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Umfrage zu Honoraren

Begonnen von gbwolf, 29. April 2014, 09:03:28

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gbwolf

"Über Geld spricht man nicht" ist ja immer wieder die Devise. Vor allem unter Autoren ist es ganz schwer, zu überschauen, wer wie viel verdient und wie die Staffelungen mit den Prozenten sind. Immer wieder auch die Fragen: Ist das, was der Verlag mir anbietet normal oder werde ich über den Tisch gezogen?

Im Montségurforum hat Martin Conrath jetzt Nägel mit Köpfen gemacht und in Zusammenarbeit mit den Forenmitgliedern einen Fragebogen erarbeitet, um einmal belastbare Zahlen zu erhalten. Statistiken leben natürlich davon, dass viele Leute ihre Zahlen nennen. Deshalb teile ich den Fragebogen gern. Er ist anonym.

Hier geht es zur Umfrage:
http://www.q-set.de/q-set.php?sCode=VBMNWBRZTUXX

TheaEvanda

Schon ausgefüllt. :D
Ich bin sehr dafür, dass wir alle über Geld sprechen, sonst lassen wir uns nur unnötig ausnutzen.

--Thea

Mogylein

Ich verstehe dieses deutsche Stillschweigen über Gehälter und Prozente nicht. Sofern keine Klausel diesbezüglich im Vertrag drin steckt, warum sollte man darüber schweigen? Wie wollen wir für alle faire Arbeitsbedingungen schaffen, wenn keiner so richtig weiß, welche Arbeitsbedingungen fair sind?

(Nicht nur auf's Schreiben bezogen.)
   "Weeks of Writing can save you hours of plotting."
- abgewandeltes Programmiersprichwort

Grey

#3
Ich verstehe das schon. Ich persönlich rede überhaupt nicht gern über meinen Verdienst, und zwar aus folgendem Grund: In den allermeisten Fällen habe ich das Gefühl, dass es da um puren Lattenvergleich geht. Hat der Kollege einen größeren Vorschuss bekommen, ist sein Text den Verlagen also mehr wert? Diese Frage nach Vorschüssen ist mir ähnlich unangenehm wie die Frage nach Vorschauseiten, Vorbestellungen und Verkaufszahlen. Nicht falsch verstehen: Ich bin immer gern bereit, mich mit befreundeten Kollegen auszutauschen und meine eigenen Erfahrungen weiterzugeben, wenn mich jemand darum bittet. Aber das ist leider viel seltener der Fall, als dass man einfach nur mit Zahlen protzen will, und das mag ich gar nicht. :no:

Davon mal abgesehen finde ich eine solche anonyme Umfrage aber trotzdem eine gute Idee. :)

Mogylein

Es gibt meiner Meinung nach einen riesigen Unterschied zwischen "Also mein Buch hat mir grade 2000€ ins Haus gebracht, seid ihr auch so klasse?" und "Verlag XY bietet mir einen Vorschuss von 250€, ist das genug? - Also da wäre ich vorsichtig, bei einem Verlag dieser Güte und so einer Auflage sollte man schon 1700€ erwarten, zB hab ich bei Verlag YZ eine Auflage von 3000 Stück gehabt und pro Stück einen Vorschuss von X€, also insgesamt Y€ bekommen".
(Zahlen vollständig erfunden, ich habe keine Ahnung vom Verlagswesen.)



Wer unbedingt angeben will, der wird das tun, auch ohne sein Gehalt preiszugeben. Aber sich auszutauschen, um zu schauen, was man erwarten kann, was mit ein bisschen handeln noch rauszuholen ist und ab wo man definitiv ausgenutzt wird, das finde ich einfach sinnvoll.
   "Weeks of Writing can save you hours of plotting."
- abgewandeltes Programmiersprichwort

TheaEvanda

Es ist nicht nur Schwanzvergleich. Es ist auch das Vermeiden von unmoralischen Angeboten.

Ich habe schon einmal davon erzählt, dass ich einen Vertrag mit Bedingungen unter aller Sau (zu geringe Prozente, zu wenig Vorschuss, lächerliche eBuch-Gewinnbeteiligung) abgelehnt habe. Antwort der Redaktuerin: "Oh, das ist schade. Du schreibst so schön und zuverlässig. Aber wir haben da noch zwei andere Leute, die wollen das Buch zu diesen Bedingungen unbedingt schreiben."

Zwei(!) Leute wollten diesen Vertrag annehmen und sich die lächerliche Entlohnung auch noch teilen! Später habe ich erfahren, dass sie sogar die Sektkorken knallen ließen, weil sie den Auftrag hatten. Das ihr Verhalten blauäugig und insgesamt für alle anderen Autoren nicht sehr geschäftsfördernd war haben sie erst verstanden, als ich ihnen vorgerechnet habe, wie sehr sie sich über den Tisch ziehen ließen. Am Beispiel meines eigenen, nicht sonderlich fürstlichen Einkommens aus der Schriftstellerei.

Über Geld sprechen ist nicht nur Angeberei: Es ist wichtig, damit jeder weiß, was eigentlich eine faire Entlohnung ist. Arbeitnehmer haben Gewerkschaften und kämpfen für höhere Löhne. Wir dagegen reden bescheiden nicht über den schnöden Mammon und lassen uns schweigend abzocken. Übrigens geht es in allen "Frauenberufen" so. Das muss endlich aufhören.
Warum gibt es hier kein Smiley mit einer roten Flagge?

--Thea

Moni

Zitat von: Thea am 29. April 2014, 11:35:16
Über Geld sprechen ist nicht nur Angeberei: Es ist wichtig, damit jeder weiß, was eigentlich eine faire Entlohnung ist. Arbeitnehmer haben Gewerkschaften und kämpfen für höhere Löhne. Wir dagegen reden bescheiden nicht über den schnöden Mammon und lassen uns schweigend abzocken. Übrigens geht es in allen "Frauenberufen" so. Das muss endlich aufhören.
Warum gibt es hier kein Smiley mit einer roten Flagge?

--Thea

Das ist im Buchhandel ja auch so ein Thema (ganz ehrlich, die Gehälter sind im Vergleich zu erbrachten Leistung genauso unter aller Kanone, wie ich Autorenbereich), daher empfinde ich hier genauso. Vor allem, wenn man sich anhört, was andere glauben, dass man verdient...  ::)
Deutsch ist die Sprache von Goethe, von Schiller...
und im weitesten Sinne auch von Dieter Bohlen[/i]
Stefan Quoos, WDR2-Moderator

»Gegenüber der Fähigkeit, die Arbeit eines einzigen Tages sinnvoll zu ordnen,
ist alles andere im Leben ein Kinderspiel.«[/i]
Johann Wol

Angela

Ich habe mich ja schon an anderer Stelle zu diesem Thema geäußert. Überlegt euch gut, was ihr arbeitet und wofür. Irgendwann seid ihr Mitte Fünfzig, werdet müde und bekommt irgendwelche Krankheiten, und wenn dann auch noch das Geld und Einkommen nicht da ist, um sich gut über Wasser halten zu können, ist das echt bitter. Verschenkt eure Arbeitskraft nicht, verkauft euch nicht unter Wert. Ich unterhalte mich häufig und gerne mit Frauen über Gelddinge, kenne etliche, die weitsichtig planen und andere, die einfach nur naiv auf was auch immer hoffen. Die idealen Opfer. Wissen ist gerade in dem Bereich enorm wichtig, auch Infos zu anderen Gehältern.

Sascha

Zitat von: Thea am 29. April 2014, 11:35:16
Übrigens geht es in allen "Frauenberufen" so.
Ich fühle mich jetzt grade ganz böse sexistisch diskriminiert, jawollja! ;D

Davon abgesehen, Mädels .... ;)
Ich versteh das auch nicht, "Über Geld spricht man nicht.", so ein Blödsinn.
Wer mit seiner Kohle prahlt (und nicht mit wirklicher Leistung), macht sich eh lächerlich.
Aber daß man nicht über Gehälter spricht, das muß eine Erfindung der Chefs sein, damit ihre Angestellten nicht merken, wie ungerecht sie bezahlt werden. (Bei uns in der Firma ist das zumindest so, aber wir kriegen's ja trotzdem raus.)

Also, wer schon Geld mit seiner Schreibe verdient: Macht mit, damit es wenigstens mal vernünftige anonyme Zahlen gibt!
Ich trage meine Millionen dann nach, wenn ich sie kriege. :dollars:

Duck und wech  ;D

Zit

Hm, wenn wir von allen das Gehalt wissen, kann es aber auch schnell zu Neid bzw. Unruhen kommen. Gerade, wenn du Gehalt und Person miteinander verbinden kannst. Angenommen, deinem Unternehmen geht es anfangs gut, du stellst Leute ein, bezahlst sie toll -- und dann ist der Umsatz nicht mehr so schön. Heißt also, dass du neuen Mitarbeiter weniger bezahlst, obwohl sie gleichwertige Arbeit verrichten und gleichwertig qualifiziert sind wie die alten Mitarbeiter. Wenn die Neuen aber mitkriegen, dass die Alten mehr Kohle bekommen, gibt's Stunk.
Genauso sind das Zahlen, die man nicht Konkurrenzunternehmen mitteilen will. Schlechte Bezahlung spricht vll. auch für einen miesen Umsatz?... etc. pp. Aus Arbeitgebersicht gibt es, finde ich, viele Gründe, seine Arbeitnehmer zu ermahnen, keine Fakten nach außen zu tragen.

ZitatDas ist im Buchhandel ja auch so ein Thema.

Das ist manchmal erschreckend, gerade auch bei Azubis. Salopp gesagt: Die Buchhandlung hat keine Kohle, braucht aber Mitarbeiter. Nur sind selbst (qualifizierte) Aushilfen zu teuer, also holt man sich einfach einen Azubi... Zumindest erhalte ich manchmal den Eindruck.
Persönlich habe ich Glück gehabt, mir geht es nicht schlimm im Vergleich mit meinen Mitschülern. Andererseits mache ich mir natürlich meine Gedanken, ob diese gute Ausgangsbasis mir es nicht auch erschweren wird, eine Stelle nach der Ausbildung zu bekommen. Einfach, weil ich partout nicht unter mein Azubigehalt gehen werde, es aber u.U. vll. schon zu hoch ist, wenn ich manchen Berichterstattungen glauben darf. :omn:
"I think therefore I am
getting a headache."
Unbekannt

heroine

Forum hat gerade einen sehr langen Beitrag von mir zum Thema gefressen.  :brüll:
Hier also nochmal eine Kurzfassung:

Zitat von: Zitkalasa am 29. April 2014, 22:11:26
Hm, wenn wir von allen das Gehalt wissen, kann es aber auch schnell zu Neid bzw. Unruhen kommen. Gerade, wenn du Gehalt und Person miteinander verbinden kannst. Angenommen, deinem Unternehmen geht es anfangs gut, du stellst Leute ein, bezahlst sie toll -- und dann ist der Umsatz nicht mehr so schön. Heißt also, dass du neuen Mitarbeiter weniger bezahlst, obwohl sie gleichwertige Arbeit verrichten und gleichwertig qualifiziert sind wie die alten Mitarbeiter. Wenn die Neuen aber mitkriegen, dass die Alten mehr Kohle bekommen, gibt's Stunk.
Genauso sind das Zahlen, die man nicht Konkurrenzunternehmen mitteilen will. Schlechte Bezahlung spricht vll. auch für einen miesen Umsatz?... etc. pp. Aus Arbeitgebersicht gibt es, finde ich, viele Gründe, seine Arbeitnehmer zu ermahnen, keine Fakten nach außen zu tragen.

Ich finde die Argumente nicht überzeugend.
Als Mitarbeiter will ich über die wirtschaftliche Situation meines Arbeitgebers informiert sein. Wenn er es sich nicht leisten kann seine Mitarbeiter auf einem Niveau zu bezahlen (was nicht heißt gleiches Gehalt für alle, sondern nur auf einer fairen Basis), dann ist das für mich ein Kriterium den Job anzunehmen oder nicht oder einen neuen zu suchen.
Unruhen entstehen da auch nicht aufgrund von Ungleichheiten, sondern aufgrund anhaltender Ungleichheiten. Denn es ist eine Sache, ob das kommuniziert wird und das Unternehmen verspricht die Löhne anzupassen sobald die Situation wieder besser ist. Einschließlich eines zeitlichen Rahmens in dem das Unternehmen das realisiert haben will (ganz wichtiger Punkt!). Wenn es ein Dauerzustand ist, dann haben die Mitarbeiter sehr wohl recht auf Unzufriedenheit und sollten auch wissen, dass die Unternehmensleitung nicht in der Lage ist die Firma wirtschaftlich zu führen (oder alles andere wichtiger ist als eine Anpassung der Gehälter). Ich will nicht in einem Unternehmen arbeiten, bei dem Mitarbeiter ungleich behandelt werden (weil man die Verträge nicht mehr ändern kann und die "Alten" deshalb mehr bekommen müssen - danach klingt dein Szenario).

Informationsbeschränkung ist Unterdrückung, da es den Mitarbeiter verbietet anhand der Fakten Entscheidungen zu treffen. Z.B. wie sieht mein Gehalt in 10 Jahren aus? Wird meine Arbeit ausreichend gewürdigt? Geht es meinem Unternehmen gut? Im schlimmsten Fall bekommt der Mitarbeiter einen Hungerlohn und wird noch im Glauben gelassen, er verdient mehr als die anderen. Dann wird er zum Verschwörer und hilft das ungerechte System aufrecht zu erhalten.

Was den Neid anbelangt. Neid ist eine Charakterschwäche, die sich nicht auf eine Sache beschränkt. Wenn jemand neidisch auf das Gehalt eines anderen ist, dann ist er auch neidisch auf den tollen Ehemann der anderen oder den Urlaub. Neid (mein Chef verdient so viel mehr als ich!) ist etwas ganz anderes als eine bewusste Wahrnehmung von Unterschieden (mein Chef hat andere Aufgaben als ich und ist länger in der Firma, er verdient mehr oder die Frau in der Buchhaltung verdient das Gleiche wie ich, ist aber nur halb so oft da, sie ist weniger qualifiziert und was weiß ich).

Ich denke Kommunikation ist verdammt wichtig.

Zit

#11
Als Unternehmen kann ich meine Angestellten dazu anhalten, keine expliziten Gehaltszahlen miteinander zu tauschen. (Vll. arbeite ich ja schon an einer Lösung für das Problem, das damit bald keins mehr ist?) Wenn sie es trotzdem tun, kann ich ihnen aber nichts. (Wenn ich es richtig in Erinnerung habe.) Was ich aber nicht dulden muss -- und im übertragenen Sinne ist das ja hier gefordert -- sind Mitarbeiter, die solche Gehaltszahlen nach außen tragen, wenn diese Zahlen meinen Konkurrenzunternehmen in die Hände spielen, sie also einen Wettbewerbsvorteil daraus ziehen.

Zitatweil man die Verträge nicht mehr ändern kann

Jein. Verträge kann man auch ändern. Auch, wenn mein Arbeitnehmer meinem Vorschlag nicht nach kommt (und wer macht das schon -- gleiche Arbeit, weniger Gehalt?). Dann kann ich ihm u.U. eine Änderungskündigung aufdrücken. Das Ding ist nur: Wenn ich Pech habe, nimmt er die Kündigung hin und ich verliere seine Kompetenz. Und das Vertrauen meiner restlichen Arbeitnehmer. (Denke ich mir als Azubi jdf. so. Im Genaueren haben wir in der Schule über so eine Fallkonstellation bisher nicht gesprochen.)

ZitatWenn er es sich nicht leisten kann seine Mitarbeiter auf einem Niveau zu bezahlen (...) dann ist das für mich ein Kriterium den Job anzunehmen oder nicht oder einen neuen zu suchen.

Solche Ungleichheiten werden, denke ich, mir erst dann auffallen, wenn ich in dem Unternehmen schließlich arbeite. Natürlich steht es mir frei, zu kündigen. Aber dann? Was nützt es mir, aus einem Unternehmen raus zu sein, wenn ich danach keine neue Stelle finde? Wenn ich selbst kündige, bin ich ja auch erst einmal drei Monate für's ALG gesperrt... Und ich trau dem Verein von Arbeitsamt nicht, dass die einen solchen Fall, wie ich ihn anführte, als einen wichtigen Grund annehmen und mich nicht sperren. Aber das führt hier zu weit. Das ist angestelltenspezifisch.

---

Ich bin bisher nur angestellt gewesen. Kann mir nicht vorstellen, dass es für Freiberufler nicht auch Regelungen gibt, die aus Wettbewerbsgründen eine sehr offene Kommunikation... einschränken? Bzw., die eine direkte Verbindung zwischen Freiberufler (namentlich), Entlohnung (exakte Zahlen) und Auftraggeber (namentlich) begünstigen.
"I think therefore I am
getting a headache."
Unbekannt

heroine

#12
Zitat von: Zitkalasa am 30. April 2014, 00:37:45
Als Unternehmen kann ich meine Angestellten dazu anhalten, keine expliziten Gehaltszahlen miteinander zu tauschen. (Vll. arbeite ich ja schon an einer Lösung für das Problem, das damit bald keins mehr ist?) Wenn sie es trotzdem tun, kann ich ihnen aber nichts. (Wenn ich es richtig in Erinnerung habe.) Was ich aber nicht dulden muss -- und im übertragenen Sinne ist das ja hier gefordert -- sind Mitarbeiter, die solche Gehaltszahlen nach außen tragen, wenn diese Zahlen meinen Konkurrenzunternehmen in die Hände spielen, sie also einen Wettbewerbsvorteil daraus ziehen.

Natürlich kann ein Unternehmen das, das macht es aber nicht besser und nur weil es legal ist bedeutet es noch lange nicht, dass es auch im Interesse der Mitarbeiter ist. Wobei ich mich nicht mit den genauen rechtlichen Regelungen auskenne. Das ist aber gerade komplett irrelevant, weil es nicht darum geht, was ein Unternehmen darf, sondern um die Argumentation warum das Unternehmen es tun sollte. Und auf dieser Ebene halte ich es für Schwachsinn, dass das Unternehmensklima ein Grund sein sollte nicht offen über Gehälter zu sprechen. (Wie gesagt, wenn man an dem Problem arbeitet kann man auch den Mitarbeitern mitteilen, dass es ein Problem gibt und offen kommunizieren. Ich finde es wahnsinnig schlimm, wenn Unternehmen Mitarbeiter beispielsweise erst bei der Insolvenz informieren, auch wenn man natürlich sagen kann als Mitarbeiter wird man das ja gemerkt haben).

Der zweite Punkt ist bereits wieder etwas anders gestaltet und ist bereits ein neues Argument. Wettbewerbsvorteile durch Informationen über das Gehalt. Einfache Fragen: Wer hat was davon? Die Mitarbeiter, die für höhere Gehälter abgeworben werden. Das wird aber nur passieren, wenn der neuen Firma der Mitarbeiter mehr wert ist als dem alten Unternehmen. Wenn das alte Unternehmen das nicht zahlen kann oder will (und keine andere Anreize für den Halt des Mitarbeiters hat) verliert er den Mitarbeiter. Das ist Marktwirtschaft: Angebot und Nachfrage.

Zitat von: Zitkalasa am 30. April 2014, 00:37:45
Jein. Verträge kann man auch ändern. Auch, wenn mein Arbeitnehmer meinem Vorschlag nicht nach kommt (und wer macht das schon -- gleiche Arbeit, weniger Gehalt?). Dann kann ich ihm u.U. eine Änderungskündigung aufdrücken. Das Ding ist nur: Wenn ich Pech habe, nimmt er die Kündigung hin und ich verliere seine Kompetenz. Und das Vertrauen meiner restlichen Arbeitnehmer. (Denke ich mir als Azubi jdf. so. Im Genaueren haben wir in der Schule über so eine Fallkonstellation bisher nicht gesprochen.)

Ich glaube wir reden gerade vollkommen aneinander vorbei. Mein leicht zynischer Ansatz war es, dass ein Unternehmen das Informationen verheimlicht um den Unmut gegen ältere Arbeitnehmer, weil sie mehr verdienen, zu vermeiden (anstatt den neuen mehr zu zahlen) den älteren Arbeitnehmern am Liebsten noch weniger zahlen würde und das nur aufgrund von gesetzlichen Regelungen nicht ganz so einfach umsetzbar ist. Das sollte nicht auf Umsetzbarkeit von Gehaltskürzungen abzielen. Abgesehen davon hast du recht, dass das Unternehmen begründet das Vertrauen der anderen Mitarbeiter verlieren würde. Vorausgesetzt natürlich, dass die Mitarbeiter davon erfahren, weil eben über die Gehälter geredet wird (wieder ein Argument für meine Forderung nach Transparenz).

Zitat von: Zitkalasa am 30. April 2014, 00:37:45
Solche Ungleichheiten werden, denke ich, mir erst dann auffallen, wenn ich in dem Unternehmen schließlich arbeite. Natürlich steht es mir frei, zu kündigen. Aber dann? Was nützt es mir, aus einem Unternehmen raus zu sein, wenn ich danach keine neue Stelle finde? Wenn ich selbst kündige, bin ich ja auch erst einmal drei Monate für's ALG gesperrt... Und ich trau dem Verein von Arbeitsamt nicht, dass die einen solchen Fall, wie ich ihn anführte, als einen wichtigen Grund annehmen und mich nicht sperren. Aber das führt hier zu weit. Das ist angestelltenspezifisch.

Auch hier wieder: ich betrachte es im theoretischen Rahmen und nicht die konkrete Umsetzung. Abgesehen davon kann man sich auch von einer Arbeitsstelle aus auf eine andere bewerben.

Sascha

Eieiei, da hab ich ja eine Diskussion angezettelt. :D
Bin erst heute vom Termin zurück und sehe das hier.
Zitat von: heroine am 30. April 2014, 01:10:21
Ich finde es wahnsinnig schlimm, wenn Unternehmen Mitarbeiter beispielsweise erst bei der Insolvenz informieren, auch wenn man natürlich sagen kann als Mitarbeiter wird man das ja gemerkt haben).
Das hab ich ja schon mal gehabt...
In meiner ersten Firma hieß es immer wieder "Jetzt ist dann bald Schluß, der Laden geht pleite."
Wir haben immer weitergemacht, es hat gehalten.
Dann sah es wirklich sehr ernst aus, und genau in der Situation bekam ich einen Anruf aus dem Bekanntenkreis meiner Mutter, ob ich nicht für eine neue Firma arbeiten will. Da es so ernst aussah, zugeschlagen, gleich mal satt mehr Gehalt, wunderbar.
Kündigung auf den Tisch gelegt, es hieß "Wenn Du wieder zu uns kommen magst, die Türen stehen jederzeit offen!" Zwei Tage später hieß es "Jungs, wir sind pleite." Wenn das mal kein Timing war. ;D

Beim nächsten Mal wurde ich dafür völlig überrascht. :ätsch:

Naja, jetzt arbeite ich mit vielen aus meiner ersten Firma wieder zusammen. Seit 10 Jahren. Auch wieder mit dem selben Chef. :(
Und der ist so ein Fall, wo Offenheit einfach viel brächte. Doktor der BWL. :seufz:
Ich weiß jetzt nicht, ob das hier öffentlich einsehbar ist. Also lasse ich Einzelheiten mal weg.
Aber schön ist das nicht, was ich hier verschweige...

Nur: Ich komme in so viele IT-Abteilungen, da geht's teilweise noch schlimmer zu als bei uns. Keine Ahnung, wie die Chefs und die Gehälter da sind, aber wenn irgendwo gespart wird, dann in der IT. Am besten muß einer alleine den Laden schmeißen. Da rotieren alle wie blöd.
Dann bleib ich lieber vorerst, wo ich bin, und schau mal, ob mir nicht evtl. die Schreiberei irgendwann - in ein paar Jahren - so viel einbringt, daß ich meine Tretmühlen-Arbeit etwas reduzieren kann. Wäre besser für die Familie und auch die Gesundheit.

Ach so, zum Thema "Gehälter nach außen tragen": Es gibt ja zumindest in der IT einige Statistiken, was in welchen Positionen so gezahlt wird, auch nach Berufserfahrung gestaffelt (die mir jedes mal die Tränen in die Augen treiben). Das reicht, um zu wissen, ob man woanders mehr kriegen kann. Dazu braucht man nicht genaue Zahlen einer Firma nach außen tragen. Ich denke, in anderen Berufsbereichen gibt es das auch.
Und wenn man wen abwerben will, bietet man eben genug, um interessant zu sein. Wenn das nicht zieht, kann man raufgehen oder es sein lassen. Dazu muß man nichts genaues wissen.
Aber die Kohle ist eben nicht das Einzige. Und wie das Arbeitsklima, der Streß usw. in der neuen Firma sind, das weiß man erst, wenn man da ist.

SabrinaQ

Zum Thema Angeberei und Neid:

Bei den Verlagshonoraren spielen ja einige Komponenten zusammen, sodass es schwer fällt, zu vergleichen. Hatte nur ein Verlag Interesse daran? Dann wird der Vorschuss vielleicht geringer ausfallen. Waren mehrere interessiert und kommt es zu einer Versteigerung? Dann wird da sehr, sehr viel mehr am Ende herausschauen.
Genauso wird ja auch berücksichtigt, wer der Autor ist - ein Neuautor, ein bereits in diesem Genre etablierter, ein in einem anderen Genre etablierter, der jetzt einen Abstecher in dieses macht, ein Flopautor, dem man vielleicht mit einem Pseudonym noch einmal eine Chance gibt. Um welches Genre handelt es sich, wie läuft es gerade? Kann das Buch noch mit einem Trend mitschwimmen oder wäre es nur in den Ausläufern dabei? Handelt es sich um ein risikoreiches "Neues", ... Es gibt unzählig viele Möglichkeiten und daher denke ich nicht, dass sich irgendwer hinstellt und sagt: "Haha, ich habe solch einen hohen Vorschuss und deiner ist um eine Null weniger, das heißt, du schreibst schlechter, ..."
Alle, die sich schon genauer mit diesem Thema auseinandergesetzt haben (wie die meisten in diesem Forum), wissen ja, von wie vielen Komponenten solche Zahlen abhängen und so denke ich nicht, dass Neid, Angeberei usw. ein so großes Thema sind. Oder bin ich da zu blauäugig?