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Autor Thema: Ich-Perspektive im Jugendbuch  (Gelesen 1623 mal)

Offline Theophilus

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Ich-Perspektive im Jugendbuch
« am: 23. August 2019, 10:39:46 »
Ich hätte einmal eine Frage an die Autorschaft bzgl. der Perspektive.
So habe ich überlegt, den Hauptprotagonisten aus der Ich-Perspektive erscheinen zu lassen, sprich, dass die Geschichte aus seiner Perspektive erzählt wird.
Meine Frage geht dahin, ob es opportun ist, diese Perspektive für ein Jugendbuch zu wählen bzw. inwieweit ein solches Buch einer/einem von Euch schon über den Weg gelaufen ist.
Wie seht Ihr das, würdet Ihr die Ich-Perspektive wählen? Ich empfinde es jedenfalls als ein Wagnis, das ich gerne mal eingehen möchte.

Für Eure Hilfen im Voraus schon mal herzlichen Dank.
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Offline Araluen

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Re: Ich-Perspektive im Jugendbuch
« Antwort #1 am: 23. August 2019, 10:55:55 »
Ich wüsste nicht, was dagegen spricht. Ich-Perspektive in Jugendbüchern ist meines Wissens sehr populär.
Bekannte Bücher und Reihen, die mir spontan einfallen:
Die Biss-Reihe von Stephanie Meyer
Percy Jackson von Rick Riordan
Die Edelstein-Reihe von Kerstin Gier
Die Panem Reihe von Suzanne Collins

Das lässt sich sicher noch beliebig weit fortführen. Also versuch es ruhig.

Offline moonjunkie

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Re: Ich-Perspektive im Jugendbuch
« Antwort #2 am: 23. August 2019, 10:56:23 »
Das geht auf jeden Fall und ich habe auch schon mehrere Jugendbücher in Ich-Perspektive gesehen und gelesen. Wenn du daran Spaß hast, mach das auf jeden Fall.

Offline Angela

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Re: Ich-Perspektive im Jugendbuch
« Antwort #3 am: 23. August 2019, 11:01:54 »
Im Jugendbuch wird die Ich-Perspektive durchaus häufiger gewählt. Wenn du mit einem Prota hinkommst, probiere es doch mal aus. Ich mache das häufig in KGs.

Offline Theophilus

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Re: Ich-Perspektive im Jugendbuch
« Antwort #4 am: 23. August 2019, 15:06:20 »
Danke für die schnellen Antworten.
Dann werde ich das auf jeden Fall jetzt mal weiterverfolgen. Ich merke nur, dass es nicht einfach ist, sauber aus dieser Perspektive zu schreiben.
Ich habe gerade mal in Percy Jackson reingelesen :buch:, wofür gibt es sonst Amazon  ;), und ich denke, dass dieser Stil Jugendliche sehr gut in die Geschichte hineinziehen kann.
Die anderen Protagonisten sind wieder wie bei meinem anderen Projekt drei meiner Schüler/innen. Ich werde es jedenfalls mit ihnen abstimmen.
Ich kann ja mal im Laufe des Schreibens hier einige kleine Auszüge hineinstellen. Vielleicht kommt ja dann die ein oder andere Bemerkung, die mir weiterhelfen könnte. :jau:
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Offline Angela

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Re: Ich-Perspektive im Jugendbuch
« Antwort #5 am: 23. August 2019, 17:14:20 »
Zitat
Ich kann ja mal im Laufe des Schreibens hier einige kleine Auszüge hineinstellen. Vielleicht kommt ja dann die ein oder andere Bemerkung, die mir weiterhelfen könnte.
Texte darfst du hier nicht posten, aber nach einer Weile wirst du für das Betaleseboard freigeschaltet und kannst da Testleser suchen.

Offline Trippelschritt

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Re: Ich-Perspektive im Jugendbuch
« Antwort #6 am: 23. August 2019, 19:29:03 »
Das einzige Wagnis, das ich bei der Ich-Perspektive sehe, ist, ob der Autor in der Lage ist, diese Perspektive zu beherrschen. Sie ist zwar nicht schwieriger zu schreiben als jede andere Perspektive, aber sie ist beschränkter und ist durch eine extrem große Nähe zur Figur gekennzeichnet. Der Autor muss also in der Lage sein, diese Nähe zu ertragen, was vielleicht nicht immer einfach ist.
Der Nachteil einer Ich-Perspektive ist, dass der Plot sehr stark auf den Hauptstrang bezogen ist. Ganz unterschiedliche Fäden lassen sich nicht verflechten, weil die anderen Perspektiven nicht zur Verfügung stehen.
Man kann aber auch im Sonderfall, neben der Ich-Perspektive auch noch andere Perspektiven einführen, wenn man das kann. Lange Zeit galt das als handwerklicher Fehler, bis dann die erstenv Autoren kamen und es einfach machten.

Viel Erfolg dabei und
hab' Mut

Trippelschritt
Schreiben ist nichts anderes als seine Ideen zu Tisch zu bitten

Offline Theophilus

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Re: Ich-Perspektive im Jugendbuch
« Antwort #7 am: 24. August 2019, 02:27:42 »
Danke für die tollen Hinweise und Hilfen.
@Trippelschritt, danke für die Tipps darüber, welche Schwierigkeiten auftreten können, wenn ich die Ich-Perspektive wähle. Ich habe schon bei den ersten Absätzen gemerkt, dass es nicht einfach ist, in der Perspektive zu bleiben und nicht in die Rolle des allwissenden Erzählers zu verfallen. Aber wie heißt es so schön, Übung macht den Meister.
@Angela, danke für den Hinweis zu den Postings. Das hatte ich ursprünglich mal irgendwo gelesen, aber dann wieder verdrängt. Nur, wie lange wird es dauern, bis man freigeschaltet wird?

Jetzt bin ich erst einmal gespannt, wie sich die Geschichte entwickelt. Vielleicht komme ich im Laufe des Schreibens zur Überzeugung, dass die Perspektive des Erzählers doch die bessere ist. Ein Versuch ist es jedenfalls wert.
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Offline Theophilus

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Re: Ich-Perspektive im Jugendbuch
« Antwort #8 am: 01. September 2019, 23:28:11 »
Ich habe jetzt mal die ersten Seiten ungeschrieben und muss sagen, dass es gut läuft. Ich habe auch eine Testleserin, die meint, dass die Inhalte so besser rüberkommen, sprich, sie ist davon angetan.
Ich werde das Projekt jedenfalls so weiterführen, da es zudem Spaß macht, über den Ich-Protagonisten sich in gewisser Weise selbst am Geschehen teilnehmen zu lassen.
Denn ich habe den Eindruck, dass auch darin der Reiz der Ich-Perspektive liegt bzw. liegen kann.
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Offline Tigerhai

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Re: Ich-Perspektive im Jugendbuch
« Antwort #9 am: 23. Januar 2020, 18:32:15 »
Ich persönlich finde eigentlich die Ich-Perspektive am besten, ich schreibe sie und lese normalerweise (außer mich haut ein Buch so richtig um) nur Bücher, die in der Ich-Form geschrieben sind. Ich lese außerdem generell nur Jugendbücher, aber ich bin ja auch erst in der Mittelstufe. ;)
Was war zu erst da der Phönix oder die Asche?

Offline Oneira

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Re: Ich-Perspektive im Jugendbuch
« Antwort #10 am: 23. Januar 2020, 18:39:19 »
Ich habe kürzlich mal ein interessantes Projekt begonnen: Ich schreibe ein Fantasybuch aus der Sicht von zwei Schwestern, die abwechselnd aus "Ich-Perspektive" erzählen. Ich mag diese Perspektive eigentlich nicht so sehr, aber hier war es sogar notwendig, denn es geht in diesem Buch im Grunde über deren verschiedene Charaktere und sogar darum, dass sie beide die Namen tauschen, dass es aber niemand merken darf. Diesen "Kampf gegen sich selber", den dann jede der Schwestern führt, kann ich einfach nicht aus etwas anderem als Ich-Perspektive schreiben. Und ich muss sagen, es macht direkt Spaß, immer wirklich gezielt in eines der Mädels zu schlüpfen und dessen Charakterzüge dann für das Kapitel zu schreiben.

Allgemein lese ich weder gerne Ich-Perspektive, noch schreibe ich sie gerne, aber bei solchen Charakter-Psycho-Sachen muss es einfach sein und macht sogar Spaß zu schreiben. Dafür kann ich es also auf jeden Fall empfehlen!
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Offline Grey

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Re: Ich-Perspektive im Jugendbuch
« Antwort #11 am: 23. Januar 2020, 19:39:50 »
Ich schreibe Jugendbücher eigentlich ausschließlich aus der dritten Person und komme mir damit inzwischen fast exotisch vor, weil die Ich-Perspektive mittlerweile extrem populär ist. Tatsächlich ist es auch gar nicht mehr so unüblich, sogar mehrere Ich-Erzähler zu haben. Immerhin hat man so noch die Möglichkeit, auch verschiedene Schauplätze zu bedienen, wenn der Plot aus Sicht des einen Helden gerade zu langweilig ist. Mein liebstes Negativbeispiel dafür ist der dritte Teil der Panem Reihe, wenn Katniss seitenlang auf der Krankenstation liegt, während die Action eigentlich anderswo stattfindet. ::)
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Offline Oneira

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Re: Ich-Perspektive im Jugendbuch
« Antwort #12 am: 04. Februar 2020, 09:44:52 »
Ich finde die 3. Person als Erzähler allgemein einfach vielfältiger. Beim Ich muss man sich immer auf die eingeschränkte Sichtweise der einen Person beschränken, das nervt mich manchmal, weil ich mich als Autor, der ja alles im Blick hat, dann trotzdem auf diese eine Sichtweise beschränken muss. Wie gesagt, das kann auch sinnvoll sein, aber ich bin auf jeden Fall ein Fan des Allwissenden Erzählers.
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Offline Churke

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Re: Ich-Perspektive im Jugendbuch
« Antwort #13 am: 04. Februar 2020, 15:02:54 »
Mein liebstes Negativbeispiel dafür ist der dritte Teil der Panem Reihe, wenn Katniss seitenlang auf der Krankenstation liegt, während die Action eigentlich anderswo stattfindet. ::)

Dann ist es wahrscheinlich schlecht gemacht.   ;)
In einem Kriegstagebuch las ich eine Beschreibung der Marne-Schlacht (?) aus der Perspektive eines... Patienten im Krankenhaus von Cambrai. Kein Wort über die Schlacht, die Kampfhandlungen oder wer gewonnen hat, nur über Verwundete, Sterbende und Ärzte, die trotz 24-Stunden-Schichten nicht alle operieren können.

Wäre es erfunden, wäre es genial.
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Offline Alana

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Re: Ich-Perspektive im Jugendbuch
« Antwort #14 am: 04. Februar 2020, 15:09:35 »
Das Problem an der Ich-Perspektive ist auch, dass viele keine echte Ich-Perspektive schreiben, sondern einen personalen Erzähler in der dritten Person in der ersten Person. (Hatte erst letztens wieder so ein Buch in der Hand.) Wenn das so geschrieben ist, braucht man eigentlich keine Ich-Perspektive zu schreiben, denn der Reiz und der wahre Wert der Ich-Perspektive liegt ja in den Dingen, die man nur dort machen kann und nicht in der 3. Person. Ich empfinde die 3. Person nicht als vielfältiger, sondern in vielen Dingen als sehr einschränkend, aber ich denke, das kommt darauf an, wie man schreibt. Mein Fokus liegt auf Gefühlen und der inneren Entwicklung, dabei aber sehr extrem fokussiert auf Show don´t tell (manchmal zu viel) und da ist die Ich-Perspektive für mich perfekt. Aber eine echte Ich-Perspektive zu schreiben und auch noch im Präsens, so wie ich es meistens mache, erfordert schon Anpassung und Übung und ich erwische mich immer noch oft genug dabei, dass ich Dinge mache, die da eigentlich einfach nicht möglich sind. (Vorausgehende Andeutungen zum Beispiel.) Ein Problem ist die Ich-Perspektive schon lange nicht mehr, gerade im Jugendbuch gibt es sehr viele Bücher, die so geschrieben sind, und im New Adult ist es standard. Aber es gibt doch immer noch viele Leser, die die Ich-Perspektive nicht mögen, daher kann man durchaus auch in der 3. Person schreiben, vor allem dann, wenn man die Vorteile der Ich-Perspektive gar nicht ausnutzt.

»Ich weiß, das kommt jetzt überraschend, aber der Tintenzirkel ist gar kein Ego-Shooter.«
- Malinche

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