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Autor Thema: Deutsche Verlage und deutsche Nachwuchsautoren  (Gelesen 34952 mal)

Offline Linda

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Re: Deutsche Verlage und deutsche Nachwuchsautoren
« Antwort #30 am: 03. Juli 2007, 12:30:20 »
Wir haben vorhin mal die angekündigten Neuerscheinungen nach Rezi-Expemplaren durchgesehen - Ihr glaubt gar nicht, wie viele "Orks" es zum Herbst hin geben wird.
:wums:

und ich habe 1999 mit Rezzal, dem Orkschamanen, diesen Trend vorgelegt - zumindest für Deutschland :-)

Gruß,

Linda
“We like to think we live in daylight, but half the world is always dark, and fantasy, like poetry, speaks the language of the night.”

― Ursula K. Le Guin

gbwolf

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Re: Deutsche Verlage und deutsche Nachwuchsautoren
« Antwort #31 am: 03. Juli 2007, 12:35:25 »
 :wache!: Ich bin zwar kein Mod, aber das ist ja irgendwie mein Thread, deswegen hier die kurze Bitte:
Wenn ihr ein bisschen Verlags-Bashing betreiben wollt, dann macht einen Off-Topic-Thread auf. Wir versuchen, ganz sachlich zu diskutieren und die Mechanismen heraus zu arbeiten, nach denen der Markt funktioniert. Ob das jetzt für die künstlerische Freiheit gut oder schlecht ist, sollte nicht so emotional debattiert werden, da ein Gefühlsausbruch oft wider jeder Logik Argumente sieht, die für andere eben nicht gelten.
Edit: Bislang verlief die Diskussion hier unglaublich produktiv und sehr interessant. Vielen Dank dafür. Ein oder zwei Off-Topic-Ausrutscher sind ja ok und ich finde es ganz gut im Rahmen.

Zitat
Irgendwie geht die Fantasy-Abteilung den Bach runter, fürchte ich.
Das sehe ich ganz anders. Der Fantasymarkt geht nach Jahren des Schattendaseins in den letzten Jahren endlich mal hoch. Aus einem verschämten Regal sind Bücherwände geworden. Zwischen der Masse an Unterhaltungsliteratur haben jetzt endlich auch qualitativ hochwertige Bücher eine Chance, die zwar immernoch ein kleines Nischenleben führen, aber gedruckt und verkauft werden.
Und die deutschen Autoren sind im Kommen. Das ist toll und wenn einige amen aufgebaut sind (selbst wenn sie das in den ersten Jahren mit Orks und Elfen tun), dann haben diese Leute auch die Freiheit, andere achen durchzusetzen. Ich denke, der Markt ist noch nicht so weit, die Leute sind noch nicht etabliert genug, um sich durchzusetzen. Das dauert seine Zeit.
Ich bin da sehr optimistisch, wenn ich sehe, wie kreativ explodiert in den letzten Jahren der Kinder- und Jugendbuchmarkt ist, was dort an skurrilen Sachen endlich möglich ist, was vor jahren undenkbar war!

Es gibt viele Sachen, die man als "gut" bewerten kann, aber solange sie nicht unterhaltsam genug für einen großen Leserkreis ist, sind sie Fälle für Kleinverlage und werden sich in einer gewissen Szene großer Beliebtheit erfreuen. Ab und zu schafft es mal einer auf die Bestsellerliste. Ab und zu.

Denn für Fantasy und für SF gilt nach wie vor leider: Es gibt fast mehr Leute, die es schreiben, als Lesen. Besonders an der Kurzgeschichtenszene sieht man das immer eindrucksvoll.

Offline Steffi

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Re: Deutsche Verlage und deutsche Nachwuchsautoren
« Antwort #32 am: 03. Juli 2007, 12:36:47 »
Ok, jeder hat seinen eigenen Geschmack, also kann der Autor es nicht allen Recht machen. Es ist sein Werk, und das sollte ein Leser auch akzeptieren.

Na ja. Wenn Du jemandem etwas zu Lesen gibst, dann musst du mit Kritik rechnen. Ansonsten behalte deine Werke für dich. Wenn du das Recht hast, deine Geschichte so zu schreiben wie du willst dann haben die Leser das Recht, Kritik zu äußern.
Sic parvis magna


Artemis

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Re: Deutsche Verlage und deutsche Nachwuchsautoren
« Antwort #33 am: 03. Juli 2007, 13:16:00 »
Ups, jetzt hab ich mir wohl die Zunge verbrannt  :-\

Ich hab ja auch nicht gesagt, dass ich keine Kritik mag - ehrlich gesagt bin ich süchtig nach ihr  :) (frag mal Duana, die kann ein Lied davon singen)
Mir ging es nur darum, dass Leute den Kern meiner Geschichte angreifen wollten, und das hatte mich hart getroffen. Details kann ich ändern, den gesamten Verlauf der Story nicht.

So, aber nun genug in der Gefühlswelt geplanscht, zurück zum Text  ::)


Mit dem Jugendbuchmarkt muss ich dir Recht geben, gbwolf. Wenn ich an meine Kindheit zurückdenke, was gab es da groß zu lesen? Hanny und Nanny, Süderhof, TKKG, Die drei Fragezeichen, Ballett- und Pferderomane ... Betrachtet man den heutigen Markt, ist das eine 180°-Drehung, und das finde ich auch gut so.
Obwohl ich sagen muss, dass es damals diesen Hype um manche Bücher nicht gab. Egal ob Eragon oder Harry Potter - vor gut 10 Jahren waren ausländische Kinderbücher bis auf einige Ausnahem weitestgehend unbekannt. Klar, es gab von erfolgreichen Kinderbüchern auch Serien im TV, aber die haben nie mehr als einen gewissen Kultstatus erreicht. Kinofilm, Merchandising, das gabs damals noch nicht.
Der Buchmarkt muss sich dem Trend halt anpassen, und als engagierter Autor zieht man entweder mit oder bleibt zurück.

Karin

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Re: Deutsche Verlage und deutsche Nachwuchsautoren
« Antwort #34 am: 03. Juli 2007, 14:23:39 »
Es rennt ja auch keiner bei einen Künster und schreibt ihm vor, was er malen soll, oder?

Doch, natürlich. Es gibt in der Kunstszene durchaus Stilrichtungen, die sich verkaufen. Innovation ist auch dort nicht unbedingt gewollt, wenn jemand als Illustrator o.ä. Geld verdienen will.
Es gibt ebensowenig Leute, die ein Picasso werden und vom Malen sehr gut leben können, wie es Rowlings gibt.

Kunst, in jeder Richtung, egal ob Musik, Malerei oder Schriftstellerei, ist dem Markt unterworfen. Neue Ideen brauchen Glück und Kraft.

Natürlich kann jeder machen was er will und die Ergebnisse in die Schublade stecken. Wer aber Geld verdienen will, wird sich immer erst durchsetzen müssen. Und manchmal führt der Weg zum Erfolg wohl auch über ein Stück Anpassung. Manchmal mag es auch anders gehen.

Jedenfalls gibt es keinen Grund, andere Künstler als besser gefördert anzusehen. Gerade Kunst wird überall immer kürzer gehalten, weil z.B. Städte und Gemeinden immer weniger Geld zur Verfügung haben, um etwas aufzukaufen.

LG,
Karin

Offline Lavendel

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Re: Deutsche Verlage und deutsche Nachwuchsautoren
« Antwort #35 am: 03. Juli 2007, 18:00:46 »
Andererseits, bevor man sich beschwert, dass Kunst nicht genug gefördert wird, muss man sich auch über die Auswirkungen der Förderung auf die Kunst Gedanken machen. Erstens wird in Deutschland ziemlich stark gefördert, zweitens sollte man sich natürlich fragen, welche Auswirkungen das auf die künstlerische Entwicklung hat, denn wenn der Staat fördert, kann er eben in eine bestimmte Richung fördern.

Fantasy mag momentan boomen, aber ich sehe die Situation trotzdem nicht so optimistisch. Ich denke, dass diese Hoch sich in ein paar Jahren verzieht und so einige Karrieren auf der Strecke bleiben. Ich wäre also noch ein bisschen vorsichtig.
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Offline Grey

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Re: Deutsche Verlage und deutsche Nachwuchsautoren
« Antwort #36 am: 04. Juli 2007, 01:29:18 »
naja, aber die, die wandlungsfähig sind, ohne sich selbst zu verraten, könnten eine Chance haben... wie z.B. Madonna im Musikgeschäft. Das ws sie heute macht hat mit ihren Anfangswerken nur noch wenig zu tun - trotzdem ist es irgendwie immer noch ihr Stil - das müsste doch in der Fantasy-Literatur auch möglich sein...
  Rien ne va plus.

Karin

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Re: Deutsche Verlage und deutsche Nachwuchsautoren
« Antwort #37 am: 04. Juli 2007, 10:25:05 »
Und ein Autor entwickelt sich. Das führt automatisch zu einer Wandlung.

Die meisten Leute, die es schaffen, ein Buch zu verlegen, können davon nicht leben, werden also einen anderen Broterwerb haben. Selbst wenn sie in 10 Jahren nicht mehr veröffentlichen können, dürften sie also in kein riesiges Loch fallen.

Wer jetzt den Sprung schafft, kann sich erstmal freuen. Was später kommt, weiß man in keinem Job. Und jetzt kann man den Sprung wohl sogar mit Fantasy schaffen und eben auch als deutscher Autor. Das ist eine Chance, die vielleicht gering ist, aber vorhanden.  :)

Cailin

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Re: Deutsche Verlage und deutsche Nachwuchsautoren
« Antwort #38 am: 04. Juli 2007, 10:32:51 »
@Grey: Das ist möglich.
Nur weil man für den 'Markt' schreibt, kann man dennoch seinen Stil beibehalten. Vielleicht macht man sich keinen Namen z.B. im Jugendbuch oder der High Fantasy, dafür aber vielleicht in einem anderen Sektor. Und wenn man Glück hat, führt irgendwann von dort auch ein Weg zu dem zurück, was du eigentlich schreiben wolltest. :jau:

Azrael

  • Gast
Re: Deutsche Verlage und deutsche Nachwuchsautoren
« Antwort #39 am: 04. Juli 2007, 14:05:02 »
Hallo zusammen!

Ich verfolge die Diskussion schon lange mit wachsamen interessierten Auge.
Warum erzähle ich das gerade? Nun ja, ich beginne mal von vorne. Vor einiger Zeit habe ich viele Autorenworkshops und Kurse belegt und bin dabei immer wieder interessanten Menschen begegnet. Sowohl Nachwuchsautoren, Lektoren und Verlagseigentümern. Was mir dabei auffiel war, dass in diesen Kursen weniger auf die Qualität des Textes oder auf das Handwerk im Allgemeinen geachtet wurde, sondern das Hauptaugenmerk vor allem daran lag, wer von uns am Wandelbarsten, Belastbarsten und am Produktivsten ist. Wir haben schnell gelernt, dass es in diesem "Massengeschäft" nicht um die Qualität im Allgemeinen ging oder geht, sondern viel mehr darum, wie schnell kannst du ein Buch zu einem hippen Thema schreiben, damit der Verlag noch auf diese Schiene aufspringen kann und noch ein Stück vom Kuchen abzubekommen oder du selbst.

Um ehrlich zu sein, das ist mir persönlich zu plump. Um ein gutes Buch zu schreiben - und mit gut meine ich wirklich gut  und einigartig - braucht es vor allem interessante Ideen und was am Wichtigsten ist Zeit. Sehr viel Zeit.

Ich weiß nicht, ob es euch schon selbst aufgefallen ist, aber ich habe in den letzten Jahren etwas sehr Interessantes auf dem Büchermarkt beobachtet. Ich schreibe das jetzt sehr ausführlich hier her, da ich euch diese Kuriosität gerne etwas Näher bringen möchte. Ich weiß, das was ich jetzt schreibe ist nichts Neues - aber ich erzähle es euch mal aus der neuen satirischen Perspektive.;D  ;D

Nehmen wir jetzt irgendeinen Autoren her, der jahrelang an seinem Buch und seiner Idee herumgefeilt hat - nennen wir ihn mal Mr. X. Nun Mr. X schrieb ein interessantes Buch zum Thema "Stricknadelkungfu". Zu diesem Zeitpunkt hat niemand ein packendes Buch über dieses Thema  geschrieben, da das Thema bereits beerdigt wurde und es schon seit Jahren in Frieden unter der Erde ruhte - vor allem seit der letzten "Stricknadelkungfu Ära" vor etwa 60 Jahren. Tja, aber Mr. X schrieb nicht irgendein Buch, sondern das Buch und glaubt mir, Leute noch nie wurde so leidenschaftlich über "Stricknadelkungfu" geschrieben als zu diesem denkwürdigen Zeitpunkt.

Nun sucht Mr. X einen Verlag für sein Buch ... er schreibt zahllose Verlage an und erhält 100te von Absagen mit der Begründung, dass das Buch nicht ins Verlagsprogramm passen würde, und das Thema "schon lange beerdigt" sei. Irgendwann beißt doch ein Verlag an, der gerne etwas Frisches und vor allem Neues ausprobieren möchte. Vielleicht braucht er  auch einen Flopp um ihn steuerlich abzusetzen, oder er hat genügend Geld zur Verfügung, um sich auf ein waghalsiges Experiment einlassen zu können. Wie auch immer, er tut es eben.  Mr. X bekommt einen Vertrag und sein Buch wird gedruckt.

Was passiert - zunächst kaufen nur ein paar wenige dieses Buch, für das so gut wie gar keine Werbung gemacht wurde, und dessen Einband mehr "Abschreckt" als zum "Kauf" alamiert, und welches so gar nicht in das Regal zu den anderen Büchern passen möchte. Aber vielleicht sticht es gerade deshalb so heraus - weil es eben anders ist. Und dann gibt es da noch das sonderbare Häufchen von Lesern, die sich gerne auf ein neues Leseexperiment einlassen, nur um den Massenschund zu entgehen.

Was passiert weiter. Mr. X ist kein Einfallspinsel. Er hat das Buch geschrieben. Es strotzt nur so von Skandalen und bösen Machenschaften und die Geschichte rührt die Leser unterschiedlich. Manche regen sich darüber auf, andere sind total paralleliesiert, andere werfen ihre Bibeln aus dem Haus und machen es zum Zentrum ihrer neuen Lebensphilosophie und Religion und beten es regelrecht an. Kurz gesagt - es ist ein Kassenschlager! Und das erzählt man gerne weiter. Das Buch verkauft sich nun - und wie es sich verkauft. Die Leute plündern ihre Sparbücher und Konten, um es zu lesen und zu besitzen.  Nach genügend Mundprobaganda erkennt auch der Verlag, dass daraus noch mehr Geld zu holen ist - und das Buch bekommt mal einen neuen hübschen Einband und als Sonderedition einen mit goldgeprägten Buchrücken. Und als besonderer Leckerbissen hat Elvis persönlich das Vorwort geschrieben. Mr. X muss plötzlich Interviews geben und es werden sogar hitzige öffentliche Diskussionen darüber in den Medien geführt. Zu guter Letzt segnet der Papst persönlich das von Gott verfasste Werk in seiner Osterpredigt.

Mr. X legt einen zweiten Roman nach, den er hat ja genügend davon in seinen Schubladen zu Hause und kann den Erfolg noch gar nicht richtig registrieren. Alles dreht sich plötzlich um ihn und seiner Persönlichkeit und man hat ihn sogar bereits als Präsidentschaftskanditat im Gespräch.

So und nun frag ich euch weiter - ist es dann nicht logisch, dass andere auf das Pferdchen mit rauf springen wollen? Innerhalb eines Jahres erscheinen nun bei allen größeren Verlagen  weltweit "Stricknadelkungfu- Bücher". Die Verlage schreiben ihre promineten Autoren an und flehen sie auf Knien an  ein "Stricknadelkungfu" Buch zu produzieren und plötzlich schreiben sie alle über ein und das selbe Thema - natürlich leicht und schlau abgeändert. Die ersten Bücher sind noch gut, da es viele gab, die ebenfalls darüber schreiben wollten, aabber bis jetzt keinen Verlag gefunden hatten - so wie Mr. X. Dann folgt eine Ära, wo plötzlich namhafte Autoren, die nie ein Exemplar zu diesem Genre verfasst haben plötzlich zu Experten werden und tatkräftig ein Buch nach dem anderen zu diesem Thema pluplizieren. Selbst Frischlinge versuchen sich darin und hoffen so in einem Verlag unterzukommen.  Und irgendwo nach ein zwei Jahren gibt es einen Verlag, der noch etwas Geld zur Verfügung hat, oder einen Flopp steuerlich abschreiben möchte oder einfach nur mutig ist, um sich auf ein gewagtes Experiment einzulassen. Und plötzlich bekommt dieser Verlag das Buch der Autorin Mrs. Y zu Gesicht, die jahrelang an ihrem Roman mit dem Thema "Eichhörnchensalat" gesessen hatte und damit das Buch geschrieben hat, welches in Zukunft eine ähnliche Massenhysterie auslösen wird.

Ich denke, das ein Großteil der deutschsprachigen Verlage so funktionieren. Das Geld für wirklich originelle Ideen oder für waghalsige Experimente ist kaum da, um junge Frischlinge zu fördern. Und wenn doch, dann sind es meistens diese neuen Frischlinge, die mit ihren Ideen neue Massstabe setzen, so wie es bei Rowling, Dan Brown, Herr der Ringe Auferlebung usw der Fall ist und war. Danach folgen fünf bis zehn wirklich gute "Nachahmer - Bücher", die meist von Autoren stammen, die selbst jahrelang ein Buch zu diesem Genre geschrieben haben, und deren Bücher bis zu diesem Auferlebungszeitpunkt nur abgelehnt wurden, da sie nicht in die Verlagsschiene passten. Diese Bücher sind noch mit Herz und Hirn geschrieben und wirklich gute lesenswerte Werke. Ich bezeichne sie gerne als die Lichtfunken. Danach folgt die Graue Welle der Nachahmer - meist von renovierten Autoren, die auf das Pferd aufspringen möchten. Diese Bücher sind zum Teil gut und schlecht. Und was danach kommt ist nicht mehr nennenswert, denn dies ist die schwarze Suppe, die dann den Markt überschwemmt in der Hoffnung etwas vom Kuchen zu ergatern.

Man investiert heute lieber in alt bekanntes und in all das, was gerade "modern" ist und hofft damit das große Geld zu verdienen. Ich kann dazu nur sagen, dass mir das persönlich sehr nahe geht. Da dadurch die Chancen für uns Jungen so gering wie möglich gehalten werden und dies verstehe ich nicht. In meiner persönlichen Welt steht für mich die Förderung des Nachwuschses immer an oberster Stelle. Ich habe nichts dagegen, wenn fest eingesessene Autoren ihre Bücher produzieren und verlegen lassen. Von den alten Hasen kann man sehr viel lernen. Aber was mich dabei stört, ist das diese Hasen sich immer wieder dazu verleiten lassen in Revieren zu wildern, die nicht für sie bestimmt sind nur um ein paar saftige Halme abzubekommen. Ich habe nichts dagegen, wenn ein alter Hase sich weiterentwickelt - nein ganz und gar nicht. Manche tun das sogar sehr erfolgreich - jedoch ärgert es mich, wenn einer von diesen ein "schwarze Suppe" Buch schreibt und dieses als große Phase seiner Weiterentwicklung als Autor ankündigt, obwohl nach dem Lesen schon klar wird, dass dies nicht der Beweggrund dafür war - sondern nur die Provitgier. Und zu letzteres will ich mich wirklich nicht gesellen - nein danke :no:

Ich persönlich habe mich sehr darüber gefreut, dass es im Bereich Fantasy bergauf ging - anfangs zumindest. Mittlerweile befinden wir uns auch in der "schwarzen Suppe Zone" und vieles, das auf dem Markt veröffentlicht wird, ist nur noch die Kopie von der Kopie usw. Etwas wirklich Neues, das mich umhaut habe ich im Bereich Fantasy in letzter Zeit nicht gefunden - hin und wieder stößt man auf ein gutes Werk - doch die sind leider sehr in der Minderzahl. Daher konzentriere ich mich mehr auf den Kinder- und Jugendbuchmarkt. Hier hat sich in den letzten Jahren sehr viel geändert und die "Massenschiene" hat hier noch nicht so sehr duchgegriffen, wie in der Erwachsenenliteratur. Hier findet man unterschiedliche Themen vor und der Markt für neue interessante Ideen ist viel größer als bei den Erwachsenen. Das motiviert gute Manuskripte und originelle Ideen an die Verlage zu schicken.  ;) ;D

In diesem Sinne liebe Grüße
Mondstern 

Offline Lavendel

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Re: Deutsche Verlage und deutsche Nachwuchsautoren
« Antwort #40 am: 04. Juli 2007, 17:28:55 »
Renovierte Autoren also?  ;D

Ich gebe dir Recht, Mondstern. Im Moment ist das Angebot an Fantasy eine gräuliche Masse aus widergekäuten Stoffen. Es gibt kaum Bücher, die mich zum staunen bringen können. Allerdings finde ich, dass gerade das ein guter Zeitpunkt ist damit anzufangen, das Genre neu zu definieren. Ich rede jetzt nicht von 'lasst uns etwas noch nie dagewesenes schreiben'. Aber es wäre langsam angebracht einige festgefahrene Strukturen zu überdenken. Kann sein, dass man dafür x Absagen kassiert, aber wenn man ein gutes Buch geschrieben hat (ein wirklich gutes), dann bin ich überezeugt, dass man es auch auf den Markt bekommt.
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Virginia Woolf

Azrael

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Re: Deutsche Verlage und deutsche Nachwuchsautoren
« Antwort #41 am: 04. Juli 2007, 18:28:12 »
@ Lavendel

Da stimme ich dir zu - bevor es schwarz wird sollte man versuchen mit frischen neuen Wind wieder Leben in die trübe Masse zu bekommen. Doch leider sage ich mal ist das bei der heutigen Verlagslage sehr schwer umzusetzen. die wenigen Verlage, die sich auf Neues einlassen sind an einer Hand abzählbar und da meist das Geld dazu fehlt, Experimente zu starten und das finde ich traurig. Und die meisten trauen sich nicht das Genre neu zu definieren - bis auf ein paat Ausnahmen ;D - und wo die alle zu Hause sind wissen wir ja ;)

Statt das Geld in junge talentierte Autoren zu stecken wird es anderswertig ausgegeben. Dabei sind es oft die Jungen, die mit frischen Ideen den Verlag oft aus einer Krise helfen, wenn die Idee dann zum Bestseller wird.
Es ist sehr schade, dass gerade in diesem Bereich im Verlagswesen noch selbst nicht umgedacht wird. Aber ich hoffe, das irgendwann dieses "Dinosaurierdenken" ausstirbt - T Rex ist auch ausgestorben. Das motiviert mich ;D

Liebe Grüße
Mondstern

Lomax

  • Gast
Re: Deutsche Verlage und deutsche Nachwuchsautoren
« Antwort #42 am: 04. Juli 2007, 19:11:44 »
Na, langsam wird mir die Diskussion hier doch etwas simpel. Die zuletzt festgestellten Mechanismen sind zwar durchaus zu beobachten, aber die Praxis ist schon etwas komplexer als ein einfacher Spannungsfluss zwischen den Polen "gute, neue, nie dagewesene Bücher, die durch ihren Erfolg einen neuen Trend einleiten" und "schlechte Abklatsche".
die wenigen Verlage, die sich auf Neues einlassen sind an einer Hand abzählbar und da meist das Geld dazu fehlt, Experimente zu starten und das finde ich traurig.
Experimente starten die Verlage jederzeit - man muss nur die Verantwortlichen überzeugen, dass es Erfolg verspricht. Da die meisten Experimente aber mehr oder minder in die Hose gehen, ist der Spielraum für solche naturgemäß begrenzt und muss erst durch berechenbare Erfolge finanziert werden. Das ist ein wenig wie in der sonstigen Wirtschaft: Wenn man ein erfolgreichreiches Produkt entwickelt hat, muss man das erst mal ein wenig verkaufen können, um die Entwicklungskosten wieder einzuspielen - und das bedeutet mitunter auch, dass man Nachfolgeprodukte mitunter langsamer bringen muss, als man womöglich könnte.
Und die meisten trauen sich nicht das Genre neu zu definieren - bis auf ein paat Ausnahmen ... Dabei sind es oft die Jungen, die mit frischen Ideen den Verlag oft aus einer Krise helfen, wenn die Idee dann zum Bestseller wird.
Manchmal sind es die neuen Ideen, die einen überraschenden Bestseller schaffen - meist aber einfach nur alte Ideen zur richtigen Zeit, oder eine halbwegs neue Kombination altbekannter Elemente. Harry Potter beispielsweise bot eigentlich nichts, was man nicht schon mal anderswo gelesen hätte. Dan Brown folgt beim Schreiben auch altbekannten Mustern und hat nur mit den Themen einen Zeitgeist getroffen.
  Andere Autoren definieren ein Genre neu, ohne dabei gleich zum Bestseller zu werden - indem sie nämlich nicht vom breiten Publikum gelesen werden, aber überproportional häufig von einer "schreibenden Schicht" - die sich dann wiederum inspierieren lässt und Elemente des Trendsetters in ihre eigenen, erfolgreicheren und oft auch wieder platteren Werke einfließen lässt.

Warum also sollten die Verlage umdenken, wenn gerade die hier beklagten Mechanismen funktionieren, erfahrungsgemäß das meiste Geld einbringen und sich selbstverstärkend überhaupt erst entwickelt haben?

Offline Lavendel

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Re: Deutsche Verlage und deutsche Nachwuchsautoren
« Antwort #43 am: 30. März 2008, 21:54:09 »
Da ja angeregt wurde, in diesem Thread weiterzudiskutieren:

Jetzt fällt mir ein (nur ein ganz kleines ;)) 'aber' zu Lomax' letztem Post ein.

Wenn einige hier unter uns im Tintenzirkel nicht die einzigen sind, die sich eine Entwicklung weg von den üblichen Strukturen wünschen, dann haben wir es unter Umständen mit einem Wandel zu tun, der sich nicht nur unter Autor/innen vollzieht.

Denkweisen und Interessenschwerpunkte ändern sich ja bekanntlich mit der Zeit, was natürlich mit gesellschaftlichem Wandel zu tun hat - der nunmal nicht ausbleiben kann. Insgesamt gesehen kommen heute sicher andere Bücher auf den Markt, als sagen wir in den 70ern. Und sollte das Genre Fantasy tatsächlich nicht wieder in das Loch fallen, aus dem es erst vor kurzem gekrochen ist, dann wird sich vermutlich irgendwann ein Umdenken einschleichen, ohne dass man es richtig merkt, wenn man nicht darauf achtet.

Ich habe da natürlich eine Annahme vorausgestellt, die ich nur vermuten kann. Aber immerhin wird 'die Jugend von heute' wahrscheinlich nicht das lesen, was ich in deren Alter gelesen habe, weil sich das Angebot eben doch etwas verändert hat. 'Wir' fanden Drachen super, 'die' lieben Vampire - reduziert ausgedrückt.

Die Frage ist nur, ob die Entwicklung dann zwingend zu mehr 'Tiefe' führt oder ob das althergebrachte flache Zeug nur neu verpackt wird.
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Lord Zahnstocher

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Re: Deutsche Verlage und deutsche Nachwuchsautoren
« Antwort #44 am: 31. März 2008, 21:36:09 »
Manche tun das sogar sehr erfolgreich - jedoch ärgert es mich, wenn einer von diesen ein "schwarze Suppe" Buch schreibt und dieses als große Phase seiner Weiterentwicklung als Autor ankündigt, obwohl nach dem Lesen schon klar wird, dass dies nicht der Beweggrund dafür war - sondern nur die Provitgier. Und zu letzteres will ich mich wirklich nicht gesellen - nein danke :no:
Dazu hätte ich einen Vorschlag, der wahrscheinlich sowas von überhaupt garnicht, aber auch wirklich garnicht also ganz und garnicht zur Denkensweise von Tintenzirklern passt:
Wieso schreibt man nicht Altbackenes, nicht neu verpackt und genau auf die größten Zielgruppen zugeschnitten und alle Erwartungen erfüllend, also grob gesagt >>SCHEIßE<< :darth:, um ins Genre reinzukommen, um dann, weil man ja schon abgesichert ist, richtig loszulegen. *wegduck als Tintenzirkler Handgranate werfen sieht* (Ich meine, vielleicht kauft ja jemand den Schund.) Oder funktioniert das nicht, weil der Verlag dann schon auf die Art von Schrott eingestellt ist, und nur noch sowas kauft?

Und mal was anderes: Wenn der Fantasymarkt mal wirklich in den Ruin geht, weil alles schon dagewesen ist, gibt es ja weniger Schreiberlinge, und vondaher könnte man ja mit seinem innovativem Kram zum Verlag gehen, und ihn verkaufen.[Oder will es dann niemand mehr, weil Fantasy zu dem Moment sowieso tot ist? ???

Bye

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