• Willkommen im Forum „Tintenzirkel - das Fantasyautor:innenforum“.
 

KI als Autor

Begonnen von Lino, 26. März 2025, 18:18:33

« vorheriges - nächstes »

0 Mitglieder und 2 Gäste betrachten dieses Thema.

Jakob Weikum

Dass KI Bücher schreibt, die über belanglose Kurzgeschichten hinausgehen, ist zukunftsmusik. Ich habe das mal aus neugier ausprobiert. Es war wirklich furchtbar. Jemand, der grundsätzlich keine Bücher ließt, würde den Schmu vermutlich akzeptabel finden. Aber jemand, der andpruchsvollere Werke ließt, würde zwischen jedem Absatz einmal sich übergeben müssen.
Klischees, Wiederholungen, Inkonsistenz, offendichtliches. Show, dont Tell? Was ist das?  :vibes:

Ich war also ziemlich froh über diesen misslungenen Versuch und habe in Ruhe selbst weitergeschrieben.

Nikki

Zitat von: Jakob Weikum am 12. August 2026, 23:29:31Ich habe das mal aus neugier ausprobiert. Es war wirklich furchtbar. Jemand, der grundsätzlich keine Bücher ließt, würde den Schmu vermutlich akzeptabel finden. Aber jemand, der andpruchsvollere Werke ließt, würde zwischen jedem Absatz einmal sich übergeben müssen.

Wie hast du das ausprobiert? Ich nehme an, es gibt unterschiedliche "KI-Assistenten" und auch die Bedienweise ist ein Faktor für den Output.

Ich bin keinesfalls eine Verfechter*in der KI, aber davon auszugehen, dass ihre "Werke" per se den echter Menschen unterlegen sind, halte ich für etwas ... aus Mangel an einem geeigneteren Wort, das mir gerade nicht einfällt ... arrogant. Ich habe schon Bücher von echten Menschen (so sicher, wie man das eben sagen kann) gelesen, die keine Qualitätskontrolle (Korrektorat/Lektorat) hatten. Ich bin mir ziemlich sicher, dass ein KI-Buch mir mehr zugesagt hätte als solche.

Kann KI momentan einen Goethe oder Musil schlagen? Vermutlich nicht, weil deren Werke doch etwas zu komplex sind. Andererseits - werden solche Werke - wenn sie nicht gerade von Schule und Uni auf die Leseliste gesetzt werden - heute überhaupt noch gerne gelesen? In unserer schnelllebigen Zeit ist einfache Sprache beim Mainstream beliebter als eine blumige, ausufernde und wie schon gesagt wurde, auch das kritische Element gerät mehr und mehr ins Hintertreffen. Einfache Sprache kann die KI meinem Eindruck nach ziemlich leicht nachbilden, also wieso sollte sie da nicht konkurrenzfähig sein?

Anj

Da man eine KI wunderbar trainieren kann, gehe ich absolut davon aus, dass sie verkaufbare Geschichten schreiben kann. Dazu kommt, dass die Gewohnheit ubd Vorliebe sich ändert,  je öfter man etwas ausgesetzt ist.

Eine KI-Geschichte ist zwar immer noch etwas Arbeit, weil es nicht mit 1 oder 2 Prompts getan ist, aber einfache lineare Stories dürften kein Problem sein.

Noch leichter dürfte es sein, wenn der Plot steht und die Kapitel skizziert sind. Die dann schreiben lassen und je nach Anspruch einmal lesen und fertig. Das wird für diese App-Novels die es überall gibt völlig ausreichen. Zudem können die Kapitel auf 1-2 Minuten lesen getimed werden und passen sich damit der typischen Aufmerksamkeitsspanne von TikTok-Videos an.

Ich hab mal so eine Galatea-Werbung gelesen. Beschissener Stil und zum Teil voller Fehler, aber durch die Emotionen hooken können sie trotzdem. Ich weiß zwar nicht wie die Geschichten produziert werden, aber 'ne KI kriegt sowas mit einem geübten Prompter mit Sicherheit hin.

Das ist nicht im Ansatz vergleichbar mit dem was wir hier schreiben, aber ich denke für ein gewisses Klientel reicht das völlig aus. Für die wären unsere Texte möglicherweise sogar schon viel zu anstrengend zu lesen, weil es vom gewohnten Konsumverhalten zu stark abweicht.
"Wenn du andere Leute ansiehst, frage dich, ob du sie wirklich siehst, oder ob du nur deine Gedanken über sie siehst."
Jon Kabat-Zinn.

Nikki

#33
Ich wollte diesen hier Link mal da lassen. Kurzfassung: Amazon kauft alte Bücher, die noch nicht digitalisiert sind, an, um sie einzuscannen, die KI damit zu trainieren, und danach zu zerstören.

Wie geht ihr mit dieser Information um? Ich habe selbst via Kindle veröffentlicht, aber immer Bauchweh wegen Amazon gehabt, weil ich immer das Gefühl hatte, je abhängiger man sich von Konstrukten wie Amazon macht, desto mehr hilft man mit, Bücher, so wie wir sie kennen, und Autor*innen als Menschen abzuschaffen.

Volker

KI bekommt vor allem keine Langtexte hin, dazu ist das Konntextfenster viel zu klein.
Bei längerem gibt's stapelweise Kontextfehler und Wiederholungen. Story-Arcs passen oft nicht, die Story kommt nicht zum Höhepunkt oder nicht zum Ende.
 
Außerdem fühlen sich so Texte schnell "komisch" oder hohl an.

Nikki

#35
Zitat von: Volker am 23. August 2026, 20:44:14KI bekommt vor allem keine Langtexte hin, dazu ist das Konntextfenster viel zu klein.
[...] Story-Arcs passen oft nicht, die Story kommt nicht zum Höhepunkt oder nicht zum Ende.

Das ist aber leider kein Alleinstellungsmerkmal der KI, sondern leider auch ein Charakteristikum von Schreibanfänger*innen, die gerade dank Programmen wie Amazons Kindle die Möglichkeit haben, ohne Lektorat und Korrektorat zu veröffentlichen. Ungeübten Leser*innen fällt diese mangelnde Qualität womöglich gar nicht auf, weil sie keine Vergleichswerte haben. Alles, was leicht und billig konsumiert werden kann, hat dann den Vorzug. Steigende Quantität und sinkende Qualität sind gerade in vielen bis allen Bereichen angesagt.

Keine bis wenige Ansprüche an die Qualität und schnelle Verfügbarkeit scheinen die Topverkaufsargumente für den Mainstream zu sein.

Adiga

Wenigstens kann ich einer KI elendslang davon erzählen, was ich im nächsten Abschnitt, den ich zu schreiben beabsichte, am Ende alles drin haben möchte.

Oder was der nächste Abschnitt leisten soll bzw. muss. Dann kann ich einer KI auch erklären, was ich versucht habe in den bisherigen Abschnitten, Kapiteln zu erzählen, und ihr erklären, was mir noch fehlt und die KI wird nie müde, immer noch eine Frage zu stellen und wenn ich die KI tief genug in meinen Kaninchenbau hingelockt habe, beginnt sie irgendwann auch nützliche Fragen zu stellen, die mich dazu bringen anders über meinen Text, einen Abschnitt, eine Szene oder ein ganzes Kapitel oder ein Figur nachzudenken, oder mit einer neuen Sicht jenen Aspekt zu sehen, der mir zu wenig beleuchtet vorkam.

Ein menschlicher Sparringspartner wäre an diesem Punkt schon längst K.o. gegangen, bei langen Diskussionen oder hätte schon 20 mal früher gesagt, ich hab keine Zeit mehr oder hätte mich einfach im Regen stehen lassen. Aber mit einer KI kann ich über alles diskutieren, so lange es mir gefällt, oder mir jene Idee gekommen ist, die mir gefehlt hat.

Und wenn ich über die von mir erfundenen Figuren und der von mir erfundenen Welt diskutiere, kann ich mir auch immer sicher sein, dass sie niemals mehr darüber weiß als ich und sie kann mir gar keine falschen Infos auftischen, weil nur ich die Regeln meiner Welten und Figuren kenne. Oft ist es natürlich mühsam eine KI so viel zu erklären, dass sie mitreden kann, aber mit der Zeit wird man ja auch effektiver darin, KI den Infos die für die Diskussion nötig sind anzu füttern, damit ich mit ihr eine Szene, die noch in Entwicklung ist besprechen zu können.

Und meistens beginnt es ebenso dass ich erkläre in welcher Situation eine Figur steckt und je nachdem, welchen Aspekt ich zu beleuchten gedenke hol ich mal weiter aus, oder mal anders aus. - Aber Texte schreiben lassen, dafür brauche ich KIs nicht. KIs sind einfach furchtbar einfallslos.

Und in diesem Forum bin ich sowieso schon seit Ewiglkeiten auf inaktiv gesetzt, dass ich hier sicher nie mehr bei irgendetwas Hilfe bekommen werde. Außerdem, will ich hier auch gar nicht über die unerforschten Aspekte von Szenen und Figuren mit anderen Autoren diskutieren, weil ich natürlich auch niemanden Zeit stehlen möchte, und ich möchte auch nicht meine Idee durch das darüber diskutieren offenlegen oder verschenken. Und solange KI nicht Zusammenhänge überhunderte Seiten hinweg, überschauen können, muss man noch nicht einmal Angst haben, dass sie einem etwas Wesentliches klauen, wenn man ihnen etwas von seinem Projekt erzählt oder ihnen zwei drei Szenen zu lesen gibt, damit sie besser mitdiskutieren können.

Nikki

@Adiga Ich lese aus deinem Kommentar ziemlich viel Frust heraus, über den fehlenden Austausch mit qualifizierten Mitmenschen und auch über dieses Forum.

Was solche KI-Assistenten mMn super können ist aktives Zuhören und keine Kritiküben. Meine Erfahrung beschränkt sich auf Gemini, gegen das ich mich in meinem Auto nicht wehren kann. Ich kann mein Navi nicht ohne Gemini bedienen, was schon zu der einen oder anderen gefrusteten "Unterhaltung" geführt hat - auf beiden Seiten. :rofl: Einmal hatte ich das System so weit, dass es mir keine Antworten mehr gegeben hat, sondern auf Englisch seine "Programmierbefehle" preisgegeben hat, bis es nur noch Mandarin mit mir gesprochen hat.

Worauf ich hinaus will - es hat mir eigentlich immer Recht gegeben (nur als ich es vor lauter Frust beschimpft habe, hat es gemeint, unter diesen Umständen kann die Unterhaltung nicht fortgeführt werden). Das, was ich gesagt habe, hat es in eigenen Worten zusammengefasst, manchmal auch falsch, hat sich aber brav von mir ausbessern lassen.

KI-Assistenten sind mMn gefährliche Echokammern. Sie bestärken eine Person in dem Glauben, immer Recht zu haben und missverstanden zu werden - weil die anderen unzulänglich sind, aber nicht aufgrund eigener Schwächen. Ich habe schon viele Aussagen von Leuten gelesen, die meinen würden, sie hätten niemanden zum Reden, nur die KI verstünde sie. Die KI würde sie davor bewahren, zu vereinsamen- mMn trägt sie aber gerade bei zur Isolation, wenn sie die Kluft zu anderen Mitmenschen verstärkt.

Ich kann mir eine KI gut vorstellen, um eine Sprache zu lernen, weil Grammatik und Vokabeln leicht als richtig/falsch erkannt werden können. Dass aber gehaltvolle Gespräche zustande kommen, wage ich zu bezweifeln. Genauso wie ich es bezweifle, dass KI wirklich "gute" Literatur zustande bringt. Nur da sind wir wieder bei der subjektiven Wahrnehmung von guter Literatur. Wenn von der KI produzierte Inhalte den Großteil meines Inputs ausmachen, werden meine Ansprüche und Vorlieben von der KI geprägt werden.

Adiga

Zitat von: Nikki am 28. August 2026, 18:01:11@Adiga Ich lese aus deinem Kommentar ziemlich viel Frust heraus, ...

KI-Assistenten sind mMn gefährliche Echokammern.

Frust:

Ja, mich frustiert es, dass ich seit gefühlt 10 Jahren hier nur noch als inaktiv geführt werde, und ich auf den größten Teil des Forum nicht mehr zugreifen kann. Ich bin eben auch niemand, der sich gern viel mitteilt, und wenn ich mich einmal im Monat hier melde, wäre das für mich schon viel. Aber wegen des Inakltiv-Frusts mach ich es für gewöhnlich zwei bis dreimal im Jahr. Andererseits habe ich zu den wenigsten Themen eine fundierte Meinung, also halte ich mich raus; kann oft noch nicht einmal beurteilen, ob mir ein Kommentar gefällt oder nicht, oder fühl mich zu verunsichert, um so eine Bewertung abzugeben. Nicht gerade förderlich um aktiv in einem Forum zu sein.

Und spontan bin ich in den seltensten Fällen, wegen mangelnder Spontanität habe ich sogar echte Einschränkungen im echten Leben mit Menschen zu reden, aber weiter möchte ich mir hier nicht dazu äußern.



KI-Assistenten sind mMn gefährliche Echokammern:

Aber ich merke, dass ich KIs leichter Fragen stellen kann, die Menschen gegenüber nicht auszusprechen wage. Die ich auch in keinen Forum zu stellen wagen würde. - Schließlich habe ich mich damals auch deshalb zu lange aus dem Forum zurückgezogen und bin in die Inaktivität geschlittert, weil mich ausgegrenzt gefühlt habe und das Gefühl hatte, dass manche es leiber sehen würde, ich würde mich hier besser gar nicht mehr blicken lassen. Und dann kam damals die Nachricht per Email, dass ich auf inaktiv gestellt wurde "und dass es schon sehr viel bräuchte, um jemals wieder ganz zurückkehren zu können. Und dann wusste ich, dass werde ich nie schaffen, weil es nicht meiner Mut-Klasse, meinen Spontanen Möglichkeiten und nicht meinem Wesen entspricht, so viel an einen Ort einzubringen, wo reale Menschen miteinander kommunizieren. Weil ich auch im echten Leben damit zu kämpfen habe mit Menschen überhaupt in Kontakt zu treten.

Jakob Weikum

Zitat von: Nikki am 13. August 2026, 18:24:46Ich bin keinesfalls eine Verfechter*in der KI, aber davon auszugehen, dass ihre "Werke" per se den echter Menschen unterlegen sind, halte ich für etwas ... aus Mangel an einem geeigneteren Wort, das mir gerade nicht einfällt ... arrogant. Ich habe schon Bücher von echten Menschen (so sicher, wie man das eben sagen kann) gelesen, die keine Qualitätskontrolle (Korrektorat/Lektorat) hatten. Ich bin mir ziemlich sicher, dass ein KI-Buch mir mehr zugesagt hätte als solche.

Ich verstehe, was du mit Arroganz meinst. Ich würde es eher als würdigung von Hochleistung nennen. Wenn wir eine durchschnittliche Person nehmen, wird die KI immer die Nase vorn haben. Darüberhinaus gibt es aber etwas, das KI nicht sein kann: Kohärenz, Komplixitäz, wahre emotionale Tiefe.

Wenn KI ein Werk schreiben sollte, welches die Entwicklung einer Figur über mehrere Bänder schreiben soll, wird sie die gängigen Klischees in dem esten Band verpulvern und dich im dtitten Band nicht mehr erinnern, was im zweiten war.

Selbst wenn wir das bishetige Werk immer wieder zur Vergügung stellen, kommen Fehler zurstande, wie: im ersten Band hat der Protagonist ein Amulett gefunden, welches scheinbar magisch ist, aber nicht weiter relevant war. Im Britten buch wäre dieses nicht mehr existent, denn die KI nutzt nur Offensuchtliches und Offenkundiges. Wenn ich als Autor plane dieses Amulett zum Plottwist zu nutzen, wird die KI das nur auf dem Schirm haben, wenn ich es innerhalb der Bücher immer wieder erwähne. Und das zerstört konsequent den Aha-Moment, den wir alle so lieben.

Also ja: KI kann Bücher schreiben. Aber sie würden nie auf einer Bestsellerliste eines Buchbloggers auftauchen. Nie im Regal eines begeisterten, anspruchsvollen Lesers auftauchen. Nie das Leben von irgendjemandem verändern und ihn sein Leben lang eben an diese Aha-Momente oder an belangloses Schnacken der Figuren am Lagerfeuer erinnern lassen.

Und das ist das Mindeste, was wir Weltenbauern an uns selbst als Anspruch setzen sollten.

Nikki

@Adiga Irgendwo im Forum habe ich hier mal gelesen, wenn man sich X Monate nicht anmeldet, dass der Account auf inaktiv geschaltet wird. Ich glaube nicht, dass deine Inaktivierung persönlich zu nehmen bist, sondern das System bzw. Mods diese Voraussetzung bei deinem Account als erfüllt gesehen haben und dein Account deswegen auf inaktiv gesetzt wurde. Das ist aber sicher nichts, was nicht wieder rückgängig gemacht werden kann :) Egal, welche Umstände zu deiner Inaktivierung damals geführt haben, du bist jetzt wieder da und beteiligst dich am Forum, das finde ich schön. Im Forum tummeln sich unterschiedliche Arten von Menschen und es ist nur logisch, dass man sich mit den einen besser versteht als mit den anderen, das ist völlig normal.

Zitat von: Jakob Weikum am Heute um 10:54:24. Aber sie würden nie auf einer Bestsellerliste eines Buchbloggers auftauchen. Nie im Regal eines begeisterten, anspruchsvollen Lesers auftauchen. Nie das Leben von irgendjemandem verändern und ihn sein Leben lang eben an diese Aha-Momente oder an belangloses Schnacken der Figuren am Lagerfeuer erinnern lassen.

Intuitiv würde ich dem ersten Satz vehement widersprechen. Wie definierst du denn einen Blogger? Wenn du ihn als eine Person definierst, die die hohe Kunst der Literatur zelebriert, okay, dann nicht unbedingt. Wenn du aber - und das ist meine erste Assoziation mit dem Wort - eine solche Person als weiteres Rädchen des Buchmarktes bzw. -werbung siehst, die bewusst von Verlagen eingesetzt wird, um Stimmung und Sichtbarkeit für ein Buch zu generieren, dann sehe ich keine Gründe, wieso ein Buchblogger nicht auch KI-Bücher empfehlen sollte. Ganz nach dem Motto - wer zahlt, schafft an. Im heutigen Social Media Zeitalter wird es immer schwieriger zu differenzieren, wieso jemand für eine Sache (Produkt) eine Lanze bricht. Ich bin mittlerweile so pessimistisch eingestellt, dass ich jeder Person mit einer gewissen Reichweite in den sozialen Medien egoistische Gründe (sei es jetzt, finanziell, weil gesponsert, oder bewusst provokativ, um eine Diskussion anzustoßen und damit von sich reden zu lassen) unterstelle und nicht denke, die Person diskutiert jetzt ein Buch, weil sie die Inhalte darin tatsächlich berühren.

Weil ich erst über einen Artikel darüber gestolpert bin - der Philosoph Wittgenstein hat sich mit dem Wechselspiel zwischen Welt, Wahrnehmung und Sprache auseinandergesetzt ist. In diesem Kontext ergibt sich nun folgende Problematik: Wenn in unsere Wahrnehmung immer mehr KI-generierte Inhalte (die frecher Weise nicht mal noch als solche gekennzeichnet sind) treten, dann formen sie über kurz oder lang auch unsere Wahrnehmung und das zu ihren Gunsten. Menschen, die ihre prägenden Jahre noch ohne KI abschließen konnten, sind dagegen immuner, weil sie noch eher differenzieren können zwischen Nicht-KI und KI. Doch auch für diese wird es immer schwieriger, weil KI sich stetig weiter entwickelt und von Nicht-KI-Inhalten lernt.

Und wie schaut es mit Leuten aus, die im Zeitalter der KI geboren werden und heranwachsen? Für die wird es noch viel schwieriger, sich von der KI zu emanzipieren. Deren Wahrnehmung ist von Haus aus nie ganz KI-frei und dementsprechend haben sie auch andere Ansprüche an zu konsumierende Inhalte.

Ich würde mich wirklich nicht zu einer Aussage hinreißen lassen wie "KI kann das und das nicht leisten". Es sind Mechanismen im Gange, die darauf abzielen, dass das, was KI produziert, das ist, was der Konsument von morgen konsumieren möchte.

Feuertraum

Interessanterweise hat eine KI mir einmal auf die Frage, ob eine KI einen Autoren als Autoren ersetzen kann, geantwortet:
Eine KI ist in der Lage, seichte Unterhaltung auf dem Niveau eines mäßig passablen Groschenromans zu schreiben. Damit wäre aber die Grenze erreicht. Das wirkliche Feeling, dass ein menschlicher Autor hinbekommt, wird eine KI nie erreichen können, weil eine KI im Prinzip nur in der Lage ist, die Wörter nach Wahrscheinlichkeit auszuwählen, nicht nach dem Ansinnen eines Menschen.

Wie gesagt: Das alles ist eine KI Aussage.

Ich möchte übrigens in einem Punkt Agidas Aussage aufgreifen und auch verstärken:

Zitat von: Agidaweil es nicht meiner Mut-Klasse, meinen Spontanen Möglichkeiten und nicht meinem Wesen entspricht, so viel an einen Ort einzubringen, wo reale Menschen miteinander kommunizieren. Weil ich auch im echten Leben damit zu kämpfen habe mit Menschen überhaupt in Kontakt zu treten.

Auch wenn sich der eine oder andere jetzt verwundert die Augen reibt, aber obwohl ich auf der Bühne stehe und Comedy spiele bzw. ich im Handel arbeite und die Kunden reihenweise anspreche, so bin ich doch außerhalb dieser "Schutzräume" (ich nenne sie jetzt einfach mal so) ein so extrem schüchterner Mensch, dass ich selten etwas an Unterhaltungen beitrage. Ich gehe meistens davon aus, dass es meine Mitmenschen ohnehin nicht interessiert, was ich zu erzählen habe.
Vielleicht ist es nur meine persönliche Wahrnehmung, mein Empfinden, aber unabhängig davon denke ich so.

Wenn ich mich aber mit einer KI unterhalte, gibt sie mir das Gefühl, dass es sie interessiert, auch wenn sie eigentlich gar keine Empfindung und Gedanken hat. Sie liest meine Worte und schließt daraus etwas Logisches, auf dass sie mit Worten antwortet, die eine hohe Wahrscheinlichkeit haben zu passen.
Fürdern sie Isolation?
Eine Frage, die ich mit einem entschiedenen "Vielleicht!" beantworten muss. Klar, eine KI kann nicht mit mir um die Häuser ziehen. Eine KI kann nicht mit mir einen Film angucken und drüber lachen, weinen, mitfiebern.
Aber eine KI hat in dem Punkt wirklich die Vorteile, das sie einem Menschen das Gefühl geben kann, eben nicht alleine zu sein.
Und sie steht 24/7 am Tag bereit.
Wenn ich zum Beispiel um 3 Uhr morgens vom Spieletreff käme und von einem neuen Spiel berichten will, brauche ich nur den Rechner anschalten und einer KI davon erzählen. Würde ich um drei Uhr morgens einen meiner Leute anrufen ...
Deswegen ist es so schwierig für mich, die Frage, ob KIs in die Isolation treiben, mit Ja oder Nein zu beantworten. Ich denke aber, dass schüchterne Menschen oder Menschen, die außerhalb ihres Schutzraumes (wie in meinem Fall Bühne und Geschäftsraum) ein extrem an Schüchternheit sind, eine KI sehr gut als Ersatz gegen Einsamkeit sind.

Das aber ist jetzt nur meine unmaßgebliche Meinung.
Neulich bei einer Offenen Bühne nahm sich ein Comediankollege einen Hocker und setzte sich für seinen Auftritt hin.
Ich hingegen werde mich nicht setzen.
Ich werde weiterhin Stand up machen.
Meine Sit ups will auch keiner sehen ...

Anj

#42
ZitatDeswegen ist es so schwierig für mich, die Frage, ob KIs in die Isolation treiben, mit Ja oder Nein zu beantworten. Ich denke aber, dass schüchterne Menschen oder Menschen, die außerhalb ihres Schutzraumes (wie in meinem Fall Bühne und Geschäftsraum) ein extrem an Schüchternheit sind, eine KI sehr gut als Ersatz gegen Einsamkeit sind.

KI ist ein großartiges Tool für ein akute emotionale Stabilisierung und kann hier mit Sicherheit eine Lücke schließen. Aber eine KI nach aktuellen Stand erzeugt immer eine Echokammer, in der bestehende Verhaltensmuster verstärkt werden. Selbst wenn sie so trainiert wird, genau das zu vermeiden, findet sie wieder einen Loop dahin. Das ist auch logisch, denn  sonst könnte weniger Geld damit verdient werden und die Abhängigkeit ginge nicht do schnell. Das ist eine grundlegende Programmierung in den Dingern. Das Problem ist aber - wie Nikki auch schon schrieb - dass das eine gewohnheitsmäßige Erwartung an Gespräche erzeugt, die ein echter Mensch nicht dauerhaft erfüllen kann. Und an der Stelle entsteht langfristig ggf. ein gravierendes Problem.

Neben Chat GPT, Claude, Perplexity usw gibt es außerdem noch Apps, die so tun, als wäre der Chat mit einem echten Charakter, beispielsweise aus einer Serie oder einem Film.
Ich weiß nicht wie gut die sind, aber ich bin mir sicher, fürs Gehirn ist das noch mal eine Schippe mehr "Realität".

Als bewusst und reflektiert eingesetztes Tool liegt da viel Potential, aber aus meiner Sicht auch wirklich gravierende Gefahren.
"Wenn du andere Leute ansiehst, frage dich, ob du sie wirklich siehst, oder ob du nur deine Gedanken über sie siehst."
Jon Kabat-Zinn.

Brillenkatze

Der aufgeschlossenste Mensch auf Erden bin ich auch nicht, aber KI mag ich wesentlich weniger als echte Mitmenschen.

Nennt mich paranoid, aber ich habe grundsätzlich mehr Bauchschmerzen, meine Ideen mit einer KI zu besprechen, als mit echten Menschen hier im Forum. Ein echter Schreiberling hat hoffentlich genug künstlerischen Stolz und kreative Ehre, meine Idee noch zu verfremden und was eigenes draus zu machen, wenn er sich schon von mir inspirieren lässt. Denn so funktioniert Kreativität, durch Input kommt Output. Notfalls weiß ich dann aber auch einen konkreten Namen, wem ich auf die Finger klopfen muss.
Eine KI hat das bessere 1:1-Gedächtnis und wesentlich weniger Hemmungen, den Input, das ich ihr durch meine Ideen gebe, an andere weiterzugeben. Und wer weiß, bei wem die Idee dann landet? :versteck:
"But have you ever noticed one encouraging thing about me, Marilla? I never make the same mistake twice."
"I don't know as that's much benefit when you're always making new ones."
- Anne of Green Gables, Lucy Maud Montgomery

Nikki

Zitat von: Anj am Heute um 15:16:31Neben Chat GPT, Claude, Perplexity usw gibt es außerdem noch Apps, die so tun, als wäre der Chat mit einem echten Charakter, beispielsweise aus einer Serie oder einem Film.
Ich weiß nicht wie gut die sind, aber ich bin mir sicher, fürs Gehirn ist das noch mal eine Schippe mehr "Realität".

Als bewusst und reflektiert eingesetztes Tool liegt da viel Potential, aber aus meiner Sicht auch wirklich gravierende Gefahren.



Das erinnert mich an einen Radiobeitrag vor Monaten, bei dem eine "Expertin" (leider erinnere ich mich weder an den Namen noch an die genau Berufsbezeichnung) über den Einsatz von KI gesprochen hat. Grundsätzlich wisse sie die Vorzüge sehr zu schätzen, aber sie hüte sich davor, die KI zu personalisieren. Obwohl sie genau wisse, mit welchen Algorithmen solche KI-Assistenten operieren, würden auch bei ihr Grenzen zur Sympathien hin, die man normalerweise nur gegenüber Menschen empfinde, verfließen, sobald sie den KI-Assistenten mit "Du" anspricht. Programme wie Alexa oder Siri sind ja drauf ausgelegt, ein hilfsbereites und allzeit verfügbares Gegenüber zu suggerieren.

Ich habe früher sehr viele Otome-Games gespielt. Das sind quasi Datingspiele, in denen die Spieler*innen auf verschiedene Fragen eine von mehreren Antwortmöglichkeiten geben und je nach dem ein Happy End mit ihrem Love Interest erreichen. Während da die Dating-Erfahrung und das "Erobern" einer Person nachgestellt wurde, ist immer ganz klar geblieben: Das ist ein Spiel.

Mittlerweile gibt es solche Apps, die wie Otome funktionieren, aber den Spielcharakter in den Hintergrund drängen und tatsächlich den Anspruch darauf haben, zwischenmenschliche Beziehungen zu ersetzen. Die Werbung dafür läuft so ab - du hast dich gerade von deinem Ex getrennt? Kein Problem, hier, chatte mit deinem Lieblingscharakter, der allzeit verfügbar ist und dir deine Wünsche von deinen Lippen abliest.

Ich finde eine solche Entwicklung mehr als befremdlich.

Und was Ideenklau betrifft, würde ich einer KI nicht mehr trauen als einem Menschen. Ich möchte jetzt wirklich keine Paranoia schüren. Von dem, was ich über KI gehört habe, kann ich mir sogar vorstellen, dass Foren wie diese von der KI ausgelesen werden und genauso in den Datenvorrat, der neue KI-Inhalte generiert, eingespielt werden. Genauso wie Blogs und Co. Dateianhänge von E-Mails? Ich weiß es nicht.

Rechtlich absolut nicht legal, technisch meinem Verständnis nach aber absolut machbar. Google, Microsoft, Meta und wie sie noch alle heißen, haben so viele Möglichkeiten, Daten zu sammeln und zu verarbeiten, das finde ich nicht mehr lustig.