• Willkommen im Forum „Tintenzirkel - das Fantasyautor:innenforum“.
 

Neueste Beiträge

#11
Autoren helfen Autoren / Re: Dialekte/Akzente
Letzter Beitrag von Kamen - 16. Juni 2026, 09:50:22
Das ist echt ein spannendes Thema.
Mit geschriebenem Dialekt bin ich durch Elisabeth Gaskell in Berührung gekommen. Da wurden die Wörter mit vielen Zeichen und Buchstaben-Kombinationen versehen. Auf Englisch ist das evtl. einfacher als auf Deutsch.

Die Protagonistin kommt aus dem Süden Großbritanniens und spricht ein eher von der feinen, formellen und melodischen Ausdrucksweise des alten Landadels und der Oberschicht geprägtes Englisch. Es werden eher blumigere Wörter hier genutzt.
Der Protagonist aus dem rauen Norden hat einen starken nordenglischen Dialekt (Mancunian/Manchester-Englisch). Dieser ist typischerweise laut, rau, pragmatisch und schnörkellos. Und im geschriebenen Wort taucht auch mal ein ' inmitten eines Wortes auf, um einen Buchstaben zu verschlucken.
Für die Arbeiter nutzt die Autorin gezielt Rechtschreibfehler, Auslassungen (z.B. weggelassene Vokale mit Apostroph) und lokale Vokabeln, um den Klang der Arbeiter authentisch abzubilden. Wörter wie clemming (hungern) oder dree (langwierig, anstrengend) tauchen in den Dialogen auf.

Also sie benutzt spezielle Dialektwörter, spielt mit den Buchstaben und Endungen und setzt auch mal eine phonetische Schreibweise ein. Das hat mich ziemlich fasziniert und war beim Lesen manchmal gar nicht so einfach.

Das "Problem" mit diesen Klischees (Chinesen sagen l statt r, Franzosen können kein h, Balkanstaaten rollen das R immer besonders... blablabla) ist wirklich, dass sie nicht gut gealtert sind. Verstehe deine Bedenken da absolut.
Für ganze Völker kann man natürlich mal einen Satz fallen lassen, dass sie in ihrer typischen Art sprechen (z.B. "die gutturale Aussprache machte es schwer, ihn gänzlich zu verstehen" oder "es klangt irgendwie niedlich, wie er immer wieder versuchte, ihren Namen richtig auszusprechen"). Damit kann man natürlich auch eine gewisse Rahmenbedingung erfüllen. Bei einzelnen Personen geht man halt dann direkter drauf ein.
 
Sprache ist für mich ein Instrument wie in der Musik. Eine Balalaika klingt einfach anders als eine Konzert-Gitarre. ;)
Wenn du für dich klar hast, dass dein Charakter einen Sprachfehler hat (was teilweise echt bezaubernd sein kann), dann musst du das natürlich konsequent durchziehen. Bei meinen Flauschis durfte ich nie Personalpronomen nutzen außer "es". Die Flauschis kennen kein "ich", "du", "er, sie, es". Das erforderte Konzentration, aber hat auch gleichzeitig die Sprache des Romans vorgegeben. Der Bruch zwischen "normaler" Schreibweise und der Flauschiwelt war eine Herausforderung.
#12
Das Willkommensboard / Re: SairaDalVarek: In andere W...
Letzter Beitrag von novembercat - 16. Juni 2026, 09:47:27
Ah, Brindlewood Bay liegt hier auch rum. Erst kürzlich sind @Feuertraum und ich unserem Wunsch, Wanderhome zu spielen, einen Schritt näher zu kommen. Das könnte sich irgendwann konkretisieren. Danke für die anderen Links, da kannte ich einige noch nicht!

Solospiele habe ich auch, aber ich habe bisher nur Vaesen solo gespielt. Ah, und The Mending Circle habe ich solo gespielt. Ich liebe dieses Spiel.

Briefspiele waren bei mir nur Horror. Also, das Genre war Horror, die Spiele waren gut. Tether und de profundis, hat beides gut geklappt.

Generell denke ich, dass man so ein Briefspiel relativ schnell selbst basteln kann. Dein Spiel könnte man vielleicht auch per Brief spielen. Das ist ja auch in Phasen eingeteilt, wodurch die Geschichte strukturiert und am Ende stimmig ist. So waren auch die Briefspiele. Jeder zieht abwechselnd einen Prompt und schreibt die Geschichte damit weiter. Man hat viel Freiheit, und solange man sich an die Reihenfolge hält, geht nichts schief.
#13
Autoren helfen Autoren / Re: Dialekte/Akzente
Letzter Beitrag von Gerrit - 16. Juni 2026, 05:10:17
Beim Schreiben von Fantasygeschichten gehe ich ja grundsätzlich davon aus, dass die Figuren kein Deutsch sprechen (es kann Ausnahmen geben) und was ich schreibe also bereits die Arbeit eines Übersetzers darstellt. Als die fiktive Figur des Übersetzers gehe ich aber jetzt mit der Zielvorgabe heran, eben für deutschsprachige Lesende möglichst verständlich zu sein. Lautsprachliche Dialekte einzuarbeiten macht einen Text aber eher schwieriger zu lesen. Also lasse ich das gewöhnlich sein und versuche Unterschiede eher über die Wortwahl und typisch benutzte Redewendungen darzustellen.

Natürlich hat das jetzt einen Haken: Das sind gleichzeitig wichtige Mittel um die Erzählstimmen meiner Figuren (in Deep PoV) unterscheidbarer zu machen. Momentan schreibe ich mit eher wenigen PoV-Figuren, da macht mir das keine Probleme. Aber natürlich, wenn es richtig episch werden soll, könnte das Schwierigkeiten machen.
#14
Autoren helfen Autoren / Re: Dialekte/Akzente
Letzter Beitrag von Stefan - 16. Juni 2026, 00:28:02
Gute echt existierende Sprachfärbungen oder beliebige, auch erfundene?

Ist ja echt schwer, weil es oft an der unterschiedlichen Aussprache derselben Buchstaben liegt. So genau ist die normale Schrift nicht. Da kann man nur andeuten und typische regionale Wörter oder Wendungen einstreuen. Lesende müssen mit dem Klang vertraut sein.

Ich hab in meinem Manuskript lange an Sprachfärbungen von Zwergen und anderen Völkern rumgebastelt und es am Ende doch nicht gemacht. Nur das Baumvolk spricht nie harte T-Laute aus. Das war einigermaßen umsetzbar und leicht als 'Regel' zu erkennen. Problem A: In den ersten Sätzen muss es zum richtigen Zeitpunkt auffallen, damit man es nicht für einen Tippfehler hält und sich  nicht wundert, wenn die Figur plötzlich seltsam spricht. Problem B: Es führt zu unfreiwilliger Komik, was an ernsten Stellen echt in die Hose gehen kann. Ich muss die Sätze also immer so  formulieren, dass der Akzent in der richtigen Dosis kommt.

Dann gäbs noch die Alemannische Wikipedia.

ZitatDi alemannisch Wikipedia isch e Enzyklopedi in dr Dialäkt vum alemannische Sprochrüüm, also vu dr Ditschschwiz, vum Elsiss, vu Liechtestei, vu Oberbade, vum Schwobeland un vu Vorarlberg.

(Ich wäre hier zu finden.)
#15
Autoren helfen Autoren / Re: Dialekte/Akzente
Letzter Beitrag von Sam - 16. Juni 2026, 00:23:46
Hallo @Koboldkind!

Das ist ja ein spannendes Thema! Ich habe mich auch dasselbe einige Male gefragt.
Bin für mich zum Schluss gekommen, das (wie du auch schon sagtest) für die Menschheit/ Regional angesiedelte Geschichten die Spracheigenheiten einzelner Bevölkerungsgruppen sich sehr toll anhören. Dafür sind typische Lautverschiebungen im internet auffindbar (obwohl sie selten für ein langes Dialog reichen). :buch:

Für komplett fiktive Welten finde ich die Anlehnung an die irdischen Dialekte/ Sprachbesonderheiten bestimmter Völker befremdlich. Für mich habe ich es so gelöst, das ich mir welche na ja, erfinde oder regionalfrei vorgehe. zB lispeln ist per se nicht unbedingt spezifisch. In Kombinationen mit anderen Lautverschiebungen kann es einen Akzent ergeben, muss es aber nicht. Ich habe dann alles, was 'sch', 'sp', 'st' usw war, gegen ein `ff` ersetzt. Man muss das dann wahrscheinlich laut vorlesen, um die Wörter zu verstehen, ging für mich aber gut auf.
So kann man sich auch andere, seltenere Sachen zurechtlegen. Wie "meine Fee kann leider kein 'k' aussprechen und stattdessen ein 't'". (ich weiß, es ist alles nicht neu und bereits erfunden, passte aber so gut zum Thema! :ätsch: )
Und die ganze fiktive Völker zu bedienen, war was komplexer. Ich habe mir dann bei den einigen Wörtern die etwas andere / seltene /veraltete Bedeutung gefunden (hoch lebe Duden! ) und diese dann konsequent genutzt. Oder landschaftlich/veraltete oder hochtrabende Wörter zusammengesucht (schon wieder Duden). Kann vereinzelt in Dialekten vorkommen, aber die Zusammensetzung kappt dem ganzen die Wurzel.
War jedes Mal ein Abenteuer und die Rechtschreibprüfung rauchte nervös in der Ecke, aber die Charaktere / Völker bekamen ihr gewisses Etwas, ohne auf die gängigen Dialekte zurückzugreifen.
Das waren meine zwei Cent zum hochspannenden Thema. Bin neugierig, was sich die Gemeinschaft dazu einfallen ließ. :idee:  :winke:
#16
Autoren helfen Autoren / Dialekte/Akzente
Letzter Beitrag von Koboldkind - 15. Juni 2026, 11:22:28
Ich würde hier gerne eine Sammlung/Diskussion eröffnen, weil ich zu dem Thema nur zwei spezielle Anfagen gefunden habe. Und auch eine Suchmaschienen-Frage hat mir spontan nichts konkretes rausgespuckt. Also ja, ganz viele Tipps zum bedenken, aber ich würde gerne schriftliche Beispiele haben. Wie ... die Asterix-Dialekt-Bände ^^

Also, an denen kann man ja sehr schön deutschsprachige Dialekte anlesen. Und wenn man einen Regional-Roman schreibt ist es durchaus angebracht, ein paar (alteingesessene) Charaktere noch so im dicken Dialekt sprechen zu lassen. Oder es ist eine Ausgangslage, um auch in Fantasy mit etwas schwächerer Dialekt-Färbung verschiedene Regionen und Länder darzustellen.

Ich habe in anderen Diskussionen schon gesehen, dass es zu bedenken gilt, wenn man sich an Akzenten versucht. Slawischen Akzent einem Antagonisten geben hat auch wirklich einen Beigeschmack. Aber generell frage ich mich, wie man verschiedene irdische Akzente überhaupt darstellen kann. Französisch = oft genug das H weg lassen? "Asiatisch" = L und R verwechseln? Ja, da rollen sich bei mir auch schon die Zehnnägel, weil es sich so nach letztes Jahrhundert anfühlt ... Aber ich will ja wissen, wie es aussehen könnte, um es dann gut einbauen zu können, oder? Etwas mehr machen als "Sie sprach mit schweren/leichten/springenden Akzent".

Was meint ihr, wie viel kann man darstellen? Wo habt ihr schon mal gute Sprachfärbungen gelesen? Danke für eure Hinweise und Gedanken :)
#17
Das Willkommensboard / Re: SairaDalVarek: In andere W...
Letzter Beitrag von SairaDalVarek - 15. Juni 2026, 10:52:25
Oh, vielen Dank, das freut mich sehr :)
Hm... man könnte schon sagen, dass ich so eine Art LARP organisiere, aber das sind eigentlich eher kleinere Feiern (z.B. Geburtstage) für einen Abend, also eine Mischung aus Themenevent und Rollenspiel.

For the Queen habe ich auch und mag es auch sehr gerne. Von der Seite wusste ich gar nicht, das sieht sehr interessant aus. Laser & Feelings sieht auch richtig gut aus.

Rollenspiele per Brief wollte ich auch immer mal ausprobieren. Gibt es ein bestimmtes Regelwerk, das du da empfehlen kannst?

Das kenne ich sehr gut, ich habe auch sehr viele Spiele, die ich liebe, aber nicht wirklich dazukomme, sie zu spielen. Im Solobereich wären das: Fox Curio's Floating Bookshop, Apawthecaria, For Small Creatures Such As We.
Mit anderen in einer Gruppe spiele ich auch gerne Ironsworn, Blades in the Dark, Wickedness oder Brindlewood Bay.

Ich habe kürzlich ein Spiel gekauft, das Gardens of Ynn heißt, und das ich bald anfangen will zu spielen.
#18
Tintenzirkel / Re: 72. Kurzgeschichtentriell ...
Letzter Beitrag von xadhoom - 13. Juni 2026, 21:15:57
Zitat von: Koboldkind am 13. Juni 2026, 19:01:19^^" erwarte nicht zu viel. Ich hab für den dritten Platz geschrieben

Keine Sorge ... Nachdem ich es beim letzten Mal vergeigt habe, bin ich pflegeleicht. :p
#19
Tintenzirkel / Re: 72. Kurzgeschichtentriell ...
Letzter Beitrag von Koboldkind - 13. Juni 2026, 19:01:19
^^" erwarte nicht zu viel. Ich hab für den dritten Platz geschrieben
#20
Tintenzirkel / Re: 72. Kurzgeschichtentriell ...
Letzter Beitrag von xadhoom - 13. Juni 2026, 18:49:54
Alle Erzählungen sind wohlbehalten eingetroffen und ich hatte bereits das Vergnügen, eine davon verinnerlichen zu dürfen.  :buch:  Die war bereits großes Kino und legt die Messlatte hoch. Ich bin gespannt auf die beiden anderen Geschichten!!!