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Genderinklusive Schreibweise von Engeln, Dämonen, Vampiren und Co

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Nikki:
Anstoß der Diskussion war das Buch Vampire. Zwischen Blutdurst und Triebverzicht von Marion Näser-Lather & Marguerite Rumpf (Hg.) (2020), dessen ehtnologisch-kulturwissenschaftlichen Beiträge sich des Gender-Sternchens bedienen - auch bei "Vampyr*innen".

Was haltet ihr davon? Wenn ihr schon genderinklusiv in euren Romanen schreibt, bezieht ihr dann auch solche überirdischen Begrifflichkeiten ein oder lasst ihr sie außen vor?

In einem meiner Universen benütze ich das Wort "Dämonin", da sich, ausgehend von der Menschenwelt, der Sexismus in die Welt der "Dämonen" eingeschlichen hat und selbst diese einen Unterschied zwischen weiblichen und männlichen Dämonen macht. Dämonen, die sich als weder männlich noch weiblich empfinden, werden damit übergangen. Dabei sollte in dieser Welt das Geschlecht nie eine Rolle spielen, doch die Dämonen, so sehr sie auch auf den Menschen herabsehen, sind in manchen Dingen eben nicht unbedingt besser. Die Eigenbezeichnung der Dämonen gendere ich hingegen nicht.

Ob ich das Wort Engel genderinklusiv gestalten sollte, habe ich mich bis dato noch nie gefragt.

Einige werden jetzt vielleicht sagen, all diese Wesen sind per se geschlechtlos - aber werden sie nicht automatisch geschlechtlich, indem ich sie in die menschliche Welt als bspw. love interest einführe? Haben manche Genres (Romantasy etc.) nicht von Haus aus die Vermenschlichung solcher überirdischen Entitäten zur Folge, was hieße, wenn ich meinen Roman genderinklusiv gestalten möchte, auch diese Wesen in das nonbinäre System eingliedern muss?

Ich freue mich auf eine ergiebige und hoffentlich auch inspirierende Diskussion. :)

Araluen:
Ich begreife Engel und Dämonen als Wesenheiten, die sich nicht über ihr Geschlecht definieren, sondern über ihre Funktion/Rolle. Zumal weibliche Engel ohnehin ein Produkt der Fantasyliteratur sind. Soweit mir bekannt existieren in religiösen Schriften keine weiblichen Engel (wohl aber vor allem weibliche Dämonen). Dementsprechend würde ich Engel und Dämonen nicht gendern. Bei Vampir halte ich es ähnlich, da sich das Wesen ebenfalls nicht über sein Geschlecht definiert. Daher empfinde ich das Wort Vampir auch nicht männlich geprägt (hey Carmilla war sogar vor Dracula da :P), weshalb ein Gendern des Wortes unnötige Aufmerksamkeit auf das Geschlecht lenken würde.
Kurz: Ich finde, dass Bezeichnungen, die ohnehin nicht männlich vorbelastet sind, für mich persönlich ausreichend genderinklusiv sind und gendern in diesem Fall vom wesentlichen ablenkt.

Nikki:

--- Zitat ---Soweit mir bekannt existieren in religiösen Schriften keine weiblichen Engel (wohl aber vor allem weibliche Dämonen)
--- Ende Zitat ---

Wie du, meiner Meinung nach, richtig anmerkst, sind weibliche Dämonen, sprich, Dämoninnen, ein Teil der (europäischen) Kulturgeschichte, behandelst du also das Wort "Dämon" anders als "Engel" oder "Vampir"?

FeeamPC:
Dämonen sind ambivalent, Incubus und Succubus konnten sich meines Wissens ineinander umwandeln. Engel düften in der Bibel eindeutig männlich gewesen sein, denn es gibt da die Erzählung, dass sie mit den Töchtern der Menschen Kinder zeugten, und jeder Engel in der Bibel wird, wenn er überhaupt menschenartig auftrat, als Mann beschrieben.
Wobei allerdings die höheren Ränge der Engel laut biblischer Beschreibung so wenig menschlich aussahen, dass Dämonen dagegen Kuschelkätzchen waren. (Feuerräder mit Augen, mehrflügelige Wesen mit vier Gesichtern usw.)
Ich würde also sagen, in diesem speziellen Fall gibt es kein richtig oder falsch.

Araluen:
Dämon ist wie Engel oder Vampir für mich geschlechtsneutral. Nach meiner Auffassung ist das Geschlecht nicht Teil der Identifikation eines Dämons (er identifiziert sich über das, was er verkörpert), sondern eine Gestalt, die er sich gibt. Es gibt natürlich auch Dämonen, die per Definition weiblich sind, wie ein Succubus (männliches Pendant Incubus). Aber ich würde hier eher von weiblicher Dämon als Dämonin sprechen. Zumindest wenn ich mich auf die klassischen Dämonen beziehe. Hat man sein eigenes Setup und nennt sein Volk halt Dämonen, um bestimmte Assoziationen zu wecken, ist das wieder etwas anderes, denn dann wird aus einer Entität ein Volk und einzelne Mitglieder dieses Volkes lassen sich natürlich einem Geschlecht zuweisen (wenn dieses Volk per Definition mehrere Geschlechter hat).
Das ist nur meine persönliche Herangehensweise. Keine Ahnung, ob es da ein Richtig oder Falsch gibt.

@FeeamPC : Das kommt noch dazu. Sowohl Dämonen als auch Engel sind in der Lage ihre Gestalt zu verändern und gerade die hochrangigen Engel sehen eher furchterregend aus und haben nur wenig menschliche Züge.

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