• Willkommen im Forum „Tintenzirkel - das Fantasyautor:innenforum“.
 

Erstickt der Buchmarkt an sich selbst?

Begonnen von Kaeptn, 22. Januar 2020, 08:25:06

« vorheriges - nächstes »

0 Mitglieder und 1 Gast betrachten dieses Thema.

Schneerabe

#75
ZitatEin Autor ist kein Youtube/Instagram/wasauchimmer Influencer der am Fließband einfach und schnell konsumierbares produzieren kann über das sich eine sinnvolle Followerbase bilden lässt.
Keine Ahnung wann die einsehen, dass das nicht dasselbe ist. Ich hoffe, die Erfahrung der Generation Facebook verschwindet bald wieder aus den Marketingstrategien  ::)

Ich schätze, was diese Marketingstrategien angeht wird es höchstens so bleiben und vielleicht/vermutlich schlimmer. Es gibt nun mal alles im Überfluss und jeder, der was zu verkaufen hat, ringt nach der Aufmerksamkeit der Konsumenten... Aus Unternehmerperspektive ist es völlig nachvollziehbar das Risiko minimieren zu wollen, indem man mit Autoren kooperiert die a) scheinbar eine Fanbase haben (auf Social Media) und b) dadurch dass sie dort aktiv sind zeigen, dass sie selbstständig, engagiert und nicht völlig desinteressiert am Marketing ihres eigenen Werkes sind. (bzw. auch fähig sind es effizient zu betreiben.) Ich sehe es mittlerweile eher so dass es scheinbar immer mehr zum Beruf eines Autoren "dazugehört" (ok sofern es zielgruppentechnisch Sinn macht) Social Media zu beherrschen und zu betreiben. Das kann einem gefallen oder nicht, ich für meinen Teil habe mich damit abgefunden und betreibe nun eben einen Social-Media Kanal (und ja es ist eine Heidenarbeit). Am Ende ist der Buchmarkt eben auch nur ein Markt und "bevorteiligt" am Ende nun einmal (neben den wenigen die "Glück" haben oder außergewöhnlich marktkonform sind) die, die am härtesten Arbeiten bzw. am ehesten bereit sind sich selbst auszubeuten, so wie jede andere Branche auch. Das ich das gut finde ist nicht gesagt, ist nur meine momentane Wahrnehmung des Status Quo.
"To hell or to Connacht."

Coppelia

#76
@Alana Das ist überzeugend, danke. :hmmm: Und auch irgendwie entlastend. Mit Leuten und Kontakt kommen und sie unterhalten: Exakt, was ich will. Öden Kram über mein ödes Privatleben posten: Exakt, was ich nicht will.

Alana

#77
:knuddel: Was mir bei diesem Schritt sehr geholfen hat, ist Gary Vee. Er ist nicht jedermanns Fall, aber er agiert immer aus einer sehr tiefen Dankbarkeit für alles, was er hat und mit sehr viel Liebe für seine Mitmenschen, die man ihm auch abnimmt, gerade weil er so schonungslos und gerade heraus ist. Das finde ich sehr beeindruckend und inspirierend. Sein Buch "The Thank-You Economy" zeigt seine Philosophie des Gebens ganz gut. :)
Ich brauche jetzt kein Entenfett.

Fianna

Oder ein Autor,  mit dem ich nicht privat bekannt bin und wo ich auf Facebook interagiere (hauptsächlich Likes, selten Kommentare, aber das wird mir trotzdem verstärkt angezeigt) ist Petra Schier.
Sie schreibt 3 sehr unterschiedliche Genres: historische Romane und Weihnachtsromane unter demselben Namen, Agenten-Thriller im SP unter Pseudonym.
Sie hat viele mit ihr interagierende Follower, für die Weihnachtsromanleser gibt es Fotos und Anekdoten vom Hund, für die historischen Freunde Kochrezepte aus dem Mittelalter und der Rest wird mir nie angezeigt (bin selten auf Facebook ), aber sie postet wohl noch andere Beiträge.

Das wäre noch ein Nicht-Zirkler-Beispiel von "Wie man Social Media machen kann".

Snöblumma

Zitat von: Alana am 25. Januar 2020, 12:56:02
Ich glaube, der größte Fehler, den viele, auch ich, auf Social Media machen oder gemacht haben, ist zu glauben, dass es um euch als Person geht. Das tut es nicht. Es geht um Kontakte zu den Personen, die ihr als Leser gewinnen wollt. Es geht darum, ihnen etwas zu geben, das sie unterhält, ihnen ein schönes Gefühl gibt und ihnen zeigt, ob eure Bücher etwas für sie sind. Es geht nicht um euren Alltag. Es geht um echte Kommunikation unter Buchmenschen. Wer Social Media nur als Werbung oder Selbstdarstellung sieht, hat die Grundlagen noch nicht verstanden und wird es schwer haben, die Menschen wirklich anzusprechen. Es geht nicht um euch. Es geht um sie. Das zu verstehen, macht so vieles leichter und auch viel schöner und mit Übung und viel Arbeit schafft man es auch irgendwann, Beiträge zu schreiben, die zu Diskussionen und echten Verbindungen führen, und dann wirkt das alles auch nicht mehr so fake, weil es das auch nicht mehr ist. :)

Intellektuell ist mir das klar, ich kann es nur einfach nicht nachvollziehen, was Menschen dazu bewegt, mit Wildfremden in Kontakt zu kommen. Weder aus Lesersicht noch aus Autorensicht. Gefühlte 99% der Beiträge auf Social Media (von/mit Buchmenschen, jedenfalls das, was es mir in meine Kanäle spült) sind Katzen-/Hundebilder, Bilder von Bücherregalen und Bilder von Buchcovern, alle hübsch dekoriert und erkennbar hindrapiert. Es ist mir schlicht und ergreifend ein absolutes Rätsel, was Menschen dazu bringt, bei einem ihnen vollkommen fremden Autor/Menschen Bücherregale zu kommentieren, statt einfach ein gutes Buch zu lesen. Oder zum Sport zu gehen. Oder andere sinnvolle Dinge zu tun. Oder, um es jetzt mal so offen zu sagen, auch wenn das vermutlich gar nicht gut ankommt: Mich interessiert nicht, was Menschen, die ich nicht kenne und niemals kennen werde, zu drapierten Bildern meines Lebens zu sagen hätten. Und ich gehe auch nicht davon aus, dass es jemanden wirklich interessiert, wenn ich zu den drapierten Bildern seines Lebens freundliche Kommentare schicke - außer, dass es jedem  Menschen ein gutes Gefühl gibt, Lob/ positives Feedback zu bekommen, wir sind ja alle im Grunde ein wenig aufmerksamkeitsbedürftig.

Klar ist das alles ein Business (ich hoffe jedenfalls, dass sich alle Beteiligten bewusst sind, dass es nur Business ist), aber für mich würde es sich dennoch anfühlen wie fake, Interesse an Dingen zu heucheln, die mich nicht interessieren. Dafür ist mir auch die wenige Zeit, die ich habe, zu schade, und ich kümmere mich lieber darum, mir ein gutes Gefühl zu verschaffen (also: zu schreiben). Für die Dinge, die mich interessieren, ist Social Media schlicht das falsche Medium, weil zu schnell und zu verkürzt und zu anonym. Für echte Diskussionen über Plotprobleme, Recherchefragen, Darstellung von kritischen Themen etc. halte ich Social Media persönlich vollkommen ungeeignet. Das mache ich lieber im geschützten Raum eines Forums, mit Leuten, die ich zum größten Teil zumindest ein wenig kenne.

Chapeau vor jedem, der dafür die Energie übrig hat, ich für meinen Teil lasse ich das mit dem Marketing eben. Dann gehen die Bücher halt unter, so what? Immerhin versauern sie nicht auf der Festplatte, und vielleicht finden sich ja ein paar Leser, die damit eine schöne Zeit haben. :D


Schneerabe

@Snöblumma ich kann das ganz gut verstehen. Ich denke, es gibt einfach unterschiedliche Leute - Big-5 undso. Es gibt Leute die sind sehr extrovertiert und befassen sich gern mit anderen Menschen. Es gibt Leute die sind SEHR introvertiert und befassen sich lieber mit Ideen und Fantasien.

Ich gehöre definitiv auch eher zur 2. Gruppe aber ich liebe eine gute Challenge und habe die Frage nach dem "warum tun Menschen das?" mit dem "ok WIE tun sie es eigentlich?" ersetzt. Instagram zum Beispiel hat ja auch (in jeder "Szene") ein Komplexes Netz an Konventionen und Verhaltensregeln die es zu lernen gibt und "Trends" die da kommen und gehen. Davon abgesehen dass es auch Skill braucht gute Bilder zu schießen, ich habe da aufjeden Fall mehr Respekt vor seit ich es selbst ausprobiert habe... Man muss es nicht tun aber ich denke es gibt viele Wege SM zu betreiben. Mein Kontent ist etwa sehr artsy weil ich nicht soo kommunikativ bin. Aber wie Alana gesagt hat sofern man die Menschen irgendwie unterhält oder ihnen etwas bietet hat der Account wert.
"To hell or to Connacht."

Alana

#81
Nun ja. Wenn man als Kind und Buchnerd niemanden hatte, mit dem man über bestimmte Dinge reden konnte, wenn man es mag, allein zu sein und sich dann auszutauschen, wenn man sich dafür entscheidet, dann ist Social Media eben genau das richtige. Ich denke oft, dass ich früher nicht so einsam gewesen wäre, hätte es das schon gegeben. Und die Liebe zu bestimmten Dingen schafft viel schneller für mich eine Verbindung als körperliche Anwesenheit, und ich genieße auch diese Nähe auf Distanz, die dadurch möglich ist. Ich bin gern allein, aber nicht immer gern einsam. Diskussionen zu Büchern oder Serien sind auf Facebook und in Foren meist super anstregend. Auf Instagram kann man sich auch einfach mal freuen und Gleichgesinnte finden, ohne dass man nervige Kommentare erntet, die einem den Spaß an einem Film kaputt machen wollen.

Aber wer das faked, wird damit auch nicht glücklich werden. Die Leute merken schon, wenn jemand kein echtes Interesse hat und nur so tut. :)
Ich brauche jetzt kein Entenfett.

Schneerabe

@Alana das stimmt! Irgendwann dachte ich da auch mal dran... In meiner "Kindheit" gab es noch kein Social Media (also es war da aber niemand hatte es oder hatte ein Smartphone xD) Ich habe viel gelesen, hatte aber nicht viele Freunde die sich (in dem Ausmaß) für Fantasy interessiert haben. Im Grunde konnte man nie über Bücher reden (Buchclubs gab es bei uns nicht auf dem Lande und für extrem schüchterne Mädchen ist das auch nichts). Die traurige Wahrheit ist, das ich mich irgendwann daran gewöhnt habe... aber das muss für heutige Kinder/Jugendliche nicht so sein, stimmt schon dafür ist SM sehr gut. Mittlerweile bin ich allerdings ähnlich wie Snöblumma einfach zu alt für die Art von Konversation die etwa auf IG über Bücher betrieben wird. Ich rede unheimlich gerne über Literatur - und unheimlich oft kommen dabei Leute wie Hegel und Nietzsche ins Spiel, für sowas ist SM dann wieder der falsche Ort.;D Aber früher hätte ich es sehr gemocht glaube ich.

Naja deshalb versuche ich auf Instagram auch kein Buchblogger zu werden - aus dem Holz bin ich nicht, ich poste eher über Fanart zu Büchern, liegt mir mehr und ich denke wenn man sich so furchtbar verbiegen muss, hält so ein Account auch nicht lange durch.
"To hell or to Connacht."

Coppelia

#83
Das Bedürfnis, mit Autor*innen in Kontakt zu treten, verstehe ich dagegen sehr gut. Ich habe selbst als Kind Fanpost an meine Lieblingsautoren geschickt und war selig, wenn sie geantwortet haben.
Am besten ist meine Erinnerung an mein Idol James Krüss (bekannter Dichter für Kinder, Autor vor der "Weihnachtsmaus" u. ä.), der mir nicht nur geantwortet hat, sondern mich auch in einem Gedicht ermutigt hat, selbst weiter zu dichten (ich hatte ihm tollkühn und todesmutig eins von meinen Gedichten geschickt). :herzchen: :wolke: Es war vermutlich ein vorgefertigter Text, denke ich heute, aber es hat mich als Kind dermaßen glücklich gemacht und mich wirklich ermutigt, mehr Gedichte und Texte zu verfassen. Den Brief sehe ich noch vor mir: handgeschrieben mit kleinen Zeichnungen. Ich bin ihm heute noch für diese freundliche Geste dankbar. Allerdings hieß es damals, im Fall von James Krüss einen Brief nach Gran Canaria zu schicken und nie zu wissen, ob meine eine Antwort erhält. Heute läuft Kommunikation viel einfacher und schneller. Vielleicht fühlt es sich daher auch so an, als wäre eine Antwort nicht so viel wert oder als wäre der Austausch selbstverständlich, vielleicht sogar etwas, auf das Leser*innen eine Art Recht haben.

Ich habe auch letztens erst mit einer Freundin darüber gesprochen, wie mich Inhalte, die sich irgendjemand ausgedacht hat, für mein Leben beeinflusst haben. Ich denke, Kunstschaffende möchten Menschen glücklich machen, in welcher Form auch immer, und sie werden froh sein, wenn sie wissen, dass es ihnen gelungen ist. Ich jedenfalls wäre es. Daher denke ich, dass sie auch stark von dem Austausch profitieren. Ob James Krüss sich gefreut hat, dass seine Gedichte jemand anderen zum Dichten gebracht haben? Da bin ich sicher!

Das ist eigentlich auch genau das, was ich selbst mit meinem Schreiben erreichen möchte und weswegen ich mich selbst in dem Kontext auch nicht so wichtig finde. Weil kreative Arbeit anderer mein Leben bereichert hat, wäre mein größter Traum, dass meine kreative Arbeit das in anderer Menschen Leben schafft. Genau das will ich, und ich denke, das kann ich auch. Um "groß" zu werden, braucht man allerdings Unterstützung, das schafft man leider nicht allein.

Trippelschritt

Da hast Du jetzt aber etwas für mich etwas ganz Wesentliches geschrieben, Coppelia. Du siehst Dich als eine Kunstschaffende. Eine Künstlerin ringt aber zuerst um ihren Ausdruck und kümmert sich erst im zweiten Schritt um den Markt. Selbstverständlich ist der Markt wichtig, denn welcher Künstler will schon seine kunst für die Schublade erschaffen. Aber wenn nur ein Produkt herauskommt und keine Kunst, kann der Künstler nicht zufrieden sein.

Damit möchte ich nichts gegen alle Kollegen sagen, die zunächst einmal vom Schreiben leben möchten. Dieses Ziel ist nicht geringer als ein anderes. Aber irgendwann ist man gezwungen eine eigene Position zu beziehen. Und die bestimmt dann das weitere Vorgehen. Und es gibt auch keine scharfe Grenze zwischen Künstlern und Nicht-Künstlern. Und schon gar nicht steckt eine Wertung in dem Unterschied. Ich habe jede Menge Künstler kennengelernt, die darunter gelitten haben, von ihrer Kunst nicht leben zu können und von dem Geld ihrer Eltern, ihres Lebenspartners oder einem Brotjob haben leben müssen, während ihre Geschwister angenehmer durchs Leben glitten.

Bei Autoren fällt dieser Unterschied nicht so deutlich auf wie bei Malern oder Bildhauern. (Ich kenne zu wenige Musiker, um über diese Gruppe etwas zu sagen, aber auch dort müssen ungeliebte Kompromisse eingegangen werden.)

Gespräche mit anderen Autoren können ungemein hilfreich sein, den eigenen Standpunkt zu finden.
Und der Markt? Er ist, wie er ist. Und jeder muss da seinen Weg finden, der für ihn passt.

Liebe Grüße
Tripopelschritt

Coppelia

#85
Auch wenn ich nicht gut darin bin, den Kompromiss hinzubekommen: Ich glaube nicht, dass sich diese Positionen gegenseitig ausschließen. Auch ein Produkt kann Menschen glücklich machen und ihr Leben bereichern. Vielleicht sogar besser als "Kunst", weil es in gewisser Weise dafür gemacht ist. Dass Berechnung dahinter steht, ist wahrscheinlich nicht entscheidend. Ich glaube auf alle Fälle, letzten Endes ist es befriedigender zu sagen "Dieses Buch hat viele Menschen zufrieden gemacht" als "Boah, cool, dass ich mit dem Buch soviel verdient habe." Wobei das natürlich überhaupt nicht verkehrt und überaus wünschenswert ist. :D
Einer der vielen Gründe, warum ich es schade finde, dass ich nicht marktkonformer schreibe.

Linda

#86
Zitat von: Coppelia am 26. Januar 2020, 10:07:02
letzten Endes ist es befriedigender zu sagen "Dieses Buch hat viele Menschen zufrieden gemacht" als "Boah, cool, dass ich mit dem Buch soviel verdient habe." Wobei das natürlich überhaupt nicht verkehrt und überaus wünschenswert ist. :D

weshalb mein erster Gedanke bei jedem neuen Verkauf ist: freu, ein Leser. Und nicht Tsching (Ladenkasse - oder Registrierkasseklingeln).

FeeamPC

@Snöblumma:
Weshalb die Leute diese Dinge auf Facebook und sonstwo lieben? Sie vermitteln ihnen das Gefühl von Nähe in einer Welt, die trotz Milliarden Menschen eher zu Entfremdung tendiert. Das, was man früher, auf dem Dorf, in seiner kleinen Dorfgemeinschaft automatisch hatte (und nicht immer mochte), das, was früher die oft lebenslange Nachbarschaft war, das muss heute das Internet ersetzen. Ein Bedürfnis, das die Menschheit aus grauer Vorzeit von ihrem Hordenleben in die heutige Zeit mitgenommen hat und das befriedigt werden will.
Ob es uns passt oder nicht, und egal, wie sehr wir vielleicht Einzelgänger sind, der Mensch als biologische Gruppe ist ein Herdentier, oder besser, ein Hordentier, wir brauchen eine Gemeinschaft, auch wenn sie nicht sehr groß sein muss. Diesen Trieb, diesen inneren Zwang befriedigen solche Posts und Interaktionen auf Facebook, Instagram und Co.

Lothen

Ich finde auch wichtig, sich klar zu machen, dass auf Social Media unterwegs zu sein nicht heißt, dass man sich zur Mediennutte macht. Ich bin wirklich viel online unterwegs, v.a. auf Twitter. Das, was ich poste, hat vielleicht zu 5 % (wenn überhaupt) mit meinen Schreibprojekten zu tun. Alles andere nervt die Leute ja auch tierisch.

Über meinen Alltag schreibe ich auch sehr wenig. Ich poste kaum Fotos von mir (nur sehr ausgewählte) und keine Fotos von Angehörigen, ich poste keine Beiträge mit meinem Frühstück, erzähle nur sehr wenig von Veranstaltungen, die ich privat besuche, und so gut wie gar nichts über meinen Brotjob.

Ich habe mir ein paar Themen ausgesucht, über die ich gerne - auch öffentlich - rede, mich austausche, mich positioniere, unter anderem über Rollenspiel, Bücher, Fantasy-Kram und auch über (gesellschaft-)politische Dinge dann und wann. Dafür muss ich mich nicht verbiegen, ich muss mich dafür nicht zum "gläsernen Menschen" machen (also nicht mehr als sowieso schon) und muss auch kein Interesse heucheln, das nicht da ist.

Will sagen: Das geht schon. Man kann sich die Nische suchen, die einem liegt. Und das MUSS eben auch nicht Social Media sein. Viele Zielgruppen lassen sich ja über SoMe überhaupt nicht erreichen, da kann man sich ein Bein ausreißen und wird vermutlich wenig Ergebnisse sehen.

Mich nervt es nur ein wenig, dass auf Leute, die Social-Media-Auftritte und Marketing gut beherrschen, so oft von oben herab drauf geschaut wird, nach dem Motto: Die verkaufen ja nur sich, die sind ja keine "echten Künstler", die sind nur banale Influencer etc. Ich finde es echt bemerkenswert, wenn Menschen das können. Ich gehöre ja leider selbst auch nicht dazu (Instagram oder Youtube wären mir ein totales Graus :rofl: ), aber diese Fähigkeiten abzuwerten finde ich auch nicht richtig.

Mich nervt es auch, dass auf dem Buchmarkt zunehmend mehr dieser Skills gefragt sind, auch Verlage gezielt danach suchen usw. Mir wäre es definitiv lieber, ich könnte mein Manuskript einem Verlag geben und dann würde der mich groß rausbringen, ohne dass mich mit mit diesem Markting-Bullsh*t rumschlagen muss. Aber ehrlich gesagt glaube ich nicht, dass es da in Zukunft hinführt. Wir haben jetzt nun einmal das Internet, wir haben Social Media und das wird nicht mehr verschwinden. Es ist auch GUT, dass es so ist, weil Kleinverlage und Selfpublisher hätten keinerlei Chance ohne diese Mechanismen.

Ich habe volles Verständnis, wenn einen das nervt und wenn man sich darüber ärgert oder beschließt, dass man damit nichts zu tun haben will. Aber ich glaube, wir müssen uns irgendwie damit arrangieren lernen. Auf die eine oder andere Weise.

Steffi

Sic parvis magna