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Autor Thema: Own Voices und Chancengleichheit auf dem Buchmarkt [CN Rassismus]  (Gelesen 6498 mal)

Offline Naudiz

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Re: Own Voices und Chancengleichheit auf dem Buchmarkt
« Antwort #105 am: 17. Februar 2021, 17:58:28 »
Die beste Möglichkeit, wie ich schon in einem anderen Thread erwähnt habe, ist, so denke ich Bücher von Own Voices zu kaufen, sofern bekannt ist, ob sie Own Voices sind. Denn nicht jeder macht es publik und nicht jede Form des Own Voice ist sichtbar oder wird offen gezeigt. Aber ich denke, indem man Bücher kauft, insbesondere auch von Selfpublisher_innen, die Own Voice sind, kann man auch den Buchmarkt beeinflussen. Wenn die Nachfrage da ist, dann ist der Buchmarkt gezwungen darauf einzugehen und dann kaufen Verlage vielleicht auch mehr Own Voice Romane ein.

Die Nachfrage spielt gewiss eine Rolle, aber das Problem ist halt oft, dass Verlage sich trotzdem nicht rantrauen, besonders, weil Own Voices-Medien meines Beobachtens oft eher kritisiert werden als andere Bücher (sei es von nicht marginalisierten Leser*innen oder aus den eigenen Reihen). Und Kritik, selbst wenn sie angebracht ist, hat Abschreckungspotential, sodass Verlage dann oft keine weiteren Bücher in die Richtung haben wollen. Wobei die Thematik wahrscheinlich komplexer ist, als ich sie darstelle; ich kann nur von dem sprechen, was ich persönlich sehe. Nicht ohne Grund sind viele Own Voices-Autor*innen im Selfpublishing. Und nur, weil etwas im SP einen Markt hat, heißt das leider noch lange nicht, dass Verlage ein Stück vom Kuchen abhaben wollen. Da müsste man schon einen SP-Titel zum großen Hit machen, denke ich. Und selbst wenn man dann doch ein Buch bei einem Verlag unterbekommt, dann ist es leider oft der Fall, dass man kein gutes Marketing dafür bekommt, weil, es ist ja irgendwo doch Nische, besser, man steckt da nicht zu viel Geld rein. Und dann hat man schnell einen Teufelskreis.

Ich persönlich unterstütze viele Own Voices-Autor*innen über Plattformen wie Patreon oder Ko-fi. Da ist aber leider das Problem, dass man eben nicht ein komplettes Buch kauft, sondern nur den Prozess unterstützt. So wirklich Chancengleichheit schafft das aber leider nicht. :-\

Offline Yamuri

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Re: Own Voices und Chancengleichheit auf dem Buchmarkt
« Antwort #106 am: 17. Februar 2021, 18:20:44 »
@Naudiz: Wenn mehr Leute die Bücher kaufen würden und auch positive Rezensionen schreiben, könnte das aber langfristig vielleicht etwas bewirken.  :hmmm:

Was mir allerdings zu deinem Hinweis auf negative Kommentare auch auffällt - leider sind die Deutschen, das ist meine persönliche Wahrnehmung, immer noch extrem konservativ und verbissen was bestimmte Erzählstrukturen und Erzählweisen anbelangt. Es ist aber klar, dass Own Voices, besonders PoC möglicherweise einen neuen, anderen Zugang haben, eine andere Art zu erzählen haben. Ich persönlich mag das. Aber solange die Mehrheit noch festhält an Atlhergebrachtem, ist es schwierig. Ich halte aber SP dennoch für eine Chance mehr Chancengerechtigkeit zu ermöglichen. Gerade hier im TiZi sind viele aufgeschlossen und interessiert. Ich weiß, wenn nur wir PoC und Own Voices generell durch Käufe unterstützen, ist das nicht viel. Aber es ist ein erster Schritt.

Finde das ganz toll, dass du das machst. :) Kannst du mir da Empfehlungen zu Autor_innen geben? Und was ist denn Ko-fi? Davon habe ich noch gar nicht gehört.

Offline Naudiz

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Re: Own Voices und Chancengleichheit auf dem Buchmarkt
« Antwort #107 am: 17. Februar 2021, 18:39:02 »
@Naudiz: Wenn mehr Leute die Bücher kaufen würden und auch positive Rezensionen schreiben, könnte das aber langfristig vielleicht etwas bewirken.  :hmmm:

Ich habe gar nicht mehr an Rezensionen gedacht, aber ja, gerade bei den großen Plattformen wie Amazon spielen sie eine große Rolle. Ich glaube, wenn man genug hat, wird man eher beworben? Ich meine, das mal gehört zu haben.

Zitat
Was mir allerdings zu deinem Hinweis auf negative Kommentare auch auffällt - leider sind die Deutschen, das ist meine persönliche Wahrnehmung, immer noch extrem konservativ und verbissen was bestimmte Erzählstrukturen und Erzählweisen anbelangt.

Ja, selbiges hier. Wobei der amerikanische Markt jetzt auch nur bedingt besser ist. Es ist schon ein recht umfassendes Problem in der westlichen Welt, meiner Meinung nach.

Zitat
Finde das ganz toll, dass du das machst. :) Kannst du mir da Empfehlungen zu Autor_innen geben? Und was ist denn Ko-fi? Davon habe ich noch gar nicht gehört.

Ko-Fi ist eine Plattform, auf der man Künstler mit dem Kauf eines Kaffees unterstützen kann, wobei der Kaffee sinnbildlich für die 3€ einer Standardspende steht (der Preis eines Kaffees im Laden). Der Vorteil von Ko-Fi vs. Paypal ist, dass Ko-Fi keine Gebühren nimmt, der Künstler erhält also das volle Geld.

Ich gebe zu, ich unterstütze momentan nur drei Autor*innen auf Patreon, weil ich nicht gerade in Geld schwimme, und nur eine/r davon ist tatsächlich BIPOC und damit passend zum Thema. Xer Name ist Hajara Mahmud, und xe schreibt Fantasy mit Helden, die wie xer schwarz sind. Allerdings auf Englisch.

Ich denke aber nicht, dass Empfehlungen wie diese hierher gehören. Eigentlich wollte ich nur darauf hinweisen, dass es halt auch Autor*innen gibt, die ganz außerhalb des traditionellen Buchmarktes agieren, und viele davon sind auf Patreon vertreten.

Kraehe

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Re: Own Voices und Chancengleichheit auf dem Buchmarkt
« Antwort #108 am: 17. Februar 2021, 18:44:54 »
Auf der einen Seite will ich die Diskussion nicht an mich reißen, denn hier gerade geht es um Rassismus und da bin ich einfach nicht betroffen und da spielt meine Meinung keine Rolle.
Nein. Wie kannst du am Ende dieser Diskussion noch immer glauben, es wäre egal, dass und wie du zu dem Thema schweigst?

@Nikki: Danke für deinen letzten Beitrag und begründeten Einwand.

Offline Yamuri

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Re: Own Voices und Chancengleichheit auf dem Buchmarkt
« Antwort #109 am: 17. Februar 2021, 19:00:22 »
@Naudiz: Ja, die Empfehlungen gehören wohl eher in den Empfehlungsthread, oder via PN. ;) Danke auf jeden Fall dafür. Ko-Fi scheint mir auch ein gutes Konzept zu sein. Englisch ist für mich zumindest kein Problem (ja, das ist wohl eines meiner Privilegien, dass ich ein Sprachtalent habe :))

Ich denke auch, dass viele Rezensionen dazu führen können, dass man eher beworben wird. Und die Autor_innen werden natürlich auch ermutigt mehr zu schreiben und zu veröffentlichen. :)

Zitat
Ja, selbiges hier. Wobei der amerikanische Markt jetzt auch nur bedingt besser ist. Es ist schon ein recht umfassendes Problem in der westlichen Welt, meiner Meinung nach.

Ja, leider. Irgendwo habe ich dazu auch mal einen Artikel gelesen. Leider weiß ich nicht mehr wo. Aber auf jeden Fall lohnt sich jeder kleine Schritt, um PoC Sichtbarkeit zu verschaffen. Da fällt mir ein, eigentlich könnte man sich ja als weißer Autor, wenn man PoC Charaktere in seinen Romanen hat nicht nur bewusst mit PoC Autor_innen vernetzen, sondern dann auch Werbung machen in den eigenen Geschichten. Früher hab' ich das in Büchern oft gesehen, dass hinten drin andere Bücher beworben wurden. Sowas könnte man eigentlich auch machen als SPler in Kooperation mit andren SPlern.  :hmmm: Außerdem kann Vernetzung sowieso nicht schaden, weil man von den PoC Autor_innen viel lernen kann über eine gute Darstellungsweise und man sich auch austauschen kann darüber, was sich PoC wünschen.

Es wurde hier ja auch schon erwähnt: Geschichten in denen PoC vorkommen und einfach zum Bestandteil der Welt gehören, ohne dass dies problematisiert wird.

Offline Mondfräulein

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Re: Own Voices und Chancengleichheit auf dem Buchmarkt
« Antwort #110 am: 17. Februar 2021, 19:01:20 »
Auf der einen Seite will ich die Diskussion nicht an mich reißen, denn hier gerade geht es um Rassismus und da bin ich einfach nicht betroffen und da spielt meine Meinung keine Rolle.
Nein. Wie kannst du am Ende dieser Diskussion noch immer glauben, es wäre egal, dass und wie du zu dem Thema schweigst?

Das tue ich nicht. Ich habe meinen Beitrag da glaube ich doof formuliert. Es geht mir nicht darum, zu Rassismus zu schweigen und nichts dagegen zu sagen, sondern zur Diskussionskultur im Forum. Weil es solche Diskussionen eben auch zu anderen Themen gab, die mich persönlich betreffen. Wir hatten schrecklich sexistische Aussagen, wir hatten schrecklich queerphobe Aussagen. Wir hatten eine Menge Gaslighting zu diesen Diskussionen von Seiten der Mitglieder und von Seiten der Mods, vieles davon auch nicht öffentlich. Zu all dem habe ich ewig lange Beiträge geschrieben und dann nicht gepostet, weil es mir vorkam, als würde ich die Debatte dadurch an mich reißen, weil es hier um diesen einen Thread ging und nicht um all die anderen. Mit allem, was hier damals passiert ist, ist es aber einfach schwierig für mich, die Themen nicht zu vermischen. Aber ich meinte nicht, dass ich zu Rassismus schweigen will.

Offline Anila

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Re: Own Voices und Chancengleichheit auf dem Buchmarkt
« Antwort #111 am: 17. Februar 2021, 19:17:08 »
Der Zug mag schon ein bißchen abgefahren sein trotzdem möchte ich mich mich noch einreihen in die Gruppe derer, die sich entschuldigen, weil sie zu selten den Mund aufmachen um gegen Rassismus zu kämpfen. Hier im Forum und anderswo.

Der Prozeß des Lernens ist für so mittelalte, "weltoffene" Menschen wie mich gar nicht so einfach. Weil ich denke, dass ich das ja eigentlich alles gar nicht so schlecht mache.
Am meisten hilft mir dabei zuzuhören. So wie dir @Krähe. Über deinen Schmerz zu lesen, den Schmerz und die Wut einer Person, "bei der das doch eigentlich alles gar nicht so schlimm sein kann." Deswegen danke ich dir für die viele Energie, die dich diese und wahrscheinlich auch zukünftige Beiträge gekostet haben/kosten werden.
  
"Courage is grace under pressure." (Hemmingway)

Offline Rosentinte

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Re: Own Voices und Chancengleichheit auf dem Buchmarkt [CN Rassismus]
« Antwort #112 am: 24. Februar 2021, 09:54:17 »
Das Moderator*innenteam des Tintenzirkels hat sich entschlossen, diesen Thread zu schließen. Durch rassistische Aussagen und unangemessene Vergleiche wurden in diesem Thread viel Leid verursacht. Leider haben wir als Team in diesem Moment nicht eingegriffen, wofür wir uns noch einmal entschuldigen möchten. Wir werden diesen Thread nicht ins Archiv verschieben, da er einige sehr wichtige und konstruktive Beiträge zum Thema Own Voices und Rassismus enthält. Wir denken aber auch, dass anschließend an die Beiträge in diesem Thread keine Diskussion des eigentlichen Themas mehr möglich ist. Da wir das Thema Own Voices und Repräsentation am Buchmarkt für sehr wichtig erachten, haben wir einen neuen Thread für diese Diskussion eröffnet.
El alma que anda en amor
ni cansa ni se cansa.
Eine Seele, in der die Liebe wohnt, ermüdet nie und nimmer. (Übersetzung aus Taizé)

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