder an dessen Wänden hoch zu hangeln, kann ich aber gut verstehen, wie sehr sich der Frust steigern kann. Mir gefällt auch noch nichts, das ich schreibe. Aber wenn ich es ein paar Tage später durchlese, finde ich immer wieder Sätze, die ich doch mag.
Ansonsten hatten Avery und ich heute über die Möglichkeit geredet, ob man nicht vielleicht eine kleine Ecke im Zirkel für Schreibkrisen startet. Denn was mir vor allem im Weg stand bei der Krise war ich selbst und auch, dass ich mich gefühlt habe, als könne ich im Forum nichts beitragen, wenn ich nicht viel schreibe und viel davon mag.
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Grey am 09. Februar 2015, 23:07:01
@Phea
Du bist schwanger. Ob du es nun als Ausrede verwenden willst oder nicht, du bist es. Und das kann leider auch bedeuten, dass dein Gehirn sich weigert, dich schreiben zu lassen.
Eine andere Möglichkeit aber wäre auch, dass du gerade besser wirst. Dass sich dein Schreiben gerade entwickelt und du deshalb nicht mehr mit dir zufrieden bist. In dem Fall wären die von Duana empfohlenen Schreibübungen wohl das beste Mittel, um dich durch diese Phase durchzubeißen. Musst du sowieso lernen, da ist das eine ganz gute Übung ... ;)
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Silvia am 10. Februar 2015, 09:40:49
Als ich schwanger war, hat mein Körper irgendwann einfach runtergefahren. Da war nicht mehr viel mit großen geistigen Leistungen *g* - einfach nur viel ausruhen und Kraft tanken. Ich weiß jetzt nicht, in welchem Monat du bist, aber je später, desto mehr kommt das so, glaub ich. Also falls es daran liegt - nicht verzweifeln, der Zustand geht auf jeden Fall vorbei!  ;D
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Sternsaphir am 10. Februar 2015, 10:04:05
@ Macpheana

Du sagtest, dass Du grad Meister im Plotten bist. Dann plotte doch jetzt einfach und schreibe später, wenn die Sätze wieder besser von den Fingern gehen. Zwing Dich jetzt nicht zum Schreiben, sondern tu das, was Dir grad am besten gelingt.
Und wenn Du nachher wieder von der Schreib-Muse geküsst wirst, hast Du jede Menge Plot zum ausarbeiten.  :)
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Phea am 10. Februar 2015, 10:25:06
Danke für eure Ratschläge. Ich probiere es mal mit Duanas Vorschlag aus (was den Schuhkarton angeht).
Wenn das nichts bringt, bleibe ich beim plotten und probiere es wieder, wenn das Kind da ist. Also im Juli/August.
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Grey am 10. Februar 2015, 12:30:29
Ahem. Wenn das Kind da ist ... bist du vermutlich erstmal für ein paar Wochen anderweitig beschäftigt. ;)

Du kannst es natürlich auch einfach zwischendurch immer mal wieder versuchen. Es verändert sich ja derzeit ständig alles bei dir. Kann sein dass der nächste Flow gar nicht weit weg ist. :knuddel:
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Blackhat am 10. Februar 2015, 13:09:31
Ich will dir auch noch einen Tipp geben, jedenfalls hilft mir das immer über die Runden.

Verinnerliche zwei Aussagen berühmter Autoren, am besten du machst zwei Paragraphen daraus, druckst sie aus und hängst sie dir neben den Monitor:

§1 Der erste Entwurf ist immer Mist (E. Hemingway)

§2 Schreiben heißt umschreiben (Sol Stein)

Und wenn ich sage verinnerliche es, dann meine ich das wörtlich. Akzeptiere, das die ersten Versuche meist Grütze sind. Schreibe einfach drauf los und wenn du glaubst es sei Käse schreibe einfach weiter. Die Qualität kommt in der Regel durch das Überarbeiten. Klar gibt es Momente, in denen man eine Sternstunde erwischt und gleich tolle Textpassagen heraushaut. Aber das muss nicht so sein. Trotzdem gilt: Auf die Paragraphen schauen und immer weiterschreiben.  ;D :pfanne:
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Sipres am 16. Februar 2015, 14:47:08
Ich habe gerade Feedback zu einer meiner Kurzgeschichten bekommen. Der Schwager einer Freundin (homosexuell) hat eine Geschichte gelesen, in der ein Schwuler die Hauptrolle spielt und er fühlte sich von mir diskriminiert, weil die Homosexualität zwar angedeutet, aber nicht genauer erörtert wurde. Genauer gesagt habe ich zwar erwähnt, dass der Prota mit einem Mann verheiratet ist, aber ansonsten fällt das Ganze unter den Tisch. Das habe ich aus dem Grund getan, weil Schwule in meinen Augen nicht anders sind als Heteros, weshalb dieses Thema wirklich nur eine Nebenbemerkung sein sollte. Es sollte ja bei jemandem, der sich mit seinem alkoholkranken Vater auseinandersetzt, nicht seine Sexualität im Vordergrund stehen. Nun fühle ich mich aber unsicher, ob das ganze wirklich diskriminierend ist. Vielleicht könnt ihr mir ja helfen.
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Siara am 16. Februar 2015, 15:02:47
Sipres, ich kenne natürlich deinen Text nicht, aber was du erzählst, klingt für mich absolut nicht diskriminierend. Im Gegenteil. Aber vielleicht magst du ja mal hier nachsehen? LGBT: Diversität in der Fiktion und wie man sie schreibt (http://forum.tintenzirkel.de/index.php/topic,13390.0.html)
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Sipres am 16. Februar 2015, 15:09:18
Hab mal reingeschaut und ganz ehrlich: Ich finde die Unterscheidungen sinnlos. Sind alles Menschen. In meiner Geschichte wird das Wort "schwul" nicht mal erwähnt. Es wird nur gesagt, dass der Prota einen Mann geheiratet hat und zwar so, als würde ein Hetero von seiner Frau erzählen. Ich hatte dabei auch nicht das Gefühl, diskriminierend zu sein. Vielleicht hat es besagtem Schwager einer Freundin aber auch nicht gepasst, weil mein Prota anscheinend "nicht stolz genug ist" um mit seiner Homosexualität zu prahlen. Der Kritiker erzählt nämlich jedem, dass er schwul ist, egal ob das gefragt wurde oder nicht.
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: HauntingWitch am 16. Februar 2015, 15:13:24
Siara hat den Thread schon verlinkt. Ich schreibe auch über Homosexuelle und ich habe sehr viel gelernt in den letzten Jahren. Was du beschreibst, wirkt auf mich nicht diskriminierend, aber ich kann verstehen, warum das von deinem Bekannten so empfunden wird. Da das hier aber vermutlich sehr abschweifen würde, sonst gerne auch per PM. Hinzu kommt, dass die Wahrnehmungen da sehr unterschiedlich sind und man es ohnehin nie allen recht machen kann. Deshalb würde ich dir in diesem speziellen Fall raten, eine zweite Meinung einzuholen.
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: HauntingWitch am 19. Juni 2015, 13:07:32
Nein, nein, ich möchte nicht schon wieder Doppelpost machen... :versteck: Aber ich weiss gerade nicht so recht, wohin mit meinen Gedanken. Irgendwie habe ich zurzeit das Gefühl, ich werde es nie schaffen, meine Träume zu erfüllen. Ich weiss, das ist doof und lächerlich und darüber muss ich mir jetzt mit meinen 10 Lesern (okay, 10 Rückmeldungen, Verkäufe waren es schon ein paar mehr) auch noch gar keine Gedanken machen und weiterschreiben werde ich sowieso. Aber das mit diesem Traum... Irgendwie habe ich zunehmend das Gefühl, ich bin dafür nicht geeignet und das hält sich jetzt schon seit einigen Wochen hartnäckig, dieses Gefühl.

Ich bin nicht geeignet für Marketing oder Interaktion mit Leuten bzw. Lesern oder all das, diese Sachen machen mir ein wenig Angst und verunsichern mich total und am liebsten würde ich mich in einer Höhle verkriechen, schreiben und auf ein Wunder warten. Aber so funktioniert die Welt ja leider nicht und deshalb bin ich langsam so weit. Auf Englisch könnte man schön sagen "I'm losing my faith"... Vertrauen, Glaube an sich selbst, ich weiss nicht. Immer wieder höre und lese ich diese Sprüche: Glaub an dich selbst, tu, was du magst und glaub an dich selbst, höre nie auf und glaub an dich selbst. Aber seit einigen Wochen erscheint es mir furchtbar schwierig, diesen Glauben aufrecht zu halten.

Mittlerweile habe ich sogar das Gefühl, loslassen und alles vergessen wäre einfacher. Aber wie könnte ich es vergessen? Für die Schublade schreiben? Das mache ich mit genau einer KG und dann gurkt es mich wieder an, dass das niemand liest. Und da ist es wieder, mein altbekanntes Problem, ich denke viel zu viel an diesen Traum, an Erfolg und tue viel zu wenig dafür und weiss nicht wie, mehr und mag auch nicht. ::) Dabei sollte es beim Schreiben doch einzig und allein darum gehen, dass es Spass macht und mich glücklich macht. Weiss nicht... Kennt ihr das Gefühl?
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: FeeamPC am 19. Juni 2015, 13:40:04
Witch, Autoren brauchen Geduld und Ausdauer. Die meisten jedenfalls. Erfolg kann lange dauern. Das ist einfach so, liegt in der Natur der Sache, und hat nichts, aber auch gar nichts mit der Qualität deines Schreibens zu schaffen. Du darfst nicht an dir zeifeln. Höchstens an der verständnislosen Welt um dich herum.  ;)
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Siara am 19. Juni 2015, 14:03:06
Wenn ich das richtig verstehe, sind es zwei zusammenhängende Probleme, oder? Einmal der Zweifel an der Qualität deiner Texte selbst, und außerdem das Gefühl, kein Mensch der Öffentlichkeit zu sein.

Was das Erste angeht: Du hast da ja eine hübsche Veröffentlichung, daher sind die Zweifel meiner Meinung nach unbegründet. Natürlich kann man immer noch besser werden (und wird es wohl auch automatisch). Aber schön zu wissen ist doch schon mal, dass du eine stabile Grundlage hast. Du hast Talent und Können, und alles andere entsteht durch regelmäßige Übung und Ehrgeiz, denke ich.

Das mit der Öffentlichkeit und dem Marketing ist etwas anderes. Es gibt Leute, die einfach zur Rampensau geboren sind. Die neben dem Schreiben auch schauspielern und deshalb geniale Lesungen halten können, die überall sofort Anschluss finden, tausend Leute kennen und so weiter. Aber Autoren sind oft eher introvertiert. Nicht alle, aber damit bist du ganz sicher nicht allein. Sich zu präsentieren (selbst wenn man sich damit anfangs unwohl fühlt), mit Fans umgehen und sich zur Marke zu machen, passiert selten von heute auf morgen. Selbst wer einen Bestseller schreibt, wird ja meistens Stück für Stück bekannter. Wenn es so weit ist, hast du massig Zeit, in deine Rolle reinzuwachsen. Denn auch wenn Social Media Marketing und Einsatz des Autors sicher wichtig sind, ist das nicht alles. Mit einem engagierten Verlag und zumindest dem Willen, sich zu entwickeln, kann man ebenfalls erfolgreich werden, denke ich.

Davon zu leben ist nun einmal dein Traum. Deshalb: Nein, ich glaube nicht, dass du das einfach gedanklich beiseite schieben solltest. Allein schon, weil das kaum möglich ist. Es ist in Ordnung, auf einen Traum hinzuarbeiten, und hin und wieder wird man dabei vielleicht etwas verbissen. Aber selbst dann nicht aufzugeben und sich daran zu erinnern, warum genau dies der Traum ist, das muss man genauso lernen wie das Schreiben selbst.

Und ich gebe Fee recht: Erfolg kommt nicht über Nacht. Man geht kleine Schritte. Und warte mal ab, wo du in ein paar Jahren bist, wenn du nicht stehen bleibst. ;)
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: moonjunkie am 19. Juni 2015, 15:19:23
Das habt ihr schön gesagt, FeeamPC und Siara!

Witch, ich glaube dieses Gefühl kennt wohl jeder Autor. Ich kenne es auf jeden Fall und als mein Steuerberater mit Blick auf meine Einnahmen auch noch meinte: Tja, ob es dann in den nächsten Jahren mehr wird, hängt ja von Ihrem schreiberischen Können ab, da hätte ich auch fast gesagt: ich lass es jetzt. Es bringt ja nichts. Mir fehlt so viel Zeit für andere Sachen, aber im Grunde weiß ich genau, dass ich nicht ohne das Schreiben sein könnte. Dazu mag ich meine Geschichten zu sehr und auch die ganzen Ideen, die ich noch habe, möchte ich gerne irgendwann in Manuskripte und am liebsten natürlich auch in Bücher verwandeln. Fürs Marketing bin ich auch nur bedingt geeignet und weiß oft auch nicht, wie und was ich noch machen soll und kann. An Lesungen traue ich mich noch gar nicht, aber dafür habe ich mich jetzt zu einem Stimmtrainingsseminar angemeldet und hoffe, dass es danach besser wird. Die zweite Hürde ist dann sicherlich, jemanden zu finden, der mich überhaupt lesen lässt. Eine sehr nette Buchhandlung in der Nähe sagte jedenfalls direkt: oh, das wollen wir Ihnen lieber ersparen, bei Anfängern machen wir nur Verlust und Sie sind dann ganz traurig, wenn nur zwei Zuhörer kommen ...
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: HauntingWitch am 19. Juni 2015, 15:29:56
Danke euch dreien.  :knuddel:

Du darfst nicht an dir zeifeln. Höchstens an der verständnislosen Welt um dich herum.  ;)

Ich finde es sehr schwierig, das zu unterscheiden. Was ist mein eigenes Versagen, weil ich zu wenig mache oder zu wenig extravertiert bin oder aus was für Gründen auch immer und was ist einfach der Lauf der Welt? Meine Eltern haben mir immer beigebracht, dass man alles selbst in der Hand hat - und demzufolge auch an allem selbst schuld ist, was schief läuft. Ich lerne erst seit wenigen Jahren, dass es auch Faktoren gibt, die man nicht beeinflussen kann.

Ach Siara, du triffst einfach immer ins Schwarze. :knuddel: Das ist vielleicht mein Problem, dass ich zu viel auf die anderen schiele, die das eben können: Überall gleich Anschluss finden und tausend Leute kennen und sich verkaufen (jetzt mehr im Sinne von für sich werben, sich in den Vordergrund stellen). Vielleicht beschäftige ich mich einfach zu viel mit diesen vermeintlichen Rampensäuen und zu wenig mit den anderen. Das andere ist, dass ich als Musik-Fan natürlich mehr über die Rampensäue weiss.  ;D Also, wenn ich das so schreibe und mir das so überlege, denke ich, du hast bestimmt Recht. Vielleicht denke ich auch einfach wirklich zu viel nach.

Eine sehr nette Buchhandlung in der Nähe sagte jedenfalls direkt: oh, das wollen wir Ihnen lieber ersparen, bei Anfängern machen wir nur Verlust und Sie sind dann ganz traurig, wenn nur zwei Zuhörer kommen ...

Was?? :o Das Gegenteil von gut ist gut gemeint... Das ist ja wirklich eine unsensible Aussage. Ich weiss nicht einmal, ob das ein Problem für mich wäre, bei Vorträgen in der Schule war ich immer gut. Nur irgendwie ist das etwas anderes, ich würde mich einerseits zwar gerne hinter den Lesungstisch setzen, aber am liebsten mit Tüte auf dem Kopf, damit mich keiner dabei sieht. Ist doch absurd, oder? Wir wollen gelesen und "gesehen", "erhört" werden, aber wenn es dann darum geht, trauen wir uns nicht.
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: moonjunkie am 19. Juni 2015, 16:12:35
Ah! Jetzt verstehe ich das Hauptproblem. Ja, da weiß ich auch selten so richtig, ob man nicht mehr Bücher an die Leser bringen würde, wenn man dies oder das noch mehr täte. Vielleicht muss man sich da wirklich immer mal wieder vor Augen halten, dass man da reinwächst. Ich glaube auch, dass das so ist und sollte mir das auch mal als Spruch an die Wand kleben, damit ich es nicht vergesse.

Der Buchhändler war ein bisschen von der alten Schule, sehr nett in seiner Art (es ging auch darum, ob er meine Bücher in seine Buchhandlung stellt und das hat er immerhin gemacht). Wegen der Lesung hat er dann auch direkt ein Beispiel genannt von einem Autor, der eigentlich bekannt ist, sich aber in ein neues Genre gewagt hat und zu dem dann auch nur ein paar Leute kamen (mir wäre das ja ehrlich gesagt zum üben gar nicht so unrecht ...).

Ich mochte es leider schon in der Schule nicht Referate zu halten oder so, das fand ich immer furchtbar. Das ist wohl auch etwas, was ich noch lernen muss. Bis dahin höre ich mir immer wieder Lesungen von anderen an und gucke mir an, wie die das machen. Das stimmt, am besten fände ich, wenn alle meine Bücher kaufen würden, sie toll fänden und ich sonst nichts tun müsste, außer schreiben ...  ;D
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Dämmerungshexe am 19. Juni 2015, 16:37:22
In der Schule habe ich es auch nie leiden können, mich vor die Klasse zu stellen und irgendetwas zu sagen (nichtmal, wenn es ein auswendig gelerntes Gedicht war).
Irgendwie hat mir dann meine Ausbildung weiter geholfen - da hat sich keiner wirklich Zeit genommen, mich durch den Betrieb zu führen, mich vorzustellen und am Ende habe ich immer selber hingehen müssen und sagen: "Hallo, ich bin die Neue, könnten Sie mir mal eben helfen". Auch selbstständig ans Telefon gehen usw. habe ich dort gelernt. Ich habe das im Laufe des einen Jahres irgendwann gemerkt und schließlich - am Tag, als ich das letzte Mal da war - bin ich vor die versammelte Mannschaft in der Kantine gestanden und hab mich verabschiedet.
Im Studium dann waren Vorträge für mich kaum noch ein Problem und laut Mitstudenten, Dozenten und auch Noten war ich immer eine der Besseren in sowas.
Im Job hat es dann mangels Übung wieder nachgelassen und kommt jetzt erst lansgam wieder.

Langer Rede kurzes Sinn: Sich vor eine (kleine oder große) Gruppe fremder Leute zu stellen ist auch Übungssache. Und immerhin geht es gerade bei Lesungen um unsere eigenen Werke - sprich: wir wissen genau, was da drin steht, woher das kommt, wie es gemeint ist ... es ist unser Ding, wir sind stolz drauf und wollen das auch der Welt zeigen. Aber es braucht eben Übung und Gewöhnung - zu sagen "es lohnt sich nicht" für Anfänger, halte ich für Unsinn. So bleibt man ja immer ein Anfänger. (Das ist das gleiche wie mit dem Kriterium "Erfahrung" bei der Jobsuche - jeder will Mitarbeiter, die Erfahrung haben, aber niemand bietet einem eine Chance, auch mal welche zu sammlen ...).
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Christopher am 19. Juni 2015, 16:46:30
Ich bin nicht geeignet für Marketing oder Interaktion mit Leuten bzw. Lesern oder all das, diese Sachen machen mir ein wenig Angst und verunsichern mich total und am liebsten würde ich mich in einer Höhle verkriechen, schreiben und auf ein Wunder warten. Aber so funktioniert die Welt ja leider nicht und deshalb bin ich langsam so weit. Auf Englisch könnte man schön sagen "I'm losing my faith"... Vertrauen, Glaube an sich selbst, ich weiss nicht. Immer wieder höre und lese ich diese Sprüche: Glaub an dich selbst, tu, was du magst und glaub an dich selbst, höre nie auf und glaub an dich selbst. Aber seit einigen Wochen erscheint es mir furchtbar schwierig, diesen Glauben aufrecht zu halten.

Mir ist aufgefallen, dass ich mit meinen Ansichten hier und da wohl anecke, darum möchte ich vorher anmerken, dass ich die Dinge oft etwas anders sehe.

Meine Sichtweise sieht nämlich wie folgt aus:
Genau für diese Dinge, in denen du schlecht bist (und ich vermutlich auch sein werde) gibt es Verlage. Die sollen Marketing, Social Media und co übernehmen. Das ist in meinen Augen der große Auftrag eines Verlages. Was leisten die denn sonst? Cover, Lektorat und Korrektorat kann jeder selber machen (siehe Selfpublishing) aber für den Anteil Marketing, Social media und co ist nicht jeder geeignet. Dafür der Verlag.

Das einzige was Verlage sonst noch mitbringen wären Kontakte (Buchhandlungen etc.). Aber nur für die Kontakte suche ich mir keinen Verlag.

Daher, auch wenn es etwas komisch klingt, sehe ich kein Problem bei dir. Mach einfach weiter. Die Dinge über die du dir Sorgen machst, können (sollen?) auch andere machen. Mach einfach weiter, alles ist gut :)


PS:
Eigentlich hab ich auch kein Problem damit, mich nach vorne zu stellen. Ich hab auch schon bataillonsinterne Weiterbildungen gehalten, vor 50+ Leuten, alle Fremd, die dem was ich vortrage kritisch, desinteressiert, verächtlich oder nur mäßig interessiert entgegengesehen haben. Das hat mich nicht die Bohne gestört, sowas zieh ich eiskalt durch.
Aber eine Lesung? Stoff für Albträume. Dass man sich gut präsentieren kann, muss nicht zwingend heißen, dass man seine Träume gut präsentieren kann und andersherum.
Aber das nur nebenbei :)
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Thaliope am 19. Juni 2015, 17:04:11
@Christopher: von wegen anecken: ich glaube, die meisten hier sind mit dir einer Meinung, dass sich der Verlag um Marketing etc. kümmern sollte. Das Problem ist nur, dass die Verlage oft nicht dieser Meinung sind. Die meisten stecken ihr Budget in die Spitzentitel, weil sich alles andere nicht rechnet. Da kann man dann finden, was man möchte ...

@Witch: ich drück dich mal. Tröstliches zu sagen habe ich leider kaum, weil ich gerade selbst in diesem Loch hocke, das zwischen Anspruch und Realität klafft. Immerhin ist es großzügig bemessen, ich könnte mich häuslich niederlassen.
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: gbwolf am 19. Juni 2015, 19:26:46
Aber es braucht eben Übung und Gewöhnung - zu sagen "es lohnt sich nicht" für Anfänger, halte ich für Unsinn. So bleibt man ja immer ein Anfänger.
Es lohnt sich leider wirklich nicht. Die Erfahrung habe ich sowohl als Autorin, als auch als Bibliothekarin gemacht. Man organisiert die Lesung, macht Werbung, schreibt die Zeitung an, schreibt Anträge für die Überstunden des Personals, informiert den Wachdienst, dass der sich nicht über Licht wundert, etc. und dann kommen auch zu bekannten Autoren oft nur wenige Leute. Wir hatten mal eine wundervolle Lesung in einem kleinen Stellarium und genau zwei Leute Publikum, die wir nicht kannten (ansonsten waren es auch nur 5 Leute aus unserem Bekanntenkreis). Und das ist nur eins von vielen Erlebnissen in dieser Richtung. Das ist ziemlich frustrierend für alle Seiten und insofern finde ich die Aussage des Buchhändlers sehr ehrlich, gegenüber ständigem Vertrösten und Nicht-Melden.

Je nach Genre findet man immer eine Gelegenheit, um zu üben. In Sachen Phantastik gibt es viele größere und kleinere Cons, bei denen man sich um eine Lesung bewerben kann. Die Bibliotheken haben oft Aktionstage/-wochen wie "Die Nacht der Bibliotheken" oder auch "Tage des Denkmals" und weil dann eh viel organisiert werden muss und Publikum da ist, lassen sie auch mal einen Anfänger lesen, wenn das Thema passt. Und man muss natürlich auch ein wenig überlegen, wie man dem Buchhändler/Bibliothekar die Lesung schmackhaft macht. Beispielsweise vorschlagen, eine Lesereihe mit regionalen Autoren zu starten, eine Pen&Paper-Rollenspielrunde für Jugendliche zu leiten, die im Anschluss an die Lesung stattfindet (Also so eine Art Mini-Fantasytage. Hatten wir mal in einer Zweigstelle. Und auch Magic vorgestellt), junge Musiktalente/Bands aus der Gegend mitzubringen, etc.; also deutlich zu machen, dass man zwar Anfänger ist, sich aber Gedanken darüber macht, wie der Buchhändler/Cafébesitzer/Bibliothekar die Sache bewerben kann und dass es eben kein Reinfall für ihn wird.
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: HauntingWitch am 19. Juni 2015, 19:46:43
Genau für diese Dinge, in denen du schlecht bist (und ich vermutlich auch sein werde) gibt es Verlage. Die sollen Marketing, Social Media und co übernehmen. Das ist in meinen Augen der große Auftrag eines Verlages. Was leisten die denn sonst? Cover, Lektorat und Korrektorat kann jeder selber machen (siehe Selfpublishing) aber für den Anteil Marketing, Social media und co ist nicht jeder geeignet. Dafür der Verlag.

Sehe ich eigentlich auch so. Nur leider ist es so, wie Thaliope sagt, sie machen es einfach nicht. Es sei denn, man wird ein verlagsinterner Bestseller, aber auch die haben es ja irgendwie geschafft, so viele Leute anzuziehen.  ::)

Daher, auch wenn es etwas komisch klingt, sehe ich kein Problem bei dir. Mach einfach weiter. Die Dinge über die du dir Sorgen machst, können (sollen?) auch andere machen. Mach einfach weiter, alles ist gut :)

Der Spruch tut gerade echt gut. :knuddel:  :knuddel: Ich mache schon weiter, keine Sorge. Wie Siara schon erkannt hat, ich kann nicht nicht weitermachen. ;)

@Witch: ich drück dich mal. Tröstliches zu sagen habe ich leider kaum, weil ich gerade selbst in diesem Loch hocke, das zwischen Anspruch und Realität klafft. Immerhin ist es großzügig bemessen, ich könnte mich häuslich niederlassen.

Dann stellen wir jetzt aber eine Couch auf, damit es wenigstens ein bisschen angenehmer wird, wenn wir schon nicht wissen, wann wir wieder herauskommen (können).  :knuddel:
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Alana am 19. Juni 2015, 19:58:40
Ich glaube, dieses Loch verschwindet nie. Je tiefer ich in die Branche eintauche, desto tiefer wird das Loch. Aber es wird aufgewogen durch die vielen schönen Dinge, Erlebnisse und die vielen tollen Leute. Trotzdem glaube ich, dass man sich mit dem Gedanken anfreunden muss, dass man als Autor mit diesem Loch leben muss. Selbst Weltbestsellerautoren sitzen in diesem Loch. Ich versuche deshalb, meinen Frieden damit zu machen, auch wenn das verdammt schwer ist. Wenn es besonders schlimm ist, hilft mir nur der Zuspruch hier im Forum und woanders und deswegen einfach mal danke an alle. Und an alle, die sich mies fühlen: bleibt damit nicht alleine. Lasst euch feste Durchknuddeln. Das Loch gehört dazu, aber wir können uns gegenseitig das Leben im Loch etwas erleichtern. Deswegen ein ganz dicker Drücker für dich, Witch. :knuddel:
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Christopher am 19. Juni 2015, 20:36:27
Freut mich, dass ich wenigstens ein bisschen helfen konnte. Ich schließ mich zum Schluss nur noch Alana an. Der Zweifel ist immer da, das hab ich auch schon an vielen Stellen gehört/gelesen. Einfach weitermachen. Wer aufhört zu Zweifeln, hat aufgehört besser zu werden ;)
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Pety am 19. Juni 2015, 20:42:15
Zitat
Ich glaube, dieses Loch verschwindet nie. Je tiefer ich in die Branche eintauche, desto tiefer wird das Loch. Aber es wird aufgewogen durch die vielen schönen Dinge, Erlebnisse und die vielen tollen Leute. Trotzdem glaube ich, dass man sich mit dem Gedanken anfreunden muss, dass man als Autor mit diesem Loch leben muss. Selbst Weltbestsellerautoren sitzen in diesem Loch. Ich versuche deshalb, meinen Frieden damit zu machen, auch wenn das verdammt schwer ist. Wenn es besonders schlimm ist, hilft mir nur der Zuspruch hier im Forum und woanders und deswegen einfach mal danke an alle. Und an alle, die sich mies fühlen: bleibt damit nicht alleine. Lasst euch feste Durchknuddeln. Das Loch gehört dazu, aber wir können uns gegenseitig das Leben im Loch etwas erleichtern. Deswegen ein ganz dicker Drücker für dich, Witch. :knuddel:
Ich hätte es nicht besser schreiben können.

Ich setz mich gern mit in dieses Loch Alana&Witch, bringe Euch wieder zum lachen und Spaß an dem zu haben, warum wir hier sind.  :knuddel: Und wenn es Euch hier unten nicht mehr gefällt, dann lasst Euch wieder raushelfen. Jede traurige Hängepflanze treibt auch wieder Blüten, wenn man sich um sie kümmert.  ;)
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Ivy am 19. Juni 2015, 20:51:36
Ich kann mich meinen Vor"rednern" nur anschließen - ihr habt genau getroffen, was ich seit mehreren Wochen empfinde und mir im Kopf herum spukt. 
Ich hätte es nicht besser formulieren können.

Auf das Loch und die Blüten !!
Niemals aufgeben! Immer weiter machen!!

Cheers

Wir schaffen das.
*ganz fest daran glaub*

 :gruppenknuddel:

*mit neuer Hoffnung weiter machen geh*
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: HauntingWitch am 20. Juni 2015, 13:57:16
Ach, Mensch, ihr seid klasse, ihr alle. :gruppenknuddel: Heute geht es mir ein bisschen besser. Ich glaube, ich mache einen schreibfreien Tag, um den Kopf etwas durchzulüften.

@Alana: Ja, langsam denke ich das auch. Beziehungsweise, bisher hatte ich das einfach phasenweise, aber ich schätze, es ist halt mal tiefer und mal weniger tief.  :knuddel:
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Tinnue am 20. Juni 2015, 14:16:37
Ich komme leider viel zu spät dazu, etwas zu sagen, sodass eigentlich schon alles gesagt worden ist. Im Prinzip schließe ich mich Alana an. Auch ich hab diese Tiefs immer wieder und wahrscheinlich (einfach auch weil ich ein Kopfmensch bin) werden sie wohl immer wieder kommen. Die Frage ist nur, wie man seinen Frieden damit schließt. Glücklicherweise gibt es den TiZi, sodass man nicht völlig in seinem Loch versumpft. Wir ziehen uns immer wieder gegenseitig raus - allein zu wissen, dass es all diese wunderbaren Menschen gibt, macht mich glücklich und hoffnungsvoll.  :knuddel:
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Siara am 21. Juni 2015, 22:17:59
Darf ich auch mal? (Und das, obwohl ich hier nichts aus eigenem Anliegen hatte schreiben wollen).

Aber da es bei mir schon seit über einem halben Jahr nicht mehr so richtig läuft, habe ich mir endlich eingestanden, dass es nicht einfach nur eine kleine Phase ist. "Zweifel" sind nicht ganz das richtige Wort. Ich schreibe momentan nicht gezielt auf Veröffentlichung, sondern zum Spaß. Aber genau der fehlt, und ich hab keine Ahnung, woran es liegt. Ich liebe die Idee, die hinter meinem aktuellen Projekt steht, und den Protagonisten, in den ich mich von Anfang an hineindenken konnte. Der Plot ist im Groben fertig, lässt aber noch Freiheiten, was mir immer wichtig war. Alles ist so, wie es sein sollte. Außer mein Gefühl.

Meine Projekte haben mich seit jeher nicht nur beim Schreiben, sondern den ganzen Tag über erfüllt. Ständig in Gedanken bei den Charakteren, gepackt von ihren Gefühlen und den Erlebnissen, die noch auf sie warteten. Plötzliche Plottwists unter der Dusche, vor dem Einschlafen, beim Essengehen. Und immer wieder dieses begeisterte Kribbeln, das sich anfühlt wie das erste Stück Schokolade, nur dauerhaft.

Das hatte ich seit Monaten nicht. Und diese fehlende Begeisterung schlägt sich auch auf dem Schreiben nieder. Mein Stil - das weiß ich - ist nicht schlecht. Nicht perfekt, aber theoretisch bin ich damit zufrieden. Praktisch dann doch nicht. Letztes Jahr, am anderen Roman, war jede Szene etwas Besonderes. Jeden Abend beim Schreiben ist aus dem Nichts ein neuer Gedanke aufgetaucht, der mir genial vorkam, oder eine Formulierung, in die ich mich verliebt habe. Jede Szene - selbst nur Gespräche - wurden gewitzt und nicht bloße Plottreiberei, sondern wie eine kleine Kurzgeschichte. Neben ihrer Rolle in der Geschichte auch für sich stehend unterhaltsam. (Also beim Schreiben, meine ich. Gelesen hat es noch fast niemand).

Dieses Mal ist der Großteil beim Schreiben genau das: Nur geschrieben, um den Plot voranzubringen, in der Hoffnung, dass mich irgendein Moment dann doch mal packt. Ich wickle die Geschichte ab, und das Ganze in annehmbaren Stil. Und sobald das Dokument geschlossen ist, verschwindet alles aus meinem Kopf. Aus dem Augen, aus dem Sinn, wie ein lästiger Brotjob. Und es ist nicht bloß dieses eine Projekt. Dasselbe ist es mit Kurzgeschichten, an denen ich auch immer Spaß hatte.

Vielleicht würden andere das Geschreibsel sogar ganz gut finden. Aber mir fehlt das Feuer, die Leidenschaft. Das, was mich dazu gebracht hat, zehn Stunden am Tag am PC zu verbringen, ohne zu merken, wie die Zeit vergeht. Was mich zum Nachdenken und Grübeln gebracht hat. Die Euphorie beim bloßen Gedanken an das Schreiben. Ich hatte sie immer, seit ich sechs war. Und jetzt ist sie verschwunden, und ich weiß nicht, wohin.

Gerade habe ich einfach nur panische Angst, aus dem Schreiben herausgewachsen zu sein. Es war immer ein Teil von mir, und wenn es weg ist - so albern und übertrieben das klingen mag - verliere ich ein Stück von mir selbst. Ein großes Stück.
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Alana am 21. Juni 2015, 22:35:43
Ich kann diese Angst gut verstehen, Siara, die hatte ich letztes Jahr auch, als ich mich ganz furchtbar durch ein Projekt gequält habe. Am Ende war ich mit dem Ergebnis zufrieden, aber Spaß gemacht hat es nicht. Da hatte ich wirklich Angst, vor allem, weil es mir mit den anderen Projekten zunächst ähnlich ging. Dann kam der Nano und ein Projekt, das mir völlig unverhofft einen richtigen Schreibrausch beschert und mir irgendwie das Leben gerettet hat. Danach habe ich mich dann wieder gequält, aber ich weiß jetzt, es wird diesen Rausch immer wieder geben, der ist nie ganz weg. Leider weiß ich nicht, woher das kam, das Rausch-Projekt war genauso ein Auftrag wie die anderen. Aber ich bin ganz sicher, dass es dir auch so gehen wird, dass der Spaß wiederkommt.  :knuddel:
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Klecks am 21. Juni 2015, 22:48:29
@Witch: Oh, das sehe ich ja jetzt erst! Es wurde schon so viel Tolles gesagt - ich könnte nur wiederholen. Deshalb lasse ich dir einfach einen Knuddler da und hoffe, das reicht.  :knuddel:

@Siara: Alana hat schon wunderbar geantwortet, und ich kann nur auch sagen, dass ich ganz sicher bin, dass das wieder kommt.  :knuddel:  Hast du gerade große Veränderungen in deinem Leben, die sich lange hinziehen? Stresst dich etwas, beschäftigt dich etwas? Das alles kann zu solchen Tiefs führen - aber es kann dann ja nur noch bergauf gehen, und ich bin sicher, dass es wieder bergauf gehen wird bei dir. Vielleicht nicht morgen, vielleicht nicht nächsten Monat, aber es wird nicht immer so bleiben. Gib die Hoffnung nicht auf. Schreib weiter. Und irgendwann, vielleicht schneller und plötzlicher, als du denkst, spürst du das Feuer wieder.  :knuddel:
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Grey am 22. Juni 2015, 00:40:36
Hm, also ich habe mich gerade beim Lesen sehr wiedergefunden. Ich habe das Problem bei meinem aktuellen Projekt auch ganz massiv, und ich habe auch schon sehr viel darüber nachgedacht, woran es liegen könnte. Oder was ich dagegen tun kann. Ich weiß, dass ich gerade einfach nicht die Zeit habe, stundenlang im Text zu versinken. Aber das allein ist es nicht. Früher habe ich ja auch die zehn Minuten in der Bahn auf dem Weg nach sonstwo genutzt und es hat funktioniert. Ich denke, ich bin in dem was ich mache einfach zu routiniert. Ich habe zu viele Geschichten dieser Art, also Jugendfantasy, hintereinander geschrieben, so dass ich mehr ein Programm abspule als wirklich mit Herz zu schreiben. Zumindest fühlt es sich so an. Bisher bin ich aber noch optimistisch, dass sich das mit einem Genrewechsel wieder ändert, und darauf freue ich mich sehr. Vielleicht wäre das auch was für dich?
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Siara am 22. Juni 2015, 01:02:37
@Alana: Das macht mir gerade wahnsinnig Mut. Ich weiß ja, wie viele abgeschlossene Projekte du hast, und dass nicht aufgeben und weitersuchen dir geholfen hat, ist eine echte Aufmunterung. Natürlich immer noch schade, dass es auch bei dir nur phasenweise so locker läuft wie früher einmal. Aber vielleicht werden diese Phasen ja auch wieder länger und greifen auf mehr Projekte über als im Augenblick. Dankeschön! :knuddel:

@Klecks: Tatsächlich ist wirklich einiges los momentan, inbesondere in den letzten zwei Monaten. Davor lief es auch schon nur mittelmäßig, aber seitdem ist jeder Spaß verflogen. Was echt doof ist, weil das restliche Leben gerade in vielerlei Hinsicht richtig gut läuft. Womöglich liegt es wirklich unter anderem daran, und mir fehlen einfach der Kopf und die Einsamkeit (die der positiven Art) für das Schreiben. Jetzt, wo du's sagst, ist der Bruch im Schreibverhalten sogar ziemlich deutlich zu erkennen. Dankeschön, für diesen Hinweis und deine lieben Worte, und das Knuddeln hilft auch schon. :knuddel:

@Grey: Eine Sache der Zeit ist es glaube ich wirklich nicht, auch wenn es mal knapp werden kann. Ich weiß nicht, wie es bei dir ist, aber das Schreiben findet bei mir nur zu einem kleinen Teil am Schreibtisch oder beim Tippen statt. Wenn die Gedanken ständig um die Protagonisten und den Plot schleichen, fühlt es sich gut an. Daher kann das mit der Routine bei dir wirklich sein. Ich drücke die Daumen, dass der Genrewechsel klappt! :knuddel: Bei mir ist das aktuelle Projekt eine ganz neue Richtung, eine neue Erzählstimme, eine andere Stimmung als alles, was ich vorher geschrieben habe. Vielleicht ist das sogar ein weiteres Problem: Veränderung im Leben + Veränderung im Genre = Keine Verbindung zum Gefühl fürs Schreiben.

Danke ihr Lieben! Ich werde das Projekt beenden, auch wenn es länger dauert und mich teils in den Wahnsinn treibt. Das letzte habe ich - aus anderen Gründen - bereits abgebrochen, und das soll nicht wieder vorkommen. Danach mache ich mich mit gutem Gewissen an etwas Neues, denn da warten ja trotz KreaTief noch Ideen, auf die ich mich freue. :)
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Kraehe am 22. Juni 2015, 02:03:23
Gerade habe ich einfach nur panische Angst, aus dem Schreiben herausgewachsen zu sein. Es war immer ein Teil von mir, und wenn es weg ist - so albern und übertrieben das klingen mag - verliere ich ein Stück von mir selbst. Ein großes Stück.

:knuddel: Wie du ein paar Posts weiter sagst - wenn das restliche Leben so gut läuft oder einen so wahnsinnig beschäftigt hält, dann fehlt einfach der Leerlauf, den man sonst mit Gedanken an das Schreiben gefüllt hat. Geht mir zumindest so. Seit ich so richtig ins Medizinstudium reingewachsen bin, läuft bei mir auch alles sehr schleppend und es geht mir ähnlich wie du es jetzt schilderst. Das ist normal. Mir fehlt das Schreiben, aber andererseits finde ich das, was sonst passiert, auch sehr toll. Ich arbeite eher pulsatil an meinen Projekten - in den Ferien, wenn länger ruhige Zeiten sind, wenn ich mal ein paar Wochen bei meinen Eltern im Ort bin, an dem ich kaum andere Ablenkung habe. Oder ich beschäftige mich in Gedanken mit meinen Geschichten, wenn ich besonders viel Stress habe und einfach mal in der Bahn sitze. Wenn ich mit dem Hund im Wald bin. Und im NaNo. Das ist für mich eine Instanz, die geblieben ist und die ich sehr genieße. :vibes:

Ich denke, du solltest nicht zu viel Panik haben. Solange das Schreiben für dich ein Teil von dir ist, bleibt es das auch. Das Vermissen und die Feststellung, dass man nicht zufrieden ist, gehört leider dazu. Aber wenn man es möchte, findet man Nischen und schafft sich Rituale. Momentan, würde ich sagen, geht das bei mir wieder besser. Auch wenn ich aktiv seit ein paar Monaten vielleicht 1000 Wörter geschrieben habe und die wirklich doof fand. Aber wie du sagst, Schreiben ist mehr als das. Und diese Momente stehlen sich sicher wieder in deine Gedanken, vor allem, wenn es Gelegenheit dazu gibt.
Für die Momente, in denen es läuft: Ansprüche herunterschrauben, loslassen und einfach mal schreiben. Ändern kann man es immer noch, oder du holst dir einen Testleser. Also gib nicht auf und freu dich darüber, dass der Rest des Lebens gerade so spannend ist! :)
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Franziska am 22. Juni 2015, 02:21:27
Ich kann das auch gut verstehen. Ich habe quasie seit einem Jahr kaum was geschrieben. Ich habe einiges überarbeitet, aber neu geschrieben kaum. Mir fehlt irgendwie die Motivation, ich finde nicht recht in die Projekte rein. Zwischendurch hatte ich auch immer wieder diese Phasen, man muss ja nicht jeden Tag schreiben, mach doch einfach mal eine Pause, dann kommen dir vielleicht Ideen, was du am Plot verbessern könntest, oder du siehst den Text dann mit anderen Augen. Schreib mal eine Kurzgeschichte zwischendruch, mach mal was ganz anderes, dann kommen dir vielleicht Ideen, die du unbedingt aufschreiben willst, und schon hast du wieder Lust zu schreiben. Vielleicht ist dein aktuelles Projekt einfach nichts, was du unbedingt schreiben musst. Wenn ich denke, ich muss das jetzt fertig schreiben, dann wird es nichts. Da ist natürlich jeder anders, kann sein, dass es bei dir funktioniert. Ich bin mir aber ziemlich sicher, dass bei dir auch der Drang zum Schreiben wiederkommen wird.
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Siara am 22. Juni 2015, 14:25:32
Danke ihr zwei. :knuddel:

Für die Momente, in denen es läuft: Ansprüche herunterschrauben, loslassen und einfach mal schreiben.
Genau das muss ich auch dringed wieder lernen, das Loslassen. Seit einigen Jahren, seit der Beschäftigung mit dem Handwerkszeug, wurde das immer schwieriger. Ich finde es gerade ebenso traurig wie erleichternd zu hören, dass du und noch einige andere dieses Problem auf die ein oder andere Weise kennen. Dann ist zumindest das "Rauswachsen" aus dem Schreiben vielleicht keine Gefahr, sondern die Schwierigkeiten, gerade mit einem vollgestopften Leben, sind ganz normal. Und schön, dass du einen guten Weg gefunden hast, wie du alles unter einen Hut bekommst. :vibes:

@Franziska: Eine Phase der Pause hatte ich im April und Mai gerade. Im Juni habe ich (mit mehr Erfolg) versucht, mich öfter ranzusetzen. Ich merke einfach, dass es viel flüssiger läuft, wenn ich regelmäßiger schreibe - selbst wenn die Euphorie nicht aufkommen will. Zum Durchbeißen habe ich mich entschieden, weil ich Idee und Hintergrund zum Projekt toll finde und glaube, dass ich am Ende doch zufrieden und glücklich sein kann. Und weil ich nicht zwei Projekte hintereinander abbrechen will, sonst wird es noch zur Gewohnheit. Aber nach deinen und den anderen Antworten bin ich auch zuversichtlich, dass der Drang wiederkommen wird. So etwas lässt sich vermutlich nie ganz abschütteln, nicht einmal, wenn man es versucht. Und vielleicht läuft es ja auch bei dir bald wieder besser, wenn du ein Projekt findest, das dich wirklich packt und nicht mehr loslässt.

Gerade bin ich einfach mal wieder froh, in diesem Forum gelandet zu sein. Es geht mir nach euren Worten so viel besser als gestern, und die Angst ist verschwunden. Manchmal hilft es schon, wenn man mit Leuten reden kann, die einen verstehen. :gruppenknuddel:
Titel: Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
Beitrag von: Moni am 22. Juni 2015, 14:33:28