Zitat von: Sparks am 27. April 2026, 21:10:22Zitat von: Phlox am 13. März 2026, 18:49:05Ich habe ein Projekt wieder hervorgeholt, das ich vor einiger Zeit nach ca. 70 Seiten abgebrochen hatte, weil ich mit den Zeitsprüngen darin nicht glücklich war und das Gefühl hatte, die stören den Spannungsbogen (und mich beim Schreiben - früher habe ich über so etwas frühestens beim ersten Überarbeiten nachgedacht und erst einmal drauf los geschrieben – aber dieser kreative Optimismus scheint mir irgendwie abhanden gekommen, seufz... naja, das ist ein anderes Thema...) Was ich meine:
Also, dass zwischen den einzelnen Geschehnissen meiner (damaligen) Meinung nach oft zu viel Zeit lag, in der nichts Handlungsrelevantes passierte, ich aber z.B. bestimmte Jahreszeiten für die Erlebnisse meiner Figuren brauchte o.ä..
Das hängt am Plot selber. Grundsätzlich machen Zeitsprünge eine Geschichte kompliziert. Solange sie einfach voranspringen geht es noch, bei rückwärts springen wird es komplizierter und mal vor- und zurück wird oberkompliziert.
Komplexität kann eine Geschichte spannend machen, aber das geht nicht linear in die Unendlichkeit weiter. Bei einer bestimmten Schwelle der Komplexität, die von der Persönlichkeit des Lesers abhängig ist, kippt das ganze, und es wird zu viel. Es wird erst nervig, dann unverständlich, und dann höre ich irgendwann gefrustet auf zu lesen.
D.h. eine Geschichte, die sich über Jahre entwickelt, weil sich z.B. die Protagonisten so selten treffen, ist eher unkompliziert, wenn die Zeitsprünge nur vorwärts gehen. Wenn in den Zwischenzeiten nichts, oder nicht viel Handlungsrelevantes passiert ist das fast als "ruhig" zu Bezeichnen.
Hast Du Rückblenden darin, wird das ganze komplizierter. Auf der einen Seite können Rückblenden gut die Spannung steigern und interessant Handlungstwists erzeugen, auf der anderen Seite werden sie, wenn übertrieben, anstrengend und möglicherweise auch unglaubwürdig.
Es gibt aber auch dazu Gegenbeispiele. Ein konkretes wäre das berühmte "Illuminatus!" von Robert Shea und Robert Wilson. ( https://de.wikipedia.org/wiki/Illuminatus! ) Das strotzt an manche Stellen von Zeit- und auch Ortssprüngen. Aber die passen zur Handlung wie Schotter zu einem Bahndamm. Und die prasseln so schnell auf einen ein, dass ein Effekt eintritt, vergleichbar mit einem harmonisch schwingungsfähiges System dass mit einer Frequenz deutlich über seiner Resonanzfrequenz angeregt wird....das System wirkt ausgleichend und glättend.
Im Beschriebenen Buch ist es dann so, dass es eigentlich egal ist, ob man den Kram mit den ganzen Sprüngen noch versteht. Die Einzelepisoden, die zwischen den Sprüngen sind, vermitteln so skurile und interessante Bilder, das man trotzdem weiter ließt, ohne die Handlung zu verstehen.
Darum kann man diese Passagen (wie die ganze Trilogie) mehrmals lesen, und ließt sie immer anders und detailierterer.
Aber: Das ist zwar interessant, aber nicht "spannend" im klassischen Sinne von "Spannend" und ist nicht für jeden etwas.


Zitat von: Sam am 25. April 2026, 21:51:55@Stefan: komplette Verwirrung ist damit gemeint.
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