• Willkommen im Forum „Tintenzirkel - das Fantasyautor:innenforum“.
 

Nico Fletcher

Begonnen von Deven, 02. April 2022, 01:07:09

« vorheriges - nächstes »

0 Mitglieder und 1 Gast betrachten dieses Thema.

Deven

Mein Name ist Nico Fletcher. Ich bin der verborgene Antagonist für den Protagonisten Richard Soul in der Buchreihe Free.
Ich bin, könnte man sagen, der Judas in diesem Teil der Geschichte.

Zunächst einmal zur Vorgeschichte:
Ich bin kurz nach dem Ende des dritten Weltkrieges geboren. Ein Krieg, der über mehrere Jahrzehnte schwelte, mit mehreren Ruhephasen, doch mehr als genug kampfversehrte Momente.
Ich lebe in Los Angeles, in der Vereinten Republik Amerikas, die aus der Asche der Vereinigten Staaten emporstieg, nachdem diese den Krieg in letzter Sekunde für sich entschieden.
Meine Familie lebte stets an der Grenze zum Hungertod. Ich war gerade Mal 8. als meine Mutter bei der Geburt meines kleinen Bruders Arthur vor Erschöpfung starb.
Mein Vater nahm sich noch am selben Abend das Leben und ließ uns allein zurück.

Jahre später hatte ich uns ein halbwegs stabiles Leben aufgebaut, Arty ging regelmäßig in die Schule, ich hatte Arbeit bei dem größten Hersteller für Transportwesen des Landes. Die Hovercorporation.
Die Technologie, die die Hovercorp nun für Logistik, sowie regionale und internationale Transporte nutzte war ein Produkt des dritten Weltkrieges. Hovertechnologie, mit der man gewaltige Objekte ohne große Schwierigkeiten schweben lassen konnte.
Zu diesem Zeitpunkt hatte ich einige Freunde gewonnen und in meiner freien Zeit, in der Arty in der Schule war durchstöberten wir Trümmerteile des dritten Weltkrieges, die bis zum heutigen Tage immer wieder an die Strände von Los Angeles gespült wurden nach nützlichen Teilen, die wir verkaufen, oder verwenden konnten.
Meistens war es einfach nur Schrott, doch manchmal fanden wir kleine Schätze, wie etwa funktionierende Flow Transceiver. Der Flow ist ein Netz aus Energie, das die Welt umspannt und mit dem die Hovertechnologie erst ermöglicht wird. Damals schloss sich ein kleiner Straßenjunge unserer Gruppe an. Dieser Junge war Richard Soul. Er war zwar nicht der Einzige in seinem Alter, in unserer Gruppe, aber er war der Einzige unter uns, der nicht nur in Löcher passten, in die wir Älteren nie gelangen konnten, er war auch der Einzige, der sich das traute, also ließen wir ihn bleiben.
Eines Abends hat er uns alle völlig außer sich zum Strand geholt und zeigte uns, wie er mit einem langen Stück Stahl aus einem Schiffsrumpf, zusammen mit einem Flow Transceiver schweben konnte.
Das war die Geburtsstunde des Surfens. Einem Extremsport, den heute viele jugendliche und junge Erwachsene ausüben.

Mit Hilfe meiner Kontakte bei der Hovercorp entwickelten wir diese Idee weiter und sie wurde professionell adaptiert. Was wir damals entdeckt hatten war unser Ticket zu einem sorgenfreien Leben. Wir teilten Videos von uns, mit denen wir mit den ersten Prototypen von Hoverboards übten und unsere ersten Kunststücke flogen. Dies generierte einen solchen Hype, dass die ersten professionellen Hoverboards Jahre im Voraus ausgebucht waren. Und unsere Gruppe wurde unter allen Surfern als die Ursurfer bekannt.
Es ging uns allen gut, das Leben war perfekt und Richard war zu einem Teil unserer Gruppe geworden. Jemand den wir schätzten, auch seine Ideen waren oftmals Gold wert.
Doch das sollte eines Tages enden, als wir, wie so oft gemeinsam mit unseren Hoverboards am Strand waren.
Dort hatte Richard ein junges Mädchen aufgelesen, das irgendwie lebendig an Land gespült wurde. Sie hatte keinerlei Erinnerungen an irgendetwas. Richard pflegte sie und brachte ihr Dinge von Neuem bei. Doch sie war anders. Und das beunruhigte mich.
Es vergingen einige Wochen bis Richard uns Ursurfer alle zu einem Gespräch zusammenrief. Er offenbarte uns die Wahrheit, an die sich das Mädchen vom Strand, das er Spirit nannte, nun erinnerte.
Der Flow basierte auf der Ausbeutung ihres Volkes. Erst die USA und dann die Hovercorp pferchten ihre Artgenossen in Generatoren, mit denen sie den Flow speisten. Für Richard war glasklar, dass es unsere Verpflichtung war das zu stoppen. Keine Freiheit der Welt war es wert Tausende ihrer zu berauben.
Ich war anderer Ansicht. Die Menschheit war auf den Flow und dessen Möglichkeiten angewiesen. Sie erholte sich noch immer von den Folgen des dritten Weltkrieges, ihr das jetzt zu nehmen hätte katastrophale Auswirkungen gehabt. Außerdem riskierte er damit Arthur und mich wieder an den Rand der Armut zu stürzen. Die Hovercorp wäre dicht gemacht worden.. Das konnte ich nicht zulassen!
Es entfachte ein Streit unter uns, letztlich stand Richard mit seiner Meinung alleine da. Zumindest dachte ich das.

Zeit verging, Richard hatte der Gruppe der Ursurfer den Rücken gekehrt. Irgendwann fand ich heraus, dass er seinen Plan niemals aufgegeben, ja sogar mit Untstützung einer Zelle aus Rebellen, die gegen die Regierung agierte in die Tat umsetzen wollte.
Ich spürte ihn auf und stellte ihn zur Rede, doch ohne Erfolg. Mein letzter Ausweg war es zur Hovercorp zu gehen und ihnen von Richards Plan zu berichten.
Zu diesem Zeitpunkt war jemand ganz Spezielles da. Amanda Keres. Das oberste Ratsmitglied der Regierung. Sie wurde ebenfalls ins Bild gesetzt und fragte mich, wie weit ich bereit wäre zu gehen um Richard aufzuhalten. Ich dachte an meinen Bruder und sagte, dass ich alles nur erdenklich mögliche tun würde.

Mit einem Team der Hovercorp lauerten wir Richard und Spirit auf. Mit meinem Hoverboard schlug ich Richard zu Boden, während die Leute der Hovercorp Spirit in ihren Transporter nahmen um sie in das Flow Netzwerk einzugliedern.
Amanda Keres kam mit einer gläsernen, technischen Vorrichtung mit einem jungen Mädchen mit nur einem Arm darin. Sie injizierte mir etwas in den Arm und sagte, dass sich niemand daran erinnern wird, dass Richard ein Ursurfer ist. Und er wird sich nicht an seine Zeit als Ursurfer erinnern. Er wird wieder ein Straßenjunge, ohne Zukunft.
Nachdem er aus dem Weg geräumt war fing ich damit an seine Spuren zu verfolgen um sämtliche seiner noch bestehenden Vorbereitungen für den Plan den Flow und damit die Hovercorp zu vernichten im Keim zu ersticken.

Es vergingen Jahre seit diesem Vorfall. Ich bin der Einzige, der sich daran erinnert. Richard ist mittlerweile adoptiert worden und hat sich als unscheinbarer Surfer in  die groß gewachsene Surfergemeinde integriert. Ich halte ihn nah bei mir, um ihn im Auge zu behalten. Der Verlust seiner Erinnerung an seine Zeit als Ursurfer hat ihn schüchtern und vorsichtig werden lassen. Ich gab mich freundschaftlich, ging aber immer wieder mit einigen Sticheleien und gezielten Aussagen sicher, dass sich an seiner neuen Persönlichkeit nichts änderte, was mir Anlass zur Sorge geben könnte, dass er sich wieder erinnern könnte.

Doch dann geschah das Undenkbare. Er fing an mir von Träumen zu berichten und davon, dass sie ihn zu einem Mädchen geführt hatten, die nun in seiner Wohnung war. Ich erkannte sie als Spirit wieder. Doch ich war nicht sicher, ob sie sich ebenfalls an nichts erinnerte, oder nicht.
Dennoch konnte ich kein Risiko eingehen. Ich setzte die Hovercorp von den jüngsten Entwicklungen in Kenntniss. Sie beschlossen ebenfalls kein Risiko einzugehen und die beiden entweder gefangen zu nehmen, oder zu töten, doch beides schlug fehl.
Um ihn im Blick zu behalten und in dem Wissen, dass sich die Ursurfer erneut auf meine Seite stellen würden ließ ich nicht nur Richard als gesuchten Verbrecher ausschreiben, sondern alle Ursurfer gleich mit, mich eingeschlossen. So war ich als Vertrauter stets in seiner Nähe und sobald wir zum Hauptquartier der Hovercorp in der Hauptstadt gelangten, wo er zwangsläufig hingehen wollen würde um sein Werk zu vollenden, würde mit meiner Hilfe Amanda Keres wieder auf uns warten.

Je näher wir der Hauptstadt kamen umso enger wurde mein Kontakt mit Amanda und je deutlicher wurde ihre Absicht Richard dieses Mal nicht zu verschonen, sondern ihn endgültig aus dem Weg zu räumen. Ich würde lügen, würde ich sagen, dass ich keine Skrupel gehabt hätte, doch ich stellte das Wohl meines Bruders und das Wohl der Menschheit über das Leben eines Einzelnen.
Am Ende, wenn Richard sich an alles erinnern wird und er kurz davor ist seinen Plan zu vollenden werde ich mich ihm ein letztes Mal in den Weg stellen. Er wird mich als seinen besten Freund anflehen mit meinem Wahnsinn aufzuhören, doch er versteht mich nicht. Und im Bestreben meine eigenen Ziele zu verfolgen und Richard dafür aus dem Weg zu räumen werde ich von einem herunterstürzenden Metallpfahl, der sich im Laufe unseres Kampfes gelöst hat hinterrücks quer durch den Torso perforiert. So fand unser Kampf ein spontanes Ende. Und in den wenigen Augenblicken, die mir noch blieben gelangte ich zu der Erkenntnis wie dumm und kurzsichtig ich war. Und ich konnte Richard das Versprechen abnehmen, dass er sich um Arty kümmern würde, während ich weg bin.

(Generell möchte ich euch um eine zweite Meinung bitten. Übersehe ich etwas? Wirkt etwas zu unasugegoren? Fehlt irgendetwas in der Logik? Stellt der Figur fragen und sie wird antworten.)

Damiano

Zunächst würde ich gerne wissen, ob du mir sagen könntest, von wann bis wann der Dritte Weltkrieg andauerte, oder ob du die Zeit, zu der du gelebt hast, durch die nicht nähere Spezifizierung bewusst im Unklaren belassen hast?