Tintenzirkel - Das Fantasyautorenforum

Allgemeines => Tintenzirkel => Thema gestartet von: Alaun am 24. Juni 2010, 16:11:07

Titel: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: Alaun am 24. Juni 2010, 16:11:07
Hallo liebe Tintenzirkler!

Heute ist wieder so ein Tag... Vorhin habe ich mir einen Teil der Übertragung des Bachmann-Preises auf 3 Sat angesehen. Ein Freund von mir wurde dieses Jahr eingeladen und hat dort gelesen. Er ist 4 Jahre jünger als ich, hat aber schon Bücher veröffentlicht, etliche Preise abgeräumt, lebt nur vom Schreiben... Ich gönne es ihm von Herzen, darum gehts gar nicht. (Ok, manchmal bin ich auch grün vor Neid, aber er ist ein wirklich netter Kerl. Deshalb ist es nicht ganz so schlimm  ;D) Leider führt die Demonstration des Erfolgs dazu, dass ich mir heute wieder denke, dass ich es nie zu etwas bringen werde.  :gähn:

Aber ich WILL!!! Ich will dieses "tolle" Schriftstellerleben, so wie man sich das als Kind und Jugendlicher immer erträumt hat! Und ja, ich weiss, dieses Leben gibt es gar nicht, es ist einfach nur harte Arbeit... Und es bleibt immer harte Arbeit. Ich bilde mir aber dennoch immer wieder ein, es wäre einfacher, wenn man schon was vorweisen könnte. Was natürlich Quatsch ist, denn der Druck steigt dadurch ja eher noch.

Immer, wenn ich ganz besonders "erfolgreich" werden will, dann klappt es mit dem schreiben nicht mehr. Dann wird es krampfig, bemüht- kurzum: Schrott. Egal, ob Fantasy oder andere Prosa, sobald ich "WILL", ist es aus.
Ich frage mich gerade, wie man seinen Ehrgeiz effektiv nutzen kann, ohne dass er einen sofort wieder ausbremst? Irgendwie dreht sich dieses Thema bei mir auch immer wieder im Kreis...  :-\

Liebe Grüße von der leicht frustrierten
*Aquamarin

Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: Runaway am 24. Juni 2010, 16:22:01
Och Mensch... wenn ich sage, ich fühle mit dir, ist das untertrieben. Ich fühle ganz genauso! Ich würd auch lieber jetzt als gleich alles stehen und liegen lassen und nur noch schreiben.
Aber ernsthaft, da kann man wirklich von leben?? Wie macht er das? Warum macht er das und ich nicht? ;)

Und warum denkst du, daß du es nie zu was bringst, nur weil er da jetzt schon ist und du eben noch nicht? Hey, wenn du sowas denkst, kannst du ja gleich aufgeben. Und das lasse ich nicht zu ;)
Ich hab mir, als ich noch ein Kind war, auch gewünscht, als DER begabte Jungautor entdeckt und gefeiert zu werden. Jetzt bin ich 24 und nix ist passiert. ;)
Ich hab mir letztens gedacht: Hätte ich mir doch mal gleich eine Agentur gesucht, dann hätte ich es mir schenken können, erst bei Books on Demand zu veröffentlichen und dann fast drei Jahre drauf zu warten, daß mein strunzlahmer und inkompetenter Verlag mal meine Bücher rausbringt. Eins hat er ja immerhin geschafft.
Ich ertrage es ja kaum, in Buchläden zu gehen, weil ich da immer grün vor Neid werde... genau wie du vorhin ;D

Aber ich habe mir eben keine Agentur gesucht und ich habe bei BoD veröffentlicht und das war auch gut so, denn da habe ich viele viele viele wertvolle Erfahrungen in Sachen Buchmarkt gesammelt, die ich nicht mehr missen möchte.
Was genau ich Positives daraus ziehen soll, daß ich so geduldig mit meinem Verlag war, weiß ich noch nicht, außer daß ich mich nicht mehr gängeln lassen werde und in Zukunft mit mehr Selbstbewußtsein an die Sache rangehe, denn das braucht man. Siehst du ja gerade ;) Man braucht erst mal ein monströs dickes Fell und den Glauben an sich selbst, bevor man das angeht, denn Absagen muß man schlucken können, ohne gleich an sich selbst zu zweifeln. Mir fallen spontan genug Beispiele großer Autoren ein, die anfangs auch keiner haben wollte.
Hilft uns jetzt vielleicht nicht, aber - so blöd das auch ist - ich glaube, es gehört auch einfach Glück dazu, daß man an diejenige Person gerät, die an einen glaubt und einen fördert.

Was den Ehrgeiz angeht, ist es bei mir genau umgekehrt - wenn ich mir Druck mache, werde ich tatsächlich besser. Keine Ahnung, wieso.
Ich stelle mir dann einfach beim Schreiben alle möglichen Leute vor, die das vielleicht mal lesen, und Kritiker, und dann frage ich mich: Was würden die über den Satz jetzt hier denken?
Dann sehe ich meistens, wo der eine Macke hat, und bessere sie aus. Das ist quasi meine eigene kleine Geheimpolizei.
Ich hab noch nie bewußt drüber nachgedacht, warum das funktioniert. Wie sieht denn ein Anfall von Ehrgeiz bei dir genau aus?
Ansonsten, wenn du da nicht weiterkommst, versuch doch einfach, ihn außen vor zu lassen. Vielleicht funktionierst du ja genau umgekehrt und bist dann gut, wenn du keinen Druck hast.
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: Zitkala am 24. Juni 2010, 17:48:41
Zitat von: Derexor
Ich bin 16 und versuche meine Romane abzuschließen, um noch vor dem Abi etwas zu veröffentlichen.

Na danke, was soll ich mit meinen 21 da sagen?

*in Tischkante beißt, rumsabbert; so doll drückt, dass der Kiefer knackt und die Zähne weh tun; von der Tischkante ablässt* Sooo. *Kiefer richtet*

Aber gut, ich hab' auch eine kleine Veröffentlichung vor meinem Abi gebracht - mittlerweile bin ich aber froh, dass der Vetrag ausgelaufen ist und die Geschichte in der Versenkung verschwindet. Nicht, weil es ein Totalreinfall ist, aber ich kann's heute defintiv besser - damals vorallem aber auch. Ich möchte einfach nicht, dass da eine Geschichte, die ich komplett in 24h aus dem Boden gestampft und die mich völlig irre machte, weiter im Umlauf ist. Ganz davon abgesehen, dass mich mein richtiger Name auf dem Cover stört. :-\ (Ja, ich habe Probleme damit, weil ich gerne meine Aktivitäten trenne ...) Aber: laber, laber, Rhabarber.

Erstens: Warte lieber noch, glaub mir. Mit zwanzig wirst du viel anders über deine Schreibe denken. Auch weil du als Person gereift bist und vieles besser darstellen kannst/dann anders sehen wirst.
Zweitens: Und dann kommt der Druck, das zweite Buch zu schreiben und danach das dritte, das vierte, das fünfte, etc.

Rhabarber. ;D Zum Thema:

Ich habe ja auch so den inneren Drang in mir nicht nur zu schreiben, sondern auch zu zeichnen. Natürlich bin ich da auch regelmäßig auf deviantArt und von Zeit zu Zeit gibt's dort die urst-tollen Bilder - die von Menschen stammen, die bedeutend jünger sind als ich. :'( Nicht, dass ich total stümperhaft wäre, aber aus der Höhle* bin ich noch lange nicht raus, ich kletter noch.

Da fall ich dann auch regelmäßig in seelische Löcher und fress' die Tischkante. Aber dann denk ich mir: Guck mal, da gibt es soooooo viele, die soooo viel älter sind als du und nicht mal einen graden Strich hinbekommen - oder wie viele Gleichaltrige oder gar Lehrer (früher; heute: Dozenten) nicht das können, was du kannst. Damit zieh ich mich immer selber wieder hoch und nutz den, ja, Neid als Ansporn noch besser zu werden, um die anderen, die Beneideten, irgendwann auszustechen. :snicker: Wahnsinnig sein, klotzen, nicht kleckern und dann kommt der Lohn. Irgendwann.

Lasst euch einfach nicht unter kriegen; denkt daran, was ihr schon alles könnt, und lernt und übt weiter. Als Meister wird man nicht geboren, sondern nur durch Arbeit und Hartnäckigkeit. Auch ein Michelangelo war zuerst Assistent bei Ghirlandaio. :snicker:

*-> Anlehnung Höhlengleichnis; Sonne nicht als Weisheit, sondern als Perfektion
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: Alaun am 24. Juni 2010, 17:48:52
Hallo ihr Lieben!

Ähm- ich denke nicht im Traum daran, aufzugeben  ;) So sollte das auch gar nicht rüberkommen. Aber es gibt einem schon zu denken, wenn man 32 ist und die Projekte sich hinziehen und hinziehen und hinziehen...  :P
Das lustige ist: ich arbeite im Coachingbereich. Ich helfe ständig allen möglichen Menschen mit allen möglichen Problemen, ihre Ziele zu erreichen. Und meine eigenen Ziele stehen immer hintenan. Kurios, oder?

Aber vielleicht braucht eben alles seine Zeit. Ich habe irgendwann für mich beschlossen, dass ich auf keinen Fall halb ausgegorene Sachen machen will. Wenn ein Manuskript an eine Agentur oder einen Verlag geht, dann wird es so  hieb- und stichfest sein, wie es mir möglich war. Das ist wahrscheinlich ein Vorteil des "Älterwerdens"- man macht weniger "schlechte" Kompromisse.

PS: Es gibt kleine Veröffentlichungen von mir, Kurzgeschichten etc. Aber irgendwie sind die schon länger her und bei mir steigt einfach der Druck, dass jetzt was "Gescheites" her soll. Sprich, ein Roman. Ähm, nee- ein guter Roman  ;D


Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: Sprotte am 24. Juni 2010, 18:02:10
Ich bin 41 (wenn wir hier schon mal dabei sind, über unser Alter zu jammern  :snicker:).

Ich schreibe seit weit über 20 Jahren. Anfangs nur für mich, für Mama und allerallerengsten Freundeskreis. Heute bin ich froh, daß keines dieser Bücher irgendwie veröffentlicht wurde. Sehr, sehr froh. Mein erstes "Werk" steht als abschreckendes Beispiel liebevoll von Hand gebunden im Regal. Von der Festplatte ist es gelöscht.

Hadere ich mit mir, daß ich denke, ich schreibe nicht gut genug, genügt ein Blick in dieses Machwerk einer Pubertierenden, die noch nicht einmal elementare Zeichensetzung beherrschte.  :wums: Wer ist diese Kreatur? Ich bin es. Und ich habe sehr viel dazu gelernt.

Meine erste Veröffentlichung ist am 30.04. diesen Jahres herausgekommen: Ein Heftroman nach Wettbewerbsausschreibung. Und: Ich habe Blut geleckt. Ich stöbere und suche nach Wettbewerben, und jeder, zu dem ich etwas Sinnvolles (zumindest aus meiner Sicht, was weiß ich, was die Verleger und Lektoren denken!) beizutragen habe, wird von mir bestückt.

Ich schreibe, weil es mir Spaß macht - immensen Spaß. Schreiben ist für mich Frustabbau, Aggressionsabbau und vor allem viel, viel Spaß. Aber es reicht mir nun nicht mehr, für die Schublade zu schreiben. Meine Betas feuern mich an, lieben Maynard - und Maynard hat meiner festen Überzeugung nach etwas Besseres verdient als ein Dasein in der Schublade. Ich möchte ihn veröffentlicht sehen, alle zwölf bisher geschriebenen Bände, alle weiteren Bände, die noch folgen können und werden.

Wettbewerbe sind da für mich ein Schritt in die richtige Richtung. Es ist alleine schon schick, daß in meiner Vita jetzt der Arcanum-Roman steht. Ich will da mehr stehen haben, weil ich hoffe und denke, daß ein Lektor, der eine solche Veröffentlichungsliste sieht, sich vielleicht eher erbarmt, mein Exposé und meine Leseprobe zu begutachten. Eines noch: Ich wünsche nicht desillusioniert zu werden, falls ich mir mit verbesserten Erfolgschancen aufgrund einer Liste etwas vormache. Das ist jetzt erst einmal meine Strategie.

Ansonsten: Tintenzirkel mein, gelobt sein Deine Mitglieder, die mir helfen, besser zu werden. Gelobt sein alle Mitstreiter, die mir helfen, ein echtes Exposé zu schreiben, gleichmäßig an meinen Büchern überhaupt weiterzuschreiben und mir notfalls im Brainstorming beispringen, wenn ich ein Brett vor meine Stirn genagelt habe.
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: Kerimaya am 24. Juni 2010, 18:06:13
Wenn man dieses "Ich WILL Schriftsteller werden, und zwar jetzt!" verspürt und man gefrustet ist, gibt es nur eins: die Kraft und Energie, die in diesem Frust steckt nehmen, und sie dafür nutzen, endlich mal den Axxx hochzubekommen! Schriftstellerei (und ich rede jetzt vom veröffentlicht werden etc.) ist weder ein Hexenwerk, noch ein großer Glücksfall (auch wenn Glück natürlich hilfreich ist), sondern das Ergebnis von harter Arbeit an sich selbst und seinen Büchern, einem aufmerksamen Auge und einem gewissen Mass an Vorraussicht.
Ich bin 27 und habe 2004 begonnen zu schreiben bzw. nicht mehr für mich selbst zu schreiben, sondern mit dem ganz klaren Ziel: Ich will veröffentlicht werden. Sechs Jahre später bin ich diesem Ziel sehr nah bzw. habe es zum Teil schon erreicht und arbeite weiter daran, meinen Traum wahr zu machen.
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: Zitkala am 24. Juni 2010, 18:15:24
Zitat von: Kerimaya
Sechs Jahre später bin ich diesem Ziel sehr nah bzw. habe es zum Teil schon erreicht und arbeite weiter daran, meinen Traum wahr zu machen.

Rechne, rechne ... Dann bleiben mir ja (ausgehend von dem Pkt. als ich anfing mich ernsthaft damit zu beschäftigen) noch drei Jahre. Hm. Fällt auch in meine persönliche Frist, die ich mir als Maßgabe gesetzt habe, dann Manuskripte wegzuschicken (so mit 25).

Ach, immer dieses Vergleichen. :rofl: Normalerweise bin ich ja nicht der Typ, der sich unter Konkurrenzdruck setzen lässt (schon gar nicht beim Mannschaftssport (wie ich Schulsport verabscheue)) - aber beim Schreiben und Zeichnen drehe ich regelmäßig am Rad deswegen. Ich fühl mich so bekloppt. :pfanne:
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: Kerimaya am 24. Juni 2010, 18:20:30
Ach Fristen ...  Jung bei der Manuskriptfertigstellung zu sein, hat lediglich den Vorteil, dass man ein bisschen mehr Zeit hat, um an seinem Traum zu arbeiten. Wirkliche Lebenserfahrung, die man so schön in Büchern verarbeiten kann, fehlt aber (merke ich immer wieder) ;)
Wichtig finde ich einfach, dass man an sich arbeitet und etwas für sein Ziel tut.
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: Lucien am 24. Juni 2010, 18:31:13
Jaa, das kenn ich auch.  ;D
Immer, wenn die Frage kommt, was ich für ein Hobby ich denn habe und danach die Frage kommt: "Na, schon veröffentlicht?" Stellt sich bei mir der Frust und der Ärger auf mich selbst ein. Wenn ich doch wenigstens sagen könnte, dass ich schon was fertig habe und nur noch nen Verlag finden muss...  :d'oh:
Aber ich setz mich dann auf meinen Hintern und denke mir mal wieder eine neue Methode aus, mich zu motivieren, und dann fluppt es wieder für eine Weile (bloß nicht da, wo es eigentlich fluppen soll). 
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: Mondwölfin am 24. Juni 2010, 18:37:11
Zitat
Ich habe irgendwann für mich beschlossen, dass ich auf keinen Fall halb ausgegorene Sachen machen will.


Das ist ein Credo, das jeder angehende Autor leben sollte. Wenn du selbst noch nicht ganz überzeugt bist, kannst du die anderen erst recht nicht überzeugen.
Was die Kuriosität angeht, die Aquamarin angesprochen hat: Das ist sowas von klar. Ich hab jetzt seit zwei Wochen kein einziges Wort für meine eigenen Werken zusammengebracht. Obwohl ich meine Startzeiten eingehalten habe. Der Grund ist mir seit gestern klar: Ich hatte in meinem Brotberuf deutlich mehr Presse- und Fachtexte zu formulieren. Dabei verkümmert mein kreatives Schreib-Pflänzchen. Deshalb arbeite ich dran, die Aufgaben in meiner Agentur umzustrukturieren :)

Was den Frust bei Vergleichen angeht: Ich nehm mir dabei dann meine ein-drei Tage und suhle mich so richtig schön im Selbstmitleid - und dann zieh ich nen Strich drunter und sag mir: Was andre machen oder schaffen ist mir völlig wurstl, ich freu mich für sie und meine Zeit kommt auch noch  :jau:
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: Tokanda am 24. Juni 2010, 18:41:21

Hallo Aquamarin!



Das lustige ist: ich arbeite im Coachingbereich. Ich helfe ständig allen möglichen Menschen mit allen möglichen Problemen, ihre Ziele zu erreichen. Und meine eigenen Ziele stehen immer hintenan. Kurios, oder?
Ich könnte mir vorstellen, dass du sehr gut bist, in dem was du als Coach tust. Denn mir scheint, du hast dir ein erstrebenswertes Ziel gesucht und dies tief integriert, so wie du selbst sagst:
Zitat
Aber vielleicht braucht eben alles seine Zeit. Ich habe irgendwann für mich beschlossen, dass ich auf keinen Fall halb ausgegorene Sachen machen will. Wenn ein Manuskript an eine Agentur oder einen Verlag geht, dann wird es so  hieb- und stichfest sein, wie es mir möglich war.
Du merkst vielleicht, dein Ziel hast du so gut verinnerlicht und programmiert, dass es zum Selbstläufer geworden ist. Und das ist auch gut so, wer will schon schlechte Manuskripte abliefern? Du kannst deine Zielsetzung bei Bedarf ja immer noch anpassen oder reframen, sollte es für dich nicht mehr stimmig sein, aber jetzt schweife ich ab... das muss das Alter sein, da wird man geschwätzig...   ;D


Früh zu veröffentlichen hat bestimmt seine Vorteile. Man hat noch jede Menge Zeit, um ganz ganz viele Bücher auf den Markt zu bringen und man wächst sozusagen in das Geschäft hinein.
Wenn man im "reiferen" Alter veröffentlicht, hat die eigene Schreibe bestimmt eine ganz andere Qualität, wie Sprotte schon sagte. Und man hat vielleicht auch "mehr zu sagen" - oder auch nicht.
Eigentlich spielt das Alter keine Rolle, denn das mit der Veröffentlichung klappt wie die meisten Dinge im Leben dann, wenn die Zeit dafür reif ist. Und ob das mit 21 oder 71 ist, wer weiß?
Ich denke das Wichtigste an der ganzen Sache ist der Spaß am Schreiben. Und sich diesen möglichst lange zu bewahren, wenn es erst mal Pflicht ist, weil man seine Brötchen damit verdient/verdienen muss, sieht es gleich wieder ganz anders aus mit dem Traum vom Autorenleben.
 




Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: Termi am 24. Juni 2010, 18:41:27
Zitat
Nur wer mit Disziplin an seinen Fähigkeiten arbeitet und sich auch angesichts von erfolgreicheren Freunden nicht entmutigen lässt und sogar daraus profitiert (!), der kann auch seine Träume erfüllen. Große Worte für jemanden mit 16? Große Töne zu schwingen, dass habe ich sicherlich von meinem Vater, aber ich sage die Wahrheit, die sich in all der Zeit nicht verändert hat. Die Bedingungen haben sich vieleicht verschärft und vieles scheint zur Glücksache geworden zu sein, aber wer an seinem "Glück" arbeitet der wird Erfolg haben. Es gibt keine Probleme, nur Lösungen.


Sehr gut gesagt, Derexor.

Okay, ich kenne das Problem auch. Doch ich habe bei meiner Zeit, in der ich schon schreibe und versucht habe etwas zu veröffentlichen eines gelernt. Gut Ding will Weile haben  und Geduld ist eine Tugend, die man lernen muss. Wenn man zu krampfhaft arbeitet und immer nur im Hinterkopf: Diesmal muss es klappen, ist man nicht offen für das Wesentliche, nämlich seine Kreativität, die Fantasie und das Gespür für Sprache. Diese Dinge sind es aber, die eine Geschichte ausmacht. Ich habe mich auch immer wieder verkrampft und gegrübelt, was machen die anderen anders als ich. Ich habe jedes Mal gehofft, geflucht und wieder gehofft. Es gab Zeiten, da war ich, wie du, kurz davor alles hinzu schmeißen. Aber letztendlich hat mir all die Zeit nur gezeigt, dass das Geschichten schreiben eben doch ein Handwerk ist, welches man beherrschen  muss, um von den Verlegern wahrgenommen zu werden. Bis zu meiner ersten Wuddelwald Veröffentlichung vergingen 14 lange Jahre des Schreibens. Ich habe mindestens drei dicke Ordner im Keller, die voller Absageschreiben sind. Und so blöde das auch klingen mag, man wächst mit seinen Aufgaben. Ich habe irgendwann gemerkt, dass ich von Veröffentlichen so besessen war, das schreib technisch kaum noch was ging. Ich habe meine Einstellung dann drastisch geändert und mir gesagt, okay, wenn nicht, dann eben nicht. Habe dann nur noch geschrieben, wenn ich wirklich Bock dazu hatte und siehe da, als  Veröffentlichung kein Thema mehr für mich war und ich zwar noch die Wuddels verschickt hatte, aber mir schon längst nichts mehr erhofft hatte, kam der Anruf vom Knabe Verlag.

Was ich damit sagen will ist: Man sollte nie aufhören an sich zu arbeiten, nur so kann man herausfinden, wo seine Schwachstellen sind. Und vor allem, mach dich frei von dem Gedanken unbedingt veröffentlichen zu wollen. Verliere das nicht aus den Augen, aber lass nicht zu, dass dieser Gedanke dich beherrscht.

LG
Termi.
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: Telas am 24. Juni 2010, 20:09:26
Aquamarin, ich kann gut nachvollziehen, wie es dir geht, auch wenn ich meinem Bekanntenkreis niemanden habe, der alleine vom Schreiben leben kann. Mir ging es auch so, ich wollte unbedingt Autor werden, hauptberuflich versteht sich. Ich habe es mir wie den Himmel auf Erden vorgestellt, mit den flexibelsten Arbeitszeiten, die man überhaupt haben kann, mit enormen Honoraren, Lesungen vor einem großen Publikum und dem ersten Rang in der Bestsellerliste vom Stern.
Meine Träume schienen mit dem ersten eingesandten Manuskript sogar noch ein Stück realistischer geworden zu sein, doch als ich merkte, an was für einen Verlag ich geraten war wusste ich auch, wie sehr ich mich geirrt hatte.
Ich war bitter enttäuscht, habe das Schreiben fast zwei Jahre aufgegeben und alle Hoffnungen auf die große Karriere begraben. Dann, 2009 bekam ich wieder Lust, meine eigenen Geschichten zu schreiben und ich habe nach vier Monaten einen Roman auf die Beine gestellt, der wohl nichts taugt, aber es hat mir viel Freude bereitet, auch wenn er mich nicht reich macht. Ich bin zum reinen Hobbyautor geworden, was wohl auch die meisten sind, und die meisten warten wahrscheinlich ihr ganzes Leben auf den Großen Wurf.

Ich weiß, niemand will die Lebensgeschichte eines gescheiterten Autors, wie ich es zweifelsfrei bin hören, aber zu ein paar Dingen kann auch ich raten, denke ich.

1.   Der Spaß muss immer im Vordergrund stehen. Ich weiß, dass man das im Leben bestimmt hunderttausend Mal hört, aber es ist eben die Wahrheit
2.   Wie viele Autoren können wirklich vom Schreiben leben? Ich behaupte, die Allerwenigsten. Sicher kann ich das nicht belegen, belehrt mich auch gerne eines Besseren, aber ich denke, dass die viele Autoren immer noch einem geregelten Job nachgehen. Die Lebensgeschichte der J.K. Rowling ist wie ein Märchen und trifft vielleicht auf einen von einhunderttausend Autoren zu.
3.   Drohen die Geschichten nicht zu verflachen, wenn ein weltberühmter Autor nur um des Profites Willen ein Buch nach dem anderen veröffentlicht? Ein gutes Projekt muss mit Liebe und Ausdauer geschrieben worden sein.
4.   Sind nicht die besten Romane unter denjenigen, die nicht eingesendet wurden, weil sich die Autoren nicht getraut haben, weil sie dachten, sie hätten nur Schund geschrieben?
5.   Es reicht ein guter Roman zum Durchbruch und hier bin ich mir absolut sicher. Wer mit seinem Erstling alle Verkaufsrekorde bricht, der kann auch mit schwächeren Büchern noch gutes Geld verdienen. Immerhin kann man ja noch sagen „He das musst du lesen, das ist doch vom Autor von (an dieser Stelle kann man sich jedes weltberühmte Buch denken)“

So genug getratscht. Ich mache es zum Abschluss lieber kurz. Ich denke, jeder der unserer Sprache halbwegs mächtig ist und genug Ehrgeiz hat, um dabei zu bleiben, kann es schaffen, aber bis das erste Buch im Laden steht und man finanziell saniert ist, muss man viele Rückschläge einstecken. Du scheinst ja weiterhin deinen Traum verfolgen zu wollen. Gut so, ich drücke dir die Daumen. Ich habe den Traum wie gesagt aufgegeben, bis sich vielleicht doch noch ein Türchen auftut. Sende deine Manuskripte einfach fleißig an die Verlage, die mit ehrlichen Mitteln arbeiten. Vielleicht gelingt dir eines Tages der große Wurf und alle weiteren Werke von dir werden sich wie von selbst verkaufen, dennoch würde ich immer eine Alternative parat haben, falls es doch nicht klappt, aber nochmals.

Viel Erfolg, bei der Erfüllung deines Traumes Aquamarin


Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: Runaway am 24. Juni 2010, 20:10:34
Das lustige ist: ich arbeite im Coachingbereich. Ich helfe ständig allen möglichen Menschen mit allen möglichen Problemen, ihre Ziele zu erreichen. Und meine eigenen Ziele stehen immer hintenan. Kurios, oder?

Nee, ist überhaupt nicht kurios. Man gucke sich mal um bei Psychologen und Psychiatern: Manche helfen grandios anderen Leuten, aber sich selber nicht. Sagte meine Tante mal, und die ist Psychiaterin, mit einer gescheiterten Ehe, ohne Kind, mittlerweile zu alt dafür (obwohl sie es gewollt hätte) und allein im Ausland. Sie hat jetzt bloß ihre Arbeit, aber da ist sie umso besser. Bin nicht sicher, ob ich das nun gut oder traurig finden soll.
Und es ist ja ein weit verbreitetes Phänomen, daß man sich selbst gern hintenanstellt. Sollte man wohl nicht machen! ;)
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: Mrs.Finster am 24. Juni 2010, 20:23:26
Ich will auch! Am besten noch gestern  :happs:

Teilweise ist meine innere Unruhe so groß, dass ich den ganzen Tag an nichts anderes denken kann. Dann kommen so beliebte Tagträume, wie: Ich auf meiner ersten Lesung et., ich auf der Leipziger Buchmesse *mal ganz weit aushol*  ;D Das passiert mir ganz häufig auf der Arbeit, dann wenn ich feststelle, dass der Beruf mich niemal ausfüllen wird.

Aber dann denke ich mir immer: Jeder Tag und jede noch so kleine Seite ist ein kleiner Schritt näher zum Traum  ;)


Ich habe irgendwann für mich beschlossen, dass ich auf keinen Fall halb ausgegorene Sachen machen will. Wenn ein Manuskript an eine Agentur oder einen Verlag geht, dann wird es so  hieb- und stichfest sein, wie es mir möglich war. Das ist wahrscheinlich ein Vorteil des "Älterwerdens"- man macht weniger "schlechte" Kompromisse.

Das ist jetzt aber eine sehr fiese Anspielung, Frau Aquamarin  :snicker:
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: Calysta am 24. Juni 2010, 20:45:15
Veröffentlichen, das will jeder!
Aber NUR veröffentlichen? Nein, es soll ein guter Verlag werden, ein würdiger Verlag. Ein Verlag, den sich der eigene Prota gewünscht hätte. Davon träumt jeder Schriftsteller und deswegen gibt es jährlich abertausende Veröffentlichungen. Die einen wollen in den Markt rein, die anderen wollen sich dort halten. Wir wollen rein, aber bitte auf den richtigen Weg.
Ich, für meinen Teil, habe schon schändlicherweise eine Veröffentlichung aufzuweisen, in einem Verlag, den ich gerne an die Wand stellen und erschießen möchte. Man sagt, man soll aufpassen was man sich wünscht und seine Wünsche richtig formulieren... ich habe das wohl etwas missachtet.

Ich kann mich trotzdem nur anschließen, dass ich auch will. Ich will in einen gescheiten Verlag mit Lektoren und Menschen, die mir zeigen wie es "richtig" geht. Am besten gleich heute, jetzt, hier. Ich will auch in den Schaufenstern ausliegen, neben Heitz und Canavan. Auch ein bisschen von der Luft einer Lesung schnuppern und sagen können "das hab ich geschrieben".
Das alles kann allerdings Utopie sein und man sollte auch sein Leben nicht auf solch einen Wunsch aufbauen. Man sollte den Dingen nachgehen, die einen interessieren. Wenn es die deutsche Sprache ist, dann Linguistik, oder etwas anderes. Es gibt viele Orte, an denen man lernen und sich weiterentwickeln kann. Ich bin ehrlich, ich liebe mein Studium. Ich mag Zahlen und rechne mit Vorliebe die krassesten Gleichungen aus, nur um zu wissen wie viel Spannung am Ende der Leitung liegt. Und doch träume ich auch in der Vorlesung von meinen Figuren und schreibe. Es lässt sich vereinbaren, der Traum und meine Realität.
Das richte ich jetzt speziell an Telas. Man darf träumen. Was wäre ein Mensch denn ohne Träume, ohne Wünsche? Manche Menschen sparen für eine Weltreise, die sie sich vielleicht niemals leisten können und wir schreiben auch für unseren Traum vom Schriftstellerdasein. Träumen ist eine wundervolle Art die Welt zu sehen. Außerdem ist es nicht so, dass wir nichts erreichen. Wir machen unsere Mitmenschen glücklich. Das ist doch auch Lohn, wenn ein Probeleser voller Freude schreibt, wie super die Geschichte war.
Ich, für meinen Teil, würde gerne Schiftsteller sein, aber würde auch gegen nichts in der Welt das eintauschen, was ich bisher erreicht habe.

Dieser Text kam geradewegs vom Herzen, ohne durch die Logikkontrolle des Hirns zu laufen.
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: Herr Hazel am 24. Juni 2010, 21:44:27
Hm, ich bin an sich nicht neidisch, wenn jemand veröffentlicht wird oder schon wurde zu Zeiten, wo ich noch gar nicht geschrieben habe. Und wenn ich den Autoren/die Autorin persönlich kenne, dann freue ich mich sehr mit ihm/ihr.

Ich hätte Sorge, dass zumindest im Moment das professionelle Schreiben mir sehr viele Vorgaben geben würde, so dass ich nicht mehr das schreiben könnte, was ich gerne möchte. Ab gesehen davon, dass ich unter zuviel Druck eh nicht mehr vernünftig schreiben kann, sondern nur noch kompliziert und holpernd formuliere.

Ich würde gerne meine Trilogie fertig bekommen. Als allererstes. Und einige andere Projekte. Und ich würde auch gerne einen guten Verlag dafür finden und über Zuverdienst freue ich mich logischerweise auch. Erfolg ist einfach etwas sehr schönes und angenehmes. :)

Ich glaube nicht, dass ich zur Zeit davon leben (müssen) möchte. Ich mag meinen Beruf und freue mich wieder darin zu arbeiten, wenn es soweit ist. Schreiben als zweites Standbein - gerne. Sehr gerne sogar. Aber ich muss für meine Familie sorgen und ich habe zuviele Schwierigkeiten mit Zeiten gehabt, wo ich kein Wort zu Papier oder in den Rechner gebracht habe - weder Mails, Briefe, Romantext oder egal was - um mich davon abhängig machen zu wollen und zu können. Ich möchte erstmal noch eine ganze Zeit einfach Spraß daran haben zu schreiben. Und gut werden. Noch bin ich es nicht, aber das kann ja noch werden und in Sternstunden meiner Kreativität sind schon sehr schöne Absätze entstanden. Nur bin ich noch nicht konsequent dazu in der Lage.

Ich mag mich nicht davon irritieren lassen, wer wann in welchem Alter was veröffentlicht hat. Ich schiebe auch keine Panik, weil ich mit 36 immer noch nichts fertiges geschrieben habe. Höchstens, weil ich noch so viele Ideen habe, die ich schreiben möchte und mit denen ich zwei Leben bräuchte, um sie alle umzusetzen.

Es gibt tolle Schriftsteller, die erst spät überhaupt angefangen haben zu schreiben, dann richtig durchgestartet sind, vieles in kurzer Zeit veröffentlicht haben in einer Qualität, die mir viel mehr am Herzen liegt, als mein Alter als Autorin oder sonstige Dinge. Ich möchte mich für mein Buch nicht eines Tages schämen. Dass man sich immer weiter entwickelt ist normal. Dass damit früher veröffentlichte Werke vielleicht weniger gut sind als spätere, ist sicher auch normal und einfach ein Reifeprozess - des Schreibens, des Lebens und der Geschichten, die man sich so ausdenkt.
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: Runaway am 24. Juni 2010, 23:29:33
Jetzt bin ich heute zum dritten Mal in diesem Thread unterwegs und obwohl es eigentlich um Frust geht, macht er mich irgendwie glücklich.
Wieso? Weil ihr das alle versteht. Ihr kennt das auch. Ich bin jetzt wieder total happy, hier zu sein, denn genau diesen Austausch habe ich gesucht. In meinem näheren Umfeld ist niemand, der versteht, daß ich so fühle und wie verbissen ich davon träume (irgendwie ist die Formulierung blöd... hab aber grad keine bessere).
Hier schon. Irgendwie find ich das grad toll.

@ Calysta: Paß auf, ich erschieß deinen Verleger und du meinen ;) Der Idiot hatte es gar nicht verdient, meinen schönen Text zu drucken, vor allem ohne anständiges Lektorat... brrr!!!!  :pfanne:
Ich war so froh, überhaupt irgendwas zu haben, daß ich ganz vieles nicht bemängelt habe. Manches habe ich auch bemängelt und das hat dann gar nix gebracht.
Aber ich finde, nicht wir sollten uns schämen, sondern die Verlage...

Für mich ist eine große Veröffentlichung ein Lebenstraum. Irgendwie habe ich ein bißchen Angst davor, was passieren wird, sollte dieser Traum wahr werden. 
Aber ich träume davon, daß eines Tages das Telefon klingelt und irgendein wichtiger Lektor dran ist und mir sagt: Ja, wir wollen Ihren Text...
Ich würde einen Herzinfarkt kriegen!
Ich würde auch verdammt viel dafür tun. Das versteht leider niemand, der das nicht selbst kennt. Irgendwie bewundere ich ja Benedict Wells dafür, daß er nach dem Abi bloß gejobbt und geschrieben hat... dafür fehlt mir die nötige Portion Irrsinn! Aber tendenziell... naja ;)

Jetzt muß ich noch ganz dringend Stephen King motivierenderweise zitieren ("Das Leben und das Schreiben", gaaanz tolles Buch):
Zitat
So wie sich fast jeder daran erinnern kann, wie er seine Jungfräulichkeit verlor, können sich die meisten Schriftsteller an das erste Buch erinnern, das sie mit dem Gefühl zur Seite legten: Das könnte ich besser. Nein, das kann ich schon längst besser! Was könnte ermutigender sein für einen von Selbstzweifeln geplagten Autor, als festzustellen, daß seine Arbeit fraglos besser ist als das Werk eines anderen, der sogar Geld dafür bekommen hat? Am deutlichsten sieht man, wie man es nicht machen soll, wenn man schlechte Bücher liest.
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: Wuo Long am 25. Juni 2010, 00:54:55
Seit einem Jahr schreibe ich meine Texte mit dem konkreten Ziel, bei einem Verlag zu landen. Vorher war es bei mir nur ein diffuser Traum. Diesen unbedingte Drang, Schriftsteller zu werden habe ich natürlich in unterschiedlicher Intensität durchlebt. Erinnere mich noch, wie ich mir als 17-Jähriger die Eragon-Bücher durchlas und mir dachte: So ein junger Autor kann mit so einer Geschichte veröffentlichen, das kriege ich ja wohl auch hin...

Gut, dass ich mittlerweile ein bisschen besser Bescheid weiß, wie es in der Verlagswelt abläuft und wie unglaublich selten Fälle wie Paolini sind. Nach einem Jahr Autorencommunity und diversen Schreibratgebern habe ich (für mich) interessanterweise festgestellt, dass Schriftstellerdasein offensichtlich mit viel Fleiß und Hartnäckigkeit verbunden ist und zu meiner Überraschung oft professionalisiert wird.
Das mit dem Fleiß und Hartnäckigkeit habe ich erwartet. Um einen mehrere hundert Seiten langen Roman fertig zu schreiben und dann zu überarbeiten braucht es halt einen langen Atem. Aber diese Professionalisierung ist etwas, bei der ich mich nicht so recht entscheiden kann, ob ich sie gutheißen oder mich lieber davon distanzieren soll. So wie sich mein Denken gerade entwickelt wahrscheinlich eher Letzteres.

Anfang dieses Jahres hatte ich meine erste Lesung mit einer Kurzgeschichte von mir. An ein paar KG-Wettbewerben habe ich auch teilgenommen, aber die erste Anthologie-Veröffentlichung steht noch aus. Dennoch, durch den Internet-Austausch wurden mir die Augen für die Strukturen der Verlagsgesellschaft geöffnet. Plötzlich war das Schicken eines Manuskripts an einen Verlag nur noch eine Bewerbung. Eine verdammt schwierige Bewerbung, aber immerhin kein diffuser Traum mehr. Es gibt konkrete Wege. Sie mochten lang und steinig sein, aber sie konnten funktionieren.
Und wieder erwachte dieser Drang in mir, ein "echter" Schriftsteller zu werden, so bald wie möglich meine Sachen fertig zu stellen, Anthologie-Veröffentlichungen einzuheimsen, sich zum Profischreiber zu entwickeln, der mehrere zehntausend Zeichen Pro Tag rauszuhauen vermag...
Aber in mir steckt wohl tief verwurzelt die Gemächlichkeit. Die Zeichenbeschränkungen der Kurzgeschichten engten mich ein. Auf eine Deadline etwas abzuliefern kam mir wie das Verfassen einer Klassenarbeit, eines Protokolls oder eines Zeitungsartikels vor. Es schmeckte mir vorne und hinten nicht.
Und die Zweifel erwachten, ob ich überhaupt zum Profischreiber tauge. Zum Glück blieben die Zweifel nicht lange. Die Antwort ist ganz klar nein. Und dadurch erübrigte sich bei mir auch die Frage, ob Schriftstellerei das einzige finanzielle Standbein sein könnte. Ganz klar nein. Vor etwa vier Monaten habe ich in einem Roman, dessen Titel ich vergessen habe, den ersten Satz gelesen. Nur den ersten Satz. Aber er blieb mir gut im Gedächtnis:

"Ein Schriftsteller vergisst nie das erste Mal, an dem er ein lobendes Wort oder Geld für seine geschriebenen Werke erhalten hat. Denn in diesem Augenblick wird ihm klar, dass seine Seele einen Preis hat."

Und zum ersten Mal hinterfragte ich, ob es wirklich so erstrebenswert ist, Schriftsteller zu werden. Oder vielleicht sollte ich besser sagen: Gesellschaftlich anerkannter Schriftsteller.

Denn Schriftsteller sind wir doch eigentlich alle in dem Moment, wenn wir unsere eigenen kreativen Ergüsse festhalten. Sei es auf Papier oder der Festplatte. Spielt da Alter eine Rolle? Die Liste der Publikationen und Veröffentlichungen? Der Erfolg? Oder die Qualität unserer Geschichten? Was ist wichtiger, als die Tatsache, dass es unsere Geschichten sind. Dass sie aus uns selbst herauskommen und nur uns gehören?

Ich frage mich ob dieser Wunsch nach Veröffentlichungen in Verlagen nicht eine Form der Selbstbestätigung für unser Ego ist. Und ich ringe zur Zeit ernsthaft mit mir, ob ich diese Form der Selbstbestätigung eigentlich nötig habe. Aber gut. Bevor ich jetzt allzu sehr ausufere, bin ich immerhin bei meiner bisherigen Entwicklung zu einer Erkenntnis gekommen:

Ich will Geschichtenerzähler sein. Kein Profischreiber. 

Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: Luciel am 25. Juni 2010, 01:01:21
Mir geht es da ähnlich wie Winterkind ... das muss irgendwie daran liegen, dass man anders darüber denkt, wenn man älter wird.

Bei mir wurde genau dieses Thema neulich sehr aktuell. Ich bin seit einiger Zeit in einer Schreibgruppe, die von einer Autorin geleitet wird, die genau das geschafft hat: sie schreibt Bücher und lebt davon. Bisher habe ich in der Gruppe immer an  meinem historischen Roman gearbeitet, der ja noch so weit in den Anfängen liegt, dass veröffentlichen kein Thema ist. Neulich hatte ich aber keinen Text fertig und habe dann einfach was von meinem Fantasy-Roman mitgebracht (den ich ja für den Heyne-Wettbewerb fast fertig gestellt hatte).
Ganz blöde Idee.
Alle lauschten verzückt, unsere Mentorin meinte, so stelle man sich eine Autorenlesung vor und fing an mich auszuquetschen, warum ich den Roman nicht einreiche ....
Dafür gibts etliche Gründe, wie Winterkind ja auch schon angeführt hat, aber die ließen sich so schnell irgendwie nicht erklären (ich bin ein Schreiber, kein Reder). Also nuschelte ich etwas davon, dass mein erstes Kapitel furchtbar sei und ich es noch überarbeiten müsse, damit überhaupt irgendjemand bis zum zweiten Kapitel weiterliest (stimmt sogar, obwohl ich den Anfang schon gefühlte 100 Mal umgeschrieben habe).
Wieso kann ich die Folgen meiner Äußerungen eigentlich nie vorhersehen, obwohl sie doch so vorhersehbar sind - im Nachhinein? "Dann bring doch das erste Kapitel nächstes Mal mit und wir arbeiten dran"
Ich weiß jetzt wirklich nicht, ob ich mich darüber freuen soll. Ich freue mich ja, dass meine Texte so gut ankommen, aber ich fürchte, der Druck "mal was aus mir oder meinen Romanen zu machen" wird damit nur wachsen. Vielleicht kriege ich wirklich meinen Hintern nicht hoch, vielleicht bin ich aber zur Zeit einfach damit zufrieden, dass meine Texte mir gefallen und das Schreiben mich glücklich macht. Ein Verlag kommt in dieser Beziehung zwischen mir und meinen Büchern derzeit nicht vor.
Ich bin Schriftstellerin - auch wenn ich nichts veröffentlicht habe!
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: Runaway am 25. Juni 2010, 01:17:50
Ich kann euch beiden nur zustimmen. Ich charakterisiere mich auch eher als Geschichtenerzähler, wenn auch aus anderen Gründen. Von einem Buch bleibt bei mir die Handlung hängen, die Geschichte ... nicht der brillante Stil. Klar ist Stil wichtig, aber mir ist eine gut durchdachte Geschichte wichtiger. Ich weiß nicht, ob das Geschmackssache ist, aber ein Literat bin ich nicht. Will ich auch nicht sein.

Nichtsdestotrotz merke ich, daß Übung den Meister macht. Ich hatte eine große Schaffenskrise während der Arbeit an "Himmelsfeuer", weil ich dachte, ich schreibe wie der letzte Idiot ... und was war? Es fiel mir nur einfach leichter. Ich dachte, es müsse immer gleich anstrengend sein, aber in den mittlerweile gut 15 Jahren, die ich nun fast nonstop immer irgendwas schreibe, findet man sich.

Was den Druck von außen angeht - wenn du dich nicht soweit fühlst, Luciel, oder das aus sonstigen Gründen nicht willst, mach es nicht. Als ich vor fünf Jahren meinen "Kristall der Könige" bei BoD rausgebracht habe, war ich z.B. auch noch nicht soweit, daß ich Verlagsabsagen gut verkraftet hätte. Jetzt schon. Erst jetzt fühle ich mich soweit, aus meiner Schreiberstube rauszukommen und mich dem Sperrfeuer von außen zu stellen.
Von daher: Laß dir doch einfach Zeit.
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: Luciel am 25. Juni 2010, 01:23:42
Es geht mir überhaupt nicht um die Absagen ... Es wäre ein Zusage, die mir Bauchschmerzen, Kopfschmerzen und eine Menge mehr verursachen würde. Mit Absagen aller Art kann ich gut leben, ich verliere schließlich nichts dabei, wenn ich vorher schon nichts hatte.
Bei einer Zusage allerdings ....
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: Zitkala am 25. Juni 2010, 01:49:10
Zitat von: Wuo Long
Dennoch, durch den Internet-Austausch wurden mir die Augen für die Strukturen der Verlagsgesellschaft geöffnet. Plötzlich war das Schicken eines Manuskripts an einen Verlag nur noch eine Bewerbung. Eine verdammt schwierige Bewerbung, aber immerhin kein diffuser Traum mehr. Es gibt konkrete Wege. Sie mochten lang und steinig sein, aber sie konnten funktionieren.

Ich bezweifel, dass ich mich gleich aus dem Fenster lehne: Jeder, der schreibt, wähnt sich doch irgendwann als der Schriftsteller der Nation, der alles an Preisen abräumt, und nur geliebt wird. *g* Aaaber: In uns tief drin wissen wir, dass das nicht möglich ist. Das Schlaraffenland ist ja auch nur ein Traum.

Manchmal frage ich mich aber auch, wie laut dieses innere Stimmchen bei manch anderen ist. Das Leben ist kein Ponyhof und sobald man etwas zum Beruf macht, kommt man in die Mühlen des Staates, der Gesellschaft und des Arbeitsrhythmus'. Das ist beim Schreiben nicht anders. Warum auch immer, haftet diesem, bzw. der Kunst allgemein, das romantische Bild des Schriftstellers an. Unseren Brötchenbäckern schreibt man ein solches gemächliches Leben nicht zu. Komisch, ne.

Wer sich mit dem Schreiben näher beschäftigt, wird irgendwann auf den Beruf Schriftsteller treffen - und muss diese Form akzeptieren lernen. Entweder man mag dann Schreiben als Arbeit betreiben oder nicht. Punkt. Schlecht ist aber die Berufsschiene noch lange nicht. Sie ist nur nicht für jeden etwas.

Zitat
"Ein Schriftsteller vergisst nie das erste Mal, an dem er ein lobendes Wort oder Geld für seine geschriebenen Werke erhalten hat. Denn in diesem Augenblick wird ihm klar, dass seine Seele einen Preis hat."

Und ein Steinmetz hat nicht Schweiß&Blut in seine Auftragsarbeiten gesteckt und verkauft somit nicht seine Seele?
Ist doch Blödsinn. Wenn ich etwas tue, dann habe ich ein Recht darauf dafür entlohnt zu werden - ich muss nur aufpassen, dass das auch zu einem rechten Preis passiert. (Natürlich braucht es auch Leute, die bereit sind diesen Preis zu zahlen, die Arbeit also in diesem Wert schätzen oder meinen sie zu schätzen ... *an die ganzen Leute denkt, die Kunstwerke nach Bekanntheitsgrad der Künstler kaufen*)
Den einen ist es Lohn genug, es geschrieben und für sich zu haben, sind sich selbst genug, die anderen wollen auch den Lohn von außen.

@Wuo

Ich will dich weder angreifen, mies machen oder dich von deinen Gedanken abbringen. Du hast ja für dich beschlossen, dass es nicht dein Weg ist und gehörst nicht zu denen, die über die pöse, pöse Realität heulen. ;) Deine Aussage war nur ein Einstieg für mich, um etwas los zu werden, dass ich mir schon lange denke zum Thema.
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: Alaun am 25. Juni 2010, 09:12:27
Wow,
da scheine ich ja ganz schön was angestupst zu haben, oder? Aber es ist gut, sich darüber austauschen zu können. Allein die Tatsache, dass es anderen auch so geht, hilft ganz oft schon weiter. Und stellt euch vor, ich habe gestern tatsächlich hochmotiviert 5 Kapitel überarbeitet- und bin eigentlich ganz zufrieden, für meine perfektionistischen Verhältnisse.

Der Betreff hier ist gewollt ein wenig überzogen formuliert. An sich glaube ich auch, dass wir alle Schriftsteller SIND. Sobald jemand schreibt, ernsthaft schreibt und das mit Liebe tut, ist er Schriftsteller. Veröffentlichung hin oder her. Aber in mir schlummert eben tatsächlich noch immer dieser Traum, es schaffen zu können. Richtig gut werden zu können. Und dann noch besser  ;) Ohne, dass der Spaß an der Sache verloren geht.

@Mrs. Finster: Das war definitiv keine Anspielung!  :knuddel:
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: Kuddel am 25. Juni 2010, 09:36:01
Das Gefühl kenn ich nur zu gut. Wie oft sitze ich auf der Arbeit, überlege mir, wie das Leben wäre, wenn ich tatsächlich einen Bestseller schreibe? Aber das sind Tagträume. In meiner Anfangszeit habe ich solche Träume öfter gehabt, habe mir das Leben als Schriftsteller utopiert. Inzwischen ist mir klar, dass viel mehr dahintersteckt, als einfach nur eine gute Geschichte abzuliefern.

Jetzt habe ich schon ein paar Kurzgeschichten veröffentlicht und auch einen Roman bei einem Verlag untergebracht, aber großartig bekannter geworden bin ich dadurch nicht. Aber der Traum bleibt weiterhin. Ich sage mir jedes Mal: Mit dem nächsten Werk hast du mehr Erfolg. Mit dem nächsten Werk wirst du auf noch mehr Lesungen gehen, durch Deutschland reisen und irgendwann wird dein Bestseller verfilmt.  ;)
Na ja, der Tagtraum platzt meistens dann, wenn ich mit meinem Kollegen den Plot weiterentwickle und ich sehe, wie viele Löcher noch in dem Werk stecken.

Ich habe auch eine befreundete Autorin, die es schon zu einem großen Verlag geschafft hat. Sie hat auch erst vor 6 Jahren angefangen zu schreiben, genauso wie ich. Allerdings hat sie schon mehr geschrieben. Ich gönne ihr ihren Erfolg, aber manchmal wäre ich gerne an ihrer Stelle.

Dennoch werde ich mit dem Träumen nicht aufhören. Ich werde weiterhin an mir und dem Schreiben arbeiten und hoffen, dass mit dem nächsten Roman der Durchbruch kommt.  :jau:
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: Runaway am 25. Juni 2010, 10:28:28
Derexor: Gibt es denn sonst nichts, was dir Spaß macht und worin du gut bist? Faul sein ist eine Sache ... faul bin ich auch ;) Aber ich studiere trotzdem was, womit ich ganz unabhängig vom Schreiben meinen Lebensunterhalt verdienen kann. Aufgrund blöder Dinge wie NCs hab ich lange gebraucht, da hinzukommen, aber jetzt hab ich was, was ich mir auch als Beruf gut vorstellen kann ... ist halt eben die Nummer 2 auf der Lieblingsliste. Das ist doch schonmal was!

Aquamarin: Wie schön, daß du so produktiv warst  :pompom: Genau so sollte das ja sein!  :)
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: Telas am 25. Juni 2010, 14:03:06
@ Derexor, ich weiß worauf du hinaus willst, mit den begründeten Absagen, damit der Autor die Chance hat, es beim nächsten Mal ein wenig besser zu machen. Bei all den Absagen, die ich von namhaften Verlagen erhalten habe, war nie eine detaillierte Begründung dabei. Als Rechtfertigung kam von Verlagsseite immer nur: "wir haben zu viele Manuskripte, die wir noch abarbeiten müssen." Das kann schon sein, aber wenn man bedenkt, dass ein Lektor bei vielen Werken meist nur die erste Seite liest, um es dann auf dem Abgelehnt-Stapel zu platzieren könnte man eigentlich meinen, es wäre mit dieser Methode auch eine größere Anzahl Manuskripte gut machbar. Ich denke, die meisten Verlage setzen bei neuen Büchern auf ihre Stammautoren, einfach um weniger Risiko einzugehen. Wenn ein Verlag im Internet schreibt, er sucht händeringend neue Autoren, dann weiß ich, dass ich die Finger davon lassen muss.
Ich für meinen Teil möchte in Zukunft auch an einigen kleineren Literaturwettbewerben mitmachen, denn hier erkennt man zumindest an den Preisvergaben, ob das Manuskript ein Renner war oder nicht. Vielleicht kann ich meinen Schreibstil dadurch ein wenig weiterentwickeln, Übung macht den Meister, aber ein Bestsellerautor werde ich sicher nicht mehr, dafür fehlt mir vor allem die Geduld.
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: gbwolf am 25. Juni 2010, 14:34:38
@Runaway, ich bin noch extrem unentschlossen. Aber ich lege mich mal nicht fest, aufs Schreiben richte ich mich aber im Moment ein, denn das Macht mir wirklich Spaß und ich habe einige Idee für das erfolgreich werden.
Ich habe auch Ideen, um erfolgreich zu werden und bin es nicht. Den meisten hier wir es so gehen. Schreiben braucht neben der Übung viel Lebenserfahrung und ein gutes analytisches Denken, dazu die Bereitschaft, nicht nur von Romanen leben zu wollen, sondern auch von Lesungen, Artikeln, Übersetzungen, etc. . Von zwei Romanen bei einem mittelgroßen Verlag kann kein Mensch leben, auch kein bescheidener.

Faulheit ist - entschuldige - die blödeste Ausrede, die ich je gehört habe. Wenn du wirklich faul bist, dann studierst du etwas, mit dem du später genug Geld verdienst, um nur halbtags arbeiten zu müssen, damit dir genug Zeit zum Schreiben bleibt. Die wirklich faulen Menschen können zum Beispiel extrem gut programmieren, weil nur wer faul ist, den Code so geschickt baut, dass er in einer halben Stunde und mit 10 Zeilen Code fertig ist und nicht in 3 Tagen mit 400 Zeilen.
Andernfalls bleibt dir nur, eine reiche Frau zu heiraten, die dich aushält oder in einer winzigen, dunklen, muffigen Wohnung zu leben und dich nur von Haferbrei zu ernähren (wobei dich das Arbeitsamt alle paar Tage reinzitieren wird, um dir in den Hintern zu treten).

Und ja, natürlich möchte ich auch Schriftsteller sein, jetzt und sofort. Vor allem, weil ich langsam herausbekomme, wie ich meine Romane plotten und strukturieren muss, damit sie gut genug sind, um meinen Ansprüchen zu genügen. Dafür aber benötige ich Zeit und ohne diese Zeit werde ich es nicht schaffen, ein Produkt abzuliefern, das veröffentlichungsreif ist. Das ist momentan der Zwiespalt, der mich auffrisst.
Wenn ich demnächst nur noch halbtags arbeite und auf der Arbeit nicht mehr diesen Stress habe, werde ich das neben dem Zweitstudium hoffentlich hinbekommen. Jetzt versuche ich erstmal, noch eine Geschichte an die c't zu verkaufen, damit ich weiterhin ein wenig träumen kann.
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: zDatze am 25. Juni 2010, 15:04:49
Wie oft sitze ich auf der Arbeit, überlege mir, wie das Leben wäre, wenn ich tatsächlich einen Bestseller schreibe?
Dieser Gedanke kommt mir immer, wenn ich mit meiner Arbeit nicht ausgelastet bin. Wenn meine Gedanken zu wandern anfangen und ich dann immer wieder beim Schreiben und bei meinen Geschichten hängen bleibe. Das verschluckt effektiv jede Freude an meinem Job, weil mir das Schreiben viel einfacher und vor allem sinnvoller erscheint. Es füllt mich aus und nimmt den kreativen Druck von mir, den ich in der Arbeit nicht abbauen kann.

Außerdem kann ich am Ende des Tages sagen: "Ich hab was geschafft!". Damit durchbreche ich diesen zähen Alltagstrott, durch den ich immer unzufriedener (und unerträglicher) werde.

Das Veröffentlichen stelle ich hinten an, ich denke nicht, dass ich soweit bin, dass ich veröffentlichen möchte. Da möchte ich vorher noch mehr an meinen Ideen und vor allem an mir selbst arbeiten.
Im Moment reicht mir das.

[EDIT] @Derexor:
Zitat
Nur wer mit dem Herzen dabei ist, der ist auch gut.
Das gefällt mir. :)
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: Termi am 25. Juni 2010, 15:07:24
Zitat
Das Schlaraffenland ist ja auch nur ein Traum.

@Zitkalasa

Nun, ganz so schwarz würde ich das nicht sehen. Andreas Eschbach hat mal vor langer Zeit zu mir gesagt:

"Wer ins Schlaraffenland will, muss sich erst durch einen riesigen Reisberg fressen."

Und ich sag: Man soll niemals "NIE" sagen.

LG
Termi ;)
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: Kuddel am 25. Juni 2010, 15:10:35
Außerdem kann ich am Ende des Tages sagen: "Ich hab was geschafft!". Damit durchbreche ich diesen zähen Alltagstrott, durch den ich immer unzufriedener (und unerträglicher) werde.
Genau das. Wenn ich hier jeden Monat dasselbe mache, ist es eintönig. Und ich mache jeden Monat dasselbe, mit wenigen Ausnahmen. Wenn ich jedoch auf meinen Wordcount am Ende des Tages sehe, sieht er jedes Mal anders aus. Ich schaffe etwas, was mich geistig beschäftigt hat und wofür ich eine Lösung gefunden habe. Das ist etwas, was ich von meinem Hauptberuf selten schaffe. Dennoch möchte ich ihn im Moment nicht missen, da er der Hauptgrund ist, warum ich zum Schreiben komme (Pendeln).  ;)
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: Hanna am 25. Juni 2010, 15:13:05
@Derexor: So wie ich das sehe, zeigst du ein für dein Alter sehr typisches Verhalten. Du beschäftigst dich mit den Dingen, die du magst und lässt alles andere links liegen. Darin unterscheidest du dich nicht wirklich von deinen Altersgenossen. Teenager sind schwer für etwas zu begeistern, weil sie immer erst einmal gegenangehen müssen. Das hat mit Faulheit viel weniger zu tun als mehr mit mangelndem Überblick.

Ich hatte mir mit zwölf Jahren vorgenommen, die jüngste Bestsellerautorin aller zeiten zu werden. Ich habe darüber alles vernachlässigt. Beim Schreiben selbst war ich nicht faul. Ich habe jedes Jahr ein bis zwei Romane geschrieben und auch sehr fleißig überarbeitet. Ich war total engagiert, aber mir fehlte komplett der Überblick. Ich habe im Unterricht geschrieben, keine Hausaufgaben gemacht, bin zweimal sitengeblieben und musste vom Gymnasium auf die Real.

Hätte ich den Überblick gehabt, wäre mir klar gewesen, dass ein gutes Abitur und eine gute Allgemeinbildung die Grundsteine für meine Karriere sind. Ich hätte etwas studieren können, dass mich voranbringt, mich mit den richtigen Leuten in Kontakt bringt, mir hilft, immer besser zu werden.

Aber ich verlor mich in Tagträumen und meinen Geschichten.

Heute träume ich immer noch. Ich könnte zielstrebiger sein, um meine Träume zu verwirklichen, aber in dieser Hinsicht bin ich sehr schwach. Mal bin ich motiviert, mal nicht. Meine Ausrede ist eine Krankheit, nämlich eine Depression, die mich ziemlich annervt, weil sie trotz Therapie recht hartnäckig ist und mich daran hindert, voranzuschreiten.

@Aquamarin: Ich kenne das Gefühl nur zu gut. Und ich freue mich total auf die neue Popstarsstaffel, denn Popstars hilft mir komischerweise immer, mich zu motivieren. Ein Haufen junger Leute, die sich den Hintern aufreißen, um ihren Traum zu leben. Das wirkt irgendwie ansteckend auf mich und dann ist es mir auch völlig egal, dass ich keine 16 mehr bin, sondern auf die 30 zugehe. Im Herzen bin und bleibe ich siebzehn.
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: Nachtblick am 25. Juni 2010, 15:19:55
Ganz ehrlich? Ich bin froh, dass es mal jemand anspricht. ;D

Ich schreibe an meinem Roman jetzt seit fast sechs Jahren, und wenn ich allein höre, dass es genug Leute gibt, die in meinem Alter ihre ersten drei Bücher fertig haben, dann denke ich, hey, warum schaffst du das nicht? Mein Brieffreund hat zeitgleich mit mir ein Buch angefangen und hatte nach einem Jahr ein langes, sehr rundes, in sich schlüssiges Manuskript fertig. Wo war ich da? Irgendwo im Nirvana.

Ich habe, was das Veröffentlichen angeht, nur ein Ziel, sozusagen die erste Hürde, und zwar, bis nächstes Jahr, also zum Abitur, eine Agentur zu finden. Ich habe jede Menge Krimskrams veröffentlicht, Kurzgeschichten, Artikel und Gedichte, teils in bekannten Zeitungen und Verlagen, ich weiß, dass ich damit wirklich glücklich sein kann. Ich arbeite viel, schreibe pro Monat sicherlich drei, vier Kurzgeschichten und nebenbei meinen Roman zu Ende. Ich weiß, was ich studieren will, habe einen überraschend guten Schnitt, seit ich kein Physik und kein Chemie mehr habe, und ich würde am liebsten gleich morgen mit meinem Buch fertig sein und übermorgen eine Agentur finden und praktisch von heute auf morgen veröffentlichen.

Manchmal überfällt es mich in Buchhandlungen. Verdammt, hier würdest du doch gut passen! Manchmal lese ich Bücher und denke, das hätte ich besser gekonnt. Dann ärgere ich mich, dass ich so langsam bin und genau weiß, dass ich noch überarbeiten muss, bevor überhaupt irgendetwas aus meinem Roman werden kann.
Ich schreibe gern. Es ist mein bestes, beständigstes, ehrlichstes Hobby, ich versuche, es jeden Tag auszuüben und vor Matheklausuren Pausen einzulegen, alles zu schreiben und nebenbei weiterhin Kleinkram zu veröffentlichen. Das ist schon schön, aber manchmal wäre mir nach Durststrecken lieber, ich hätte eine Agentur als fünf veröffentliche Kurzgeschichten. >:(

Kopf hoch. Das Veröffentlichen rennt nicht weg! Die Geschichte wird jeden Tag besser!
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: gbwolf am 25. Juni 2010, 15:23:42
@Derexor: Das ist eine Ableitung, die man so machen kann, aber nicht muss. Und was im Leben dumm ist und was nicht, dass kann man jemandem nicht erzählen, das kann man nur selbst erleben, ich habe meinen Eltern auch nie geglaubt, weil ich es früher nicht nachfühlen konnte.
Man kann sein Herz auch bei Sachen entdecken, die einen vorher nicht interessiert haben und genauso kann man bei Dingen gut sein, die einem nicht 100% am Herzen liegen.
Es tut mir auch leid, dass ich mich gerade jetzt so aufrege und das ich in diesem Punkt so heftig bist. Die Begründung "bin faul" in letzter Zeit bei einigen Leuten gehört, die jetzt auf Kosten der Allgemeinheit leben und ach so keine Lust haben, sich weiterzubilden oder sich wenigstens Sonntag morgens beim Bäcker etwas dazu zu verdienen, weil das ist ja alles nicht ihr Ding, da sitzen sie lieber zu Hause, spielen am Computer und warten, bis der Traumjob vorbeikommt. Ich hab' mehrere Studiengänge geschmissen, weil ich nicht das Gefühl hatte, mit dem Herzen dabei zu sein und weil ich mich nach dem Abi nicht entscheiden konnte. Und irgendwann musste ich mich dann durchbeißen, musste mal ein Studium zu Ende bringen und alles, was ich auf dem Weg dorthin gelernt habe, hat mich weitergebracht, auch meine Schreiberei.
Ich bewundere Menschen, die so an ihre Fähigkeiten glauben, dass sie scih nur auf das Schreiben verlassen. Bei vielen mit dieser Einstellung klappt es auch, aber es gibt auch eine große Anzahl von Leuten, die es nicht schaffen und die dann gar nichts haben; keine Veröffentlichung, kein Selbstbewusstsein und keinen Job.

Ansonsten: Gothanna hat es besser und psychologisch geschickter ausgedrückt als ich ;)
(Übrigens, Hanna: Ich wollte das mit 12 auch, als ich den Roman einer 16jährigen in der Bib sah.  :psssst:)
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: Calysta am 25. Juni 2010, 15:52:27
Hier wurde wirklich der Nerv unserer kleinen Gemeinschaft getroffen. Aber mich muntert es etwas auf, dass nicht nur ich mich mit Selbstzweifel, Wut und Trauer herumschlagen muss. Für viele Nicht-Autoren hört es sich merkwürdig an, wenn man rummeckert, dass man endlich "richtig" veröffentlichen will und deswegen manchmal in depressive Stimmungslagen verfällt. Der Austausch hier tut immer besonders gut. Obwohl viele sich nicht kennen, hat man einen  Nenner, der alle zusammen schweißt. Das Schreiben. Ich weiß, ohne diese Leidenschaft wären wir kaum in diesem Forum, aber trotzdem finde ich es schön anzusehen, wie wir uns gegenseitig helfen, verbessern und aufmuntern. Was kann es schöneres geben? -Außer die erhoffte Veröffentlichung in einem Publikumsverlag  ;)- Im Grunde sind wir glückliche Menschen, weil wir ein Hobby haben, das viele teilen und das uns ausfüllt. Wir haben ein Ziel, wissen was wir wollen und was nicht und haben eben uns. 

@ Runaway : Gleiches Schicksal, gleiche Gefühle. Ich denke immer, dass meine Prota mich deswegen hasst. Sie lässt sich seit knapp 3 Wochen nicht mehr bei mir blicken  :schuldig: Gerne schlag ich da zu  ;D Ich schaue genug Krimiserien, um es wie einen schrecklichen Unfall aussehen zu lassen...

Und ich muss Wölfin recht geben. Mich machen solche Aussagen auch furchbar wütend, aus dem selben Grund. Vielleicht reagiere ich auch momentan zu sensibel auf das Thema, weil ich 2 Jobs habe, nebenbei studiere und kein Barfög bekomme von Vater Staat, aber andere sich auf ihrer faulen Haut ausruhen und dann noch erwarten, dass ich an meinen Wochenenden Nachhilfemutti spiel. Um faul sein zu dürfen muss man entweder ziemlich schlau sein, oder man ruht sich auf der Tasche der Allgemeinheit aus.  Das geht, meiner Meinung nach, überhaupt nicht.
Derexor, du bist zwar noch 16, reichlich unerfahren und wohnst noch bei Mutti, die sich um alles kümmert, aber lass so Äußerungen lieber. Begeisterung kann man wecken, die muss nicht einfach "da" sein. Du wirst staunen, wie wundervoll und spannend manche Fächer/Dinge sein können, die du jetzt nur mit einem Schulterzucken abstrafst. Z.B. : Ich war immer schlecht in Mathe in der Schule, hatte dafür Spaß an Physik, weil es mich interessiert. Mathe war immer das Looserfach, das einfach nur schrecklich langweilig war und wegen dem ich fast ein Mal eine Zusatzrunde gedreht hätte. Das hat sich mit der Zeit jedoch gewandelt. In meinem Studium bin ich die Beste aus meinem Jahrgang in den mathematischen Fächern. Warum dieser Wandel? Ich habe metaphorisch Mathe meine Hand gereicht und ihm die Mögleichkeit gegeben sich mit mir anzufreunden. Resultat: Beste Freunde seit 2 Jahren.
Dein Problem ist die Begeisterung, die du für andere Dinge nicht aufbringen kannst, oder willst, weil du dich in eine Sache verbissen hast. Was auch nicht schlimm ist, aber schrecklich trist. Das Leben hat mehr zu bieten, als Schwarz und Weiß.
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: Nachtblick am 25. Juni 2010, 16:22:16
Ich finde es in Ordnung, wenn man, jetzt mal auf Derexor und mich bezogen, in unserem Alter etwas gern macht und sich momentan darauf einrichtet. Warum denn nicht? Ich "strafe" nichts mit einem Schulterzucken ab, ich versuche die Dinge, und wenn sie mir nicht liegen, dann liegen sie mir nicht. Mathe liegt mir beispielsweise nicht. Ich habe auch keinen Spaß an Physik und Chemie. Ich weiß, dass ich das später nicht machen möchte. Ich möchte neben dem Schreiben Kunst, Theater und Design machen. Das liegt mir, das macht mir Spaß.
Nein, von Spaß kann man nicht leben, aber soll ich dann lieber das machen, woran ich keinen Spaß habe, was aber meine Existenz sichert? Was ist denn heutzutage noch sicher? Die Bundeswehr, haha, danke. Der Kultursektor ist am Wachsen. Ich möchte dahin studieren, sehen, was sich eröffnet.
Wenn ich jetzt, mit siebzehn Jahren, weiß, was mir Spaß macht und wofür ich Auge und ein bisschen Talent und Handwerk habe, warum sollte ich das nicht neben einem halbwegs erfolgreichen Schulabschluss und gutem Abi zu dem machen, was ich eben hauptsächlich mache?
Meine schulischen Leistungen haben zu keinem Zeitpunkt unter meinem Schreiben gelitten. Ich habe eine Vorstellung, was ich machen möchte. Ich lasse nicht alles links liegen, was ich nicht machen möchte. Ich versuche, in Mathe eine bestimmte Leistung zu erzielen, mit 08 Punkten wäre ich in meinem Verständnis schon fast Jesus. Mehr möchte ich nicht. Mag sein, dass das bei einigen sauer aufstößt, dass man sich selbst sagt, so, das reicht, aber mal ganz ehrlich. Ich habe genug Arbeit mit der Schule. 12-Jahre-Abi ist ein ziemlicher Horror, ich hätte sehr gern noch ein Jahr, um mir darüber klar zu werden, wie es weiter gehen soll, aber das Jahr habe ich nicht. Ich komme auch ohne mir die Wochenenden mit Mathe vollzuknallen auf einen vorzeigbaren Durchschnitt von 11 Punkten. Wie gesagt, ich habe genug Stress und Arbeit, als dass ich mir auch noch das Schreiben beiseite schieben würde. Ich mache das gern, schon länger und solide und mit zunehmenden kleineren Erfolgen und Veröffentlichungen. Ich spiele Theater, mache Kunst und arbeite mit ins Entwerfen von Plakaten und Covern und Flyern ein. Ich fühle mich wohl dabei. Ich weiß, das Überleben da draußen ist hart, das muss keiner mir sagen, ich bin kein verwöhntes Kind reicher Eltern, aber ich lasse mir auch nicht unterstellen, dass ich unrealistisch, realitätsfern und naiv bin.
Ich sehe nicht, wo Derexor ein Problem hat. Natürlich hat jeder Jugendliche eine Zeit, in der er sich stärker auf das Schöne fokussiert als auf das Hässliche am Leben. Man sollte sich nicht übernehmen, sondern sich bitte realistisch einschätzen. Ich weiß, dass es falsch ist, wenn man etwas sofort abschminkt. Ich bin nicht gut in Mathe, ich bin zu langsam, zu dumm vielleicht, aber ich bemühe mich, habe einen guten Lehrer und weiß, dass es so schlimm an sich nicht ist. Ich sage mir, du gibst dir Mühe, tust, was du kannst, aber es ist nicht ein Punkt mehr wert, dass du dich in noch mehr Arbeit und Depressionen stürzt, wenn du ohnehin im annehmbaren Bereich liegst und das Fach nicht deinen Stärken und Interessen entsprichst.
Außerdem, Derexor ist sechzehn, der macht wahrscheinlich in zwei Jahren Abi, das ist eine ganze Weile, wenn man bedenkt, dass einige aus dem jetzige zwölften Jahrgang nicht die Spur eines Schimmers haben, was sie später machen wollen. Regt euch nicht so auf, dass man in diesem Alter noch nicht alle beruflichen Facetten und Perspektiven kennt und vielleicht noch nicht mal weiß, ob man studieren will.
Sich hier und jetzt erstmal zu orientieren und Prioritäten zu setzen, was ist falsch daran?
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: Calysta am 25. Juni 2010, 16:35:04
Wir sind komplett off-Topic geraten und eigentlich vom Hauptthema abgekommen.
Nichtsdestotrotz soll sich kein jüngerer Schreiberling gegen den Kopf gestoßen fühlen. Mit 16 hatte ich auch noch keine Ahnung, was ich werden wollte. Und das mit Mathe sollte nur ein Beispiel sein (vielleicht etwas zu speziell), dass man es zumindest versuchen sollte. Nachtblick, wenn du dein Bestes gibst, dann musst du dir nichts vorwerfen, du hast es immerhin probiert. Und wenn du das gefunden hast, was dich ausfüllt, dann umso besser! Ich denke nicht, dass wir uns gegenseitig angreifen wollten. Missverständnisse gibt es immer, besonders im Schriftverkehr. Wenn du es als persönlichen Angriff empfunden hast, dann entschuldige ich mich. Sollte wirklich nicht so sein.
Und Derexor, fühl dich nicht auf den Schlipps getreten. Du bist noch sehr, sehr jung. Viele nehmen mittlerweile die Aussage "Ich bin halt faul" jeden krum, auch wenn es anders gemeint war. Ich schiebe es einfach auf dein Alter und belasse es dabei, dass du  erst noch das "Fach deines Herzens" finden musst, was dich genaus so begeistert, wie die Schreiberei.
Wir sollten uns wieder lieb haben   :jau:
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: Kerimaya am 25. Juni 2010, 17:13:05
Stimmt, mit dieser Aussage "Ich bin halt faul" sollte man vorsichtig sein. Ich persönlich kriege bei sowas Krätze (egal, wie alt der Urheber der Aussage ist), weil es die Arbeit hinter dem Schreiben abwertet (@Derexor Ich bin mir sicher, dass du es nicht so gemeint hast, ich versuche nur gerade zu erklären, warum viele Schreiber bei so einem Satz auf einmal mit gesträubtem Fell dastehen).
Mein All-Time-Favorit: "Ach, du schreibst? Wenn ich mal Zeit habe, schreibe ich auch mal einen Roman!" Da könnte ich mit dem Kopf gegen die Wand rennen. Ich habe keine Zeit, da ich studiere, arbeite und auch noch unter Zeitdruck schreibe (zum Glück ist meine Verlegerin so geduldig); ich verzichte häufig auf Partys, ausschlafen oder Treffen mit Freunden, eben um meinem Traum nachzujagen.

Ähm, also, um wieder IT zu gehen: Dieses Drängen in einem sollte man sich wirklich gut bewahren und einfach als Ansporn nehmen. Der Gedanke: "Andere haben es geschafft - dann werde ich es auch schaffen!" kann enorm hilfreich sein und auch sehr tröstlich.
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: Churke am 25. Juni 2010, 17:30:46
Schriftsteller sein zu wollen ist eigentlich ein Luxus und für den Durchschnittsdeutschen wahrscheinlich genauso aussichtsreich wie "ich will Kanzler werden" oder "ich will modeln" oder "ich will Moderator werden".
Natürlich kann man es versuchen. Es gibt schließlich Bundeskanzler, Models und Moderatoren. Manche Leute richten sogar ihre ganze Lebensplanung auf die Dichtkunst aus - nicht immer erfolglos.
Und wenn nicht, ist Schreiben nicht die schlechteste Beschäftigung für einen Arbeitslosen.
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: Rigalad am 25. Juni 2010, 18:27:05
Es gibt Dinge im Leben, die macht man gerne. Das nennt man erst einmal Hobby.
Dann gibt es Dinge, die gehören zum Leben dazu. Zwingend. Das nennt sich Beruf.
Manchmal hängt das eine mit dem anderen zusammen, oft nicht. Deswegen muss man immer Grundlagen für beides schaffen. Natürlich kann ich mich jetzt in eine Ecke setzen, warten bis die nächste GNTM Staffel anläuft und sagen. "Oh, modeln macht mir solchen Spaß, das möchte ich beruflich machen und deswegen konzentriere ich mich auf nichts anderes mehr." Ganz ehrlich? Das passt in die Bequemlichkeit unserer Gesellschaft und bei sowas krieg ich regelmäßig Ausschlag. Ich wollte auch "schon immer" Schriftstellerin werden, trotzdem hab ich Fachabi gemacht, eine Ausbildung, arbeite seit einem Jahr jetzt in dem Beruf und studiere jetzt auch noch nebenbei. Drei Dinge parallel.
Klar, man kann auf Veröffentlichungen hinarbeiten. Das sollte aber nicht das Standbein sein, dafür ist der Markt für jeden, der nicht nur von Wunschdenken geleitet wird, schlichtweg zu voll. Das Leben ist nun mal nicht so wie man's gerne hätte. Da muss man in den sauren Apfel beißen und Alternativen suchen. So ist das Leben.

... und wenn irgendwann dann doch der große Durchbruch kommt, dann vielleicht auch wegen den anderen Erfahrungen, die man gesammelt hat.
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: FeeamPC am 25. Juni 2010, 19:28:18
Falls es jemanden tröstet: ich habe fast 50 Jahre meines Lebens gebraucht bevor ich mein erstes Buch veröffentlicht (ein Sachbuch) und meinen ersten Roman geschrieben habe (nein, er ist noch nirgends veröffentlicht). Vom Schreiben habe ich immer geträumt, dauernd auch kleinere Sachen geschrieben, und natürlich träume ich ich davon, irgendwann einmal bei einem richtig großen Verlag veröffentlicht zu werden.
Nicht jeder Traum wird wahr, aber träumen ist doch soooo schön!
Und in der Zwischenzeit wird fleißig weiter geschrieben.
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: Telas am 25. Juni 2010, 19:30:04
Derexor, Faulheit und Bequemlichkeit können eine nicht zu unterschätzende Gefahr für deine Träume sein, ich spreche aus Erfahrung. Ich hatte eine Phase, in der alles in meinem Leben schief gelaufen ist und ich in Folge dessen nur noch zu Hause saß und gar nichts gemacht habe, weil ich keine Lust mehr hatte etwas zu unternehmen. Ich habe damals viel verloren. Viel Selbstvertrauen, einige gute Freunde doch, was eigentlich am Schlimmsten ist viel Zeit. Zeit ist nicht nur beim Schreiben eine kostbare Ressource, die es effizient zu nutzen gilt, sondern sie ist in allen Bereichen des Lebens ein entscheidender Faktor. Das musste ich wieder lernen, doch seit ich in Lohn und Brot stehe geht es wieder mit mir bergauf, ich treffe mich wieder mit Kumpels und tue auch etwas Sinnvolles, zum Beispiel Romane schreiben, um zum Thema zurückzukommen.
Ich fühle mich besser, wenn ich mich intensiv mit meinen Büchern auseinandersetze und nicht alle drei Wochen einen Satz schreibe. Es geht mir um das Gefühl, ein Ziel zu erreichen, nämlich das Wort Ende unter das Manuskript zu setzen. Es gibt auch für mich Tage, an denen muss ich mich zum Schreiben zwingen und an anderen Tagen schreibe ich absichtlich nicht, weil ich auch einmal abschalten will. Aber wenn die Zeitspanne des Nichtstuns zu groß wird und ich dringend wieder in Tritt kommen muss, mache ich einfach ein Battle oder lasse mir die Pfanne geben. Ich finde diese beiden Instrumente, mit deren Hilfe sich ein Autor eher mit dem Werk beschäftigt hervorragend. Man kann in relativ kurzer Zeit viel schaffen, wenn man bei der Sache bleibt.

Was ich aber noch lernen muss ist, Durchhaltevermögen zu entwickeln. Ich lasse mich von Misserfolgen oft entmutigen und fange lieber ein neues Projekt an, anstatt die Schreibblockade anzupacken. Dementsprechend sind auch meine Statistiken, von sieben Projekten bisher nur zwei beendet. Die anderen waren ohne nennenswerten Plot geschrieben, deshalb glaube ich, wer Schriftsteller werden will, der muss bereits im Voraus wissen, was am Ende auf den Seiten stehen soll. Man sollte konstant am Werk schreiben und nicht immer nur denken "wann ist das Buch endlich vorbei" 
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: Kati am 25. Juni 2010, 19:56:23
Genau wir wir alle möchte ich natürlich auch irgendwann mein Buch gedruckt und gebunden im Laden stehen sehen. Das ist auch mein großer Traum und ich hoffe sehr, dass ich das irgendwann schaffen werde.
Ich bin zwar erst achtzehn, aber ich möchte trotzdem so bald wie möglich wieder damit anfangen, Exposés rausszuschicken und auf Agentursuche zu gehen, um diesen Traum zu verwirklichen. Als ich es das erste Mal versucht habe, war ich fünfzehn und, wie ich heute weiß, lange nicht so weit. Vielleicht denke ich dasselbe in drei Jahren wieder, doch ich glaube es eigentlich nicht. Ich habe in letzter Zeit wirklich das Gefühl eine Hürde überwunden zu haben (Ich weiß aber nicht, welche das sein sollte ;D) und ich glaube auch daran, dass ich schreiben kann, auch, wenn viele das für arrogant halten.
Das Schreiben ist für mich besonders in den letzten Monaten zu mehr geworden, als einem Hobby. Ich liebe es, ich kann nicht ohne das Schreiben und meine Geschichten. Und da ich meine Geschichten nicht nur für mich auf dem Computer lesen möchte, sondern auch Leute damit erreichen möchte, träume ich davon, veröffentlicht zu werden.

Zitat
Mein All-Time-Favorit: "Ach, du schreibst? Wenn ich mal Zeit habe, schreibe ich auch mal einen Roman!"

Über den Spruch musste ich mich auch schon ärgern. Das Schreiben ist sehr zeitaufwendig, das glauben viele Menschen einfach nicht. Eine meiner Freundinnen möchte auch mit dem Schreiben anfangen und schiebt es immer mit dem Satz : "Ich mach das, wenn ich mal Zeit habe..." auf. Ich habe ihr vor einigen Tagen etwas ärgerlich an den Kopf geworfen, dass sie sich diese Zeit schon nehmen muss, sonst wird das nichts.  ;D

LG,

Kati
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: Zitkala am 25. Juni 2010, 20:29:43
@Zitkalasa

Nun, ganz so schwarz würde ich das nicht sehen. Andreas Eschbach hat mal vor langer Zeit zu mir gesagt:

"Wer ins Schlaraffenland will, muss sich erst durch einen riesigen Reisberg fressen."

Und ich sag: Man soll niemals "NIE" sagen.

LG
Termi ;)

*gg*

Stimmt schon. :) Wenn ich mich recht entsinne, war ich in diesem Posting aber auch darauf aus herauszustellen, dass der Beruf Schriftsteller mit Arbeit, Schweiß, Tränen und Blut verbunden ist - und es einem nicht zufliegt wie gebratene Tauben. Weder die Veröffentlichung, noch der feste Platz im Literaturbetrieb. Wer etwas aus sich machen will, muss klotzen ... oder eben durch den Berg fressen. *g* Dazustehen, den Grießbreiberg angucken und sagen: "Hm, da ist mir aber arg hoch und überhaupt, das schaffe ich doch eh nie!", nur um sich letztlich vor den Berg zu hocken und zu warten, dass 'ne Fee vorbei kommt, ihren Zauberstab schwingt und da ist der Durchgang - bei allem Willen nicht schwarz zu malen: Das funktioniert nicht.

Und von dieser Einstellung kann mich auch keiner abbringen. Ich musste mir bisher alles selber erarbeiten, mir flog nichts zu. Auch nicht die Einwilligung meiner Eltern, dass ich studiere. Da musste ich hart bleiben und mich durchsetzen. Hat viel Nerven und Tränen gekostet, aber jetzt bin ich hier und das nächste, was ich sehe, sind Wochen voller Lernerei und Prüfung - und dabei wird das nächste Semester nicht mal besser, sondern schlimmer. Ich werd froh sein, wenn ich überhaupt in der Woche mal Zeit für meine künstlerischen Interessen finden werde. Aber ich schweife schon wieder ab.

Um zum Thema halbwegs zurück zu kommen: Veröffentlichen, ja, aber es bedeutet Arbeit - Arbeit, die man lieber als zweites Standbein betreiben sollte, denn als Brötchenerwerb. Wer dennoch davon leben will, sollte flexibel sein und alles mögliche schreiben, dem er habhaft werden kann ... Ich will mich selbst nicht wiederholen. :omn: Andere haben unter dem Faul-Aspekt auch schon vieles angesprochen. :jau:

 :-[
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: Herr Hazel am 25. Juni 2010, 23:48:00
Ich habe mit 18 vor der Situation gestanden, dass ich nicht wusste, was ich mal beruflich machen kann, soll und auch will. Alles, was ich gerne gemacht hätte, war aus irgendwelchen Gründen nicht möglich oder wurde mir von vorneherein abgeblockt.

Ich freue mich, wenn ein Jugendlicher, junger Erwachsener oder wie auch immer den Zugang zu seinen kreativen Quellen findet. Mit 18/19 habe ich aufgehört zu malen, schreiben war schon vorher jeglicher Anfang gescheitert und bis auf ein paar Gedichte und Texte für die Schule habe ich nichts zustande gebracht, weil ich nie das ausdrücken konnte, was in mir war und ich nie Unterstützung erfuhr.

Schreibt, behaltet den Traum im Blick! Ich kann jedem, der seine Kreativität leben will und davon leben will nur empfehlen, einen Brotjob zu lernen, mit dem schwierige Zeiten zu überbrücken sind und auch um bestimmte Erfahrungen zu sammeln.

Ich hatte nicht erwartet, dass ich meinen Beruf einmal vermissen werde, weil ich eine längere Auszeit habe. Die Ausbildung war  :-X , aber insgesamt bereichert er mein Leben und ich habe mit sehr interessanten Menschen zu tun. (Nicht nur, aber die wenigen machen alle anderen Erfahrungen wett.) Und ich kann davon leben. Man wird nicht reich dabei, aber satt.

Und - der Gedanke, vielleicht aufgrund der Umstände keine Zeit mehr zum Schreiben zu finden, nicht mehr an Texten arbeiten zu können, gerade jetzt, wo ich für mich langsam in ein Arbeitssystem zu finden scheine, löst bei mir depressive Stimmungen aus. Ich will nicht mehr ohne Schreiben. Vielleicht ist deshalb mein Druck veröffentlichen zu wollen geringer geworden, weil das Schreiben an sich den Wert darstellt. Profession (Schreiben als Beruf) versus Passion (Schreiben um des Schreibens willen.) Das muss sich nicht ausschließen, aber es gibt Autoren, die schreiben nur, um zu veröffentlichen, und solche, die nur Schreiben, weil sie schreiben wollen. Die meisten sind sicher dazwischen.

Gedankengänge. Noch nicht ganz ausgegoren, aber sie kamen mir so.
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: Grummel am 26. Juni 2010, 08:55:32
So, nun hab ich mich durch den ganzen Thread gekämpft und will auch mal meinen Senf dazu geben.
 
Wenn ich das so lese, dann erfülle ich ale Voraussetzungen um ein absoluter Spitzenautor zu werden.
 
Ich bin 41. Ein Punkt für Grummel.
 
Ich werde definitiv vor meinem Abitur mein erstes Werk veröffentlichen. (Ich habe nämlich gar kein Abitur, aber das kann ja noch kommen.) Zwei Punkte für Grummel.
 
Ich bin im Berufsleben erfolgreich und bin finanziell einigermaßen unabhängig. (Studieren kann man glücklicherweise auch ohne Abitur.) Drei Punkte für Grummel.
 
Ich habe eine Menge Lebenserfahrung. Siehe Punkt eins. Vier Punkte für Grummel.
 
Ich schreibe, habe aufgrund meines mit vielen Reisezeiten gesegneten Jobs auch genug Zeit zum schreiben und das schreiben macht mir Spaß. Fünf Punkte für Grummel.
 
Ich bin ein Träumer!!!! Sechs Punkte für Grummel.
 
Ich bin Mitglied im Tintenzirkel. Sieben Punkte + ein Bonuspunkt für Grummel.
 
Was fehlt noch? Achja, ich muss nur noch zu Ende schreiben, Betaleser finden, einen Agenten suchen und anschließend einen Verlag und veröffentlichen. Nicht mehr und nicht weniger.
Ich habe in meinem Leben genug Rückschläge eingesteckt und negative Erfahrungen gemacht. Ich werde auch weiter schreiben, wenn man mein Manuskript ablehnt. Das einzige was ich mir nicht mache, ist Stress. Ja ich habe den Willen, den Wunsch und den Traum, ein Schriftsteller zu sein, zu veröffentlichen und irgend wann einmal vom schreiben zu leben. Aber es ist kein Muss für mich. Ich bin aber auch in der glücklichen Lage, das ganze entspannt zu sehen. Ich habe noch eine ganze zweite Lebenshälfte vor mir, in der ich mir diesen Wunsch erfüllen kann. Ich weiß, das nicht jeder von uns in dieser Situation ist und ich bin der festen Überzeugung, dass je jünger man ist, desto schwerer ist es lange Zeit an einem solchen Wunsch fest zu halten. Um den Ausführungen der Threaderstellerin zu folgen... ich freu mich über jede Mitteilung in diesem Forum, dass jemand etwas veröffentlicht hat und seinem Wunsch ein Stück näher gekommen ist. Das ist für mich ein Ansporn. Und ich fühle mit jedem hier, der negative Erfahrungen gemacht hat. Aber auch das ist ein Ansporn für mich.
 
Und wenn alle Stricke reißen, dann fahre ich nach Zweibrücken in den Irish-Pub von Markus Heitz und hoffe, dass ein wenig von seinem Schaffensdrang auf mich abfärbt. (Das war ein Scherz!!) :vibes:
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: Hanna am 26. Juni 2010, 13:03:16
@Derexor: Eigentlich wollte ich dich nur in Schutz nehmen, als ich sagte, dass ich nicht daran glaube, dass du faul bist.  :-*

Ich bin ganz sicher niemand, der einem jungen Schreiber den Wind aus den Segeln nehmen will. Ganz im Gegenteil. Ich habe schon vor der GRundschule gewusst, dass ich Schriftstellerin werden will und finde es toll, wenn junge Leute schreiben. Umso besser, wenn sie an sich glauben und unterstützt werden. Unterstützt worden bin ich nie. Ich höre jetzt noch von meinen Eltern, wann ich denn endlich das Schreiben an den Nagel hänge und was Vernünftiges mache. Es wäre besser für mich gewesen, wenn damals jemand gesagt hätte: "Schreibe UND mach was Vernünftiges"

Wenn man Paolini als Beispiel heranzieht, vergisst man immer gerne, dass diese schöne Geschichte nicht in Deutschland spielt. In Deutschland ist es extrem schwierig, vom Schreiben zu leben. Eine weniger schöne deutsche Jungautorengeschichte bekommt der, der sich mit Frau Hegemann auseinandersetzt.

Es ist niemals falsch zu träumen, aber noch besser ist es, Träume in die Tat umzusetzen. Und wer das wirklich will, der schafft das auch. Ganz gleich in welchem Alter.

@Grummel: Super Beitrag! So gesehen gelingt es mir auch, noch vor dem Abitur zu veröffentlichen.  :rofl:
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: Runaway am 26. Juni 2010, 13:11:42
Unterstützt worden bin ich nie. Ich höre jetzt noch von meinen Eltern, wann ich denn endlich das Schreiben an den Nagel hänge und was Vernünftiges mache. Es wäre besser für mich gewesen, wenn damals jemand gesagt hätte: "Schreibe UND mach was Vernünftiges"
:wums: Kenn ich. Und bin ich total satt. Allein wenn ich schon die Frage höre: Langweilst du dich nicht in den Semesterferien?
Nein! Da hab ich genug Zeit zum Schreiben! ;)

Und die gute Helene Hegemann... ob die so zu beneiden ist? In der ersten Ausgabe der Zeit Campus dieses Jahr, noch kurz bevor der Skandal dann ins Rollen kam, war eine Rezension abgedruckt und auch der erste Satz des Buches. Würde ich jetzt sagen müssen, was ich über das Handwerk von Fräulein Hegemann denke, wär das nicht nett ;) Für mich ist das nicht gut, das ist schlichtweg nicht lesbar. Merkwürdige Attitüde, sowas als große Literatur zu verkaufen. Oder versteh ich da was nicht?  ;D

Aber egal...  :jau: Grummel, das ist echt süß. Du hast ja so recht!
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: Leon am 26. Juni 2010, 13:28:57
... Würde ich jetzt sagen müssen, was ich über das Handwerk von Fräulein Hegemann denke, wär das nicht nett ;) Für mich ist das nicht gut, das ist schlichtweg nicht lesbar. Merkwürdige Attitüde, sowas als große Literatur zu verkaufen. Oder versteh ich da was nicht?  ;D

Über Frau Hegemanns schriftstellerische Fähigkeiten sollte ich besser auch Schweigen. Und was das Verkaufen angeht ... man kann alles verkaufen. Mann muss es nur verkaufen können.  ;D
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: gbwolf am 26. Juni 2010, 13:30:37
@Derexor: Jetzt habe ich eine ganze Weile gegrübelt, an welcher Stelle wir aneinander vorbeigeredet haben und mir ist aufgefallen, dass man die Sache mit dewr Faulheit und dem z.B. Programmieren durchaus leicht falsch verstehen kann.
Also: Ich wollte dir auf keinen Fall unterstellen, dumm zu sein. Was ich aussagen wollte war, dass man seine Faulheit nutzen kann und sollte, dass Faulheit ein Antrieb ist, sich ein tolles Leben bequem einzurichten. Wer faul ist, aber dennoch etwas erreichen möchte, der versucht, sein Leben effizient zu gestalten. Deshalb das Programmiererbeispiel: Man steckt ganz am Anfang etwas mehr Energie in Sachen hinein, schafft sich eine effektive Ordnung, erarbeitet sich Methoden und dann spart man später ganz viel Zeit und Kraft. Das bedeutet dann mehr Zeit zum Schreiben oder auch zum in der Sonne liegen. Momentan bereue ich, dass ich erst Ende 20 damit angefangen habe, statt 10 oder 15 Jahre früher.

Das schreiben an den Nagel hängen soll niemand, sich aber überlegen, ob er sich nur auf ein Bein stellen möchte. Wie bereits gesagt lebt so gut wie niemand nur vom Romanschreiben. Es ist sinnvoll, zum Beispiel früh anzustreben, mit Artikeln oder Kurzgeschichten etwas zuzuverdienen. Wenn dir Computerspiele liegen, kannst du dich damit beschäftigen, das journalistische Schreiben zu lernen und bei einer PC-Zeitschrift anfragen, ob sie Interesse haben, eine Kolumne einzuführen, in der Jugendliche für Jugendliche über Spiele schreiben. Als Referenz hast du dann vielleicht schon mehrere Artikel im örtlichen Käseblatt und in der Schülerzeitung vorzuweisen.
Man kann sich mit Spaß dorthin arbeiten, wo man sein möchte. Was du studierst oder welche Ausbildung du machst, ist dabei ziemlich egal. Sascha Mamcuak, Lektor bei Heyne, hat beispielsweise "Politikwissenschaft, Volkswirtschaft und Öffentliches Recht" studiert.

Und ganz viele Interessen kommen, wenn man sich damit beschäftigt. Ich fand Politik und Sozialwissenschaften immer blöd, bis ich angefangen habe, SF zu schreiben und merkte, welche genialen Instrumente mir diese Wissenschaften an die Hand geben.


Edit: Die Schreiber, die sehr jung veröffentlicht haben scheinen sich in zwei Gruppen zu gliedern: Glückspilze/Marktingleute (Eltern hatten bspw. Kontakte) wie Hegemann oder Paolini und in Jugendliche, die bereits früh eine hohe Fähigkeit zur Analyse und strukturellem Aufbau hatten wie beispielsweise Mai-Nuyen oder Bargmann.
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: Mrs.Finster am 26. Juni 2010, 16:01:44
Jetzt mal ehrlich Leute: Waren wir nicht alle mal faul?  :innocent: Und ich gebe zu: Ich bin es immer noch  ;D

Trotzdem ist aus uns allen etwas geworden  ;) Jeder hatte doch mal eine Null-Bock-Phase oder nur das eine im Kopf. Die einen haben nur Mädchen/ Jungs im Kopf, ich hatte nur Pferde im Kopf und Derexor eben das Schreiben.

Klar, kann das ganze auch unangenehme Folgen haben. Ich habe auch eine Ehrenrunde gedreht und musste die Schule wechseln. Trotzdem habe ich jetzt Abi und einen guten Beruf. Das gehört eben zum Erwachsen- werden dazu.

Um Himmelswillen....was höre ich mich alt an  :d'oh:

Im Gegenteil: Ich finde es wichtig in der Jugend einen Traum zu haben. Wie viele Jugendliche stürzen regelmäßig ab und saufen sich jedes Wochenende die Gehirnzellen weg, nur weil sie Langeweile haben?

Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: Maja am 26. Juni 2010, 16:50:35
Ich habe diesen Thread mehr am Rand mitverfolgt und möchte jetzt eine Sache loswerden: Ja, auch ich will Schriftstellerin sein - nicht werden, sein, wie wir alle hier - aber nicht um jeden Preis.

Ich bin bereit zu arbeiten, daran liegt es nicht. Auch hart arbeiten. An mir selbst, an meinen Büchern, am Stil. Aber ich habe keine Lust, mich zu verbiegen, um besser am Markt anzukommen. Das war eine bewußte Entscheidung - ich giere nach einer Veröffentlichung und kann nicht sagen, daß es mir egal ist, in welchem Verlag das geschieht, ich will etwas großes, erfolgreiches - aber ich will diesen Erfolg als ich selbst haben, mit dem, was ich schreibe und schreiben will, so wie ich will. Ich möchte mein Ding durchziehen, nicht nur, weil ich überzeugt bin, daß es so gut ist, sondern auch, weil ich soviel Prügel eingesteckt habe im Laufe meines Lebens. Ich bin seit dem dritten Schuljahr wegen des Schreibens angefeindet und gemobbt worden. Ich habe das durchgezogen, habe mich allen Konventionen widersetzt und immer Stärke daraus gezogen, mein Fähnchen nicht nach dem Wind zu hängen - dann will ich nicht ausgerechnet jetzt beim Schreiben, bei der Sache, die ich mehr liebe als alles andere auf der Welt, mich verbiegen, um irgend jemandem zu gefallen.

Ich will meine Bücher verkaufen, nicht mich selbst. Der Preis ist, daß eine große Veröffentlichung damit unwahrscheinlicher wird. Nicht unmöglich, aber eben unwahrscheinlicher. Stolz kann ich von mir behaupten, keine Hure des Marktes sein zu wollen. Aber der Traum, vom Schreiben leben zu können, wird damit in weitere Ferne gerückt. Es ist okay so. Ich habe einen Beruf, von dem ich leben kann, auch als halbe Stelle. Ich liebe meine Arbeit weniger als das Schreiben, aber ich mag sie. Ich kann es mir erlauben, zu schreiben was und wie ich will. Dafür bin ich bereit zu warten, auch länger, wenn es sein muß. Ich bin jetzt fünfunddreißig, meine Chance, als Wunderkind groß rauszukommen, tendieren wohl gegen Null, und so habe ich jetzt den Luxus, mich nicht mehr hetzen zu müssen. Nach meiner Berechnung habe ich noch ordentlich was an Leben vor mir, und ebenso sehe ich vor, daß die Leute auch in zehn Jahren noch lesen. Warum hetzen? Das ist keine Frage von Faulheit, das ist eine Frage von Geduld.

Als ich mit fünfzehn meine ersten abgeschlossenen Geschichten hatte - damals noch kein Fantasy, sondern Krimiparodien - wollte ich die natürlich auch an einen Verlag schicken, habe es jedoch nicht getan, meine Eltern waren dagegen, so wie sie gegen alles waren, was meine Kindheit vorzeitig beendet hätte. Der erste Roman war dann 1997 fertig, da war ich 22. Der mußte natürlich veröffentlich werden, die Uhr tickte, Wunderkind wird man nur bis 25, danach zählt nur noch Können. Überarbeiten, nochmal überarbeiten, Verlage anschreiben: 1999. Dann hat Klett-Cotta tatsächlich das Manuskript angefordert. Davon, trotzdem dann doch eine Absage kam, habe ich lange gezehrt. Aber im Nachhinein, mehrere tausend Seiten und über zehn Jahre später, bin ich froh, daß dieses Buch nicht auf den Markt gekommen ist - es war gut für eine Zweiundzwanzigjähtige. Aber es war nicht gut.

Jetzt also, jenseits der Jugendblüte, kann mir egal sein, wie alt ich zum Zeitpunkt meiner ersten Veröffentlichung bin. Ich kann mich darauf konzentrieren, Qualität abzuliefern, absolute Qualität und nicht in Relation zu einem biographischen Eckdatum. Das tut gut und ist sehr erfrischend. Ich denke, jeder Jugendliche, der von einer Veröffentlichung träumt, soll darauf hinarbeiten, gegen den Traum ist nichts einzuwenden. Aber man muß nichts überstürzen, schon allein, damit man auch mit 35 noch einen Traum übrig hat.
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: Wolli am 26. Juni 2010, 17:12:26
Zitat
Aber ich habe keine Lust, mich zu verbiegen, um besser am Markt anzukommen.

Davor habe ich am meisten Angst. So viele Stunden, Wochen, Jahre verbringt man mit seinen Figuren, den Worten und Sätzen, die man überall wieder erkennen würde, weil es die eigenen sind. Wenn ich irgendwann ein Manuskript einreiche, und eine Zusage bekommen sollte, fürchte ich mich am meisten vor dem Aber. Dann muss jenes und dieses verändert werden, die Figuren jünger, zu intensive Szenen raus, ein Happy-End statt dem dramatischen Liebesdrama…
Und wofür das alles?
Damit man es am Ende als kitschigen Jugendroman verkaufen kann.
Davor habe ich Angst, denn das, obwohl ich mir nichts sehnlicher wünsche als Schrifstellerin zu werden, will ich auf gar keinen Fall. Wenn ich schon aller Öffentlichkeit preisgebe, weshalb ich stundenlang vor dem PC sitze, egal ob es draußen 27 oder -10 Grad sind, dann auch so, wie ich es geschaffen habe. Nicht anders.

Wirklichen Druck habe ich wegen meines jungen Alters nicht. Ich glaube, Stil und Sprache werden mit dem Alter noch viel reifer werden, deshalb scheue ich mich auch ein wenig vor dem Veröffentlichen in jungen Jahren. Auch wenn ich momentan ziemlich von mir selbst überzeugt bin, nachdem ich lange Zeit im Moor des Zweifels schwamm…Ich lasse mir Zeit.
Und wenn ich denke, ich bin soweit, werde ich es abschicken.
Egal ob noch dieses Jahr mit 15, oder mit 30, 50 oder 60.
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: Rika am 26. Juni 2010, 17:27:58
Und wenn ich denke, ich bin soweit, werde ich es abschicken.
Ich ziele momentan nicht auf eine Veröffentlichung, aber genau das ist meine Einstellung. Sollte bei meiner Schreiberei etwas herauskommen, das ich für gut genug halte, um es mit der Welt teilen zu wollen, und Freunde/Bekannte/Betaleser derselben Meinung sein... dann probiere ich es mal. Bis dahin schreibe ich einfach erstmal nur, und (hoffentlich ;D) überarbeite, wenn etwas fertig ist.
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: Waffelkuchen am 26. Juni 2010, 19:30:30
Ich sehe das für mich so: Ich bin jetzt fast 18 und schreibe seit 5 Jahren. In jedem dieser Jahre bin ich besser geworden. Wenn ich auf Agentur / Verlagssuche gehe, dann will ich für mich das Gefühl haben, zumindest an einem vorläufigen Höhepunkt angekommen zu sein.
Ich will jetzt noch gar nicht veröffentlichen- wieso sollte ich das jetzt versuchen, wenn mir noch so viele Dinge einfallen, in denen ich so viel besser werden kann?

Schreiben ist für mich das schönste Hobby, das ich mir vorstellen kann- und solange ich so viele Dinge vor mir habe, die so wichtig für mein ganzes zukünftiges Leben sind (Abitur & Studium) werde ich nicht versuchen, krampfhaft mehr daraus zu machen.
Es würde mir den Spaß nehmen- ich hab jeden Tag genug Leistungsdruck und ich bin froh, wenn ich zumindest beim Schreiben nicht ständig darüber nachdenken muss, ob das denn jetzt gut genug ist oder nicht. Ich kann mir jetzt immer noch sagen: "Du schreibst das für dich, weil es dir gut tut, und für die paar Leute um dich rum, die es lesen wollen. Also hör auf, dich so zu stressen."
Eines Tages wird der Punkt kommen, an dem ich sagen kann: "Das ist es!" und dann werde ich alles dafür tun, um es in die Regale zu bekommen. Solange ist das Schreiben eben das, was mich ausgeglichen macht und verhindert, dass ich im Schulsumpf versinke. Und das reicht mir- für den Moment. :)
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: Grey am 26. Juni 2010, 22:49:39
Wenn ich irgendwann ein Manuskript einreiche, und eine Zusage bekommen sollte, fürchte ich mich am meisten vor dem Aber. Dann muss jenes und dieses verändert werden, die Figuren jünger, zu intensive Szenen raus, ein Happy-End statt dem dramatischen Liebesdrama…
Und wofür das alles?
Damit man es am Ende als kitschigen Jugendroman verkaufen kann.

Es ist zwar ein bisschen OT, aber ich hoffe, ein wenig von dieser Angst kann ich dir nehmen: Es ist und bleibt deine Geschichte. Eine potentielle Zusage eines Verlags zwingt dich zu nichts. Du erfährst, was der Verlag für eine verbindliche Zusage noch geändert haben will, und erst dann entscheidest du, ob du dazu bereit wärst oder nicht. Davon abgesehen gibt es eigentlich immer einen Verhandlungsspielraum - man muss sich nur trauen, hinter seinen Ideen zu stehen und gleichzeitig über Kompromisse nachzudenken. Oft sind Lektoratsideen vermutlich auch gar nicht so übel. ;)
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: Runaway am 27. Juni 2010, 00:21:08
@ Maja: Ja... ist schon schön, wenn der Traum noch nicht in Erfüllung gegangen ist. Dann kann man noch träumen.

Aber gemobbt wegen Schreiben? Ernsthaft jetzt??  :o
Ich kenne ja Unverständnis und dumme Kommentare, die mehr über den IQ ihrer Verkünder aussagen als übers Schreiben... aber Mobbing???

Da kriege ich ja Gelüste, das hier zu tun:  :pfanne:
Mindestens...


Was das Verbiegen angeht: Keine Ahnung, ob es da ein richtig oder falsch gibt. Als ich damals bei BoD veröffentlicht habe, wollte ich, daß alles so gedruckt wird, wie ich es wollte. Auch deshalb wollte ich keinen Verlag, denn da hätte ich vielleicht was ändern müssen.
Inzwischen muß ich aber sagen, daß mir das nicht mehr diese Probleme bereiten würde. Damals war ich zu keinen Kompromissen bereit, jetzt bin ich es. Irgendwann fiel mir das auf. Vielleicht muß es für eine große Veröffentlichung auch so sein.

Natürlich ist es wichtig, sich nicht zu verbiegen und nicht alles umschmeißen zu lassen. Aber mir fällt noch ein anderer Aspekt dazu ein: Vielleicht sind manche Änderungen sogar gut. Ich sage mir inzwischen: Vielleicht ist es sogar besser als das, was ich will.
Vielleicht. Aber vielleicht kommt auch der kitschige Jugendroman dabei raus.

Keine Ahnung. Hab ich schon erwähnt, wie frustrierend ich es finde, daß man das alles hier nicht wirklich lernen kann? Schreiben, Veröffentlichen... alles halt. Darf man sich alles selbst erarbeiten. Blöd  >:(
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: Maja am 27. Juni 2010, 01:20:34
Ich denke, zwischen Verbiegen und Kompromissen klafft schon ein Unterschied. Es ist gut möglich, daß ich für meine Geschichten, so seltsam und krank sie auch sein mögen, einen Verlag finde. Wenn ich sie dann in Zusammenarbeit mit dem Lektoarat überarbeite, wird sicher eine Menge dran zu tun sein, aber der Grundtenor wird erhalten bleiben und auch das Kranke und Seltsame, das ist nämlich so fest mit den Geschichten verwurzelt, daß man es als »im Preis inbegriffen« bezeichnen muß. Aber wenn ich komplett auf diese Elemente verzichtet hätte, wäre es nicht mehr meins.

Interessanterweise hat sich bislang bei meinen Elomaran kein Verlag daran gestört, daß die Geschichte zu düster oder zu krank wäre, die Argumente, mit denen es abgelehnt wurde, kann ich allesamt nachvollziehen, und es ist okay - es würde mich mehr wurmen, wenn ich die Geschichte auf Deubel komm raus für den Markt geschrieben hätte und dann der Markt es nicht würde haben wollen. Auch Kritik kann ich so deutlich leichter wegstecken; wenn man nicht verkrampft versucht, es anderen Recht zu machen, kann man auch besser damit leben, wenn es den anderen doch nicht Recht ist.


Aber gemobbt wegen Schreiben? Ernsthaft jetzt??  :o
Ich kenne ja Unverständnis und dumme Kommentare, die mehr über den IQ ihrer Verkünder aussagen als übers Schreiben... aber Mobbing???
Was das Mobbing angeht - ja, das ist leider der erste Preis, den ich bezahlen mußte. Ich schreibe, seit ich sieben oder acht Jahre alt bin. Erstmal hatte ich damit überhaupt kein Problem, ich war in meiner Klasse ganz ordentlich sozialisiert und hatte Freunde wie jedes andere Kind. Die Probleme haben angefangen, als wir aufs Land zogen und ich zum Dritten Schuljahr in einer neuen Klasse war, wo ich Probleme hatte, Anschluß zu finden. Meine Lehrerin versuchte es mit dem hochpädagogischen »Spielt doch auch mal mit der Maja! Sie ist so eine gute Schülerin, und dann schreibt sie auch noch diese schönen kleinen Geschichten!«… Dann war natürlich alles aus. Wobei das Schreiben natürlich nur ein Grund von vielen war, ich war komplett Anti gegen jede Form von Konvention und habe es sehr drauf angelegt, anzuecken; ich glaube, ich wollte einfach nicht dazugehören.

Ich habe das Mobbing realisiert, zwangsweise, wenn man an fast jedem Tag von seinen Mitschülern auf dem Nachhauseweg verprügelt wird, aber ich habe die richtigen Schlüsse nicht gezogen. Wenn ich meine Geschichten rumgezeigt oder vorgelesen habe, und die anderen Kinder haben gesagt »Ui, das hast du aber toll gemacht», dann kam bei mir an »Ui, das hast du aber toll gemacht.« Kapiert habe ich das erst, als meine kostbare Kladde mit den Gedichten von sechs Jahren in einer Jugendgruppe die Runde machte und ich sie hinterher mit Kugelschreiber vollgeschmiert wiederbekommen habe, danach habe ich mich nicht mehr getraut, irgendwam zu erzählen, daß ich schreibe, bis ich dann Moni kennengelernt habe.

Zitat
Keine Ahnung. Hab ich schon erwähnt, wie frustrierend ich es finde, daß man das alles hier nicht wirklich lernen kann? Schreiben, Veröffentlichen... alles halt. Darf man sich alles selbst erarbeiten. Blöd  >:(
Oh, aber wir lernen hier doch die ganze Zeit! Das ist nicht nur Autodidaktik, auch wenn wir uns nicht mit dem »So werde ich Bestsellerautor« zu Bett legen, läuft vieles hier unterschwellig - wir lernen aus Kommentaren, aus Kritik, aus den Werken anderer Autoren. Wir lernen aus »Das will ich auch können« und aus »So will ich das nie machen«, wir helfen einander mit Exposees und Betalesen - es ist nicht so, daß man hier völlig auf sich allein gestellt ist. Als ich meine ersten Verlagsbewerbungen rausgeschickt hatte, gab es zumindest für mich kein Internet und auch entsprechend kein Forum. Die Verlagsanschrift hatte ich aus dem Banger, dem Verlagsverzeichnis für Buchhändler, auf das ich wegen meiner Ausbildung Zugriff hatte. Von Normseiten hatte ich noch nie gehört, den Aufbau eines Exposees mußte ich mir selbst ausdenken und war stolz genug, überhaupt das Wort zu kennen und um die Notwendigkeit zu wissen, und daß man nicht das ganze Manu schickt, sondern nur eine Leseprobe, hatte ich aus einem Autorenratgeber. Erstaunlich, daß ich damals so weit gekommen bin, denn das Exposee war Müll und das Buch eigentlich nicht viel besser.

Jetzt ist es viel, viel einfacher. Als Jungautor muß man nicht mehr vereinsamt bis nach dem Abi warten, um andere Autoren kennenzulernen, man geht einfach ins Internet und sucht sich eine passende Community. Für Verlagsbewerbungen gibt es eigene Unterboards, Exposees werden im Team erarbeitet… Daß wir nicht alle wahnsinnig erfolgreich sind bei diesem Maß an Professionalittät, das wir an den Tag legen, kann nur daran liegen, daß sich die Anforderungen der Verlage verschärft haben - schließlich sind die Infos dank Internet so verbreitet, daß man Normseiten und Exposees als selbstverständlich betrachten kann,  und an die Verlagsanschriften ist auch leichter dranzukommen - ich denke, es gehen einfach viel mehr Bewerbungen bei den Verlagen ein als noch vor zehn Jahren. Schon wegen der ganzen Jungautoren, die in Gesellschaft der Älteren übermütig werden und alle ins Verlagswesen drängen. ;)

Aber auch wenn man heute schneller lernt als vor zehn Jahren, wird man nicht schneller veröffentlicht als damals. Es braucht Geduld und Hartnäckigkeit. Auch ohne mit sechzehn Jahren ein Tagespensum von 2.000 Wörtern schreiben zu müssen, kann man auf seinen Traum hinarbeiten, solange man einfach nie aufhört zu schreiben, und nie aufhört, besser werden zu wollen.
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: gbwolf am 27. Juni 2010, 09:05:02
Daß wir nicht alle wahnsinnig erfolgreich sind bei diesem Maß an Professionalittät, das wir an den Tag legen, kann nur daran liegen, daß sich die Anforderungen der Verlage verschärft haben
Und auch ganz schlicht und einfach an den langen Laufzeiten in dieser Branche. Wenn ich sehe, was sich in den letzten drei Jahren alles im Tz bewegt hat und wie viele (Im Verhältnis zu allen Schreibenden) von uns es zu Agenturen und Verlagen geschafft haben, dann werden wir die nächsten Jahre sicherlich noch einige Karierebeginne miterleben.
Und auch ein Höchstmaß an Professionalisierung beim Anbieten garantiert keine Veröffentlichung. Glück, Hartnäckigkeit und vor allem Handwerk gehören dazu. Ich staune immer wieder, wenn ich merke, dass ich wieder etwas ganz Essenzielles beim Charakterbau verstanden habe oder beim Szenenaufbau (Siehe letztes Tz-Treffen, als ich nach dem Vorlesen ganz viel Feedback bekam). Es ist so wahnsinnig schwer, aus guten Ideen ein gutes Buch zu entwickeln. Vor allem, wenn einem analytische Talente nicht in die Wiege gelegt wurden.

Lassen wir uns mal von den nächsten Jahren überraschen!
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: Grummel am 27. Juni 2010, 09:35:25
Zitat
Keine Ahnung. Hab ich schon erwähnt, wie frustrierend ich es finde, daß man das alles hier nicht wirklich lernen kann? Schreiben, Veröffentlichen... alles halt. Darf man sich alles selbst erarbeiten. Blöd  :(" src="http://www.tintenzirkel.de/forum/Smileys/classic/angry.gif">

Das sehe ich ja mal ganz anders. Zum einen wird uns allen mit einer Einrichtung wie diesem Forum hier (Maja hat es schön beschrieben) geholfen und wir lernen voneinander.
Ausserdem stehe ich auf dem Standpunkt, dass man "Schreiben", Exposes erstellen, "Sich selber verkaufen" usw. natürlich lernen kann. Es ist ein Handwerk wie viele Andere. Was du bis zu einem gewissen Grad allerdings nicht lernen kannst, ist Kreativität und der eigene Stil. Aber ist das nicht in jedem Beruf oder sogar Hobby, egal ob nun Schreiben oder Fussball spielen so? Bis zu einem bestimmten Punkt ist man gut... ab einem bestimmten Punkt ist man sehr gut. Ich will damit nicht sagen, dass man nicht hervorragende Bücher schreiben kann, in dem man "sein" Handwerk herunter spult aber ich glaube (auch das hat Maja geschrieben) dein/das beste Buch schriebt man, wenn man im Bereich Stil und Idee seinen eigenen Weg geht.
 
Zitat
Ich kenne ja Unverständnis und dumme Kommentare, die mehr über den IQ ihrer Verkünder aussagen als übers Schreiben... aber Mobbing???

Ich weiß nicht, ob man es Mobbing nennen kann.. (damals gab es das Wort noch garnicht. ;D ) aber bei mir war und ist es ähnlich wie bei Maja. Nur waren es nicht die Mitschüler, sondern die eigene Familie. Zuerst mein Vater, der als Vollwaise, Arbeiter und ehemaliger Klosterschüler mal so garkein Verständnis dafür hatte (und leider Gottes immer noch nicht hat), dass man seine Zeit mit schrieben verplempert. Dann mein Bruder, von dem ich die Kullistriche auf handgeschriebenem Papier sehr gut kenne ( und den ich heute dafür noch mehr in den Axxx treten könnte als damals.) Meine Exfrau, die nie so ganz verstanden hat, dass ich meinem Sohn bei bringe, dass Fantasie lebensnotwendig ist, dass man halt einfach mal träumen und dem Alltag entkommen muss. Ich habe jahrelang für ein Fanzine geschrieben und es nie jemandem aus dem Familienkreis geschweige denn aus dem Mitarbeiter- oder Freundeskreis erzählt. Ich hatte immer Angst davor, enttäuscht zu werden. Seit ca. 2 Jahren ist das vorbei. Es ist mir egal was andere sagen. Neee, falsch ich will wissen was andere dazu sagen. Ich suche mir nur diejenigen genau aus. Sonst wäre ich nicht hier. :jau:
 
Ich weiß, dass ist alles fast schon am Thema vorbei, aber es tut auch gut mal ein wenig von der Seele zu schrieben und ausserdem habe ich immer noch mit einer kleinen Magen- und Gehirnrevolte vom gestrigen Kirmesbesuch zu kämpfen. :d'oh:
 
 
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: Thaliope am 27. Juni 2010, 11:21:53
@Aquamarin:
Du sprichst mir aus der Seele! In diesem Thread ist wohl alles Relevante dazu inzwischen schon gesagt worden, aber dass ich dieses Gefühl sooooo gut kenne - und es jetzt gerade durch diesen Thread wieder ausgelöst wurde, dass ich richtig zittrig und fiebrig bin, meine Inspirationen aus Hamburg jetzt wieder in Geschichten umzusetzen, - das musste ich doch kurz mal loswerden. Lass dich  :knuddel: n, wir schaffen das schon!

@Keri: Du hast vor ein paar Seiten etwas ganz Tolles geschrieben: Dass man die Energie aus diesem Gefühl nehmen und in seine Geschichten stecken soll ...

Außerdem, wer sagt denn, dass man unbedingt veröffentlicht werden muss, um Schriftsteller zu sein? Macht es uns nicht eigentlich zu Schriftstellern, dass wir morgens aufstehen, und an den Schreibtisch setzen und mit den Wörtern ringen? Durch den Tintenzirkel habe ich gelernt, mich in dieser Hinsicht als Schriftsteller zu fühlen. Und nach allem, was ich von dir weiß, Aquamarin, bist du Schriftstellerin. Das einzige, was noch fehlt, ist der Erfolg. "Ich will erfolgreich sein, und zwar jetzt!" - wäre doch dann der eigentliche Wunsch, oder?

Liebe Grüße
Thali

Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: Runaway am 27. Juni 2010, 11:24:33
Okay... jetzt habt ihr mich ehrlich geschockt. Ich wußte nicht, WIE weit Dummheit und Ignoranz anderer Leute reichen können. In so einem speziellen Fall. Da muß ich ja fast sagen: Zum Glück bin ich "nur" mit Ahnungslosigkeit, Verständnislosigkeit und dummen Kommentaren gestraft. Vollgeschmiert hat meine Sachen nie einer. Das hätten die auch bereut  ;) Nee, aber im Ernst, allein davon zu lesen, erzeugt bei mir ein Gefühl - wahrscheinlich das Gefühl, das du/ihr dabei auch hattet.
Na toll, jetzt bin ich sauer  ;D

Aber du hast Recht, Maja, du bringst es schön auf den Punkt: Es gibt einen Punkt zwischen Verbiegen und Kompromissen. Ich wußte das nur nicht so auszudrücken ;)

Und was ich mit "lernen können" meinte, bezog sich jetzt auf sowas wie den Schriftsteller-Studiengang in Leipzig, wo sich jemand dieses Handwerks annimmt, daran feilt und dir auch sonst nötige Infos mit auf den Weg gibt. Etwas Institutionelles eben.
Klar lernt man hier eine ganze Menge, deshalb mag ich dieses Forum ja auch :) Aber ich muß sagen, ich habe es zu spät entdeckt bzw. für mich entdeckt.
Meine ersten Veröffentlichungsunternehmen vor 10 Jahren sahen ungefähr so aus wie bei Maja. Von nix ne Ahnung, aber fröhlich drauflos  ;)
Umso schöner, daß viele hier schon Erfolge vorzuweisen haben! Das macht Mut.
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: Termi am 27. Juni 2010, 12:10:28
Was den Tintenzirkel angeht, da kann ich nur bestätigen, dass ich für meine Schreibe, hier einen ganz großen Schritt nach vorn gemacht habe. Und in gewisser Weise hat der Tintenzirkel einen nicht geringen Anteil daran, dass ich heute 5 Wuddelteile und bald meinen ersten Roman draußen habe. Hier fing für mich und dem Erlernen des Handwerks alles an. Dieses Forum hier war meine erste Internetadresse, mich mit Gleichgesinnten auszutauschen.

Zum Veröffentlichen sagt Maja so schön:
Zitat
Stolz kann ich von mir behaupten, keine Hure des Marktes sein zu wollen.

Das ist bewundernswert Maja.

Der Haken dabei ist nur, dass wenn ich erfolgreich mitmischen möchte und eines Tages mein eigenes Ding durchzuziehen, ich eben gerade diesen Markt bedienen muss. Was ich damit sagen will ist, der Markt da draußen, also die Leser, und ich meine die Mehrzahl der Leser, die wollen unterhalten werden. Die Verlage kalkulieren da sicher knall hart. Da geht es in erster Linie ums Geschäft und um Verkaufszahlen. Die gehen kein Risiko ein, wenn sie nicht genau wissen, dass es sich verkauft. Viele werden jetzt denken, was will die Termi denn, die hat es doch geschafft. Ja ich habe für mich einen Teilerfolg geschafft (was auch sehr lange gebraucht hat)  und mit meinem Verlag einen tollen und serösen Partner gefunden . Darüber bin ich glücklich und auch dankbar. Aber dem Traum nur noch mit dem Schreiben Geld zu verdienen, diesem Traum bin ich noch Meilenweit entfernt. 

LG
Termi
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: Astrid am 27. Juni 2010, 12:43:45
Ich bin eine Hure des Büchermarktes geworden.

Ich habe zwanzig Jahre lang für mich allein und voller Begeisterung geschrieben. Ich habe geträumt - nicht nur davon, einen Bestseller zu schreiben, sondern davon, MEINEN Bestseller zu schreiben. An dieser Geschichte habe ich schreiben gelernt, ich habe meine peinlichsten Fehler gemacht und gelernt, sie zu erkennen (wenn auch nicht immer zu beseitigen), ich habe wunderbare Sätze geschrieben, die mich noch heute mitreißen, und ich habe in dieser Geschichte gelebt. Ganz für mich allein, ohne Internet, ohne Kontakte nach draußen, mit einem einzigen Menschen, der den Text kannte und mich ermutigte, weiterzumachen.

Vor sechs Jahren bot sich dann die Chance, an einer bekannten Jugendbuchserie mizuschreiben. Ich wollte es eigentlich nicht, weil mich die Serie absolut nicht interessierte, habe es aber doch getan, um die nächste Miete und die Versicherung für mein Auto bezahlen zu können. Es machte auch irgendwie Spaß, obwohl mir von Anfang an klar war, dass ich zu dieser Art Schreibe nicht tauge. Nur die Fähigkeiten, die ich mir über die Jahre hinweg erarbeitet habe, haben mich einigermaßen gerettet, aber die Bücher, die ich für diese Serie geschrieben habe, sind nicht sonderlich gut. Sie sind ganz ok, aber nicht meins. Ich habe sie alle aus dem Gedächtnis gestrichen, könnte nicht einmal genau sagen, um was es geht, und auch die Amazon-Rezis interessieren mich nicht mehr.

Der einzige Vorteil dieser Lohnschreiberei war genau das: Lohn. Ich konnte mir eine größere Wohnung leisten, kann Miete, Kranken- und Autoversicherung zahlen und muss nicht mehr nächtelang Panik schieben, weil ich nicht weiß, woher ich am nächsten Tag auch nur das Geld fürs Essen nehmen soll. Dieser Zustand hat mich fünfundzwanzig Jahre lang begleitet, und ich will ihn nie wieder erleben. Er war der Preis fürs Schreiben, ich hab ihn gezahlt, aber jetzt kann und will ich es nicht mehr.

Muss ich auch nicht. Mein Preis ist jetzt ein anderer: ich kann und mag nicht mehr schreiben. Es macht mir keinen Spaß mehr. Zwar hatte ich das Glück, eine Fantasyreihe aus meiner eigenen Welt zu schreiben und im Anschluss gleich den Vertrag für eine weitere Trilogie zu bekommen, aber ich habe durch die Zwänge des Jugendserienschreibens meine eigene Sprache massiv reduzieren müssen, ich habe die ganze Zeit die Bedürfnisse einer "Zielgruppe" im Kopf, für die ich eigentlich nicht schreiben will, und obwohl ich jetzt nach Herzenslust in meiner Welt herumschnorcheln und damit Geld verdienen könnte - war das nicht mein Traum? -, hänge ich lieber nutzlos im Netz rum und zocke Spiele, bei denen ich nur der Fantasie anderer Leute hinterherlaufe.

Jammern auf hohem Niveau, ich weiß. Immerhin kann ich zur Zeit tatsächlich vom Schreiben leben. Aber ich vermisse die Zeit, in der ich von einem Schreibgasmus zum nächsten geflogen bin. Im Moment halte ich nur durch, weil ich hoffe, in zwei Jahren das finanzielle Polster zu haben, um nur noch MEINE Geschichte zu schreiben.

Falls ich das dann überhaupt noch will.  :(
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: Lavendel am 27. Juni 2010, 14:28:19
Astrid, das klingt wirklich sehr traurig. Ich kann mir das Gefühl irgendwie richtig gut vorstellen, und das macht keinen Spaß. Ich müsste zwar mittlerweile (eigentlich schon seit ein paar Jahren) erwachsen sein, aber es gibt ein paar Dinge, an die ich immer noch glaube, und eins davon ist, dass man das Schreiben nie ganz verliert. Ich hoffe, du musst nicht mehr allzu lange darauf warten, dass der alte Enthusiasmus wiederkommt - und wenn es 'nur' für dich selbst ist und nicht für deinen Lebensunterhalt.
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: Abakus am 27. Juni 2010, 14:41:12
Schriftsteller werden und davon leben zu können! Das ist ein ehrgeiziges Ziel. Dieses Ziel verfolge ich zurzeit nicht mehr. Der Grund: ich kann mir nicht vorstellen, dass ich mir mit dem Schreiben von Romanen den gleichen Lebensstandard sichern kann wie ich ihn mir mit meinem Beruf aufgebaut habe. Möglicherweise wird es jetzt Stimmen geben, die sagen: "Ja, wenn du es nicht ausprobierst, kannst du es nicht wissen". Außer ich mache es wie Markus Heitz und schreibe in den nächsten ca. sieben Jahren zwanzig Romane, wovon fünfzehn Bestseller werden.

Als ich mich damals bei meinem jetzigen Arbeitgeber bewarb, hielten viele meiner Freunde mich für verzweifelt, weil sie meinten, dass sie mit einem abgeschlossenen Bachelor niemals einen Job, bei dem man fast ausschließlich auf Provision bezahlt wird, annehmen würden. Ich hatte damals schon einige Erfahrung in diesem Segment gesammelt und traute mir diese Tätigkeit zu. Heute, fast drei Jahre später, kann ich mir nicht mehr vorstellen ohne Provision zu arbeiten. Die Regeln sind einfach: machst du mehr, verdienst du mehr, machst du weniger, verdienst du weniger. Ähnlich wird es in der Verlagsbranche sein. Je mehr Bücher ich raushaue, desto größer wird das finanzielle Polster.

Natürlich ist Provision ein Knochenjob. Ein Fluch und ein Segen zugleich. Zwei meiner Kollegen sind seit einem halben Jahr krankgeschrieben. Burnout-Syndrom. Wenn man falsch an die Sache herangeht, kann der Schuss schnell nach hinten losgehen. Deshalb lege ich viel Wert auf meine tägliche Mittagspause. Da setze ich mich in der Firma hin, packe den Laptop aus und fange an zu schreiben, während ich mir meine Mahlzeit zuführe. Alle meine Kollegen schütteln den Kopf und fragen mich ständig, wie ich nur so schnell abschalten kann. Na ja, ich mache es einfach, lautet die gängige Antwort. Und außerdem brauche ich es als Ausgleich. Mich dann nach der Pause wieder voll auf meine berufliche Tätigkeit zu konzentrieren, fällt mir ebenfalls nicht schwer. Ich glaube, sich einfach Zeit für sich selbst zu nehmen, ist der Schlüssel, um nicht mit einem Burnout-Syndrom zu enden.

Es ist natürlich leichter gesagt als getan. Der Druck ist enorm hoch. Am Ende eines jeweiligen Monats müssen stets die Zahlen stimmen. Damit habe ich keine Probleme, da ich jeweils mit meinem Zahlen weit über meinem monatlichen Soll liege. Aber erst einmal jeden Monat dahin zu kommen, verlangt viel Disziplin, Kraft und Ehrgeiz. Allerdings gibt es auch Kollegen, die daran zerbrechen. Burnout, Nervenheilanstalt etc., das ist leider die gängige Praxis. Bei zehn bis zwölf Arbeitsstunden pro Tag, auch häufig  am Samstag und Sonntag (allerdings dann nicht ganz so lange), ist bei meinen Kollegen und mir keine Seltenheit mehr. Das hat bei mir dafür gesorgt, dass sich meine damalige Lebensgefährtin verabschiedet und sich einem anderen an den Hals geworfen hat. Aber jemand, der kein Verständnis dafür hat, was ich beruflich tue bzw. wie lange ich arbeite, passt einfach nicht zu mir.

Der positive Effekt des Ganzen ist natürlich die Bezahlung. Und da wären wir wieder beim Einstieg. Ich kann mir nicht vorstellen, mit einer hauptberuflichen Tätigkeit als Schriftsteller das Geld zu verdienen, was zurzeit am Monatsende auf mein Konto überwiesen wird. So gut bin ich als Schreiberling nicht und auch selbstkritisch genug, um es offen zu sagen. Eine nebenberufliche Tätigkeit als Schriftsteller traue ich mir dagegen schon zu. In dem Wissen natürlich, die monatlichen Kosten ohne Mühen und Sorgen durch meinen Beruf abgedeckt zu haben.

Mein damaliger Mentor meinte zu mir, dass, wenn man verkaufen kann, das jeweilige Produkt vollkommen egal sei. Die jeweiligen Kenntnisse darüber kann man sich aneignen und da vergleiche ich mich immer gerne mit einem trockenen Schwamm, der in eine Wanne voller Wasser geworfen wird und sich langsam vollsaugt. Das Wasser stellt dabei symbolisch das Wissen dar. Aufgrund dessen kann ich es mir vorstellen auch mal meinen Roman einem Verlag „verkaufen“ zu können.

Apropos Verlag: Druck gibt es auch in der Verlagsbranche, denke ich. Wie stark der ist, kann ich nicht beurteilen, aber einen Roman zu einem bestimmten Datum fertigzustellen, wird mit Sicherheit für sehr viel Eigendruck sorgen.

Ich kann voll und ganz verstehen, dass bei vielen der Ehrgeiz vorhanden ist, eine hauptberufliche Tätigkeit als Schriftsteller zu starten. Das finde ich auch gut so, denn im Leben sollte jeder Ziele haben. Für mich kommt eine solche Karriere zurzeit nicht in Frage, da die Karriereleiter im Unternehmen erst weiter hinaufgestiegen werden muss. Das ist mein Ziel.

Ich drücke jedem die Daumen. Glaubt an eure Träume, denn Träumer verändern die Welt. Und der Tintenzirkel hilft dabei. Bislang habe ich hier vom Wissen der anderen nur profitieren können. Zwar schreibe ich nicht sehr viele Posts, da ich den TZ eher nach Themen durchwühle, als auf Themen zu antworten. Dennoch bin ich froh auf dieses Forum gestoßen und Teil dieser Gemeinschaft zu sein. Meine Geschichten werde ich weiterhin im Hintergrund schreiben und vielleicht ergibt sich irgendwann einmal die Chance zu veröffentlichen. Unbedingt brauchen tue ich es zurzeit nicht mehr. :)
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: Termi am 27. Juni 2010, 18:38:41
Liebe Astrid,

das klingt echt sehr traurig, was du da schreibst. Aber einen Wermutstropfen hat das Ganze dennoch. Mit der Jugendreihe und der Fantasyreihe hast du ganz sicher den Grundstein dafür gelegt, dass du, falls du nicht ganz die Lust am Schreiben verlierst, doch noch dein eigenes Ding durchziehen kannst.

Aber eine Sache beschäftigt mich schon arg, seit ich dein Posting eben gelesen habe. Ich kann mir einfach nicht vorstellen, wie es funktionieren soll, dass jemand etwas schreibt, was er gar nicht mag. Und das diese Bücher auch noch erfolgreich sind. Ich mein, ich will dir nicht zu nahe treten, aber ich nehm dir nicht ab, dass in den Büchern der Judendreihe und auch in der Fantasyreihe nicht dein Herzblut steckt. Nein ich wage sogar zu behaupten, dass in jedem Text immer auch ein bisschen etwas vom Autor mitschwingt.

Zitat
ich habe die ganze Zeit die Bedürfnisse einer "Zielgruppe" im Kopf, für die ich eigentlich nicht schreiben will

Bei allem Respekt, Astrid, finde ich diese Aussage deinen Fans gegenüber sehr unfair. Du hast mit deinen Büchern so viele Kids glücklich gemacht (ich allein kenne mindestens 10 Fans von dir, die dich auf Händen tragen würden) und das allein ist doch Beweis genug.  ;)

LG
Termi
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: Elena am 29. Juni 2010, 13:36:36
Tja, das ganze ist eine Sache, die ich auch lange mit mir herumgetragen habe, in der vielfältigsten Art und Weise.

Lange Zeit habe ich fest gesagt: Ich will mich nicht für den Markt verbiegen (auch wenn ich nie ein Problem damit gehabt habe, für Leser zu schreiben - ich bin niemand, der an jedem Wort hängt oder an jedem Plotelement). Das war auch einfach, so lange ich dazu nicht die Möglichkeit hatte. Dann aber hatte ich die Chance auf einen Agenturvertrag, und die Ungeduld, das "I just can't wait to be king" wurde sehr viel stärker als irgendwelche Ideale. Also habe ich eine Geschichte geschrieben, die ich zwar irgendwie schon schreiben wollte, die mir auch schon eine Weile nachhing, die aber doch nicht das war, was ich schreiben wollte. Ich hab mir gedacht: Na gut, vielleicht ist das eine Möglichkeit, einen Fuß in die Tür zu bekommen, und nach ein, zwei für mich langweiligen Büchern kann ich dann auch endlich das schreiben, wozu ich Lust habe.
Ich glaube, wenn die Geschichte tatsächlich veröffentlicht worden wäre, wäre es nie dazu gekommen.

Astrid, was du schreibst, kann ich voll und ganz nachempfinden. Die Geschichte, die ich damals geschrieben habe (die mir aber so peinlich war, dass ich mich nicht getraut habe, hier viel darüber zu sprechen, und aus der ich auch auf keinen Fall bei einem Tintenzirkeltreffen vorlesen wollte - weil's mir peinlich war), hat mich sehr viel gekostet. Ich habe noch nie so lange und so ungern an etwas geschrieben, und als ich es endlich hinter mir hatte und mich durch die Überarbeitung gequält hatte, wollte ich mit dem Schreiben aufhören. Ich hatte schlicht keine Lust mehr, weil ich zu dem Zeitpunkt anderthalb Jahre lang an etwas gearbeitet hatte, was nur mit negativen Gefühlen verunden war. Und als die Absagen dafür reinkamen, war das zwar schade um die Arbeit, aber irgendwie war ich auch erleichtert. Bis zum Schluss war ich mir nicht sicher, ob ich das mit meinem Namen drauf in der Buchhandlung sehen wollte.

Ich habe damals tatsächlich mit dem Schreiben aufgehört, und als ich dann wieder - dank Maja - damit angefangen habe, habe ich etwas gemacht, wozu ich Lust hatte, was ich schreiben wollte, obwohl ich mir vorher totsicher war, dass ich überhaupt nie wieder schreiben würde. Die Arbeit daran hat einfach nur Spaß gemacht.
(Vielleicht, Astrid, ist das eine kleine Beruhigung - es ist dann doch wieder etwas anderes, an einem Herzkind zu schreiben als einer "Auftragsarbeit", selbst wenn man sich vorher nicht mehr vorstellen kann, jemals wieder beim Schreiben Spaß zu haben.)
Im Endeffekt glaube ich, dass diese neue Geschichte viel besser ist als die alte, und ich würde es mir wünschen, damit Erfolg zu haben - nicht nur, weil es eine meiner Lieblingsgeschichten ist und ich die Figuren mag, sondern weil es mir eine echte Genugtuung wäre, mit dem veröffentlicht zu werden, was ich für mich selbst und nicht für einen Markt geschrieben habe. Mal sehen.

Was ich damit sagen will: Ein Erfolg wäre für mich kein Gewinn gewesen und hätte mich dem Traum, eine veröffentlichte Schriftstellerin zu sein, nicht näher gebracht, weil es dazu geführt hätte, dass ich gar keine Schriftstellerin mehr wäre. Jetzt weiß ich mehr als vorher, dass es keinen Sinn hat, sich für den Markt zu verbiegen, und ich weiß vor allem mehr als vorher, warum. Für mich klappt das einfach nicht (und auch wenn generell eine Tendenz da ist, auf Leute herunterzublicken, die "für den Markt" schreiben, so finde ich das überhaupt nicht gerechtfertigt. Seine eigenen Herzenskinder zu schreiben ist tausend Mal einfacher).

Aber es ist gut, das mal gemacht zu haben, denn nun brauche ich das nicht mehr für mich als Möglichkeit in Betracht zu ziehen und mir zu denken "Hätte ich bloß"... Ich habe. Und es war scheiße.

Das zweite, was meine Einstellung zu dem Thema deutlich verändert hat, war und ist die Tatsache, dass ich aufgrund einer Erkrankung vielleicht mein Studium nicht schaffe. Spätestens, wenn man kurz davor ist, einen Freund auf die gut gemeinte Tröstung hin "du kannst ja noch Schriftstellerin werden" zu schlagen, weiß man, was man wirklich will, und ich würde eine Veröffentlichung bei Randomhouse jederzeit für eine Veröffentlichung in Nature ablehnen.
Und auch wenn mich früher sehr oft der Gedanke "Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!" gequält hat, ist das seitdem nicht mehr so. Auch wenn ich den Preis nicht mag, den ich dafür zahlen musste oder muss.

Liebe Grüße,
Elena
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: Leon am 29. Juni 2010, 14:24:32
Wenn mich ein Verlag fragen würde, "schreiben sie doch mal was über das Leben einer Toilettenfrau". Kein Thema würd ich sagen. "Wie viele Seiten soll´s denn haben und was bezahlt ihr mir dafür?"

Nicht dass mir das Leben dieser Frau besonderen Spaß machen würde, aber ich denke ich könnte Schreiben um Geld zu verdienen und Schreiben aus Spaß und Leidenschaft gut voneinander trennen. Wenn sich natürlich Letzteres mit dem Ersten verbindet, wär´s natürlich umso besser.

Aber mich fragt ja keiner.  :(
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: Lomax am 29. Juni 2010, 14:48:39
Ich hab mir gedacht: Na gut, vielleicht ist das eine Möglichkeit, einen Fuß in die Tür zu bekommen, und nach ein, zwei für mich langweiligen Büchern kann ich dann auch endlich das schreiben, wozu ich Lust habe.
Ich glaube, wenn die Geschichte tatsächlich veröffentlicht worden wäre, wäre es nie dazu gekommen.
Nun ja, eh da jetzt eine Regel draus wird: Die Rechnung kann tatsächlich aufgehen. Ich persönlich musste zwar noch nie etwas schreiben, was nicht dem eigenen Konzept & den eigenen Figuren folgte - und ich weiß auch nicht, inwiefern ich da zu begeistern wäre. Aber ich habe im Verlauf meiner letzten 10 Jahre in der Verlagsbranche zumindest einige Autoren kennen gelernt, bei denen es genau so gelaufen ist und auch funktioniert hat: Sie wollten etwas schreiben. Der Verlag wollte etwas (komplett) anderes von ihnen. Sie haben geschrieben, was der Verlag wollte. Dann konnten sie ihre eigenen Sachen schreiben. Und jetzt schreiben sie immer noch ihre eigenen Sachen und sind glücklich dabei.

Also, ich will auch daraus keine Regel machen und weiß immer noch nicht so recht, was ich davon halten soll. Ich will, nachdem Maja, Astrid und Elena nun die eine Seite vertreten haben, nur darauf hinweisen, dass es keinesfalls immer schief geht und schiefgehen muss und mit traumatisierten Autoren oder schlechten Werken endet, wenn ein Autor sich verbiegt. Und damit meine ich wirklich verbiegen, dass von den Autoren auch so aufgefasst wurde - nicht nur "Kompromisse", die halt wirklich alltäglich und nicht weiter erwähnenswert sind.
  Es kann zu Problemen führen. Es kann auch klappen. Da gibt es keine immer richtige Entscheidung, und es muss halt jeder selbst sehen, wie er da rangeht.
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: Runaway am 29. Juni 2010, 15:10:05
Ich finde, man sieht an Lomax' Post sehr schön - so, wie er auf die anderen folgt - daß es echt keine Regel gibt. Das ist doch frustig ;) Mir täte es gut, wenn es da einen bestimmten Pfad geben würde, der zum Erfolg führt, aber nein ...
Die einen veröffentlichen und sind glücklich, die anderen nicht, einige wollen gar nicht veröffentlichen, andere haben schon und sind auch nicht glücklicher ...

Ich finde, wichtig ist eins: Man muß das machen, was man für richtig hält!
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: Cherubim am 30. Juni 2010, 12:21:43
Dieser Theard zeigt mir wieder, wie froh ich sein kann, den Tintenzirkel gefunden zu haben. Hier gibt es Menschen, denen es genau so geht wie mir. Nicht nur Leute, die sagen, ja ich kann dich schon verstehen. Sondern Menschen, die genau das Gleiche empfinden und bewegt wie mich.

Ich kenne diesen inneren Druck auch, endlich etwas zu veröffentlichen. Schon alleine um es allen zu beweisen.

Aber der Therad hat mir auch wieder Kraft gegeben, zu sagen. Ja ich will veröffentlichen, aber NICHT zu jeden Preis.

Ein  :knuddel: an euch alle.
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: Malinche am 22. Dezember 2010, 00:03:37
*Thread rauskram*

Ich hatte heute ein winziges Erlebnis auf Arbeit, bei dem ich sofort an diesen Thread denken musste. Ich habe mich mit einer Kollegin über Weihnachtsgeschenke unterhalten und meinte dann, dass ich meiner Mutter normalerweise selbstgeschriebene Geschichten schenke.

Darauf sie: "Oh, du schreibst Geschichten? So nur für die Familie oder um eine erfolgreiche Autorin zu werden?"

Was ich schön fand, war, dass sie das in einem Tonfall von absolut ehrlichem Interesse gesagt hat. Ich habe Luft geholt, vielsagend gelächelt und zum Reden angesetzt, da hat sie mich angegrinst: "Letzteres, ganz klar - das sieht man dir an!"

Ich weiß nicht wieso, aber irgendwie hat mir das gut getan. Einerseits, dass sie so mit dem Thema umgegangen ist und weder gespöttelt noch gestichelt hat, was das für Luftschlösser sind. Andererseits aber auch, dass man mir offenbar ansieht, wie sehr ich mir das wünsche, was sich bis jetzt alle in diesem Thread hier wünschen.  :vibes:

Bei mir ist es ein Kindheitstraum, den ich irgendwann aufgegeben hatte, weil - ja, weil. Weil ich geglaubt habe, es wäre gut, zumindest einen Schritt auf die Realität zuzugehen. Ich habe mir zwar den Luxus gegönnt, etwas zu studieren, woran mein ganzes Herzblut hängt (und nicht etwas, was mir eine tolle Karriere garantiert), aber ich bin immer davon ausgegangen, dass es mit dem Schreiben nichts werden wird.

Mittlerweile glaube ich, dass ich deswegen auch das Schreiben so lange vernachlässigt und ihm keinen Platz in meinem Leben eingeräumt habe, obwohl ich immer gemerkt habe, es ist da, es macht mich glücklich und es ist etwas, das ich gut kann, woran es sich lohnt zu arbeiten. Aus verschiedenen Gründen bin ich zum Schreiben zurückgekommen - der Tintenzirkel ist einer davon  :) - und gebe mich jetzt wieder diesem Gefühl hin. Ja, ich will auch Schrifstellerin sein - bereit, dafür zu arbeiten, aber nicht bereit, meine Seele zu verkaufen. Es hat etwas Verwegenes und gleichzeitig Angenehmes, jetzt wieder darüber nachzudenken, denn bald bin ich mit dem Studium fertig und dann ist diese Zukunft plötzlich da, die man immer ganz weit weg wähnte ...

Und was mir vor allem in den letzten Tagen zu denken gibt: Ich habe diese Tutorenstelle bei uns am Institut in Aussicht, es wäre die Betreuung meines Traumstudiengangs und insgesamt ein Job, den ich schon lange unbedingt haben will. Gleichzeitig werde ich mir wahrscheinlich ab nächstem Jahr ein paar Euro als Guide im Ethnologischen Museum dazuverdienen können. Ich stehe also plötzlich vor dem Panorama, dass ich möglicherweise mein Leben wirklich mit Tätigkeiten werde bestreiten können, bei denen ich mit ganzem Herzen dabei bin. Die Möglichkeit, dann auch eine Stelle an der Uni zu bekommen (oder eine richtige Stelle im Museum, whatever) ist plötzlich nicht mehr ganz utopisch.

Und das setzt etwas bei mir in Gang, das hoffnungsvoll sagt: Und wenn das alles möglich ist und in greifbare Nähe rückt, warum sollte es das Schrifstellersein nicht auch sein? Vielleicht nicht heute, vielleicht nicht morgen - aber insgesamt?

Ich merke gerade auf einer ganz anderen Ebene, dass es sich lohnt, seinen Interessen, Träumen und Leidenschaften zu folgen und etwas dafür zu tun. Das gibt mir Zuversicht, dass es beim Schreiben genauso sein kann. Vielleicht ist das jetzt sehr jugendlich verklärt - aber mir gibt dieses Gefühl gerade sehr viel Antrieb.

Und wenn es mir dann noch aus den Augen leuchtet, dass ich Schrifstellerin sein will ... das ist doch schön.
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: Rhiannon am 28. Dezember 2010, 23:21:16
Man könnte mir ja jetzt erzählen: Meine Güte, du bist erst 19 Jahre alt, du hast wirklich noch genug Zeit, eines Tages ein Buch zu veröffentlichen!
Und um ehrlich zu sein, gebrauche ich diese Peitsche mir selbst gegenüber doch des Öfteren, wenn ich einmal wieder neidisch auf irgendwelche Veröffentlichungen schiele.

Aber manchmal ist da auch dieses trotzige Aufstampfen des inneren Kleinkinds da, dieses "Ich will das haben und zwar jetzt sofort!" Es wäre einfach schön, "endlich" mal einen Erfolg vorweisen zu können. Seit ich denken kann, musste ich mich für meine künstlerischen Hobbies rechtfertigen und Schreiben, vor allem Fantasy zu schreiben, war glaube ich die größte Todsünde, die ich in der Hobbywahl hätte treffen können.
Ich kann die Streitereien deswegen und den ganzen Ärger und die Tränen schon gar nicht mehr zählen, die mich das gekostet hat. Aber das Schreiben  hat mir immer mehr zurückgegeben, als ich hineinstecken musste.
Ich habe noch nie veröffentlicht und deshalb ist das jetzt eine rein subjektive Meinung und, nein, ich wünsche nicht meiner möglichen Illusionen beraubt zu werden, ich bin ohnehin noch nicht weit genug für eine Veröffentlichung.
Aber ich denke, würde mir jemand sagen: "Schreib über Karl-Friedrich Mustermann aus Hintertupfingen!", dann würde ich das vielleicht tun, wenn ich Ideen hätte, würde mir jetzt aber jemand sagen: Aus Âlime muss ein hübscher Junge werden, oder irgend etwas, das meine "Babys" völlig verfälscht, würde ich Nein sagen, so weit würde ich mich nicht verbiegen.
Das heißt, ich WILL veröffentlichen, ja und da ist auch dieser Wunsch, es "aller Welt" zu zeigen, dass ich das auch kann, aber definitv nicht um jeden Preis.
Ich wünsche mir wirklich, eines Tages ein Buch mit meinem Namen drauf in der Hand halten zu können, aber ich würde dafür nicht meine Seele verkaufen!
Aber ich glaube, solche Krämpfe hat jeder einmal, der hofft, eines Tages veröffentlichen zu können. Und sind wir ehrlich, wer, außer einigen bewusst gegen das gewandten Sonderlingen, träumt nicht davon?
Und jetzt hoffe ich, dass mein wirres GEschreibsel verständlich war.
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: Grey am 29. Dezember 2010, 00:25:18
Ach du ... lass dich mal ganz fest drücken. :knuddel:
Du wirst deinen Weg gehen, auch in der Schreiberei, da bin ich mir sicher, auch ohne dich zu verbiegen. Denk immer dran, was Murakami gesagt hat:

Hard work will always be rewarded. The rest is to believe in yourself.

 :knuddel: :knuddel:
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: Tokanda am 29. Dezember 2010, 10:12:14
Hard work will always be rewarded. The rest is to believe in yourself.
Yep! Reinhängen und fest daran glauben, dann haut das auch hin. Auch wenn es mal länger dauern sollte. Bei Frank McCourt hat das auch eine Weile gedauert, aber der hat dann gewaltig eingeschlagen... 
Und außerdem, Vorfreude ist die schönste Freude!   ;D

Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: Zitkala am 07. Januar 2011, 16:23:18
Ich denke, hier passt es am besten hin. Wenn nicht, sry.

Was macht ihr, wenn ihr Aufgaben habt, die zwar eine höhere Prorität haben, aber gerade nicht zu erledigen sind? Wenn einem also ständig irgendwelche Zukunftsaufgaben im Nacken hängen und man immer so ein mulmiges Gefühl hat? :ithurtsandstings!:

Mich plagt soetwas gerade und ich schiebe Schreiben&Plotten vor mich her bzw. vergeude die Tage mit anderen Dingen. Dabei muss ich doch in die Puschen kommen, weil es am Ende tatsächlich um meine finanzielle Versorgung gehen wird. :schuldig: Wobei der monetäre Engpass noch so weit weg scheint ... Aber wie schnell sind zwei Monate schon rum. Ach, ich komm einfach nicht hoch. :happs: Und am Ende des Tages bin ich dann auch noch grummlig und habe ein shclechtes Gewissen mir gegenüber, weil ich nix geschafft habe.

Ich fühl mich so verloren deswegen. :schuldig: Weiß jemand Rat?
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: Thaliope am 07. Januar 2011, 16:28:39
Oh, ich kenn das Gefühl nur zu gut, Zit! Lass dich mal knuddeln.
Wenn sich bei mir zu viel zu tun anhäuft, endet das darin, dass ich mit gar nichts anfange. Dann fühl ich mich mies und fang erst recht nix an.
Mein Freund hat da mal die Zauberformel gesagt: Du MUSST überhaupt nichts. Du MUSST nicht mal morgens aufstehen, wenn du nicht willst.
Wenn ich es schaffe, diese beiden Sätze zu mir durchdringen zu lassen, wird mir recht schnell klar, was wichtig ist und was warten kann. Wenn ich mir dann noch die Schwellen fürs Anfangen möglichst niedrig setze (also "mal kurz anfangen" statt "ich muss jetzt zehn Stunden durchpauern" - die große Aufgabe in kleine, überschaubare Ziele einteilen ...), schaffe ich es oft, wieder in die Arbeit reinzukommen.
Aber es ist immer wieder das gleiche Ringelrein ... Nur dass man mit der Zeit auf die Erinnerung daran zurückgreifen kann, dass man es früher ja auch immer irgendwie geschafft hat.
Du packst des scho  :knuddel:
LG
Thali
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: Lomax am 07. Januar 2011, 17:17:55
Was macht ihr, wenn ihr Aufgaben habt, die zwar eine höhere Prorität haben, aber gerade nicht zu erledigen sind?

Mich plagt soetwas gerade und ich schiebe Schreiben&Plotten vor mich her bzw. vergeude die Tage mit anderen Dingen. Dabei muss ich doch in die Puschen kommen, weil es am Ende tatsächlich um meine finanzielle Versorgung gehen wird ...
Also, ich für meinen Teil mach in oben genanntem Fall so ziemlich dasselbe wie du. Weiß aber nicht, ob das jetzt als Rat durchgeht ... :innocent:
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: Berjosa am 07. Januar 2011, 18:01:08
Ich verschwende bei solchen Gelegenheiten - jetzt zum Beispiel - gern noch etwas mehr Zeit damit, einen PLAN zu machen. Geht natürlich am besten mit quantifizierbaren Aufgaben wie in x Tagen y Seiten schreiben. Plotten passt weniger gut ins Schema.
Das wird detailliert irgendwo aufgeschrieben, mit einem kleinen Sicherheitszuschlag, und am besten grafisch dargestellt. Im Computer mit Balken, die jeden Tag wachsen, oder an der Tafel mit Kringeln zum Durchstreichen.
Was sich nicht so genau einteilen lässt, kommt an die Tafel - und wenn's fertig ist, wird ausgewischt. Das wirkt bei mir zumindest ziemlich motivierend. Ich muss nur aufpassen, dass ich möglichst wenig Zeug aufschreibe, was ewig nicht fertig wird. Kleine Schritte eben, wie Thali schon gemeint hat.
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: der Rabe am 07. Januar 2011, 21:07:06
Mir gehts ähnlich, wenn ich vor vielen kleinen Aufgaben die Übersicht verloren habe. Dann mache ich mir eine Liste, so dass ich sehen kann, was noch ansteht. Meistens geht es dann auch wieder leichter voran. Und es ist ein gutes Gefühl, etwas von der Liste zu streichen und so sehen zu können, wie der Berg langsam abschmilzt.

Gruß :winke:
vom Raben
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: Zitkala am 08. Januar 2011, 01:21:44
Zitat von: Thaliope
Du MUSST überhaupt nichts. Du MUSST nicht mal morgens aufstehen, wenn du nicht willst.

Stimmt schon. Leben muss ich ja auch nicht, wenn ich nicht will. ;D Aber ehrlich: Es ist diesmal nicht der Fall, dass ich einfach nur schreiben will, weil ich als Hobby-Schriber den Traum vom großen Autorenerfolg habe, sondern weil ich nach März kein BAFöG mehr bekomme und dann tatsächlich zusehen muss, woher ich Geld bekomme. Klar, nebenbei jobben, aber mehr als 400€-Jobs kann ich aus div. Gründen nicht machen. :-\ Es ist also tatsächlich der Ansporn Berufsschreiber zu werden als zusätzliche (gewünscht: regelmäßige, wohl aber dann nur unregelmäßige) Einnahmequelle - aber trotzdem komme ich nicht hoch. :wums: Und das macht mich so fertig, dass ich wieder sehe, dass ich Dinge bis kurz vor Schluss aufschiebe und am Ende nicht mein Bestes abliefere, was zum Erfolg nur negativ beiträgt.

Vll. mach ich mir auch zu sehr Druck und das blockiert. Allerdings ... Ich kann die drohenden Geldsorgen nicht so einfach auf die leichte Schulter nehmen. :(

Zitat von: Berjosa
Ich verschwende bei solchen Gelegenheiten - jetzt zum Beispiel - gern noch etwas mehr Zeit damit, einen PLAN zu machen.

Oh, Planen kann ich da auch wunderbar - aber an der Umsetzung hapert's dann immer.

@Lomax

 ;D Naaaa, so gaaanz knapp - nicht. Aber weißt du, es hilft dem eigenen Selbstbewusstsein, dass man nicht der einzige Schläfer weit und breit ist.
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: Berjosa am 08. Januar 2011, 10:11:17
Hm, innerhalb von zwei Monaten mit Schreiben zu Geld kommen wollen ist auch ein ziemlich ambitioniertes Programm. Abgesehen von den bekannten Faktoren bis zum Vertragsabschluss beißt sich das auch mit gängigen Zahlungsfristen (bei manchen potenziellen Geschäftspartnern auch mit der Zahlungsmoral).
Ich habe passenderdweise gerade das gleiche Problem. Bei allem Hin- und Herüberlegen, wie ich das lösen könnte, sehe ich als erfolgversprechendste Möglichkeit, auf passende Kleinprojekte zu lauern und zuzuschlagen, wenn sich eine Gelegenheit bietet.
Wir hatten hier mal einen Threat "Mit Schreiben Geld verdienen" oder so ähnlich. Falls du ihn noch nicht entdeckt hast, bietet er vielleicht die eine oder andere Inspiration.
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: gbwolf am 08. Januar 2011, 10:39:17
@Zitka: Das kann ich sowas von gut nachvollziehen  :d'oh: Meine gewünschte Vorlaufzeit war allerdings länger. Zwei Monate ist schon ziemlich ... nennen wir es optimistisch.
Ich habe nach dem Studium ganz bewusst nur Teilzeitjobs angenommen, um ausreichend Zeit fürs Schreiben zu haben (Da es fast nur Teilzeitangebote gab, musste ich mir nichtmal tolle Erklärungen für die Vorstellungsgespräche ausdenken). Dann sah es vor eineinhalb Jahren so aus, als könnte es mit einem Jugendthriller klappen, was perfekt in meinen Zeitplan gepasst hätte, denn das Buch wäre ungefähr jetzt draußen. Aber es hat nicht sein sollen. Durch Zufall konnte ich im letzten Oktober aber eine kleine Auftragsarbeit schreiben, der weitere folgen. Das ist auch bitter nötig, weil ich ab Februar nur noch 18 Stunden arbeite. Aber bis die erste Abrechnung kommt und es sich lohnt, wird es noch eine Weile dauern.
Jetzt träume ich natürlich davon, dass die Nachtmahr verkauft wird und ich einen Vorschuss bekomme und ich will natürlich immer noch jetzt und sofort ein halbes Jahr Pause machen und nur schreiben. *Auf den Boden aufstampf*
Leg dich ins Zeug! Recherchier im Netz, wo es Hörbuch/-spielprojekte gibt, die Geld bezahlen, netzwerke, suche Gelegenheiten, um Texte für Magazine oder Computerspiele zu schreiben, mach was für Personal Novel (Da dauert es aber sicherlich auch ein Jahr oder länger, bis die ersten Tantiemen da sind). Nur mit einem Roman wird das höchstwahrscheinlich nichts, auch wenn du dich jetzt am Riemen reißt und schreibst. Sorry, wenn ich gerade altklug klinge. Das sind die Erfahrungen, die ich in den letzten Jahren mitgenommen habe und der Weg, den ich gerade selbst versuche, zu gehen.
Edit: In einem anderen Thread sehe ich gerade, dass du überlegst, in Richtung Heftroman zu gehen. Daumen sind gedrückt. Du könntest hier im Forum Andrea ansprechen, die in diese Richtung schon etwas gemacht hat.
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: JulyRose am 08. Januar 2011, 11:28:55
Ich möchte jetzt nicht auch noch altklug klingen, aber: bis beim schreiben Geld dabei herausspringt, dauert es sicher länger las zwei Monate.

Ich habe eineZeitlang Auftragsarbeiten geschrieben abgesehen davon, dass die mich zeitlich voll eingespannt haben, konnte ich sie erst nach Abnahme bzw. Manuskriptablieferung abrechnen - und Verlage zahlen in der Regel erst nach vor Wochen, alles andere ist untypisch. Und wenn man mal eine Zusage vom Verlag bekommt, dann kann es durchaus mal drei, vier Monate dauern, ehe man den Vertrag dann tatsächlich bekommt, und dann noch mal vier Wochen ... Rechnet es euch aus.

Man sollte die Sache realistisch angehen, wenn man sie schon angehen möchte. Wenn man gut ist, bekommt man früher oder später seine Chance, ja. Davon bin ich überzeugt, wenn man nachhält und immer präsent ist und Netzwerke aufbaut. Aber zwei Monate? Das ist blauäugig, tut mir leid.

Nichtsdestotrotz wünsche ich dir viel Erfolg! Ich lasse mich gerne vom Gegenteil überzeugen ...
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: gbwolf am 08. Januar 2011, 12:15:05
Hier ist übrigens der Thread, in dem schon eine ganze Menge Tipps versammelt sind: Wie kommt man als Autor an Geld? (http://forum.tintenzirkel.de/index.php/topic,5129.0.html)

Am schnellsten geht es über Magazine, denke ich. Aber auch die c't hat - je nach Auslastung - Laufzeiten über 3-4 Monate. Dann zahlen sie aber wirklich sofort bei Erscheinen. Bei der phantastisch! dauert es noch länger (Beide Magazine nehmen auch Fachartikel und nicht nur Geschichten). Da hast du aber erstmal einen Berg an Recherche vor dir, um all die Magazine ausfindig zu machen, die Artikel und Geschichten annehmen (Über Hinweise aus dem phantastischen Bereich freue ich mich immer, für unsere Zeitschriftenliste) und auch das Thema "Netzwerk aufbauen" ist sicherlich eins, das langwierig aber lohnend ist.
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: Zitkala am 08. Januar 2011, 12:41:51
Habe gerade keine Zeit, aber damit ich hier nicht totgebissen werde ...

Zitat
Aber zwei Monate? Das ist blauäugig, tut mir leid.

Weiß ich auch, Danke. Ich wollte die zwei Monate eher zur Vorbereitung nutzen, sei es Recherche, was Wölfin ansprach, oder einfach die Sache mit dem Termindruck durchzuspielen. Letztlich muss ich auch einfach das Schreiben in meinem Tagesablauf einfügen, das funktioniert irgendwie immer noch nicht. Dass ich mit dem ersten Geschriebenen gleich den Kracher lande und ultraviel Geld verdiene, ist mir klar. Aber so als Aufstockung für zwischendurch irgendwann im Laufe des nächsten Jahres wäre ganz praktisch. Ich will einfach nicht auf lange Sicht immer nur mit allem anderen Geld machen, außer dem Schreiben, was mich, ganz idealistisch betrachtet, nur interessiert.
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: Feuertraum am 08. Januar 2011, 13:03:07
Ich will einfach nicht auf lange Sicht immer nur mit allem anderen Geld machen, außer dem Schreiben, was mich, ganz idealistisch betrachtet, nur interessiert.

Mag sein, dass ich nun totgebissen werde, aber dieses Argument - ich sage mal vorsichtig "irritiert" mich ein wenig. Klar, ich kann (bzw. muss) in diesem Falle nur von meiner Wenigkeit ausgehen, aber ich bin nicht der Typ der sagt: "Ich will (nur noch) vom Schreiben leben." Jetzt abgesehen davon, dass ich nicht die Möglichkeit dazu habe (sei es das Equipment, sei es das Know-how) gibt es irrsinnig viele Dinge, die ich gerne machen möchte, und bei denen ich auch nicht das Problem habe, wenn man mich dafür bezahlt.
Allerdings ist das für mich nicht das Ausschlaggebende.
Für mich ist es da eher wichtig etwas machen zu können, was mir liegt, was ich "kann", was mir Freude bereitet und bei dem ich vielleicht (!) auf meinem Sterbebett sagen kann: Ich habe mir meine Träume erfüllt.

Aber okay, ich bin in dieser Beziehung ohnehin etwas seltsam.

Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: Grey am 08. Januar 2011, 13:15:35
@Feuertraum
Und wofür genau willst du jetzt totgebissen werden? ???
Mit der Einstellung stehst du so allein nun auch nicht da - es gibt im Zirkel genug Mitglieder, die schreiben "nur" als (bestenfalls bezahltes) Hobby neben der Arbeit betreiben wollen, oder irre ich mich?
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: Feuertraum am 08. Januar 2011, 13:22:06
@ Grey: Weil der Tintenzirkel ein Autorenforum ist und meine Wenigkeit auch gerne etwas im Hörspielbereich, im Standup-Comedybereich, im Webdesignbereich und auch gerne etwas mit dem Medium Film würde machen wollen... ;)

Es geht mir halt nur darum, dass ich mich jetzt nicht mit der Aussage: "Ich will nur vom Schreiben leben" identifizieren mag.
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: Grey am 08. Januar 2011, 13:24:08
Öhm, mag sein, aber nur weil wir ein Autorenforum sind, heißt das doch nicht dass man keine anderen Interessen haben darf als das Schreiben. Das wäre ja ... äh ... furchtbar? ::)
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: Wolli am 08. Januar 2011, 13:44:27
Ich mache es ähnlich wie der Rabe,- meist schreib ich mir eine Wochenliste, mit Kapiteln die noch zu bearbeiten/schreiben sind und Plotlöchern, die ich noch stopfen muss, außerdem stehen da auch Dinge drauf wie z.B Einkaufen, Tierstall sauber machen, Bericht schreiben. So was eben.
Irgendwie ist es für mich deutlicher, wenn es auf der Liste steht. Die Liste sagt mir quasi: Das sind die Dinge, die du wirklich noch machen willst diese Woche, und die auch gemacht werden müssen, damit du nicht auf der Stelle trampelst. Und es klappt. Außerdem ist das Streichen von der Liste so unendlich befriedigend.     :D
Achso, wenn man mit so einer Liste anfängt, sollte man sie am Anfang klein halten, sonst schiebt man sie schnell wieder beiseite  ;)

Übrigens hat jeder einen anderen Wunsch wo er mit seiner Schreiberei hinkommen will, manche sehen es eben nur als Hobby, andere als eine Art Obsession und damit auch als Lebensaufgabe/zukünftigen Job. Man wird es ja nunmal nicht mehr los, und irgendwann fragt sich jeder, wohin er damit gehen will. Ich für meinen Teil möchte es auch schaffen, den großen Durchbruch, aber ich mach mir damit keinen Stress. Solange ich nicht zufrieden bin, gebe ich auch nichts an die Öffentlichkeit.  :)

Liebe Grüße,
Wolli
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: JulyRose am 08. Januar 2011, 15:44:35
Mir fallen noch die "wahren Geschichten" ein, die verhältnismäßig viel Geld pro Geschichte bringen. Wenn man da den Ton trifft und schnell ist, kann man sicher die eine oder andere Geschichte "nebenher" produzieren ...
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: Hanna am 03. Februar 2011, 11:48:40
Jetzt hat es mich auch erwischt. In letzter Zeit war ich so positiv eingestellt und dachte, das wird alles. Und jetzt habe ich das Gefühl, ich trete auf der Stelle und komme nicht voran. Ich bilde mir ein, dass alle meine Geschichten ganz großer Mist sind und das nie was wird. Der Job frisst mich auf. Ich habe keine Zeit zum Überarbeiten und noch kein neues Hauptprojekt.  :schuldig: Hoffentlich geht das bald wieder vorbei. Wenn ich nicht mehr daran glauben kann, dass ich eines Tages eine richtige Schriftstellerin sein werde, muss ich mich damit abfinden, für immer eine blöde Bürotussi zu sein. - Telefon - grrr!
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: gbwolf am 03. Februar 2011, 11:53:13
Ist jetzt wahrscheinlich nur eine kleine Aufmunterung, aber durch die schimpfenden Leute am Telefon lernst du eine Bandbreite an Charakteren kennen, die den meisten Schriftstellern verschlossen bleibt. Und wie an anderer Stelle gesagt: Denk daran, dass du diese Fähigkeiten, die du jetzt im Beruf lernst, später auch für soziale Projekte einsetzen kannst, die viel zu oft nur Laien haben, die ihnen bei der Büroarbeit zur Hand gehen.
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: Hanna am 03. Februar 2011, 11:57:27
Ist vermutlich nur die Projektlosdepression und verfliegt wieder, aber manchmal habe ich das Gefühl, alles geht so entsetzlich langsam! Ein kleiner Sprung nach vorn wäre jetzt nett.
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: zDatze am 03. Februar 2011, 12:15:13
Der Sprung nach vorne lauert sicher schon auf dich! :knuddel:
Und deine Projekte sind kein Mist. Ich kann jetzt nur für die Spiegeljäger sprechen, aber unter "Mist" stelle ich mir was völlig anderes vor. Also, Kopf hoch. Auch wenn es langsam geht, aber es geht voran. :)
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: Grey am 03. Februar 2011, 12:19:11
Ach Hanna, nicht verzweifeln!
Du kannst schreiben, du hast gute Ideen - ist also nur eine Frage der Zeit und der Hartnäckigkeit. Dranbleiben (und zischendurch gern ein bisschen jammern, das befreit)! :knuddel:
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: Hanna am 03. Februar 2011, 12:21:27
Ich olles Jammerlieschen.  :knuddel: Mein Freund kann's schon nicht mehr hören. Na, ich danke euch. Da fühlt man sich gleich nicht mehr so allein und ich glaube, da hinten zeigt sich die Sonne.
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: Lynn am 03. Februar 2011, 12:30:48
Ich olles Jammerlieschen.  :knuddel: Mein Freund kann's schon nicht mehr hören.

Frag mal meine Lektorin! Der geht es wie deinem Freund.  ;)
Kopf Hoch, Hannah. Der Blues gehört dazu. So lange du die Flinte nicht ins Heu wirfst, ist noch absolut nichts verloren. Das wird. Da bin ich mir sicher. Wenn du diesen Blues nicht hättest, würde ich mir mehr Sorgen machen. Entspann dich ein bisschen. Hör auf etwas 'Zwingen' zu wollen. Dann wird das wieder ganz von selbst laufen. :jau: :jau:  :knuddel:
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: Feuertraum am 11. April 2011, 17:26:20
Ich weiß, das ganze klingt jetzt sehr sehr merkwürdig, aber auch ich habe einen Grund zu sagen: "Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!" Ich komme gerade von der Bücherei und habe dort wieder so viele tolle Bücher gesehen, die ich unbedingt lesen will, dass ich einen Beruf haben will, bei dem ich nebenher jede Stunde 10 - 15 Seiten lesen kann und so alle 3 - 5 Tage ein Buch ausgelesen haben werde (Himmel was für ein Satz  ::))

Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: Adiga am 13. April 2011, 21:53:46
wenn ich all diese vielen Bücher sehe - welche ich wohl nie lesen werde ... denke ich mir - es gibt schon zu viele die versuchen ein Buch zu schreiben - vermutlich hab ich seit längerer Zeit aufgehört - einen Paltz in einem Regal erschreiben zu wollen... nein dafür will ich nicht schreiben...
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: Sorella am 23. April 2011, 17:47:15
Ich will Schriftsteller sein. Und zwar Jetzt *aufstampf*
Könnte nicht endlich mal eine E-Mail reinflattern (einen Postbrief erwarte ich gar nicht):

Liebe Frau Sorella,

bitte entschuldigen Sie vielmals die Wartezeit. Ihr Text nahm uns den Atem und erst heute konnten wir uns aus der ehrfürchtigen Starre erholen, die uns angesichts Ihres glänzenden Schreibstils und Ihrer ausgeklügelten Prosa überkommen hatte. Bereits nach der ersten Seite - Nein, bereits bei der ersten Kapitelüberschrift war uns klar, dass wir hier etwas Besonderes in der Hand halten. Wir würden uns sehr freuen, wenn Sie es in Erwägung ziehen würden mit uns zusammen zu arbeiten ...
   

Das wär doch nicht schlecht ...
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: moonjunkie am 25. Mai 2011, 14:47:57
Das wünsch ich Dir, Sorella. Kam so ein Schreiben etwa noch nicht? Ich finde Deine Geschichte hätte es verdient. Ich wünsch mir aber auch so ein Schreiben...

Und jetzt weiß ich wenigstens, dass es möglicherweise an meinem Exposé hapert, da wurde ich in der Skriptschmiede netterweise auf einige Löcher und offene Fragen hingewiesen - gut, dass ich es mal eingestellt habe. Blöd nur, dass die letzte ausstehende Antwort von der Agentur ist, die genau das Exposé bekommen hat, was ich dorthin geschickt habe.

Und noch ein Grund, warum ich jetzt auch endlich mal Schriftstellerin sein will: eine Bekannte hat letztes Jahr ein Buch fertiggeschrieben und jetzt hält sie schon ihr erstes Exemplar in Händen. Allzu viel weiß ich von der Geschichte nicht, nicht mal den Titel. Ich glaube es war ein Märchen, bin aber nicht sicher - sie ist sehr geizig mit Informationen darüber. Jedenfalls nach Nachfragen meinerseits, sagte sie, dass sie sich direkt bei Verlagen beworben hätte und über 20(!!!!) Zusagen bekam. Das hab ich ja noch nie gehört.

Und ich bekomme immer nur Absagen...
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: JulyRose am 25. Mai 2011, 14:49:40
Das waren dann vermutlich jene Verlage, die regelmäßig im Internet werben und bei denen das Veröffentlichen nicht ganz so billig ist ...
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: moonjunkie am 25. Mai 2011, 14:55:25
Das hatte ich mir auch gedacht, sie meinte sie hätte was bezahlen müssen, aber dass alle Verlage mittlerweile mit Selbstbeteiligung arbeiten. Könnt ihr das bestätigen?
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: Maja am 25. Mai 2011, 14:58:00
Ja.
Das hatte ich mir auch gedacht, sie meinte sie hätte was bezahlen müssen, aber dass alle Verlage mittlerweile mit Selbstbeteiligung arbeiten. Könnt ihr das bestätigen?
Alle solchen Verlage arbeiten mit Selbstbeteiligung. Alle richtigen Verlage hingehen nicht - Verlag kommt von "vorlegen". Sprich, die Kosten trägt der Verleger. Und der Autor wird bezahlt. Nicht umgekehrt.

Dafür bekommst du bei einem Zuschußverlag garantiert einen Buchvertrag, mußt dir keine Gedanken um Qualität oder Lektorat machen und um die Leser auch nicht, denn diese Bücher landen zwar in einer Kiste à 50 Stück oder so beim Autor, aber kaum jemals in einer Buchhandlung. So einen Verlag und so eine Zusage willst du nicht.
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: moonjunkie am 25. Mai 2011, 14:59:20
Jetzt fühle ich mich ein bißchen besser, danke!

Ich dachte schon: wie kann das sein? Sie so viele Zusagen und ich keine Einzige und immer nur Absagen... schnüff.
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: Maja am 25. Mai 2011, 15:01:33
Hier, das sollte dir helfen, die Spreu vom Weizen zu trennen: http://forum.tintenzirkel.de/index.php/topic,5782.0.html
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: gbwolf am 25. Mai 2011, 15:02:06
Das hatte ich mir auch gedacht, sie meinte sie hätte was bezahlen müssen, aber dass alle Verlage mittlerweile mit Selbstbeteiligung arbeiten. Könnt ihr das bestätigen?
Das Härteste, das dir bei einem anständigen Verlag passieren kann sind:

Und das sind schon die härtesten Sachen, was an Risikobeteiligung seitens eines Autors passieren sollten. Wer das Märchen von "Auch die Großverlage verlangen Selbstbeteiligung" heutzutage noch glaubt, ist den Dienstleistern voll auf den Leim gegangen.
Du kannst ihr gerne einmal den Link zum Halsabschneider-Lakmustest geben: http://forum.tintenzirkel.de/index.php/topic,5782.0.html
Wie Maja schon sagte: Solche Zusagen möchte man gar nicht haben  ;D Aber immerhin: Vom Lektorat wird keine Kritik am Werk kommen, die das Autorenseelchen zerstören könnte.

Also kein Grund, neidisch zu sein! Lass deinem Roman die Zeit, die er braucht, um sich zu entwickeln und auch deinem Exposé.

PS: Maja du bist zu schnell!
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: moonjunkie am 25. Mai 2011, 15:03:58
Danke, Maja und die Wölfin! Mein Autorenseelchen erholt sich gerade wieder von dem Schock.  :knuddel:
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: Hanna am 25. Mai 2011, 15:06:12
Das hatte ich mir auch gedacht, sie meinte sie hätte was bezahlen müssen, aber dass alle Verlage mittlerweile mit Selbstbeteiligung arbeiten. Könnt ihr das bestätigen?

Das ist jetzt nicht böse gemeint, aber so was tut mir echt weh. Ich meine, ich kenne eine ganze Menge Leute, die vom Buchmarkt keine Ahnung haben, weil sie eben nicht schreiben. Da bekomme ich dann auch ganz merkwürdige, weltfremde Tipps. Aber wenn jemand schreibt ... hoffentlich lernt sie daraus. Heutzutage haben wir ja die Möglichkeit über das Internet in so netten Foren wie diesem hier zusammenzufinden und zu lernen. Leider nutzen die schwarzen Schäfchen das Internet genauso gut wie wir. Und sie grasen die naiven Schreiberlinge schneller ab als man sie retten kann.

Lieber etwas länger suchen und Absagen sammeln statt sich dumm und dämlich zu zahlen und nie gelesen zu werden. Dran bleiben, moonjunkie! Mit uns (und der Skriptschmiede) bist du auf dem richtigen Weg.

P.S.: Liebe Wölfin, du bist auch zu schnell  ;) Ihr seid super, Leute!  :pompom:
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: Shin am 25. Mai 2011, 15:30:11
Achje, nachdem ich mir die ganzen verlinkten Beiträge durchgelesen habe, kriege ich ja richtig Angst!  :gähn:
Ohje...
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: Sonnenblumenfee am 28. Mai 2011, 08:16:18
Achje, nachdem ich mir die ganzen verlinkten Beiträge durchgelesen habe, kriege ich ja richtig Angst!  :gähn:
Ohje...

So ging mir das auch, als ich die Sachen vor einer Weile zum ersten Mal gelesen habe. Aber jetzt sind wir ja gewarnt und können uns entsprechend dagegen wappnen. Und wir haben die ganzen tollen Listen, mit deren Hilfe man ganz gut entscheiden kann, ob man bei diesem Verlag oder dieser Agentur unterschreiben möchte. Ganz nach dem Motto: "Gefahr erkannt, Gefahr gebannt" (sry, das geht mir schon seit Monaten nicht mehr aus dem Kopf, jetzt kann ich es endlich mal anbringen ;D)
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: Abakus am 29. Mai 2011, 10:59:36
Gestern habe ich mich in einer Diskussion zum Thema Schriftsteller wiedergefunden. Eine wichtige Frage für mich konnte allerdings nicht eindeutig beantwortet werden. Ist in einem Verlagsvertrag geregelt, dass ich für Buchmessen, Pressetermine etc. dem Verlag zur Verfügung stehen muss?
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: Schommes am 29. Mai 2011, 11:18:15
Also in meinem Verlagsvertrag von Piper steht nichts dergleich drin. Aber freiwillig würde ich das natürlich jederzeit machen. Ist ja nützliches Eigenmarketing.
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: Sprotte am 29. Mai 2011, 11:23:22
In meinen Verträgen steht auch nichts dergleichen.
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: Abakus am 29. Mai 2011, 11:35:21
Also in meinem Verlagsvertrag von Piper steht nichts dergleich drin. Aber freiwillig würde ich das natürlich jederzeit machen. Ist ja nützliches Eigenmarketing.

In meinen Verträgen steht auch nichts dergleichen.

Das freut mich zu lesen.  :) Ich habe ein bißchen die Flatter bekommen, weil ich evtl. dann zwischen zwei Stühlen gestanden hätte. Da mein Arbeitgeber jeweils im Oktober & November eines Jahres eine Urlaubssperre verhängt, ist für mich ein Besuch bzw. eine Vertragserfüllung zur Teilnahme an der Buchmesse nicht möglich.
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: Schommes am 29. Mai 2011, 11:42:22
Abgesehen davon, dass das offensichtlich keine Standardanforderung zu sein scheint, musst Du ja auch Bedenken, dass Verträge grundsätzlich verhandelbar sein. Bei meinem gab es auch etwas hin und her zwischen meinem Agenten und dem Verlag. Erst sollte ich die Filmrechte mitverkaufen, am Ende durfte ich sie dann behalten. Hatte allerdings in dem Fall weniger mit meinen persönlichen Präferenzen, sondern eher etwas mit dem Verhandlungseifer meines Agenten zu tun.
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: Abakus am 29. Mai 2011, 11:56:34
Gilt dies auch für evtl. Lesungen bzw. Signierstunden? Also sind Lesungen im Verlagsvertrag auch geregelt oder ebenfalls "freiwillig" durch den Autor zu bestimmen?
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: Schommes am 29. Mai 2011, 12:02:34
Auch zu Lesungen und Signierstunden steht in meinem Vertrag gar nichts. Die Teilnahme ist also völlig freiwillig. Allerdings hat mich Piper nach Zustimmung durch mich (die allerdings nirgendwo schriftlich fixiert ist) im Katalog als "lesungswillig" bezeichnet. Das dies allerdings unter dem Vorbehalt meines Terminplans, der Vergütung der Lesung, der Erreichbarkeit und vielem anderen steht, versteht sich, denke ich von selbst.
Auf der faktischen (d.h. nichtrechtlichen Ebene) wird man sicherlich bedenken müssen, wie es auf einen Vertrag wirkt, wenn der Autor standhaft alle Gelegenheiten zur Eigenwerbung ausschlägt.
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: gbwolf am 29. Mai 2011, 12:07:04
Es gibt durchaus Verträge, in die aufgenommen wird, dass der Autor sich bemüht, bei Werbeveranstaltungen teilzunehmen. Wenn du eh gerade auf der Buchmesse bist, kann der Verlag dich zu einer Lesung einplanen. Aber das ist auch nur ein "bemüht" und kein "muss". Und wie Schommes schon sagte: Verträge sind verhandelbar und auch wenn der Passus im Vertrag ist, redet man über solche Sachen. Es kann zum Beispiel keiner von dir verlangen, auf eigene Kosten zu einer Werbeveranstaltung zu fahren. Das ist wie mit den Nebenrechten: Auch wenn der Verlag sich alle Nebenrechte gesichert hat, gibt es die Pflicht, diese angemessen zu vergüten. Ebenso würde ich mich standhaft weigern, wenn von mir jemand verlangen würde, für viel Geld nach Leipzig zu fahren und zu lesen und hinterher ein paar Euro mehr Tantiemen zu haben.

Edit: Ich hätte jetzt gerne ein halbes Jahr Pause, um in Ruhe an einigen Projekten zu planen. *seufz* Aber nein, in meiner Freizeit kann ich mich mit Projekten fürs Studium beschäftigen. Dooohooof!
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: Grey am 29. Mai 2011, 12:20:17
Also soweit ich weiß, ist es die gängige Praxis, dass der Autor (nach Vertragsabschluss) irgendwann gefragt wird, ob er sich für Lesungen etc. zur Verfügung stellt. Falls ja, werben die Verlage damit im Programm oder manchmal auch noch in einem extra Presseheft. Dass Lesungen Vertragsbestandteil sind, davon habe ich noch nichts gehört.
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: Abakus am 29. Mai 2011, 12:26:11
Vielen Dank, Schommes, Wölfin & Grey für die Informationen!  :)

Bezüglich Verlagsvertrag mache ich mir keine großen Gedanken bzw. Sorgen. Soweit ist es ja auch noch lange nicht. Allerdings mache ich mir viele Gedanken zu meinem Arbeitgeber. Laut meinem Arbeitsvertrag ist ein Nebenerwerb bzw. eine Nebentätigkeit genehmigen zu lassen.

Eine Kollegin aus einer anderen Niederlassung hat vor Monaten ein Kinderbuch veröffentlicht, aber erst nach wochenlangem Gezerre mit der Geschäftsführung. Die Geschäftsführung war der Meinung, dass die Arbeitsleistung der Kollegin auf lange Sicht sinken würde, da sie ankündigte auch in Zukunft weitere Bücher zu schreiben/veröffentlichen.

Die Geschäftsführung wollte das eben nicht genehmigen. Die Kollegin zog einen Rechtsanwalt (Arbeitsrecht) hinzu und bekam ziemlich schnell eine schriftliche Genehmigung. Der Absatz im Vertrag bezüglich der Genehmigung einer Nebentätigkeit wurde abgeändert, die Klausel existiert aber weiterhin.

Die ganze Sache hatte auch Einzug in die Mitarbeiterzeitung gefunden, allerdings wurde hier davon gesprochen, dass man sehr stolz auf diese Mitarbeiterin sei. Von den Problemen im Vorfeld wurde kein Wort erwähnt, allerdings war es jedem bekannt. Sowas spricht sich schnell herum.
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: Sven am 29. Mai 2011, 14:17:12
Eine Kollegin aus einer anderen Niederlassung hat vor Monaten ein Kinderbuch veröffentlicht, aber erst nach wochenlangem Gezerre mit der Geschäftsführung. Die Geschäftsführung war der Meinung, dass die Arbeitsleistung der Kollegin auf lange Sicht sinken würde, da sie ankündigte auch in Zukunft weitere Bücher zu schreiben/veröffentlichen.

So etwas hört man immer wieder mal, ist aber rechtlich nicht durchzusetzen. Man kann einem Hobbysportler, der regelmäßig einen Krankenschein hat, weil er sich die Beine wegtreten lässt, den Sport verbieten. Aber das Schreiben geschieht in der Freizeit und hat auf die Arbeitskraft nicht mehr Auswirkung, als Fernsehn gucken. Solange man mit dem, was man schreibt, kein Geld verdient, sagt man es der Firma ja auch nicht. Es ändert sich also nichts.
Da ich mit dem Schreiben in keinem zweiten Arbeitsverhältnis stehe, ich also kein zusätzliches monatliches Einkommen beziehe, würde ich es bei meiner Firma auch nicht angeben. Da man in der Regel von den Verlagen jährlich vergütet wird, ist es halt ein zusätzliches Einkommen, das man versteuert, das der Firma aber nichts angeht. Darüber hinaus weiß man ja nie, ob das nächste Buch überhaupt verkauft wird.
Was sich einige Firmen einbilden ist schon lustig. Ich verkaufe ihnen einen Teil meiner Zeit, nicht aber mein ganzes Leben.  :happs:
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: Schommes am 29. Mai 2011, 14:36:50
Gesetzliche Regelungen zu Nebentätigkeiten gibt es außer bei öR Dienstverhältnissen nicht. Nebentätigkeiten dürfen ausgeübt werden, so lange sie die Haupttätigkeit nicht beeinträchtigen (z.B. weil die Erholung in der Freizeit nicht mehr gewährleistet ist, die Arbeitsleistung beeinträchtigt wird, eine Konkurrenzsituation entsteht, oder die Höhe der Einkünfte der Nebentätigkeit das Engagement in der Haupttätigkeit in Frage stellt).
Arbeitsrechtliche Regelungen werden über diese Grenzen nicht hinausreichen dürfen. Das Recht auf Nebentätigkeit ist durch das Grundrecht der Berufsfreiheit geschützt, das auch in das Arbeitsverhältnis hineinwirkt. Ein völliger Ausschluss wird sich daher kaum rechtfertigen lassen. Die Regelungsfähigkeit sonstiger Einschränkungen hängen von den Besonderheiten des einzelnen Arbeitsverhältnisses ab. Ein Konkurrenzverbot bei Vertretern dürfte z.B. üblich sein.
Schreiben ist - wie Sven sagt - arbeitsrechtlich irrelevant soweit es reine Freizeitbeschäftigung ist. Wird damit Geld verdient, ist es nach den Regeln für öR ArbV nur anzeige- aber nicht genehmigungspflichtig. Eine Genehmigungspflicht dürfte sich auch nur schwerlich rechtfertigen lassen. Ein Verbot nur in extremsten Ausnahmefällen (BND-Mitarbeiter will noch während seiner Tätigkeit seine Memoiren veröffentlichen etc.). Die privatwirtschaftlichen Betriebe lehnen sich meist an die Regeln der öR Arbeitgeber an.
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: Sven am 29. Mai 2011, 14:46:42
Wird damit Geld verdient, ist es nach den Regeln für öR ArbV nur anzeige- aber nicht genehmigungspflichtig.

Und vielleicht bekommt der Arbeitgeber auch Angst, dass man mit dem Schreiben mehr Geld verdienen könnte, als er einem zahlt und einem dann eine fette Lohnerhöhung zusagt?
Wäre ein Versuch wert  ;)
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: Zitkala am 29. Mai 2011, 14:53:26
Ich denke nicht, dass einer das mit sich machen lässt.

Aber ich weoß nicht, was ist mit der schreibenden Friseuse? Da ist es ein leichtes, mit Heftromanen über dem Gehalt der Haupttätigkeit zu liegen. Verdienen ja nicht alle über 1k EUR im Monat.
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: Sven am 29. Mai 2011, 15:06:14
Aber ich weoß nicht, was ist mit der schreibenden Friseuse? Da ist es ein leichtes, mit Heftromanen über dem Gehalt der Haupttätigkeit zu liegen. Verdienen ja nicht alle über 1k EUR im Monat.

Wenn einem der Mitarbeiter wichtig ist, wird man wohl über solche Dinge hinwegsehen. Wenn jemand mit dem Schreiben mehr Geld verdient, als mit seinem Brotjob, steht natürlich immer die Frage aus, ob man nicht komplett umsatteln sollte.
Tut man es nicht, ist einem wahrscheinlich der Brotjob wichtig. das weiß auch der Arbeitgeber und wird entsprechend reagieren.

Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: gbwolf am 29. Mai 2011, 16:05:49
Wenn jemand mit dem Schreiben mehr Geld verdient, als mit seinem Brotjob, steht natürlich immer die Frage aus, ob man nicht komplett umsatteln sollte.
Es kann auch sein, dass man sich dann anders versichern muss und der Hauptjob zum Nebenerwerb wird.
Bei mir, im Öffentlichen Dienst, habe ich die Nebentätigkeit immer angezeigt. Manche Städte wollen am Jahresende wissen, wieviel ich damit verdient habe, manche erst, wenn ich über einem bestimmten Betrag gewesen wäre. Vor allem geht es darum, wieviel Zeit man dafür aufwendet. Wenn ich einen Vollzeitjob habe und das Schreiben 20 Wochenstunden einnimmt, dann wird der Arbeitgeber sich fragen, wann ein Mitarbeiter sich denn mal ausruht oder ob er dann müde zur Arbeit kommt. Rechtzeitig vor einer Veröffentlichung die Nebentätigkeit anzeigen ist jedenfalls nie ein Fehler. Seit ich beim Arbeitsamt nebenberuflich selbständig gemeldet bin, mache ich das, obwohl ich bislang insgesamt kaum ein Monatsnetto verdient habe.
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: moonjunkie am 17. Juni 2011, 15:05:48
Bei uns in der Firma musste ich das auch genehmigen lassen. Habe einfach mal in der Personalabteilung nachgefragt und sie meinten ich wäre auf der sicheren Seite (auch wenn ich bisher kein Geld damit verdiene und nur halbtags angestellt bin). So hab ich es jetzt schriftlich und habe dann keine Probleme, wenn es mal dazu kommen sollte, dass mein Roman veröffentlicht wird. Nachfragen kostet ja nichts.
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: HauntingWitch am 29. November 2015, 14:46:19
*Ausgrabungsarbeiten*

So, Malinche hat gesagt, ich soll mich hier anhängen, also tue ich das. Mein Problem ist Folgendes. Ich habe ja nun seit ca. zwei Monaten einen guten Job. Dort habe ich alles, was ich in meinen vorheringen Jobs vermisst habe: Anspruchsvolle Arbeit, Selbstständigkeit, gute Leute, ich werde geschätzt... Der Chef ist etwas nervig, aber das ist normal, denke ich. Eigentlich hätte ich jetzt das perfekte Leben und die Firma möchte mich noch zur Beförderung pushen und ich dachte, dass das toll ist, weil ich dann in einem anderen Bereich als dem Schreiben Erfolg haben könnte und das mich das vielleicht etwas entspannen würde.

Nur ist das nicht so. Ich bin unzufrieden, ich habe null Ambition, in diesem Job irgendwo hinzukommen und auch - mal wieder - kaum Interesse an der Firma. Weil ich eigentlich doch nur das eine möchte, das, was wir alle möchten. Dieser Job wäre echt toll, aber er ist eben nicht das Wahre. Nun, ich denke, so lange ich nicht vom Schreiben leben kann, muss ich lernen, irgendwie damit umzugehen. Aber wie?
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: Slenderella am 29. November 2015, 15:28:13
Dir eine gepflegte Portion Stumpfsinn zulegen.
Ich quäle mich auch in meinem Brotjob herum und erwische mich manchmal bei dem Gedanken: Was mach ich da eigentlich? Das ist überhaupt nichts, was mir Spaß macht, ich bin ein kreativer Mensch und immer wenn es kreativ wird, werden andere hinzugezogen, die wirklich 0 mit Texten umgehen können (ich bekomme Brechreiz, wenn ich unsere Broschüren lese, wo so viele Wortwiederholungen drin sind, dass ein Lektor von der Klippe springen würde).
Mittlerweile arbeite ich mit der: ich denke nicht mehr darüber nach - Methode. Ich mache das einfach und nutze die Zeit für Dinge in meinem Kopf, Arbeit, die ich auch vom Büro aus machen kann - planen, plotten usw.
Mit demselben Stumpfsinn (einfach weiter) gehe ich auch mit wenigen Verkäufen, oder fehlenden Rezensionen um. Ich mache einfach weiter. Irgendwann zahlt sich das aus. Solange muss es halt auch der öde Job sein, die nervigen Kollegen oder deren frustrierende Einstellung zur Arbeit (alles auf andere Abwälzen und fein deligieren). Und im Kopf bin ich dabei dann einfach bei meinem aktuellen Manuskript, einem geplanten, oder bei der Korrektur.
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: HauntingWitch am 29. November 2015, 15:52:32
Oh, Slenderella, genau so! Nur die doofen Kollegen habe ich hinter mir gelassen... Bei mir ist das mittlerweile eher anders herum: Sie möchten, dass ich dieses und jenes machen kann und mich engagiere und ich möchte ja meinen Job auch gut machen. Aber ich habe nicht die Einstellung dazu. Am Freitag hatten wir Anlegerversammlung (dasselbe wie Generalversammlung, heisst nur anders) und der eine Mitarbeiter erzählte mir total begeistert, wie interessant er das immer fände, diese Leute persönlich zu treffen und dass es toll wäre, zu sehen, wofür wir das alles machen und die Leute auch froh sind, wenn sie uns mal persönlich sehen usw. blablabla. Rational verstehe ich, was er mir sagen wollte. Aber mein einziger Gedanke war: Ja, und jetzt? Und dann, den ganzen Tag: Was mache ich überhaupt hier? Für die anderen ist das der wichtigste Tag im Jahr, aber für mich war es einfach nur langweilig. Ich habe in der Zeit ein bisschen über meine SP-Pläne nachgedacht.

Diese "einfach-immer-weiter-machen"-Mentalität übe ich auch, aber manchmal fällt mir selbst das echt schwer. Manchmal schleicht sich dazu ein "Ich-mag-nicht-mehr"-Gefühl ein, so wie am Freitag. Und dann bin ich total frustriert und habe Wutausbrüche (aber nur, wenn es keiner mitbekommt). Nicht mehr darüber nachdenken klingt gut, aber wie geht das? Ich meine, nicht daran zu denken, nicht daran zu denken... Verstehst du, was ich meine?  ::)
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: Slenderella am 29. November 2015, 16:14:01
Ich hab mal irgendwo gelesen, dass die Buddhisten meinen, man könne die schlechten Gedanken raus"schnauben" wie schwarzen Rauch. Das heißt Ausatmen und damit die schlechten Gedanken verbinden. Klingt albern, aber seitdem ich mir das vorstelle, funktioniert das besser. Auch wenn ich mich aufrege.

Bei mir kommt aber derzeit noch hinzu, dass ich ständig Sachen machen soll, die gar nicht in meinem Aufgabenbereich liegen und in die ich nicht eingearbeitet werde - ich krieg die Sachen mit einem: Mach mal. Mache ich sie falsch, wird auch noch gemeckert. Da nützt mir dann auch meine Buddah Übung nix, ich flippe irgendwann aus. Generell hat sich mein Job so massiv im letzten halben Jahr verändert, dass ich ständig auf 180 bin. Ich bin froh, wenn ich zu Haus ankomme und schreiben kann - allein schon wegen der Ruhe - momentan ist es nämlich Trend bei meinen Kollegen mein Büro als Aufenthaltsraum zu nutzen, wo eigentlich nur mein Chef und ich sitzen. Der lässt das aber zu und beteiligt sich an dem Quatsch - und ich soll dann Kundengespräche nebenher führen? Ähm ... nein.

Da gibt's dann eben die halbe Backe Mentalität - ich komm ja dort arbeitsbezogen zu nix mehr. Hab ich mehr Zeit für mich und meinen Kopf. Selber Schuld  :rofl:
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: Ahneun am 29. November 2015, 18:18:24
Oh, hier ist Selbstvertrauen und Ideenreichtum gefragt.
Nicht immer läuft es im Job rund, salopp gesagt. Wenn da etwas ist, worauf man sich freuen kann, wenn es Feierabend ist, dann hat man ein Ziel vor Augen. Aber das ist von außen leicht gesagt. Da ist sicher mehr im Verborgenen "vergraben". Vielleicht fühlt Ihr Euch unterfordert, kann- muss nicht sein.

Eine Lösung habe ich nicht für Euch, aber Ihr könnt Euch mal eine Zeit lang selbst beobachten. Ihr habt ein Selbstwertgefühl, Jeder hat das. Ich auch!
Wenn Du, liebe @Slenderella, Eure Broschüren zum ko... übergeben findest, warum machst Du nicht einmal den Vorschlag, dass Du etwas vorbereiten möchtest und es der verantwortlichen Stelle vorlegen willst. Ich kenne Deine Firma nicht, ich weiß auch nicht, wie die mit Kritik umgehen können. Darum sei kreativ und stell die Lage positiv dar, auch wenn sie zum Schreien schlecht ist.
Ist nur ne Idee von mir, wie gesagt, ich hab nur das, was Du uns hier berichtet hast.

@Witch, mir macht "Diese einfach-immer-weiter-machen-Mentalität", Sorgen. Wo stehst Du in Deiner Firma? Welche Aufgabe hast Du dort? Und, - nur weil es die Anderen auch so machen, ist das nicht für Dich auch so. Ich denke, es ist die fehlende Motivation. Was motiviert Dich, wenn Du an Deine Firma denkst? Und bei der Antwort auf diese Frage kannst Du ansetzen.

Ganz nüchtern von mir geantwortet, was wollt Ihr beiden noch da? Warum kündigt Ihr dort nicht und sucht Euch etwas, was Euch Spaß macht. Aber NEIN(!), ich kenne die Situation auf dem Arbeitsmarkt. Darum ist eine Kündigung kein Thema. So, - wenn eine Kündigung nicht in Frage kommt, dann muss es ein Weitermachen geben. Hier ist die Aufgabe darin zu sehen,  ja aber WIE?

Habt Ihr Freunde und oder Bekannte, die Euch motivieren können? Sucht deren Nähe, trefft Euch mit ihnen. Ihr werdet sehen, ohne es zu merken fühlt Ihr Euch langsam immer besser. Das wirkt sich auch auf Eure Arbeit aus.

Ihr seid Schriftsteller bzw. Buchautoren. Da hat man doch auch Welten geschaffen, in denen es schön ist, oder nicht? Ich meine dem Thread entsprechend, könnt Ihr doch nach Feierabend den ganzen Arbeits-Frust, von der Seele schreiben. Ihr habt doch auch Familie, die Kennen Euch am besten und merken, was Euch gut tut. Ein intaktes Familienleben ist auch sehr wichtig um sich zurück zu ziehen.

Habt Ihr den Mut, an Eure Firmenleitung heran zu treten, und ihnen einen "Firmen Motivator" zu empfehlen. Wenn Ihr das nicht als Kritik sondern als Gewinn für die Firma unterbreitet, kann es sogar klappen.

Ich wünsche Euch von Herzen alles Gute,
LG, A9
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: HauntingWitch am 29. November 2015, 19:18:05
Ich hab mal irgendwo gelesen, dass die Buddhisten meinen, man könne die schlechten Gedanken raus"schnauben" wie schwarzen Rauch. Das heißt Ausatmen und damit die schlechten Gedanken verbinden. Klingt albern, aber seitdem ich mir das vorstelle, funktioniert das besser. Auch wenn ich mich aufrege.

Hihi, das stelle ich mir irgendwie witzig vor. Ich glaube, das werde ich auch ausprobieren. Was ich gemerkt habe, ist, dass es mir hilft, in den besonders schwierigen Momenten an aufbauende Lieder zu denken bzw. an Teile davon. So eine Art Selbst-Suggestion durch Musik.

@A9: Ich glaube, du hast mich falsch verstanden. Ich habe einen guten Job in einer guten Firma. Was will ich da? Geld verdienen, um zu leben, natürlich. ;) Würde ich kündigen und etwas Neues suchen, würde es mir wieder genau gleich gehen. Das ist mein dritter Job seit der Lehre und im Gegensatz zu den vorherigen beiden ist das eine gute Firma. Ich bilde mir ein, das nach all meiner Erfahrung beurteilen zu können. Das ist nicht das Problem.

Vorher ist mir noch etwas in den Sinn gekommen. Ich habe mal einen Artikel gelesen, in dem es darum ging, wie man mit Stress umgeht, vielleicht lässt sich das auch auf das andere ummünzen. Er besagte hauptsächlich, dass man alles relativieren kann und aus mehreren Winkeln betrachtet als nicht so schlimm ist, wie man im ersten Moment denkt. Vielleicht hilft das ein wenig, muss ich mal ausprobieren. Aber ob man dieses Gefühl damit weg bekommt?
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: Zitkala am 29. November 2015, 19:55:02
Hm, ich denke, dass was an der Buddhisten-Sache dran ist. :) Man sagt ja auch, dass man erstmal tief durchatmen soll, wenn man kurz vorm Platzen (vor Wut oder Ärger) steht, um sich etwas zu besinnen. Hilft auch in der Regel. (Also mir zumindest.)

Ich kann mir vorstellen, Witch, dass deine Egal-Haltung noch von deinem alten Job herrührt. Da kannst du dir das ja antrainiert haben oder die Erfahrungen haben dich so geprägt, dass du bei der tollen Firma dich nicht so reinhängen kannst. :hmmm: Wäre eine Vermutung.
Ansonsten bin ich nicht sonderlich hilfreich, weil es bei mir auch nicht anders ist. Sobald ich aus dem Laden raus bin, ist für mich Feierabend und ich denke nicht mehr an die Arbeit sonst stresst mich das nur zu sehr. (Ich habe drei Jahre nicht abgeschalten, wenn ich nach Hause gekommen bin. Das rächt sich jetzt.) Auf der Arbeit versuche ich aber auch eher den Kurs "Wenn sie's so haben will" zu fahren, wenn Sachen mal wieder anders stehen als ich sie hingeräumt hatte. Solange das mit den Richtlinien der Firma einher geht, mache ich mir da keinen großen Kopf.
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: Ahneun am 29. November 2015, 21:07:32
Oh @Witch, natürlich weiß ich, dass ein Kündigung nicht in Frage kommt und das man Geld verdienen will. (oder muss)
Irgendetwas ist in Dir. Da ist doch ein "Unwohlgefühl" und das was Du schreibst, klingt besorglich.
Aber, ich kann mich aber auch irren.

Alles Gute,
LG
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: Slenderella am 29. November 2015, 21:09:30
Bei uns sind keinerlei neuen Ideen gewünscht, wenn sie nicht von der Chefetage kommen. Es ist wirklich schlimm geworden, seitdem sie plötzlich Kompetenzen neu verteilt haben - früher konnte man mit allem überall hingehen, jetzt darf man nicht einmal mehr an den Verteiler schreiben ohne sich eine Genehmigung dafür zu holen. Ich habe mehrfach Sachen angemerkt. Ich werde ignoriert. Aber alle, die nicht in der Chefetage sitzen (von daher nehm ich das nicht mal persönlich).
Daher gibt es von mir keine 200% mehr. Ich hatte zum Beispiel alle Social Media Beiträge der Firma gemacht. Dann kam plötzlich, dass ich mir alles absegnen lassen muss - nicht weil man unzufrieden ist, sondern weil man Prozesse einhalten will. Dann gab man mir aber einfach nichts mehr frei, weil man es vergaß. Auch die Nachfragen wurden ignoriert. Also haben wir jetzt schon eine Ewigkeit keine Social Posts mehr abgesetzt. Ja, wie sie meinen. Ich kann nachweisen, dass ich was vorbereitet hatte und dass ich es weitergeleitet habe.

Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: Sascha am 30. November 2015, 09:12:15
Tja, Slenderella, das ist genau die Arroganz, mit der man eine Firma zugrunde richtet. Nur die Chefs wissen, wie's geht? Ich darf mal verhalten  :rofl:
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: Churke am 30. November 2015, 09:37:24
Vorher ist mir noch etwas in den Sinn gekommen. Ich habe mal einen Artikel gelesen, in dem es darum ging, wie man mit Stress umgeht, vielleicht lässt sich das auch auf das andere ummünzen. Er besagte hauptsächlich, dass man alles relativieren kann und aus mehreren Winkeln betrachtet als nicht so schlimm ist, wie man im ersten Moment denkt. Vielleicht hilft das ein wenig, muss ich mal ausprobieren. Aber ob man dieses Gefühl damit weg bekommt?

Stressbewältigung? Das ist kognitive Dissonanz.  :nöö:
Die einzige Methode zur Stress-Bewältigung ist körperliche Betätigung, z.B. am Boxsack.
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: Sascha am 30. November 2015, 10:25:41
Die einzige Methode zur Stress-Bewältigung ist körperliche Betätigung, z.B. am Boxsack.
Speziell, wenn man das Bild seines Chefs draufdrucken läßt. ;D
Es geht aber auch weniger anstrengend und billiger: Photo ausdrucken und auf die Dartscheibe kleben. ;)
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: Churke am 30. November 2015, 11:35:43
Ich weiß nicht, ob unanstrengend so zielführend ist. Der biologische Zweck von Stress ist, die körperliche Leistungsfähigkeit in Gefahrensituationen zu steigern. Bedauerlicherweise tritt er in der modernen Arbeitswelt im Büro auf und dem Chef eine in die Fresse zu hauen wird sozial nicht akzeptiert.  ;)
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: Mythenschmied am 30. November 2015, 12:06:16
Kommt Zeit kommt Rat - ernsthaft , je mehr Jahre ins Land streichen, umso tiefgründiger wird alles, was du zu Papier bringst, dass ist meine Erfahrung. Ich habe jetzt seit fast zwei Jahrzehnten Schriftstellerambitionen, aber immer kam der Versuch, ein bürgerliches Berufsdasein zu gründen, dazwischen, Beruf, Volontariat, Beziehung - na und?

Inzwischen ist mir klar: Ich bin Schriftsteller. Jeder in diesem Forum ist Schriftsteller, unabhängig davon, ob er davon leben kann oder andere es schon gelesen haben. Wenn du selbst mit dem, was du zu Papier bringst, zufrieden bist, wenn du fünf Jahre, nachdem du etwas geschrieben hast, es wiederentdeckst und denkst: Wow! Dann hast du es geschafft.

Veröffentlichen kann heute dank Internet und e-Book jeder. Und ich bin fest davon überzeugt, dass viele der besten Bücher noch bei keinem Verlag untergekommen sind. Daher:  :pompom: für alles, was du bisher geschrieben hast. Es kommt nicht mal auf den Wordcount an. Es gibt Sätze aus deiner eigenen Feder, die begleiten dich dein ganzes Leben. Mir geht es jedenfalls so.

Und bloß weitermachen!
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: Slenderella am 30. November 2015, 18:18:03
Tja, Slenderella, das ist genau die Arroganz, mit der man eine Firma zugrunde richtet. Nur die Chefs wissen, wie's geht? Ich darf mal verhalten  :rofl:

Ja, hab mir heute auch ein bisschen ins Fäustchen gelacht, als der Abteilungsleiter einer sehr wichtigen Abteilung ohne Nachfolger geschmissen hat. Die sind so angeschmiert wenn der geht  :rofl:
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: Grey am 30. November 2015, 21:40:17
 :wache!:
Ihr Lieben, ich weiß, es tut gut, sich mal richtig über den Job auszukotzen. Aber wir driften hier allmählich etwas zu weit vom Thema ab. Back to topic, please. :)

Und um mit gutem Beispiel voranzugehen, werfe ich mal ein, dass die Selbstständigkeit als Schriftstellerin auch ihre Schattenseiten hat. Und die größte derer ist, dass man all zu oft nicht mehr schreiben kann, wonach einem gerade ist, sondern eher das, wofür man gerade einen Vertrag (=Geld) bekommt. Vom Druck, ständig über die Verkäuflichkeit der eigenen Ideen nachdenken zu müssen, ganz zu schweigen. Das Schreiben verändert sich sehr, wenn man davon leben will. Es wird Arbeit. Es ist nicht so, dass man Tag um Tag nur noch seinem Hobby nachgeht. Ich weiß, das wisst ihr. Aber es schadet nicht, sich das ab und an mal klarzumachen. Vom Schreiben zu leben ist hart, es ist frustrierend, es kann tödlich sein für die Kreativität. Nur die wenigsten werden ein Markus Heitz. Klar, es ist trotzdem toll, sonst würde ich es nicht machen. Aber ich warne eindringlich davor, die hauptberufliche Schriftstellerei als Lebensziel zu glorifizieren. Schreiben könnt ihr auch so. Seid froh, wenn ihr gute Jobs habt. Ehrlich.
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: Eleanor am 30. November 2015, 22:01:54
Jemand hat im Thread Titel mein geheimes Lebensmotto verraten  :rofl: :d'oh:

Ich bin dem Schreiben mit Leib und Seele verfallen, möchte mich beruflich später in Richtung Journalismus orientieren und eben auch, ja, veröffentlichte Autorin sein. Dieses "Ich möchte Schriftsteller sein. Jetzt!" passt eigentlich auch ganz gut zum Thema Selbstzweifel meiner Meinung nach. Ich habe dieses Gefühl jedes Mal, wenn ich sehe, dass einer unser Zirkler es geschafft hat, sein Buch bei einem Verlag unterzubringen oder einfach nur, wenn ich ein besonders gutes Buch zuschlage und auf dem Cover den Namen des Verfassers sehe. Dann denke ich mir "Ich will wie Er/Sie/Es sein. Jetzt!"

Zitat
Es wird Arbeit. Es ist nicht so, dass man Tag um Tag nur noch seinem Hobby nachgeht. Ich weiß, das wisst ihr. Aber es schadet nicht, sich das ab und an mal klarzumachen. Vom Schreiben zu leben ist hart, es ist frustrierend, es kann tödlich sein für die Kreativität.
Trotzdem danke, Grey! :knuddel: Es tut einem gut immer mal wieder aus Wolkenkuckucksheim herausgeholt zu werden ;D

Was mich an dem "Jetzt unbedingt Schriftsteller sein wollen"-Gedanken frustriert ist, dass ich genau weiß, dass sollte ich jemals veröffentlichen, es bestimmt nicht in meinem jetzigen Alter geschehen wird. Wenn ich das lese, was ich vor zwei Jahren geschrieben habe, könnte ich mir die Haare raufen und weiß daher ganz gut, in wieder zwei Jahren wird es vielleicht genauso sein (aber hoffentlich nicht ganz so schlimm). So ist mir quasi klar, dass das, was ich jetzt schreibe, eher mein Reifungsprozess ist.
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: Guddy am 30. November 2015, 22:06:43
werden ;D

Was mich an dem "Jetzt unbedingt Schriftsteller sein wollen"-Gedanken frustriert ist, dass ich genau weiß, dass sollte ich jemals veröffentlichen, es bestimmt nicht in meinem jetzigen Alter geschehen wird. Wenn ich das lese, was ich vor zwei Jahren geschrieben habe, könnte ich mir die Haare raufen und weiß daher ganz gut, in wieder zwei Jahren wird es vielleicht genauso sein (aber hoffentlich nicht ganz so schlimm). So ist mir quasi klar, dass das, was ich jetzt schreibe, eher mein Reifungsprozess ist.
Dass du so früh angefangen hast, zu schreiben und so früh in einem Austausch mit Leuten wie hier aus dem Forum stehst, ist ein Geschenk :)
Schreiben ist ein, schätze ich, immerwährender Reifungsprozess und wird auch mit 30, 40 oder 50 nicht aufhören. Ich kenne Autoren, die mit 60 über ihre eigenen Texte von vor 5 Jahren die Hände zusammenschlagen ;)
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: Alana am 30. November 2015, 22:10:56
Ich kann Grey nur zustimmen. Ich liebe meinen Job und ich möchte nichts anderes machen, aber die Branche ist verdammt hart und mit einem Vertrag, was ich lange als das Ziel betrachtet habe, geht es eigentlich erst los. Wenn man wirklich davon leben will, muss man je nach Genre 3 bis 4 Romane im Jahr schreiben. (Das wäre ja noch schön, wenn man einfach nur in Ruhe schreiben könnte.) Dazu kommt der Frust, weil man so gut wie nichts selbst in der Hand hat, es aber die eigene Karriere ist, die 1:1 an den Verkaufszahlen hängt. Um Berufsautor zu sein, braucht man Disziplin und eine verdammt dicke Haut, die die meisten Autoren nicht haben, weil kreative Menschen meistens auch sehr sensible Menschen sind. Die Branche ist ein knallharter Wettkampf, in dem die Teilnehmer sich aber alle tatsächlich lieb haben, was die Sache irgendwie noch schwieriger macht. Ich bin trotzdem froh, dass ich den Fuß in die Tür gekriegt habe (denn mehr ist es bei mir noch lange nicht), aber gerade weil man seinen Job so liebt, hat man noch mehr Angst, dass man ihn verlieren könnte. Und das geht in dieser Branche leider verdammt schnell.
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: Slenderella am 30. November 2015, 22:12:41
Ich bin jemand, der bereits sein Hobby zum Beruf gemacht hat - das würde ich auch ein zweites Mal machen (kann aber aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr in dem Beruf arbeiten).
Ich gehe die Sache auch nicht mit Musenquatsch und Ideenarmut an - ich weiß wie ich (und habe schon) auf Druck (zeitlich, whatever) zu produzieren habe, von daher sind das Dinge, die mich nicht wirklich schrecken. Ich habe während meiner Umschulung die meiste Zeit zu Hause gesessen und geschrieben (anschließend artig meine IHK Prüfung gemacht, zu den Lehrstunden war ich aber meist Zuhause und habe meine Bücher geschrieben). Unter 3 Manuskripte im Jahr bring ichs auch voll berufstätig nicht. Von daher ist das für mich kein Grund mich zu fürchten, oder es negativ zu sehen.
Ich habe stets mehrere Eisen im Feuer, Manuskript, Vertags  und Verhandlungslos bin ich eigentlich nie gewesen, seitdem ich die Sache durchgezogen habe.

Nicht anders habe ich auch meinen alten Beruf angegangen, wenn ich etwas mache, dann richtig, sonst kann ich es auch ganz sein lassen. Deswegen empfinde ich auch meinen Brotjob momentan als sehr ätzend, denn er hindert mich (zumindest zeitlich) daran mehr Gas zu geben. Das was ich mache, ist eben Sparflamme, weil der Tag nicht mehr Stunden hat.

Ich hab mir beruflich jahrelang körperlich Schmerzen zufügen lassen (Jährlingshengste sind nicht eben nett) und habe mich verbal mit jemandem auseinandersetzen müssen, der einen schon morgens mit dem schönen Wort Schlampe begrüßt hat ... ich habe ein SEHR dickes Fell. Was die Frau mir alles schon gesagt hat - niemals könnte eine Rezension mich weghauen. Dafür bin ich mittlerweile einfach zu sehr im Klotzmodus mit "Leck mich doch" Attitüden :)
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: Grey am 30. November 2015, 22:24:32
Ich habe auch niemandem sagen wollen, er könnte das nicht. Nur, dass die hauptberufliche Schriftstellerei eben auch nicht nur Freude ist, genau wie jeder andere Job auch. Und dass man sich gut überlegen sollte, ob man sich schlimmstenfalls sein Hobby kaputtmachen will, indem man es zum Beruf macht. Denn die Gefahr ist da, definitiv.
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: Alana am 30. November 2015, 22:26:09
Zitat
Ich habe auch niemandem sagen wollen, er könnte das nicht. Nur, dass die hauptberufliche Schriftstellerei eben auch nicht nur Freude ist, genau wie jeder andere Job auch.

Ja, genau, das wollte ich auch nur sagen. :) Ich will ja niemanden abschrecken, sondern nur einen Einblick geben, worauf man sich einlässt.

Ich habe auch 3 bis 4 Romane im Jahr geschrieben, bevor ich hauptberuflich Autor wurde. Jetzt schaffe ich trotzdem nicht mehr, ich glaube, jeder Mensch hat eine Grenze für seine Kreativität, die keine Rechengröße bezogen auf die verfügbaren Arbeitsstunden ist. Ich mag auch gar nicht mehr als 3 bis 4 pro Jahr schreiben, aber das ist wieder was, das muss jeder mit sich selbst ausmachen. Ich kenne aber tatsächlich viele Autoren, die sehr erstaunt waren, dass sie Vollzeit keinen höheren Output haben. Muss man ja auch nicht. Man sollte nur eben nicht damit rechnen.

Auf Knopfdruck kreativ zu sein ist auch etwas, das dann eben klappen muss, damit habe ich jetzt persönlich nicht so ein Problem, aber ich habe auch noch nie einen Roman ohne Deadline beendet, ich hatte von Anfang an den Druck dahinter und ich glaube, den brauche und will ich auch. ;D Als ich angefangen habe, dachte ich auch noch, dass man mit harter Arbeit und guter Leistung auf Dauer ganz sicher einen gewissen Erfolg erreichen kann, mittlerweile bin ich da sehr desillusioniert, aber das leiere ich hier jetzt nicht runter. Ich denke, das Wichtigste ist, dass man sich trotz allem den Spaß am Schreiben erhält und das kann mitunter sehr harte Arbeit sein, wenn alles den Bach runtergeht. Aber wenn man das Schreiben nicht mehr liebt, wofür sollte man es dann tun? :)
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: Ahneun am 01. Dezember 2015, 04:44:16
@all  :gruppenknuddel:
es ist noch gar nicht so lang her, da hab ich zu einem Spatz´l gesagt, dass ich wesentliche Probleme hätte, unter Druck zu schreiben. Das hab ich gerade jetzt zur "NaNo-Zeit" gemerkt. Wenn ich am Rechner sitze und MUSS(!) etwas schreiben, was noch schlüssig und zusammenhängend und vor allem Sinnvoll sein soll, und ich die Probleme meiner Firma mit mir herumtrage, da müsste ich sehr viel Zeit investieren, um erstmal ab zu schalten und den Kopf frei zu kriegen.

Und Hauptberuflich zu schreiben, um davon leben zu können, das fiel mir ja genauso schwer, denn hier müsste ich mir etwas einfallen lassen, sonst würde ich bald unter der Brücke schlafen. 3-4 Romane im Jahr schreiben, ist das Eine, aber wenn es keinen Verlag gibt der sie auf den Markt bringen will, da ist auch bald "Schicht im Schacht"
Hier hätte ich auch den Druck sprich Erfolgsdruck, der mir wiederum die Gedanken zum schreiben blockieren würde.

Für mich persönlich ist und bleibt das Schreiben ein Hobby, hier kann ich auch mal etwas anderes, quasi nebenbei machen, wenn meine Muse gerade mal meint, "ach heute nehm ich mir Frei!" Ich zieh meinen Hut vor diejenigen unter Euch, die Hauptberuflich schreiben.
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: HauntingWitch am 01. Dezember 2015, 10:37:13
@Mythenschmied: Einfach nur :knuddel:. Deine Worte sind gerade sehr aufbauend.

@Gey und Alana: Danke auch euch. Mir ist das alles bewusst, glaubt mir, ich setze mich seit etwa zwei Jahren intensiv mit kreativen Menschen und deren Leben auseinander und habe ja auch von euch hier im Forum schon so einige Beiträge lesen dürfen. :knuddel: Aber ich habe trotzdem das Gefühl, dass es mir dann immer noch besser gehen würde, einfach rein psychisch, einfach vom Gefühl her. Wobei, vielleicht ist das ein Trugschluss, aber auch dann würde ich lieber Teilzeit arbeiten und den Rest der Zeit dem Autorendasein widmen, wenn nur schon das ginge... Aber momentan, mit dem Vollzeit-Job (den ich brauche, um meine Lebenshaltungskosten zu decken), habe ich einfach immer das Gefühl, am falschen Ort zu sein und zu wenig Zeit für das Schreiben (und das Drumherum) zu haben. ::) Ich muss wirklich lernen, mit diesem Gefühl umzugehen, bis ich es vielleicht eines Tages schaffe, den Bürojob zumindest zu reduzieren. Und wenn ich das nicht schaffe, erst recht...

Manchmal denke ich, es wäre vielleicht einfacher, den Traum loszulassen, aber dann ist mir das wiederum ein Gräuel. Ich habe Angst, dann am Boden zu zerbrechen. Dieser Traum ist eigentlich das, was mich davon abhält, niedergetrampelt zu werden und gleichzeitig zerreisst es einen. Aber das schweift jetzt etwas aus, ich muss mich auch gleich wieder ausklinken, bevor mein Chef zurückkommt. ;)
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: Alana am 01. Dezember 2015, 10:48:24
@Witch: Das war auch mehr so an die Allgemeinheit gerichtet.  :knuddel: Ich würde trotzdem nichts anderes machen wollen und ich glaube auch, dass du dir bewusst bist, was es bedeutet. Ich liebe diesen Job und es geht mir besser als in jedem anderen Job, den ich bisher gemacht habe. Trotzdem - man arbeitet wie jeder Selbstständige mehr als Vollzeit, viele Autoren kratzen ständig am Burn Out, manchmal ohne es zu merken, eben weil es trotz allem so Spaß macht. Und dazu kommt, dass es neben den schönen Dingen, die nicht nur schreiben sind (Messen etc.) auch viel nerviges gibt, was sehr viel Zeit wegnimmt. Es ist in gewissem Sinne ein Job wie jeder andere oder sagen wir - eine Selbstständigkeit wie jede andere. Trotzdem bin ich jeden Tag froh, dass ich diesen Job machen kann, denn mir würde es ähnlich gehen wie dir. Den Traum begraben? Warum? Ich glaube nicht, dass davon irgendwas besser wird. Vielleicht gibt es stattdessen ja einen Weg, doch noch etwas Schönes an deinem jetzigen Job zu finden?  :knuddel:

Zitat
Dieser Traum ist eigentlich das, was mich davon abhält, niedergetrampelt zu werden und gleichzeitig zerreisst es einen.

So geht es mir jeden Tag. Denn das Problem ist, geschafft hat man es so gut wie nie. Die Angst, diesen Traum wieder zu verlieren, bleibt immer bestehen, eben weil man weiß, dass man das eine gefunden hat, was einen wirklich erfüllt, und weil es gleichzeitig so verdammt unsicher ist. Ich würde den Traum nicht aufgeben, aber ihn - bis zu einem gewissen Grad - zu erreichen hat diese Gefühle bei mir sogar noch schlimmer gemacht.
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: Grey am 01. Dezember 2015, 13:08:33
@Witch
Ich will dir das auch nicht ausreden, auf keinen Fall! Ich verstehe auf der anderen Seite ja auch total, dass man sich nach dem Leben mit und für das Schreiben sehnt, da ging es mir ja ganz genauso. Und ich würde auch nie zurückgehen wollen. Nur manchmal vielleicht. Für eine kleine Weile.
Das Problem ist eben, man kann nichts tun außer an sich zu arbeiten und die Augen offen zu halten, damit man bereit ist, wenn die Chance kommt. Bis dahin versuche vielleicht, deinen Job als Chance für Input und Inspiration zu sehen. Das ist nämlich auch ganz wichtig. Lebenserfahrungen zu sammeln. Weil alles, was du lebst und tust, dein Schreiben bereichert, wenn du es zulässt. Und eines Tages wirst du dann das richtige Buch zur richtigen Zeit schreiben. Ganz bestimmt. :knuddel:
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: HauntingWitch am 01. Dezember 2015, 16:49:41
Danke euch. :knuddel:

Bis dahin versuche vielleicht, deinen Job als Chance für Input und Inspiration zu sehen.

Genau das mache ich. Manchmal klappt es ein bisschen besser, manchmal ein bisschen weniger. Ihr habt mir schon geholfen, es tut gut, das mal aussprechen zu können, ohne schief angesehen zu werden. :)
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: Ahneun am 02. Dezember 2015, 03:03:01
Danke euch. :knuddel:

Manchmal klappt es ein bisschen besser, manchmal ein bisschen weniger. Ihr habt mir schon geholfen, es tut gut, das mal aussprechen zu können, ohne schief angesehen zu werden. :)

Weist Du, diese Zeilen zeigen doch, dass die Gesellschaft etwas, was eben nicht alltäglich ist, als etwas abnormes abstempelt. Sonst würde man Dich nicht schief ansehen. Ich finde es wichtig, dass man hier Gleichgesinnte findet, die die Probleme und Gefühle des Anderen verstehen.
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: Elona am 02. Dezember 2015, 12:03:50
Liebe Witch,

wenn auch eine etwas verspätete Antwort.

Vor einiger Zeit stand ich an genau demselben Punkt. Ich stellte fest, dass meine Arbeit mich nicht wirklich ausfüllt und dass ich viel lieber schreiben würde. Ich war frustriert und habe mich geärgert.

Irgendwann begann ich mir Fragen darüber zu stellen:
Warum bin ich wirklich unzufrieden? Worüber rege ich mich eigentlich auf? Was möchte ich wirklich? Wie du dir vorstellen kannst (und ich vermute das erging/ergeht dir ähnlich), war es ein ziemliches hin und her zwischen den beiden Seiten.
Antwort auf die Frage: Weil … und dann kommt die andere Seite mit ihrem „Ja, aber …“

Tatsächlich fand dabei einfach ein Umdenken statt. Bei mir ist daraus eine wirkliche Zufriedenheit erwachsen, weil ich zu der Erkenntnis kam, dass alles so wie es ist gut ist.

Ich habe einen festen Job, in dem ich gut Geld verdiene. „Sicheres“ Geld, keins wo ich bangen muss. Meine Zeit auf der Arbeit kann ich mir frei einteilen und solange die Arbeit erledigt wird, kräht kein Hahn danach, was ich treibe (so z.B. diese Antwort schreiben). Um nichts auf der Welt würde ich auf meine Kollegen verzichten wollen. Und unter uns, so schlimm ist die Tätigkeit eigentlich auch nicht. Zumal ich die Möglichkeit hatte, Einfluss auf mein Aufgabengebiet zu nehmen. So wie es für mich den Anschein hat, könntest du das eventuell auch ...
 
Schreiben ist für mich ein Hobby. Es füllt mich aus, es bereitet mir Spaß. Wenn ich bei etwas das mir Spaß macht, Druck bekomme, hört der Spaß für mich ganz schnell auf. Das ist etwas, dass ich mir nie im Leben selbst nehmen werde. Ich wäre nämlich nicht glücklich, wenn ich wüsste dass ich schreiben muss. Denn ich kenne diese Tage, an denen ich einfach keine Lust habe. An denen eine große Leere in meinem Kopf herrscht und ich einfach nichts zu Stande brächte, wenn ich mich dennoch hinsetzen täte. (Erwachsen aus Erfahrungswerten)

Was also sollte ich ändern? Ich freue mich den ganzen Tag wie ein Plätzchen, dass ich abends schreiben kann, wenn mir denn dann danach ist. Zumindest für mich behält das Schreiben dadurch auch seinen Zauber. :)
Außerdem gehöre ich zu den Menschen, die es zu schätzen wissen, dass Arbeit den Tag strukturiert. Ich würde mich irgendwann entweder im gekonnten Nichtstun, oder gezwungenem Schreiben wiederfinden. Grausige Vorstellungen!
Das Einzige, was ich ändern würde, wäre von Vollzeit auf eine Teilzeitstelle, mehr aber auch nicht und für den Schritt habe ich mich bisher nicht durchringen können. Aber irgendwann wird das wohl kommen.

Das trifft jetzt selbstverständlich nur auf mich zu und jeder ist da anders. :)
Ich glaube was mir wirklich geholfen hat, war die Vorstellung wie es anders wäre und hierbei diese „rosarote-alles-perfekt-Welt“ außer Acht gelassen (die hilft einem nach meiner Erfahrung nämlich nie weiter).
Für mich würde das Schreiben dadurch einfach seinen Zauber und ich dann meine Freude daran verlieren.   

Was ich aber persönlich wichtig finde, ist, dass man das was man tut auch gerne macht. Alles andere macht einen nur unglücklich.

Vielleicht hat es dir ja ein bisschen weiter geholfen.

Liebe Grüße
Aurora

P.S. Und ein nerviger Chef ist normal! ;) Gehört vermutlich zu deren Stellenbeschreibung dazu.
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: HauntingWitch am 02. Dezember 2015, 16:12:39
@A9: Ja, ist mir nicht neu. Das ist auch bedenklich, aber da könnte ich jetzt ganz weit abschweifen.

@Aurora: Danke auch dir für die aufmunternden Worte. :knuddel: Diese Gedanken, was wäre wenn, habe ich auch. Ich stelle mir auch vor, wie es wäre mit allem, was es mit sich bringt. Der Druck, das "Müssen", Verkäuflichkeit... Im Moment habe ich aber das Gefühl, dass es auch dann noch besser wäre, als das, was ich jetzt habe. Vielleicht ist das wirklich ein Trugschluss, doch ich müsste es erfahren, um das sagen zu können und dann komme ich wieder zu meinem Ausgangspunkt. Nein, ich glaube, ich muss einfach das Positive an meiner jetzigen Arbeit sehen (fester Lohn ist ein gutes Beispiel) und lernen, mit den negativen Dingen besser umzugehen, ebenso wie mit diesem Gefühl der Unzufriedenheit. Es ist auch nicht so, dass ich es nicht gerne mache, nur, dass es mir nicht reicht. Woher die Unzufriedenheit kommt, darüber denke ich Zurzeit auch nach. Aber auch da drehe ich mich im Kreis.
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: Slenderella am 02. Dezember 2015, 17:59:58
Manchmal muss man sich aufhören das zu fragen, weil man sonst nur auf der Suche nach einer Antwort auf die Frage, deren Erkenntnis dich eventuell gar nicht weiterbringt - wenn du feststellen musst: Es ist der Job - wir sind aber alle so clever, dass wir wissen, dass wir Arbeit zwingend brauchen, von daher ...

Streich mal die Frage und horch mal ab und an in dich hinein. So ein kurzer Gefühlscheck. Ich glaub, dann kommst du auch drauf, was dir fehlt. Außerdem - so hab ich mir mal sagen lassen - gehört eine innere Unruhe zum kreativen Menschen dazu.
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: HauntingWitch am 03. Dezember 2015, 12:28:46
Slenderella, du sprichst mir aus der Seele. Ja, es einfach ruhen lassen und akzeptieren, dass es nun einmal so ist. Da bin ich jetzt so langsam dabei.

Außerdem - so hab ich mir mal sagen lassen - gehört eine innere Unruhe zum kreativen Menschen dazu.

Das ist wohl eine Tatsache. ;D Aber dann muss man sich fragen, ob man das überhaupt loswerden will, weil sonst wäre man ja nicht mehr kreativ. Und wenn man solche Gedanken immer weiter spinnt, dreht man am Ende noch durch, weil man so viel darüber nachdenkt. :rofl: Ja, ich werde es wohl ruhen lassen und mich derweil einfach weiterhin im positiven Denken üben.
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: Aljana am 03. Dezember 2015, 12:57:21
Hi ihr Lieben,

dieser Thread ist ja ganz schön entstaubt worden. Das Gefühl, dass der Titel ausdrückt, kenne ich auch. Autor, Schriftsteller sein, am besten weltberühmt, viel gelesen und reich wäre dann auch noch was Feines.
Dass das nicht geht, das habe ich schon früher verstanden und mir deswegen schon als Kind gedacht, was will ich eigentlich sonst noch und habe heute einen Job, mit dem ich so 80% der zeit sehr glücklich bin. Naja und daneben schreibe ich. Wie hart die Branche ist, das haben Alana und Grey ja schon beschrieben. Auch ich hab da rein schnuppern dürfen mit meiner ersten Veröffentlichung. da war ich 14 hatte alles, aber kein dickes Fell und es war mehr als hart. doch statt aufzugeben hat es mich bestätigt, dass ich die richtige Entscheidung getroffen habe nur 'nebenher' Schriftsteller sein zu wollen.
3-4 Bücher im Jahr? Man Man Man. Respekt. Ich weiß nicht, ob ich das könnte. Ich schreibe gerne und ich habe, seit ich im Tintenzirkel bin viel mehr neue Ideen bekommen, als ich mir je träumen ließ, aber 3-4 Romane - und das jedes Jahr. Könnte ich nicht. Und wenn, dann würde ich sie nicht so lieben.
Dennoch merke auch ich, dass dieser Wunsch in mir ist, Geschichten zu erzählen. Primär eigentlich diese eine, die für mich die schönste ist und immer bleiben wird. Manchmal verzweifle ich an dem Wissen, dass ich vermutlich nie die Menge an Menschen erreichen werde, die ich mir wünsche oder hoffe, doch ich gehe damit mittlerweile anders um. Ich versuche in meinem Job 105% zu geben jeden Tag besser zu werden und meistens macht das Spaß. An stressigen Tage kann ich dank dem Schreiben in ein anderes Dasein abtauchen und den Kopf frei kriegen, von allem, was mir so auf der Arbeit begegnet. Ich schreibe oft in meinem Urlaub und nutze viel Zeit abends in den Mittagspausen, überhaupt, doch auch das wird mir manchmal einfach zu viel und dann tut es wahnsinnig gut, dass ich mir sagen kann: "Du bist nicht davon abhängig. Du machst das für dich. Für deinen Spaß, deine Geschichte." Selfpublishing hat mich dabei frei gemacht, alles so zu tun, wie ich es will, und wann ich es will. Klar ganz ohne Deadlines geht es nicht und wenn dann muss ich eben die Disziplin haben, sie mir selbst zu setzen.
Doch die, zugegeben selten eintreffenden, guten Kritiken oder Feedbacks können mich aus einem grauen Alltag holen, mir das Gefühl geben, doch den einen oder anderen zu erreichen.
Darum rate ich jedem, der dieses Bedürfnis hat: Traut euch einfach. Macht einen Roman fertig. Tretet an einen Verlag ran oder versucht euch im Selfpublishing. Traut euch den Schritt aus eurem stillen Kämmerlein heraus. Der Anfang ist immer hart. Es ist nie leicht, weder als Fulltime noch als Parttimejob. Es ist auf der anderen Seite des Verlagsvertrages nicht alles rosa und glitzernd ;) und manchmal ist es ein Segen, dann doch nicht nur Schriftsteller sein zu müssen.
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: Trippelschritt am 03. Dezember 2015, 13:13:03
Hallo Witch,

ich schreibe einfach mal, wie es bei mir war. Und wenn wir Glück haben, kannst Du Dir was rauspicken. Ich wollte immer schreiben, bin aber nie auf die Idee gekommen, meinen Lebensunterhalt als Schriftsteller zu verdienen und ich wusste auch warum. Ich kannte zu vieol Leute, die versucht haben aus ihrer Leidenschaft einen Beruf zu machen. Es hat nur ganz selten funktioniert. Egal, ob man Pferde liebte und deshalb einen Reitstall aufmachen wollte oder ob man als Goldschmiedin Schmuckdesignerihn mit eigener Kollektion werden wollte. Der Grund ist ganz einfach. Die Faktoren, die über den Erfolg im Beruf entscheiden, haben wenig mit der ursprünglichen Leidenschaft zu tun. Und ich habe das Glück gehabt, so etwas immer und immer wieder erleben zu dürfen.

Aber geschrieben habe ich trotzdem. Und glaube mir, ich hatte einen Stressberuf mit mehr als 40 Stunden in der Woche, nie Urlaub und selten ein freies Wochenende. Mein Beruf machte mir Freude, sodass ein Teil der Fron freiwillig war. Und trotzdem habe ich es geschafft in dieser Zeit Bücher zu schreiben, weil ich Bücher schreiben wollte. Es gab also keine äußeren Umstände, denen es gelungen wäre, mich am Schreiben zu hindern. Dafür war dieser Wunsch einfach zu stark. Und ich wusste, ich kann schreiben. Also - warum darauf verzichten.

Frust war auch da, denn ich wollte ja auch, dass meine Texte gelesen wurden. Und das war in der Belletristik nicht so ohne weiteres der Fall. Deshalb habe ich aufgehört, Romane zu schreiben, und deshalb lieber Kurzgeschichten geschrieben, denn die bekam ich unter. Verdient habe ich nichts daran, aber wenn ich hätte davon leben müssen, hätte ich Zugeständnisse machen müssen, zu denen ich nicht bereit war. Und je mehr ich schrieb, desto erfolgreicher wurde ich. Erfolgreich für mich. Ich merkte am Feedback, dass ich besser wurde. Und irgendwann hatte ich Glück und es klappte mit einem Kleinstverlag. Es dauerte fünfzehn Jahre, bis das Glück kam. Aber ich habe diese fünfzehn Jahre auch immer geschrieben, weil ... Ohne Schreiben wäre es nicht gegangen. Und ich habe immer so lange geschrieben, bis der Kopf leer war. Und nachdenken kann man über seine Geschichte an allen Orten. Und wenn ich bei anderen Autoren nachschaue, wie es bei denen war, dann war es da auch so wie bei mir. Die wollten schreiben und haben es getan. Und irgendwann hat es geklappt, weil sie im Lauf der Zeit immer besser wurden.

Deshalb ist mein Rat immer: Schreibt weiter!!! Und wenn ihr keine Lust zum Schreiben habt, weil kein Verlag euch will, ist das kein Grund mit dem Schreiben aufzuhören. Nur wenn das Schreiben für einen selbst nicht wichtig genug ist, dann sollte man es lassen. Eigentlich ganz einfach, nicht? Und doch manchmal ganz schön schmerzhaft. Aber so ist es nun mal.

Alles Liebe für Dich
Trippelschruitt

Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: HauntingWitch am 03. Dezember 2015, 16:41:29
@Trippelschritt: Aufhören zu schreiben werde ich nicht, dafür bedeutet es mir viel zu viel. Aber genau das macht es umso schwieriger. Natürlich nutze ich auch jede freie Minute (okay, nicht ganz jede, irgendwann gibt es noch so etwas wie ein Haushalt und irgendwoher muss ja auch der Input kommen ;)), aber gerade weil es mir so wichtig ist, würde ich gerne mehr daraus machen. Ich schreibe nicht, weil ich erfolgreich werden will, ich will erfolgreich werden, weil ich schreibe.

Aber ihr habt alle Recht. Man kann sowieso nichts anderes machen, als einfach nur immer weiter machen.
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: Sternsaphir am 03. Dezember 2015, 17:06:12
Ich schließe mich da Trippelschritts Meinung an:

Geschrieben habe ich schon immer. Immer irgendetwas, sei es früher als Kind KGs oder später halt Fanfiction oder eigene Romane. An ein Leben als Autorin habe ich nie gedacht. Vielleicht war damals mein Kunstlehrer auch meine Rettung, weil er mich davon abhielt, mich in einen künstlerischen Beruf zu stürzen. Nicht, dass er mich aufgehalten hat, aber er sagte mir klipp und klar, dass man als Künstler nur schlecht als recht überleben kann. Selten kann man seine eigenen Bilder oder Werke einfach so für viel Geld verkaufen. Meist muss man nach Kundenwünschen arbeiten oder sich am Mainstream orientieren. Oft ist auch der eigene Stil nicht sonderlich gefragt, wenn man nicht gerade eine bahnbrechende Idee hat . . . kurzum es ist ein langer harter Kampf und am Ende könnte es sein, dass man die Lust an seinem Hobby, das man zum Beruf machen wollte, verliert.
Also habe ich mich "handfesten" Berufen gewidmet, habe versucht, etwas zu finden, was mir auch Spaß macht und schließlich meine Liebe zu Handwerk und Naturwissenschaften gefunden.
Aber das Schreiben gab ich nie auf. Im Gegenteil, für mich ist es ein schöner Ausgleich zur Arbeitsrealität und ich habe somit meine Lust am Schreiben behalten. Ich glaube, wenn ich meinen kompletten Brotwerwerb auf das Schreiben konzentrieren würde, könnte ich nicht mehr so unverkrampft schreiben.
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: Maja am 03. Dezember 2015, 23:03:04
Ich gehöre auch zu denen, die das Ziel, hauptberuflich Schriftstellerin zu werden, in die Tat umgesetzt haben. Grey und Alana sprachen ja schon einen Teil der Schattenseiten dieses Berufs an, und auch ich habe einen sehr hohen Preis gezahlt.

Meiner war Unabhängigkeit. Es gehört viel Glück, und Durchhaltevermögen, dazu, mit der Schriftstellerei genug zu verdienen, um davon leben zu können. Ich kann das bis heute nicht. Ich schreibe hauptberuflich und verdiene damit noch nicht mal genug, um mich selbst versichern zu müssen, geschweige denn meinen Unterhalt bestreiten zu können. Obwohl ich dieses Jahr einen halben Vorschuss bekommen habe und sich das "Puppenzimmer" ziemlich gut verkauft, liege ich immer noch gut unter dem, was ein Minijob abwerfen würde - und das war jetzt mein drittes Jahr als Profi. Ich hoffe auf nächstes Jahr, und selbst dann ist nur das realistische Ziel, es in die KSK zu schaffen (die mir mit Erreichen der Selbstversicherungspflicht offensteht), nicht, irgendwie reich zu werden.

Ich lebe von meinem Mann. Er ist Ingenieur, er verdient genug, um mich durchzufüttern und die Raten für unser Haus zu zahlen - aber ich leide darunter, dass ich finanziell derart abhängig bin. Es macht mich abhängig, es nimmt mir etwas, das für mich immer selbstverständlich war und am Ende doch hinter meinem Lebenstraum zurücktreten musste. Hätte ich nicht meine letzte Stelle verloren und zu große gesundheitliche Probleme, um leicht wieder neue Arbeit zu finden, hätte ich diesen Schritt nicht getan. Und wirklich, gesundheitlich hat es mir viel gebracht, selbständig zu sein, meine psychischen Probleme sind stark zurückgegangen, und ich konnte die Dosis meiner Medis drastisch reduzieren. Aber der Verlust meiner Unabhängigkeit macht mich immer wieder fertig: Selbst wenn mein Mann hinter mir steht und mich unterstützt, würde ich doch lieber mit einem eigenen Einkommen an seiner Seite stehen.

Schriftsteller sind gnadenlos unterbezahlt. Wer ernsthaft mit dem Gedanken spielt, es zum Beruf zu machen, tut gut daran, die eigenen Ansprüche runterzuschrauben. Und trotzdem: Es war mir all das wert, und ich würde es jederzeit wieder machen.
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: FeeamPC am 03. Dezember 2015, 23:49:49
Schriftsteller werden nur wenige. Erfolgreiche Schriftsteller noch weniger.
Aber überlegt euch mal, wer mehr zu bedauern ist:
Der nicht-erfolgreiche Schriftsteller, der es aber irgendwie schafft, sein Buch fertigzustellen und ein paar Menschen damit zu erfreuen,
oder der Möchtegern-Schriftsteller, der aufgegeben hat und dessen Buch nie geschrieben wird.
Ich möchte mein Buch mal gedruckt sehen. Nötigenfalls soge ich selbst dafür. Ich weiß, dass es gut genug ist, um andere Leute zu interessieren, auch wenn es vielleicht nur eine Handvoll sind. Aber es wird mich glücklich machen, wenn diese Handvoll mir irgendwann bestätigt, dass es ihre Lebenszeit wert gewesen ist, mein Buch zu lesen.
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: Zitkala am 03. Dezember 2015, 23:52:50
Erst heute einen Artikel von Nina George in der aktuellen Federwelt gelesen (Titel: "Urheberrecht: Kann das endlich weg?"), dem man zwar ihre Wut anmerkt -- wenn die Sachen, die dort besprochen werden (E-Books und der Zwang zur Onleihe, 2nd-Hand-E-Books, Verkürzte Frist nach Tod Urheber, etc.), aber tatsächlich auch Fuß fassen, dann wird aus unterbezahlt schnell gar-nicht-bezahlt. Wenn wir Glück haben. Sonst wird es wohl noch zu zahlt-drauf.

Ich mein, ich mal mir selbst die Welt auch mal gern schwarz, aber so etwas dann nochmal von jemand anderem zu hören, der viel mehr in der Materie steckt als ich -- das hat mir dann doch schon mal die Lust verleidet, die restliche Federwelt weiter zu lesen oder mich heute überhaupt kreativ zu betätigen. :(
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: Elona am 04. Dezember 2015, 07:54:14
@Zitkalasa: Wenn du aus Spaß an der Freude schreibst, warum solltest du dann damit aufhören? Klar gibt es diese harte und gemeine Realität, aber sie sollte uns nicht daran hindern, dass zu machen, was wir eben gerne tun.
Das ist nun eine Unterstellung meinerseits, aber fängt nicht jeder irgendwann mit dem Schreiben an, weil es einen interessiert und man merkt, dass es einem wirkliche Freude bereitet? Kommt nicht erst danach der Traum auf, was nun alles sein könnte? Ich finde diesen Anfang sollte man bei allen Träumen nicht aus den Augen verlieren. Denn darum fingen wir an und nicht umgekehrt.


So und das ist nun mein vermutlich letzter Beitrag zum Thema, bevor ich gesteinigt werde.

Wie gesagt, ich stand an genau dem gleichen Punkt. Gleichzeitig sah ich mich aber auch mit Problem konfrontiert, gegen die dieses Problem einfach nur kindisch war. Und sind wir mal ehrlich, das ist Jammern auf ganz hohem Niveau. Es gibt andere, die würden uns um das was wir haben beneiden.

Versteh mich bitte nicht falsch. Es gibt Dinge im Leben die machen uns dermaßen unglücklich und dann bin ich auch der Meinung, dass man daran etwas ändern sollte. Um da aber hinzukommen (egal auf welcher Seite man nun steht), muss man die Situation in der man sich befindet erst einmal annehmen. Denn nur wenn wir sie wirklich annehmen, können wir auch eine Entscheidung treffen. Hier hilft weder die rosarote Brille, noch das Gegenteil, nämlich zu sehen wir schlecht alles doch ist. Irgendwann und irgendwie sind wir eben da hingekommen, wo wir nun stehen. Wir waren damals der Auffassung gewesen, dass dies eben der beste und geeignetste Weg für uns sei. Oder wir glaubten es gäbe keinen anderen (auch möglich).
Wenn wir uns also dazu entschieden haben, diesen Weg zu gehen, weil wir zuvor unzufrieden waren, wie oft wollen wir das noch machen? Wenn wir jedes Mal wieder da stehen und feststellen, dass war es dann doch nicht, weil xyz und man findet einen Grund. Das macht unglücklich und frustriert (das weiß ich aus eigener Erfahrung).

So, wo stehen wir also nun? Wir haben eine Situation und wir können uns frei entscheiden, was wir aus ihr machen. Wir können uns dazu entscheiden einen Versuch zu wagen oder wir nehmen sie an. Aber wenn wir sie annehmen, dann richtig. Dann sollten wir sie akzeptieren, weil wir uns aus freien Stücken dafür entschieden haben. Jeder Widerstand dagegen, jedes unglücklich sein und sich grämen, ist im Endeffekt vergeudete Zeit. Und diese Energie kann man auch woanders sinnvoller verwenden. 

Manchmal geht es einfach darum glücklich und zufrieden zu sein, mit dem was man hat. Und wirkliche Zufriedenheit kommt aus uns selbst und nicht von außen.

Das sind eigentlich Dinge, die ich total ungerne schreibe, weil sie geschrieben einfach in den falschen Hals kommen können und dabei gar nicht so gemeint waren. Nehmt es mir also bitte, bitte nicht böse, so war es nicht gemeint gewesen. Auf den Fuß wollte ich damit auch niemanden treten, es sollte lediglich zum Nachdenken anregen. Mehr nicht.

So ich habe euch alle lieb  :knuddel:

 :winke:
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: Araluen am 04. Dezember 2015, 09:06:19
Wir schreiben, weil wir die Geschichten, die in unserem Kopf herum schwirren, festhalten wollen. Es macht uns Spaß, zu sehen, wie aus dem Nichts ganze Welten entstehen, Charaktere lieben, leiden, Abenteuer erleben und manchmal vielleicht auch sterben. Wir schreiben, weil wir diese Geschichten erzählen wollen, für uns oder auch für andere. Wir schreiben, weil es uns Spaß macht. Vielleicht sehe ja nur ich das so. Aber Geld dafür zu kriegen, ist doch letztlich nur ein netter Bonus, der nichts an unserer Kreativität oder Motivation ändert. Die meisten hier schreiben doch gefühlt, seit sie einen Stift halten können.
Das Dasein als Schriftsteller hängt für mich nicht zwingend damit zusammen, dass man von irgendeinem Verlag Geld für seine Kreativität bekommt - davon in der Regel ohnehin viel zu wenig. Erfolg ist vor allem eine Sache des Glücks und ausreichend Vitamin B. Man muss zur richtigen Zeit, am richtigen Ort sein, der richtigen Person die Hand schütteln und einen Nerv bei den Lesern treffen. Dann kann man sich vielleicht irgendwann bei Ken Follet, J.K. Rowling und anderen einreihen, die mittlerweile millionenschwer sind.
Die Frage ist ja eher: Brauche ich das wirklich?

Ich für meinen Teil möchte auf jeden Fall einmal in eine Buchhandlung gehen und ein Buch aus dem Regal ziehen, auf dem mein Name steht. Aber ich muss davon nicht unbedingt leben können. Wenn es klappt, wäre es natürlich auch toll.  :vibes:
Wichtig ist, dass man sich seiner selbst sicher ist. Ich schreibe, weil ich Spaß daran habe und mein Kopf voller Ideen ist. Und ich glaube auch, dass es gut ist, was ich zu Papier bringe. Was andere tun und erreichen? Ganz ehrlich, wen interessiert es? Ich gönne es jedem, der sein Manuskript an den Mann bringt und von mir aus auch noch Preise dafür abstaubt. Gut gemacht und Glück gehabt. Aber das ändert doch nichts daran, dass ich weiter schreibe oder an meiner Motivation. So was zeigt doch eigentlich nur, dass es möglich ist.

Der Titel lautet: "Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!"
Glückwunsch. Du bist einer. Du schreibst Geschichten.

In diesem Sinne eine Frühstücksrunde Kekse für alle  :prost:

P.S. Warum gibt es eigentlich nie ein Keksemoticon?  :'(
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: HauntingWitch am 04. Dezember 2015, 10:29:51
@Aurora:  :knuddel:  :knuddel:
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: Sternsaphir am 04. Dezember 2015, 12:50:08
Ich finde auch, dass Bücher und Geschichten geschrieben werden sollten, egal ob man damit nun erfolgreich ist oder nicht. Sie haben ein Recht darauf zu existieren und das Papier wurde ja nicht erfunden, um es weiß und leer zu lassen.
Man stelle sich vor, jeder würde sofort aufgeben, wenn es mal nicht klappt. Wie arm wäre die Welt an Geschichten, Bildern, Liedern, Erfindungen etc., nur weil sie nicht sofort beachtet oder gewürdigt wurden oder weil etwas schiefging?

Ich stimme Araluen zu: Erfolg besteht zur einen Seite auf der eigenen Leistung, aber vor allem auch auf den Kontakt zu den richtigen Leuten. Mein Ex-Chef wird hin und wieder zu Vernissagen eingeladen und fragt sich dann manchmal, wie man die ausgestellten Bilder als künstlerische Leistungen anerkennen kann, wo er mindestens zwei Dutzend Menschen kennt, die mit Malstiften wesentlich besser umgehen können. Aber der "Künstler" kennt XY und der hat Kontakt zu reichen Mäzen und diese hatten grad eine Galerie frei.
Das ist nicht immer gerecht, das stimmt, aber wie oft verschwinden halbherzige Werke ganz schnell wieder im Vergessen, während gute in Erinnerung bleiben und man darüber spricht?
Man darf sich von den Ungerechtigkeiten des Lebens nicht aufhalten lassen. Mir fällt das auch  immer schwer, aber immer wieder bricht der Drang zum Schreiben durch und wenn ich damit nur wenige Leser erfreuen kann, dann ist es mir dennoch wert. Natürlich würde ich mich auch darüber freuen, eines Tages im Buchladen mein eigenes Werk stehen zu sehen. Aber ich stütze nicht meine schriftstellerischen Tätigkeiten darauf. Das Veröffentlichen wäre natürlich das Sahnehäubchen auf dem Keks.

Apropos Keks, ich votiere auch für einen Keks-Emoticon.  :jau:
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: Trippelschritt am 04. Dezember 2015, 13:26:09
Ich wünsche Euch allen und gönne Euch allen dieses wunderschöne Gefühl, das sich einstellt, wenn man den ersten geschrieben Artuikel oder das erste Buch gedruckt in den Händen hält und ehrfurchtsvoll haucht: Boah, das ist von mir! Denn man hat vorher ganz schön lange rackern und nachdenken müssen, bis es so weit kam.  Allerdings verschwindet diese Gefühl recht rasch, wenn das Publizieren Teil des normalen Alltagslebens wird und verkommt zu etwas ganz Normalem.

Was für mich aber nie verschwunden ist, waren der Stolz und die Zufriedenheit, die ich empfand, wenn am Ende des Manuskripts geschrieben oder gedacht das Wort E N D E stand und eine weitere Geschichte ihren Abschluss gefunden hat. Und ich glaube, das wird auch nie verschwinden, weil ich mir den Luxus leisten kann nur das zu schreiben, was ich schreiben will. Von der ersten Veröffentlichung darf man träumen wie von der ersten großen Liebe. Aber am Ende zählt nur das, was einen auch noch nach 30 Ehejahren erwärmt, wenn ich bei dem Bild der Liebe einmal bleiben darf.

Liebe Grüße
Trippelschritt
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: Kerimaya am 04. Dezember 2015, 16:52:05
Ich habe auch niemandem sagen wollen, er könnte das nicht. Nur, dass die hauptberufliche Schriftstellerei eben auch nicht nur Freude ist, genau wie jeder andere Job auch. Und dass man sich gut überlegen sollte, ob man sich schlimmstenfalls sein Hobby kaputtmachen will, indem man es zum Beruf macht. Denn die Gefahr ist da, definitiv.

Amen. Ich habe diese Gefahr übersehen und bin prompt in die Falle getappt. Das Ergebnis? Zwei Jahre akute Schreibblockkade, depressive Verstimmung, Schlafstörungen, Bücher geschrieben, die ich eigentlich nicht schreiben wollte (bzw. nicht zu dem Zeitpunkt), Selbstzweifel ... und eine akute Sucht nach Schokolade ;) (Letzteres habe ich immer noch, den Rest konnte ich mittlerweile über Bord schmeißen).

Ich weiß, daß viele glauben, das passiert ihnen nicht, denn immerhin schreibt man ja jetzt schon, während man noch Brotjob, Familie/Freunde/Sozialleben organisiert. Aber in der Zeit ist Schreiben eine Leidenschaft, die man für sich alleine hat. Man schreibt, weil man es liebt, Wörter zu basteln, Traumhausgeschichten zu bauen und weil man seine Figuren auf dem Papier bannen will. Wenn man allerdings eben genau diese Häuser und Figuren bauen muss, weil man sonst seine Wohnung nicht halten kann oder Ende des Monats nicht weiß, was man essen soll ... dann ist es kein Spaß mehr, sondern Druck, der einem, im schlimmsten Fall, die Lust am Schreiben nimmt.

Das Leben als Vollzeit Autor hat seine Vorteile, aber man darf nicht unterschätzen, dass das Schreiben dann nicht mehr nur Leidenschaft und Hobby sondern eben Arbeit ist. Ein Job.
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: Sabine am 04. Dezember 2015, 18:20:02
Ich bin froh zu lesen, dass es anderen ähnlich geht wie mir.  Zwei Bücher habe ich im Eigenverlag bei BOD veröffentlicht. Die Geschichten in meinem Kopf mussten einfach raus. Sie zu schreiben hat mir viel Freude gemacht, die Vermarktung leider weniger. Denn ohne Werbung sind sie so gut wie Unsichtbar im Netz und was nicht gesehen werden kann, kann auch nicht gelesen und gekauft werden. Das macht mich traurig, doch entmutigen lasse ich mich dadurch nicht.
Auch wenn bisher nur wenige meine Romane gelesen haben, die die es taten haben sie gefallen. Deshalb werde ich weiter Schreiben. Für alle die meine Geschichten lieben, als Hobby und aus Freude am Schreiben an sich. Ich denke jeder der zu Schreiben beginnt und einen Roman zu Ende bringt, kann stolz auf sich sein. Das allein ist ein Grund weiter zu machen.
Vielleicht sollte man es so sehen, Bücher sind Kinder, die Zeit zum Wachsen brauchen.
@Trippelschritt: Das hast du wirklich schön geschrieben. Ich stimme dir voll und ganz zu.
@Kerimaya: Depressive Verstimmung, Schlafstörungen, Selbstzweifel? Auch ohne ein Vollzeit Autor zu sein, kann ich das gut nachvollziehen.
@Sternsaphir: Genau wer die Geschichten, die sich in seinem Kopf befinden aufschreibt, kann sie mit anderen teilen. Auf diese Weise gelingt es, die Innenwelten für andere Sichtbar zu machen.
@Araluen: Ja, auch ich fände es schön, wenn mein Buch eines Tages im Regal stände. (Wer nicht?)
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: Maja am 04. Dezember 2015, 18:54:16
Oh, Keri, das klingt gar nicht gut. :knuddel:

Da bin ich heilfroh, dass ich um diesen Aspekt bislang herumgekommen bin, aber wenn man beiseitelässt, dass mir die wirklich lukrativen Verträge bislang durch die Lappen gegangen sind, hatte ich dafür das Glück, Sachen verkaufen zu können, die ich wirklich liebe. Das ist bei mir der Luxus, nicht in dem Maße auf das Geld angewiesen zu sein - zum anderen meinem Dickschädel geschuldet, dass ich nur schreiben will, was ich liebe. Der Grund dafür ist ganz pragmatisch: Solange Autoren derart schlecht bezahlt werden und eine derartige Tendenz zur Ausbeutung besteht, kann ich das nur mit etwas tun, das ich wirklich liebe. Mich schlehcht bezahlen zu lassen für etwas, an dem mein Herz nicht hängt - das ist für mich das Schlechteste aus beiden Welten. Wo es nur ums Geld geht, kann ich mir auch wieder Arbeit suchen, halbe Stelle sollte ja noch drin sein, davon kann ich wenigstens leben.

Aber ich hatte auch, das kann man nicht anders sagen, einfach Glück, bei meinem absoluten Traumverlag zu unterschreiben und plötzlich mit diesem Vertrag im Nacken auch für andere Verlage viel interessanter zu sein - und meine Arbeitsweise besteht üblicherweise darin, ein Buch zu schreiben, auf das ich Bock habe, es an meine Agentin zu schicken und darauf zu bauen, dass es ihr gefällt, und ihr dann die Verlagssuche zu überlassen. Das kann nach hinten losgehen, wenn man plötzlich eine Schublade voller großartiger, aber unverkaufter Romane hat, aber ich bin stur optimistisch, dass wir für diese Bücher auch irgendwann den passenden Verlag finden, spätestens, wenn ich total berühmt bin und die Verlage nicht mehr denken, dass sie mit mir ein unzumutbares Risiko eingehen.

Ich nehme buchstäblich die Low Road, hangle mich mit Ebookveröffentlichungen nach oben, werde nächstes Jahr meine erste Druckausgabe haben und denke, wenn alles glatt geht, ab 2017 zwei Romane pro Jahr herausgeben zu können (habe ich jedenfalls mit meiner Agentin drüber geflaxt: Hm, Verlag XY prüft mein Jugendbuch - im Frühjahr 2017 hätte ich noch eine Veröffentlichungskapazität frei. ;) ). Ich muss mir diesen langen Atem erst mal vom Mund absparen - aber ich gebe die Hoffnung nicht auf, dass es sich auf die lange Sicht auszahlt.
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: Slenderella am 04. Dezember 2015, 19:17:59
Ich arbeite auch nach wie vor meine geschriebenen Romane ab, ich hab immer noch einen Rachethriller hier den keiner wollte. Der hält sich stur. Aber wird schon irgendwann jemand wollen - außerdem kann ich immer mal ein Büchlein nachlegen, wenn es jemand will.
Hab auch gedacht, dass mein Jugendbuch keiner mehr will und das ist doch noch als Trilogie weggegangen. Von daher bin ich optimistisch.
Nur mein armer Turfteufel macht sich nirgends, es ist zu sehr Spartenbuch. Ich glaub das mach ich im Selbstverlag, es ist mir ehrlich gesagt zu schade, als dass es nie jemand liest. Ich wollte wenigstens einmal das Setting ausprobieren.

Ich hab dieses Jahr drei Bücher veröffentlichen können (als Ebooks und Print) - alle bei unterschiedlichen Verlagen. Ich finde das ist gar nicht so wenig für jemanden, der das nicht hauptberuflich macht. Die Sachen für nächstes Jahr sind unterschrieben und ich kann also weitermachen. Wenn ich also kontinuierlich weiterarbeite, dann glaube ich, dass ich daraus auch etwas machen kann.
Mir macht übrigens auch der Werbekrempel Spaß (aber ich bin auch Sales Managerin, ich hab damit keinerlei Probleme - nur mit Lesungen, ich lese wie ein Grundschüler auf Koks). Ich bin aber auch Social Media Affin und mache da gerne was.

Wenn ich schreiben will, was ich mag, dann schreibe ich das - schreibe ich gezielt aufs Veröffentlichen hin, finde ich einen Kompromiss mit mir selber.
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: Kerimaya am 04. Dezember 2015, 19:43:15
@Maja  :knuddel: Danke - aber keine Sorge, mittlerweile ist der Knoten geplatzt und ich schreibe wieder (gerne ;))

Ich denke auch, dass sich in der Buchbranche langer Atem auszahlt - und man den auch braucht. Du bist da ein schönes Beispiel und wir haben auch einige andere Autoren hier im TiZi, die dafür gute Beispiele sind. Wie gesagt, der Job ist auch ein Traumjob und ich will ihn nicht missen, aber man darf halt nicht glauben, dass er absolut ohne Schattenseiten funktioniert.
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: Zitkala am 04. Dezember 2015, 20:00:30
@Aurora

Bei dem Artikel war es egal, warum ich mit Schreiben angefangen habe: Wenn sich die Sachen so durchsetzen wie Nina George das schwarz malt, dann haben nicht nur wir Autoren irgendwann das Nachsehen sondern die ganze Branche. Ich bin Buchhändler und mir blutet das Herz, wenn ich sehe wie mit Dingen, die ich so sehr liebe, dass ich sie sogar verkaufen kann und damit sozusagen meinen Lebensunterhalt bestreiten könnte -- wie das mit Füßen getreten wird. Hinzu kommt dann noch die Geringschätzung von mir als Schriftsteller. Ja, das hat mir dann schon die Stimmung verhagelt. Vor allem: Wenn wirklich am Urheberrecht geschraubt wird, hat das nicht nur auf Schriftsteller oder die Buchbranche Einfluss, das nimmt mir auch als Künstler den Boden unter den Füßen weg.

Natürlich bin ich aus mir selbst heraus kreativ. Aber diese Kreativität dann auch tatsächlich in Wörtern oder Pinselstrichen umzusetzen, das entspringt dem Wunsch, es auch zu zeigen. Wenn dem nicht so wäre, würde ich nicht ausgerechnet KaKAO-Karten malen und tauschen.
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: Elona am 05. Dezember 2015, 08:52:42
Ich muss gestehen, dass ich den Artikel nicht gelesen habe. So wie du ihn aber nun beschreibst, werde ich ihn mir mal zu Gemüte führen.

Meine Mutter hatte mal eine Buchhandlung in einem Dorf. Wir mussten irgendwann Insolvenz anmelden, weil sich die Zeiten damals relativ schnell geändert haben bzw. eigentlich war es ein längerer Prozess, aber die Wirkung kam dann schlagartig. Auch durch Änderungen von Gesetzen, so dass auch das Schulbuchgeschäft wegfiel...
Wie du dir vorstellen kannst, hat sie sehr daran gehangen. Ich kann das also durchaus nachvollziehen.

Ich wollte dir mit meiner Aussage keinesfalls zu Nahe treten und es war wie gesagt erst einmal eine Unterstellung bzw. Vermutung. Bitte verzeih mir, sollte das nun der Fall gewesen sein.
Ich kann deine Argumentation voll und ganz nachvollziehen. Aber nehmen wir wirklich mal an der worst Case trifft ein, würdest du tatsächlich aufhören? Für immer? Wäre es nicht eher so, dass es eine Zeitlang Widerstand und Unzufriedenheit gäbe und das man sich dann "einfach" anpasst und irgendwie doch weiter macht?
Ich glaube bei mir wäre dem so. Für sehr lange Zeit habe ich meine kreative Ader unterdrückt. Das Ergebnis ist, dass sie einfach raus will aber ich mache das jetzt tatsächlich für mich und nicht für andere. Das hat aber auch sicherlich etwas mit meiner Vergangenheit zu tun.  ...ok, dass hört sich jetzt ein wenig doof an. Ich hoffe du weißt, wie ich es gemeint habe.
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: Lina Franken am 05. Dezember 2015, 15:18:09
Ich kann ein Lied davon singen, wie es ist, sich mit miesen Jobs, die man nicht ausstehen kann, durchs Leben schlagen zu müssen. Gerade wenn man, wie ich, in der früheren Jugend den Zug verpasst hat, was "Vernünftiges" zu erlernen und einem nur noch Hilfsjobs bleiben, in denen man ständig mies behandelt und schlecht bezahlt wird. Letztendlich habe ich von all den schlechten Hilfsjobs, den einen gewählt, der mir viel Zeit zum Schreiben lässt.

Eine Selbstständigkeit sehe ich aber auch nicht rosig. Ich habe großen Respekt vor denen, die den Sprung wagen und sich jeden Tag aufs neue durch ihre Selbständigkeit kämpfen, gerade auch weil die Branche immer unsicherer wird. Da bin ich aber zu pessimistisch und kontrollsüchtig um ein größeres Risiko einzugehen. Würde also eventuell einen Mittelweg aus Teilzeit-Job und Teilzeit-Autor bevorzugen.

Aber einem Unangenehmen Gedanken muss man sich meiner Meinung nach ernsthaft stellen: Es könnte sein, das sich NIEMALS irgendwas von dem verkauft, was ich schreibe! Hier ergibt sich schon fast eine Grundsatzfrage: Warum überhaupt schreiben? Ab in die Tonne mit dem Mist und eine Umschulung zu was Vernünftigem machen! Aber dann sehe ich durch das Fenster, sehe den Mond und muss an das eine Kapitel denken, das ich so liebe... Und ja...

Es ist Liebe! Ich schreibe aus Liebe. :wolke: Das ist schon OK, wenn ich vielleicht nie Erfolg haben werde, denn letztendlich schreibe ich aus Liebe zum Schreiben. Klar ist es schön, für seine harte Arbeit anerkannt zu werden, aber für mich stellt sich eher die Frage: Was möchte ich vom Leben? Ist das Schreiben nur ein Hobby oder ein möglicher Beruf? Oder gibt das Schreiben meinem Leben einen größeren Wert, einen bedeutenden Sinn? Das Schreiben bleibt für ich etwas, das mich glücklich macht und mit Sinn erfüllt, auch wenn mir niemand dafür auch nur einen Cent gibt. Was solls, gibt schlimmeres, als meinen miesen Alltagsjob.
Kinder bekommt man ja auch nicht, weil man hofft, dass sie Präsident werden, sondern weil man sie ihretwegen lieben und aufwachsen sehen möchte :-) Und genauso sehe ich das mit meinen Büchern.

Sorry, ist jetzt etwas pathetisch geworden  ::)
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: Zitkala am 05. Dezember 2015, 21:36:30
@Aurora

Ach, alles gut. :) :knuddel: Ich wolle auch nicht... "schimpfig"(?) rüber kommen. Du bist mir auch nicht zu nahe getreten, ich mein, wir kennen uns (noch) nicht bzw. die Beiträge voneinander, da lässt sich das auch schlecht einschätzen.
Nina George fokussiert in ihrem Artikel aber letztlich nur die Schriftstellersicht, weil die Federwelt halt für Schriftsteller ist. Auswirkungen auf die Buchbranche oder andere Zweige der Kunst, habe ich mir selbst dazu gedacht. Zumindest kann ich mir nicht vorstellen, dass noch viel Buchbranche übrig bleibt, wenn die Urheber, die am Anfang jeder Verwertungskette stehen, null, nada und niente kriegen.

Zitat
Wäre es nicht eher so, dass es eine Zeitlang Widerstand und Unzufriedenheit gäbe und das man sich dann "einfach" anpasst und irgendwie doch weiter macht?

*Schultern zuckt* Ich denke mindestens einmal die Woche, oder zumindest alle zwei, daran, einfach aufzuhören. Die Erfolge im Schreiben, mit denen ich mich messen lassen will, die stellen sich nicht ein. Seit Jahren. Warum? Weil ich dann doch viele andere Dinge machen und 90% des Jahres eher rumsitze und mir im Kopf Gedanken mache oder Gedankenspielchen aufschreibe als tatsächlich die Geschichte zu tippen. Der NaNoWriMo war in den letzten Jahren der einzige Monat, bei dem ich wirklich geschrieben habe. Das Schreiben loszulassen, würde vermutlich weh tun, lange sogar. Vermutlich würde ich auch aufhören (Romane und Comics) zu lesen. Vermutlich würde ich auch das Malen einstellen. Nur: Dann habe ich Zeit und mit was soll ich die füllen? Es gibt Zeiten, da zocke ich sehr gern und ausgiebig, aber es wäre kein Hobby vergleichbar wie das Schreiben. Tatsächlich käme mir das doch noch mehr wie eine Realitätsflucht, wie ein Leben im Traum, vor als das Schreiben. Was ich sagen will: Ich habe nix womit ich die plötzliche Zeit füllen könnte. Also bleibe ich dabei. Auch, weil ich nicht aufgeben will, und dann auch noch so einen blöden Hang zur Selbstgeißelung habe. ;D (Ich mein, mal ehrlich, dieses Jahr wollte ich Doppel-NaNo schreiben. :rofl: Habe allerdings dann doch nur einen geschafft.)
Aber das Nicht-Aufgeben richtet sich auch an Lorbeeren aus wie eine Veröffentlichung, wie stetige Veröffentlichungen, wie stetige Lesern. Für Luft und Liebe allein will ich das aber auch nicht tun. Ich habe nur das eine Leben, und davon will ich nichts verschenken. (Außer an meinen Partner vll., aber das ist nochmal etwas anderes.)
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: Feuertraum am 05. Dezember 2015, 21:46:00
Ich habe längere Zeit mit mir gerungen, ob ich etwas zu diesem Thema schreibe oder nicht. Letztendlich habe ich mich dazu entschieden, weil ich einen Post von Aurora nicht unterschreiben mag:


Irgendwann und irgendwie sind wir eben da hingekommen, wo wir nun stehen. Wir waren damals der Auffassung gewesen, dass dies eben der beste und geeignetste Weg für uns sei. Oder wir glaubten es gäbe keinen anderen (auch möglich).

Diese Aussage kann ich beim besten Willen nicht unterschreiben. Es wird sicherlich den einen oder anderen Menschen geben, dem Fortuna tatsächlich mit ihrem Füllhorn sämtliches Glück mit auf dem Lebensweg gab und für den sich tatsächlich alles Wunderbare ereignet.
Ich wage aber einmal zu behaupten, dass ein sehr großer Teil eben keine wirkliche Entscheidung traf oder noch treffen kann.
Die Schule: entscheiden die Eltern aufgrund von Empfehlungen der Lehrkräfte.
Ausbildung: zwischen Drang vom Arbeitsamt und der Überlegung, ob dieser Beruf überhaupt noch frei ist. Oder die Familie, die auf irgendwelche Traditionen pocht und darauf drängt, den Beruf aufzunehmen, die schon Vater und Großvater und Urgroßvater ausgeübt haben, egal, ob Junior andere Vorstellungen von seinem (Arbeits)Leben hat.
Und der andere Weg?
Stets versucht, nie erreicht, weil immer wieder Andere als Türsteher fungieren und einen zurück auf den Weg "prügelten".
Von daher lehne ich mich weit aus dem Fenster und behaupte: Nicht wir haben uns für einen Weg entschieden, der Weg wurde für viele von uns entschieden.

Zitat
Wenn wir uns also dazu entschieden haben, diesen Weg zu gehen, weil wir zuvor unzufrieden waren, wie oft wollen wir das noch machen?

Auch da erlaube ich mir ein kleines Veto: Ihrer Aussage nach wäre jeder Wechsel eines Weges automatisch ein ebenfalls unzufriedenes Stück Weg. Vielleicht ist dies der Fall, dass kann nicht ausgeschlossen werden. Aber ist es nicht auch im Bereich des Möglichen, dass genau dieser Weg der richtige ist? Oder zumindest wenigstens so, dass man weniger unzufrieden ist.

Zitat
Manchmal geht es einfach darum glücklich und zufrieden zu sein, mit dem was man hat.


Einen Job, der an den Nerven zehrt, Stress bedeutet und irgendwo auch repetitiv ist?
Einen Traum, der sich nicht erfüllt, weil man immer wieder "falsche" "Prüfziffern" hat?
Eine Konvention, aus der man sich nicht befreien kann, weil ein jeder erwartet, dass man funktionieren soll?

Ich wäre gerne glücklich und zufrieden, aber das geht nicht, in dem ich mir einrede, dass mein Job prima und toll und fantastisch ist. Oder meine Vergangenheit das beste, was mir je passieren konnte.
Es geht nur, wenn ich kurz bevor ich eine Hand, die sich mir entgegenstreckt und mir eine Chance für ein für mich besseres Leben gibt, erreiche und fasse und mich hineinziehen lasse, eben kein Bodycheck kommt, der mich wieder auf meinen Weg stößt und hinterherhöhnt "Du kommst hier nicht rein".

Ja, ich wäre gerne ... naja ... nicht unbedingt nur Autor, sondern eher Unterhalter in unterschiedlichen Bereichen. Aber durch die Entscheidungen Anderer wird sich das wohl nie erfüllen  :'(


Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: Elona am 06. Dezember 2015, 09:12:35
@Feuertraum

Manchmal ist es so und manchmal anders. Das grobe Verallgemeinerungen nicht auf jeden zutreffen (egal wer sie macht), dürfte klar sein. Genauso, das dies eine subjektive Bewertung von Situationen ist.

Zitat
Diese Aussage kann ich beim besten Willen nicht unterschreiben. Es wird sicherlich den einen oder anderen Menschen geben, dem Fortuna tatsächlich mit ihrem Füllhorn sämtliches Glück mit auf dem Lebensweg gab und für den sich tatsächlich alles Wunderbare ereignet.
Ich wage aber einmal zu behaupten, dass ein sehr großer Teil eben keine wirkliche Entscheidung traf oder noch treffen kann.
Die Schule: entscheiden die Eltern aufgrund von Empfehlungen der Lehrkräfte.
Ausbildung: zwischen Drang vom Arbeitsamt und der Überlegung, ob dieser Beruf überhaupt noch frei ist. Oder die Familie, die auf irgendwelche Traditionen pocht und darauf drängt, den Beruf aufzunehmen, die schon Vater und Großvater und Urgroßvater ausgeübt haben, egal, ob Junior andere Vorstellungen von seinem (Arbeits)Leben hat.
Und der andere Weg?
Stets versucht, nie erreicht, weil immer wieder Andere als Türsteher fungieren und einen zurück auf den Weg "prügelten".
Von daher lehne ich mich weit aus dem Fenster und behaupte: Nicht wir haben uns für einen Weg entschieden, der Weg wurde für viele von uns entschieden.
Ich hatte hierzu schon eine Antwort getippt, war aber dann der Meinung, dass wir off topic geraten. Ich glaube wir würden hier in einer Grundsatzdiskussion landen, wie Dinge/Situationen im Leben zu bewerten sind.
Wenn Sie jedoch möchten, können Sie gerne ein Thema irgendwo eröffnen (da ich mich hier noch nicht so gut auskenne). Dort könnten wir das Thema gerne weiterführen bzw. vertiefen.

Ich gab diese Antwort zuvor auf den konkreten Fall bezogen. Da ich empfand (natürlich subjektiv), dass mir diese Situation sehr bekannt vorkam und ich mich an meine vergangene Erfahrung erinnert gesehen habe. Ebenso wie das:

Zitat
   
Zitat
Wenn wir uns also dazu entschieden haben, diesen Weg zu gehen, weil wir zuvor unzufrieden waren, wie oft wollen wir das noch machen?

Auch da erlaube ich mir ein kleines Veto: Ihrer Aussage nach wäre jeder Wechsel eines Weges automatisch ein ebenfalls unzufriedenes Stück Weg. Vielleicht ist dies der Fall, dass kann nicht ausgeschlossen werden. Aber ist es nicht auch im Bereich des Möglichen, dass genau dieser Weg der richtige ist? Oder zumindest wenigstens so, dass man weniger unzufrieden ist.

war wirklich nur auf die konkrete Situation bezogen, weil es mir so vorkam. Ich glaube, aber das ist wieder eine Unterstellung, dass das was ich sagen wollte bei der Person auch angekommen ist.

Natürlich kann das sein. Deshalb schrieb ich am Anfang meines zweiten Textes dass es Situationen gibt, in denen ich der Meinung bin, dass man sie sogar ändern sollte. Hier würden wir dann aber vermutlich wieder in einen anderen, allgemeineren Bereich landen.

Und auch der letzte Satz den Sie zitiert haben bezog sich wirklich nur auf diese Situation.

Ob meine Aussage, die eine Behauptung war, zutreffend ist, kann nur die besagte Person selbst entscheiden und selbstverständlich kann ich damit auch vollkommen danebengelegen haben. Wie ich auch schrieb, sollte das nur zum Nachdenken anregen und mehr nicht. 

Fazit: Also, hätte ich mich nicht so stark an mich selbst erinnert gesehen, hätte ich eine solche explizite Aussage nicht getroffen, weil ich selbst weiß, dass man sie nicht verallgemeinern kann bzw. sollte.  :)   


@Zitkalasa: Da bin ich beruhigt.  :)



Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: Aljana am 06. Dezember 2015, 10:25:30

Ich nehme buchstäblich die Low Road, hangle mich mit Ebookveröffentlichungen nach oben, werde nächstes Jahr meine erste Druckausgabe haben und denke, wenn alles glatt geht, ab 2017 zwei Romane pro Jahr herausgeben zu können (habe ich jedenfalls mit meiner Agentin drüber geflaxt: Hm, Verlag XY prüft mein Jugendbuch - im Frühjahr 2017 hätte ich noch eine Veröffentlichungskapazität frei. ;) ). Ich muss mir diesen langen Atem erst mal vom Mund absparen - aber ich gebe die Hoffnung nicht auf, dass es sich auf die lange Sicht auszahlt.

@Maja Ja, so wie ich das in der Branche wahrnehme ist es aber ein Weg, der sich irgendwann auszahlen wird, zumindest, wenn man konstant und zuverlässig gut schreibt (Was du mMn tust. Denn ich habe mittlerweile in mehr als eines deiner Projekte hineingelesen).
Die Sache mit dem vollberuflichen Schriftsteller ist halt, wie du schon sagst, super anstrengend. Man muss das wollen und man muss das finanziell irgendwie können (Zweites Einkommen durch Ehepartner etc. ).
Irgendwo habe ich mal die Zahl 7 gelesen. 7 Jahre würde es im Durchschnitt dauern, bis ein Autor vollberuflich vom Schreiben leben kann. Das ist hart. Ist aber in anderen Branchen nicht anders. Alles was in irgendeiner Weise mit kreativer Arbeit zu tun hat, ist ein harter Weg und reich werden so wenige, obwohl so viele es mehr verdient hätten, als alle Banker und Börsenbroker dieser Welt.
Aber ich glaube auch daran, wenn man an seinen Träumen festhält, kann man dahin gelangen. Wenn man es gar nicht erst versucht, wird man nie wissen, ob man es geschafft hätte.

Darum an euch alle: Haltet durch. Für euch und eure wundervollen Geschichten. :)  :knuddel:
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: Maja am 06. Dezember 2015, 20:28:39
Irgendwo habe ich mal die Zahl 7 gelesen. 7 Jahre würde es im Durchschnitt dauern, bis ein Autor vollberuflich vom Schreiben leben kann.
Die Rechnung kenne ich auch. Meine sieben Jahre sind noch nicht rum, aber ich weiß, wie diese Zahl zustandekommt: Das rechnet ein, dass man zwar jedes Jahr nur so-und-soviel Euro an Vorschüssen reinholt, aber irgendwann genug lieferbare Titel auf dem Markt hat, um ein solides Einkommen aus der Backlist zu beziehen, also aus den Tantiemen für die Bücher, die ihren Vorschuss wieder reingeholt haben oder für die es von vornerein gar keinen Vorschuss gab. Meine letzte Neuerscheinung war 2013, trotzdem habe ich in diesem Jahr besser verdient als in allen davor, weil dank Verlagsaktionen und Werbung das Puppenzimmer solide jeden Monat dreistellige Stückzahlen verkauft und das natürlich zum Teil auch bei mir landet, und dazu der halbe Vorschuss von K-C sich natürlich auch bemerkbar macht.

Leider spielen zu viele Bücher, gerade im Fantasybereich, ihren Vorschuss nicht ein - deswegen hoffe ich inständig, dass ich 2020 auf eigenen Beinen stehe. Darauf verlassen kann ich mich aber leider nicht.
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: Aljana am 06. Dezember 2015, 20:50:29
Zitat
Leider spielen zu viele Bücher, gerade im Fantasybereich, ihren Vorschuss nicht ein - deswegen hoffe ich inständig, dass ich 2020 auf eigenen Beinen stehe. Darauf verlassen kann ich mich aber leider nicht.

Ich wünsch es dir aber ganz doll  :knuddel: damit die Leser endlich den 'Majafaktor' kennen. ;)

Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: Alana am 06. Dezember 2015, 20:55:30
Mit ein bisschen Glück kann man sogar die ersten zwei Jahre davon leben, wenn man gute Verträge bekommt, die Kunst ist, es länger zu schaffen und entsprechend gute Folgeverträge zu kriegen, das wird leider immer schwerer, eben weil viele Autoren ihre Vorschüsse nicht einspielen können und die Verlage dann was Neues versuchen wollen. :( Aber ich denke mir immer, dass es nirgendwo Sicherheit gibt und ein Agenstellter kann auch mit Mitte 40 auf der Straße stehen, ohne Aussicht, wieder etwas zu finden. Wir hingegen haben immer unsere Kreativität und werden immer einen Weg finden, irgendwie weiter zu machen.  :)
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: Maja am 07. Dezember 2015, 02:28:41
@Alana
Wir gehen auch nicht mit 65 in Rente. Ich gedenke ja zu schreiben, bis mir buchstäblich die Feder aus der Hand fällt - was auch daran liegen kann, dass meine bisher erworbenen Rentenansprüche abgründig schlecht sind und auch mit einer KSK-Mitgliedschaft nie auf ein Maß anwachsen werden, das mich im Alter wird ernähren können. Aber ich vertraue auf meine guten Gene, lange durchzuhalten. Meine eine Oma ist 95 geworden, die andere lebt noch mit 96, und ein Großvater (den ich nie gekannt habe) ist auch irgendwas über 90 geworden. Das gibt mir noch viel Zeit, Titel auf die Backlist zu bekommen.
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: Trippelschritt am 07. Dezember 2015, 07:01:17
Jedes einzelne Buch ist ein neues Risiko, für den Verlag und auch für den Autor. Aber wenn sich das erste und das zweite Buch erst einmal einigermaßen verkaufen, dann baut sich eine kleine Fangemeinde um einen herum auf und ein kontinuierliches Einkommen - wenn auch schwankend - stellt sich langsam ein. Allerdings hilft es, wenn man jedes Jahr mindestens ein Buch auf den Markt bringt. Als Neuerscheinung eines bereits etwas bekannten Autors gibt es dann immer eine kleine Verkaufsspitze von der ab es dann e-funktionsmäßig wieder abwärts geht. Aber wenn sich genügenden Verkaufskurven überlagern, stellt sich doch irgendwann so et2was wie Erfolg ein. Ausgesprochende Longseller sind selten Leider!

Liebe Grüße
Trippelschritt
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: FeeamPC am 07. Dezember 2015, 10:35:56
Eine Veröffentlichung im Jahr ist zu wenig, wenn man nicht schon einen bekannten Namen hat. Es müssen mindestens zwei sein (wobei die zweite durchaus auch aus Self-publihed-Kurzgeschichten bestehen darf). Ein noch nicht bekannter Autor muss schnell produzieren, sonst haben ihn seine Leser bis zum nächsten Buch vermutlich völlig vergessen, und er fängt sein ganzes Marketing wieder bei Null an.
Wobei häufige Veröffentlichungen nicht nur bei Self-Publishern, sondern auch bei Kleinverlagen die Basis-Marketingstrategie sind. Und das Einzige, was man ohne finanzielle Verbiegungen hinkriegen kann.
Wer also vorhat, vom Schreiben zu leben, sollte sich besser einstellen auf Frust und viel, viel Arbeit sowie schnelles Produzieren.

Ich weiß, das klingt schrecklich.  Aber davon ab kommt man nur, wenn man sich von der Vorstellung verabschiedet, tatsächlich Geld damit zu verdienen. Wenn das sekundär wird, das Schreiben an sich primär ist, dann kann man natürlich Schriftsteller nicht nur werden. sondern direkt sein.
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: Tigermöhre am 07. Dezember 2015, 14:02:50
Ich finde eure Ausführungen sehr spannend. Denn: Ich will auch hauptberufliche Schriftstellerin sein!
Mir ist bewusst, dass das ein Haufen Arbeit ist, aber alle Argumente dagegen schrecken mich nicht. Für mich wäre das aber auch kein Risiko, da ich zur Zeit Hausfrau in Elternzeit bin, mit einem Mann, der genug für unsere Familie verdient.
Das einzige, was ich machen müsste, wäre mich endlich mal hinsetzen und es tun. Und da bin ich gerade auf den Weg zu.
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: Alana am 07. Dezember 2015, 14:35:05
@Maja: Geht mir genauso. Bin mal gespannt, was ich dann so für Sachen schreibe. ;D
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: HauntingWitch am 07. Dezember 2015, 17:42:13
Ich finde eure Ausführungen sehr spannend. Denn: Ich will auch hauptberufliche Schriftstellerin sein!
Mir ist bewusst, dass das ein Haufen Arbeit ist, aber alle Argumente dagegen schrecken mich nicht. Für mich wäre das aber auch kein Risiko, da ich zur Zeit Hausfrau in Elternzeit bin, mit einem Mann, der genug für unsere Familie verdient.
Das einzige, was ich machen müsste, wäre mich endlich mal hinsetzen und es tun. Und da bin ich gerade auf den Weg zu.

Dann bist du schon einen Schritt weiter als ich. Einfach Tun ist bei mir nicht drin, ich muss noch den Brotjob machen, um meine Wohnung und mein Essen bezahlen zu können. ;D

Aber im Moment geht es mir wieder gut und wie länger ich darüber nachdenke... Dieser Brotjob finanziert mir nicht nur das Brot ganz gut. ;) Ausserdem weiss ich gar nicht, ob ich dazu geeignet wäre. Ausgefeiltes Exposé im Vorfeld abgeben? Und vor allem, sich dann ganz genau daran halten? Wissen, wie es ausgeht, bevor ich anfange? Mein momentaner kreativer Prozess ist ein völlig anderer und ich denke immer, wenn es dann soweit ist, dass ein grosser Verlag mich will, finde ich schon einen Weg. Aber was, wenn nicht? Ich tendiere langsam zu dem Gedanken, dass der Erfolg als Selfpublisher das Erstrebenswerteste ist, aber dann ist davon leben können und Bestseller (natürlich nicht nur einen, sondern mehrere, damit es auch über die Jahre hinweg hält, was Alana sagt) wahrscheinlich ein noch schwieriger zu erreichendes Ziel.

Ich glaube, ich muss es wirklich so machen, wie Aurora geschrieben hat. Akzeptieren. Alles, auch den Brotjob, die ewige Unzufriedenheit und diese Frustphasen, die daraus manchmal entstehen. Anders gehe ich sonst unter. Und ich habe immerhin jetzt einen guten Brotjob und nicht (mehr) einen Bimbo-Job oder etwas ähnlich Schlimmes.
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: Maja am 07. Dezember 2015, 17:51:07
@Witch
Wenn du nicht gut nach Exposee schreiben kannst, dann mach es wie ich: Schreib das Buch, und wenn es gut wird, biete es an. Wobei man damit nur so-und-so-oft durchkommt. Ich stehe jetzt ja auch da, wo ich ein Exposee abgebe und mich dann daran entlangenhangele. Und man braucht einen Agenten, der dabei mitspielt, und die Zeit, Bücher zu schreiben, die am Ende dann doch keiner kauft. Für mich ist das trotzdem meine bevorzugte Arbeitsweise. Funktioniert also doch.
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: Alana am 07. Dezember 2015, 18:07:11
@Witch: Als Selfpublisher musste du, um wirklich erfolgreich zu sein, eigentlich alle 3 Monate ein Buch veröffentlichen, sonst bist du schnell weg vom Fenster. Ausnahmen bestätigen sicher die Regel, aber das ist das, was ich so bei anderen mitbekomme. Was das Schreiben nach Exposé angeht: Die Verlage kaufen inzwischen lieber ganze Manuskripte, selbst dann, wenn der Autor schon veröffentlicht ist. Ist der Autor beim gleichen Verlag und es geht um ein Nachfolgeprojekt, sieht das schon ganz anders aus und natürlich bekommt man ein Projekt auch mit Exposé und Leseprobe verkauft, aber bessere Chancen auf gute Angebote hat man wohl, wenn das Manuskript fertig ist. Erfolgreiche, gut eingeführte Autoren mal ausgenommen. Deswegen spricht überhaupt nichts dagegen, erst zu schreiben und dann anzubieten. Die einzige Gefahr ist, wie Maja sagt, dass du auf Manuskripten sitzen bleiben könntest, und das kann man sich als Berufsautor nur bedingt leisten. Nicht nur, weil dann Vorschuss zum Leben fehlt, sondern auch, weil dann unter Umständen eine Lücke bei den Veröffentlichungen entsteht. Trotzdem ... ich versuche gerade selbst, einen Mittelweg zu gehen, und einige Projekte erst mal zu schreiben, bevor ich sie anbiete. Gleichzeitig schreibe ich weiter die Sachen, die ich mit Exposé und Leseprobe verkaufe. So hoffe ich, auf eine gute Balance zu kommen. :) Denn nur ungeschriebene Projekte zu verkaufen, ist schon ein Stressfaktor.
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: Grey am 07. Dezember 2015, 19:59:04
Ich möchte doch gerade noch mal relativieren, was Fee zuletzt gesagt hat: Tatsächlich reicht ein Buch im Jahr bei Publikumsverlagen völlig, um halbwegs im Gedächtnis zu bleiben (wie es bei Kleinverlagen oder im Selfpublishing ist, weiß ich allerdings nicht, weil ich da keine Erfahrungen habe). Wenn ein Buch halbwegs gut verkauft, merken die Leser sich das schon ein Jahr lang, sogar länger - ich zumindest habe immer das Gefühl gehabt, sehr treue Leser zu haben. Wenn das Buch sich aber nicht verkauft, nützt auch eine zweite Veröffentlichung innerhalb eines Jahres nichts. Das ist zumindest meine Erfahrung.
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: FeeamPC am 07. Dezember 2015, 21:00:23
@Grey:
Publikumsverlage haben etwas, das Kleinverlage und Selfpublisher nicht haben: Buchhandelspräsenz. Da kann durchaus ein Buch pro Jahr reichen.
Für diejenigen, die nie in die Buchhandlungen kommen, bleiben nur die virtuellen Regale bei Amazon und Co. Und da verschwindet man verdammt schnell aus der Sicht potentieller Kunden, wenn der nächste Schwung von 10000 Neuerscheinungen reinkommt. Es ist eine wahre Maloche, dann immer noch häufig genug zu veröffentlichen, dass man sichtbar bleibt.
Aber auch Kleinvieh macht Mist. Von einem Buch, das sich nur dreimal im Monat verkauft, kann niemand leben, das reicht höchstens für eine Pizza. Bei 10 Büchern kriegt man immerhin schon den halben Monat Pizza. Und bei 100  Büchern kann man anfangen, auch mal einen gepflegten Salat zu essen und Rotwein dazu zu trinken. Und, mal weitergeträumt: Bei 1000 Büchern könnte man auch bei minimalen Verkäufen davon leben. Allerdings bräuchte man dann zum Schreiben vermutlich mehr Zeit, als die meisten von uns in ihrem ganzen Leben haben.
Und man müsste Bücher haben, die nie so unmodern werden, dass sie überhaupt nicht mehr gekauft würden.
Sozusagen die eierlegende Wollmilchsau.
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: HauntingWitch am 08. Dezember 2015, 11:28:24
Das beruhigt mich doch ein wenig, @Maja und Alana. Das mit der Anzahl Veröffentlichungen pro Jahr ist so eine Sache. Ich glaube, ich halte mich momentan noch relativ gut, aber es gibt sicher bestimmte Tendenzen. Ich muss nächstes Jahr mal schauen, wie es dann weiter läuft, wenn ich den nächsten Roman draussen habe.

Seit heute bin ich nach drei Tagen Wochenende wieder im Büro und mir fällt etwas auf an unserem Big Boss. Der ist total verbissen und er wirkt nicht glücklich. Letzten Freitag hat er versucht, mir zu erklären, warum Dinge wie Küche aufräumen etc. so wichtig sind und erzählt, dass er am Wochenende das Büro putzt (er könnte sich doppelt und dreifach eine Putzfrau leisten). Da war ich erst einmal baff. Also, worauf ich hinaus möchte, ist: Diese Firma ist das einzige, was er hat im Leben. Ich meine, er hat noch eine Familie, aber das war's dann. Keine Hobbies, einfach nur dieser Job und der Erfolg. Und wenn ich mir das so überlege und sehe, wie verbissen der ist, dann denke ich, nein, ich will nicht so werden. Wenn Schriftsteller mein Job wäre, würde ich dann so werden? Andererseits gibt es ja auch Gegenbeispiele (bzw. das wissen wir ja nicht so genau) und ich denke, lass dir den Traum nicht von so etwas kaputt machen, lass dich nicht beeinflussen... Aber irgendwie beschäftigt einen das halt doch. Sorry für mein endloses Redebedürfnis.
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: Elona am 08. Dezember 2015, 11:44:42
Ach Witch  :knuddel:
Du quälst dich auch gerne selbst, hm?

Ich denke man hat bei allem was man macht seine Höhen und Tiefen. Auch bei etwas, dass einem eigentlich Spaß macht und das einem etwas gibt.

Das ist jetzt wieder mal nur meine Meinung: Sobald du glaubst nur eine Sache im Leben zu haben oder dich aus ihr heraus definierst, wirst du vermutlich eine gewisse Verbissenheit entwickeln.
Ich habe das bei einer Kollegin von mir erlebt. In meinen Augen ist das auf Dauer weder gesund, noch macht es einen glücklich.   

EDIT: Das war jetzt eine allgemeine Aussage und nicht auf dich bezogen. Ich weiß, was du meinst und es gibt Menschen, da funktioniert das. Die haben aber eben nicht nur einen Klotz im Leben, sondern ihr Leben besteht aus ganz vielen kleinen Steinchen.
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: Entropy am 08. Dezember 2015, 12:33:49
Ich denke am Ende kommt es nicht darauf an, welchen Job man hat, sondern welche Einstellung. Man muss sich ab und zu fragen, ob das, was man tut, einen unglücklich macht. Manche Menschen brauchen diese Verbissenheit, diesen Ehrgeiz, das Gefühl alles im Leben für die Karriere zu geben. Andere macht es auf lange Sicht kaputt, manchmal ohne dass sie es wahrhaben wollen. Die Gefahr besteht immer, in allen Berufen.

Stell dir konkret dein Leben als freie Schriftstellerin vor und sei ehrlich zu dir. Würdest du dir noch Freizeit gönnen oder alle Zeit dafür verwenden das nächste Manuskript fertigzuschreiben? Würdest du dich noch zwanglos mit deinen Freunden treffen, dir auch mal einen freien Abend nehmen und an etwas anderes denken als dein Buch? Es ist wichtig, dass man außerhalb seines Jobs noch andere Interessen und Tätigkeiten pflegt und das gilt auch für Autoren. Ansonsten entwickelt man diese Verbissenheit und Einseitigkeit, vor der du Angst hast.

Ich sage auch, lass dir den Traum nicht kaputtmachen. Aber investier auch nicht deine gesamte Energie in dieses eine Ziel, sonst könntest du die Freude daran schnell verlieren.
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: Araluen am 08. Dezember 2015, 12:43:28
Das kann ich unterschreiben, Entropy.
Früher dachte ich immer, ich wäre ein Karrieremensch. Verbissen habe ich auf Leistung gepocht und genau wegen dieser Verbissenheit und weil mir zu einem guten Teil auch das Privatleben dazwischen kam, keine Leistung mehr gebracht.
Das Ergebnis sind zwei gekippte Studien und ich sitze nun mit 30 Jahren im zweiten Lehrjahr einer Ausbildung. Um Haaresbreite bin ich an einer Depression vorbei geschrammt, vor der mich nur mein Mann und meine Kinder bewahrt haben.
Das hat jetzt nichts mit dem Schreiben direkt zu tun, hat mir aber gezeigt wie meine Prioritäten liegen.
Bei mir ist das die Familie. Der Job soll Spaß machen und gutes Geld rein bringen, nur aufreiben will ich mich nicht dafür. Damit bringe ich es zwar nie in die Chefetage. Aber was soll es? Für mich wird Schreiben deshalb wohl auch immer nur ein Hobby bleiben - hoffentlich eines, dass ich auch mal in der Buchhandlung bestaunen kann. Denn wenn man davon leben möchte, reibt man sich dafür auf, so wie ich das hier bisher gelesen habe. Ich für meinen Teil bin glücklich mit dieser Entscheidung.
Aber die muss jeder für sich selbst treffen. Doch ich denke, es ist kein Beinbruch oder eine Niederlage, wenn nicht jeder hier von dem Leben kann, was er schreibt. Das wichtige ist doch, dass es uns Spaß macht zu schreiben.
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: HauntingWitch am 08. Dezember 2015, 12:59:52
Ach Witch  :knuddel:
Du quälst dich auch gerne selbst, hm?

"Gerne" ist gut. ;D Ja, vielleicht sollte ich mir ein weiteres Hobby zulegen oder zwei.

@Entropy: Ich glaube, das ist es eben, ich weiss nicht, ob ich das alles noch tun würde. Andererseits habe ich das Gefühl, das ist dann halt der Preis. Ob er es wert ist, weiss ich auch nicht. Andererseits will man ja nicht so eine traurige Gestalt werden... Ich bin einfach ständig hin- und hergerissen.
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: Lina Franken am 18. Dezember 2015, 03:42:16
Ich kann mich auch Araluen anschließen.
Ich habe direkt nach meiner Volljährigkeit angefangen zu arbeiten und ohne eine Ausbildung nen guten Job bekommen, der gut bezahlt wurde. Dafür war ich 70 Stunden die Woche im Büro und mein gutes Gehalt ging hauptsächlich für Alkohol drauf um die Depressionen zu ertrinken. Als mein Chef dann mal sagte, er findet es toll wie fleißig ich bin und das er sich vorstellen kann, das ich bis zur Rente zur Firma gehöre, wollte ich am liebsten aus dem Fenster springen. Zum Schluss hatte ich mit gerade mal 21 Jahren meinen ersten Krankenhaus-Aufenthalt wegen Burnout und musste aufhören.
Seit dem finde ich nur Aushilfsjobs, bin aber viel glücklicher als früher! Jetzt ist der Job nur eine Nebensächlichkeit und der Mittelpunkt meines Lebens sind meine Familie und das Schreiben.
Aber ich glaube auch nicht, das es genauso enden würde, wenn ich Vollzeit-Schriftsteller werden würde, weil ich das schreiben Liebe und dieses Wort früher nie für andere Jobs benutzt hätte. Es ist für mich das Gleiche wie mit der Familie, die ich auch nicht aufhören würde zu lieben, nur weil sie mich öfter nerven und stressen.
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: Cailyn am 01. Februar 2016, 16:55:15
Hallo meine Lieben

Ich war jetzt monatelang nicht mehr wirklich im Forum unterwegs. Seit August letzten Jahres bin ich nun selbständig, arbeite in einem therapeutischen Beruf. Das war - nebst dem Schreiben - ein weiterer Traum von mir. Meine eigene Praxis, meine Klienten haben. Während ich diese Praxis aufgebaut habe, war ich noch voller Elan, habe vieles auf die Beine gestellt (Website, Blog, Flyer, Visitenkarten etc.). Auch die Einrichtung meiner Praxis war ein ziemlicher Aufwand, weil ich wollte, dass alles perfekt ist. Aber dann.... gähnende Leere, Motivationslosigkeit und Trägheit. Dass die Leute mir nicht von heute auf morgen die Bude einrennen, war mir ja klar. Aber ich habe das nicht als Anlass gesehen, noch mehr für die Praxis zu tun.

Es sind nun 7 Monate vergangen, und Anfang Jahr habe ich mich ernsthaft gefragt: Warum bist du so passiv? Warum setzt du nicht Himmel und Hölle in Bewegung, um dein Business wirklich zum Laufen zu bringen?

Ja, und dann bin ich im Internet zufällig auf einen Motivationstrainer gestossen (da ging es eigentlich um Männer, die mehr Charisma haben wollen ;)), der war sagte, was mir auch jetzt, noch Wochen später, hängen geblieben ist. Zunächst erzählte er davon, dass Erfolg vor allem auf Freude beruht, Freude etwas zu tun. Dies wiederum geht natürlich in Richtung Talente, die man hat. Der Interviewer hat den Motivationstrainer daraufhin gefragt, woran man denn erkennen kann, dass man seine Berufung gefunden hat. Und er antwortete sinngemäss: "Berufung ist das, was man immer tut, ohne sich jemals dazu verpflichtet zu fühlen, etwas, was keine Motivation braucht, was man nie müde ist zu tun. Es ist das, wofür man morgends freiwillig aufsteht, egal, was es dafür gerade zu tun gibt. Wenn dies zutrifft, dann bist du auf dem richtigen Weg zu deiner Berufung." Also das ist kein Wortzitat, aber so ähnlich hat er es formuliert.

Und mich hat diese Aussage so irritiert, dass ich nun seit 4 Wochen darüber nachgrüble, ob ich es total vergeigt habe, ob ich mir etwas vormache. Und schlimm ist auch: Das einzige, was ich immer voller Elan gemacht habe, ohne Pflichtgefühl, ist das Schreiben meiner Geschichten. Aber irgendwie habe ich in den letzten 2 Jahren gedacht, dass ich ja nicht ewig einen miesen Job machen und privat schreiben kann, um vielleicht irgendwann mal was zu veröffentlichen. Ich wollte schon früher etwas, was mir gefällt. Das Therapieren gefällt mir gut. WENN dann mal jemand in meiner Praxis ist, dann mache ich das wirklich sehr gerne. Dennoch bin ich passiv, nicht angespornt, lasch und faul.

Beim Schreiben war ich das noch nie. Als ich mein letztes Manuskript überarbeitet habe, habe ich so vieles sogar vernachlässigt, dass es schon fast ungesund wurde. Im Grunde habe ich es in einem Dreivierteljahr etwa drei Mal neu geschrieben. Dabei habe ich manchmal die Arbeit vernachlässigt, zu Hause nur noch Fertigmenus gekocht (damit ich rascher wieder Schreiben konnte), habe teilweise Freundschaften vernachlässigt, zu wenig geschlafen, zu viel Kaffee getrunken und bin mit Nackenschmerzen beinhart an der Tastatur gesessen, weil ich das "Ding" einfach fertig kriegen wollte. Es gäbe wohl keine Tätigkeit auf der Welt, für die ich solch ungesundes Verhalten in Kauf nehmen würde, ausser das Schreiben.

Was sagt mir das? Ich weiss es nicht. Bin ich gefangen in einem schlechten Traum? Bin ich uneinsichtig? Ist jeder der schreibt, genau so drauf? Was will ich? Renne ich einer Karotte nach? Ach...

Ich habe jetzt seit 7 Monaten nichts mehr geschrieben. Ich dachte mir, ich verbiete es mir, damit ich meinen Fokus auf die Praxis lenken kann. Es ist mir total leicht gefallen. Ich habe kein angefangenes Projekt, daher habe ich es nicht wirklich vermisst. Aber ich habe es lediglich verdrängt, so dass ich es nicht spüren muss. Mein Mann hält mich momentan für einen gefühlskalten Zombie. Zwar stets gut gelaunt, aber irgendwie doch immer etwas abwesend und ohne viel Gefühl. Das kann nicht gesund sein. Aber ich weiss, dass wenn ich wieder schreibe, dann lasse ich mein anderes Standbein fallen wie eine heisse Kartoffel. Mir ist dann alles Wurscht. Also ist dieses Nicht-Schreiben einfach ein Selbstschutz. Aber irgendwie bin ich deswegen auch im Dilemma, denn ich möchte eigentlich auch kein Zombi sein.... :gähn:
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: Hanna am 01. Februar 2016, 17:13:04
Es fällt mir ganz schwer, dir etwas zu raten und doch habe ich das Gefühl, ich könne nicht einfach nichts sagen. Denn ich habe das Gefühl, dass bei dir einiges im Argen liegt. Ich kann jetzt natürlich nur deinen Text analysieren, aber der wirkt auf mich, als seist du ziemlich ausgebrannt, erschöpft und vielleicht sogar am Rande eines Burnouts. Dazu kommt noch, dass die Praxis scheinbar nicht gut läuft. Das macht natürlich auch Sorgen und trägt nicht gerade zum Wohlbefinden bei.

Allerdings kenne ich es von mir auch, dass ich das Schreiben zum Wohlbefinden brauche. Es ist mir dann vielleicht nicht bewusst, dass das Schreiben der Dreh- und Angelpunkt ist. Mir geht es einfach schlecht, andernort häufen sich die Probleme, was dazu führt, dass ich mich noch weniger aufs Schreiben konzentrieren kann. Sobald ich meinen Fokus wieder aufs Schreiben lege, geht es mir automatisch besser und ich habe plötzlich auch wieder Energie, andere Probleme anzugehen.

Vielleicht würde es dir helfen, einfach mal projektunabhängig nur für dich zu schreiben? So etwas wie Morgenseiten oder ein Tagebuch einzuführen, wo du einfach nur drauflos schreibst?
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: Trippelschritt am 01. Februar 2016, 17:17:13
Grundsätzlich spricht nicht dagegen, dass Du Therapieren und Schreiben gleichzeitig machst. es gibt keine Regel, die das verbietet. Ich habe es schließlich selbst jahrelang gemacht. Und ich habe auch beides mit Freude betrieben, wenn auch der Beruf zuerst kam.
Ob Dir das gelingt ist eine andere Sache, weil ich nicht weiß, was hinter Deiner Lustlosigkeit steht. Und da kann ich Dir auch keinen Rat geben, weil es da viele Ursachen gibt. Zwei Extreme als Beispiel. Wenn Du einfach faul bist, dann reicht ein A...tritt. Wenn eine Depression dahintersteht, brauchst Du unter Umständen professionelle Hilfe. Und zwischen diesen beiden Polen gibt es noch einen ganzen Zirkus an Möglichkeiten.
Was mir aber auffiel, als ich Dein Posting las, war, dass Du etwas kompliziert machst, das gar nicht kompliziert ist. Herauszufinden, was man will ist zwar schwierig, aber nicht kompliziert. Und man muss im Leben immer mal mit dem zweit- dritt- oder viertbesten vorlieb nehmen. Also mach einfach.

Liebe Grüße
Trippelschritt
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: Alana am 01. Februar 2016, 17:34:54
Zitat
"Berufung ist das, was man immer tut, ohne sich jemals dazu verpflichtet zu fühlen, etwas, was keine Motivation braucht, was man nie müde ist zu tun. Es ist das, wofür man morgends freiwillig aufsteht, egal, was es dafür gerade zu tun gibt. Wenn dies zutrifft, dann bist du auf dem richtigen Weg zu deiner Berufung."

Ich greife das jetzt mal raus. Das stimmt zwar, so ganz grundsätzlich. Gleichzeitig ist das sehr blauäugig. Du musst nur mal die letzen paar Seiten dieses Threads lesen, um zu sehen, dass das Bild von dem Künstler, der glücklich jeden Tag seine Berufung auslebt, ziemlich großer Käse ist. Und das trifft sicher auch auf Therapeuten zu, und andere Menschen, die ihren Beruf eigentlich lieben. Gerade am Anfang, wenn man merkt, wie der Berufsalltag im erträumten Beruf sich wirklich gestaltet, merkt man sehr häufig recht schnell, dass die Realität ganz anders aussieht als man sich das vorgestellt hat.

Das heißt nun nicht, dass du an etwas festhalten sollst, wofür du nicht brennst. Gerade als Selbstständiger muss man das glaube ich, sonst hat man gar nicht die Kraft, den Stress auszuhalten. Ich würde an deiner Stelle eher mal darüber nachdenken, warum du das eigentlich machen wolltest, wo deine Leidenschaft in deinem Konzept steckt und so weiter. Wenn du da wirklich nichts findest, dann wäre es wahrscheinlich an der Zeit, sich etwas anderes zu überlegen. :)
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: Berjosa am 01. Februar 2016, 17:41:58
Hm, ich kenne mich in dem Berufsfeld nicht so richtig aus, und vielleicht liege ich völlig daneben.

Du schreibst, du therapierst gern, wenn denn Klienten da sind. Wozu du dich nicht aufraffen kannst, ist, welche zu suchen und die Praxis am Laufen zu halten.
Wäre es eine Möglichkeit, wenn du nicht selbständig arbeitest oder jedenfalls nicht völlig auf dich gestellt? Gemeinschaftspraxis oder so?
Dann kannst zu eventuell auch leichter ab- und zugeben, je nachdem, welches Standbein gerade das stabilste ist, Schreiben oder Therapieren.
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: Tintenteufel am 01. Februar 2016, 17:46:35
Liebe Cailyn,

ich stecke natürlich nicht in deiner Haut und kann dir auch keine allzu klugen Ratschläge geben. Ich habe bloß ähnliche Gefühle durchgemacht, mache sie vielleicht immer noch durch, und weiß nur, dass sich das Problem nicht von heute auf morgen löst. Ich kann aber zumindest nachvollziehen, wie frustriert man sich fühlt dabei.

Es gibt nur eine Sache, die ich auf die ich eingehen möchte: Die mit der Berufung.
Ich persönlich halte nicht viel davon. Z.B. bin ich mir ziemlich sicher, dass Schriftsteller sein meine Berufung ist. Und trotzdem stehe ich morgens nicht auf, um mich freudetrunken in einem sechsstündigen Rausch an ein Werk zu setzen. Ich liebe Literatur und Bücher und Lesen und Kultur und Gedanken, und trotzdem gehen Monate ins Land, in denen ich keine einzige gedruckte Seite blättere, weil ich Angst davor habe, dass dieses eine Buch auf meiner Liste mein ganzes Werk in den Schatten stellt und mich für unfähig erklärt.
Ein Satz, der mir dabei sehr geholfen hat, war dieser, der auch von einer Art Motivationstrainer stammt:
Zitat
It’s not choosing someone who makes you happy all the time, it’s choosing somebody who you want to be with even when they’re pissing you off.
Worauf ich hinaus möchte ist eigentlich nur:
Mach dich nicht fertig, weil du glaubst, irgendeinen Traum vergeigt zu haben. Manchmal passiert soetwas, da verliebt man sich in jemanden und stellt nach ein paar Wochen fest, dass er nur ein Kerl für gutes Wetter und einen Strandurlaub ist - nicht für den täglichen Kampf auf offener See.
Nimm dir Zeit, wie Trippelschritt schon sagte, und versuch dir zu überlegen, wo denn deine Prioritäten liegen.
Und wie Hanna schon meinte: Vielleicht hilft es dir ja, Schreiben als Ausgleich zu nehmen? Einfach irgendwas schreiben und gucken, was passiert. Du musst entspannen und dich nicht von etwas auffressen lassen, das dir keinen Spaß macht. Vielleicht ist Schreiben genau das Ventil, das du brauchst, um wieder frische Luft zu kriegen. Man muss es ja nicht exzessiv betreiben. :)
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: HauntingWitch am 01. Februar 2016, 17:47:52
Ja, und dann bin ich im Internet zufällig auf einen Motivationstrainer gestossen (da ging es eigentlich um Männer, die mehr Charisma haben wollen ;)), der war sagte, was mir auch jetzt, noch Wochen später, hängen geblieben ist. Zunächst erzählte er davon, dass Erfolg vor allem auf Freude beruht, Freude etwas zu tun. Dies wiederum geht natürlich in Richtung Talente, die man hat. Der Interviewer hat den Motivationstrainer daraufhin gefragt, woran man denn erkennen kann, dass man seine Berufung gefunden hat. Und er antwortete sinngemäss: "Berufung ist das, was man immer tut, ohne sich jemals dazu verpflichtet zu fühlen, etwas, was keine Motivation braucht, was man nie müde ist zu tun. Es ist das, wofür man morgends freiwillig aufsteht, egal, was es dafür gerade zu tun gibt. Wenn dies zutrifft, dann bist du auf dem richtigen Weg zu deiner Berufung." Also das ist kein Wortzitat, aber so ähnlich hat er es formuliert.

Jetzt musste ich lachen und gleichzeitig weinen. Ich muss immerzu an etwas denken, dass mein Cousin gesagt hat. Der arbeitet als freier Helfer, selbstständig und für gewisse Dienstleistungen stellt er Rechnung und andere Dinge macht er einfach so, weil es ihn glücklich macht. Er kommt damit durch. Und er sagte vor nicht sehr langer Zeit, ja, eigentlich nur ein paar Tage vor meinem letzten Post hier im Thread: "Weisst du, wenn du immer nur tust, was dir gut tut und dich glücklich machst, bringt dir das schon, was du brauchst." Ich habe ihn böse angesehen und gesagt, wenn das so wäre, würde ich längst vom Schreiben leben. Aber wie länger ich darüber nachdenke, umso mehr wird mir klar, dass ich falsch lag. Er sagte wenn du immer nur das tust, was dich glücklich macht. Immer und nur das. Ich mache das nicht. Ich mache viele Dinge, von denen ich denke, ich müsste sie tun, um zu leben. Normaler Job zum Beispiel, gewisse Marketing-Aktionen oder Sachen, von denen ich glaube, dass es meine Karriere irgendwie puschen könnte, die mich aber eigentlich etwas angurken. Letzteres kann ich sein lassen.

Den Job... Naja, ich möchte ja auch nicht zum Sozialfall werden. Ich habe jetzt beschlossen, mich einfach damit abzufinden und mir diesen weiter oben genannten Stumpfsinn zuzulegen. In dem Wissen, dass mich das Schreiben glücklich macht und mir hilft, den Alltag und den Ärger zu bewältigen. Das ist wohl die einzige Option, die wir haben, wenn wir nicht solche Überlebenskünstler sind wie mein Cousin.  ;) :knuddel:
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: Klecks am 01. Februar 2016, 18:16:04
Cailyn, ich kann mich einigen Vorrednern nur anschließen, das klingt nach einem (drohenden) Burnout und ganz danach, als würde dir die Tatsache, dass in den letzten Monaten genau das fehlt, was dir immer am wichtigsten war, das Schreiben, richtig zu schaffen machen.  :knuddel:  Mir ging es bis vor ein paar Wochen - allerdings in weniger akutem Ausmaß - ähnlich: Ich habe das Schreiben vermisst und ich habe das Glücklichsein vermisst, und irgendwann habe ich mich daran erinnert, dass ich, wenn ich glücklich sein will, auch schreiben oder mich irgendwie mit meinen Projekten beschäftigen muss. Ob eine halbe Stunde oder von morgens bis abends - Hauptsache, ich nehme mir ein bisschen Zeit dafür. Vielleicht würde unter anderem das dir helfen: Dir jeden Tag fünf Minuten Zeit nehmen, über Projekte nachzusinnen oder zu schreiben. Und dann irgendwann zehn Minuten. Eine Viertelstunde. Eine halbe Stunde ... eine Stunde, vielleicht ... und dann hast du irgendwann hoffentlich wieder eine Routine und etwas, das dir gut tut.  :knuddel:
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: Siara am 01. Februar 2016, 18:27:04
Cailyn, zuerst möchte ich den anderen zustimmen: Es kann täuschen, aber für mich klingt es auch, als läge bei dir gerade noch so einiges in Schieflage. Ob das stimmt, weißt du selbst vermutlich am besten.

Diese Existenzfragen kenne ich allerdings auch. Das Schreiben ist die Tätigkeit, die sich einfach ... richtig anfühlt. Anders kann man es gar nicht formulieren. "Writing is the only thing that, when I do it, I don't feel I should be doing something else." - Gloria Steinem. Und damit meine ich nicht nur, dass man eigentlich andere Pflichten hat und deshalb etwas anderes tun sollte. Sondern auch, dass zumindest ich mich beim Schreiben am meisten mit mir selbst im Reinen fühle, mir selbst am nähesten.

Das ist etwas Gutes. Nicht jeder hat diesen einen Ort, zu dem er immer zurückkehren kann und den einem niemand nehmen kann. Das ist etwas, um das man froh sein sollte. Trotzdem muss die Berufung nicht auch der Beruf sein, finde ich. Natürlich wäre es wunderschön, nichts anderes mehr tun zu müssen. Aber wie Alana bereits anmerkte, ist die Realität nicht immer rosarot. Das Schreiben selbst mag begeistern, wenn allerdings Deadlines, Vorgaben und Marketing dazukommen, hat es auch seine Schattenseiten. Dazu kommt, dass das Schreiben als Hauptberuf auch nur sehr wenigen vorbehalten bleibt.

Das Leben nervt manchmal. Wie sehr das bei dir gerade wirklich der Fall ist, kannst wie gesagt nur du selbst einschätzen. Aber der Gedanke, dass man wie in Manie lebt, wenn man seiner Berufung nachgeht, ist für mich utopisch. Das Leben nervt, es ist anstrengend und legt einem ständig neue Stolpersteine in den Weg. Die Berufung ist vielleicht nicht immer unser Beruf. Vielleicht kann sie vielmehr unsere Oase sein, das, was uns weitermachen lässt. Dir das zu verbieten, halte ich nicht für gesund. Wie empfindest du selbst dich denn? Teilst du den Eindruck deines Mannes, dass dir irgendetwas fehlt? Das Beste wäre es womöglich, einen Mittelweg zu finden. Das Schreiben nicht zu deinem Leben, aber doch zu einem festen Bestandteil deines Lebens zu machen. Das fällt dann unter "Zeit für dich" - und wenn andere Dinge mal liegen bleiben, weil du dir deine Portion Glück holst: So what. Das muss sein. ;)
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: Cailyn am 02. Februar 2016, 14:46:44
Liebe Alle!  :knuddel:

Ihr seid echt aufmerksam. Danke für eure Antworten, Anregungen und euer Verständnis.

Also Burnout und Depression... da müsst ihr euch keine Sorgen machen. Ich bin zufällig auf diesen Thread gestossen und fühlte mich gestern gerade in dieser etwas melancholischen Stimmung. Aber grundsätzlich nehme ich meine kleineren und grösseren Krisen mit Humor. Und es ist auch nicht so, dass ich generell träge und faul wäre. Nur was meine Praxiswerbung angeht. Ich mache 1000 andere Dinge (restauriere Möbel, putze Fenster, verschachere Kinderkleider auf E-Bay etc.) und das hält mich auch gut beschäftigt, da ich ja sehr ein Machermensch bin. Aber ich bin einfach auch ein extrem schlechter Networker. Ich hab so meine Leute, meine wirklich guten Freunde, und der Rest der Welt interessiert mich meistens eher weniger. Daher bin ich auch nicht so aktiv auf Social Media, um Kunden zu bewerben oder Kontakte zu knüpfen. Aber das gehört halt dazu, wenn man sich einen Kundenstamm aufbauen möchte. Heute habe ich es zumindest fertig gebracht, einen neuen Blog-Artikel zu schreiben.

Zur Berufung...
Klar, es gibt vermutlich nicht nur DIE eine Tätigkeit, die einen erfüllt und glücklich macht. Vielleicht sind das auch mehrere, quasi Berufungen, plural. Wichtig war mir an der Aussage des Motivationstrainers eigentlich die Aussage, dass man beim richtigen Job nichts mehr für Pflicht hält. Und da denke ich schon, dass dies möglich ist. Pflicht heisst für mich persönlich, dass ich anfange zu zögern, dass ich meine "Aufschieberitis" nicht loswerde. Beim Schreiben hatte ich das noch nie. Als es darum ging, für mein letztes Manuskript ein Exposé zu schreiben, hat mir davor gegraut. Aber ich habe dennoch keine Sekunde gezögert. Vielleicht habe ich es in meinem ersten Post falsch ausgedrückt: Es geht nicht per se um Spass, sondern darum, dass man motiviert ist, alles Nötige zu tun, auch wenn es keinen Spass macht. Beim Schreiben klappt das wunderbar. Bei der Praxis nicht. Mir sitzt dann alles im Nacken, was ich noch machen könnte und sollte, aber irgendwie finde ich den Drive nicht, um es auch zu tun.  ::)

Projektunabhängig zu schreiben...
Gute Idee, Hanna! Das werde ich jetzt ab heute machen. Nach diesem Eintrag hier geh ich mir ein schönes Schreibheft kaufen und schreibe da täglich irgendwas rein. Tagebuch ist nicht so mein Ding. Aber halt so lose Textfetzen, je nach dem, was mich gerade beschäftigt.  ;D

Zitat
Mach dich nicht fertig, weil du glaubst, irgendeinen Traum vergeigt zu haben. Manchmal passiert soetwas, da verliebt man sich in jemanden und stellt nach ein paar Wochen fest, dass er nur ein Kerl für gutes Wetter und einen Strandurlaub ist - nicht für den täglichen Kampf auf offener See.
Das ist eine echt lustige Formulierung und absolut wahr. Natürlich würde ich mich etwas ärgern, wenn es so wäre. Es ist ja nicht so, dass ich der Aufbau der Praxis Knall auf Fall ins Leben gerufen habe. Das habe ich von langer Hand geplant, jedem seit 2-3 Jahren davon erzählt. Von daher muss ich jetzt schon noch etwas ausharren und schauen, ob sich in der Praxis noch was tut. Ansonsten hätte ich viel Zeit und vor allem Geld umsonst investiert. Ich buckle jetzt mal herum und jammere dann später wieder, wenn es nicht klappt.  :omn:

Eine Gemeinschaftspraxis...
Das ist in meiner Therapierichtung eher weniger angesagt. Da schaut jeder eher für sich. Und mir selber würde das auch nicht so zusagen, weil ich gerade meine neu gewonnene Freiheit geniesse (wenn schon nicht die Arbeit, dann wenigstens die Freiheit  ;)).

Und noch zum Cousin von Witch...
Ja, der hat für sich halt entschieden und macht wohl auch einige Abstriche, wenn es um normalen Luxus geht. Finde ich total cool, dass er das durchzieht. Für mich wäre das auch was. WENN ich nicht Mann und Kind hätte. Wäre ich Single, würde ich wohl jetzt ein paar Jahre von meiner Pensionskasse leben, auf unterstem Standard, und mal schauen, ob ich in dieser Zeit einen Bestseller schreiben kann. Würde das in 4-5 Jahren nicht klappen, würde ich mir wieder ein "normales" Leben aufbauen. Aber so mit Mann und Kind wäre das total egoistisch. Vielleicht hätte ich mir einfach einen reicheren Mann suchen sollen... :rofl:

Ihr habt mich total aufgemuntert. Danke für eure Sicht auf dieses Thema!
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: Silvia am 02. Februar 2016, 21:45:28
Wenn Dir das Marketing nicht liegt - hast Du denn genug Geld, dafür jemanden anzuheuern - freiberuflich oder fest angestellt, der eben dieses für Dich erledigt? Dinge, die man selber nicht so gut kann oder mag, kann man ja auch delegieren.
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: Saphirenkind am 02. Februar 2016, 22:54:11
Liebe Cailyn!

Ich kann dich gut verstehen! Was die Berufung angeht, so habe ich früher genau so gedacht. Und auch heute fällt es mir jeden Tag noch schwer mich für die Dinge zu motivieren, die ich überhaupt nicht gern mache. Bei mir überwiegen diese Dinge leider momentan auch. Ich arbeite im Krankenhaus und zwar als Springer, d.h. ich bin (wenn ich Pech habe) jeden Tag woanders. Hinzu kommt, dass ich eigentlich Kinderkrankenschwester bin, aber ständig zu den Erwachsenen geschickt werde, womit ich mich momentan besonders schwer tue. Kinderkrankenpflege ist nämlich nicht umsonst ein eigenständiger Beruf und dass das von meinen Chefs mit Füßen getreten wird, tut echt weh! Ich gebe zu, ich bin momentan mehr als unzufrieden mit meinem Job, den ich im Übrigen nur erlernt habe, weil ich damals keine Alternative hatte; ursprünglich wollte ich Buchhändlerin werden. Und in Aufschieberitis bin ich Weltmeister. :rofl:

ABER: Du musst irgendwo auch ein E.N.D.E. setzen und zwar nicht nur unter deine Texte, sondern auch unter deine alltäglichen Tätigkeiten.

Es hat ein bisschen gedauert, bis mir das selbst klar geworden ist. Vor ein paar Jahren war ich bei einem Psychotherapeuten, weil ich seit Wochen keinen vernünftigen Satz mehr zustande gekriegt hatte, beruflich völlig im Ungewissen schwebte und unbedingt einen neuen Roman fertig schreiben wollte. Heraus gekommen ist beim Schreiben nur Müll- und der Therapeut wagte es auch noch zu sagen, ich würde dazu neigen, mich selbst zu zerfleischen.  :brüll: Ich war so sauer, dass ich zu Hause erst mal wütend den Garten umgegraben habe. Erst später habe ich verstanden, was er damit sagen wollte. Seitdem plane ich nicht mehr akribisch durch, was ich wann erledigen muss. Ich mach mir eine Liste und erledige es je nachdem wie es gerade passt. Du verpasst nichts und es geht dir auch nichts durch die Lappen, wenn du dich einfach mal gehen lässt und in etwas verlierst. Beim Schreiben ist das genau so.

Mein Tipp also: Mach einen bewussten innerlichen Schnitt, wenn du deine Praxistür hinter dir schließt. Verbiete dir das Grübeln und Nachdenken über Probleme von der Arbeit im privaten Umfeld und anders herum. Oder wie Eckard von Hirschhausen einmal gesagt hat: Moderiere deinen eigenen Jammerlappen! (ein zusätzlicher Hirnteil, den wir alle kennen)

Zitat
Jammerlappen- auswring- Training:
1. Inspizieren: Hören Sie sich selbst zu und schreiben Sie Ihre typischen Jammersätze auf.
2. Katalogisieren: Ordnen Sie die Jammersätze nach Häufigkeit, so bekommen Sie Ihre persönliche Hitliste.
3. Ignorieren: Wenn ein störender Gedanke kommt, einfach Hallo sagen, wie zu einem Bekannten auf der Straße, den man nicht besonders mag, auf der Straße aber grüßt, ohne sich weiter mit ihm zu beschäftigen.
4. Moderieren: [...] Moderieren Sie Ihre eigene Jammer- Hitparade! Auf Platz 1 diese Woche: Heute ist nicht mein Tag. [...]
5. Ausschleichen: Was passiert? Man wird seiner eigenen Schlager irgendwann überdrüssig. Und dann heißt es ganz von allein: "Heute ist nicht mein Tag- zum dritten Mal dabei- bitte nicht mehr anrufen!
aus "Glück kommt selten allein" von Eckard von Hirschhausen

Klingt total bescheuert- aber mir hilft das Jammerlappen- Training jeden Tag. Darüber hinaus ist abschalten ganz wichtig. Übertriebener Ehrgeiz schadet nur- auch deinen Büchern. Das musste ich auch erst lernen. Ich will dir nichts vormachen- der Weg dahin ist lang und beschwerlich. Aber es wird dir mehr inneren Frieden geben, versprochen!

Hier noch ein kleiner Link zum Aufmuntern: https://www.youtube.com/watch?v=YntLZ6kPUg8&list=PL27E48E80AB051F12&index=2

Du schaffst das, da bin ich mir ganz sicher!
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: Cailyn am 05. Februar 2016, 16:56:26
Hallo Saphirenkind

Vielen Dank für deine Antwort.

Im Gesundheitswesen, wo du ja offenbar schon länger tätig bist, ist es ohnehin nicht einfach. Zu viele Patienten, zu wenig Personal und für das Pflegepersonal zu wenig Lohn. Ich komme zwar aus der Schweiz (du vermutlich aus D), aber ich vermute mal, dass es da Parallelen gibt. Und wenn du dann innerhalb dieses Bereichs dann doch was anderes machen musst, kann das schon frustrierend sein. Kann man sich da denn nicht beschweren? Beim Vorstand des Krankenhauses? Na, ich hoffe zumindest, dass dir die Freude daran nicht verloren geht.

Weisst du, es ist nicht so, dass ich Mühe habe, zu Hause mit der Therapiearbeit abzuschliessen. Ich habe ja noch viel zu wenige Klienten, um überhaupt gestresst zu sein. Die Praxis läuft eben nicht wie erwartet. Daher habe ich viel Zeit zum Ausspannen, relaxen, haushalten etc.. Schön und gut. Und eigentlich hätte ich auch super viel Zeit und Lust zum Schreiben. Das Problem ist: wenn ich anfange zu schreiben, dann habe ich keine Motivation, mehr Werbung für meine Praxis zu machen. Ich kenne mich da von der Persönlichkeit her einfach zu gut. Ich bin das Gegenteil von einer Multi-Taskerin. Und ich denke, zumindest am Anfang wäre es schon wichtig, dass ich mich für die Praxis so richtig reinknie. Wenn die Praxis dann mal läuft, darf auch das Schreiben wieder in die Gänge kommen. Aber ich habe das jetzt ein paar Monate probiert, und obwohl ich mir das Schreiben verboten habe, habe ich trotzdem nicht so viel Elan gefunden, um die Praxis voranzutreiben. Und ich denke, dass man als Selbständige schon ziemlich viel investieren muss - also nicht nur mit Geld, sondern auch mit Zeit und Feuer im Arsch. Doch ich fange jetzt wieder mit dem Schreiben an, weil mir der Entzug ja auch nichts gebracht hat.
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: HauntingWitch am 09. März 2016, 09:32:05
Ich zerre den Thread jetzt doch noch einmal nach oben, weil ich viel nachdenke im Moment. So langsam komme ich zu dem Schluss, dass es vielleicht besser ist, den Traum von Erfolg und vom Schreiben leben aufzugeben und sich mit dem Schreiben als Hobby zufrieden zu geben. Es ist ja nicht das Schreiben selbst, was einen fertig macht, sondern dieser Gedanke. "Ich will/muss erfolgreich werden." Dieses und jenes müssen, so und so gut sein, immer auf die Leser ausgerichtet sein, weil man will ja erfolgreich werden. Stresst euch das nicht? Also ich muss sagen, für mich wird dieser Traum langsam zu Albtraum und zwar, weil ich viel zu sehr darauf fixiert bin und dann liest man dauernd diese Artikel oder Bücher, in denen es darum geht, was es alles braucht, um erfolgreich zu sein. Und dann denkt man, wenn man das nicht alles erfüllt, kann man also nicht erfolgreich sein und versucht, es zu erfüllen, obwohl man eigentlich gar keine Freude daran hat... Ist doch irgendwie bekloppt.

Andererseits finde ich es verdammt schwierig, loszulassen. Vor allem, immer, wenn ich denke, jetzt bin ich soweit, kommt irgendein Impuls von Aussen, der mir wieder sagt, dass man Träume haben und auf keinen Fall aufgeben soll... Und dann fängt der Teufelskreis wieder an. Ich fühle mich wie in einem Boxkampf und ich würde gern einfach unter dem Seil durchschlüpfen und aus dem Ring steigen. Aber ich weiss nicht, wie das geht.
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: Shea am 09. März 2016, 09:53:42
@ Witch

DANKE! Der Beitrag hätte glatt von mir stammen können. Die Freude am Schreiben ist bei mir schon eine ganze Weile gar  nicht mehr vorhanden und ich bin im Moment beinahe schon so weit, dass ich hin und wieder den Gedanken pflege es ganz bleiben zu lassen.

Gerade deinen letzten Absatz kann ich so nur unterschreiben und traurig zustimmend nicken. Wenn du einen Weg findest, um diesem "Boxkampf" zu entkommen, dann sag mir bescheid, ja?  :bittebittebitte:
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: Tintenteufel am 09. März 2016, 10:08:14
Liebe Witch,

ich möchte an dieser Stelle eine der großen Sünden begehen und Franz Kafka das Feld überlassen. In "Er" (http://gutenberg.spiegel.de/buch/franz-kafka-aphorismen-166/3) schrieb er einmal einige sehr erhellende Zeilen, die dir vielleicht helfen können. Du bist mit diesem Gefühl mitnichten allein. Ich fürchte allerdings, dass sich die Moderne weitgehend darauf geeinigt hat, dass dieses Hamsterrad der Verrücktheit das Fundament der menschlichen Existenz bildet.

Zitat von: Franz Kafka
Er hat zwei Gegner: Der erste bedrängt ihn von hinten, vom Ursprung her. Der zweite verwehrt ihm den Weg nach vorn. Er kämpft mit beiden. Eigentlich unterstützt ihn der erste im Kampf mit dem Zweiten, denn er will ihn nach vorn drängen und ebenso unterstützt ihn der zweite im Kampf mit dem ersten; denn er treibt ihn doch zurück. So ist es aber nur theoretisch. Denn es sind ja nicht nur die zwei Gegner da, sondern auch noch er selbst, und wer kennt eigentlich seine Absichten? Immerhin ist es sein Traum, daß er einmal in einem unbewachten Augenblick – dazu gehört allerdings eine Nacht, so finster wie noch keine war – aus der Kampflinie ausspringt und wegen seiner Kampfeserfahrung zum Richter über seine miteinander kämpfenden Gegner erhoben wird.

Mir persönlich hilft dieser Gedanke sehr. Wir kommen nicht raus aus unserer Haut und dem endlosen Kampf mit unserer Vergangenheit und Zukunft, unseren Wünschen und Wahrheiten. Letzten Endes ist es aber gleichgültig, gleichgültig ob wir Erfolg haben oder nicht, ob wir kläglich scheitern oder völlig unbedarft unser Leben verbringen. Die Welt dreht sich weiter. Die Gegner bedrängen uns und Teufel noch eins, wenn ich vor Ihnen aufgebe.
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: Akirai am 09. März 2016, 10:12:49
Ein guter Gedanke.

Ich bin inzwischen zu dem Schluss gekommen: Wenn ich was wirklich bedeutend / bewegendes / sich vermutlich als erfolgreich erweisendes und damit gut verkaufbares  - "Werk" schreiben will, dann will das irgendwie keiner lesen. Gut, bin ich halt nicht markttauglich, shit happens.

Wenn ich für mich selbst Blödsinn verzapfe, "Räuberpistolen" und was weiß ich für nicht wirklich durchdachtes Zeug Niederschreibe, dann habe ich plötzlich positive Rückmeldungen. Sind wir wieder ironisch, liebes Schicksal ...?

Also ja, @ Witch, ich kann dein "Stressgefühl" gut nachvollziehen.

Fazit und Erkenntnis meinerseits war aber:
"Viele Köpfe, viele Meinungen". Ich werde mich nicht mehr nach irgendwelchen Trends richten, nach irgendwelchen "Aber du musst xy, um ..." - Vorgaben. Entweder, es passt oder es passt dem Gegenüber halt eben nicht. Ich kann es der ganzen Welt nicht Recht machen, ich will es auch gar nicht. Das ist mein Leben und da hat niemand reinzupfuschen, außer ich selbst.

 8)
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: HauntingWitch am 09. März 2016, 10:41:23
Wenn du einen Weg findest, um diesem "Boxkampf" zu entkommen, dann sag mir bescheid, ja?  :bittebittebitte:

Mache ich. Im Gegensatz dazu habe ich aber schon noch Freude am Schreiben, nur am anderen halt weniger. Es sind nicht die Aktivitäten als Autorin, mehr dieses Gefühl, mehr, besser, weiter, höher, was auch immer zu müssen, woran ich keine Freude habe.

Ich habe sogar schon überlegt, mich absichtlich zu "sabotieren"... Z.B. haben wir im Juni eine Veranstaltung mit unserem Verein, wo wir Werbung machen können. Und ich denke die ganze Zeit, dann muss ich mein neues Buch bis dann rausbringen (ich mache ja jetzt SP, also kann ich das selber bestimmen) und dann sehe ich, was ich alles noch machen muss, und denke, das ist zu knapp, das schaffst du nicht... Dann bin ich unerwartet mit dem einen oder anderen ein kleines bisschen schneller und schon denke ich wieder, in dem Fall klappt das ja doch bis dann. Ich überlege echt, das absichtlich nicht bis dann zu schaffen, einfach weil darum.

@Tintenteufel: Das Zitat stimmt mich ein bisschen traurig, denn ich bin ja alle drei Personen selber. Beziehungsweise, alle drei Kämpfer sind ja Teile von mir, es sind ja keine Bedrohungen von Aussen. Das ist das Problem. Ansonsten würde ich genau gleich wie du sagen, "legt euch bloss nicht mit mir an, ich bin stärker als ihr", aber wenn man gegen sich selbst kämpft... Ich muss an ein anderes Zitat denken, aus einem Lied, das lautet in etwa: "You can't fight us, you are like us." Und ich würde gerne damit aufhören, nur bin ich darin so schlecht.

Wenn ich für mich selbst Blödsinn verzapfe, "Räuberpistolen" und was weiß ich für nicht wirklich durchdachtes Zeug Niederschreibe, dann habe ich plötzlich positive Rückmeldungen. Sind wir wieder ironisch, liebes Schicksal ...?

Das kenne ich auch! Vermutlich liegt es daran, dass man sich zu sehr verkrampft, wenn man etwas total Durchdachtes, Tiefgründiges, Gescheites schreiben will. Und das merken die Leser dann, wenn es gekünstelt wirkt. :hmmm: Vielleicht ist es mit Werbung & Co. dasselbe, wie mehr man versucht, umso mehr blockiert man sich.
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: Elona am 09. März 2016, 11:01:30
Ich finde, dass man Träume auf gar keinen Fall aufgeben sollte. Träume sind das, was uns antreibt, was uns weitermachen lässt. Ohne sie verharren wir in einem (manchmal auch trostlosen) Hier und Jetzt.
Der Unterschied ist (denke ich), dass was man daraus macht. Krampfhaft an etwas festhalten, tut einem selten gut (egal worauf bezogen).

Sämtliche Artikel, Berichte usw. wie man erfolgreich wird, würde ich mit Vorsicht genießen. Es gibt Beispiele dafür und dagegen, von daher gibt es kein Rezept, wende es an und dann …
 
Das Schreiben aufgeben, warum? Nur erfolgreich (ist übrigens eine Definitionssache) Schreiben, warum?
Warum reicht es einem Menschen nicht, dass was man tut gerne zu machen und zufrieden damit zu sein?

Ich glaube, das das was uns kaputt macht, ist die absurde Erwartungshaltung die wir an uns und an unseren Traum stellen. 

Und wie ich schon einmal bemerkte, kommt Zufriedenheit aus einem selbst heraus, nicht von außen und solange man das nicht findet, wird das Hamsterrad weiterlaufen. 

Edit: Hat sich mit Witch überschnitten
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: Aircaina am 09. März 2016, 11:05:37
Andererseits finde ich es verdammt schwierig, loszulassen. Vor allem, immer, wenn ich denke, jetzt bin ich soweit, kommt irgendein Impuls von Aussen, der mir wieder sagt, dass man Träume haben und auf keinen Fall aufgeben soll... Und dann fängt der Teufelskreis wieder an. Ich fühle mich wie in einem Boxkampf und ich würde gern einfach unter dem Seil durchschlüpfen und aus dem Ring steigen. Aber ich weiss nicht, wie das geht.
Nimm dir vielleicht etwas Zeit, um dir Gedanken darüber zu machen. Das Schreiben selbst kann dir ja keiner nehmen. Wenn es hinterher so ist, dass du es "nur" als Hobby betreibst, dafür aber wieder mehr Leichtigkeit beim Schreiben empfindest ist das sicher besser, als für einen Traum zu kämpfen, der für dich vielleicht mehr und mehr zum Alptraum wird. Ein bisschen Abstand zu dem Thema kann dir möglicherweise helfen, dir darüber klarer zu werden, was du wirklich willst.

Mir persönlich hilft dieser Gedanke sehr. Wir kommen nicht raus aus unserer Haut und dem endlosen Kampf mit unserer Vergangenheit und Zukunft, unseren Wünschen und Wahrheiten. Letzten Endes ist es aber gleichgültig, gleichgültig ob wir Erfolg haben oder nicht, ob wir kläglich scheitern oder völlig unbedarft unser Leben verbringen. Die Welt dreht sich weiter. Die Gegner bedrängen uns und Teufel noch eins, wenn ich vor Ihnen aufgebe.
Dem kann ich nur zustimmen. Ein sehr schönes Zitat, übrigens.

Fazit und Erkenntnis meinerseits war aber:
"Viele Köpfe, viele Meinungen". Ich werde mich nicht mehr nach irgendwelchen Trends richten, nach irgendwelchen "Aber du musst xy, um ..." - Vorgaben. Entweder, es passt oder es passt dem Gegenüber halt eben nicht. Ich kann es der ganzen Welt nicht Recht machen, ich will es auch gar nicht. Das ist mein Leben und da hat niemand reinzupfuschen, außer ich selbst.
Der Gedanke gefällt mir. Vielleicht kann man es schaffen, einen Spagat zwischen "Trivialliteratur" und den tiefsinnigen Themen zu schaffen, die man gerne schreiben möchte. Möglicherweise könnte man unter einem Synonym andere Werke verfassen, als unter dem eigentlichen Namen, unter dem man das veröffentlicht, dass einem selbst besonders gut zusagt. Ich persönlich löse das momentan so, dass ich eine Geschichte schreibe, die möglicherweise etwas mehr Menschen ansprechen kann, in der irgendwo in den tiefsten Tiefen zwischen den Zeilen auch ein wenig des Tiefsinns zu finden ist, den ich in jedes meiner Werke einbaue. Möglicherweise wird kein Leser das überhaupt bemerken, aber ich weiß, dass es da ist.

Mache ich. Im Gegensatz dazu habe ich aber schon noch Freude am Schreiben, nur am anderen halt weniger. Es sind nicht die Aktivitäten als Autorin, mehr dieses Gefühl, mehr, besser, weiter, höher, was auch immer zu müssen, woran ich keine Freude habe.
Ist das denn wirklich immer wichtig? Man kann sicherlich auch mit etwas weniger zufrieden sein. Nicht immer muss das nächste Werk besser sein, als das letzte. Denke ich, zumindest.

Das Schreiben aufgeben, warum? Nur erfolgreich (ist übrigens eine Definitionssache) Schreiben, warum?
Warum reicht es einem Menschen nicht, dass was man tut gerne zu machen und zufrieden damit zu sein?

Ich glaube, das das was uns kaputt macht, ist die absurde Erwartungshaltung die wir an uns und an unseren Traum stellen.
Sehe ich genauso. Man muss nicht unbedingt von sich erwarten, ein überdurchschnittliches Gehalt mit dem Schreiben zu verdienen, oder Bestsellerautor, oder berühmt zu werden. Das Wichtigste ist doch, dass man selbst zufrieden ist mit dem, das man tut.


Ich hoffe, ich rede jetzt nicht etwas zu viel von mir selbst. Leider habe ich nicht alle Beiträge in diesem Thread gelesen und sicherlich wiederhole ich vieles, das andere hier schon gesagt haben. Aber ich würde gerne einmal darlegen, wie ich es momentan mit dem Traum vom Leben als Schriftsteller halte, welche Probleme und Vorteile ich sehe und was das wirklich aktive Hinarbeiten auf dieses Ziel mit mir als Menschen gemacht hat.

Meiner Meinung nach, muss es nicht unbedingt immer um wirklichen Erfolg gehen. Das muss es nur dann, wenn man gut vom Schreiben leben will.
Ich kenne diesen Ehrgeiz natürlich auch. Gerade früher habe ich immer davon geträumt,  mit dem Schreiben wirklich viel Geld zu verdienen. Inzwischen verfolge ich eine ganz andere Strategie. Ich folge meinem Traum, ohne zu viel zu erwarten. Das bremst meinen Ehrgeiz nicht unbedingt aus, nimmt mir aber den Stress, sofort zu viel von mir selbst zu erwarten.
Bei mir sieht es momentan so aus, dass ich seit Jahren von wirklich sehr, sehr wenig Geld lebe. Ich bin das so sehr gewöhnt, dass ich mir gar nicht vorstellen kann, wie es ist, sich "einfach mal so" etwas kaufen zu können. Ich möchte keine Familie gründen und ich habe keine großen Ansprüche an meinen Lebensstil. Sicherlich recht blauaügig mache ich mir auch keine großen Gedanken, um die Rente. Ich weiß nicht einmal, ob ich so alt werde, dass ich noch erlebe, dass ich überhaupt welche beziehen kann.
Deshalb ist es momentan mein festgestecktes Ziel, mich als Schriftstellerin zu etablieren. Dabei muss ich nicht sonderlich erfolgreich sein. Wenn es dennoch nicht reicht, weil ich in der Masse guter Werke komplett untergehe, reicht mir auch ein Teilzeitjob als Brotjob. Vielleicht finde ich im Verlauf der Jahre doch einen anderen Beruf, der mir noch besser gefällt. Aber momentan ist es mir, auch für mein Seelenheil, wichtig, mich auf das zu konzentrieren, das ich will. Das hat allerdings sicherlich auch mit meiner Erziehung zu tun. In meiner Familie hatte jeder eine Leidenschaft, mit der er möglicherweise auch Geld hätte machen können, die er jedoch der Sicherheit wegen aufgegeben hat. Gut für mich, sonst würde es mich nicht geben. Aber ansonsten ist niemand wirklich richtig glücklich damit. Zufrieden vielleicht, wenn es hoch kommt. Das will ich nicht. Ich habe versucht, diesen Weg einzuschlagen und das Einzige, dass es mir gebracht hat ist das Gefühl, dass ich versagt habe. Deshalb muss ich jetzt erst einmal blauäugig, aber dennoch so realistisch wie möglich, meinen Traum verfolgen. Wohl auch, um mich selbst zu finden. Dafür bietet sich das Schreiben ja sowieso gut an.
Wenn ich allerdings eine Familie hätte, oder haben wollen würde bzw. falls es irgendwann einmal dazu kommen sollte, würde ich das Schreiben auch eher zu einem Nebenverdienst oder Hobby machen. Es wäre mir dann einfach wichtiger und auch meine Pflicht, für meine Lieben zu sorgen.

Wer Karriere mit dem Schreiben machen und richtig gutes Geld verdienen will, muss möglicherweise nicht nur gut sein, sondern auch ziemliches Glück und im besten Fall auch noch gute Beziehungen haben. Man sehe sich doch nur einmal eine E.L. James an, die vielleicht nicht die beste Autorin ist, aber die Leute angesprochen hat und sie durch Mundpropaganda erreicht hat. Bei Paolini war es recht ähnlich.
Alles in allem glaube ich, dass man, um den Traum vom Schreiben als Vollzeitberuf zu leben, viel aufgeben muss. Es sei denn, man hat von Anfang an Erfolg, oder sich bereits zuvor auf dem Markt etabliert. Das ist vermutlich noch der beste Weg. Aber man muss eben auch sehen, wie viel Konkurrenz es gibt, wie viele Autoren untergehen und nicht im Fernsehen erwähnt werden, weil sie eben einfach, gemein gesagt, unwichtig für die Presse sind.

Die Energie, die ich für das Schreiben aufwende, ist, auch im Hinblick auf andere Aspekte meines Lebens, nicht verschwendet. Ich bin disziplinierter geworden, fühle mich wohler in meiner Haut, zeige Interesse an sehr viel mehr Themen und nehme die Welt bewusster wahr. Ich kann sie also gut nutzen, um mich wohler in meinem Leben zu fühlen. Ein Nachteil ist allerdings sicherlich, dass die Gedanken an meine Werke mir den gesunden Schlaf rauben, weil ich ständig von möglichen Handlungssträngen träume. Dahingehen muss ich noch herausfinden, wann und wie viele Pausen ich vom Schreiben glaube. 
       
Ich gebe ehrlich zu, dass mein Vorhaben irgendwo zwischen Mutig und Dumm bzw. Unrealistisch liegt. Gerade deshalb versuche ich, meine Ziele erst einmal möglichst niedrig zu stecken, meinen Ehrgeiz zu kontrollieren und mich darauf vorzubereiten, dass es wahrscheinlich ist, dass ich nicht vom Schreiben werde leben können. Mir ist auch klar,  dass ich, um diesen Traum zu leben, möglicherweise nicht nur das schreiben kann, das ich wirklich mag. Es wäre mir zum Beispiel nicht peinlich, Heftromane zu verfassen, wenn ich in einem Verlag dafür Fuß fassen könnte. Meiner Meinung nach sind die sowieso zu sehr verschrien. Sicherlich ist es harte Arbeit, etwas so Kurzes so zu verfassen, dass es den Lesern gefällt und sich immer wieder neue Ideen einfallen zu lassen.
Ich versuche innerhalb der Uni Kurse zu belegen und Kontakte zu knüpfen, um vielleicht einen Bereich zu finden, der meinem Traum recht nah kommt. Die Vorstellung, Textkritiker oder Lektor zu sein finde ich sehr ansprechend.
Kurz gesagt, bietet mir der Traum vom Schriftstellerdasein viele Vorteile, aber auch Nachteile. Besonders, wenn ich die Entwicklung meines Lebens betrachte. Ich mache mir Gedanken um die Zukunft und lebe nicht mehr einfach nur noch in den Tag hinein. Trotz aller Risiken hat das Schreiben mir also zumindest einmal in soweit geholfen, dass es mir geholfen hat, meinen Charakter zu festigen, und das ist im Leben sicherlich nicht ganz unwichtig.
Allerdings würde ich es sicherlich nicht unbedingt empfehlen, den Traum vom Schriftstellerdasein ganz ohne Absicherung, oder "Brotjob" zu leben. Es ist eben so, wie es ist. Ich stürze mich in mein Unglück und manchmal macht es mir Angst. Aber ich habe mich dafür entschieden, dass das ein wichtiger Schritt auf meinem Lebensweg ist. Wenn man nach Erfolg strebt, nach einem sicheren Einkommen für die Familie oder sich selbst, ist es vielleicht nicht der richtige Weg, sich sofort zu 100% auf das Schreiben zu konzentrieren. Es gibt viele, tolle Jobs, die einem bessere Möglichkeiten bieten. Und die Lust am Schreiben kann einem trotzdem niemand nehmen, egal, ob man nun Vollzeitschriftsteller, Kassierer, oder Manager ist.
Möglicherweise kann man lockerer an die ganze Sache herangehen, wenn man seinem Ehrgeiz nicht zu viel Platz einräumt. Ganz beiseite schieben sollte man ihn aber auch nicht. Man muss daran glauben, dass man es doch schaffen kann, auch wenn man vielleicht nicht der nächste Hohlbein wird.
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: Trippelschritt am 09. März 2016, 11:32:23
Ich hatte nie den Traum, ein Schriftsteller zu werden und je mehr ich mich mit dem Theme beschäftigt habe, desto weniger Lust bekam ich darauf. Aber ich wollte immer Geschichten erzählen und es hat mir auch immer Freude bereitet zu schreiben. Die Magie mit Worten hat mich nie losgelassen. Tja und heute kann ich mich durchaus Schriftsteller nennen.
Kann jemand etwas daraus für sich mitnehmen? Ich denke, dass man den Traum Schriftsteller zu werden, durchaus verfolgen kann. Aber bevor man ernsthaft versucht, dieses Ziel zu erreichen, sollte man erst versuchen Schreiben zu lernen. Und ich meine richtig gut zu schreiben und nicht zu früh damit zu beginnen einer Berufslaufbahn zu folgen, die sehr eng und festgelegt ist. Um schreiben zu lernen muss man kein Schriftsteller werden wollen. Dazu reicht ein Schreibberuf und von denen gibt es mehr als man denkt. Dann kann es sein, dass der Beruf des Schriftstellers ganz von allein kommt.

Liebe Grüße
Trippelschritt
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: HauntingWitch am 09. März 2016, 11:43:41
Zitat
Man muss nicht unbedingt von sich erwarten, ein überdurchschnittliches Gehalt mit dem Schreiben zu verdienen, oder Bestsellerautor, oder berühmt zu werden. Das Wichtigste ist doch, dass man selbst zufrieden ist mit dem, das man tut.

Rational verstehe ich euren Punkt. Aber es ist nicht rational, wenn man das eben tut. Es nützt mir in dem Sinne nichts, zu wissen, dass ich nicht muss. Denn ich tue es, ich habe diesen Anspruch an mich und ja, es ist ein wahnwitziger Anspruch und absurd und unrealistisch obendrein. Ich weiss das alles. Aber das hilft mir nicht dabei, ihn loszuwerden. ;) (Kein Angriff gegen euch.)

Zitat
Man muss daran glauben, dass man es doch schaffen kann, auch wenn man vielleicht nicht der nächste Hohlbein wird.

Genau das ist es, was mich stresst. Diesen Glauben habe ich, seit sich mein erster Roman als Roman entpuppt hat. Aber das ist nun schon neun Jahre her und ich schreibe immer noch und ich habe immer noch das Gefühl, einfach nicht gut genug oder nicht geeignet zu sein, die Verlage wollen mich nicht. Und immer höre ich diesen Satz: Gib den Glauben nicht auf, glaube, dass du es schaffen kannst. Doch wie länger ich das tue, umso mehr frustriert es mich. Deshalb möchte ich diesen Glauben fallen lassen.
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: Aircaina am 09. März 2016, 12:00:19
@Witch
Kannst du denn wirklich nicht versuchen, eine gewisse Zeit lang Abstand zu nehmen? Oder hältst du das nicht durch? Du hattest ja gesagt, dass es dadurch immer wieder zu diesem Teufelskreis kommt. Vielleicht musst du dich wirklich einfach dazu zwingen, Stift und Papier links liegen zu lassen. Mit der Zeit solltest du dann merken, ob du dich mit oder ohne deinen Traum wohler fühlst. So ein bisschen, wie wenn man ein Medikament genommen hat, das starke Nebenwirkungen hatte. Man setzt es ab und schaut, ob man unter den Nebenwirkungen mehr gelitten hat, als unter der eigentlichen Krankheit. (Das ist ein mega schlechter Vergleich, kam mir gerade nur so in den Sinn.)
Wenn es so sein sollte, dass du dich nach einer gewissen Zeit ohne das Schreiben besser fühlst fällt es dir vielleicht leichter, deinen Traum hinter dir zu lassen. Leider fällt mir gerade nichts ein, was man tun könnte, wenn du dich nicht davon lösen kannst.  :hmmm: Denn an etwas festzuhalten, dass dir so weh tut, ist wirklich nicht gut und es wäre besser, das Schreiben zum Hobby zu machen. Aber das hast du ja selber schon gesagt.
Tut mir leid, mehr fällt mir leider wirklich nicht ein. 
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: Christian am 09. März 2016, 12:05:46
Helfen kann ich dir auch nicht, Witch. Aber ich glaube zu wissen, wie sich das anfühlt. Mir hat vor Jahren, es ging um ein ganz anderes Betätigungsfeld, mal jemand einen ganz einfachen, klaren und deshalb unglaublich doofen und richtigen Ratschlag zum Umgang mit den eigenen, vielleicht übersteigerten Ansprüchen gegeben: "Werde besser oder lass es sein. Erfüll deine Ansprüche oder gib sie auf." Tja, so einfach ist das und auch wiederum nicht.

Zitat
Und immer höre ich diesen Satz: Gib den Glauben nicht auf, glaube, dass du es schaffen kannst. Doch wie länger ich das tue, umso mehr frustriert es mich. Deshalb möchte ich diesen Glauben fallen lassen.
Da geht's mir recht ähnlich. Ich empfinde im Moment bzw. seit einer Weile recht ähnlich. Für mich selbst bin ich zu dem Schluss gekommen, dass es weiter gehen muss oder ich gebe diese ganze Schreiberei auf. Mir reicht es nicht, das Ganze 'nur' als Hobby zu sehen. Ich muss es an den Nagel hängen. Das schaffe ich gerade aber nicht. Ich sagte ja, es hilft nicht. Aber zumindest bist du nicht allein mit dieser verdammten (Selbst-)Unzufriedenheit und letztlich ist das auch der Antrieb besser zu werden. Weiter bin ich mit meiner Entscheidungsfindung auch noch nicht.
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: Akirai am 09. März 2016, 12:25:12
@ Witch und @ Christian: Das klingt ein bisschen sado-maso, wenn ich das mal sagen darf  ;D
Oder, um von der Blödel-Ebene wieder runterzukommen: Es klingt wie Liebeskummer. Bei Liebeskummer hat mir mal jemand folgendes gesagt: "Warum bist du eigentlich sauer? Doch wohl eigentlich nur, weil es mit euch beiden nicht geklappt hat!"
Ich saß natürlich erst mal so da:  :o
Aber ja. Ja, ich war nur sauer, weil es nicht geklappt hat. Weil jeder Mensch ankommen will, weil jeder Mensch das Gefühl haben will, nicht bis in alle Ewigkeiten in ein und derselben blöden Tretmühle zu laufen. Weil ein Mensch kein Hamster ist, der ständig nur laufen laufen laufen will. (Nichts gegen Hamster ...)

Beim Lesen eurer Beiträge kam mir folgender Gedanke: Vielleicht fehlt euch beiden ja dieses Gefühl - und wenn ihr es nicht im Schreiben zurückbekommt, müsst ihr euch vielleicht tatsächlich ein anderes Betätigungsfeld suchen, in dem ihr dieses Gefühl erreichen könnt? Vielleicht kommt dann die Freude am Schreiben wieder zurück? Das wäre immerhin keine "bis in alle Ewigkeit"-Aufgabe.
Oder, um bei meinem Liebeskummervergleich zu bleiben: Ihr sucht euch einen neuen Schwarm. Mit dem Alten (= dem Schreiben) könnt ihr ja immer noch befreundet bleiben ...?

EDIT: Ach so, ja, diese "Selbst-Unzufriedenheit" kenne ich auch. Besonders schlimm ist sie, wenn mal wieder eine Verlagsabsage eingetrudelt ist. Auf der anderen Seite habe ich, Gott sei's gedankt, meinen inneren Schweinehund. Und dem ist die Aussicht, als Weltbestsellerautor ständig immer neue, tollere und bessere Romane schreiben zu müssen, definitiv zu viel Arbeit. Das lässt mich die Sache irgendwie entspannter sehen.

EDIT EDIT: Und um vielleicht einen Nebenstrang in der Diskussion hier aufzumachen: Wann ist man denn "besser"? Ich will jetzt keine Schreibratgeber verteufeln, beileibe nicht! Wenn ich meine ersten Gehversuche mit momentanem Schreiben vergleiche, bin ich um Welten besser geworden. Auch und gerade wegen der Schreibratgeber. Meine "Schreibkompetenz" wirkt sich auf viele Bereiche meines Lebens aus, @ Aircaina hat ein paar genannt. Ich merke, ich kann Textstrukturen leichter und schneller erkennen, kann sie leichter und schneller (oder vielleicht: besser) anwenden. Es hilft, wenn man Ehrgeiz entwickelt und besser werden will.
Aber wie definiert sich denn dieses besser? Als "gefälliger", "leichter lesbar"? Als "durchdachter", "komplexer"? Als "Mainstreamiger" vielleicht?
Ich persönlich würde nie Mäuse essen, eine Katze dagegen liebt Mäuse. Was ist denn jetzt "besser"? Man kann der Masse nicht den persönlichen Willen aufzwängen - oder mich dazu bringen, eine Maus zu jagen.
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: Lina Franken am 09. März 2016, 13:18:46
@Witch
Ich sehe eigentlich nicht nur ein Problem, ich sehe zwei, die man differenziert betrachten sollte.
Zum einen wäre es das Schreiben, zum anderen die persönliche Einstellung zum Ehrgeiz.
Beides scheint bei dir sehr srtark voneinander Abhängig zu sein, obwohl beides gar nicht zwangsweise zusammengehört. Jetzt ist eigentlich die Frage, ob du dich von einem Aspekt verabschieden müsstest, wenn ja, von welchem, oder von beiden.

-Quälst du dich zum Beispiel öfter mit Erfolgsdruck? Hast du auch bei anderen Dingen (und sei es der Abwasch) das Gefühl "Mittelmäßig oder Schlecht reicht mir nicht, das muss super werden"? In dem Fall hätte dein Problem nichts mit dem Schreiben zu tun, sondern wäre eher ein Zeichen für übersteigerte Selbstkritik. Das ließe sich vielleicht mit gezielter, regelmäßiger Faulheit bekämpfen.  ;)

-Ist es aber die Tätigkeit des Schreibens, die dir solche Probleme macht, wäre die Frage, ob dir am Schreiben selbst noch etwas Spaß macht oder ob es eher einem Zwang ähnelt, wie bei einer Sucht. Als jemand, der schon öfter gegen Suchtprobleme kämpfen musste, würde ich auch sagen, da hilft nur kalter Entzug, auch wenn sehr hart ist.  :-\

Das Schreiben wird für dich sicher nicht nur ein Mittel zum Zweck (Reichtum und Ruhm) sein, es wird etwas daran geben, was du mal geliebt/gemocht hast. Die Frage wäre, was hat dazu geführt, dass du es mit perfektionistischen Ehrgeiz zusammengefügt hast? Was ist der Kleber, der dafür sorgt, dass du beides nicht voneinander trennen kannst?

Also anders gesagt: Wer hat gesagt, dass man etwas, das man gerne macht, auch (objektiv betrachtet) gut machen muss? Ein kleines Kind schafft es auch sich an seinem Buntstift-Gekrakel zu erfreuen, solange bis jemand kommt, der sagt "das ist hässlich, das müsstest du besser hinkriegen". Wer sagt in deinem Fall, dass es "hässlich" ist?
Du selbst? - warum dann so streng mit dir selbst?
Andere? - warum ist dir deren Meinung dann wichtig?

Natürlich verstehe ich, dass ein gewisses "Niveau" im Beruf erwartet wird... Aber seien wir ehrlich, für kreative Berufe gilt eher Zufall macht Erfolg, nicht Niveau und Fleiß. Ich meine, Shades of Grey... Glitzernde Vampire... Feuchtgebiete...  ::) Bücher bei denen ich mich immer frage: Wie viel Promille hatten die Autoren beim Schreiben? :hmmm: Okay, ich will nicht gehässig sein... Ich will damit darauf hinaus, dass das Ausbleiben eines Erfolgs absolut nichts über deine Fähigkeiten als Autor sagt. Die brilliantesten Köpfe der Welgeschichte sind nicht selten total verarmt und verkannt gestorben. (Das wünsche ich dir natürlich nicht  ;) )
Die Frage ist, kannst du dir vorstellen Spaß am Schreiben zu haben, selbst wenn der Erfolg niemals kommt oder kannst du dir vorstellen auf den Spaß zu verzichten und etwas anderes zu machen, was vielleicht schneller zu Erfolg führt und ein Gefühl der Bestätigung verspricht?
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: HauntingWitch am 09. März 2016, 14:12:36
Noch einmal, weil ich gerade das Gefühl habe, teilweise falsch verstanden worden zu sein: Ich will nicht das Schreiben aufgeben. Ich will keinen Abstand von meinen Geschichten. Mit dem Schreiben selbst geht es mir gut.

Solange ich nicht daran denke, irgendetwas damit erreichen zu wollen. Sobald diese Gedanken anfangen, und das tun sie immer, sobald ein Skript fertig ist, fängt der Kampf an.

Zitat
Die Frage ist, kannst du dir vorstellen Spaß am Schreiben zu haben, selbst wenn der Erfolg niemals kommt oder kannst du dir vorstellen auf den Spaß zu verzichten und etwas anderes zu machen, was vielleicht schneller zu Erfolg führt und ein Gefühl der Bestätigung verspricht?

Nur das erste. Ich habe mich nach einem anderen Job umgesehen, ja, ich habe sogar einen Job, in dem ich jeden Tag Bestätigung zu Hauf bekomme. Ich glaube, das ist nicht das Problem.

Es tut mir leid, wenn ich jetzt vielleicht teilweise ein bisschen bissig rüberkomme, aber ich habe den Eindruck, ihr könnt mir nicht helfen. Ich danke euch für eure Worte und Bemühungen, aber ich glaube, mir kann im Moment einfach niemand helfen. Ich habe hier geschrieben, weil ich dachte, vielleicht kann es jemand, aber das stimmt nicht. Nichts für ungut, ihr seid alle total lieb und toll. :knuddel: Aber ich glaube, ich muss damit doch allein fertig werden.

@Christian: :knuddel:
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: Entropy am 09. März 2016, 14:32:22
@Witch: Es ist nicht verwunderlich, dass dir das Schreiben keinen Spaß mehr macht, wenn du dich dabei dauernd unter Druck setzt. Manchen Menschen hilft dieser Druck sich endlich hinzusetzen und den Roman runterzutippen, für andere wirkt er wie Gift. Sieh es als eine Schreibblockade an. Du musst diese Blockade lösen, indem du von deinen eigenen Wunschvorstellungen ablässt.

Es kann sein, dass sie in Erfüllung gehen werden, wenn du dich nur anstrengst. Es kann sein, dass sie nicht in Erfüllung gehen werden, wenn du dich in die Sache verbeißt. Es kann sein, dass sie nie in Erfüllung gehen werden, egal was du tust. Es kann viel sein und am Ende wissen wir doch alle nicht, was die Zukunft bringt. Ich an deiner Stelle würde mich mehr an der Gegenwart orientieren. Lebe nicht für deine Zukunft, für den goldenen Horizont, der da irgendwo in der Ferne schwebt. Wenn dir an diesem Tag danach ist zu schreiben, dann schreib. Wenn dir nicht danach ist, dann tu etwas anderes, was dir gefällt und fühle dich nicht schlecht dabei, nur weil es nichts mit dem Schreiben zu tun hat.

Ich finde auch, dass Träume wichtig sind und dass man sie nicht einfach aufgeben sollte. Das Wichtige ist, dass man sie nicht als eine Art Heiligen Gral betrachtet, den man im Leben unbedingt haben/erreichen muss, ansonsten wird man zwangsläufig unglücklich, entweder indem man sich unter enormen Erfolgsdruck setzt oder indem man mit der aktuellen Lage nicht zufrieden ist. Ich vermute bei dir trifft beides zu. Verlier deine Träume nicht aus den Augen, aber richte auch nicht dein gesamtes Leben auf ihre Erfüllung aus. Hast du denn keine anderen Träume, die für dich von ähnlicher Bedeutung sind? Wärest du damit zufrieden, wenn nur einer oder zwei dieser Träume am Ende in Erfüllung geht?

EDIT: Tut mir leid, wenn du das nicht hören wolltest, ich hatte deinen letzten Beitrag noch nicht gesehen als ich meinen geschrieben habe.
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: Alana am 09. März 2016, 14:45:37
Ich möchte dazu mal sagen, dass ich leider glaube, dass sich dieses Gefühl nie einstellen wird, auch wenn man Erfolg hat. Die Situation eines Schriftstellers ist und bleibt unsicher und jedes Buch ist ein neues Wagnis. Ich habe im Moment recht viel Glück gehabt mit meinen aktuellen Büchern. Trotzdem habe ich jetzt schon Angst, was danach kommt, falls die Bücher jetzt nicht gut laufen oder falls die Bücher danach bei den Verkaufszahlen nicht mithalten können. Natürlich habe ich etwas erreicht, ein Anfang ist gemacht und darüber freue ich mich. Das macht die Ängste und Selbstzweifel aber nicht besser, sondern verschiebt sie nur. Was ich sagen will (und was ich vielleicht ein paar Seiten weiter vorn auch schon mal gesagt habe): Als Schriftsteller (und das ist für mich jeder, der das Schreiben total im Blut hat, ebenso wie die Sehnsucht, zu veröffentlichen, egal, wie weit er auf diesem Weg schon gekommen ist) muss man sich damit abfinden, dass diese Gefühle dazu gehören. Man kann sie auch nicht aufgeben. Wenn man den Ehrgeiz aufgibt, dann hört man wahrscheinlich auf zu schreiben. Klar, ich schreibe, weil ich es liebe, aber ich will auch, dass meine Bücher gelesen werden. Dabei geht es nicht mal ums Geld. Ich habe etwas zu sagen, deswegen schreibe ich. Die Ansprüche aufgeben? Funktioniert auch nicht, denn nur mit hohen Ansprüchen an sich selbst (leider meist gepaart mit fiesen Selbstzweifeln) kann man meiner Meinung nach auf Dauer Schritt halten und immer wieder Bücher liefern, die Verlage kaufen und Leser lesen wollen.

Was kann man also tun? Seinen Frieden damit machen, dass man Schriftsteller ist und dass man diese Gefühle hat. Sie akzeptieren und für sich nutzen. Es gibt düstere Tage, da ist das schier unmöglich. Aber je mehr man den Gedanken loslässt, Dinge beeinflussen zu wollen, die man einfach nicht in der Hand hat, desto besser wird es. Ich konzentriere mich mehr und mehr auf das, was ich beeinflussen kann und das sind meine Bücher, das ist das Netzwerken und ein paar andere Dinge, die man tun kann.

Und es wird tatsächlich besser. Langsam, aber es wird. Diese Frustgefühle, die Angst und manchmal auch der Neid, die werden durch Erfolg nicht weniger, sie werden nur auf eine andere Stufe gehoben. Und man kann nur an sich arbeiten, und lernen, damit umzugehen. Oder eben daran zerbrechen. An dunklen Tagen sage ich mir das: Ich lasse nicht zu, dass mich das kaputt macht. Dazu liebe ich das schreiben zu sehr. Und damit habe ich die Sache ganz gut im Griff. :)

Sich dagegen zu entscheiden, ich halte das ehrlich gesagt für unmöglich. Das ist für die meisten von uns wahrscheinlich, als würden wir uns gegen unsere Augenfarbe entscheiden und beschließen, durch die pure Kraft des Geistes ab morgen eine andere zu haben. (Kann man machen, klappt aber nicht. :P )
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: Akirai am 09. März 2016, 15:14:09
@ Alana: Schön gesagt!  :pompom:

@ Witch und @ Christian: Schade, wenn wir nicht helfen konnten. Trotzdem werden wir weiterhin die Pompoms schwingen und euch gedanklich drücken  :knuddel:
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: HauntingWitch am 09. März 2016, 15:40:28
Zitat
Wenn dir an diesem Tag danach ist zu schreiben, dann schreib. Wenn dir nicht danach ist, dann tu etwas anderes, was dir gefällt und fühle dich nicht schlecht dabei, nur weil es nichts mit dem Schreiben zu tun hat.

Genau das versuche ich zurzeit. Ich hoffe, dass ich mir da eine gewisse Leichtigkeit angewöhnen kann, aber das geht natürlich nicht von einem Tag auf den anderen. Du musst dich übrigens nicht entschuldigen, es liegt ja nicht an dir. :knuddel:

Zitat
Was kann man also tun? Seinen Frieden damit machen, dass man Schriftsteller ist und dass man diese Gefühle hat. Sie akzeptieren und für sich nutzen. Es gibt düstere Tage, da ist das schier unmöglich. Aber je mehr man den Gedanken loslässt, Dinge beeinflussen zu wollen, die man einfach nicht in der Hand hat, desto besser wird es. Ich konzentriere mich mehr und mehr auf das, was ich beeinflussen kann und das sind meine Bücher, das ist das Netzwerken und ein paar andere Dinge, die man tun kann.

Das ist genau mein Problem, das funktioniert bei mir nicht. Also, entweder sage ich mir, "furzegal, ob ich Erfolg habe oder nicht" oder ich weigere mich, eine Schachfigur des Schicksals zu sein und drehe am Rad. Aber ich weigere mich wirklich, denn meine Mutter hat sich (und uns Kindern) ein Leben lang das Gegenteil eingeredet ("alles ist Schicksal, kann man halt nichts machen") und ist dadurch so geworden, wie ich nie sein möchte. Ich weigere mich, diese "ist eh alles Schicksal"-Haltung anzunehmen. Also muss es mir egal sein, denn einen anderen Weg sehe ich im Moment nicht.
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: Blackhat am 09. März 2016, 16:13:59
Ein weiterer, nicht zu unterschätzender Faktor, der bei der Schreiberei zwischen Erfolg und Misserfolg entscheidet und der hier bisher kaum genannt wurde ist Glück. Glück im richtigen Moment die richtige (und bei Neuautoren mutige) Person in einem Verlag zu überzeugen, der zufälligerweise auch gerade noch einen Programmplatz frei hat. In einem Interview habe ich gelesen, dass AVA zwei Jahre gebraucht hat, um Sebastian Fitzek bei einem Verlag unterzubringen. Elisabeth Herrmann, eine mittlerweile in der Spiegel Bestsellerliste vertretene Berliner Krimiautorin, hat 52 Absagen kassiert, bevor ihr Erstling veröffentlicht wurde. Die aller aller wenigsten, landen gleich mit dem ersten Schuss einen Volltreffer. Na ja, und hätte sich damals Carlsen nicht erbarmt, würde wohl heute niemand einen Zauberlehrling namens Harry Potter kennen ...

Ich kann die Frustration, die einige hier vermittelt haben durchaus nachvollziehen. Zwar habe ich die erste Hürde genommen und einen guten Agenten gefunden, der ohne Wenn und Aber zu mir und meiner Scheibe steht, aber veröffentlicht habe ich deshalb trotzdem noch nicht. Das ist dann nämlich die nächste Hürde, die es zu meistern gilt. Und danach kommt die Nächste, die Übernächste und nochmal eine Nächste und immer so weiter. Ich kann Alana da nur beipflichten: die Arbeit als Schriftsteller ist ein nicht endender Prozess mit Höhen und Tiefen. Was man vor allen Dingen lernen muss ist Rückschläge wegstecken zu können, denn die kommen unweigerlich. Und wenn man dann trotzdem weiter an sich glaubt, den Willen hat besser zu werden, muss man weitermachen, denn wer aufgibt, wird niemals Erfolg haben. Bleibt der Jackpot trotzdem aus, kann man sich später jedenfalls keine Vorwürfe machen, es nicht versucht zu haben. Den Traum vom Schreiben (vernünftig) leben zu können habe ich zwar nicht begraben, aber in ein Regal mit zig anderen Träumen gestellt (z.B. der erste Mensch auf dem Mars zu sein, fast genauso realistisch wie der Wunsch von der Schreiberei supergut leben zu können).
Mir würde es reichen, wenn ich es einmal schaffen könnte, in einem Verlag, vielleicht sogar Publikumsverlag zu veröffentlichen. Meinen derzeitigen Job (halbtags) würde ich dann auf jeden Fall behalten, denn selbst mit einem Vertrag bei einem Publikumsverlag ist noch lange nicht der Lebensunterhalt gesichert, schon gar nicht, wenn man Familie hat. Verkaufszahlen wie Hohlbein, Schätzing oder Link erreicht nur ein verschwindend kleiner Teil der deutschen Autoren. Klar kann man weiter davon träumen, es durch Fleiß, Können und Glück in diese Riege zu schaffen, man darf sich von seinen Träumen aber nicht versklaven lassen.
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: Alana am 09. März 2016, 16:16:57
@Witch: Ich sage ja eben gerade nicht, dass du dich damit abfinden sollst. Ich glaube nur, dass du erst noch den richtigen Weg finden musst, damit umzugehen. Denn es ist dir halt leider nicht egal, fürchte ich, und ich verstehe das, denn mir geht es ja nicht anders. Aber sich nicht zum Spielball des Schicksals zu machen, bedeutet eben, mit dem, was man bekommt, so umzugehen, dass man damit leben kann. Sorry, wahrscheinlich willst du das nicht hören, aber ich glaube das wirklich. Und das Schöne daran ist doch, dass das Schreiben wirklich ein Teil von dir ist, den solltest du nicht wegschieben wollen und er sollte dir nicht egal sein. Aber natürlich musst du einen Weg finden, damit zu leben. So wie man mit allen Charaktereigenschaften umgehen lernen muss, den positiven, wie den negativen.  :knuddel:
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: Cailyn am 10. März 2016, 09:37:51
Viele von euch schreiben hier, dass ihr nicht unbedingt mega erfolgreich sein möchtet mit Schreiben. Dass es mehr um die Freude geht etc.

Das kann ich für mich nicht wirklich behaupten, um ehrlich zu sein. Aber um es noch etwas abzugrenzen: Mir geht es auch nicht darum, dass ich ein gefeierter Star in der Bücherwelt werde (klar, da gibt es schwache Momente, in welchen meine Fantasie mit mir durchgeht), doch eigentlich möchte ich das Schreiben soweit bringen, dass ich jährlich einen kleinen Lohn dafür kriege. Da müssen mich ja keine Bestseller reich machen. So ein mittelmässiger Batzen würde mir schon genügen. Und zwar nicht nur, weil dies mir Freude bereitet, sondern weil es mir am besten liegt. Ja, ich möchte einfach die grösste meiner Arbeitszeit mit etwas verbringen, was mir leichter fällt als alles andere. Für mich fühlte sich dies einfach natürlich an.

Alana
Du hast schon recht. Die Ängste werden auch einem etablierten Schriftsteller nicht abgenommen. Aber ich glaube, es ist trotzdem noch einen grosser Unterschied, ob man zumindest einen Fuss in das Business gekriegt hat oder nicht. Wenn man was veröffentlichen konnte, dann fällt die Entscheidung, beim Schreiben zu bleiben doch leichter, als wenn man die Lebensmitte überschritten hat und noch nichts publizieren konnte. Da kommt doch schon die Frage hoch: Mache ich mir etwas vor? Will ich den ganzen Aufwand weitermachen?


Witch
Also mit selbstgesetzten Deadlines wird das nichts. Ich bin überzeugt, dass jedes Buch/Werk seine eigene Zeit hat, in welcher es entstehen will. Das ganze ist ja ein Prozess, bei dem du selber immer was dazulernen kannst. Und schliesslich geht es nur um das Buch. Du willst ja aus dem Buch das nur bestmögliche herausholen (und auch aus dir). Wenn du dich mit einem Datum unter Druck setzt, dann bringt das dem Buch nichts. Natürlich ist es etwas anderes, wenn jemand seit Jahren an einem Buch hockt und einfach den Abschluss nicht findet (wer den Film "Wonder boys" nicht kennt, sollte diesen unbedingt schauen! :vibes:). Aber so ist deine Situation nicht. Du siehst natürlich die gute Gelegenheit. Aber was nützt es dir, zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein, wenn dein Buch sich dann noch nicht "richtig" anfühlt. Und Druck fördert ja auch nicht gerade die Kreativität. Ich biete übrigens u.a. Hypnosen für Künstler an, hihi  ;D

Zitat
Also anders gesagt: Wer hat gesagt, dass man etwas, das man gerne macht, auch (objektiv betrachtet) gut machen muss?
Doch, ich glaube, das korreliert schon irgendwie. Aber nur dann, wenn sich der Kreative nicht aus Egogründen mit etwas beschäftigt. Wenn Sänger/Autoren/Tänzer einfach nur berühmt werden wollen, um ihr Ego zu streicheln, das andere Geschlecht anzulocken oder aller Welt zu beweisen, dass er/sie einfach ein richtig heisser Feger ist, dann kann das Talent auch eingebildet sein. Das sind dann diese armen Leute, derer wegen man sich in Supertalent-Sendungen fremdschämen muss.  ::)
Aber ich bin mir sicher, wenn die Freude an einer Tätigkeit wirklich aus einem selbst herauskommt, dann ist damit auch ein gewisses Talent verbunden. Bei Kindern, wie in deinem Besipiel, geht es ja oft nicht um das Resultat. Da wird experimentiert, ausgetüftelt, gekrakelt und gekritzelt, geschmiert, herausposaunt... etc., einfach weil sie schauen möchten, was das bewirken kann oder wie sich das anfühlt. Aber diese Phase der Entwicklung überwindet man ja nach der Kindheit oder nach der Pubertät. Und irgendwann beginnt die Phase, in welcher man die eigenen Produkte und Leistungen mit anderen misst, vergleicht und beurteilt. Wäre man als Erwachsener wirklich unbegabt, würde man rasch das Interesse an etwas verlieren. Vor allem, weil man sich dann nicht weiterentwickeln könnte. Wer immer die gleichen Zeichnungen und Geschichten schreibt und beim Singen die falschen Töne trifft, macht das entweder nicht so oft oder hört wieder damit auf. Natürlich gibt es auch Leute, die ein Mal die Woche in eine Chorgruppe gehen, um in der Gemeinschaft einfach alles mal rauszulassen. Aber diese Person würde, wenn sie eigentlich nicht singen kann, bestimmt nicht täglich Tonleitern üben, und dies über Jahre.

Was dann letztlich "gut" ist, ist ja noch einmal eine andere Sache.  ;)
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: Alana am 10. März 2016, 09:51:25
Ich fühle mich ehrlich gesagt die ganze Zeit so, als wäre es überhaupt nicht möglich, mehr zu erreichen, als nur einen Fuß in der Tür. Wenn ein Buch richtig schlecht läuft, kann man nach 10 Büchern schlechter dastehen als ein Debütautor und ich finde nicht unbedingt, dass man diese Ängste danach abstufen sollte, wie viele Verträge man hat oder nicht. Die Tatsache, dass die eigenen Sorgen nicht mehr ernst genommen werden, weil man einen Vertrag im Großverlag hat und man dafür doch dankbar sein soll, macht mich immer sehr traurig. Es ist einfach alles wahnsinnig unsicher für uns und ich beneide jeden, der die Möglichkeit eines anderen Jobs hat. Trotzdem liebe ich mein Leben, so wie es gerade ist und natürlich ist es schön, einen Anfang gemacht zu haben. Ich glaube nur, dass man nicht unbedingt die Wahl hat, das Schreiben oder den Wunsch nach Erfolg damit aufzugeben. Wenn man das könnte, hätte man es schon getan. Deswegen glaube ich, dass man einen Weg finden muss, mit den Gefühlen, die damit zusammenhängen, umgehen zu lernen, ganz egal, welche Entscheidung man bezüglich des Alltagslebens trifft und unabhängig davon, was man nach außen hin erreicht hat oder nicht.
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: Maubel am 10. März 2016, 09:51:48
Doch, ich glaube, das korreliert schon irgendwie. Aber nur dann, wenn sich der Kreative nicht aus Egogründen mit etwas beschäftigt. Wenn Sänger/Autoren/Tänzer einfach nur berühmt werden wollen, um ihr Ego zu streicheln, das andere Geschlecht anzulocken oder aller Welt zu beweisen, dass er/sie einfach ein richtig heisser Feger ist, dann kann das Talent auch eingebildet sein. Das sind dann diese armen Leute, derer wegen man sich in Supertalent-Sendungen fremdschämen muss.  ::)
Aber ich bin mir sicher, wenn die Freude an einer Tätigkeit wirklich aus einem selbst herauskommt, dann ist damit auch ein gewisses Talent verbunden. Bei Kindern, wie in deinem Besipiel, geht es ja oft nicht um das Resultat. Da wird experimentiert, ausgetüftelt, gekrakelt und gekritzelt, geschmiert, herausposaunt... etc., einfach weil sie schauen möchten, was das bewirken kann oder wie sich das anfühlt. Aber diese Phase der Entwicklung überwindet man ja nach der Kindheit oder nach der Pubertät. Und irgendwann beginnt die Phase, in welcher man die eigenen Produkte und Leistungen mit anderen misst, vergleicht und beurteilt. Wäre man als Erwachsener wirklich unbegabt, würde man rasch das Interesse an etwas verlieren. Vor allem, weil man sich dann nicht weiterentwickeln könnte. Wer immer die gleichen Zeichnungen und Geschichten schreibt und beim Singen die falschen Töne trifft, macht das entweder nicht so oft oder hört wieder damit auf. Natürlich gibt es auch Leute, die ein Mal die Woche in eine Chorgruppe gehen, um in der Gemeinschaft einfach alles mal rauszulassen. Aber diese Person würde, wenn sie eigentlich nicht singen kann, bestimmt nicht täglich Tonleitern üben, und dies über Jahre.

Da ist sicher etwas dran. Ich habe zum Beispiel früher sehr gerne gezeichnet. Und war auch ganz gut. Dann habe ich irgendwann mit 15 aber Bilder von anderen gesehen, die einfach ne ganz andere Liga war und erst habe ich versucht, zu üben, aber dann hat das Zeichnen doch einfach immer weniger Stellenwert eingenommen. Ich mach es immer noch gerne, aber nicht mehr wirklich häufig und mein Level stagniert in der Hinsicht auch.

Ich muss aber sagen, dass ich tatsächlich mehr für mich schreibe. Ja, ich fantasiere auch vom Megaerfolg und mittlerweile habe ich auch den Ansporn jetzt meine Sachen raus zu schicken. Warum auch nicht. Aber bei mir ist das so, dass ich auch meine Karriere als Wissenschaftlerin interessant finde und gerne auch als Wissenschaftskommunikatorin arbeiten möchte und deshalb das Schreiben eben nicht das Nonplusultra ist. Heißt, ich kann tatsächlich damit leben, wenn es eben beim privaten schreiben oder ggf Self-Publishing bleiben sollte. Ich fände es nur schöner, wenn ich so richtig klasse nebenbei auch Bücher veröffentlichen könnte. So richtig Vollzeit bin ich aber noch nicht bereit, da reiße ich mir lieber den Arsch auf und mache tagsüber das eine und nachts das andere ;) Also man sieht, ich bin sehr zwiegespalten, was das angeht.
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: Trippelschritt am 10. März 2016, 10:03:19
Vielleicht kann ich doch ein wenig helfen. Eines der Hauptprobleme, die man beim Schreiben hat, ist, dass man selbst nicht einschätzen kann, wie gut man eigentlich ist. Inn "Writing Fiction for Dummies" von Ingermanson und Peter Economy  ;D steht ein guter Tipp. wie man aus der Formulierung der Ablehnung ableiten kann, wo man steht.
Ich möchte auch anregen, dass Romanautoren mehr Kurzgeschichten schreiben sollen und diese Kurzgeschichten als Übungsaufgaben betrachten. Viele Anthologien förden die kurze Form bis 10 000 Zeichen, in der sich hervorragend Kurzgeschichten schreiben lassen, die Schlüsselszenen in Romanen entsprechen. Ich sage das nur, damit nicht der Einwand kommt: Ich kann nur Romane schreiben und keine Kurzgeschichten.
Für diese Kurzgeschichten gibt es diverse Foren mit Feedback und beispielsweise im Schreiblust-Verlag auch Publikationsmöglichkeiten im Jahrbuch (Best of ...) Wer bei seinen Kurzgeschichten nur selten Zum Zuge kommt, weiß dann, dass er schreibtechnisch noch nicht auf der Höhe ist. Abgesehen davon macht sich eine Publikationsliste mit Kurzgeschichten in angesehenen Verlagen immer gut, wenn man einen Agenten sucht. Auch wenn das nicht den Ausschlag gibt. Die "Hobbyautoren" aus meinem Bekanntenkreis, die heute Romane publizieren (neben ihren Berufen) haben vor zehn Jahren alles mal so angefangen. Es scheint also kein schlechter Weg zu sein. Und ich bin auch diesen Wg gegangen. Deshalb kann ich ihn empfehlen. Eine Garantie ist er allerdings auch nicht. die kann keiner geben.

Viel Erfolg
Trippelschritt
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: Christian am 10. März 2016, 10:11:18
Hmm, nachdem ich eine Nacht drüber 'geschlafen' habe und jetzt einiges von gestern nachgelesen, bin ich zu dem vorläufigen Entschluss (geil, ne?) gekommen, dass mir die Zeit davon läuft. Ich habe mir und der Schreiberei zwei Jahre gegeben (ich glaube sehr wohl, dass Deadlines funktionieren). Die sind mit Ablauf der Buchmesse nächsten Monat rum. Es ist Zeit den Tatsachen ins Auge zu sehen. Ich bin kein Autor, ich kann nicht schreiben und ich bin an dem Punkt, wo es nicht weitergeht. Ob es ohne geht oder nicht, spielt keine Rolle. Ich habe mit ganz anderen Dingen von heute auf morgen aufgehört. Tja, jetzt heißt es dann wohl sortieren und schauen, was da alles an Konsequenzen dranhängt.

Danke für diese Diskussion, die mir letztlich und endlich die Augen geöffnet hat.  :)
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: Valkyrie Tina am 10. März 2016, 10:42:54
Hmm, nachdem ich eine Nacht drüber 'geschlafen' habe und jetzt einiges von gestern nachgelesen, bin ich zu dem vorläufigen Entschluss (geil, ne?) gekommen, dass mir die Zeit davon läuft. Ich habe mir und der Schreiberei zwei Jahre gegeben (ich glaube sehr wohl, dass Deadlines funktionieren). Die sind mit Ablauf der Buchmesse nächsten Monat rum. Es ist Zeit den Tatsachen ins Auge zu sehen. Ich bin kein Autor, ich kann nicht schreiben und ich bin an dem Punkt, wo es nicht weitergeht. Ob es ohne geht oder nicht, spielt keine Rolle. Ich habe mit ganz anderen Dingen von heute auf morgen aufgehört. Tja, jetzt heißt es dann wohl sortieren und schauen, was da alles an Konsequenzen dranhängt.

Danke für diese Diskussion, die mir letztlich und endlich die Augen geöffnet hat.  :)

Ich hab bisher nur mitgelesen, weil Deadline und am Samstag fahren wir in Urlaub, aber das kann ich nicht einfach so stehen lassen.
Christian, du schreibst du hast dir 2 Jahre Zeit gegeben. Welche konkreten Ziele hast du dir bis dahin gesetzt? Von meiner Position aus bist du der Typ, der ... wie viel im Nano geschrieben hat? 150k? 200? Und das Ganze kompetente, gute Prosa. Wie viele Sachen hast du per Selfpublishing veröffentlicht?
Also, quantitativ ist dein Satz
Zitat
Ich bin kein Autor, ich kann nicht schreiben
nicht korrekt. Meinst du es qualitativ? Schwierig, weil schwer zu messen. Wen hast du denn nach seiner Meinung gefragt? Auf was basierst du diese Aussage? Hast du eine Umfrage gestartet? Mit wie vielen Leuten? Aus welchen Bereichen? Freunde? Leser der Zielgruppe?

Ich sage nicht, dass du das Schreiben nicht aufgeben solltest- auch wenn ich persönlich es jammerschade fände. Es gibt Gründe, ein Projekt zu beenden. Aber das sollte aus den richtigen Gründen passieren, und den Grund "ich kann nicht schreiben" sehe ich bei dir nicht.  :knuddel:
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: Slenderella am 10. März 2016, 10:47:23
Ich weiß nicht, ich sehe das gar nicht so verzweifelt und unentspannt. Ich hab Bock aufs Schreiben. Also mache ich das auch. Ich nehme weder so schnell was krumm (die gesunde Leck mich Haltung ist manchmal doch gut), sodass ich an einer schlechten Kritik verzweifle, noch bin ich eine Zicke beim Lektorat, wenn man mir etwas ändert. Ich bin mehr Impulsschreiber. Ich mache das einfach, weil ich Bock darauf habe, dass Leute meine Geschichten lesen.

Rein Objektiv - wie viel tut ihr denn nebenher, damit eure Romane auch was werden - sobald das Buch draußen ist, meine ich natürlich?
Ich hab auch bei meinem ersten Buch gedacht - so jetzt biste wer, jetzt hast du veröffentlicht. Und? Nüx. Gar nichts. Man, was hab ich mich da auf den Hosenboden gesetzt. Niemand mag mich, keiner liebt mich, Hilfe, Hilfe, mein Buch ist blöd.
In der heutigen Zeit muss man seine Leser schon sehr viel nebenher entertainen, damit man im Gedächtnis bleibt. Das kostet viel Zeit - die man sich nehmen muss. Mit einem Leseründchen auf LB ist es heute echt nicht mehr getan. Das mag nicht immer Geld kosten, aber zumindest Zeit und Nerven, die man manchmal gar nicht hat.

Wie viel Zeit verschwendet man auch mit der 4000sten Korrektur (man möchte zwar so perfekt wie möglich wirken, aber darauf kommt es tatsächlich nicht so sehr an ... der kleine Schnitzer auch im Probekapitel killt einen einfach nicht und nur weil mir selbst das Wort da hinten gerade nicht gefällt, ist das nicht ausschlaggebend, ob man was an den Mann bekommt), statt die Zeit viel sinnvoller zu nutzen (Werbung, Entertainment, Leute anschreiben, mit Verlagen Kontakt aufnehmen, Blogger anquatschen, Büchercommunitys nutzen, usw. Ich musste auch feststellen, ohne die Communitys geht es gar nicht, immer nett, immer freundlich, aber eben konstant. Auch da landen Käufer auf der Seite).

Ich bin sogar fast geneigt zu sagen, dass viele Autoren scheitern, weil sie das Schreiben so als Kreativberuf begreifen, dass der Rest - der dazu ebenfalls notwendig ist (jedenfalls wenn man veröffentlichen will), total vernachlässigt wird, denn man ist ja nur der kreative Kopf. Den Rest kann wer anders machen. Aber es wird kein anderer machen.

Übrigens, Christian, 2 Jahre sind nichts. Ich glaube fast jeder Autor ist länger dabei. Das kannst du in 10 Jahren sagen. Aber nicht nach 2. Das ist doch keine Zeit :D
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: HauntingWitch am 10. März 2016, 11:01:57
Witch
Also mit selbstgesetzten Deadlines wird das nichts. Ich bin überzeugt, dass jedes Buch/Werk seine eigene Zeit hat, in welcher es entstehen will. Das ganze ist ja ein Prozess, bei dem du selber immer was dazulernen kannst. Und schliesslich geht es nur um das Buch. Du willst ja aus dem Buch das nur bestmögliche herausholen (und auch aus dir). Wenn du dich mit einem Datum unter Druck setzt, dann bringt das dem Buch nichts.

Weisst du was? :knuddel: Ich habe gestern auch noch lange darüber nachgedacht, weiter darüber nachgedacht. Genau das ist mein Problem. Ich habe angefangen, zu sehr Business daraus zu machen und zu wenig darauf zu achten, was ich wirklich möchte und vor allem auch, was dem Buch gut tut. Zurzeit ist es z.B. so, dass ich diese Deadline vor meinem inneren Auge blinken sehe und da ich aufgrund meines erlernten Berufs einiges darüber weiss, wie so ein Business funktioniert, sagt mir mein Verstand, dass das bis dann fertig sein muss. Aber mein Herz würde sich viel lieber einem anderen Projekt widmen und das erst einmal links liegen lassen. Wenn ich jetzt beim ersten weitermache, dann aus einem "Müssen" heraus und nicht aus Begeisterung. Weil ich denke, dass es aus Business-Sicht mehr bringt und der Erfolg damit näher rückt. Dabei würde ich jetzt viel lieber beim anderen weiter machen. Und wenn mir das jemand erzählen würde, würde ich sagen, warum machst du dann nicht beim anderen weiter? Du hast ja keine Deadline von aussen, du kannst deine Deadline jederzeit verschieben.

Und überhaupt, Erfolg. Erfolg ist eine Eventualität. Ich weiss nicht, ob ich jemals den gewünschten Erfolg erreichen werde und selbst wenn, weiss ich nicht, ob es mir damit wirklich besser gehen würde. Also habe ich mich auch gefragt, was ist mir wichtiger? Will ich wirklich meine (seelische) Gesundheit opfern für so etwas Unsicheres? Nein. Ich möchte dieses Gefühl wieder haben, das ich früher hatte, das ich letztes Jahr, als ich nicht wusste, was schreiben, hatte. Das Gefühl, einfach in die andere Welt abtauchen und bei meinen Charakteren sein zu können, ohne jegliche Gedanken daran, ob es jemandem gefällt oder verkaufbar ist oder wie man das Marketing am besten aufzieht oder oder oder... Ich schreibe, damit es mir besser geht. Es darf nicht sein, dass es mir wegen all diesen anderen Gedanken (die ja nun primär nichts mit Schreiben zu tun haben) schlechter geht.

Und deshalb werde ich genau das tun: Ich werde wieder für mich selbst schreiben. Ich mache kein Business mehr daraus. Wenn das bedeutet, dass ich nie so viel Erfolg haben werde, wie ich gerne hätte, ist es so. Aber dafür geht es mir gut.

@Christian: Und noch einmal: :knuddel: Zwei Jahre erscheint mir sehr wenig. Aber wenn du dich nicht danach fühlst und es dich so belastet, ist deine Entscheidung sicher erst einmal gut. Ich wünsche dir alles Gute, für alles im Leben.

@Alana: Ich glaube sehr wohl, dass man eine Wahl hat. Okay, meine Situation ist vermutlich nicht ganz so verzwickt wie deine, aber ich kann mich sehr wohl entscheiden, ob ich den Fokus auf das Business lege (was mich fertig macht) oder auf das Schreiben selbst (was mir Freude macht). Ich entscheide mich für Letzteres.  :)

Danke noch einmal euch allen.  :knuddel:
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: Trippelschritt am 10. März 2016, 11:04:00
Hmm, nachdem ich eine Nacht drüber 'geschlafen' habe und jetzt einiges von gestern nachgelesen, bin ich zu dem vorläufigen Entschluss (geil, ne?) gekommen, dass mir die Zeit davon läuft. Ich habe mir und der Schreiberei zwei Jahre gegeben (ich glaube sehr wohl, dass Deadlines funktionieren).

Zwei Jahre????  :ätsch: :rofl:

Trippelschritt
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: Christian am 10. März 2016, 11:23:26
@Valkyrie Tina 
Erst einmal: Danke für deine Meinung. Sieh mir bitte nach, dass ich nicht auf alle Fragen eingehen kann, da Themenbereiche berührt werden, die ich hier nicht breit treten möchte.

Meinst du es qualitativ? Schwierig, weil schwer zu messen. Wen hast du denn nach seiner Meinung gefragt? Auf was basierst du diese Aussage? Hast du eine Umfrage gestartet? Mit wie vielen Leuten? Aus welchen Bereichen? Freunde? Leser der Zielgruppe?
Kurz und einfach: Ich. Es ist meine Meinung.

Zitat
Ich sage nicht, dass du das Schreiben nicht aufgeben solltest- auch wenn ich persönlich es jammerschade fände. Es gibt Gründe, ein Projekt zu beenden. Aber das sollte aus den richtigen Gründen passieren, und den Grund "ich kann nicht schreiben" sehe ich bei dir nicht.  :knuddel:
Danke, grundsätzlich stimme ich dir im Großen und Ganzen zu, aber es trifft auf meine spezielle Situation nicht zu.

Übrigens, Christian, 2 Jahre sind nichts. Ich glaube fast jeder Autor ist länger dabei. Das kannst du in 10 Jahren sagen. Aber nicht nach 2. Das ist doch keine Zeit :D
Zwei Jahre in der Intensität sind eine ganze Menge. Ich habe nun mal keine zehn Jahre Zeit.

@Christian: Und noch einmal: :knuddel: Zwei Jahre erscheint mir sehr wenig. Aber wenn du dich nicht danach fühlst und es dich so belastet, ist deine Entscheidung sicher erst einmal gut. Ich wünsche dir alles Gute, für alles im Leben.
Danke dir. :)

Zwei Jahre????  :ätsch: :rofl:
Ah ja?
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: Slenderella am 10. März 2016, 11:44:39
Kann ich nicht beurteilen, ob das viel oder wenig ist, denn was für mich intensiv ist, muss für dich es nicht sein und umgekehrt.
Wer legt denn fest, dass du die 10 Jahre nicht hast?  ???
Wenn du die nicht nehmen möchtest, kann ich das natürlich verstehen.
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: Trippelschritt am 10. März 2016, 11:50:35
Ja, zwei Jahre ist ein Witz. Es sei denn Du bist ein absolutes Ausnahmetalent wie Kafka oder so. Bei uns normalsterblichen - je nach Vorbildung - kann es schon mal zwischen fünf und zehn Jahren dauern. Das hängt davon ab, wieviel Du schreibst und wieviel Beratung und Anregungen Du bekommst. Aber Du kannst mich mal gern PNieren und mir erzählen, welche Schritte Du bisher unternommen hast, um handwerklich besser zu werden. Ich helfe Dir gern. Kein Problem.

Trippelschritt
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: Alana am 10. März 2016, 11:51:39
@Witch: Natürlich hast du diese Wahl, das habe ich ja auch nie anders behauptet. Ich hatte dich aber so verstanden, dass du dich entscheiden möchtest, dich fürs Schreiben nicht mehr zu interessieren, um den Frust, der damit einhergeht, loszuwerden. Ich glaube, diese Wahl hat man nicht, nicht, wenn man es so im Blut hat wie wir. Und alles, was ich gesagt habe, bezog sich darauf. :)

Zitat
Und deshalb werde ich genau das tun: Ich werde wieder für mich selbst schreiben. Ich mache kein Business mehr daraus. Wenn das bedeutet, dass ich nie so viel Erfolg haben werde, wie ich gerne hätte, ist es so. Aber dafür geht es mir gut.

Ganz offensichtlich habe ich dich da falsch verstanden, wenn ich das hier so lese und das freut mich sehr.  :vibes:  :knuddel:

@Christian: Ich glaube auch nie, dass das, was ich fabriziere, wirklich gut ist. Das gehört dazu, fürchte ich. Manchmal, wenn es mir jemand sagt, den ich sehr schätze, glaube ich es für etwa 10 Minuten. Danach fange ich wieder an zu zweifeln. Ich könnte dir jetzt lang und breit sagen, wie toll ich deine Schnipsel im Nano fand, und jedes Wort davon wäre wahr, aber ich weiß ganz ehrlich nicht, ob das gerade hilft oder es eher noch schwerer macht. Ich würde mir nur wünschen, dass du dir, egal, was du jetzt entscheidest, die Freude am Schreiben bewahren kannst. Ich glaube ganz fest, dass du ein guter Autor bist und nur einen Partner finden müsstest, der dich unterstützt. (Agent oder Verlag, am besten beides.) Aber  wir hatten das Thema ja schonmal. Ich hoffe nur, dass du weißt, dass du hier immer eine Anlaufstelle hast, ganz egal, wie es jetzt weitergeht.  :knuddel:
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: Denamio am 10. März 2016, 12:07:34
Ich bin sogar fast geneigt zu sagen, dass viele Autoren scheitern, weil sie das Schreiben so als Kreativberuf begreifen, dass der Rest - der dazu ebenfalls notwendig ist (jedenfalls wenn man veröffentlichen will), total vernachlässigt wird, denn man ist ja nur der kreative Kopf. Den Rest kann wer anders machen. Aber es wird kein anderer machen.

Ich muß gestehen, dass ist der schwierigste Teil für mich. Da entsteht ein Buch, meine Betaleser sagen mir es ist toll und sie tauchen auch Monate später noch auf und wollen mehr. Selber finde ich es auch nicht so schlecht, aber dann kommt die große Veröffentlichungsarbeit.
Da geht man los und sucht nach Agenturen und Verlagen, dabei stolpert man leider über diesen furchtbar unsäglichen Post in Google. Es ist der Beitrag eines bekannten Manuskriptprüfers, der sich süffisant brüstet in 5 Minuten ein Manuskript zu zersägen.
Schon erhält die ohnehin angeschlagene Motivation einen Tritt in die Magengrube. Oder man liest Beiträge wo jemand von einem Verlag erklärt warum amerikanische Bücher so ultimativ viel besser sind als deutscher "Nachwuchs-Dreck". Aber man probiert es trotzdem, sucht weiter, sieht Erfahrungsberichte voll Frustration und Verbitterung. Man klappert trotzdem Agenturen ab und erhält nicht einmal eine Antwort. Garnichts. Wehe man fragt nach drei Monaten mal an, da wirds dann schon einmal pampig oder man steht erst recht auf der Ignoreliste.

Schreiben ist nicht das eigentlich Schwierige daran sondern das Werk an den Markt bringen, DAS ist die eigentliche Herausforderung und an jeder Stelle stehen metaphorische Motivationsvampire, die einem den Willen aussagen weiter zu machen. Durch den dunklen Wald durch zu streifen, dass erscheint mir manchmal als eine Odyssey.


Kurz und einfach: Ich. Es ist meine Meinung.

Ah, du bist also kreativ schaffend! Sorry wenn das so salopp klingt. Es gibt das Sprichwort, wonach man selbst bei der Kunst der größte Kritiker ist. Diese Vorstellung man sei nicht gut genug, ist die Triebfeder die uns besser macht.
Im Gegenteil, ich möchte kein Werk lesen, von dem der Autor ohne Ironie sagt: Das Buch ist perfekt.
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: Alana am 10. März 2016, 12:20:05
Zitat
an jeder Stelle stehen metaphorische Motivationsvampire, die einem den Willen aussagen weiter zu machen

Leider sehr wahr. Früher dachte ich, mit dem ersten Großverlagsvertrag hört das auf, aber leider stimmt das gar nicht, sondern da geht es erst richtig los. Allerdings nicht, was die Zusammenarbeit mit dem Verlag angeht, zumindest bei mir nicht, da bin ich echt wahnsinnig glücklich mit und ich erfahre von dort viel Zuspruch und Rückhalt. Aber es gibt einfach so vieles, das man nicht in der Hand hat und es wird einem immer mehr bewusst, dass die Qualität der eigenen Arbeit nicht viel Einfluss auf das hat, wie sich ein Buch verkauft. Das ist etwas, was ich an dem ganzen als sehr schwer hinzunehmen finde. Trotzdem ist die Qualität meiner Arbeit das Einzige, was ich wirklich beeinflussen kann und der einzige Bereich, indem ich einen Erfolg, wie auch immer geartet, wirklich für mich beanspruchen kann. Deswegen arbeite ich hart an mir, lerne immer dazu, übe, bilde mich weiter und versuche aus jedem Buch das beste Buch zu machen, das ich in dem Moment schreiben konnte. Denn am Ende ist die Lust am Schreiben und das Handwerk, das ich mir angeeignet habe, das Einzige, was mir bleibt, wenn alles andere, worauf ich keinen Einfluss habe, irgendwann mal wegbricht. Und schließlich mache ich das alles nur, weil ich das Schreiben liebe.

Trotzdem stimme ich Slenderella übrigens zu, wenn man damit Geld verdienen will, ist es eben ein Business wie jedes andere und ich finde das auch schön, dass ich es zu meinem Beruf machen konnte und es jetzt als Arbeit betrachten kann. Es ist aber leider tatsächlich so, dass ich, seit ich Vollzeit schreibe, kaum mehr schreibe als vorher, da ich mich nun noch um ganz viele andere Dinge kümmere, die vorher einfach nicht wichtig waren. Ich mache das auch gerne, ich finde es eigentlich schön, dass der Beruf des Autors heutzutage nicht mehr so einsam ist, wie er es mal war. Aber es ist schon manchmal sehr anstrengend, die eierlegende Wollmilchsau sein zu müssen. :)
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: Blackhat am 10. März 2016, 12:57:28
Deswegen arbeite ich hart an mir, lerne immer dazu, übe, bilde mich weiter und versuche aus jedem Buch das beste Buch zu machen, das ich in dem Moment schreiben konnte. Denn am Ende ist die Lust am Schreiben und das Handwerk, das ich mir angeeignet habe, das Einzige, was mir bleibt, wenn alles andere, worauf ich keinen Einfluss habe, irgendwann mal wegbricht. Und schließlich mache ich das alles nur, weil ich das Schreiben liebe.

Das möchte ich genauso für mich unterschreiben.

Wenn man die Absicht hat, professionell zu schreiben, sollte man in meinen Augen drei Dinge tun:
a) sich ein dickes Fell zulegen
b) niemals aufgeben
c) an sich glauben

Ich hatte mich zwei mal bei S&A beworben und zwei Absagen kassiert, obwohl ich viel Arbeit (und Geld) investiert habe, unter anderem in Form eines Kurses bei Rainer Weckwerth. Es folgten zwei Absagen, von denen die zweite sogar krachend war. Danach spielte auch ich kurz mit dem Gedanken, mir eine andere Freizeitbeschäftigung zuzulegen. Das ging aber nicht, weil ich merkte, dass mir dann etwas gewaltig gefehlt hätte. Also habe ich mich hingesetzt, weiter an mir gearbeitet und beim dritten Anlauf hat es dann geklappt. Also nicht verzagen, man wird besser und irgendwann schafft man zumindest mal den ersten Schritt.

Zitat
Schreiben ist nicht das eigentlich Schwierige daran sondern das Werk an den Markt bringen

Das sehe ich allerdings nicht ganz so. Schreiben ist nicht schwierig, so zu schreiben, dass andere einen verlegen wollen, weil sie glauben, dass diese Geschichte von vielen gerne gelesen wird allerdings schon. Da sollte man sich nichts vormachen. Ich hatte weiter oben geschrieben, dass Erfolg beim Schreiben auch mit einer gehörigen Portion Glück verbunden ist, aber die Qualität der Texte muss dabei schon stimmen. Und da sind wir wieder bei dem entscheidenden Punkt angekommen: Wie beurteile ich, ob es an meinem (vielleicht noch unzureichenden) Können liegt oder ich einfach nur Pech habe, dass es mit dem Erfolg nicht klappen will (was damit gemeint ist, muss jeder für sich definieren). Im Zweifelsfall hilft nur eins, um das herauszufinden. Man muss weiter an sich arbeiten und es immer wieder versuchen.

 
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: HauntingWitch am 10. März 2016, 13:11:15
@Witch: Natürlich hast du diese Wahl, das habe ich ja auch nie anders behauptet. Ich hatte dich aber so verstanden, dass du dich entscheiden möchtest, dich fürs Schreiben nicht mehr zu interessieren, um den Frust, der damit einhergeht, loszuwerden. Ich glaube, diese Wahl hat man nicht, nicht, wenn man es so im Blut hat wie wir. Und alles, was ich gesagt habe, bezog sich darauf. :)

Hihi, ich hatte ja mehrmals geschrieben, ich glaube, an einigen Stellen falsch verstanden worden zu sein. Alles gut. :knuddel: Nein, ich glaube auch, dass man das Interesse am Schreiben selbst nicht einfach mal ablegen kann wie ein Kleidungsstück.

Genau das:

Da geht man los und sucht nach Agenturen und Verlagen, dabei stolpert man leider über diesen furchtbar unsäglichen Post in Google. Es ist der Beitrag eines bekannten Manuskriptprüfers, der sich süffisant brüstet in 5 Minuten ein Manuskript zu zersägen.
Schon erhält die ohnehin angeschlagene Motivation einen Tritt in die Magengrube. Oder man liest Beiträge wo jemand von einem Verlag erklärt warum amerikanische Bücher so ultimativ viel besser sind als deutscher "Nachwuchs-Dreck". Aber man probiert es trotzdem, sucht weiter, sieht Erfahrungsberichte voll Frustration und Verbitterung. Man klappert trotzdem Agenturen ab und erhält nicht einmal eine Antwort. Garnichts. Wehe man fragt nach drei Monaten mal an, da wirds dann schon einmal pampig oder man steht erst recht auf der Ignoreliste.

Dieser ganze Kampf, diese Boxerei, diese ständigen Schläge ins Gesicht und in die Magengrube. Deshalb habe ich jetzt mit Selfpublishing angefangen. Vielleicht verkaufe ich dann nur noch 5 Exemplare statt 50 und schon wieder erscheint mir das wie eine Horrorvorstellung und die Gedanken fangen schon wieder an... Aber ich habe jetzt beschlossen, dass das keine Rolle spielen darf (zumindest nicht so eine grosse) und es einfach als teures Hobby zu betrachten. Dann kann ich mir jetzt nämlich sagen, lass diesen Gedanken sein, noch falle ich weich, wenn ich aus diesem Ring hüpfe. Es ist egal, ob es 2 oder 10 Leute lesen, es macht mein Leben immer noch besser, auch jetzt mit der Arbeit im Verein. :)
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: BiancaS am 10. März 2016, 13:33:29
@Christian  :knuddel:
Ich kann dich mal wieder super gut verstehen. Es erstaunt mich doch, wie ähnlich wir uns bei manchen Dingen sind. Als ich vor zwei Jahren wieder in den Tintenzirkel gekommen bin, habe ich mir dieselbe Grenze gesetzt wie du: Zwei Jahre, wenn es bis dahin nicht klappt, höre ich mit dem Schreiben auf. Ich habe mir klar definierte Ziele gesetzt und diese auf diese zwei Jahre umgelegt. Ich habe die Zeit aus anderen Gründen gewählt als du, aber das ist in dem Sinne ja egal.
In diesen zwei Jahren habe ich in einer Intensität geschrieben, gelernt und mich weiterentwickelt, von der ich glaube, dass sie andere Leute auch in zehn Jahren nicht erreichen und von dem, was ich von dir weiß, hast du eine mindestens genauso hohe Intensität gehabt wie ich, wenn nicht sogar noch eine höhere. Lass dir das auf keinen Fall nehmen.
Ich kann die Radikalität hinter deinen Entscheidungen absolut nachvollziehen, weil ich genauso bin. Die letzten Monate waren bei mir auch durch Zweifel und Überlegungen geprägt, was ich mache, wenn die zwei Jahre abgelaufen sind. Gebe ich mir doch noch ein Jahr? Lasse ich es wirklich sein? Im Endeffekt bin ich mittlerweile bei mir zu dem Schluss gekommen, dass ich ohne Schreiben nicht kann, trotzdem wäre das Schreiben nach Ablauf der zwei Jahre dann extrem in den Hintergrund gerückt (diese Entscheidung hätte ich dann getroffen). Bei mir ist es nun aber ein wenig anders gelaufen, es nimmt Fahrt auf, es geht voran, ich komme dem näher, wo ich hin will, deswegen stell sich die Frage mit dem Ablauf "meiner" zwei Jahre gar nicht mehr.
Du bist in dieser Sache derjenige, der es entscheiden muss. Wenn du meinst, dass es besser für dich ist, an deiner Entscheidung festzuhalten, tu das! Du hast jetzt zwei Jahre extrem an dir und deiner Schreiberei gearbeitet, also bist du auch derjenige, der mit am Besten entscheiden kann, ob es für dich einen Sinn macht, weiterzumachen, weil es egal ist, was andere von dir und deiner Schreiberei halten, wenn du selbst nicht mehr überzeugt bist (einfach, weil du dann auch anfängst, dich selbst zu blockieren etc.). Dann fängst du wirklich an dich zu quälen und ich denke, dass willst du eben auch nicht.
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: HauntingWitch am 10. März 2016, 13:52:34
Wenn man die Absicht hat, professionell zu schreiben, sollte man in meinen Augen drei Dinge tun:
a) sich ein dickes Fell zulegen
b) niemals aufgeben
c) an sich glauben

Entschuldigung, das hatte ich vorhin vergessen, aber das kann ich nicht so stehen lassen. Das ist genau der PR-Text, den man in allen Medien, Positivity-Büchern und von sämtlichen grösseren "Popstars" (egal ob Musiker, Autoren, Schauspieler oder whatever) zu lesen und zu hören bekommt. Die Punkte b) und c) haben jedoch einen kleinen Schönheitsfehler. Sie suggerieren einem, dass man es in jedem Fall schafft, wenn man das tut. Es hat zumindest in mir genau diese "wenn du X willst, dann musst du Y"-Gedanken verstärkt und vergrössert und sich in ein Monster verwandelt, genau dieses, das ich jetzt zurücklassen möchte. Ich war so lange überzeugt von diesen beiden Dingen und das sie eine Art Patentlösung sind, dass ich schon davon verrückt wurde, auch nur eine Sekunde zu denken, ich verlöre den Glauben noch. Das ging zuletzt soweit, dass ich mir bestimmte Musik nicht mehr angehört habe, weil ich glaubte, sie hätte einen negativen Einfluss auf meine Psyche. So viel dazu.

Ausserdem habe ich Bücher von Leuten gelesen, die es Jahre lang versucht haben, alles dafür aufgegeben haben und fast auf der Strasse gelandet sind deswegen. Leute, die vieles richtig gemacht haben und einfach Pech hatten. Und dann gibt es noch jene, die alt und frustriert werden, weil sie niemals aufgegeben haben, aber auch ihre Träume niemals erfüllen konnten. Was sagen die auf dem Sterbebett, frage ich mich? "Ach, wenn doch nur" und "ich hätte mir doch gewünscht"? Ich will auf meinem Sterbebett sagen können: "Ich habe gelebt und ich habe gut gelebt." Und das bedeutet für mich auch, nicht ewig einem Traum nachzujagen, der endlos weit entfernt scheint und einen nur von den Dingen um einen herum ablenkt. Im Hier und Jetzt. Und dann gibt es noch jene, die einfach nicht diese Kraft haben, durch die dunkelsten Zeiten an einem Glauben festzuhalten, denn letztendlich ist der Glaube nur ein Abstraktum, das schnell von der Realität eingeholt werden kann.

Das alles ist schön und gut, aber es ist keine Garantie und kein Patentrezept und es sollte sich nicht wie Zwang anfühlen. Man muss nicht ein Spielball sein, aber man kann auch nicht alles beeinflussen, leider. Das, was @Alana dazu weiter oben gesagt hat (sorry, das habe ich gestern irgendwie nicht so klar gesehen).
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: Alana am 10. März 2016, 14:04:12
Über diese Dinge mache ich mir auch in letzter Zeit Gedanken. Unsere Zeit und unsere Gesellschaft propagiert, dass man alles schaffen kann, wenn man es nur will und hart arbeitet. Das ist eigentlich ein wertvoller Gedanke. Nur leider stimmt es einfach nicht. Selbst wenn ich wollte, könnte ich durch Gewichtsverlust keine grazile Elfe werden. Ist mir einfach nicht gegeben. Und das ist auch okay. Nur liegt gerade da das Problem. Die Vorstellung, dass es sich bei unserer Gesellschaft um eine echte Meritokratie handelt, ist zum einen falsch (wenn auch wünschenswert) und übt zum anderen enormen Druck aus. Denn wer seinen Traum nicht verwirklicht, ist in den Augen der Gesellschaft dann halt selbst schuld, zu faul oder will es nicht genug. Ich habe immer mehr den Eindruck, dass diese Weiterführung der Chancengleichheit und des Gedankens, dass jeder sein Schicksal selbst in der Hand hat, den eigentlichen Zweck ad absurdum führt und viele Leute unglücklich macht. Wir haben unser Leben eben nicht so in der Hand, wie wir es gerne hätten. Dass das okay ist, musste ich auch mühsam lernen und lerne noch. Das heißt nicht, dass ich aufgebe. Nein. Ich kämpfe weiter, aber eben da, wo ich für mich einen Sinn sehe und nicht jemand anders.
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: Trippelschritt am 10. März 2016, 14:11:19
Gut gesagt, Witch. Und richtig! Es gibt keine Garantie, dass man es schafft. Zumindest nicht auf dem geraden Weg.
ABER
Wer aufgibt hat immer verloren. Das gilt nicht nur für Träume. Manchmal lassen sich Träume nicht erfüllen. Und deshalb sollte man zu zusätzlich zu seinem Traum auch einen Plan B haben und seinem Traum nicht alls opfern. Opferbereitschaft ist kein Schritt auf dem Weg zur Traumerfüllung. Eher hilft gesunder Menschenverstand. Aber wer aufgibt hat in jedem Fall verloren und deshalb ist das keine Option.

Bleibt noch die Sache mit den Selbstzweifeln. Erst einmal zum Trost: Selbstzweifel haben auch viele Leute, die im Grunde genommen erfolgreich sind. Man muss auch nicht an sich glauben. Ma darf Zweifel haben. Aber nicht wegen der Zweifel aufgeben. Siehe voriger Punkt. Auch wenn man momentan nicht landen kann, dann kann man immer noch zwei Dinge tun: Einmal besser schreiben, denn das hört nie auf. Besser geht immer. Und besser erhöht die Erfolgschancen. Und das andere ist über Wege nachzudenken, wie man es trotzdem schaffen kann. Und da gibt es mehr, als man sich vorstellen kann. Wer schreiben will, kann mühelos das Genrewechseln und von der Belletristik auf die Sachbuchschiene wechseln oder vom Thriller zum Märchen oder was weiß ich. Manchmal geht es auch über Kontakte und Empfehlungen. Was ich sagen will ist: Seit findig und macht! Wenn es der Traum ist, den großen Liebesroman mit Sozialkritik zu schreiben und nur den und nichts anderes, dann ist der Pfad höllisch eng und man braucht sehr viel Glück.

Aber immer gilt: Nicht aufgeben.

Trippelschritt

Edit: Mit Alana überschnitten
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: Fianna am 10. März 2016, 14:11:55
Ich will auf meinem Sterbebett sagen können: "Ich habe gelebt und ich habe gut gelebt." Und das bedeutet für mich auch, nicht ewig einem Traum nachzujagen, der endlos weit entfernt scheint und einen nur von den Dingen um einen herum ablenkt. Im Hier und Jetzt.
Aber es ist doch keine entweder-oder-Entscheidung. Entweder Schreiben oder Leben.

Ich kenne das Problem mit dem Erfolgsdruck so ein bisschen, weil ich bis vor einem Jahr sehr stark beanspruchte Arbeitstage hatte, so 14 Stunden oder im schlimmsten Fall mehr. Nachdem ich jetzt vom Zeitaufwand normale Arbeitszeiten hatte, habe ich mir viel vorgenommen, wollte ich unbedingt meine langen Projekte verwirklichen, x Wörter pro Tag schreiben, mind. 1 Projekt in Endfassung fertigstellen...
... und stehe mit einer fast absoluten Schreibblockade da, so dass ich nicht mal im Mini-T-12 mein Pensum bisher geschrieben habe.

Und ich hatte mir eben auch gedacht "Jetzt konzentrierst Du Dich in dem Jahr, wo Du umgezogen bist und alle, die Du da kennst, im Ausland sind, mal nur aufs Schreiben."
Satz mit X, war wohl nix.


Sich nur aufs Schreiben konzentrieren und außer Brotjob und Schlafen kaum was anderes mehr machen, das ist ungesund. Und das braucht es auch nicht, um Projekte zu vervollständigen oder diese erfolgreich zu veröffentlichen.

Ich lese gerne in der Arena bei den Vielschreibern mit, weil ich hoffe, dass mich mehr motiviert, wenn ich sehe, wieviel andere Leute schaffen (Erfolgsquote: bisher nicht so groß).
Aber praktisch alle machen scheinbar eine große oder mehrere kleine Sachen noch nebendran, Ehrenamt, andere Hobbies... Ich denke mal, das ist ganz gesund, sich nicht ausschließlich aufs Schreiben zu konzentrieren, insbesondere, wenn man noch 100 % anderswo arbeitet. Man kann ja auch so viel schaffen (sowohl was Wortzahlen kloppen als auch was Veröffentlichen angeht), man muss nur die produktivste Arbeitsweise für sich selbst gefunden haben.

[EDIT: Und eben die richtigen Genre / Projekte schreiben, die gerade gefragt werden. Das "Man kann es auch so schaffen" war rein auf den nötigen Zeitaufwand bezogen, die entsprechenden Gegebenheiten mit Markt und Nachfrage hatte ich da mal vorausgesetzt. ]

Nur Arbeiten, Schlafen, Schreiben und auf Veröffentlichungen hibbeln, das macht einen kaputt.
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: Alana am 10. März 2016, 14:19:11
Zitat
Nur Arbeiten, Schlafen, Schreiben und auf Veröffentlichungen hibbeln, das macht einen kaputt.

Kann ich bestätigen. Habe ich letztes Jahr versucht und war nach anfänglichem Hochgefühl so unglücklich wie schon lange nicht mehr. Jetzt betrachte ich das Schreiben als Lebensinhalt, Lieblingsbeschäftigung und Arbeit, aber nicht auch noch als Hobby so wie letztes Jahr. Ich musste mich zwingen, mir einen Ausgleich zu suchen und nicht rund um die Uhr an meine Bücher zu denken, aber jetzt geht es mir besser. Vor allem, nachdem ich beschlossen habe, Erfolg nicht mehr so sehr in den Äußerlichkeiten zu sehen, sondern in der Zufriedenheit mit meiner Arbeit. :)
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: Slenderella am 10. März 2016, 14:27:14
Ich bin sogar fast geneigt zu sagen, dass viele Autoren scheitern, weil sie das Schreiben so als Kreativberuf begreifen, dass der Rest - der dazu ebenfalls notwendig ist (jedenfalls wenn man veröffentlichen will), total vernachlässigt wird, denn man ist ja nur der kreative Kopf. Den Rest kann wer anders machen. Aber es wird kein anderer machen.

Ich muß gestehen, dass ist der schwierigste Teil für mich. Da entsteht ein Buch, meine Betaleser sagen mir es ist toll und sie tauchen auch Monate später noch auf und wollen mehr. Selber finde ich es auch nicht so schlecht, aber dann kommt die große Veröffentlichungsarbeit.
Da geht man los und sucht nach Agenturen und Verlagen, dabei stolpert man leider über diesen furchtbar unsäglichen Post in Google. Es ist der Beitrag eines bekannten Manuskriptprüfers, der sich süffisant brüstet in 5 Minuten ein Manuskript zu zersägen.
Schon erhält die ohnehin angeschlagene Motivation einen Tritt in die Magengrube. Oder man liest Beiträge wo jemand von einem Verlag erklärt warum amerikanische Bücher so ultimativ viel besser sind als deutscher "Nachwuchs-Dreck". Aber man probiert es trotzdem, sucht weiter, sieht Erfahrungsberichte voll Frustration und Verbitterung. Man klappert trotzdem Agenturen ab und erhält nicht einmal eine Antwort. Garnichts. Wehe man fragt nach drei Monaten mal an, da wirds dann schon einmal pampig oder man steht erst recht auf der Ignoreliste.

Schreiben ist nicht das eigentlich Schwierige daran sondern das Werk an den Markt bringen, DAS ist die eigentliche Herausforderung und an jeder Stelle stehen metaphorische Motivationsvampire, die einem den Willen aussagen weiter zu machen. Durch den dunklen Wald durch zu streifen, dass erscheint mir manchmal als eine Odyssey.


Warum liest du denn so einen Quatsch auch? Das lese ich gar nicht :D
Ich suche keine Erfahrungsberichte mehr. Wenn ich mich mit einem Verlag konfrontiert sehe, google ich ihn kurz und gut. Ich schaue mir Agenturen an, ob mein Buch zu ihren Präferenzen zählt und das wars. Es irgendwo einsortieren, oder gar von einem unabhängigen Menschen gegen Geld bewerten lassen, das tue ich nicht. Halte ich nichts von, habe ich nie gemacht und gebraucht. Ich kann mir anhand der Absagen oder Zusagen ja schnell zusammenreimen, wo das Problem mit meinem Manuskript ist - selbst eine "Ein-Satz" Begründung gibt einem manchmal viel.
Oder auch nix - weil Manuskripte NIE objektiv bewertet werden und niemand 100% voraussagen kann, was daraus wird und wen es interessiert.

Zuletzt hat mir eine Agentur gesagt - ne, also das können sie nicht machen, das ist ja viel zu speziell. Das bekämen sie nicht an einen großen Publikumsverlag. Der große Publikumsverlag ist aber gerade dran, genau das zu machen (war so ne Parallelsache).
Wer hat da nun also recht? Niemand wahrscheinlich.
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: Tintenteufel am 10. März 2016, 15:20:33
Ich verstehe die Diskussion jetzt nicht so ganz. Bin ich da der einzige? ???
Ich hab jetzt eine Weile gebraucht für diesen Beitrag und will damit niemandem auf die Füße steigen.

Den Teil mit den Patentlösungen möchte ich aber doch mal angehen.
Nicht jeder ist für das Schreiben als Beruf gemacht - völlig okay. Ich weiß auch nicht, ob ich das will. Oder wollen würde, wenn ich meine 1.000.000 Wörter runtergerissen habe (966.000 to go) und nicht mehr als drei Likes und ein "Ganz nett" von einer Freundin bekommen habe. Das steht alles in den Sternen. Ich kann es mir auch kaum vorstellen, was es heißt sechs oder acht Stunden täglich vor Texten zu sitzen und zu korrigieren, an einzelnen Sätzen herum zu korrigieren. Ich bin mit meiner einen Stunde und konsequent für Korrekturen aufgewandte Samstage schon recht ausgelastet.
Und nein, Hartnäckigkeit, Selbstvertrauen und Zähigkeit werden einen nicht bis ans Ziel bringen. Aber sie sind allemal notwendig. Den erfolgreichen Schriftsteller möchte ich sehen, der nach einem gefloppten oder zähen Roman hingeschmissen hat. Ich hasse diese Beispiele mit J.K.Rowling, aber: Sieben Jahre. Siebe Jahre arbeiten und schwitzen an einem einzigen Buch. Kein Geld, kein Erfolg, eine gescheiterte Ehe, eine tote Mutter und zwölf Absagen später eine Veröffentlichung. Es hat weitere zweieinhalb Jahre gedauert, bis sich der Rest der Welt dafür interessiert hat.
Einige der berühmtesten, reichsten und objektiv erfolgreichsten Menschen auf diesem Planeten sind dumm wie drei Meter Feldweg bei Kassel, im Marketing absolut unfähig und bekommen von allen Seiten mehr Kritik ab, als sie wahrscheinlich verdienen. Kanye West, seine Frau, praktisch jeder amerikanische Popstar, von dem ich mehr als den Namen kenne. Die haben alle eines gemeinsam: Ein Ego groß wie Texas und die Unfähigkeit aufzugeben.
Wie glücklich die sind ist eine andere Frage. Da kommt dann auch, natürlich, das ganz persönliche Empfinden mit dazu, worin man sein Glück so findet.

Die einzige Sünde der Motivationsmenschen ist es, notwendige und hinreichende Bedingungen miteinander zu verwechseln.
Es gehört auch eine gehörige Portion Glück dazu, natürlich. Aber wer nicht am Ball bleibt und die Selbstzweifel ab und an verjagt, bei dem steht das Glück irgendwann vor einer verwaisten Wohnung. Und Glück wird bei Umzug nicht nachgeschickt.
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: HauntingWitch am 10. März 2016, 15:54:36
@Tintenteufel: Das ist genau das, was ich meine. Dieses "Aber die Rowling hat auch so und so lange gebraucht" oder "King wurde auch 40 Mal abgelehnt" (hypothetische Zahl) kann eben auch dazu führen, dass man sich verkrampft, dass man das Gefühl bekommt, nicht loslassen zu dürfen. Dann wird der Glaube an sich selbst zu einem Zwang, an den bald eintretenden Erfolg glauben zu müssen und das kann einen kaputt machen.
Und weil das Beispiel so schön ist, Kanye Wests Frau, worauf basiert denn ihre Berühmtheit? Mittlerweile doch eher nur noch auf einschlägigen Fotos von sich selbst als auf etwas anderem. Anfangs war sie mal noch Schauspielerin, ist da aber wohl mangels Talent durchgefallen. Möchte man so eine traurige Gestalt werden? Vielleicht ist sie glücklich, dann ist das schön für sie. Aber möchtest du so etwas für dich? Wahrscheinlich möchten wir alle dasselbe wie Rowling oder King (ja, natürlich!), aber was, wenn genau diese Ambition (oder eine in diese Richtung) einen auffrisst? Dann sage ich mir lieber: Wisst ihr was, f*** it, ich schreibe, ich veröffentliche, den Rest überlasse ich dem Zufall (oder meinen Launen, vielleicht mache ich ein bisschen Marketing, wenn ich gut drauf bin und Lust dazu habe). Dann geht es mir aber bestimmt tausend Mal besser, als wenn ich dauernd das Gefühl habe, zu müssen, weil es ja erforderlich ist, wenn man erfolgreich sein will...

@Trippelschritt: Noch vor einer Woche hätte ich dir vorbehaltlos zugestimmt. ;) Aber um zu dem Bild mit dem Boxring zurückzukommen, wir haben da einen aussichtslosen Kampf, der beide Beteiligten immer nur noch mehr schwächt. Was verliere ich, wenn ich mich in das Gras nebenan fallen lasse? Ich kann mir die Wolken angucken, durchatmen und meine Wunden verheilen lassen. Und wenn ich mich dann wieder fit fühle, kann ich aufstehen und in jede Richtung gehen und mir alles andere ansehen. Was ich natürlich nicht kann, wenn ich in diesem Ring gefangen bin. Also im Moment gefällt mir diese Vorstellung ehrlich gesagt besser.  :)
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: Tintenteufel am 10. März 2016, 16:05:25
@Tintenteufel: Das ist genau das, was ich meine. Dieses "Aber die Rowling hat auch so und so lange gebraucht" oder "King wurde auch 40 Mal abgelehnt" (hypothetische Zahl) kann eben auch dazu führen, dass man sich verkrampft, dass man das Gefühl bekommt, nicht loslassen zu dürfen. Dann wird der Glaube an sich selbst zu einem Zwang, an den bald eintretenden Erfolg glauben zu müssen und das kann einen kaputt machen.
Und weil das Beispiel so schön ist, Kanye Wests Frau, worauf basiert denn ihre Berühmtheit? Mittlerweile doch eher nur noch auf einschlägigen Fotos von sich selbst als auf etwas anderem. Anfangs war sie mal noch Schauspielerin, ist da aber wohl mangels Talent durchgefallen. Möchte man so eine traurige Gestalt werden? Vielleicht ist sie glücklich, dann ist das schön für sie. Aber möchtest du so etwas für dich? Wahrscheinlich möchten wir alle dasselbe wie Rowling oder King (ja, natürlich!), aber was, wenn genau diese Ambition (oder eine in diese Richtung) einen auffrisst? Dann sage ich mir lieber: Wisst ihr was, f*** it, ich schreibe, ich veröffentliche, den Rest überlasse ich dem Zufall (oder meinen Launen, vielleicht mache ich ein bisschen Marketing, wenn ich gut drauf bin und Lust dazu habe). Dann geht es mir aber bestimmt tausend Mal besser, als wenn ich dauernd das Gefühl habe, zu müssen, weil es ja erforderlich ist, wenn man erfolgreich sein will...

Ehm ja, und das ist Hartnäckigkeit?
Edit: Sich eben ein Fell zulegen und einfach trotzdem machen. Es gibt doch einen massiven Unterschied zwischen dem Zwang jetzt nächste Woche sofort einen Bestseller hinzulegen und dem Selbstvertrauen, dass man innerhalb von 10 Jahren mal zu Erfolg kommen wird.

Und wie traurig Kim Kardashian ist, weiß ich nicht. Darum ging es ja aber auch nicht. :) Auch nicht um das mangelnde Talent oder moralische Bedenken.  Das unterstützt meinen Punkt doch nur: Die Frau kann nix, gibt aber nicht auf.
Da wo sie ist, ist sie wegen zähem Willen und Durchhaltevermögen - bei knapp 90 Millionen US-Dollar Net Worth, 41 Millionen Followern auf Twittern und mehr Einfluß, Geld und Bekanntheit, als wahrscheinlich das ganze Forum zusammen gerechnet. Für mich ist das Erfolg in der Branche als Celebrity. :)
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: Blackhat am 10. März 2016, 16:13:33
Zitat
Entschuldigung, das hatte ich vorhin vergessen, aber das kann ich nicht so stehen lassen. Das ist genau der PR-Text, den man in allen Medien, Positivity-Büchern und von sämtlichen grösseren "Popstars" (egal ob Musiker, Autoren, Schauspieler oder whatever) zu lesen und zu hören bekommt. Die Punkte b) und c) haben jedoch einen kleinen Schönheitsfehler. Sie suggerieren einem, dass man es in jedem Fall schafft, wenn man das tut.

@Witch:
Nö, steht da in meinem Post nicht drin und habe ich auch nicht so gemeint. Ich sage nicht, dass man, wenn man diese drei Punkte beherzigt auf jeden Fall Erfolg hat. Das ist in der Tat Blödsinn. Wenn man allerdings den Beruf Autor anstrebt oder sich den Mühlen des Literaturbetriebs aussetzen will, sollte man einiges von den drei Punkten mitbringen. Erfolg garantiert das noch lange nicht. Aber ohne geht es halt auch nicht. Ob man letztendlich Erfolg hat, hängt von sehr vielen Faktoren ab und wie weit man seine Schreiberei treibt und was für Träume man verfolgt muss jeder mit sich selbst ausmachen. 
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: HauntingWitch am 10. März 2016, 16:23:25
Nö, steht da in meinem Post nicht drin und habe ich auch nicht so gemeint. Ich sage nicht, dass man, wenn man diese drei Punkte beherzigt auf jeden Fall Erfolg hat. 

Das sollte keine Unterstellung sein, sondern eher eine allgemeine Relativierung. Sorry, wenn das falsch rübergekommen ist. Es wird halt oft so dargestellt und da bin ich mittlerweile recht empfindlich.
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: Lina Franken am 10. März 2016, 17:12:36
Über diese Dinge mache ich mir auch in letzter Zeit Gedanken. Unsere Zeit und unsere Gesellschaft propagiert, dass man alles schaffen kann, wenn man es nur will und hart arbeitet. Das ist eigentlich ein wertvoller Gedanke. Nur leider stimmt es einfach nicht. Selbst wenn ich wollte, könnte ich durch Gewichtsverlust keine grazile Elfe werden. Ist mir einfach nicht gegeben. Und das ist auch okay. Nur liegt gerade da das Problem. Die Vorstellung, dass es sich bei unserer Gesellschaft um eine echte Meritokratie handelt, ist zum einen falsch (wenn auch wünschenswert) und übt zum anderen enormen Druck aus. Denn wer seinen Traum nicht verwirklicht, ist in den Augen der Gesellschaft dann halt selbst schuld, zu faul oder will es nicht genug. Ich habe immer mehr den Eindruck, dass diese Weiterführung der Chancengleichheit und des Gedankens, dass jeder sein Schicksal selbst in der Hand hat, den eigentlichen Zweck ad absurdum führt und viele Leute unglücklich macht. Wir haben unser Leben eben nicht so in der Hand, wie wir es gerne hätten. Dass das okay ist, musste ich auch mühsam lernen und lerne noch. Das heißt nicht, dass ich aufgebe. Nein. Ich kämpfe weiter, aber eben da, wo ich für mich einen Sinn sehe und nicht jemand anders.

Ich fibde, das ist sehr schön zusammengefasst.
Ich stand vor zwei Jahren wieder vor der Frage was ich mit meinem Leben machen möchte und die Optionen waren zahlreich und auch wieder nicht. Mit etwas Anstrengung könnte ich vielleicht im Brotjob aufsteigen, mit Glück vielleicht Autor werden, mit sonst was, könnte ich sonst was  sein...  Aber was will eigentlich ich? Ich will einfach nur schreiben. Ich bin glücklich, wenn ich schreibe. Ich möchte glücklich sein. Ich habe "aufgegeben".  Aber nur in den Augen von Außenstehenden. Mein Brotjob ist sinnlos, aber er lässt mir Zeit zum Schreiben und sorgt für bisschen Lebensunterhalt. Auf dem Papier bin ich ein Niemand, ein völliger Versager. Aber was interessiert mich dieses Papier?  Papier ist nach meiner Ansicht zum Schreiben von Büchern, nicht zum Schreiben von Lebensläufen. Nicht das Papier entscheidet wer ich bin, ich entscheide was auf dem Papier steht. Und was steht durch meine Augen gesehen drauf? Da steht: Lina ist glücklich.
Der Größte Erfolg meines Lebens, das größte, was ich je erreicht habe, ist die Erkenntnis, dass ich nichts anderes zum Glück brauche, als ein leeres Blatt Papier und einen Stift. Nicht die Medien, die Familie, die Gesellschaft oder die Leser entscheiden, was mein Erfolg ist, ich entscheide das. Und wenn mein Erfolg in den Augen von andren bedeutungslos ist, warum sollten die Augen dieser Menschen für mich dann eine Bedeutung haben?
Ich lese hier zwischen den Zeilen so viel Angst und Kummer und frage mich: Kummer gibt es auch so genug in der Welt. Sollte etwas, das einem so viel bedeutet, dass man es sogar zur Berufung machen möchte nicht wie eine heilige Kirche sein, bei der Kummer vom Blitz erschlagen wird, wenn er versucht sich zu nähern? Vielleicht brauchen wir keine rationalen Erklärungen und keine Patent-Rezepte, sondern einfach mal eine gemeinsame Messe zu ehren sich rar machender Musen? So vielen Menschen fällt es leicht an Gott oder die Liebe zu glauben ohne einen 100%igen Beweis dafür zu haben, warum fällt es gerade uns als Fantasy-Autoren so schwer an unser Talent zu glauben? Sollten wir nicht mit gutem Beispiel voran gehen und das tun was wir am besten können: uns etwas lebhaft vorzustellen, was gar nicht da ist: eine Welt die nach unseren Vorstellungen funktioniert, in der wir entscheiden, was Erfolg ist. Ich habe heute meinen Plot voranbringen können. Für mich ist das eine große Beförderung. Ich feier mich jetzt einfach mal selbst. Soll Rowling ihre Millionen und ihre Leser haben. Ich habe einen Job mit Mindestlohn und einen  Plot, der mir Spaß macht. Ich bin der reichste Mensch der Welt.
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: Tageule am 10. März 2016, 18:18:14
Noch kenne ich hier niemanden wirklich gut, weil ich noch neu bin. Und bevor ich noch jemanden falsch verstehe und eventuell auf die Füße trete, berichte ich nur, wie ich das Ganze mit dem Traum vom Schriftsteller sein für mich handhabe. Bzw. mit dem Traum, vom Schreiben leben zu können, denn meiner Meinung nach ist man schon Schriftsteller, wenn man ein ENDE unter seinen Roman gesetzt hat - auch ohne Veröffentlichung.

Auf jeden Fall kann ich von mir sagen, dass ich diesen Traum habe und ihn durchziehen will, damit ich später sagen kann, ich habe alles versucht. Andere haben sich vielleicht vorgenommen, den Gipfel des Mount Everest zu besteigen und würden es am Ende bereuen, nicht alles dafür getan zu haben. Ich habe eben diesen Traum.
Um ihn zu verwirklichen habe ich 13 Jahre lang mit wenigen Unterbrechungen viel geschrieben, ohne an eine Veröffentlichung zu denken. Es hat mir einfach Spaß bereitet zu schreiben, ich wusste, dass ich viel zu lernen habe und wollte mir keinen Druck aufbauen. Jetzt fühle ich mich bereit und ordne im Augenblick alles, was ich lieber schreiben würde, einer Idee unter, von der ich glaube, dass sie massentauglich sein könnte. Das heißt nicht, dass mir an dieser Idee zu schreiben keinen Spaß bereitet - es ist immer noch etwas, das ich selbst gerne lesen würde - aber es kommt mir doch mehr wie harte Arbeit vor, als einfach hobbymäßig das zu schreiben, was mir gerade in den Sinn kommt. Sollte mir eine erfolgreiche Veröffentlichung nicht gelingen, sehe ich es aber auch nicht als Schande an, diesen Traum aufzugeben. Ich werde dann allerdings das Schreiben nicht an den Nagel hängen, sondern einfach wieder nur noch das in Worte fassen, was mich eben gerade am meisten reizt. Solange es mir Spaß macht, bleibe ich auch ohne den großen Traum dabei.
Früher hatte ich auch mal den Traum, Fußballprofi zu werden. Es hat nicht funktioniert, trotzdem spiele ich heute immer noch Fußball. Aufgrund meines Alters ist es auch nicht mehr möglich Profi zu werden. Beim Schreiben hat man immer das Hintertürchen offen, doch mal einen Erfolg zu landen, solange man dabei bleibt. Ich werde erfolgreich zu sein jedoch nach meinem aktuellen Versuch nur noch als eine Option auffassen und nicht als Ziel.
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: Waldhex am 10. März 2016, 21:26:56
Genau das:

Da geht man los und sucht nach Agenturen und Verlagen, dabei stolpert man leider über diesen furchtbar unsäglichen Post in Google. Es ist der Beitrag eines bekannten Manuskriptprüfers, der sich süffisant brüstet in 5 Minuten ein Manuskript zu zersägen.
Schon erhält die ohnehin angeschlagene Motivation einen Tritt in die Magengrube. Oder man liest Beiträge wo jemand von einem Verlag erklärt warum amerikanische Bücher so ultimativ viel besser sind als deutscher "Nachwuchs-Dreck". Aber man probiert es trotzdem, sucht weiter, sieht Erfahrungsberichte voll Frustration und Verbitterung. Man klappert trotzdem Agenturen ab und erhält nicht einmal eine Antwort. Garnichts. Wehe man fragt nach drei Monaten mal an, da wirds dann schon einmal pampig oder man steht erst recht auf der Ignoreliste.

Dieser ganze Kampf, diese Boxerei, diese ständigen Schläge ins Gesicht und in die Magengrube. Deshalb habe ich jetzt mit Selfpublishing angefangen. Vielleicht verkaufe ich dann nur noch 5 Exemplare statt 50 und schon wieder erscheint mir das wie eine Horrorvorstellung und die Gedanken fangen schon wieder an... Aber ich habe jetzt beschlossen, dass das keine Rolle spielen darf (zumindest nicht so eine grosse) und es einfach als teures Hobby zu betrachten. Dann kann ich mir jetzt nämlich sagen, lass diesen Gedanken sein, noch falle ich weich, wenn ich aus diesem Ring hüpfe. Es ist egal, ob es 2 oder 10 Leute lesen, es macht mein Leben immer noch besser, auch jetzt mit der Arbeit im Verein. :)

Ich zitiere das mal, weil es für mich selbst irgendwie stimmig ist. Ich hatte mich hingesetzt und einen Roman geschrieben. Dann wollte ich den unbedingt veröffentlicht wissen. Ich hatte damals einfach keine Lust, jetzt groß auf die Suche nach einem Verlag oder Agenten zu gehen. Als ich dann die Möglichkeit gefunden hatte, den Roman über KDP/Create Space zu veröffentlichen habe ich das einfach gemacht. Genau genommen ohne großartig darüber nachzudenken. Dann kam schon so die Frage: und jetzt?
Der Roman hat zwar bis heute nur eine handvoll  Leser, aber jeder zweite fragte gleich: wann kommt die Fortsetzung. "Welche Fortsetzung? Das ist ein Enzelroman." "Wirklich?" Ich bin in mich gegangen und habe festgestellt, dass es tatsächlich noch eine Fortsetzung gibt. Auch hier wieder SP, meine paar Leser wollten schließlich die Fortsetzung haben und nicht ewig warten.  :D
Was soll ich sagen - Erfolg würde wohl kaum jemand die kleine Leserschaft nennen, aber: Ich bin unheimlich happy, dass ich es tatsächlich geschafft habe, etwas fertig zu bekommen und sogar zu veröffentlichen (und noch rechtzeitig, bevor mein Vater gestorben ist, so konnte er das noch miterleben). Die überwiegend positiven Rückmeldungen haben meinem Ego verdammt gut getan. Und jetzt? Bei meinem jetzigen Projekt hatte ich echt große Zweifel, ob sich nicht alles viel zu lange hinzieht und langweilig sein könnte, aber mein Mann hat die bisherigen 50 Din-A-4 Seiten an drei Abenden fertig gelesen und schon mit korrigieren anrgefangen, obwohl er eher ein langsamer Leser ist - ist dann wohl doch spannend und für mich Ansporn genug weiterzuschreiben.
Natürlich habe auch ich den Traum mal einen Bestseller zu landen, richtig viel Geld zu haben und einfach meine Zeit auf meine Hobbys, zu dem ich auch das Schreiben zähle, aufteilen zu können; ohne auf meinen Gehalt vom Job angewiesen zu sein.  Bis es soweit ist, schreibe ich aus Spaß an der Freude. Vielleicht versuche ich irgendwann die Verlagsschiene, vielleicht bleibe ich beim SP, obwohl ich überhaupt keine Netzwerkerin bin und auch nichts von Marketing etc. verstehe. Wenn ich dann irgendwann sterbe kann ich wenigstens sagen: ich hab ein paar Bücher geschrieben und zufrieden meine Augen schließen. Letzteres dauert aber hoffentlich noch einige Jahrzehnte.  :vibes:
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: Blackhat am 10. März 2016, 23:16:21
@Witch
Ich wollte gar nicht so eingeschnappt klingen wie es vielleicht rübergekommen ist. Hach, das verdämmte geschriebene Wort   ;D. Nee, ich bin nur fasziniert von der Diskussion, die sich hier entwickelt und den Gedanken und Gefühlen, die hier alle einbringen. Ich glaube auch, dass wir am Ende alle gar nicht so weit auseinanderliegen.  :knuddel:
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: Cailyn am 11. März 2016, 09:02:41
Gibt es unter euch welche, die es nicht so mögen, Vorträge/Referate zu halten? Ihr müsst mir diese Frage nicht beantworten, denn es ist wohl jedem klar, wie die Mehrheit dazu steht: Man mag das nicht, da vorne zu stehen, sich die Blösse zu geben, angeschaut zu werden? Warum? Weil wir Angst haben, dass man uns bewertet. Warum haben wir Angst?
Es ist ganz einfach: Weil wir uns selbst zu wichtig nehmen. Wer vor einem Referat bibbert, konzentriert sich nicht auf den Inhalt des Vortrags, sondern auf die Gedanken, was andere von einem halten mögen, wenn man den Vortrag hält. Es wäre also ganz einfach: Der Vortrag steht im Zentrum. Es geht nur um den Vortrag. Die Leute kommen nicht her und wollen sehen, ob man sich verhaspelt oder Worte verschluckt. Sie kommen her, weil sie sich für das interessieren, was man erzählt.

Und ich habe mir vorgenommen, es bei meinen Manuskripten genau so zu handhaben. Solange ich an etwas schreibe, geht es um das Buch und mich. Nicht um Mode-Genres, nicht um Deadlines oder sonstige äussere Faktoren. Da versuche ich, eins zu sein mit diesem Buch. Damit bin ich verbunden wie ein Fötus mit der Nabelschnur. Aber wenn das Buch dann mal fertig ist, ist es ein eigenständiges Wesen, das allerdings noch viel Zeit beansprucht. Für das Bewerben und Anpreisen werde ich dafür versuchen, mich für dieses Kind mit all meinen Kräften einzusetzen. Aber da geht es nur noch um das Buch, nicht mehr um mich. Die Haltung, "Buch abgelehnt = ich kann nicht schreiben" werde ich dann nicht gelten lassen. Sobald ich in dieser Phase nämlich Rückschlüsse auf meinen Wert mache, verbinde ich automatisch das Produkt mit mir selber. Und das hilft niemandem etwas. Es soll nur um das Produkt gehen, und ich bin sein Anwalt, der es mit bestem Willen und Wissen vertritt. Das ist nicht einfach, weil wenn man sein Selbst da raushalten will, muss man wohl einiges an sich aufarbeiten. Bei mir war das konkret der Unwille meiner Mutter, mein Schreiben als etwas Gutes anzuerkennen. Das war ein sauharter Brocken, denn der Satz aus meiner Pubertät ("Schreiben ist was für unrealistische Träumer") hat mich ungewollt auf eine lange Reise geringen Selbstbewusstseins und Zweifeln gebracht. Sobald ich das aber in jüngster Zeit losgeworden bin, muss ich sagen: Geiles Leben! Und siehe da, ich habe auf die letzten Absagen von Verlagen gelassen reagiert. Die kennen nämlich weder mich noch das Buch, und es kann zig Gründe haben, warum die das halt jetzt nicht wollen. Keine Interpretation, keine Rückschlüsse auf mich selbst. Und das Produkt hat für mich deshalb nicht weniger wert und ich preise es einfach weiter an, bis jemand deren Potential erkennt. Natürlich bleibe ich dabei selbstkritisch. Ich nehme Rückmeldungen ernst und möchte mich immerzu weiter verbessern, aber Verlage - wie Slenderella schon sagte - verlieben sich in eine Idee und nicht in das perfekt geschriebene Buch.

Womit ich noch Mühe habe, ist die Entscheidung, wie weit ich für das Schreiben gehen will. Will ich es bis zum Excess treiben? Nur noch schreiben? Verbaue ich mich andere Chancen? Will ich es auf mich nehmen, noch einmal zehn Jahre knapp bei Kasse zu sein oder verwende ich doch wieder mehr Zeit mit anderen Dingen, die mir einen gewissen Lebensstandard zugestehen?

Christian
Auch wenn du in diesen zwei Jahren noch so intensiv geschrieben hast: Zwei Jahre sind wirklich nichts. Mit jedem Werk, das du schreibst, kommst du in einen intensiven Prozess des Lernens hinein. Die meisten, die gerne schreiben, haben ein wenig Talent (oder auch noch mehr), aber das Handwerk lernen, das muss fast jeder. Aber in zwei intensiven Jahren... sehr unwahrscheinlich. Ich habe bislang vier Manuskripte geschrieben. Schon beim zweiten habe ich gedacht: So, jetzt habe ich den Dreh raus. Beim Dritten habe ich das auch wieder gedacht. Und nun beim vierten, war ich überzeugt: Jetzt habe ich mein Potential ausgeschöpft. Aber nein! Mit jedem Projekt wird man besser. Du veränderst dich auf eine Weise, die du dir vorher vielleicht gar nicht vorstellen konntest, weil es noch ausserhalb deiner Wahrnehmung liegt.
Auch wenn ich deine Entscheidung total respektiere, damit aufzuhören, würde ich es aber nicht aufgrund von zwei Jahren tun, von welchen du denkst, sie seien Grund genug, um dir selbst zu beweisen, dass du es nicht genügend drauf hast. Sorry für den umständlichen Satz... ;D Bin noch halb im Schlaf.
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: Feuertraum am 11. März 2016, 11:34:25
@ Christian: Sorry, dass ich mal wieder den Spielverderber rauskehren muss, aber irgendwie verstehe ich Ihre Argumentation nicht. Sie schreiben, dass Sie nicht schreiben können und begründen dies mit "Es ist Ihre Meinung!".
Woran machen Sie diese fest? Was ist der wirkliche Grund, der Sie zu dieser Meinung bewegt?
Ist zwar nur eine Ferndiagnose, aber ich schätze, das Sie andere Vorstellungen haben, wie Ihr Schreibstil auszusehen hat, dass Sie unzufrieden sind mit dem, was Sie "produzieren".
In diesem Fall sehe ich zwei Möglichkeiten: Entweder Sie ziehen Ihren Entschluss durch und schreiben tatsächlich nicht mehr, weil Sie - wie Sie behaupten - kein Autor sind. Oder Sie schrauben Ihre Erwartungshaltung zurück. Warum den Mount Everest besteigen müssen, wenn die Zugspitze eine ebenfalls atemberaubende Aussicht bietet?
Ich denke auch manchmal, dass meine Comedy deshalb grottenschlecht ist, weil es soviele Comedians gibt, die die Erwartungen des Publikums in die Höhe geschraubt haben, die es dahingehend erzogen haben, dass es Perlen des Humors erwartet, spritzige Bonmonts, Gags, die die ausverkauften Hallen zum Brüllen bringen.
Und dennoch habe ich erfahren dürfen, dass ich auch mit meinen (müden?) Witzen hin und wieder meine Zuschauer zum Lachen bringe, einfach, weil ich einen anderen Stil habe als andere Comedians. Und da habe ich gelernt, dass die meisten Menschen gar nicht die Erwartungen haben, die ich ihnen "andichte".
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: HauntingWitch am 11. März 2016, 12:00:31
Zitat
Auf dem Papier bin ich ein Niemand, ein völliger Versager. Aber was interessiert mich dieses Papier?  Papier ist nach meiner Ansicht zum Schreiben von Büchern, nicht zum Schreiben von Lebensläufen. Nicht das Papier entscheidet wer ich bin, ich entscheide was auf dem Papier steht. Und was steht durch meine Augen gesehen drauf? Da steht: Lina ist glücklich.

@Lina Franken: Ich glaube, damit bist du eine grössere Siegerin als die meisten, die dich als Versagerin bezeichnen. ;) Und genau das will ich auch. Sagen können: Hey, ich bin glücklich. Das ist doch das Wichtigste, darum geht es doch. Immer dieses Gefühl, erfolgreich sein zu müssen, immer dieses Statistiken checken und die Zweifel, ob man wirklich auch gut genug ist. Was Cailyn sagt. Wir machen uns viel zu viele Gedanken darüber, was andere über uns denken.
Aber letztendlich schreiben wir doch (und ich bin sicher, das gilt für uns alle), für dieses Hochgefühl, dass ein Flow bewirkt und damit es uns besser geht. Damit wir die ganzen Eindrücke, die im Alltag auf uns einprasseln und die ganzen unschönen Dinge in der Welt verarbeiten und besser damit umgehen können, damit wir, wie du sagst, Lina, unsere eigene Welt haben können. Und sollte das nicht genug sein? Sollte es nicht reichen, dass wir unsere Geschichten und unsere Protas mögen? Ich möchte jetzt keine Weltkrisendiskussion auslösen, aber ich habe gestern in der Zeitung ein Bild gesehen, auf dem eine Frau einigen Flüchtlingen gezeigt hat, wie eine Waschmaschine funktioniert. Und ich kann in meiner gemütlichen, geheizten Stube hocken, an meinem Computer mit Internetanschluss, Kekse futtern und schreiben und glücklich sein. Das sollte doch reichen. *Sorry, Philosophie-Modus aus*.
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: Siara am 11. März 2016, 13:26:56
@Witch und @Lina Franken: Da sagt ihr etwas sehr Wahres. Gerade musste ich an das Zitat von John Lennon denken:
Zitat
Als ich 5 Jahre alt war, hat meine Mutter immer zu mir gesagt: "Glücklich sein ist der Schlüssel zum Leben". Als ich zur Schule ging, fragten sie mich, was ich später werden will, wenn ich groß bin. Ich schrieb "Glücklich sein". Sie sagten mir, dass ich die Aufgabe nicht verstanden habe. Darauf antwortete ich Ihnen, dass sie das Leben nicht verstanden haben.
Manchmal will man gewisse Dinge wie den Erfolg vielleicht einfach nur, weil das Unterbewusstsein irgendwie aufgesaugt hat, dass so etwas erstrebenswert ist und glücklich macht. Aber Glück hängt nicht in Universalgröße im Laden, jeder braucht seine eigene Ausgabe davon. Und wenn das Schreiben an sich dich glücklch macht, Witch, dann ist das Loslassen vielleicht wirklich der richtige Weg. Nicht weil du den Erfolg nicht erlangen könntest, nicht indem du aufgibst. Sondern weil es dein Glück bedeutet.

Allerdings glaube ich auch, dass Glück für uns in verschiedenen Phasen des Lebens etwas anderes bedeutet. Dass das Loslassen dieses krampfhaften Wunsches schwerfällt, ist keine Frage. Und vielleicht hilft es, wenn du daran denkst, dass es nicht für immer sein muss. In zehn Jahren bist du eine andere als heute. Momentan ist dieses Streben nach äußerlichem Erfolg ungesund, und eine Balance ist einfach nicht möglich. Aber es spricht nichts dagegen, den Gedanken nicht wegzuwerfen, sondern nur in einen Karton auf den Dachboden zu schieben. Denn wie so viele immer sagen: Träume sind wichtig. Aber manchmal braucht man den Traum vielleicht gar nicht als konkreten und bald erreichbaren Punkt in der Nähe. Sondern mehr wie einen Stern am Himmel: Man arbeitet nicht darauf hin, aber der Anblick lässt einen immer wieder lächeln.
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: HauntingWitch am 12. März 2016, 13:45:56
@Siara: Danke auch dir.  :knuddel: Aw, das Lennon-Zitat ist total schön. :wolke: Ja, ich glaube, so sollte ich es handhaben. Den Traum nicht als Ziel, das ums Verrecken erreicht werden muss, betrachten, sondern als eine Art Leitstern. Der Gedanke gefällt mir. Ich habe immer noch Angst, dass das wie ein Rückschritt ist, aber da fängt es schon wieder an. Ich schreibe jetzt erst einmal an meinem Herzens-Lebens-Projekt weiter.
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: Cailyn am 13. März 2016, 09:29:59
Witch
Ich denke, dein Entschluss, den Druck mal aussen vor zu lassen und die Möglichkeit, doch was zu publizieren, schliessen sich ja nicht aus.
Auch wenn du jetzt mal für dich schreibst, kann es ja gut sein, dass wenn du ein Werk mal mit vollster Zufriedenheit beendet hast, auf einmal richtig Bock bekommst, dein Werk intensiv anzupreisen. Könnte es bei dir vielleicht auch um eine Verschiebung der Prioritäten gehen? So dass du das Ziel nicht mit dem Schaffen gleichsetzt? Irgendwie höre ich das ein wenig raus aus deinen Gedanken. Mir hilft es sehr, ein Buch wie ein Lebewesen zu sehen, das erst einmal fertig werden will, bevor ich überlege, was ich damit mache. Habe ich das Ziel damit immer im Hinterkopf, drückt es mir in den Nacken und ich entferne mich von dem Buch, hin zu der Vermarktung. Darum wäre es doch viel einfacher, beide Seiten dieses Prozesses in eine klare Reihenfolge zu bringen: erst Schreiben, dann weiterüberlegen, was damit wird. Natürlich ist das auch nicht einfach. Vor allem wenn man so viele Stunden in seinem Kämmerchen sitzt und sich fragt, ob sich das überhaupt lohnt, kommen oft die Gedanken daran, was man daraus machen könnte. Jedoch denke ich, dass man diese unterschwelligen Gedanken sicherlich etwas bändigen kann.

Vielleicht sollte man sich von den Kindern eine tolle Eigenschaft abgucken. Die leben den Moment, das Hier und Jetzt. Auf unser Schreiben bezogen: Wenn ich schreibe, dann schreibe ich, wenn ich Marketing mache, dann "marketinge" ich  ;D Oder so...
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: Coppelia am 13. März 2016, 09:37:56
@ Christian
Da kann ich den anderen nur zustimmen. Zwei Jahre sind wirklich absolut nichts. Schreiben ist kein Job wie andere. Von "normalen" Jobs kenne ich den Gedanken "Wenn ich in 2 Jahren keine Festanstellung habe, kündige ich" bzw. ich kenne auch die Umsetzung. :P Aber man kann noch mit 40 oder 60 Debütautor werden.
Ich schreibe, seit ich 9 bin, ab 16 ernsthaft, und selbst mit Agentur habe ich mehrere Jahre gebraucht, um die erste Veröffentlichung zu bekommen, ich glaube, 5 oder 6. Jetzt bin ich 35 und absolut erfolglos. Aber ich gebe noch immer nicht auf.

Bei mir ist der Wunsch, Schriftstellerin zu werden, ja seit zwei Jahren wieder sehr groß, auch wenn ich eigentlich weiß, dass es mich hauptberuflich komplett fertig machen würde. Aber gestern habe ich mich bei Gedanken ertappt, die so ähnlich sind wie die von Witch. Mein bestern Freund war da, und wir haben Computer gespielt und hatten einfach einen schönen Tag. Ich war ziemlich glücklich (vielleicht auch, weil ich es geschafft hatte, am Vormittag trotz allem mal wieder zu schreiben). Und da dachte ich auch: Warum den Traum nicht einfach aufgeben? Es einfach nicht mehr versuchen? Solange ich es versuche, macht es mich kreuzunglücklich. In den wenigen Monaten, wo es etwas besser lief, war ich allerdings auch nicht so zufrieden - wenn auch einigermaßen.

Ich glaube aber, dass das bei mir einfach nicht geht, weil der Traum sehr stark ein Teil von mir ist, schon mein Leben lang. Hauptberuflich Schriftstellerin möchte ich nicht sein, aber Schriftstellerin schon. Und ich glaube auch, dass das Schreiben und damit irgendwie auch der Traum vom Schriftstellerin-Sein zu den wichtigsten und wertvollsten Dingen in meinem Leben gehört. Ich wäre nicht mehr ich selbst, wenn ich das aufgeben würde.

Es ist schwierig.
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: HauntingWitch am 13. März 2016, 11:04:27
@Cailyn: Ja, genau das. Gestern Abend als ich das eine Bücherregal angeschaut habe, ist mir etwas in den Sinn gekommen. Da steht nämlich ein kluges Buch über eines meiner Idole drin und der Journalist hat ihn gefragt, was der beste Rat sei, den er jemals bekommen hätte. Und er sagte: "Wir machen die Show und wir machen das Business, aber wir sind nicht im Showbusiness." :rofl: Ich glaube, das kann man eins zu eins aufs Schreiben übertragen. Ich habe angefangen in "Schreiben-Business" zu denken und nicht in "ich schreibe und dann schaue ich, was ich damit mache." Ich möchte das jetzt aber wieder und ich habe jetzt angefangen. Es ist ja nicht nur dieses Business-Denken, es ist auch das schlechte Gewissen, wenn ich dann ein vermeintlich wichtiges Business-Move nicht machen möchte (z.B. Lovelybooks-Leserunden)... Das dreht sich ewig im Kreis. Es entsteht eine Art Zwangsgefühl und dann schreibe ich logischerweise auch nicht mehr so gut. Du hast es völlig richtig erfasst, ich möchte auch nicht ganz aufhören, zu veröffentlichen, aber ich möchte diesen Erfolgsdrang und Marketingzwang ablegen.

@Coppelia: Ich glaube, was unglücklich macht, ist nicht der Versuch an sich, sondern der Frust, wenn das gewünschte Ergebnis nicht gleich eintritt. Immer am Start schon am Ziel sein wollen. Ich schätze, das ist so eine Art schlechte Angewohnheit, zumindest von mir. Aber gerade deshalb versuche ich jetzt, mich auf das Glück zu konzentrieren, das ich während dem Schreiben empfinde, und nicht über irgendwelche Ergebnisse in Zahlen nachzudenken. Ich sollte auch aufhören, dauernd meine Statistiken zu checken, dadurch ändert sich nämlich nichts. Ich wünsche dir, dass du für dich einen Weg findest, mit all dem ins Reine zu kommen.
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: Coppelia am 14. März 2016, 06:31:50
Zitat
Ich glaube, was unglücklich macht, ist nicht der Versuch an sich, sondern der Frust, wenn das gewünschte Ergebnis nicht gleich eintritt. Immer am Start schon am Ziel sein wollen.

Bei dem ersten stimme ich dir absolut zu. :) Dinge zu versuchen, kann sogar glücklich machen, finde ich.

Bei dem zweiten habe ich mich gefragt, wie weit vom Ziel entfernt ich eigentlich bin. Ich weiß es letzten Endes nicht. Inzwischen arbeite ich an meiner Schreiberei seit 20 Jahren. Seit ca. 10 Jahren bin ich der Ansicht, dass es zum Veröffentlichen reicht. Womit ich nicht meine, dass es super ist, aber es wird ja auch viel Schrott auf den Markt gebracht. ;) Natürlich versuche ich mich weiterhin zu verbessern, aber seit einigen Jahren weiß ich irgendwie nicht mehr, wie. Ich habe den Eindruck, dass ich es nicht besser hinbekomme und die Fehler und negativen Dinge, die in meiner Schreiberei noch drinstecken, nicht mehr rausbekomme. Oder versuche ich es nicht genug? An sich sind ja die meisten Rückmeldungen von Verlag, Agentur usw. auch positiv, niemand sagt mir "Arbeiten Sie da und da dran, dann geben wir Ihnen eine Chance". Ich halte meine Plots für ein Problem, aber auch dazu bekomme ich keine konkrete Hilfe und oft sogar auch positive Rückmeldung. Was fehlt mir also? Nur noch Glück, oder ist es etwas Handwerkliches, was ich mit Fleiß und harter Arbeit ändern könnte? Fehlt mir am Ende Talent, wogegen ich ohnehin nichts tun könnte? Oder ist es der Wille, für den Markt angepasst zu schreiben? Aber viele hier tun das nicht und sind trotzdem erfolgreich.
Manchmal wollte ich, ich könnte meine ganze Schreib-Geschichte hinter mir lassen und noch mal komplett bei Null anfangen, mit der Hoffnung, irgendwann gut genug zu sein. Denn solange ich wusste, woran ich arbeiten konnte, war es immer beruhigend. Mir war klar, dass ich mich dadurch verbessere. Jetzt habe ich irgendwie ein schlechtes Gewissen - die Fakten zeigen mir, dass es nicht reicht, aber ich habe keine Ahnung, was ich dagegen tun soll. Und so tue ich nichts und weiß, dass das Problem bestehen bleibt.
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: Cailyn am 14. März 2016, 09:39:45
Witch
Ich finde es super, was du dir vorgenommen hast!  :) Und wenn das so nicht funktioniert, kannst du jederzeit deine Strategie wieder ändern. Aber ich denke schon, dass die neu gewonnene Entspannung wieder kreativer macht (wonach du ja suchst). Toi toi toi!  :jau:

Coppelia
Wir stehen eigentlich in ganz anderen Phasen, was das Schreiben angeht. Ich habe noch viel zu lernen und das ohne Zweifel. Aber ich kann dich trotzdem sehr gut verstehen. Ich bin ja sehr "faul", was das Bewerben angeht. Ich habe es bei Verlagen versucht, aber das war im Grunde kein nennenswerter Aufwand. Hinter dieser Faulheit verbirgt sich allerdings auch die Angst, dass mir durch ganz viele Absagen irgendwann die Illusion genommen würde, dass Schreiben mein Ding ist. Die Kritik an sich fände ich gar nicht so schlimm, nur die Tatsache, dass mein Traum kein Traum mehr wäre, würde mich wohl sehr enttäuschen. Bei all meinen anderen Pleiten im beruflichen Leben war Schreiben immer mein Heiligtum, das ganz mir alleine gehörte. So wie eine Fatamorgana, die mir immer wieder Kraft gab. So wie ich es verstanden habe, ist Schreiben für dich auch etwas ähnliches.

Was ich mich frecherweise gefragt habe: Ist denn deine Agentur auch wirklich gut für dich? Ich habe keine Ahnung, bei welcher du bist, und auch wenn diese total lieb und nett sind - you never know... Vielleicht täte dir ja auch eine andere Agentur gut? Ich will dieser Agentur nicht unterstellen, sich nicht genügend für dich einzusetzen, aber vielleicht gäbe es eine andere, welche einfach bessere Kontakte für deine Manuskripte hätte.

Abgesehen davon finde ich es doch auch irgendwie spannend, wie sehr die Ansichten auseinandergehen. Ich habe ja dein Buch "Flügel aus Asche" (ich hoffe, ich habe den Titel noch richtig im Kopf) bei Amazon bestellt und gelesen und dachte mir dabei: So krass, die ist aus dem Tintenzirkel-Forum und ich bestelle ein Buch von der! Für mich bist du also jemand, der mir meilenweit voraus ist, ein Vorbild ist... und von sich behauptet, sie sei erfolglos. Es ist halt alles eine Frage der Perspektive  ;) Ich kann mir schon vorstellen, dass es am Ende halt doch um Verkaufszahlen geht, und wenn die nicht stimmen, kannst du dir mit den Verkäufen auch keine Zeit kaufen, um neue Bücher zu schreiben. Aber schon nur die Tatsache, dass du veröffentlichen konntest, finde ich dennoch genial. Hilft dir jetzt gar nicht weiter, ich weiss, aber ich musste es trotzdem loswerden.

Ausserdem weisst du ja nicht, ob du dich noch in etwas verbessern kannst. Du schreibst wirklich gut, weisst, wie man plottet und Spannung reinbringt. Ja. Aber vielleicht gäbe es doch Anreize für andere Texte, andere Arten von Dramaturgie, Stilmittel etc., die du noch gar nicht in Betracht gezogen hast. Womöglich täte dir ein Creative Workshop gut. Vielleicht im Ausland? Einfach als Anregung, um zu schauen, wie weit du noch gehen kannst oder willst.

An alle
Mich würde noch interessieren, wie in eurer Fantasie euer perfektes Schriftstellerleben aussieht?


Mein perfektes Schriftstellerleben sähe so aus: Ich arbeite 3-4 Vormittage die Woche an meinen Manuskripten. Dazwischen würde ich irgendwelche anderen Dinge erledigen, die sich aus dem Autorendasein ergeben. Und ein Mal jährlich würde ich für 2-3 Monate das Weite suchen und entweder dort in der Ferne schreiben oder gar nicht schreiben, sondern nur reisen. Schreiben wäre meine einzige Beschäftigung, gleich wie die letzten Jahre im Journalismus, als ich auch immer Teilzeit gearbeitet habe (was ja einfacher geht, wenn man Miete und andere Fixkosten nicht alleine tragen muss). Ich wäre dann also eine Teilzeit-Schriftstellerin ohne anderen Job, und das Geld würde reichen, um meinen Anteil an die Familienkasse zu leisten. Natürlich wäre es schön, wenn ich dann bei Anbruch des Rentenalters zufällig einen Beststeller lande, um meine Altersvorsorge etwas zu pushen.  ;D
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: Grey am 14. März 2016, 14:10:43
Witch
An alle
Mich würde noch interessieren wie in eurer Fantasie euer perfektes Schriftstellerleben aussieht?


Mein perfektes Schriftstellerleben sähe so aus: Ich arbeite 3-4 Vormittage die Woche an meinen Manuskripten. Dazwischen würde ich irgendwelche anderen Dinge erledigen, die sich aus dem Autorendasein ergeben. Und ein Mal jährlich würde ich für 2-3 Monate das Weite suchen und entweder dort in der Ferne schreiben oder gar nicht schreiben, sondern nur reisen. Schreiben wäre meine einzige Beschäftigung, gleich wie die letzten Jahre im Journalismus, als ich auch immer Teilzeit gearbeitet habe (was ja einfacher geht, wenn man Miete und andere Fixkosten nicht alleine tragen muss). Ich wäre dann also eine Teilzeit-Schriftstellerin ohne anderen Job, und das Geld würde reichen, um meinen Anteil an die Familienkasse zu leisten. Natürlich wäre es schön, wenn ich dann bei Anbruch des Rentenalters zufällig einen Beststeller lande, um meine Altersvorsorge etwas zu pushen.  ;D

Ich finde eigentlich, das verdient einen eigenen Thread! ;D

 :wache!:

Ja, genau! Wenn euch so spannende Themen einfallen, macht doch bitte einen Thread dafür auf, sonst findet man die sich daraus ergebende Diskussion niemals wieder, und der ursprüngliche Thread muss mühsam zum eigentlichen Thema zurückgeführt werden. Ich übernehme das mit dem neuen Thread jetzt mal und verschiebe auch die entsprechenden Antworten. Aber fürs nächste Mal: Traut euch! :) Wir freuen uns immer über neue interessante Themen.
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: Coppelia am 14. März 2016, 16:23:57
@ Cailyn

Aww. :knuddel: Ja, es stimmt schon, die Perspektiven unterscheiden sich, je nachdem in welcher Situation man sich befindet. Alana hat mir dazu mal einen guten Comic gezeigt. Wobei ich ja dazu neige, mich etwas über die Leute zu ärgern, die schon viel weiter gekommen sind und über "Luxusprobleme" jammern, aber ich mache dasselbe ja auch in gewisser Weise - nur auf "meiner" Stufe der Leiter. Und ich weiß selbst, dass die Probleme, die man sich sozusagen selbst wünscht, für andere sehr schlimm sein können. Mir ist also klar, dass ich, wenn ich schon weiter wäre, wahrscheinlich aus anderen Gründen auch unzufrieden wäre.
Ich habe tatsächlich den Eindruck, dass Verkaufszahlen alles sind, leider.

Ja, mir geht oder ging es wohl ein bisschen wie dir - Schreiben als Fata Morgana, die einem Kraft gibt, das ist ein schönes Bild. :)

Creative Workshops zu besuchen, ist eine gute Idee. Wo kann man sowas buchen? Vielleicht hab ich nach dem Ref irgendwann mal die Möglichkeit dazu.
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: Cailyn am 17. März 2016, 08:52:14
Hm... also in der Schweiz kann man auch an der Uni oder an Fachhochschulen solche Workshops besuchen. In Deutschland kenne ich mich aber zu wenig aus. Wenn ich es mir aussuchen würde, dann wohl am liebsten in den USA. Eben darum, weil die Amis eine recht andere Auffassung von Dramaturgie haben. Nicht dass ich schreiben wollte sie ein Ami ;), aber so als Anregung fände ich das wohl schon recht cool. Wenn ich mal genügend Geld habe (also so in 30 Jahren  :rofl:) und meine Tochter etwas älter ist, werde ich mir sicher mal einen Urlaub z.B. in Dan Diego oder an der Berkeley University gönnen. Wichtig ist wohl einfach, dass das es kein Anfängerkurs nach dem Motto "Wie beginne ich, wenn ich Autorin werden will" ist. Ich glaube, das findet sich hier in Europa eher schwerer.

Sorry, ich glaube, das war wieder Off-Topic, aber ich wollte trotzdem kurz Coppelia antworten.

Grey,
Merci für den neuen Thread wegen der Frage, wie man sich das Schriftstellerleben optimal vorstellt!  :)
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: Grey am 17. März 2016, 10:18:04
Gerne. :)

@Coppi
Die Bundesakademie für Literatur in Wolfenbüttel bietet ganz interessante Kurse an. Und Bastei Lübbe hat auch eine Akademie. Vielleicht schaust du dir deren Programm mal an. Ich habe selbst lange nicht mehr geguckt, was die so anbieten, aber letztes Jahr hatte ich schon den Eindruck, dass sich das lohnen würde. Und davon geträumt, irgendwann selbst mit solchen Workshops etwas Geld zu verdienen. :innocent: ;)
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: Thaliope am 17. März 2016, 11:03:04
Gerne. :)

@Coppi
Die Bundesakademie für Literatur in Wolfenbüttel bietet ganz interessante Kurse an. Und Bastei Lübbe hat auch eine Akademie. Vielleicht schaust du dir deren Programm mal an. Ich habe selbst lange nicht mehr geguckt, was die so anbieten, aber letztes Jahr hatte ich schon den Eindruck, dass sich das lohnen würde. Und davon geträumt, irgendwann selbst mit solchen Workshops etwas Geld zu verdienen. :innocent: ;)


... und die Workshops in Wolfenbüttel sind wirklich toll und bezahlbar noch dazu. :wolke:
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: Tigermöhre am 17. März 2016, 11:22:16
Und Bastei Lübbe hat auch eine Akademie.
Die ist wieder geschlossen. Im April letzten Jahres, haben sie gemeldet, dass sie Pause machen. *klick* (https://www.autorenwelt.de/aktuelles/branchennews/meldung-27042015-bastei-l%C3%BCbbe-academy) Und auf der Homepage findet man keine Infos mehr darüber. (Außer ich bin zu blöd zum Suchen.)
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: Waldhex am 17. März 2016, 11:27:06
@Coppelia: Wenn Du den Kurs in Deutschland besuchen möchtest, gäbe es zum Beispiel diese Möglichkeit: http://www.ideenreich-kreativhof.de/seminare-workshops/grundlagen-des-professionellen-schreibens/
Ich kann Dir allerdings nichts zur Qualität sagen, da ich selbst noch nicht dabei war.
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: Slenderella am 21. April 2016, 14:14:41
Momentan verkauft sich ja mein Buch echt gut. Ergo - ich freue mich Schriftsteller zu sein. Hat man aber eine gute Idee finden sich dann direkt die Nachahmer ...
kopiertes Logo, ganze Phrasen die ich häufig benutze und jetzt lässt sie sich feiern ... da ist man doch gern Schriftsteller ...
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: Trippelschritt am 25. April 2016, 13:29:08
Gibt es ein schöneres Kompliment als kopiert zu werden? Eine Gefahr ist das doch nur dann, wenn die eigene Idee die einzige ist, die man bisher hatte. Die zweite Idee zu kopieren ist schon erheblich schwieriger.

Alles Liebe
Trippelschritt
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: Tintenteufel am 07. Mai 2016, 18:22:26
Ich habe gerade den Fehler gemacht und mir meine Google-Analytics Daten angeuckt.  :(

Irgendwie ist das schon sehr ernüchternd, wenn man weiß, wie sehr unter Ausschluss der Öffentlichkeit man eigentlich schreibt. Man weiß ja eigentlich, dass man die ersten paar hunderttausend für die Tonne schreibt. Aber nach so 70.000 verbrannten Wörtern deprimiert mich das grade schon und ich frage mich etwas, ob  es sich "lohnt" neben dem Studium und dem ganzen anderen Kram täglich noch ein bis zwei Stunden für's schreiben frei zu schaufeln.
Nur um dann doch über Wochen hinweg nicht "wirklich" dran zu arbeiten. Kann mich nicht erinnern, wann ich zuletzt einen Charakter ausgearbeitet oder über Plots nachgedacht habe, die ich dann irgendwie befolgt habe. Wenn's eh keiner liest, kann ich ja auch gleich für die Schublade schreiben. Da kann ich wenigstens Verlegern die Schuld geben und nicht mir. *grummelt böse*
Ist ja auch nicht so, als wäre der ganze andere Dreck, den ich mit meinem Leben anstelle, irgendwie erfolgsversprechend und ich nicht schon panisch, dass selbst meine ziemlich erbärmlichen Ansprüche ans Leben noch zu hoch gegriffen sind.

Bin ich froh, dass ich mir keine Hoffnungen mache, jemals mehr als ein Dilettant zu werden. [/Sarkasmus]
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: Waldhex am 08. Mai 2016, 14:48:16
@Tintenteufel  :knuddel:
Alles wird gut - irgendwann (und wenn's in einem anderen Leben ist)  :darth:

Nein, ernsthaft: so Durchhänger hat jeder. Versuch, Dir ein Ziel zu stecken. Mal Dir das auf (oder mach eine Collage aus Zeitunsschnipsel) und stelle das Bild irgendwo auf, wo Du es immer wieder siehst. Soll angeblich helfen.
Gut mein Lamborghini Aventator steht hier nach wie vor nur als Model 1:18 da; aber man soll die Hoffnung ja nicht aufgeben.
Davon abgesehen, dass ich das Auto zwar total schön, aber mindestens genauso unpraktisch finde.
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: Aphelion am 12. Mai 2016, 11:46:30
@Tintenteufel: Vielleicht hilft dir eine andere Perspektive:

Nicht alles, was jemand schreibt, ist das berüchtigte i-Tüpfelchen. Der Buchstabe i ist eigentlich eine schöne Veranschaulichung: Der Strich ist viel länger als der Punkt. Richtig gute AutorInnen sammeln oft erst viel Schreiberfahrung, unabhängig vom Lebensalter. Gute Literatur zu schaffen erfordert vor allem viel Übung, die über Jahrzehnte oder eine kurze Zeitspanne verteilt sein kann.

Heutzutage ist es sehr einfach, zu veröffentlichen. Mit einem Klick teilst du einen Blogartikel mit der Welt, mit ein paar Klicks mehr bringst du ein ganzes Buch als SelbstverlegerIn heraus. Du kannst sehr schnell sehr viel veröffentlichen - aber nichtsdestotrotz wirst du erst richtig gut, wenn du viel Erfahrung hast. Selbst SelbstverlegerInnen, die sofort durchstarten, werden mit der Zeit deutlich besser und haben oft stilistisch fast schon peinliche Erstlinge.

Dein jetziges Schreiben ist keineswegs verschenkte Zeit. Darüber hinaus sind Geduld, Disziplin und Ausdauer sind Kompetenzen, die du auch später und in anderen Lebenslagen noch benötigen wirst.

Erfolg kennt keine Wartezeiten.  :lehrer: Wenn du jetzt nicht schreibst, weil du keinen externen Motivator durch messbaren Erfolg hast, hilft dir das nicht in Bezug auf deine Ziele. Umgekehrt gibt es keine Garantie, nach X Monaten oder Jahren den Durchbruch zu schaffen - was auch immer das für dich persönlich bedeutet.

Wenn du aber schreibst und damit übst, und mindestens durchschnittlich intelligent bist (wovon ich ausgehe ;)) gibt es keinen Grund, warum du nicht in der Lage sein solltest, zumindest im Selfpublishing zu veröffentlichen und ein gutes Buch abzuliefern. Selbst wenn du kein Talent hättest (Konjunktiv!), könntest du das durch reines handwerkliches Lernen erreichen. Aber dazu musst du eben schreiben, schreiben, schreiben...

Auch Talent erblüht nur, wenn du etwas damit machst. Ich bin keine Christin, aber dem biblischen Gleichnis von den Talenten (dort i.S.v. Geld) stimme ich voll und ganz zu: Verbuddeln und warten nützt nichts.
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: Maja am 12. Mai 2016, 22:49:47
Ich habe gerade den Fehler gemacht und mir meine Google-Analytics Daten angeuckt.  :(
Vielleicht tröstet es dich, dass ich auch lange meinen schriftstellerischen Erfolg darin gemessen habe, wie viele Besucher mein Onlineroman hatte, wie oft der Volltext runtergeladen wurde oder wie viele Mails mit Feedback ich bekam. Die Seite war prachtvoll, der Roman großartig, und die Reaktionen niederschmetternd. Letztlich hat es sich doch gelohnt, weil meine Agentur über die Seite gestolpert ist (da war sie acht Jahre online), den Roman mochte und mich angemailt hat, da ist dann erst mein Agenturvertrag draus geworden und dann nochmal viele Jahre später ein Vertrag mit dem Wunschverlag. Die Seite ist immer noch online, und die Resonnanz ist niederschmetternder denn je, aber ich bin nicht mehr in dem Maße drauf angewiesen. Em Ende geht es aber nicht darum, so viele Besucher wie möglich auf der Seite zu haben, sondern die richtigen. Und du bist noch zu jung, um zu sagen, das wird nie was.
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: Alana am 12. Mai 2016, 23:11:51
@Tintenteufel: Ich fürchte, das Schicksal teilen wir so ziemlich alle, daran ändern übrigens auch gute Verkaufszahlen nichts. Webseiten von Autoren interessieren einfach so gut wie niemanden. (Außer Verlage, ich habe auch schon zwei Anfragen für Auftragsarbeiten von Großverlagen so bekommen, allerdings über meine Facebookseite, die die Verlage auf meine Website leitete, wo sie meine Kontaktdaten fanden. Also immerhin. Zwei Klicks für die Seite. ;D ) Und ich würde lügen, wenn ich sagen würde, dass es mir egal ist, wie gut sich meine Bücher verkaufen oder wie oft meine Website besucht wird, aber trotzdem hilft es mir sehr, in Zeiten des Frustes, weil ich das Gefühl habe, nichts läuft, mir immer wieder klar zu machen, dass ich schreibe, weil ich es liebe. Ich könnte nicht aufhören, selbst dann nicht, wenn ich wirklich nur für die Schublade schreiben würde. Es ist einfach in mir und es muss raus und es macht verdammt noch mal Spaß und ich liebe es. Deswegen, nur deswegen mache ich es. Das sage ich mir dann mantraartig vor. Vielleicht hilft dir das ja auch.  :knuddel:
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: Tintenteufel am 13. Mai 2016, 00:16:06
Danke für eure lieben Worte.  :knuddel:
Es geht auch mittlerweile schon um einiges besser. Man sagt sich ja immer, wie klein doch die Chance ist, groß damit zu werden und wie schwierig das ist - aber sich dessen wirklich bewusst werden ist doch nochmal eine ganz andere Sache.

Meine größte Frage war eigentlich, ob ich weiter veröffentlichen - verbrennen mehr - oder die Sachen einfach in die Schublade stopfen soll. Jede Woche, jeden Samstag, zwei bis dreitausend Wörter, wie ein Uhrwerk vor mich hin. Seit sechs Monaten, mit nur einem Kommentar auf 7000 Spams. Und ohne Peilung, wie ich das ändern soll.

Andererseits habt ihr natürlich völlig Recht: Ohne Übung wird das nichts und selbst wenn mir einiges, was ich da anstelle, so richtig zum Hals raushängt, lernt man doch etwas dabei. Und eigentlich habe ich auch Spaß, daran herum zu tüfteln und fühle mich seit diesen sechs Monaten vor mich hin schuften eigentlich so gut wie selten zuvor. Also irgendwas muss da ja richtig laufen.  ;D

Und wenn ich jetzt nur meine eine mystische Million Wörter runterschreiben, bis irgendetwas von dieser Quälerei zu etwas taugt: Aufgeben ist nicht.  :omn:
Lehrjahre sind keine Herrenjahre oder so. Zurück an die Arbeit.  :pfanne:
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: Alana am 13. Mai 2016, 00:58:48
Na ja, nur dass du weitermachst, heißt ja nicht, dass du weitermachen musst wie bisher. Weiterschreiben? Unbedingt! Aber wenn du mit den restlichen Umständen unzufrieden bist, kannst du durchaus überlegen, daran was zu ändern. Versuchen, mehr Klicks zu bekommen, indem du dich mit anderen zusammen tust. Oder erst mal damit aufhören und im stillen Kämmerlein weiterschreiben, bis du genau weißt, wie du weitermachen willst. Ich bin mittlerweile so weit, dass ich Marketingmäßig nur noch mache, was mir Spaß macht. Denn dann ist es, egal, was dabei herauskommt, nie verschwendete Zeit. Frust schiebe ich trotzdem gelegentlich, aber ich fürchte, das ist normal.

Zitat
Und eigentlich habe ich auch Spaß, daran herum zu tüfteln und fühle mich seit diesen sechs Monaten vor mich hin schuften eigentlich so gut wie selten zuvor.

Wenn das so ist, dann würde ich eher mal überlegen, was dir helfen würde, dem Frust entgegen zu wirken, so gut es eben geht. :) Mehr Kommentare? Dann könntest du dich ja wirklich mit anderen zusammen tun. Gegenseitig Blogs kommentieren, kritisieren, sich helfen. Das ist jetzt nicht die große Publicity, aber vielleicht würde es deinen Spaß vergrößern? Es gibt auf Facebook öfter mal Kommentiermarathons, wo man ein ganzes Wochenende lang Blogs von anderen besucht und die besuchen den eigenen Blog. Es gibt da durchaus Möglichkeiten. :)
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: Pintana am 13. Mai 2016, 09:50:02
Meine größte Frage war eigentlich, ob ich weiter veröffentlichen - verbrennen mehr - oder die Sachen einfach in die Schublade stopfen soll. Jede Woche, jeden Samstag, zwei bis dreitausend Wörter, wie ein Uhrwerk vor mich hin. Seit sechs Monaten, mit nur einem Kommentar auf 7000 Spams. Und ohne Peilung, wie ich das ändern soll.

Die Phase muss, glaube ich, leider jeder Autor durch machen. Der Kampf mit dem Sinn unserer Arbeit und die Frustration darüber, nicht gelesen zu werden gehören wohl leider zum Job. Das was effektiv dagegen hilft ist weiter machen (weil schreiben Spaß macht und wir es gerne tun, sonst würden wir uns diesen Stress und den Aufwand für's nicht-beachtet werden ja kaum geben) und sich regelmäßig daran zu erinnern für was oder wen wir mal angefangen haben zu schreiben. Ich persönlich habe mir dazu eine Art Motivations-Pinnwand gebaut, die mich aus den Tiefs rausholt und beim Schreiben daran erinnert, dass man da den schönsten Job der Welt macht. Außerdem macht es auch ziemlich frei, keinen Erwartungen gegenüber zu stehen. Man kann schreiben, was man will und richtet sich nicht unbewusst danach, was die Leser hören wollen. (Mag jetzt noch doof klingen, ist aber wirklich so ::))

Der Erfolg kommt schon. Irgendwann bietet sich dir die perfekte Möglichkeit und/oder das Glück ist dir hold. Ganz sicher. Die wenigsten Autoren werden über Nacht zu J.K. oder Dan Brown. Gelesen und gesehen werden im schriftstellerischen Sinne ist ein Prozess. Sowas dauert.  ;)
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: HauntingWitch am 15. Mai 2016, 15:12:13
Ach, Tintenteufel, fühl dich mal ganz fest gedrückt. :knuddel: Ich kann den anderen nur zustimmen. Versuche, nicht nur die Zahlen zu sehen, sondern auch die anderen Dinge: Warum und für wen schreibst du? Was bringt es dir persönlich, auf emotionaler und psychischer Ebene? Warum liebst du das schreiben? ;) Alle Antworten auf diese Fragen haben erst einmal nichts mit Klicks, Rezis oder Verkaufszahlen zu tun. Das kommt erst danach und es lenkt uns nur zu gerne vom wirklich wichtigen ab. Dem Schreiben selbst.

Tja, was soll ich sagen, ich muss wohl auch mich selbst überzeugen. Mein super Plan, den ganzen Traum vom Erfolg zu vergessen und nur noch random für mich zu schreiben, hat genau bis letztes Wochenende funktioniert. Ich schätze, das ist dann wohl so eine Art Autorensyndrom, dass man halt auch die guten Zahlen haben möchte und schon mal frustriert darüber wird, wenn es nicht läuft. Ich denke, man kann nichts machen, ausser versuchen, das als Normalzustand anzusehen und lernen, damit umzugehen. Ich übe mich dann mal weiter darin.  :omn:
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: Zitkala am 16. Mai 2016, 00:57:41
Hattest du denn dein SP-Projekt in die Wege geleitet, Witch? Womöglich würde dir das ein wenig helfen? Schließlich kann man mit der richtigen Strategie Einfluss auf Verkaufszahlen nehmen, was wiederum so ein bisschen die Machtlosigkeit in Sachen Ruhm nehmen könnte. So von wegen "gute Zahlen" und so. :)
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: HauntingWitch am 16. Mai 2016, 12:22:19
@Zitkalasa: Nein, das erste war etwas über den Zaun gebrochen. Aber beim Neuen, an dem ich jetzt dran bin, habe ich schon vor, mehr dafür zu tun. Ich habe auch schon ein paar Ideen. Sorry, meine Sprache ist heute etwas chaotisch.
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: Trippelschritt am 16. Mai 2016, 13:48:11
Bei meinen Romanen hat es fast fünfzehn Jahre gedauert, bis ich einen Verlag fand, und habe mich am Ende auch kaum noch drum gekümmert. Nur geschrieben habe ich weiter und da reichte es mir für meine motivation, dass ich beinahe jede eingereichte Kurzgeschichte publiziert bekam. also konnte ich so schlecht nicht sein. Aber meine Romane waren eine andere Sache. Man braucht einen langen Atem und sollte ständig versuchen, sich zu verbessern.

Kopf hoch an alle, die ihn gerade unten hängen haben.
Trippelschritt
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: Zitkala am 16. Mai 2016, 14:43:07
@Witch Kein Problem. :) Aber nochmal zur Sicherheit: Veröffentlicht war von dir nichts?

@Trippelschritt Dann scheint du in dem Punkt auch recht entspannt zu sein. Wenn ich denn mal eine KG veröffentlich bekäme ... Aber ich ignorier mir das weg. Habe mal probehalber den Flash-Fiction-Kurs von Holly Lisle angefangen, mal gucken, ob der mir in Sachen KG weiterhelfen kann.
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: Angela am 16. Mai 2016, 15:15:44
Bei mir hat es bis zur Romanveröffentlichung im ordentlichen Verlag auch an die 15 Jahre gebraucht.
Wirklich erfolgreiche Autorin werde ich in diesem Leben gewiss nicht mehr, wobei das auch nicht mein Ziel ist. Geld verdiene ich mit anderen Sachen und bin froh, deswegen keinen Stress zu haben: Finanziell erfolgreich schreiben zu müssen, das wäre mein Horror.
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: HauntingWitch am 16. Mai 2016, 16:39:43
@Zitkalasa: Bekommst gleich eine PM.  :)
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: Pintana am 17. Mai 2016, 17:11:53
Wenn ich denn mal eine KG veröffentlich bekäme ... Aber ich ignorier mir das weg. Habe mal probehalber den Flash-Fiction-Kurs von Holly Lisle angefangen, mal gucken, ob der mir in Sachen KG weiterhelfen kann.

Das ist jetzt sicher genau das, was du nicht hören möchtest, aber: Ich habe auch Jahre an KGs geschrieben, bin abgelehnt worden und abgelehnt worden und abgelehnt worden. Jedes Mal wieder. Dann, irgendwann habe ich eine dieser Mails auf gemacht, bei denen man dann schon automatisch denkt: Hey, wieder eine Absage! Und dann, ja dann hat tatsächlich eine meiner KGs den Schritt in eine Antho geschafft. Und danach lief's dann richtig gut mit meinen Einsendungen. Also: Fleißig weiter machen, wenn der erste Schritt irgendwann mühsam überwunden ist, wird es besser.  ;)
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: Zitkala am 17. Mai 2016, 17:56:52
Oh Gott, jetzt dachte ich, es käme was von wegen "Lass es lieber gleich sein", aber wenn es nur Sitzfleisch und Warten ist. ;D Das kriege ich auch noch hin.
Mein Problem ist eher, denke ich, dass ich bei KG keinen Stil heraus schälen kann. Das verliert sich dann in allgemein, ausgelutschten Phrasen, die jeder dritte Schreiberling benutzt. Wenn ich mir dann meine NaNo-Sachen anschaue sehe ich aber, dass ich durchaus zu anderem fähig bin. Nur bei KG will es nicht so klappen. :-\ Davon auch abgesehen, dass ich manchmal keine Ahnung habe, über was ich überhaupt schreiben will bzw. was der Sinn und Zweck dieser KG ist. "Ehebrecherin spielt Minigolf mit Gott" klingt zwar toll, aber ihre Daseinsberechtigung? Wie könnte der Plot aussehen, ohne dass man als Leser am Ende nur unterhalten wurde oder, schlimmer noch, das Gefühl hat, seine Lebenszeit verschwendet zu haben?
*sfz* Das ist etwas, das schon ein bisschen länger ganz allgemein an mir nagt: Kann ich Geschichten schreiben, die mehr als Unterhaltung sind? (Ohne dabei den Aspekt zu verlieren.)
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: Pintana am 17. Mai 2016, 19:39:04
Mein Problem ist eher, denke ich, dass ich bei KG keinen Stil heraus schälen kann. Das verliert sich dann in allgemein, ausgelutschten Phrasen, die jeder dritte Schreiberling benutzt. Wenn ich mir dann meine NaNo-Sachen anschaue sehe ich aber, dass ich durchaus zu anderem fähig bin. Nur bei KG will es nicht so klappen. :-\ Davon auch abgesehen, dass ich manchmal keine Ahnung habe, über was ich überhaupt schreiben will bzw. was der Sinn und Zweck dieser KG ist. "Ehebrecherin spielt Minigolf mit Gott" klingt zwar toll, aber ihre Daseinsberechtigung? Wie könnte der Plot aussehen, ohne dass man als Leser am Ende nur unterhalten wurde oder, schlimmer noch, das Gefühl hat, seine Lebenszeit verschwendet zu haben?
*sfz* Das ist etwas, das schon ein bisschen länger ganz allgemein an mir nagt: Kann ich Geschichten schreiben, die mehr als Unterhaltung sind? (Ohne dabei den Aspekt zu verlieren.)

KGs sind eben eine ganz eigene Gattung, ein guter Romanautor ist nicht zwingend ein guter KG Schreiber und wer tolle KGs schreibt, der muss nicht zwingend auch einen Roman schreiben können.
Gegen die Sinnfrage hilft nur: Lass dich nicht auf Ausschreibungsthemen ein, die kein Feuer entfachen. Das macht dir keinen Spaß und meistens wird die Jury sich davon dann auch nicht überzeugen lassen. Nimm dir Themen vor, die dich interessieren, bei denen du wirklich was bei zu tragen hast. Das Hilft dann auch gegen das Gefühl, dass alles, was man schreibt alle anderen genau so abliefern.
Natürlich kannst du Geschichten schreiben, die mehr als nur Unterhaltung sind. Jede Geschichte verfolgt einen tieferen Sinn, einer meiner Lehrer zwang mich ein Jahr lang aus jedem gelesenen Buch den tieferen Sinn/die Botschaft zu filtern. Ich schätze, teilweise war es den Autoren selbst nicht bewusst, aber auch in jedem Unterhaltungsroman steckt immer etwas, das über die reine Unterhaltung hinaus geht. Auch hier gilt: Nicht verkrampfen. Wenn du eine Geschichte schreiben willst, schreib sie und mach dir keine Gedanken darum, ob das nun reine Unterhaltung ist, oder ob du mehr zu sagen hast. Selbst reines Unterhalten will gekonnt sein, wäre also ist so schlimm daran? ;)
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: Zitkala am 17. Mai 2016, 19:54:14
 :wolke:

Schlimm? Hm. Ich möchte keine Wegwerfliteratur schreiben, keinen Bestseller, der jetzt gehyped wird, aber in zehn Jahren schon wieder vergessen ist. Es muss auch kein Bestseller sein, aber eben etwas Dauerhaftes, das auch noch in zwei, drei Dekaden seine Botschaft nicht einbüßt und nicht unter tausendfachen Me-Toos untergeht. Wenn es sich wie Harry Potter halten würde, wäre das sehr schön. Auf so inhaltsleere Sachen wie Feuchtgebiete kann ich aber verzichten.
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: Waldhex am 17. Mai 2016, 20:25:53
@Zitkalasa - ich kann ja verstehen, dass Du gerne etwas "von 'Wert" vor allem von bleibendem Wert schreiben möchtest. Aber es gibt sehr viele Leute, die einfach nur gut unterhalten werden möchten, die das Buch eher weglegen, wenn der Sinn zu tiefgreifend wird. Warum soll man nicht auch etwas für diese Leute schreiben? Solange das Schreiben als solches Spaß macht.
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: Elona am 18. Mai 2016, 08:12:00
Irgendwie bezweifle ich an der Stelle das du inhaltsleere Dinge wie Feuchtgebiete zu Stande bringen würdest. Von daher brauchst du dir meiner Meinung nach darüber keine Gedanken zu machen.

Ich sehe das ganz ähnlich wie Pintana und Waldhex.
Zum einen befindet sich häufig mehr in Texten, man muss nur gewillt sein es zu sehen und wenn es „nur“ das Bedürfnis von jemanden war eben diese Geschichte niederzuschreiben. Ob das einen selbst befriedigt, also die Story, sei dann mal dahingestellt.
Wie Waldhex schon sagte, gibt es auch genug Menschen die einfach nur unterhalten werden wollen. Gehöre ich übrigens auch dazu. Wenn ich mich mit etwas wirklich Ernstem befassen wollen würde, würde ich Nachrichten oder Dokus schauen. Was jetzt nicht bedeutet, dass ich ernste Themen in Büchern und/oder KG vollständig ablehne.   

Es als Autor zu schaffen den Leser in eine andere Welt zu ziehen und alles um sich herum vergessen zu lassen, ist in meinen Augen übrigens eine Kunst und für mich Unterhaltung. Daran ist aber nichts schlechtes.

Und vielleicht mal etwas ganz anderes in den Raum geworfen: Warum schreibst du nicht für dich? Wenn es dir doch Spaß macht und du am Ende zufrieden mit dem bist, was du erschaffen hast, ist doch alles in Ordnung. Finde ich zumindest. Darauf wie was angenommen wird, haben wir ohnehin keinen Einfluss. Der eine findet es großartig und der nächste denkt sich „was ist denn bitteschön das?“.
Ich möchte auch ehrlich gesagt nicht wissen wie viele Schätze auf dem Buchmarkt oder vielleicht sogar in irgendeiner Schublade liegen, die - warum auch immer - nicht die Anerkennung erhalten, die sie eigentlich verdient hätten. Dafür ist das Ganze von viel zu vielen Umständen abhängig. Leider.
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: Slenderella am 18. Mai 2016, 08:33:19
Wer definiert denn den Wert? Nur weil etwas ausschließlich unterhält ist es doch nicht nicht wertvoll :)
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: Valkyrie Tina am 18. Mai 2016, 08:50:35
Ich möchte gerne bitte sofort "Ehebrecherin spielt Minigolf mit Gott" lesen.  ;D
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: Alana am 18. Mai 2016, 09:26:07
Ich wehre mich sehr dagegen, dass Unterhaltungsliteratur Wegwerfliteratur ist. Wenn man sich die Klassiker anschaut, ist da sehr viel Unterhaltungsliteratur dabei. Von Jane Austen über Thomas Mann bis Ottfried Preußler. Ich persönlich habe für jedes meiner Bücher den Anspruch, vielschichtig zu schreiben, so wie es zur Geschichte passt und so, dass es unterhält. Auf diese Art kann man wichtige Themen sehr gut vielen Menschen nahe bringen. Ob ein Buch die Zeit überdauert, hat glaube ich eher wenig damit zu tun, ob es U oder E-Literatur ist. Sondern in den meisten Fällen mit Qualität und Glück. Aber ich kann Zitkalasa sehr gut verstehen. Ich wünsche mir das auch. Wenigstens ein Buch schreiben, das die Zeit überdauert. Laut dem Buch, das ich gerade höre, ist das wahrscheinlicher, je mehr man schreibt (und veröffentlicht). Mozart. Da Vinci. Bach. Sie alle waren unglaublich produktiv. :) Es gibt nur sehr wenig geniale One Hit Wonder.
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: Zitkala am 18. Mai 2016, 12:31:56
Ich hatte nicht vor, jemanden auf den Schlips zu treten und glaube, ihr habt das in den falschen Hals bekommen. Ich habe nie gesagt, dass Unterhaltungsliteratur doof ist. (Noch dass ich überhaupt zwischen U und E unterscheide.) Ich sagte nur, dass ich keine Wegwerfliteratur schreiben will, und dazu stehe ich weiterhin. Es gibt so viele lieferbare Bücher, aber immer wieder greife ich daneben und gehe am Ende als Leser mit nur einem mittelmäßigem Gefühl heraus und frage mich schon, wozu das jetzt gut war. Liegt sicherlich daran, dass ich Bücher anders bewerte nachdem ich selbst schreibe, aber das kennt ihr sicher selber, das ist nichts Besonderes. Ich weiß nicht, ob es an den Ideen liegt oder daran, dass mir manche Schemata bis zum Erbrechen aus dem Hals hängen, oder dass sich Stile so sehr gleichen, dass man gar nicht sagen kann, welcher Autor das nun war. Es ist auch schon lange her, dass mir eine Geschichte tagelang nach dem Beenden noch im Kopf herum ging oder dass ich unbedingt lesen musste, auch wenn das hieß, dass ich die ganze Nacht gelesen habe. Die (originale) Per-Anhalter-Reihe waren die letzten Bücher über einen längeren Zeitraum, die mich tiefergehend beeindruckt haben. Auch beim Lavendelzimmer konnte ich gut nachfühlen, warum es so geliebt wird und hatte selbst so meine selbstvergessenen Momente beim Lesen und nachdem ich Frau George auch gesehen habe und ihr lauschen durfte (vor allem, warum sie das Buch geschrieben hat), fällt das Lavendelzimmer ebenso aus dem Rahmen mittelmäßiger Bücher. Ihr neuestes Buch habe ich noch ungelesen hier, der Test steht also noch aus, ob Frau George mich auch generell bei der Stange halten kann. ;D (Ich mein, kann ihr egal sein, aber so ein neuer Lieblingsautor für mich wäre nicht schlecht.)
Nicht nur gute Bücher sondern Bücher mit einem Ticken Besonderem, das suche ich als Leser und das würde ich natürlich auch gerne schreiben. Wenn ich danach krähe, sollte ich es am Besten auch selbst liefern können. ;D Neben meinem Schreibtisch hängt auch ein Kafka-Zitat: "Bücher, die uns glücklich machen, könnten wir zur Not selber schreiben." (Finde ich etwas besser als das Axt-Zitat, das aus demselben Brief ist.) Daran halte ich mich auch und schreibe eben so wie es mir gefällt. Dem eigenen Anspruch gerecht zu werden, ist nur nicht ganz so einfach.

Zitat
Laut dem Buch, das ich gerade höre, ist das wahrscheinlicher, je mehr man schreibt (und veröffentlicht).

;D Das ist sicherlich die Wurzel von allem: Handeln. Punkt. Momentan kämpfe ich immer noch um Plots. Ich finde es erstaunlich wie einige sich Geschichten an einem Tag aus den Fingern saugen können (sieht für mich zumindest so aus und ist jetzt auch nicht negativ bewertet), ich muss mir das in Kleinstarbeit erarbeiten. Womit wir dann wieder beim Thema Sitzfleisch sind. Also dreht sich alles im Kreis. Wie gesagt, normalerweise ignorier ich das alles weg und mach einfach mein Ding. Lamentieren bringt ja doch nichts. Da sieht am Ende nur so aus als wäre ich tod-depressiv, und das war eins der Dinge, die ich mir vorgenommen hatte, zu ändern. (Also das, was ich nach Außen kommuniziere. Mit meinen Dämonen kann ich selbst ganz gut leben.)
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: HauntingWitch am 18. Mai 2016, 12:38:11
Zuerst einmal schliesse ich mich Aurora an.

Und @Zitkalasa, nimm mir das jetzt bitte nicht übel, aber ich denke, du blockierst dich selbst. Du möchtest etwas möglichst Tiefgründiges, Wertvolles schreiben. Für mich klingt dein Post, als würdest du deine Ideen nicht aufschreiben, weil du nicht weisst, ob das alles darauf zutrifft und so entsteht einfach gar nichts daraus. Vielleicht sind deine vermeintlich einfachen Ideen für jemand anderen total genial, aber du hältst sie für zu einfach und wirst das nie erfahren? ;) Von Fehlern lernt man erst, nachdem man sie gemacht hat (finde ich).
 
Ich merke bei mir selber zum Beispiel immer, dass genau solche Gedanken dazu führen, dass ich Projekte an die Wand fahre, weil ich einfach unbedingt möchte, dass sie Gewicht und Tiefe haben und dadurch das Gefühl bekomme, das wäre nicht so. Dann lese ich all die tiefgründigen Sachen meiner Vorbilder und denke, so etwas kann ich wahrscheinlich nie. Aber ich frage mich, ob ein King (oder hier beliebige andere Namen einfügen) sich überlegt, ob auch alles tiefgründig genug ist, wenn er etwas schreibt. Vermutlich eher nicht. Ich glaube, die wenigsten Autoren setzten sich hin und sagen sich: "Ich schreibe jetzt etwas gesellschaftlich Wichtiges." Sondern sie beobachten Dinge, die sie beschäftigen und daraus entstehen ihre Geschichten. Das Anliegen, diese Dinge zu verarbeiten, führt zur Geschichte. Manchen Menschen reicht es eben, zu verarbeiten, wie wichtig es ist, als Frau den Mann fürs Leben zu finden (no pun intended ;)) und anderen sind andere Dinge wichtig, wie z.B. politische oder gesellschaftliche Probleme.
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: Alana am 18. Mai 2016, 12:57:14
Also das Erste, was ich damals dachte, als ich ernsthaft angefangen habe zu schreiben war: wow, man sitzt ja wirklich da und bastelt eine tiefere Bedeutung mit Absicht zwischen die Zeilen. Die Lehrer hatten vielleicht doch recht. ;D Ich kann nicht für die großen Vorbilder sprechen, aber ich überlege mir bei jedem Buch sehr genau, was ich damit sagen will oder besser, welches Thema ich bearbeiten möchte, denn belehren will man ja nicht, sondern ergründen. Ob das dann immer klappt, ist die andere Frage. Wahrscheinlich nicht. ;D Bei meinem aktuellen Fantasyroman denke ich gerade sehr viel darüber nach, ob da wirklich drinsteckt, was ich wollte oder ob ich das noch besser herausarbeiten muss. Natürlich so, dass man es gerne liest und es mehr so unterbewusst mitbekommt. No pressure. ;D Dass in einer Woche Deadline ist, beflügelt mich dabei eher. Sonst würde ich viel zu lange sinnieren und grübeln. Ich brauche den Druck. Aber da ist auch jeder anders.
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: HauntingWitch am 18. Mai 2016, 13:03:27
@Alana: Ich  glaube, wir meinen das Gleiche. Natürlich macht man sich Gedanken und verfolgt eine Absicht bzw. möchte etwas Bestimmtes sagen. Aber nicht, weil man unbedingt etwas Wichtiges sagen möchte, sondern weil man das Thema für wichtig hält.
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: Trippelschritt am 18. Mai 2016, 13:28:34
:wolke:

Schlimm? Hm. Ich möchte keine Wegwerfliteratur schreiben, keinen Bestseller, der jetzt gehyped wird, aber in zehn Jahren schon wieder vergessen ist. Es muss auch kein Bestseller sein, aber eben etwas Dauerhaftes, das auch noch in zwei, drei Dekaden seine Botschaft nicht einbüßt und nicht unter tausendfachen Me-Toos untergeht. Wenn es sich wie Harry Potter halten würde, wäre das sehr schön. Auf so inhaltsleere Sachen wie Feuchtgebiete kann ich aber verzichten.

Au weia, Zitklasa, ich befürchte, Du bist auf einem völligen Nebenweg gelandet, der dich, wenn Du ihn nicht verlässt, auch nicht zum Ziel führen wird. Dein Ziel sollte einfach sein, etwas zu schreiben, von dem, wenn du es geschrieben hast, sagen kannst: Das taugt was! Und dabei ist völlig egal, was daran etwas taugt. Ob Idee, ob Umsetzung oder ob es die Souveränität eines Handwerkaspekts (z.B. Beschreibungen  der Dialog oder Stimmung oder ...) ist. Wie der Markt auf Dein Geschreibsel reagiert, ist doch absolut irrelevant, weil Du ja eh nichts auf dem Markt hast. Und es hilft auch nicht darüber zu jammern, dass man nur das eine und nicht das  andere kann. Wenn Du Schreiben kannst, dann kannst Du alles schreiben. Wenngleuch auch nicht alles gleich gut. Beispiel:
Der Unterschied zwischen einer guten Szene in einem Roman und einer kurzen Kurzgeschichte (< 10 000 Zeichen) ist gar nicht so groß. Eine Sene hat eine ganz bestimmte Funktion im Roman und muss diesbezüglich auf den Punkt geschrieben werden. Also auf das Ende der Szene hin. Egal ob Pointe, Knalleffekt, Cliffhänger oder offenes Ende, alles ist möglich.
Und wenn Du keine Ideen für Kurzgeschichten hast, dann nimm doch Deine Ideen für Szenen. Und wenn auch das keine Gnade vor Deinen Augen findet, dann kauf mal ein halbes Dutzend Anthalogien und lies die Geschichten und versuch herauszufinden, warum die Juroren wohl diese Geschichten ausgewählt haben. Die meisten Anthalogien bedienen den Markt der kurzen Kurzgeschichten, der Romanszenen am ähnlichsten ist.

Im Augenblick habe ich das Gefühl, du bist kurz davor, an Deinem eigenen Anspruch zu ersticken. Setz dich doch besser einfach hin und schreib, denn ohne das lernst du es nicht. Und wenn du nichts findest, über das zu schreiben sich für dich lohnt, dann musst du eben erst lernen, wie man so etwas findet, worüber man schreiben kann. Es gibt zwei Arten von Dingen, über die man schreiben kann und die auch veröffentlicht werden. Sensationelle Ideen, die mindestens akzeptabel umgesetzt worden sind, und unauffällige Kleinigkeiten, die eine besonderes Auge des Autors verraten und sehr fein geschrieben wurden. Schreib doch über jemanden, der Minigolf spielt. Er/Sie spielt einfach nur eine Runde Minigolf oder auch nur ein Hindernis. Wie? Darüber kann man nichts schreiben. Aber sicher kann man das.

Liebe Grüße
trippelschritt
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: Maja am 18. Mai 2016, 13:48:31
Ich muss mal eine Lanze für Zit brechen, weil ich ihre Position komplett nachvollziehen kann - besser sogar, als mir lieb ist. Ich denke, das ist ein Problem, das man unheimlich leicht bekommt, wenn man gleichzeitig Autor ist und Buchhändler. Man sieht in dem Beruf, wie unglaublich kurzlebig Literatur ist. Wenn die Herbstnovis reinkommen, werden die unverkauften Frühjahrsnovis remittiert. Taschenbücher gehen schon nach drei Monaten zurück - und wenn die remittiert werden, macht der Verlag, ohne auch nur einen Blick auf den Zustand des Buches zu werfen, einen Stempel drauf, Mängelexemplar, und ab geht es in die Wühlkisten. Das ist nicht Wegwerfliteratur im Sinne von "Ab in den Schredder", aber es kommt nahe dran. Man hat - und das ist der Grund, warum ich mich in dem Job zunehmend ungewohl gefühlt habe - nicht das Gefühl, es mit bleibenden Werten zu tun zu haben, von wenigen Ausnahmen abgesehen.

Will ich etwas machen, das sich mit solches Maßstäben messen muss und kaum jemals eine Chance bekommt; ein Buch, das unter dem Leistungsdruck steht, sich entweder sofort zu verkaufen oder heimgeschickt zu werden? Bei der Vorstellung schüttelt es mich. Das ist der Grund (nicht der einzige, aber letztlich der Wichtigste), warum ich immer zu Klett-Cotta wollte: Weil die ihre Bücher nie vergriffen melden (das galt vielleicht 1999, als ich mich da das erste Mal beworben habe, noch so, heute gibt es da kaum noch einen Unterschied zu anderen Verlagen). Und wenn ein Buch über Jahrzehnte lieferbar ist, sich zu einem Geheimtip entwickelt, dann ist das für mich doch viel, viel angenehmer, als ein Hype, der sofort verglüht, oder noch schlimmer, ein Flop, der sofort wieder vom Markt verschwindet.

Heute, mit einer schlechtlaufenden Publikation im Rücken, sehe ich letzteres entsprechend anders: Ich hatte immer gedacht, es gibt für Autoren keinen herzbrechenderen Augenblick, als wenn ein Buch vergriffen gemeldet wird - aber ebensogut kann es sein, dass der Autor sich freut, dass das Trauerspiel ein Ende hat. Den Ärger, und das Herzgebreche, hatte man in dem Fall schon viel früher: Wenn der Titel nicht durchgestartet ist, wenn es sich noch nicht mal im ersten Vierteljahr verkauft hat, wenn die Abrechnungen im Gegenwert eines Cheeseburgers ins Haus flattern. Eine Vergriffenmeldung ist dann eine Erlösung.

Aber was mich angeht, betrachte ich meine Literatur als wertvoll, literarisch hoch, kostbar. Und das ist der relevante Punkt: dass ich es selbst so sehe. Ich kann inzwischen ganz gut trennen, auch zwischen meiner eigenen Ansicht und dem, was die Marketingabteilungen in Verlagen sagen. Ich habe kein Problem, wenn mein Buch in der Unterhaltungssparte als Mysteryroman präsentiert wird, einem Genre mit extrem schlechtem Ruf, insbesondere was das Literarische angeht - ich weiß, was drinsteckt, und freue mich, wenn ein Leser hinterher überrascht wird, wie viel Tiefgang ich habe oder wie literarisch mein Stil ist oder überhaupt, wie unerwartet großartig ich bin. Das heißt nicht, dass ich die Ehre verachte, die mit der Veröffentlichung in einem renommierten literarischen Verlag einher geht (Hell no!). Aber wichtig ist nicht, welches Pickerl draufgepappt wird, sondern was drin ist.
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: Elona am 18. Mai 2016, 14:02:14
Ich hoffe ich gerade jetzt nicht ganz auf OT Abwegen:

Ich denke Witch spricht da einen ganz entscheidenden Punkt an: Wie der Autor selbst zu seinem Werk steht. 
Ein außergewöhnliches Werk spiegelt in meinen Augen nicht nur wieder, in wie fern sich der Autor mit einem Thema auseinandersetzt hat, sondern auch, mit wie viel Herzblut er bei der Sache ist.

@Zitkalasa Und nebenbei bemerkt, finde ich wirklich großartig, was du aus dem „Sarah …“ Plot rausgeholt hast. Das hätte ich nicht hin bekommen, auch wenn ich vermutlich unter deine Kategorie „Geschichten an einem Tag aus den Fingern saugen“ zähle.
Jeder hat seine Stärken und Schwächen, über die man sich bewusst sein sollte.

Zitat von: Zitkalasa
Liegt sicherlich daran, dass ich Bücher anders bewerte nachdem ich selbst schreibe, aber das kennt ihr sicher selber, das ist nichts Besonderes.
Ja das Problem kenne ich und bin ihm auch schon beim Betalesen für andere begegnet. Für mich habe ich das Fazit daraus gezogen, dass man sehr schnell mit theoretischem, handwerklichem Wissen die Fähigkeiten verlieren kann, sich auf Werke einzulassen. Seit ich damit wieder aufgehört habe, empfinde ich beim Lesen auch wieder Freude.

Zitat von: Zitkalasa
Ich weiß nicht, ob es an den Ideen liegt oder daran, dass mir manche Schemata bis zum Erbrechen aus dem Hals hängen, oder dass sich Stile so sehr gleichen, dass man gar nicht sagen kann, welcher Autor das nun war.
Das hat vermutlich dann auch etwas mit Einfriedung zu tun. Egal ob von Betalesern oder Verlagsseite.

Ich finde wichtig, dass man seine eigenen Ansprüche an sich selbst erfüllt und sich dabei nicht verbiegen lässt, auch wenn es einem von allen Seiten geraten wird. Das birgt das Risiko, dass man damit scheitert, aber zumindest war man authentisch.
Zumindest ist das nun der Weg, für den ich mich entschieden habe. Mein Stil ist wohl gewöhnungsbedürftig, sagte mir kürzlich jemand.  ::)

"Ehebrecherin spielt Minigolf mit Gott" finde ich übrigens auch gelungen.

Das man die Dinge natürlich anders bewertet, wenn man Buchhändlerin ist, kann ich aber durchaus nachvollziehen.
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: Alana am 18. Mai 2016, 14:36:44
Zitat
Aber was mich angeht, betrachte ich meine Literatur als wertvoll, literarisch hoch, kostbar. Und das ist der relevante Punkt: dass ich es selbst so sehe.

Ich glaube, genau das ist der Knackpunkt und das, wo Zit ohne böse Absicht ein bisschen ins Wespennest gestochen hat. Wir haben im Regelfall keinen Einfluss darauf, wie unsere Bücher sich verkaufen werden. Das Einzige, was wir in der Hand haben, ist, wie wir uns sehen und welche Qualität unsere Bücher haben. Wir könnten das großartigste Werk erschaffen, das es je gegeben hat, und trotzdem könnte es als Wegwerfbuch enden, weil es in der Flut der Bücher niemand bemerkt. Und die Assoziation, dass Bücher, die schlecht laufen, nicht gut sind, steckt da halt auch ein bisschen drin und das stimmt einfach nicht und tut weh. Auch wenn ich weiß, dass Zit es nicht so gemeint hat! :knuddel:

Ich denke, (maße ich mir jetzt mal an :) ) Zit wollte sagen, dass sie gerne etwas erschaffen möchte, was wenigstens die Chance hat, zu bleiben. Und klar, das will ich auch. Darum bemühe ich mich jeden Tag. Ich denke, irgendwie wünschen sich das doch die meisten von uns. :)
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: HauntingWitch am 18. Mai 2016, 15:10:50
Ich muss mal eine Lanze für Zit brechen, weil ich ihre Position komplett nachvollziehen kann - besser sogar, als mir lieb ist. Ich denke, das ist ein Problem, das man unheimlich leicht bekommt, wenn man gleichzeitig Autor ist und Buchhändler. Man sieht in dem Beruf, wie unglaublich kurzlebig Literatur ist. Wenn die Herbstnovis reinkommen, werden die unverkauften Frühjahrsnovis remittiert. Taschenbücher gehen schon nach drei Monaten zurück - und wenn die remittiert werden, macht der Verlag, ohne auch nur einen Blick auf den Zustand des Buches zu werfen, einen Stempel drauf, Mängelexemplar, und ab geht es in die Wühlkisten. Das ist nicht Wegwerfliteratur im Sinne von "Ab in den Schredder", aber es kommt nahe dran.

Ich denke, das ist ein grosses Ego-Problem von uns allen. Es fühlt sich ja auch so an: "Das verkauft sich nicht, das ist nichts wert" ist eine sehr tief verankerte Denkweise in unserer Gesellschaft und so empfindet man es auch, wenn es dem eigenen Buch - oder einem Buch, das man gut findet - so geht. Ich weiss noch, wie ich einmal beleidigt von so einer Wühlkiste weggelaufen bin, weil ein Buch meines Lieblingsautors darin war. Alles andere als Schrott! (Sagen auch die Kritiker). Aber vermutlich hat sich einfach nicht die ganze Auflage verkauft oder so etwas.

Übrigens habe ich in einer solchen Wühlkiste Tobias O. Meissner entdeckt. Der verkauft sich offenbar auch nicht übermässig gut und wird vom Durchschnittspublikum wohl kaum beachtet. Aber seine Fans werden seine Bücher nie vergessen. Ist es nicht letztendlich mehr Wert, wenn man hier und jetzt das Leben von einigen wenigen bereichern kann, als wenn man von ein paar Millionen für ein paar Jahre gehypt und dann komplett vergessen wird? Sorry, jetzt schweife ich ab...

Man hat - und das ist der Grund, warum ich mich in dem Job zunehmend ungewohl gefühlt habe - nicht das Gefühl, es mit bleibenden Werten zu tun zu haben, von wenigen Ausnahmen abgesehen.

Das ist aber in jedem Business so. Und sobald man veröffentlichen möchte, ist es eben auch ein Business, selbst, wenn man das nicht zu sehr zu gewichten versucht (damit kämpfe ich die ganze Zeit). Die Dinge, die lange erhalten bleiben, sind die wenigen. Die Welt und die Menschen in ihr verändern sich und ich glaube, nur sehr wenige Kunst hält diesen Veränderungen dauerhaft stand.
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: Zitkala am 18. Mai 2016, 16:40:36
Da ist man mal eine Stunde auf Arbeit. ;D

Ja, ich denke, dass ich da ungewollt ein Problem aufgerissen habe, mit dem sich viele herum schlagen und das über kurz oder lang an unserem eigenen Bild vom Schriftsteller nagt. Maja hat einen sehr schönen Punkt eingebracht, der mir selbst nicht offensichtlich war: Stimmt, so ein Knack in der rosaroten Brille kam mit der Buchhändlerausbildung. Ich weiß noch wie wir im Libri-Zentrum in Bad Hersfeld waren und ich kurzzeitig von den ganzen Paletten angeekelt war, weil sich mir diese heilige Sache Buch plötzlich als Ware wie Schweinehälften beim Metzger präsentierte. Da ich in einer Reisebuchhandlung ausgebildet wurde, hatten wir nicht ganz so starke Probleme, was Novitäten und Remittenden angeht. Gab es natürlich auch, aber in erster Linie waren das Neuauflagen von Lonely Planet und Co, von denen die Erstausgaben schon 20 und mehr Jahre zurück liegen. Das war nur sehr selten ein Abschied für immer im Gegensatz zur Belletristik, die, wie Maja sagte, alle halbe Jahre zu 98% ausgetauscht wird. Mittlerweile bin ich in die Papeterie gerutscht, weil mich entweder keiner als Buchhändler wollte oder die, die gewollt hätten, selbst gerade so über die Runden kommen. Vielleicht war das auch gut so und mir bleibt bisher Majas Schicksal erspart. Den Beruf an sich finde ich immer noch toll und ich liebe ihn, aber er lebt nicht nur vom Idealismus, er kann ihn auch zerstören.

Ich danke euch aber auch für eure Beiträge.:knuddel: Ich hatte gar nicht vor, mir Ratschläge zu holen oder meine eigene Situation zur Diskussion zu stellen sondern wollte eigentlich nur meinen Senf hier lassen. Hätte bedenken sollen, dass sich jemand daran verbrennen kann. Mea culpa.
Abschließend möchte ich nur sagen, dass ich in meinen Romanen nicht Unterhaltung suche. Ich suche die Wahrheit hinter diesem Ding namens Leben und finde Menschen äußerst faszinierend, dass ich ihre Gefühle und Gedanken am liebsten mit der eiskalten Neugier eines Wissenschaftlers zerlegen würde; um es mal pathetisch und hochgestochen auszudrücken. Außerdem leiden meine Figuren damit sie nicht nur gegen die Welt sondern auch gegen sich selbst kämpfen müssen, nur im Kampf zeigt sich der wahre Charakter. Ob das nun die zickige Prinzessin ist oder der vom Leben gebeutelte Magier, der alles macht, nur nicht das, was er will, sind dabei nur Varianten. Wenn das auf "dem" Markt erfolgreich wird, ist das total schön und ich sage natürlich auch nicht Nein. Aber es ist nicht mein Ziel. Im Grunde ist eine Veröffentlichung ein Kommunikationsangebot und wenn das in einem anderen wider schwingt, dann habe ich mein Ziel erreicht. Dabei wäre es eben nur schön, wenn der Kanal lange genug offen bleibt, dass ihn überhaupt jemand findet und er eben nicht nach einem halben Jahr zuerst in der Grabbelkiste und dann in der Versenkung verschwindet.

Zitat
Ich denke, (maße ich mir jetzt mal an :) ) Zit wollte sagen, dass sie gerne etwas erschaffen möchte, was wenigstens die Chance hat, zu bleiben. Und klar, das will ich auch. Darum bemühe ich mich jeden Tag. Ich denke, irgendwie wünschen sich das doch die meisten von uns. :)

Ja. Danke. :knuddel:

Zitat von: Aurora
"Ehebrecherin spielt Minigolf mit Gott" finde ich übrigens auch gelungen.

Danke. :) Ich raufe mir bei solchen Einfällen zuerst immer die Haare, weil das nur ein Aufhänger ist und keine Geschichte. Das muss dann erstmal liegen bis mir eine vernünftige Handlung einfällt, die sich aus den ganzen Gegebenheiten entwickeln lässt.
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: Trippelschritt am 19. Mai 2016, 06:40:35
@ Zitklasa
Und ich befürchte nun, dass ich Dich böse missverstanden habe und nehme alle meine Ratschläge schnell wieder zurück. Aber vielleicht kann sie ja ein anderer gebrauchen. (Trost such). Was du da grad gepostet hast, kann ich alles sehr gut nachvollziehen.

Liebe Grüße
Trippelschritt
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: HauntingWitch am 11. Dezember 2016, 12:19:20
Ich nehme diesen Thread hervor, ich hoffe, das passt hierhin. Eine Frage, an alle, die einen anderen Brotjob haben. Habt ihr manchmal auch das Gefühl, dass der Job für alle anderen ihr Leben ist, nur für euch nicht? Ich war die letzten Tag in so einem Fortbildungskurs und da ging es mir wieder einmal so. In unserer Tischreihe sass z.B. einer, der ist höchsten ein paar Jährchen älter als ich selbst, aber total ambitioniert, mittleres Kader, hat in der Pause gearbeitet, usw. Und die anderen waren alle auch so stark interessiert. Ich habe mich die ganze Zeit gefragt, was mache ich hier eigentlich? Kennt ihr das?

Das soll jetzt kein "Ich-möchte-doch-vom-Schreiben-leben"-Lamentio werden, davon hatten wir es ja schon oft. Mittlerweile sehe ich das auch etwas entspannter, aber einfach dieses Gefühl, dass einem das Schreiben halt wichtiger ist, während für andere der Job wirklich "der Job" ist.
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: Feuertraum am 11. Dezember 2016, 12:46:36
Liebe Witch,

oh, wie gut kann ich Sie da verstehen. Ich kenne gar nicht mal wenige Leute, die sich hinstellen und erzählen, was für einen tollen Beruf sie doch haben. Er macht Spaß, erfüllt sie, bringt jeden Tag neue Herausforderungen und spannende Erlebnisse, und jeden Morgen springen sie freudig aus dem Bett und schauen sehnsüchtig auf die Uhr, wann sie denn endlich den Sinn in ihrem Leben nachgehen können und ihr Arbeitgeber endlich die Tür aufschließt.
Ich kann es nicht nachvollziehen.
Und im Grunde genommen frage ich mich jeden Tag, wann ich meinem Beruf den Rücken kehren und das machen kann, was mich glücklich macht.
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: Phea am 11. Dezember 2016, 13:01:23
Witch, ich weiß, was du meinst. Bei mir ist es ähnlich. Ich fühle mich in dem Job an sich auch nicht sehr wohl, aber es macht mir unheimlich Spaß im Büro. Mir macht die Arbeit Spaß, weil der Rest passt (Also die Kollegen, die Arbeitgeber ...) und nicht, weil das mein Traumjob ist. Ich bin ehrlich, der Job an sich ist echt bescheiden, aber ich fühle mich in dem Betrieb wohl und das ist schon die halbe Miete. Viel lieber würde ich allerdings an meinen Projekten schreiben, bin andererseits aber auch froh, dass ich keine Berufsautorin bin.  Ich brauche die Abwechslung, sonst würde das Schreiben vollkommen untergehen und nur aus Zwang bestehen.

Nicht falsch verstehen, ich fühle mich sehr wohl so, wie es jetzt ist. Der Kundenkontakt ist toll, macht unheimlich Spaß - aber das, worauf es in dem Job eigentlich ankommt (nämlich die Geographie, Zeitzonen etc.) ist einfach nicht meins. Ich war schon immer schlecht in Erdkunde und habe mich nie wirklich für Politik interessiert. Das sind zwei Dinge, die im Beruf als Tourismuskauffrau am Wichtigsten sind. Ich MUSS jetzt auf dem Laufenden sein, wissen, was in der Welt so vor sich geht, Nachrichten gucken und Radio hören, Newsletter lesen, die mich gar nicht interessieren. Aber ohne dieses Wissen kann ich meinen Job nicht vernünftig machen. Genauso wie ich jetzt in Geographie noch mal richtig pauken muss, Entfernungen lernen, Zeitzonen bestimmen, die Jahreszeiten auf den Kontinenten wissen, um eine vernünftige Beratung durchführen zu können.

Das Schlimmste für mich ist im Moment, dass ich mich gezwungen fühle, überall zu sagen "Ja, es macht mir unheimlich viel Spaß und es ist interessant". Wenn ich das nicht tue, habe ich Angst um meinen Ausbildungsplatz, Angst vor Gesprächen wie "Warum hast du das Angebot überhaupt angenommen?" oder dummen Kommentaren, die einfach unangebracht sind. Ich habe meinen Ausbildungsplatz mit viel Glück bekommen, möchte ihn nicht riskieren und muss sehen, dass ich Geld verdiene, um mein Kind unterhalten zu können. Ob die Arbeit Spaß macht ist für mich Nebensache. Ich finde es wichtiger, mit meinen Kollegen gut zurecht zu kommen - denn wenn das der Fall ist, geht man gerne zur Arbeit und dann macht die Arbeit auch irgendwo wieder Spaß.

Allerdings hilft es mir persönlich beim Schreiben. Wenn ich eine Arbeit habe, in der ich mich "langweile", bin ich bei meinen Projekten umso produktiver.

Irgendwie bin ich froh, dass das jetzt endlich raus ist. Ich quäle mich damit seid Februar, seit ich den Ausbildungsplatz angeboten bekommen habe. Ich wusste von Anfang an, dass mir der Job nicht gefallen wird, wusste, dass ich in einem Bereich arbeiten werde, der ganz und gar nicht in meinem Interessen- und Wissensgebieten liegt. Aber ich bin zeitgleich auch unheimlich froh, dass ich eine Arbeit habe, die Chance bekommen habe. Das werde ich gewiss nicht einfach so weg werfen.
Außerdem habe ich auch Vorteile durch die Arbeit. Ich bekomme immerhin Rabatte auf Urlaubsreisen, eigne mir Wissen an, dass für Projekte wichtig sein könnte.

@Feuertraum war schneller. Ich gehöre wohl zu diesen Leuten. Wieso das so ist, habe ich hoffentlich verständlich genug erklärt.
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: Merwyn am 11. Dezember 2016, 13:07:56
Ja, das kenne ich auch, Witch.

Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: Weberin am 11. Dezember 2016, 13:10:45
Hallo Witch,

ich habe dieses Gefühl - dass der Job alles ist - bei Menschen in Führungspositionen, verantwortlichen Positionen. Eine frühere Chefin von mit bekam richtig Panik, als sie kurz vor der Rente stand. Sie meinte, sie hätte einfach nie Zeit gefunden zum Pflegen von Freundschaften, und sie fürchtete jetzt, plötzlich sehr alleine dazustehen, weil sie immer nur für ihre Arbeit da war.

Ich habe den Eindruck, dass sehr viele in Führungspositionen spüren, dass sie etwas verloren haben, dass es noch eine andere Welt gibt. Auf mich wirken sie deshalb in den wenigen ruhigen Minuten, die sie haben, oft traurig und verloren. Sie möchten anders leben, aber dazu müssten sie sehr viel aufgeben, und auch oft wäre die Familie mit betroffen.

Sie erinnern mich teilweise an den Frosch im heißen Wasser: angeblich springt ein Frosch aus dem Wasser, wenn man ihn plötzlich in kochendes Wasser wirft, aber er bleibt darin sitzen, bis er gestorben ist, wenn das Wasser langsam erwärmt wird. Viele Menschen scheinen mir in dieser Situation zu sein: der Druck von außen ist langsam aber kontinuierlich angestiegen, und zu dem Zeitpunkt, wenn sie merken, dass es nicht mehr auszuhalten ist, dann ist es schon zu spät, es zu ändern, weil zur Veränderung die Kraft und die Zeit fehlt. Oft ist es wohl einfacher in einem Hamsterrad weiter zu laufen, als auszusteigen. Wer innerlich zu erschöpft ist, schafft den Ausstieg nicht, da der Ausstieg nur mit Kreativität möglich ist. Und zu Beginn der Karriere war ihnen noch nicht  klar, auf was sie sich einlassen.

Ich gehöre ja eher zur "unteren Etage" - dort habe ich den Eindruck, dass es sehr wohl andere Interessen für meine Kolleginnen gibt - nur sind es oft nicht meine. Da sind Kleidung und Ausgehen, Kochen und Einrichtung und Reisen, die Erfolge der Kinder und die Enkel. Manches davon ist auch für mich wichtig, aber oft mit anderen Schwerpunkten.

Dass die meisten nicht schreiben, das finde ich normal. Aber zumindest bei Angestellten ohne Führungsposition ist der Job nicht das ein und alles. Für ungewöhnliche Interessen besteht aber wohl eher weniger Verständnis, die sind nur ok, wenn sie nicht weiter stören. Aber das ist ja nicht verwunderlich, denn wir leben ja in einer Gesellschaft, in der schon eine Mutter, die wegen kranker Kinder zu Hause bleiben muss, mit Stirnrunzeln vom Betrieb gesehen wird. Wir leben in einer Situation global konkurrierender Großkonzerne, das berührt uns bis in den Alltag hinein.

Liebe Grüße
die Weberin
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: Dämmerungshexe am 11. Dezember 2016, 13:21:11
Ich schlag jetzt mal in die andere Kerbe. Ich mag meinen Job. Die Kunden nerven ab und zu und wenn man 100% arbeitet ist es unheimlich stressig und man hat zum Teil dämliche Arbeitszeiten. Als 50%-Angestellte habe ich wiederum das Gefühl, dass ich vieles nicht alleine machen kann, immer auf andere und deren Informationen angewiesen bin ... Aber an sich bin ich sehr gerne Grafiker..
Es wäre sogar eine wunderbare Voraussetzungen, um sich selbständig zu machen und vor allem im Bereich Buchgestaltung zu arbeiten während man nebenbei schreibt. (Was ich mir im Moment ernsthaft überlege.)

Aber ich verstehe alle, denen es nicht so geht voll und ganz. Der Gedanke “ich muss das machen, damit ich Geld habe, damit ich eine Rente und eine Zukunft habe, damit ich leben kann, damit ich in unserer Gesellschaft nicht als Versager dastehe, ...“ das zehr unheimlich. Einfach der Stress, der Druck von Außen, der irgendwann auch von Innen kommt.
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: Weberin am 11. Dezember 2016, 13:27:01
Ich sag immer, ich arbeite um zu leben, aber ich habe bei ganz vielen Menschen das Gefühl, dass die leben, um zu arbeiten, und das auch ganz normal und gut finden. Mich gruselt das so enorm, ich kanns gar nicht in Worte fassen.

Hallo Merwyn,

hängt das nicht davon ab, welchen Job ich mache? In einem Bericht über einen Biobauern meinte der verschmitzt: Für ihn wäre es das Schönste auf der Welt, Bauer zu sein - nun das Zweitschönste - fügte er noch grinsend hinzu.

Ich kenne allerdings persönlich hier in der Großstadt keine Menschen, bei denen ich das Gefühl habe, dass sie leben wollen, nur um zu arbeiten. Dass man das Beste aus der notwendigen Arbeit zu machen versucht, das finde ich ok. Aber offenbar kennt ihr viele, für die die Arbeit gewünschter Voll-Lebensinhalt ist - das erstaunt mich jetzt tatsächlich.

Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: HauntingWitch am 11. Dezember 2016, 14:19:21
Das Schlimmste für mich ist im Moment, dass ich mich gezwungen fühle, überall zu sagen "Ja, es macht mir unheimlich viel Spaß und es ist interessant". Wenn ich das nicht tue, habe ich Angst um meinen Ausbildungsplatz, Angst vor Gesprächen wie "Warum hast du das Angebot überhaupt angenommen?" oder dummen Kommentaren, die einfach unangebracht sind. Ich habe meinen Ausbildungsplatz mit viel Glück bekommen, möchte ihn nicht riskieren und muss sehen, dass ich Geld verdiene, um mein Kind unterhalten zu können. Ob die Arbeit Spaß macht ist für mich Nebensache. Ich finde es wichtiger, mit meinen Kollegen gut zurecht zu kommen - denn wenn das der Fall ist, geht man gerne zur Arbeit und dann macht die Arbeit auch irgendwo wieder Spaß.

Genau das. Mein Chef kommt in letzter Zeit immer wieder und fragt: "Bist du zufrieden bei uns?" Und jedes Mal sage ich: "Joa, ist der beste Job, den ich je hatte." Und das stimmt auch wirklich. Nur, bin ich halt oft etwas abwesend oder manchmal auch nicht so gut drauf, weil mir irgendein Schreibprojekt auf den Fingern brennt oder ich hüpfe abends sehr pünktlich davon, um noch dieses oder jenes recherchieren oder kurz notieren zu können oder ich habe kein Interesse an z.B. Weihnachtsessen etc. (ich gehe jetzt dieses Jahr hin, weil ich letztes Jahr schon nicht war und weil man ja doch irgendwie noch zeigen möchte, dass es einem nicht komplett schnuppe ist).

Aber andere... Wir haben einen Mitarbeiter, der noch nicht so lange dabei ist und vor etwa zwei Wochen war GV. Normalerweise muss man dort helfen, ich konnte mich herausreden, weil ich dafür das Büro geschmissen habe. Jedenfalls sagte dieser Mitarbeiter so zu mir: "Ist schon spannend, gell?" Und ich so:  ??? 8) Nein, ich finde das todlangweilig. Aber eben, was will man sagen, ich will ja meinen Job auch nicht verlieren, eben weil er besser ist, als alle, die ich vorher hatte.

@Feuertraum und Merwyn: Ich bin froh, dass ich nicht die einzige bin. :knuddel:

@Weberin: In meinem vorherigen Job gab es das auf unserer Ebene auch, aber in dem jetzigen habe ich zunehmend das Gefühl, dass auch die "unteren Ebenen" für den Job leben. Meine Kollegin z.B., ich mag sie, aber mir scheint halt, dass das für sie die Karriere ist. Und sie ist schon die dritte, die ich in dieser Branche kennenlerne, bei der ich diesen Eindruck habe. Ich bin erst seit einem Jahr dort.
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: Merwyn am 11. Dezember 2016, 16:18:20
Ich kenn das auch unabhängig von der Ebene. Es gibt "0815" Büroarbeiter, die für ihren Job leben, genauso wie es auf Führungsebene Leute gibt, die nur Dienst nach Vorschrift machen und keine Minute länger bleiben, als sie unbedingt müssen. Meiner persönlichen Erfahrung nach halt, denn nur davon kann ich berichten. ;)

Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: Weberin am 11. Dezember 2016, 17:45:07

@Weberin
Ich bin mir nicht sicher, ob ich verstehe, auf was du dich mit meinem Quote beziehst bzw. worauf du hinaus willst.


Hallo Merwyn,

ich las deinen Satz:

"... das Gefühl, dass die leben, um zu arbeiten, und das auch ganz normal und gut finden. Mich gruselt das so enorm, ich kanns gar nicht in Worte fassen."

Es klingt in meinen Ohren, als wären für dich diese Menschen Zombies. Das fand ich einfach etwas seltsam und übertrieben, weil gerade, wenn ich an das Interview mit dem Biobauern denke, der Arbeiten als das Zweitschönste im Leben bezeichnete, so hatte ich gar nicht den Eindruck, dass er ein Zombi war, sondern voll im Leben stand.

Aber für begeisterte workholics würde ich natürlich die Beschreibung eher passend finden. Nur ich kenne keine begeisterten workholics, nur solche, die meinen, es nicht anders machen zu können und jammern. Aber vielleicht ist das auch von Betrieb zu Betrieb verschieden. Ich kenne aus jüngerer Zeit Arbeitsplätze in Cafeteria, Pflege bei einer Person zu Hause im Schichtdienst, Rezeption Altenheim, Registratur Versicherung und verschiedene Abteilungen in einem Amt. Das alles sind keine Traumjobs, für die man sich entscheidet, sondern Jobs, die ich (und wohl auch meist die anderen) halt bekommen haben, auf der Suche nach Arbeit. Daher fühlt sich auch keiner "verpflichtet", den Job toll zu finden, jeder weiß, dass es eben eine Notwendigkeit ist, und man froh ist, nicht auf der Straße arbeitslos zu sein.

Wäre es denkbar, dass diese begeisterten workholics in Wirklichkeit nur eine innere Verzweiflung und Unzufriedenheit, die sie selbst nicht verstehen, überspielen wollen? Vielleicht eine tief sitzende Angst, den Job zu verlieren?

Viele Grüße
die Weberinn
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: Cairiel am 11. Dezember 2016, 19:19:45
Ich kann beide Seiten nachvollziehen und würde mich als Mittelding bzw. als stark schwankendes Ding einordnen. Momentan lebe ich nur vom Schreiben und einem Minijob und das finde ich ganz gut so. Aber: Jedes Mal, wenn ich zum Minijob aufbrechen muss, denke ich mir: "Warum tue ich das überhaupt? Ich sollte lieber schreiben, mehr schreiben! Warum habe ich in letzter Zeit so viel Zeit vergeudet, statt zu schreiben? Würde ich nur ständig schreiben, könnte ich bestimmt schon ganz gut davon leben und hätte weder Geldsorgen noch einen Minijob!"

Sitze ich dann daheim, denke ich: "Grr, ich muss ständig was tun, kann keine Pause machen, ohne sie zu bereuen, habe ständig den Zwang, schreiben zu müssen ... Bei meinem Minijob macht mir alles so viel Spaß, das Geld fließt sicher und federleicht herein, und würde ich noch mehr arbeiten, wäre es auch noch viel mehr Geld, und könnte neben der Arbeit abschalten und tun, was mir Spaß macht und müsste mich nicht so zwingen, produktiv zu sein ..." (Anmerkung: Schreiben macht mir schon auch Spaß, aber halt nicht auf Zwang und auf Knopfdruck und die Projekte, die gefragt sind und sich verkaufen lassen usw. usf ...)

Dann denke ich mir wieder: "Ich kann nicht mal eben verreisen wie früher, muss das immer irgendwie mit dem Job abklären - und als Minijob gehts ja noch, als fest Angestellter hätte ich nur begrenzt Urlaubstage und müsste sie dann nehmen, wenns passt und langfristig geplant ... Würde ich stattdessen vom Schreiben leben, kann ich viel spontaner sein, gehen, wohin ich will, wäre freier ..."

Und dann kommt: "Okay, so mehr oder minder 30-70 wie momentan ist es eigentlich schon ganz okay."  ;D ::)
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: Leann am 11. Dezember 2016, 19:28:33
Menschen, die ihren Job mögen und darin aufgehen, haben es gut. Wirklich gruselig finde ich diejenigen, die schon mit 30 Jahren die Tage bis zur Rente zählen und nur darauf warten, dass sie dann endlich machen können, worauf sie Lust haben. Mensch Leute! Wartet doch nicht! Das sind blöderweise immer genau die, die kurz nach Rentenbeginn krank werden und sterben. Und die haben dann so viele Jahre in einem ungeliebten Job verplempert und auf etwas gewartet, das niemals eingetreten ist. Nämlich ihr Leben.
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: Slenderella am 11. Dezember 2016, 20:54:35
Ich sitze auch in meinem ungeliebten Bürojob.
Und würde definitiv lieber vom Schreiben leben können - kann ich aber nicht. So ist das halt. Allerdings wissen meine Kollegen A, dass ich schreibe und B versuchen die mich immer noch zu überzeugen: Arschlochbüro zu schreiben.
Ergo haben die Verständnis, wenn ich sage, ich habe Abgabetermine und kann nicht wegen Nonsense (kein Notfall, sondern so was Unsinniges wie: Körbe packen - Azubiarbeit ... ich bin Sales! Go away) ständig Überstunden schieben. Habe dennoch mehr als genug.

Allerdings ermöglicht der Job mir finanziell gut dazustehen, ich fliege über Silvester jetzt mal eben nach Mailand, weil mir danach ist.
Von daher ist es wohl ganz gut, dass ich den Job habe. Außerdem habe ich so gelernt, schnell und gebündet zu schreiben. Weil mir einfach die Zeit fehlt. Wenn ich mich mit 100 Worten die Stunde rumquälen würde, wäre ich nicht zufrieden.
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: Snöblumma am 11. Dezember 2016, 21:23:55
Ich wage mal zu behaupten, das liegt auch daran, was/wie man mit Kollegen kommuniziert. Ob man seinen Job nun zu 100% liebt oder nicht, das mal dahingestellt, aber ob man den Kollegen im Büro noch auf die Nase bindet, was man in seiner Freizeit so macht, das würde ich doch arg bezweifeln ;). Ich kenne es zumindest so, dass man eventuell noch die sozial akzeptablen Freizeitbeschäftigungen (bei uns im Büro: Ski fahren, Sport, schlafen, Eltern besuchen) erwähnt, aber Hobbys einfach außen vor bleiben - weshalb es im Büro schnell so wirken kann, als würden wir alle nur unsere Jobs haben und sonst für gar nichts mehr leben.

Bei mir ist es derzeit so, dass ich meinen Job wirklich sehr liebe, aber ich habe auch echt Glück mit meinen beiden Chefs (was sich bald ändern kann, im nächsten Jahr muss ich rotieren, und dann schauen wir mal, wie es dann weitergeht). Meine Kollegen sind super, im Büro haben wir einfach nur wahnsinnig Spaß, Ellenbogen werden allenfalls gegen die Verhandlungsgegner ausgefahren aber nicht innerhalb des Büros, und einige der Kollegen sind schon fast so etwas wie Freunde geworden. Von daher finde ich es nicht so dramatisch, dass der Job mir jeden Tag 12, 13 Stunden "nimmt", weil ich einfach wahnsinnig gerne im Büro bin.

Aber dass es mir deshalb wichtiger ist als das Schreiben? Das würde ich so nicht sagen, auch wenn ich derzeit sehr gut damit leben kann, dass das Schreiben sehr viel weniger Raum hat als früher. Wenn mein Job mich nicht so glücklich machen würde, würde ich ihn in diesem Tempo nicht durchhalten (und das geht allen bei uns im Büro so, wage ich zu behaupten), aber ich für meinen Teil brauche den Ausgleich. Nur braucht das wiederum nicht jeder im Büro zu wissen, sodass Außenstehende vielleicht meinen, dass ich nur aus meinem Job bestehe. ;)
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: Zitkala am 12. Dezember 2016, 00:31:50
Ich denke, dass Menschen, die eben nicht zum Schreiben oder anderen Künsten berufen sind (oder zu noch mehr), ja eben einen Ersatz (eine Erweiterung) dafür brauchen, und die suchen sich dann den Job, der die gleiche Wertstellung hat wie für andere das Schreiben. So seltsam finde ich das mittlerweile nicht. Wenn ichs nicht verbockt hätte, würde ich vermutlich auch darin aufgehen, in stillgelegten Werkshallen herum zu springen und meine Gesundheit zu rsikieren. Oder noch besser: Mich literweise mit Cola zukippen und irgendein Programm zur besseren Erdbebenfrüherkennung schreiben oder so. :rofl: Ob ich dann noch in so einer glücklichen Beziehung wäre, wer weiß?

Ansonsten versuche ich wie Cairiel ein Gleichgewicht zu finden, und überlege gerade, ob ich mir nicht einen anderen Halbtagsjob suche, der bessere Chancen verspricht. Aktuell ist das 'ne Sackgasse und ich habe den Eindruck, kopfmäßig völlig zu versauern. Und ein besserer Stundenlohn wäre auch nicht schlecht. ;D
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: Sascha am 12. Dezember 2016, 09:32:13
Bei mir hat sich das inzwischen gewandelt, seit ich die Firma und vor allem das [zensiert] von Chef los bin. Bis dahin hab ich tatsächlich zu denen gehört, vor denen es Leann so gruselt. Ich habe mich mit Gewalt in die Arbeit geschleppt und den Tag irgendwie durchgestanden. Meinem Vater war es ähnlich gegangen, und tatsächlich ist er praktisch direkt nach Erreichen der Rente tot umgefallen.
Jetzt muß ich mich zwar selbst mit den Sperenzchen der Kunden rumschlagen, aber dafür kann ich auch selbst entscheiden, denen dann mal die rote Karte zu zeigen. Ich arbeite weniger für mindestens dasselbe, wenn nicht mehr Geld. Und das, was ich tue, macht mir eigentlich auch Spaß. Ich kann produktiv sein, mal was austüfteln, Leuten was beibringen, wunderbar. Wenn dann von Kunden kommt "Vielen, vielen Dank! Ohne Sie wäre ich nicht ansatzweise da, wo ich jetzt bin.", dann geht das natürlich runter wie Öl. Noch dazu, wo gerade dieser Kunde bei meinen Ex-Kollegen ziemlich gefürchtet ist. Man muß ihn halt zu nehmen wissen. ;)

Aber um zu dem zu kommen, was ich immer bei denen, die ihren Job ja ach so lieben, am schrecklichsten fand: Sie haben es auch von allen Anderen erwartet. Daß die Familie Vorrang hat, man für ein sowieso peinliches Gehalt nicht auch noch begeistert Massen an Überstunden schiebt und Kinder nun mal Betreuung brauchen (was bedeutete, ich konnte nicht beliebig in der Weltgeschichte rumreisen, da auch meine Frau arbeitet), das erzeugte nicht nur bei meinem Chef, sondern auch bei einigen Kollegen nur verständnisloses Kopfschütteln. Ein Leben jenseits der Arbeit? Wozu das denn? Das ist die Sorte, bei der es mich ganz besonders gruselt. Vor allem tun diese Leute alles, um einem das Gefühl zu geben, minderwertig zu sein, sobald man eben nicht 150% im Job gibt sondern nur 100%, von denen bestenfalls 75 bezahlt werden.

Obwohl mir meine Selbständigkeit jetzt Spaß macht: Sollte ich irgendwann mal den traumhaften Volltreffer landen und von meiner Schreibe, so, wie ich sie mag (also das schreiben, was ich will, scheiß auf die Marktforscher), leben können, dann wird der IT-Job definitiv weit zurückgefahren. Klar, ein bißchen am Ball bleiben, damit man nicht einrostet, sich seine Stammkunden etwas warmhalten, alles nett. Aber mehr muß dann auch nicht mehr sein.
Das wird aber wohl frühestens der Fall sein, wenn die Kinder aus dem Haus sind und ich nur noch für zwei Leute das Geld heimbringen muß, nicht für vier.

EDIT: Der Thread ist ja öffentlich, da mußte ich mich grad mal selbst zensieren. Man weiß ja nie. :(
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: Leann am 12. Dezember 2016, 09:56:12
@Sascha: Genau das könnte dann zum Problem werden:
Zitat
Sie haben es auch von allen Anderen erwartet.
Ich glaube, es liegt daran, dass diese Menschen sich nicht vorstellen können, dass es ein erfüllendes Leben außerhalb der Arbeit geben kann. Beunruhigend ist, dass einige von ihnen ihre Arbeit auch nicht unbedingt lieben, sondern sich auch durchquälen, es aber dann offenbar als gerecht erachten, wenn sich auch ihre Mitarbeiter bzw. Untergebenen ebenso kasteien.

Dann gibt es auch noch die Kollegen, die sich "Sorgen" um die Karrieren anderer machen. Zum Beispiel hat mich neulich ein Kollege darauf angesprochen, ob ich denn nicht weiterkommen möchte. Weiterkommen im Sinne von Beförderung in höhere A-Gruppe. Dafür müsste ich mich auf eine andere Stelle bewerben, da meine Stelle nun mal mit einer niedrigen A-Gruppe bewertet ist. Es gibt allerdings keine Stelle, die mich reizen würde. Was soll ich im Rechnungsprüfungsamt oder im Gebäudemanagement? Das ist überhaupt nicht mein Fall. Ich mag die Art meiner Arbeit, und für einen Hunderter mehr im Monat sehe ich keinen Sinn darin, etwas zu tun, was mir nicht gefällt. Und das soll dann weiterkommen sein? Unter Weiterkommen verstehe ich eher, meine Persönlichkeit weiterzuentwickeln, Neues zu lernen und zu entdecken, das mich interessiert, ganz allgemein meinen Horizont zu erweitern. Dazu brauche ich nun wirklich keine Beförderung oder einen öden Stellenwechsel.

Um mal wieder näher ans Thema zu kommen: Meine Chefin hat mich letzte Woche gefragt, wie ich mir meine berufliche Zukunft vorstelle (Hintergedanke war, dass sie Leute sucht, die für bestimmte Projektarbeiten in Frage kommen). Da habe ich ehrlich gesagt, dass ich mich auf meiner aktuellen Stelle wohl fühle und keinen Wechsel plane, jedoch vorhabe, in ein paar Jahren meine Stunden zu reduzieren, z.B. auf 35, um mehr Zeit zum Schreiben zu haben. Sie gehört auch zu den Menschen, die viel Erfüllung in ihrer Arbeit finden, aber sie kann auch zu einem gewissen Maße akzeptieren, dass es auch Leute gibt, die eben diese Erfüllung und Freude außerhalb der Arbeit entdeckt haben. Was sie glaube ich eher nicht verstehen könnte wären Mitarbeiter, die an gar nichts Interesse haben, lustlos vor sich hinarbeiten und auch ihre Freizeit nicht aktiv gestalten. 

Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: Feuertraum am 11. Januar 2018, 09:41:38
Es ist mal wieder soweit, ich fließe auch wieder über vor Sehnsucht danach, meinen Lebensunterhalt mit dem Unterhalten zu verdienen.
Gestern  - ich hatte frei - rief Chefin an, dass während meiner Schicht etwas schiefgegangen ist, was Konsequenzen nach sich zieht und sie bald nicht mehr die schützende Hand über mich legen kann.
Und momentan bin ich in der Phase zu "jammern", dass ich so gerne meine Brötchen verdienen mag, in dem ich auf der Bühne stehe und Comedy spiele, oder dass ich schreibe und damit meinen Lebensunterhalt bestreite.
Doch dann kommen mir Postings in den Sinn von Tintenzirklern, die zwar als AutorIn arbeiten und damit auch Geld verdienen, der Lohn aber zum Leben zu wenig und zum Sterben zu viel ist.
Und schon sinkt meine Hoffnung ins Bodenlose.
Was meine Comedy angeht: Mir fehlen einfach die Zeit (durch die Arbeit) als auch die finanziellen Mittel, "auf Tour" zu gehen, also auf Offenen Bühnen aufzutreten, um meine "Kunst" einem breiten Publikum vorzustellen, mir einen Namen zu machen, so dass auch da der Weg verbaut ist.
Jedesmal, wenn ich eine Absage auf eine Bewerbung bekomme, schleicht sich in mir das Denken ein: "Wie jetzt? Sie? Sie sollen wir einstellen? Nee, lass man, wir wollen nur Leute, die was können, die was auf dem Kasten haben, die intelligent und talentiert sind."
Ja, ich weiß, dass dies nicht wirklich gesagt wird, aber diese Gedanken kommen dennoch ungefragt und ziehen mich runter.
Und darum erwacht in mir immer mehr und immer stärker der Wunsch, mich als Unterhalter selbständig zu machen, Wörter aus meiner Schreibmaschine/meinem Computer herauszukitzeln, auf der Bühne meine Späße zu machen, um das Publikum zum Lachen zu bringen.
Ich will raus aus dem Handel und rein ins "Entertainment".
Und zwar lieber gestern als heute.
Aber leider ... :(
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: HauntingWitch am 11. Januar 2018, 10:55:28
Ach, Feuertraum, ich kenne diese Gedanken so gut. :knuddel: Haben Sie denn bereits lokale Auftritte? Ich weiss nicht, ob Sie in einem Dorf oder in einer Stadt leben, aber oft gibt es ja da Möglichkeiten, etwas selbst zu organisieren. Anfangs hätten Sie natürlich kein grosses Publikum, aber so könnten Sie sich sozusagen eine Basis aufbauen, von der aus Sie dann weiter machen könnten. Ich denke, die meisten Künstler machen das so. So eine Tournee muss man ja auch finanzieren können und die anderen haben sicher auch nicht alle reiche Eltern.

Es kann auch gut sein, dass diese Gedanken einfach von dem Job kommen. Als ich in einem beschissenen Job war, habe ich mich immer wieder gefragt, wie es wäre, vom Schreiben leben zu können und hatte die Vorstellung, dass das irgendwie ein Ausbruch aus der ganzen Scheisse wäre. Jetzt, da ich einen einigermassen guten Job habe, ist es in Ordnung, so wie es ist. Ich wünsche Ihnen ganz viel Glück, dass Sie auch einen guten Job finden. (Und die gibt es auch in jeder Branche. Es kommt auf die Leute an.)
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: moonjunkie am 11. Januar 2018, 11:59:16
Das kann ich alles auch richtig gut nachfühlen, Feuertraum.  :knuddel:

Vom Schreiben leben würde ich mir auch wünschen, das tun vermutlich viele hier, aber es schaffen einfach nur die wenigsten und das liegt nicht daran, dass man nicht gut genug wäre, man braucht so viel Glück und richtige Momente und richtige Projekte zum richtigen Zeitpunkt und dann geht bei jedem neuen Projekt das Bangen wieder los. Mit der Comedy im Kleinen zu starten wäre mit Sicherheit eine gute Sache, vielleicht mal auszuprobieren, wie man vor einem kleinen Publikum bestehen kann, wie Witch schon vorgeschlagen hat?

Bei den Bewerbungen heißt es vermutlich einfach: dranbleiben. Gute und passende Jobs gibt es meistens schon irgendwo und irgendwann, aber davor liegen einfach jede Menge Absagen. Das geht aber wirklich jedem so, ich kenne mehrere Fälle, wo es Jahre gedauert hat und viele, viele Bewerbungen, bis mal eine Zusage kam.

Ein neuer guter Job ist bestimmt wirklich hilfreich, ich drücke Ihnen die Daumen, dass da bald eine Zusage kommt! Immer schön dranbleiben. Und am besten man sagt sich immer wieder: die meinen nicht mich (bei einer Absage), es gibt nur den einen Job und vermutlich gab es hundert Bewerbungen, da wird den meisten abgesagt. Bloß nicht denken, dass das was mit der eigenen Intelligenz oder den Talenten zu tun hat! Das hat es bestimmt nicht.  :knuddel: Vielleicht war bloß irgendwer schneller und der Job schon längst weg.
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: Angela am 11. Januar 2018, 12:10:43
Comedy ist ja auch ein ganz hartes Pflaster. Ich bewundere jede/n, der/die das versucht.
Aber ich frage mich schon, wie da die Langzeitplanung aussieht.
Was für alle Künste gilt.
Ich habe gerade ein Unterhaltung mit einer Bekannten: Ihre Schwester ist krank, muss aber wieder arbeiten. Ihre Schwester ist über 75 Jahre. Selbstständige Töpferin.
Natürlich kann man auch sagen: Sie hat es bisher irgendwie geschafft, das ist doch eine tolle Sache.

Lebt euren Traum, ohne Frage, aber haltet euch eine Hintertür offen, wenn es nicht so klappt, wie erwünscht.


Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: Trippelschritt am 11. Januar 2018, 12:49:16
Es gibt keinen künstlerischen Beruf, bei dem man damit rechnen kann, dass er einen ernährt. Bei Berufssportlern sieht es ähnlich aus. Aber es macht Spaß, davon zu träumen, zu den paar Prozent zu gehören, die das können. Und die müssen dafür verdammt hart arbeiten, haben eine Riesenkonkurrenz und sind ständig am Strampeln. Und dann gibt es noch einen gaaaanz kleinen Rest. Die kassieren wirklich große Summen und bestimmen das Bild in der Öffentlichkeit. Vielleicht sollte man doch in Erwägung ziehen Lotto zu spielen.
Wer glaubt, zum Künstler geboren zu sein, sollte seine künstlerische Ader ausleben. Tut er es nicht, wird es schwierig, ein glückliches Leben zu führen. Aber die Finnzierung des lebensunterhaltes ist eine andere Sache, übr die man getrennt nachdenken sollte.

Nur meine Meinung nach ein paar Einblicken in Malerei/Bildhauerei, Schauspiel/Aktionskünstlerei und Musik/Gesang. (Ich habe fünfzehn Jahre in Köln gelebt.)

Trippelschritt
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: Zitkala am 11. Januar 2018, 18:35:50
Nachdem ich mir dieses .pdf zu KV- und PV-Beiträgen (https://www.vgsd.de/wp-content/uploads/2014/07/170801_Expertise_Langversion_Endversion.pdf) durchgelesen habe, komme ich zu dem Schluss, dass man sich Kunst nur noch als Angestellter mit 40 Wochenstunden leisten kann, oder man ist sowieso schon vermögend. Ansonsten hat man nur Scherereien und kann sich nichtmal was fürs Alter ansparen.
So gesehen natürlich ein Armutszeugnis für Deutschland. Wenn keine Selbstständigen nachkommen oder wachsen und Leute einstellen können, gehen über kurz oder lang auch potentielle Arbeitsplätze für Angestellte verloren. Noch mehr, da etablierte Betriebe, subjektiv gesehen, auch überwiegend Arbeitsplätze einkürzen. Und da beißt sich dann die Katze in den Schwanz, weil wer hat noch einen Arbeitsplatz und verdient genug, um sich künstlerisches Schaffen (gegen Entgeld) leisten zu können? Und der Witz: Selbst mit 40 Wochenstunden als Angestellter haste trotzdem keine Gerantie auf eine vernünftige Versorgung im Alter.
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: Alana am 11. Januar 2018, 22:44:33
Ich bin auch fast vom Stuhl gefallen, als meine Krankenkasse mir den Beitrag ausgerechnet hat.  :o Allerdings machen die das stur nach Tabelle und ignorieren die KSK bei ihrer Einschätzung. Sagen einem nur, dass man sich halt da bewerben soll. Die KSK rechnet ihre Beiträge selbst und anders aus und übernimmt dann noch den Arbeitgeberanteil. Ich zahle jetzt etwa 1/3 dessen, was mir meine KK ursprünglich ausgerechnet hat. So tragisch ist es also nicht. :) Künstler ab einem gewissen Alter und mit bestimmten Voraussetzungen erhalten zudem von der KSK einen einmaligen vier bis fünfstelligen Zuschuss zu Altersvorsorgemaßnahmen.
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: Zitkala am 12. Januar 2018, 01:19:58
Ja, die KSK wird ja auch im PDF erwähnt. Allerdings braucht man dafür auch wieder ein gewisse Höhe an Einnahmen bevor die bezuschussen, wenn ich mich nicht irre? Also, es gibt nicht sofort mit dem ersten Euro aus der Selbstständigkeit einen Zuschuss. Das ist also auch wieder eine gewisse Einstiegshürde. Ich mein, im speziellen Fall von Künstlern verstehe ich das ja auch, dass man keine Gesellschaft aus Berufskünstlern stützen kann/ will und daher nicht sofort jedem hilft. Für jegliche anderen Selbstständigen, die das überhaupt nicht haben, sind die KV-Beiträge nicht ohne. (Plan B eine eigene Buchhandlung zu eröffnen, war für mich damit jedenfalls auch gestorben. :hmmm:)

Der Zuschuss zur Altersvorsorge klingt ja auch gut. :hmmm: Wobei fünfstellig ja auch nicht so viel ist, wenn man davon zehn Jahre oder so leben will. Aber immerhin besser als nüscht.
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: Alana am 12. Januar 2018, 01:27:00
Es gibt bei der KSK sehr wohl auch sofort Unterstützung, nämlich den Berufsanfängermodus. Da kann man die ersten drei Jahre lang auch mit geringeren Einnahmen sofort Mitglied werden.
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: Zitkala am 12. Januar 2018, 01:35:46
 :hmmm: Führ mich nicht in Versuchung. ;D
Wobei es schon ein Ansporn ist, einen schönen Stapel an Projekte zu produzieren, sich selbstständig zu machen und die Projekte dann Stück für Stück zu veröffentlichen bevor man in Bedrängnis kommt, etwas Neues schreiben zu müssen fürs Veröffentlichen. (Zumindest sieht so erstmal mein Plan aus. Ich mach mir da gerade keinen Stress von wegen Beruf Schriftsteller.)
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: Evanesca Feuerblut am 12. Januar 2018, 11:49:07
Die österreichische Künstlerkasse ist ähnlich. Man muss mindestens sechs Monate in Österreich gemeldet sein, mindest soundsoviele Einnahmen haben und ein Gremium bewertet noch, ob man gut genug ist.
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: Feuertraum am 12. Januar 2018, 11:51:40
Hallo an Alle,

vielen lieben Dank für die vielen Mut machenden Antworten.

@Zitkalasa: Ja, ich hatte schon einige Auftritte, wenngleich der weiteste von mir entfernt in dem etwa 75 Kilometer entfernten Hannover stattfand. Ich wollte dieses Jahr auch ein Tintenzirkelmitglied für ein Wochenende besuchen und diesen Besuch verknüpfen mit einem Auftritt auf einer Comedyveranstaltung.
Nur leider habe ich vom Mitglied noch keine Info, ob es nun klappt oder nicht.

@ Moonjunkie: Ich kenne einige Menschen, die haben maximal 10 Bewerbungen geschrieben und hatten danach einen neuen Arbeitsplatz. Von einem weiß ich sogar: Vier Bewerbungen geschrieben, 2 Absagen, 2 Firmen, die mit Arbeitsverträgen gewunken haben.
Und wenn ich dann sehe, dass ich in den letzten 5 Jahren so an die 200 Bewerbungen geschrieben habe und es immer wieder hieß "Nein, danke!", dann verliert man irgendwann den Glauben und die Hoffnung, dass sich das Blatt wendet.

@Trippelschritt: Im Prinzip gebe ich Ihnen recht, aber ... Ich habe mir eben mal wieder eine ältere Folge der Kabarettsendung "Die Anstalt" gesehen, bei der es vordergründig um das Thema "Leiharbeit" ging (was mich jedoch nicht betrifft).
In der Sendung fiel jedoch ein Satz, der ausdrückt, was ich empfinde: "Man muss nicht nur von einem Job leben, man muss auch mit einem Job leben". Und das ist der Grund, warum ich in der Unterhaltungsbranche die Selbständigkeit oder eine Anstellung im medialen Bereich zu erreichen versuche: Ich will nicht reich werden. Ich will die Arbeit, die mich glücklich macht, selbst wenn ich mich dafür abstrampeln muss.
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: Alana am 12. Januar 2018, 11:54:19
@Zitkalasa Ich nehme mal an, dass es nicht so einfach ist, diesen Berufsanfängerstatus zu erhalten. Selbst ich hatte ja schon Probleme, in die KSK aufgenommen zu werden, obwohl ich hauptberuflicher Autor bin, keine andere Einnahmequelle habe und und deutlich über der Einkommensgrenze liege. Wie sie prüfen wollen, wer tatsächlich im künstlerischen Bereich Berufsanfänger ist und nicht einfach nur Hobbykünstler, erschließt sich mir nicht so ganz, aber sie werden da schon ihre Anforderungen haben. Ich denke, wenn man es ernsthaft versuchen möchte, ist es einen Versuch wert und ich würde dann einfach rechtzeitig vorher anfragen, welche Bedingungen es dafür gibt.
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: Trippelschritt am 12. Januar 2018, 13:10:06
In der Sendung fiel jedoch ein Satz, der ausdrückt, was ich empfinde: "Man muss nicht nur von einem Job leben, man muss auch mit einem Job leben". Und das ist der Grund, warum ich in der Unterhaltungsbranche die Selbständigkeit oder eine Anstellung im medialen Bereich zu erreichen versuche: Ich will nicht reich werden. Ich will die Arbeit, die mich glücklich macht, selbst wenn ich mich dafür abstrampeln muss.

Ich verstehe sie nur zu gut. Ich weiß aber auch, dass dieser Wunsch, so bescheiden er auch formuliert ist, zu den Dingen gehört, die sich am schwierigsten im Leben erfüllen lassen. Man darf sich nicht täuschen lassen durch die Stimmen der Gutverdiener, die allen erzählen, wie herrlich es ihnen geht. Hinter deren Außen steckt auch ein Innen, das oft genug ganz anders spricht. Ich gebe aber auch gern zu, dass ein gutes Einkommen einen weniger guten Job ganz ordentlich zu ertragen hilft.

Nein, nein, der Wunsch ist schon richtig und erstrebenswert. Es geht um den Weg. Man muss sich immer wieder vor Augen rufen, dass man auch von etwas leben muss. Und meine Generation weiß noch, was es bedeutet, mit sehr wenig Geld und einer winzigen Wohnung auskommen zu müssen. Das geht, wenn man seine Ansprüche runterschraubt und nur für sei Ideal lebt. Aber es gibt immer eine Untergrenze, die einen daran hindert, sich ganz der Kunst zu widmen. Deshalb ist es sinnvoll, den Ausstieg aus dem Brotjob gut zu planen. Sonst muss man später in der Kunst genau da Kompromisse machen, die einem den ganzen Spaß vergällen. Ich kenne viele Leute, die versucht haben ihren Bestimmung zu ihrem Beruf zu machen, und nur sehr wenige, die auch nur halbwegs glücklich damit wurden.

Deshalb empfehle ich, wenn es mögich ist, sich selbst erst einmal in einer schmalen Komfortzone zu erproben. Wie das bein Schreiben geht, weiß ich. Wie es für Comedians geht, weiß ich nicht. Aber man sollte zumindest herausfinden, ob man beim Publikum so ankommt, dass sie auch bereits sind für das, was man anbietet zu zahlen.

Also: Machen Sie es, ist meine Empfehlung. Aber machen Sie es nicht Hals über Kopf.

Liebe Grüße
Trippelschritt
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: Angela am 12. Januar 2018, 14:11:11
Trippelschritt, das unterschreibe ich sofort. Wobei es wohl auch eine Frage des Alters ist, wie man die Dinge sieht. Ich erinnere mich an mein junges Ich, was das wollte. Lange her.  :rofl:
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: HauntingWitch am 12. Januar 2018, 16:10:17
@ Moonjunkie: Ich kenne einige Menschen, die haben maximal 10 Bewerbungen geschrieben und hatten danach einen neuen Arbeitsplatz. Von einem weiß ich sogar: Vier Bewerbungen geschrieben, 2 Absagen, 2 Firmen, die mit Arbeitsverträgen gewunken haben.
Und wenn ich dann sehe, dass ich in den letzten 5 Jahren so an die 200 Bewerbungen geschrieben habe und es immer wieder hieß "Nein, danke!", dann verliert man irgendwann den Glauben und die Hoffnung, dass sich das Blatt wendet.

Haben Sie Ihre Bewerbung mal von jemandem, der ein bisschen drauskommt, prüfen lassen? Manchmal sind es Kleinigkeiten, über die man stolpert. Bei manchen Firmen fliegt man raus, wenn der Begleitbrief die falsche Formatierung hat... Das Foto ist auch so eine Sache. Als mir mal eine Personalvermittlerin erzählt hat, was man da alles falsch machen kann, reagierte ich etwa so: :d'oh: Nicht, dass ich an Ihnen zweifle, ich sage nur, dass es sich wirklich lohnt, das ganz minutiös anzuschauen und auf jedes Detail zu achten.
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: Feuertraum am 12. Januar 2018, 21:52:13

Nein, nein, der Wunsch ist schon richtig und erstrebenswert. Es geht um den Weg. Man muss sich immer wieder vor Augen rufen, dass man auch von etwas leben muss. Und meine Generation weiß noch, was es bedeutet, mit sehr wenig Geld und einer winzigen Wohnung auskommen zu müssen. Das geht, wenn man seine Ansprüche runterschraubt und nur für sei Ideal lebt. Aber es gibt immer eine Untergrenze, die einen daran hindert, sich ganz der Kunst zu widmen. Deshalb ist es sinnvoll, den Ausstieg aus dem Brotjob gut zu planen. Sonst muss man später in der Kunst genau da Kompromisse machen, die einem den ganzen Spaß vergällen. Ich kenne viele Leute, die versucht haben ihren Bestimmung zu ihrem Beruf zu machen, und nur sehr wenige, die auch nur halbwegs glücklich damit wurden.

Ich bin da mit Ihnen D`Accord

Zitat
Deshalb empfehle ich, wenn es mögich ist, sich selbst erst einmal in einer schmalen Komfortzone zu erproben. Wie das bein Schreiben geht, weiß ich. Wie es für Comedians geht, weiß ich nicht. Aber man sollte zumindest herausfinden, ob man beim Publikum so ankommt, dass sie auch bereits sind für das, was man anbietet zu zahlen.

Das lässt sich so leider nicht wirklich herausfinden, zumal ich feststellen durfte, dass ich bei einigen Witzen die Lacher auf meiner Seite hatte, dieselben Witze in einer anderen Stadt vorgetragen niemanden hinter den Ofen hervorlockten.

Zitat
Also: Machen Sie es, ist meine Empfehlung. Aber machen Sie es nicht Hals über Kopf.

Nein, dass eh nicht. Ich glaube, dafür bin ich viel zu feige  :versteck: (oder zu vernünftig).
Dennoch versuche ich, auszubrechen aus meinem Alltag, versuche eben jene Tätigkeiten in Angriff zu nehmen, die helfen können, die Hürden zu überwinden und dafür Sorge tragen, dass ich tatsächlich eines Tages sagen kann: "Ja, ich kann von meiner Arbeit leben. Vielleicht ist es kein Luxusleben in dem Sinne, dass ich in Geld schwimme, aber ein Luxusleben in dem Sinne, das machen zu können, was mir gut tut und mich glücklich macht.

Zitat von: Zitkalasa
Haben Sie Ihre Bewerbung mal von jemandem, der ein bisschen drauskommt, prüfen lassen? Manchmal sind es Kleinigkeiten, über die man stolpert. Bei manchen Firmen fliegt man raus, wenn der Begleitbrief die falsche Formatierung hat... Das Foto ist auch so eine Sache. Als mir mal eine Personalvermittlerin erzählt hat, was man da alles falsch machen kann, reagierte ich etwa so: :d'oh: Nicht, dass ich an Ihnen zweifle, ich sage nur, dass es sich wirklich lohnt, das ganz minutiös anzuschauen und auf jedes Detail zu achten.

Oh ja. Mehrfach, wobei sich immer wieder das Problem in den Vordergrund stellte, dass ich mit Dozenten der Maßnahmen, in die ich ganz gerne mal vom Jobcenter verdonnert wurde (also, als ich bei denen noch "Kunde" war), zwar Bewerbungen erarbeitet habe, die wirklich 1a waren, dann aber bei der nächsten Maßnahme an Dozenten geriet, die genau diese Bewerbungen als "Ganz nett, aber nicht wirklich Erfolg versprechend" deklarierten und mit mir dann neue erarbeiteten. Die dann von neuen Dozenten usw.
Was mir aber bei allen aufgefallen ist: Ich sage, ich möchte in einen Bereich, der mit Schreiben und Sprechen zu tun hat.
Sie zweifeln.
Sie wollen Beweise.
Sie bekommen Beweise.
Sie stehen danach da und erklären einstimmig: In einen solchen gehören Sie auch rein!
Sie haben es auch dem Jobcenter empfohlen (die das aber grundsätzlich ignorierten und mich immer wieder in den Handel stecken wollten, weil, das habe ich ja gelernt).

Ich gebe Ihnen, Zit, aber recht: Man kann die perfekte Bewerbung schreiben und dann an einen Personaler geraten, der einen nur deswegen ablehnt, weil die Bewerbungsmappe in einer Farbe hergestellt wurde, die ihm nicht gefällt.


Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: Carolina am 12. Januar 2018, 22:13:40
Bei Bewerbungen sollte man denke ich nicht zu viel über die Optimierung nachdenken, sonst macht man sich verrückt. Übersichtlicher Lebenslauf, chronologisch von heute rückwärts, in Rubriken sortiert (Beruf, Schule, weitere Quali etc.), dann ein sauber formatiertes Anschreiben ohne Rechtschreibfehler, fertig.

Man kann auf den Job eingehen, auf den man sich bewirbt, und die Sachen in den Vordergrund stellen. Ich denke nicht, dass Personaler nach der Farbe der Mappe aussortieren, es sei denn, sie haben für einen Job 100 Bewerbungen und laden fünf zu Gesprächen ein – dann muss man auch passende Kandidaten aussortieren. Ansonsten gilt: Wenn die Person zum Job passt, dann laden sie ein.

Was Comedy angeht, da würde ich anregen, mal im Poetry Slam Erfahrungen zu sammeln. Da gibt es mittlerweile sehr viel und von lustigen bis nachdenklichen Vorträgen ist da alles dabei. Hazel Brugger, Torsten Sträter, Lisa Eckhard und viele mehr haben darüber ihre Karriere gestartet. Über die diversen Meisterschaften kann man schon einen gewissen Bekanntheitsgrad erobern. Vielleicht eine Alternative?

Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: Aphelion am 13. Januar 2018, 16:16:49
Feuertraum, ich habe den Eindruck, dass das Träumen Ihr größtes Problem ist. Träumen kann Seelentrost spenden und Mut machen. Aber irgendwann müssen Sie sich entscheiden, ob das Künstlerdasein ein Traum oder Ihr Leben sein soll.

Die meisten Schreiber (Schriftsteller, Sachbuchautoren, Texter usw.) sind Freiberufler. Da kommen Sie fast nicht drumrum - außer Sie haben schon so viele Referenzen gesammelt, dass jemand Sie fest anstellen wird. Das ist aber eher bei Werbeagenturen u.ä. der Fall, aber auch diese Arbeiten überwiegend mit Honorarkräften. Die Referenzen sammeln Sie eben durch Freiberuflichkeit. Selbst Journalisten sind größtenteils Freiberufler, Festanstellungen sind selten geworden.

Ich kenne mich ein bisschen mit Kleinkunst aus. Meiner Ansicht nach haben Sie sehr unrealistische Erwartungen. Gehen Sie Ihr Entertainment genauso an wie das Schreiben: Schrittweise. Erst müssen Sie lernen und üben, bevor Sie gut genug sind, um sich großen Erfolg erhoffen zu können. Wie lernen und üben Sie? Indem Sie Erfahrungen sammeln. In der Kleinkunst sind diese Erfahrungen zwangsläufig semi-öffentlich oder öffentlich. Aber nicht auf einer großen Tournee, sondern eben in Poetry Slams, bei gemischten Programmen, offenen Abenden(*), Wettbewerben - heutzutage auch auf Youtube.

(*) Mir fällt der richtige Begriff nicht ein. Das sind Veranstaltungen ohne Programm, wo jeder Zuschauer auch potenziell auftreten darf.

Entertainer können auch auf Firmenfeiern, Hochzeiten und Sommerfesten auftreten. Auch mit solchen kleinen Auftritten sind Sie jedoch Selbstständiger. Wie gesagt: Es führt kaum ein Weg daran vorbei.

Glück spielt eine wichtige Rolle, aber Glück ist nicht alles. Glück kommt dann ins Spiel, wenn Sie ihm entgegenlaufen - und es treffen oder verpassen. Es gibt viele Möglichkeiten, Kompromisse einzugehen. Aber wenn Sie sich nicht bewegen, kann das nichts werden. In diesem Stadium hat das wenig mit Glück zu tun.

Die Frage ist, was Sie für Ihr Leben wollen. Was Sie wirklich wollen. Und wenn Sie es wollen, suchen Sie nicht nach Ausflüchten. Sie reden sich im Moment selbst ein, dass es nicht klappen kann. Dann wird es auch nicht klappen. Selbstständigkeit muss nicht unvernünftig sein, wenn Sie sie richtig angehen. Es geht bei Ihnen im Moment nicht um "ganz oder gar nicht", sondern um "ob überhaupt".

Ich habe den Eindruck, dass Sie die Erfahrungen aus Ihrer "Brotjob"-Bewerbungssituation auf alles andere übertragen. Wenn Sie eine gute Ausbildung haben, wichtige Soft Skills besitzen und enthusiastisch auftreten, aber trotzdem immer wieder Absagen erhalten, dann ist das fehlendes Glück - ggf. auch Diskriminierung, je nachdem. Wenn Sie von einer Tournee als Entertainer träumen und nie die notwendigen Schritte unternehmen oder nicht am Ball bleiben, dann ist das Glück nicht dafür verantwortlich.

Wenn Sie lieber träumen, ist das vollkommen legitim. Möglicherweise ist es dann jedoch sinnvoll, wenn Sie sich (auch) auf Ihr Leben konzentrieren und Ihre psychischen Ressourcen nicht auf einen Traum verwenden, den Sie nicht realisieren wollen. Manchmal ist es besser, Träume hinter sich zu lassen.

Das heißt nicht, dass Sie das Schreiben aufgeben müssen oder nicht versuchen sollen, von Ihrer Kunst zu leben. Diesen Punkt müssen Sie aber erst einmal klären - und dann entsprechend handeln, egal für welche Seite Sie sich entscheiden. Anregungen zum Handeln haben Sie schon viele erhalten. Vor dem Handeln steht allerdings die Entscheidung. Sie müssen die Entscheidung nicht sofort treffen und sie muss nicht für das ganze Leben gelten. Sie sollten die Entscheidung jedoch mit Bestimmtheit treffen.
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: Feuertraum am 14. Januar 2018, 13:14:37
Moinsen!

Danke erstmal für die vielen neuen Antworten.
@Anja: Poetry Slam ist eine Literaturgattung, für die - so befürchte ich - mir jegliches Talent fehlt.

@Aphelion: Um Ihr Posting zu beantworten, muss ich Ihren Text ein wenig umplatzieren, bitte nicht wundern oder verärgert sein:



Die Frage ist, was Sie für Ihr Leben wollen. Was Sie wirklich wollen. Und wenn Sie es wollen, suchen Sie nicht nach Ausflüchten. Sie reden sich im Moment selbst ein, dass es nicht klappen kann. Dann wird es auch nicht klappen. Selbstständigkeit muss nicht unvernünftig sein, wenn Sie sie richtig angehen. Es geht bei Ihnen im Moment nicht um "ganz oder gar nicht", sondern um "ob überhaupt".

Nein, es geht definitiv nicht um "ob überhaupt". Ich will vom ganzen Herzen Unterhalter sein, ich will mit jeder Faser meines Körpers Unterhalter sein. Ich will schreiben und auf der Bühne stehen und Comedy spielen und irgendwann auch mal Hörspiele produzieren. Ich will Leute zum Staunen und zum Lachen bringen.
Das will ich leben!

Zitat
Wie lernen und üben Sie? Indem Sie Erfahrungen sammeln. In der Kleinkunst sind diese Erfahrungen zwangsläufig semi-öffentlich oder öffentlich. Aber nicht auf einer großen Tournee, sondern eben in Poetry Slams, bei gemischten Programmen, offenen Abenden(*), Wettbewerben - heutzutage auch auf Youtube.

(*) Mir fällt der richtige Begriff nicht ein. Das sind Veranstaltungen ohne Programm, wo jeder Zuschauer auch potenziell auftreten darf.

Zu (*) Ich kenne es unter dem Namen Offene Bühne, manche nennen es aber auch Open Mic, ich weiß aber, was Sie meinen, weil ich schon einigen als Comedian beigewohnt habe.


Zitat
Glück spielt eine wichtige Rolle, aber Glück ist nicht alles. Glück kommt dann ins Spiel, wenn Sie ihm entgegenlaufen - und es treffen oder verpassen. Es gibt viele Möglichkeiten, Kompromisse einzugehen. Aber wenn Sie sich nicht bewegen, kann das nichts werden. In diesem Stadium hat das wenig mit Glück zu tun.

Was mein Glück angeht (nur ein kleiner Auszug):

2011 hatte ich wieder an einer vom Job-Center verordneten Maßnahme mit integriertem Praktikum teilnehmen dürfen. Dieses Praktikum führte mich zu einem hiesigen Bürgerfernsehsender.
Kurz vor Ende der Praktikumszeit wurde ich zum Chef gerufen, der mich darüber aufklärte, dass das gesamte Team von meinem Schreibstil und meiner Art, mit Worten zu jonglieren und auf die Filme zugeschnittene Texte begeistert seien, dass sie mich unbedingt als Schreiber dabei haben wollen. Nur weil sie aufgrund des Budgets mich nicht bezahlen können, haben sie einen Antrag auf Zuschuss beim Job-Center gestellt.
Meine Freude war groß.
Und sank sofort auf Null, als ich dann Tage später vom Job-Center erfuhr, dass sie nicht bereit sind, diesen Arbeitsplatz zu bezuschussen.
2012. Erneute Maßnahme. Wieder mit Praktikum. Diesmal wurde ich als Radiojournalist bei einem zu diesem Zeitpunkt hier ansässigen privaten regionalen Radiosender vermittelt.
Nach vier Wochen hieß es: "Wir wollen dich unbedingt haben. Wenn Du für einen Job geschaffen bist, dann als Radiojournalist! Wenn wir die beantragte UKW-Lizenz haben, macht das gesamte Team einen Knicks vorm Chef, dass er dich einstellt."
Aber der Sender bekam die Lizenz nicht, und damit war wieder eine Hoffnung geplatzt.
Und so passiert es bei mir immer wieder: Jemand reicht mir die Hand, ich renne auf sie zu, will sie ergreifen, doch nur Millimeter, bevor sich die Finger berühren, bekomme ich von der Seite einen Bodycheck, der mich von dieser Hand wegstößt und gleichzeitig diese Türe für immer verschließt.

Zitat
Wenn Sie von einer Tournee als Entertainer träumen und nie die notwendigen Schritte unternehmen oder nicht am Ball bleiben, dann ist das Glück nicht dafür verantwortlich.

Dieser Satz erinnert mich an einen Disput, den ich vor vielen vielen Jahren einmal mit einer Brieffreundin hatte. Ich war zu diesem Zeitpunkt erwerblos (hatte jedoch Journalismus respektive Comedy noch längst nicht auf dem Schirm) und hatte ihr öfters geschrieben, dass ich mich deutschlandweit für verschiedene Branchen im Handel bewerbe und dass ich auch kein Problem damit habe, umzuziehen. Irgendwann ist ihr der Kragen geplatzt und sie maulte mich in ihrem Brief auf, dass ich auch mal über den Tellerrand schauen müsse und mich auch mal deutschlandweit bewerben müsse und auch bereit sein muss, umzuziehen.
Das war dann der Punkt, bei dem ich beschlossen habe, ihr nicht mehr zu schreiben. Warum jemandem schreiben, der meine Briefe anscheinend gar nicht liest oder versteht.
Kurzum: Ich mache etwas dafür - soweit es in meinen zeitlichen und finanziellen Möglichkeiten liegt. Und genau da beißt sich die Katze in den Schwanz. Ich arbeite im Einzelhandel. Meistens Spätschicht, also von 13 - 20 Uhr (so 3 - 5, manchmal sogar 6 Tage in der Woche, wenn jemand wegen Krankheit ausfällt). Da die Offenen Bühnen meistens werktags sind und zu einer Uhrzeit beginnen, in der ich noch im Laden stehe und zu Ende sind, wenn ich bei der Location ankommen würde, kann ich an Arbeitstagen kaum hin.
Also bleibt im Prinzip nur mein Urlaub, den ich dann aber tatsächlich dafür nutze, um in Städte zu fahren, in denen eine Offene Bühne veranstaltet wird. Selbst wenn ich danach 5,6 Stunden am Bahnhof verweilen muss, ich habe dann Urlaub, kann mich also zu Hause ins Bett hauen und ausschlafen.
Ich habe einige Bücher zum Thema Stand-up-Comedy auf Englisch, die ich mit Hilfe eines Englischlexikons übersetze und damit arbeite, um zu lernen und mich zu verbessern. Ich mache. Ich gehöre nicht zu den Menschen, die einen Traum haben, sich aber weigern, etwas dafür zu tun. Ich gehöre nicht zu den Menschen, die ihren Traumjob suchen, aber nicht bereit sind, dafür auch mal mehr als 200 Meter von ihrer Wohnung zu suchen.
Ich kann - Jobbedingt - nicht so viel Bühne machen, wie ich gerne möchte, aber ich mache. Ich mache, weil ich Unterhalter sein will. Mit dem Herzen, mit jeder Faser meines Körpers, mit meiner Seele, mit meinen Gedanken.
Wenn da nur diese bescheidenen Bodychecks nicht wären ... :(


Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: moonjunkie am 15. Januar 2018, 09:19:56
@Feuertraum Oje, das war wirklich zweimal ausgesprochen ärgerliches Pech. Aber es waren zwei Stellen, die Sie wollten! Zwei verschiedene Arbeitgeber in tollen Jobs, die Sie gerne hätten. Dann ist es doch nur sicher eine Frage der Zeit, bis sich wieder so etwas auftut und dann wird auch niemand kommen, um Sie wegzuschubsen. Daran glaube ich jetzt mal ganz fest. Nach Pech muss auch mal Glück folgen.

Das mit den vielen Bewerbungen ist so eine Sache beim Vergleichen. Waren diejenigen, die nur so wenige Bewerbungen schreiben mussten und einen Job gefunden haben, denn im gleichen Bereich tätig? Von einigen Jobs gibt es nun mal viel mehr freie Stellen. Von anderen nur sehr, sehr wenige. Da hilft vermutlich einfach nur: weitergucken, weitersuchen, weiter bewerben.

Der Rest, finde ich, klingt schon mal sehr gut. Sie tun an den freien Tagen alles Mögliche, um irgendwann in den Entertainerjob reinzurutschen. Die andere Option wäre vielleicht einen Job zu finden, der bessere Arbeitszeiten hat, um mehr Gelegenheiten zu haben, zur Bühne zu kommen. Das kann ja dann vielleicht ein Job sein, der noch kein Traumjob ist, nichts mit Sprache zu tun hat, aber eben diese Möglichkeiten verbessert. Also etwas im Handel. Mit anderen Arbeitszeiten - ich weiß natürlich nicht, ob es das gibt, aber ich hoffe es einfach mal.
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: Feuertraum am 15. Januar 2018, 11:23:29
Danke, moonjunkie, fürs Daumenhalten. Ja, die beiden Sender wollten mich, weil ich je eine Chance bekam, mich zu beweisen.
Und das ist - glaube ich - etwas sehr Entscheidendes: Chancen zu bekommen, um zu zeigen, dass ich für diesen Betrieb geeignet bin.
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: HauntingWitch am 22. Juni 2018, 13:12:01
Ach, Leute, mich hat es wieder erwischt. Eigentlich sollte ich hier schon gar nicht mehr schreiben, ist ja doch immer das Gleiche. Aber ich platze fast. Ich dachte, einen Brotjob zu haben, der mich zufriedenstellt und in dem es mir gut geht, würde helfen. Ich dachte, wenn ich erst so einen Job hätte, würde alles einfacher und dieser enorme Wunsch, ja Drang, hauptsächlich schreiben zu wollen, würde etwas zurückgehen und ich könnte es einfach als Hobby akzeptieren. Das funktionierte auch eine Zeit lang, doch jetzt habe ich wieder das Gefühl, ich würde am liebsten alles hinschmeissen und mich nur noch dem Schreiben widmen. Natürlich sieht es im Moment nicht so aus, als wäre das finanziell irgendwie möglich (habe ja zurzeit nicht einmal ein Buch draussen), aber es ist dieses Gefühl. Der Traum lässt mich einfach nicht los. Ich kann es einfach nicht als "nur" ein Hobby sehen. Und doch bleibt mir im Moment keine andere Wahl.

Hinzu kommt, dass ich das Gefühl habe, jahrelang umhergeirrt oder noch schlimmer, stehen geblieben zu sein, während andere in dieser Zeit immer weiter vorangegangen sind. Ich weiss, es ist dumm und lächerlich, sich mit anderen zu vergleichen, andere sind andere mit anderem Charakter, anderen Hintergründen, anderen Umständen, ich weiss. Aber man sieht es dann halt und kommt sich vor, als käme man nie ans Ziel. Das ist die nächste Sache, was ist überhaupt das Ziel? Immer, wenn ich ein bestimmtes Ziel erreicht habe, habe ich neue, die mir dann wieder so unglaublich weit weg erscheinen. Einerseits ist das natürlich gut, andererseits fühle ich mich, als wäre alles nicht genug. Man muss es richtig sehen, ich habe ein gutes Leben, aber es ist nicht das, was ich möchte. Nur so, wie die Dinge liegen, habe ich keine Ahnung, ob ich das, was ich möchte, überhaupt erreichen kann. (Ich mache jetzt nur noch Selfpublishing, kann aber z.B. nicht alle zwei Monate etwas Neues veröffentlichen und ein Marktschreier bin auch nicht, möchte ich auch nicht sein müssen).
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: Erdbeere am 22. Juni 2018, 13:36:56
Du hast einen Traum, ein großes Fernziel, das du erreichen willst. Dieser Wunsch ist mittlerweile so stark, dass du unbewusst schon weißt, dass du dorthin gehen MUSST. Das ist gut! Das ist eine Aufgabe, ein Ziel, auf das du hinarbeiten willst. Anfangs vielleicht nur mit kleinen Schritten, mit kleinen Zwischenzielen, aber das große Fernziel, eines Tages vom Schreiben leben zu können, darfst du nicht aus den Augen verlieren - weil sonst genau das passiert, woran du immer wieder knabberst: Du beginnst, deine kleinen Schritte mit den großen anderer zu vergleichen und bist frustriert, weil du ja eigentlich dorthin willst, aber noch nicht soweit bist.

Was mir sehr geholfen hat, mich auf mein Fernziel zu fokussieren: Ich habe mir meine "Mission" aufgeschrieben und mir verinnerlicht. Was will ich mit meinem Schreiben erreichen? Warum habe ich dieses Ziel? Sobald dir deine Mission klar ist, wird auch der Weg dorthin etwas klarer. Es ist harte Arbeit und es wird Rückschläge geben. Lass dich davon nicht entmutigen, das gehört dazu und selbst die erfolgreichsten Menschen können dir eine ganze Liste mit Fehlschlägen aufzeigen, die sie überwinden mussten.
Man wächst mit seinen Aufgaben und wenn du dich auf dieses eine Ding fokussieren kannst, dann kannst du die Aufgaben auch umsetzen, dessen bin ich mir sicher. :knuddel:
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: Robin am 22. Juni 2018, 13:58:13
Witch, mich hat es auch noch immer gepackt. :knuddel: Ich bin froh, dass ich den Übersetzerjob hab, und dass ich damit wenigstens etwas auf die nächsten zwei Jahre recht Sicheres habe. Und trotzdem hat sich mein Herz an den... interessanten Lebensweg gehängt. Ich hab ein wenig herumgeirrt, aber der Wunsch und der Drang zu schreiben hat sich nie geändert. Nie. Selbst wenn ich lange Blockaden hatte, hat der Wunsch nur umso heftiger gebrannt. Und ich kann hier nicht viel mehr beitragen als Erdbeere schon gesagt hat.
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: Alana am 22. Juni 2018, 14:26:14
Ich glaube, wenn du es wirklich so sehr möchtest, dann musst du dir einen genauen Plan machen, mit Zielen, die du erreichen möchtest und wie du sie erreichen kannst. Besonders, wenn man es nebenher machen muss, verzettelt man sich sonst viel zu sehr. Erarbeite dir eine Strategie, mach dich wirklich mit allem vertraut, eigne dir alles Wissen an, das möglich ist, über Selfpublishing. Mach dich schlau, wie man Werbung macht, die funktioniert etc. pp. Zerlege die Strategie in kleine Aufgaben, kleine Schritte, die du erreichen kannst. Beispiel: Im Moment schaffst du keine Werbung und keinen regelmäßigen Output: Okay, dann schreib vor. Produziere Bücher, überleg dir ganz genau, wie eine gute Veröffentlichungsstrategie für dich aussehen könnte und plane die für die nähere oder weitere Zukunft. (Welches Genre, wie viele Seiten, Reihe oder Fortsetzungen etc., wo verdient man gut, was wird gesucht, was davon möchtest du schreiben.) Dann schreib die Bücher. Lass sie testlesen, am besten von Leuten, die dein gewähltes Genre mögen. Wenn du genug Bücher hast, um durchzustarten, kommt der nächste Schritt ...
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: HauntingWitch am 22. Juni 2018, 15:24:28
@Erdbeere: Danke für deine Worte. Die "Mission" ist mir klar, seit ich mit den neuen Sachen angefangen habe klarer als je zuvor. Nur das Wie ist mein grosses Problem. Aber vielleicht wird es klarer, wenn ich wieder "drin" bin, sprich wenn die nächste VÖ da ist.

Ich hab ein wenig herumgeirrt, aber der Wunsch und der Drang zu schreiben hat sich nie geändert. Nie.

Ich bin gerade sehr froh, dass ich nicht die einzige bin, der es so geht. :knuddel: Genauso fühle ich mich auch, als wäre ich herumgeirrt.

@Alana: Danke auch dir, aber ich fürchte, das ist nicht mein Weg. Ich kann nicht so weit im Voraus planen und schon gar nicht so genau, so funktioniere ich nicht. Da verrenne ich mich nur, weil ich dann das Gefühl habe, ich müsse mich ganz genau daran halten und es müsse genau so funktionieren. Das tut es aber nie. Ich kann jetzt auch nicht noch Jahre warten mit der nächsten Veröffentlichung, ich bekomme jetzt schon die Krise, wenn ich sehe, wie alle anderen an die Öffentlichkeit treten und ich sitze seit fast zwei Jahren in meiner stillen Kammer. Es muss einen anderen Weg für mich geben, ich weiss zwar nicht, wie der aussieht, aber es muss ihn geben.
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: Alana am 22. Juni 2018, 15:47:37
@Witch: ich verstehe Dich wirklich sehr gut, aber ich glaube ehrlich gesagt, dass diese Art zu denken für dich unglaublich kontraproduktiv ist. Denn das hilft dir überhaupt nicht weiter. Die Strategie, die ich aufgeschrieben habe, war ja nur ein Beispiel, aber ich denke, was du wirklich einfach tun musst, wenn du dein Ziel irgendwann erreichen willst, ist, dich wirklich reinzuknien und dir Wissen und noch mehr Wissen anzueignen. Alles über Selfpublishing, Marketing, Verkaufspsychologie etc. Mit diesem Wissen kannst du dann eine Strategie erarbeiten, die für dich passt. Ich fürchte nur, du wirst Kompromisse eingehen müssen, wenn du wirklich davon leben willst und dir den Weg dahin erarbeiten willst. Du musst ja nicht tun, was alle anderen tun, du kannst wie gesagt deinen eigenen Weg finden. Vielleicht wäre es hilfreich, dich nicht darauf zu konzentrieren, was Du nicht möchtest, sondern was du möchtest. Das meine ich ganz ernst, schreib dir auf, warum du überhaupt vom Schreiben leben möchtest. Was du dir davon erwartest. Und wie du dir vorstellen kannst, das zu erreichen.
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: Erdbeere am 22. Juni 2018, 16:13:57
Genau, schreib dir auf, was du willst. Das Wie ist die Umsetzung. Und dafür brauchst du erstmal mehr Wissen. Ich habe mich sehr intensiv mit Marketing auseinander gesetzt, habe viel Geld für einen wirklich großartigen Kurs ausgegeben, dessen Strategien ich jetzt aktuell umsetze - und sie funktionieren, weil ich die für mich relevanten Sachen rausgepickt habe. Aber das konnte ich erst machen, nachdem ich das Wissen darum hatte. Vieles habe ich auch ausprobiert, einiges hat gar nicht funktioniert, anderes dafür so gut, dass ich selbst überrascht bin.

Jeder hat Punkte, die er nicht machen will. Ich zum Beispiel werde wegen meines Stotterns nie Lesungen machen. Ich hatte lange Probleme damit, den Lesern an einem Stand in wenigen Sätzen meine Bücher schmackhaft zu machen, weil ich keine Ahnung hatte, wie man einen richtigen Elevator Pitch macht. Oder Videos, da habe ich mich auch lange gedrückt, eben wegen meinem Stottern. Aber ich habe es ausprobiert und es war nur halb so schlimm, wie ich es mir ausgemalt habe. Videos machen mir mittlerweile sehr viel Spaß, auch Live Videos, und meine Bücher verkaufe ich an Ständen ohne Probleme, weil ich mir gesagt habe, hey, du hast jahrelang im Verkauf gearbeitet, du kannst das.

Der beste Spruch, den ich in den letzten Monaten gelesen habe: Das Gegenteil von Erfolg ist nicht Misserfolg, sondern es nicht versucht zu haben.
Jeder erfolgreiche Mensch/Autor/Businessguru ist hundert Mal und mehr hingefallen, bevor er dort ankam, wo er jetzt steht. Das Wichtige ist, es immer wieder zu versuchen, sich neues Wissen anzueignen und seine Strategien dementsprechend anzupassen.
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: HauntingWitch am 22. Juni 2018, 18:21:03
Ich fürchte, ihr versteht mich nicht. Ich eigne mir schon seit einiger Zeit alles Mögliche an Wissen an, ich bin dran und ich habe das Gefühl, es nimmt kein Ende. Ich habe einen Plan und ich weiss, was die nächsten Ziele sind. Seit Jahren befasse ich mich mit erfolgreichen Menschen und damit, was sie ausmacht. Denkt ihr, ich habe keine Ahnung? Ich habe auch meine Erfahrungen. Ich habe gehofft, jemand könnte mich ein wenig aufbauen, aber diese Diskussion hier zieht mich nur herunter. Und wisst ihr was? Ich werde jetzt aufhören, mich zu verteidigen.
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: Katido am 22. Juni 2018, 18:29:46
@Witch Der Traum, vom Schreiben leben zu können, kam mir natürlich auch. Deswegen kann ich verstehen, wie sehr es dich umtreibt. Ich selbst versuche realistisch zu sein und denke mir, solange ich nicht erfolgreich bin, brauche ich eben meinen anderen Job. Aber man hat wohl immer wieder mal Phasen, die einen da etwas runterziehen.

Ich glaube fest daran, dass ich einfach mit viel Leidenschaft meine Geschichten schreiben sollte. Der Rest wird dann von alleine kommen. Du hast ja selbst gesagt, dass dir Mainstream nicht liegt. Schreib, was dir gefällt und werde dadurch erfolgreich. Aber schreib nicht, um erfolgreich zu sein. Ich weiß nicht, ob dir das hilft, aber ich komme so im Moment am besten damit klar  :)
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: Sprotte am 22. Juni 2018, 18:35:21
Zitat
doch jetzt habe ich wieder das Gefühl, ich würde am liebsten alles hinschmeissen und mich nur noch dem Schreiben widmen. Natürlich sieht es im Moment nicht so aus, als wäre das finanziell irgendwie möglich (habe ja zurzeit nicht einmal ein Buch draussen), aber es ist dieses Gefühl. Der Traum lässt mich einfach nicht los. Ich kann es einfach nicht als "nur" ein Hobby sehen. Und doch bleibt mir im Moment keine andere Wahl.

Was hindert Dich daran, neben dem Brotjob zu schreiben und zu veröffentlichen? Dieses Hindernis verstehe ich nicht. Ich habe neben einem Vollzeitjob im CallCenter geschrieben und auch während dieser Zeit meine ersten Veröffentlichungen gehabt, quasi mit der Basis begonnen. Brotjob und Schreiben mit dem Ziel der Veröffentlichung schließt sich doch nicht aus.
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: HauntingWitch am 22. Juni 2018, 18:45:05
Ich glaube fest daran, dass ich einfach mit viel Leidenschaft meine Geschichten schreiben sollte. Der Rest wird dann von alleine kommen. Du hast ja selbst gesagt, dass dir Mainstream nicht liegt. Schreib, was dir gefällt und werde dadurch erfolgreich. Aber schreib nicht, um erfolgreich zu sein. Ich weiß nicht, ob dir das hilft, aber ich komme so im Moment am besten damit klar  :)

Danke, Katido. Ja, das tue ich. Ich glaube, diesbezüglich sind wir uns ähnlich. :knuddel:

Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: Erdbeere am 22. Juni 2018, 19:02:39
Ich fürchte, ihr versteht mich nicht. Ich eigne mir schon seit einiger Zeit alles Mögliche an Wissen an, ich bin dran und ich habe das Gefühl, es nimmt kein Ende. Ich habe einen Plan und ich weiss, was die nächsten Ziele sind. Seit Jahren befasse ich mich mit erfolgreichen Menschen und damit, was sie ausmacht. Denkt ihr, ich habe keine Ahnung? Ich habe auch meine Erfahrungen. Ich habe gehofft, jemand könnte mich ein wenig aufbauen, aber diese Diskussion hier zieht mich nur herunter. Und wisst ihr was? Ich werde jetzt aufhören, mich zu verteidigen.

Ich versteh grad nicht, warum du plötzlich so reagierst. ??? Alana und ich haben dir von unseren Erfahrungen berichtet und dir versucht Tipps zu geben, wie es vielleicht auch für dich funktionieren kann. Wir haben dir nichts unterstellen wollen und natürlich hast du auch wertvolle Erfahrungen. Das war unser Versuch, dich aufzubauen, damit du ins Handeln kommen und das Wissen, das du dir angeeignet hast, umsetzen kannst. Aber vermutlich haben wir an der falschen Stelle angesetzt, was wir vorher nicht wissen konnten. Das tut mir leid.
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: Araluen am 22. Juni 2018, 19:07:48
Zitat
doch jetzt habe ich wieder das Gefühl, ich würde am liebsten alles hinschmeissen und mich nur noch dem Schreiben widmen. Natürlich sieht es im Moment nicht so aus, als wäre das finanziell irgendwie möglich (habe ja zurzeit nicht einmal ein Buch draussen), aber es ist dieses Gefühl. Der Traum lässt mich einfach nicht los. Ich kann es einfach nicht als "nur" ein Hobby sehen. Und doch bleibt mir im Moment keine andere Wahl.

Was hindert Dich daran, neben dem Brotjob zu schreiben und zu veröffentlichen? Dieses Hindernis verstehe ich nicht. Ich habe neben einem Vollzeitjob im CallCenter geschrieben und auch während dieser Zeit meine ersten Veröffentlichungen gehabt, quasi mit der Basis begonnen. Brotjob und Schreiben mit dem Ziel der Veröffentlichung schließt sich doch nicht aus.
Schreiben und Brotjob schließen sich nicht aus. Mit Veröffentlichungen voll durchstarten in der Zeit schon eher, weil eben die Zeit gür sinnvollen Output fehlt. Zumindest ich weiß nur selten, wo ich nach 9  bis 10 Stunden im Büro, rudimentären Haushalt und Kinderbespaßung noch Schreibzeit hernehmen soll, wenn mein Mann auch noch soziale Interaktion möchte. Da fühl ich mich mit 2 bis 3k Wörtern pro Woche richtig gut.
Also eine vernünftige SP Karriere kann ich so nicht starten. Aber wenn mein Roman mal fertig ist, such ich ihm ein schönes Zuhause :)
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: Sprotte am 22. Juni 2018, 19:24:12
Zitat
Mit Veröffentlichungen voll durchstarten in der Zeit schon eher, weil eben die Zeit gür sinnvollen Output fehlt.

Das ist dann wieder individuell. Mein Output hat sich seit meiner Inruhestandsversetzung nur unwesentlich gesteigert. Also doch Vorrat erarbeiten und dann loslegen (mach ich auch jetzt noch so, ich brauche Puffer, um mich nicht unsicher zu fühlen).
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: Leann am 22. Juni 2018, 19:37:39
Mit Veröffentlichungen durchstarten: Geht auch ohne Puffer und mit Vollzeitjob. Möglich ist es. Nicht lange planen und sinnieren und sich grämen, sondern machen. Fragt sich nur, ob das was für jeden ist und wie lange man Lust darauf hat. Dann ist ja das Schöne, dass man nun mal noch den Job hat und nicht auf das Einkommen der Autorentätigkeit angewiesen ist.
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: Sprotte am 22. Juni 2018, 20:19:12
Genau das wollte ich eben noch editieren: Brotjob ist das Sicherheitsnetz, falls es mal einen mauen Monat gibt.
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: Carolina am 22. Juni 2018, 20:46:23
Machen, machen, machen. Jeder Schritt in die richtige Richtung bringt dich weiter. Mehr sage ich dazu heute nicht, weil ich gerade die Krise habe. Bekomme ich immer, wenn mein Buchbaby auf den gemeinen und fiesen Markt raus muss.
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: Trippelschritt am 22. Juni 2018, 20:57:10
Zitat
Mit Veröffentlichungen voll durchstarten in der Zeit schon eher, weil eben die Zeit gür sinnvollen Output fehlt.

Das ist dann wieder individuell. Mein Output hat sich seit meiner Inruhestandsversetzung nur unwesentlich gesteigert. Also doch Vorrat erarbeiten und dann loslegen (mach ich auch jetzt noch so, ich brauche Puffer, um mich nicht unsicher zu fühlen).

Das kann ich nur unterstreichen. Als ich auf den Markt ging, hatte ich zwei Romane fertig, ein dritter musste überarbeitet werden und ein vierter war bereits fertig konzipiert und musste nur noch geschrieben werden. Dadurch gab es keine langen Wartezeiten zwischen den einzelnen büchern, was das Marketing erheblich erleichterte.

Viel Erfolg
Trippelschritt
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: Zauberfrau am 22. Juni 2018, 21:56:55
Ja, der Brotjob ist wichtig, kann ich bestätigen.
 
Nachdem meine Kinder aus der Kleinkind-Phase raus waren, bin ich nicht in den Beruf zurück und habe versucht, meine Schreiberei zum Job zu machen. Im Alleingang. Das war vor 10 Jahren, die Selfpublishing-Geschichte war erst im Aufbau und die Großverlage haben mir Absagen erteilt. Da habe ich mich ganz schnell dem großen Garten und meinen Kindern gewidmet und wollte nur noch aus Spaß schreiben.

Ein Jahr später ist mir die Decke auf den Kopf gefallen und ich habe mir wieder einen Brotjob gesucht. Es bestätigt einen einfach, wenn regelmäßig was aufs eigene Konto fließt, auch wenn es gegenüber dem Ehegatten Minibeträge sind. Ja, gut, Vollzeit ging sowieso nicht.

Nach einem Umzug war ich wieder mal ohne Brotjob - freiwillig, um die Kinder an das neue Umfeld (in einer ganz anderen Ecke von D) zu gewöhnen und einfach erst mal für sie da zu sein. Währenddessen habe ich versucht, mit meinem zweiten Hobby Geld zu verdienen: das Töpfern. Einen Ofen habe ich schon lange. Und ich entwarf Tassen und andere schöne Dinge, brannte meine Schätze und ging auf Märkte. Die Einnahmen waren ernüchternd. Denn die Arbeitszeit, welche man in eine schöne handgemachte Tasse investiert, die wird einem nicht bezahlt. Im Gegenteil: Potentielle Käufer werden sauer bei angemessenen Preisen. Und dann ist da wieder der Zwang, das Verkaufte wieder nachzuproduzieren. Kurzum: Es wurde irgendwie zum Alltag, zum Stress, inklusive Zeitplan und Kosten-Rechnung. Und die Kreativität war im Nirgendwo. Da habe ich gemerkt, dass ein Hobby, was man zum "Beruf" macht, ganz schnell doof werden kann. Ich habe das Töpfern mehr oder weniger an den Nagel gehängt und bin zum Brotjob zurück. Hab mich beworben und fühl mich wieder besser, seitdem es regelmäßig auf mein Konto regnet, ohne dass ich dem Verdienst hinterherrennen muss.

Das Schreiben - mein Lieblingshobby Nummer 1 - will ich mir auf diese Art nicht verderben. Und ich kann mir vorstellen, dass es schnell zum Alptraum werden kann, wenn man unter Zeitdruck die tollsten Szenen schreiben soll oder sich noch ganz flugs einen neuen Plot für's nächste Frühjahr ausdenken muss. Und vielleicht sogar in einem Genre, das man langsam nicht mehr sehen kann. Als ob man täglich Schokolade essen muss. Das wäre für mich der blanke Horror.

Also mache ich meinen Brotjob, den ich auch bis zur Rente locker durchhalten kann. Der ist Routine, und ist für meine Seele die Luft zum Atmen, damit sie leben kann und frei sein kann für das, was ihr Spaß macht: Das Schreiben. Und das genieße ich. Natürlich will ich auch irgendwann veröffentlichen. Unbedingt! Aber ich will mich nicht unter Druck setzen lassen. Wenn irgendwann ein Zubrot dazu entsteht, ist das super. Aber es ist nicht Prio 1. Prio 1 ist die Freude am Geschichten-Ausdenken, am Welten-Entwerfen und am Charakter-Modellieren.  :wolke:

Das ist meine Einstellung zur Schriftstellerei: Schreiben ja, aber nicht um jeden Preis  :vibes: Für mich soll es vor allen Dingen eine Entspannung und ein Entrücken vom Alltag sein  :vibes: Und irgendwann werden meine Geschichten auch ein Ende darunter haben, darauf arbeite ich zu  :vibes:
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: Erdbeere am 22. Juni 2018, 22:17:26
Ich habe zwei Jahre lang neben Vollzeit Brotjob meine Serie geschrieben, also praktisch zwei Vollzeitjobs gehabt. Es ist machbar, wenn man will und bereit ist, auf einige Dinge zu verzichten für seinen Traum. Das ist sicherlich nicht der richtige Weg für jeden und ich gebe zu, es war richtig hart und hat mich mehrmals an meine Grenzen gebracht. Aber ich bin hartnäckig, ich will vom Schreiben leben können.

Ich glaube, nicht jeder Autor sollte sein Hobby zum Beruf machen. Nicht, weil er es nicht können würde oder weil er nicht gut genug ist, sondern wegen dem, was Zauberfrau angesprochen hat. Wenn man sein Hobby zum Beruf macht, kann das einem die Freude daran sehr schnell verderben und einen in tiefe Krisen stürzen. Ich kämpfe auch fast jeden Tag gegen diese Krisen an, denn mein Hobby ist nun mein Beruf. Aber wie gesagt, ich bin hartnäckig und ich weiß, worauf ich mich eingelassen habe. :)
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: Alana am 22. Juni 2018, 22:41:38
@Witch: Sorry, ich wollte dir nicht zu nahe treten und dein Beitrag klang für mich so, als würdest du dich richtungslos fühlen, also habe ich versucht, dir dahingehend zu helfen. Für mich ist es aufbauend, zu wissen, dass ich etwas tun kann und wie. Deswegen habe ich versucht, dir Tipps zu geben, die ich mir selbst geben würde. Herausfinden, was die beste Strategie für mich ist, es dann planen und dann machen. Klar läuft nicht immer alles nach Plan, das bedeutet aber nicht, dass Pläne nicht gut sind. Im Gegenteil, es ist nachgewiesen, dass Leute, die sich Pläne machen, allgemein schneller und zuverlässiger ihre Ziele erreichen, auch, wenn der Weg dahin dann ganz anders verläuft, als ursprünglich gedacht. Und dabei ist es eben sehr wichtig, nicht auf die Dinge zu schauen, die man nicht will, sondern auf die, die man will und vor allem auch auf die, die man erreichen kann. Mir hilft das jedenfalls immer sehr weiter, wenn ich einen Wunsch habe, einen Traum, den ich mir erfüllen will. Und mit einem Brotjob, der nun mal leider nötig ist, hast du einfach eine andere Ausgangsposition als jemand, der sich Vollzeit dem Schreiben widmen kann.  :knuddel:

Zitat
Das ist dann wieder individuell. Mein Output hat sich seit meiner Inruhestandsversetzung nur unwesentlich gesteigert. Also doch Vorrat erarbeiten und dann loslegen (mach ich auch jetzt noch so, ich brauche Puffer, um mich nicht unsicher zu fühlen).

Diese Erfahrung habe ich allerdings auch gemacht. Mein Output ist nicht höher geworden, seit ich es hauptberuflich mache. Eher geringer, weil durch das Veröffentlichen so viel anderes dazu gekommen ist. Und in den letzten drei Jahren habe ich übrigens auch mehr gearbeitet als in einem 40 Stunden Job. 70-Stunden-Wochen, kein Weihnachten, kein Urlaub. Deswegen finde ich es sehr wichtig, dass man sich gut überlegt, was man sich eigentlich von dem Leben als Schriftsteller erhofft.

Zumindest ich weiß nur selten, wo ich nach 9  bis 10 Stunden im Büro, rudimentären Haushalt und Kinderbespaßung noch Schreibzeit hernehmen soll, wenn mein Mann auch noch soziale Interaktion möchte.

Das finde ich auch richtig hart, ich weiß auch nicht, ob ich das könnte. Ich bewundere jeden, der das schafft. Aber letztendlich ist das leider oft der einzige Weg.

@Witch: Ich weiß ehrlich gesagt nicht, wie ich dich sonst aufbauen soll. Mir helfen Kommentare wie "du schaffst das" oder "alles wird gut" persönlich nämlich überhaupt nicht weiter, ich fühle mich dann eher abgefertigt, nicht wahr- und vor allem nicht ernst genommen. Ich versuche daher, niemand anderem so zu begegnen, sondern möglichst hilfreiche Antworten zu geben, so gut es halt mit den Infos geht, die ich durch einen Post bekomme. Ich überlege auch gerade, ob wir nicht vielleicht auch einen Strategieplaungsbereich einrichten könnten. Nur so eine Idee.

Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: Topaz am 22. Juni 2018, 23:17:55
Zitat
wenn mein Mann auch noch soziale Interaktion möchte.
@Araluen: Genau das denke ich mir auch immer. Kinder, Job, Haushalt. Und deinen Satz klau ich mir jetzt für die nächstbeste Gelegenheit. :D

@Alana und @Erdbeere dankeschön für eure Kommentare.
Ich habe hier zwar nicht geschrieben, aber sie helfen mir weiter. :)
Planen ist nicht so meine Sache, zumindest nicht so lange im Voraus, aber ich habe jetzt einen Roman, x Kurzgeschichten und fast einen zweiten Roman fertig. Jetzt schaue ich mir nochmal genau die Sachen mit dem Setzen an und dann das Cover (ja Profi und so, aber da ich das erst mal als Hobby mache probiere ich einfach alles aus).
Zu lesen, dass ihr - und andere hier - es auch neben Beruf und Familie angefangen und hinbekommen habt finde ich motivierend. Da fühle ich mich gleich mehr wie "das bekomme ich auch hin". Auch und obwohl ich das Thema Buchsatz und später *urks* Metadaten und ISBN gerade noch wie große Schreckgespenster am Horizont empfinde... Wird schon irgendwie... Und wenn nicht: Kann ich hier im Forum fragen *freu*
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: Araluen am 22. Juni 2018, 23:31:35
Zitat
wenn mein Mann auch noch soziale Interaktion möchte.
@Araluen: Genau das denke ich mir auch immer. Kinder, Job, Haushalt. Und deinen Satz klau ich mir jetzt für die nächstbeste Gelegenheit. :D
Das mein ich auch gar nicht so herablassend, wie es vielleicht klingt. Ich liebe meinen Mann und verbringe gerne Zeit mit ihm. Und ich bewundere auch jeden, der es schafft neben einer 40-Stunden-Woche sich den Hintern für seinen Traum vom Schreiben leben zu können aufreißt. Für mich selbst funktioniert das nicht - das war meine Lektion vom letzten Jahr. Ich habe ziemlich genau 2 Stunden Freizeit pro Tag in der Woche und da muss ich immer wählen, ob ich diese Zeit mit meinem Mann oder meinem Manuskript verbringe. Wir haben unsere Absprachen und es funktioniert gut. Aber es wird auf Hobbyebene bleiben fürs erste.

Aber ich muss auch sagen, dass ich die Einblicke hier auch immer sehr motivierend finde. Vermutlich hätte ich ohne den TiZi das Schreiben irgendwann einfach bleiben lassen. Wer weiß, vielleich tklappt es dnak des TiZi dann auch irgendwann mit der Romanveröffentlichung  ;D
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: Topaz am 22. Juni 2018, 23:36:05
Zitat
wenn mein Mann auch noch soziale Interaktion möchte.
@Araluen: Genau das denke ich mir auch immer. Kinder, Job, Haushalt. Und deinen Satz klau ich mir jetzt für die nächstbeste Gelegenheit. :D
Das mein ich auch gar nicht so herablassend, wie es vielleicht klingt. Ich liebe meinen Mann und verbringe gerne Zeit mit ihm.
Ich hatte es als etwas Positives aufgefasst. Entschuldige, wenn das nicht positiv rüber kam.
Weil: Mit kleinen Kindern im Haus will frau nicht alles explizit benennen, da sind solche Sätze wunderbar toll und trotzdem positiv. Finde ich. :)

Zitat
Ich habe ziemlich genau 2 Stunden Freizeit pro Tag in der Woche und da muss ich immer wählen,
Genau das!
Mann oder schreiben oder Recherche zum Veröffentlichen oder Papierkram der anfällt oder Haushalt oder eines von x anderen Dingen die tagsüber liegen bleiben.
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: Araluen am 22. Juni 2018, 23:38:26
Zitat
wenn mein Mann auch noch soziale Interaktion möchte.
@Araluen: Genau das denke ich mir auch immer. Kinder, Job, Haushalt. Und deinen Satz klau ich mir jetzt für die nächstbeste Gelegenheit. :D
Das mein ich auch gar nicht so herablassend, wie es vielleicht klingt. Ich liebe meinen Mann und verbringe gerne Zeit mit ihm.
Ich hatte es als etwas Positives aufgefasst. Entschuldige, wenn das nicht positiv rüber kam.
Weil: Mit kleinen Kindern im Haus will frau nicht alles explizit benennen, da sind solche Sätze wunderbar toll und trotzdem positiv. Finde ich. :)
Ja, so hatte ich das auch gemeint :) Mir ging nur selbst auf, dass der Satz vielleicht so klingt, als ginge es um Zwangsarbeit. So aber zurück zum Thema :)
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: Katido am 22. Juni 2018, 23:51:07
Hmm, also mein Freund und ich hocken zusammen in einem Raum und das funktioniert eigentlich ganz gut  ;D

Zwischendurch erzählt man sich mal was, aber ich müsste jetzt nicht speziell Zeit einplanen oder so. Puh, das klingt jetzt irgendwie furchtbar. Wir sind schon ziemliche Stubenhocker und das „Aufeinanderhocken“ sorgt jetzt nicht dafür, dass wir uns auseinanderleben. Wir sind einfach gern in der Nähe des jeweils anderen, das reicht uns meistens  :)
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: Coppelia am 23. Juni 2018, 05:36:26
Witch, ich verstehe ich sehr gut. Vor allem das Gefühl, dass alle anderen Fortschritte machen, während man selbst auf der Stelle tritt, obwohl man so sehr darum kämpft, voranzukommen.
Gute Tipps kann ich leider keine geben. Der Erfolg gibt Alana und Erdbeere recht. Wahrscheinlich ist ihre Methode, eine die funktioniert. Ob es die einzige ist, weiß ich nicht. Es ist gut möglich, dass es heutzutage einfach nicht mehr geht, nur durch ausgezeichnete Bücher vom Schreiben leben zu können. Oft frage ich mich, ob die "großen" Schrifsteller meiner Kindheit und Jugend heute nicht ganz schnell wieder weg vom Fenster gewesen wären.

Was ich schwierig finde, ist, nach vielen vergeblichen Versuchen und Misserfolgen immer wieder mit eiem neuen Plan neu anzufangen. Aber es muss ja sein, alles andere wäre (für mich) Aufgeben und das wäre (für mich) unverzeihlich.

Brotjob: Ich habe den Gedanken längst aufgegeben, vom Schreiben leben zu können, und das ist eigentlich ein gutes Gefühl. Naja, um genau zu sein: Er ist noch immer da, aber nur für den Fall, dass ich extrem viel Glück habe. Leider bin ich in der doofen Situation, auch keinen dauerhaften Brotjob haben zu können, da der Arbeitsmarkt für mich mit meinem Hintergrund (Geisteswissenschaftlerin) nur befristete Jobs ausspuckt. Daher wäre es an sich gut, wenn ich mir mit dem Schreiben ein kleines zweites Standbein für Phasen der Arbeitslosigkeit erarbeiten könnte.

In letzter Zeit habe ich oft darüber nachgedacht, ob Brotjob, Familie und Schriftstellerei miteinander vereinbar sind. Ich habe leider keine eigene Familie, aber nach allem, was ich von meinen Freunden mit Familie höre, dürfte die Antwort nein sein. Ich weiß von ihnen, wie wenig Zeit arbeitende Eltern (Mütter?) haben, und ich weiß, wie viel Zeit Schreiben braucht. Mit einer Stunde Schreiben pro Tag könnte man mit Disziplin pro Jahr zwar 1 - 2 Romane schaffen, aber die Vermarktung schafft man zusätzlich eher nicht.
Natürlich ist auch Schreiben selbst Arbeit, und oft ist man frustriert und kämpft. Nur ist da für mich der bedeutende Unterschied, dass es sowas wie eine Bestimmung ist. Es fällt mir oft schwer, aber für mich ist es nicht direkt "Arbeit". Arbeit ist für mich etwas, was ich tue, weil ich es muss, um zu überleben, während ich an sich lieber etwas anderes täte (Schreiben). Vielleicht würde sich das ändern, wenn ich nur noch schreiben "dürfte".
Ohne Freizeit könnte ich aber nicht dauerhaft klarkommen.

Ich weiß, ihr habt schon Tipps gegeben, Erdbeere und Alana, aber ich würde mich freuen, wenn ihr noch mal ein paar konkrete Buchtitel zur Selbstvermarktung nennt, die ihr hilfreich findet. Gern auf Deutsch, wenn ihr sie kennt. Mein Englisch ist zwar gut, aber Deutsch lese ich schneller, und Wirtschafts-Vokabular beherrsche ich wahrscheinlich kaum.
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: Maubel am 23. Juni 2018, 06:59:32
In letzter Zeit habe ich oft darüber nachgedacht, ob Brotjob, Familie und Schriftstellerei miteinander vereinbar sind. Ich habe leider keine eigene Familie, aber nach allem, was ich von meinen Freunden mit Familie höre, dürfte die Antwort nein sein. Ich weiß von ihnen, wie wenig Zeit arbeitende Eltern (Mütter?) haben, und ich weiß, wie viel Zeit Schreiben braucht. Mit einer Stunde Schreiben pro Tag könnte man mit Disziplin pro Jahr zwar 1 - 2 Romane schaffen, aber die Vermarktung schafft man zusätzlich eher nicht.

Darf ich da mal widersprechen? Ich weiß, ich bin die absolute Ausnahme, aber ich habe jetzt anderthalb Jahre neben Vollzeitarbeit und drei Kindern geschrieben und veröffentlicht und ich denke auch eine Menge in die Vermarktung gesteckt. Natürlich war das nicht einfach und alle Bereiche haben Abstriche hinnehmen müssen, aber der Wunsch weiter zu schreiben und zu veröffentlichen und dabei erfolgreich zu sein, war und ist größer. Ich merke durchaus, dass es mich schlaucht, jede Nacht bis Mitternacht/eins zu schreiben. Was ich praktisch nicht habe, ist Freizeit, in der ich einfach mal ohne schlechtes Gewissen einen Film sehen kann oder ein Spiel durchspielen. Selbst die Lesezeit muss ich verstecken, beim Baden etwa oder Wartezimmer sitzen. Dass mir momentan diese Möglichkeit fehlt, mal nicht zu "arbeiten" merke ich am Stärksten.

Mein Idealplan für nach dem Umzug ist es daher, eine Teilzeitstelle zu finden und quasi Teilzeit zu schreiben, statt immer nur nachts, wenn die Kinder schlafen. Ich bin wahrscheinlich die Ausnahme, weil ich noch nicht vom Schreiben leben möchte. Tatsächlich habe ich noch andere Pläne, die ich aber immer mehr mit dem Schreiben verheiratete. Ich will meine Geschichten anderen Leuten erzählen und dabei so viele wie möglich erreichen. Und daher macht mir gerade die Vermarktung auch solchen Spaß, weil ich da in Kontakt mit den Lesern treten kann.
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: Coppelia am 23. Juni 2018, 07:06:04
Da kann ich einfach nur sagen: Hut ab, Maubel! Mir haben zwei Jahre Arbeit mit 70 - 100 Wochenstunden gereicht, um mich an meine Grenzen zu bringen. Ohne Familie und ohne Schreiben. Und dabei habe ich mich eigentlich immer für recht belastbar und leistungsfähig gehalten.

Ich glaube auch, dass Marketing dann Spaß macht, wenn es einem in dem, was man tut, bestätigt. Also wenn man wirklich in Kontakt mit Lesern kommt und sich mit ihnen austauscht, merkt, dass die eigenen Geschichten ihr Leben bereichern.
Zitat
Ich will meine Geschichten anderen Leuten erzählen und dabei so viele wie möglich erreichen.
Das ist exakt das, was ich mir von meinem Leben auch wünsche. Auf den Punkt gebracht. Leider ist es mir nur mit meinen ersten Veröffentlichungen, den DSA-Romanen, gelungen. Keine Ahnung, was ich damals richtig gemacht habe und heute falsch mache. Jedenfalls finde ich den vergeblichen Versuch der Selbstvermarktung, den ständigen Eindruck, dass absolut niemanden interessiert, was ich mache oder sage, ungefähr genauso frustrierend wie Misserfolg beim Schreiben, und bringt mich genauso dazu, alles hinschmeißen zu wollen. Da habe ich wohl den für die anderen und mich richtigen Weg noch nicht gefunden. Ich glaube aber, wenn man sich in einem Kreis der Selbstbestätigung befindet, die Situation genau anders herum ist, man wird immer wieder von neuem motiviert.
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: Slenderella am 23. Juni 2018, 09:47:38
Seit ich veröffentliche bin ich ganz normal 40 Stunden (und mehr) im Brotjob beschäftigt. Ich verdiene auch zu gut, um das sein zu lassen, obwohl ich langsam an meinem Gehalt kratze, wenn man das monatlich runterbricht. Oder zumindest: Wenn ich monatlich Geld bekommen würde, könnte ich langsam davon leben. Aber da mir das einfach noch zu unsicher ist, würde ich wenn überhaupt nur meine Vollzeitstelle zur Teilzeitstelle umschichten.

Ich mache das jetzt seit 2015. Ich habe keine Kinder, aber natürlich Sozialkontakte, Mann, Pferd und Hobbies. Ich mache mein Marketing sowieso selber. Warum sollte das nicht zu schaffen sein? Man muss nur lernen sehr effizient zu arbeiten. Nicht drei Stunden noch auf Twitter rumgurken, dann hier mal bei Facebook schauen, da noch was machen, hier noch schnell was posten und sich dann wundern wo die Zeit hin ist?
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: HauntingWitch am 23. Juni 2018, 09:51:15
Liebe Leute, danke euch allen für eure Worte. Ich habe gestern nicht mehr geantwortet, weil ich eine echte Krise hatte und da wäre nichts Gutes dabei herausgekommen.

@Alana und Erdbeere: Ich weiss, dass ihr es nicht so gemeint habt, alles gut. :knuddel: Mein Problem ist nur das: Ich sage, ich will mit SP Erfolg haben, ohne ein Marktschreier sein zu müssen. Ich sage, ich will einen Weg finden, wie ich es machen kann, ohne mich verpflichtet zu fühlen, Dinge zu tun, die ich nicht mag und nicht kann und das mit der Zeit und Energie, die ich aufbringen kann. Ich weiss, dass das unrealistisch ist. Ich weiss, dass das sehr schwierig ist, aber ich will - muss - glauben, dass es möglich ist. Immer, wenn ich das sage, kommen sogleich jede Menge Stimmen, die mir dann sagen, wie unmöglich das ist, wenn man kein Marktschreier ist (zumindest ist es das, was ich höre). Und das zieht mich herunter. Deshalb fühle ich mich tatsächlich "richtungslos", wie du @Alana, so schön gesagt hast. Aber es ist nicht so, dass ich keinen Plan habe oder nicht weiss, was für Marketing ich versuchen werde. Ich hoffe nur, dass der Plan aufgeht (deshalb ist er auch nicht so genau, damit genug Raum für Unerwartetes darin ist).
Aufschreiben ist eine gute Idee, das könnte ich wirklich einmal machen. Und sicher werde ich nicht aufhören, Wissen anzusammeln, das ist für mich völlig klar.

@Sprotte: Warum ist der Brotjob ein Hindernis? Ist er nicht. Ich habe ja in der Vergangenheit neben dem Brotjob veröffentlicht. Die Sache ist eher, dass ich das Gefühl habe, das Schreiben lenkt mich vom Brotjob ab. Es nimmt einfach so viel Platz ein in meinem Kopf und in meinem Leben. Ein Beispiel: Ich habe zwei neue Projekte angefangen, platze vor Ideen, könnte jeden Tag stundenlang schreiben, aber es geht halt nicht, weil ich acht Stunden im Büro und danach meistens zu müde bin. Würde ich abends noch schreiben, würde ich mich kaputtarbeiten. Ich habe also nur noch das Wochenende und ich möchte gerne mehr Zeit fürs Schreiben haben.

@Anja und Leann: Zu viel nachzudenken ist eines meiner Probleme. Ich möchte immer alles perfekt machen, aber mir ist auch schon aufgefallen, dass manche erfolgreiche Menschen bei weitem nicht alles perfekt machen, aber sie machen es und zögern nicht lange. Das muss ich wirklich üben.

Zitat
Oft frage ich mich, ob die "großen" Schrifsteller meiner Kindheit und Jugend heute nicht ganz schnell wieder weg vom Fenster gewesen wären.

Das ist ein interessanter Gedanke. Andreas Eschbach hat auch einmal irgendwo gesagt, dass der Autor, der davon lebt, eine relativ neue Erscheinung sei. Wenn man sich das überlegt, ist da schon etwas dran. Der Punkt ist einfach, ich möchte nicht "nur" davon leben, ich möchte richtig erfolgreich sein. (Ich weiss, tun wir natürlich alle und ich weiss, es heisst "Traum" aus Gründen, aber ist es wirklich soo verrückt, daran glauben zu wollen?)
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: Carolina am 23. Juni 2018, 10:12:55
Der Punkt ist einfach, ich möchte nicht "nur" davon leben, ich möchte richtig erfolgreich sein. (Ich weiss, tun wir natürlich alle und ich weiss, es heisst "Traum" aus Gründen, aber ist es wirklich soo verrückt, daran glauben zu wollen?)

Die Frage ist, was du mit diesem Traum bewirkst. Meiner Ansicht nach deprimiert er dich, weil du deine Ergebnisse mit deinem Traum vergleichst. Ich finde, wenn man davon leben kann, ist das ein ordentlicher Erfolg, auf den man stolz sein kann. Der ganz große Erfolg braucht ganz großes Glück. Das kann funktionieren, oder auch nicht. Ich fürchte, dass der Gedanke dich verkrampfen könnte.

Warum peilst du nicht erst mal den ersten Schritt an? Sobald du davon leben kannst, brauchst du keinen Brotjob mehr, und dann kannst du dich immer noch mit dem Gedanken an den ganz großen Wurf quälen.
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: Silvia am 23. Juni 2018, 10:43:08
Ich mache das jetzt seit 2015. Ich habe keine Kinder, aber natürlich Sozialkontakte, Mann, Pferd und Hobbies. Ich mache mein Marketing sowieso selber. Warum sollte das nicht zu schaffen sein? Man muss nur lernen sehr effizient zu arbeiten. Nicht drei Stunden noch auf Twitter rumgurken, dann hier mal bei Facebook schauen, da noch was machen, hier noch schnell was posten und sich dann wundern wo die Zeit hin ist?

Weil man Kinder, vor allem kleine, von 0 bis 24 Uhr um sich hat. Man hat erst Feierabend, wenn sie wirklich abends schlafen (was gerne auch mal erst 21 Uhr sein kann - und dann hat man noch nicht abgeschaltet und selber etwas ausgeruht oder liegengebliebene Hausarbeit gemacht) - und das heißt noch nicht mal, dass sie nicht noch dreimal aus dem Bett krauchen, weinend aufwachen, weil wieder die Füßchen wachsen, einen einfach übern Tag auch immer wieder fordern und um sich haben wollen. Und dann weiß man, dass morgens um 5.30 wieder der Wecker klingelt, weil Arbeit und Kita und so. Was hatte ich noch für ruhige Schreibzeit am Stück, als ich "bloß" meinen Mann und Hobbies und eine 40 Stunden-Woche hatte.  ;D Davon träum ich …  :engel: Grüße an alle weiteren schreibenden Muttis und Vatis!
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: Erdbeere am 23. Juni 2018, 10:47:56
@Witch und @Coppelia
Die wenigsten von uns sind Marktschreier und ich kann euch beruhigen: Es ist keine Voraussetzung, um im SP (oder allgemein als Autor) erfolgreich zu sein. Marketing und die eigenen Bücher an die Leser bringen hat nicht wirklich viel mit Marktschreierei zu tun - zum Glück. Marketing heißt nicht, dass man sich irgendwo online hinstellt und die Leute mit Dauerwerbung beschallt. Marketing heißt, mit den Lesern in Kontakt zu treten, mit ihnen zu plaudern und eine Community aufzubauen. Stichwort hier ist emotionales Marketing.

Es gibt immer einen Weg, für jeden. Meiner ist nicht der richtige für Alana oder Witch, denn es ist meiner. Manche Wege sehen vielleicht ähnlich aus, aber sie sind nie identisch. Alles, war wir tun können, um uns gegenseitig auf unseren Wegen zu unterstützen, ist Tipps und Strategien auszutauschen, einander über Steine zu helfen oder vielleicht an einer Kreuzung auch mal einen Schubs zu geben, wenn man sich nicht traut, einen unbekannten Pfad einzuschlagen.

Coppi, du hast nach Büchern gefragt. Die meisten lese ich auf Englisch, aber es gibt von einigen deutsche Übersetzungen:
Dale Carnegie "Wie man Freunde gewinnt: Die Kunst, beliebt und einflussreich zu werden"
Gary Keller: "The One Thing: Die überraschend einfache Wahrheit über außergewöhnlichen Erfolg"

Aber am meisten helfen mir Podcasts. Meine liebsten:
- Nina Schnitzenbaumer "Emotionales Marketing - für Kreative". Nina ist Fotografin, aber sie spricht auch andere Kreative an - wo wir Autoren auch reingehören. Sie hat eine sehr angenehme Stimme und ich konnte sehr viel für mich draus rausnehmen, was das Schaffen einer Community, also Fans, auf FB angeht. Sie hat wirklich Ahnung!
- Calvin Hollywood "Wer will, der kann!". Calvin ist ursprünglich auch Fotograf, macht mittlerweile aber fast nur noch Marketing, Coaching und Business. Der Typ ist richtig gut; polarisiert zwar manchmal, weil er No-Bullshit ist und gerne Klartext redet (also nach der Art Tritt in den Arsch und weniger Betüddeln), aber ich habe durch ihn enorm viel gelernt.
- Lars Amend und Daniel Aminati (ja, der) "Die Glücksritter". Einer der besten Podcasts überhaupt, finde ich. Die beiden sind großartig. Hat kaum was mit Marketing zu tun, sondern mit Persönlichkeitsentwicklung. Unbedingt reinhören, es lohnt sich.
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: Coppelia am 23. Juni 2018, 11:01:05
Ganz lieben Dank für die Tipps, Erdbeere. Ich habe ja schon geschrieben, unter welchen Umständen ich mir Marketing sogar als spaßig vorstellen kann.
Momentan habe ich ja nichts zu vermarkten, aber sobald es mal wieder soweit ist - was ich, wie ich jetzt von euch gelernt habe, auch selbst in der Hand habe - werde ich mir die Tipps reinziehen und hoffentlich etwas Sinnvolles entwickeln.
Ich finde auch echt toll, dass ihr eure Erfahrungen teilt, anstatt sie für euch zu behalten wegen der Konkurrenz usw. ;)
Edit: Ich hab's schon überlebt, ein paar Minuten Podcast zu hören. Danke. ;D

Ich kann zwar auch auf Englisch lesen, habe ich damals bei wissenschaftlichen Texten ständig. Aber da ich eh eine riesige innere Barriere habe, was Selbstvermarktung betrifft - ich finde sie bei anderen leider oft sogar richtig zum Fremdschämen und bei mir selbst zum Selbstschämen - hätte ich bei einem deutschen Text einfach etwas weniger Barrieren zu überwinden. Falls es also DAS Buch nur auf Englisch gibt ...
Eine Communitiy für meine Geschichten zu haben, wäre toll - aber mich verkaufen ist nicht so meins. Darüber haben wir ja schon häufiger diskutiert. Ich werde sehen.

Manchmal frage ich mich, wie ich es überhaupt geschafft habe, schon 5 Romane zu veröffentlichen ...
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: Alana am 23. Juni 2018, 11:03:56
Ich unterschreibe bei Erdbeere. Marketing ist nicht Marktschreierei und vielleicht war es diese Wortwahl, die mich hat annehmen lassen, dass sich noch nicht viel damit auseinander gesetzt wurde. Denn das ist eigentlich immer das erste, was man lernt. Marketing fängt beim Inhalt an, nein, man muss sich nicht verbiegen, soll man sogar nicht, geht beim Titel und beim Cover weiter. Tja. Und ohne Marketing ... wie will man da was verkaufen? Das geht in keiner Branche und ich frage mich immer, warum die Leute glauben, dass das bei Büchern anders ist.

@Witch: wie gesagt, es tut mir leid, wenn ich falsch gelegen habe. Ich wünsche dir wirklich, dass sich dein Traum erfüllt.
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: Leann am 23. Juni 2018, 11:06:20
@Erdbeere: Danke für die Podcast-Tipps. Da bin ich immer auf der Suche nach was Neuem.

@Coppelia:
Zitat
Momentan habe ich ja nichts zu vermarkten
Hm, wirklich nicht? Ich finde, man sollte nicht erst mit Marketing anfangen, wenn man ein neues Buch veröffentlicht. Es geht nicht um Veröffentlichungen, sondern vor allem um die "Marke Autorin", und die ist ja da.
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: Coppelia am 23. Juni 2018, 11:18:37
Ja, stimmt schon … momentan habe ich wegen der rechtlichen Unklarheiten meine Facebookseite deaktiviert. Ich warte erstmal ab, was sich damit ergibt.

Die größte Hürde bei der Selbstvermarktung ist für mich offenbar, alles Mögliche über mich selbst öffentlich preiszugeben. Das ist ja der erste Tipp, den man überall bekommt, und, wie es aussieht, absolut notwendig. Es gibt wohl verschiedene Gründe, warum ich ein Problem damit habe, und ich muss irgendwie einen Weg finden, es zu tun, ohne dass ich darunter leide.
Hier im Forum lasse ich ja auch einiges von mir sehen, und ich denke, viele hier kennen mich nur durch das, was ich schreibe, ganz gut oder können sich ein Bild von mir machen. Aber ich möchte einfach nicht alles von mir öffentlich haben - es gibt vieles an mir und meinem Leben, was ich selbst nicht mag, was mir vor anderen unangenehm ist, und das möchte ich nicht der ganzen Welt zeigen.

Edit: Irgendwie könnte das aber auch die Chance sein, Ängste zu überwinden. Z. B. die, dass andere einen nicht mögen, wenn man zeigt, wer man wirklich ist. Hilfe, es wird psychologisch.

(Sorry, Witch, dass ich hier so viel schreibe - ich hoffe, es hilft dir auch etwas weiter. Wir scheinen ja in einer etwas ähnlichen Situation zu sein.)
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: HauntingWitch am 23. Juni 2018, 11:39:09
Die Frage ist, was du mit diesem Traum bewirkst. Meiner Ansicht nach deprimiert er dich, weil du deine Ergebnisse mit deinem Traum vergleichst. Ich finde, wenn man davon leben kann, ist das ein ordentlicher Erfolg, auf den man stolz sein kann. Der ganz große Erfolg braucht ganz großes Glück. Das kann funktionieren, oder auch nicht. Ich fürchte, dass der Gedanke dich verkrampfen könnte.

Warum peilst du nicht erst mal den ersten Schritt an? Sobald du davon leben kannst, brauchst du keinen Brotjob mehr, und dann kannst du dich immer noch mit dem Gedanken an den ganz großen Wurf quälen.

Danke, Anja, das hilft gerade sehr.  :knuddel:

@Witch und @Coppelia
Die wenigsten von uns sind Marktschreier und ich kann euch beruhigen: Es ist keine Voraussetzung, um im SP (oder allgemein als Autor) erfolgreich zu sein. Marketing und die eigenen Bücher an die Leser bringen hat nicht wirklich viel mit Marktschreierei zu tun - zum Glück.

So kommt es mir aber immer vor, wenn ich die einen Leute sehe (wie dich, aber das weisst du ja ;)). Ich finde dieses "in Kontakt treten", auch das Aus-sich-herauskommen so schwierig und bei manch anderen sieht es danach aus, als machten die schon ihr ganzes Leben lang nichts anderes. Aber ja, vielleicht sieht das auch nur von aussen so aus.

@Alana: Auf Sachen wie Klappentext und Titel zu achten habe ich schon angefangen. Davon hatten wir es ja, glaube ich, schon einmal. Mir ist da auch vieles klarer geworden in den letzten drei oder vier Jahren. Ich weiss z.B. jetzt schon, dass das Cover von meinem nächsten Buch nicht meinem persönlichen Geschmack entsprechen wird, aber ich bin auch nicht die Zielgruppe. Bzw. ich habe angefangen, Covers nicht mehr nach "gefällt mir" oder "gefällt mir nicht" einzuteilen, sondern danach, wen sie ansprechen sollen.

Ach, Leute, danke. Ich denke, ich habe auch einfach Angst, neue Wege sind immer unheimlich. Vermutlich werde ich aber, wenn ich so arbeiten will, wie "mein Gehirn funktioniert", einfach den Weg einschlagen und dann sehen müssen, wohin er mich führt. Und es gibt ja immer wieder Kreuzungen, an denen man anders abbiegen kann, falls sich ein Weg als schlecht entpuppt.  :omn:
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: Snöblumma am 23. Juni 2018, 11:57:06
Da kann ich einfach nur sagen: Hut ab, Maubel! Mir haben zwei Jahre Arbeit mit 70 - 100 Wochenstunden gereicht, um mich an meine Grenzen zu bringen. Ohne Familie und ohne Schreiben. Und dabei habe ich mich eigentlich immer für recht belastbar und leistungsfähig gehalten.

Maubel sollte uns mal verraten, welchen Zaubertrank sie trinkt.  :rofl: Bei mir geht sich selbst das Schreiben nicht mehr wirklich aus (wenn ich zweimal im Monat dazukomme, dann ist es ein guter Monat). Morgens um acht auf die Arbeit, davor zweimal die Woche Sport (also um halb sieben aus dem Haus gehen) und an den anderen Tag mal mit dem Kind frühstücken und vielleicht sogar ein bisschen spielen zusammen. Heim komme ich in der Regel zwischen 21.30 und 23.00 - falls der Gatte noch nicht schläft, will man da ja ab und zu mal soziale Interaktion, und falls er schon schläft, schaffe ich es mit Duschen und etwas lesen gegen Mitternacht ins Bett. Und meine sechs Stunden Schlaf brauche ich, daran knapse ich nicht ohne Not - es gibt ja auch mehr als genug Tage, in denen ich eben nicht um 23.00 Uhr zuhause bin, und dafür will ich gewappnet sein und nicht schon vorher übermüdet :D. Samstag ist mit Haushalt und sonstiger Lebensorganisation und Sport durchgetaktet, und den Sonntag will ich eben auch nicht jede Woche opfern, sondern dann doch ab und zu Freunde und Familie sehen oder Ausflüge unternehmen. Da bekomme ich mit Mühe und Not etwas Schreibzeit herausgeschnitten, aber wann ich mich um Marketing kümmern sollte, ist mir ein absolutes Rätsel. Von daher eiere ich gerade auch im Nichts herum - ich weiß, dass meine aktuellen Projekte nach Selfpublishing schreien, da wäre sogar ein Markt für da, aber das müsste man professioneller aufziehen als "Hochladen auf Amazon, Fertig". Und wann ich mich einlesen sollte, weiß ich beim allerbesten Willen nicht, wenn ich das Schreiben aufgeben wollte (und das ist dann ja auch nicht Zielführend auf die Dauer...).

So kommt es mir aber immer vor, wenn ich die einen Leute sehe (wie dich, aber das weisst du ja ;)). Ich finde dieses "in Kontakt treten", auch das Aus-sich-herauskommen so schwierig und bei manch anderen sieht es danach aus, als machten die schon ihr ganzes Leben lang nichts anderes. Aber ja, vielleicht sieht das auch nur von aussen so aus.
Das kommt bei mir hinzu. Ich finde "Marketing" bzw. Leute ansprechen an sich schon unglaublich kompliziert, wenn ich etwas von ihnen will. Das kostet mich unwahrscheinlich Kraft, die ich nicht habe (siehe Lebenstaktung). Ich würde mir einfach wünschen, es gäbe jemanden, der mir dieses Marketing abnimmt. Früher hieß das "Verlag", aber die Zeiten sind vorbei. Von daher habe ich mich mehr oder weniger damit abgefunden, dass mein Zeug in der Schublade bleibt, so sehr mich das ankekst. Hat jetzt drei Jahre gedauert, das zu akzeptieren, wirklich gut fühle ich mich damit nicht, aber Schreiben wir halt ein Hobby bleiben, das auf der Prio-Skala ganz, ganz unten steht...
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: Erdbeere am 23. Juni 2018, 12:01:35
@Witch  :knuddel: Ich versteh dich. Mehr, als du denkst. Ich hatte anfangs auch so Schiss, als Autorin aufzutreten und den Leuten von mir zu erzählen. Ich stottere, ich bin Schweizerin und habe ein merkwürdiges Hochdeutsch, und irgendwie schäme ich mich, von meinen Büchern zu erzählen, weil die Geschichten ja aus meinem Innersten kommen und lange nur für mich waren. Das war wie damals, als ich im Verkauf angefangen habe und unsicher war, weil ich mich für nicht kompetent genug gehalten habe.
Vor drei Jahren war ich die unsichere Debütantin, vor zwei Jahren wurde ich ins kalte Wasser geschmissen mit Frost & Payne und musste praktisch on-the-job lernen, wie ich als Autorin selbstbewusster sein und für meine Bücher einstehen kann. Plötzlich waren da Leser, die was von mir wollten. Die mit mir quatschen wollten, über meine Bücher und über mich als Autorin. Bei mir ging das von null auf hundert und ich hatte keine Möglichkeit, mich darauf vorzubereiten. Ich musste mich entwickeln, Dinge ausprobieren und bemerkte bald, dass mir das alles riesigen Spaß macht. Und je mehr ich lernte, desto mehr Spaß hatte ich an der Sache, weil ich gemerkt habe, dass die Leser drauf anspringen und mich als Autorin mögen.

Angst vor Neuem und vor Veränderungen ist völlig normal. Das hat jeder. Als ich letzten Herbst meine Kündigung geschrieben habe, um mich voll aufs Schreiben zu konzentrieren, hatte ich die Hosen voll. Was, wenn es nicht klappt? Was, wenn mein Erspartes schneller aufgebraucht ist, als ich geplant habe? Was ist, wenn sich meine Serie plötzlich nicht mehr verkauft? Wenn der nächste Band floppt? Wenn meine Mitbewohnerin plötzlich ausziehen will und ich die Miete nicht mehr bezahlen kann? Ich hatte keinen Plan B. Ich habe alles auf diese eine Karte gesetzt. Ich habe noch heute Angst und manchmal schlaflose Nächte, aber ich bin jetzt auf diesem Weg und ich gebe verdammt nochmal mein Bestes, damit dieser Weg nicht in ein tiefes Loch führt.


@Coppelia Die Angst davor, Persönliches preiszugeben, kenne ich nur zu gut. Siehe oben. ;) Es ist eine Art Spiel. Gib den Lesern das, was sie wollen: Erzähl von deinen Hobbys, deinem Schreiben, einer lustigen Begebenheit, welche Filme und Bücher du magst. Das sind alles Eisbrecher und so oberflächlich, dass sie nicht zu privat sind. Du kannst auch einfach ein Foto deiner morgendlichen Tasse Kaffee oder Tee posten mit "Puh, heute brauche ich mindestens einen Liter davon. Wie seid ihr in den Tag gestartet?" - reicht für Interaktion. ;D
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: Maubel am 23. Juni 2018, 12:37:03
Ja, aber @Snöblumma du kannst jetzt nicht deine Arbeit mit meiner vergleichen. Ich bin von kurz vor 8 bis kurz nach 17 Uhr aus dem Haus, Arbeitszeit ca. 8:30-16:00. Bis die Kinder im Bett sind, kriege ich tatsächlich nur das Marketing hin. Social Media Kanäle kann ich nebenbei füllen, aber Schreiben erst, wenn die Kinder im Bett sind, was momentan gegen 22 Uhr ist, eigentlich aber 21 Uhr sein sollte. Mein Mann und ich sind glücklich mit dem sozialen Aktion, die wir durchs Nebeneinandersitzen haben. Er spielt, ich schreibe und am Wochenende fällt hier und dort etwas Zeit ab. Also bei mir funktioniert es, weil ich nachts, wenn alles schläft, schreibe, während das SoMe auch oft nebenbei geht. Trotzdem ist das nicht ideal, das merke ich ja auch. Ich stehe ständig unter Stress und habe hundert Dinge im Kopf, die ich machen muss und der Haushalt, tja, der bleibt oft mal liegen.  ;D

@Coppelia Sich als Menschen greifbar zu machen, heißt nicht, der gläserne Mensch sein. Du musst nicht die Seiten zeigen, die du nicht magst oder jedes noch so private Detail teilen. Genau wie hier im Forum zeigst du das, was du teilen willst und dadurch lernen wir dich als Menschen kennen. Das ist die Forums-Coppi und auf Facebook lernt man eben die Facebook-Coppi kennen. Genauso wie auf deiner Arbeit die Leute auch nur die Arbeits-Coppi kennen. Für jeden Menschen und in jeder Gruppe zeigst du einen Aspekt deines Selbst. Nicht alles zu zeigen, ist daher völlig normal. Du erzählst ja auch Arbeit auch nicht, was du alles nicht an dir magst. Aber bestimmt bekommen die Leute mit, wie du bist und das sollten sie im Social Media Bereich genauso können. Also nur Mut, sei du selbst. Und sei du selbst heißt eben nicht, zeige allen erst mal die Sachen, die dir unangenehm sind.
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: Leann am 23. Juni 2018, 12:53:24
@Coppi: Du hast viel Interessantes zu erzählen, du bist einfach eine interessante Person. Das kannst du auch zeigen, ohne dass es zu persönlich wird. Zum Beispiel über dein Spiel berichten, wie du auf die Idee dazu kamst, was dich alles so inspiriert, du kannst spannend von deinen Figuren erzählen und hast sogar super Zeichnungen von ihnen. Erzähl von deinen Ideen zu Romanen oder dass du nun eine Serie planst. Da gibt es so viel. Wichtig ist nur, dass die Follower es als Mehrwert betrachten. Die wollen glaube ich (hoffe ich) gar nichts allzu Privates erfahren, sie wollen aber teilhaben an dem, was dich interessiert, weil es auch für sie spannend ist. Das Schwierige ist glaube ich, von dem Gedanken weg zu kommen: Na gut, interessiert mich, aber sonst niemanden. Denn das stimmt meistens nicht.

Zum Thema Arbeitszeit: Ich hatte ja oben schon geschrieben, dass man Vollzeit arbeiten und trotzdem Schriftstellerin mit relativ vielen Veröffentlichungen sein kann. Bei mir geht das trotz 45-Stunden Woche allerdings nur, weil ich keine Kinder habe oder andere Familienmitglieder, die bespaßt werden wollen. Treffen mit Freunden finden in der Regel am Wochenende statt, oder auch mal in der Woche, aber nicht jeden Tag und nur abends/nachmittags. Da ich von 6:30 bis normalerweise 17 oder 18 Uhr arbeite, fängt danach für mich die Freizeit an. Dadurch, dass ich Schreiben auch immer noch als Freizeit ansehe, habe ich also relativ viel davon, auch wenn ich immer meckere. Und ich brauche zum Glück wenig Schlaf, bzw. ich kann lange Zeit mit Schlafdefizit leben.
Natürlich ist das nicht schön, aus dem Schreibfluss gerissen zu werden. Wenn die Arbeit mental fordert, fällt es mir schwer, abends die Muße und Ruhe zum Schreiben zu finden und mich wieder aus der Realität herauszunehmen und in meinen Geschichten zu versinken. Es fällt schwer, aber ich brauche es und es tut mir gut. Was mir hilft, sind Puffer. Z.B. nach der Arbeit erst mal Sport machen, eine Runde joggen, oder gleich mit dem Rad zur Arbeit und zurück, damit da schon mal eine gewisse Grenze gezogen wird. Das macht mir das Abschalten leichter. Oder einfach duschen und sich vorstellen, dass man damit den Alltagsärger wegwäscht und frisch und rein für das Schreiben ist.  :) Klingt lustig, aber funktioniert bei mir oft.
So nervig Arbeit oft ist, sie hat auch positive Seiten. Neue Erfahrungen, Begegnungen, lernen, mit schwierigen Menschen und Situationen umzugehen - all das hat auch gute Effekte auf das Schreiben und kann inspirieren. Kommt natürlich auf die Arbeit an.
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: Mrs.Finster am 23. Juni 2018, 20:38:59
Bei mir geht das trotz 45-Stunden Woche allerdings nur, weil ich keine Kinder habe oder andere Familienmitglieder, die bespaßt werden wollen. Treffen mit Freunden finden in der Regel am Wochenende statt, oder auch mal in der Woche, aber nicht jeden Tag und nur abends/nachmittags. Da ich von 6:30 bis normalerweise 17 oder 18 Uhr arbeite, fängt danach für mich die Freizeit an.

Was hast du denn für einen Job? Das ist ja krass. Danach könnte ich nie schreiben. Ich bin ich der Regel 10 Stunden aus dem Haus, außer ich habe Spätdienst. Und dann fällt mir das schon gehörig schwer.

Manchmal beneide ich die Leute, die einfach "nur" einen Job haben und nicht mehr... außer soziale Kontakte vielleicht. Aber das wäre ja auch langweilig  ;D
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: Feuertraum am 23. Juni 2018, 21:52:38


Ich weiss, dass das unrealistisch ist. Ich weiss, dass das sehr schwierig ist, aber ich will - muss - glauben, dass es möglich ist. Immer, wenn ich das sage, kommen sogleich jede Menge Stimmen, die mir dann sagen, wie unmöglich das ist, wenn man kein Marktschreier ist (zumindest ist es das, was ich höre).

Echt? Und woher wissen die das? Haben diese Stimmen das schon ausprobiert?
Auch wenn die Frage irgendwie verspottend klingt, so ist sie doch vollkommen ernst gemeint. Das Fatale an diesen miesepetrigen Stimmen ist, dass sie eine Gefahr für sich sehen, dass man sie nicht mehr ernst nimmt, dass sie plötzlich gezwungen sind, ein falsches Denken einzuräumen. Und es gibt da noch etwas, vor dem die Stimmen Angst haben (Sie, Witch, haben es übrigens selber geschrieben ... ;)) sie haben Angst vor Veränderungen, sie (also immer noch die Stimmen) haben Angst, dass sie damit aus einem Trott rausgerissen werden, in dem sie sich es gemütlich machten. Darum schreien sie ganz laut: Du musst Marktschreier sein, wenn du Erfolg haben willst. Darum ziehen die Stimmen Sie, Witch, runter.
Und mal ehrlich, Witch, Sie wollen sich wirklich von diesem "faulen" Pack runterziehen lassen? Sie, die ich hier im Forum als eine intelligente und sehr selbstbewusste Frau kennengelernt habe?
Sie haben ein Ziel!
Gut!
Gehen Sie es an und bleiben Sie dran - auf Ihre Art und Weise.
Diese miesepetrigen Stimmen wissen, dass Sie es schaffen können, darum bauen sie einen Gegendruck auf. Aber ein jeder der "erfolgreichen" Menschen wird Ihnen bestätigen können: Dieser Gegendruck ist nichts anderes als heiße Luft (und sogar nicht erfolgreiche Menschen wie ich bestätigen das ... ;)).
Ja, vielleicht müssen Sie manchmal ungewöhnliche Wege gehen, ja, vielleicht müssen Sie auch mal zwei Schritte zurückgehen, um drei vorwärtszukommen. Ja, und? Mit jedem Schritt kommen Sie Ihrem Ziel näher. Jedes noch so kleine Schrittchen verkürzt die Strecke. Und nicht nur das: aus kleinen werden große Schritte, aus einem mühsamen Weg wird ein Dauersprint. Aus Frust wird Euphorie.
Und immer dran denken: SIE haben das Sagen, nicht die in Panik verfallenden Stimmen!

In diesem Sinne: Zeit, "sich die Schuhe anzuziehen" und den Weg zu gehen!
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: Coppelia am 24. Juni 2018, 06:03:45
Ich wollte nur noch mal sagen, @Erdbeere, @Maubel und @Leann , dass ich mir eure Tipps kopiert habe und eine Datei mit "Marketing-Tipps" angelegt habe. ;D Vor allem dir, Leann, ganz vielen Dank für die lieben Worte. Ich will es versuchen.
Tatsächlich bin ich gestern noch überraschend mit zwei Spielern von Highland Quest in ein längeres Gespräch gekommen. Habe da allerdings auch gemerkt, dass ich serviceorientierten Smalltalk mit Fremden im Internet anstrengend finde. Aber spaßig war es auch.
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: HauntingWitch am 24. Juni 2018, 10:27:13
@Feuertraum: Danke. :knuddel: Ja, ich glaube, das werde ich jetzt tun. Sie aber auch, ich bin sicher, dass auch Sie Ihr Glück noch finden können.
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: Coppelia am 18. Oktober 2018, 14:52:08
Seit vielen Monaten merke ich wieder, dass Schreiben mein Leben ist. Und dass ich immer noch unbedingt Schriftstellerin sein möchte und sehr darunter leide, dass es nicht klappt.
Immer, wenn ich wegen meiner Geschichten am Rotieren bin, bin ich so glücklich wie nie. Dann fühlt es sich für mich an, als wäre ich der Mensch, der ich "sein soll".
Ich weiß, dass es unrealistisch ist und ich so weit wie nie davon entfernt bin, Schriftstellerin zu sein. Aber es fühlt sich noch immer so an, als wäre es meine wahre Identität, die ich nicht leben kann. Wenn es wenigstens wieder nebenberuflich möglich wäre. :seufz:
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: Maja am 18. Oktober 2018, 17:40:48
Wenn das Schreiben dich glücklich macht, dann ist das doch erst einmal das Beste, was passieren kann. Ich bin endlich auch wieder da, wo ich sagen kann, ich liebe das Schreiben mehr als alles andere, nachdem ich letztes Jahr völlig am Ende war, alle Brocken hinschmeißen wollte und mir nur noch gewünscht habe, das Schreiben als Beruf zurückgeben zu dürfen, um meinen Traum zurückzubekommen. Dieses Jahr habe ich radikal umgedacht und schreibe jetzt wieder als Hobby, um des Schreibens selbst willen, und alles, was danach passiert, betrachte ich als Bonus. Aber ich habe mich so sehr damit aufgerieben, dass es den Verlagen gefallen muss, dass es sich gut verkaufen muss, dass ich unten durch bin, wenn das Buch am Markt untergeht ...

Jetzt ist das Buch untergegangen, der Verlag hat das angebotene Nachfolgeprojekt abgesagt, und selbst das tut mir nicht weh. Ich habe natürlich immer noch einen anderen Verlag, und andere Optionen in der Hinterhand - aber um was es mir eigentlich geht, ist das Schreiben. Ich will Hobbyautor sein, jetzt. Und dann bin ich es einfach. Schriftsteller sein wollen ist ein so zweischneidiges Schwert. Die Chance, dass man mehr verliert, als man gewinnt, ist groß. Aber solange man sich über alldem ide Liebe zum Schreiben behalten kann, ist nichts verloren.
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: Alana am 18. Oktober 2018, 17:46:19
Zitat
Aber solange man sich über alldem ide Liebe zum Schreiben behalten kann, ist nichts verloren.

Da unterschreibe ich. Ich habe Autoren daran zerbrechen sehen, dass ihre Bücher sich nicht verkauft haben. Ich habe sie in mehrjährige Schreibblockaden stürzen sehen, weil der große Verlagsvertrag nicht den gewünschten Erfolg brachte. Und ich habe mir geschworen: egal, was passiert, das werde ich nicht zulassen. Für mich wird der Spaß am Schreiben immer an erster Stelle stehen. Klar, man muss sich mal durchbeißen, aber manchmal, wenn ich total am Boden bin, hat es mir wirklich geholfen, mir zu sagen: was immer es ist, ich lasse mir das Schreiben nicht nehmen. Denn erst dann ist es wirklich vorbei. Du schreibst. Du bist Schriftsteller. Alles andere ist nicht nebensächlich, aber alles andere basiert darauf. Sich den Spaß am Schreiben zu bewahren ist das wichtigste und oft das schwierigste an dem Beruf.
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: Drachenfeder am 18. Oktober 2018, 17:46:44
Wenn das Schreiben dich glücklich macht, dann ist das doch erst einmal das Beste, was passieren kann. Ich bin endlich auch wieder da, wo ich sagen kann, ich liebe das Schreiben mehr als alles andere, nachdem ich letztes Jahr völlig am Ende war, alle Brocken hinschmeißen wollte und mir nur noch gewünscht habe, das Schreiben als Beruf zurückgeben zu dürfen, um meinen Traum zurückzubekommen. Dieses Jahr habe ich radikal umgedacht und schreibe jetzt wieder als Hobby, um des Schreibens selbst willen, und alles, was danach passiert, betrachte ich als Bonus.

Ich finde, dass hört sich perfekt an. Man muss doch glücklich sein bei dem was man tut, sonst geht man doch erstrecht unter.  :pompom:


Liebe Coppelia,
bei dem was ich mitbekommen habe und was in an Veröffentlichungen von dir sehe, auch bei welchen Verlagen du es geschafft hast, kann ich deine Zweifel nicht verstehen. Du hast doch schon so viel Tolles erreicht. Dinge von denen ich noch immer träume!

Was ist denn eigentlich los? Habe ich etwas verpasst? Klappt es denn gar nicht mehr mit dem Schreiben ?
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: Vidora am 18. Oktober 2018, 18:20:31
Liebe Coppelia,

wenn du dich als der Mensch fühlst, der du sein sollst, wenn du in deinen Geschichten steckst, dann ist das doch schon so viel wert! Ich denke, den Zustand von permanenter Glückseligkeit kann man sowieso nicht erreichen, weder auf dem einen noch auf dem anderen Weg. Das Schreiben (oder jede andere Tätigkeit, die man sowohl als Hobby als auch als Beruf ausüben kann) und das Gefühl, das man dabei hat, kann sich sehr verändern, wenn man es hauptberuflich macht. Das, was Maja geschrieben hat, kann ich zum Beispiel sehr gut nachvollziehen auch wenn ich gerade auf der anderen Seite der Brücke stehe.

Ich finde, Teilzeit ist ein großartiges Modell für jemanden, der sich so sehr danach sehnt, dem Schreiben einen größeren beruflichen Stellenwert im Leben einzuräumen. Ich hatte auch eine Weile darüber nachgedacht, aber keine passende Stelle gefunden. Hat es bei dir andere Gründe, warum das nicht geht?
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: Coppelia am 18. Oktober 2018, 18:45:43
Vielen Dank für die netten Worte! Ich kann dazu gerade relativ wenig sagen. Ich finde, dass ihr generell recht habt.
Ich bin auch froh, dass ich trotz allem oft noch merke, wie viel Spaß mir das Schreiben macht. Es gibt halt auch viele Dinge, die zermürben, demotivieren und eben gar nicht glücklich machen. Aber wenn ich schreibe, was ich wirklich mag, bin ich gefühlt "ich". Manchmal fühle ich mich dann erst richtig lebendig.

Teilzeit finde ich generell auch gut, wäre bei mir sogar möglich. Aber dazu müsste ich erstmal eine Perspektive haben, wie das Schreiben wieder einen größeren Stellenwert einnehmen könnte.

Bei mir ist halt Schubladenschreiben angesagt - an sich nichts Schlimmes, aber irgendwie ist Schreiben doch eine Kunst für Publikum, wie Musik oder Schauspielerei.

Der heutige Tag hat mir jedenfalls mal wieder gezeigt, dass ich noch einen weiten Weg vor mir habe.

@Drachenfeder Doch, das Schreiben selbst klappt, aber das Drumherum nicht. ;)
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: Christopher am 18. Oktober 2018, 18:58:15
... und sehr darunter leide, dass es nicht klappt.

Warum leidest du? Die Frage ist nicht so blöd wie sie spontan klingt. Ich meine sie ernst und du solltest für dich eine Antwort darauf finden. Es ist gut und schön, dass du Autorin sein willst, das wollen die meisten hier und daher verstehen wir das. Aber warum leidest du darunter, dass es nicht in dem Maße klappt, wie du es willst?

Nimm Vidoras Antwort:
Sie würde sich freuen, so viel erreicht zu haben wie du. Warum empfindest du nicht so? Vermutlich weil deine Ansprüche an dich selbst höher sind als das, was Vidora von sich verlangt. Das soll sie keineswegs kleinreden. Es sollte eher dich zum Nachdenken bringen. Warum zerstörst du die Momente in denen du glücklich bist (wenn du an den Geschichten arbeitest) mit diesen Forderungen an dich selbst, die dich unglücklich machen? Wenn du die Forderungen die du an dich selbst stellst runterschraubst, sollte nicht mehr bleiben als das Glück, wenn du an deinen Geschichten arbeitest. Der Grund warum du darunter leidest liegt in dir selbst. Das klingt hart, aber nimm es als Chance: Wenn er in dir selbst liegt, liegt es definitiv in deiner Macht, es zu ändern. Die Welt kannst du nicht ändern, aber dich selbst.
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: Akirai am 18. Oktober 2018, 19:35:51
Warum zerstörst du die Momente in denen du glücklich bist (wenn du an den Geschichten arbeitest) mit diesen Forderungen an dich selbst, die dich unglücklich machen? Wenn du die Forderungen die du an dich selbst stellst runterschraubst, sollte nicht mehr bleiben als das Glück, wenn du an deinen Geschichten arbeitest. Der Grund warum du darunter leidest liegt in dir selbst. Das klingt hart, aber nimm es als Chance: Wenn er in dir selbst liegt, liegt es definitiv in deiner Macht, es zu ändern. Die Welt kannst du nicht ändern, aber dich selbst.

Danke.
Diese Aussage lässt sich auf soviele Lebensbereiche übertragen, nicht nur auf das Schreiben, und ich möchte dir einfach danken, dass du diese großartige Lebensweisheit so wunderbar aufgeschrieben hast  :knuddel:
... Darf ich das an meinen Badezimmerspiegel kleben?
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: Zauberfrau am 18. Oktober 2018, 22:21:02
Liebe @Coppelia ,

ach du Arme - Keks rüberreich. Und ich dachte immer, dass ich nur die Zweifel habe.
Ich habe so einen schönen Kalender, der heißt Lebensfreude-Kalender (den gibt es jedes Jahr). Und letzte Woche war da als Leitsatz gestanden: "Schnitz dein Leben aus dem Holz, das du hast. - Auch wenn es krumm ist." Und so seh ich das auch. Schreib deine Romane, so wie du sie für richtig hältst und wie du sie gut findest. Eben aus deinem Holz. Das mach ich zur Zeit auch. Und miss dich nicht an anderen.
Natürlich ist Schreiben was für das Publikum. Aber auch das muss erst mal lernen, was es von dir erwarten kann.

Ich habe das Buch "Ich bin dann mal weg" vom Hape Kerkeling gelesen. Darin schreibt er auch über seine Anfänge: Er war mal auf so einer Newcomerbühne, die Otto für Neueinsteiger ins Leben gerufen hatte. Und Hape stand auf der Bühne und keiner im Publikum hat gelacht. Da ist er nach dem Auftritt ganz niedergeschlagen von der Bühne gegangen und wollte das mit dem Komiker an den Nagel hängen. Und unten stand Otto und meinte, er wolle mit ihm essen gehen. Beim gemeinsamen Essen hat Otto ihm gesagt, dass er nicht aufgeben soll, weil er gut ist. Die Leute haben nicht gelacht, weil sie noch keine Erwartungshaltung bei ihm hatten. Sie kannten ihn einfach noch nicht. Otto hat ihn zum Durchhalten ermuntert. Und es hat funktioniert.

Wenn ich manchmal ganz unten bin, dann denke ich an diese Geschichte von Hape Kerkeling. Vielleicht ist nur noch nicht meine Zeit. Vielleicht muss ich einfach nur durchhalten. Vollzeit-Schriftstellerin kann ich auch nicht sein und brauche meinen Brotjob in Teilzeit nebenher, damit ich überhaupt mit Mann zusammen unser Haus und unsere 4-Kopf-Familie wuppen kann. Ich glaube, es wäre für mich sehr belastend, wenn ich das alles rein mit meiner Schreiberei stemmen müsste. Ich habe ja noch nicht mal was veröffentlicht. Na, vielleicht bald, wer weiß ;)

Ich will dir ganz viel Mut machen  :prost: Du hast mir so toll geholfen und bist so eine Nette. Und für deine gezeichneten Römer würde ich am liebsten auf die Knie sinken. Ich finde das großartig, was du da machst. Du hast so ein großes Herz für die Antike. Das finde ich große Klasse  :jau: Und natürlich bist du jetzt schon Schriftstellerin. Das macht sich doch nicht am Erfolg fest, sondern an dem, was man tut. Wie ich das mitbekommen habe, überarbeitest du gerade ein altes Werk von dir. Hat vielleicht auch das Herausstreichen von schönen Passagen deine Niedergeschlagenheit ausgelöst? Vielleicht warst du auch zu streng zu dir? (Nur so eine Überlegung...)  :knuddel:

So. Und nun einmal aufstehen, ein bisschen schütteln, Kopf hoch und Krönchen drauf  ;D Denk auch an die Erfolge, die du schon erlebt hast, und schüttel die Zweifel ab.
Ich habe in einem Schreibkurs gelernt, dass man bei Zweifeln folgenden Satz 10x schreiben soll:
"Ich bin eine begnadete Schriftstellerin."
Achso, ja: Und dann soll man noch einen Brüllbrief an seine Selbstzweifel schreiben. Einmal schriftlich auskotzen und den Selbstzweifeln die Zunge rausstrecken. Soll helfen  :versteck:

Ganz liebe Knuddelgrüße  :knuddel: von der
Zauberfrau
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: Coppelia am 19. Oktober 2018, 07:36:10
Danke für all die netten Hinweise und Worte. Das tut mir richtig gut, dass ich auch nicht deswegen verurteilt werde oder darauf hingewiesen werde, dass die Lösung doch so einfach ist: Schreib halt nicht mehr, veröffentliche schon gar nicht (wie es mir sonst in meiner Umgebung oft passiert).

Klar, ich bin schon froh, dass ich nicht hauptberuflich schreibe - einerseits.

Überarbeiten macht mir an sich Spaß, aber halt nur, wenn ich das Gefühl habe, zu wissen, was ich tue, und warum, mit welchem Ziel ich es tue. Den alten Roman zu überarbeiten, war eher eine positive Erfahrung, weil ich das Gefühl hatte, dass der Text besser wird.

Bei mir schwankt es immer relativ stark: Je mehr ich mich in ein Projekt "verguckt" habe, desto schlimmer finde ich es, wenn es wieder nichts wird. Dann denke ich auch, dass ich meine Freizeit schlecht genutzt habe. Ein großer Teil meiner Freizeit fließt ja ins Schreiben. Andererseits wüsste ich auch nur schwer, wie ich sie besser nutze. :P
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: Trippelschritt am 19. Oktober 2018, 09:44:07
Liebe alle und besonders Coppelia und Maja,

machte es euch doch nicht so schwer. Wenn man den Traum hat zu schreiben, dann schreibt. Und wenn ihr schreibt, seid ihr in jedem Fall schon mal ein Autor. Ob es auch mit dem Schriftsteller klappt, hängt von so vielen Dingen ab, die mir dem Schreiben selbst erst einmal nichts zu tun haben und auch nur schwer zu beeinflussen sind, dass man dadurch seinen Traum nichr gefährden sollte.

Aber was für den Traum wichtig ist - wichtiger für den Traum als für den Beruf Schriftsteller - ist das feste Ziel, gut zu schreiben, sehr gut zu schreiben, exzellent zu schreiben. Das Ziel ist der Himmel. Ob man ihn erreicht ist dabei Nebensache. Hauptsache man vergisst die Richtung nicht. Und wenn man dann sieht, dass jedes Zehnerpack von Kurzgeschichten besser ist als das vorgehende Zehnerpack oder jeder roman reifer als der vorangegangene, dann hat man das gefunden, was den Traum vom Schreiben befeuert. Und das Schöne ist: für ein besser schreiben gibt es keine Grenze, aber unendlich viel, das man ausprobieren kann. Nur eines ist wichtig. Man sollte sich bemühen, seine Projekte zu einem Ende zu führen und nicht vorher resignieren.

Der Traum vom Schreiben braucht eine andere Nahrung als der Traum vom Veröffentlichen, Und hier gibt es genug Leute, die euren Traum teilen und für alles Verständnis haben.

Ich wünsche euch allen ganz viel Erfolg und Durchhaltevermögen und Ideen und und und ...
Und der Zweifel gehört dazu!

Euer Trippelschritt
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: Zauberfrau am 19. Oktober 2018, 11:38:00
Schreib halt nicht mehr, veröffentliche schon gar nicht (wie es mir sonst in meiner Umgebung oft passiert).

Das war nicht zufällig meine Mutter, die das gesagt hat?  :hmmm:

Vor ein paar Monaten hatte ich auch so einen Durchhänger: Ich schreib nie wieder was, alles ist doof, mag sowieso keiner lesen. Meine ganzen Hoffnungsposter habe ich abgerissen und in kleine Fetzen zerlegt. Hat niemanden gejuckt. Als ich meiner Ma gesagt habe, dass  ich nicht mehr schreiben will, kam von ihr nur: "Na, endlich wirst du vernünftig." Das tut echt weh.
Aber mit lieben Freundinnen an der Seite und auch ein paar mutmachenden Testleserinnen, bin ich wieder ins Fahrwasser gekommen. Hat mir aber gezeigt, wie wenig Unterstützung man in der eigenen Familie hat. Auch wenn mein Mann sagt, dass ihm meine Texte gefallen: Es macht ihm auch nichts aus, wenn ich das Schreiben sein lasse. Hat sich auch noch keiner beschwert, dass meine Poster immer noch fehlen.

Aber ICH bin nur ein halber Mensch, wenn ich nicht schreib. ICH fühle mich leer und kaputt ohne die Reisen in meine Geschichten. ICH brauch einfach meine Protas an meiner Seite. So. Und da bin ich einfach ein bisschen egoistisch geworden und hab mich wieder drangesetzt. Und den ersten Roman im Entwurf beendet. Dafür hat sogar mein Mann einen Secco kaltgestellt  :wolke: Ich habe zwar immer noch riesige Zweifel, aber vielleicht schaffe ich es ja doch, das Buch irgendwann in den Händen halten zu dürfen  :flausch:

Liebe Grüße von der
Zauberfrau
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: Zauberfrau am 19. Oktober 2018, 11:39:46

Ich wünsche euch allen ganz viel Erfolg und Durchhaltevermögen und Ideen und und und ...
Und der Zweifel gehört dazu!


Vielen Dank, deine Worte machen echt Mut. Anders geht es auch nicht. Mut und Durchhaltevermögen. Und vor allen Dingen viel Kraft...  :prost:

Liebe Grüße von der
Zauberfrau
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: Zitkala am 19. Oktober 2018, 16:26:44
Aber was für den Traum wichtig ist - wichtiger für den Traum als für den Beruf Schriftsteller - ist das feste Ziel, gut zu schreiben, sehr gut zu schreiben, exzellent zu schreiben. Das Ziel ist der Himmel. Ob man ihn erreicht ist dabei Nebensache. Hauptsache man vergisst die Richtung nicht. Und wenn man dann sieht, dass jedes Zehnerpack von Kurzgeschichten besser ist als das vorgehende Zehnerpack oder jeder roman reifer als der vorangegangene, dann hat man das gefunden, was den Traum vom Schreiben befeuert. Und das Schöne ist: für ein besser schreiben gibt es keine Grenze, aber unendlich viel, das man ausprobieren kann. Nur eines ist wichtig. Man sollte sich bemühen, seine Projekte zu einem Ende zu führen und nicht vorher resignieren.

Oh. Ja. Also. :hmmm: All die Theorie, die ich durchgeackert habe, und keiner kam mal auf die Idee, das so zu formulieren. Jetzt brauche ich mich auch nicht mehr wundern, warum mir seit einer Weile Malen besser gefällt als Schreiben. (Gut, ich male auch länger als dass ich schreibe und denke überhaupt nicht darüber nach, das nicht mehr zu tun, weil es mir auch sehr natürlich vorkommt.) So, ich druck mir das jetzt aus und hängs mir vor die Nase. :lehrer:
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: Christopher am 19. Oktober 2018, 16:39:08
... Darf ich das an meinen Badezimmerspiegel kleben?

Klar. Warum nicht ;D
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: Coppelia am 20. Oktober 2018, 15:08:55
Ich möchte mich auch ganz herzlich für die ermutigenden Worte bedanken. Das mit dem "besser schreiben" als Ziel finde ich auch sehr wichtig. :) Da gibt es tatsächlich immer die Möglichkeit, noch mehr zu erreichen. Das ist sicher auch einer der Gründe, wieso ich Schreiben so spannend finde. Man kann sich immer wieder neue Herausforderungen suchen, falls man das Gefühl hat, etwas schon "erreicht" zu haben. :)
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: Drachenfeder am 20. Oktober 2018, 22:15:59
Durch eine lange Schreibauszeit hat sich meine Einstellung zum Schreiben total geändert. Vor meinen Kindern hatte ich diesen riesigen Wunsch: "Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!" und ich habe daran gearbeitet. Angefangen mit kleinen Veröffentlichungen wie Kurzgeschichten, hin zur Novelle und dann endlich der Roman im Kleinverlag. Doch das hat mir nicht gereicht, ich wollte weiter dran arbeiten, aber dann kamen die Daune und dann der Flaum, die mir alle Zeit und vor allem aber die Energie raubten. Erst habe ich mich damit abgefunden und gesagt, das wird schon wieder, ich wollte Mama werden. So ist das nun mal. Nur irgendwie schafften alle um mich herum, ebenso mit Kindern, weiterhin zu schreiben und noch erfolgreich damit zu sein. Ich aber hörte auf zu schreiben. Doch dann kam diese fürchterliche Sehnsucht. Ich habe gemerkt wie mir das Schreiben fehlt. Es ist ein Teil von mir. Aber mir wurde bewusst, dass ich das niemals so schaffen werde, wie ich es mir erträumt habe. Auch wenn ich wieder mehr Zeit finden sollte, bin ich keine Schnellschreiberin. Ich bin zum Beispiel das Gegenteil von unserer Kuddel. Brauche viel Zeit. Alleine schon, um meine immer wiederkehrenden Tiefs zu überstehen, in denen ich nicht schreiben kann. Irgendwann gab ich auf. Ich wollte die Federspuren löschen und mich komplett dem Schreiben abwenden. Wozu an einem Traum festhalten, den ich niemals verwirklichen kann? Mit dem Aufgeben verlor ich meine Welt. Mein privates Wunderland. Ich fühlte mich fremd und nicht mehr zugehörig. Das tat weh. Nach einer ganzen Weile mit vielen Gesprächen und vor allem mit vielen Achterbahngedankenfahrten wurde mir wieder bewusst:
Zitat
Schreiben ist "fast" wie Atmen, man sollte damit niemals aufhören, wenn der Quell erst mal aus eigenem Brunnen fließt. © Cornelia Gutzeit
Ich war total unausgeglichen, ständig traurig und motivationslos. So konnte das nicht weitergehen. Ich zwang mich also zu schreiben. Nutzte endlich mal freie Minuten aus und nicht für Haushalt und ähnliches, sondern ich setze ich an den Laptop und schrieb. Ich schrieb mir sozusagen alles von der Seele. Seit ich das mache geht es mir viel besser. Ich habe nun verstanden, dass es das Schreiben ist, das ich brauche und keine Verkaufszahlen, keinen Erfolg und vor allem niemanden hinter dem ich mich verstecken muss. Ich bin eine kleine Autorin. Mich kennen nicht viele. Aber ich kann schreiben und ich liebe es! Es ist mein Leben.
Ich will Schriftsteller sein und ich bin es. Jetzt!


Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: FeeamPC am 21. Oktober 2018, 00:10:57
Etwas zu schreiben, eine fertige Geschichte vor sich zu sehen, das macht es aus, Schriftsteller, Autor zu sein. Veröffentlichen ist ein ganz anderes Standbein.  Leute, ihr könnt schreiben! Ihr habt Fantasie! Ihr habt Ausdauer! Ihr habt Freunde und Unterstützer!
Will das wirklich irgend jemand einfach so völlig aufgeben? Jeder große Erfolg fing mit einem Traum an. Oder einem Tagtraum. Aber jedenfalls mit Fantasie. Eurer doch auch. Und ob etwas am Ende Erfolg oder Misserfolg ist, ist reichlich Definitionssache. Eines solltet ihr auch bedenken. Am Ende eures Lebens werden es nicht die Fehlschläge sein, die euch am meisten leidtun, sondern das, was ihr nicht gemacht habt, obwohl ihr es hättet machen können.
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: Angela am 21. Oktober 2018, 09:51:10
Zitat
Am Ende eures Lebens werden es nicht die Fehlschläge sein, die euch am meisten leidtun, sondern das, was ihr nicht gemacht habt, obwohl ihr es hättet machen können.
Zitat
Etwas zu schreiben, eine fertige Geschichte vor sich zu sehen, das macht es aus, Schriftsteller, Autor zu sein.
Ja, genau so ist es.
War van Gogh kein Maler, weil kein Mensch seine Bilder wollte?
Wie ist es mit den heute weltberühmten Komponisten, deren Stücke teilweise zu ihren Lebzeiten nie gespielt worden sind?
Den Erfinderinnen/Entwicklerinnen, deren Produkte heute jeder kennt und nutzt und bei denen jetzt erst nach und nach rauskommt, dass sie von ihnen stammen. Waren sie deshalb nicht genial?
Jeder, der etwas ernsthaft schreibt und zu Ende bringt (ja, das seh ich auch so), ist ein Schriftsteller/Autor/was auch immer. Ob man damit 'Erfolg hat', ist eine ganz andere Sache. Was heute gut ist, kennt morgen vielleicht/vermutlich kein Mensch mehr.



Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: chaosqueen am 21. Oktober 2018, 12:27:30
Da es mir sehr ähnlich ging wie @Drachenfeder (nur ohne die Kinder) und ich mich damit angefunden hatte, nie wieder zu schreiben, weil ich das Gefühl hatte, einfach nichts zu sagen zu haben, und nun plötzlich die Plotbunnies bei mir Schlange stehen, sage ich mal ganz laut DANKE an Federchen und Fee für das, was ihr hier schreibt.
Ich war acht, als ich Schriftstellerin werden wollte. Und neben allen anderen Berufswünschen habe ich diesen eigentlich nie aufgegeben - bis vor ein paar Jahren. Aber Schreiben ist wirklich wie Atmen: Ganz ohne geht es nicht.

Schauen wir mal, wohin es uns bringt. :)
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: Lana am 25. Oktober 2018, 09:22:48
Hallo ihr Lieben Träumer,

das was hier beschrieben wird, kenne ich auch sehr gut. Ich bin genauso am träumen und vorstelle, wie es sein würde, wenn...
Und dann habe ich da diese eine Schriftstellerin im Internet gefunden, die aus nichts innerhalb eines Jahres berühmt wurde und vom Schreiben lebt. Alle Texte die ich von ihr lesen konnte, Tipps und Tricks, habe ich verschlungen um es ihr nach zu machen und habe dadurch meinen Eigenen Weg entwickelt. Und an dem halte ich fest.

Mein Neid verblasst, meine Träume kommen näher und die Neugier und Angst steigen, ob ich das auch alles tatsächlich so hin bekomme. Immer wieder muss ich mich daran erinnern, dass ich das haben möchte, dass ich diesen Traum leben möchte und dann setz ich mich wieder dran und ziehe es durch.

Und irgendwann wird auch mein Name auf einem Buch stehen... mehreren... ganz vielen..
 ;D

Wir bleiben Positiv und arbeiten daran.
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: Feuertraum am 28. April 2020, 21:16:20
Achtung: Eher mit einem Augenzwinkern gemeint ...

Ich habe beim Surfen eine Seite entdeckt, auf der angegeben wird, wie viel Dollar so mancher Star aus Film, Musik und Sport auf seinem Konto verzeichnen kann.
Doch nicht nur aus diesen Branchen - auch wird der Autor James Patterson erwähnt - mit einem geschätzten Vermögen von 400 Millionen Dollar.
Also, das könnte schon eine Motivation sein ... ;) ;D
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: Trippelschritt am 29. April 2020, 10:14:29
Es ist nie so ganz einfach, 400 Millionen Dollar anzuhäufen, aber der Weg über den Schriftsteller ist mit Sicherheit einer von den chancenärmsten. Patterson hat, wenn ich richtig unterrichtet bin, ein paar Thriller geschrieben, die sich gut verkauft haben. Und dann kam er auf eine richtig gute Idee. Er kannte seinen Standardbauplan und machte eine Schreibfabrik auf. Mit dem Namen und dem ständigen Output, wo für das Marketing ein Buch das nächste trägt, kam der Erfolg quasi von selbst. Das Beispiel zeigt nur, dass Patterson ein exzellenter Geschäftsmann ist, der vor auch mal geschriftstellert hat.

Er hat übrigens auch durch seine Vorläufer. Alexander Duma hat auch nicht alles geschrieben, wo Dumas draufsteht. :)

In diesem Sinne
Trippelschritt
(noch deutlich unter 400 Millionen)
Titel: Re: Ich will Schriftsteller sein! Jetzt!
Beitrag von: Feuertraum am 29. April 2020, 14:23:18
Es ist nie so ganz einfach, 400 Millionen Dollar anzuhäufen, aber der Weg über den Schriftsteller ist mit Sicherheit einer von den chancenärmsten.

Das ist zweifelsohne richtig. Darum schrieb ich den Satz mit dem Augenzwinkern. Das Patterson die 400 Millionen angehäuft hat, hat sicherlich auch mit den Filmrechten zu tun, die er verkauft hat (und bei denen ich mir vorstellen kann, dass er sich am Umsatz hat beteiligen lassen. Ist aber nur eine Vermutung).

Zitat
Patterson hat, wenn ich richtig unterrichtet bin, ein paar Thriller geschrieben, die sich gut verkauft haben. Und dann kam er auf eine richtig gute Idee. Er kannte seinen Standardbauplan und machte eine Schreibfabrik auf. Mit dem Namen und dem ständigen Output, wo für das Marketing ein Buch das nächste trägt, kam der Erfolg quasi von selbst. Das Beispiel zeigt nur, dass Patterson ein exzellenter Geschäftsmann ist, der vor auch mal geschriftstellert hat.

Wobei es auch einige andere Künstler gibt, die sich anderen Geschäftsfeldern nicht verschlossen hielten. Manche Schauspieler brachten eine Kosmetikreihe raus, manche Sänger eine Textilkollektion. Und nicht zu vergessen eine gewisse Restaurantkette, die ebenfalls von SChauspielern gegründet wurde.

Zitat
Er hat übrigens auch durch seine Vorläufer. Alexander Duma hat auch nicht alles geschrieben, wo Dumas draufsteht. :)

Das ist richtig, aber ich muss jetzt ganz dumm nachfragen, welcher? Der Ältere der der Jüngere von beiden?
Es gibt übrigens einige Menschen, die behaupten, dass Shakespeare auch nur ein Sammelpseudonym ist. Wenn dies zutreffen sollte, hatte auch Dumas das "den guten Namen geben" nicht erfunden ... ;)