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Handwerkliches => Auskunft und Recherchen => Autoren helfen Autoren => Archiv: Auskunft und Recherchen => Thema gestartet von: Klecks am 22. Januar 2014, 18:33:37

Titel: [Studium] Studentenleben
Beitrag von: Klecks am 22. Januar 2014, 18:33:37
Einer meiner derzeitigen Protas ist Student an einer Uni, nur habe ich leider keine Ahnung vom Studentenleben. Nach etlichen Wochen, in denen ich versucht habe, ohne Fachwissen zu schreiben, habe ich jetzt eingesehen, dass es so nicht weiter geht. *seufz*

Da ich in den nächsten Jahren auch nicht zu einem Studium kommen werde, erhoffe ich mir ein paar Erfahrungsberichte von euch studierenden Tintenzirklern. Das Internet hat leider nicht die genauen, ausführlichen Informationen hergegeben, die ich mir erhofft habe.

Hier meine dringendsten Fragen:

1. Wie sieht eine typische Woche im Leben eines Studenten aus? (Aufsteh-Zeiten, typische Vorlesungszeiten, Mittagspause in der Mensa, Heimkomm-Zeiten, der allgemeine Tagesablauf)
2. Was ist der Unterschied zwischen Vorlesungen und Seminaren und gibt es noch etwas, das man besuchen muss?
3. Wie viel Zeit verbringt ihr an der Uni? Sind Semesterferien deckungsgleich mit den Schulferien des jeweiligen Bundeslandes?
4. Welche Ansprechspartner hat man an einer Uni, neben den Dozenten? Mit wem außer den Kommilitonen kann man in Kontakt treten, mit wem muss man sogar?
5. Wie läuft eine typische Vorlesung, ein typisches Seminar ab?
6. Muss man Hausaufgaben und Praktikas machen, Vorträge halten, wird man vom Dozenten aufgerufen?
7. Wie oft und in welchen Monaten schreibt man Klausuren? Wer bewertet sie? Gibt es wie in der Schule Noten von 1 bis 6?
8. Wie lange dauert eine durchschnittliche Vorlesung?
9. Wann finden die Prüfungen statt und wie laufen sie ab? Wann schreibt man die Abschlussarbeit, wie lange sitzt man daran, welche Vorgaben gibt es, wer betreut die Arbeit oder ist man auf sich allein gestellt?
10. Gibt es soziale Projekte, die von der Uni ausgehen und/oder verpflichtend sind, wie die Projektwochen in der Schule?
11. Was ist am Studieren und am Studentenleben noch besonders, nach dem ich nicht gefragt habe?

Mein Prota studiert Germanistik, um später Lektor zu werden. Wenn jemand dazu etwas Genaueres sagen und vielleicht sogar die Fragen darauf bezogen beantworten kann, wäre das klasse.

Der Klecks dankt euch herzlich im Voraus.  :vibes:
Titel: Re: [Studium] Studentenleben
Beitrag von: Mika am 22. Januar 2014, 18:37:42
Bevor ich ausführlich antworte :) Studiert dein Student im Bachelor- und Mastersystem, oder noch im auslaufenden, beziehungsweise an vielen Unis schon ausgelaufenen Magister Artium? Für letzteren könnte ich dir besser helfen, vor allem auch da ich Germanistik und Geschichte studiere und jetzt fast fertig bin, vom Bachelorsystem weiß ich nicht sooo viel. Und soweit ich weiß, ist es auch immer von Uni zu Uni unterschiedlich, was für eine hast du dir denn ausgesucht, oder ist sie fiktiv?
Titel: Re: [Studium] Studentenleben
Beitrag von: Klecks am 22. Januar 2014, 18:50:21
Es ist kein Bachelor- und kein Master-Studiengang, die Geschichte spielt Anfang des vergangenen Jahrzehnts. Also das, was du machst.  ;D

Du klingt wie die perfekte Studentin für meine Fragen.  :D

Ich bin mir noch nicht sicher, an welcher Uni er studiert. Irgendwo in Norddeutschland, so viel weiß ich. Die in Frage kommenden Unis, beziehungsweise deren Internetauftritte, habe ich auch schon durchstöbert.
Titel: Re: [Studium] Studentenleben
Beitrag von: Malinche am 22. Januar 2014, 18:51:06
Zitat von: Klecks am 22. Januar 2014, 18:33:37
1. Wie sieht eine typische Woche im Leben eines Studenten aus? (Aufsteh-Zeiten, typische Vorlesungszeiten, Mittagspause in der Mensa, Heimkomm-Zeiten, der allgemeine Tagesablauf)
Eine typische Woche gibt es nicht. Das hängt stark von verschiedenen Faktoren ab – wie dem gewählten Studiengang und der Universität, aber auch z.B. dem Studienort. In Berlin habe ich von zu Hause bis zur Uni 40 Minuten gebraucht (und bei bestimmten Instituten weit über eine Stunde); in Bonn, wo alles etwas kleiner dimensioniert und vor allem mein Institut eher zentral gelegen ist, brauche ich dagegen nur 20 Minuten. Sowas beeinflusst Heimkomm- und Aufstehzeit natürlich ganz massiv.

Zitat2. Was ist der Unterschied zwischen Vorlesungen und Seminaren und gibt es noch etwas, das man besuchen muss?
Strenggenommen bedeutet Vorlesung, dass in der Hauptsache der Dozent spricht (bzw. von einem Skript »vorliest«) und Seminar, dass es eine stärkere Beteiligung der Studenten gibt mit mehr Diskussionen und Referaten. In der Realität kenne ich es mittlerweile so, dass die meisten Veranstaltungen eher einer Mischform entsprechen (Input des Dozenten + Referate + Diskussion), egal, wie sie deklariert werden. Aber auch das kann je nach Uni und Studiengang variieren.

Zitat3. Wie viel Zeit verbringt ihr an der Uni? Sind Semesterferien deckungsgleich mit den Schulferien des jeweiligen Bundeslandes?
Auch das mit der Zeit ist sehr, sehr unterschiedlich. Bei mir in meinem Master ist das momentan relativ wenig, andere wohnen quasi schon in der Uni.
Semesterferien sind nicht deckungsgleich mit Schulferien. Strenggenommen heißen sie auch nicht Semesterferien, sondern vorlesungsfreie Zeit (aber das sagt kein Mensch). Semesterferien gibt es zweimal im Jahr, im Sommer von Juli bis September und im Frühjahr von Mitte Februar bis Anfang April. Die genauen Daten variieren aber je nach Bundesland.

Zitat4. Welche Ansprechspartner hat man an einer Uni, neben den Dozenten? Mit wem außer den Kommilitonen kann man in Kontakt treten, mit wem muss man sogar?

Auf studentischer Ebene gibt es Tutoren und die Fachschaftsinitiativen, wobei es auch hier sehr unterschiedlich ist. (An meinem Berliner Institut war die Fachschaftsinitiative basisdemokratisch, wer wollte, ging hin und machte mit. Wir durften aber am Institutsrat teilnehmen und die Sicht der Studierenden vertreten. An anderen Unis werden die Fachschaftsinis gewählt.) Außerdem gibt es den ASta, den Allgemeinen Studierendenausschuss, der meistens verschiedene Referate (Abteilungen) hat und als Ansprechpartner für die Studierenden fungiert.

Auf bürokratischer Ebene gibt es z.B. das Prüfungsbüro. Institute haben außerdem Sekretariate, und die Sekretärinnen fungieren nicht selten ganz klischeegerecht als die guten Seelen, welche die Welt zerstreuter Profs zusammenhalten und für alles eine Lösung wissen.

Zitat5. Wie läuft eine typische Vorlesung, ein typisches Seminar ab?

6. Muss man Hausaufgaben und Praktikas machen, Vorträge halten, wird man vom Dozenten aufgerufen?
7. Wie oft und in welchen Monaten schreibt man Klausuren? Wer bewertet sie? Gibt es wie in der Schule Noten von 1 bis 6?
Das lässt sich alles pauschal nicht sagen, da es hier enorme Unterschiede gibt. Was studiert denn dein Protagonist?

Zitat8. Wie lange dauert eine durchschnittliche Vorlesung?
Offiziell zwei Stunden (z.B. von 10-12 Uhr), inoffiziell anderthalb (man beginnt um 10.15 und hört um 11.45 auf) – daher kommt auch die Wendung »akademisches Viertel«.

Zitat9. Wann finden die Prüfungen statt und wie laufen sie ab? Wann schreibt man die Abschlussarbeit, wie lange sitzt man daran, welche Vorgaben gibt es, wer betreut die Arbeit oder ist man auf sich allein gestellt?

Siehe 5.-7. In meinem Studiengang ist es so, dass wir fast immer Hausarbeiten schreiben, in anderen Fächern gibt es hammerharte Klausurenphasen.

Zitat10. Gibt es soziale Projekte, die von der Uni ausgehen und/oder verpflichtend sind, wie die Projektwochen in der Schule?
Bei mir nicht, aber das kann anderswo anders sein.

Zitat11. Was ist am Studieren und am Studentenleben noch besonders, nach dem ich nicht gefragt habe?
Ui, da gäbe es viel ...

ZitatMein Prota studiert Germanistik, um später Lektor zu werden. Wenn jemand dazu etwas Genaueres sagen und vielleicht sogar die Fragen darauf bezogen beantworten kann, wäre das klasse.

Mein Tipp wäre noch: Schau dir mal Seiten von Universitäten an. Es gibt eigentlich immer Bereiche für Studieninteressierte und –anfänger, wo auch viel Grundlegendes erklärt wird – also z.B. auch: Wie teuer ist die Mensa, und was gibt es dort? Wo kann man kopieren oder Internet benutzen? Wie funktionieren die Bibliotheken?

Generell ist die deutsche Unilandschaft unglaublich vielseitig und es macht einen enormen Unterschied, was man wo studiert. Ich habe eigentlich mein gesamtes Studium an kleinen, familiären Instituten in wohnzimmergroßen Seminarräumen verbracht. Bei anderen Fächern greift dann vielleicht eher das klassische Bild des überfüllen Hörsaals mit über hundert Leuten.
Titel: Re: [Studium] Studentenleben
Beitrag von: Klecks am 22. Januar 2014, 18:58:26
Danke für deine Antworten, Malinche!

Ich hätte gleich noch einige Fragen zum Nachhaken: Kann ich mir unter Hausarbeiten Aufsätze vorstellen, die man über ein Thema schreiben muss, das der Dozent vorgibt? Wie lange hat man durchschnittlich für eine Hausarbeit Zeit? Muss jeder Student eine eigene schreiben oder kann sich zum Beispiel in Zweier-Teams zusammenfinden? Und wenn es Studenten gibt, die fast in der Uni wohnen, wann ungefähr macht denn eine Uni "zu" und gibt es auch Seminare oder Vorlesungen, die abends stattfinden?

Danke!  :vibes:

Edit: Er studiert Germanistik.  ;)
Titel: Re: [Studium] Studentenleben
Beitrag von: Coppelia am 22. Januar 2014, 19:01:35
Hausarbeiten werden mithilfe wissenschaftlicher Literatur geschrieben (sollten sie jedenfalls). Sicher ist es je nach Fach unterschiedlich, wie sie aussehen. Bei uns in Latein wählen die Studenten eine bestimmte Fragestellung zu ihrem Seminarthema aus oder bekommen eine vorgegeben, lesen wissenschaftliche Literatur zu dem Thema und bearbeiten dann eigenständig die Fragestellung. Normalerweise macht das jeder allein, und alle Fragestellungen sind unterschiedlich.

Ach ja: Die Länge hängt vom Seminar ab. Bei uns sind sie zwischen 5 und 20 Seiten lang, getippt natürlich. Es gibt relativ strenge Vorgaben zur Gestaltung, Zitation u. ä.

Die Bibliothek macht bei uns gegen 20 Uhr zu, glaube ich. Die Dozenten haben ihre eigenen Schlüssel und arbeiten manchmal noch bis in die Nacht.
Seminare, die von 18 - 20 Uhr dauern, sind selten, kommen aber vor. Manche Dozenten arbeiten gerne um die Zeit. Nach 20 Uhr habe ich noch nie von einer Lehrveranstaltung gehört.
Titel: Re: [Studium] Studentenleben
Beitrag von: Malinche am 22. Januar 2014, 19:07:38
Zitat von: Klecks am 22. Januar 2014, 18:58:26
Ich hätte gleich noch einige Fragen zum Nachhaken: Kann ich mir unter Hausarbeiten Aufsätze vorstellen, die man über ein Thema schreiben muss, das der Dozent vorgibt?
Ja, genau. Wobei das auch je nach Studiengang und Dozent unterschiedlich ist - ich hatte viele Kurse, in denen ich mein Thema dann doch relativ frei wählen konnte, solange ich es mit dem Dozenten abgesprochen habe und es dann auf das Seminarthema gepasst hat. Sehr häufig ist es auch so, dass man im Semester zunächst ein Referat hält (Themenliste vom Dozenten vorgegeben, aber manchmal gibt es eben auch diese Freiheiten, dass man selbst ein passendes Thema vorschlagen kann) und dieses dann schriftlich ausarbeitet.

ZitatWie lange hat man durchschnittlich für eine Hausarbeit Zeit?
Das ist unterschiedlich - oft muss sie aus bürokratischen Gründen bis zum Ende des Semesters (nicht der Vorlesungszeit!) fertig sein, viele Dozenten sind da aber auch kulanter. Da deine Geschichte ja vor der Bologna-Reform spielt, kannst du sehr gut mit großzügigen Deadlines arbeiten.

ZitatMuss jeder Student eine eigene schreiben oder kann sich zum Beispiel in Zweier-Teams zusammenfinden?
In der Regel muss jeder eine eigene schreiben. Referate werden aber sehr häufig auch in Zweier-Teams oder kleineren Gruppen gehalten und vorbereitet.

ZitatUnd wenn es Studenten gibt, die fast in der Uni wohnen, wann ungefähr macht denn eine Uni "zu" und gibt es auch Seminare oder Vorlesungen, die abends stattfinden?
Ja, ich habe z.B. viele Vorlesungen von 18-20 Uhr (später ist aber recht unüblich). Aber auch das ist wieder überall anders. :) "Zumachen" lässt sich so pauschal auch nicht sagen. Kleine Institutsbibliotheken haben oft unregelmäßige Öffnungszeiten, unsere hat mal bis 16, mal bis 18 und manchmal nur bis 14 Uhr geöffnet; die zentrale Uni-Bib hier in Bonn hingegen ist von 7-24 Uhr zugänglich, während sie in Berlin deutlich früher schloss.
Mensen und Rechenzentren schließen ihre Pforten auch deutlich früher, aber das ist eben auch wieder unterschiedlich - da würde ich wieder den Blick auf die Websites empfehlen.
Wann Institute bzw. Hauptgebäude schließen, ist total schwer zu sagen, weil das eben auch wieder variiert bzw. es manchmal ja auch Veranstaltungen wie Vorträge oder Filmabende gibt, die dann abends stattfinden, und dann muss das Gebäude natürlich auch länger zugänglich sein.
Titel: Re: [Studium] Studentenleben
Beitrag von: Snöblumma am 22. Januar 2014, 19:10:26
Zitat von: Coppelia am 22. Januar 2014, 19:01:35
Die Bibliothek macht bei uns gegen 20 Uhr zu, glaube ich. Die Dozenten haben ihre eigenen Schlüssel und arbeiten manchmal noch bis in die Nacht.
Seminare, die von 18 - 20 Uhr dauern, sind selten, kommen aber vor. Manche Dozenten arbeiten gerne um die Zeit. Nach 20 Uhr habe ich noch nie von einer Lehrveranstaltung gehört.
Unsere Bibliothek hatte auf von 8 - 24 Uhr (Montag bis Samstag) und Sonntags von 9 - 20 Uhr. Lehrveranstaltungen nach 20 Uhr gab es bei uns tatsächlich auch, nämlich im Slot von 20-22 Uhr. Aber hauptsächlich für die BWLer, wenn ich mich recht entsinne. Und bei den Geisteswissenschaften war meistens schon um 18 Uhr Schluss - dann haben nämlich wir Juristen deren Seminarräume gekapert, um im Slot von 18-20 Uhr alle unterzubringen und nicht auch auf 20-22 Uhr auszuweichen.  :rofl: "Zu" hatte jedenfalls unser Uni-Gebäude also nur von 1-7.30 in der Nacht, dazwischen konnte man kommen und gehen, wie man wollte. Wobei vor 8 Uhr nur die wirklich Hartgesottenen da waren. Ich hab das nur ein einziges Mal geschafft in meiner Unikarriere.

Hausarbeiten in Jura sind meistens so gestellt, dass der ganze Jahrgang denselben Fall bearbeitet. Abgabeschluss ist meist der erste Vorlesungstag gegen 12 Uhr, und anders als in anderen Fachschaften gibt es bei uns (außer in Härtefällen) keine Fristverlängerungen. Wer es nicht schafft, das Ding abzugeben, muss eben in den nächsten Semesterferien zwei Arbeiten schreiben, was durchaus möglich ist. Anders herum kann man sich so natürlich auch komplett "freie" Semesterferien schaffen, zum Beispiel um den Stoff nachzulernen oder so, und dabei nicht gestört zu sein durch so eine doofe Hausarbeit.

Aber insgesamt variiert das so sehr von Uni zu Uni, das man wahrscheinlich alles behaupten kann, wenn man es für den Plot braucht. Auch, was Hausarbeiten, Klausuren und Referate angeht - da gibt es so riesige Unterschiede schon von Fachschaft zu Fachschaft, dass man sicherlich im Rahmen des Vernünftigen alles behaupten kann, zumal wenn es schon ein paar Jahre her sein soll.

Und mir fällt gerade auf: Wenn er Germanistik studiert, braucht er doch auch Nebenfächer? Oder hat sie vor dem Bachelor/Master gebraucht? Aber da kenne ich mich nun nicht wirklich aus :P.
Titel: Re: [Studium] Studentenleben
Beitrag von: Kati am 22. Januar 2014, 19:12:34
Was die Prüfungen angeht: An meiner Uni ist es so, dass entweder am Ende eine Hausarbeit geschrieben wird, oder mehrere Essays. Davon ab kann es Klausuren geben und zwar unterschiedlich viele. In Germanistik musste ich am Ende drei Klausuren schreiben: Eine in Linguistik, eine in Literatur und eine in Mediävistik. In Kunstgeschichte dann bloß eine einzige. In Geschichte schreibt man in jedem Seminar am Ende entweder die Hausarbeit oder die Essays. Die Prüfungen sind hier immer am Ende des Semesters, aber das kann überall verschieden sein.

Was die typische Woche angeht: Du hast nicht, wie in der Schule, einen festen Stundenplan jeden Tag von 8 bis 13 Uhr oder so. Die Seminare liegen alle ganz verschieden. An manchen Tagen stehst du um sieben auf, an anderen kannst du ausschlafen, weil deine Seminare erst um 16 Uhr anfangen. Du musst halt schauen, welche Seminare deine Figur belegen muss und wie die dann über die Woche verteilt sind. Das ist von Studiengang zu Studiengang verschieden. Ich musste für Kunstgeschichte viel weniger Seminare machen, als für Geschichte zum Beispiel. Aber am Ende ist vorgegeben, welche Module (zum Beispiel: Seminar + Vorlesung + Übung oder so ergibt ein Modul) belegt werden müssen und dann kann man vielleicht noch auswählen, in welches Seminar man dafür geht.

So typische Studentenklischees sind natürlich, dass wir alle entweder ständig am Feiern sind, oder ständig in der Bibliothek hocken und lernen. Und wie bei jedem Klischee ist da auch ein bisschen was Wahres dran.  ;) Ansonsten ist wohl die Mensa ein sehr wichtiges "Klischee", die berühmte Geldknappheit und an sich wird ja das Unileben als sehr entspannt und die Zeit gesehen, in der man lernt erwachsen zu sein und sich nach der Schule selbst um seine Ausbildung, seine Finanzen und sein Leben zu kümmern. 

Wie das früher aussah, bevor die Magister-Studiengänge ausgelaufen sind, weiß ich aber auch nicht. Das ist jetzt alles mein Erfahrungsbericht, wie es heutzutage bei mir ist.  :)

EDIT: Zu Hausarbeiten: Bei uns sind die zwischen 15 und 20 Seiten lang und meist kann man sich das Thema, im Rahmen des Seminarthemas selbst aussuchen. Es muss nur natürlich zum Oberthema passen. Bei "Literatur des 20. Jahrhunderts" kann man natürlich nicht über ein Heldenepos aus dem Mittelalter schreiben. Hausarbeiten bauen auf Fachliteratur auf, es wird viel zitiert und es gibt immer eine Fragestellung, auf deren Beantwortung hingearbeitet wird. An sich bildet man sich eine eigene Meinung, die man mit Hilfe von anderen Meinungen aus Fachliteratur untermauert und stützt. Du musst also immer eine Art Beweis haben für das, was du schreibst. Meistens sind Hausarbeiten auch in Kapitel gegliedert. Am Anfang steht eine Einleitung, am Ende ein Fazit und dazwischen die benötigten Unterkapitel um von einem zum anderen zu kommen.

Unsere große Bibliothek hat übrigens bis 2 Uhr nachts auf. Die kleineren Seminarbibliotheken haben andere Öffnungszeiten, manche bis 18 Uhr, andere bloß ein paar Stunden am Nachmittag. Das ist also immer unterschiedlich.
Titel: Re: [Studium] Studentenleben
Beitrag von: Notrya am 22. Januar 2014, 19:13:48
Huch, so viele Antworten, während ich hier noch vor mich hin tippsel. :o Es ist ja schon fast alles gesagt worden, ich hab nur noch kleine Ergänzungen:

Kurz zu den Vorlesungen und Seminaren: Bei uns (ca. 200 Studenten pro Semester in meinem Studiengang) war es eigentlich fachunabhängig in den meisten Fällen so, dass viele Vorlesungen ziemlich überrannt waren und mit einer Klausur abgeschlossen wurden (weil der Dozent auch einfach nicht 200 Hausarbeiten betreuen konnte), während die Seminare eine beschränkte Teilnehmerzahl (20-30) hatten und meist am Ende eine Hausarbeit gefordert wurde. Aber auch da gab es natürlich Ausnahmen und das kommt sicherlich auch auf Uni und Studiengang an. Germanistik lief bei uns in Köln aber ähnlich wie mein Studiengang, dort waren auch alle Veranstaltungen immer (viel zu) voll, soweit ich das mitbekommen habe. ;)

Und zu den Fristen: Meist hält man innerhalb des Semesters ein Referat zu dem Thema der Hausarbeit oder zu einem ähnlichen Thema und hat dann bis zu einer Deadline in der vorlesungsfreien Zeit Zeit, die Hausarbeit fertig zu schreiben. Die Deadline liegt eigentlich immer vor dem Vorlesungsbeginn des nächsten Semesters und manchmal auch schon direkt am Semesterende, das ist vollkommen unterschiedlich.

Zu den Uhrzeiten: Jede Seminarsbibliothek macht zu einer anderen Uhrzeit zu, die kleinen bei uns schon um 15h, andere hatten bis 22h offen. Ich hatte zwei Semester lang ein Seminar, das um 21.30h endete, man kann sich also sehr lange an der Uni aufhalten, wenn man mag / muss. :gähn:
Titel: Re: [Studium] Studentenleben
Beitrag von: Mondfräulein am 22. Januar 2014, 19:15:14
Ich studiere im ersten Semester Psychologie (Bachelor), ich sage einfach mal, wie das bei mir so ist und wie ich das um mich herum erlebe.

Zitat1. Wie sieht eine typische Woche im Leben eines Studenten aus? (Aufsteh-Zeiten, typische Vorlesungszeiten, Mittagspause in der Mensa, Heimkomm-Zeiten, der allgemeine Tagesablauf)

Das ist sehr unterschiedlich. Germanistik ist glaube ich kein so furchtbar harter Studiengang, manche haben noch am Samstag Uni, in dem Fach ist das nicht so hart, zumindest bei zwei Freundinnen, die das studieren. Die Zeiten variieren stark, je nachdem, welche Veranstaltungen du hast und wie die liegen. Mal habe ich morgens zwei Vorlesungen und lange Pause bis zu einem Seminar am Nachmittag, mal drei Veranstaltungen hintereinander ohne viel Pause dazwischen, Donnerstag nur eine un Freitag komplett frei. Hinzu kommt eben noch Lernen und so weiter.

Zitat2. Was ist der Unterschied zwischen Vorlesungen und Seminaren und gibt es noch etwas, das man besuchen muss?

Vorlesungen sind... Vorlesungen, da steht einer vorne und trägt den Stoff vor. An meiner Uni zumindest muss ich nicht zu den Vorlesungen gehen. Seminare sind meistens in kleineren Gruppen und oft tragen die Studenten da selbst Referate vor. Bei uns müssen wir zu den Seminaren gehen, weil das sonst als nicht teilgenommen gilt, wenn du zu oft gefehlt hast. Bei uns darfst du in einem Seminar, das über das ganze Semester geht, meistens zweimal fehlen. Dazu kommen noch Übungen, das haben wir beispielsweise in Statistik, da lösen wir zusammen in kleinen Gruppen oder alleine die Aufgaben auf unseren Übungsblättern und besprechen das nach Wunsch mit dem Tutor. Ich muss auch eigentlich nicht zur Übung, aber wenn ich immer hingehe und meine Übungsblätter abgebe, kann ich einen Notenbonus kriegen.

Zitat3. Wie viel Zeit verbringt ihr an der Uni? Sind Semesterferien deckungsgleich mit den Schulferien des jeweiligen Bundeslandes?

Nein. Semesterferien sind bei uns glaube ich von Ende Februar? bis Mitte April und im Sommer dann von... Juli irgendwann? bis Oktober. Also weniger Ferien, aber länger frei. In den Semesterferien liegen allerdings die meisten Klausuren und Praktika muss man da auch machen.

Zitat4. Welche Ansprechspartner hat man an einer Uni, neben den Dozenten? Mit wem außer den Kommilitonen kann man in Kontakt treten, mit wem muss man sogar?

Wir haben den AStA, also den Ausschuss aller Studenten der Hochschule, dann unsere Fachschaft, die auch irgendeinen Vorsitz hat, Tutoren in manchen Veranstaltungen, die selbst Studenten sind, Dozenten, Professoren, ein Studienbüro mit jemandem, der bezahlt wird, um unsere Fragen zu lösen, noch eines, wo es um andere Sachen geht... es gibt sehr viele Ansprechpartner, kommt halt drauf an, welches Problem du hast.

Zitat5. Wie läuft eine typische Vorlesung, ein typisches Seminar ab?

Schwer zu sagen. Vorlesungen sind halt meistens so, dass der Professor vorne steht und redet. Da hat jeder seinen eigenen Stil, ab und zu gibt es vielleicht Nachfragen von den Studenten oder an die Studenten, aber nicht sehr viel. Das ist im Prinzip ein Vortrag.
Seminare sind sehr unterschiedlich aufgebaut. Teilweise bestehen die zum Beispiel daraus, dass das ganze Semester lang jede Stunde eine Gruppe von Studenten einen 90minütigen Vortrag hält.

Zitat6. Muss man Hausaufgaben und Praktikas machen, Vorträge halten, wird man vom Dozenten aufgerufen?

Kommt drauf an. Aufgerufen wird man selten, eher in Seminaren, wenn die Dozentin verzweifelt vorne steht und sich niemand meldet. Aber es ist nicht mehr wie in der Schule, mündliche Mitarbeit zählt nicht mehr wirklich, es kommt drauf an, das Richtige zu lernen, gute Hausarbeiten zu schreiben, etc...

Zitat7. Wie oft und in welchen Monaten schreibt man Klausuren? Wer bewertet sie? Gibt es wie in der Schule Noten von 1 bis 6?

Klausuren gibt es meistens in den Semesterferien, eine pro Modul oder Veranstaltung, je nachdem. Die Klausuren bewertet entweder der Professor oder dessen studentischen Mitarbeiter, soweit ich weiß. Noten haben wir von 5,0 bis 1,0, also beispielsweise 1,7 oder so. Ab 4,0 gilt die Klausur als bestanden, sonst muss sie wiederholt werden. Bei manchen Klausuren hat man nur so und so viele Fehlversuche und wird sonst exmatrikuliert.

Zitat8. Wie lange dauert eine durchschnittliche Vorlesung?

45 Minuten oder 1 Stunde und 40 Minuten meistens.

Zitat9. Wann finden die Prüfungen statt und wie laufen sie ab? Wann schreibt man die Abschlussarbeit, wie lange sitzt man daran, welche Vorgaben gibt es, wer betreut die Arbeit oder ist man auf sich allein gestellt?

Klausuren dauern meistens bis zu 90 Minuten, kommt drauf an. Den Rest weiß ich selbst noch nicht.

Zitat10. Gibt es soziale Projekte, die von der Uni ausgehen und/oder verpflichtend sind, wie die Projektwochen in der Schule?

Soweit ich weiß nicht, aber Praktika muss man in den meisten Studiengängen machen. Je nach Studiengang werden die aber sogar bezahlt.

Zitat11. Was ist am Studieren und am Studentenleben noch besonders, nach dem ich nicht gefragt habe?

Gute Frage... viele Partys? Das ist so das augenscheinlichste. Es ist ein wenig wie Schule, aber du musst nicht immer hin und es gibt mehr Alkohol ;)
Titel: Re: [Studium] Studentenleben
Beitrag von: Pygmalion am 22. Januar 2014, 19:19:03
Also zunächst mal glaube ich, dass man Germanistik nicht alleine studieren kann, das ist an allen unis soweit ich weiß, ein 2-FachBachelor (Ich gehe jetzt vom Bachelor-Mastersystem aus).

Auf die spezifischen Fragen zum Studiengang kann ich dir nicht antworten, aber auf das allgemeine. Ich studiere ürigens Ur- und Frühgeschichte in Kiel auf Master ;) Also, falls du dich für diese Norddeutsche uni entscheidest kann ich sie dir auch ein bisschen beschreiben :D

1. Wie sieht eine typische Woche im Leben eines Studenten aus? (Aufsteh-Zeiten, typische Vorlesungszeiten, Mittagspause in der Mensa, Heimkomm-Zeiten, der allgemeine Tagesablauf)
Hängt vom Stundenplan(den man prinzipell selbst bastelt!) und Semester ab. geh doch einfach mal auf die Seite der uni, für die sich dein Prota entschieden hat und bau dir da aus dem vorlesungsverzeichnis einen Stundenplan. Vorlesungen fangen um 8 c.t. an und meistens enden die letzten um 18 uhr (auch c.t.) c.t. heißt "cum tempore", also mit akademischer Viertelstunde. WEnn etwas um 8c.t. anfängt, fängt es in echt erst um 8:15 an. Die beliebsten Zeiten, um in der Uni zu sitzen ist wohl ab 10 bis so 16 uhr, das geht natürlich nicht immer, je nachdem, wann die Dozenten ihre Kurse anbieten.
Also aufstehen, zur uni, erstmal einen Kaffee holen, dann vorlesung/übung/seminar, dann wieder kaffee, dann vllt Mittag essen, dann evtl. noch eine Übung oder auch in Bib gehen zum arbeiten. Den Freitag habe ich z.B. meistens frei gehabt, weil da weder Studenten noch Dozenten Bock hatten :D
Und ja, wenn man einen Nebenjob hat, muss der da auch noch rein. So pauschal finde ich das ziemlich schwer zu beantworten, ohne mehr zu wissen. Den "typischen" tagesablauf gibt es meiner erfahrung nach nicht. ;)

2. Was ist der Unterschied zwischen Vorlesungen und Seminaren und gibt es noch etwas, das man besuchen muss?
Vorlesungen= Prof. steht vorne, bei uns mit Powerpoint und labert. Studenten hören zu, manche schreiben sogar mit, manche spielen spiele, lesen oder essen Muffins^^ Unbenotet und in Kiel ohne Anwesenheitspflicht.
Seminar= Selbst arbeiten, bei uns heißt das Referate halten oder aber wöchentlich etwas vorbereiten. DAs hängt wohl auch am Fach. Gibt auch eine Note. Seminare kann man auch in Pro- und Hauptseminare einteilen. DAs bedeutet im wesentlich nur, dass Proseminare für die Anfänger sind und Hauptseminare für die fortgeschrittenen Studenten. Dazu kommt dann in der Regel noch eine Hausarbeit pro Seminar und Semester (je nach Prof. 15-40 Seiten). Die Referatslänge variiert auch, so 30-45 Minuten.
Dazu gibt es dann noch Übungen. Im wesentlichen das gleiche Prinzip wie Seminare, nur in der Regel kürzere Referate und Hausarbeiten.

3. Wie viel Zeit verbringt ihr an der Uni? Sind Semesterferien deckungsgleich mit den Schulferien des jeweiligen Bundeslandes?
Unterschiedlich, vor Referaten oder Fristende der Hausarbeit deutlich mehr als zu Semesterbeginn :D Teilweise, aber völlig unabhängig davon. In der Regel sind Semesterferien ab 2. Februarwoche bis Ende März/Mitte/Ende Juli bis Anfang Oktober. Variiert aber von Uni zu Uni um ein paar Tage. Weihnachten ist frei. Die genauen Zeiten kannst du aber auch auf den Hochschulseiten erfahren.

4. Welche Ansprechspartner hat man an einer Uni, neben den Dozenten? Mit wem außer den Kommilitonen kann man in Kontakt treten, mit wem muss man sogar?
Ehm, das Prüfungsamt sollte hier wohl (un)gerne genannt werden) :D Die Regeln alles, was Noten angeht, Zeugnisse, Fristen etc. Ansonsten sind eigentlich Dozenten und Kommolitonen natürlich im Fach die erste Adresse...ansonsten weiß ich nicht, was für Ansprechpartner du meinst ;)
5. Wie läuft eine typische Vorlesung, ein typisches Seminar ab?

Siehe oben zur Vorlesung. Seminar vllt noch etwas ausführlicher (aus der Archäologie!): Ein Referat wird gehalten, Handout verteilt, Dozent wacht auf, stellt Fragen/Studenten stellen fragen (seltener, aber kommt vor). Falls diskussionsbedarf ist, wird dann das Thema weiter diskutiert, manchmal auch das Referat vom Dozenten kristiert. Danach das nächste Referat. Man schafft so je nach Länge 2-3 Referate pro Seminar.

6. Muss man Hausaufgaben und Praktikas machen, Vorträge halten, wird man vom Dozenten aufgerufen?
Je nach Art, mal wöchentliche Hausaufgaben, mal einmal im Semester Vortrag halten. Ja Dozenten stellen fragen, auf die man antworten darf. Manche nehmen in Übungen auch so dran, wenn die Aufgabe war, zuhause was zu lernen. Praktika sind essentieller Teil eines jeden Studiums, denke ich. Die macht man aber in der Regel in den Semesterferien, weil man pro Seminar meistens nur 1-2 mal fehlen darf, sonst fliegt man raus.

7. Wie oft und in welchen Monaten schreibt man Klausuren? Wer bewertet sie? Gibt es wie in der Schule Noten von 1 bis 6?
Kommt auch drauf an. Wo die Referate+ Hausarbeit als Leistung hast, gar keine Klausur. Ansonsten werden die meisten Klausuren entweder in der letzten Uniwoche oder über die Semesterferien verteilt geschrieben. Meistens aber kurz nach Semesterende. Bewerten macht natürlich der Dozent. Oder sein(e) Hiwi(s). (Studentische Hilfskraft, die hat quasi jeder Prof. und ist ne gute Variante, Geld zu verdienen und Erfahrung zu sammeln, kann ich nur empfehlen) Noten sind etwas anderes. 1,0,1,3,1,7,2,0 etc. 4,0 besteht noch, alles darunter ist durchgefallen und muss nochmal ran.

8. Wie lange dauert eine durchschnittliche Vorlesung?
Meistens 1,5 Stunden (also z.B. von 10-12 c.t.) Gibt auch welche, die dauern nur 45 Minuten, sind dann aber bei uns zweimal in der Woche

9. Wann finden die Prüfungen statt und wie laufen sie ab? Wann schreibt man die Abschlussarbeit, wie lange sitzt man daran, welche Vorgaben gibt es, wer betreut die Arbeit oder ist man auf sich allein gestellt?
Eh, Prüfungen ist hier jetzt irgendwie für mich das gleiche wie Klausuren? :D Abschlussarbeit, sofern man in Regelstudienzeit ist, im Bachelor im 6. Semester, im Master im 4. Semester. Bachelor hat meistens so 6-10 Wochen zeit, schreibt so 25-40 Seiten, Master 6 Monate Zeit und 80-100 Seiten (je nach Fach und vor allem Uni verschieden!). Betreuer sind immer die Professoren, die danach auch korrigieren. Es gibt einen 1. Korrektor, der ist auch Hauptansprechpartner. und einen 2. Korrektor. Die ermitteln dann auch die Note der Arbeit. Vorgaben sind sowas von verschieden je nach Uni und Fach und sogar Professor. Manche haben dann auch noch mündliche abschlussprüfungen, die sehen im wesentlichen so aus, dass bestimmte Themen gelernt werden, die dann in einem Gespräch von den Prüfern abgefragt werden. 1-2 Stunden dauern die wohl.

10. Gibt es soziale Projekte, die von der Uni ausgehen und/oder verpflichtend sind, wie die Projektwochen in der Schule?
Klar, ich habe jede Woche irgendeine Mail von der Uni im Postfach, da gehts um alles mögliche, die sind aber freiwillig. Verpflichend sind nur die Fachspezifischen Sachen wie Praktika, Projektarbeiten, aber das steht auch in den Modulbeschreibungen der jeweiligen uni.
11. Was ist am Studieren und am Studentenleben noch besonders, nach dem ich nicht gefragt habe?
Studenten trinken viel Kaffee:D

Am Besten du schaust, welche Hochschule du dir ausgesucht hast und guckst dort ganz gezielt nach Fristen für Rückmeldungen, dem Vorlesungsverzeichnis für Germanistik und dem Modulübersichtsplan und was es so in der Mensa zu essen gibt :D

EDIT: Jetzt habe ich solange geshrieben, dass viele Antworten in der Zeiet dazu gekommen sind. Ich lasse es trotzdem mal stehen, vielleicht kannst du dir ja das eine oder andere interessante herauspicken :D

@Coppi: Bist du nicht auch Kielerin? Mir war so, dass die Unibib erst um 24 uhr schließt... die Institute sind natürlich eher zu, aber da weiß man als Student ja, wie man an einen Schlüssel kommt, oder man kennt jemanden mit Schlüssel :D
Titel: Re: [Studium] Studentenleben
Beitrag von: Rynn am 22. Januar 2014, 19:22:12
Zitat von: Snöblumma am 22. Januar 2014, 19:10:26
Und mir fällt gerade auf: Wenn er Germanistik studiert, braucht er doch auch Nebenfächer? Oder hat sie vor dem Bachelor/Master gebraucht? Aber da kenne ich mich nun nicht wirklich aus :P.
Da gibt Snö einen guten Hinweis. Ein zweites oder gar ein drittes Fach wird er auch haben.
Wenn er auf Magister im Hauptfach Germanistik studiert, wird er dazu entweder ein zweites Hauptfach oder eben zusätzlich noch zwei Nebenfächer haben. Zumindest an meiner Uni war es allerdings so, dass man keine zwei Hauptfächer an der gleichen Fakultät haben darf (Germanistik gehört bei uns wie viele Geisteswissenschaften zur philosophischen Fakultät). Weil ich neben Germanistik auch Philosophie studieren wollte, das aber an der gleichen Fakultät wie Germanistik eingeordnet ist, habe ich neben meinem Hauptfach als Germanistik Philo eben als Nebenfach gewählt und dann noch ein weiteres Nebenfach wählen müssen.

Ich habe auch noch auf Magister studiert und stehe auch gern für nähere Fragen zur Verfügung. ;)
Titel: Re: [Studium] Studentenleben
Beitrag von: Coppelia am 22. Januar 2014, 19:28:12
Bei uns gibt es die alten Studiengänge wie Magister und Staatsexamen quasi nicht mehr, es gibt nur noch Bachelor und Master. Wenn du recherchierst, Klecks, solltest du das dringend im Auge behalten, denn die BA/MA-Studiengänge unterscheiden sich sehr von den früheren und haben meiner Meinung nach auch das Studentenleben verändert. Ich weiß nicht, inwieweit die "alten" Studiengänge noch an anderen Unis üblich sind, aber ich glaube, sie sind im Schwinden begriffen.
Das System ist jetzt "verschulter". In großen Fächern wie Germanistik haben die Studenten vermutlich noch mehr Auswahl, welche Kurse sie belegen, aber z. B. in unserem Fach ist das nicht mehr so. So ein Studienplan sieht recht genau vor, bis wann man welchen Kurs belegt haben soll und welche Leistung erbracht haben soll. Ich empfehle dir, mal auf Uniseiten anzusehen, wie so ein Studienverlauf aussieht.
Zum Feiern haben die Studenten trotzdem noch genug Zeit. Oder sie nehmen sie sich. ;D

Zum Thema Ansprechpartner: In größeren Fächern gibt es normalerweise eine Fachschaft. Das ist eine Gruppe von Studenten, die anderen Studenten bei Problemen hilft, Neulinge bei der Orientierung unterstützt, für Rückfragen zur Verfügung steht, zwischen Studenten und Dozenten vermittelt, falls es Knatsch geben sollte, generell die Interessen der Studenten vertritt, aber auch Parties organisiert und so weiter. Wie die Fachschaft konkret drauf ist, hängt von ihren Mitgliedern ab.
Titel: Re: [Studium] Studentenleben
Beitrag von: Rhiannon am 22. Januar 2014, 19:30:30
Ich studiere Soziale Arbeit und das an der FH, nicht an der Uni, von daher kann ich dir noch diese Sicht anbieten:

1. Wie sieht eine typische Woche im Leben eines Studenten aus? (Aufsteh-Zeiten, typische Vorlesungszeiten, Mittagspause in der Mensa, Heimkomm-Zeiten, der allgemeine Tagesablauf)
Gibt es eigentlich so nicht. Letztes Semester hatte ich nur drei Tage die Woche Vorlesung, dafür dann aber auch einmal von 8.15 bis 19 Uhr voll durch und zwei Mal von 8.15 bis 16 Uhr, dieses Semester habe ich zwar jeden Tag etwas, aber bis auf den Donnerstag nur 90 Minuten jedes Mal. Du siehst, es gibt alle Möglichkeiten. Und dann hängt der Tagesablauf eben von dem ab, was außerhalb der Veranstaltungen ansteht. In der Klausurenphase, oder wenn viele Referate und Hausarbeiten anstehen, ist man länger in der Uni, weil man mit Komilitonen zusammenarbeitet. Das Heimkommen hängt, wie Malinche schon sagte, stark vom Weg ab. Typische Aufstehzeiten habe ich nicht. Bei uns im Studiengang ist es aber so, dass keine Vorlesung vor 8.15 beginnt.

2. Was ist der Unterschied zwischen Vorlesungen und Seminaren und gibt es noch etwas, das man besuchen muss?
Vorlesungen sind bei uns Pflichtveranstaltungen und zwar alle. Und im Regelfall sitzt da auch wirklich das ganze Semester, bei uns 80 Leute in einem Hörsaal, während der Dozent etwas "vorliest". Im Regelfall werden darüber dann Klausuren geschrieben. Das Seminar ist kleiner und aktiver und da hat man Wahlmöglichkeiten, also man kann aus meheren Möglichkeiten eines auswählen. Und da sind die Prüfungsleistungen relativ frei vom Dozenten zu bestimmen, das können Referate oder Hausarbeiten sein, oder es gibt Pflichtmodule, bei denen man einfach nur da gewesen sein muss, um sie zu bestehen. Das bezieht sich aber wie gesagt auf meinen Studiengang, dass kann je nachdem extrem variieren.

3. Wie viel Zeit verbringt ihr an der Uni? Sind Semesterferien deckungsgleich mit den Schulferien des jeweiligen Bundeslandes?
Zum Anfang des Semesters ist es bei mir im Regelfall weniger, als in der zweiten Hälfte. Und nein, die Semesterferien gehen bei mir von Februar bis Ende März und von Juli bis September. Und wie Malinche schon gesagt hat, heißt das eigentlich vorlesungsfreie Zeit, was bedeutet, dass da durchaus auch mal Klausuren reingelegt werden können, bei den Studiengängen, die hammermäßig viele Klausuren schreiben, kommt das auch gar nicht mal so selten vor.

4. Welche Ansprechspartner hat man an einer Uni, neben den Dozenten? Mit wem außer den Kommilitonen kann man in Kontakt treten, mit wem muss man sogar?
Bei uns gibt es den Dekan des jeweiligen Fachbereichs, der unter Umständen sehr wichtig werden kann, wenn es Probleme mit Dozenten gibt. Die wisschenschaftlichen Mitarbeiter, die neben ihrer Lehrtätigkeit häufig noch irgendwelche anderen Sachen, wie z.B. die Praktikumsbetreuungen und ähnliches haben und dann noch den Asta und das Stupa (Studentenparlament), die die Vertreter der Studierendenschaft bilden. In Kontakt treten müssen tut man mit den jeweiligen Stellen nur dann, wenn man etwas von ihnen braucht, wobei es natürlich Sinn macht, mit den Dozenten schon vorher zu kommunizieren, ne?

5. Wie läuft eine typische Vorlesung, ein typisches Seminar ab?
Bei uns gibt es kein typisches Seminar, das variiert von Dozent zu Dozent. Manche sind wie Vorlesungen: Alle sitzen da und hören zu und der Professor spricht, manche werden hauptsächlich von den Studierenden gesteuert, da gibt es wirklich alles.

6. Muss man Hausaufgaben und Praktikas machen, Vorträge halten, wird man vom Dozenten aufgerufen?
Hausaufgaben wie in der Schule nein. Es gibt aber durchaus Texte und Literatur, die einem empfohlen wird und dann tut man auch gut daran, das auch zu lesen, sonst könnte es sein, dass man keine Ahnung hat, wovon der Dozent eigentlich gerade spricht. Praktika hängen von Studiengang und Semester ab. Vorträge muss man bei uns sehr viele halten, ja. Und was das Aufrufen angeht, das ist Sache des Dozenten. Manche tun das oft und gerne, manche sind schon böse, wenn sich ein Student meldet, weil es Fragen gibt.

7. Wie oft und in welchen Monaten schreibt man Klausuren? Wer bewertet sie? Gibt es wie in der Schule Noten von 1 bis 6?
Das wiederum variiert sehr stark. Im Regelfall schreibt man sie zum Semesterende hin, also ab Ende Januar oder ab Mitte Juni. Wie viele es sind, ist unterschiedlich. Bewertet werden sie vom Dozenten. Die Noten 5 und 6 gibt es bei uns nicht, da ab 4,3 einfach nur noch n.b. für nicht bestanden hingeschrieben wird. Ansonsten ist das wie in der Schule, nur dass es nur die Nachkommastellen ...,3 und ...,7 gibt, um keine Rundungsfehler zuzulassen.

8. Wie lange dauert eine durchschnittliche Vorlesung?
Bei uns 90 Minuten.

9. Wann finden die Prüfungen statt und wie laufen sie ab? Wann schreibt man die Abschlussarbeit, wie lange sitzt man daran, welche Vorgaben gibt es, wer betreut die Arbeit oder ist man auf sich allein gestellt?
Bei uns in den letzten beiden Semestern, wie lange man daran sitzt, hängt vom Thema ab. Betreut wird man von zwei selbst gewählten Dozenten der Fachschaft. Vorgaben und so weiß ich noch nicht alle.

10. Gibt es soziale Projekte, die von der Uni ausgehen und/oder verpflichtend sind, wie die Projektwochen in der Schule?
Teilweise. Wobei das verpflichtend teilweise unterschiedlich ist und an den Modulen hängt, es kann also sein, dass ein Dozent der Meinung ist, dass ein bestimmtes Projekt genau in sein Modul passt, dann wird er die Studenten verpflichten, daran teilzunehmen, sonst sind die Veranstaltungen freiwillig, verpflichtet sind nur die Dozenten, die Studenten dafür freizustellen, so nötig.

11. Was ist am Studieren und am Studentenleben noch besonders, nach dem ich nicht gefragt habe?
Dass es das typische Studentenleben so nicht gibt. Es hängt immer davon ab, was man in welchem Semester studiert.
Titel: Re: [Studium] Studentenleben
Beitrag von: Klecks am 22. Januar 2014, 20:11:33
Wow, ihr seid ja klasse! Danke für eure tollen ausführlichen Antworten! Total lieb von euch. Ihr habt mir schon so sehr weitergeholfen.  :knuddel:

Es ist auch total interessant zu wissen, dass Studenten tatsächlich viel Kaffee trinken und Party machen.  ;D

Ich hätte dann noch zwei Frage an die Germanistik-Studenten unter euch. Welche Nebenfächer habt ihr gewählt? Ich werde das natürlich mit der Uni abgleichen müssen, die es letztendlich sein wird, aber es würde mich trotzdem sehr interessieren. Und die zweite Frage: Welche Themen haben denn zum Beispiel diese Seminare? Könntet ihr mir da ein paar Beispiele nennen?

Eine allgemeine Frage hätte ich auch noch: Was genau ist der Unterschied zwischen einem Dozenten und einem Prof? Und mir fällt bestimmt noch so einiges ein, vor allem, wenn ich mich für eine Uni entschieden habe. 

Hach, dank euren Antworten sind schon Dutzende Szenen vor meinem inneren Auge aufgetaucht. Abendliche Seminare, Mensa-Gespräche, Partys, Bibliothek-Abstecher ... ich freue mich so aufs Schreiben. Vielen, vielen Dank nochmal! Wenn euch noch etwas einfällt: Ich freue mich über alles, was ihr berichten könnt.  :vibes:
Titel: Re: [Studium] Studentenleben
Beitrag von: Fianna am 22. Januar 2014, 20:12:39
Tja,
die anderen haben mir schon alles vorweg genommen.

Was aber wichtig für den Alltag ist (beim Überfliegen habe ich es nicht gesehen): die Universitäten unterschieden sich stark in Bezug auf die Durchstrukturiertheit und Organisiertheit.
Es gibt für jede Eventualität festgelegte Vorschriften, die man eigentlich als Student auch nachlesen kann. sich jedoch nur bei Magister anwenden lassen. (Dann kennzeichne ich sie extra)

Allerdings gibt es Seminare (Fachbereiche), die da ein eigenes System neben den Regularien laufen haben. Das kann sich positiv äußern: Beispiel Magister-Studiengang] Dozenten nehmen Hausarbeiten beispielsweise nicht nur bis zu einer bestimmten Frist an (üblicherweise am Ende der Semesterferien oder früher), sondern mehr oder weniger immer. Wenn dem Student also vor einer Prüfung auffällt, dass er seine Hausarbeit in Seminar X nicht schreiben kann oder will (oder er spekuliert, eine zu schlechte Note zu erhalten), schreibt er in einem Seminar eine Arbeit, das aber vor 3 Smestern statt fand. Viele Dozenten sind da so nett und nehmen dennoch eine Arbeit an.

Die Fachbereichsbibliothek, die die speziellen Bücher zu einem Thema hat, verfügt über bestimmte Öffnungszeiten. Falls jedoch die Sekretärin länger dort ist oder aber ein Doktorand sich in den Räumlichkeiten aufhält, darf der Student auch länger bleiben.

Normalerweise darf man in Bibliotheken nicht essen und nur Wasser trinken. Es gibt jedoch Fachbereiche, die eine richtige kleine Teeküche haben, wo in dem Kühlschrank Essen lagern kann oder sich in der Mikrowelle Essen zubereiten kann. (Sowas kommt üblicherweise bei kleineren Fächern für die Allgemeinheit vor, bei größeren ist es - falls vorhanden - aus Platzgründen eher wenigen Personen gestattet: Dozenten, Doktoranden, HiWis).



Dieses nicht-der-Norm-entsprechend kann aber auch Schattenseiten haben.
So soll es sogar schonmal vorgekommen sein, dass Dozenten längere Zeit (mehrere Semester) krank waren, ohne dass sie offiziell krank gemeldet waren. Die Studenten, die laut Studienordnung auf die Kurse dieses Fachmannes angewiesen waren, hatten dann eben Pech.

Oder Universitätsmitarbeiter sollen in den Semesterferien einfach mal "Home Office" gemacht haben und waren dann für Studenten nur schwer zu erreichen (nur mit Termin nach Absprache etc).

Fachbereichsbibliotheken machen mal eben früher zu, und man hat sich wegen eines nahenden Abgabetermins darauf verlassen, dieses spezielle Buch nutzen zu können, dass es nur dort gibt.

Kurse werden zeitlich oder örtlich verlegt, und man kann logistisch nicht mehr daran teilnehmen, oder sie fallen spontan aus, weil es zuwenig Teilnehmer gibt. Es ist zu spät, sich für einen anderen Kurs anzumelden.

Man hat sich rechtzeitig für einen begehrten Kurs angemeldet, wenn man jedoch in der ersten Stunde erscheint, stellt der Dozent eine seiner inoffiziellen Regeln auf ("nur ab x. Semester" / "nur für Hauptfächler") und man schaut in die Röhre.

~~~~~

Einige dieser Dinge (z.B. das Hausarbeiten-nachschreiben) sind bei dem Bachelor/Master-System nicht möglich, da die Kursanmeldungen und die Credit Points elektronisch erfasst werden, und das geht nur in einem bestimmten Zeitrahmen. Der Dozent kann die Note nicht nachtragen (also einem die Arbeit 2 Semester später abnehmen).

Dieses elektronische System hat auch Schattenseiten, beispielsweise hat man Probleme, sich mit seiner Matrikelnummer zu einem Kurs anzumelden, später ist dieser jedoch voll.
Oder man meldet sich an und alles sieht gut aus, später jedoch steht man auf keiner Liste und in diesem Kurs ist kein Platz mehr frei.
Oder man kann sich nirgendwo zu einem Kurs anmelden und aufgrund des technischen Fehlers soll man angeblich in diesem Semester auch keinen Kurs besuchen können, wenn man sich nicht damit anmelden kann (weil man sonst auch keine Note bekommen kann).

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Man hat normalerweise mit mehreren Verwaltungsbereichen zu tun: einmal die Fachbereichs-Verwaltung (Sekretärin, Assistent des Profs, Bibliothekar, Studienberater), zum anderen das Studentensekretariat (Studentenausweis, Probleme mit dem elektronischen Anmelde-System), dann die Asta (Studierenden-Vertretung, Studierendenberatung, Hilfe bei Wohnungssuche/Jobsuche, Möglichkeit kurzfristiger Darlehen), es gibt noch die Fachschaft/den Fachausschuss (Studierendenvertretung deiner Fachrichtung bzw. des Instituts),  und schließlich vor Zwischenprüfung oder Abschlußprüfung (oder bei Fragen dazu) das Prüfungsamt.
Wenn man sehr großes Glück hat *Ironie* hat man ein Problem oder eine Frage, die alle tangiert (oder alle außer dem Prüfungsamt), und man bekommt von jedem Verwaltungsbereich eine andere Antwort/eine andere Empfehlung zu handeln.

Ich kenne es so, dass man normalerweise erstmal bei dem Hiwi oder der Fachschaft aufschlägt, denn das Amt des Studienberaters wechselt immer wieder (alle paar Jahre) und sie haben meist mit Erstis zu tun.

Bei dem Studentensekretariat nachzufragen ist oft nicht sinnvoll, da man da nur die Buchstaben und nicht die Praxis kennt. (Mir wurde beispielsweise gesagt, dass ich keinen Platz im Studentenwohnheim bekäme, da meine Eltern zu nahe an der Uni wohnen, deshalb habe ich mich nicht drum beworben. In der Praxis gibt es jedoch beliebtere und unbeliebtere Standorte von Wohnheimen sowie diverse zu erfüllende Quoten, so dass ich in einem der unbeliebteren Standorte sofort einen Platz bekommen hätte. Ich glaube, weil da soviele ausländische/Austauschstudierende wohnten, dass jeder Deutsche Student aus Quotengründen einen Platz bekommen hätte - Nationalität schlägt zu nahen Wohnort).

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Wenn Du deinem Studenten also typische Probleme verpassen willst, wären Anmeldungen zu Kursen oder ausfallende kurse eine Möglichkeit. Bei vielen Bachelor-Studiengängen finden nicht genug Kurse statt (es gibt da gewisse Kategorien, von denen Du x kurse machen musst, und wenn es Kursklasse A nicht gibt, ist egal, wenn du fleißig bist und Kursklasse B machst, es bringt Dich nicht weiter, nur in Bezug auf Wissen), weswegen sich die Studienzeit verlängert.

Oder aber Fächer (bzw. Module), die man beide machen muss, finden parallel statt und das haut Dir den Stundenplan auseinander. Das passiert sogar, wenn die meisten Studenten des Faches A üblicherweise Nebenfach B belegen - an vielen Unis haut die fächerübergreifende Abstimmung im Vorfeld da nicht hin. (Und wenn ein Nebenfach A von Studenten der Hauptfächer B-F gerne belegt wird, ist die Wahrscheinlichkeit umso größer, dann wird sich Fach A nämlich nicht mal erwägen, sich mit irgendwem abzustimmen).

Oder es gibt in vielen Universiätststädten ein Wohnungsproblem. Schon zu meiner Zeit und ohne diese Studierenden-Invasion mit den Doppeljahrgängen etc hat jemand in meiner Unistadt ein 17qm Zimmer mit Etagenbad für 300 € monatlich vermieten wollen. Und in den Ferien musste das Zimmer geräumt werden, da es der Tochter des Hauses gehörte. Ging trotzdem immer weg, und jetzt ist es viel extremer. Jahrelang gab es immer wieder Meldungen, die Erstsemester würden zuwenig Wohnungen/Wohnheimplätze haben, sie campierten in Notunterkünften und Turnhallen, Bürgermeister riefen ihre Bürger auf, Wohnraum zu vermieten...

Ganz so extrem muss es bei Dir ja nicht sein. Aber ein eher überteuertes Zimmer, das vielleicht sogar einige Mängel hat (z.B. schlecht isoliert ist,  oder schimmelt, oder ...) und der Wunsch, in eine bessere Wohnung umzuziehen sobald sich die Gelegenheit bietet, wäre auch eine Möglichkeit.

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Abseits von nicht-regulär-ablaufenden Dingen, widersprechenden Aussagen offizieller Stellen oder Wohnraumproblemen habe ich aber noch etwas Schönes zu ergänzen: von den Hauptfachsstudenten wird oft erwartet, dass sie sich in ihrem Fach engagieren. Beispielsweise wird eine Bibliotheksinventur gemacht und man erwartet, dass die Hauptfachstudenten da mithelfen. Oder es wird eine (periodisch wiederholende) Fachkonferenz oder ein Symposion veranstaltet und die HF-Studenten sollen mithelden. Oder es werden Jubiläen gefeiert und Feste ausgerichtet, bei denen die HF's helfen sollen. Das kann schon ganz lustig werden, da es meist auch ein Rahmenprogramm gibt, z.B. bereiten einige der Studierenden eine Stadtführung für die anreisenden Wissenschaftler vor oder bereiten Essen vor, melden sich für Thekendienst, fertigen Dekoration an oder halten ein Referat.
Bei einem Wissenschaftstag der Stadt o.Ä. haben diverse Fachbereiche der Universität einen Stand oder ein Zelt, und die HF's sollen den ehrenamtlich mit-bemannen. Dabei wird man von den Besuchern i.d.R. nicht nur auf das Thema des Standes angesprochen, sondern auf ganz allgemeine Dinge oder Verschwörungstheorien, die über Themen dieses Sachbereiches in der Öffentlichkeit kursieren.
Hauptfächler können mitunter einige dieser "freiwilligen" Leistungen erbringen, und obwohl man das vielleicht als unangenehm empfinden könnte, weil man es ja zusätzlich machen muss, fand ich solche Aktionen immer sehr, sehr lustig und schön.

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Jetzt habe ich hoffentlich eine bunte Ergänzung und Anregung für Probleme oder Aktivitäten des Protas geben können.
Da sich x Verwaltungsbereiche, x Studienfächer und alle möglichen Anforderungen vermischen, kannst Du aus dem Studentenleben eigentlich die Weichenstellung für jedes Problem, jeden Katalysator oder jede Begegnung bilden.

Wieso schreibe ich eigentlich nicht Contemporary und nehme einen Studenten...  :hmmm: Da würde sich die Lösung jedes Plotproblems von selbst ergeben...
Titel: Re: [Studium] Studentenleben
Beitrag von: Rhiannon am 22. Januar 2014, 20:18:09
Der Unterschied zwischen Dozent und Prof ist ganz einfach. Dozent wird alles genannt, was Vorlesungen hält und Seminare gibt, das können bei den Bachelor-Studiengängen teilweise sogar noch Master-Studenten sein. Ein Professor ist ein Mensch, der sich tatsächlich mit dem Professor-Titel schmücken darf, der also habilitiert hat.
Die beiden Begriffe werden von der Studentenschaft aber im Regelfall synonym gebraucht, also nicht jeder Prof, von dem erzählt wird, hat auch wirklich diesen Titel.
Titel: Re: [Studium] Studentenleben
Beitrag von: Fianna am 22. Januar 2014, 20:22:11
Zitat von: Klecks am 22. Januar 2014, 20:11:33Und die zweite Frage: Welche Themen haben denn zum Beispiel diese Seminare? Könntet ihr mir da ein paar Beispiele nennen?
Germanistik habe ich nicht studiert, aber das kannst Du alles googlen. ;) Du findest 30.000 Themen im Internet, da die Informationen immer online sind.

Nachtrag: das hatte ich als Problem eben vergessen. Oft bekommt man die Anweisung, was man machen muss (wann sich für was anmelden, welche Kurse gibt es, etc) online, aber das verspätet sich ewig und dann steht man im Regen, im schlimmsten Fall ist es so kurzfristig online, dass man Probleme hat, alles zu regeln.


Zitat von: Klecks am 22. Januar 2014, 20:11:33Eine allgemeine Frage hätte ich auch noch: Was genau ist der Unterschied zwischen einem Dozenten und einem Prof? Und mir fällt bestimmt noch so einiges ein, vor allem, wenn ich mich für eine Uni entschieden habe. 
Der Professor ist der akademisch höchste Grad, er hat eine besonders umfangreiche Forschungsarbeit geschrieben (Habilitation). Außerdem ist er der Inhaber einer Fachbereichs-Stelle als Chef --> der Lehrstuhlinhaber.
Menschen, die ebenfalls eine Habilitation haben, aber keine Stelle, nennt man "Privatdozent" (ich weiß noch, wie obskur mir das vorkam, als ich das das erste Mal in der Biographie eines populärwissenschaftlichen Sachbuchs sah.  ;D)

Der Dozent dagegen ist Magister/Master oder Doktor. Möglicherweise schreibt er gerade an der Habil.
Dozent ist jeder, der ein eigenständiges Seminar leitet.
Wenn jemand zu einem Seminar eine Übung leitet (die das Ganze nochmal langsam wiederkaut), ist das meist nur ein fortgeschrittener Student, und man nennt ihn Tutor. Der macht nämlich keine eigenständige Veranstaltung, sondern eine Übung zu einer Veranstaltung.

Also grob gesagt sind alle Leute im Vorlesungsverzeichnis Dozenten (wenn sie eben eine eigenständige Veranstaltung leiten, was bei den meisten der Fall ist), und einige davon sind gleichzeitig auch Professoren.

Professoren machen üblicherweise die Kurse für die fortgeschrittenen Studenten, oder ein Kolloquium für Master-Kandidaten, oder Veranstaltungen zu ihrem Spezialthema (letztere können auch von "mittleren" Studenten besucht werden, also vom Wissen zwischen den Erstis und den "Fortgeschrittenen(=fast fertigen)").
Hach, dank euren Antworten sind schon Dutzende Szenen vor meinem inneren Auge aufgetaucht. Abendliche Seminare, Mensa-Gespräche, Partys, Bibliothek-Abstecher ... ich freue mich so aufs Schreiben. Vielen, vielen Dank nochmal! Wenn euch noch etwas einfällt: Ich freue mich über alles, was ihr berichten könnt.  :vibes:
[/quote]
Titel: Re: [Studium] Studentenleben
Beitrag von: Alaun am 22. Januar 2014, 20:23:17
Zu deiner Nebenfachwahlfrage:

Ich habe ursprünglich Germanistik im Hauptfach studiert (Magisterstudiengang, lang ists her ...) und hatte zuerst die Nebenfächer Musikwissenschaft und Psychologie. Dann wechselte ich von Psychologie zu Soziologie und dann, ein Semester drauf, wechselte ich zum Hauptfach Musikwissenschaft und machte Germanistik zu meinem Nebenfach, aus Soziologie wurde dann letztendlich Theaterwissenschaft, und das ist die Kombi in der ich dann schließlich auch meinen Abschluss gemacht habe. Zu Magisterzeiten war also eine Menge experimentieren und ausprobieren möglich, bis man wirklich gefunden hatte was zu einem passt - und das hielt (und halte) ich für den größten Schatz dieses Konzeptes ...

Zu den Seminaren und Vorlesungen:
in der Musikwissenschaft war von Musikgeschichte über -theorie und -ethnologie bis hin zur Komposition und praktischem Klavierspiel (Bachchoräle, Generalbass, Orchesterpartiturspiel) alles zu haben (und auch als Pflichtveranstaltung zu besuchen), in der Theaterwissenschaft habe ich u.a. viel zu Bühnenbau gemacht oder mich mit Stücken befasst, die z.B. in der Weimarer Republik für Skandale gesorgt haben. Andere haben sich mit Opern beschäftigt oder mit Schauspieltheorie. Das Feld ist riesig.
Titel: Re: [Studium] Studentenleben
Beitrag von: Snöblumma am 22. Januar 2014, 20:24:12
Zitat von: Rhiannon am 22. Januar 2014, 20:18:09
Der Unterschied zwischen Dozent und Prof ist ganz einfach. Dozent wird alles genannt, was Vorlesungen hält und Seminare gibt, das können bei den Bachelor-Studiengängen teilweise sogar noch Master-Studenten sein. Ein Professor ist ein Mensch, der sich tatsächlich mit dem Professor-Titel schmücken darf, der also habilitiert hat.

Genau genommen ist ein Professor ein Mensch, der habilitiert hat und eine Professur innehat, also in der Regel einen eigenen Lehrstuhl hat. Wobei ich auch schon von Profs gehört habe, die Prof am Lehrstuhl eines anderen Profs waren. Ein habilitierter Mensch ohne Lehrstuhl ist meist P.D. = Privatdozent. Jedenfalls war das bei uns so, wobei wir wenig "Mittelbau" haben, also wenige Akademische Räte etc. (bei uns liebevoll die "Assis" genannt - also die Assistenten). HiWis (=Hilfswissenschaftler  :rofl:) sind bei uns die studentischen Mitarbeiter gewesen.
Titel: Re: [Studium] Studentenleben
Beitrag von: KaPunkt am 22. Januar 2014, 20:29:21
Ich möchte anmerken, dass bei uns die wenigstens 'Profs' habilitiert haben. Prof ist der Typ, der den Lehrstuhl hat.
Oh tempores, oh mores ...
Ist aber auch ein ING-Studiengang gewesen ...

Liebe Grüße,
KaPunkt
Titel: Re: [Studium] Studentenleben
Beitrag von: Rynn am 22. Januar 2014, 20:30:26
Bei uns war es meistens so: Man sagt Dozent, wenn man nicht sicher weiß, ob der Typ da vorne überhaupt irgendeinen tollen Titel hat. ;D Prof hab ich wirklich nur gesagt, wenn ich auch sicher war, dass derjenige auch ein Prof ist. "Dozent" ist da ein harmloser Überbegriff, mit dem man sich nicht versehentlich in die Nesseln setzen kann. Wer vorne steht, doziert ja automatisch. (Das mal gegen das "Studenten verwenden Dozent und Prof synonym". Das glaube ich nämlich nicht so ganz.)

Ich habe anfangs Germanistik im HF, in den Nebenfächern Philosophie und (ja, so heißt das Fach wirklich) Volkskunde/Kulturgeschichte studiert. (Ich brauchte ja irgendein blödes drittes Fach, weil ich nicht zwei Hauptfächer haben durfte. :pfanne:) Nach dem ersten Semester hab ich dann von VK/KG zu Erziehungswissenschaften gewechselt und meinen Schwerpunkt auf Erwachsenenbildung gelegt, um vielleicht mal in die Richtung Volkshochschule gehen zu können.
Titel: Re: [Studium] Studentenleben
Beitrag von: Coppelia am 22. Januar 2014, 20:33:46
Das mit den akademischen Stellen ist sehr kompliziert.

Es gibt Professuren ohne Lehrstühle. Es gibt Stellen, auf denen habilitierte Menschen sitzen, die aber keine Professuren sind. Und Akademische Rats- und Assistentenstellen sind bei uns auch etwas völlig Verschiedenes. Aber das dürfte für deinen Roman ziemlich egal sein, Klecks. Über die Feinheiten machen sich die Studenten wohl kaum Gedanken. Wohl aber sehen sie ganz genau, wer in der Hackordnung wo steht. ;)
Für eine bestimmte Stelle braucht man meist eine bestimmte Qualifikation, z. B. keine Professur ohne Habilitation. (Zumindest an der Uni; möglicherweise ist das bei anderen Lehreinrichtungen anders)

Dozent bedeutet einfach nur "Lehrender".

Mein Zweifach neben Germanistik/Deutsch war natürlich Latein. Oder eher anders herum.
Titel: Re: [Studium] Studentenleben
Beitrag von: Fianna am 22. Januar 2014, 20:35:05
Snö, hab ich doch schon längst erklärt ;)

Klecks,
wenn Du Veranstaltungen haben willst, gib ein "SoSe 2009 + Germanistik" (SommerSemester), dann findest Du alle online erwähnten Veranstaltungen von den diversen Universitäten. Oder "WiSe 2009 + Germanistik" (Wintersemester), oder ändere das Jahr.

Wegen der schon erwähnten elektronischen Anmeldung wirst du vermutlich mehr Veranstaltungen finden, wenn du im Jahr zurück gehst (als wenn Du ein jüngeres Jahr eingibst). Früher lief das alles noch mit schriftlicher Anmeldung, also ohne Einloggen irgendwo, deshalb sind diese Kurse noch im Internet präsent, wenn man richtig sucht (siehe oben).

Außerdem ist wichtig, dass verschiedene Universitäten verschiedene Forschungsschwerpunkte haben, was sich in der Auswahl der Kurse zeigt.
Vielleicht machst du es also zuerst umgekehrt, schaust auf den diversen Germanistik-Homepages, was für eine Ausrichtung das Studium in Münster, Köln, Bonn, München (...) bietet und entscheidest dann, welche Uni Du gerne hättest? Dann kannst Du Dir auch besser ein bild von typischen Veranstaltungen machen.

Es sei denn, die genaue Ausrichtung des Germanistikstudiums ist nicht relevant für die Standortwahl - dann such lieber erst einen Standort und schaue dann da gezielt nach vergangenen Veranstaltungen.


Übrigens kenne ich aus dem Sprachgebrauch nur die Wendung "SoSe", bei uns hat niemand "WiSe" gesagt.

~~~~~

Bei mir gingen übrigens nur sehr wenig Leute in die Mensa - wenn man kontaktfreudig war oder Kontakt suchte, war das eine feine Sache. Ansonsten hat die durchschnittliche Qualität des Essens die Leute eher in umliegende Cafes verscheucht, oder in die Grünflächen oder an den Fluss.
Ein Cafe mit sehr günstigen Preisen in Uninähe war dann die "inoffizielle" Mensa, da musste man schnell sein, um einen Mittags einen Platz zu bekommen.

Leute, die eher in Zweier- oder Dreiergrüppchen die Mittagspause verbrachten, haben die Mensa eher gemieden.

Aber das sind großteils Beobachtungen, ich selbst hatte nämlich gerade im Hauptstudium (aber auch sehr oft davor) immer von 12-14 Uhr Seminar, und die Mensa hatte nur von 12-14.30 Uhr Mittag essen.

Also das Nicht-gehen-können (vielleicht an einem bestimmten Wochentag oder einem einzelnen bestimmten Tag) des Protas wegen einer Veranstaltung könntest du auch einbauen.
Titel: Re: [Studium] Studentenleben
Beitrag von: Valaé am 22. Januar 2014, 20:36:30
Also ich studiere Germanistik in Baden-Württemberg, allerdings im Bachelor-Master- System, bin jetzt im Masterstudium. Einige Dinge lassen sich aber bestimmt auf frühere Zeiten transferieren, deswegen hier mal meine Erfahrungen, genieße sie aber mit Vorsicht, da sie sich wie gesagt auf das neue System beziehen und zudem auf eine technische Universität, deren Institut für Geisteswissenschaften seeehr klein ist, was fundamentale Auswirkungen auf mein Studienerlebnis hat. Ich würde da übrigens stark dazu raten, deine Recherche bezüglich dieser Faktoren noch einzugrenzen - manche Dinge wie Betreuung oder Kulanz in Zeitendingen sind a) von Uni zu Uni sehr stark schwankend und b) arg abhängig davon, wie viele Studenten ein Dozent zu betreuen hat.

Zitat
1. Wie sieht eine typische Woche im Leben eines Studenten aus? (Aufsteh-Zeiten, typische Vorlesungszeiten, Mittagspause in der Mensa, Heimkomm-Zeiten, der allgemeine Tagesablauf)

Wie eine typische Woche aussieht? Unregelmäßig  ;D. Eine typische Woche meines Studiums hat quasi keine Struktur. Fast jeden Tag stehe ich zu einer anderen Zeit auf, komme zu einer anderen Zeit nach Hause, esse zu einer anderen Zeit Mittag und gestalte den Tag so, wie es die vielen Eventualitäten, die ein Studium einem gerne vor die Füße schmeißt, eben möglich macht. Manchmal kommt ein Dozent einen Tag vor einer Vorlesung auf die Idee, noch Materialien einzustellen, mit denen man nicht gerechnet hat,  ruft eine Woche vorher eine außerplanmäßige Sitzung für die nächste Woche ein, oder ruft dich wegen deiner Prüfung/deines Referats nochmal in die Sprechstunde - da kann an einem Tag durchaus gleich zweimal was dazwischenkommen und Mittagessen fällt mal aus, Heimkommen wird wieder später und aufstehen ist auch erst planbar, wenn auch sicher am nächsten Tag nichts ausfällt. Flexibel musste ich im Studium immer sein. Das mag an einer Uni mit weniger Betreuungsdichte als in meinem kleinen Institut anders sein, denn hier kann ich wirklich von einem Tag auf den anderen in die Sprechstunde gerufen werden, was bei mehreren tausend Studenten wohl eher selten der Fall ist (ich bin zudem HiWi und habe sowieso auf Kommando da zu sein  ;), aber es passiert auch außerhalb der Arbeit, wenn auch nicht häufig. Routine hatte ich immer wochenweise, niemals tageweise. Kein Tag sieht aus wie der andere, meistens tun das eher die Wochen, die sich irgendwann gleichen. Einzige feste Zeiten die ich dir geben kann: Mittagspause eingeplant ist bei uns von 13-14:00, da liegen aber auch Sprechstunden etc., soll heißen, man kann sich darauf nicht verlassen, die Mensa macht um 14:30 dicht und um 11:00 auf, die Bibliothek ist 24h geöffnet, frühestens angefangen wird (laut Plan) um 7:15, einzelne Veranstaltung können früher liegen, die späteste planmäßige Veranstaltung ist um 21:30 zuende, einzelne Veranstaltungen können später liegen. Ich esse weder immer in der Mensa noch immer zuhause oder immer in der Stadt sondern je nach Tag und Laune hier und dort, dann und wieder wann anders. Jedes Semester kommt der ganz große Umschwung und alles was an Routine drin war wird erst mit der vorlesungsfreien Zeit getilgt und dann in eine neue Routine gequetscht, kein Semester ist wie das vorherige. Da bereits der Tagesablauf eines Studenten meist im Verlauf des Studiums arg schwankt, ist es denke ich unmöglich, zu sagen, wie der Tagesablauf eines typischen Studenten aussieht - es soll sogar welche geben, die wirklich eine Routine haben und bei denen die meisten Tage vom Ablauf her gleich sind, ich habe aber noch keinen getroffen  ;D.

Zitat2. Was ist der Unterschied zwischen Vorlesungen und Seminaren und gibt es noch etwas, das man besuchen muss?
Wie schon gesagt wurde gilt eigentlich die Regel: Vorlesung? Der Dozent spricht/liest, die Studenten hören zu, Abschluss ist meistens eine Klausur, die Anzahl an Studenten, die sie besuchen dürfen, ist meistens unbegrenzt
Seminar? Mitbeteilung der Studenten erwünscht und erfordert, Referate werden gehalten, Diskussionen geführt, meistens schreibt man eine Hausarbeit, selten eine Klausur. die Anzahl der Studenten ist meist begrenzt
Es gibt bei Seminaren zumindest im Bachelor-Master-System noch eine Aufteilung der Seminare in Pro-, Haupt- und Oberseminare, die sich je nach Anspruch und Tiefe des Stoffes unterscheiden. Während Proseminare kaum Vorwissen voraussetzen, tun Hauptseminare das sehr wohl, die Hausarbeiten sind hier auch länger. Oberseminare sind nur für fortgeschrittene Studenten (im Fall des neuen Systems Masterstudenten) und erfordern eine intensive Mitarbeit, teils mit eigenem Vortrag auf Veranstaltungen und recht umfangreicher Hausarbeit.
Meistens mischt sich das wirklich. Seminare verkommen zu Vorlesungen wenn die Studenten mal wieder keine Lust haben (Mitarbeit funktioniert eben nur bei Arbeitswilligen  ;D) und Vorlesungen können Seminarcharakter annehmen, wenn viele Zwischenfragen gestellt werden - was aber nicht bei jedem Dozent möglich ist. Wenn er ein Skript vorliest, sind Fragen meistens tabu und dann ist es auch wirklich die Reinform einer Vorlesung samt Handkrampf weil man beim Mitschreiben Steno können müsste  ;).
Zudem gibt es noch Tutorien, die man besuchen sollte wenn man den Stoff nicht verstanden hat, sonst kann man es bleiben lassen, manche Fächer verlangen studieninterne Praktikumsstunden, aber Germanistik gehört nicht dazu. Hier gibt es im oberen Studiumsbereich (Master in meinem Fall) noch Kandiatenkolloquien, in denen die Abschlussarbeiten im Entstehungsprozess besprochen werden können.
Zitat
3. Wie viel Zeit verbringt ihr an der Uni? Sind Semesterferien deckungsgleich mit den Schulferien des jeweiligen Bundeslandes?
Uh, ganz unterschiedlich, je nach Semester. Im ersten Semester hatte ich 14 Veranstaltungen, also habe ich etwa 21 Stunden die Woche reine Vorlesungszeit und dann noch Freistunden (aber das waren glaube ich nicht mehr als 3) in der Uni verbracht, dafür habe ich zuhause aber auch nicht sehr viel getan. Heute habe ich von Pflichtveranstaltungen her nur 4 Veranstaltungen, also 6 Stunden Zeit plus eine Freistunde. Dazu kommen jedoch noch freiwillige 3 weitere Stunden und meine HiWi-Zeit, die du aber nicht mitzählen solltest. Darüber hinaus arbeite ich jetzt sehr viel mehr Zuhause und habe insgesamt viel mehr zu tun als im ersten Semester, weil die Veranstaltungen mehr Vor- und Nachbereitung erfordern. Mit der Frage, wie viel Zeit man in der Uni verbringt ist daher meistens nicht im geringsten der Arbeitsaufwand abgedeckt, gerade für die Semesterferien gilt das. Für mich sind Semesterferien in den letzten Semestern immer arbeitsintensiver gewesen als die Vorlesungszeit, da hier die Hausarbeiten und Klausuren geschrieben werden und das doch einiges an Arbeit bereiten kann. Die Semesterferien decken sich nicht mit den Schulferien, sie überschneiden sich aber teilweise. Semesterferien gehen meist knappe 2- 2,5 Monate, im Sommersemester schließt das die Zeit der Sommersemesterferien zumindest in BaWü mit ein, geht aber darüber weit hinaus (Schüler müssen Mitte September wieder hin, Studenten Mitte Oktober). An Weihnachten haben wir ähnlich frei wie Schüler (von kurz vor Heiligabend bis Heilige Drei Könige), Ostern variiert stark. Diese freien Zeiten sind aber nicht Semesterferien genannt, das sind nur die zwei großen vorlesungsfreien Zeiten Ende der Semester.

4. Welche Ansprechspartner hat man an einer Uni, neben den Dozenten? Mit wem außer den Kommilitonen kann man in Kontakt treten, mit wem muss man sogar?
Es gibt Tutoren und Mentoren, zumindest an unserer Uni. Das sind ältere Studenten, die sich mit verschiedensten Fragen von Studienplanung bis hin zu Problemen mit Dozenten und Ratschlägen für die Prüfung auseinandersetzen. Sie können bei fast jeder Frage helfen und sind extra für die Fragen der Studenten da, in einer speziellen Sprechstunde. Tutoren sind auch ältere Studenten, die die Tutorien leiten, also Veranstaltungen, die komplizierte Sachverhalte erklären für die, die sie in dem schnellen Tempo des Seminars/der Vorlesung nicht verstanden haben. Darüber hinaus kann man sich immer an die Fachschaft wenden oder an solche Dinge wie AStA und UStA, da geht es aber eher um Hochschulpolitik, ein Bereich in dem ich mich weniger gut auskenne, am besten mal googlen. Ansonsten hat unsere Uni noch spezielle Anlaufstellen für fast alle Belange (von Auslandsaufenthalt bis Studieren mit Kind), an die man sich bei speziellen Fragen richten kann.

Zitat5. Wie läuft eine typische Vorlesung, ein typisches Seminar ab?
Hm, ich denke auch hier gibt es nicht wirklich eine typische Veranstaltung, da das ganz stark von Dozent und Uni abhängig ist, bei uns an der Uni gibt es jedoch durchaus so etwas wie den typischen Ablauf.
Vorlesung: 1. Vorlesung kurzer Überblick was passiert und in welchem Plan, Beginn mit dem Thema; jede weitere Sitzung Vortrag des Dozenten, mal mehr, mal weniger strukturiert, mal mehr, mal weniger im Plan, gewünscht ist meistens hinsetzen, Mund halten, mitschreiben und Fragen stellen, in manchen Vorlesungen ist Frage stellen aber weniger erwünscht; Ende der Vorlesungszeit steht die Klausur an, keine besondere Vorbereitung, einfach reinsetzen und mitschreiben, manchmal muss man vorher sagen, auf wie viele ECTS man sich prüfen lassen will, das ist aber, wenn du vor der Bologna-Reform schreibst für dich irrelevant, ECTS gibt es erst seit dieser.
Seminar: Vor der ersten Sitzung teilweise Bekanntgabe der zu lesenden Literatur mit Aufforderung, diese in den Semesterferien zu lesen, manchmal Ankündigung eines Vortestes zum Abprüfen der Textkenntnis vor der Aufnahme ins Seminar; In der 1. Sitzung oder in den Semesterferien Vorlage und Vergabe der Referatsthemen, möglicherweise Vortest; gegebenfalls: feststellen, dass kaum jemand die Texte wirklich kennt, dennoch alle durch den Vortest kommen lassen (kleines Institut, wir können uns keine Seminare mit nur drei Leuten leisten  ;D); daraufhin Abhaltung der Sitzungen nach Plan, wenn ein Referat auf dem Plan steht, manchmal auch mehrere, werden diese meist zu Beginn der Stunde gehalten,  damit danach noch Platz für Diskussionen ist, der/die Referenten halten ihr Referat meist über 15-20 Minuten, danach Diskussion, gegebenenfalls ein zweites Referat oder Übernahme der Sitzung durch den Dozenten, übernimmt der Dozent die Sitzung wird sie oft vergleichbar zu einer Schulsitzung: Der Dozent erzählt und erklärt die noch nicht angesprochenen Dinge, lässt Ergänzungen durch Studenten zu, regt Diskussionen an, hakt bei Problemstellen nach und stellt Fragen in die Runde, die meistens genauso enthusiastisch beantwortet werden wie zu Schulzeiten, er ruft dabei auch auf, durchaus auch ohne vorangehende Meldung; vor der letzten Sitzung wird, wenn es sich bei der Abschlussarbeit um eine Klausur handelt, meistens noch einmal wiederholt, ansonsten werden verschobene Diskussionen nachgeholt, eine Klausur läuft wie auch bei der Vorlesung ab, meistens ist die Abschlussarbeit aber eine Hausarbeit

6. Muss man Hausaufgaben und Praktikas machen, Vorträge halten, wird man vom Dozenten aufgerufen?
Hausaufgaben können vorkommen, nennt sich aber eher Vor-/Nachbereitung, die den Studenten nicht mehr selbstständig zugetraut wird, weil es kaum einer macht. In Germanistik handelt es sich dabei meistens um Textstellen, die gelesen werden sollen, weil man in der nächsten Stunde stärker darauf eingehen wird, manchmal soll man Lexikon-Artikel durcharbeiten, manchmal (in Mediävistik) aber auch zur Übung des Mittelhochdeutschen Texte übersetzen oder metrische Übungen machen. Im ersten Semester gab es bei uns Arbeitsaufgaben, die in den Einführungsveranstaltungen verlangt wurden, damit diese als bestanden angesehen wird. Das waren Übungen zum Bibliographieren oder Zitieren, man hatte eine Woche Zeit. Praktikas haben wir in der Germanistik nicht gehabt, andere Studiengänge müssen das aber durchaus, Vorträge halten ist zumindest bei uns absolut Norm, in jedem Seminar, das man besucht, muss man eine mündliche Leistung erbringen, um es zu bestehen und das bedeutet eigentlich immer ein Referat, in Oberseminaren kann es auch ein Vortrag in einem tagungsähnlichen Rahmen sein, sodass man einen vorher geschriebenen wissenschaftlichen Aufsatz vorliest.
Die Pflicht zur mündlichen Leistung ist aber so viel ich weiß erst seit Bologna so streng, also dass sie bei jeder Veranstaltung (außer Vorlesungen) sein muss, da bin ich mir aber nicht sicher. Aufgerufen werden kann man, allerdings vor allem eher in Seminaren, also im kleineren Rahmen, Seminare sind ja meistens in der Teilnehmerzahl begrenzt und machen nur bei eher weniger Studenten wirklich Sinn aufgrund der Forderung zur Diskussion und Mitarbeit.

Zitat7. Wie oft und in welchen Monaten schreibt man Klausuren? Wer bewertet sie? Gibt es wie in der Schule Noten von 1 bis 6?
Zumindest in der Germanistik kann man sich das ziemlich selbst einteilen. Ich hatte früher teilweise bis zu 6 Klausuren, die letzten zwei Semester hatte ich gar keine. Man kann sich ja aussuchen, mit welchen Veranstaltungen man sein Studium füllt, solange man bestimmte Vorraussetzungen einhält. Obwohl manche Seminare und manche Vorlesungen vorgeschrieben sind, werden das im späteren Studium immer weniger. Man kann je nach Vorliebe mehr in Seminare gehen und mehr in Vorlesungen. Wer mehr in Vorlesungen geht, wird vermutlich mehr Stunden haben, da Vorlesungen meistens nicht so hoch angerechnet werden wie Seminare. Man wird zudem mehr Klausuren schreiben und weniger Hausarbeiten haben. Wer lieber in Seminare geht, hat vermutlich weniger Stunden, dafür weniger bis keine Klausuren und mehr Hausarbeiten. Eine Balance dazwischen zu finden ist ratsam. Wie das vor Bachelor-Master war, weiß ich jedoch nicht, da ich nicht sagen kann, wie da Seminare und Vorlesungen verrechnet wurden, wir haben eben das Maß der ECTS-Punkte und eine Vorlesung gibt weniger ECTS als ein Seminar, ich denke aber doch, dass Seminare und Vorlesungen unterschiedlich gewertet waren, bevor die Bologna-Reform kam? Jedenfalls sagt meine Erfahrung, das man unmöglich sagen kann, wie viele (und daher wie oft) man Klausuren schreibt, es können Semester ganz ohne Klausuren vorkommen, es gab bei mir auch schon einmal Teilklausuren, sodass man sich noch nicht einmal an die Einteilung: Klausurenphase ist einmal im Semester halten konnte. Aber normalerweise gibt es durchaus eine klare Klausurenphase, entweder am Ende der vorlesungsfreien Zeit (Anfang der Semesterferien) ist, oder am Ende des Semesters (Ende der Semesterferien). In Monaten ausdrücken kann man das schwer. Meistens trifft es Ende Januar/Anfang Februar und Mitte/Ende Juli, falls es Anfang der Semesterferien ist, oder Ende Ende Ende März/Ende September für Ende des Semesters.

Zitat8. Wie lange dauert eine durchschnittliche Vorlesung?

Bei uns anderthalb Stunden, dafür haben wir kein akademisches Viertel mehr. Wie schon erklärt wurde, gingen diese Stunden mal zwei Stunden, aber man hat meistens eine Viertelstunde später angefangen und eine Viertelstunde früher aufgehört. Bei uns ist diese Regelung den jüngeren Studenten gar nicht mehr richtig bekannt und die Veranstaltungen sind von vorneherein auf anderthalb Stunden ausgelegt, dafür fängt man pünktlich an und hört pünktlich auf.

Zitat9. Wann finden die Prüfungen statt und wie laufen sie ab? Wann schreibt man die Abschlussarbeit, wie lange sitzt man daran, welche Vorgaben gibt es, wer betreut die Arbeit oder ist man auf sich allein gestellt?

Ich fürchte hier wirst du wirklich einen Magisterstudenten fragen müssen, da die Prüfungsordnung ganz ganz stark verändert wurde seit der Umstellung auf Bachelor-/Master. Wenn Bedarf daran besteht, wie die Prüfungen in Germanistik im Bachelor-/Mastersystem aussehen kannst du mich gerne noch einmal fragen, aber ich möchte jetzt nicht so weit ausholen und du brauchst diese Info dann gar nicht, weil da ist wirklich viel verändert worden. Zumal jede Uni ihre eigene Prüfungsordnung hat, das kann sich also durchaus auch noch von Uni zu Uni unterscheiden.

Zitat10. Gibt es soziale Projekte, die von der Uni ausgehen und/oder verpflichtend sind, wie die Projektwochen in der Schule?
Bei uns nicht, nein. Es gibt höchstens ganz am Anfang die O-Phase/O-Woche. Das ist kein soziales Projekt an sich, aber doch vergleichbar mit Projektwochen ... man muss da nicht hin, aber es ist eine Woche, in der dir Programm angeboten wird, das du besuchen kannst und das dazu dient, deine neuen Kommilitonen, die Uni, die Stadt und das ganze Brimborium drum herum kennen zu lernen.

Zitat11. Was ist am Studieren und am Studentenleben noch besonders, nach dem ich nicht gefragt habe?

Uff. Viel. Sehr viel. Ich denke, Studenten sind irgendwie ein ganz eigenes Völkchen. Da herrscht oft eine ganz bestimmte Lebenshaltung vor, die jedoch auch wieder von Uni zu Uni und von Fach zu Fach unterschiedlich sein kann. Studentenleben ist so vielseitig, das man bei solchen Fragen ausdifferenzieren muss, weil kein Student lebt wie der andere (noch weniger als bei anderen Berufen/Bildungsbereichen) und dennoch gibt es ein paar Dinge, die irgendwie alle kennen, wie oft chaotische Verwaltung der Studiengänge, Unsicherheiten, die ganz signifikante Zeit der Klausurenphase in der alle nur mit Kaffee und Zombieaugen rumlaufen, Organisation in Bibliotheken, Zeitmangel seitens der Dozenten, eine gewisse erforderliche "alles halb so wild, mach ich morgen"-Haltung um durch den bürokratischen Dschungel zu kommen. Ich sage nicht, dass das überall so sein muss, aber es ist etwas, das man von sehr, sehr vielen Studenten hört und mitbekommt. Allgemein lässt sich sagen: So wie manch ein Campus quasi wie eine kleine Stadt funktionieren könnte, stellen Studenten in einem gewissen Rahmen eine ganz eigene Kultur dar, deren Facetten ich unmöglich als Antwort auf diese Frage alle aufzählen könnte ... es ist denke ich sehr schwer, sich da vollkommen reinzufuchsen, wenn man es nicht kennt. Studentenforen sind da gar keine schlechte Idee, da werden gerne mal Probleme angesprochen, die typisch sind, um einen Einblick in das Leben zu erhalten, aber sie bauschen auch viele Probleme auf ... wohnst du in der Nähe einer Uni? Vielleicht betreibst du mal Beobachtunsgforschung und gehst hin, siehst dir das Treiben an (wenn es ein Campus ist), fragst mal die Mitarbeiter von stark studentisch frequentierten Anlaufstellen wie Kaffeebars oder Fastfood-Buden in Campusnähe, was sie dir so über ihr Klientel erzählen können? Vielleicht kannst du auch ein Campusradio kontaktieren, dass sie einen Aufruf starten, dass man dir Erfahrungsberichte zusendet von Alltagssituationen im Studienleben? Oder du liest dich mal in die Zeitung Campus ein, die beinhaltet viele Bereiche des studentischen Lebens und gibt vielleicht einen Überblick, was gerne Thema ist und wie damit umgegangen wird?


Ich hoffe ich konnte ein wenig helfen.

Edit: Und nochmal
ZitatIch hätte dann noch zwei Frage an die Germanistik-Studenten unter euch. Welche Nebenfächer habt ihr gewählt? Ich werde das natürlich mit der Uni abgleichen müssen, die es letztendlich sein wird, aber es würde mich trotzdem sehr interessieren.

Ich habe das Nebenfach Multimedia gewählt - weil es ging. Weil meine Universität eine der ersten war, die es angeboten hat und weil man als Germanistikstudent quasi dauernd legitimieren muss, warum man da ist und dem Steuerzahler mit so einem unnötigen Blümchenfach auf der Tasche liegt. Die Geisteswissenschaftler braucht ja in einer Zeit, die so vom naturwissenschaftlichen Fortschritt geprägt ist, keiner mehr. Oder keiner glaubt, dass er sie braucht. Also wählen viele Geisteswissenschaftler die Medienbranche als Nebenzweig um eine Ausrede, beziehungsweise eine real geglaubte Perspektive zu haben ("ich mach dann was mit Medien/PR") - das ist auch durchaus die Richtung, in welcher es später mit am meisten Zukunftschancen gibt und sie macht Spaß, Geisteswissenschaftler sind da auch durchaus gefragt. Ist an sich nichts dagegen zu sagen, nur ein wenig schade, das man diese Rechtfertigung zu brauchen glaubt und sie nicht selten die Wahl des Nebenfaches bestimmt. Gibt aber natürlich auch viele andere Gründe, das zu wählen oder ein anderes zu nehmen und nicht jeder geht diesen Weg, aber die Zahlen sind steigend.

ZitatUnd die zweite Frage: Welche Themen haben denn zum Beispiel diese Seminare? Könntet ihr mir da ein paar Beispiele nennen?
Typische Einführungsseminare: Einführung in die Literaturwissenschaft (Grundrüstzeug, Gattungstheorie, Begriffe, die man oft brauchen wird, verschiedene Modelle und Theorien zur Fiktion/dem Fiktionalen, den verschiedenen Möglichkeiten wie was erzählt werden kann (Erzählebene, -person, -sicht/Zeitdehnung/-raffung) etc.), Einführung in die germanistische Mediävistik (mittelalterliche Gattungen, geschichtliche Grundeinführung in die Kultur und Literatur des Mittelalters, mögl. ist ein Sprachkurs des Mittelhochdeutschen enthalten, ansonsten wäre der ein extra Kurs, Metrik in mittelalterlichen Texten), Einführung in die Linguistik (Morphologie, Semantik, Lautbildung etc.), fernab der Einführungskurse hatte ich beispielsweise folgende Seminare oder Vorlesungen (geklammerte Veranstaltungen waren Vorlesungen, alles andere Seminare): Novellen; Max Frisch, (Literarische Gattungen), Terror in der Literatur, Die Artusepen Hartmanns von Aue, Sangspruchdichtung, (Der Prosaroman), Das 8. Jhd., Heldenepik, Raum und Zeit in mittelalterlichen Dichtungen ... bei Bedarf kram ich noch mehr heraus.

Zitat
Eine allgemeine Frage hätte ich auch noch: Was genau ist der Unterschied zwischen einem Dozenten und einem Prof? Und mir fällt bestimmt noch so einiges ein, vor allem, wenn ich mich für eine Uni entschieden habe.
Ein Professor ist habilitiert, d.h. er hat eine Habilitation verfasst und darf damit selbstständig lehren und forschen. Sie ist Vorraussetzung, dass man als Professor an eine Universität berufen werden kann, d.h. einen Lehrstuhl erhält. Dafür muss man vor einer Berufungskommission eine Probevorlesung halten und erhält bei entsprechendem Gefallen den Ruf an die Universität. Dozenten haben keinen eigenen Lehrstuhl, sie sind entweder in der Postdoc-Phase, d.h. sie haben einen Doktor, aber noch keine Habilitation, dann arbeiten sie als wissenschaftliche Mitarbeiter unter dem Professor, der den Lehrstuhl hat. Sie forschen nicht selbstständig, sondern in seinem Auftrag, abgesehen von der eigenen Habil. natürlich. Wer die Habil. in der Tasche hat, der darf als Privatdozent selbstständig lehren und forschen, aber meistens ist er dennoch in einem Abhängigkeitsverhältnis zu dem Professor, der den Lehrstuhl an der Universität hat, an der er arbeitet, denn der bestimmt, woran in dieser Einrichtung geforscht wird, andere Forschungsarbeiten müssen privat oder an anderen Stellen (manche Dozenten haben mehrere Halbzeitstellen) getätigt werden. Zudem ist eine Stelle als Dozent meistens befristet, der Ruf an die Universität bringt damit in der wissenschaftlichen Karriere mit der Professorenstelle die einzige sicher unbefristete Stelle mit sich, die es gibt (Ausnahme Erstprofessuren, die auch in der Regel befristet sind, aber meistens als Probezeit, die werden dann unbefristet).
Das ist mein Wissensstand, man verbessere mich, wenn ich falsch liege.  ;)
Titel: Re: [Studium] Studentenleben
Beitrag von: Mika am 22. Januar 2014, 20:38:34
Dann will ich deine Fragen auch mal beantworten :) Ich studiere (noch etwa eine Woche ;D) nach alter Studienordnung auf Magister Artium an der LMU in München, mein Hauptfach ist Deutsche Sprache und Literatur des Mittelalters (Mediävistik), meine Nebenfächer sind Neuere Deutsche Literatur und Mittelalterliche Geschichte. Nur für dich zur Orientierung.

Edit: Irgs, jetzt hab ich verdammt lang gebraucht zu antworten und es ist ein kleiner Roman geworden ;D

Zitat von: Klecks am 22. Januar 2014, 18:33:37
1. Wie sieht eine typische Woche im Leben eines Studenten aus? (Aufsteh-Zeiten, typische Vorlesungszeiten, Mittagspause in der Mensa, Heimkomm-Zeiten, der allgemeine Tagesablauf)
In den 9 Semestern meines Studiums waren die Wochen in den Semestern zwar meist gleich bis ähnlich, aber kein Semester wie das andere. Da ich gemäß der alten Studienordnung mir meinen Studenplan selbst zusammenstellen konnte, bzw. teilweise Seminare zugeteilt bekommen habe, die nicht unbedingt immer meine erste Wahl waren, hatte ich manchmal Semester in denen ich sehr viel Vormittags in der Uni war, andere Male war es dann so, dass ich eher Abends dort war und zwischendurch gab es auch Semester mit Wochen wo irrsinnige Lücken zwischen einzelnen Veranstaltungen waren, was dann teilweise etwas doof war. Generell lagen 90 % meiner Veranstaltungen immer in einem Zeitraum zwischen 8 und 20 Uhr, mit gelegentlichen Ausreißern. Es war auch mal das ein oder andere Seminar dabei, dass Abends deutlich länger dauerte.

Zitat2. Was ist der Unterschied zwischen Vorlesungen und Seminaren und gibt es noch etwas, das man besuchen muss?
Ich berichte jetzt einfach mal von dem System bei uns an der Uni :)
In den Teilbereichen bei uns an der Uni gibt es verschiedene Abstufungen. In der Germanistik bedeutet es: drei Teilbereich (Linguistik, Neuere Deutsche Literatur und Mediävistik). In jedem der Teilbereiche gab es "Einführungseminare", "Proseminare", "Hauptseminare", Vorlesungen und diverse "Sonderveranstaltungen" wie Kolloquien, Blockseminare, Exkursionen ect.

Der Unterschied zwischen Vorlesungen und Seminaren ist eigentlich relativ leicht zu erklären. Bei Vorlesungen war es bei uns so, dass man sich dort für gewöhnlich nicht anmelden und keinen Leistungsnachweis erbringen musste (das ist im Bachelor-Mastersystem anders!), meist gab es auch keine Beschränkung was die Anzahl der Plätze betrifft, dort konnten so viele hin wie eben wollten. Was leider gelegentlich dazu führte, dass die Vorlesungen horrend überfüllt waren, aber das traf eigentlich auf fast alle Veranstaltungsarten zu.
Generell waren Vorlesungen bei uns eigentlich so aufgebaut, dass vorne ein "Referent", in 90 % der Fälle ein Professor oder Privatdozent steht und den Studenten zu einem jeweiligen Thema eine Art "Vortrag" hält, in dem es eigentlich nie zu Diskussionen oder so gekommen ist. Es ist mehr, man geht rein, hört sich das an, schreibt mit. Hausaufgaben oder Ähnliches haben wir in Vorlesungen eigentlich auch nie bekommen. Es war mehr Berieselung. Auch war bei uns in Vorlesungen keine verpflichtende Anwesenheit.

Dann zu den Seminaren. Die einzelnen Seminarvarianten hatte ich ja oben schon genannt. Das Studium begann halt bei uns damit dass man erst ein "Einführungsseminar" im jeweiligen Teilbereich ablegen musste bevor man ein "Proseminar" manchen konnte ect.
Bei Seminaren mussten wir uns aussuchen was wir machen wollten und diese dann belegen, was bei uns über ein mäßig funktionierendes Onlineanmeldeverfahren funktionierte. In machen Seminaren konnte man sich aber auch direkt beim Dozenten anmelden, in seltenen Fällen musste man um ein Seminar belegen zu dürfen auch vorab bereits eine Aufgabe erledigen.
Während in einer Vorlesung auch gut und gerne mal mehrere hundert Studenten sein konnten (die LMU ist ziemlich groß ;D), sollten es im Seminar eigentlich nicht so viele sein, was aber nicht immer geklappt hat. Highscore war bei mir einmal ein Seminar mit über 70 Teilnehmern. Anders als in der Vorlesung kommt es im Seminar auf die Interaktion an. Im Einführungseminar in Neuerer Deutscher Literatur haben wir zum Beispiel verschiedene Texte gelesen, Referatsgruppen wurden dazu eingeteilt, die Referate wurden gehalten, in der Gruppe wurde darüber diskutiert. Ähnlich war es auch in weiteren Seminaren. Zum Abschluss eines Seminares gab es immer entweder eine Klausur, oder aber eine Seminararbeit, die abzulegen war, was häufiger vorkam, zu den Seminararbeiten bei der entsprechenden Frage mehr.

Zitat3. Wie viel Zeit verbringt ihr an der Uni? Sind Semesterferien deckungsgleich mit den Schulferien des jeweiligen Bundeslandes?
Ich hab eigentlich immer recht viel Zeit an er Uni verbracht, da ich eigentlich auch während meiner kompletten Studienzeit dort gearbeitet habe. In Semester in denen ich recht viel schaffen wollte, also unitechnich hatte ich bis zu 22 Semesterwochenstunden, Minimum waren bei mir 6 Semesterwochenstunden, die ich an der Uni verbracht habe, da war ich aber dann auch schon eher am Ende und musste nicht mehr so viele Veranstaltungen belegen, hätte aber noch mehr Vorlesungen besuchen können, was aber mit meiner Arbeit zeitlich nicht gepasst hat.

Die Semesterferien sind bei uns nicht ganz deckungsgleich mit den bayerischen Schulferien. Für gewöhnlich dauerte die Vorlesungzeit im Wintersemester bei uns von Mitte Oktober bis Anfang Februar, wobei wir zwischen Weihnachten und Heilig Drei König nochmal zwei Wochen frei hatten. Dann waren Semesterferien bis Anfang Anfang April wo das Sommersemester begann. Die Vorlesungszeit im Sommersemester dauert bei uns bis Ende Juli und dann beginnen wieder die Semesterferien bis Mitte Oktober :)
Soweit ich aber weiß ist das von Uni zu Uni unterschiedlich.

Zitat4. Welche Ansprechspartner hat man an einer Uni, neben den Dozenten? Mit wem außer den Kommilitonen kann man in Kontakt treten, mit wem muss man sogar?
Bei uns gibt es folgende weitere Ansprechpartner: Studentenvertretungen, Fachstudienberatung, Studentenkanzlei (hier werden eigentlich alle bürokratischen Aspekte geregelt), Prüfungsamt, Mitarbeiter von Bibliotheken, Student und Arbeitsmarkt, Fakultätsvertretungen... Ich denke das dürften so ziemlich alle gewesen sein mit denen ich im Laufe meines Studiums Kontakt hatte :)

Zitat5. Wie läuft eine typische Vorlesung, ein typisches Seminar ab?
Siehe Unterschied Vorlesung und Seminar :) Wobei es hier natürlich je nach Dozent immer Abweichungen geben kann. Einen Standardablauf gibt es eigentlich nicht.

Zitat6. Muss man Hausaufgaben und Praktikas machen, Vorträge halten, wird man vom Dozenten aufgerufen?
Hatte sowohl schon Seminare wo wir Hausaufgaben machen mussten (vor allem in Linguistik), Referate/Vorträge im Seminarkontext (der Dozent vergab einzelne Unterthemen des Seminarthemas, die von einzelnen oder Gruppen erarbeitet werden mussten) waren eigentlich im Laufe meines Studiums immer da, wobei hier die Form der Referate auch immer etwas vom Dozenten abhängig war und natürlich auch vom jeweiligen Thema. Und natürlich wurden wir auch aufgerufen, meistens dann, wenn wir überhaupt keine Ahnung hatten ;D
Praktika sind im Magisterstudium an der LMU zumindest im Bereich Germanistik nicht verpflichtend vorgesehen. Ich absolviere jetzt aber trotzdem eins, wo ich keine Veranstaltungen mehr an der Uni besuchen muss und nur noch meine Prüfungen habe, einfach da ich nicht gänzlich "unvorbereitet" in die Arbeitswelt gehen möchte, denn der Praxisbezug bei uns im Studium geht gegen Null.

Zitat7. Wie oft und in welchen Monaten schreibt man Klausuren? Wer bewertet sie? Gibt es wie in der Schule Noten von 1 bis 6?
Ich habe im Laufe meines Studiums, nicht sehr viele Klausuren geschrieben. In Linguistik 2, in Neuerer Deutscher Literatur eine, eine in Mediävistik, was die germanistischen Fächer betrifft.  Dazu kam bei mir noch meine Zwischenprüfung in Mediävistik, meinem Hauptfach :)
In Geschichte waren es "mehr", allerdings auch nur, weil wir in den ersten Seminaren in Geschichte "Grundwissens-" und "Sprachtests" ablegen mussten, die ich teilweise nicht auf den ersten Anlauf geschafft habe *hust*. Sonst ist es im Magisterstudiengang eher relativ klausurfrei, hauptsächlich wurden bei uns die "Noten" über Seminararbeiten erhoben.
Hier käme dann der nächste Unterschied meines Magisterstudiums zum neueren Bachelor-Master-System. Bei uns kam es noch nicht auf die Note an. Gewertet wurde in Bestanden und nicht Bestande, wir sammeln nicht über unser gesamtes Studium Noten, die dann am Ende mit der Abschlussarbeit verrechnet werden, sondern es kommt erst am Ende auf den Abschluss an. Zwar hab ich gelegentlich Noten bekommen, diese waren dann "normale" Schulnoten von 1 - 4, ab 5 gilt man bei uns als Durchgefallen. "Vier gewinnt" eben ;D

Zitat8. Wie lange dauert eine durchschnittliche Vorlesung?
Wie schon von einigen genannt zwei akademische Stunden, also zwei mal 45 Minuten, wenn eine Veranstaltung c. t. zum Beispiel 10:15 Uhr beginnt.

Zitat9. Wann finden die Prüfungen statt und wie laufen sie ab? Wann schreibt man die Abschlussarbeit, wie lange sitzt man daran, welche Vorgaben gibt es, wer betreut die Arbeit oder ist man auf sich allein gestellt?
Dann mal zum Prüfungswahnsinn in dem ich gerade mitten drin stecke :) Angemeldet zu meinem Abschluss hab ich mich im März 2013. Vorab hatte ich mir schon einen Prüfer für mein Haupfach gesucht und mit ihm vereinbart, worüber ich meine Magisterarbeit schreiben könnte.
Meinen Prüfer, er muss hier ein Professor oder Privatdozent sein, andere nicht nicht Prüfungsberechtigt, wählte ich nach persönlicher Sympathie und weil ich schon sehr viele Seminare bei ihm besucht hatte, die mir gut gefallen haben. Im Oberseminar haben wir dann im Laufe des Sommersemesters immer wieder über meine Arbeit gesprochen, was ich schreiben könnte, wie, ect. Ich hätte deutlich mehr Hilfe in Anspruch nehmen können und mehr mit ihm absprechen, hab es aber aus Zeitgründen nicht gemacht ;D
Wir vereinbarten schließlich ein "fixes" Thema, dass mein Prüfer dem Prüfungsamt meldete und dort bekam ich es dann bei meiner finalen Anmeldung zur Prüfung. Ich wusste also vorab schon worüber ich meine Magisterarbeit schreiben würde. Faktisch muss diese Arbeit bei uns an der Uni mindestens 80 Seiten lang sein, die Seiten sind mit etwas größeren Normseiten, vor allem da in der vorgegebenen Schrifart unserer Uni mehr auf seine Seite passt, zu vergleichen.
Das Thema erhielt ich wie gesagt im März, Abgabetermin für die Magisterarbeit war der 30. September 2013. Die Arbeit musste in dreifacher Ausführung (für den Erstprüfer, den Zweitprüfer und das Prüfungsamt) eingereicht werden.
Nach der Abgabe meiner Magisterarbeit musste ich wieder ins Prüfungsamt und meine Prüfer für meine Nebenfächer nennen sowie meinen Erstprüfer für die Schriftliche und Mündliche Prüfung im Haupfach bestätigen. Meine Schriftliche Prüfung im Hauptfach fand dann Anfang Dezember statt. Hier musste ich ein Essay über ein Thema schreiben. Von Vorteil: Ich konnte die Themen vorab wieder mit meinem Professor abstimmen. Er reichte zwei Themen beim Prüfungsamt ein, das eines dafür für die Klausur auswählte. Dort hatten wir 4 Stunden Zeit für das Essay.
Jetzt im Januar habe ich meine abschließenden mündlichen Prüfungen. In meinen Nebenfächern habe ich je zwei Themen mit meinen jeweiligen Professoren ausgemacht, sowie entsprechende Termine. Für die Prüfungen musste ich jeweils Literaturlisten vorbereiten. Die Mündliche im Hauptfach dauerte eine Stunde, die Mündlichen Prüfungen in den Nebenfächern dauern eine halbe :)

Mit Abschluss der letzten mündlichen Prüfung und wenn ich auch diese bestanden habe, ist mein Studium dann quasi beendet und Ende Februar findet die offizielle Zeugnisvergabe statt.

Zitat10. Gibt es soziale Projekte, die von der Uni ausgehen und/oder verpflichtend sind, wie die Projektwochen in der Schule?
Wenn man Lehramt studiert ja, im Magisterstudium nicht, nein. Ich habe zumindest als Magister an keiner derartigen Veranstaltung teilgenommen und hätte auch nichts derartiges bei uns in der Fakultät gehört, was aber nichts heißt, ging schon öfter mal was an mir vorbei ;) Verpflichtend war eine Art soziales Projekt in meinem Magisterstudium jedenfalls nicht.

Zitat11. Was ist am Studieren und am Studentenleben noch besonders, nach dem ich nicht gefragt habe?
Ufz... ich hab jetzt schon so viel geschrieben ;D mir fällt spontan nichts ein, da gibt es aber sicherlich ne Menge.
Titel: Re: [Studium] Studentenleben
Beitrag von: Fianna am 22. Januar 2014, 20:41:19
Zitat von: Rynn am 22. Januar 2014, 20:30:26"Dozent" ist da ein harmloser Überbegriff, mit dem man sich nicht versehentlich in die Nesseln setzen kann. Wer vorne steht, doziert ja automatisch. (Das mal gegen das "Studenten verwenden Dozent und Prof synonym". Das glaube ich nämlich nicht so ganz.)
Je nach Fachrichtung und Person war auch der Dr. wichtig. Entweder die Dozierenden selbst, die Mitarbeiter der Universität oder die fortgeschritteneren Studenten haben streng unterschieden zwischen Doktor und Magister/Master.
(Wobei es bei letzterer Personengruppe nach meiner Erfahrung einfach arrogante Klugscheißerei gegenüber jüngeren Studenten war. Das ist der Nachteil an der uni: Du triffst zwar die allergenialsten Leute, mit denen Du viel gemeinsam hast, aber auch ziemlich viele oberflächliche, arrogante oder hohle Flachpfeifen. Und teilweise sogar in einer Person, man lernt schnell, dass nicht jeder, der den Anschein erweckt, auch wirklich soviel drauf hat. Mir sind noch nie soviele Blender und Narzissten begegnet wie an der Uni. Aber auch noch nie so nette, hilfbereite oder gleichschwingende Leute - oder alles zusammen - also gleicht es das dann doch gut aus. Je nach Fach. Bei Germanistik ist der Vorteil: das ist groß. da gibts alles, positiv und negativ und auch wieder positiv.)
Titel: Re: [Studium] Studentenleben
Beitrag von: Jammy am 22. Januar 2014, 20:44:32
Hallo Klecks,

ein paar Infos wirst du sicher schon erhalten haben. Ich habe zwar keinen Magister, sondern das Staatsexamen, aber Germanistik war ein Teil davon.
(Ich bin vor ca. 4 Jahren exmatrikuliert worden, nur damit du die Aktualität der Infos einschätzen kannst.)


Zitat von: Klecks am 22. Januar 2014, 18:33:37
1. Wie sieht eine typische Woche im Leben eines Studenten aus? (Aufsteh-Zeiten, typische Vorlesungszeiten, Mittagspause in der Mensa, Heimkomm-Zeiten, der allgemeine Tagesablauf)
Wie bereits gesagt wurde, gibt es keine typische Woche im  Leben eines Studenten. Das hängt sehr vom Stundenplan ab, der von Semester zu Semester variieren kann; bzw. davon abhängt, welche Vorlesungen und Seminare angeboten werden und auch, welche sogenannten "Scheine" (Leistungsbelege) man braucht.
An meiner Uni war es so, dass für den Dienstag massenweise Kurse angeboten wurde, so dass ich bei der Erstellung des Stundenplans (für den ich selbst verantwortlich war) meist die Qual der Wahl hatte. Da war ich in so manchem Semester schon mal von 8 bis 20 Uhr an der Uni. Freitag hatte ich dafür eigentlich immer frei; also eine 4-Tages-Woche. :) Montag, Mittwoch und Donnerstag hatte ich - glaube ich - etwa 3 Vorlesungen/ Seminare...  ich hab meistens um 8 Uhr begonnen und war etwa um 18 Uhr zu Hause. Pauschal kann ich das aber auch nicht beantworten, weil manchmal etliche Stunden zwischen zwei Vorlesungen lagen, so dass ich z.B. um 15 Uhr nach Hause bin und um 18 Uhr nochmal für 2 Stunden in die Uni.... Wenn dich ein konkreter Germanistikstundenplan interessiert... versprechen kann ich nichts, aber vielleicht finde ich irgendwo noch einen.
Mittagspause in der Mensa: Zwischen 12 und 14 Uhr, soweit ich mich erinnern kann. Manchmal auch gar nicht. Bzw. ich bin nach dem 3. Semester überhaupt nicht mehr in die Mensa, weil ich das Essen so gar nicht vertragen habe und mir ein paar Mal von dem Fraß so geschlecht geworden ist, dass ich fast umgekippt wäre.
Heimkommzeiten: Wie gesagt, variabel.
Tagesablauf: Hing bei mir immer davon ab, wann im Semester. :) Gegen Ende wurde es natürlich stressiger, weil da die ganzen Prüfungen vor der Tür standen.

Zitat2. Was ist der Unterschied zwischen Vorlesungen und Seminaren und gibt es noch etwas, das man besuchen muss?
Bei Vorlesungen haben wir uns immer 2 Stunden reingesetzt, zugehört und mitgeschrieben. Bei einigen war Anwesenheitspflicht mit Unterschriftenliste, bei einigen nicht. Bei einigen haben wir einen sog. "Sitzschein" bekommen (Zettel auf dem steht, dass man die Vorlesung regelmäßig besucht hat.)
Seminar: Auch zweistündig, aber mit mehr Eigenbeteiligung; Mitarbeit, aber auch Referat etc. Hier hatten wir eigentlich immer eine Art Prüfung: z.B. Referat, Klausur, Hausarbeit - oder gerne auch eine Mischung aus den genannten.
Manche davon waren Pflicht, bei anderen werden verschiedene angeboten und man kann wählen, was einen am meisten interessiert oder was am besten in den Stundenplan passt.
Unterschieden wurde bei uns zwischen einem Proseminar und einem Hauptseminar. I.d.R. ist das Proseminar vor, das Hauptseminar nach der Zwischenprüfung bzw. um in ein Hauptseminar zu gelangen, ist das Bestehen eines Proseminars obligatorisch. Das Hauptseminar ist...vertiefender.
Weitere:
Grundkurse: Die waren Pflicht. Hier wird Basiswissen vermittelt, das für die Vorlesungen und Seminare notwendig sind. Die werden von allen belegt, und oftmals vermitteln die Dozenten den Eindruck, dass sie da gar nicht gerne reingehen. Das waren die Grundkurse, die ich belegen musste: Neuere Deutsche Literaturwissenschaft, Ältere Deutsche Literaturwissenschaft, Sprachwissenschaft.


Zitat3. Wie viel Zeit verbringt ihr an der Uni? Sind Semesterferien deckungsgleich mit den Schulferien des jeweiligen Bundeslandes?
Kann ich nicht pauschal beantworten. Änderte sich von Semester zu Semester und auch während des Semesters selbst. Normalerweise recht lang, weil ich ziemlich viel belegt habe. Im vorletzten Semester nicht mehr sehr viel, und im letzten so gut wie gar nicht mehr. Das liegt daran, dass ich eigentlich "nur" an der Uni war, um zu Vorlesungen etc. zu gehen. Ich bin niemand, der in der Bibliothek gut lernen kann. Mich stört die Atmosphäre enorm, ich kann mich da nicht konzentrieren. Die unbequemen Holzstühle, das fahle Licht, das Gefühl, mich nicht bewegen zu können, ohne andere zu stören... zudem ich am besten lernen kann, wenn ich laut rede und so tue, als würde ich den Lernstoff jemandem erklären. Das kann ich in der Bib natürlich nicht. Das ist aber eine persönliche Sache, und gelernt habe ich zu Hause nicht weniger. Wäre ich ein Bib-Typ, hätte ich wesentlich mehr Zeit in der Uni verbracht... vor dem Staatsexamen bestimmt 12 Stunden.
Die Semesterferien sind deutlich länger. Man sollte auch unterscheiden zwischen Vorlesungsende und Semesterende.
Semesterbeginn ist der 1.10., Vorlesungsbeginn der 14.10.
Semesterende ist der 31.03., Vorlesungsende ist jedoch der 08.2.
(Das sind die aktuellen Termine für "meine" Uni von 2013 und 2014)

Zitat4. Welche Ansprechspartner hat man an einer Uni, neben den Dozenten? Mit wem außer den Kommilitonen kann man in Kontakt treten, mit wem muss man sogar?
Vor dem Studienbeginn hat eine Einführungswoche stattgefunden. Zu jedem Fach wurden Infos durch Dozenten gegeben, was man im Studium und für das spezielle Fach braucht. Zusätzlich stehen Kommilitonen zur Verfügungen, die einem bei der Stundenplanerstellung helfen.
Ansonsten die Verwaltung. Und irgendwas gab's noch, irgendwas von Studenten Organisiertes, aber das bin ich nie hin...

Zitat5. Wie läuft eine typische Vorlesung, ein typisches Seminar ab?
Vorlesung: Dozent "liest vor", redet, oft auch mit Powerpoint, Studenten schreiben idealerweise mit. Manchmal kann man sich die Folien runterladen (über die Homepage der Uni, "Moodle" o.ä.), so dass man nur noch dazuschreibt, was der Vorlesende zusätzlich erklärt. Hatte aber auch Vorlesungen, wo ich alles mitschreiben musste, und hinterher mit 5 Din A 4 Blättern das saß inklusive schmerzender Hand.
Seminar: Das läuft unterschiedlich ab. Da gab es Seminare, die nur aus Referaten bestanden. Handouts ausgeteilt, Blablubb, Ende. Dann gibt's die Variante mit kürzen Referate, und Gespräch zwischen Dozent und Studenten oder ohne Referat.
Die Variante mit nur Referaten habe ich nach einer Weile gemieden, die haben mich! nicht weitergebracht.

Zitat6. Muss man Hausaufgaben und Praktikas machen, Vorträge halten, wird man vom Dozenten aufgerufen?
In Vorlesungen nicht. In Seminaren: Hängt davon ab. Hausaufgaben?... Naja, man musste halt z.B. in Literaturwissenschaft Werke lesen, die besprochen wurden. Vorträge/ Referate wurden auch gehalten, aber wie das gehandhabt wird, entscheidet der Dozent/ Lehrstuhl. Praktika musste ich auch machen, aber die waren extra und hatten soweit nichts mit Germanistik zu tun.
In Seminaren wird Mitarbeit i.R. erwartet, aber ich wurde eigentlich nicht aufgerufen, wenn ich mich nicht gemeldet habe.
Ausnahme: Hab mal aus Spaß an der Freude einen Spanischkurs belegt, und dann haben wir manchmal reihum Übersetzungen gemacht oder ähnliche Übungen. Aber das ist ja was anderes.

Zitat7. Wie oft und in welchen Monaten schreibt man Klausuren? Wer bewertet sie? Gibt es wie in der Schule Noten von 1 bis 6?
Am Ende des Semesters. Also eigentlich alle auf einmal, mit einigen Tagen Intervall dazwischen. Wie viele man schreibt, hängt davon ab, wie viel man belegt. Vier vielleicht? Müsste ich nochmal nachschauen, aber ich hab meine alten Unterlagen grad nicht zur Hand. Der Dozent/ Professor, der das Seminar leitet, korrigiert und bewertet die Klausur.
Ja, es gibt die Noten von 1 bis 6. Bei mir war es allerdings so, dass bei Klausuren die Noten nicht allzu relevant waren. Entscheidend war, sie zu bestehen (also die Noten 1 bis 4). Bei mir ist keine einzige Note in das End-Examen eingeflossen. Bei uns wurde gesagt: "4 ist bestanden, bestanden ist gut und gut ist 2!" Dafür hatten die Staatsexamensklausuren umso mehr Gewicht.

Zitat8. Wie lange dauert eine durchschnittliche Vorlesung?
90 Minuten. Zum Beispiel von 8.30-9.00 oder es steht im Vorlesungsverzeichnung 8.00-10.00, aber dann ist die "akademische Viertelstunde" eingerechnet (c.t. = cum tempore "mit Zeit"), also von 8.15-09.45)

Zitat9. Wann finden die Prüfungen statt und wie laufen sie ab? Wann schreibt man die Abschlussarbeit, wie lange sitzt man daran, welche Vorgaben gibt es, wer betreut die Arbeit oder ist man auf sich allein gestellt?
Die Abschlussarbeit hatte ich nach dem 9. Semester, ich hätte sie aber auch nach dem 6. machen können.
Zuerst hatte ich die sog. "Zulassungsarbeit", bei mir waren das 100 Seiten zu einem Thema, das ich in Absprache mit dem betreuenden Professor geschrieben habe. Das Fach sowie den Professor konnte ich mir aussuchen, ich bin halt zu ihm in die Sprechstunde und habe ihn gefragt. Wenn ich Fragen hatte, bin ich zu ihm oder hab ihm geschrieben. Von sich aus hat er mich nicht deswegen nicht angesprochen. Ich habe ein Semester (etwa 4 Monate) damit vebracht, Literatur zu suchen und sichten bzw. die Bücher, zu denen ich schreiben wollte, genau durchzuackern. Für das Schreiben selbst habe ich 3 - 4 Monate gebraucht. Mind. 2 davon sehr intensiv, also den ganzen Tag. Das war in den Semesterferien. Zwei Semester (also etwa 10 Monate) habe ich für die Examensprüfungen gelernt: Lernpaper erstellt, mit Lerngruppe regelmäßig Übungen zur Sprachwissenschaft gemacht, Literatur gesichtet, Prüfungsthemen zusammengestellt, gelernt, wiederholt, etc. Ich hatte 4 Klausuren (alle innerhalb einer Woche: Montag die 1., Dienstag die 2., am Donnerstag die 3. und Montag darauf die 4.) - wie sie gelegt sind, hängt aber von der Fächerkombination ab. Im 9. und letzten Semester hatte ich nur mehr mündliche und praktische Prüfungen (8 bzw. 2).

Zitat10. Gibt es soziale Projekte, die von der Uni ausgehen und/oder verpflichtend sind, wie die Projektwochen in der Schule?
Nein, hatte ich nicht.

Zitat11. Was ist am Studieren und am Studentenleben noch besonders, nach dem ich nicht gefragt habe?
Wenn mir noch was Interessantes einfällt, meld ich mich nochmal.

ZitatIch hätte gleich noch einige Fragen zum Nachhaken: Kann ich mir unter Hausarbeiten Aufsätze vorstellen, die man über ein Thema schreiben muss, das der Dozent vorgibt? Wie lange hat man durchschnittlich für eine Hausarbeit Zeit? Muss jeder Student eine eigene schreiben oder kann sich zum Beispiel in Zweier-Teams zusammenfinden? Und wenn es Studenten gibt, die fast in der Uni wohnen, wann ungefähr macht denn eine Uni "zu" und gibt es auch Seminare oder Vorlesungen, die abends stattfinden?
Meistens die Semesterferien. Studenten machen aber gerne alles am letzten Drücker, heißt: Sie werden kurz vor knapp fertig bzw. "haben ein Motivationsproblem bis sie ein Zeitproblem haben".
Wie lang die Hausarbeiten sind, hängt vom Seminar ab. In Proseminaren ca. 3-5 Seiten, in Hauptseminaren auch mal 30 Seiten.
Manchmal ist es aber auch schwerer, sich kurz zu fassen...
In der Regel allein, in Ausnahmefällen ist es auch gestattet, zu zweit zu schreiben... kenne ich aber als Ausnahme.
Ja, es gibt auch Vorlesungen, die Abends stattfinden.

Wie gesagt, ich bin nicht mehr im Studentenleben drin, aber ich hoffe, ich konnte dennoch weiterhelfen.
Mit der Lektorentätigkeit hatte mein Studium nichts zu tun, aber wenn du speziell zur Germanistik was wissen möchtest, werde ich mit bestem Wissen und Gewissen aus dem Nähkästchen erzählen. :)

LG, Jammy

Edit: Ich schreibe zu langsam... So viele neue Beiträge auf einmal! *puh* Ich schicke meinen trotzdem ab... hoffe, das ist okay.
Titel: Re: [Studium] Studentenleben
Beitrag von: Rynn am 22. Januar 2014, 20:47:34
@Fianna
Innerhalb des Instituts kann das sicher sein, dass da jemand Wert auf seinen Doktortitel legt. Aber das hat für mich nur bedingt mit der Frage "Sagt man Prof oder Dozent?" zu tun.

Wenn du als Student über deine Dozenten redest, sagt du wohl eher "Der Dozent ist echt langweilig." oder "Hast du auch ein Seminar bei der Dozentin?". Da hab ich noch nie jemandem "Hast du Linguistik beim Doktor XY?" sagen hören. Auch in Verbindung mit dem Nachnamen kommt das, denke ich, eher selten vor. Und sogar "Prof" haben wir in der Geisteswissenschaft eher seltener benutzt. Entweder nur den Nachnamen ("Ich hab das Seminar dienstags um zwei bei Müller.") oder eben Dozent ("Ich mach das Seminar dienstags um zwei." "Ach ja? Wer ist denn da der Dozent?").

Lange Rede, kurzer Sinn: Welcher meiner Dozenten Prof war, das hab ich mir noch gemerkt. Aber wer da alles Doktor ist oder nicht? Das war mir ziemlich egal ... ;D (Bis es ans Schreiben einer E-Mail ging. Dann hab ich das besser mal fix nachgesehen ...)
Titel: Re: [Studium] Studentenleben
Beitrag von: traumfängerin am 22. Januar 2014, 20:58:43
Hallo Klecks,

ich habe 1999 damit angefangen, in Bamberg Germanistik zu studieren. Damals konnte man das auf Diplom studieren, mit verschiedenen Schwerpunkten, u.a. Journalistik und Literaturvermittlung. Wobei Literaturvermittlung einen u.a. darauf vorbereiten sollte, eines Tages als Lektor zu arbeiten. Neben den normalen germanistischen Kursen (Mediävistik: Seminare zu bestimmten Artusromanen, Minnelyrik usw., Sprachwissenschaft: Alt- und Mittelhochdeutsch, Wortbildung, Syntax usw., NDL (Neuere deutsche Literaturwissenschaft): verschiedene Methoden wie Strukturalismus, Psychoanalyse und die Auseinandersetzung mit den Klassikern der deutschen Literatur - auch mit solchen, von denen man noch nie zuvor gehört hatte), gab es da auch Kurse, die einen direkt auf das Leben in einem Verlag vorbereiten sollten, u.a. auch Buchhaltung usw. Außerdem gab es da auch Autorenseminare, wo die Bücher von Gegenwartsautoren auseinander genommen wurden, und diese dann für ein, zwei Stunden im Seminar waren, damit man sich direkt mit ihnen auseinandersetzen konnte. Ein Nebenfach wählen musste man auch noch, wobei man da relativ frei nach Interesse gehen konnte. Vielleicht wäre das ja etwas für deine Prota.
Titel: Re: [Studium] Studentenleben
Beitrag von: Fianna am 22. Januar 2014, 21:00:46
@Rynn:
Innerhalb meines Seminars haben sich (abgesehen vom Prof und dessen Assistent und der Sekretärin) alle geduzt ;D sogar ich Stammcafe-Verweigerer habs immer angeboten bekommen, sobald ich den ersten Kurs machte - schon währenddessen.

Im Nebenfach dagegen legten neben den Mitarbeitern, den Hiwis und den Belehrern noch einige weitere Studis wert drauf, "Dr. X" zu sagen, wenn sie über jemanden sprechen. Und das war eigentlich ein sehr lockerer Studiengang ;)
Titel: Re: [Studium] Studentenleben
Beitrag von: Snöblumma am 22. Januar 2014, 21:05:44
Haha, und bei uns war es absolut üblich, vom Herrn Professor XY zu sprechen und denjenigen auch mit "Herr Professor XY" anzusprechen, selbst als Doktorand den eigenen Doktorvater. Bei den Assis war man da etwas nachlässiger, aber auch da waren die meisten "der Doktor XY", um sie von den reinen Doktoranden abzugrenzen, also den Mitarbeitern ohne Titel. Das ging so weit, dass wir sogar das "Du, Doktor XY" eingeführt hatten - das allerdings nur intern, also wenn keine Studenten in der Nähe waren ;).

An und für sich waren bei uns alle per Sie+Nachname, außer die Studenten untereinander. Und auch da konnte es einem durchaus passieren, als Student des höheren Semesters von den Jüngeren gesiezt zu werden, sobald man in irgendeiner Funktion (Tutor etc.) aufgetaucht ist. Das musste man denen zum Teil wirklich abtrainieren ;). Ich fand das nämlich immer ganz schrecklich, weil ich mich dann so alt fühlte...
Titel: Re: [Studium] Studentenleben
Beitrag von: Pygmalion am 22. Januar 2014, 21:06:38
Also, dass jemanden einen Dr. bei seinem Titel nennt, habe ich auch noch nie gehört. Eigentlich sagt man doch immer den Namen des entsprechenden Menschen. Bei uns noch den Anfangsbuchstaben der Profs dabei, weil die beide Müller heißen :D Es gibt dann aber auch sowas, dass eine andere Professorin von allen beim Vornamen genannt wird, wenn man über sie redet, weil der Nachname schwer zu sprechen ist^^ Ein anderer Dozent "Duzt" alle Studenten und wird auch gedutzt, da sagt man dann auch seinen Vornamen bzw. ne Abkürzung davon. Genau kommt vor, dass man sagt "Gehst du heute zu den Burgen/Slawen/ etc.?" (um eine Übung eben über Burgen aber mit einem viel längeren Namen zu nennen) Ich habe noch nie einen Studenten den vollen Titel eines Dozenten oder einer Veranstaltung sagen hören :D
Dass ihr zum Teil nicht wisst, welcher der Dozenten Prof. oder was auch immer ist, finde ich interessant. Ich weiß das bei jedem :)

Das mit der Mensa kann ich im übrigen nicht bestätigen, Fianna. Die Mensen sind, nach meinem Eindruck, rappelvoll, sowohl in Münster wie auch in Kiel. Kommt natürlich drauf an, was es gibt. Wenn mal wieder "grüner Donnerstag" ist, wo es nur vegetarischen Murkskram gibt, ists leerer :D Wir gehen da auch zu zweit hin. Nur alleine nicht, das ist blöd :D

Im Bachelor/Master geht das übrigens auch, hausarbeiten erst 3 semester später abzugeben und noch verbucht zu kriegen. Habe ich selbst gemacht :D Man musste nur online angemeldet sein, der Dozent kommt in das System auch später noch rein (war zumindest vor 2 jahren noch so)
Titel: Re: [Studium] Studentenleben
Beitrag von: Ryadne am 22. Januar 2014, 21:26:02
Hey,

da vieles schon gesagt wurde, beschränke ich mich mal auf ein paar Zusatzanmerkungen (kann aber sein, dass das ein oder andere auch schon erwähnt wurde ;)):

Vieles hängt wirklich stark von der Uni und der Stadt ab, an bzw. in der dein Prota studieren soll. Ich studiere z.B. an einer relativ kleinen Uni (zwischen 6.000 und 7.000 Studenten) und das hat zur Folge, dass man am Wochenende nichts zu essen an der Uni bekommt, viele Veranstaltungen aber wegen Dozentenmangels als Blockveranstaltungen am Wochenende stattfinden und die Bibliothek am Wochenende geschlossen ist und beispielsweise auch freitags ab 14h keine Servicezeiten mehr sind (man also z.B. nichts zurückgeben kann).
Außerdem haben unsere Germanisten die meisten Veranstaltungen erst ab 10h und oft freitags frei. Als Kulturwissenschaftlerin habe ich gelegentlich Seminare mit ihnen zusammen, Themen waren z.B. "Sturm und Drang", "Literatur des Wahnsinns" oder "Weltenmodelle der Science Fiction".

Soziale Projekte gibt es im engeren Sinne nicht, aber viele Projektveranstaltungen. Unsere Germanisten haben z.B. ein Partnerprogramm mit einer südkoreanischen Uni, daher werden oft Semesterprojekte angeboten, and eren Ende z.B. eine Ausstellung zu südkoreanischen Märchen oder so stehen kann. Inwiefern die Teilnahme an sowas verpflichtend ist, kann ich aber nicht sagen. Und einmal die Woche gibt es ein Kolloquium, bei dem ein externer Dozent etwas vorträgt.
Bei uns ist außerdem eine Woche im Sommer immer Sommeruni, das ist dann so eine Workshop-Woche mit Fremdsprachenkursen (haben wir sonst nicht, andere Unis schon),  Sinnlos-Workshops wie Extrem-Chillen und so einem Zeug.

Auf seinen Titel besteht bei uns niemand. Allgemein ist der Umgangston ziemlich locker, manche der jüngeren Dozenten wollen auch geduzt werden und mit umständlichen Grußformeln hält sich in der Mail kaum noch jemand auf.
Titel: Re: [Studium] Studentenleben
Beitrag von: Fianna am 22. Januar 2014, 21:33:40
Zitat von: Pygmalion am 22. Januar 2014, 21:06:38
Das mit der Mensa kann ich im übrigen nicht bestätigen, Fianna. Die Mensen sind, nach meinem Eindruck, rappelvoll, sowohl in Münster wie auch in Kiel. Kommt natürlich drauf an, was es gibt.
Bei uns war die auch rappelvoll. Nur nicht unbedingt mit Studenten unserer Fachrichtung, es sei denn, die waren Single oder wollten sich fächerübergreifend vermischen, oder sie waren mit Leuten verabredet (normal oder Date), mit denen sie noch nie was unternommen haben oder sie wollten neue Leute kennen lernen...

Die Studis, die immer in denselben Konstellationen was unternommen haben mittags, sind woanders hin.
Aber unsere Mensa war auch, ehms... Eher füllend als erfreuend.
Titel: Re: [Studium] Studentenleben
Beitrag von: Klecks am 22. Januar 2014, 21:54:23
Ach, seid ihr wundervoll!  :knuddel:  Vielen Dank an jeden einzelnen, ich kann wirklich jede Info gebrauchen, also macht euch keine Sorgen, wenn jemand schon einmal etwas gesagt hat. Auch diese Insiderdinge - zum Beispiel das von dir, Fianna, mit den verschiedenen Charakteren der Leute an Unis - sind wunderbar und total interessant.

@Jammy: Wenn du so einen Stundenplan für Germanistik in Reichweite hättest, wäre ich sehr interessiert daran.  :D

@Valaé: Danke für die vielen Seminar- und Vorlesungsthemen. Wenn du Lust und Zeit hast, würde ich mich wirklich sehr über weitere Themen freuen!

@traumfängerin: Literaturvermittlung - das klingt perfekt! Danke, genau das macht mein Prota jetzt! 

Apropos Insider: Habt ihr irgendwelche studentenleben"typische" Anekdoten, die ihr mir erzählen möchtet? Zum Beispiel aus der stressigen Klausurzeit, bezüglich eines nervigen Dozenten/Profs, lustige Partygeschichten, Bibliothekserlebnisse, Veranstaltungserfahrungen?  ;D
Titel: Re: [Studium] Studentenleben
Beitrag von: traumfängerin am 22. Januar 2014, 22:23:55
Freut mich, wenn der Studiengang Literaturvermittlung dir gefällt! Hier:

http://www.uni-bamberg.de/fileadmin/uni/fakultaeten/split_faecher/germanistik/Master/Modulhandbuch_MA_Germ_Litwiss_2012.pdf

gibt es übrigens das Modulhandbuch zum Masterstudiengang Literaturvermittlung an der Uni Bamberg, wo ziemlich genau aufgeschlüsselt wird, was man alles wann belegen sollte. Kombinierst du das mit dem Vorlesungsverzeichnis der Uni, kannst du deinem Prota einen maßgeschneiderten Stundenplan erstellen.
Titel: Re: [Studium] Studentenleben
Beitrag von: Notrya am 22. Januar 2014, 22:45:33
Ich hab keine Ahnung, inwiefern das hier irgendwie übertragbar ist, wie gesagt, das gilt nur für die Uni Köln und da auch besonders für meinen interdisziplinären Studiengang, der dazu führte, dass nie irgendjemand für irgendwas zuständig war ... aber ich plauder mal ein bisschen von meiner Uni.

Die Romanistik-Bibliothek musste irgendwann in den Keller ziehen, weil es hereinregnete. Überhaupt musste man bei Regen die Mülleimer in der philosophischen Fakultät unter den Löchern in der Decke verteilen, damit der Boden nicht nass (und damit glatt) wurde. Bei den Politologen musste man aufpassen, wo man sich hinsetzt, denn einige der Sitze klappten nicht nur runter, sondern gleich bis unten durch. ;D In den Erziehungswissenschaften waren Netze an den Decken, weil mal eine Lampe heruntergefallen war. So viel zu den Studienbedingungen. ;D

Als ich studiert habe (2006-2011), wurde zwei Mal das Anmeldesystem für alle Kurse umgestellt. Das führte dazu, dass man sich zwei Jahre lang für jeden Kurs mit einem anderen Verfahren (altes System, neues System, Liste, Email, ...) anmelden musste. Am Ende blieb ein Lossystem übrig, das nun anhand der Semesterzahl den Studenten die Kurse zuloste. Dadurch überschnitt sich zumindest damals immer die Hälfte der Kurse, weil die Systeme nicht aufeinander abgestimmt waren. Das alte System (entwickelt von der IT-Fakultät, eigentlich nur als internes Projekt, aber die Philosophische Fakultät dachte sich "hey, für lau kriegen wir kein besseres") führte immer zum Absturz des Servers, da es dort allein auf Schnelligkeit ankam, alle Kurse gleichzeitig freigeschaltet wurden und folglich um die Uhrzeit die halbe Uni online war und versuchte, sich einzuloggen. Wie ich das gehasst habe. ::)

Außerdem haben wir die zwei letzten Jahre in Containern studiert, weil die Fakultät renoviert wurde. Das zog sich ungemein in die Länge, da sich die Uni bemüht hatte, mit den Studiengebühren möglichst extensiv herumzumauscheln, und als die wegfielen, blieb das Bauprojekt ewig stecken, weil kein Geld da war (obwohl die Studiengebühren nicht in Bauvorhaben investiert werden durften).

Im Diplomarbeitskolloquium in Politik haben wir in der Weihnachtszeit immer Glühwein getrunken. Das hat unsere Begeisterung für die Forschungskonzepte gern erhöht, auch die des Profs. ;D

Administrativ und organisationstechnisch herrschte das pure Chaos bei uns. Noten haben es nicht von einer zur anderen Fakultät geschafft und niemand war zuständig; Umschläge, in denen die Fragestellung für die Klausur sein sollte, waren im entscheidenden Augenblick leer, woraufhin der HiWi ratlos und der Prof unauffindbar waren; unser Tutor für's Vordiplom in spanischer Linguistik konnte leider nur Französisch; Anmeldefristen tauchten im Netz auf, wenn sie längst abgelaufen waren oder man bekam fünf Tage vor der Klausur eine Email, dass sie einen Tag früher stattfindet; und der ganze Studiengang organisierte sich vielmehr über eine Prüfungs- und Studienordnungsgerüchteküche als über irgendwelche verlässlichen Infos vom Prüfungsamt. Wenn man nicht bei drei Leuten unabhängig voneinander nachfragte, wie die es geschafft hatten, sich letztes Jahr zur Klausur anzumelden und sich auf die Infos von der Uni verließ, war man eigentlich schon geliefert ...  (Trotzdem ist das jetzt eine Elite-Uni. :darth:)

... Ich hab gehört, anderorts läuft das ganz anders. Bei meinem Bruder zum Beispiel. Der wird vom System automatisch zu Klausuren angemeldet, auf alle Deadlines persönlich hingewiesen etc. Aber er studiert auch auf Bachelor ...
Titel: Re: [Studium] Studentenleben
Beitrag von: Fianna am 22. Januar 2014, 22:48:49
Ah!
Ich hab eine ganz lange PN mit vielen Anekdoten geschrieben und die ist jetzt weg - weil mein blöder Laptop immer wieder die "Zeichen-löschen"-Taste mit der "Seite Zurück"-Kurztaste verwechselt  :brüll: :brüll: :brüll: und ich weiß nicht, warum.

Dafür hast Du mir einige der lustigsten Uni-Erlebnisse zurück ins Gedächtnis gerufen :)

Zum Beispiel am Tag vor einem Referat, wo Fia hektisch versuchte, alles zu koordinieren, da der perfekte Vorbereitungsplan nicht hingehauen hatte und die anderen teilweise sehr unvorbereitet wirkten... Mitten in das "Was recherchiert wer bis morgen, was ist wichtig?"-Gewusel von Fia sagt der eine abwehrend und ganz trocken: "Wenn ich was gefragt werde und es nicht weiß, lüg ich einfach!"

Vielleicht findet das keiner außer mir lustig, aber mich brachte das noch mehrere Semester zum Lachen  ;D obwohl es natürlich nicht lustig ist *zu Coppi schiel* aber dieser trockene Ton, das war einfach lustig.

Klecksi, falls du nächste Woche noch Bedarf hast, sag mir Bescheid, dann schreibe ich es an meinem freien Tag nochmal auf. Diesmal aber in Word  :wums:
Titel: Re: [Studium] Studentenleben
Beitrag von: Klecks am 22. Januar 2014, 22:53:27
@traumfängerin: Danke für den perfekten Link, genau sowas habe ich gesucht.  :D

@Notrya: Das klingt nach einem sehr abenteuerlichen Studium!  ;D

@Fianna: Och, du bist lieb. Danke, auch wenn jetzt alles weg ist, du Arme. Ich würde mich auch nächste Woche sehr, sehr, sehr über deine Anekdoten freuen.  :knuddel:
Titel: Re: [Studium] Studentenleben
Beitrag von: Pygmalion am 22. Januar 2014, 22:54:45
anekdoten? Aber klar doch!
Erst letzte woche wurde mir von einem Typen in der uni Münster erzählt, der da im Institut mit einer "Dieselpunk" uniform aufgetaucht ist. Im Grunde eine modifizierte SSUniform, sogar ein originales Eisernes Kreuz hatte er dran :D

Dann auf einer Exkursion so passiert:
Prof. vor der Vitrine mit einem ca. 20cm langem Steinzeitpenis aus Stein(Studentin steht neben ihm):
"Das ist ja... enorm"
irritierter Blick von ihr.
"Also, die Ähnlichkeit, nicht die Größe"
Sie guckt noch irritierter
"Ein bisschen flach vielleicht."
Prof. geht weg :D

Das soll erstmal reichen :D
Titel: Re: [Studium] Studentenleben
Beitrag von: Ryadne am 22. Januar 2014, 22:58:08
Ein Minianekdötchen, das mir gerade einfällt: Es gibt da so ein paar Musikstudenten, die sich nicht die Bohne darum scheren, wenn sie jemand schief anguckt, während sie ihre Gesangsübungen machend durch die Gänge laufen. Könnte mir vorstellen, dass sich aus sowas ein Running Gag oder so machen ließe.

Oh, und es gibt einen Studenten, der oft mit einer Sense herumläuft. Gerüchten zufolge liegt das daran, dass er in der Theater-AG mitmacht, aber das geht jetzt mehrere Semester so und ich hab ihn mit dem Ding auch schon mal in einer Philosophieveranstaltung angetroffen.

Und eine Freundin hat mir von einem Typ berichtet, der immer mit einem Holzbrett durch ihre Uni (also die, an der sie studiert) läuft, weil er "der Kerl mit dem Holzbrett" sein möchte. Man trifft manchmal recht kuriose Gestalten...
Titel: Re: [Studium] Studentenleben
Beitrag von: Klecks am 23. Januar 2014, 07:00:58
@Pygmalion: Danke! Steinpenis ... ich glaube, ich wäre im Erdboden versunken!  :rofl:

@Ryadne: Das klingt, als gäbe es an deiner Uni wirklich einige kuriose Gestalten!  ;D  Danke, auch für die Idee mit dem Running Gag. Ich sehe den Musikstudenten schon vor mir, den Armen.  *hüstel*
Titel: Re: [Studium] Studentenleben
Beitrag von: pyon am 23. Januar 2014, 10:20:05
Bei mir an der Uni läuft ein junger Herr herum, der im Sommer, wie im Winter, im weißen Tanktop in den Vorlesungen und Seminaren sitzt und die erstaunliche Gabe hat jeden Satz nur bis zur Hälfte zu hören, weshalb er jeden dritten Satz nachfragt und teilweise Wörter buchstabiert haben will, die man eigentlich, als Student (vor allem als Germanistikstudent) durchaus schreiben können sollte.  :wums:

Eine kleine Anekdote
Prüfung. Alle Studenten sitzen im Hörsaal, grübeln über ihren Unterlagen, lernen noch in den letzten Minuten oder tauschen sich mit ihren Sitznachbarn aus. Dozentin kommt, teilt leere Blätter zum Beschreiben aus, danach die Prüfungsfragen. Kaum sind alle Prüfungsfragen ausgeteilt, stehen zwei junge Männer auf und gehen.
Dozentin: Nichts gelernt?  ;D
junger Mann: Nein, falscher Hörsaal.  ::)

nicht so lustig:
Prüfung im Hörsaal. Nachdem die Dozentin jeden einzelnen Studenten beim Namen aufgerufen hat, um zu sehen, ob er da war (ca. 150) und es sich nicht nehmen ließ gelegentlich etwas zu Plaudern ("Oh, Sie haben denselben Nachnamen. Sind sie verwandt? - Nein? Kannten sie sich schon vorher? - Auch nicht! - Ah, sie haben auch den selben Nachnamen! - Mutter und Tochter? - Und dann auch noch in derselben Prüfung. Studieren Sie auch dasselbe?) Die reguläre Prüfungszeit von 1 1/2 Stunden hatte da schon begonnen.
Danach wurden die Angabezettel ausgeteilt und gerade als alle zu schreiben beginnen wollten erklärt die Dozentin.
"Sie haben für die Prüfung 45 Minuten! Wer danach noch sitzt bzw. schreibt ist negativ!"
aus dem Plenum: "Aber Prüfungen sind doch immer für 1 1/2 Stunden gedacht! Auch der Raum wurde für 1 1/2 Stunden gebucht!"
Dozentin: "Ja, die Raumbuchung geht nicht anders. Für alles weiter fragen sie meine Kollegen, ich geh dann mal." Dozentin verlässt den Hörsaal.
Ich war nicht die Einzige, deren Hand nach der Prüfung recht weh getan hat.
Titel: Re: [Studium] Studentenleben
Beitrag von: Churke am 23. Januar 2014, 10:48:33
Der auch medial bekannte Professor Volker Rieble, geschäftsführender Direktor der "Arbeitsunrechtsfabrik ZAAR" http://arbeitsunrecht.de/zaar-arbeitsunrechtsfabrik/
machte seine Späße schon immer gerne auf Kosten anderer. Beispielsweise feierte er seine Antrittsparty mit einer unangemeldeten Klausur. Kam dann rein und hielt vorne einen Sektempfang ab: "Das beflügelt mich, wenn ich weiß, da sitzen ein paar arme Schweine und schwitzen."

Das war aber noch einer seiner harmloseren Gags. Der Mann ist selbst im notorisch psychopathischen Universitätsbetrieb angeeckt. Als dann mal Unbekannte sein Auto zerkratzt hatten, sagte er: "Da lach ich doch! Sie können gar nicht so schnell kratzen, wie ich mein Geld verdiene!"

Seine Lieblingsbeschäftigung war, in Vorlesungen Studentinnen dran zu nehmen und sie auszuquetschen, bis nichts mehr kam. ("Jetzt setze ich mich mal neben Sie, um Ihnen Mut zu machen.")
Auf Beschwerden: "Ich werde weiterhin Frauen dran nehmen und hart und ungerecht sein."
Titel: Re: [Studium] Studentenleben
Beitrag von: Klecks am 23. Januar 2014, 11:43:50
@pyon:  Ich bin auch mal bei etwas Wichtigem im falschen Raum gelandet, aber zum Glück nicht bei einer Prüfung!  :rofl:

@Churke: Klingt nach einem ... interessanten Mensch.  :hmhm?:
Titel: Re: [Studium] Studentenleben
Beitrag von: Alaun am 23. Januar 2014, 12:07:08
Anekdote: Ich bin drei Semester lang ständig mit einem unserer Privatdozenten zusammengerempelt. Irgendwie haben wir es geschafft, immer zur gleichen Zeit um Ecken zu biegen, oder durch Türen zu wollen, oder Treppen rauf- bzw. runterzuhasten - und uns dabei sehr nah zu kommen. ;D Irgendwann haben wir beide dann schon schallend losgelacht, wenn wir uns nur gesehen haben.
Titel: Re: [Studium] Studentenleben
Beitrag von: Churke am 23. Januar 2014, 12:18:53
Zitat von: Klecks am 23. Januar 2014, 11:43:50
@Churke: Klingt nach einem ... interessanten Mensch.  :hmhm?:

Der wissenschaftliche Lehrbetrieb ist eine Spielwiese für Psychopathen. Viele Professoren sind irgendwie komisch. Manche sind dabei brillant, andere.... na ja, lassen wir das.
Titel: Re: [Studium] Studentenleben
Beitrag von: Möchtegernautorin am 23. Januar 2014, 12:30:29
Hihi, ich bin zwar keine Studentin mehr, aber an einer Uni arbeiten bringt auch so einige Erkenntnisse ;) Ich hatte nun nicht die Zeit, hier alles zu lesen, also bitte entschuldige, wenn ich hier was kundtue, das schon x-mal erwähnt wurde.

1.   Studentenleben kommt ganz auf den Typ an. Ich war damals einfach zu ordentlich und bin immer zu allen Veranstaltungen gegangen. Das war sehr viel. So gesehen muss man nicht alles besuchen.
Bei uns an der Uni gibt es mehrere Campi. Meistens sind die Fachbereiche auf einem Campus, aber es kommt auch vor, dass man durch die halbe Stadt fahren muss, weil man ein Seminar (das vielleicht zu einem anderen Interessengebiet gehört) am Campus an einem ganz anderen Eckchen hat.

2.   Die meisten Studenten besuchen auch die Bibliothek(en) – und treiben die dortige Belegschaft (mich also manchmal auch) in den Wahnsinn mit der Frage ,,Wo ist die Toilette?" oder ,,Wie komme ich denn von her da und dort hin?"
Wenn es zu der Zeit, in der deine Geschichte spielt noch keine oder nur wenig Internet-Dingens gab, dann ist das ein sehr wichtiger Anlaufpunkt (Hauptbibliothek oder eben die Bibliothek, die zum Fachbereich gehört). Denn: Informationen bekommt man da am besten. Und vorallem in den Naturwissenschaften ist es sehr teuer, sich die Bücher selbst zu kaufen. Dann lieber ausleihen.

3.   Hat wahrscheinlich schon jemand gesagt: Semesterferien decken sich nicht mit Schulferien. Aber in den Semesterferien ist es immer deutlich ruhiger an der Uni, als sonst. Viele Studenten nutzen die Gelegenheit sich hier in die Bibliothek zu setzten und zu lernen oder an irgendetwas zu arbeiten.
Während meines eigenen Studiums musste ich allerdings diverse Praktika einschieben, da hatte ich also damals nichts von.

4.   Hier gibt es ein Studierendenbüro, die fangen alle Anfragen ab. Außerdem ist das HRZ (Hochschulrechenzetrum) ein beliebter Anlaufplatz, wenn irgendwas nicht funktioniert.

5.   Vorlesungen sind unterschiedlich. Aber da sind die derzeitigen Studenten wohl besser quellen. Vor zehn Jahren gab es noch keine Webseminare, verpasste Vorlesungen auf YouTube anschauen und so was. Mittlerweile ist das meiste wohl möglich – und eventuell auch schon Standard?

6.   Hausaufgaben, so gesehen ja. Sind halt Seminararbeiten, bevorzugt in Gruppen, Referate und so weiter. Praktika auch. Wobei ich da zwei verschiedene erlebt habe. In den Bibliothekswissenschaften war ein Praktikum ein Praktikum. Also: Bibliotheks suchen, die einen nimmt, Thema besprechen und dort für sechs Wochen ,,arbeiten". Im Medizinstudium hieß Praktika ,,Wir machen zwei Wochenlang den ganzen Tag Chemie im Labor, werten den Kram aus und führen ein dickes Büchlein über die Ergebnisse, die wir dem Dozenten nach abschluss zur Bewertung geben".

7.   Klausuren gab es immer nur am Semesterende. Wird wohl auch noch so sein. Da kommt dann allerdings alles rein, was man das halbe Jahr so durchgenommen hat. Da musste also ganz schnell ganz viel in den Kopf hinein, was sich – aus Mangel an Benutzung hinterher – zumindest bei mir kaum gehalten hat.
Benotung weiß ich nicht mehr. Es gab eine, klar, aber wie?

8.   Zwei Stunden? Wissen andere wohl besser ;)

9.   Die Abschlussarbeit ist heute wahrscheinlich dann Batchelor, Master oder Doktorarbeit. Je nachdem, was du machst, steigt der Anspruch. Für meine Diplomarbeit hatte ich mein Semesterpraktikumsprojekt herangezogen. War keine so gute Idee. Andere haben sich speziellere Themen ausgesucht. Dafür hatten wir ein Semester Zeit, hätten aber natürlich verlängern können. Ich musste mir dafüe auch einen Betreuer suchen, den ich auch hätte um Rat fragen können, sowie einen weiteren Professor oder Dozenten, der die Arbeit auch noch beurteilt.
Gestern habe ich eine Batchelor-Arbeit überflogen, die sich mit einem unserer vom DFG (Deutschem Forschungsinstitut) geförderten Projekte meiner Abteilung beschäftigt. Mein kleiner Bruder hat für seine Batchelorarbeit seinen Lieblingsdozenten nach einem Thema gefragt, wollte seine Masterarbeit dann nach einem interessanten Thema aussuchen (daran saß er ca. ein Jahr) und ist nun für seine Doktorarbeit wegen des Themas ans nördliche Ende Deutschlands gezogen, was voraussichtlich noch mal etwas länger dauert. Eine Freundin (Ärztin) arbeitet nun schon seit gut zwei Jahren und hat ihre Doktorarbeit noch nicht fertig. Das scheint also eher zeitunabhängiger zu sein.

10.   Kommt wahrscheinlich auch auf den Studiengang.

11.   Fällt mir spontan nichts ein ;)


Titel: Re: [Studium] Studentenleben
Beitrag von: pyon am 23. Januar 2014, 12:31:21
Zitat von: Klecks am 23. Januar 2014, 11:43:50
@pyon:  Ich bin auch mal bei etwas Wichtigem im falschen Raum gelandet, aber zum Glück nicht bei einer Prüfung!  :rofl:

Ich hab immer Panik davor im falschen Raum zu laden, weshalb ich mir in meinem Terminplan, neben der Raumnummer auch noch einen kleinen, sehr groben, Gebäudeumriss zeichne und dann ein Kreuz in den Raum mache, in den mein Seminar stattfinden sollte.    ;D
Titel: Re: [Studium] Studentenleben
Beitrag von: Klecks am 23. Januar 2014, 12:44:39
@Aquamarin: Die Anziehungskraft zwischen euch beiden war wohl einfach riesig!  :rofl:

@Churke: Psychopathen ... das klingt ... nicht gut.  :versteck:

@Drachenelfe: Danke für deine Antworten und dass du dir dafür Zeit genommen hast.  :D

@pyon: Das klingt nach etwas, das der verpeilte Klecks auch tun würde.  :psssst:
Titel: Re: [Studium] Studentenleben
Beitrag von: Merlinda am 23. Januar 2014, 13:08:12
So, ich hätte auch noch ein paar Antworten, wenn du sie noch gebrauchen kannst. :)
Ich bin im ersten Semester einer FH und studiere Soziale Arbeit.

1. Wie sieht eine typische Woche im Leben eines Studenten aus? (Aufsteh-Zeiten, typische Vorlesungszeiten, Mittagspause in der Mensa, Heimkomm-Zeiten, der allgemeine Tagesablauf)
Okay, also eine typische Woche in dem Sinn gibt es nicht. Aufstehzeiten ... ähm ... eigentlich immer unterschiedlich, je nachdem, wann die Vorlesungen beginnen. ;D Also offiziell beginnen bei mir die Vorlesungen um 8:00 und die letzten finden um 20:00 statt.
Bei mir ist es so, das ich meine Vorlesungen mit viel schieben und umbuchen meistens bis 15/16:00 legen konnte, und um 18:00 dann daheim bin.
Mensa ... ja ... das ist bei mir so eine Sache. Ich bin irgendwie viel zu geizig um in die Mensa zu gehen. Ich gehöre zu den Mamakindstudies, die immer ihre Brotzeit mitnehmen.  :versteck:


3. Wie viel Zeit verbringt ihr an der Uni?
Uff, ... das ist schwer zu sagen. Je nachdem, wie motiviert ich bin. ;D Teilweise hatte ich auch schon Elfstundentage, bei denen ich zwischen den Vorleseräumen und der Bibliothek hin und hergependelt bin. Und dann gibt es wieder Tage (besonders gerne Donnerstage, an denen ich nur eineinhalb Stunden Vorlesung hätte :engel:) an denen mir doch glatt etwas wichtiges dazwischen kommt, oder es viiiieeel logischer erscheint, sich den Stoff der Vorlesung daheim anzueignen, eingekuschelt in eine schöne warme Decke auf dem Sofa, mit viel Schoki und einem Tee und dem Fernseher, bzw. Dokument im Hintergrund. ;D

5. Wie läuft eine typische Vorlesung, ein typisches Seminar ab?
Also eine Vorlesung ist bei uns eigentlich so geregelt, dass der Dozent vorne seinen Stoff erklärt und ab und zu ein Fallbeispiel einbringt.
Die Seminare dienen bei uns zur Vertiefung des Stoffes und zur Klärung der Fragen, die nach der Ringvorlesung übrig geblieben sind.

6. Muss man Hausaufgaben und Praktikas machen, Vorträge halten, wird man vom Dozenten aufgerufen?
Hausarbeiten, Praktikas und Vorträge müssen wir je nach dem Belieben der Professoren abhalte. Aber ausgefragt und benotet im Sinne von Leistungsabfragen wie in der Schule werden wir nicht. (Was teilweise mein Glück ist.  :engel:)

7. Wie oft und in welchen Monaten schreibt man Klausuren? Wer bewertet sie? Gibt es wie in der Schule Noten von 1 bis 6?
Also ich habe dieses Semester 6 Klausuren zu meistern. Begonnen hat diese "heiße Phase" am 17.1 und enden wird sie am 4.2.
Bewertet werden sie von den jeweiligen Professoren, die die Klausur auch erstellt haben.
Bsp. Soziologie:
Unsere FH hat drei Soziologieprofessoren.
Unser Soziologiekurs teil sich einmal in die Ringvorlesung (RV) und das Seminar.
Die RV wird von allen drei Profs zusammengestellt und je nach Themengebiet von ihnen behandelt.
z.B. Prof 1: Vorlesung über Soziale Ungleichheit
       Prof 2: Vorlesung über Merkmale moderner Gesellschaften
       Prof 3: Vorlesung über Sozialisation
In der Klausur läuft es dann so ab, dass jeder Prof zu seinem Themengebiet Fragen vorbereitet, die bearbeitet werden müssen.
Die Seminare teilen sich die Professoren ebenfalls auf. Jeder Student muss sich für einen Professor in ein Seminar einschreiben.
Das ist dann ein bisschen wie ein Klassenlehrer zu sehen, der unsere ungeklärten Fragen aus der RV beantwortet und praktische Übungen mit uns durchgeht. "Fallbeispiele bearbeitet und den Stoff aus der RV dabei anwendet)
In der Klausur gibt es dann Zusatzfragen zu den jeweiligen Seminaren, bei denen man diejenigen beantworten muss, die der "Klassenleiterprofessor" (was für ein Wort ;D) erstellt hat.

8. Wie lange dauert eine durchschnittliche Vorlesung?
also bei uns ca eineinhalb Stunden. Allerdings hab ich nächstes Semester Psychologie von 8:00 bis 13:00 also es kommt ganz auf die Fächerverteiliung an.

9. Wann finden die Prüfungen statt und wie laufen sie ab?
Also bei uns ist es so, dass wir eine halbe h vor Prüfungsbeginn uns in einem vorher bekanntgegeben Stockwerk einfinden müssen. Dort wird der Perso und der Studentenausweis vorgelegt und wir werden auf die Räume, in denen wir die Prüfung schreiben, verteilt.
Wichtig ist eigentlich nur, dass man auf die Prüfungsbögen IMMER seine Matrikelnummer zusätzlich zum Namen angibt, da sonst die Gefahr besteht, dass die Prüfung nicht eindeutig zugeordnet werden kann. Mit viel Pech, gilt sie dann als nicht bestanden bzw als nicht angetreten.

10. Gibt es soziale Projekte, die von der Uni ausgehen und/oder verpflichtend sind, wie die Projektwochen in der Schule?
Uff, gute Frage. Ich weiß so spontan von einem Projekt für mehr Gleichheit zwischen Männern und Frauen aber sonst ... ich kann mich aber gerne noch einmal schlau machen, wenn du möchtest. :)

11. Was ist am Studieren und am Studentenleben noch besonders, nach dem ich nicht gefragt habe?
Meinst du damit auch die Schattenseiten, hinter dem Campus - und Partyleben? Wenn ja, dann kann ich dir gerne eine PN mit meinen ganz persönlichen Problemen schicken.
Titel: Re: [Studium] Studentenleben
Beitrag von: Klecks am 23. Januar 2014, 22:17:06
@Merlinda: Danke für deine Antwort! Ich kann sie alle gebrauchen - je vielfältiger, desto besser.  :vibes:

Im Moment muss ich bei diesem Projekt noch nicht so sehr auf die studentischen Schattenseiten achten, da der Prota bereits einige private Probleme hat *räusper*, aber falls das für dich okay ist, würde ich mich gern an dich wenden, sobald ich an diesem Punkt angelangt bin. Danke für dein Angebot.  :knuddel:
Titel: Re: [Studium] Studentenleben
Beitrag von: Coehoorn am 24. Januar 2014, 22:55:16

Montags frei (Studenplan und Mehrfachangebote sei dank). Dienstag, Mittwoch und Freitag stehe ich um 6:00 Uhr auf, fahr um 7:00 los und bin dann gegen 8:00 in der FH. Donnerstag hab ich erst um 10:00 meine erste Vorlesung. Abgesehen von Dienstag, wo ich bin 18:00 Vorlesungen habe (zwischendurch zwei Stunden frei, weil ich nicht zur Matheübung gehe), bin ich bis 16:00 in den Vorlesungen.
In die Mensa geh ich nicht gerne, denn wenn es da mal was anderes als matschigen Fisch gibt, dann ist das entweder völlig ungenießbare Pizza (ja sowas gibt es wirklich) oder etwas was ich persönlich als UFOs bezeichne (Unbekannte Fleischähnliche Objekte). Von dem vegetarischen Fraß lass ich generell die Finger. Allerdings gibt es noch einen Kiosk wo man sich Brötchen mit Putenschnitzel und jede Woche ein anderes Fastfoodgericht kaufen kann. Brötchen, Joghurt, Obst und Süßkram und eine breite Getränkewahl gibts natürlich auch. In der Mensa wird sogar alkoholfreies Bier verkauft.

Bei den Vorlesungen, vor denen wir uns natürlich mit den Büchern und Skripten unserer Dozenten eingedeckt haben, rattern die Dozenten ihre Texte in einem höllen Tempo runter während wir mitschreiben und zwischendurch mal eine Frage stellen. Wir haben eine Dozentin die laut einer Strichliste über 200 mal "sozusagen" innerhalb von 90 Minuten sagt ("Wenn sie dann also sozusagen auf diese Grafik schauen, die sozusagen die verschiedenen Marketingstrategien abbildet, dann sehen sie sozusagen die unterschiedlichen Wirkungsgrade") Versuch mal, dass 90 Minuten durchzustehen.  :wums:
Wesentlich amüsanter ist da mein Betriebswirtschaftsprof, der von anderen Studiengängen generell keine gute Meinung hat. Am liebsten haut er auf die Informatiker, Elektrotechniker und Erziehungswissenschaftler(die besonders gern!) drauf und bringt Sprüche, die jedes mal für allgemeine Heiterkeit sorgen. Insbesondere, da er alles genauso meint wie er es sagt.  ;D
("Sie erkennen also, dass es in einer Gesellschaft notwendig ist, dass auch ungelernte Kräfte existieren, damit es immer noch Menschen gibt, die bei Aldi an der Kasse arbeiten. Erziehungswissenschaftler zum Beispiel")
Während unser VWL-Dozent zwecks Diskrimienierungsvermeidung für seine volkswirtschaftlichen Beispiele jedes mal sein Lieblingsland Absurdistan anführt.
Titel: Re: [Studium] Studentenleben
Beitrag von: Klecks am 26. Januar 2014, 10:31:48
@Coehoorn: Danke für diesen lustigen Einblick in dein Studentenleben! Das war köstlich! Na ja, alles außer die UFOs war köstlich. :rofl:
Titel: Re: [Studium] Studentenleben
Beitrag von: Fianna am 27. Januar 2014, 00:42:52
Mr. "Wenn mich jemand was fragt und ich weiß es nicht, lüg ich einfach" ist vermutlich Industriehistoriker geworden. Urks.
Es gibt mehrere dieses Namens (Doppel-Vorname, ich kannte nur einen Vornamen), aber es würde auch zu dem Seminar passen, in dem wir uns trafen.

Generell lässt sich leider sehr schwer herausfinden, was meine Ex-Studienkollegen nun machen, besonders bei Frauen, die haben ja nach der Heirat einen anderen Namen.
Aber grundsätzlich sind fast alle, die nicht gerade in einem Promotionsverfahren hängen, fachfremd tätig. Unternehmensberatung etc.

Das könnte Deinem Germanisten auch blühen, sofern er nicht Lehrer oder Uni-Dozent wird ;) Geisteswissenschaftler landen überall. Einer der genialsten Ägyptologie-Studenten, die ich kannte (mit Abstand der Beste) ist nun im Controlling einer Firma, und soweit ich weiß, hatte er keine Nebenjobs neben dem Studium. Nur ein crazy Studiengang, der nachweist, dass er sehr abstrakt denken kann.
Titel: Re: [Studium] Studentenleben
Beitrag von: Klecks am 27. Januar 2014, 08:25:02
Danke für die Info, Fianna. Im Controlling einer Firma ... was für ein Wandel!  ;D
Titel: Re: [Studium] Studentenleben
Beitrag von: Adam_Charvelll am 27. Januar 2014, 11:35:19
Also das Wichtigste ist nun wohl schon bereits gesagt worden, da kann ich kaum etwas ergänzen.

Wenn du über Germanistik schreibst, ist es vielleicht ganz interessant, dass Germanistik auch oft als die Lehre bezeichnet wird, über Bücher reden zu können, die man selbst nie gelesen hat.  ;)
Ich persönlich stehe kurz vor Abschluss meines Germanistik und Geschichte Lehramtstudiums und habe die meisten der Bücher, über die ich geprüft wurde, nie zur Gänze gelesen. Das ginge sich auch nur aus, wenn man nebenbei keine Hobbies oder Beschäftigungen hat und dafür auf andere Literatur verzichtet, die man eventuell lieber hat.

Die Themen der Lehrveranstaltungen sind unterschiedlich, aber meistens sehr speziell. Was mich als Lehramtsstudent etwas ärgert, weil 80% des Studierten dann in der Schule nur mehr schwer zu verwenden sind. Da gehts dann z.B um einzelne Schriftsteller, wie etwa Wolkenstein oder noch unbekanntere ma. Lyriker, Identitätsprobleme in der Heimatliteratur, Sprachwandel usw.
Titel: Re: [Studium] Studentenleben
Beitrag von: pyon am 27. Januar 2014, 11:46:38
Zitat von: Adam_Charvelll am 27. Januar 2014, 11:35:19
Ich persönlich stehe kurz vor Abschluss meines Germanistik und Geschichte Lehramtstudiums und habe die meisten der Bücher, über die ich geprüft wurde, nie zur Gänze gelesen. Das ginge sich auch nur aus, wenn man nebenbei keine Hobbies oder Beschäftigungen hat und dafür auf andere Literatur verzichtet, die man eventuell lieber hat.

Die Themen der Lehrveranstaltungen sind unterschiedlich, aber meistens sehr speziell. Was mich als Lehramtsstudent etwas ärgert, weil 80% des Studierten dann in der Schule nur mehr schwer zu verwenden sind.

Ich schließe mich, ebenfalls als Student der Germanistik und Geschichte auf Lehramt, dem an!
Genauso wie es da steht.  ;D

Vor allem als Lehramtstudent ist es auf meiner Uni nahezu unmöglich alle Werke zu lesen, die einen die Professoren ans Herz legen. Man studiert ja nicht nur Germanistik, sondern noch zusätzliche ein zweites Fach! Wobei ich dieses Semester einen Professor hatte, der extra kurze Literatur ausgewählt hat, nur ein längeres Werk, über 300 Seiten und dabei ebenfalls angegeben hat, dass wir ruhig die gekürzte Version lesen können.  :jau:
Aber generell ist es nicht möglich alles zu lesen. Da wird gerne auf Inhaltsangaben aus dem Internet zurückgegriffen.  ::)

Wobei es bei mir an der Uni auch einige Studenten gibt, die nur den Bachelor Germanistik studieren und da doch relativ mehr Freizeit haben als andere Studenten, die zwei Bachelorstudien absolvieren, bzw. auf Lehramt studieren. Ich glaube bei denen dürfte es möglich sein, dass sie den Großteil der Bücher doch lesen könnten - in Wirklichkeit tun das aber nur die Wenigsten.
Titel: Re: [Studium] Studentenleben
Beitrag von: Klecks am 27. Januar 2014, 12:39:16
Danke, Adam_Charvell und pyon, für diese Infos! Das ist wirklich gut zu wissen, dass viele Werke nicht ganz durchgelesen werden können. Mal schauen, was mein Prota lesen wird.  :hmmm:
Titel: Re: [Studium] Studentenleben
Beitrag von: Fianna am 09. Februar 2014, 18:59:57
Mir ist noch etwas eingefallen, nämlich die rüstigen Renter als Gaststudenten: ich kenne sie eher aus historischen/archäologischen Studienfächern sowie anverwandten Orchideenfächern. Bei den Kunsthistorikern waren sie auch verbreitet, bei Germanisten weiß ich es nicht, könnte es mir aber gut vorstellen.

Da gab es einiges an Konfliktpotential zwischen Gast-Studenten und normalen Studenten:

EDIT:
Andererseits sollte man die Gaststudenten auch nicht nur negativ sehen, es gibt mehrere technischen Wissenschaftlern oder Architekten, die in ein archäologisches Studium reingerutscht sind und dann aufsehenerregende Arbeiten zu bestimmten mathematischen/ingenieurwissenschaftlichen/architektonischen Problemen verfasst haben.

An meiner Uni gab es einen (Früh-)Rentner, der von einem Gaststudenten zu einem Vollzeit-Studenten, Promotionsstudenten und schließlich Dozenten wurde. Jedes Semester hält er einen Kurs über ein archäologisches Thema aus einer Region, das bei uns wenig behandelt wird (sowohl archäologische Seminare, da wir an dieser Uni eher eine philologische Wissenschaft sind, als auch die Region, die nur begrenzt und als Provinz zu dem Einzigskreis der von uns erforschten Kultur gehörte).
Titel: Re: [Studium] Studentenleben
Beitrag von: traumfängerin am 09. Februar 2014, 21:17:05
Ja, die gibt es auch in der Germanistik. Wobei sich unter denen mit Pech auch noch irgendwelche Klugscheißer finden, die den gesamten Briefwechsel zwischen Schiller und Goethe auswendig können, und diesen dann zu geeigneten und weniger geeigneten Momenten zitieren.  ;D
Titel: Re: [Studium] Studentenleben
Beitrag von: Fianna am 09. Februar 2014, 21:23:26
Ja, das meinte ich z.B. mit Unterbrechungen/Diskussionsforum.

Ich kenne als Unterbrechungen nur Sensationstheorien à la "Tut-ench-Amuns mörder ist der und der gewesen weil..." von wissenschaftlichen Vorträgen, aber das habe ich nicht als Beispiele mitnotiert, weil es blöd klingt.
In manchen Bereichen ist es schwer, an Informationen zu kommen, das JEA, ZÄS oder PdÄ stehen nunmal in keiner Stadtbibliothek. Deswegen schreiben sich die Leute als Gasthörer ein, und dass sie dann das, was sie sich bisher angelesen haben, anbringen oder nachprüfen wollen, ist nachvollziehbar.
Titel: Re: [Studium] Studentenleben
Beitrag von: Klecks am 10. Februar 2014, 10:02:25
Danke, Fianna, für deinen ausführlichen Beitrag, und auch an dich danke, traumfängerin!

So ein rüstiger Renter, der Probleme macht, würde perfekt in den Roman hineinpassen. Uh, ich sehe schon: Mein Prota ist nicht von ihm begeistert.  ;D
Titel: Re: [Studium] Studentenleben
Beitrag von: Adam_Charvelll am 10. Februar 2014, 13:08:34
Bei euch geht es ja zu  :o

Die älteren Herr- und Frauschaften gibts bei uns auch, allerdings ist da kaum jemand böse, wenn sie die vorderen Reihen für sich beanspruchen. Die meisten Studierenden tendieren ja sowieso dazu, in den hinteren Reihen Platz zu nehmen.
Das große Wissen der Rentner kann natürlich Fluch und Segen sein. Natürlich ist es begrüßenswert, wenn gerade zu historischen Themen teilweise persönliche Erlebnisse eingebracht werden können oder jemand viel mehr weiß als die "unerfahrenen" Studenten und dieses Wissen konstruktiv einbringt. Andererseits gibt es eben auch oft diese übermotivierten und anstrengenden Leute, die wirklich immer ihre Anekdoten loswerden wollen und teilweise auch völlig nicht nachvollziehbare Bezüge herstellen. Das kann schon sehr nerven.
Ich finde es sehr gut, dass auch alte Menschen noch immer den Willen haben, sich weiter fortzubilden und ein Studium belegen. Das größte Problem bei uns ist aber, dass diese alten Studenten oftmals Plätze wegnehmen, die für die jungen Studenten enorm wichtig sind (Mindeststudienzeit, Stipendien, Familienbeihilfe, usw.). Gerade bei Seminaren mit beschränkten Teilnehmerzahlen kann das schon passieren.
Titel: Re: [Studium] Studentenleben
Beitrag von: Coppelia am 10. Februar 2014, 13:37:15
Ich kann leider nicht anders als kurz zu verbessern:
ZitatDann steht da z.B. "10 c.t. Einführung in die deutsche Literatur", das bedeutet "10 Uhr cum tempore" , also mit der Viertelstunde. 10.15 Uhr ist Seminarbeginn. Soll es dagegen pünktlich beginnen, steht dort "10 Uhr s.t." (Sine tempore).
Entschuldigung, berufsbedingtes Verhalten. :versteck:
Titel: Re: [Studium] Studentenleben
Beitrag von: Fianna am 11. Februar 2014, 02:11:36
Nicht schlimm. Immer wenn mir so ein doofer Fehler passiert (ich verwechsel inzwischen auch gerne o-/u-Deklination) bestärkt das in mir den Gedanken, sobald ich Zeit habe (ab Februar 2015) wieder mal Latein zu lernen.
Vielleicht gehe ich dann sogar zu den komischen Leuten, die sich nur auf Latein unterhalten. Hab vergessen wie man dieses Hobby nennt. Eine Bekannte von mir hatte das gemacht und leider nur 3 x so alte Herrschaften angetroffen.
Titel: Re: [Studium] Studentenleben
Beitrag von: Klecks am 11. Februar 2014, 09:50:32
Danke euch allen!

Wie bitte?! Nur auf Latein? Wow, Respekt.  :o
Titel: Re: [Studium] Studentenleben
Beitrag von: Coppelia am 11. Februar 2014, 09:57:52
Man nennt das Latine loqui (sich auf Latein unterhalten). Mein Chef bietet in jedem Semester meist ein lateinisches "Kolloquium" und eine lateinische Vorlesung an. Es ist übrigens nicht schwer, jemanden, der Latein spricht, zu verstehen. Ich finde es viel einfacher als Englisch, weil halt der Muttersprachen-Aspekt nicht dazu kommt und jeder mit deutschem Akzent spricht und auch eher dazu tendiert, erstmal auf deutsch zu denken. Außerdem gibt es nicht so viele Vokabeln.
Selbst Latein zu sprechen, ist da schon schwieriger. Übungssache, vermute ich. Es gibt auch Vereine und Lateinsprech-Treffen, die mindestens einmal jährlich stattfinden. Eine Kollegin von mir ist da sehr engagiert, und ich wollte, ich wäre es auch. Bei mir bleibt das aber leider oft auf der Strecke. :(

Wirklich zum Studentenleben kann man das aber nicht zählen. Es ist auch bei Lateinleuten eher eine Ausnahmeerscheinung. Viele Latinisten glauben auch, dass Latein sprechen nichts bringt und nichts zur Wissenschaft beiträgt. Spaß macht es aber trotzdem!

Wenn du wieder Latein gemacht hast, Fianna, kannst du ja mal bei uns vorbeikommen! Mein Chef freut sich immer über alle, die Latein sprechen wollen.
Titel: Re: [Studium] Studentenleben
Beitrag von: Klecks am 11. Februar 2014, 10:00:55
Ah, okay. Ich dachte, das ist vielleicht häufiger. Aber so eine lateinische Vorlesung oder ein Kolloquium würde ich auch gerne mal besuchen, einfach um zu hören, wie das so klingt.  :)
Titel: Re: [Studium] Studentenleben
Beitrag von: Fianna am 12. Februar 2014, 01:25:18
Oh, da habe ich mich missverständlich ausgedrückt.
Meine Freundin hat das nicht AN der Uni gemacht.

Sie hat sich lediglich so im Lateinunterricht (in der Schule) engagiert, dass sie zu einer dieser Lateinsprecher-Gruppen gegangen ist. Das waren jedoch fast ausschließlich pensionierte Studienräte etc, sie hat da den Altersdrurchschnitt enorm gesenkt.
Titel: Re: [Studium] Studentenleben
Beitrag von: Fianna am 12. Februar 2014, 03:41:19
Manche Studenten sind auch schon einen großten Teil ihrer Zeit mit Uni-Verwaltung beschäftigt. Dazu gibt es verschiedene Möglichkeiten:

Eigentlich wollte ich nur eine Anekdote von einem der Wahlkämpfe erzählen: das Unigelände war gepflastert mit Plakaten von den verschiedenen Parteien (klar, die haben über ihre Verbindung zu den Ortsverbänden der echten Parteien bessere Ressourcen als die normalen Gruppierungen). Und während die "SPD", die "Grünen" etc ganz normale Werbung machten und ihre Botschaften sich rein auf ihre Ziele innerhalb des Studentenparlaments bezogen, hatte die "CDU" eine ziemlich fiese Kampagne laufen, in deren Verlauf sie die anderen Parteien mehr oder weniger indirekt diffamierte. Und propagierte gleichzeitig ihre ach so tollen Werte, die sie - wie an jeder Ecke, auf jedem Plakat zu sehen war - für die Dauer dieses Wahlkampfes vollkommen ins Gegenteil verkehrt hatte


Dann dachte ich aber, dass die generellen Möglichkeiten des Studenten, sich "politisch" bzw. organisatorisch in der Uni einzubringen, auch interessant wären. Je nachdem was Du für eine Geschichte geplant hast, gibt es da Konfliktmaterial zu anderen Personen derselben Gruppe (in manchen dieser Einbringungs-Möglichkeiten mehr als in den anderen), oder einfach den Konflikt, dass der Student sein Studium vernachlässigt vor lauter Engagement (die meisten in unserer Asta hatten locker 14-18 Semester, da gabs sogar welche mit 30. Die haben das quasi beruflich gemacht, auf ihren Abschluß haben die anscheinend gar nicht mehr hingearbeitet.)
Oder der Student fühlt sich hingezogen zu einer Person, die entweder einer diametral entgegen gesetzten Position angehört, Konkurrent um eine der begehrten Hiwi-Stellen bei einem einmalig stattfindenden Projekt ist oder einfach ganz andere Interessen hat.


An Universitäten, die Studiengebühren haben, gibt es da auch immer viel Knatsch drum. Man kann sich nicht denken "20 Studenten à 500 € sind gleich...", denn die Studiengebühren gehen erstmal an die Uni allgemein. Dann werden noch diverse Dinge abgezogen, aber darunter fallen nicht nur Dinge, die allen Studierenden nutzen (Rechenzentrum, Unibib, Asta, Renovierung Gebäude...) sondern auch ganz andere Sachen. Viele Unis haben z.B. Exzellenz-Ziele (sie wollen in einem Fachbereich als "Exzellenz-Uni" ausgezeichnet werden) oder einfach generell eine Fakultät/Fach/Projekt, das sehr prestigeträchtig ist. Dann kann der Senat beschließen (ich hoffe, es ist der Senat, keine Gewähr), dass x % der Studiengebühren darauf verwendet werden.
Dann gibt es erstmal viele Abzüge und ein kleiner Betrag wird dann dem Fach zugewiesen, aus dem Du kommst und für das Du quasi die Gebühren gezahlt hast.
Als wir noch Studiengebühren hatten, war das immer ein Thema, denn unser Fach hatte zuwenig Geld und von dem Geld, das unsere wenigen Studenten gezahlt haben, kam nur ein kleiner Teil im Fach an.
Dafür haben wir [Prestigeprojekt der Uni einfügen] mitfinanziert, aber das tröstet einen wenig, wenn wichtige Dinge fehlen.
Das wäre auch ein guter Konfliktpunkt.
Dinge, für die dem Fach dann das Geld fehlen kann: ausreichend Hiwis, Studentencomputer, Bücher, Renovierung der Räume, technische Ausstattung des facheigenen Seminarraumes, Aufsichtspersonal im Museum, Lizenzen für fachbezogene Software (z.b. wichtige Datenbanken für Literatursuche), Gastdozenten, kein Geld um Gastgeber für Konferenz/Symposion zu sein...
... das sind nicht alles Dinge, die für mein Fach zutrafen  ;D es sind einfach nur die Ersten, die mir einfielen.
Titel: Re: [Studium] Studentenleben
Beitrag von: Klecks am 12. Februar 2014, 10:32:10
Hach, Fianna! Danke für all deine Infos - mit denen habe ich jetzt sogar ein kleines Plotloch stopfen können. Du bist einfach spitze!  :knuddel:
Titel: Re: [Studium] Studentenleben
Beitrag von: Fianna am 13. Februar 2014, 16:58:06
Das war ja ein Zufall!
Und ich hab mich schon gefragt ob ich manchmal nerve mit meinem Informations-Wust  ;D

Du kannst ja konkrete Fragen (suche einen konflikt für Person A / B) oder Plotlöcher hier poste, vielleicht finden wir auch absichtlich eine Lösung dafür  ;)
Titel: Re: [Studium] Studentenleben
Beitrag von: Klecks am 18. Februar 2014, 13:51:56
Du nervst überhaupt nicht! Wie kommst du denn darauf?  :knuddel:

Das sollte ich vielleicht wirklich mal machen. Absichtliche Lösungen sind nämlich auch nicht schlecht!  ;D
Titel: Re: [Studium] Studentenleben
Beitrag von: THDuana am 18. Februar 2014, 14:13:32
Zitat von: Fianna am 12. Februar 2014, 03:41:19
  • Hiwis: Hilfswissenschaftler. Das sind Studenten, die auf 400 € Basis in der Uni arbeiten (je nach Anzahl ihrer Stunden - kann auch nur 200 € sein). Teilweise jedoch sind sie effektiv viel länger damit beschäftigt, als ihre Arbeitsverträge sagen, da nutzen manche Fächer aus, dass Hiwi-Jobs begehrt sind.
    Oder sie werden einfach (weil sie ja auch Hausaufgaben/Referate/Prüfungen vorbereiten müssen und in der Uni sind) immer angesprochen, auch wenn sie keine Arbeitszeit haben, und kümmern sich auch außerhalb ihrer Arbeitszeit um Sachen (besonders bei Bibliotheks-/Computer-Hiwis).
    Warum wird man also trotz schlechter Bezahlung und unklar definierten Arbeitszeiten Hiwi? Es sieht gut aus im Lebenslauf, man kann manchmal auch nützliche Kontakte knüpfen oder interessante Sachen machen. Oft/meist (?) sind es aber nur langweilige Routine-Sachen.
    Aber man bekommt maximal 400 €, oft auch weniger weil das Fach lieber 2 Hiwis zu je 200 € haben will. Wer nicht gerade noch Bafög und Kindergeld bekommt, kann oft nicht davon leben. Viele Studenten bewerben sich gar nicht erst für einen derartigen Job, den weil sie einfach mehr Geld brauchen und nicht von dem Staat oder ihren Eltern bezuschusst werden und da sie bei gleicher Stundenanzahl in etwas Fachfremdem 600-800 € verdienen können (grade wenn das Fach das ausnutzt, dass kein Arbeitsstundenverständnis herrscht und die Studis 10 Stunden angestellt sind aber viel länger pro Woche arbeiten).
    Hiwis sind meist einem Bereich oder Projekt zugeteilt. Sie pflegen die Bibliothek oder Diathek, arbeiten im Museum (falls vorhanden), kümmern sich um die Computer, oder sie sind einem Wissenschaftler/wissenschaftlichen Projekt zugeteilt. Das kann sehr langweilig sein (kopieren, einscannen, Korrektur lesen), man kann da teilweise auch interessante Sachen machen, wo man sein gelerntes Wissen anwendet. Das sind die begehrtesten Hiwi-Jobs, wo man eben auch Kontakte knüpfen kann. Aber das machen nur Hauptstudiums-Studenten und das ist teilweise selten (kommt auf die Uni an, eben nur wenn so ein Projekt läuft).
    Man kann auch ganz fachfremd, zum Beispiel im Rechenzentrum oder der Universitätsbibliothek, als Hiwi unterkommen.
An meiner Uni, zumindest in den Bereichen, in die ich durch befreundete Studenten Einblick habe, kann man sich gar nicht auf Hiwi-Jobs bewerben, sondern man wird von Dozenten/Professoren angesprochen, ob man das nicht machen will. Das sind dann oftmals Studenten im zweiten Studienjahr, die einigermaßen gute Leistungen haben; man muss also keinen 1,0 Durschnitt haben, aber doch etwas das Formale des Studiengangs drauf haben.
Titel: Re: [Studium] Studentenleben
Beitrag von: Klecks am 18. Februar 2014, 14:22:02
Danke für den Hinweis! Das ist eine gute Idee, so kommt mein Prota gut in Kontakt zu einem Dozenten, der nachher noch wichtig wird.  :hmmm:
Titel: Re: [Studium] Studentenleben
Beitrag von: Lothen am 18. Februar 2014, 22:19:50
Ich kenn das aber auch so, dass HiWi-Stellen tatsächlich ausgeschrieben werden und z.B. über E-Mail-Verteiler oder so rumgegeben. Also es geht nicht nur "unter der Hand" ;)

Manche HiWis halten übrigens auch Kurse, Tutorien zum Beispiel (Übungsstunden, in denen Inhalte aus Vorlesungen vertieft werden).
Titel: Re: [Studium] Studentenleben
Beitrag von: Klecks am 19. Februar 2014, 08:20:32
Danke, Lothen! Das klingt nach etwas, das mein Prota machen würde. Da könnte er dann gleich eine wichtige Nebenfigur treffen ... oh ja, das ist super.  ;D
Titel: Re: [Studium] Studentenleben
Beitrag von: THDuana am 20. Februar 2014, 16:40:46
Zitat von: Lothen am 18. Februar 2014, 22:19:50
Ich kenn das aber auch so, dass HiWi-Stellen tatsächlich ausgeschrieben werden und z.B. über E-Mail-Verteiler oder so rumgegeben. Also es geht nicht nur "unter der Hand" ;)

Manche HiWis halten übrigens auch Kurse, Tutorien zum Beispiel (Übungsstunden, in denen Inhalte aus Vorlesungen vertieft werden).
Das stimmt, aber ich habe das bisher nur bei "dachfremden" Stellen gesehen, zum Beispiel wurde den Anglisten gerade eine Hiwi-Stelle in der medizinischen fakultät angeboten.

Sind die Tutoren denn immer Hiwis?
Aber klar, man kann in der Uni auch als Tutor arbeiten, der begleitenden Unterricht zu Seminaren/Vorlesungen hält und dafür Geld bekommt.
Titel: Re: [Studium] Studentenleben
Beitrag von: Lothen am 20. Februar 2014, 16:48:23
Also ich kann mich auch an eine Stelle innerhalb meines Instituts erinnern, die öffentlich - also, für alle Studenten am Institut - ausgeschrieben wurde. Das ist wahrscheinlich Sache der Lehrstühle.

Also in meinen Kursen waren die Tutoren immer HiWis, also Studenten aus höheren Semestern.
Titel: Re: [Studium] Studentenleben
Beitrag von: THDuana am 20. Februar 2014, 16:51:35
Es wird wohl beides geben, habe nur das Gefühl, dass in meinre Fakultät das "unter der Hand" verbreiteter ist. ;)

Was die Tutoren betrifft bin ich mir gar nicht sicher, aber es kann gut sein, dass das alles Hiwis sind; meine Abteilung hat etwa 4-5 Professoren/-innen mit je 2-3 Hiwis und es gibt etwa die dadurch resultierenden 8-15 Tutoren.
Titel: Re: [Studium] Studentenleben
Beitrag von: Fianna am 20. Februar 2014, 17:34:14
Bei uns waren alle Tutoren HiWis. Das ist vermutlich die einzige Art und Weise, Studenten abzurechnen (Lehrbeauftragter geht ja nicht, und was soll man sonst als Stellenbezeichnung nehmen).

Oder kennt das jemand anders?
Titel: Re: [Studium] Studentenleben
Beitrag von: traumfängerin am 20. Februar 2014, 17:56:43
Mein Bruder studierte Physik, und dort war es wohl üblich, dass die Tutorien auch Doktoranden hielten. In Germanistik waren es eigentlich immer Hiwis, wobei die Tutorien von der Qualität her sehr unterschiedlich ausfielen. In der Sprachwissenschaft wurden die Hiwis z.B. nach ihrer Note bei den Klausuren ausgewählt. Nur vermittel mal so etwas wie Althochdeutsch, wenn du davon nur einmal in deinem Studentenleben gehört hast, und zwar in der Einführungsveranstaltung, für die du nun ein Tutorium anbieten sollst. Und wenn irgendjemand jetzt glauben sollte, so schwer kann das nicht sein, schließlich ist das doch nur eine Vorstufe des Deutschen, hier ein kleines Beispiel für einen althochdeutschen Text. "Ther kneht uuarlicho vvuohs inti strangeta fol spahidu, inti gotes geba uuas in imo, inti fuorun sine eldiron giiaro in Hierusalem in itmalemo tage ostrono." Na, erkannt?  :P  Richtig, dass ist der Anfang der Geschichte vom zwölfjährigen Jesus im Tempel, hier in der Fassung von Tatian (12,1 um genau zu sein).

Nicht nur aufgrund der teilweise fragwürdigen Qualität der Tutorien, sondern auch aufgrund der Angewohnheit der Studenten lieber zu schlafen, anstatt in Übungen zu gehen, die ihnen nur dabei helfen sollen die Klausuren zu bestehen, nicht aber verpflichtend sind, kam es im Laufe des Semesters zu einem natürlichen Schwund an Teilnehmern.  ;D
Titel: Re: [Studium] Studentenleben
Beitrag von: Klecks am 20. Februar 2014, 18:03:51
Interessant, dass sowas von Uni zu Uni unterschiedlich zu sein scheint. Umso besser - dann kann ich mir ja was aussuchen.  ;D

Danke euch allen!
Titel: Re: [Studium] Studentenleben
Beitrag von: Valaé am 20. Februar 2014, 18:29:03
Ich glaube, das ist teilweise auch je nach Fach unterschiedlich, also nicht nur von Uni zu Uni, sondern auch noch innerhalb derselben Uni von Fach zu Fach. Ich habe bei uns Stellen ausgeschrieben gesehen für eines naturwissenschaftlichen Instituten und eben so was wie Duana gesagt hat, also dass im Institut für Literaturwissenschaft ein HiWi-Gesuch des Instituts für Achitektur aushängt, weil die irgendwen brauchen, der gut mit Texten kann beispielsweise.

Die HiWi-Jobs meines Instituts wurden allesamt unter der Hand vergeben. Meinen Job (Technik-HiWi und Wissenschaftshiwi in einem) habe ich nach Auffallen in einer Lehrveranstaltung des Institutsleiter und meiner anscheinend großen Überzeugungskraft im Masterauswahlgespräch erhalten (ein Gespräch mit allen Professoren des Instituts zur Auswahl der Masterstudenten, teil des Aufnahmeverfahrens für das Masterstudium). Als dann auch noch die Hausarbeit sehr gut auffiel bekam ich zur Korrektur derselben auch gleich die Anfrage für meinen jetzigen Job dazu. Danach geht dann alles ganz schnell, man meldet sich bei der Sekretärin und der Vertrag wird aufgesetzt, schon ist man drin.
Die anderen HiWis, also meine Arbeitskollegen sozusagen sind ebenfalls alle durch Auffallen in einer Lehrveranstaltung beim Institutsleiter an ihren Job gekommen. Es hat damit auch ein wenig zu tun mit "zur richtigen Zeit am richtigen Ort sein". Ich hatte nämlich meinen Institutsleiter erst im 6. Semester als Dozenten und daher vorher gar keine Chance, aufzufallen - sonst hätte ich meinen Job vielleicht schon früher gehabt. Andere haben nie eine Lehrveranstaltung bei ihm und haben dann quasi gar keine Chance.
Ich weiß, dass meine Stelle zwar nicht offen ausgeschrieben war, aber das der Institutsleiter wohl in mindestens einer Lehrveranstaltung erwähnt hat, dass er jemanden sucht. Als sich eine Interessentin darauf meldete, hatte ich das Angebot aber schon erhalten und angenommen.
Ausgeschrieben wurde die Stelle ganz sicher nicht. Und ich weiß auch, dass wenn wir mal einen HiWi zu wenig haben, dennoch nicht ausgeschrieben wird, sondern unser Institutsleiter schaut sich dann noch etwas aktiver nach vielversprechenden Studenten um und spricht sie an.

Zu den Tutorien: Die werden bei uns auch von HiWis gehalten (allerdings nur die, die auch von HiWis gehalten werden können), es gibt auch Tutorien die nicht offen ausgehangen werden und die von wissenschaftlichen Mitarbeitern gehalten werden. Das sind aber keine Tutorien zu Pflichtveranstaltungen oder überhaupt Seminaren, an die man so einfach als normaler Student kommt, sondern sie dienen der Vorbereitung institutsinterner wissenschaftlicher Arbeit, sind also quasi "höhere" Tutorien, an die auch nur die höheren Semester und die HiWis kommen, die überzeugt haben - Einladungstutorien könnte man sie nennen, denn wie gesagt, man kann sich dafür nicht anmelden, man erhält bei Eignung die Einladung.

@traumfängerin:  :wolke: Aaaah, Althochdeutsch, Althochdeutsch! *mit großen verträumten Augen auf die Knie sink*. Entschuldige, ich liebe es einfach zu sehr. Im Übrigen hab ich es dennoch nicht erkannt. Aber nicht weil ich althochdeutsch nicht verstehen würde, sondern weil ich nicht bibelfest bin  ;D.
Ich muss aber dazu sagen, dass bei uns niemals einem HiWi etwas angetan werden würde, wie ein Althochdeutschtutorium zu leiten. Dafür braucht man Althochdeutsch nun doch etwas zu selten ... bei uns werden die Mittelhochdeutschtutorien an die höheren Semester des Mediävistik-Bereiches gegeben - hätten sie mich für die Technik nicht mehr gebraucht, wäre ich dort gelandet. Und das ist durchaus machbar, jeder entsprechend engagierte Student im höheren Semester kann fließend Mittelhochdeutsch wenigstens lesen und übersetzen, die Ablautreihen sollte man eh im Schlaf können und die ganzen linguistischen Verschiebungen lassen sich problemlos nochmal nachlesen, man braucht nur ein gewisses linguistisches Interesse und Verständnis, um das dann auch gut vermitteln zu können. Metrik kann manch einem noch ein Bein stellen, aber die ist ja in mittelalterlichen Texten auch nicht sooo kompliziert meistens. Also diese Tutorien werden durchaus an fähige HiWis vergeben. Althochdeutsch macht bei uns eine Mediävistikdozentin mit linguistischem Schwerpunkt. Dann wirds auch gut und macht Spaß  ;D.

Klecks, wenn du noch Informationen zum Arbeitsalltag eines HiWis brauchst, frag einfach nach. Entschuldige bitte das ich nicht noch mehr Lehrveranstaltungen geschrieben habe, ich hatte die letzten Wochen einiges an Stress - wenn noch Interesse da ist suche ich dir nochmal ein paar raus. Welches Semester ist denn dein Student?
Titel: Re: [Studium] Studentenleben
Beitrag von: Pygmalion am 20. Februar 2014, 18:43:40
Ich habe meinen damaligen Hiwi Job durch einen Anruf der Professorin gekriegt :D DA gabs sogar direkt 2 zur Auswahl...sie aht einfach alle durchtelefoniert, die sie so für geeignet gehalten hatte und ich hab für den einen eben ja gesagt. War übrigens auch eine externe Stelle, die so erstmal nix mit der Uni zutun hat und da auch gar nicht angegliedert war, aber der Mensch auf der Stelle musste eben Student sein :D


ZitatMasterauswahlgespräch erhalten (ein Gespräch mit allen Professoren des Instituts zur Auswahl der Masterstudenten, teil des Aufnahmeverfahrens für das Masterstudium

Das finde ich immernoch bemerkenswert bescheuert, dass es nach der Umstellung auf Ba/Ma an manchen Unis/Instituten weniger Masterplätze gab, als Absolventen. Mit den meisten Bachelorabschlüssen kann man überhaupt nichts tun, vor allem den Geisteswissenschaftlichen, da wird ja sogar für die meisten Jobs eine Promotion erwünscht... wenn man da nicht in den master käme, würde ich das schon als arge ungerechtigkeit und vor allem unsinnigkeit empfinden.
Titel: Re: [Studium] Studentenleben
Beitrag von: Valaé am 20. Februar 2014, 19:03:38
ZitatDas finde ich immernoch bemerkenswert bescheuert, dass es nach der Umstellung auf Ba/Ma an manchen Unis/Instituten weniger Masterplätze gab, als Absolventen. Mit den meisten Bachelorabschlüssen kann man überhaupt nichts tun, vor allem den Geisteswissenschaftlichen, da wird ja sogar für die meisten Jobs eine Promotion erwünscht... wenn man da nicht in den master käme, würde ich das schon als arge ungerechtigkeit und vor allem unsinnigkeit empfinden.
Weißt du, was noch viel bemerkenswerter ist? Wir haben ein Masterauswahlgespräch, bekommen aber pro Jahrgang nur zwischen 3-4 Bewerber auf Masterplätze im Bereich Mediävistik und maximal 20 bei NDL. Also etwa 25 Leute, die den Master machen wollen. Von über 100, die das mal angefangen haben zu studieren. Natürlich gehen ein paar, aber es machen immer noch recht viele den Bachelorabschluss, definitiv mehr als 25. Es scheinen also viele Studenten einer anderen Meinung zu sein als du (und ich auch, ich halte den Bachelor alleine auch für nicht sinnvoll)  und sofort mit dem Bachelor in den Job zu gehen. Bei uns gibts das Masterauswahlgespräch aus einem anderen Grund, also nicht weil wir zu wenig Plätze haben, sondern weil unsere Dozenten sich sicher sein wollen dass ihre Masterstudenten (denen sie einen größeren Service bieten als üblich, wir nehmen beispielsweise bereits an "Juniortagungen" teil, also tagungsähnliche Veranstaltungen für den wissenschaftlichen Nachwuchs) auch für die Anforderungen an wirkliche wissenschaftliche Arbeit geeignet sind. Sie lehnen nicht oft jemanden ab, aber hin und wieder kommt es vor. Ich denke, sie wollen einfach nur sichergehen, dass sie eben nur Leute im Master haben (die mehr Zeit brauchen als der durchschnittliche Bachelorstudent, wir bekommen da durchaus sehr gute Beratung und die Dozenten müssen ja auch Kapazitäten für die Masterarbeiten frei haben), die diesen auch schaffen können und denen sie zutrauen, dass sie ihn durchhalten. Jeder Masterstudent, der abbricht, ist für unser Institut ein Verlust. Es wäre nicht gut, die Leute einfach durchzuwinken nur den Jobchancen wegen, ihnen diesen Service zu bieten und dann brechen sie ab oder schaffen es nicht. Da bin ich dann doch sogar eher ein Freund vom "Rausprüfen" quasi. Aber auch nur, weil der Master an unserem Institut wirklich eine Art Sonderausbildung für die wissenschaftliche Karriere ist. Ich denke, jemand, der es eher für die Qualifikation für einen Job macht, wäre an einem anderen Institut besser aufgehoben, das den Master nicht so spezifisch für die wissenschaftliche Arbeit auslegt.

Dass es mehrere Jobs zur Auswahl gibt ist auch nicht so selten, das stimmt. Wie gesagt, ich stand zur Debatte für drei verschiedene Stellen, am Ende wurden zwei auf eine fusioniert, die ich jetzt besetze und die dritte haben sie anderweitig besetzt. Die Wahl hätte ich sicher gehabt, wenn ich darum gebeten hätte, ich sagte aber dass ich, solange ich wissenschaftlich arbeiten darf, sowohl für die Technik als auch für ein Tutorium als Zweitaufgabe zur Verfügung stehen würde und dann haben sie mich auf die Technik besetzt, weil es schwerer war, jemand anderes zu finden, der die Technik auch hätte machen können.
Titel: Re: [Studium] Studentenleben
Beitrag von: Fianna am 21. Februar 2014, 17:51:06
Bei uns (kleines Fach, kein Germanistik) waren irgendwie immer diejenigen HiWis, die am meisten im Institut rumgehangen haben :D Natürlich haben die auch die Anforderungen erfüllt, aber ein Schelm wer Böses dabei denkt ;)

Bei uns waren HiWi-Jobs so beliebt, weil man da einen Schlüssel bekommt und sich nicht an die Öffnungszeiten der Seminars-Bib halten musste. Wir hatten immer extrem viel Übersetzungen als Hausaufgabe, mehrere Stunden pro Kurs (es gibt immer einen, der sich das mit einer veröffentlichten Übersetzung abkürzt und nur die Grammatik selbst checkt, der setzt das Arbeitspensum für alle Kursteilnehmer natürlich hoch. Am Ende meines Studiums haben das fast Lle Studenten so gemacht, ist natürlich hervorragend für die 1-2 Deppen die es selbst machen. Und man lernt die Grammatik richtig toll dadurch *Ironie aus*).

Bei uns hat auch ein Student in seinem Nebenfach eine HiWiStelle bekommen, aber die genauen Umstände weiss ich nicht. Er hat schon selbst dort nachgefragt, aber ob die Hauptfächler des Faches alle schon genommen waren, die Interesse hatten und in Frage kamen, weiss ich nicht.
Da war der Eingang des Instituts eigentlich rund um die Uhr (den Öffnungszeiten gemäss) mit HiWis besetzt, also hatten die viel Bedarf an HiWis und diese brauchten auch nicht ganz soviel Spezialkenntnisse.
Titel: Re: [Studium] Studentenleben
Beitrag von: Valaé am 21. Februar 2014, 18:28:32
ZitatBei uns (kleines Fach, kein Germanistik) waren irgendwie immer diejenigen HiWis, die am meisten im Institut rumgehangen haben :D Natürlich haben die auch die Anforderungen erfüllt, aber ein Schelm wer Böses dabei denkt ;)

Ist es nicht auch möglich, dass es gerade andersherum der Fall ist? Dass diejenigen eben am meisten am Institut sind, die HiWis sind? Ich meine, um ehrlich zu sein weiß ich auch gar nicht was man Böses dabei denken sollte? Erstens ist es klar, das HiWis am meisten im Institut rumhängen, das ist immerhin ihr Arbeitsplatz, wo sollten sie also sonst sein?
Und zweitens ist es andersherum natürlich auch logisch, das derjenige die größten Chancen hat, aufzufallen, der die Dozenten kennt und dafür sorgt, dass die Dozenten ihn kennen - und Dozenten trifft man nun einmal am Besten am Institut. Ich sagte ja schon, es hat auch viel mit "zur richtigen Zeit am richtigen Ort sein" zu tun (wie übrigens viele Jobs) und der richtige Ort ist nun einmal das Institut. Was daran nun falsch sein soll, weiß ich nicht.

Schlüssel bekommen unsere HiWis nicht automatisch, es kommt auf die Beschäftigung drauf an. Manche haben einen, andere nicht, abhängig davon ob die übernommene Aufgabe erfodert, dass man auch mal da ist ohne dass der Betreuer anwesend ist.

Ich glaube allerdings allgemein, dass ich einfach auch ziemlich viel Glück bei meinem Institut habe. Da wir so klein sind, sind die HiWis eben wirklich alle handverlesen und es gilt quasi die unausgesprochene Vereinbarung: Ihr legt euch ins Zeug und leistet richtig gute Arbeit und dafür bekommt ihr allerlei Boni, Chancen, erhaltet die Möglichkeit, Kontakte zu knüpfen etc.
Bei uns werden die HiWis weder dauerhaft für Kaffeekocharbeiten ausgenutzt noch würde ein HiWi auf die Idee kommen seine Stelle auszunutzen. Es herrscht einfach ein persönliches Vertrauensverhältnis beider Seiten und man zieht unglaublich viel Wissen und Motivation aus der Arbeit. Natürlich haben wir auch Vorteile wie, dass wir uns nicht an die Sprechstunden der Dozenten halten müssen (praktisch), aber niemand würde die HiWi Arbeit hauptsächlich deswegen oder hauptsächich wegen dem Geld annehmen - dafür ist sie auch einfach ein wenig zu zeitintensiv.

Ich weiß aber durchaus, dass das alles andere als Standard ist und in vielen Instituten das Verhältnis anders aussieht, HiWi Arbeit oftmals wirkllich nicht anspruchsvoll ist und von den Studenten dann auch eher aus anderen Gründen angenommen wird, als denen, es als Sprungbrett für die wissenschaftliche Karriere nutzen zu wollen und echtes Interesse an der Arbeit zu haben.
Titel: Re: [Studium] Studentenleben
Beitrag von: Klecks am 21. Februar 2014, 19:40:07
Hab ich schon einmal erwähnt, dass ihr alle total wunderbar seid? Ihr helft mir so weiter! Vielen Dank.  :knuddel:
Titel: Re: [Studium] Studentenleben
Beitrag von: Fianna am 22. Februar 2014, 01:28:15
Valae - das war natürlich so gemeint, bevor sie HiWis waren und da einen Arbeitsplatz hatten.
Von allen Studenten haben nur diejenigen HiWi-Stellen gehabt, die vor ihrem HiWi-Job die meisten Zeitstunden in der Seminarsbibliothek verbracht haben (unsere Bibliothek war gleichzeitig Aufenthaltsraum, also viel anwesend impliziert vielleicht, dass man viel dort macht. Bei uns nicht. Die Bibliothek fungierte einfach als Aufenthaltsraum, ich konnte ewig nicht in der Uni-Bib arbeiten, weil es da so still war.)

Unsere Professoren kannten alle Studenten, außer die "Karteileichen", die nur den Semesterbeitrag zahlen und zu keinen Kursen kommen.
"Kleines Fach" heisst bei uns, 20 Hauptfäch'ler, da musste niemand viel anwesend sein, um aufzufallen.
Titel: Re: [Studium] Studentenleben
Beitrag von: Valaé am 22. Februar 2014, 02:47:25
Hm, ich versteh aber irgendwie immer noch nicht was man daran jetzt Böses denken soll. Ich sehe zwar ein, dass das mit dem Arbeitsplatz dann keine Relevanz mehr hat und dass es nicht unbedingt etwas mit dem Können zu tun hat, wenn man da viel ist. Vielleicht willst du damit sagen, dass euch einige fähige Leute durch die Lappen gegangen sind, weil die dort nicht anwesend waren und dafür ein paar weniger fähige eingestellt wurden, weil sie dort viel rumhangen?

Darin sehe ich nur meine Aussage von "zur richtigen Zeit am richtigen Ort sein" bestätigt. Bei uns werden auch einige fähige Leute nicht eingestellt, weil sie eben nicht mit den richtigen Leuten in Kontakt kommen, aber ist das nicht irgendwie immer so? Ich kann die Dozenten dann auch durchaus irgendwie verstehen, da es bisher so klang, als sei bei euch die Seminarsbibliothek irgendwie der Ort gewesen, an dem sich Studenten und Dozenten außerhalb der Seminare am ehesten treffen. Also lernen die Dozenten die Studenten näher kennen, die dort viel sind. Und sie stellen nur selten jemanden ein, den sie nicht etwas näher kennen als der übliche Seminarsbetrieb erlaubt. Ich kann mir irgendwie vorstellen, wohin die Kritik geht, ich denke du meinst, dass es eben ein paar Leute gab die sehr viel anwesend waren (in der Seminarsbibliothek) und dort vielleicht auch viele Pläuschchen gehalten haben (u.a. mit Dozenten) und so an ihre Jobs kamen, während Leute, die ausschließlich in Seminaren waren, da immer anwesend und engagiert, aber nie viel in der Seminarsbibliothek und die fähiger waren, diese Jobs nicht erhielten.
Das wäre bei uns allerdings auch nicht anders. Jemand, der ausschließlich in die Seminare geht, dort fachlich glänzt aber sonst eher durch Abwesenheit besticht (also nicht an zusätzlichen Veranstaltungen zu finden ist und sich nicht um einen näheren Kontakt zu den Dozenten bemüht) der wird wohl eher unter den Tisch fallen und/oder auch etwas skeptischer beäugt werden, ehe er vielleicht eine Chance erhält - einfach weil jemandem der außerhalb der Pflichtanwesenheitszeiten nicht da ist nur wenig Interesse am Institut unterstellt wird und auch bei HiWi-Jobs immer noch mehr zählt als die reine fachliche Kompetenz, unter anderem eben wie interessiert man schon vorher am Institut und seinem Personal war - ein guter Draht zu den Dozenten hilft da durchaus. Auf der anderen Seite kriegt man den manchmal durchaus auch in den Seminaren.

Vielleicht war es aber auch gerade weil ihr so ein kleines Fach wart? 20 Hauptfächler ist ja doch sehr wenig und du schreibst, eure HiWi-Arbeit war auch nicht so speziell zugeschnitten. Vielleicht war es den Dozenten dann einfach angenehmer, mit den Leuten zusammenzuarbeiten, die sie näher kannten, wenn die fachliche Eignung für die Arbeit vielleicht sowieso nicht so ausschlaggebend war? Kann man ihnen doch irgendwie auch nicht verübeln. Und wenn man das weiß, was hindert einen daran, sich um einen engeren Kontakt zu bemühen? Wenn man Interesse an der Arbeit dort hat, ist man doch sowieso interessiert an einem guten Verhältnis, oder?
Ich möchte auch kurz erwähnen das "kennen" ja nicht gleich "kennen" ist. Ich weiß, dass bei dem stressigen Zeitplan und all den Bekanntschaften die Dozenten gerne haben die Studenten, die ausschließlich zu Lehrveranstaltungen und hin wieder einer Sprechstunde kommen dann doch eher wenig im Gedächtnis bleiben. Kann bei nur 20 Hauptfächlern anders sein, aber Dozenten haben ja gerne auch noch Veranstaltungen in fachverwandten Gebieten oder an ganz anderen Instituten etc.. Nur weil ein Dozent einen beim Namen nennen kann und im Großen und Ganzen weiß, was man bei ihm schon gemacht hat, heißt das beispielsweise noch nicht, dass er einen "kennt".

Vielleicht gehe ich mit ganz anderen Vorstellungen da ran als angebracht wäre, dann nehm ich das so hin und verbuche es unter: Andere Institute/Fächer/Unis, andere Sitten. Ich wollte einfach nur ein paar Anreize liefern, mal zu hinterfragen warum es so ist und nicht, wie es Studenten und Schüler gerne tun, einfach mal davon auszugehen, dass da was nicht so lief wie es sollte. Das nicht alles Gold ist was glänzt ist klar und das nicht immer die an die Jobs kommen, die die besten Voraussetzungen hätten, ist glaube ich ganz normal. Aber ich frage mich eben, ob man da immer gleich was Böses vermuten muss oder ob es teilweise nicht ganz logische, menschliche Gründe hat.

Bei euch gab es "Karteileichen"?  :o Also das ist mir noch nie untergekommen ... da wäre uns das Geld für zu schade, man fällt doch bei mehr als 3 Fehlstunden automatisch durch und kriegt keine Scheine mehr.

Freut mich übrigens Klecks, wenn wir immer noch helfen können  ;D. Ich glaube, die Konversation über unterschiedliche Praktiken bei der HiWi-Rekrutierung sollten wir dann jetzt aber doch langsam ruhen lassen, wir werden eh nicht dahinter kommen ob ich zu verblendet von meinem eigenen Institut bin, ob es wirklich verständliche Gründe für das Phänomen gibt, oder ob ein wenig von beidem zutrifft  ;). Aber solche Kontroversen gibt es übrigens öfter ... ich habe als HiWi schnell gelernt dass einiges an Arbeit, was im Institut geschieht für Studenten die dort nicht eingebunden sind so wenig einsichtig ist, das Missverständnisse genau dieser Art quasi heraufbeschworen werden. Unmut über empfunden ungerecht vergebene HiWi-Plätze oder andere Dinge wie Seminarplätze, Noten, empfunden ungerechte Behandlung gibt es an der Uni genauso wie früher in der Schule. Einschließlich entsprechender Verschwörungstheorien (damit meine ich jetzt nicht so etwas wie Fianna schildert, dass ist ja keine Verschwörungstheorie, sondern echte, teilweise bösartige Verschwörungstheorien, wie früher wenn Schüler Lehrern üble Dinge nachgesagt haben, weil sie sich schlecht behandelt gefühl haben). Vielleicht kannst du unsere kleine Diskussion ja unter diesem Aspekt gebrauchen  ;).
Titel: Re: [Studium] Studentenleben
Beitrag von: Fianna am 22. Februar 2014, 09:37:57
Unsere HiWi-Arbeit WAR so speziell zugeschnitten. Im Nachbarfach war das anders (da ist einer unserer HFs dann untergekommen, obwohl er dort nur NF war).

Unser Fach ist so klein, da muss niemand in der Seminarsbibliothek rumhängen, damit man ihn kennen lernt. Was die Leute können, weiss man aus den Kursen, und bei den regelmässigen Fachvorträgen von anreisenden Fachleuten sieht man die Leute (fast alle) auch.

Der Typ der bei dem anderen Fach den Pforten-HiWi gemacht hat - der hat sich in den Kursen als extrem guter Student gezeigt. Und er wollte ja gerne HiWi werden. Der war auch immer bei diesen Fachvorträgen, hat bei passenden Gelegenheiten geholfen (Inventur oder sowas)...
Der, der den HiWi-Job gekriegt hat, hatte bis zu seiner ZP (wir haben die nicht nach dem 4. Semester gemacht, der war schon weiter) kein sicheres Gramnatikverständnis, fiel in den Kursen also schlechter auf als der andere. War auch überall dabei.

Da würd ich doch dem anderen jungen Mann den HiWi-Job "Begleitendes Tutorium zum Grammatikkurs der Erstis" geben.

Bekommen hat ihn aber seltsamerweise der Slacker.
Einziger Unterschied: er hat vor dem HiWi-Job schon mehr Zeitstunden dort verbracht.

~~~~

Bei uns gab es auch wegen krankem Professor mehrere Semester Lehrausfall. Der war nicht mal offiziell krank gemeldet. (Ausser mir wollte auch keiner im Dekanat vorbeigehen und für Abhilfe sorgen, alleine kann man sich das ja sparen.)
Gute Organisation geht anders.
Titel: Re: [Studium] Studentenleben
Beitrag von: Klecks am 23. Februar 2014, 12:34:02
Eure Diskussion liefert mir wirklich wunderbaren Stoff! Karteileichen, Lehrausfall ...  :dollars:
Titel: Re: [Studium] Studentenleben
Beitrag von: THDuana am 23. Februar 2014, 22:17:15
Zitat von: Fianna am 21. Februar 2014, 17:51:06
Bei uns hat auch ein Student in seinem Nebenfach eine HiWiStelle bekommen, aber die genauen Umstände weiss ich nicht.
Das finde ich interessant, weil bei den wenigen Hiwis, die ich kenne, ist es so, dass sie alle Hiwis für ihr Nebenfach sind und nicht in ihrem Hauptfach. Vielleicht ist meine Uni/Fakultät da etwas Besonderes. ;)

Zitat von: Klecks am 23. Februar 2014, 12:34:02
Eure Diskussion liefert mir wirklich wunderbaren Stoff! Karteileichen, Lehrausfall ...  :dollars:
Bei mir ist vor einem Jahr sogar ein ganzer Lehrstuhl unter den Tisch gefallen und jetzt komplett unbesetzt, weil die Wahl des neuen Professors etwas schief gegangen ist. :psssst:
Der alte Professor ist in den Ruhestand gegangen, also musste ein neuer her. Es gab Vorsprechen, die Uni hat sich auf einen geeinigt, der ist allerdings an eine andere Universität gegangen. Die zweite Wahl war über 50 und durfte deswegen nicht mehr zum Professor ernannt werden - eine ganz komische Regelung, wie mir ein Dozent erklärte. So war es dann auch mit der dritten und vierten Wahl, also gibt es jetzt keinen Professor. Mein Nebenfach soll für das nächste Semester neu besetzt werden, ich hoffe, das passiert bei uns nicht genauso ...
Titel: Re: [Studium] Studentenleben
Beitrag von: Klecks am 02. März 2014, 20:49:47
Ach, du meine Güte, Duana! Sachen gibt's!  :o
Titel: Re: [Studium] Studentenleben
Beitrag von: Lothen am 03. März 2014, 00:36:29
@ Duana und Klecks: Lehrstuhlbesetzungen sind ein tolles Thema, das läuft NIE nach Plan!

Ein Beispiel aus unserer Uni: Der Lehrstuhlinhaber geht geplanterweise in Ruhestand. Es kommt eine Vertretung für ihn. Der Ruf geht raus, Bewerber werden gehört, es wird diskutiert. Der erste Kandidat lehnt ab. Es wird weitergesucht. Problem ist vor allem, dass es gar keine Räumlichkeiten für den neuen Prof gibt, weil das Gebäude baufällig ist, da ist natürlich keiner scharf drauf. Nach einem Jahr geht die Vertretung in Mutterschaftsurlaub, es gibt immer noch keinen Nachfolger. Der Lehrstuhlinhaber eines anderen Lehrstuhls übernimmt die Vertretung der Vertretung. Und siehe da - kaum ist mein Masterstudium zu Ende, ist ein neuer Professor da :)
Titel: Re: [Studium] Studentenleben
Beitrag von: Klecks am 03. März 2014, 18:47:02
Oh Mann, nicht zu fassen! Danke für die Anekdote.  :rofl:
Titel: Re: [Studium] Studentenleben
Beitrag von: THDuana am 04. März 2014, 10:47:14
Zitat von: Lothen am 03. März 2014, 00:36:29Ein Beispiel aus unserer Uni: Der Lehrstuhlinhaber geht geplanterweise in Ruhestand. Es kommt eine Vertretung für ihn. Der Ruf geht raus, Bewerber werden gehört, es wird diskutiert. Der erste Kandidat lehnt ab. Es wird weitergesucht. Problem ist vor allem, dass es gar keine Räumlichkeiten für den neuen Prof gibt, weil das Gebäude baufällig ist, da ist natürlich keiner scharf drauf. Nach einem Jahr geht die Vertretung in Mutterschaftsurlaub, es gibt immer noch keinen Nachfolger. Der Lehrstuhlinhaber eines anderen Lehrstuhls übernimmt die Vertretung der Vertretung. Und siehe da - kaum ist mein Masterstudium zu Ende, ist ein neuer Professor da :)
Ich glaube so ähnlich ist es bei meinem genannten Lehrstuhl auch; wahrscheinlich gibt es eine Vertretung, denn in Germanistik kann der Lehrstuhl für Neuere Deutsche Literatur ja wohl kaum unbesetzt bleiben. Mit Internationalen Literaturen, einer Unterabteilung der Germanistik, sieht es da wahrscheinlich schon anders aus ... Der Professor, der bei uns in den Ruhestand gehen soll, bleibt jetzt wohl noch ein Semester, wenn man dem Vorlesungsverzeichnis glauben darf.
Titel: Re: [Studium] Studentenleben
Beitrag von: Coehoorn am 17. März 2014, 17:56:40
Bei uns muss sich jetzt ein Prof vor dem Prüfungsausschuss verantworten, weil er Prüfungen gnadenlos schlampig korrigiert und es regelmäßig Abweichungen von 20 und mehr Punkten bei den eingetragenen Noten und den echten Ergebnissen gibt, weshalb viele grundlos durchgefallen sind.

Zum Glück hab ich nicht bei dem
Titel: Re: [Studium] Studentenleben
Beitrag von: Klecks am 17. März 2014, 18:27:17
Oh je! Die armen Studenten!  :o
Titel: Re: [Studium] Studentenleben
Beitrag von: THDuana am 18. März 2014, 14:32:48
Zitat von: Coehoorn am 17. März 2014, 17:56:40
Bei uns muss sich jetzt ein Prof vor dem Prüfungsausschuss verantworten, weil er Prüfungen gnadenlos schlampig korrigiert und es regelmäßig Abweichungen von 20 und mehr Punkten bei den eingetragenen Noten und den echten Ergebnissen gibt, weshalb viele grundlos durchgefallen sind.
Deine Professoren korrigieren selbst? Also von denen, die ich habe, macht das glaube ich keiner. Und einmal ist eine Klausur so schlecht ausgefallen, dass einige, die sonst einen Durchschnitt von 1 haben, hingegangen sind, der entsprechende Lehrstuhlinhaber von den Noten gar nichts wusste und nur trocken kommentierte, seine Assistenten hätten sehr streng korrigiert, ändern konne man das aber nicht mehr.
Titel: Re: [Studium] Studentenleben
Beitrag von: pyon am 18. März 2014, 15:31:02
Zitat von: Duana am 18. März 2014, 14:32:48
Deine Professoren korrigieren selbst?

Ist das tatsächlich so etwas Ungewöhnliches?

In meiner gesamten Studienlaufbahn (5. Semester) wusste ich nur ein einziges Mal sicher, dass ein Professor nicht selbst korrigiert hat. Vielleicht kaschieren es die Meisten wohl auch einfach gut.  ;D

Von einem meiner Professoren weiß ich aber sicher, dass er alle seine Klausuren selbst korrigiert und selbst bei Vorlesungen meist innerhalb einer Woche die Noten bekannt gibt. Während den Prüfungen selbst korrigiert er bereits sehr eifrig andere Klausuren oder bereits abgegebene. Wobei dieser Professor selbst generell bei den Studierenden sehr bliebt ist. (interessante Vortragsweise, tolle Klausuren (nicht unbedingt einfach, aber human und gerecht), ist mit den Studenten in Proseminaren immer per Du, usw.)

Auch bei jenen Professoren, die ich aufgrund einer negativen Benotung in ihrer Sprechstunde aufgesucht hatte, hatte ich nicht das Gefühl, dass sie meine Klausur zum ersten Mal gesehen haben.
Bei Vorlesungsprüfungen sind es meistens um die 200-300 Studenten. Vielleicht ist das eine eher geringe Anzahl, da auch meine Uni nicht die Größte ist.  ???
Titel: Re: [Studium] Studentenleben
Beitrag von: THDuana am 18. März 2014, 17:49:34
Zitat von: pyon am 18. März 2014, 15:31:02
Bei Vorlesungsprüfungen sind es meistens um die 200-300 Studenten. Vielleicht ist das eine eher geringe Anzahl, da auch meine Uni nicht die Größte ist.  ???
Meine Vorlesungen haben eher 400+ Studenten und bisher waren es auch Klausuren, bei denen man nur kurze Antworten geben musste oder Multiple-Choice-Aufgaben hatten. Wer die Aufsätze oder Hausarbeiten korrigiert, muss ich erst noch herausfinden. ;)
Titel: Re: [Studium] Studentenleben
Beitrag von: pyon am 18. März 2014, 18:17:20
Zitat von: Duana am 18. März 2014, 17:49:34
Meine Vorlesungen haben eher 400+ Studenten und bisher waren es auch Klausuren, bei denen man nur kurze Antworten geben musste oder Multiple-Choice-Aufgaben hatten. Wer die Aufsätze oder Hausarbeiten korrigiert, muss ich erst noch herausfinden. ;)

Okay, ja. Das ist dein deutlicher Unterschied bei der Studierendenanzahl. ;D
Wobei in meinen VOs sitzen auch immer um die 400+ Leute, nur treten niemals alle zum ersten Prüfungstermin an. Das verläuft sich immer ein wenig.
Aber ich kann mir gut vorstellen, dass es dabei so ziemlich unmöglich ist alle Klausuren selbst zu korrigieren. Vor allem, wenn die Note nach 4 Wochen eingetragen werden muss.  :hmmm: Zumindest gibt es auf meiner Uni diese Richtlinie.
Titel: Re: [Studium] Studentenleben
Beitrag von: Mithras am 18. März 2014, 19:10:00
Mein aktueller Aufreger: Mir fehlen 0,15 Punkte zur besseren Note - ja, ganz recht, nicht 1,5, sondern 0,15 Punkte! :wums: Und kein Prof ist bereit, mit mir zu verhandeln - es gibt ja einheitliche Bewertungsmaßstäbe. Gäbe es die wirklich, hätte ich auf dieselbe Aufgabe nicht fünf Punkte Abzug bekommen, nur weil ich bei einer Multiplikation im Kopf den Faktor 0,5 unterschlagen habe, obwohl ich ihn hingeschrieben habe, während eine Kommilitonin für dieselbe Aufgabe (mit einer nicht einmal nachvollziehbaren Berechnung) zwei Punkte mehr bekommt. O-Ton Prof: Ich habe Ihnen doch gesagt, dass Quervergleiche nichts bringen! :omn:
Das ist einer der Professoren, die die Lehre für die Nachgeburt des Forscherlebens halten, im Geist ständig im Labor sind (und deshalb nur in der Hälfte aller Vorlesuungen physisch anwesend sind) und seit Jahren dieselbe Klausur verwenden, weil sie keinen Bock auf Korrekturen haben. Und damit es nicht zu einfach wird, hauen sie einige schöne, dämliche Auswendiglernaufgaben rein, die man auf Anhieb kaum beantworten kann, weil man auf so etwas einfach nicht lernt: Wie viele Basenpaare hat ein Hefegenom? Wie hieß folgender Forscher mit Vornamen? In welchem Jahr wurde er geboren?

Wie dem auch sei: An meiner Uni ist es tatsächlich etwas Ungewöhnliches, dass die Professoren selbst korrigieren, und wir sind noch einmal deutlich weniger Studenten; gemeinsam mit den Biochemikern, die einige Klausuren mit uns schreiben, sind es in der Regel nicht mehr als 130 Exemplare, die korrigiert werden müssen, und wir sind noch ein relativ großes Semester. Trotzdem sind es meist (Post-)Doktoranden und HiWis, die die Klausuren korrigieren. Ich habe selbst schon ein paar Klausuren (als HiWi) korrigiert, das läuft dann meist so ab, dass jeder Korrektor (inkl. Prof) eine oder zwei Aufgaben übernimmt und zum Schluss dann die Punkte zusammengezählt werden. Wenn man konsequent durcharbeitet, schafft man das an einem Tag; trotzdem lassen manche Klausuren, die nach diesem System bearbeitet werden, Wochen auf sich warten (Rekord: zwei Monate). Wenn ein Prof mal mehr als die Hälfte der Klausur korrigiert, ist das sehr ungewöhnlich. Nur einer lässt es sich bei uns nicht nehmen, alles selbst zu machen, da er immer nach Punkten sucht und sie teilweise sogar aus dem Nichts heraus erschafft. Uns freut's. Bei anderen Profs wäre das eher weniger wünschenswert; da sind die Doktoranden meist großzügiger, denn die können sich noch besser an ihre Studienzeit erinnern - oder kennen die Studenten, deren Klausuren sie vor sich liegen haben, persönlich, obwohl nach offiziellen Regeln der Name nicht auf der Klausur auftauchen darf.

Manche Professoren stellen nicht einmal ihre Fragen selbst und werden nie in der Vorlesung gesehen, weil sie alles an ihre Postdoktoranden delegieren. Das Semester unter mir hält einen Prof seit Jahren für eine Einbildung (Reaktion unseres nerdigsten Dozenten auf diese Aussage: Ist wahrscheinlich auch besser so.), wir hingegen zählen zu den Erleuchteten, denn wir haben ihn gesehen und mit ihm gesprochen! 8)
Titel: Re: [Studium] Studentenleben
Beitrag von: Lemonie am 18. März 2014, 19:18:00
Wow, 0,15 Punkte sind ja echt ärgerlich... einer Freundin haben in Mathe 2 Punkte zum bestehen gefehlt und die sagen ihr auch noch bei der Klausureinsicht, sie wäre die Beste von allen Durchgefallen... wow. Tolles Gefühl.  :P

ZitatTrotzdem sind es meist (Post-)Doktoranden und HiWis, die die Klausuren korrigieren. Ich habe selbst schon ein paar Klausuren (als HiWi) korrigiert, das läuft dann meist so ab, dass jeder Korrektor (inkl. Prof) eine oder zwei Aufgaben übernimmt und zum Schluss dann die Punkte zusammengezählt werden.

Ja, so läuft das bei uns auch.... aber vielleicht kommt das wirklich auf die Studierndenzahl an (bei kleinen Fächern lohnt es sich ja vielleicht auch gar nicht, dafür extra noch Hiwis zu bezahlen).

Nur mal aus Interesse, was studierst du (Mithras)? ;)
Titel: Re: [Studium] Studentenleben
Beitrag von: Klecks am 19. März 2014, 05:21:00
Oh je, Mithras! Das Studentenleben scheint nicht so einfach zu sein.   :o
Titel: Re: [Studium] Studentenleben
Beitrag von: Mithras am 19. März 2014, 09:23:13
Zitat von: Lemonie am 18. März 2014, 19:18:00
Ja, so läuft das bei uns auch.... aber vielleicht kommt das wirklich auf die Studierndenzahl an (bei kleinen Fächern lohnt es sich ja vielleicht auch gar nicht, dafür extra noch Hiwis zu bezahlen).
Rein für Korrekturen werden selten HiWis eingestellt. Nur dieser eine Prof am Anfan meines vorigen Beitrags ist faul genug, das zu tun. Ich hab das auch nur deshalb gemacht, weil ich ein paar Tutorien gegeben habe, und die Korrektur gehört vertraglich dazu.

Zum Glück schreibe ich jetzt keine Klausuren mehr, sondern nur noch die Bachelorarbeit. Die legendäre 0,15-Klausur kann ich glücklicherweise noch nachschreiben, wenn ich will, weil ich alle Klausuren des Semesters auf Anhieb bestanden habe und es für dieses Semester eine Sonderregelung gibt. Mal schauen, ob ich's mache.

Zitat von: Lemonie am 18. März 2014, 19:18:00Nur mal aus Interesse, was studierst du (Mithras)? ;)
Biologie mit molekularbiologischem Schwerpunkt! :)

@Klecks: Na ja, wirklich schwer ist das nicht. Lernen und Praktika zu koordinieren - das kann kompliziert werden, je nach Studiengang. Man braucht nur einfach ein dickes Fell, um sich von unmotivierten und arroganten Profs nicht unterkriegen zu lassen. Von denen haben wir aber zum Glück nicht zu viele.