Tintenzirkel - Das Fantasyautorenforum

Allgemeines => Buch- und Verlagswesen => Thema gestartet von: gbwolf am 17. Juni 2007, 15:24:38

Titel: Deutsche Verlage und deutsche Nachwuchsautoren
Beitrag von: gbwolf am 17. Juni 2007, 15:24:38
Immer wieder liest man Diskussionen mit dem allseits beliebten (und leidigen) Thema "Die bösen Publikumsverlage, die den jungen, deutschen Autoren keine Chance geben".
Ich möchte in diesem Thread einmal diskutieren, wie es denn wirklich aussieht, da draußen in der Verlagslandschaft, weil ich denke, wir können mit unseren verschiedenen Erfahrungen ein realistisches Bild zeichnen.

Für meine Diplomarbeit habe ich hierzu viele Recherchen angestellt, war selbst Praktikantin in einem großen Verlag (Vertrieb + Fantasy-Lektorat) und ich denke, es kursieren viele Meinungen, die nicht ganz falsch sind, bei denen den Autoren aber Informationen fehlen und ganz einfach auch der Frust eine gewisse Rolle spielt.

In einem anderen Thread habe ich bereits zwei Punkte festgehalten, die ich hierher kopiere

- Ein deutscher Verlag, der einen US-Bestseller haben möchte, zahlt nicht nur ein Schweinegeld für die Lizenz, sondern hat normalerweise zusätzlich die Bedingungen, die Lizenzen für soundsoviele andere Autoren des US-Verlags zu kaufen, die der Verlag sonst nie auf den europäischen Makt bekäme. Sonst bekommen sie den Bestseller nicht. Das nimmt natürlich viele Programmplätze für deutschsprachige Autoren.

- Einen völlig neuen Namen in den Buchhandlungen aufzubauen, braucht Zeit, Geld und Risikobereitschaft. Pro Jahr kann auch ein großer Verlag diese Arbeit an maximal 2 oder 3 Autoren tun. Abgesehen davon, dass sich 10 neue Autoren im Regal eines Verlags gegenseitig das Wasser abgraben würden.
Selbst wenn ein Verlag 20 tolle Angebote von Jungautoren bekommt, kann er nicht alle auf dem Markt etablieren, sondern muss unter ihnen wählen, wer z.B. ein gerade gefragtes Thema hat.
Und wenn es insgesamt wasweißich 20 Plätze für neue Autoren pro Jahr gibt, dann gehen 3000 andere, hoffnungsvolle Nachwuchsautoren leer aus, weil die Verlage eben keine 3000 drucken und verkaufen können.

Als Praktikantin, die Minigutachten für etwa 50 unverlangte Einsendungen geschrieben hat (die, die von der Sekretärin bereits vorgefiltert waren) kann ich dazu noch sagen: Viele Autoren schreiben gut, aber nicht so exzellent veröffentlichungsreif, wie ein großer Verlag es braucht. Die Verlage suchen professionelle Autoren, die ein bis zwei Bücher pro Jahr in guter Qualität abliefern können und sich gegebenenfalls auch nach den Wünschen der Programmplaner richten. Wer das als Beschneidung seiner literarischen Entfaltung sieht, wird bei einem Kleinverlag besser aufgehoben sein, der nicht ganz so abhängig von den Launen des Buchhandels ist und sich oft mehr Extravaganzen leisten kann.

Ich würde auch nicht sagen, dass man als junger, deutscher Autor "Bittsteller" ist, aber für die Verlag ist es zu einer schieren Unmöglichkeit geworden, die Massen an Einsendungen zu bewältigen. Es gibt fast keine Fälle, in denen ein Verlag wirklich nichts liest und was fast unangetastet zurück geschickt wird, scheitert zumeist schon bei der Sekretärin, die genau weiß, welchen Stil und welches Thema der Lektor auf dem Tisch haben möchte. Aber gelesen wird normalerweise alles. Mit Fantasy werden die Verlage allerdings zugeschmissen!


So. Das sind meine Argumente und Meinungen. Ich freue mich auf eine faire Diskussion und einen anregenden Erfahrungsaustausch!

Grüße, gbWölfin
Titel: Re: Deutsche Verlage und deutsche Nachwuchsautoren
Beitrag von: Elena am 17. Juni 2007, 17:04:56
Hallo Wölfin,

als ich anfing, ging ich auch von dem "bösen, bösen Publikumsverlag" aus, der so oft heraufbeschworen wurde. Inzwischen sehe ich das ganze Dank einiger positiven Erfahrungen und Erzählungen von anderen Autoren anders.
Meine Erfahrung ist: Wenn man wirklich, wirklich gut ist, dann bleiben auch die Türen des Publikumsverlags nicht zu. Es ist eine Sache von Glück und dem richtigen Ort zum richtigen Zeitpunkt, aber je besser man schreibt, desto weniger muss man sich auf Glück verlassen.
Als ich anfing mit Schreiben und der Suche nach einem Verlag, erhielt ich Standard-Absagen. "Passt nicht ins Programm", etc. pp. Inzwischen bekomme ich fast nur noch Absagen, die auch auf mein Geschriebenes eingehen. Das sagt mir, dass die Leute sich durchaus mit dem eingeschickten Material beschäftigen und, wenn sie eventuell Potential sehen, das dann auch schreiben.
Früher waren meine Manuskript für diese Art Aufmerksamkeit eben einfach noch nicht gut genug - die Rede von dem bösen Publikumsverlag ist also auch Trösterei der verletzten Autorenseele.
Wobei "lässt sich nicht verkaufen" nicht immer gleichbedeutend ist mit "ist schlecht". Das sind noch mal zwei Paar andere Schuhe.
Auch kenne ich Fälle, wo Leute so lange geschrieben haben, bis sie gesagt haben: Okay, das ist wirklich gut, und dann auch promt einen großen Verlag dafür begeistern konnten. Ohne Kontakte oder großartige Vorgeschichte.

Bei jedem miesem Manuskript zu sagen: Nein, das ist nicht gut genug, würde für die Lektoren realistisch gesehen vermutlich ein Schnitt ins eigene Fleisch sein. Einige Autoren würden sich davon zu einer Antwort oder einem längeren Diskurs provoziert sehen, de ein Lektor zeitlich nicht leisten kann.

Wer möchte, kann sich ja nicht zuletzt auch an Agenturen wenden. Da habe ich es erlebt, dass die Leute sich etwas intensiver mit den Sachen auseinander setzen. Was von keiner Agentur angenommen wird, wird vermutlich auch keinen großen Verlag finden, weil es entweder noch nicht veröffentlichungsreif ist oder für kleinere Verlage geeignet (Nischenliteratur zum Beispiel).

Und ja, der Verlag muss in einem Autor auch langfristiges Potential erkennen, es sei denn, man hat den "Ich bin Dieter Bohlen"-Bonus o.ä.
Aber das dürften Ausnahmen sein.

Was sich daraus für den Autor ergibt, ist nichts anderes als kontinuierliche Arbeit; sowohl an der Qualität des Texten, aber auch an der Quantität. Wer zehn Jahre für ein Buch braucht, wird zumindest bei einem Publikumsverlag nicht so leicht unterkommen, wie wer ein halbes Jahr braucht. Denn ein langsamer Autor lässt sich eben nicht in dem Maße aufbauen.

Liebe Grüße,

Elena
Titel: Re: Deutsche Verlage und deutsche Nachwuchsautoren
Beitrag von: Manja am 18. Juni 2007, 17:10:04
Ich sehe das sehr ähnlich wie Elena, entsprechend neige ich auch eher dazu, mein Glück bei Klein-Verlagen zu versuchen, eben weil die sich mehr Zeit für ihre Autoren nehmen können. Realistisch betrachtet ist es wie bei einer Fabrik oder einer Versicherungsfirma: je kleiner, desto besser kennt man sich, dafür ist aber nicht so sicher, ob du ein wirklich gutes Gehalt bekommst. Bei großen Firmen kann der Chef nicht jede kleine Assistentin kennen und grüßen, dafür kann es sein, dass sie dort einen sicheren Job und ein gutes Gehalt hat.
Großverlage verlangen von ihren autoren, schnell, viel und in gleichbleibender oder steigender Qualität zu schreiben - wer sich also bei Lübbe oder Fischer bewirbt und sich gute Chancen ausrechnet, sollte das können oder noch ein paar Manuskripte in Reserve haben, um mit einer gewissen ruhe nach"produzieren" zu können.

Allerdings, um einmal was zu den Kleinverlagen zu sagen - auch da sollte man die Spreu vom Weizen sehr sorgfältig trennen. Mir hätte es damals sicher nicht geschadet, wenn der gute Mann vom Solars-Verlag sich eingehender mit meinem Manuskript befasst hätte. Dann wären ihm a) etliche fehler, die mir teilweise noch heute unter die Nase gerieben werden
und b) ein recht unausgegorener Schreibstil aufgefallen.
Ich wäre eventuell abgelehnt worden, hätte geschmollt und dann schon damals mit der Überarbeitung angefangen und müsste heute nicht über dieses MAchwerk den Kopf schütteln. Aber bei manchen Kleinverlagen liegt ein umgekehrtes Problem zu Großen vor - während die Großen viel Gutes ablehnen, nehmen die Kleinen das ein oder andere stark verbesserungswürdige Werk dankend an.
Titel: Re: Deutsche Verlage und deutsche Nachwuchsautoren
Beitrag von: Artemis am 18. Juni 2007, 18:46:15
Umgekehrt muss man aber auch erwähnen, wie viele wirklich, WIRKLICH schlechte Romane es in den großen Verlagen gibt. Das ist manchmal haarsträubend, was da auf den Buchmarkt geworfen wird, nur weil es gerade in Mode ist!

Der Markt will Historikschinken - also gibt es halt zwanzig Romane, die alle fast den selben Titel und / oder die selbe Handlung haben, weil die sich halt gut verkaufen. Gute, neue Ideen? Schöner Schreibstil? Fehlanzeige. Es kommt einem manchmal vor, als würden die "Hausautoren" auf Bestellung produzieren. So nach dem Motto: "Frau XY, in einem halben Jahr haben sie ein historisches Buch geschrieben, Prota möglichst weiblich, um weibliche Kundschaft zu locken blabla, wenns geht Mittelalter, ist grade Trend blabla ..."
Also hockt sich die gute Frau XY hin und schreibt. Es wird recherchiert, es wird nachgeforscht - und nach nem halben Jahr liegen knapp zehn Bücher, die nichts als Klone sind, auf dem Schreibtisch des Lektors.

Anderer Fall: Verschwörungstherorien. Dan Brown ist aktuell. Frage des Verlages: "Warum haben wir keinen Dan Brown? Wir wollen einen Dan Brown!" Schwupps, Bestellung eines Verschwörungsschmarrens geht an die Autoren.

Oder: "Kreisch! Eragon wird Besteller! Wir brauchen Bücher mit Drachen, und zwar flott!" Den Rest der Geschichte kann man sich denken ...

Fakt ist, dass der Markt das Buch bestimmt, nicht umgekehrt. Da kann das Buch, die Idee, noch so toll sein - der Verlag will verkaufen. Was nicht im Trend ist, wird nicht verkauft, basta. Deshalb muss der Verlag immer versuchen, auf der Trendwelle mitzureiten. Oder würde einem Modedesigner heute noch einfallen, Plateauschuhe zu entwerfen, wenn er genau weiß, dass er die im Leben nicht verkaufen wird, weil sie keiner will? Nein!

Es gehört wohl viel Glück dazu, als erster Verlag gerade einen neuen Trend zu bestimmen mit dem neu herausgebrachten Roman. Wenn man dann der glückliche Autor dieses Romans ist, hat man im Prinzip für die nächste Zeit keine Probleme - sofern man es nicht wagt, von der selbst losgetretenen Lawine abzuspringen.


Daher bevorzuge auch ich eher die kleinen Verlage. Es mag sein, dass man dadurch nicht einen großen Patron im Rücken hat, aber bei dem wäre man doch eh nur ein kleines Licht. Angenommen, man schafft es wirklich, sein Buch bei einem großen Verlag  unterzubringen: Das Buch wird gedruckt, in den Läden verteilt, verkauft. Es verkauft sich ganz gut, womöglich wird die zweite Auflage gedruckt. Das ist sehr schön fürs Ego.
Aber dann? Wenn mal ein Jahr vergangen ist? Der Stapel der Bücher, der sich zuvor einen guten Rang auf dem Auslagetisch des Buchladens ergattert hat, ist auf ein Buch zurückgegangen - und das landet dann im Regal. Eingezwängt zwischen hunderter anderer Bücher. Eins unter vielen. Die Leute ziehen es beim Stöbern raus, können nix damit anfangen, schieben es wieder rein, greifen den Bestseller, der ein eigenes Regal mit 50 Exemplaren hat. Was so gut ausgestellt wird, muss gut sein.

Hand aufs Herz: Wenn ihr ins Buchgeschäft geht, in die richtig großen wie Thalia - wühlt ihr euch durch die Regale? Oder schaut ihr erst mal nach den neuen Büchern, die immer so hübsch ausgelegt sind, in säuberlichen Stapeln auf nem Tisch?

Titel: Re: Deutsche Verlage und deutsche Nachwuchsautoren
Beitrag von: Lavendel am 18. Juni 2007, 18:58:38
Aber was ein großer Vorteil der großen Verlage ist - und das ist wirklich nicht zu verachten - dass die Wahrscheinlichkeit, über den Tisch gezogen zu werden deutlich geringer ist, als bei Kleinverlagen. Viele vergessen das in ihrer Rechnung. Außerdem hat ein Buch im großen Verlag auch größere Erfolgschancen. Letztendlich ist das aber eine persönliche Entscheindung, denke ich.
Titel: Re: Deutsche Verlage und deutsche Nachwuchsautoren
Beitrag von: Linda am 18. Juni 2007, 20:39:00
Hi Wölfin,

der Unterschied zwischen (wie du schreibst) "gut und exellent veröffentlichungsreif" liegt oft nur (ja, das will keiner hören) in einem entsprechenden Lektorat begründet. Bücher werden teilweise nur durch ein heftiges Lektorat zu Bestsellern ... Entweder überhaupt erst veröffentlichungsreif bearbeitet oder für die richtige Zielgruppe maßgeschneidert. Mit genügend Aufwand kann man quasi jeden Text verlagsreif aufmotzen (pimp my novel). Eragon beweist das wohl zur Genüge.

Wenn, ja wenn, die Idee dahinter dem Lektor bzw dessen Vorgesetztem gut genug gefällt, (bzw als lukrativ genug eingeschätzt wird) um sich diese Mühe (Kosten) zu machen. Wenn die Personalsituation das zu diesem Zeitpunkt zulässt und man als Autor auch einfach Glück hat. Objektivität gibt es nicht und schon gar nicht im Bereich der Kunst. Es gibt immer nur Meinungen und Einschätzungen und etwas anderes leistet auch ein Gutachter nicht ;-)

Veröffentlichte Bücher genießen in der Regel bei Großverlagen ein vernünftiges Lektorat - niemand außer Autor und Lektor weiß, wie die Texte vorher ausgesehen haben (und man wundert sich bisweilen, was Autoren einreichen). Nachwuchsautoren bewerben sich mit dem, was sie alleine am besten leisten können. Diese Qualitätsstufe mit einem veröffentlichten Buch zu vergleichen, ist letztlich der Vergleich von Äpfeln mit Birnen - oder vielleicht von Trauben und Wein. Bücher sind veredelte Manuskripte und viele publizierte Autoren (deutsche wie englischsprachige) kochen auch nur mit Wasser.

Gruß,

Linda
Titel: Re: Deutsche Verlage und deutsche Nachwuchsautoren
Beitrag von: gbwolf am 18. Juni 2007, 21:25:48
@Linda: Jup. Da muss ich Dir recht geben. Allerdings finde ich, dass ein guter Lektor erkennt, ob Autor und Manuskript das Potential haben, durch ein Lektorat die nötige Reife zu bekommen oder ob der Autor noch nicht weit genug ist, es zu schaffen, bzw. überhaupt etwas an seinem Baby ändern möchte.

Übrigens finde ich es sehr schön, wie die Diskussion sich entwickelt. Sind so viele Sachen zum weiterdenken und überlegen dabei  :)


Titel: Re: Deutsche Verlage und deutsche Nachwuchsautoren
Beitrag von: Lomax am 18. Juni 2007, 22:29:53
Umgekehrt muss man aber auch erwähnen, wie viele wirklich, WIRKLICH schlechte Romane es in den großen Verlagen gibt ... Gute, neue Ideen? Schöner Schreibstil? Fehlanzeige.
In dem Kontext zitiere ich mal aus der Argumentation des Verlages in dem 2005 bekannt gewordenen "Übersetzerstreit" (nachzulesen in der Urteilsbegründung unter -> Link <-  (http://www.boersenverein.de/global/php/force_dl.php?file=%2Fsixcms%2Fmedia.php%2F686%2Fbersetzer_Urteil_LG_MUC_10_11_05.pdf)): "Die Qualität der Übersetzung spiele für den Verkaufserfolg eines Werkes keine Rolle."

Das zeigt jedenfalls, dass die Kriterien für "gut" naturgemäß sehr subjektiv und unterschiedlich sind - und natürlich kommt da dem quantifizierbarem Kriterium der Verkaufbarkeit aus Sicht des Verlags eine besondere Bedeutung zu. So sehr ich mich über dieses Zitat auch geärgert habe, halte ich eine Frage doch für gerechtfertigt: Kann man guten Gewissens sagen, dass ein Buch wirklich und damit "objektiv" und "in erster Linie" schlecht ist, obwohl es anscheinend genau die Erwartungen der Zielgruppe trifft, wie die gute Verkaufbarkeit ja beweist?
Ist es aus Verlagssicht nicht zurecht ein unprofessioneller Manierismus, wenn man sich selbst auf Basis seiner eigenen Vorlieben Merkmale "guter Literatur" definiert, die an dem Kunden, der erreicht werden soll, anscheinend völlig vorbeigehen?
Titel: Re: Deutsche Verlage und deutsche Nachwuchsautoren
Beitrag von: Artemis am 18. Juni 2007, 22:46:03
Tja, da haben wir wohl wieder das Problem der Geschmackssache.  ::)

Ich behaupte, dass ich schlechte Bücher gelesen habe, teilweise sogar besitze. Vielleicht ist meine Erwartung etwas hoch angesetzt, aber wenn mir ein Buch unter die Nase kommt, das vor Fehlern nur so strotzt, nur aus Hauptsätzen besteht, eine hahnebüchene Story und absolut platte Charaktere hat - darf ich das dann nicht von meiner Sichtweise her als schlecht bezeichnen? Darf ich nicht die Schaffenskraft des Lektors, der für diese Schandtat verantwortlich war, anzweifeln? Von Lektoren wird gern behauptet, sie hätten sehr hohe Anforderungen. Jedes eingegangene Manuskript wird geprüft, und wenn ihnen was unterkommt, das ihnen stilmäßig nicht behagt, ist das Manuskript weg vom Fenster.
Aber warum kommen einem dann so oft diese grausig geschriebenen Bücher unter, wenn der Lektor doch so viele andere gute Manuskripte zur Auswahl hatte?

Ja, vielleicht gefällt es anderen Lesern, vielleicht verkauft es sich gut, weil es halt eben Trend ist. Wenn ich ein totaler Fan von Historik-Romanen bin, dann kaufe ich alles, was annähernd nach Historik aussieht - ob das Buch gut ist oder nicht ist Nebensache. Das ist wohl das große Problem des Buchmarktes. Die Qualität und Individualität leidet unter dem Kampf um den Bestseller, die Genre-Klone trampeln die Inovationen nieder, und der Markt stagniert in einer Endlosschleife, die nur noch um die Verkaufszahlen rotiert.
Ich verachte die Bestseller-Listen, für mich sind sie ein rotes Tuch. Bleibt vom ganzen Buchmarkt denn nicht mehr übrig als diese zusammengekochte Pampe aus einer handvoll Bücher? Jeder greift automatisch nach diesen Büchern und lässt die anderen liegen. Der Spaziergänger füttert die Ente, die sich am frechsten nach vorne drängt - ob sie gut aussieht und lieb ist, interessiert keinen, aber sie steht vorne, verdrängt die anderen, und somit steht sie allein im Mittelpunkt.
Genauso ist es auch mit dem Buchmarkt.

Ich finde diese Entwicklung erschreckend. Wenn jeder nur noch die Bestseller kauft, wozu dann all die anderen Bücher? Warum nicht einfach zehn erlesene Bücher rausbringen, in eine Liste knallen, jedem vor die Nase halten und sagen: "DAS ist gut, das kauft jeder, also kauf du es auch!"
Titel: Re: Deutsche Verlage und deutsche Nachwuchsautoren
Beitrag von: gbwolf am 18. Juni 2007, 23:01:06
@Atremis: Mal abgesehen davon, dass viele Leser Romane konsumieren wie Vorabendserien und deswegen keine schwere Kost mögen ist genau das die "Chance" der Nachwuchsautoren, denn wenn sie historische Romane schreiben, können sie auf den Markt kommen. Diese Masse kann nicht mehr übersetzt werden, es ist einfacher, sie vor Ort zu produzieren und man kann mit einheimischen Autoren schneller Absprachen treffen und auf den Markt reagieren.
Ich sehe hier also einerseits die Tendenz, viel Massenware zu erzeugen, aber andererseits in den letzten Jahren auch viel mehr Möglichkeiten für deutschsprachige Autoren, Geld zu verdienen und ins Geschäft zu kommen.

Und wie Lomax bereits sagte: Was der amerikanische Lektor versäumt hat, kann der Übersetzer nur zurechtbiegen, wenn er dafür bezahlt wird. Viele Übersetzer werden aber meh schlecht als recht bezahlt und müssen schnell übersetzen, um überhaupt ihre Miete zahlen zu können. Wie oben bereits erwähnt müssen viele Verlage den anglo-amerikanischen Schund bringen und sind deswegen nicht bereit, viel Geld in die Übersetzung zu investieren.

@Manja:
Zitat
Allerdings, um einmal was zu den Kleinverlagen zu sagen - auch da sollte man die Spreu vom Weizen sehr sorgfältig trennen.
Da stimme ich Dir vollkommen zu. Am besten mit den bereits vorhandenen Autoren reden und versuchen, Fakten aus ihnen heraus zu kitzeln (wer seinen Roman an den Mann bringt, ist ja doch oft sehr euphorisch). Wie wird abgerechnet? Wie sieht das fertieg Buch aus? Gibt es ein Lektorat oder wird ganz schnell gedruckt?
Am besten ein oder zwei Bücher des Verlags kaufen und genau ansehen, bevor man irgendetwas unterschreibt.
Titel: Re: Deutsche Verlage und deutsche Nachwuchsautoren
Beitrag von: Feuertraum am 18. Juni 2007, 23:25:59
@ Linda: Prinzipiell gebe ich Ihnen da zwar recht, aber...

Angenommen, ich hätte ein Skript fertig. 300 Normseiten. Mehrfach überarbeitet. Meiner Ansicht nach druckreif. Um nun auf Nummer sicher zu gehen, werde ich allerdings noch bei einem Lektorat reinschauen (sollen). Wortwirkung nimmt zum Beispiel 2,50 € pro Manuskriptseite. Wären summasumarum bei 300 Seiten 750 €
Und eine Garantie, dass ein Verlag sich hinstellt und sagt: Das Teil nehmen wir!!!! ist ja nun auch nicht unbedingt gegeben.
Ich persönlich werde da schon eher ein wenig abgeschreckt. Wohlgemerkt: ich als Privatperson. 750 € kann ich mir nun mal nicht leisten.

Ich werde es mir mal erlauben und die Frage andersherum stellen: Will man nun mit aller Macht und Gewalt ein Manuskript verkaufen, notfalls auch an einen Kleinverlag, hauptsache, man hat SEIN Buch in der Hand? Oder ist es nicht viel sinnvoller, es bei den großen Verlagen zu versuchen, weil man da sein Manuskript dann markttechnisch aufgestylt bekommt?
Und evtl. bessere Verkaufszahlen erzielen, mehr Leser erreichen kann.

Ich denke, man kann erstmal versuchen, bei einem KLeinverlag unterzukommen um dann beim nächsten Manuskript vielleicht sogar ein Lektorat bezahlen kann... ;) Sprich es so zu machen wie bei einer Computerwirtschaftsimulation... ;)

LG

Feuertraum
Titel: Re: Deutsche Verlage und deutsche Nachwuchsautoren
Beitrag von: Lomax am 18. Juni 2007, 23:29:56
..., aber wenn mir ein Buch unter die Nase kommt, das vor Fehlern nur so strotzt, nur aus Hauptsätzen besteht, eine hahnebüchene Story und absolut platte Charaktere hat - darf ich das dann nicht von meiner Sichtweise her als schlecht bezeichnen? Darf ich nicht die Schaffenskraft des Lektors, der für diese Schandtat verantwortlich war, anzweifeln?
Sicher darfst du das ;D Und ich tue es selbst oft genug. Manchmal wundere ich mich schon, wenn ein Buch voller Mängel ist und die Leser sehen es einfach nicht.
Aber irgendwann - vor allem, wenn man von der investierten Arbeit leben muss - dann lernt man zu unterscheiden zwischen Mängeln, die der "Markt" auch merkt und die einfach bekämpft werden müssen; und zwischen solchen, die man eher als persönliches Hobby bekämpfen kann, wenn Zeit & Budget es zulassen. Ersteres würde ich als "handwerkliche Mängel" bezeichnen, Letzteres dann als "künstlerische Defizite".
Und ich stelle fest, dass Erstere bei großen Verlagen doch tendenziell selten zu finden sind, was das Urteil von "wirklich schlechten Büchern" doch relativiert. Denn die Autoren von sprachlich und inhaltlich einfachen Werken wissen zumeist ganz genau, was sie tun, und beherrschen ihr Handwerk sehr gut.
Die Qualität und Individualität leidet unter dem Kampf um den Bestseller, die Genre-Klone trampeln die Inovationen nieder,  ... Jeder greift automatisch nach diesen Büchern und lässt die anderen liegen.
Damit unterstellst du aber automatisch, dass es die "bösen Verlage" sind, die dem Leser etwas unterschieben, was er eigentlich gar nicht will. Und das "bessere" Bücher sich automatisch besser verkaufen würden, wenn die Verlage ihnen eine Chance einräumen würden. Meine Erfahrung ist eher eine andere: Die Leser wollen meist wirklich das kaufen, was sie kaufen. Und sie reagieren eher ungehalten, wenn man ihnen etwas anderes aufdrücken möchte.
Die Verkaufszahlen belegen recht deutlich, dass die Bücher von der Art, die man im Vordergrund findet, sich auch dann besser verkaufen, wenn sie im Hintergrund stehen - und anspruchsvollere Bücher, die als Aushängeschilder gepflegt werden, trotz aller Präsentation deutlich dahinter zurückbleiben.
Titel: Re: Deutsche Verlage und deutsche Nachwuchsautoren
Beitrag von: Lomax am 18. Juni 2007, 23:34:30
Um nun auf Nummer sicher zu gehen, werde ich allerdings noch bei einem Lektorat reinschauen (sollen).
Ich glaube, niemand wird ernsthaft erwarten, dass ein Autor nun schon standardmäßig sein Manuskript professionell lektorieren lässt, bevor er es einem Verlag anbietet. Das ist immer noch die Aufgabe des Verlages, der das Buch dann auch herausbringt.
Auch wenn an Zeit und Mittel dafür gerne gespart wird und die Verlage daher möglichst "druckreife" Manuskripte bevorzugen. Aber ... nein. Ein Lektorat würde ich immer noch vom Verlag erwarten, zusammen mit der Fähigkeit, auch unter unlektorierten Manuskripten die geeigneten ausfindig zu machen.
Titel: Re: Deutsche Verlage und deutsche Nachwuchsautoren
Beitrag von: Feuertraum am 18. Juni 2007, 23:46:40
@ Lomax: Ich glaube, dass der Einfluß der Medien da schon eine starke Rolle spielt.
Als kleines Beispiel: als "Die Gefährten" anlief, haben wir innerhalb von 8 Wochen mehr Herr-der-Ringe Bücher verkauft als sämtliche Buchhandlungen Wolfsburgs in 8 Jahren. Gerade zum Weihnachtsgeschäft gingen bis zu 20 Stück bei uns täglich über die Ladentische.
Namen werden gekauft. Namen sind mittlerweile eine Marke. Pratchett, King, Eschbach, Elisabeth George.
Große Verlage fördern natürlich neue Autoren. Auch angloamerikanische. Sie wollen sie zur Marke machen. Damit die Medien über sie berichten, sie groß ankündigen...und die Käufer auf diese Art und Weise dahin locken wollen, genau DAS Buch zu kaufen.

@ artemis: Ihre Meinung, dass Sie schon eine Menge schlechter Romane gelesen haben, ist natürlich bedingt subjektiv.
Nur der Hinweis, dass Sie besser sind, ist auch subjektiv.
Verstehen Sie das nicht falsch: Ich bezweifele nicht, dass Sie das Handwerk beherrschen. Und ich bezweifele auch nicht, dass Sie sich viel, sehr viel Mühe geben beim Redigieren und allem, was dazu gehört.
Aber letztendlich entscheidet nun mal der Leser/Käufer, ob ihm die Geschichte zusagt oder nicht. Und wenn wir ganz ehrlich sind: wie viele Leser kennen sich im Handwerk des Schreibens aus?
Soviele sind es im Vergleich zun denen, die es nicht tun, nämlich nicht.
Und letztere entscheiden, ob ein Buch gut ist und ihnen gefällt.
Von daher ist Ihr Engagement, die Leute zu guter Literatur zu bewegen, ehrenhaft, aber ein Kampf gegen Windmühlen... ;)

LG

Feuertraum
Titel: Re: Deutsche Verlage und deutsche Nachwuchsautoren
Beitrag von: Linda am 19. Juni 2007, 00:28:32
@ Linda: Prinzipiell gebe ich Ihnen da zwar recht, aber...

Angenommen, ich hätte ein Skript fertig. 300 Normseiten. Mehrfach überarbeitet. Meiner Ansicht nach druckreif. Um nun auf Nummer sicher zu gehen, werde ich allerdings noch bei einem Lektorat reinschauen (sollen). Wortwirkung nimmt zum Beispiel 2,50 € pro Manuskriptseite. Wären summasumarum bei 300 Seiten 750 €
Und eine Garantie, dass ein Verlag sich hinstellt und sagt: Das Teil nehmen wir!!!! ist ja nun auch nicht unbedingt gegeben.
Ich persönlich werde da schon eher ein wenig abgeschreckt. Wohlgemerkt: ich als Privatperson. 750 € kann ich mir nun mal nicht leisten.

Ich werde es mir mal erlauben und die Frage andersherum stellen: Will man nun mit aller Macht und Gewalt ein Manuskript verkaufen, notfalls auch an einen Kleinverlag, hauptsache, man hat SEIN Buch in der Hand? Oder ist es nicht viel sinnvoller, es bei den großen Verlagen zu versuchen, weil man da sein Manuskript dann markttechnisch aufgestylt bekommt?
Und evtl. bessere Verkaufszahlen erzielen, mehr Leser erreichen kann.

Ich denke, man kann erstmal versuchen, bei einem KLeinverlag unterzukommen um dann beim nächsten Manuskript vielleicht sogar ein Lektorat bezahlen kann... ;) Sprich es so zu machen wie bei einer Computerwirtschaftsimulation... ;)

LG

Feuertraum


@Feuertraum

wollte ich Werbung für meinen Lektoratservice machen, würde ich das im Bereich [Werbung] posten.
Ich könnte jetzt beleidigt sein, dass man mir so platte Motive unterstellen will. Irgendwann kam (von ?) schon mal eine ähnliche Anschuldigung und ich überlege mir langsam, ob es noch Sinn macht, im Zirkel zu bleiben, wenn allgemeine Anmerkungen aus meinem beruflichen Alltag als dumme und durchschaubare Eigenwerbung dargestellt und interpretiert werden.

Nein, ich rede im obigen Beispiel von VERLAGS-Lektoren, die sich um angekaufte Manuskripte kümmern. Von Menschen, die bezahlt werden, damit sie ein Werk in einem Verlag druckreif machen. Denn genau das gehört zu dem noblen Gewerbe des verlegens und vorlegens von Geld.

Gruß,

Linda

Titel: Re: Deutsche Verlage und deutsche Nachwuchsautoren
Beitrag von: Feuertraum am 19. Juni 2007, 00:35:51
Stop!

Da liegt ein Mißverständnis vor: ich wollte Ihnen weder platte Motive unterstellen, noch Sie angreifen. Mit meinem Posting wollte ich nur sagen, dass ich als Privatperson (derzeit) keine Möglichkeit sehe, mir ein Lektorat zu leisten.
Das ich dabei den Preis von Ihnen genommen habe, lag schlichtweg daran, dass mir dies als erstes einfiel.

Sollte wirklich keine Beleidigung oder dergl sein.

LG

Feuertraum
(der Linda die Friedenspfeife anbietet)
Titel: Re: Deutsche Verlage und deutsche Nachwuchsautoren
Beitrag von: Linda am 19. Juni 2007, 00:46:23
Hallo Feuertraum,


Stop!
Da liegt ein Mißverständnis vor: ich wollte Ihnen weder platte Motive unterstellen, noch Sie angreifen. Mit meinem Posting wollte ich nur sagen, dass ich als Privatperson (derzeit) keine Möglichkeit sehe, mir ein Lektorat zu leisten.
Das ich dabei den Preis von Ihnen genommen habe, lag schlichtweg daran, dass mir dies als erstes einfiel.

Sollte wirklich keine Beleidigung oder dergl sein.

LG

Feuertraum
(der Linda die Friedenspfeife anbietet)

Hallo Feuertraum,

nun ja, bin ja eigentlich Nichtraucher aus Überzeugung, aber so ein Angebot kann man natürlich schlecht ausschlagen.

Das Missverständnis ist die eine Sache, aber die wichtigste Aussage möchte ich entschieden negieren:

Mit meinem Posting wollte ich nur sagen, dass ich als Privatperson (derzeit) keine Möglichkeit sehe, mir ein Lektorat zu leisten.

Das muss auch niemand. Vielleicht sollte das auch niemand, der ernsthaft eine schreiberische Karriere anstrebt (und nicht um, nur als Bsp. seine Memoiren für die Enkel verfasst und nicht sattelfest in NDR ist).
Es kommt da nicht auf Preise o.ä. an. Lektorat (im literarisch gebräuchlichen Sinne) ist im Grunde die Aufgabe des Verlags. Ein Lektor kauft meist eine Idee mit einem Ziel ein, auf das hin er das Script hin lektoriert. Mal mehr mal weniger.
Unlektorierte Manuskripte kann man mit veröffentlichten Werken nicht vergleichen. Mehr wollte ich nicht ausdrücken.

Grurß,

Linda
Titel: Re: Deutsche Verlage und deutsche Nachwuchsautoren
Beitrag von: Artemis am 19. Juni 2007, 08:59:27
Nur der Hinweis, dass Sie besser sind, ist auch subjektiv.

Ich habe nicht behauptet, besser zu sein - so was maße ich mir nicht an  ::)
Vielleicht liegt es bei mir daran, dass zwei Persönlichkeiten in mir stecken: der Leser und der Autor. Der Leser will unterhalten werden, er schert sich nicht um grammatikalische, stilische und gedankliche Fehler. Er will einfach nur lesen und sich an dem Roman erfreuen.
Der Autor in mir kann das nicht. Ich tue es nicht gerne, ich hasse diese Angewohnheit von mir, aber ich muss jeden Roman beim Lesen sezieren wie ein Chirurg. Und sehr oft passiert es, dass mir dieses (schon fast pingelige) Sezieren die Lust an dem Buch nimmt. Sobald mir der Stil nicht behagt, ich die Entwicklung der Sprache, der Geschichte, der Protagonisten nicht mag, weil ich es als Auor halt so und so gemacht hätte, lasse ich das Buch fallen. Der Leser in mir hätte das Buch vielleicht gut gefunden, aber der Autor macht da leider einen Strich durch die Rechnung v_v°
Die Nur-Leser haben diese Sorgen nicht, sie brauchen nur zu konsumieren. Ihnen würde es selten in den Sinn kommen, die Story in eine andere Richtung zu spinnen, nur weil sie ihnen in der jetzigen Form nicht zusagt.
Vielleicht sollte ich das zum besseren Verständnis meiner Postings erwähnen. 


Ich bin frustriert, ja, vielleicht. Der Buchmarkt enttäuscht mich. Ich bin ein Kind, das vor verschlossenen Türen steht, während die anderen Kinder drinnen fröhlich spielen dürfen. Die Tür der großen Verlage wird für mich zu bleiben, sofern kein Wunder geschieht - daher wende ich ihnen freiwillig den Rücken zu und suche mir eben eine andere Tür, die sich bereitwilliger öffnet.
Oh je, jetzt werde ich melodramatisch  :innocent:
*hust hust*

Nun ja, wie auch immer ... O_o Jedenfalls bin ich von den großen Verlagen maßlos enttäuscht und werde auch in Zukunft keine Energie mehr daran verschwenden, mich von ihnen verletzen und zu Boden werfen zu lassen. Die Verlage haben die scheußliche Eigenschaft, uns zu lehren, wie man sie leidenschaftlich hasst - und zugleich lassen sie den ewigen Autoren-Traum in einem aufkommen, dass man erst dann erfolgreich ist, wenn man bei ihnen eintreten darf. So etwas ist wirklich schon fast psychischer Stress.
Ich will mich an meinen Geschichten erfreuen, andere damit glücklich machen, ohne als Bestseller oder Star-Autor im Rampenlicht zu stehen - das war nie meine Absicht gewesen. Aber mit diesem Wunsch bin ich bei den Verlagen kein gern gesehener Gast. Sie wollen verkaufen, knallhart kalkulieren. Was der Autor möchte, ist drittrangig.
Genau aus dem Grund gehe ich zu den kleinen Verlagen, lasse mein Buch in kleinen Auflagen drucken, verteile es in die Welt und bin glücklich damit. Ich verdiene absolut nichts dabei, aber das ist mir gleichgültig. Solange es ein paar Menschen gibt, die mögen, was ich schreibe, ist das für mich ein großer Ansporn - und er ist definitiv größer als der Rückhalt eines großen Verlages, der Bücher verlangt, verschlingt und verheizt und uns als Autoren leer und hohl wie Puppen zurücklässt, nur um den allgemeinen Markt zu befriedigen.
Das ist nicht das, was ich will  :'(


Zum Thema Lektoren: Ich bin nie viel mit ihnen in Kontakt getreten und habe ihre Hilfe noch nie genießen dürfen, deshalb kann ich dazu nicht viel sagen. Lektoren und Bücher sind für mich das gleiche Paar wie der Visagist und das Model: Lektoren und Visagisten verschönern und perfektionieren das, mit dem sie arbeiten. Würde man das "Rohprodukt" sehen, wäre man wohl überrascht über seine Einfachheit. Erst durch das richtige Feilen und Schminken sind sie reif für den Laufsteg - oder eben für die Bücherregale.
Titel: Re: Deutsche Verlage und deutsche Nachwuchsautoren
Beitrag von: Lavendel am 19. Juni 2007, 12:20:25
Es ist hier schon ansatzweise geäußert worden, aber ich will es nochmal deutlich sagen:

Wenn ein Buch zum Bestseller wird, dann hängt das selbstverständlich zum Teil an der Werbung, aber wenn der Inhalt niemanden begeistert, hilft am Ende auch die beste Werbung nicht.
Was man nicht vergessen darf ist, dass die meisten Bücher, die heutzutage im literarischen Kanon sind ihrerzeit selbst Bestseller waren. Populäres Beispiel: Charles Dickens (man sagt, er sei mit einem Stift in der Hand gestorben ;)). Er hatte ständig Druck, Deadlines, musste auf die Wünsche der Leute eingehen. Und er gehörte zu der ersten Generation Schriftsteller, deren Publikum auch aus Arbeitern bestand und nicht aus Söhnen und Töchtern der Mittelklasse.
Was der breiten Masse gefällt ist nicht schlecht!
Ich glaube, es wird oft vergessen, dass auch Verkaufzahlen dabei behilflich sind, ein Buch in den Kanon reinzubringen. Zwanzig, dreißig Jahre später sagt man dann: Ja, das ist ein gutes, anspruchsvolles Buch mit Aussage, gesellschaftskritischen Ansätzen und so weiter und so weiter. Aber es ist äußerst selten, dass solche Bücher keine Bestseller waren.
Und schließlich: Romane wollen unterhalten. Oder liege ich da falsch? Welches Ziel hat ein/e Leser/in, wenn er/sie in den Buchladen an der Ecke geht und sich einen Roman schnappt? Unterhalten werden.
Versteht mich nicht falsch: Ich finde man sollte auf jeden Fall über das schreiben, was einen selbst interessiert und bewegt. Aber man darf auch nicht vergessen, dass wenn man irgendwann veröffentlichen will, auch ein paar Leser dafür da sein müssen.
Ich glaube nicht, dass die großen Verlage so verteufelt böse sind, wie manche hier meinen. Natürlich sind sie an Profit interessiert. Warum sollte man Bücher veröffentlichen, wenn es da kein Geld zu holen gäbe? Ein/e Schriftsteller/in will ja auch für gute Arbeit bezahlt werden (obwohl ich nich sagen will, dass man nur für Geld schreiben soll. Auf keinen Fall! Man sollte schreiben, weil man nicht anders kann, sonst sollte man einen anderen Beruf ergreifen ;)) Ich weiß aber nicht, was daran so besonders ungewöhnlich oder schlecht sein soll, wenn man sich vor Augen führt, dass wir nunmal in einer kapitalistischen Gesellschaft leben.
Und ich wüsste auch nicht, warum die großen Verlage auf ihren Webseiten angeben sollten, in welcher Form und wohin sie unverlangte Einsendungen gern hätten, wenn sie sie nicht  haben wollten. Da würde es reichen zu schreiben: keine unverlangten Einsendungen bitte! und fertig. Ich nehme mal an, das bedeutet Verlage suchen Autoren. Und wer gut ist, wird auch irgendwann genommen - auch wenn man vorher fünfzig oder mehr Absagen kassiert hat (das ist ja auch bei Bestsellern nicht ungewöhnlich). Die Lektoren müssten sich nicht die Mühe machen, sich durch riesige Stapel durchzuarbeiten, wenn sie nicht ganz selten mal einen kleinen Edelstein dazwischen finden würden (darum glaube ich auch nicht an den Mythos, dass Lektoren nicht alles zumindest anlesen).
Was man als Autor meiner Meinung nach wirklich braucht ist Durchhaltevermögen und ein bisschen Optimismus. Nicht nur beim Schreiben selbst, sondern auch danach.
In diesem Sinne: Schultern straffen, tief durchatmen und weiter gehts!
Titel: Re: Deutsche Verlage und deutsche Nachwuchsautoren
Beitrag von: FeeamPC am 21. Juni 2007, 00:44:15
Hallo Leute,
ich glaube, ich muß auch noch eine Lanze für die großen Verlage brechen. Die meisten Manuskripte, die dort eingeschickt werden, dürften wirklich nicht veröffentlichungsreif sein.
Ich selbst habe einen Mini-Kleinstverlag für eine ganz spezielle, eher ortsbezogene Nische, und selbst bei mir sind bereits unverlangte Manuskripte gelandet, bei denen sich bereits beim ersten Durchlesen meine Nackenhaare sträubten. Nicht etwa der Fehler wegen, sondern weil der Inhalt so banal war, daß selbst die Kochrezepte der Fernsehzeitung interessanter und spannender schienen. Spannungsbogen? Nie gehört!
Ich finde es recht schwierig, den hoffnungsvollen Autoren zurückzuschreiben, daß sie doch lieber etwas anderes (oder eher nichts) schreiben sollten. Von daher ist es seitens der großen Verlage vermutlich die blanke Notwehr, auf formale Vordrucke auszuweichen.
Auf der anderen Seite habe ich einen Krimi im Programm, der zwar überhaupt nicht zu meinen sonstigen Büchern paßt, den ich aber bereits beim ersten Kapitel so gut fand, daß ich ihn unbedingt verlegen wollte. Der Krimi hatte bereits einige Absagen der großen Verlage hinter sich...
Übrigens war er bereits mehrfach von der Autorin überarbeitet und von dritten Personen korrekturgelesen worden, und trotzdem sah das Manuskript nach meiner endgültigen Durchsicht noch leicht bunt aus.
Wie ich von meinen eigenen Bücher bestätigen kann: Als Autorin/Autor ist man seinem eigenen Werk gegenüber betriebsblind...

Titel: Re: Deutsche Verlage und deutsche Nachwuchsautoren
Beitrag von: Antigone am 21. Juni 2007, 09:19:45
Hi!

Ich bin mir nicht sicher, ob das hier jetzt wirklich dazu passt, anderseits gehörts doch irgendwie zum Thema. Ich kann mir schon gut vorstellen, dass Verlage mit unglaublichen Mist zugemüllt werden. Anderseits werden manche von diesen grottenschlechten Büchern aber dann doch veröffentlicht. Ich will ja nicht wieder ein derzeit sehr populäres buch mit Drachen erwähnen....

Aber ich hab grad einen Liebesroman gelesen (hin und wieder braucht frau Schonkost), der war sowas von flach, klischeehaft, unspektakulär und so gegen jede Schreibregel geschrieben, dass es fast schon wieder lustig war. Völlig eindimensionale Charaktäre, ausschließlich tell und no show, jedes Hauptwort war mit mind. 2 Adjektiven behaftet etc. etc... (die öden Sexszenen will ich jetzt nicht erwähnen)

Warum ich das erwähne? Nun, auch dieses Ding wurde veröffentlicht. Dh. trotz all dieser Mängel (und trotz der Lektüre einiger Schreibratgeber bin ich kein übermäßig kritischer Leser) hat das ein Verlag genommen. Und sowas stößt einem dann doch sauer auf. Es ist nämlich ein deutliches Zeichen, dass Verlage eben doch nicht nur gute und reife Werke veröffentlichen. Und da denk ich mir dann schon: warum das und nicht meines?

Lg, A.

PS: dabei will ich jetzt gar nicht gegen anspruchslose Unterhaltungsliteratur wettern - aber auch dieser Liebesroman hätte nur gewinnen können, hätte man ihn nach den gängigsten Schreibregeln überarbeitet.
Titel: Re: Deutsche Verlage und deutsche Nachwuchsautoren
Beitrag von: gbwolf am 21. Juni 2007, 09:35:03
Zitat von: Antigone
Und da denk ich mir dann schon: warum das und nicht meines?
@Antogone: Ich denke, einen Nackenbeißer kann man nicht mit Fantasy vergleichen. Der Markt dort scheint mir wesentlich anspruchsloser zu sein. Schreib' einen richtig schönen Klischeeroman und schau, was passiert. Ich kann mir gut vorstellen, dass junge Nachwuchsautoren, die bereit sind, regelmäßig eine gewisse Masse dieser Dinger zu produzieren, gerne genommen werden. Da wird auch viel mehr produziert, als in der Fantasy
Zitat von: Antigone
Ich will ja nicht wieder ein derzeit sehr populäres buch mit Drachen erwähnen....
Wenn es das ist, woran ich denke: Wir reden ja vor allem über den deutschen Literaturmarkt und die Chancen. Das Grauenvolles aus dem Ausland eingekauft und dann oft noch schlecht und schnell übersetzt wird, ist leider eine Tatsache.

Bei den guten und sehr hochwertigen Sachen ist es so, dass die Verlage durchaus deutsche Autoren suchen. In einem sehr anspruchsvollen Verlag hat mir der Lektor anvertraut, dass sie ein deutsches Ausnahmetalent suchen, weil eben Lizenzen teuer sind, weil man mit einem deutschen Autor reden, das anu besprechen und was ändern kann. Aber leider finden sie keinen, der literarisch hochwertig genug Fantasy schreibt. Oder der wird von einem anderen erlag weggeschnappt. Er liest und prüft sorgfältig jede Einsendung, die an seiner erfahrenen Sekretärin vorbei kommt und wer von ihm persönlich abgesagt wird, kann ihn anrufen, weil er eine Liste neben sich liegen hat, auf der der Ablehnungsgrund steht. Und das ist bei vielen Lektoren so.
Der Absagebrief ist natürlich neutral gehalten, weil sonst die Autoren ständig nachhaken und sich gegen die Vorwürfe verteidigen wollen (man sehe sich die Diskussionen auf großen Kurzgeschichtenplattformen an!).

@FeeamPC: Finde ich gut, dass Du den Krimi verlegt hast. Da werden sich einige Große viellicht irgendwann ärgern, dass sie das übersehen haben.

Lavendel:
Zitat von: Lavendel
Und ich wüsste auch nicht, warum die großen Verlage auf ihren Webseiten angeben sollten, in welcher Form und wohin sie unverlangte Einsendungen gern hätten, wenn sie sie nicht  haben wollten.
Was ich gut fände wäre, wenn die Verlage auf ihren Seiten deutlicher machen würden, was und in welcher Form sie bekommen wollen. Auf den Seiten des Ariadne-Verlags findet sich zum Beispiel eine Anleitung, wie man ein Exposé schreibt und sie erläutern auch, was sie im ersten Anschreiben gerne hätten. Es ist erstaunlich, wieviele Autoren keine Ratgeber lesen, sich nicht informieren und wasweißich hinschicken.
Aber wahrscheinlich würden noch immer bunte Pakete mit Federn und Multimedia-DVD kommen, wenn auf der Homepage stünde: Bitte ohne Schnickschnack!

Titel: Re: Deutsche Verlage und deutsche Nachwuchsautoren
Beitrag von: Cailin am 21. Juni 2007, 09:59:39
Ich muss jetzt auch mal für die großen Verlage in die Bresche springen - wobei ich betonen will, dass ich auch schon genug Absagen kassiert habe.

Nach einer dieser Absagen hat mir ein Lektor eines dieser großen Verlage am Telefon gesagt, dass ihm mein Skript sehr gut gefallen hat, dass er es aber leider vor dem Hintergrund, was derzeit am Markt verlangt wird, nicht machen kann. Wenn z.B. schwertschwingende Ein-Mann-Armeen à la Conan von der Masse der Leser bevorzugt werden, muss der Verlag ihnen das liefern, auch wenn er dafür anderen guten Skripten absagen muss.

Dass ein Verlag bzw. ein Lektor für einen unbekannten Autoren alles auf eine Karte setzt und ihn auf Teufel komm raus macht - aus welchen Gründen auch immer - obwohl sein Roman jetzt nicht 100% ins Schema passt, soll zwar auch schon vorgekommen sein, ist aber wohl eher die Ausnahme. - Was für mich aber auch irgendwie nachvollziehbar ist.

Also letztendlich ist auch das Verlagsgeschäft und welches Skript genommen wird (ob gut oder schlecht) abhängig von dem alten Gesetz von Angebot und Nachfrage. Wobei hier ganz klar der Schwerpunkt auf der Nachfrage liegt.
Titel: Re: Deutsche Verlage und deutsche Nachwuchsautoren
Beitrag von: Amber am 03. Juli 2007, 03:38:27
Mich ödet der Buchmarkt vor allem hier in Deutschland auch enorm an und ich habe schon viele Bestseller gelesen, die ich am liebsten in die Tonne gekloppt hätte. Natürlich ist es so, dass die Nachfrage das Angebot bestimmt - aber ich hänge der Meinung an, dass die meisten Leser überhaupt nicht wissen, auf was sie warten, bis es da ist. Hat irgend jemand in diesem Land gesagt "Ich will unbedingt eine Geschichte über eine Zauberschule und einen armen Waisen lesen"? Und dann war Harry Potter da und verkaufte sich. Mich frustriert einfach, wie die Verlage immer auf Nummer sicher gehen wollen. Warum sich die Mühe machen und etwas Neues versuchen, wenn sich Trendbrettfahrer auch verkaufen? Aber ich glaube nicht, dass eines der Bücher im Kielwasser von Harry Potter dessen Verkaufszahlen erreicht hat. Aber wo es nicht peinlich ist, mit Scheiße Geld zu verdienen (sorry wenn ich das so drastisch sage), sondern ein Grund stolz zu sein (Dieter Bohlen), wieso sollte man sich dann die Mühe machen, mit etwas Gutem Geld zu verdienen?!
Sicher, es gibt Gottseidank auch Bestseller, die ich für gut halte (um das Subjektive zu betonen), wie z.B. "Der Name der Rose". Und viele Autoren, die ich liebe, sind im englischen Sprachraum äußerst beliebt und fallen hier keinem auf (wenn ihre Bücher überhaupt erhältlich sind). Ob das an dem strunzdummen Publikum hier liegt (und das kann doch irgendwie nicht sein, das darf doch nicht sein) oder an der in meinen Augen völlig falschen Vermarktung (fängt schon bei Titelübersetzung und Cover an, graaaaausig was die meinen Lieblingen hier angetan haben).
Na ja. Als Leser schlängel ich mich sowieso auf meinem Pfad fernab der aktuellen Bestsellerlisten entlang. Das was ich will, haben sie in der Buchhandlung eh nie vorrätig. Ich bin ja schon froh, wenn ich meinen Freundeskreis zu meinem 'Kanon' bekehren kann.
Aber als angehender Autor (wozu ich mich noch nicht rechne, so weit bin ich noch nicht) ist die Lage auf jeden Fall eine Quelle der Frustration....
---- etwas unstrukturierter nächtlicher comment
Titel: Re: Deutsche Verlage und deutsche Nachwuchsautoren
Beitrag von: Volker am 03. Juli 2007, 10:17:28
Wir haben vorhin mal die angekündigten Neuerscheinungen nach Rezi-Expemplaren durchgesehen - Ihr glaubt gar nicht, wie viele "Orks" es zum Herbst hin geben wird.
:wums:
Titel: Re: Deutsche Verlage und deutsche Nachwuchsautoren
Beitrag von: Steffi am 03. Juli 2007, 10:24:10
Warum sich die Mühe machen und etwas Neues versuchen, wenn sich Trendbrettfahrer auch verkaufen?

Weil Verlage in erster Linie kein Hort für Kunst sind, sondern Betriebe, die Geld verdienen wollen und fehlgeschlagene Experimente fürchterlich in die Kasse schlagen können?
Titel: Re: Deutsche Verlage und deutsche Nachwuchsautoren
Beitrag von: gbwolf am 03. Juli 2007, 10:33:37
Andererseits benötigen die Verlage auch ab und an jemanden, der dieses Trittbrett vorlegt, sonst würden sie nicht immer wieder versuchen, andere Sachen zu bringen. Von irgendetwas müssen die Trends ja entspringen. Darauf hoffe ich und auf die Nischenverlage, die andere Ideen in immerhin auffälligen Auflagen bringen können.
Gibt es da nicht derzeit den Spruch: "Orks für die Jungs und Priesterinnen für die Mädchen"?
Titel: Re: Deutsche Verlage und deutsche Nachwuchsautoren
Beitrag von: Artemis am 03. Juli 2007, 12:01:18
Ihr glaubt gar nicht, wie viele "Orks" es zum Herbst hin geben wird.
:wums:

Och nein jetzt, oder? Das ist doch nicht denen ihr Ernst! Ich meine, Orks sind mittlerweile so plattgewalzt wie der Teig in Mutters Nudelmaschine o.ô
Ich mag ohnehin keine Orks, weder gute noch böse, also werde ich die Bücher nicht einmal anfassen, geschweige denn kaufen *schauder*  :nöö:

Irgendwie geht die Fantasy-Abteilung den Bach runter, fürchte ich. Elfen, Zwerge, Orks - darum dreht sich alles, das kennt jeder, das ist ne Marke, das verkauft sich. Aber ohne mich! *bestimmt nick*

Mag sein, dass neue Ideen nicht unbedingt in die besten Plätze des Regals geschoben werden, aber meine Güte, lieber habe ich meine eigenen, guten Inovationen, als dass ich diesen vorgequirlten Brei des Buchmarktes zum zehnten Mal aufkoche und den Leuten als Delikatesse anpreise.  :gähn:

Ich hab auch ein paar Klischees in meinem Buch, ja, das muss ich zugehen - aber nur, weil ich die selber mag und in der Form in keinem Buch gesehen habe. Sei es nun eine Amazone mit Minderwertigkeitskomplexen, ein Zauberlehrling mit allzu großem Selbstbewusstsein oder eine alte weise Frau, die röchelnd und hustend Wasserpfeife pafft und weder Achtung noch Feingefühl kennt - ich mag sie, ich schätze sie, und wer was anderes darüber denkt, soll halt die Finger von den Büchern lassen. Das sind meine Bücher, meine Figuren, und die habe ich in erster Linie mal für mich erfunden. Es ist schlimm, wenn ein Autor nur noch als Dienstleister gebraucht wird, um die Bücher zu produzieren, die der Markt verlangt. Es rennt ja auch keiner bei einen Künster und schreibt ihm vor, was er malen soll, oder? Warum müssen wir uns dem allgemeinen Trend anpassen?

Ich habe mich dazu entschlossen, auf Hängen und Würgen das zu schreiben, was ich gern selbst als Leser lesen würde. Wenn die anderen Leser meine Geschichten halt grottig finden, warum schreiben sie es dann nicht besser?
Aber nein, lieber tappen sie brav in die Buchhandlung und schlucken das, was der Buchmarkt ihnen eintrichtert. Traurig, so was ...
Titel: Re: Deutsche Verlage und deutsche Nachwuchsautoren
Beitrag von: Steffi am 03. Juli 2007, 12:24:12
Es ist schlimm, wenn ein Autor nur noch als Dienstleister gebraucht wird, um die Bücher zu produzieren, die der Markt verlangt.

Das ist aber bei einigen Genres nun mal so... vor allem bei Thrillern und Liebesromanen fällt das auf, und eben auch bei Fantasy. Darüber kann man sich ärgern aber es ist kaum zu ändern.  Das ist doch in allen Bereichen so, auch bei Filmen.

Man muss sich halt vorher überlegen, welchen Preis man zahlen möchte, um ein bekannter Autor zu werden. 

Zitat
Wenn die anderen Leser meine Geschichten halt grottig finden, warum schreiben sie es dann nicht besser?

Au Vorsicht, mit diesem Argument bewegst du dich auf sehr dünnem Eis.
Titel: Re: Deutsche Verlage und deutsche Nachwuchsautoren
Beitrag von: Artemis am 03. Juli 2007, 12:27:36
Au Vorsicht, mit diesem Argument bewegst du dich auf sehr dünnem Eis.

Ich weiß, das war ein Ausbruch in meinem Trotz  ::) Pardon, ich bin eben etwas ... direkt.
Aber ich muss mir so oft von anderen Leuten, die gern lesen, anhören, wie sie dies und das und jenes bemängeln und wie man es hätte besser schreiben können. Ich wurde schon angemault, wieso ich keine Elfen in meinem Buch benutzt habe, obwohl mein Volk der Norai (angeblich) Ähnlichkeit mit ihnen hätte - war nicht geplant gewesen und ist in meinen Augen nicht wirklich so, weil meine Norai absolut menschliches Verhalten zeigen. Umbenennen will ich nicht, tu ich nicht, und wenn sich die Leute auf den Kopf stellen.
Ok, jeder hat seinen eigenen Geschmack, also kann der Autor es nicht allen Recht machen. Es ist sein Werk, und das sollte ein Leser auch akzeptieren.
Titel: Re: Deutsche Verlage und deutsche Nachwuchsautoren
Beitrag von: Linda am 03. Juli 2007, 12:30:20
Wir haben vorhin mal die angekündigten Neuerscheinungen nach Rezi-Expemplaren durchgesehen - Ihr glaubt gar nicht, wie viele "Orks" es zum Herbst hin geben wird.
:wums:

und ich habe 1999 mit Rezzal, dem Orkschamanen, diesen Trend vorgelegt - zumindest für Deutschland :-)

Gruß,

Linda
Titel: Re: Deutsche Verlage und deutsche Nachwuchsautoren
Beitrag von: gbwolf am 03. Juli 2007, 12:35:25
 :wache!: Ich bin zwar kein Mod, aber das ist ja irgendwie mein Thread, deswegen hier die kurze Bitte:
Wenn ihr ein bisschen Verlags-Bashing betreiben wollt, dann macht einen Off-Topic-Thread auf. Wir versuchen, ganz sachlich zu diskutieren und die Mechanismen heraus zu arbeiten, nach denen der Markt funktioniert. Ob das jetzt für die künstlerische Freiheit gut oder schlecht ist, sollte nicht so emotional debattiert werden, da ein Gefühlsausbruch oft wider jeder Logik Argumente sieht, die für andere eben nicht gelten.
Edit: Bislang verlief die Diskussion hier unglaublich produktiv und sehr interessant. Vielen Dank dafür. Ein oder zwei Off-Topic-Ausrutscher sind ja ok und ich finde es ganz gut im Rahmen.

Zitat
Irgendwie geht die Fantasy-Abteilung den Bach runter, fürchte ich.
Das sehe ich ganz anders. Der Fantasymarkt geht nach Jahren des Schattendaseins in den letzten Jahren endlich mal hoch. Aus einem verschämten Regal sind Bücherwände geworden. Zwischen der Masse an Unterhaltungsliteratur haben jetzt endlich auch qualitativ hochwertige Bücher eine Chance, die zwar immernoch ein kleines Nischenleben führen, aber gedruckt und verkauft werden.
Und die deutschen Autoren sind im Kommen. Das ist toll und wenn einige amen aufgebaut sind (selbst wenn sie das in den ersten Jahren mit Orks und Elfen tun), dann haben diese Leute auch die Freiheit, andere achen durchzusetzen. Ich denke, der Markt ist noch nicht so weit, die Leute sind noch nicht etabliert genug, um sich durchzusetzen. Das dauert seine Zeit.
Ich bin da sehr optimistisch, wenn ich sehe, wie kreativ explodiert in den letzten Jahren der Kinder- und Jugendbuchmarkt ist, was dort an skurrilen Sachen endlich möglich ist, was vor jahren undenkbar war!

Es gibt viele Sachen, die man als "gut" bewerten kann, aber solange sie nicht unterhaltsam genug für einen großen Leserkreis ist, sind sie Fälle für Kleinverlage und werden sich in einer gewissen Szene großer Beliebtheit erfreuen. Ab und zu schafft es mal einer auf die Bestsellerliste. Ab und zu.

Denn für Fantasy und für SF gilt nach wie vor leider: Es gibt fast mehr Leute, die es schreiben, als Lesen. Besonders an der Kurzgeschichtenszene sieht man das immer eindrucksvoll.
Titel: Re: Deutsche Verlage und deutsche Nachwuchsautoren
Beitrag von: Steffi am 03. Juli 2007, 12:36:47
Ok, jeder hat seinen eigenen Geschmack, also kann der Autor es nicht allen Recht machen. Es ist sein Werk, und das sollte ein Leser auch akzeptieren.

Na ja. Wenn Du jemandem etwas zu Lesen gibst, dann musst du mit Kritik rechnen. Ansonsten behalte deine Werke für dich. Wenn du das Recht hast, deine Geschichte so zu schreiben wie du willst dann haben die Leser das Recht, Kritik zu äußern.
Titel: Re: Deutsche Verlage und deutsche Nachwuchsautoren
Beitrag von: Artemis am 03. Juli 2007, 13:16:00
Ups, jetzt hab ich mir wohl die Zunge verbrannt  :-\

Ich hab ja auch nicht gesagt, dass ich keine Kritik mag - ehrlich gesagt bin ich süchtig nach ihr  :) (frag mal Duana, die kann ein Lied davon singen)
Mir ging es nur darum, dass Leute den Kern meiner Geschichte angreifen wollten, und das hatte mich hart getroffen. Details kann ich ändern, den gesamten Verlauf der Story nicht.

So, aber nun genug in der Gefühlswelt geplanscht, zurück zum Text  ::)


Mit dem Jugendbuchmarkt muss ich dir Recht geben, gbwolf. Wenn ich an meine Kindheit zurückdenke, was gab es da groß zu lesen? Hanny und Nanny, Süderhof, TKKG, Die drei Fragezeichen, Ballett- und Pferderomane ... Betrachtet man den heutigen Markt, ist das eine 180°-Drehung, und das finde ich auch gut so.
Obwohl ich sagen muss, dass es damals diesen Hype um manche Bücher nicht gab. Egal ob Eragon oder Harry Potter - vor gut 10 Jahren waren ausländische Kinderbücher bis auf einige Ausnahem weitestgehend unbekannt. Klar, es gab von erfolgreichen Kinderbüchern auch Serien im TV, aber die haben nie mehr als einen gewissen Kultstatus erreicht. Kinofilm, Merchandising, das gabs damals noch nicht.
Der Buchmarkt muss sich dem Trend halt anpassen, und als engagierter Autor zieht man entweder mit oder bleibt zurück.
Titel: Re: Deutsche Verlage und deutsche Nachwuchsautoren
Beitrag von: Karin am 03. Juli 2007, 14:23:39
Es rennt ja auch keiner bei einen Künster und schreibt ihm vor, was er malen soll, oder?

Doch, natürlich. Es gibt in der Kunstszene durchaus Stilrichtungen, die sich verkaufen. Innovation ist auch dort nicht unbedingt gewollt, wenn jemand als Illustrator o.ä. Geld verdienen will.
Es gibt ebensowenig Leute, die ein Picasso werden und vom Malen sehr gut leben können, wie es Rowlings gibt.

Kunst, in jeder Richtung, egal ob Musik, Malerei oder Schriftstellerei, ist dem Markt unterworfen. Neue Ideen brauchen Glück und Kraft.

Natürlich kann jeder machen was er will und die Ergebnisse in die Schublade stecken. Wer aber Geld verdienen will, wird sich immer erst durchsetzen müssen. Und manchmal führt der Weg zum Erfolg wohl auch über ein Stück Anpassung. Manchmal mag es auch anders gehen.

Jedenfalls gibt es keinen Grund, andere Künstler als besser gefördert anzusehen. Gerade Kunst wird überall immer kürzer gehalten, weil z.B. Städte und Gemeinden immer weniger Geld zur Verfügung haben, um etwas aufzukaufen.

LG,
Karin
Titel: Re: Deutsche Verlage und deutsche Nachwuchsautoren
Beitrag von: Lavendel am 03. Juli 2007, 18:00:46
Andererseits, bevor man sich beschwert, dass Kunst nicht genug gefördert wird, muss man sich auch über die Auswirkungen der Förderung auf die Kunst Gedanken machen. Erstens wird in Deutschland ziemlich stark gefördert, zweitens sollte man sich natürlich fragen, welche Auswirkungen das auf die künstlerische Entwicklung hat, denn wenn der Staat fördert, kann er eben in eine bestimmte Richung fördern.

Fantasy mag momentan boomen, aber ich sehe die Situation trotzdem nicht so optimistisch. Ich denke, dass diese Hoch sich in ein paar Jahren verzieht und so einige Karrieren auf der Strecke bleiben. Ich wäre also noch ein bisschen vorsichtig.
Titel: Re: Deutsche Verlage und deutsche Nachwuchsautoren
Beitrag von: Grey am 04. Juli 2007, 01:29:18
naja, aber die, die wandlungsfähig sind, ohne sich selbst zu verraten, könnten eine Chance haben... wie z.B. Madonna im Musikgeschäft. Das ws sie heute macht hat mit ihren Anfangswerken nur noch wenig zu tun - trotzdem ist es irgendwie immer noch ihr Stil - das müsste doch in der Fantasy-Literatur auch möglich sein...
Titel: Re: Deutsche Verlage und deutsche Nachwuchsautoren
Beitrag von: Karin am 04. Juli 2007, 10:25:05
Und ein Autor entwickelt sich. Das führt automatisch zu einer Wandlung.

Die meisten Leute, die es schaffen, ein Buch zu verlegen, können davon nicht leben, werden also einen anderen Broterwerb haben. Selbst wenn sie in 10 Jahren nicht mehr veröffentlichen können, dürften sie also in kein riesiges Loch fallen.

Wer jetzt den Sprung schafft, kann sich erstmal freuen. Was später kommt, weiß man in keinem Job. Und jetzt kann man den Sprung wohl sogar mit Fantasy schaffen und eben auch als deutscher Autor. Das ist eine Chance, die vielleicht gering ist, aber vorhanden.  :)
Titel: Re: Deutsche Verlage und deutsche Nachwuchsautoren
Beitrag von: Cailin am 04. Juli 2007, 10:32:51
@Grey: Das ist möglich.
Nur weil man für den 'Markt' schreibt, kann man dennoch seinen Stil beibehalten. Vielleicht macht man sich keinen Namen z.B. im Jugendbuch oder der High Fantasy, dafür aber vielleicht in einem anderen Sektor. Und wenn man Glück hat, führt irgendwann von dort auch ein Weg zu dem zurück, was du eigentlich schreiben wolltest. :jau:
Titel: Re: Deutsche Verlage und deutsche Nachwuchsautoren
Beitrag von: Azrael am 04. Juli 2007, 14:05:02
Hallo zusammen!

Ich verfolge die Diskussion schon lange mit wachsamen interessierten Auge.
Warum erzähle ich das gerade? Nun ja, ich beginne mal von vorne. Vor einiger Zeit habe ich viele Autorenworkshops und Kurse belegt und bin dabei immer wieder interessanten Menschen begegnet. Sowohl Nachwuchsautoren, Lektoren und Verlagseigentümern. Was mir dabei auffiel war, dass in diesen Kursen weniger auf die Qualität des Textes oder auf das Handwerk im Allgemeinen geachtet wurde, sondern das Hauptaugenmerk vor allem daran lag, wer von uns am Wandelbarsten, Belastbarsten und am Produktivsten ist. Wir haben schnell gelernt, dass es in diesem "Massengeschäft" nicht um die Qualität im Allgemeinen ging oder geht, sondern viel mehr darum, wie schnell kannst du ein Buch zu einem hippen Thema schreiben, damit der Verlag noch auf diese Schiene aufspringen kann und noch ein Stück vom Kuchen abzubekommen oder du selbst.

Um ehrlich zu sein, das ist mir persönlich zu plump. Um ein gutes Buch zu schreiben - und mit gut meine ich wirklich gut  und einigartig - braucht es vor allem interessante Ideen und was am Wichtigsten ist Zeit. Sehr viel Zeit.

Ich weiß nicht, ob es euch schon selbst aufgefallen ist, aber ich habe in den letzten Jahren etwas sehr Interessantes auf dem Büchermarkt beobachtet. Ich schreibe das jetzt sehr ausführlich hier her, da ich euch diese Kuriosität gerne etwas Näher bringen möchte. Ich weiß, das was ich jetzt schreibe ist nichts Neues - aber ich erzähle es euch mal aus der neuen satirischen Perspektive.;D  ;D

Nehmen wir jetzt irgendeinen Autoren her, der jahrelang an seinem Buch und seiner Idee herumgefeilt hat - nennen wir ihn mal Mr. X. Nun Mr. X schrieb ein interessantes Buch zum Thema "Stricknadelkungfu". Zu diesem Zeitpunkt hat niemand ein packendes Buch über dieses Thema  geschrieben, da das Thema bereits beerdigt wurde und es schon seit Jahren in Frieden unter der Erde ruhte - vor allem seit der letzten "Stricknadelkungfu Ära" vor etwa 60 Jahren. Tja, aber Mr. X schrieb nicht irgendein Buch, sondern das Buch und glaubt mir, Leute noch nie wurde so leidenschaftlich über "Stricknadelkungfu" geschrieben als zu diesem denkwürdigen Zeitpunkt.

Nun sucht Mr. X einen Verlag für sein Buch ... er schreibt zahllose Verlage an und erhält 100te von Absagen mit der Begründung, dass das Buch nicht ins Verlagsprogramm passen würde, und das Thema "schon lange beerdigt" sei. Irgendwann beißt doch ein Verlag an, der gerne etwas Frisches und vor allem Neues ausprobieren möchte. Vielleicht braucht er  auch einen Flopp um ihn steuerlich abzusetzen, oder er hat genügend Geld zur Verfügung, um sich auf ein waghalsiges Experiment einlassen zu können. Wie auch immer, er tut es eben.  Mr. X bekommt einen Vertrag und sein Buch wird gedruckt.

Was passiert - zunächst kaufen nur ein paar wenige dieses Buch, für das so gut wie gar keine Werbung gemacht wurde, und dessen Einband mehr "Abschreckt" als zum "Kauf" alamiert, und welches so gar nicht in das Regal zu den anderen Büchern passen möchte. Aber vielleicht sticht es gerade deshalb so heraus - weil es eben anders ist. Und dann gibt es da noch das sonderbare Häufchen von Lesern, die sich gerne auf ein neues Leseexperiment einlassen, nur um den Massenschund zu entgehen.

Was passiert weiter. Mr. X ist kein Einfallspinsel. Er hat das Buch geschrieben. Es strotzt nur so von Skandalen und bösen Machenschaften und die Geschichte rührt die Leser unterschiedlich. Manche regen sich darüber auf, andere sind total paralleliesiert, andere werfen ihre Bibeln aus dem Haus und machen es zum Zentrum ihrer neuen Lebensphilosophie und Religion und beten es regelrecht an. Kurz gesagt - es ist ein Kassenschlager! Und das erzählt man gerne weiter. Das Buch verkauft sich nun - und wie es sich verkauft. Die Leute plündern ihre Sparbücher und Konten, um es zu lesen und zu besitzen.  Nach genügend Mundprobaganda erkennt auch der Verlag, dass daraus noch mehr Geld zu holen ist - und das Buch bekommt mal einen neuen hübschen Einband und als Sonderedition einen mit goldgeprägten Buchrücken. Und als besonderer Leckerbissen hat Elvis persönlich das Vorwort geschrieben. Mr. X muss plötzlich Interviews geben und es werden sogar hitzige öffentliche Diskussionen darüber in den Medien geführt. Zu guter Letzt segnet der Papst persönlich das von Gott verfasste Werk in seiner Osterpredigt.

Mr. X legt einen zweiten Roman nach, den er hat ja genügend davon in seinen Schubladen zu Hause und kann den Erfolg noch gar nicht richtig registrieren. Alles dreht sich plötzlich um ihn und seiner Persönlichkeit und man hat ihn sogar bereits als Präsidentschaftskanditat im Gespräch.

So und nun frag ich euch weiter - ist es dann nicht logisch, dass andere auf das Pferdchen mit rauf springen wollen? Innerhalb eines Jahres erscheinen nun bei allen größeren Verlagen  weltweit "Stricknadelkungfu- Bücher". Die Verlage schreiben ihre promineten Autoren an und flehen sie auf Knien an  ein "Stricknadelkungfu" Buch zu produzieren und plötzlich schreiben sie alle über ein und das selbe Thema - natürlich leicht und schlau abgeändert. Die ersten Bücher sind noch gut, da es viele gab, die ebenfalls darüber schreiben wollten, aabber bis jetzt keinen Verlag gefunden hatten - so wie Mr. X. Dann folgt eine Ära, wo plötzlich namhafte Autoren, die nie ein Exemplar zu diesem Genre verfasst haben plötzlich zu Experten werden und tatkräftig ein Buch nach dem anderen zu diesem Thema pluplizieren. Selbst Frischlinge versuchen sich darin und hoffen so in einem Verlag unterzukommen.  Und irgendwo nach ein zwei Jahren gibt es einen Verlag, der noch etwas Geld zur Verfügung hat, oder einen Flopp steuerlich abschreiben möchte oder einfach nur mutig ist, um sich auf ein gewagtes Experiment einzulassen. Und plötzlich bekommt dieser Verlag das Buch der Autorin Mrs. Y zu Gesicht, die jahrelang an ihrem Roman mit dem Thema "Eichhörnchensalat" gesessen hatte und damit das Buch geschrieben hat, welches in Zukunft eine ähnliche Massenhysterie auslösen wird.

Ich denke, das ein Großteil der deutschsprachigen Verlage so funktionieren. Das Geld für wirklich originelle Ideen oder für waghalsige Experimente ist kaum da, um junge Frischlinge zu fördern. Und wenn doch, dann sind es meistens diese neuen Frischlinge, die mit ihren Ideen neue Massstabe setzen, so wie es bei Rowling, Dan Brown, Herr der Ringe Auferlebung usw der Fall ist und war. Danach folgen fünf bis zehn wirklich gute "Nachahmer - Bücher", die meist von Autoren stammen, die selbst jahrelang ein Buch zu diesem Genre geschrieben haben, und deren Bücher bis zu diesem Auferlebungszeitpunkt nur abgelehnt wurden, da sie nicht in die Verlagsschiene passten. Diese Bücher sind noch mit Herz und Hirn geschrieben und wirklich gute lesenswerte Werke. Ich bezeichne sie gerne als die Lichtfunken. Danach folgt die Graue Welle der Nachahmer - meist von renovierten Autoren, die auf das Pferd aufspringen möchten. Diese Bücher sind zum Teil gut und schlecht. Und was danach kommt ist nicht mehr nennenswert, denn dies ist die schwarze Suppe, die dann den Markt überschwemmt in der Hoffnung etwas vom Kuchen zu ergatern.

Man investiert heute lieber in alt bekanntes und in all das, was gerade "modern" ist und hofft damit das große Geld zu verdienen. Ich kann dazu nur sagen, dass mir das persönlich sehr nahe geht. Da dadurch die Chancen für uns Jungen so gering wie möglich gehalten werden und dies verstehe ich nicht. In meiner persönlichen Welt steht für mich die Förderung des Nachwuschses immer an oberster Stelle. Ich habe nichts dagegen, wenn fest eingesessene Autoren ihre Bücher produzieren und verlegen lassen. Von den alten Hasen kann man sehr viel lernen. Aber was mich dabei stört, ist das diese Hasen sich immer wieder dazu verleiten lassen in Revieren zu wildern, die nicht für sie bestimmt sind nur um ein paar saftige Halme abzubekommen. Ich habe nichts dagegen, wenn ein alter Hase sich weiterentwickelt - nein ganz und gar nicht. Manche tun das sogar sehr erfolgreich - jedoch ärgert es mich, wenn einer von diesen ein "schwarze Suppe" Buch schreibt und dieses als große Phase seiner Weiterentwicklung als Autor ankündigt, obwohl nach dem Lesen schon klar wird, dass dies nicht der Beweggrund dafür war - sondern nur die Provitgier. Und zu letzteres will ich mich wirklich nicht gesellen - nein danke :no:

Ich persönlich habe mich sehr darüber gefreut, dass es im Bereich Fantasy bergauf ging - anfangs zumindest. Mittlerweile befinden wir uns auch in der "schwarzen Suppe Zone" und vieles, das auf dem Markt veröffentlicht wird, ist nur noch die Kopie von der Kopie usw. Etwas wirklich Neues, das mich umhaut habe ich im Bereich Fantasy in letzter Zeit nicht gefunden - hin und wieder stößt man auf ein gutes Werk - doch die sind leider sehr in der Minderzahl. Daher konzentriere ich mich mehr auf den Kinder- und Jugendbuchmarkt. Hier hat sich in den letzten Jahren sehr viel geändert und die "Massenschiene" hat hier noch nicht so sehr duchgegriffen, wie in der Erwachsenenliteratur. Hier findet man unterschiedliche Themen vor und der Markt für neue interessante Ideen ist viel größer als bei den Erwachsenen. Das motiviert gute Manuskripte und originelle Ideen an die Verlage zu schicken.  ;) ;D

In diesem Sinne liebe Grüße
Mondstern 
Titel: Re: Deutsche Verlage und deutsche Nachwuchsautoren
Beitrag von: Lavendel am 04. Juli 2007, 17:28:55
Renovierte Autoren also?  ;D

Ich gebe dir Recht, Mondstern. Im Moment ist das Angebot an Fantasy eine gräuliche Masse aus widergekäuten Stoffen. Es gibt kaum Bücher, die mich zum staunen bringen können. Allerdings finde ich, dass gerade das ein guter Zeitpunkt ist damit anzufangen, das Genre neu zu definieren. Ich rede jetzt nicht von 'lasst uns etwas noch nie dagewesenes schreiben'. Aber es wäre langsam angebracht einige festgefahrene Strukturen zu überdenken. Kann sein, dass man dafür x Absagen kassiert, aber wenn man ein gutes Buch geschrieben hat (ein wirklich gutes), dann bin ich überezeugt, dass man es auch auf den Markt bekommt.
Titel: Re: Deutsche Verlage und deutsche Nachwuchsautoren
Beitrag von: Azrael am 04. Juli 2007, 18:28:12
@ Lavendel

Da stimme ich dir zu - bevor es schwarz wird sollte man versuchen mit frischen neuen Wind wieder Leben in die trübe Masse zu bekommen. Doch leider sage ich mal ist das bei der heutigen Verlagslage sehr schwer umzusetzen. die wenigen Verlage, die sich auf Neues einlassen sind an einer Hand abzählbar und da meist das Geld dazu fehlt, Experimente zu starten und das finde ich traurig. Und die meisten trauen sich nicht das Genre neu zu definieren - bis auf ein paat Ausnahmen ;D - und wo die alle zu Hause sind wissen wir ja ;)

Statt das Geld in junge talentierte Autoren zu stecken wird es anderswertig ausgegeben. Dabei sind es oft die Jungen, die mit frischen Ideen den Verlag oft aus einer Krise helfen, wenn die Idee dann zum Bestseller wird.
Es ist sehr schade, dass gerade in diesem Bereich im Verlagswesen noch selbst nicht umgedacht wird. Aber ich hoffe, das irgendwann dieses "Dinosaurierdenken" ausstirbt - T Rex ist auch ausgestorben. Das motiviert mich ;D

Liebe Grüße
Mondstern
Titel: Re: Deutsche Verlage und deutsche Nachwuchsautoren
Beitrag von: Lomax am 04. Juli 2007, 19:11:44
Na, langsam wird mir die Diskussion hier doch etwas simpel. Die zuletzt festgestellten Mechanismen sind zwar durchaus zu beobachten, aber die Praxis ist schon etwas komplexer als ein einfacher Spannungsfluss zwischen den Polen "gute, neue, nie dagewesene Bücher, die durch ihren Erfolg einen neuen Trend einleiten" und "schlechte Abklatsche".
die wenigen Verlage, die sich auf Neues einlassen sind an einer Hand abzählbar und da meist das Geld dazu fehlt, Experimente zu starten und das finde ich traurig.
Experimente starten die Verlage jederzeit - man muss nur die Verantwortlichen überzeugen, dass es Erfolg verspricht. Da die meisten Experimente aber mehr oder minder in die Hose gehen, ist der Spielraum für solche naturgemäß begrenzt und muss erst durch berechenbare Erfolge finanziert werden. Das ist ein wenig wie in der sonstigen Wirtschaft: Wenn man ein erfolgreichreiches Produkt entwickelt hat, muss man das erst mal ein wenig verkaufen können, um die Entwicklungskosten wieder einzuspielen - und das bedeutet mitunter auch, dass man Nachfolgeprodukte mitunter langsamer bringen muss, als man womöglich könnte.
Und die meisten trauen sich nicht das Genre neu zu definieren - bis auf ein paat Ausnahmen ... Dabei sind es oft die Jungen, die mit frischen Ideen den Verlag oft aus einer Krise helfen, wenn die Idee dann zum Bestseller wird.
Manchmal sind es die neuen Ideen, die einen überraschenden Bestseller schaffen - meist aber einfach nur alte Ideen zur richtigen Zeit, oder eine halbwegs neue Kombination altbekannter Elemente. Harry Potter beispielsweise bot eigentlich nichts, was man nicht schon mal anderswo gelesen hätte. Dan Brown folgt beim Schreiben auch altbekannten Mustern und hat nur mit den Themen einen Zeitgeist getroffen.
  Andere Autoren definieren ein Genre neu, ohne dabei gleich zum Bestseller zu werden - indem sie nämlich nicht vom breiten Publikum gelesen werden, aber überproportional häufig von einer "schreibenden Schicht" - die sich dann wiederum inspierieren lässt und Elemente des Trendsetters in ihre eigenen, erfolgreicheren und oft auch wieder platteren Werke einfließen lässt.

Warum also sollten die Verlage umdenken, wenn gerade die hier beklagten Mechanismen funktionieren, erfahrungsgemäß das meiste Geld einbringen und sich selbstverstärkend überhaupt erst entwickelt haben?
Titel: Re: Deutsche Verlage und deutsche Nachwuchsautoren
Beitrag von: Lavendel am 30. März 2008, 21:54:09
Da ja angeregt wurde, in diesem Thread weiterzudiskutieren:

Jetzt fällt mir ein (nur ein ganz kleines ;)) 'aber' zu Lomax' letztem Post ein.

Wenn einige hier unter uns im Tintenzirkel nicht die einzigen sind, die sich eine Entwicklung weg von den üblichen Strukturen wünschen, dann haben wir es unter Umständen mit einem Wandel zu tun, der sich nicht nur unter Autor/innen vollzieht.

Denkweisen und Interessenschwerpunkte ändern sich ja bekanntlich mit der Zeit, was natürlich mit gesellschaftlichem Wandel zu tun hat - der nunmal nicht ausbleiben kann. Insgesamt gesehen kommen heute sicher andere Bücher auf den Markt, als sagen wir in den 70ern. Und sollte das Genre Fantasy tatsächlich nicht wieder in das Loch fallen, aus dem es erst vor kurzem gekrochen ist, dann wird sich vermutlich irgendwann ein Umdenken einschleichen, ohne dass man es richtig merkt, wenn man nicht darauf achtet.

Ich habe da natürlich eine Annahme vorausgestellt, die ich nur vermuten kann. Aber immerhin wird 'die Jugend von heute' wahrscheinlich nicht das lesen, was ich in deren Alter gelesen habe, weil sich das Angebot eben doch etwas verändert hat. 'Wir' fanden Drachen super, 'die' lieben Vampire - reduziert ausgedrückt.

Die Frage ist nur, ob die Entwicklung dann zwingend zu mehr 'Tiefe' führt oder ob das althergebrachte flache Zeug nur neu verpackt wird.
Titel: Re: Deutsche Verlage und deutsche Nachwuchsautoren
Beitrag von: Lord Zahnstocher am 31. März 2008, 21:36:09
Manche tun das sogar sehr erfolgreich - jedoch ärgert es mich, wenn einer von diesen ein "schwarze Suppe" Buch schreibt und dieses als große Phase seiner Weiterentwicklung als Autor ankündigt, obwohl nach dem Lesen schon klar wird, dass dies nicht der Beweggrund dafür war - sondern nur die Provitgier. Und zu letzteres will ich mich wirklich nicht gesellen - nein danke :no:
Dazu hätte ich einen Vorschlag, der wahrscheinlich sowas von überhaupt garnicht, aber auch wirklich garnicht also ganz und garnicht zur Denkensweise von Tintenzirklern passt:
Wieso schreibt man nicht Altbackenes, nicht neu verpackt und genau auf die größten Zielgruppen zugeschnitten und alle Erwartungen erfüllend, also grob gesagt >>SCHEIßE<< :darth:, um ins Genre reinzukommen, um dann, weil man ja schon abgesichert ist, richtig loszulegen. *wegduck als Tintenzirkler Handgranate werfen sieht* (Ich meine, vielleicht kauft ja jemand den Schund.) Oder funktioniert das nicht, weil der Verlag dann schon auf die Art von Schrott eingestellt ist, und nur noch sowas kauft?

Und mal was anderes: Wenn der Fantasymarkt mal wirklich in den Ruin geht, weil alles schon dagewesen ist, gibt es ja weniger Schreiberlinge, und vondaher könnte man ja mit seinem innovativem Kram zum Verlag gehen, und ihn verkaufen.[Oder will es dann niemand mehr, weil Fantasy zu dem Moment sowieso tot ist? ???

Bye
Titel: Re: Deutsche Verlage und deutsche Nachwuchsautoren
Beitrag von: Elena am 01. April 2008, 13:29:49
Wie du das beschreibst, läuft es wohl in der Realität auch zu einem großen Teil. Man schreibt etwas, das sich gut verkaufen lässt und macht sich dadurch vielleicht einen Namen. Dann kann man sich nach und nach davon lösen und mehr "eigene" Dinge machen. Das klappt nicht immer ganz, je nachdem, wie schnell man diesen Wandel vollzieht. Schließlich erwarten die Leser, die vorher ein Buch von xy mit "traditioneller" Fantasy gelesen haben etwas Ähnliches, wenn sie zum nächsten Buch von xy greifen.

Was vielleicht zu hoffen ist, ist, dass ja auch die Leser von Kai Meyer, Jonathan Stroud und Cornelia Funke älter werden und diese Geschichten mitnehmen - und dann mit 20 vielleicht nicht nur über Drachen, Elfen, Zwerge und die Suche nach einem magischen Artefakt lesen wollen.
Titel: Re: Deutsche Verlage und deutsche Nachwuchsautoren
Beitrag von: felis am 01. April 2008, 16:48:53
@Lord Zahnstocher - ich sach nur Markus Heitz oder (wie heißt nochmal der Verfasser der Ulldart - Romane) die haben genau das gemacht...
Und das Fantasy in einem Loch steckt kann man ja sowas von überhaupt nicht sagen. Ich guck mir immer die Spiegelbestsellerliste an, da sind seit Monaten immer mindestens 6 Fantasytitel unter den Top 20! (Im aktuellen sinds sogar 7)

Titel: Re: Deutsche Verlage und deutsche Nachwuchsautoren
Beitrag von: Kaeptn am 01. April 2008, 22:09:09
Ich sehe das so:

ENTWEDER man sieht sich als Künstler, der SEIN Werk schreiben und dann veröffentlichen will. Dann muss man a) damit leben, dass es vielleicht kein Verlag nimmt, weil es eben nichts ist, was sich verkauft oder b) in Kauf nehmen, dass der Lektor am eigenen werk ordentlich rumdoktert es sei denn c) man schreibt den perfekten Roman, den einem die Verlage aus der Hand reißen... Aber gibts das bei Nachwuchsautoren?

ODER

man siehr das ganze als Broterwerb, verfolgt zwar auch eigene Ideen, schreibt aber vor allem nach Marktgesichtspunkten, weil man eben das Geld braucht.

Ich hab ja 1997 (also vor der Fantasy-Renaissance) meinen damaligen Roman wild rumgeschickt und bekam ein Angebot, aber im Nachhinein würde ich mir ein solsches Lektorat nicht nochmal bieten lassen (und nach einem Jahr fruchtloser Zusammenarbeit, wurde es dann damals auch nix). So Anregungen wie "Also, da am Anfang, da müssen sie sich noch was einfallen lassen, da fehlt was" sind einfach daneben. Wenn mir was eingefallen wäre, hötte ich es ja geschrieben. Damals hab ich natürlich zu allem ja und amen gesagt.
Jedenfalls hab ich mir geschworen, sollte ich es nochmal bis zu einem Lektor schaffen, mir das nicht noch einmal bieten zu lassen. Gern lasse ich an Formulierunge, Dialogen, Szenen, was weiß ich feilen, aber wenn Grundfeiler der Handlung abgesägt werden oder neue gefordert werden, ohne genauere Angabe, was denn gewünscht ist, neee....


Was mich noch interessieren würde: Wenn man es als deutscher NAchwuchsautor in einen deutschen Verlag geschafft ha, wird dann alles viel einfacher? Auch wenn, z.B. das zweite Werk den Verlag nciht interessiert und man sich wieder auf die Suche machen muss?
Titel: Re: Deutsche Verlage und deutsche Nachwuchsautoren
Beitrag von: Lomax am 02. April 2008, 00:35:27
ENTWEDER man sieht sich als Künstler, der SEIN Werk schreiben und dann veröffentlichen will. ...ODER man siehr das ganze als Broterwerb
Na ja, ich hoffe ja, man kann auch beides zusammen haben ;) Ich möchte da jetzt kein so hartes Entweder-oder fahren und habe bislang auch noch nicht den Zwang dazu gespürt.
Titel: Re: Deutsche Verlage und deutsche Nachwuchsautoren
Beitrag von: Lavendel am 02. April 2008, 08:05:47
Daran glaube ich jetzt auch nicht unbedingt.
Erstens werden die Bücher, die man schreiben will, immer die besseren Bücher (weil man zwangsläufig mehr Engagement hineinsteckt als in eins, zu dem man sich mehr oder weniger zwingt), zweitens ändert sich der Markt relativ schnell - zumindest habe ich das Gefühl.

In so ein Buch kann man ja durchaus mal ein oder zwei Jahre stecken, bevor es soweit ist, die 'unverlangte' Runde bei den Verlagen zu machen. Und wenn man nicht ein unglaublich gutes Näschen für Trends hat, die gerade aufkommen, dann könnte es passieren, dass man sich durch eine Geschichte quält, die einem nicht gefällt und sie fertig hat, wenn der Boom schon wieder vorbei ist. Das wäre dann ziemlich ärgerlich, wo man sich doch so gequält hat ;).

Auch angesichts des wirtschaftlichen Aspekts der Schreiberei sollte man sich als Autor/in meiner Meinung nach ein kleines bisschen Idealismus bewahren. Und vielleicht kommt irgendwann die Zeit für ein Manuskript - und wenn man es schon zehn Jahre in der Schublade liegen hat.

Sicher schreiben wahrscheinlich die meisten hier, um gelesen zu werden. Aber das wichtigste für uns alle sind Geduld, Dickfelligkeit und Ausdauer. Niemals aufgeben, niemals kapitulieren.

Ich fühle mich irgendwie wie in einer Zeitschleife. Als hätte ich genau diesen Post schon mehrmals geschrieben... sei's drum ;). Kann ja nicht schaden ab und zu mitreißende Reden über Idealismus zu schwingen ::).
Titel: Re: Deutsche Verlage und deutsche Nachwuchsautoren
Beitrag von: Koriko am 02. April 2008, 08:56:36
Also ich denke schon, dass es für den Autoren einfacher wird, wenn man sich schon einmal einen Namen gemacht hat, sprich, wenn man schon mal was veröffentlicht hat. Bei Kleinverlagen ist das wohl nicht so wichtig, wie bei einem Publikumsverlag kann man dann doch schon eher im Lebenslauf auf sich aufmerksam machen.
Titel: Re: Deutsche Verlage und deutsche Nachwuchsautoren
Beitrag von: Kaeptn am 02. April 2008, 09:03:26
Wenn du es als Broterwerb siehst (Also davon allein(!) leben willst), dann kannst du nicht 2 Jahre lang nix veröffentlichen. Welches (Fantasy-)Buch verkauft sich schon so gut, dass es dir so lange den Broterwerb sichert?
Also kannst du sicher AUCH ein Buch idealistisch schreiben, musst aber nebenbei was anderes machen, seien es Auftragsarbeiten oder eben einen ganz anderen Beruf.

Wer nicht vom Schreiben lebt, der kann natürlich die Künstler-Schiene fahren und so lange suchen, bis er einen passenden Verlag findet, und so wie ich das sehe tun das ja auch fast alle hier.

Ein Buch hat ja zum Glück keine Halbwertszeit, stellt euch vor ihr würdet Computerspiele machen. Wenn ihr da in 6 Monaten keinen Publisher findet, könnt ihr euren Prototyp in die Tonne hauen, weil er technisch schon wieder veraltet ist. Daran sind schon viele, und nicht nur Nachwuchs-Spieleschmieden, pleite gegangen.

@Koriko: Das ist genau der Punkt. Sie vorne mal genannte Sekretärin, achtet die auf "hat schon EIN oder ZWEI Bücher veröffentlicht", oder behandelt die solche immer noch genauso wie "hat noch NICHTS veröffentlicht", insbesondere, wenn die VÖs nicht in einem großen Verlag waren?

Titel: Re: Deutsche Verlage und deutsche Nachwuchsautoren
Beitrag von: Coppelia am 02. April 2008, 09:37:28
Also, ich habe zwei Bücher in einem kleinen Verlag veröffentlicht. Allerdings mit meinem Coautor. Aber immerhin, sie lagen in den Läden aus und waren sogar für ihre Nische ziemlich erfolgreich ... Bei mir war es so, dass mein nächstes verschicktes Exposé trotzdem von den größeren Verlagen völlig ignoriert wurde, als hätte ich noch nichts veröffentlicht. Das hatte ich mir auch anders vorgestellt ...
Wahrscheinlich muss ich es nächstes Mal reißerischer schreiben. *g* Durch sowas wird man ja auch schlauer.

Ich wäre schon bereit, einiges umzuschreiben und Aufträge zu übernehmen, die mir nicht 100% tig liegen, aber dazu muss ich die Chance erst einmal bekommen. In der Zwischenzeit werde ich wohl kleinere Brötchen backen (müssen). Aber ich bin irgendwie fest überzeugt, dass ich es irgendwann noch schaffe.
Titel: Re: Deutsche Verlage und deutsche Nachwuchsautoren
Beitrag von: Koriko am 02. April 2008, 10:00:12
Ich glaube in einer Bewerbung zieht einfach Beispiel A mehr als Beispiel B:

Beispiel A:
- Veröffentlichung von 3 Romanen mit den Titeln XX, YY, ZZ bei Heyne
- Veröffentlichung Roman AA bei Carlsen

Beispiel B:
- Veröffentlichung von 3 Romanen mit den Titeln XX, YY, ZZ bei Kleinverlag X
- Veröffentlichung Roman AA bei Kleinverlag Y

Es kommt eben auf die Namen der Verlage an, jedenfalls gehe ich mal davon aus. Je bekannter der Verlag, umso mehr werden andere verlage darauf aufmerksam, denn mal ehrlich, wer kennst schon alle Kleinverlage, die es in Deutschland gibt.
Titel: Re: Deutsche Verlage und deutsche Nachwuchsautoren
Beitrag von: Lord Zahnstocher am 02. April 2008, 13:58:34
Hi ihr Lieben,
Und....(?)
Was ist wenn man folgendes macht:
Man schreibt seinen eigenen Kram, ohne Rücksicht auf Trends. Dann kann man es bei einem Kleinverlag veröffentlichen, falls der es denn nimmt, und dann könnte man ja eigenhype betreiben. Was weiß ich wie: Man kann Werbeflächen mieten (OK, das ist ziemlich teuer) man kann im Internet dafür werben durch Websites und so. [Man könnte jedes Exemplar mit Aufklebern mit der Aufschrift >>Bestseller empfohlen von ....<< bekleben, aber ich weiß nicht ob das illegal ist :innocent:.]
Man könnte Bekannte dazu bringen, dass sie darüber reden was für ein tolles Buch das doch sei *schäm*
Man könnte haufenweise angeblicher Kundenrezensionen bei Amazon dafür schreiben [das soll keine Animation dazu sein, illegale Werbetätigkeiten zu verüben!]
Oder man macht Werbung für den Verlag ansich.
Naja, angenommen das Buch hätte dadurch enorm gesteigerte Verkaufszahlen. Die Käufer freuen sich, die Medien werden darauf aufmerksam.......und es gibt noch mehr Hype.
Nunja, und der Verlag wird berühmt, weil er so ein populäres Buch hochgebracht hat. Aber eigentlich ist es ja genau umgekehrt.
Ich meine könnte man so nicht einen erlag und dadurch auch seine Werke populärmachen?
[Ihr müsst verstehen, ich habe keine Ahnung wie es in der Realität läuft, das hier war nur eine Idee!]

Geht das?

Grüße,
Lord Zahnstocher.
Titel: Re: Deutsche Verlage und deutsche Nachwuchsautoren
Beitrag von: Björn am 02. April 2008, 19:05:12
Einige der Antworten in diesem Tread treffen meiner Meinung nach den Nagel genau auf den Kopf - nämlich diejenigen, welche beschreiben, wie es in der Verlagsszene schon seit geraumer Zeit aussieht. Natürlich sind die großen Verlage nicht böse, sie folgen lediglich den Gesetzen der kapitalistischen Marktwirtschaft.

Es herrscht auf dem Buchmarkt - wie übrigens auch in anderen Branchen - ein sehr starker Verdrängungswettbewerb. Die großen Konzerne kaufen immer mehr Konkurrenzverlage auf (Beispiel Random House). Um ein wirtschaftliches Risiko zu vermeiden, müssen sich diese Großkonzerne möglichst an erfolgversprechende Titel halten. Dabei glaube ich aber nicht, daß die Nachfrage das Angebot bestimmt, sondern wie in der Musikszene zumindest im Unterhaltungsbereich das Angebot die Nachfrage. Soll heißen, es werden Trends geschaffen - ich habe jedenfalls noch nicht gehört, daß sich die Leser an die Verlage wenden und sagen: "ich will jetzt aber einen historischen Roman lesen"

Die meisten Großverlage folgen vor allem den Trends aus dem amerikanischen Raum. Ja, sie zahlen dafür Lizenzgebühren und bringen die Titel dann möglichst kostengünstig auf den Markt - wer sich daran erinnern kann: die ersten Bände des bekannten Zauberlehrlings (wen meine ich damit nur?) sind auch als Paperbacks erschienen, erst mit dem Beginn des großen Erfolges kamen die gebundenen Exemplare.

Unter diesen Bedingungen ist es nur logisch, daß sich die Lektorate von Heyne, Goldmann und co. einfach keine Experimente leisten können - das wirtschaftliche Risiko ist ihnen schlicht zu groß - zumal es dort teilweise mehrere Hundert unverlangte Einsendungen/ Woche gibt. Frage: wer soll die denn alle auch nur wirklich ernsthaft anlesen oder auch nur vorsortieren? Zudem wird auch in den Lektoraten der Verlage genau wie beim übrigen Personal (Druckvorstufe, Setzer etc.) gespart was das Zeug hält.

Das sind meiner Meinung nach die Gründe, weshalb man so gut wie keine Chance hat, den Fuß dort in die Tür zu bekommen. Ich möchte an dieser Stelle keine Träume zerstören, aber das ist aus meiner Sicht die Realität, der man sich als unbekannter Autor in Deutschland stellen muß - zumal der Fantasy-Sektor voll ist mit Titeln aus der Massenproduktion.

Gruß
Björn
Titel: Re: Deutsche Verlage und deutsche Nachwuchsautoren
Beitrag von: Abakus am 03. April 2008, 11:58:57
Hi!  :winke:

In der aktuellen Ausgabe der Federwelt ist ein mehrseitiges Selbstverlag-Special abgedruckt, welches das Know-how für Gründer genau beleuchtet. Sehr interessant bislang, hab den Text aber noch nicht ganz durch.

Wer auch immer die Federwelt von euch abonniert hat, unbedingt das Special lesen. Das lohnt sich wirklich! :)

Viele Grüße,
Markus
Titel: Re: Deutsche Verlage und deutsche Nachwuchsautoren
Beitrag von: gbwolf am 03. April 2008, 12:22:50
Ein Problem, das wir als Fantasyautoren haben ist natürlich auch, dass jeder sich dazu berufen fühlt, Fantasy zu schreiben und mal eben ein paar hundert Normseiten runterhaut. Die Verlage werden (ähnlich wie beim Kinderbuch, das ja auch jeder Lehrer/Erzieher/Elternteil/Opa schreiben kann  :snicker:) zugeschüttet, während bei den noch besser und vor allem stabiler laufenden Sparten wie Krimi, Historischer Roman und Thriller sind die Einsendungen niedriger.
Da kann ich mir gut vorstellen, dass das Vorsortieren zur reinen Nervensache wird und da viele Autoren heute besser schreiben als noch vor einigen Jahren (der Austausch im Internet bringt einiges) und auch professioneller anbieten, kann auch nicht jeder begabte Jungautor gefördert werden. Und auch eine kompetente Sekretärin hat mal einen schlechten Tag oder PMS und sortiert ein Manuskript zu viel aus ;)

Romanveröffentlichungen als "Türöffner" funktionieren meiner Mutmaßung nach eher bei Agenturen als bei Verlagen. Das ist aber vor allem geraten, viel Kontakt mit Lektoren hatte ich bislang noch nicht. In meinem Praktikumsverlag hat die Sekretärin geschätzte 800 Einsendungen abgewiesen und von den 250 weiteren wurden vom Lektor die kompletten Leseproben durchgearbeitet unabhängig von bisherigen Veröffentlichungen. Von den 50 Einsendungen, die ich damals auf dem Tisch hatte, waren zwei veröffentlichungsreif für Kleinverlage und vom rest habe ich Kopfschmerzen bekommen ... soviel auch zur Qualität und dazu, dass die Chancen gar nicht sooo übel stehen, wenn man das Quentchen Glück hat, im richtigen Moment da zu sein, mit dem richtigen Thema, der richtigen Qualität und beim richtigen Ansprechpartner.

Grüße

Wölfin
Titel: Re: Deutsche Verlage und deutsche Nachwuchsautoren
Beitrag von: Linda am 04. April 2008, 12:21:47
Hallo,

leider eine traurige Tatsache, dass man sich auch mit Veröffentlichungen bei größeren Verlagen noch genauso bewerben muss, wie ein blutiger Anfänger. Man muss bei jedem neuen Projekt, jedem neuen Verlag wieder aufs neue Vertrauen erwerben und die Verantwortlichen überzeugen (und letztlich wissen die Verantwortlichen natürlich auch nicht, ob einen nur ein Lektor durchgescheppt hat, oder wie viel von der Veröffentlichung auf dem eigenen Mist gewachsen ist). Da das mitunter sehr anstrengend sein kann, habe ich mir ja auch eine Agentur gesucht...

Am besten ist es sicherlich, kontinuierlich zu veröffentlichen (aber schon auch mit Honorar). Irgendwann sollte dann auch dem vorsichtigsten Lektor klar werden, dass man nicht jedesmal nur Glück, nur einen aufopferungsvollen Verlagsmitarbeiter, nur einen lichten Moment - hatte.

Gruß,

Linda
Titel: Re: Deutsche Verlage und deutsche Nachwuchsautoren
Beitrag von: gbwolf am 27. Juli 2008, 13:18:58
Zum Stichwort "immer der selbe Brei": Die Romane auf dem Jugendbuchmarkt haben in den letzten Jahren schon viel Hoffnung gemacht und so langsam wird auch der Markt für die Erwachsenen vielfältiger. Neben den Vampirromanen tummeln sich Steam-Punk, Cross-Over  und queerbeet alle Epochen. Mir jedenfalls machen die neuen "Trends" und die wachsende Anzahl deutscher Namen (vor allem bei Lyx) große Hoffnungen.
Siehe diese Vorschau bei den Phantastik News (http://www.phantastik-news.de/modules.php?name=News&file=article&sid=4380) (Lektoren stellen ihre Toptitel vor).

Und ein Name kommt uns allen da sehr bekannt vor  ;D
Titel: Re: Deutsche Verlage und deutsche Nachwuchsautoren
Beitrag von: Silabaron am 27. Juli 2008, 14:55:51
... sieht man sich die Autorennamen genauer an, sind da doch erschreckend wenige deutsche Nachwuchsautoren dabei. Oder habe ich etwas übersehen?

@Lomax: Herzlichen Glückwunsch!


Liebe Grüße

Dieter.



Titel: Re: Deutsche Verlage und deutsche Nachwuchsautoren
Beitrag von: Grey am 27. Juli 2008, 15:05:37
Und ein Name kommt uns allen da sehr bekannt vor  ;D

Und ich falle echt jedes Mal vom Stuhl bei dem genialen Cover ...
Titel: Re: Deutsche Verlage und deutsche Nachwuchsautoren
Beitrag von: gbwolf am 27. Juli 2008, 15:21:50
@Dieter: Ich würde eher sagen: Überraschend viele.
Außer bei Heyne ist immer mindestens ein deutscher Name mit dabei, einige sind gerade erst dabei, bekannt zu werden. Und das bei den Titeln, die die Lektoren als Spitzentitel bezeichnen! Das finde ich sehr positiv. Ich habe mir die Programme auch insgesamt angesehen - dort finden sich viele deutsche Namen und einige Neulinge oder Leute, die bislang erst kleinere Veröffentlichungen hatten - In den letzten Jahren sah das ganz anders aus!

Vor allem freut mich, dass das Genrekorsett sich weitet. Wenn die Damen jetzt ohne Korsett etwas schlanker würden als mit ...  :hmhm?:
Titel: Re: Deutsche Verlage und deutsche Nachwuchsautoren
Beitrag von: Silabaron am 27. Juli 2008, 16:21:45
@Wölfin: Du hast ja recht, was den Bezug auf die Vergangenheit angeht. Da wurde man ja nur noch von "wie-auch-immer-übersetzten" Werken überschwemmt. Es ist nur so: wenn ich  soviele englische Autoren sehe, bekomme ich einfach meinen Frust. Schau mal - hier im Forum gibt es einige wirklich gute Autorinnen und Autoren. Ich bin immer wieder überrascht, wenn ich die hohe Qualität bei den Leseproben bemerke. Denke ich im Vergleich dazu an Paolini, Canavan und Autoren auf ähnlichem Niveau, dann bekomme ich Ausschlag und einen dicken Hals, weil ich mir unter guter Literatur etwas anderes vorstelle. Und damit meine ich keine hohe Literatur. Nur einfach gute, lesbare Literatur mit frischen Gedanken. Als Beispiel (und zum Glück veröffentlicht!) Ein Kriegers Herz von Solatar. Nach meiner Meinung völlig zu Recht für den Deutschen Phantastik Preis 2008 nominiert.

Argh! Schluß jetzt. *Mir auf die Finger hau* Wahrscheinlich sollte ich mich über den "hohen" Anteil deutscher Autoren freuen und mich wieder über meinen Text hermachen ... 

Liebe Grüße,

Dieter.
Titel: Re: Deutsche Verlage und deutsche Nachwuchsautoren
Beitrag von: gbwolf am 27. Juli 2008, 18:00:34
@Dieter: Bei Solatar wissen wir ja zum Glück, dass ihm eine wundervolle Zukunft blüht  ;)
Andererseits bringen Canavan, Paolini und Co. den Verlagen garantierte Gewinne - gute Gewinne. Und ein Verlag, der eine sichere Cash Cow hat, die auch einen garantierten Überschuss erwirtschaftet, der kann es sich auch leisten, pro Jahr ein oder zwei unbekannte, innländische Autoren aufzubauen. Ich habe das Gefühl, die Mischung wird besser. Und natürlich darf man nicht vergessen, dass es den Markt ebenfalls bereichert, gute Literatur aus dem Ausland übersetzt zu bekommen (so z.B. "Der Name des Windes", der jetzt im herbst kommt und viele andere).
Aber leider müssen die Verlage noch immer diese Mistlizenzen mitkaufen, wenn sie gute Titel haben wollen und leider werden auch viele Verlage intern umgebaut, das Personal gekürzt, etc.
Wenn sich die deutschen Fantasyautoren jetzt noch stärker auf dem Jugendbuchmarkt behaupten könnten *seufz ... *träum*
Titel: Re: Deutsche Verlage und deutsche Nachwuchsautoren
Beitrag von: Felix am 27. Juli 2008, 21:09:50
Man muss sicherlich feststellen, dass deutsche Autoren vor allem im Bereich der Fantasy sich in den letzten Jahren einen festen Paltz in den Programmen der Publikumsverlage erkämpft haben. Quantitativ finde ich das sehr erfreulich. Nur: Gucke ich mir deren Werke an, habe ich oft den Eindruck, dass deutsche Großverlage ihren deutschen Autoren nur so lange einen Platz einräumen, wie sie 0815-Fantasy, Fantasy von der Stange schreiben. Zu oft sind es bloß die ewig gleichen Geschichten, auf die die Fantasy von außen beschränkt wird. Dass ein Verlage wie jedes anderen Unternehmen vorallem auf Gewinne achten muss, ist mir bewusst. Aber ich halte nichts davon,w enn man deutsche Autoren zwar aufbaut, ihnen aber keinen Entfaltungsspielraum zubilligt und es ihnen auch nicht ermöglicht, ihr Genre weiterzuentwickeln.

Deshalb: Es ist toll, von immer mehr deutschen Autoren zue rfahren, dass sie ihren Platz in den Großverlagen finden, aber im Bereich der Qualität und Innovation ist noch eine Menge möglich.

gruß, Felix

P.S. bevor sich jemand auf den Schlipps getreten fühlt: Ich möchte hiermit nicht einzelne deutsche fantasyautoren kritisieren, sondern eine Verlagspolitik, die sich in meinen Augen auf Dauer nicht auszahlen werden kann.
Titel: Re: Deutsche Verlage und deutsche Nachwuchsautoren
Beitrag von: Solatar am 28. Juli 2008, 00:43:34
Auch mein Glückwunsch an Lomax für die bevorstehende Veröffentlichung und das Cover ist - da stimme ich Grey absolut zu - wirklich wunderbar geworden. Sehr schön.  :jau:

Das Buch lege ich mir auf jeden Fall zu. Alleine die wirklich tolle Idee mit der "Perspektive des Bösen" finde ich äußerst spannend.


Als Beispiel (und zum Glück veröffentlicht!) Des Kriegers Herz von Solatar. Nach meiner Meinung völlig zu Recht für den Deutschen Phantastik Preis 2008 nominiert.

@Dieter: Bei Solatar wissen wir ja zum Glück, dass ihm eine wundervolle Zukunft blüht  ;)

Oh... Ihr redet über mich und dann auch noch so positiv. Das treibt mir gleich die Schamesröte in die Wangen. Danke Dieter. Das freut mich wirklich sehr.

Ähm... Wölfin. Das wäre wirklich schön. Aber ich sage mal... langsam und emsig ernährt sich das Eichhörnchen. Ich bin schon mal froh, dass mein erster Roman fertig lektoriert und gerade gesetzt wird. Das Cover muss noch erstellt werden. Aber der Verlag hat einen wirklich tollen Künstler dafür engagiert, der das Buch sehr mochte. Der Roman soll nun endlich im Januar 09 erscheinen. Der Zweite folgt dann im März 09 und der Dritte im Oktober 09. Also... Daumen drücken, dass jetzt alles gut geht, dann gibt es ordentlich Lesefutter in 2009.

Was nun das Thema deutsche Autoren, Fantasy und Verlage angeht, empfinde ich den Trend im Moment für deutsche Nachwuchsautoren als sehr positiv. Selbst im Ausland und auf dem US- amerikanischen Markt werden deutsche Autoren inzwischen gerne angenommen und auch gelesen. Ich komme gerade aus den USA zurück und muss sagen, dass deutsche Ware immer - egal was es ist - für hohe Qualität steht. Das gilt auch für die Autoren. Der Buchmarkt in Deutschland zeigt auch immer häufiger deutsche Veröffentlichungen im Fantasybereich. Das lässt uns denke ich alle auf bessere Zeiten und eine glückliche Zukunft hoffen.

Und ich will jetzt endlich die Bücher der Wölfin, von Grey und den anderen Tintenzirklern veröffentlicht sehen und lesen. Haltet Euch ran. Was ich bislang an Leseproben gesehen habe, war wirklich packend.

Titel: Re: Deutsche Verlage und deutsche Nachwuchsautoren
Beitrag von: gbwolf am 28. Juli 2008, 08:42:19
@Solatar: Du weißt doch, dass ich hellsehen kann und für andere ein hoffnungsvoller Optimist bin  ;D
Titel: Re: Deutsche Verlage und deutsche Nachwuchsautoren
Beitrag von: Cailin am 28. Juli 2008, 11:45:54
@ Solatar: DREI (??!!) Bücher in einem Jahr?  :o - Und die nächsten drei kommen dann 2010?

@wer-auch-immer-dafür-zuständig-ist:
So langsam braucht Solatar wirklich den Titel 'Überflieger'  :hmhm?:

Sorry für das OT  :pfanne: bin schon weg
Titel: Re: Deutsche Verlage und deutsche Nachwuchsautoren
Beitrag von: Solatar am 28. Juli 2008, 12:23:23
@Cailin

...das ist der derzeitige Plan.
Wobei für 2010 nur 2 weitere vorgesehen sind und dann für 2011 zunächst ein weiterer Roman.
Allerdings musst Du das so sehen, dass die ersten Manuskripte ja schon länger sozusagen in der Warteschlange stehen (seit 2007) und sich der "Stau" dann so langsam ab 2009 beginnend bis 2011 auflöst. Der Editionsplan für die Veröffentlichungen ist also nicht gleichbedeutend mit der eigentlich zu erledigenden Schreibarbeit.
Titel: Re: Deutsche Verlage und deutsche Nachwuchsautoren
Beitrag von: Felix am 28. Juli 2008, 14:31:52
Das ist trotzdem wahnsinn! Ich hoffe, du hältst uns hier auch weiterhin auf dem Laufenden!
Titel: Re: Deutsche Verlage und deutsche Nachwuchsautoren
Beitrag von: Lomax am 28. Juli 2008, 17:21:46
Vielen Dank für alle Glückwünsche. Aber es ist ja noch mehr als ein halbes Jahr hin, da weiß ich gar nicht, was ich jetzt schon drüber reden soll ... :psssst:
@ Solatar: DREI (??!!) Bücher in einem Jahr?
Das ist vielleicht auch ein hilfreicher Hinweis für deutsche Nachwuchsautoren: Wenn man als Profiautor leben möchte, muss man seine 2-3 Bücher pro Jahr rausbringen. Vor allem dann, wenn man in einem Genre wie der Fantasy schreibt - was ja trotz aller Erfolge in letzter Zeit immer noch eine eher kleine Nische ist. Die wenigen Bestseller-Plätze, auf denen man mit einem Titel pro Jahr oder weniger auskommt, sind hier noch rarer gesät als in manch anderem Genre.
  Wer also immer damit liebäugelt, bei Verlagen unterzukommen, damit er sich danach an den Pool legen und dann und wann mal ein Büchlein rausbringen kann, sollte seine Berufsplanung noch mal überdenken ;D
Titel: Chancenlage deutscher Fantasyautoren
Beitrag von: Schommes am 07. Juni 2011, 21:43:07
Hallo Ihr Lieben,
ich hatte gestern eine Telefongespräch mit meinem Agenten, dessen Inhalt ich gerne mit Euch teilen möchte, weil es das Verhältnis deutscher Verlage zu deutschen Fantasyautoren betrifft, dass er für mich aus seiner Markterfahrung heraus beleuchtet hat.
Hintergrund ist mein Buch Asylon, eine Dystopie, die im August erscheint. Kommenden Donnerstag will sich der Cheflektor meines Verlages mit mir treffen um „ein neues Projekt“ zu betreffen. Ich hatte daher meinen Agenten angerufen, um mich thematisch auf dieses Treffen vorzubereiten, auch weil ich ja kaum weiß, was mit einem neuen Projekt gemeint ist: Sequel zu Asylon, was anderes, ebenfalls fantastisches oder doch eher nichtfantastisches? Ich bin auf alles gefasst.
Mein Agent hat wie er das meistens tut, versucht in freundlicher und nicht allzu düsterer Art meine Erwartungen zu bremsen. Hier seine Kernaussagen in etwas unsortierter Form, so gut ich mich erinnere:
Wenn ein Fantasytitel eines Debütautoren in Deutschland eine Gesamtauflage zwischen 6 und 8000 hat, gilt das durchaus als gut.
Ein Sequel hat dann in der Regel deutlich weniger, also vielleicht 5000, was – wie Ihr wahrscheinlich wisst – nicht eben viel ist.
Deswegen würde ein deutscher Verlag so ein Sequel wohl nur dann wollen, wenn das Erstbuch eine Auflage von mehreren zehntausend Stück erzielt hat, also ein definitionsgemäßer Bestseller geworden ist.
Für deutsche Autoren ist es generell schwierig sich auf dem deutschen Fantasymarkt zu etablieren. Die bereits vorhandenen Platzhirsche (Heitz, Peinkofer etc.) nehmen den Markt bereits mehr oder weniger komplett ein.
Die deutschen Verlage kaufen lieber Fantasy aus Übersee, die sich dort bereits bewährt hat. Das führt z.B. auch dazu, dass ein Amerikaner mit einem innovativen und deswegen unter Umständen riskanten Projekt immer den Vorzug vor einem deutschen Autoren bekommen wird, selbst wenn Letzterer genau dasselbe probiert. Er bezog sich auf die Dan Wells Reihe mit der Aussage: Hätte ein deutscher Autor sich das getraut (Crossover aus Serienkiller und Monstersplatter) hätte er kaum eine Chance gehabt.
Das ist so ungefähr alles woran ich mich erinnere.
Erzähle ich das, um Euch alle runterzuziehen? Nein sicher nicht. Ich finde es aber wichtig, solche Insiderinformationen weiterzugeben, egal, ob Sie nun zutreffend oder übertrieben sind oder was auch immer.
Außerdem soweit es mich betrifft, weckt so was erst so richtig meinen Kampfgeist. Das wär doch gelacht, wenn das Volk der Dichter und Denker die Yankees nicht so richtig in den Arsch tritt, oder wie seht ihr das?
Ich hab für diesen Post, trotz Abgrasen des Verlagsthreads keinen guten Fred gefunden und daher diesen aufgemacht. Über eine rege Diskussion würde ich mich freuen.

Euer Schommes

[EDIT]: Cool, dieser Fred ist mir augenscheinlich völlig durch die Lappen gegangen. Danke fürs Verschieben.
Titel: Re: Deutsche Verlage und deutsche Nachwuchsautoren
Beitrag von: gbwolf am 07. Juni 2011, 22:06:25
Hallo Schommes!

Wie? Was? Thread nicht gefunden? Stand doch auf Seite 1 von "Vom Manuskript ...". Also, "Seite 1", wenn man sich die maximale Beitragszahl anzeigen lässt  ;D
Scherz beiseite: Ich habe deinen Thread mit den interessanen Insidern hier angeflantscht, weil ich denke, das ist das Thema, das du gesucht hast. Konkretes von Leuten, die Ahnung haben, ist immer gut zu lesen!

Um mein Scherflein beizutragen (Ich war letzte Woche nämlich auch bei meiner Agentur zu Gast): Eine zeitlang sah es für deutschsprachige Autoren wirklich gut aus - das war vor einigen Jahren. Mittlerweile geht die Lücke wieder etwas zu, was nicht nur daran liegt, dass man gerne auf bereits bewährte Romane setzt, sondern auch daran, dass eben die Autoren, die "damals" anfingen, den Bedarf zu decken, sich mittlerweile etabliert haben. Sprich: Die Verlage haben mittlerweile viele sehr gute Stammautoren.
Dann kommt hinzu, dass immer mehr Autoren sich immer früher professionalisieren, sowohl was das Schreibhandwerk angeht, als auch das Angebot. Meine Agentin hat mir bestätigt, dass Anschreiben, Exposés und Leseproben immer besser werden - nicht zuletzt, weil junge Autoren schon früh vom Austausch in Foren profitieren. Wir haben es also nicht nur mit immer mehr Verlagen und Labels zu tun, sondern auch mit viel mehr gut ausgebildeter Konkurrenz.
Tatsache ist allerdings auch, dass es immer wieder Trends und Nischen gibt und geben wird, bei denen die Verlage händeringend nach qualifizierten Autoren suchen, die über Jahre zuverlässig liefern können. Das sind natürlich sowohl bei den Jugendlichen als auch bei den Erwachsenen die regionalen Themen (Krimi/Thriller/Problembuch/Liebesroman), der historische Roman und einige mehr. In anderen Genres gibt es ebenfalls immer wieder Möglichkeiten. Gerade bei Fantasy, Horror und SF stehen die Chancen natürlich schlechter, weil das Setting meistens entweder egal ist oder seit Jahrzehnten vom angloamerikanischen Sprachraum geprägt wurde. Urban Fantasy in Wanne-Eickel? Eher Komik, wo doch die düsteren Gassen von London mehr Grabeshauch versprechen. Steampunk mit Kaiser Wilhelm? Geschichtlich belastet und sexy Pickelhauben? Da ist die koloniale Vergangenheit des Empire zwar nicht weniger blutig oder von Fehlurteilen behaftet, hat aber dennoch mehr Sexappeal.
Aber es erwischt nicht nur die Fantasyautoren: Wir saßen Mittwoch beisammen und haben einen gemeinsamen Stoßseufzer ausgestoßen, dass Niemand deutschen Autoren einen ordentlichen Politthriller zutraut (BND-Agenten? Fette, dröge Beamte, aber niemals so cool und bösartig wie der CIA! Kommando SpezialWAS? Na dann lieber knackige Navy Seals oder Royal Air Force). Geht nur noch eine Stufe schlimmer: Deutschsprachiger Politthriller von einer ... igitt! ... Frau  :wart: Nu gut. Stück für Stück erobern wir deutschsprachigen Frauen uns die SF und ich gebe die Hoffnung nicht auf, in 5 oder 10 Jahren mit einem bombastischen Politthriller aufzuwarten. *grrr*

So viel zu meiner Sicht der Dinge.

Grüße,
Nadine
Titel: Re: Deutsche Verlage und deutsche Nachwuchsautoren
Beitrag von: Fizz am 07. Juni 2011, 22:33:53
Die deutschen Verlage kaufen lieber Fantasy aus Übersee, die sich dort bereits bewährt hat. Das führt z.B. auch dazu, dass ein Amerikaner mit einem innovativen und deswegen unter Umständen riskanten Projekt immer den Vorzug vor einem deutschen Autoren bekommen wird, selbst wenn Letzterer genau dasselbe probiert. Er bezog sich auf die Dan Wells Reihe mit der Aussage: Hätte ein deutscher Autor sich das getraut (Crossover aus Serienkiller und Monstersplatter) hätte er kaum eine Chance gehabt.

Das bestätigt eigentlich das, was ich mir vorher schon dachte. In Amerika schießen ja zur Zeit die Bücher aus dem Boden, wie anderswo das Unkraut.
Aber irgendwo verständlich. Der Markt wird rauer, man möchte schneller und besser wirtschaften und am liebsten dabei kein unnötiges Risiko eingehen. Also bedient man sich an vielversprechenden Titeln und Namen.

Was bleibt uns übrig? Naja, einfach besser sein als der Rest und auch ein wenig Glück haben. Ich denke dann hat man immer noch Chancen auf dem Markt, auch wenn sie vielleicht nicht ganz so rosig sind wie anderswo.
Titel: Re: Deutsche Verlage und deutsche Nachwuchsautoren
Beitrag von: Lomax am 07. Juni 2011, 22:38:35
Wir saßen Mittwoch beisammen und haben einen gemeinsamen Stoßseufzer ausgestoßen, dass Niemand deutschen Autoren einen ordentlichen Politthriller zutraut (BND-Agenten? Fette, dröge Beamte, aber niemals so cool und bösartig wie der CIA! Kommando SpezialWAS? Na dann lieber knackige Navy Seals oder Royal Air Force.
Ist ja lustig. Kann ich bestätigen. So ziemlich wortgleich dasselbe hörte ich vor einigen Jahren von einem Lektor, als wir über mein Thrillerangebot sprachen. Wenn das Buch genommen wird, sollte es noch "internationalisiert" werden. Ich hatte ja gehofft, ein paar BND-Skandale in der Zwischenzeit hätten da für einen Imagewechsel gesorgt und den deutschen Institutionen etwas mehr dramaturgisches Sexappeal verliehen. :(
Titel: Re: Deutsche Verlage und deutsche Nachwuchsautoren
Beitrag von: gbwolf am 07. Juni 2011, 22:45:01
@Lomax: Noch bin ich jung und enthusiastisch genug, um weiter daran zu glauben, dass ich in den nächsten Jahren unter einem Krimi-Deckmäntelchen vielleicht doch ein bisschen Polit... nu, wir werden sehen. In 10 Jahren bin ich auch nicht mehr so taufrisch und wenn die Welt sich bis dahin nicht weitergedreht hat, bin auf jeden Fall sauer (Kann bei altem Wein ja mal passieren)  :brüll:

@Fizz: Es ist schwer, aber nicht unmöglich. Man muss an sich arbeiten, kritikbereit sein, einstecken können. Eierlegende Wollmilchsau + sturer Esel + Gorilla-Selbstbewusstsein! Der englischsprachige Markt ist viel größer und wenn ein Verlag dort "wenige" Käufer erreicht, dann sind das weltweit so viele, dass es in Deutschland schon zu einem gut verkauften Buch reicht. Durch Serien und Filme sind unsere Sehgewohnheiten auch sehr von den USA geprägt und nicht zuletzt: Der Sieger schreibt Geschichte. Es wird sehr wenig aus Asien, Afrika oder Lateinamerika übersetzt, weil diese Themen den Lesern nicht vertraut sind und alles jenseits kolumbianischer Kokabauern wahrscheinlich genauso unsexy und unbekannt ist wie BND-Einsatz in Köln-Chorweiler.
Aber manche Dinge wandeln sich schneller als gedacht. Die "Völker"-Fantasy ist ja vor allem ein europäisches Phänomen, wenn auch mit englischem Anschub. Noch bin ich vorscihtog optimistisch.
Titel: Re: Deutsche Verlage und deutsche Nachwuchsautoren
Beitrag von: Yora am 07. Juni 2011, 23:02:11
Zitat
Dann kommt hinzu, dass immer mehr Autoren sich immer früher professionalisieren, sowohl was das Schreibhandwerk angeht, als auch das Angebot. Meine Agentin hat mir bestätigt, dass Anschreiben, Exposés und Leseproben immer besser werden - nicht zuletzt, weil junge Autoren schon früh vom Austausch in Foren profitieren. Wir haben es also nicht nur mit immer mehr Verlagen und Labels zu tun, sondern auch mit viel mehr gut ausgebildeter Konkurrenz.
:no: nicht gut!
Dann wird es also schwieriger von einem Verlag angenommen zu werden, weil es zuviel Konkurrenz gibt. Wäre es also sinnvoll, nicht zu lange damit zu warten, ein Manuskript einzureichen, weil die Konkurrenz immer stärker wird? Oder wird sich das wieder legen?
Titel: Re: Deutsche Verlage und deutsche Nachwuchsautoren
Beitrag von: gbwolf am 07. Juni 2011, 23:09:36
Wäre es also sinnvoll, nicht zu lange damit zu warten, ein Manuskript einzureichen, weil die Konkurrenz immer stärker wird?
Nichts schlimmer als ein zu früh abgeschicktes Manuskript! Ich wollte jetzt keine Panik schüren. Man sollte nach seiner Stimme suchen, nach seinem Stil, gutes Handwerk lernen, Lebenserfahrung sammeln und auf sein individuelles Tempo hören, egal wie schwer es ist, wenn neben einem sitzt, der Jahre jünger ist und soundsolche Auflagenhöhen erreicht. Übereilt schlechte Manuskripte rausschicken und dann womöglich noch in Mengen, verbrennt einem nur den eigenen Namen. Lass dir und deinem Werk die Zeit, die ihr benötigt!
Für uns ist es ja gar nicht schlecht, wenn die Verlage sehen, dass es gut qualifizierten Nachwuchs gibt und sie wissen, dass sie sich auf Autoren aus dem eigenen Land verlassen können. Auf dem Arbeitsmarkt gibt es auch Wellen. Mal mehr, mal weniger Angebot. Das ist normal. Man sollte sich vielleicht überlegen, ob man die Genrebrille zu fest aufsetzt oder mal schaut, ob man auch in anderen Bereichen Spaß hat.
Titel: Re: Chancenlage deutscher Fantasyautoren
Beitrag von: Runaway am 07. Juni 2011, 23:43:02
Ich finde es aber wichtig, solche Insiderinformationen weiterzugeben, egal, ob Sie nun zutreffend oder übertrieben sind oder was auch immer.
Von mir ein herzliches Dankeschön dafür! Letztlich sind wir ja auch wegen dieser stillen Post hier und ich bin absolut dafür, solches Wissen großzügig zu teilen.
Denn wie du schon schreibst: Die Lage ist eh schon bescheiden genug für uns. Daß die deutschen Verlage sich lieber Lizenzen aus Übersee einkaufen, ist ein Thema, über das ich mich wochenlang aufregen könnte, aber hilft ja nicht :(
Letztlich können wir uns den Gewohnheiten auf dem Markt wohl nur anpassen. Und Die Wölfin hat recht... BND in Wanne-Eickel (oder so?) ist echt unsexy.

Aber vielleicht hilft es uns, wenn wir uns wirklich ein bißchen internationalisieren? Was spricht dagegen, unsere Geschichten in ein attraktives Setting zu pflanzen?
Ich hab das völlig zufällig gemacht und als mir hinterher klar wurde, welchen Gefallen ich mir damit vielleicht getan hab... das war gut. Und ich fand es jetzt auch nicht so schwer. (Gut, ich hab England genommen und nicht gleich Amerika ;) )
Wenn die Verträge nicht zu uns kommen, kommen wir eben zu den Verträgen. Ich glaub, wer wirklich einen Fuß in die Tür des Marktes kriegen möchte, kommt nicht umhin, den Gesetzen des Marktes mindestens zu einem Teil zu gehorchen.  :-\
Titel: Re: Deutsche Verlage und deutsche Nachwuchsautoren
Beitrag von: Kerimaya am 08. Juni 2011, 00:08:02
Aber vielleicht hilft es uns, wenn wir uns wirklich ein bißchen internationalisieren? Was spricht dagegen, unsere Geschichten in ein attraktives Setting zu pflanzen?
Ich hab das völlig zufällig gemacht und als mir hinterher klar wurde, welchen Gefallen ich mir damit vielleicht getan hab... das war gut. Und ich fand es jetzt auch nicht so schwer. (Gut, ich hab England genommen und nicht gleich Amerika ;) )
Wenn die Verträge nicht zu uns kommen, kommen wir eben zu den Verträgen. Ich glaub, wer wirklich einen Fuß in die Tür des Marktes kriegen möchte, kommt nicht umhin, den Gesetzen des Marktes mindestens zu einem Teil zu gehorchen.  :-\

Es ist nicht das Setting, das uns deutschen Autoren zuweilen das Genick bricht. Was oft gemacht wird, ist, einen amerikanischen/englischen Plot in ein deutsches Setting zu verpflanzen. Urban Fantasy in Wanne Eickel mag auf den ersten Blick lächerlich wirken, weil man prompt bestimmte Romane im Kopf hat, die in San Francisco, New York, sonstwo spielen. Aber man kann genau das zu seinem Vorteil nutzen. Warum also keinen Urban Fantasy Roman, bei dem der Antagonist ein kinderfressendes Ungeheuer in den Tiefen des Ruhrpottflöz ist, das sich seit Jahrhunderten als heilige Barbara (Schutzpatronin der Bergmänner) tarnt? Sowas gibbet in New York nicht, wie unsereins hier sagen würde.
Verlage suchen druchaus deutsche Settings und deutsche Autoren - aber dann auch wirklich, und keinen Abklatsch.

Das gilt auch für das Aushorchen des Marktes. Ich mache das gerade sehr intensiv, weil ich mich im thrillern (vorsicht, Wortwitz ;)) versuchen möchte. Dabei waren einige Genrevorgaben, die beliebt sind, nicht zu übersehen, aber einige der Vorgaben habe ich gerade auch bewusst gebrochen, und wenn ich meiner Agentin glauben darf, war das genau das Richtige (hoffen wir einfach, dass die Verlage das auch so sehen...)
Titel: Re: Chancenlage deutscher Fantasyautoren
Beitrag von: gbwolf am 08. Juni 2011, 14:07:09
Aber vielleicht hilft es uns, wenn wir uns wirklich ein bißchen internationalisieren? Was spricht dagegen, unsere Geschichten in ein attraktives Setting zu pflanzen?
Einmal die Überlegung, weshalb der Verlag dann einen Deutschen Autor nehmen sollte, wenn er zu diesem Setting jemand einkaufen kann, der dort aufgewachsen ist und dann wird deutschen Autoren oft nicht zugetraut, in einem angloamerikanischen Setting peppige Sachen zu schreiben (Irgendwie trauen eh die wenigsten deutschen Autoren zu, Action zu schreiben. Und angeblich ist es der Leser, der keine deutschen Autorennamen auf dem Cover haben möchte. Ein Rätsel, hinter das ich noch nicht gekommen bin). Das Problem ist dir vielleicht bei deiner Agentur- und Verlagssuche begegnet, das mal jemand gefragt hat: "Ja, warum schreiben Sie das nicht in einer coolen Stadt wie Hamburg? Kennen Sie die englischen Schrulligkeiten denn gut genug, um das glaubhaft rüberzubringen?" Mir ist das irgendwo mal begegnet, aber ich erinnere mich nicht mehr, wo, dass eine Autorin frustriert war, weil man ihr keinen Krimi in England zugetraut hat und lieber zu englischen Thrillerautoren griff.
Andererseits gibt es auch viele Romane in fernen Ländern, die gut funktionieren, vor allem bei Jugendlichen und bei Liebesromanen, die sehr gut recherchiert sind. Entweder, weil die Autoren mal dort gelebt haben, genügend Leute kennen, die sie eingehend befragen konnten oder weil das Land für den Roman mehr bunte Kulisse als Notwendigkeit war. Richtig Tiefe reinbringen, wenn man selbst nicht vor Ort war, finde ich allerdings schwierig. Wobei die liebe Lavendel mir gerne sagte: Du musst nicht in die Pfanne liegen, um über ein Schnitzel zu schreiben und ich ihr das auch prompt glaube, wenn ich lese, wie sie ins viktorianische England eintaucht.

Es ist nicht das Setting, das uns deutschen Autoren zuweilen das Genick bricht. Was oft gemacht wird, ist, einen amerikanischen/englischen Plot in ein deutsches Setting zu verpflanzen.
Das finde ich eine ganz wichtige Aussage, die ich so nur absolut unterstreichen kann!
Titel: Re: Deutsche Verlage und deutsche Nachwuchsautoren
Beitrag von: Runaway am 08. Juni 2011, 16:33:34
Daß man deutsche Autorennamen nicht haben mag, finde ich allerdings auch sehr rätselhaft. Bei mir ist das genau andersrum. Ich freu mich immer, wenn ich mal nichts amerikanisches/englisches sehe!

Zum Glück hat mir keiner auf meiner Suche wegen dem englischen Setting blöde Fragen gestellt. Ich habs mir aber auch nicht nehmen lassen, zu erwähnen, daß ich da war. Mehrmals ;) Deshalb laß ich mir jetzt keine grauen Haare wachsen. Wenigstens hab ich mir ja den Kniff erlaubt, nicht über eine Engländerin zu schreiben, sondern über eine Deutsche. Macht's vielleicht glaubhafter.
Ich will auch nicht hoffen, daß noch blöde Kommentare kommen... im Gegenteil, bei der letzten Verlagsrückmeldung hieß es ja, der Plot sei gut so. Fein  :jau:
Titel: Re: Chancenlage deutscher Fantasyautoren
Beitrag von: Kaeptn am 09. Juni 2011, 08:10:03
Wenn ein Fantasytitel eines Debütautoren in Deutschland eine Gesamtauflage zwischen 6 und 8000 hat, gilt das durchaus als gut.
Ein Sequel hat dann in der Regel deutlich weniger, also vielleicht 5000, was – wie Ihr wahrscheinlich wisst – nicht eben viel ist.
Deswegen würde ein deutscher Verlag so ein Sequel wohl nur dann wollen, wenn das Erstbuch eine Auflage von mehreren zehntausend Stück erzielt hat, also ein definitionsgemäßer Bestseller geworden ist.

Erstmal danke für die interessante Info - die mich allerdings doch überrascht. Die Gesamtauflage 6-8000 ist schon erschreckend (wenn man überlegt, was der Autor dann daran verdient, das grenzt ja ans Lächerliche, bei 1/2 Jahr Arbeit), aber dass ein Sequel in der Regel DEUTLICH WENIGER hat und deswegen unbeliebt sind, finde ich erstaunlich, gerade in der Fantasy, wo Einteiler ja geradezu ein Naturereignis sind und unter Trilogie fast nichts mehr geht. Denn das Sequel sollte ja immer auch den ersten Teil nochmal ein wenig pushen, allein was die Aufmerksamkeit angeht.

Unter diesen Gesichtspunkten versteht man vielleicht auch, warum Wettbewerbe bei den Verlagen immer beliebter werden. Was beim Goldenen Pick an Drumherum gemacht wird, ist ja enorm - vermutlich aber weniger, um einen möglichst guten Autoren zu finden (das würde man wohl auch ohne zig FAZ-Artikel schaffen), sondern vor allem, um den gefundenen dann auch zu verkaufen.

Generell muss jedem klar sein: Mit deutscher Fantasy erfolgreich zu sein, ist sehr unwahrscheinlich. Der Markt ist klein, die Konkurrenz etablierter Autoren groß. Wer jemals vom Schreiben leben will, schaut sich lieber in anderen Genres um, gerade im historischen Bereich sieht es da ja ganz anders aus, was dt. Autoren angeht.
Titel: Re: Chancenlage deutscher Fantasyautoren
Beitrag von: Grey am 09. Juni 2011, 09:38:37
Generell muss jedem klar sein: Mit deutscher Fantasy erfolgreich zu sein, ist sehr unwahrscheinlich. Der Markt ist klein, die Konkurrenz etablierter Autoren groß. Wer jemals vom Schreiben leben will, schaut sich lieber in anderen Genres um, gerade im historischen Bereich sieht es da ja ganz anders aus, was dt. Autoren angeht.

Wenn wir von Fantasy reden, reden wir dann von High Fantasy, oder vom Überbegriff Fantasy? Denn dann würde ich dem schon wiedersprechen: Gerade im Bereich Urban hat man als deutscher Autor (oder Autorin) inzwischen durchaus Chancen, einen ganz guten Vertrag und eine Erstauflage von deutlich mehr als 6-8000 zu bekommen - im Moment nicht gerade mit Vampiren allerdings, fürchte ich. ;)

Was Sequels angeht, hat Schommes einerseits sicher recht, aber ganz so schwarz braucht man das glaube ich auch nicht zu sehen - man tut sich schon einen Gefallen, wenn der erste Band einer Reihe als Einzeltitel stehen kann. Aber selbst wenn die Fortsetzung nicht direkt auf dem Fuß folgt, kann die Reihe dann auch später fortgesetzt werden, wenn der Autor noch ein oder zwei Standalones gebracht und sich etwas besser etabliert hat.
Titel: Re: Deutsche Verlage und deutsche Nachwuchsautoren
Beitrag von: Schommes am 15. Juni 2011, 12:14:50
Sorry, nachdem ich den Beitrag geschrieben hatte, auf den Ihr alle so viel interessantes geantwortet hattet bin ich erstmal in Arbeit versumpft und danach hat mich eine Sumpfgrippe gepackt. Jetzt geht es mir aber besser. Irgendwann zwischendurch habe ich dann meinen Cheflektor Fantasy von Piper hier in Berlin getroffen und davon wollte ich Euch auch noch berichten. Erstmal zu mir persönlich - in der Hoffnung, dass das als Exempel irgendwie auch interessant ist.
Die Vormerkungen der Buchhändler zu Asylon sind zwar im Normbereich aber eben auch nicht überragend.
Daher ist ein Sequel zu Asylon momentan nicht Pipers Präferenz, was natürlich nicht ausschließt, dass es nicht später irgendwann einmal weitergehen könnte, wie Grey ja auch vermerkt hatte.
Er sagt selbst, dass deutsche Autoren es eben schwerer haben, weil der Markt im Vergleich zu USA so klein ist. In den USA erreicht auch ein nach dortigen Maßstäben mittelmäßiges Buch eine größere Auflage und ist daher viel eher rentabel.
Wir haben uns nun entschieden genremäßig etwa in dieselbe Kerbe zu hauen, wobei das nicht unbedingt Dystopie bedeuten muss. Da habe ich jetzt relativ viel Freiheit. Allerdings muss ich dabei natürlich im Hinterkopf behalten, die Asylonleser nicht durch ein zuweit davon entferntes Zweitlingswerk zu vergraulen. Fantasy sollte auf jeden Fall drin sein. Ich bin ja auch bei PiFa gelandet. Übrigens PiFa plant ein separates Jugendlabel, aber das ist noch nicht in trockenen Tüchern. Das weiß ich nun deswegen, weil ich explizit gefragt habe, ob ich diesmal mehr in Richtung Jugend zielen sollte, angesichts der derzeitigen Erfolge in diesem Segment. Da hieß es dann eben, aber dann ist vielleicht nicht mehr dieselbe Mannschaft für Dich zuständig. Außerdem könnte das natürlich wieder erwachsene Leser vergraulen.
Ich habe nach Steampunk gefragt, weil mich das Thema sehr interessiert. Piper betrachtet das Segment eher pessimistisch. Zwar sind im Augenblick diverse Versuche zu verzeichnen hier auch deutsche Autoren zu vermarkten. Piper sieht diese Versuche aber eher skeptisch. Es habe in den USA einen großen Erfolg mit "Boneshaker" gegeben, der aber aus Sicht der Münchner eher dem Buch an sich zu danken sei, als dem Hunger der Leser nach dessen Genre.
Ich habe etwas frustriert von der geringen Sichtbarkeit von Reaktionen auf meine diversen eigenen Versuche des Onlinemarketings berichtet (Buchentstehungsblog, FB-Fanpage etc.). Mein Cheflektor hat mich hierzu wieder etwas ermutigt. Er meint, die Erfolge solcher Versuche lassen sich oft nicht an sichtbaren Reaktionen messen, da hier vieles über Mund-zu-Mund-Propaganda passiert und die wenigsten Leute, die solche Angebote mitlesen, auch explizite Spuren hinterlassen.
Ansonsten kann ich froh vermerken, dass Piper hinsichtlich des Terminplans für mein neues Werk sehr großzügig mit meinen privaten Einschränkungen umgeht. Die Tatsache, dass im August ja mein Kind zur Welt kommt, hat jetzt dazu geführt, dass ich, obwohl im Herbstprogramm 2012 wieder in Platz für mich reserviert ist, Fertigstellungszeit bis Juni nächsten Jahres habe. Bei Piper kann man sich sehr wohlfühlen. Es ist alles sehr familiär. Die Leute sind sehr engagiert und hilfsbereit. Kann ich nur empfehlen.

Sorry, das war jetzt alles etwas durcheinandrig und unsortiert. Ist normalerweise nicht so meine Art, aber ich bin auch noch ein wenig angeschlagen. Immerhin kann ich jetzt ernsthaft anfangen mir Gedanken über das neue Projekt machen. Ich bin fast erleichtert, dass es erstmal keine Fortsetzung zu Asylon ist, da das Buch von mir eher Standalone gedacht war. Aber wer weiß, was noch kommt ...

NACHTRAGSEDIT:
Erstmal danke für die interessante Info - die mich allerdings doch überrascht. Die Gesamtauflage 6-8000 ist schon erschreckend (wenn man überlegt, was der Autor dann daran verdient, das grenzt ja ans Lächerliche, bei 1/2 Jahr Arbeit), aber dass ein Sequel in der Regel DEUTLICH WENIGER hat und deswegen unbeliebt sind, finde ich erstaunlich, gerade in der Fantasy, wo Einteiler ja geradezu ein Naturereignis sind und unter Trilogie fast nichts mehr geht. Denn das Sequel sollte ja immer auch den ersten Teil nochmal ein wenig pushen, allein was die Aufmerksamkeit angeht.
Ich hatte auch schon vorher mal irgendwo gelesen, dass auch ein nach normalen Marktmaßstäben durchschnittlich erfolgreicher Erstling selten viel mehr einspielt als den (typischerweise im mittleren vierstelligen Bereich angesiedelten) Vorschuss.
Wenn wir von Fantasy reden, reden wir dann von High Fantasy, oder vom Überbegriff Fantasy? Denn dann würde ich dem schon wiedersprechen: Gerade im Bereich Urban hat man als deutscher Autor (oder Autorin) inzwischen durchaus Chancen, einen ganz guten Vertrag und eine Erstauflage von deutlich mehr als 6-8000 zu bekommen
Hattu reale Beispiele in Deinem Bekanntenkreis? Los rück raus (und gib mir Hoffnung)!  ;)
Titel: Re: Deutsche Verlage und deutsche Nachwuchsautoren
Beitrag von: FeeamPC am 26. Oktober 2011, 15:52:26
Wenn ich mir dieses hier ( und diverse andere Threads) so vor Augen führe, sollte der Markt in der Tat mit mehr deutscher Fantasy geflutet werden. Nur dass die großen Verlage uns da nur kleine Nischen zuteilen können/wollen, und die kleinen Verlage nicht das Geld haben, umfangreiche Fantasy-Reihen zu drucken und unter die Leute zu bringen. Erst recht nicht, sie zu bewerben.
Hmmmm....