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Nordische Mythologie ausgelutscht?

Begonnen von Libella, 27. Juni 2021, 18:12:16

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Libella

In viele meiner Geschichten schleichen sich nordische, keltische bzw. germanisch angehauchte Faktoren. So etwa keltische Namen, oder Drachenerzählungen aus dem Nibelungenlied und ähnliches.

Je mehr ich jedoch in Foren unterwegs bin, sehe ich, dass das irgendwie zum Standard geworden ist. Findet ihr sowas kann "out" werden? Oder ist das zeitlos? ???

Ahneun

Klare Antwort; -> Zeitlos!!!  :jau:
Nun, aber so einfach will ich es mir mit der Antwort auch nicht machen.
Es ist natürlich die Vergangenheit und es kommt auch nix Neues hinzu. Dennoch geben die Mythen und Sagen eine Menge 'Schreibstoff' her.  :flausch: Ich denke, es ist Zeitlos. Auch wenn Du das Gefühl hast, es könnte aus der 'Mode' geraten sein.

Liebe sagenhafte Grüße!  :winke:
- Ein Diamant
ist

KaPunkt

*schreibt gerade Nordische Space Fantasy*
Mach dir um Moden nicht zuviel Sorgen. Die kommen und gehen.
Ich glaube, die Mythen, mindestens die nordischen und die griechisch/römischen sind in der mitteleuropäischen Kultur so tief verwurzelt, dass man ein Stück gar nicht um sie herum kommt, bzw. dass sie niemals so völlig aus der Mode kommen werden.

Liebe Grüße,
KaPunkt
She is serene
with the grace and gentleness of
the warrior
the spear the harp the book the butterfly
are equal
in her hands.
(Diane di Prima)

Graumond

Gerade in der Videospiel-Landschaft erlebt das nordische Setting gerade (mit Titeln wie "God of War", "Valheim" oder "Assassin's Creed Valhalla") schon einen ziemlichen Trend - und auch in anderen Medien, sei es nun Buch, Film oder Serien ist es inzwischen keine Seltenheiten mehr.
Aber "ausgelutscht" ist eine Geschichte in diesem Setting m.M.n. nur dann, wenn sie sich an den gängigsten Klischees aufhängt. Oder das Setting sehr plump umsetzt.
Gerade die verschiedenen Mythologien geben eigentlich genügend Stoff her, mit dem man arbeiten und spielen kann. Das ist eigentlich immer etwas zu finden, das noch nie jemand auf diese ganz spezielle Weise umgesetzt hat. Und letzten Ende setzt jede*r Autor*in dieselbe Grundidee ohnehin auf die eigene, individuelle Art um.
Sprache ist Werkzeug und Waffe zugleich.
Sprache kann erschaffen und zerstören.
Wir machen von ihr Gebrauch, und müssen uns doch ihren Regeln unterwerfen.
Wir wissen kaum etwas über ihre Ursprünge und nichts darüber, wohin sie gehen wird.
Sprache definiert, wie wir denken und wer wir sind.
Der Mensc

Cooky

Meinem Gefühl nach erfahren diese Mythologien immer wieder einen Hype, spätestens, wenn die Filmindustrie und heute auch Spieleindustrie sie das nächste Mal aufgreift. Während dieser Zeiten tritt natürlich eine gewisse Übersättigung dieser Themen ein. Das flaut ab und wenn es weit genug aus dem Gedächtnis der Menschen ist (also so nach sechs Monaten ;-)), kann man die sie erneut damit begeistern. Schreib dein Buch fertig, dann hast du eines und kannst immer noch entscheiden, ob du heute etwas damit machen willst, oder erst, wenn das Thema nicht mehr omnipräsent ist.

Das ist übrigens etwas, das fast alle Genres mitmachen.

Indigo

Ich denke auch nicht, das das je "ausgelutscht" sein kann. Alles, was man nicht logisch erklären kann und um das sich viele Mythen ranken, wird uns immer faszinieren.

Auf Netflix schauen wir grad die 2. Staffel von Ragnarök. Anders umgesetzt als der bisherige "Mainstream", aber trotzdem toll, mal erfrischend anders.
Du konntest es weder verhindern, noch kannst du es jetzt ändern.

Libella

Danke für eure ganzen Antworten. Das beruhigt mich doch sehr.
Durch mein Studium bin ich in diesen Themen glücklicherweise tiefer drin, als nur oberflächlich.

Mein nächstes Projekt, dem ich mich widmen will, ist der Beowulf. Darauf bin ich schon sehr gespannt. Denn das bedeutet wieder lesen und recherchieren :buch:

Lightnik

Ich würde @Graumond da auf jeden Fall zustimmen!
Wenn es nicht um ein mythologisches Element explizit geht (du schreibst ja von "angehauchte Faktoren"), dann würde ich erst recht wenig Gefahr der Übersättigung sehen. In dem Fall kann man immer noch kreativ abwandeln oder auch mal verschiedene Mythologien kombinieren. Trotz Hype begrenzt sich aus meiner Sicht das allgemeine Wissen über nordische Mythologie auf die großen "Figuren" wie Odin, Thor etc. Ich glaube, die wenigsten wissen, dass in der nordischen Entstehungsgeschichte auch eine Kuh eine Rolle spielt :) Und solche Details sind ja zu Hauf zu finden, sodass du viel Inspiration finden kannst.

Das heißt natürlich nicht, dass die "bekannten Elemente" gar nicht gehen. Vielleicht hast du aber auch Lust und die Möglichkeit (stoffabhängig), dich davon eben zu entfernen. Keltische Namen sind zum Beispiel immer sehr schön. Wenn du aber nicht gerade über de Region/Zeit schreibst, sondern eben ein reines Fantasy-Setting, kannst du ja auch einfach keltische Namen abwandeln. Z. B. Statt Thor dann Thorin, Thorak oder was auch immer :-) So kannst du einfach ein wenig kreativ spielen und selbst die ganz kritischen können sich nicht beschweren, dass bekannte Inhalte wiederholt werden. Ist aber kein Muss - wie gesagt, bietet der Bereich auch so genug Spielfläche.

Viel Spaß und Erfolg auf jeden Fall damit!