Das man in seinen Werken emotional viel verarbeitet ist klar. In meinem alten Romananfang habe ich meine "Wie wäre ich gerne"-Persönlichkeit auf mehrere Charaktere gesplittet und jedem mehrere Wunscheigenschaften gegeben. Mittlerweile tarne ich es geschickter, denke ich und es ist auch für einen externen Leser interessanter, wenn er nicht merkt, wo ich ihm meine eigene Meinung unterjuble.
Ziemlich auf den Keks gehen mir Geschichten, die 100% Autobiografisch sind, die aber mitten in einer Prosasammlung auftauchen. Da denke ich entweder "was ein Rührstück!" oder bin begeistert, was für einen Einfallsreichtum und für eine Beobachtungsgabe der Autor hat ... und hinterher erfahre ich, dass null kreative Handlung dabei war. Nur aufgeschrieben, was erlebt wurde. Klar ist das auch eine Leitung, das handwerklich gut und packend zu machen, aber dann nicht als kreativen Akt tarnen!
In einem anderen Fall habe ich ein Kleinverlagsbuch aus dem Bereich SF hier rumliegen und ich kriege den Roman nicht rum, obwohl der Autor eine tolle Schreibe hat. Selbst wenn ich ihn nicht persönlich kennen würde, tropft durch jede Zeile seine Meinung und er konstruiert die Welt genau so, dass er im Extremen sein Ideal bauen und der verhassten, überspitzten Politik entgegen stellen kann. Und die alternativen Linken sind natürlich so gut und intelligent und alle anderen so dumm und böse ... wenn er mehr differenzieren würde und das Zukunftsszenario glaubhafter wäre, würde ich ihm das vielleicht abnehmen, aber es ist so unverhohlen seine eigene Meinung, dass ich mich als Leser gegängelt fühle ...