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Autor Thema: Schlüssigkeit in Geschichten Oder Wie genau hinterfragt Ihr den Inhalt einer Ges  (Gelesen 6581 mal)

Tukkayid

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Natürlich verdient es keine Idee, wegen eines kleinen Logikfehlers zu sterben.

Grundsätzlich soll es ja eine Geschichte zur Freude und Unterhaltung werden und kein Fachbuch über Staatsorganisationsrecht. :D

Magie, ja Magie ist immer gut um kleine Logikprobleme zu meistern ;)

Magier springt aus Turm --> zückt Feder und etwas Fledermauskot, murmelt ein paar unverständliche Worte und segelt sanft zu Erde --> Magier erreicht unverletzt den festen Boden

ist deutlich besser als

Fritz fällt aus dem Fenster im dritten Stock, kommt unten an, Fritz heil geblieben ;)

Gruss,

Tukkayid


Offline Grey

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Hm. Hauptsache, der Turm ist so hoch, dass der Magier auch genug Zeit für seinen Zauber hat ... ::)

Ich find Magie meist nicht so prickelnd, wenn sie sie dazu benutzt wird, um Logiklücken zu stopfen. Da verliert für mich total ihren Reiz. Wenn Magie, dann muss es auch bitteschön plotrelevant sein, dass es sie gibt.
  Wir alle sind sterblich.

Tukkayid

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aber natütlich ist es plotrelevant dass der Magier unten lebendig ankommt, sonst würde er wohl kaum aus dem Fenster hüpfen, sondern die Treppe nehmen .. was logisch wäre ^^

Mardil

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Stimme Grey zu, Magie als simple Ausrede für Logikfehler zu benutzen, ist nicht so der Wahnsinn. Genauso die Begründung: "Das geht, ist doch Fantasy".  Wenn sie aber mit einem ausgereiften System hin und wieder eine plottragende Rolle übernimmt, warum nicht?

Einen extremen Logikbruch, den heiße ich auch nicht gut, aber eine kleine, winzigkleine (und harmlose?) Schummelei finde ich persönlich in Ordnung.
Meine Rede.

Tenryu

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Ich glaube, als Autor merkt man oft gar nicht, wenn etwas unlogisch oder unglaubwürdig erscheint.

Wobei ich sagen muß, daß ich als Leser schon sehr abstruse Dinge gelesen habe, die mir dann schnell mal den Spaß an einer Geschichte verderben können.
Am meisten stört es mich, wenn der Autor bei Sachverhalten, die für die Handlung nicht essenziell sind, geschlampt hat. Vielleicht weil, es dort am ehesten auffällt. Während man in einer spannenden Sezen leicher darüber hinweg liest.

Offline Volker

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Magier springt aus Turm --> zückt Feder und etwas Fledermauskot, murmelt ein paar unverständliche Worte und segelt sanft zu Erde --> Magier erreicht unverletzt den festen Boden

Der AD&D-Klassiker "Featherfall"...
 ;)

Offline Volker

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Ein Logikfehler kann einen ganz schnell aus der Geschichte bzw. Stimmung heraushauen - auch und gerade bei kleinen Haken. Und dann muss das Buch echt gut sein, im den Leser weiter zu binden (ist zumindest bei mir so).

Tukkayid

  • Gast
Hm,

weiß gar nicht mehr, ob man für Featherfall Fledermauskot braucht ^^

Alles in Allem aber :

VIELEN DANK FÜR DAS TOLLE FEEDBACK :)

Antonia Assmann

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Hallo Tukkayid,

ich ärgere mich über unlogische oder unrealistische Szenen, wenn ich das Buch eh schon schlecht finde.
Wenn mir die Helden gefallen "drücke ich ein Auge zu".
Ein Held ist doch nur ein Held, wenn er mehr kann, als der normale Durchschnitt. So sehe ich das jedenfalls. Wenn der Held aber ein blöder Angeber ist, oder ein kühles unnahbares Wesen, dann lass ich ihm diese Übertreibung nicht durchgehen und bin verstimmt.
Genauso schreibe ich auch.
Wenn sich meine Protagonisten gut benehmen, dürfen sie auch manchmal einen Trick anwenden, der realistisch gesehen, gar nicht möglich wäre. Das allerdings nicht zu oft!

Liebe Grüße
Antonia

Offline Gwee

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Hallo!

Also, ich muss ganz ehrlich sagen: Was nicht möglich ist, tun meine Charaktere auch nicht. Sie haben ja nicht umsonst ihre besonderen Fähigkeiten und Talente. Wenn sich mein Charakter nicht irgendwie dehnen kann, dann greift er auch nicht einfach nach einer Waffe, die 5 Meter entfernt liegt, sondern schafft es wenn dann sich langsam zur Waffe zu schieben oder eben anders den Bösewicht zu besiegen. Sobald eine Handlung für mich nicht mehr logisch ist, beginne ich als Leser am Autor zu zweifeln und das mag ich gar nicht - sowohl als Leser als auch als Autor. Ich will sagen können: Meine Charaktere haben es geschafft, weil sie sind wie sie sind und nicht weil ich sie da rausgehauen habe. Das würde alles ruinieren. Wozu ein Buch lesen, wenn man im Endeffekt eh weiß: Hey, der Autor sorgt doch eh dafür, dass der Protagonist gewinnt. Dann würde ich das Buch nicht mehr lesen, weil es die Spannung verloren hat - und selbst wenn ich ein Letzte Seite Leser wäre, wäre das für mich ein NoGo. Logik muss vorhanden sein. Und wenn der Autor sich nicht einmal mehr selbst an die Logik halten will, ist das Buch eigentlich zum Scheitern verurteilt. Denn das wirkt dann mehr als wolle man etwas erzwingen.

Ich glaube, als Autor merkt man oft gar nicht, wenn etwas unlogisch oder unglaubwürdig erscheint.

In solchen Fällen hat man dann ja Leute, die da noch einmal drüberlesen und sagen können, dass da etwas nicht ganz stimmig ist.  ;)

Es ist so eine Art Obsession, glaube ich. Das Schreiben fasziniert mich so sehr,
daß, wenn es mir verboten würde, ich langsam daran sterben würde.
Johannes Mario Simmel

Offline Ratzefatz

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Zitat
Ein Held ist doch nur ein Held, wenn er mehr kann, als der normale Durchschnitt.

Ich denke, es kommt sehr darauf an, wer der Protagonist sein soll.
Superagent James Bond? Klar, der springt locker von einem Dach zum nächsten und erschießt dabei mit verbundenen Augen auf dreihundert Meter eine Fliege, warum nicht.
Die stinknormale sechzehnjährige Schülerin, die rein zufällig in ein Agentenkomplott gerät? Wenn die das auch kann, klappe ich das Buch wahrscheinlich zu.

LG
Ratzefatz
„Dein Name ist Venko“, raunte Zoya in sein Ohr. „Venko, Venko, Venko.“ Sie gab ihm für jedes „Venko“ einen Kuss und ermahnte ihren Mann: „Vergiss deinen Namen nicht!“
„Wie könnte ich ihn vergessen, meine Zoya“, raunte er zurück, „wenn ihn vergessen auch dich vergessen hieße?“

Barbara Schinko, Ein Mantel so rot, 2017

Farean

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Ein Held ist doch nur ein Held, wenn er mehr kann, als der normale Durchschnitt.
Hmm, da muß ich jetzt doch mal vehement widersprechen.

Ein Held ist für mich jemand, der über sich hinauswächst und sich auf eine Herausforderung einläßt, obwohl er nicht weiß, ob er sie überstehen wird. Die Fähigkeiten sind dabei eher nebensächlich; die alte, plumpe Pommesbudenbesitzerin, die sich mit Angstschweiß auf der Stirn zwischen den finsteren Fremden und das kleine Mädchen stellt, ist für mich eindeutig "heldenhafter" als Clark Kent, wenn er mal wieder Wolkenkratzer auf Lex Luthor schmeißt.

Mut macht den Helden aus. Und je weniger der Held kann (oder sich seines Könnens bewußt ist), desto mehr Mut braucht er.

Und um den Bogen zurück zum ursprünglichen Threadthema zu schlagen, aus diesem Grund (unter anderem) hinterfrage ich den Inhalt einer Geschichte meist sehr genau. Je realistischer/plausibler die Beschränkungen des Charakters, desto mehr Mut braucht er, um sein Abenteuer zu bewältigen; desto spannender wird es; und desto besser kann ich realistisches armes Würstchen mich damit identifizieren.

Offline Ratzefatz

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Zitat
    Ein Held ist doch nur ein Held, wenn er mehr kann, als der normale Durchschnitt.

Hmm, da muß ich jetzt doch mal vehement widersprechen.

Ein Held ist für mich jemand, der über sich hinauswächst und sich auf eine Herausforderung einläßt, obwohl er nicht weiß, ob er sie überstehen wird. Die Fähigkeiten sind dabei eher nebensächlich; die alte, plumpe Pommesbudenbesitzerin, die sich mit Angstschweiß auf der Stirn zwischen den finsteren Fremden und das kleine Mädchen stellt, ist für mich eindeutig "heldenhafter" als Clark Kent, wenn er mal wieder Wolkenkratzer auf Lex Luthor schmeißt.

Grundsätzlich stimme ich dem zu. Allerdings denke ich (und vielleicht hat das Antonia auch so gemeint), dass selbst die "normalen" Leute in einem Buch einfach besser als der Durchschnitt sind.
Um bei meinem Beispiel zu bleiben: Die Geschichte würde nicht von einer stinknormalen sechzehnjährigen Schülerin handeln, die rein zufällig in ein Agentenkomplott gerät und nach fünf Minuten mit einem höchst überraschten Gesichtsausdruck stirbt, sondern von einer stinknormalen sechzehnjährigen Schülerin, die rein zufällig in ein Agentenkomplott gerät und so sehr über sich hinauswächst, dass sie es schafft, all den erfahrenen Spionen Paroli zu bieten.
Wenn man nun zehn durchschnittliche Schülerinnen in diese Rolle stecken würde, wären wahrscheinlich neun von der ersten Sorte und die zehnte von der zweiten. Alle gleich heldenhaft. Aber wir lesen über die zehnte, weil die ersten neun keine guten Protagonisten abgeben würden.

LG
Ratzefatz
„Dein Name ist Venko“, raunte Zoya in sein Ohr. „Venko, Venko, Venko.“ Sie gab ihm für jedes „Venko“ einen Kuss und ermahnte ihren Mann: „Vergiss deinen Namen nicht!“
„Wie könnte ich ihn vergessen, meine Zoya“, raunte er zurück, „wenn ihn vergessen auch dich vergessen hieße?“

Barbara Schinko, Ein Mantel so rot, 2017

Farean

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Die Geschichte würde nicht von einer stinknormalen sechzehnjährigen Schülerin handeln, die rein zufällig in ein Agentenkomplott gerät und nach fünf Minuten mit einem höchst überraschten Gesichtsausdruck stirbt, sondern von einer stinknormalen sechzehnjährigen Schülerin, die rein zufällig in ein Agentenkomplott gerät und so sehr über sich hinauswächst, dass sie es schafft, all den erfahrenen Spionen Paroli zu bieten.
Das ist natürlich richtig. Da bleibt die Frage, ob man Mut, Willenskraft und Einfallsreichtum in diesem Zusammenhang mit unter "Können" abhandelt. Ich hatte Antonia jetzt so verstanden, daß "mehr können als der Durchschnitt" sich wirklich auf Sport, Handwerk etc. bezieht, sprich: ein Held müsse ein überdurchschnittlicher Kämpfer, Fassadenkletterer oder Schloßknacker sein, um überhaupt ein Held sein zu können.

(Tatsächlich bin ich der festen Überzeugung, daß jeder Mensch in irgendetwas besser ist als der Durchschnitt. Helden zeichnen sich für mich lediglich dadurch aus, daß sie an ihre Grenzen gehen und diese so kennenlernen. ;))

Offline Merrit

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Das ist natürlich richtig. Da bleibt die Frage, ob man Mut, Willenskraft und Einfallsreichtum in diesem Zusammenhang mit unter "Können" abhandelt. Ich hatte Antonia jetzt so verstanden, daß "mehr können als der Durchschnitt" sich wirklich auf Sport, Handwerk etc. bezieht, sprich: ein Held müsse ein überdurchschnittlicher Kämpfer, Fassadenkletterer oder Schloßknacker sein, um überhaupt ein Held sein zu können.

(Tatsächlich bin ich der festen Überzeugung, daß jeder Mensch in irgendetwas besser ist als der Durchschnitt. Helden zeichnen sich für mich lediglich dadurch aus, daß sie an ihre Grenzen gehen und diese so kennenlernen. ;))

Ich gebe dir Recht, Farean. Meiner Meinung nach sollte ein Held vorallem psychisch eine Besonderheit aufweisen. Ob er/sie /es auch physisch besonders ist, steht auf einem anderen Blatt.
Was aber wirklich nicht angehen kann ist diese ewige Balance zwischen "zu Tode erschöpft" und "voll fitt". Einmal kann ein Held sicher über seine/ihre Grenzen gehen, aber nicht immer und über das gesamte Buch hinweg  :happs:.
Zumindest denke ich so  ;).
´Schmerz lässt sie nicht weinen,
doch Freude vermag es zu machen.
Schmerz, er lässt sie lachen,
dem Feinde freudig entgegen,
sich der Gewalt des Fremden entheben.
Gefühle sind einzig was sie leitet,
sie sind der einzige Pfad, den ein Krieger beschreitet!´ (Eigen, Nebelflut)

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