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Alles zur Perspektive

Begonnen von Lastalda, 01. Januar 1970, 01:00:00

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zDatze

Ob mich diese Perspektivensprünge als Leser stören, kann ich jetzt nicht beurteilen. Dazu müsste ich es erste lesen.
Ich habe vor kurzem Schätzing "Limit" angelesen und da kommen anfangs auch ein paar solche Sprünge - oder eher Übergänge? - vor. In einer Szene von einer Figur zur nächsten und dort hat es mich nicht gestört, auch wenn ich diese Methode als ungewöhnlich empfunden habe. Das einmal vorweg.

Mir ist letztens auch fast ein Perspektivensprung am Ende eine Szene reingerutscht. Wobei mir der Sprung dann doch zu krass/ungewöhnlich/auffällig war, da ich von einer personalen Erzählerin auf einen Ich-Erzähler gewechselt hätte. Von der Szene her hat es mich echt in den Fingern gejuckt und finde auch, dass es passt. Nur war da eben diese Stimme in meinem Kopf, die meinte: Neee, das kannst du nicht machen.
Aber je mehr ich darüber nachdenke, desto eher neige ich dazu meiner Intuition zu folgen und die Szene so zu schreiben, wie es sich "richtig" anfühlt.

Das ist vielleicht jetzt nicht die Hilfe, die du dir erhoffst, doch: Wenn es sich richtig anfühlt und wenn du glaubst dass durch die striktere Trennung deine Geschichte an Charme verliert, dann würde ich an deiner Stelle auf die Norm pfeifen.

Farean

Zitat von: zDatze am 21. Februar 2011, 11:23:07
Mir ist letztens auch fast ein Perspektivensprung am Ende eine Szene reingerutscht. Wobei mir der Sprung dann doch zu krass/ungewöhnlich/auffällig war, da ich von einer personalen Erzählerin auf einen Ich-Erzähler gewechselt hätte.
Das klingt wirklich krass. :) Du machst mich glatt neugierig. Hast du die Szene irgendwo zum Nachlesen?

KaPunkt

Ein tolles Beispiel zum plötzlichen Perspektivwechsel ist auch Schwerttänzer von Jennifer Roberson.
Das ganze Buch ist aus Ich-Perspektive geschrieben.
Als dieser Erzähler als Sklave in die Mienen kommt und daran zerbricht, wechselt der Erzähler zum Er. Gruselig und richtig gut.

Das nur so nebenbei.

Liebe Grüße,
Kirsten
She is serene
with the grace and gentleness of
the warrior
the spear the harp the book the butterfly
are equal
in her hands.
(Diane di Prima)

Rosentinte

Hallo,
ich bin auch in einer ähnlichen Situation. Ich habe mich dafür entschlossen zwar mehrmals innerhalb eines Kapitels aber nie während wichtigen Szenen die Perspektive zu wechseln. Grund ist, dass das die Dynamik, die eine Szene aufnimmt, oft zerstört, weil der Leser sich wieder neu orientieren muss.
Finde ich persönlich eher verwirrend.
Wenn ich Szenen aus zwei Perspektiven erzählen will, dann "erzählt" die eine immer, was "damals" passiert ist.
Hoffe, ich konnte helfen, Rosentinte
El alma que anda en amor ni cansa ni se cansa.
Eine Seele, in der die Liebe wohnt, ermüdet nie und nimmer. (Übersetzung aus Taizé)

Alia

Bei der Wanderhure habe ich zeitweise auch etwas grübeln müssen, wer jetzt gerade erzählt. (Das Buch gefällt mir aber gut  :vibes:)

Ich habe schreiberisch gerade ein wenig einen toten Punkt und überarbeite deshalb jede Menge. Man, was habe ich früher für ein Durcheinander an Perspektiven geschrieben.  :hmhm?: Allein auf den ersten 100 Seiten habe ich 7 gezählt. Und die auch noch wild durcheinander Mitten in der selben Szene. Ich habe jetzt gnadenlos gekürzt, geändert und bin bei vier Hauptperspektiven gelandet und alle Sprünge in einer Szene sein gelassen. Die 4 Perspektivträger brauche ich allerdings auch, weil sich die Protas nachher trennen und ich von überall einen "Reporter" haben möchte.

Innerhalb einer Szene zu wechseln finde ich (mittlerweile) furchtbar. Meinem Gefühl nach stockt man als Leser jedes mal und muss neu sortieren, wer gerade erzählt. Ich muss aber den Vorschreibern Recht geben: Es gibt zu jeder Regel eine Ausnahme. Und manchmal schreit das Buch an einer Stelle geradezu nach einer solchen. Davon lasse ich jetzt aber erstmal die Finger - wenn ich das andere kann, dann überlege ich vielleicht mal über Ausnahmen.

Silvia

#125
Habe gerade festgestellt, dass Cahterine Fischer (Nebelträumer) auch gern mitten in der Szene mal den Kopf dessen wechselt, der gerade Hauptperspektivträger ist - und es ist mir sowas normal vorgekommen. Also rein gar nicht störend, es passte einfach. Dem entgegengesetzt hat mich Tad Williams ziemlich genervt, als er in Otherland ständig mehr als 10 Perspektiventräger an unterschiedlichsten Orten alle 7 Seiten wechseln ließ.
Da gefällt mir der Wechsel von 2 Leuten innerhalb der gleichen Szene am gleichen Ort weitaus mehr.
Hm. Einer passenden Antwort für mich bin ich immer noch nicht näher.
;D

Churke

Zitat von: Alia am 21. Februar 2011, 15:52:00
Die 4 Perspektivträger brauche ich allerdings auch, weil sich die Protas nachher trennen und ich von überall einen "Reporter" haben möchte.

Also das finde ich jetzt nicht zwingend. Wenn es wirklich nur darum geht, dass du Perspektivträger für *später* brauchst, dann sehe ich keine Notwendigkeit, sie schon vor der Trennung als Perspektivträger zu verwenden.

Olecranon

#127
So lange du die Sprünge in Grenzen hältst, kann das durchaus spannend sein. Kommt eben auf die genaue Szene, die momentane mentale Agilität deines Lesers(ließt er das Buch als Bettlektüre oder aufmerksam am Tag?) und zum größten Teil auf den Geschmack des jeweiligen Lesers an. Mich als Leser würde es denke ich nicht abschrecken - allerdings hat mir sowohl Tad Williams als auch die Wanderhure hervorragend gefallen.
Andererseits hat es durchaus einen Grund warum der "Mainstream" dem "eine-Perspektive-pro-Szene/Kapitel/Buch-Trend" folgt. Es ist in jedem Fall flüssiger zu lesen und es spricht die breite Masse der Leser bei Weitem mehr an als komplexe Gedankenspielereien.

Fazit: Wenn du den Roman verkaufen willst, wirst du dir mit großer Wahrscheinlichkeit mit der 1-Perspektiven-Variante leichter tun. Allerdings muss man dann halt für sich selbst überlegen, ob man sich damit dann selber treu bleibt...

LG Lukas

Sanjani

Hallo Silvia,

ich an deiner Stelle würde es so schreiben, wie es mir richtig erscheint und dann mal ein oder zwei Leute lesen lassen. Ich finde, es kommt oft darauf an, wie man das einflechtet. Es gibt Möglichkeiten das geschickt zu machen, aber leider auch welche, wo das überhaupt nicht gut funktioniert. bei Alfred Bekkers Die Elben ist mir das z. B. in allen drei Bänden negativ aufgefallen, dass er ständig aus einer anderen Perspektive erzählt hat, aber es gibt sicher auch gute Beispiele, wobei mir gerade keins einfällt :innocent:

Ich selber hab bei mir bisher auch eher schlechte Beispiele entdeckt :(

LG und viel Spaß bei deiner Geschichte,

Sanjani
Die einzige blinde Kuh im Tintenzirkel :)

Satoshi

Also ich bin ja auf jeden Fall für Perspektivenwechsel.
Es ist interessant zu sehen wie sich die Subjektive Weltanschauung ändern kann wenn man nur einen Meter weiter rechts steht, und ich arbeite eigentlich sehr gerne mit Perspektivenwechseln, das gibt einen die Möglichkeit Szenen ganz anders aussehen zu lassen.
(Beispiel was ich demnächst auch zu Papier bringen will: wahnsinniges Mädchen. Aus ihrer Sicht einfach hungrig und verzweifelt, aus der Sicht von ihren Mitgefangenen, ein kicherndes, geisteskrankes, sabbernes Kind mit einem verdammt grossen Messer in der Hand)
Das einzige was gefährlich ist, sind Wechsel in Perpektiven von plötzlich vorkommenden, unbekannten Personen, die nach zwei Seiten wieder verschwinden, weil man sich einfach unötig viele Namen und Ansichten merken muss.

Atischara

Ich habe das nicht publiziert und deshalb keine Ahnung, ob und in welchem Maße es durchgehen würde, aber ich mache das ständig: Wenn ich einen Dialog zwischen zwei wichtigen Figuren habe, dann springe ich immer mal auf die eine und die andere Seite, und ich finde es auch blödsinnig, diese erstklassige Gestaltungsmöglichkeit von vornherein zu disqualifizieren.

Es ist richtig, daß es Tempo aus der Szene nimmt, und ich weiß auch nicht, ob ich das überall so lassen werde, aber da ich sowieso ständig in den Köpfen meiner Figuren herumhänge, wird das Tempo auch reduziert, wenn ich nur eine Perspektive verwende (auch da werde ich bei der Überarbeitung entscheiden, wieviel davon am Ende übrig bleiben darf).

Wie gesagt, ich bin mir noch nicht sicher über das Ausmaß, in dem ich das in der Überarbeitung beibehalten werde, und ich habe auch Szenen aus nur einer Perspektive, aber die richtig interessanten Dialogszenen haben in der Regel zwei Perspektiven. Natürlich hat das auch Methode: Ich habe diese Technik schon vor ein paar Jahren an historischem Material entwickelt, und zwar unabsichtlich. Dabei ist mir klar geworden, daß diese Technik meinem Anliegen entspricht, immer mehrere Perspektiven auf ein und dieselbe Situation aufzuzeigen, und zwar so, daß erkennbar wird, daß alle Perspektiven in sich betrachtet berechtigt und plausibel sind. Ich denke, das ist ein guter Maßstab, um dann später zu entscheiden, wo das Springen wirklich sinnvoll ist und wo nicht. Ehrlich gesagt, glaube ich nicht, daß es beim Lesen stört, wenn klar ist, in wessen Kopf man sich gerade befindet. Aber ich muß zugeben, daß ich bewußt noch kein Buch gelesen habe, in dem das so gemacht wird. Werde mir also eure Beispiele mal anschauen, um einen Eindruck davon zu bekommen, wie das für den Leser ist.

Perspektivenwechsel in einer Szene hat übrigens noch einen bestechenden Vorteil, der mir kürzlich aufgefallen ist, als ich mit den Perspektiven in einer Szene Probleme hatte: Man kann beide Dialogpartner in einer Szene beschreiben. Das erspart vor allem am Anfang der Geschichte viel Aufwand und die üblichen blöden Verrenkungen im Stile von "Er betrachtete sein Spiegelbild im Wasser: die blonden Haare waren verfilzt und..." oder, noch schlimmer, Feststellungen im Stile von: "Sie war groß für ihr Alter, und trotz der wilden braunen Locken und der strahlend grünen Augen konnte man sie nicht wirklich als hübsch bezeichnen...".  :wums:

Solche Passagen gibt es sogar in den Büchern von wirklich guten und erfolgreichen Schriftstellern (wenn auch eher als Ausnahme denn als Regel), und ich finde sie mehr als unelegant. Aber wenn sich eine Figur mit einer anderen unterhält, die ihr aus irgendeinem Grund wichtig ist und die sie vielleicht schon längere Zeit nicht gesehen hat, dann kann man nachvollziehen, daß ihr bestimmte Äußerlichkeiten auffallen, finde ich. Oder wenn sich eine Figur Sorgen um die andere macht, dann schaut sie viel genauer hin, wie ihr Mienenspiel aussieht. Und noch schöner finde ich es, wenn die Figuren ein gespanntes Verhältnis zueinander haben, sich aber gut kennen und womöglich im Grunde mögen. Dann sagen sie eine Sache und schaffen es vielleicht, ihren Tonfall zu beherrschen, aber die andere Figur sieht ganz andere Dinge im Mienenspiel oder der Körperhaltung oder dem, was das Gegenüber mit den Händen anstellt. Und wenn man das hin und her bewegt, weiß der Leser hinterher über beide mehr, aber über keinen alles. Ich weiß nicht, ob so abstrakt klar wird, was ich meine, aber ich finde grundsätzlich, daß Perspektivenwechsel innerhalb der Szene ein wirkungsvolles Instrument sein kann und sehe nicht ein, warum man sich das grundsätzlich verbieten sollte.

Bastian

Hm  :)

Da hast du mir aber jetzt was zum Grübeln gegeben Atischara  ;D

Lavendel

Zitat von: Atischara am 13. März 2011, 21:47:53
Ich habe das nicht publiziert und deshalb keine Ahnung, ob und in welchem Maße es durchgehen würde, aber ich mache das ständig: Wenn ich einen Dialog zwischen zwei wichtigen Figuren habe, dann springe ich immer mal auf die eine und die andere Seite, und ich finde es auch blödsinnig, diese erstklassige Gestaltungsmöglichkeit von vornherein zu disqualifizieren.

Es gibt sicherlich Szenen, in denen man einen Perspektivwechsel innerhalb einer Szene rechtfertigen kann, in denen er sogar einen beeindruckenden Effekt erzielen kann. Passiert er aber ständig, wird der Text nicht nur zäh, sondern auch unübersichtlich. Zunächst sollte man als Autor einmal seine eigene Perspektive verschieben. Du als Autor hast keine Schwierigkeiten, trotz Perspektivenwechsel den Überblick über deine Figuren zu behalten. Für einen Leser sieht das vielleicht schon ganz anders aus.

Wenn man sich ernsthaft in die Position des Lesers versetzt, dann sprechen einige Punkte durchaus dagegen, die Perspektive innerhalb einer Szene zu wechseln. Dazu sollte man vielleicht erstmal einen Blick darauf werfen, was perspektivisches Schreiben eigentlich bedeutet. Es ermöglicht uns, 'durch die Augen eines anderen' zu sehen. Wir erfahren, was die Figur erlebt, was sie sieht, fühlt, riecht, schmeckt, was sie denkt und was sie emotional bewegt. In dieser Hinsicht versetzt uns das perspektivische Erzählen als Leser in eine ganz besondere Position, denn in der Realität können wir uns in keinen Menschen so detailliert und intensiv hineinversetzen, wie in eine Romanfigur, die ihr ganzes Selbst mit uns teilt (wobei eine Romanfigur nicht die Komplexität eines realen Menschen wiederspiegelt, aber das ist ein anderes Thema). Dann ist es aber unerlässlich bei der Figur zu bleiben. Das bedeutet nicht, dass nicht über den Roman hinweg verschiedene Perspektiven beleuchtet werden könnten, aber wenn man innerhalb einer Szene zwischen zwei oder mehr Positionen hin und her springt, dann gibt man den einen großen Vorteil auf, den das perspektivische Schreiben nunmal hat, nämlich die Nähe. Als Leser wird es schwierig, sich auf die Figuren einzulassen und sie zu verstehen, wenn man sie nicht eine gewisse Zeit lang begleiten darf.

Es kann zu Verwirrung führen, wenn nicht 100prozentig klar ist, welche Figur nun was gedacht oder gefühlt hat. Das passiert nur allzu leicht, wenn die Bezüge im Text und die Sytax nicht absolut unmissverständlich sind, was eine schwierige Angelegenheit sein dürfte. Man muss sich nur mal vorstellen, man hätte einen Dialog zwischen zwei Damen. Ein Personalpronomen, das sich auf beide Figuren beziehen kann - da ist das Chaos fast vorprogrammiert.

Es geht beim Schreiben ja auch nicht unbedingt darum, alles sofort zu erzählen. Dinge anzudeuten und später aufzuklären, baut ja auch Spannung auf. Die Perspektive Szenenweise zu wechseln ist sowieso legitim und entspricht den Leseerwartungen. Man hat also trotzdem genug Spielraum unterschiedliche Sichtweisen auf die Dinge darzustellen.

Atischara

@ Lavendel: Selbstverständlich gibt es Gründe, Perspektivenwechsel in einer Szene zu vermeiden. Für jede erprobte Regel gibt es sinnvolle Gründe.  ;)
Ich habe auch deutlich gesagt, daß ich bei der Überarbeitung noch einmal gründlich prüfen muß, an welchen Stellen der Wechsel wirklich etwas bringt und funktioniert und an welchen er eher Probleme erzeugt. Dazu gehört natürlich auch, einmal verschiedene Leute drüberschauen zu lassen, wie die Szene jeweils auf den Leser wirkt.
Was ich aber meine, ist, daß es auch von Vorteil sein kann, in der Szene die Perspektive zu wechseln, weil es z.B. den Effekt erzeugt, zwei Perspektiven auf dieselbe Situation nicht nur zu zeigen, sondern fühlbar zu machen. Andererseits kennt man hinterher nicht alle Gedanken und Gefühle beider beteiligter Personen (wenn man nur in einer "drinsteckt", weiß man nachher auch alles, was sie bewegt hat). Aber man bekommt einen Einblick in beide Seiten, den man als normaler Beobachter und selbst als Beteiligter nicht bekommen könnte. Ich halte das für eine Gestaltungsmöglichkeit, die gerade der Roman bietet, eben weil man den einzelnen Figuren trotzdem über ausreichend lange Strecken folgen kann, um sich auf sie einzulassen.
Ich finde auch nicht, daß das sehr viel mit der Länge der Passage zu tun hat, in der aus der Perspektive einer bestimmten Figur erzählt wird, sondern mehr damit, ob ihre Gedanken und Gefühle einen packen. Natürlich ist es am Anfang gut, erst einen Eindruck von der jeweiligen Figur zu bekommen, um sich in sie hineinversetzen zu können. Aber danach spricht nichts dagegen, daß man auch mal öfter in eine andere Perspektive wechselt. Mich nervt es auch als Leser eher, wenn sich eine Perspektive sehr lange hinzieht und dann abbricht, wenn man es sich gerade darin gemütlich gemacht hat. Da ist mir schnellerer Wechsel lieber. Und bei Perspektivenwechsel innerhalb einer Szene hat man im Grunde ja die ganze Zeit beide Perspektiven. Aber, wie gesagt, mir fällt gerade spontan kein Buch ein, in dem ich bewußt festgestellt hätte, daß die Perspektive in einer Szene wechselt. Wenn es gut gemacht ist, sollte es einem aber beim Lesen auch nicht besonders auffallen. Ich werde mich mal auf die Suche machen, um Eindrücke aus Lesersicht zu sammeln.  :)
Und ich finde, gerade wenn sich der Perspektivenwechsel beim Schreiben von selbst ergeben hat, also nicht forciert worden ist, gibt es dafür wahrscheinlich einen internen Grund. Dann muß man nicht alles krampfhaft ändern, nur weil es eine Regel gibt, die Perspektivenwechsel innerhalb einer Szene verbietet. Vielmehr sollte man prüfen, ob der Wechsel an dieser Stelle vielleicht sogar von Vorteil ist. Wenn nicht, kann man das ja ändern. Deshalb meine ich, man muß sich solche Möglichkeiten nicht aus reiner Regelhörigkeit gleich von vornherein verbauen. Und darum ging es doch in der Eingangsfrage: Perspektivenwechsel in der Szene fühlt sich besser an, aber die Regel spricht dagegen, soll man es also ändern?

Lavendel

Ich kann jetzt nicht darüber urteilen, wie was in deinem speziellen Text wirkt, aber man muss nicht immer alles erzählen. Das Offene, Raum für Vorstellung und Interpretation zu lassen ist die mächtigst Waffe, die ein Autor hat ;).

Über das 'sich von selbst ergeben' ist wohl keine ganz unproblematische Sache. Dem Schreiben liegt ein Handwerk zu Grunde, man trifft bewusste Entscheidungen, aus bestimmten Gründen, und man macht manchmal bewusst etwas anders als es 'im Lehrbuch' steht. Nicht unbewusst. Der 'Autor als Genie', dem die Inspiration aus dem Himmel zufällt, ist ein Mythos aus dem 18. Jahrhundert.