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Clair Obscur: Expedition 33

Begonnen von Sunflower, 21. Februar 2026, 17:53:43

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Sunflower

Hi, ist hier die Clair Obscur-Selbsthilfegruppe  :rofl:

Bisschen spät dran, aber ich bin jetzt auch mal durch (mit der Hauptstory). Ich weiß, hier wurde schon viel geschwärmt, aber ehrlich gesagt kann man gar nicht genug schwärmen. Die Musik! Die Ästhetik! Die Dialoge! Das Kampfsystem (jaa, ich mag's)! UND DIE STORY  :brüll:

Das war auf jeden Fall das beste Videogame, was ich je gespielt habe, aber es war auch eine der besten Geschichten, die ich je erzählt bekommen habe. Ich brauche echt noch eine Weile, um das alles zu verarbeiten  :d'oh:

Spoiler fürs gesamte Game
Ich wusste leider vorher, dass Gustave stirbt, aber dass er bei NICHT MAL DER HÄLFTE stirbt, habe ich nicht kommen sehen. Das hat mich echt kalt erwischt. Bis dahin habe ich eigentlich die ganze Zeit Gustave gespielt und dann war ich echt erstmal fertig. Aber was mich richtig gebrochen hat, war der Black Moment und der Twist. What the fuck war das. Ich habe noch nie so viel geheult bei einem Videogame.  :gähn: Das Ende habe ich vom Sinn her dann so erwartet, aber dass man dann auf einmal gegen eine anderen Figur, die man sonst spielt, kämpfen muss, äh??? Warum?  :brüll: Ich habe beide Enden gespielt, aber zuerst Versos, was sich "richtiger" angefühlt hat, aber irgendwie sind beide Enden etwas deprimierend, melancholisch, mieh. Ich finde sie nicht schlecht, ich finde sie schon passend, aber ich habe insgeheim das Gefühl, dass das eigentliche dritte Ende das ist, dass es eben nicht endet. Man kann ja danach weitermachen (zeitlich vor dem Endkampf) und ich glaube, meine Coping-Strategie ist jetzt, es gab gar kein Ende. Alles ist gut! Jeder hat einen Neuanfang verdient, Verso! Wir machen einfach weiter und haben Spaß!

(Jaa, ich bin etwas traumatisiert von diesem Spiel  :rofl: )
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"Why make anything if you don't believe it could be great?"
- Gabrielle Zevin: Tomorrow, and tomorrow, and tomorrow

Solidat

#1
@Sunflower jaaaa das Spiel ist mega. Liebe ALLES dran. Du läufst durch ein Gemälde, hast eine Geschichte von so unglaublicher Tiefe dass dir bei jeder Wendung das Herz blutet. Die Figuren sind so unglaublich gut geschrieben, die Dialoge lebendig und nicht der typische Einheitsbrei denn sie dir sonst bei jedem Spiel hinrotzen. Und dann ist da die Musik, ohhhhh wenn man damit anfängt ist Ende nie. Jedes Lied ein Meisterwerk und dann noch die Texte (auch wenn sie ein bisschen spoilern wenn man sie versteht)  Es ist perfekt abgestimmt, und macht auch nach 7 Mal noch Spaß. Das Drama, das Trauma, die ganze Reise. Und man findet immer wieder etwas das man davor übersehen hat oder danach mit ganz anderen Augen sieht. Und dann ist da noch Esquie ahhhhhhh er ist sooooo hach  :herzchen:
Freu mich schon so wenn sie die DLC raus bringen.

Hedfan i'r sêr

Holger

#2
Zitat von: Sunflower am 21. Februar 2026, 17:53:43Hi, ist hier die Clair Obscur-Selbsthilfegruppe  :rofl:

Ja, das ist sie! Für mich immer noch. Obwohl ich das Problem zu Release gespielt und durchgespielt habe. Gerade beende ich meinen zweiten Durchlauf auf "Hard". Und ich liebe es noch immer. Vor allen Dingen welche Möglichkeiten es gibt und wie offen viele Sachen sind. Wie ich - glaube ich - hier schon schrieb: Ich liebe alles an diesem Setting. Aber vor allen Dingen wie nuanciert und respektvoll es mit sehr schwierigen Themen umgeht und nicht einfach nur Schwarz und Weiß zeichnet.

Spoiler
Zu den Enden: Das Ding ist, dass es in der Community eine teilweise recht unangenehme Debatte gibt, welches Ende das "Richtige" oder "Gute" ist. Und da wird teilweise sogar recht viel beleidigt oder Leuten psychische Störungen unterstellt. Dabei finde ich, dass das ziemlich am Punkt vorbeigeht. Es gibt auf YouTube einen Opernsänger, der viel auf Videospielmusik reagiert - MarcoMeatball (kann ich sehr empfehlen) - und er hat einmal in einer Reaktion auf ein Clair-Obscur-Musikstück gesagt, dass es in der Oper das Konzept von "Clair Obscur" gibt. "Clair" scheint die Kopfstimme zu sein. "Obscur" die Bauchstimme. Oder so ähnlich. Und man muss als Sänger die Balance zwischen beiden finden. Und DAS ist meiner Ansicht nach tatsächlich genau der Punkt.

Das "richtige" Ende bekommen wir einfach gar nicht. Denn das wäre wohl etwas dazwischen. Jedes der Enden, sowohl von Maelle als auch von Verso haben etwas Schlechtes. Beim Verso-Ende übersehen leider viele nur die kleinen Details -  wie beispielsweise, dass Clea sehr früh verschwindet, um ihren Krieg zu führen und Aline und Renoir auch gehen, nur um Maelle dann allein und in ihrem "gebrochenen Körper" zurückzulassen. Das ist eine dysfunktionale Familie und geheilt ist da nichts. Und an sich gibt das Ende auch keine Aussicht auf Heilung.

Das Problem ist bei beiden Enden: einer Person wird etwas durch eine andere aufgezwungen. Bei Maelles Ende wird Verso etwas aufgezwungen. Bei Versos Ende wird Maelle etwas aufgezwungen (und sogar dem Canvas und den "Menschen" darin - wobei das natürlich auch noch einmal eine eigene Debatte über Wirklichkeit, Seele und Leben ist).

"Das" gute Ende wäre also ein Kompromiss. Etwas dazwischen. Wir bekommen einfach kein "gutes" Ende angeboten. Renoir sagt es sogar einmal an einer Stelle: "Life keeps giving you cruel choices." Daher gehe ich davon aus, dass das sogar ganz bewusst so gewählt wurde. Auch um erstmal die Diskussion auszulösen. Das Leben ist nun einmal nicht einfach. Nicht Schwarz. Nicht Weiß. Nicht Clair. Nicht Obscur. Es ist komplex. Und darum geht es meiner Ansicht nach.
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Das nur als ein paar Gedanken von mir zu den Enden. Und Glückwunsch zum Beenden und freut mich sehr, dass es dir gefallen hat. Für mich war es definitiv mein Spiel des letzten Jahres. Und wird auch noch lange eines meiner absoluten Lieblingsspiele sein. Es hat einfach alles gestimmt und liebte ALLES an diesem Spiel. Und wenn man dann auch noch diese "Underdog"-Story über die "Behind the scenes"-Sachen sich anhört. Wo sie den Komponisten gefunden haben, wie sie die Chef-Schreiberin bekommen haben... dann wird die ganze Geschichte sogar noch einmal besser.
"No one asks for their life to change, not really. But it does. So, what are we? Helpless? Puppets? No. The big moments are gonna come, you can't help that. It's what you do afterwards that counts. That's when you find out who you are."
(Buffy: The Vampire Slayer; S02E21: Becoming - Part 1)

Novae

Ich stecke noch mittendrin in Clair Obscure, aber boah, ist das eine emotionale Achterbahnfahrt. Das war das erste Mal, dass ich bei einem Computerspiel geheult habe und ich habe ein bisschen Angst vor dem Rest.

Aber die Musik und die Charaktere und überhaupt alles. :wolke:

Holger

Zitat von: Novae am 22. Februar 2026, 23:29:54(...) ich habe ein bisschen Angst vor dem Rest.

Mit gutem Grund! Aber habe eben auch trotzdem keine Angst, denn wir sind für dich da danach. Viel Spaß! 8)

For those who come after!
"No one asks for their life to change, not really. But it does. So, what are we? Helpless? Puppets? No. The big moments are gonna come, you can't help that. It's what you do afterwards that counts. That's when you find out who you are."
(Buffy: The Vampire Slayer; S02E21: Becoming - Part 1)

Rajou

@Sunflower Du sprichst mir da im Spoiler aus der Seele, was Clair Obscur angeht.

(Meine Antwort zum Ende, bitte nur lesen, falls ihr durch seid)
Spoiler
Ich liebe Clair Obscur. @Maubel und ich hatten so krass Spaß im Dezember damit. :vibes:  Aber für mich hat das Ende alles kaputt gemacht. Ich hatte über einen zweiten Durchgang nachgedacht, aber ich kann es nicht mehr spielen, weil ich so enttäuscht war (war aber zum Glück auch zu 99,9 Prozent fertig).  :'(
Das hätte man mit ein bisschen Grips auf der Entwickler-Seite in schmerzhafte, aber trotzdem schöne Enden umwandeln können, aber am Ende sind beide einfach nur deprimierend und scheiße. Sorry  :d'oh: Aber gerade für alle, die nicht zur Familie gehören? Was soll das? Als wären die egal ... Man kämpft die ganze Zeit für sie und dann tritt man Neves Neugier mit Füßen, Skiels Kampfeswillen, ihre Hoffnungen, etc. Und wenn man ihr Ende nimmt, um es ihnen zu gönnen, landet man plötzlich in einem Horrorfilm  :gähn:  BÄH!
Wenn ich so tue, als gäbs das Ende nicht, dann 10/10 Punkten. So ... maximal 4/10.  :wart: Ich hasse es, wenn man mit einer Entscheidung hundert Spielstunden kaputt macht als Entwickler. Ohne wirklichen Sinn.
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Ich bin auch ganz verliebt in Blue Prince und mittlerweile auch so gut wie durch. Und wow! Also manche Rätsel sind leider sehr knackig für nicht Englisch-Muttersprachler, wie ich finde. Da hab ich dann manchmal doch einen Hinweis aus dem Internet gebraucht - und ohne den Grips von zwei Mitspielern hätt ich es auch wahrscheinlich nicht so weit geschafft, aber allein die Lore, die man nach und nach entdeckt. Ich liebe es, was sich die Entwickler da ausgedacht haben. Man merkt richtig, wie viel Liebe da reingeflossen ist.  :wolke: Muss das die Tage definitiv nochmal zuende spielen und auch die letzten offenen Punkte noch abhaken.  :vibes:
Maybe it's not about the happy ending. Maybe it's about the story.

Maubel

#6
*meldet sich auch beim Clair Obscur Fanclub*

Mir hat's auch mega gefallen und es ist auf jeden Fall auf meiner Beste-Spiele-Liste, wenn nicht sogar ganz oben. Eines der wenigen Spiele, die ich a) auch zu Ende gespielt habe, und tatsächlich alles, und bei denen ich sogar Spaß hatte, doch irgendwann die Bosse zu lernen (oder wie man sie etwas leichter kleinkriegt ;)). Und die Story und die Musik sind natürlich der absolute Hammer. Es hat so Spaß gemacht, mit @Rajou Theorien zu entwickeln und ich will es jetzt gleich noch mal spielen, um all die Hinweise vorher schon zu entdecken.

zum Ende
Ich habe mich mit den Enden arrangiert, aber bin auch nicht so der größte Fan von, vor allem, weil man mit kleinen Änderungen daraus befriedigendere und doch bittersüße Enden hätte machen können, mit genauso viel Tiefgang und Konflikt. Aber so war's dann halt eine Pest und Cholera-Entscheidung, was schade ist. Ruiniert hat es mir das Spiel damit aber nicht.
Aber ich bin ganz klar auf der Seite der gemalten Leute und liebe die Diskussionen, ob sie "am Leben" sind und finde das teilweise sehr spannend, wie leicht manche ihnen das absprechen, wo das Ganze ein viel komplexeres philosophisches Problem ist :wolke:
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Das einzige Problem ist nur, dass ich jetzt total Hangover habe und keine Lust auf was Neues habe, bzw. nicht reinfinde.

Sunflower

Ach schön dieser Fanclub hier  :wolke:

@Novae du kommst dann einfach auch in die Selbsthilfegruppe, wenn du durch bist  ;D

Ende
Ich bin immer noch irgendwie total hin- und hergerissen. Ich finde es schon gut gemacht. Tatsächlich bin ich vor der finalen Entscheidung eine Viertelstunde lang durchs Wohnzimmer gelaufen und habe nachgedacht, was ich tun will (auch wenn ich schon dachte, ich spiele das andere Ende eh noch, aber ... es geht ja nur einmal zum ersten Mal). Dass ich so lange über eine Entscheidung in einem Game nachdenke, ist auch noch nie passiert. Von daher finde ich die Entscheidung echt gut.
Das mit dem "guten" und "schlechten" Ende habe ich auch gelesen, aber ich habe das gar nicht so wahrgenommen. Ist wahrscheinlich auch individuell. Beide Enden haben auf ihre Weisen wehgetan. Beide Enden lassen viel Spielraum zur Interpretation. Ich verstehe schon, dass man die schnell so und so liest, aber je länger ich drüber nachdenke, desto unklarer ist mir vieles (auf eine gute Weise). Wir sehen ja jeweils nur so einen kurzen Ausschnitt.
Und letztlich ist das ganze Spiel ja auch einfach eine Metapher für einen Trauerprozess (nur öh viel mehr als eine Metapher  :d'oh: ). Trauer ist komisch und sonderbar und schwierig und es gibt da keine Lösung raus. Deshalb hätte ich ein potenziell denkbares "Happy" End auch nicht gefühlt. Also, Maelle bleibt z.B. und alles wird gut, das hätte mich auch verwirrt.
Gleichzeitig gibt es aber meiner Meinung nach schon erzähl-stärkere Momente als das Ende. Also Gustave und vor allem diesen absolut entsetzlichen Black Moment. Davon hab ich mich nach wie vor nicht erholt.
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- Gabrielle Zevin: Tomorrow, and tomorrow, and tomorrow

Maubel

@Sunflower Ich rätsele jetzt schon die ganze Zeit, was war denn für dich der Black Moment? Du bist mit dem Begriff ja deutlich vertrauter, aber ich zerbreche mir den Kopf, welchen genau du meinst. :flausch:

Mindi

#9
Zitat von: Sunflower am 21. Februar 2026, 17:53:43Hi, ist hier die Clair Obscur-Selbsthilfegruppe  :rofl:
Die Selbsthilfegruppe ist zeitlos, egal wann man zu ihr dazu stößt.  ;D
Für mich war es auch eines der besten Spiele, die ich je gespielt habe, definitiv eines der besten Spiele der letzten Jahre. (Ich schätze, FFX ist bei mir im zeitlosen Vergleich noch immer an der Spitze. Lustigerweise ist FFX ja eines der offensichtlichen Inspirationsquellen für E33 gewesen.)

Ich bin gespannt, ob sie wirklich noch mehr Spiele im Clair Obscur Setting herausbringen werden (und ob sie dann an der hohen Erwartungshaltung (einiger) der Fans nur scheitern können, egal wie gut sie abliefern. :seufz: )

Ende
Ich hatte beim ersten Mal (nach überlegen und zögern) zuerst Versos Ende genommen und fand das zwar in sich schlüssig und irgendwie richtig, aber es hat mich auch traurig gemacht (abgesehen von den offensichtlichen Gründen, warum es traurig war). Dass nun alle Existenzen im Gemälde endgültig zerstört sind und Maelle am Ende allein an Versos Grab steht und ihre Familie noch genauso dysfunktional ist. Aber Maelle Ende hat mich dann irgendwie noch mehr verstört. Es hatte so eine beklemmende Atmosphäre und wirkte so aufgezwungen "happy" für die Figuren im Gemälde, während Verso zwar Klavier spielte, dennoch alles tonlos und in graustufen war. Als wäre alle Farbe und Melodie, die das Spiel einst ausgemacht hatten, verblasst. Es ist schon eine Weile her, aber hatte er nicht irgendwann gesagt, dass er nicht mehr spielen will?   

Für mich haben die zwei Enden noch eine "Meta"-Ebene. Verso's Ende ist das, was viele Spiele einem nicht geben: Einen Abschied vom Spiel und allen Figuren, indem sich diese "auflösen" und quasi "frei" sind und nicht daran gebunden sind, auf ewig in meinem Speicherstand festzusitzen, ohne je von dort befreit zu werden. Während Maelles Ende wie der Speicherstand vor dem Enddungeon ist, indem man noch so lange auch den letzten Rest Content aus dem Spiel holt, "bis nichts mehr übrig ist", was das Spiel einst ausgemacht hat und man es einfach nicht beenden kann/will.
Also, keine Ahnung, ob das so Sinn macht.
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Zitat von: Maubel am 23. Februar 2026, 12:42:44@Sunflower Ich rätsele jetzt schon die ganze Zeit, was war denn für dich der Black Moment? Du bist mit dem Begriff ja deutlich vertrauter, aber ich zerbreche mir den Kopf, welchen genau du meinst. :flausch:
Ach wie gut, dass es nicht nur mir so geht. Ich hab auch gerade überlegt, was der Black Moment bei  Expedition 33 gewesen sein könnte.
Spoiler
Der größte Plottwist war für mich, dass alles im Gemälde des bereits verstorbenen Verso spielt, das erscheint mir aber spontan recht weit von der Position eines "Black Moments" entfernt. :hmmm: Wobei das auch nur an mir liegen könnte, da ich vor dem letzten Dungeon alle Sidequest gemacht habe, die irgendwie möglich waren. :rofl: Danach kam ja glaube ich nicht mehr so viel Story und einiges wurde ja recht schnell in Videosequenzen zusammengefasst, wie das einsammeln des Chroma.
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"When we are asleep in this world, we are awake in another." - Salvador Dalí

Sunflower

Black Moment
Ich würde auch sagen, das war das Ende von Akt 2, vor dem falschen Epilog. Wo man erfährt, dass alles in Versos Gemälde spielt und dann auch ALLE Leute zerfallen. Also, bevor man als Alicia auf der anderen Seite wieder aufwacht. Ende von Akt 2 ist ja klassischerweise auch Black Moment, da bin ich eigentlich relativ sicher ...
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Und
Ende
Teile deine Überlegungen da @Mindi. Und genau, Verso wollte halt selbst nicht mehr. Deshalb bin ich schon näher bei seinem Ende, weil ich es nicht gut fand, ihn gegen seinen Willen festzuhalten. Aber es gibt halt auch irgendwie keine guten Lösungen aus der Situation. Vielleicht ist das auch das, was man daraus mitnehmen soll? Ist natürlich deprimierend, aber das ganze Spiel ist ja deprimierend :rofl:
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"Why make anything if you don't believe it could be great?"
- Gabrielle Zevin: Tomorrow, and tomorrow, and tomorrow

Holger

Zitat von: Mindi am 23. Februar 2026, 13:37:45
Ende
Es hatte so eine beklemmende Atmosphäre und wirkte so aufgezwungen "happy" für die Figuren im Gemälde, während Verso zwar Klavier spielte, dennoch alles tonlos und in graustufen war. Als wäre alle Farbe und Melodie, die das Spiel einst ausgemacht hatten, verblasst. Es ist schon eine Weile her, aber hatte er nicht irgendwann gesagt, dass er nicht mehr spielen will?
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Leider verborgen hinter den Spoilern als Antwort, aber - es ist nun einmal absolut spoilend.

Spoiler
Es gibt eine Stelle ungefähr in der Mitte von Akt 2, in der sich Maelle und Verso über sein Musizieren unterhalten (diese Stelle >hier<). Zumindest in dieser Unterhaltung kommt für mich es so rüber, als ob das Musizieren sogar das ist, was er gerne macht – lieber als das Malen. Und es gibt auch ein Versprechen zwischen beiden, dass er in Lumiere auftreten wird und Maelle für das Publikum sorgen wird. Klar, das wird in Maelles Ende dann etwas ,,korrumpiert". Nichtsdestrotz ist es zumindest nicht vollkommen wider Versos eigenen Wunsch, wenn man nach dieser Szene geht.

Allerdings muss man auch das mit Vorsicht genießen, denn: Verso ist immerhin ,,The one who guards truth with lies." Es könnte also sein, dass er Maelle in diesem Moment angelogen hat. Ich gebe zu, dass ich das nicht glaube, denn die Stelle ,,wirkt" auf mich zumindest sehr authentisch und echt. Gerade auch weil er und Maelle einige musikalische gemeinsame Momente haben. Beispielsweise spielen sie zusammen Klavier bzw. Verso spielt Klavier und Maelle singt und sie wiegen sich im Rhythmus der Musik. Das wirkt zumindest harmonisch und echt (diese Szene >hier<). Trotzdem – es könnte eben wirklich sein, dass es gelogen ist. Wobei das dann von Verso schon extrem durchtrieben und geheuchelt wäre.

Habt ihr die Stelle, bei der Verso sagt, das er das nicht mehr will? Also explizit? Oder meint ihr damit nur seine ,,Lebensmüdigkeit", die er gerade gegen Ende sagt? Ich bin bei meinem zweiten Spieldurchlauf ,,erst" in der Mitte von Akt 3 angekommen, also noch nicht ganz am Ende. Möglicherweise habe ich da etwas also nicht mehr richtig in Erinnerung. Aber zumindest bis zu Mitte von Akt 3 wirkt es alles auf mich NICHT so, als ob Verso a) keine Musik mehr spielen will, und b) sein Versprechen an Maelle brechen will. Klar, später kommt seine ,,Lebensmüdigkeit" auf, die er bis dahin verborgen hat. Doch es klang jetzt so, als ob er an irgendeiner Stelle gesagt hätte, er würde nicht mehr mehr musizieren wollen. Und zumindest den Sachen, die ich jetzt auch in meinem zweiten Durchlauf wieder recht frisch gesehen haben, besagen das Gegenteil.

"Streng" gesehen versucht Maelle eigentlich in ihrem Ende Verso das zu geben, was er vermisst hat. Meiner Ansicht nach in einem Bestreben, ihm den "Lebenswillen" wiederzugeben. Eigentlich also genau das, was viele Maelle geben wollen, wenn sie Versos Ende geben. Es ist also ein sehr ironisches Echo innerhalb dieser Enden. Das wird - meiner Ansicht nach - häufig übersehen.
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Maubel

Zitat von: Mithras am 23. Februar 2026, 18:11:02Ich bin raus. Wer ein Spiel mit rundenbasiertem Kampfsystem lieben kann, kann mMn nur unter Geschmacksverirrung leiden, aber man ist ja tolerant! :P

Muss das sein?  :wart:

@Sunflower
Spoiler
Ich hatte es mir fast gedacht, für mich war das nur irgendwie nicht Black, sondern der Twist, wo mir dann alles wie Schuppen von den Augen fiel und ich richtig gehypt war. Es gab schon vorher kein Zurück, aber das war einfach nur genial.
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Zum Ende
Ich bin tatsächlich eher am Maelle-Ende, wobei ich es halt dumm finde, wie da plötzlich Horror draus wurde. Für mich sind grob gesagt (sind natürlich noch viel komplexer), die Enden so, dass man bei Verso lernt, loszulassen und vielleicht nach vorne zu sehen - aber halt schade, dass die Familie immer noch so kalt ist, zumindest von den Eltern hätte man mehr erwarten können (Clea ist ne Hexe  ;D ) - und bei Maelle sich eben in die Fantasiewelt flüchtet. Persönlich hätte ich zum Beispiel Maelles Ende so ähnlich gemacht, nur statt irgendwelchem Psycho-Horror a la Maelle lässt die Puppen tanzten, dann einen Schnitt in die Realwelt, wo sie mit den Augen dann so da sitzt und man weiß, dass sie quasi am Sterben ist. Also immer noch ein flaues Gefühl. Und sie hätte Verso natürlich respektieren können, aber sie bittet ja auch nur um ein einziges gemeinsames Leben. Da ist sie natürlich egoistisch, denn Painted Alicias Wunsch respektiert sie ja.

Aber mir tat's halt vor allem für Lune und Sciel leid und für mich ist die Painted World halt auch real, aber gut, wenn die Götter halt entscheiden, sie zu zerstören, kann man nichts machen, wa?  ;D

Was ich ein bisschen schade finde, ist wie kurz Akt 3 ist. Ich wusste im Grunde, dass das das Ende direkt ist, weshalb ich dann erstmal alle anderen Quests und Gegenden gemacht habe und dann gnadenlos überlevelt für Renoir war, aber das fande ich storymäßig schöner so, als der Hauptquest zu folgen und quasi direkt vom false Epilogue zum Finale überzugehen. Zumal in den Sidestories noch so viel tolle Lore steckt!
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Mithras

#13
Zitat von: Maubel am 23. Februar 2026, 19:52:09
Zitat von: Mithras am 23. Februar 2026, 18:11:02Ich bin raus. Wer ein Spiel mit rundenbasiertem Kampfsystem lieben kann, kann mMn nur unter Geschmacksverirrung leiden, aber man ist ja tolerant! :P

Muss das sein?  :wart:
Kleiner Scherz. Ich gönne euch den Spaß ja, aber für mich sind rundenbasierte Kampfsysteme einfach eine Zumutung, genauso wie Paprika. Trotzdem missgönne ich ja niemandem den Genuss von Paprika, auch wenn ich das beim besten Willen nicht nachvollziehen kann. Rundenbasierte Kampfsysteme sind für mich einfach viel zu viel Mikro-Management, das viel zu viel Zeit in Anspruch nimmt und alle Dynamik zerstört. Bei Pokémon lasse ich das gerade noch mit mir machen, weil es überschaubar ist. Bei Divinity OS und Baldur's Gate 3 ist es für mich einfach nur eine Zumutung und nimmt mir jeglichen Spaß. Hab's versucht, war zum Scheitern verurteilt. Deshalb kann und werde ich Clair Obscure keine Chance geben können, so gut es ansonsten auch sein mag.

Solidat

Also zu den Enden (und allem anderen)

Spoiler
Ich fand sie beide gut und sehr passend (geschmackssache, wie bei Paprika)
Das M Ende fand ich persönlich schlimmer. Sie hat sich in eine schöne Lüge geflüchtet. In dem Wissen dass es damit nicht endet sondern der Kreislauf einfach nur neu gestartet wird. Auch ihre Kraft wird irgendwann erschöpfen und dann zerbricht das falsche Glück und an den Scherben werden unschuldige sich schneiden. Wieder werden viele für das Glück von wenigen bluten. Auf den ersten Blick hat sie das Leben vieler bewahrt, doch auch das fordert einen Preis, den sie auf kurz oder Lang begleichen werden müssen. Eine neue Malerin, ein neuer Monolith.

Das V Ende wirkt auf den ersten Blick grausam aber es hat sich für mich irgendwie echter angefühlt. Er hat sich nie als sich selbst gefühlt . Musste immer die Erwartugen anderer erfüllen und eine Lüge leben. Natürlich war er müde. Aber auch die Seele vom echten Verso war erschöpft. Er hat die Musik geliebt und war doch im Leben so wie auch im Tod dazu gezwungen zu Malen um eine Illusion aufrecht zu erhalten. Stück für Stück hat man seine Seele zerpflückt und immer wieder neu zusammengesetzt. Dabei haben alle immer nur an sich gedacht und die Liebe zu ihm als Vorwand für ihre kleingesitigen Ego Streiterein verwendet. Aline war eine furchbare Mutter, Renoir ein beschschissener Vater. Sie haben beide so getan als ginge es ihnen um das Wohl ihrer Familie und doch ist es ihnen nur um sich selbst gegangen. Ich denke aber auch das ich die ganze Zeit über einfach nur Mittleid mit dem kleinen Verso hatte, der sich verbiegen musste um ihren Ansprüchen gerecht zu werden. Der echte und der gemalte.
Alicia war auch ein Opfer, die bei dem versuch sich zu befreien, den einen Menschen verloren hat der sie wirklich um ihretwillen geliebt hat. Und dann war da noch Clea, sie hat mich am meisten berührt. Alle sehen sie als eiskalte Strategin und übersehen dass sie für ihre Familie nie ein Mensch sondern immer nur ein "Talent"war. Sie musste die Beste sein um nicht übersehen zu werden. Alle haben ihre Werke gelobt und dabei übersehen wie einsam sie war. All ihre Schöpfungen haben dazu gedient ihr die Einsamkeit erträglicher zu machen. Trotzdem hatte sie selbst bei ihnen den Druck alles perfekt zu machen. Weil nur Perfektion bestehen darf. 

Das Spiel hat für mich deutlich gezeigt was Druck aus Menschen machen kann. Die werden dadurch nicht zu Diamenten sondern zerbrechen daran. Wenn dann nur noch scherben bleiben kehrt man sie unter den Teppich. 
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Hedfan i'r sêr