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Dialekte/Akzente

Begonnen von Koboldkind, Gestern um 11:22:28

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Gerrit und 1 Gast betrachten dieses Thema.

Koboldkind

Ich würde hier gerne eine Sammlung/Diskussion eröffnen, weil ich zu dem Thema nur zwei spezielle Anfagen gefunden habe. Und auch eine Suchmaschienen-Frage hat mir spontan nichts konkretes rausgespuckt. Also ja, ganz viele Tipps zum bedenken, aber ich würde gerne schriftliche Beispiele haben. Wie ... die Asterix-Dialekt-Bände ^^

Also, an denen kann man ja sehr schön deutschsprachige Dialekte anlesen. Und wenn man einen Regional-Roman schreibt ist es durchaus angebracht, ein paar (alteingesessene) Charaktere noch so im dicken Dialekt sprechen zu lassen. Oder es ist eine Ausgangslage, um auch in Fantasy mit etwas schwächerer Dialekt-Färbung verschiedene Regionen und Länder darzustellen.

Ich habe in anderen Diskussionen schon gesehen, dass es zu bedenken gilt, wenn man sich an Akzenten versucht. Slawischen Akzent einem Antagonisten geben hat auch wirklich einen Beigeschmack. Aber generell frage ich mich, wie man verschiedene irdische Akzente überhaupt darstellen kann. Französisch = oft genug das H weg lassen? "Asiatisch" = L und R verwechseln? Ja, da rollen sich bei mir auch schon die Zehnnägel, weil es sich so nach letztes Jahrhundert anfühlt ... Aber ich will ja wissen, wie es aussehen könnte, um es dann gut einbauen zu können, oder? Etwas mehr machen als "Sie sprach mit schweren/leichten/springenden Akzent".

Was meint ihr, wie viel kann man darstellen? Wo habt ihr schon mal gute Sprachfärbungen gelesen? Danke für eure Hinweise und Gedanken :)
Wer jetzt nicht wahnsinnig wird, muss verrückt sein.

"Baue niemals einen Kerker, in dem du nicht selbst gefangen sein willst. Und vertraue niemals einem König, der Fluchttunnel braucht." - Lord Vetinari

Sam

Hallo @Koboldkind!

Das ist ja ein spannendes Thema! Ich habe mich auch dasselbe einige Male gefragt.
Bin für mich zum Schluss gekommen, das (wie du auch schon sagtest) für die Menschheit/ Regional angesiedelte Geschichten die Spracheigenheiten einzelner Bevölkerungsgruppen sich sehr toll anhören. Dafür sind typische Lautverschiebungen im internet auffindbar (obwohl sie selten für ein langes Dialog reichen). :buch:

Für komplett fiktive Welten finde ich die Anlehnung an die irdischen Dialekte/ Sprachbesonderheiten bestimmter Völker befremdlich. Für mich habe ich es so gelöst, das ich mir welche na ja, erfinde oder regionalfrei vorgehe. zB lispeln ist per se nicht unbedingt spezifisch. In Kombinationen mit anderen Lautverschiebungen kann es einen Akzent ergeben, muss es aber nicht. Ich habe dann alles, was 'sch', 'sp', 'st' usw war, gegen ein `ff` ersetzt. Man muss das dann wahrscheinlich laut vorlesen, um die Wörter zu verstehen, ging für mich aber gut auf.
So kann man sich auch andere, seltenere Sachen zurechtlegen. Wie "meine Fee kann leider kein 'k' aussprechen und stattdessen ein 't'". (ich weiß, es ist alles nicht neu und bereits erfunden, passte aber so gut zum Thema! :ätsch: )
Und die ganze fiktive Völker zu bedienen, war was komplexer. Ich habe mir dann bei den einigen Wörtern die etwas andere / seltene /veraltete Bedeutung gefunden (hoch lebe Duden! ) und diese dann konsequent genutzt. Oder landschaftlich/veraltete oder hochtrabende Wörter zusammengesucht (schon wieder Duden). Kann vereinzelt in Dialekten vorkommen, aber die Zusammensetzung kappt dem ganzen die Wurzel.
War jedes Mal ein Abenteuer und die Rechtschreibprüfung rauchte nervös in der Ecke, aber die Charaktere / Völker bekamen ihr gewisses Etwas, ohne auf die gängigen Dialekte zurückzugreifen.
Das waren meine zwei Cent zum hochspannenden Thema. Bin neugierig, was sich die Gemeinschaft dazu einfallen ließ. :idee:  :winke:
Sie wussten nicht, dass es unmöglich war, also haben sie es getan
Mark Twain

Stefan

Gute echt existierende Sprachfärbungen oder beliebige, auch erfundene?

Ist ja echt schwer, weil es oft an der unterschiedlichen Aussprache derselben Buchstaben liegt. So genau ist die normale Schrift nicht. Da kann man nur andeuten und typische regionale Wörter oder Wendungen einstreuen. Lesende müssen mit dem Klang vertraut sein.

Ich hab in meinem Manuskript lange an Sprachfärbungen von Zwergen und anderen Völkern rumgebastelt und es am Ende doch nicht gemacht. Nur das Baumvolk spricht nie harte T-Laute aus. Das war einigermaßen umsetzbar und leicht als 'Regel' zu erkennen. Problem A: In den ersten Sätzen muss es zum richtigen Zeitpunkt auffallen, damit man es nicht für einen Tippfehler hält und sich  nicht wundert, wenn die Figur plötzlich seltsam spricht. Problem B: Es führt zu unfreiwilliger Komik, was an ernsten Stellen echt in die Hose gehen kann. Ich muss die Sätze also immer so  formulieren, dass der Akzent in der richtigen Dosis kommt.

Dann gäbs noch die Alemannische Wikipedia.

ZitatDi alemannisch Wikipedia isch e Enzyklopedi in dr Dialäkt vum alemannische Sprochrüüm, also vu dr Ditschschwiz, vum Elsiss, vu Liechtestei, vu Oberbade, vum Schwobeland un vu Vorarlberg.

(Ich wäre hier zu finden.)

Gerrit

Beim Schreiben von Fantasygeschichten gehe ich ja grundsätzlich davon aus, dass die Figuren kein Deutsch sprechen (es kann Ausnahmen geben) und was ich schreibe also bereits die Arbeit eines Übersetzers darstellt. Als die fiktive Figur des Übersetzers gehe ich aber jetzt mit der Zielvorgabe heran, eben für deutschsprachige Lesende möglichst verständlich zu sein. Lautsprachliche Dialekte einzuarbeiten macht einen Text aber eher schwieriger zu lesen. Also lasse ich das gewöhnlich sein und versuche Unterschiede eher über die Wortwahl und typisch benutzte Redewendungen darzustellen.

Natürlich hat das jetzt einen Haken: Das sind gleichzeitig wichtige Mittel um die Erzählstimmen meiner Figuren (in Deep PoV) unterscheidbarer zu machen. Momentan schreibe ich mit eher wenigen PoV-Figuren, da macht mir das keine Probleme. Aber natürlich, wenn es richtig episch werden soll, könnte das Schwierigkeiten machen.
Kunst ist die geheimnisvolle Kraft, die aus Schmerzen Schönheit schafft.