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Sind viele Zeitsprünge störend?

Begonnen von Phlox, Gestern um 18:49:05

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Phlox

Mich würden eure diesbezüglichen Erfahrungen mit euren Projekten interessieren (eigentlich kann ich mir nicht vorstellen, dass es dazu noch keinen Thread gibt, aber ich habe jetzt nichts Vergleichbares gefunden), und zwar beschäftige ich mich gerade mit folgendem:
Ich habe ein Projekt wieder hervorgeholt, das ich vor einiger Zeit nach ca. 70 Seiten abgebrochen hatte, weil ich mit den Zeitsprüngen darin nicht glücklich war und das Gefühl hatte, die stören den Spannungsbogen (und mich beim Schreiben - früher  habe ich über so etwas frühestens beim ersten Überarbeiten nachgedacht und erst einmal drauf los geschrieben – aber dieser kreative Optimismus scheint mir irgendwie abhanden gekommen, seufz... naja, das ist ein anderes Thema...) Was ich meine:
Also, dass zwischen den einzelnen Geschehnissen meiner (damaligen) Meinung nach oft zu viel Zeit lag, in der nichts Handlungsrelevantes passierte, ich aber z.B. bestimmte Jahreszeiten für die Erlebnisse meiner Figuren  brauchte o.ä..
Beim neuerlichen Durchlesen fand ich meine Versuche jetzt zumindest nicht so grauselig, wie es mir damals vorkam – ich habe zwar einige Passagen identifiziert, bei denen ich die Zeitsprünge unnötig finde und meine Motivation dafür nicht mehr nachvollziehen kann; aber grundsätzlich frage ich mich jetzt, ob meine Zweifel diesbezüglich nicht übertrieben waren.   
Das liegt auch daran, dass mir parallel beim Aufräumen ein Roman in die Hände gefallen ist, den ich vor Ewigkeiten gerne gelesen habe, und beim Blättern darin fiel mir auf, dass hier auch oft etliche Monate zwischen den einzelnen Passagen lagen; hat mich nie gestört, ich fands trotzdem spannend und blättere heute noch gerne darin herum.
 
Von daher würde ich gerne die Schwarmintelligenz des Tintenzirkels befragen, ob euch diesbezügliche Zweifel auch schon mal gekommen sind bei eigenen Projekten bzw. ob euch das beim Lesen anderer Romane mal irgendwie störend aufgefallen ist?


Stefan

Es kommt darauf an, worin die Spannung besteht. Spannung hat oft (eigentlich immer) mit Zeitdruck zu tun, Figuren sind z.B. vor Entscheidungen gestellt, die sie nicht zehn Jahre später fällen können. Wenn die Hauptfigur also in einer solchen Situation ist, in der sie unter Druck kommt, es ist spannend, man fiebert mit, sie muss handeln ... dann Schnitt, drei Monate später ... Das funktionert natürlich nicht.

Wenn es aber ein Druck ist, der sich langsam im Leben der Hauptfigur aufbaut, über Jahre hinweg, dann sollten Zeitsprünge gar nicht stören, sondern viel eher zu mehr Tempo führen.

Willkürliche Zeitsprünge klingen für mich eher nach wenig gezieltem Spannungsaufbau.

Vielleicht stören dich auch die Übergänge. Wenn du ein Buch kennst, in dem die Zeitsprünge gelingen, achte auf die Übergänge. Manchmal reicht ein einziger Satz, um die Sprünge nicht abrupt, sondern fließend zu schreiben. Oder eine Einleitung, die den Lesenden darauf vorbereitet, dass verschiedene Sequenzen folgen, die sich auf einen größeren Zeitraum verteilen.

Valentina

Erstmal finde ich gut, dass du nicht nur drauf los schreibst, sondern versuchst, es gleich "besser" zu machen  :) Dann musst du später weniger überarbeiten!
Ich schreibe mit wenigen Zeitsprüngen, weil die Handlung es oft zwingend nötig macht. Aber manchmal gibt es Dinge (die auch außerhalb der Macht der Protas liegen), die Zeit brauchen, um sich logisch zu entwickeln und unabdingbar für den Plot sind. In dem Fall finde ich es gar nicht schlimm.
Und ja - die Figuren müssen den Plot vorantreiben, und ihre Motivation kann entweder ein einschneidendes Erlebnis oder viele kleine Dinge sein, die sich über einen größeren Zeitraum anhäufen. Also spricht an sich nichts gegen Zeitsprünge, aber sie sollten nicht wahllos und inflationär verwendet werden. Es kommt auf die Geschichte an.
Aber die Zeit innerhalb der Sprünge sollte nachvollziehbar überbrückt werden, der Grund für den Sprung klar gemacht werden. Ansonsten kann es schnell verwirrend werden.
"Selbst die Dunkelheit muss vergehen. Ein neuer Tag wird kommen. Und wenn die Sonne wieder scheint, wird sie umso heller strahlen." - J.R.R. Tolkien

Stefan

Oder du gibts es einer kritischen Testleserin oder Testleser, sagst aber nichts von Zeitsprüngen, weil es die Wahrnehmung beeinflusst. Besser die Person nach dem Lesen darauf ansprechen.

Damit findest du heraus, ob es direkt stört, aber nicht, ob es unnötig bremst. So auf der theoretischen Ebene finde ich das sehr schwer zu beurteilen. Schick mir eine PM, wenn ich reinschauen soll, einfach mal für einen anderen Sichtweise.