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Autor Thema: Erzählstil in historischen Romanen  (Gelesen 11670 mal)

Offline Cairiel

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Re: Erzählstil in historischen Romanen
« Antwort #30 am: 06. Dezember 2014, 12:22:24 »
Bei mir - also in meinen Frühmittelalter-Settings, im realen Leben oder zeitgenössischen Settings durchaus - gibt es keine Babys, und wer mir jetzt aus der Verwendung des Wortes "Säugling" einen wie auch immer gearteten Strick drehen will, soll das gerne tun.
So kleiner Einwurf zwischendurch: Hier im Tintenzirkel drehen wir einander keine Stricke und hängen uns erst recht nicht an so etwas auf.  :D   Ich weiß nicht, was für einen schlechten Eindruck wir scheinbar auf dich machen, aber so schlimm sind wir wirklich nicht.  :P

Signy

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Re: Erzählstil in historischen Romanen
« Antwort #31 am: 06. Dezember 2014, 13:22:22 »
Das Problem mit Cornwell ist ja auch, dass sein Erzähstil "meins" ist - aber ganz und gar nicht sein doch sehr düster angelegter Inhalt.
Also, wenn ich "wie Cornwell" ankündige, erwarten die dann nicht Tragik, Tod und Verderben?
Gut, das kommt in meinem Manuskript durchaus vor, allerdings ringen die beiden Protas dem Schicksal doch ihr kleines Happy End ab.

Ich weiß auch, dass es Leute gibt, die lesen Histos nur, wenn ausdrücklich keine Liebesgeschichte drin vorkommt.
Und andererseits, von historischen Liebesromanen ist mein Manuskript dann wieder stilistisch weit entfernt. Da mag es die Leserin wohl eher üppig.

Sprich, ich sitze irgendwie voll zwischen den Stühlen.

@ Cairiel, ich frage mich immer noch, was der Hinweis auf Sprachhygieniker des dritten Reichs aussagen soll.

Offline Duana

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Re: Erzählstil in historischen Romanen
« Antwort #32 am: 06. Dezember 2014, 13:31:07 »
@ Cairiel, ich frage mich immer noch, was der Hinweis auf Sprachhygieniker des dritten Reichs aussagen soll.
Was Churke meinte waren die Bestreben im Dritten Reich, die deutsche Sprache von Fremd- und Lehnwörtern zu "reinigen". Dabei war ein Wort wie baby natürlich auch betroffen. (Quelle: hier)
Er hat dir mit Sicherheit nicht vorwerfen wollen, dass du politisch nationalsozialistisch ausgerichtet bist, oder es dein Schreibstil wäre. Sein Kommentar hat sich lediglich auf den Gegenstand der abgeschweiften Diskussion, nämlich der Übersetzung des Wortes baby beschränkt.
Je lauter du schreist, desto tauber wirst du.

Offline Klecks

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Re: Erzählstil in historischen Romanen
« Antwort #33 am: 06. Dezember 2014, 13:55:23 »
Also, wenn ich "wie Cornwell" ankündige, erwarten die dann nicht Tragik, Tod und Verderben?

Deshalb schreibt man ja auch nicht "wie Autor soundso", sondern "für Leser von Autor soundso". Dann wird klar, in welche Richtung das geht, aber man erwartet nicht, dass du wirklich wie "Autor soundso" schreibst. Aber das ist ziemlich Off Topic, was den Erzählstil in historischen Romanen betrifft, das gehört hier nicht hin. Wir haben allerdings einen Zielgruppen-Thread, wenn ich mich recht erinnere.  :hmmm:
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Signy

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Re: Erzählstil in historischen Romanen
« Antwort #34 am: 07. Dezember 2014, 17:36:42 »
Nicht explizit dem Strangthema entsprechend, ich bitte um Verzeihung.

Michaela

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Re: Erzählstil in historischen Romanen
« Antwort #35 am: 07. Dezember 2014, 17:49:01 »
Meine Freundin machte jetzt den Vorschlag, die Quadratur des Kreises durch die Benennung von zwei Vergleichswerken zu umgehen, in der Art von "stilistische Ähnlichkeit zu Xy von Autor A, inhaltlich mit Yz von Autor B zu vergleichen".

Das würde ich im Exposé so nicht schreiben. Sich mit Autor ... zu "vergleichen" kommt bei Agenturen und Verlagen nicht gut an. Das weicht aber stark vom eigentlichen Thema - Erzählstil in historischen Romanen -  ab. Deshalb lieber wieder zurück zum Thema.  :D

Offline Klecks

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Re: Erzählstil in historischen Romanen
« Antwort #36 am: 07. Dezember 2014, 18:50:52 »
Kein Problem, Signy, das passiert mir auch manchmal.  :D

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Offline Malinche

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Re: Erzählstil in historischen Romanen
« Antwort #37 am: 07. Dezember 2014, 20:23:20 »
Nicht explizit dem Strangthema entsprechend, ich bitte um Verzeihung.

Huch, hier stand doch vorhin noch etwas anderes? :)

Signy, wenn man in Diskussionen mal ein bisschen vom Thema abkommt, ist das normal und völlig okay. Schließlich passiert das in nicht-virtuellen Gesprächssituationen auch.

Es gibt dann zwei Möglichkeiten - entweder, nach einer Weile kommt das Gespräch im Thread ganz automatisch zum Hauptthema zurück, oder es weitet sich so aus, dass man dann einen Mod bitten kann, die entsprechenden Beiträge "umzutopfen", um sich in Ruhe in einem eigenen Thread weiter dazu austauschen zu können. Für beide Möglichkeiten gilt: Alles gut. Niemandem wird für ein bisschen Off-Topic der Kopf abgerissen. Es ist darum nicht nötig und sogar eher irritierend, den Inhalt eines Beitrags zu löschen. Das Hauptproblem dabei ist, dass Folgebeiträge, die sich darauf beziehen, was vor dem Editieren dort stand, plötzlich komplett aus dem Zusammenhang gerissen da stehen und es für andere Mitglieder verwirrend wird. Also bitte einfach dazu stehen, wenn es mal vom Thema Abweichendes zu sagen gibt - wie gesagt, es ist normal, in Ordnung und es gibt andere Lösungen dafür, als das Geschriebene zu löschen. Danke!
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Offline canis lupus niger

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Re: Erzählstil in historischen Romanen
« Antwort #38 am: 19. Dezember 2014, 19:24:22 »
Ja, aber das sollte der/die gute Deutsche nicht verwenden, weil es so herzlos klingt.
Man präsentierte als Synonym dann "Kindlein". Dass diesem Wort der Durchbruch versagt blieb, dürfte nicht nur mit dem 8. Mai '45 zu tun haben, behaupte ich jetzt einfach mal so...  ::)

Äh, ... was? Fehlt mir da der Instinkt für Deine feine Ironie, Churke?
Tut mir Leid, aber vermutlich bin ich nicht "man", denn ein Säugling ist für mich ein Kind, das saugt, also im "Säuglingsalter" ist, also mit Muttermilch ernährt wird. Das hat für mich nicht das Geringste mit den braunen Zeiten zu tun, sondern mit nüchterner Logik.  Das Kindlein mag altersgemäß dann danach kommen, aber für meine pseudomittelalterliche Reihe verwende ich den Begriff Säugling jedes Mal, wenn von einem Muttermilch-ernährten und demnach sehr jungen Kind die Rede ist.

Dass die Bezeichnung im heutigen Sprachgebrauch nicht (mehr) verwendet wird, hängt aus meiner Sicht viel eher damit zusammen, dass der Anglizismus "Baby" wie viele andere auch einfach kürzer ist, im Klang das Wesen eines "Säuglings" besser wiedergibt, und einfach ... netter klingt. Wer würde heute noch die altertümlichen deutschen Begriffe für Event (Ereignis), Telefon (Fernsprecher), Mixer (Rührgerät) etc. verwenden? Für mich ist daher die Bezeichnung "Säugling" absolut logisch, passend und auch unbelastet.

Nicht alles, was Adolfs Sprachhygieniker und Propagandespezialisten missbraucht haben, ist auf ihrem eigenen Mist gewachsen. Vieles haben sie aus sehr viel älteren (und zum Teil ausländischen) Traditionen entlehnt, wie zum Beispiel das indogermanische Sonnenrad, das als "Hakenkreuz" geradezu das Sinnbild des Nationalsozialismus geworden ist. Leider haben sie uns dadurch die Unbefangenheit im Umgang mit unserer eigenen Sprache und Kultur für viele Generationen zerstört. Welcher Däne oder Schwede würde beim Besuch eines Sonnenwend-Feuers, das dort (so wie bei uns in Norddeutschland das Osterfeuer) einfach eine jahreszeitliche Tradition und ein zwangloser Treffpunkt ist, an Nationalsozialismus denken? 

Offline Churke

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Re: Erzählstil in historischen Romanen
« Antwort #39 am: 20. Dezember 2014, 00:17:46 »
Äh, ... was? Fehlt mir da der Instinkt für Deine feine Ironie, Churke?
Will mir fast so scheinen.
Ich habe auch nie behauptet, dass das Wort "Säugling" vorbelastet sei, ich habe nur darauf hingewiesen, wie angestrengt und vergeblich nationalsozialistische Sprachwissenschaftler ein passendes Synonym für "Baby" gesucht und schließlich ein Kunstwort kreiert haben.
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Offline canis lupus niger

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Re: Erzählstil in historischen Romanen
« Antwort #40 am: 21. Dezember 2014, 18:02:41 »
Will mir fast so scheinen.

Puh, dann ist´s ja gut. Vergiss bitte mein obenstehendes Geschwafel. :knuddel:

Entropy

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Re: Erzählstil in historischen Romanen
« Antwort #41 am: 08. Juni 2015, 00:38:07 »
Da ich zur Zeit auch eine historische Geschichte schreibe, möchte ich den Thread mal wieder hervorkramen. Ich denke nicht, dass Autoren von historischen Romanen einen "Extra-Stil", der besonders ausschweifend ist, haben. Es ist einfach wichtig die Atmosphäre zu treffen und da können sich viele Adjektive bezahlt machen. Können, müssen aber nicht. Ich bin mir allerdings auch bei der Wortwahl unsicher. Die Sache mit dem Säugling vs. Baby war mir zum Beispiel überhaupt nicht bewusst. Meine momentane Geschichte spielt vor und während des 1. Weltkrieges.

Fallen euch spontan Wörter unseres heutigen normalen Sprachgebrauchs ein, die damals noch nicht existiert haben oder noch nicht gebräuchlich waren? Damit meine ich jetzt nicht offensichtliche Wörter wie Internet oder Ähnliches, sondern Wörter oder Wendungen bei denen man als Autor auf die Nase fallen kann, weil man nicht denken würde, dass es sie damals noch nicht gab.

Bei vielen historischen Romanen wurde in den Amazon-Rezensionen bemängelt, dass sich die Autoren solche Schnitzer erlaubt haben bzw. keine Grundkenntnisse über die Epoche besitzen und Beispiele aus Literatur, Kunst, Film und Musik erwähnen, die erst Jahre später berühmt geworden sind. Da sollte man auf jeden Fall gründlich recherchieren. Ansonsten kann ich nur sagen, das sich in meinen historischen Geschichten urplötzlich eine Vorliebe dafür entwickelt habe die Kleidung in allen Details zu beschreiben. ;D

Offline Fianna

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Re: Erzählstil in historischen Romanen
« Antwort #42 am: 08. Juni 2015, 01:10:09 »
Mir fällt spontan ein, dass in einigen Fällen gerade englische oder französische Wörter verwendet wurden - konkrete Beispiele habe ich leider nicht zur Hand. Nur den Hinweis, dass eine absolute Vermeidung fremdsprachlicher Wörter ein ebenso großer Fehler sein könnte.

Vielleicht haben die anderen konkretere Wörter parat.
     

Offline Churke

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Re: Erzählstil in historischen Romanen
« Antwort #43 am: 08. Juni 2015, 09:40:44 »
Vielleicht haben die anderen konkretere Wörter parat.

Trottoir, Chaussee, Portemonnaie...

Fallen euch spontan Wörter unseres heutigen normalen Sprachgebrauchs ein, die damals noch nicht existiert haben oder noch nicht gebräuchlich waren

Spontane Liste von Wörtern oder Redewendungen (in moderner Bedeutung) die ich nicht verwenden würde:
Toll, super, geil, krank, fett, hip, angesagt, (die) Märkte, Friedensmission, unsozial, kinderfeindlich, strukturschwach, Kita, undemokratisch...
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Lakota

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Re: Erzählstil in historischen Romanen
« Antwort #44 am: 08. Juni 2015, 09:45:07 »
@Entropy:

Es gibt da viele solcher Wörter, richtige Fallgruben. Aber es kommt ja auch drauf an, in welcher Zeit (und welcher Gegend) deine Story spielt.

Ein Glas Wasser hat im Mittelalter wohl selten jemand getrunken. Ein Becher oder Krug war da schon eher das Gefäß der Wahl. Und ob jemand seine Jacke zugeknöpft hat oder sein Gewand festgeschnurrt hatte, sollte man auch differenzieren.

Beispielsweise kannte man früher keine Sackgasse . Das nannte man früher (zumindest ca. 17xx) Kehrwiedergasse. Aber es mag durchaus sein, dass man dafür im Jahre 12xx noch gar keinen Begriff hatte.

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