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Autor Thema: Deutsche Verlage und deutsche Nachwuchsautoren  (Gelesen 34955 mal)

Lomax

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Re: Deutsche Verlage und deutsche Nachwuchsautoren
« Antwort #75 am: 07. Juni 2011, 22:38:35 »
Wir saßen Mittwoch beisammen und haben einen gemeinsamen Stoßseufzer ausgestoßen, dass Niemand deutschen Autoren einen ordentlichen Politthriller zutraut (BND-Agenten? Fette, dröge Beamte, aber niemals so cool und bösartig wie der CIA! Kommando SpezialWAS? Na dann lieber knackige Navy Seals oder Royal Air Force.
Ist ja lustig. Kann ich bestätigen. So ziemlich wortgleich dasselbe hörte ich vor einigen Jahren von einem Lektor, als wir über mein Thrillerangebot sprachen. Wenn das Buch genommen wird, sollte es noch "internationalisiert" werden. Ich hatte ja gehofft, ein paar BND-Skandale in der Zwischenzeit hätten da für einen Imagewechsel gesorgt und den deutschen Institutionen etwas mehr dramaturgisches Sexappeal verliehen. :(

gbwolf

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Re: Deutsche Verlage und deutsche Nachwuchsautoren
« Antwort #76 am: 07. Juni 2011, 22:45:01 »
@Lomax: Noch bin ich jung und enthusiastisch genug, um weiter daran zu glauben, dass ich in den nächsten Jahren unter einem Krimi-Deckmäntelchen vielleicht doch ein bisschen Polit... nu, wir werden sehen. In 10 Jahren bin ich auch nicht mehr so taufrisch und wenn die Welt sich bis dahin nicht weitergedreht hat, bin auf jeden Fall sauer (Kann bei altem Wein ja mal passieren)  :brüll:

@Fizz: Es ist schwer, aber nicht unmöglich. Man muss an sich arbeiten, kritikbereit sein, einstecken können. Eierlegende Wollmilchsau + sturer Esel + Gorilla-Selbstbewusstsein! Der englischsprachige Markt ist viel größer und wenn ein Verlag dort "wenige" Käufer erreicht, dann sind das weltweit so viele, dass es in Deutschland schon zu einem gut verkauften Buch reicht. Durch Serien und Filme sind unsere Sehgewohnheiten auch sehr von den USA geprägt und nicht zuletzt: Der Sieger schreibt Geschichte. Es wird sehr wenig aus Asien, Afrika oder Lateinamerika übersetzt, weil diese Themen den Lesern nicht vertraut sind und alles jenseits kolumbianischer Kokabauern wahrscheinlich genauso unsexy und unbekannt ist wie BND-Einsatz in Köln-Chorweiler.
Aber manche Dinge wandeln sich schneller als gedacht. Die "Völker"-Fantasy ist ja vor allem ein europäisches Phänomen, wenn auch mit englischem Anschub. Noch bin ich vorscihtog optimistisch.

Yora

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Re: Deutsche Verlage und deutsche Nachwuchsautoren
« Antwort #77 am: 07. Juni 2011, 23:02:11 »
Zitat
Dann kommt hinzu, dass immer mehr Autoren sich immer früher professionalisieren, sowohl was das Schreibhandwerk angeht, als auch das Angebot. Meine Agentin hat mir bestätigt, dass Anschreiben, Exposés und Leseproben immer besser werden - nicht zuletzt, weil junge Autoren schon früh vom Austausch in Foren profitieren. Wir haben es also nicht nur mit immer mehr Verlagen und Labels zu tun, sondern auch mit viel mehr gut ausgebildeter Konkurrenz.
:no: nicht gut!
Dann wird es also schwieriger von einem Verlag angenommen zu werden, weil es zuviel Konkurrenz gibt. Wäre es also sinnvoll, nicht zu lange damit zu warten, ein Manuskript einzureichen, weil die Konkurrenz immer stärker wird? Oder wird sich das wieder legen?

gbwolf

  • Gast
Re: Deutsche Verlage und deutsche Nachwuchsautoren
« Antwort #78 am: 07. Juni 2011, 23:09:36 »
Wäre es also sinnvoll, nicht zu lange damit zu warten, ein Manuskript einzureichen, weil die Konkurrenz immer stärker wird?
Nichts schlimmer als ein zu früh abgeschicktes Manuskript! Ich wollte jetzt keine Panik schüren. Man sollte nach seiner Stimme suchen, nach seinem Stil, gutes Handwerk lernen, Lebenserfahrung sammeln und auf sein individuelles Tempo hören, egal wie schwer es ist, wenn neben einem sitzt, der Jahre jünger ist und soundsolche Auflagenhöhen erreicht. Übereilt schlechte Manuskripte rausschicken und dann womöglich noch in Mengen, verbrennt einem nur den eigenen Namen. Lass dir und deinem Werk die Zeit, die ihr benötigt!
Für uns ist es ja gar nicht schlecht, wenn die Verlage sehen, dass es gut qualifizierten Nachwuchs gibt und sie wissen, dass sie sich auf Autoren aus dem eigenen Land verlassen können. Auf dem Arbeitsmarkt gibt es auch Wellen. Mal mehr, mal weniger Angebot. Das ist normal. Man sollte sich vielleicht überlegen, ob man die Genrebrille zu fest aufsetzt oder mal schaut, ob man auch in anderen Bereichen Spaß hat.

Runaway

  • Gast
Re: Chancenlage deutscher Fantasyautoren
« Antwort #79 am: 07. Juni 2011, 23:43:02 »
Ich finde es aber wichtig, solche Insiderinformationen weiterzugeben, egal, ob Sie nun zutreffend oder übertrieben sind oder was auch immer.
Von mir ein herzliches Dankeschön dafür! Letztlich sind wir ja auch wegen dieser stillen Post hier und ich bin absolut dafür, solches Wissen großzügig zu teilen.
Denn wie du schon schreibst: Die Lage ist eh schon bescheiden genug für uns. Daß die deutschen Verlage sich lieber Lizenzen aus Übersee einkaufen, ist ein Thema, über das ich mich wochenlang aufregen könnte, aber hilft ja nicht :(
Letztlich können wir uns den Gewohnheiten auf dem Markt wohl nur anpassen. Und Die Wölfin hat recht... BND in Wanne-Eickel (oder so?) ist echt unsexy.

Aber vielleicht hilft es uns, wenn wir uns wirklich ein bißchen internationalisieren? Was spricht dagegen, unsere Geschichten in ein attraktives Setting zu pflanzen?
Ich hab das völlig zufällig gemacht und als mir hinterher klar wurde, welchen Gefallen ich mir damit vielleicht getan hab... das war gut. Und ich fand es jetzt auch nicht so schwer. (Gut, ich hab England genommen und nicht gleich Amerika ;) )
Wenn die Verträge nicht zu uns kommen, kommen wir eben zu den Verträgen. Ich glaub, wer wirklich einen Fuß in die Tür des Marktes kriegen möchte, kommt nicht umhin, den Gesetzen des Marktes mindestens zu einem Teil zu gehorchen.  :-\

Offline Kerimaya

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Re: Deutsche Verlage und deutsche Nachwuchsautoren
« Antwort #80 am: 08. Juni 2011, 00:08:02 »
Aber vielleicht hilft es uns, wenn wir uns wirklich ein bißchen internationalisieren? Was spricht dagegen, unsere Geschichten in ein attraktives Setting zu pflanzen?
Ich hab das völlig zufällig gemacht und als mir hinterher klar wurde, welchen Gefallen ich mir damit vielleicht getan hab... das war gut. Und ich fand es jetzt auch nicht so schwer. (Gut, ich hab England genommen und nicht gleich Amerika ;) )
Wenn die Verträge nicht zu uns kommen, kommen wir eben zu den Verträgen. Ich glaub, wer wirklich einen Fuß in die Tür des Marktes kriegen möchte, kommt nicht umhin, den Gesetzen des Marktes mindestens zu einem Teil zu gehorchen.  :-\

Es ist nicht das Setting, das uns deutschen Autoren zuweilen das Genick bricht. Was oft gemacht wird, ist, einen amerikanischen/englischen Plot in ein deutsches Setting zu verpflanzen. Urban Fantasy in Wanne Eickel mag auf den ersten Blick lächerlich wirken, weil man prompt bestimmte Romane im Kopf hat, die in San Francisco, New York, sonstwo spielen. Aber man kann genau das zu seinem Vorteil nutzen. Warum also keinen Urban Fantasy Roman, bei dem der Antagonist ein kinderfressendes Ungeheuer in den Tiefen des Ruhrpottflöz ist, das sich seit Jahrhunderten als heilige Barbara (Schutzpatronin der Bergmänner) tarnt? Sowas gibbet in New York nicht, wie unsereins hier sagen würde.
Verlage suchen druchaus deutsche Settings und deutsche Autoren - aber dann auch wirklich, und keinen Abklatsch.

Das gilt auch für das Aushorchen des Marktes. Ich mache das gerade sehr intensiv, weil ich mich im thrillern (vorsicht, Wortwitz ;)) versuchen möchte. Dabei waren einige Genrevorgaben, die beliebt sind, nicht zu übersehen, aber einige der Vorgaben habe ich gerade auch bewusst gebrochen, und wenn ich meiner Agentin glauben darf, war das genau das Richtige (hoffen wir einfach, dass die Verlage das auch so sehen...)
   "You can do all you want, but you put in one fucking dragon and they call you a fantasy writer."
- Terry Pratchett
  

gbwolf

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Re: Chancenlage deutscher Fantasyautoren
« Antwort #81 am: 08. Juni 2011, 14:07:09 »
Aber vielleicht hilft es uns, wenn wir uns wirklich ein bißchen internationalisieren? Was spricht dagegen, unsere Geschichten in ein attraktives Setting zu pflanzen?
Einmal die Überlegung, weshalb der Verlag dann einen Deutschen Autor nehmen sollte, wenn er zu diesem Setting jemand einkaufen kann, der dort aufgewachsen ist und dann wird deutschen Autoren oft nicht zugetraut, in einem angloamerikanischen Setting peppige Sachen zu schreiben (Irgendwie trauen eh die wenigsten deutschen Autoren zu, Action zu schreiben. Und angeblich ist es der Leser, der keine deutschen Autorennamen auf dem Cover haben möchte. Ein Rätsel, hinter das ich noch nicht gekommen bin). Das Problem ist dir vielleicht bei deiner Agentur- und Verlagssuche begegnet, das mal jemand gefragt hat: "Ja, warum schreiben Sie das nicht in einer coolen Stadt wie Hamburg? Kennen Sie die englischen Schrulligkeiten denn gut genug, um das glaubhaft rüberzubringen?" Mir ist das irgendwo mal begegnet, aber ich erinnere mich nicht mehr, wo, dass eine Autorin frustriert war, weil man ihr keinen Krimi in England zugetraut hat und lieber zu englischen Thrillerautoren griff.
Andererseits gibt es auch viele Romane in fernen Ländern, die gut funktionieren, vor allem bei Jugendlichen und bei Liebesromanen, die sehr gut recherchiert sind. Entweder, weil die Autoren mal dort gelebt haben, genügend Leute kennen, die sie eingehend befragen konnten oder weil das Land für den Roman mehr bunte Kulisse als Notwendigkeit war. Richtig Tiefe reinbringen, wenn man selbst nicht vor Ort war, finde ich allerdings schwierig. Wobei die liebe Lavendel mir gerne sagte: Du musst nicht in die Pfanne liegen, um über ein Schnitzel zu schreiben und ich ihr das auch prompt glaube, wenn ich lese, wie sie ins viktorianische England eintaucht.

Es ist nicht das Setting, das uns deutschen Autoren zuweilen das Genick bricht. Was oft gemacht wird, ist, einen amerikanischen/englischen Plot in ein deutsches Setting zu verpflanzen.
Das finde ich eine ganz wichtige Aussage, die ich so nur absolut unterstreichen kann!

Runaway

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Re: Deutsche Verlage und deutsche Nachwuchsautoren
« Antwort #82 am: 08. Juni 2011, 16:33:34 »
Daß man deutsche Autorennamen nicht haben mag, finde ich allerdings auch sehr rätselhaft. Bei mir ist das genau andersrum. Ich freu mich immer, wenn ich mal nichts amerikanisches/englisches sehe!

Zum Glück hat mir keiner auf meiner Suche wegen dem englischen Setting blöde Fragen gestellt. Ich habs mir aber auch nicht nehmen lassen, zu erwähnen, daß ich da war. Mehrmals ;) Deshalb laß ich mir jetzt keine grauen Haare wachsen. Wenigstens hab ich mir ja den Kniff erlaubt, nicht über eine Engländerin zu schreiben, sondern über eine Deutsche. Macht's vielleicht glaubhafter.
Ich will auch nicht hoffen, daß noch blöde Kommentare kommen... im Gegenteil, bei der letzten Verlagsrückmeldung hieß es ja, der Plot sei gut so. Fein  :jau:

Offline Kaeptn

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Re: Chancenlage deutscher Fantasyautoren
« Antwort #83 am: 09. Juni 2011, 08:10:03 »
Wenn ein Fantasytitel eines Debütautoren in Deutschland eine Gesamtauflage zwischen 6 und 8000 hat, gilt das durchaus als gut.
Ein Sequel hat dann in der Regel deutlich weniger, also vielleicht 5000, was – wie Ihr wahrscheinlich wisst – nicht eben viel ist.
Deswegen würde ein deutscher Verlag so ein Sequel wohl nur dann wollen, wenn das Erstbuch eine Auflage von mehreren zehntausend Stück erzielt hat, also ein definitionsgemäßer Bestseller geworden ist.

Erstmal danke für die interessante Info - die mich allerdings doch überrascht. Die Gesamtauflage 6-8000 ist schon erschreckend (wenn man überlegt, was der Autor dann daran verdient, das grenzt ja ans Lächerliche, bei 1/2 Jahr Arbeit), aber dass ein Sequel in der Regel DEUTLICH WENIGER hat und deswegen unbeliebt sind, finde ich erstaunlich, gerade in der Fantasy, wo Einteiler ja geradezu ein Naturereignis sind und unter Trilogie fast nichts mehr geht. Denn das Sequel sollte ja immer auch den ersten Teil nochmal ein wenig pushen, allein was die Aufmerksamkeit angeht.

Unter diesen Gesichtspunkten versteht man vielleicht auch, warum Wettbewerbe bei den Verlagen immer beliebter werden. Was beim Goldenen Pick an Drumherum gemacht wird, ist ja enorm - vermutlich aber weniger, um einen möglichst guten Autoren zu finden (das würde man wohl auch ohne zig FAZ-Artikel schaffen), sondern vor allem, um den gefundenen dann auch zu verkaufen.

Generell muss jedem klar sein: Mit deutscher Fantasy erfolgreich zu sein, ist sehr unwahrscheinlich. Der Markt ist klein, die Konkurrenz etablierter Autoren groß. Wer jemals vom Schreiben leben will, schaut sich lieber in anderen Genres um, gerade im historischen Bereich sieht es da ja ganz anders aus, was dt. Autoren angeht.
Jörg Benne
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Offline Grey

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Re: Chancenlage deutscher Fantasyautoren
« Antwort #84 am: 09. Juni 2011, 09:38:37 »
Generell muss jedem klar sein: Mit deutscher Fantasy erfolgreich zu sein, ist sehr unwahrscheinlich. Der Markt ist klein, die Konkurrenz etablierter Autoren groß. Wer jemals vom Schreiben leben will, schaut sich lieber in anderen Genres um, gerade im historischen Bereich sieht es da ja ganz anders aus, was dt. Autoren angeht.

Wenn wir von Fantasy reden, reden wir dann von High Fantasy, oder vom Überbegriff Fantasy? Denn dann würde ich dem schon wiedersprechen: Gerade im Bereich Urban hat man als deutscher Autor (oder Autorin) inzwischen durchaus Chancen, einen ganz guten Vertrag und eine Erstauflage von deutlich mehr als 6-8000 zu bekommen - im Moment nicht gerade mit Vampiren allerdings, fürchte ich. ;)

Was Sequels angeht, hat Schommes einerseits sicher recht, aber ganz so schwarz braucht man das glaube ich auch nicht zu sehen - man tut sich schon einen Gefallen, wenn der erste Band einer Reihe als Einzeltitel stehen kann. Aber selbst wenn die Fortsetzung nicht direkt auf dem Fuß folgt, kann die Reihe dann auch später fortgesetzt werden, wenn der Autor noch ein oder zwei Standalones gebracht und sich etwas besser etabliert hat.
  Rien ne va plus.

Schommes

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Re: Deutsche Verlage und deutsche Nachwuchsautoren
« Antwort #85 am: 15. Juni 2011, 12:14:50 »
Sorry, nachdem ich den Beitrag geschrieben hatte, auf den Ihr alle so viel interessantes geantwortet hattet bin ich erstmal in Arbeit versumpft und danach hat mich eine Sumpfgrippe gepackt. Jetzt geht es mir aber besser. Irgendwann zwischendurch habe ich dann meinen Cheflektor Fantasy von Piper hier in Berlin getroffen und davon wollte ich Euch auch noch berichten. Erstmal zu mir persönlich - in der Hoffnung, dass das als Exempel irgendwie auch interessant ist.
Die Vormerkungen der Buchhändler zu Asylon sind zwar im Normbereich aber eben auch nicht überragend.
Daher ist ein Sequel zu Asylon momentan nicht Pipers Präferenz, was natürlich nicht ausschließt, dass es nicht später irgendwann einmal weitergehen könnte, wie Grey ja auch vermerkt hatte.
Er sagt selbst, dass deutsche Autoren es eben schwerer haben, weil der Markt im Vergleich zu USA so klein ist. In den USA erreicht auch ein nach dortigen Maßstäben mittelmäßiges Buch eine größere Auflage und ist daher viel eher rentabel.
Wir haben uns nun entschieden genremäßig etwa in dieselbe Kerbe zu hauen, wobei das nicht unbedingt Dystopie bedeuten muss. Da habe ich jetzt relativ viel Freiheit. Allerdings muss ich dabei natürlich im Hinterkopf behalten, die Asylonleser nicht durch ein zuweit davon entferntes Zweitlingswerk zu vergraulen. Fantasy sollte auf jeden Fall drin sein. Ich bin ja auch bei PiFa gelandet. Übrigens PiFa plant ein separates Jugendlabel, aber das ist noch nicht in trockenen Tüchern. Das weiß ich nun deswegen, weil ich explizit gefragt habe, ob ich diesmal mehr in Richtung Jugend zielen sollte, angesichts der derzeitigen Erfolge in diesem Segment. Da hieß es dann eben, aber dann ist vielleicht nicht mehr dieselbe Mannschaft für Dich zuständig. Außerdem könnte das natürlich wieder erwachsene Leser vergraulen.
Ich habe nach Steampunk gefragt, weil mich das Thema sehr interessiert. Piper betrachtet das Segment eher pessimistisch. Zwar sind im Augenblick diverse Versuche zu verzeichnen hier auch deutsche Autoren zu vermarkten. Piper sieht diese Versuche aber eher skeptisch. Es habe in den USA einen großen Erfolg mit "Boneshaker" gegeben, der aber aus Sicht der Münchner eher dem Buch an sich zu danken sei, als dem Hunger der Leser nach dessen Genre.
Ich habe etwas frustriert von der geringen Sichtbarkeit von Reaktionen auf meine diversen eigenen Versuche des Onlinemarketings berichtet (Buchentstehungsblog, FB-Fanpage etc.). Mein Cheflektor hat mich hierzu wieder etwas ermutigt. Er meint, die Erfolge solcher Versuche lassen sich oft nicht an sichtbaren Reaktionen messen, da hier vieles über Mund-zu-Mund-Propaganda passiert und die wenigsten Leute, die solche Angebote mitlesen, auch explizite Spuren hinterlassen.
Ansonsten kann ich froh vermerken, dass Piper hinsichtlich des Terminplans für mein neues Werk sehr großzügig mit meinen privaten Einschränkungen umgeht. Die Tatsache, dass im August ja mein Kind zur Welt kommt, hat jetzt dazu geführt, dass ich, obwohl im Herbstprogramm 2012 wieder in Platz für mich reserviert ist, Fertigstellungszeit bis Juni nächsten Jahres habe. Bei Piper kann man sich sehr wohlfühlen. Es ist alles sehr familiär. Die Leute sind sehr engagiert und hilfsbereit. Kann ich nur empfehlen.

Sorry, das war jetzt alles etwas durcheinandrig und unsortiert. Ist normalerweise nicht so meine Art, aber ich bin auch noch ein wenig angeschlagen. Immerhin kann ich jetzt ernsthaft anfangen mir Gedanken über das neue Projekt machen. Ich bin fast erleichtert, dass es erstmal keine Fortsetzung zu Asylon ist, da das Buch von mir eher Standalone gedacht war. Aber wer weiß, was noch kommt ...

NACHTRAGSEDIT:
Erstmal danke für die interessante Info - die mich allerdings doch überrascht. Die Gesamtauflage 6-8000 ist schon erschreckend (wenn man überlegt, was der Autor dann daran verdient, das grenzt ja ans Lächerliche, bei 1/2 Jahr Arbeit), aber dass ein Sequel in der Regel DEUTLICH WENIGER hat und deswegen unbeliebt sind, finde ich erstaunlich, gerade in der Fantasy, wo Einteiler ja geradezu ein Naturereignis sind und unter Trilogie fast nichts mehr geht. Denn das Sequel sollte ja immer auch den ersten Teil nochmal ein wenig pushen, allein was die Aufmerksamkeit angeht.
Ich hatte auch schon vorher mal irgendwo gelesen, dass auch ein nach normalen Marktmaßstäben durchschnittlich erfolgreicher Erstling selten viel mehr einspielt als den (typischerweise im mittleren vierstelligen Bereich angesiedelten) Vorschuss.
Wenn wir von Fantasy reden, reden wir dann von High Fantasy, oder vom Überbegriff Fantasy? Denn dann würde ich dem schon wiedersprechen: Gerade im Bereich Urban hat man als deutscher Autor (oder Autorin) inzwischen durchaus Chancen, einen ganz guten Vertrag und eine Erstauflage von deutlich mehr als 6-8000 zu bekommen
Hattu reale Beispiele in Deinem Bekanntenkreis? Los rück raus (und gib mir Hoffnung)!  ;)

Offline FeeamPC

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Re: Deutsche Verlage und deutsche Nachwuchsautoren
« Antwort #86 am: 26. Oktober 2011, 15:52:26 »
Wenn ich mir dieses hier ( und diverse andere Threads) so vor Augen führe, sollte der Markt in der Tat mit mehr deutscher Fantasy geflutet werden. Nur dass die großen Verlage uns da nur kleine Nischen zuteilen können/wollen, und die kleinen Verlage nicht das Geld haben, umfangreiche Fantasy-Reihen zu drucken und unter die Leute zu bringen. Erst recht nicht, sie zu bewerben.
Hmmmm....

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