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KI als Autor

Begonnen von Lino, 26. März 2025, 18:18:33

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Alana

#15
Ich habe besonders dort einen großen Konflikt, wo KI Gate Keeping aushebelt, denn das ist schon eine sinnvolle Anwendungsmöglichkeit. Theoretisch. Sagen wir zum Beispiel, ein Drehbuchautor wird überall abgelehnt, könnte seinen Film mit KI aber umsetzen, er macht es sehr gut, der Film gibt Menschen viel, wie bewertet man sowas? Ich weiß  es nicht. Oder jemand stellt mit KI einen Pilotfilm auf die Beine, um Geldgeber zu überzeugen, ohne hätte er keine Chance.

Die Demokratisierung von Branchen, die bisher nur reichen Leuten offenstehen, empfinde ich als einen Bereich, wo Diskussion nötig ist. Und auch überall dort, wo durch KI ein Endprodukt entsteht, das es sonst nicht gäbe und bei dem die menschliche Arbeit immer noch über 90% Anteil hat.

Beispiel Übersetzungen. Hier entstehen Möglichkeiten für Selfpublisher, die auch dazu führen, dass Menschen Arbeit bekommen, die sie sonst nicht bekommen hätten und vor allem in Sprachen, wo Arbeit für Übersetzende und Lektor*innen sowieso Mangelware ist. (Und ja, die Ergebnisse maschineller Übersetzungen sind gut, da hat sich gerade im letzten Jahr sehr viel getan ) Wer das gut macht, bezahlt einen menschlichen Lektor, was sonst nicht passiert wäre. Die Folge ist auch, dass kleine Märkte mehr Bücher bekommen, die sonst nicht bedient werden, weil es sich bisher nicht gelohnt hat. Beliebte Bücher, die Verlage als Übersetzung nicht für lohnenswert halten, können so einer größeren Gruppe von Menschen zugänglich gemacht werden.

Hier ist für mich aber eben nicht nur ausschlaggebend, dass es anders nicht finanfizierbar ist. Das allein ist in meinen Augen einfach nicht gut genug als Grund. Die Kombination aus Endprodukt ist zu 90% menschlich, es demokratisiert den Markt und schafft sogar menschliche Arbeit und das Endprodukt hat eine gute Qualität, macht es im Beispiel von Übersetzungen für mich.

Edit: Noch eine kleine Anmerkung, die mir sehr wichtig ist: KI kann eine menschliche Üversetzung nicht ersetzen und kommt niemals an eine gute, menschliche Übersetzung ran. Schon allein deswegen ist KI auf gar keinen Fall eine Alternative, sondern nur eine Notlösung. Wer sich eine menschliche Übersetzung leisten kann, sollte das immer tun.
Alhambrana

Valentina

#16
Ich war ja in der Indie - Filmszene unterwegs und es ist zwar toll, was alles mit wenig Geld möglich ist, aber falls Manches heutzutage mit KI besser umsetzbar ist, gönne ich es den Filmschaffenden. Vor allem in der Branche deckeln Geld ud Beziehungen quasi alles und die Branche ist so klein, dass das Geld extrem knapp ist. (Natürlich geht es auch ohne und da wird man auf andere Arten kreativ und KI sollte nicht die Kreativität beeinflussen sondern den technischen Aspekt erleichtern, der Menschen davon abhält, überhaupt zu kreieren.)

@Alana Das mit der Übersetzung verstehe ich nicht ganz - du meinst, dass KI besser geworden ist in Übersetzungen?
"Selbst die Dunkelheit muss vergehen. Ein neuer Tag wird kommen. Und wenn die Sonne wieder scheint, wird sie umso heller strahlen." - J.R.R. Tolkien

Alana

Ich weiß nicht, ob KI wirklich besser geworden ist, aber es gibt jetzt Plattformen, die auf Literaturübersetzungen spezialisiert sind, ständig für diese Anwendung weiter etnwickelt werden und dadurch deutlich bessere Ergebnisse liefern als zum Beispiel Deepl.
Alhambrana

Malinche

Zitat von: Alana am Heute um 14:49:45Beispiel Übersetzungen. Hier entstehen Möglichkeiten für Selfpublisher, die auch dazu führen, dass Menschen Arbeit bekommen, die sie sonst nicht bekommen hätten und vor allem in Sprachen, wo Arbeit für Übersetzende und Lektor*innen sowieso Mangelware ist. (Und ja, die Ergebnisse maschineller Übersetzungen sind gut, da hat sich gerade im letzten Jahr sehr viel getan ) Wer das gut macht, bezahlt einen menschlichen Lektor, was sonst nicht passiert wäre.

Dazu noch als Ergänzung und zusätzliche Facette: KI-Übersetzungen sind allerdings merklich anstrengender zu lektorieren als menschengemachte (möglich natürlich, dass das durch weitere Spezialisierung und Training der KIs noch nachlässt). Aber Fehler sind häufig schwerer aufzuspüren, und oft hat man Formulierungen, die grammatisch völlig in Ordnung sind, aber auf diffuse Art doch unpassend klingen. Da lässt sich (nach meiner Erfahrung) im Lektorat oft schwerer der Finger drauflegen als bei einer menschlichen Übersetzung, wo es oft leichter ersichtlich ist, was für ein Denkprozess hinter einer bestimmten Übersetzungsentscheidung steht oder an welcher Stelle ein Wort falsch gewählt wurde.

Das heißt, dass die entstehenden Lektoratsaufträge potenziell vielleicht nicht unbedingt arbeitsintensiver, aber anstrengender sein können als reguläre, und das eben nicht unbedingt bei besserer Bezahlung.

Das ist wie gesagt nicht als Widerspruch zu dem Beispiel gemeint, sondern nur als weiteres Aufdröseln, was da dranhängt und wie viele Faktoren es im Einzelfall abzuwägen gibt.
»Be suspicious of the lemons.« (Roxi Horror)