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Handwerkliches => Das Sprachbastelboard => Thema gestartet von: Philian am 16. September 2018, 09:39:44

Titel: Verben des Sprechens nach wörtlicher Rede
Beitrag von: Philian am 16. September 2018, 09:39:44
Den Satz:

Zitat
„Nun komm schon!“, versuchte er mich zu überreden.

… empfinde ich als grauenvoll. Spätestens nach dem dritten Auftreten einer solchen Formulierung in einem Buch, klappe ich dasselbe zu und lege es weg. Warum?
Erstens merke ich selbst, welche Absicht der Sprecher hegt, wenn die Worte, die ihm in den Mund gelegt werden, eindeutig sind. Ich fühle mich verschaukelt, wenn der Autor meint, mir das erst noch erklären zu müssen.
Und zweitens darf hinter der wörtlichen Rede, verbunden mit einem Komma, nur ein Verb des Sprechens stehen.
So weit so gut. Nun habe ich beim Überarbeiten meines Manuskriptes aber gemerkt, dass ich mich selbst gar nicht so streng an die Regel halte, wie es vielleicht angebracht wäre.

„wandte er ein“ und „gab er zu bedenken“, sind ebenfalls keine Verben des Sprechens, kommen in meinem Buch aber durchaus vor. Tatsächlich erscheinen mir diese Formulierungen nicht ganz so schlimm zu sein, wie obiges Beispiel. Vielleicht aber auch nur deshalb, weil ich sie von mir selbst eben gewohnt bin. Wie seht ihr das?

Oder was haltet ihr von diesem Satz:

   
Zitat
"Wieviel Ambrosia hast du noch?", forsche ich weiter.


Auch hier fällt auf: 'forschen' ist kein Verb des Sprechens. Es symbolisiert lediglich den Drang, mit dem der Fragesteller Wissen erlangen will. Oder hier ein anderes Beispiel aus meinem Buch:

Zitat
»Sie sagen die Wahrheit«, wiederholt Prometheus so bestimmt, dass ich verstumme.
Ungemütliches Schweigen füllt den Raum.
»Dann lügen unsere Erinnerungen?«
»Nicht deine, aber meine vielleicht«, gibt Prometheus so leise zurück, dass ich ihn fast nicht verstehe.
Keine Ahnung, wie er auf die Idee kommt, dass jemand an seinen Erinnerungen herumgepfuscht haben könnte, aber seine Befürchtung lässt sich ja leicht aus der Welt räumen. Ich springe in Prometheus’ Kopf.

Weder „wiederholen“, noch „zurückgeben“ sind Verben des Sprechens. Würdet ihr den Dialog also umschreiben? Wenn ja, wie?

Lektoren beanstanden auch gerne ein:
Zitat
„…“, knurrte er.
Mit der Begründung, dass Menschen nicht knurren. Ich finde aber sehr wohl, dass Menschen auch knurren. Zum Beispiel wenn sie zum Sprechen genötigt werden, aber eigentlich gar nichts sagen wollen. Für mich symbolisiert das Verb darüber hinaus auch eine gewisse Aggressivität.
„Knurren“ benutze ich vorwiegend bei männlichen Protagonisten, weil eine tiefe Stimme eben eher knattert und dieses unwillige Hervorstoßen von Worten besser ausdrückt. Bei Frauen nutze ich gern „fauchen“, obwohl das ja eigentlich den Katzen vorbehalten ist.
Na ja, ein Hauptmann, der seine Befehle bellt, wird auch nicht gleich zum Hund, nur weil er bellt, oder?
Wie handhabt ihr das?
Titel: Re: Verben des Sprechens nach wörtlicher Rede
Beitrag von: Waldhex am 16. September 2018, 12:45:03
Ich bin anscheinend ziemlich unbedarft, denn von dieser Regel habe ich noch nie etwas gehört. Dementsprechend halte ich sie auch nicht ein.
Immer ein 'sagte er', 'fragte sie' ... ist langweilig und ggf. auch nichtssagend. Gerade Deine Beispielsätze würden mit dieser Regel nicht funktionieren bzw. der Text wäre relativ emotionslos.
Wie meinte jemand schon in anderen Threads: Regeln sind dazu da gebrochen zu werden - wenn man dies bewusst macht, um eine bestimmte Athmosphäre zu schaffen.
Titel: Re: Verben des Sprechens nach wörtlicher Rede
Beitrag von: Sprotte am 16. September 2018, 12:51:30
Das kleine Inquit, japp.

Es ist das Einzige, das mit Komma an die wörtliche Rede angehängt werden darf, das Einzige, das mit Doppelpunkt vor der wörtlichen Rede stehen darf. Tätigkeiten, die tatsächlich Worte hervorbringen können.

Man kann einen Satz nicht grinsen. Aber ihn grinsend sagen.

Ob und wie viel autor da an Erklärungen zupackt, um die Emotion und den Sinn eines Satzes zu betonen, ist Geschmackssache, denke ich. Manchmal ist weniger mehr, manchmal muss es doch mehr sein.
Titel: Re: Verben des Sprechens nach wörtlicher Rede
Beitrag von: chaosqueen am 16. September 2018, 13:10:50
Ich bin da bei Sprotte, sehe bei einigen der von Philian genannten Beispiele aber kein Problem. Klar kann ich einen Satz nicht grinsen. Aber was spricht gegen forschte er (nach) oder gab er zu bedenken / wandte er ein? Das sind für mich völlig legitime Arten, den Sprechakt zu beschreiben.

Und ich knurre auch glegentlich und finde es daher total verständlich und korrekt, wenn Figuren das auch mal tun! ;)

 :wache!:
Kleine Mod-Anmerkung: @Philian, magst Du zukünftig bitte einfach Deinen Beitrag editieren, wenn Du direkt im Anschluss noch etwas ergänzen willst, anstatt einen weiteren Beitrag anzuhängen? Das erleichtert den Lesefluss und treibt die Threadlänge nicht unnötig in die Höhe.
Danke! :)
(Wenn Du jetzt direkt auf jemanden reagierst, rechtfertigt das selbstverständlich einen neuen Beitrag.)
Titel: Re: Verben des Sprechens nach wörtlicher Rede
Beitrag von: Christopher am 16. September 2018, 13:16:24
Wie Sprotte erwähnt muss/soll man da natürlich etwas vorsichtig sein.

"Das ist ja toll!", strahlte er.

Ist, so wie ich es verstehe, grammatikalisch nicht in Ordnung. Findet man so oder so ähnlich aber sicherlich in einigen Büchern des öfteren. Warum? Weil es sich meiner Meinung nach gut macht. Nicht unbedingt dieses Beispiel, aber anders angewandt kann es sehr sinnvoll sein und den Text bereichern.

"Lass das!", schrie er.

Ist hingegen ein Beispiel für etwas überflüssiges, obwohl es grammatikalisch in Ordnung ist. Das "!" impliziert bereits das Schreien.

Wie ich das handhabe?
Ich nutze es wann immer nötig. Also wenn eine wörtliche Rede länger als zwei Wechsel zwischen dem Sprechern beinhaltet und/oder mehr als zwei Personen sprechen. Anderenfalls kann es für einen Leser schnell passieren, dass er den Faden verliert. Beim Schreiben merkt man das nicht so deutlich - schließlich weiß man ja genau wer was sagen soll - aber als Leser? Da ist es manchmal schwer einem Dialog zu folgen und im Kopf zu behalten, wer gerade spricht. Oder es erfordert Konzentration, wo ich mich eigentlich entspannen und Spaß beim Lesen haben wollte.
Darum das ", sagte Tim.", oder das ", belehrte er ihn."

Im ernst: Dir fällt es wohl zur Zeit recht oft auf, aber beim Lesen versuche ich ab und zu auf solche Dinge zu achten. Und wenn ich dann ein, meiner Meinung nach, gutes Buch in der Hand habe, das sich flüssig und entspannt liest, und mal bei den Dialogen schaue... Dann entdecke ich sowas alle Nase lang. Da kommt fünf mal pro Seite ein "...sagte Tim.", "...sagte Tom." o.ä. und das fällt mir überhaupt nicht auf. Soetwas überliest man einfach, die Information wer gerade spricht ist aber da.

Zudem geben diese Anhänge die Möglichkeit, einen Dialog mit etwas Handlung zu bereichern und ihn anschaulicher zu machen ohne ihn aufzublähen.
Titel: Re: Verben des Sprechens nach wörtlicher Rede
Beitrag von: Shedzyala am 16. September 2018, 14:00:08
"Lass das!", schrie er.

Ist hingegen ein Beispiel für etwas überflüssiges, obwohl es grammatikalisch in Ordnung ist. Das "!" impliziert bereits das Schreien.

Da merkt man wieder, wie subjektiv sowas doch ist. Für mich ist ein "Lass das!", schrie er. von der Stimmlage wesentlich lauter als ein "Lass das!", sagte er. ;D
Titel: Re: Verben des Sprechens nach wörtlicher Rede
Beitrag von: Philian am 16. September 2018, 14:05:29
Immer ein 'sagte er', 'fragte sie' ... ist langweilig und ggf. auch nichtssagend.
Ich habe mal gelesen, dass gerade dies den Reiz des 'sagte' ausmacht: Der Leser liest einfach darüber hinweg. So versichert es dem Lesern noch mal, wer gerade spricht, lenkt ihn aber nicht vom Wesentlichen ab. Darauf weist Christopher in seinem Beitrag ja auch hin.

Eine Gegenmeinung dazu, die ich auch mal gelesen habe: Wenn du schon erwähnst, dass er das sagt, dann schreib wenigstens dazu, wie er das sagt. Müde, frustriert, lachend ... Ansonsten rechtfertigt sich das "sagte", "fragte" usw. nicht.

Tatsächlich scheue ich mich, ein einfaches "sagte ich" zu verwenden und suche lieber andere Ausdrücke. Eine Scheu, die ich vermutlich getrost ablegen könnte.
Titel: Re: Verben des Sprechens nach wörtlicher Rede
Beitrag von: Sprotte am 16. September 2018, 14:09:03
Ich denke, es wie bei vielen Dingen: Die Dosis macht das Gift.
Hänge ich an jedes "sagte er/sie" ein lachend, grinsend, drohend dran, nutzt sich das ab und ermüdet. Ich streue in Dialoge lieber Aktionen ein, dass jemand sich mal an der Nase kratzt (kein Inquit), wechsle die Inquit-Formeln, ergänze sie manchmal und manchmal eben nicht. Doch gerade bei längeren Dialogen gehören sie für mich eingestreut dazu, um es der lesenden Person zu erleichtern, im Dialog nicht die Übersicht zu verlieren, wer da eigentlich gerade spricht (wobei da natürlich auch die Unterscheidung durch die Wortwahl und den Satzbau des Sprechenden eine Hilfe gegeben sein sollte).
Titel: Re: Verben des Sprechens nach wörtlicher Rede
Beitrag von: Philian am 16. September 2018, 14:19:12
Ich bin da bei Sprotte, sehe bei einigen der von Philian genannten Beispiele aber kein Problem. Klar kann ich einen Satz nicht grinsen. Aber was spricht gegen forschte er (nach) oder gab er zu bedenken / wandte er ein? Das sind für mich völlig legitime Arten, den Sprechakt zu beschreiben.

Und ich knurre auch glegentlich und finde es daher total verständlich und korrekt, wenn Figuren das auch mal tun! ;)

Das beruhigt mich zu hören!

:wache!:
Kleine Mod-Anmerkung: @Philian, magst Du zukünftig bitte einfach Deinen Beitrag editieren, wenn Du direkt im Anschluss noch etwas ergänzen willst, anstatt einen weiteren Beitrag anzuhängen? Das erleichtert den Lesefluss und treibt die Threadlänge nicht unnötig in die Höhe.
Danke! :)
(Wenn Du jetzt direkt auf jemanden reagierst, rechtfertigt das selbstverständlich einen neuen Beitrag.)
Das hatte ich ursprünglich auch vor, bin aber wohl auf die Anführungsstriche gekommen und merkte erst später, dass ich nicht meinen urpsprünglichen Beitrag verändert hatte, sondern den zitierten. Weil mir das bei meinem Beitrag im Willkommensthread auch schon passiert ist, dachte ich, dass sich losgeschickte Beiträge hier halt nicht mehr verändern lassen.
Inzwischen eines Besseren belehrt, habe ich das jetzt nachgeholt. Leider gelingt es mir nun nicht, den jetzt überflüssigen zweiten Beitrag von mir zu löschen. Ist Löschen nicht möglich?
Und kann ich die Überschrift im Willkommensthread tatsächlich nicht ändern, oder habe nur ich mich dabei so dämlich angestellt, dass es eben nicht geklappt hat? Bitte um Aufklärung.
Titel: Re: Verben des Sprechens nach wörtlicher Rede
Beitrag von: Sprotte am 16. September 2018, 14:21:52
Du kannst keine Beträge löschen. Und die Überschrift im Willkommensthread kannst Du nicht ändern, weil es nicht Dein Beitrag ist, sondern der von Chaosqueen. Für diesen Thread könntest Du es, weil Du Threaderstellerin bist.

(Noch ein Tipp: Hier findest Du den Allgemeine-Fragen-Thread, (https://forum.tintenzirkel.de/index.php?topic=8472.0) wenn Du Fragen dort stellst, haben alle was davon, während Fragen und Antworten zur Forumstechnik oder den Regeln in normalen Threads einmal auftauchen und dann wieder verschwinden, während im Fragenthread alles geballte Info für die Ewigkeit bleibt.)
Titel: Re: Verben des Sprechens nach wörtlicher Rede
Beitrag von: Philian am 16. September 2018, 14:30:30
Ich denke, es wie bei vielen Dingen: Die Dosis macht das Gift.
Hänge ich an jedes "sagte er/sie" ein lachend, grinsend, drohend dran, nutzt sich das ab und ermüdet. Ich streue in Dialoge lieber Aktionen ein, dass jemand sich mal an der Nase kratzt (kein Inquit), wechsle die Inquit-Formeln, ergänze sie manchmal und manchmal eben nicht. Doch gerade bei längeren Dialogen gehören sie für mich eingestreut dazu, um es der lesenden Person zu erleichtern, im Dialog nicht die Übersicht zu verlieren, wer da eigentlich gerade spricht (wobei da natürlich auch die Unterscheidung durch die Wortwahl und den Satzbau des Sprechenden eine Hilfe gegeben sein sollte).
Wird nicht alles, was zwischen zwei wörtlichen Reden von ein und derselben Person geschrieben wird, als Inquit bezeichnet? Oder bezieht sich der Ausdruck tatsächlich nur auf den, durch Komma angehängten Teil einer wörtlichen Rede?

Eine Beschreibung dessen, was die sprechende Person gerade macht, nutze ich auch oft, um erlaubtermaßen einen Absatz in eine lange wörtliche Rede zu bringen. Ich beende die wörtliche Rede, hüpfe in einen neuen Absatz und beginne mit: "Prometheus Blick wanderte zum Fenster hinaus." Und dann redet er eben weiter. Wie handhabt ihr das?

Ich weiß, man soll seine Protas nicht so lange an einem Stück reden lassen, aber manchmal ist das eben nicht zu umgehen.
Titel: Re: Verben des Sprechens nach wörtlicher Rede
Beitrag von: Philian am 16. September 2018, 14:43:34
Du kannst keine Beträge löschen.
Unpraktisch eigentlich!
Und die Überschrift im Willkommensthread kannst Du nicht ändern, weil es nicht Dein Beitrag ist, sondern der von Chaosqueen. Für diesen Thread könntest Du es, weil Du Threaderstellerin bist.
Nur leider will ich es hier nicht, drückt dieser Titel doch genau das aus, was ich sagen wollte. Die Überschrift im Willkommensthread dagegen ... Nun ja, mir war einfach nicht bewusst, dass mein Anliegen aus dem Betreff zur Überschrift werden würde. Jetzt glänze ich durch eine völlig fantasielose Überschrift - echt peinlich.
(Noch ein Tipp: Hier findest Du den Allgemeine-Fragen-Thread, (https://forum.tintenzirkel.de/index.php?topic=8472.0) wenn Du Fragen dort stellst, haben alle was davon, während Fragen und Antworten zur Forumstechnik oder den Regeln in normalen Threads einmal auftauchen und dann wieder verschwinden, während im Fragenthread alles geballte Info für die Ewigkeit bleibt.)
Danke für den Hinweis. Vermutlich steht da auch schon irgendwo die Frage, ob man seine Beiträge noch mal löschen kann, wenn sie erst mal losgeschickt sind. Mein Vorschlag in solchen Fällen: Wenn man sie schon nicht löschen kann, so doch wenigstens leeren. Immerhin kann ich sie verändern. Das werde ich mit meinem zweiten Beitrag in diesem Thread gleich mal probieren.
Titel: Re: Verben des Sprechens nach wörtlicher Rede
Beitrag von: Sprotte am 16. September 2018, 14:58:08
Zitat
Wird nicht alles, was zwischen zwei wörtlichen Reden von ein und derselben Person geschrieben wird, als Inquit bezeichnet? Oder bezieht sich der Ausdruck tatsächlich nur auf den, durch Komma angehängten Teil einer wörtlichen Rede?

Eine Beschreibung dessen, was die sprechende Person gerade macht, nutze ich auch oft, um erlaubtermaßen einen Absatz in eine lange wörtliche Rede zu bringen. Ich beende die wörtliche Rede, hüpfe in einen neuen Absatz und beginne mit: "Prometheus Blick wanderte zum Fenster hinaus." Und dann redet er eben weiter. Wie handhabt ihr das?

Das Inquit ist wirklich nur "sagte er" in allen Variationen.

Ich lasse beisammen, was zusammen gehört. Auch wenn ich einen längeren Monolog durch eine Handlung des Sprechenden unterbreche, ist das kein neuer Absatz, da Absatz einen Sprecherwechsel signalisiert.

OT: Es haben Mitglieder in der Vergangenheit Beiträge gelöscht, was vom Thread nur eine löchrige Ruine übrig ließ. Das Gleiche gilt für geleerte Beiträge: nicht erwünscht (steht auch in den Regeln, meine ich.) Falls Du einen versehentlichen Doppelpost löschen lassen möchtest, wende Dich an einen Mod Deines Vertrauens.
Titel: Re: Verben des Sprechens nach wörtlicher Rede
Beitrag von: Mia Nordstern am 16. September 2018, 14:59:56
Zitat
„Nun komm schon!“, versuchte er mich zu überreden.

Das ist stilistisch grausam und grammatisch falsch, weil in Inquit, wie schon gesagt wurde, nur eine Art des Sprechens sein kann.
Verbessern würde ich:
Zitat
"Nun komm schon!" Er versuchte mich zu überreden.
Aber "schön" fände ich, wenn man das vollkommen streichen würde und die wörtliche Rede stehen ließe. Ich finde es immer schwierig, wenn solche Dinge "behauptet" (zeigen, nicht beschreiben/ behaupten) werden und damit dem Leser vorgekaut. Das hat der ja nach "nun komm schon" selbst verstanden. Auf mich wirkt so ein übertriebenes Erklären immer so, als würde man den Leser mit einem "Der Himmel ist übrigens blau" regelrecht entmündigen und ihm die Fähigkeit zur Benutzung des eigenen Verstandes absprechen.

Zitat
„wandte er ein“ und „gab er zu bedenken“, sind ebenfalls keine Verben des Sprechens, kommen in meinem Buch aber durchaus vor. Tatsächlich erscheinen mir diese Formulierungen nicht ganz so schlimm zu sein, wie obiges Beispiel. Vielleicht aber auch nur deshalb, weil ich sie von mir selbst eben gewohnt bin. Wie seht ihr das?

die finde ich in Ordnung und würde sie stehenlassen, solange es nicht überhand nimmt.

Zitat
Auch hier fällt auf: 'forschen' ist kein Verb des Sprechens. Es symbolisiert lediglich den Drang, mit dem der Fragesteller Wissen erlangen will.

Auch das hier fände ich in Einzelfällen akzeptabel. Aber auch hier müsste man eben versuchen, den Leser nicht zu verschaukeln, wie du es so schön schreibst. Sicher fällt dir auf, dass im Vergleich zum ersten Beispiel ein vollkommen anderer Satzbau verwendet wird.


Zitat
»Sie sagen die Wahrheit«, wiederholt Prometheus so bestimmt, dass ich verstumme.
Ungemütliches Schweigen füllt den Raum.
»Dann lügen unsere Erinnerungen?«
»Nicht deine, aber meine vielleicht«, gibt Prometheus so leise zurück, dass ich ihn fast nicht verstehe.
Keine Ahnung, wie er auf die Idee kommt, dass jemand an seinen Erinnerungen herumgepfuscht haben könnte, aber seine Befürchtung lässt sich ja leicht aus der Welt räumen. Ich springe in Prometheus’ Kopf.

Beim ersten Mal finde ich es noch akzeptabel. Auch vom Satzbau her. Schlimmer finde ich, dass sich die Art des Satzbaus wiederholt. (Blablat er so, dass ich blabla). Dann würde ich mich noch an "fast" aufhängen, das ist ein Füllwort. Versteht er ihn oder nicht? Bei der zweiten Inquitformel würde ich  wirklich einfach "flüsterte" oder "murmelte" schreiben. Dass man ihn dann schlecht versteht, finde ich logisch und nicht erwähnenswert. Auch finde ich "gibt/ gab er zurück" generell stilistisch nicht sehr gelungen.

 
Zitat
Mit der Begründung, dass Menschen nicht knurren. Ich finde aber sehr wohl, dass Menschen auch knurren. Zum Beispiel wenn sie zum Sprechen genötigt werden, aber eigentlich gar nichts sagen wollen. Für mich symbolisiert das Verb darüber hinaus auch eine gewisse Aggressivität.
„Knurren“ benutze ich vorwiegend bei männlichen Protagonisten, weil eine tiefe Stimme eben eher knattert und dieses unwillige Hervorstoßen von Worten besser ausdrückt. Bei Frauen nutze ich gern „fauchen“, obwohl das ja eigentlich den Katzen vorbehalten ist.
Na ja, ein Hauptmann, der seine Befehle bellt, wird auch nicht gleich zum Hund, nur weil er bellt, oder?
Wie handhabt ihr das?

Auch das ist akzeptabel. Allerdings würde ich "knurren" oder "fauchen" nicht unbedingt auf Mann und Frau beziehen, sondern auf die Art, wie es gesagt wird. Manche Menschen können auch wirklich in einem knurrenden oder fauchenden Tonfall sprechen. Den Vergleich mit den Tieren würde ich mal als bildhafte Sprache zurückführen.

Zitat
Man kann einen Satz nicht grinsen. Aber ihn grinsend sagen.
Das finde ich allerdings auch schlimm. Das Zitat könnte von mir sein.

[qutoe]"Lass das!", schrie er.

Ist hingegen ein Beispiel für etwas überflüssiges, obwohl es grammatikalisch in Ordnung ist. Das "!" impliziert bereits das Schreien.[/quote]

Die Aussage halte ich hingegen für falsch. Das Ausrufezeichen steht an dieser Stelle, weil es ein Imperativ (Befehlsform) ist. Man kann diesen Satz schon auf unterschiedliche Art sagen, schreien, fauchen, zischen, flüstern usw. Außerdem braucht man die Inquitformel manchmal auch, um klarzumachen, wer gerade überhaupt spricht. Kann man natürlich auch anders lösen:
Zitat
"Lass das!" Paul hielt Bellas Hand fest.
Handlung finde ich in Dialogen ungeheuer wichtig. Sie kann oft ein nerviges Inquit ersetzen, ohne krampfhaft nach Synonymen zu suchen. Manchmal kann die wörtliche Rede auch für sich allein stehen, solange klar ist, wer spricht.

Zitat
Ich habe mal gelesen, dass gerade dies den Reiz des 'sagte' ausmacht: Der Leser liest einfach darüber hinweg. So versichert es dem Lesern noch mal, wer gerade spricht, lenkt ihn aber nicht vom Wesentlichen ab
Das würde ich unterschreiben. Genau so.
Leider lese ich oft Texte in denen die Suche nach einem Synonym einfach nur noch krampfhaft wirkt. "sagte" stört mich nicht. ICh würde auch dazu tendieren, Emotionen immer durch Handlung zu zeigen. Also nicht:
Zitat
"Ich mache Schluss für heute", sagte er müde.
, sondern
Zitat
"Ich mache Schluss für heute" Er rieb sich die Augen.
Ok, das Beispiel ist etwas plump. Aber Handung ist extrem wichtig für den Dialog.
Titel: Re: Verben des Sprechens nach wörtlicher Rede
Beitrag von: Gilwen am 16. September 2018, 15:55:18
„Nun komm schon!“, versuchte er mich zu überreden.

Hu, ich empfinde mich bei korrekter Sprache eigentlich sehr kritisch, aber ich habe an deinem Beispiel nichts auszusetzen. Meinst du, weil der Inhalt der wörtlichen Rede und der Teil dahinter eine Tautologie sind? Ich finde, der Satz liest sich sehr gut. Die Aufforderung im gesprochenen Teil passt gut zu der Beschreibung, es widerspricht sich nichts und es ist keine offensichtliche Wiederholung.
Anscheinend bin ich da aber recht intuitiv, ich habe von einer solchen Regel noch nichts gehört. Bei deinen anderen Beispielen fällt mir auf, dass ich solche Formulierungen oft auch benutze.

Die Formulierung mit "knurren" lese ich öfter und finde nichts Schlimmes daran. Ist wahrscheinlich alles Geschmackssache!

Ich finde es eher störend, wenn entweder nur mit "sagte" gearbeitet wird und mit gefühlt nichts anderem. Oder wenn die Erklärung, wer gerade spricht, zu oft weggelassen wird, sodass man nach einer Weile gar nicht mehr weiß, wer der Sprechende ist.
Titel: Re: Verben des Sprechens nach wörtlicher Rede
Beitrag von: Philian am 16. September 2018, 15:57:16
Ich lasse beisammen, was zusammen gehört. Auch wenn ich einen längeren Monolog durch eine Handlung des Sprechenden unterbreche, ist das kein neuer Absatz, da Absatz einen Sprecherwechsel signalisiert.

Ehrlich? Das fände ich aber recht unpraktisch! Was mache ich denn dann mit einem längeren Monolog? Wenn ich ihn nicht mal durch Absätze gliedern und unterbrechen darf?

OT: Es haben Mitglieder in der Vergangenheit Beiträge gelöscht, was vom Thread nur eine löchrige Ruine übrig ließ. Das Gleiche gilt für geleerte Beiträge: nicht erwünscht (steht auch in den Regeln, meine ich.) Falls Du einen versehentlichen Doppelpost löschen lassen möchtest, wende Dich an einen Mod Deines Vertrauens.
Habe den Beitrag nicht löschen können und ihn statt dessen in eine Botschaft an dich umgewandelt. Meine Schuld ist es also nicht, sollten hier Löcher im Käse entstehen. Das will ich zur Vorsicht nur schon mal hier anmerken. Man weiß ja nie.  ;D
Titel: Re: Verben des Sprechens nach wörtlicher Rede
Beitrag von: Sprotte am 16. September 2018, 16:01:07
Einen längeren Monolog kann man z. B. durch Handlungen anderer anwesender Figuren unterbrechen. Ein Nicken, ein Augenrollen entspräche einem stummen Dialoganteil, der einen eigenen Absatz erhält. Generell bemühe ich mich, längere Monologe nicht auftauchen zu lassen. Selbst "To be or not to be" ist laaaaang und könnte zwischendurch die Aufmerksamkeit eines Lesers erlahmen lassen.
Titel: Re: Verben des Sprechens nach wörtlicher Rede
Beitrag von: Philian am 16. September 2018, 16:09:06
Ich finde es eher störend, wenn entweder nur mit "sagte" gearbeitet wird und mit gefühlt nichts anderem. Oder wenn die Erklärung, wer gerade spricht, zu oft weggelassen wird, sodass man nach einer Weile gar nicht mehr weiß, wer der Sprechende ist.
Hallo Gilwen!
Ich finde auch, dass der Leser immer wissen sollte, wer gerade spricht, ohne mühsam abzuzählen, wer denn gerade jetzt dran ist. Für den Autor ist es nur immer schwierig zu entscheiden, wann der Leser eine solche Hilfestellung braucht. Immerhin weiß der Autor, wer was spricht. Mir hilft es da, mir den Text vom Computer vorlesen zu lassen.
Da ich nur höre, aber nicht sehe, wann eine neue Zeile eröffnet wird, ist es ungleich schwieriger, einem Gespräch zu folgen. Natürlich, ein Zeilenwechsel wird durch eine Pause angedeutet, aber die ist wenn überhaupt, dann nur unwesentlich länger als die Pause, die der Sprecher nach jedem Punkt macht, um Orientierung zu bieten.
Aufgrund des Hörens füge ich dann manchmal noch Inquits oder sonstige Beschreibungen dessen ein, was die Sprechende Person gerade macht.
Richtig schwierig wird es allerdings, wenn sich mehr als zwei Personen im Raum befinden. Da kann ja theoretisch jeder antworten, auch jemand anderes, als der eben Angesprochene. Hier muss man ungleich mehr Hinweise einbringen, wer denn gerade spricht. Ich mag solche Situationen gar nicht, aber manchmal lassen sie sich eben nicht vermeiden.
Titel: Re: Verben des Sprechens nach wörtlicher Rede
Beitrag von: Philian am 16. September 2018, 16:20:25
Einen längeren Monolog kann man z. B. durch Handlungen anderer anwesender Figuren unterbrechen. Ein Nicken, ein Augenrollen entspräche einem stummen Dialoganteil, der einen eigenen Absatz erhält. Generell bemühe ich mich, längere Monologe nicht auftauchen zu lassen. Selbst "To be or not to be" ist laaaaang und könnte zwischendurch die Aufmerksamkeit eines Lesers erlahmen lassen.

Hm, gute Idee. Vermutlich nutze ich diese Möglichkeit eh zu wenig. Meine Lektorin merkt mir öfter am Rand an, wie meine Protagonistin das denn nun findet, was sie da gerade erlebt. Ihr fehlt die Reaktion, wenn weder ein Gedanke noch eine Geste /Mimik eine Bewertung der Situation erkennen lassen. Zum Beispiel, wenn sich Aletheias beide Hauptfeinde ein Gefecht liefern. In diesem Fall hat sie sich das nur angesehen und auf die Gelegenheit gewartet, sich daraus einen Vorteil zu verschaffen, aber allgemein darf ich da wohl ausführlicher werden. Deinen Trick , liebe Sprotte, merke ich mir jedenfalls.
Titel: Re: Verben des Sprechens nach wörtlicher Rede
Beitrag von: Gilwen am 16. September 2018, 17:26:56
Ich habe nachgelesen, weil mich das Thema neugierig gemacht hat. Ehrlich gesagt habe ich noch nie groß einen Gedanken darüber verloren, sondern es wohl intuitiv gemacht.

Zitat
Die Inquit-Formel (von lateinisch inquit, „er sagt“ bzw. „er sagte“) ist eine formelhafte Redeeinleitung. Wenn ein Erzähler die Rede von Figuren berichtet, markiert er diese in vielen Fällen mit einer Inquit-Formel.

Inquit-Formeln bestehen im Allgemeinen aus einem Nomen oder Pronomen, das den Sprecher angibt („mein Vater“, „er“), und einem Verb des Sagens (verbum dicendi). Meist stehen sie in der dritten Person Einzahl, es gibt jedoch, etwa in der Ich-Erzählung, auch andere Formen. Die Verben können variieren (beispielsweise „er sagte“, „gab er zurück“, „versetzte er“) oder formelhaft wiederholt werden. Auch die Stellung unterliegt Variationsmöglichkeiten: sie können am Anfang oder am Ende der wiedergegebenen Figurenrede stehen, aber auch in der Mitte – in diesem Fall unterbrechen sie die Figurenrede.

Bei der direkten Rede ist die Inquit-Formel üblich, aber nicht obligatorisch; dasselbe gilt für die Anführungszeichen, die den Text der Figurenrede einschließen. Auch in der indirekten Rede ist eine Inquit-Formel üblich, kann aber wegfallen, wenn die Figurenrede im Konjunktiv steht; Anführungszeichen werden hier nicht benutzt. In der erlebten Rede und im inneren Monolog wird auf die Redeeinleitung durchweg verzichtet.
Auf  Wikipedia (https://de.wikipedia.org/wiki/Inquit-Formel) habe ich obige Erklärung gefunden, das ist aber wohl nicht das, um was es hier geht. Zumindest nicht nur.

Zitat
Autoren, die Inquit-Formeln vergewaltigen, überfrachten sie mit Informationen, die sie besser anders und jedenfalls an anderer Stelle verarbeiten sollten. „Wann immer ich an sie denke, blutet mein Herz“, offenbarte er ihr sein Innerstes. Oder „Wann immer ich an sie denke, blutet mein Herz“, wühlte er mit traurigem Gesicht in seinen alten Wunden. Derart vergewaltigte Inquit-Formeln wirken nicht nur unprofessionell, sie nehmen auch der direkten Rede ihre Kraft. Denn Inquit-Formeln sollen die direkte Rede einfassen, sie aber nicht übertrumpfen. Das ist dann so, wie wenn ein schönes Bild in einem zu opulenten Rahmen steckt.

Das Zitat habe ich im Schriftblog (http://schriftblog.com/zwei-wunderschoene-worte-sagte-und-fragte/) gefunden. Das meint ihr, oder?

Also wäre das erste Zitat statt
Zitat
„Nun komm schon!“, versuchte er mich zu überreden.
besser, wenn man schreibt:
Zitat
"Nun komm schon!", sagte er.

Habe ich das richtig verstanden? Ich versuche zu verstehen, warum ihr das erste Beispiel als falsch empfindet (also alle, die sich in dieser Richtung geäußert haben).
Bei dem Beispiel, in dem er in seinen Wunden wühlt, ist klar, dass es zu übertrieben ist. Aber es ist ja laut Wikipedia eine Formel und keine Regel, an die man sich zwingend halten muss. Daher bin ich über die Heftigkeit, mit der du geschrieben hast, du würdest ein Buch mit mehreren solcher Formulierungen nicht mehr weiter lesen, etwas erstaunt, Philian. Oder geht das nur mir so?
Titel: Re: Verben des Sprechens nach wörtlicher Rede
Beitrag von: Philian am 16. September 2018, 17:43:20
Also wäre das erste Zitat statt
Zitat
„Nun komm schon!“, versuchte er mich zu überreden.
besser, wenn man schreibt:
Zitat
"Nun komm schon!", sagte er.

Habe ich das richtig verstanden? Ich versuche zu verstehen, warum ihr das erste Beispiel als falsch empfindet (also alle, die sich in dieser Richtung geäußert haben).

Ja, so habe ich es gemeint.

Zitat
Bei dem Beispiel, in dem er in seinen Wunden wühlt, ist klar, dass es zu übertrieben ist. Aber es ist ja laut Wikipedia eine Formel und keine Regel, an die man sich zwingend halten muss. Daher bin ich über die Heftigkeit, mit der du geschrieben hast, du würdest ein Buch mit mehreren solcher Formulierungen nicht mehr weiter lesen, etwas erstaunt, Philian. Oder geht das nur mir so?
Sicherlich reagiert nicht jeder so empfindlich darauf, wie ich. Aber in meinen Ohren klingt das so unprofessionell, ja nachgerade schräg, dass mir jeder Spaß verleidet wird, das Buch weiterzulesen. Da mag die Geschichte an sich noch so gut sein. Vielleicht kannst du verstehen, was ich meine, wenn du dir vorstellst, du säßest in einem Konzert. Ein wunderschönes Klavierkonzert von Rachmaninov. Aber jedesmal, wenn der Pinanist ein A spielt, zieht es dir schmerzhaft an den Haaren. Wie lange meinst du wohl, bleibst du im Konzertsaal sitzen?
Titel: Re: Verben des Sprechens nach wörtlicher Rede
Beitrag von: Gilwen am 16. September 2018, 17:47:12
Sicherlich reagiert nicht jeder so empfindlich darauf, wie ich. Aber in meinen Ohren klingt das so unprofessionell, ja nachgerade schräg, dass mir jeder Spaß verleidet wird, das Buch weiterzulesen. Da mag die Geschichte an sich noch so gut sein. Vielleicht kannst du verstehen, was ich meine, wenn du dir vorstellst, du säßest in einem Konzert. Ein wunderschönes Klavierkonzert von Rachmaninov. Aber jedesmal, wenn der Pinanist ein A spielt, zieht es dir schmerzhaft an den Haaren. Wie lange meinst du wohl, bleibst du im Konzertsaal sitzen?

Das kann ich so etwas besser verstehen. Du hast mich auf jeden Fall dafür sensibilisiert und ich werde künftig besser darauf achten. :)
Titel: Re: Verben des Sprechens nach wörtlicher Rede
Beitrag von: Philian am 16. September 2018, 17:51:41
Das kann ich so etwas besser verstehen. Du hast mich auf jeden Fall dafür sensibilisiert und ich werde künftig besser darauf achten. :)

Küsschen für dich, Gilwen!
Ich liebe es, Überzeugungsarbeit zu leisten, hihi. ;D
Titel: Re: Verben des Sprechens nach wörtlicher Rede
Beitrag von: Gizmo am 16. September 2018, 17:54:40
Zitat
"Nun komm schon", versuchte er mich zu überzeugen.
Ehrlich gesagt wäre ich von mir aus niemals auf den Gedanken gekommen, dass dies falsch ist, aber man lernt immer dazu. Wenn es grammatikalisch untragbar ist, weil man 'versuchend' eben nichts sagen kann, würde ich es aber nicht verwenden.

Zitat
"Das sollten wir uns noch einmal überlegen", wandte er ein.
Dieses Beispiel wäre für mich absolut in Ordnung, auch wenn es technisch gesehen falsch ist. Wer etwas einwendet, sagt etwas. Außerdem bietet sich so die Möglichkeit, mehr Abwechslung in den Dialog zu bringen.

Zur häufigen Verwendung von 'sagte' und 'fragte' habe ich ebenfalls gegensätzliche Meinungen gehört. In der Schule hat man mir beigebracht, beides zu meiden wie der Teufel das Weihwasser, später habe ich dann gelesen, dass sie sich als 'unauffällige' Verben anbieten, die man beim Lesen einfach ausblendet.
Ich selbst gehöre tatsächlich zu den Leuten, die 'sagte' und 'fragte' nicht wirklich wahrnehmen, allerdings nur, wenn sie sinnvoll eingesetzt sind. Für mich heißt das z.B.: Ich habe einen Dialog mit vielen Personen, die sich in einer Diskussion befinden. Es geht hin und her, und teilweise unterbrechen sich die Charaktere oder reden gegeneinander. Ich muss klarmachen, wer gerade einen bestimmten Satz spricht, und 'sagte' ist das unaufdringliche Verb, mit dem ich diese Information übermittle. Das sorgt auch dafür, dass ich andere Verben des Sprechens in der Diskussion nicht zu oft verwende und damit abnutze.

Sicherlich reagiert nicht jeder so empfindlich darauf, wie ich. [...] Ein wunderschönes Klavierkonzert von Rachmaninov. Aber jedesmal, wenn der Pinanist ein A spielt, zieht es dir schmerzhaft an den Haaren. Wie lange meinst du wohl, bleibst du im Konzertsaal sitzen?

Das ist ein guter Punkt, jeder reagiert unterschiedlich. Um bei deinem Beispiel mit der Musik zu bleiben: Eine Freundin zeigte mir ein Lied, dessen Ende aus einem Instrumentalstück besteht. Mit jedem Durchlauf der Akkordfolge weicht ein Instrument einen Halbton ab, bis am Ende nichts mehr zusammenpasst. Ich kann dieses Lied nicht bis zum Schluss hören, weil ich das nicht ertrage. Sie hingegen hat damit überhaupt kein Problem, sie mag das Ende sogar.
So ist das bei unserem Thema auch. Mich stören deine Beispiele überhaupt nicht, du aber bekommst das kalte Grausen. Interessante Fragen für uns wären daher auch: Wie viele Leute stören sich daran? Wie vielen fällt es überhaupt auf? Wie vielen gefällt es vielleicht sogar?
Titel: Re: Verben des Sprechens nach wörtlicher Rede
Beitrag von: Philian am 16. September 2018, 18:05:26
Das ist ein guter Punkt, jeder reagiert unterschiedlich. Um bei deinem Beispiel mit der Musik zu bleiben: Eine Freundin zeigte mir ein Lied, dessen Ende aus einem Instrumentalstück besteht. Mit jedem Durchlauf der Akkordfolge weicht ein Instrument einen Halbton ab, bis am Ende nichts mehr zusammenpasst. Ich kann dieses Lied nicht bis zum Schluss hören, weil ich das nicht ertrage. Sie hingegen hat damit überhaupt kein Problem, sie mag das Ende sogar.
So ist das bei unserem Thema auch. Mich stören deine Beispiele überhaupt nicht, du aber bekommst das kalte Grausen. Interessante Fragen für uns wären daher auch: Wie viele Leute stören sich daran? Wie vielen fällt es überhaupt auf? Wie vielen gefällt es vielleicht sogar?
Oh ja, lass uns das herausfinden,Gizmo. Sollen wir eine Umfrage starten? Damit erfassen wir zwar nur Autoren, aber ich vermute mal, dass es denen auch am ehesten aufstößt, oder?
Titel: Re: Verben des Sprechens nach wörtlicher Rede
Beitrag von: Christopher am 16. September 2018, 18:30:23
Zur häufigen Verwendung von 'sagte' und 'fragte' habe ich ebenfalls gegensätzliche Meinungen gehört. In der Schule hat man mir beigebracht, beides zu meiden wie der Teufel das Weihwasser, später habe ich dann gelesen, dass sie sich als 'unauffällige' Verben anbieten, die man beim Lesen einfach ausblendet.

Auf das, was man in der Schule so lernt, würde ich nicht allzu viel geben. Eine solide Grundlage für Grammatik, Wortschatz und co. Aber Tipps wie man einen guten Text schreibt? Fehlanzeige. Zumindest bei mir. In der Schule wurde mir (wie vermutlich allen) auch eingebläut, ein Komma vor einem Und wäre ganz, ganz schlechter Stil. Dabei ist gerade das Komma vor dem Und manchmal absolut notwendig.

Zurück zum Thema:
Wir sind und sicherlich einig, dass solche Anhänge der wörtlichen Rede vermieden werden sollten, die klar gegen "show dont tell" verstoßen. Ebenso eine übertriebene Häufung von "...sagte er."
Die Kunst ist in meinen Augen, gerade so viele davon zu verwenden wie nötig, aber eben nicht mehr. Und wo immer es geht, bevorzuge ich das von @Sprotte beschriebene Beispiel. Anstatt einen Inquit o.ä. zu verwenden, lasse ich die Figur handeln, zeige damit klar, wer spricht und bringe noch etwas mehr Dynamik in den Dialog, der ohne so etwas ein plumper Wechsel von Sprachbeiträgen wäre.
Titel: Re: Verben des Sprechens nach wörtlicher Rede
Beitrag von: Gilwen am 16. September 2018, 18:56:33
Ich liebe es, Überzeugungsarbeit zu leisten, hihi. ;D

Sensibilisiert bin ich, überzeugt nicht  ;D :knuddel:

Wir sind und sicherlich einig, dass solche Anhänge der wörtlichen Rede vermieden werden sollten, die klar gegen "show dont tell" verstoßen. Ebenso eine übertriebene Häufung von "...sagte er."
Die Kunst ist in meinen Augen, gerade so viele davon zu verwenden wie nötig, aber eben nicht mehr. Und wo immer es geht, bevorzuge ich das von @Sprotte beschriebene Beispiel. Anstatt einen Inquit o.ä. zu verwenden, lasse ich die Figur handeln, zeige damit klar, wer spricht und bringe noch etwas mehr Dynamik in den Dialog, der ohne so etwas ein plumper Wechsel von Sprachbeiträgen wäre.

Das würde ich genau so unterschreiben :)
Titel: Re: Verben des Sprechens nach wörtlicher Rede
Beitrag von: Philian am 16. September 2018, 19:52:59
Sensibilisiert bin ich, überzeugt nicht  ;D :knuddel:

Ach man, Gilwen, zerstör mir doch nicht meinen Triumph! Jetzt hab ich mich schon sooo gefreut. :'(

Aber sensibilisieren ist besser als gar nichts. ;D
Titel: Re: Verben des Sprechens nach wörtlicher Rede
Beitrag von: Alana am 16. September 2018, 20:49:32
Ich war da früher auch sehr streng, ebenso wie bei vielen anderen Dingen. Wahrscheinlich ist es auch ganz gut, wenn man als Autor mal so eine Phase durchmacht, in der man mit diesen Dingen wirklich ganz streng ist. Denn man sollte diese Dinge wissen, sie beherrschen und vor allem dafür sensibel sein. Mittlerweile bin ich an einem Punkt angekommen, wo sich bei mir alles der Wirkung im Text unterordnet. Auch die Grammatik. Wenn ich also der Meinung bin, dass eine Formulierung, obwohl sie streng genommen nicht korrekt ist, dem Text an dieser Stelle die beste Wirkung verleiht, und es keine andere korrekte Formulierung gibt, die das genauso gut kann, dann darf sie stehen bleiben. Ein ", lachte er wird man bei mir trotzdem nie finden, weil sich mir da die Zehennägel aufrollen und ich auch nicht finde, dass das die beste Art ist, das auszudrücken.
Titel: Re: Verben des Sprechens nach wörtlicher Rede
Beitrag von: Churke am 17. September 2018, 10:23:46
Das kleine Inquit, japp.

Es ist das Einzige, das mit Komma an die wörtliche Rede angehängt werden darf, das Einzige, das mit Doppelpunkt vor der wörtlichen Rede stehen darf. Tätigkeiten, die tatsächlich Worte hervorbringen können.

Wenn ich alte Bücher lese, fällt mir immer wieder auf, in welchem Ausmaß heutige Lektoren die Romane verhunzt haben.  ::)
Wörtliche Rede wird bei namhaften Autoren seit mindestens 200 Jahren gegrinst. Die physikalischen Unmöglichkeit gehört zu Metaphern nun mal dazu.



Titel: Re: Verben des Sprechens nach wörtlicher Rede
Beitrag von: HSB am 17. September 2018, 10:47:45
Wenn ich alte Bücher lese, fällt mir immer wieder auf, in welchem Ausmaß heutige Lektoren die Romane verhunzt haben.  ::)
Regelhörigkeit ist ein deutsches Phänomen. Alles muss ganz exakt sein und darf nicht abweichen von dem, was das geheime Gremium (das niemals benannt wird) beschlossen hat. Oft frage ich mich, ob das ein Grund dafür ist, dass deutsche Romane so selten übersetzt werden. Ich meine, wenn ich z.B. Grisham oder Ludlum lese, da wird jede Figur erstmal mit einer halben Seite Biografie eingeführt, alles wird viel lockerer erzählt - würde jeder deutsche Lektor zerreißen.

Unabhängig davon, finde ich aber Sätze wie diesen hier furchtbar:
Zitat
"Das schmeckt gut", aß er weiter

Stilfrage. Was ich aber noch viel schlimmner finde, ist der eingangs erwähnte Erklärbär:
Zitat
"Ich freue mich so", freute er sich.

Das eine ist eine Stilfrage und sei jedem selbst überlassen. Das andere ist einfach nur ... blöd :-)

Und es sollte ein Ansporn für jeden Autoren sein, die Dialoge derart zu gestalten, dass Aussage und Stimmung dabei rüberkommen, ohne dass der Erzähler bemüht werden muss, das Gesagte noch einmal zu erklären. Hier ist es gut, hauptsächlich "sagte" zu verwenden, denn dann sieht man, ob die wörtliche Rede vermittelt, was sie soll.
Titel: Re: Verben des Sprechens nach wörtlicher Rede
Beitrag von: Araluen am 17. September 2018, 20:12:15
Aus diesem Grund schreibe ich wörtliche Rede erst komplett ohne Inquits mitlerweile und füge selbige bei Bedarf in der Überarbeitung ein zum Zwevk der Übersicht oder eben kurze Handlungseinschübe zum Auflockern.
Titel: Re: Verben des Sprechens nach wörtlicher Rede
Beitrag von: Philian am 17. September 2018, 21:04:04
Aus diesem Grund schreibe ich wörtliche Rede erst komplett ohne Inquits mitlerweile und füge selbige bei Bedarf in der Überarbeitung ein zum Zwevk der Übersicht oder eben kurze Handlungseinschübe zum Auflockern.
Eine interessante Methode. Und du schreibst wirklich nicht hin, was die Leute tun, oder denken? Das fügst du erst hinterher ein?
Wenn ich eine Szene schreibe, habe ich das Geschehen immer vor Augen. Ich müsste mich verbiegen, wenn ich es nicht auch gleich mit aufschreiben würde.
Titel: Re: Verben des Sprechens nach wörtlicher Rede
Beitrag von: Araluen am 17. September 2018, 23:10:26
Wenn die Figuren dabei etwas für die Handlung essenzielles tun, schreibe ich es mit hin. Ansonsten bleibe ich ganz auf den Dialog fokussiert. Wenn ich den Dialog später überarbeite und er gut geworden ist, baut sich die Szene von selbst auf und ich kann die "Regielücken" einsetzen. Da hilft es, dass ich eine Zeit lang in Drehbuchform geschrieben hab.
Beschreibungen jeglicher Art finde ich beim Schreiben von Dialogen mehr als müßig und rauben mir die Dynamik.
Titel: Re: Verben des Sprechens nach wörtlicher Rede
Beitrag von: Philian am 18. September 2018, 06:36:39
Wenn die Figuren dabei etwas für die Handlung essenzielles tun, schreibe ich es mit hin. Ansonsten bleibe ich ganz auf den Dialog fokussiert. Wenn ich den Dialog später überarbeite und er gut geworden ist, baut sich die Szene von selbst auf und ich kann die "Regielücken" einsetzen. Da hilft es, dass ich eine Zeit lang in Drehbuchform geschrieben hab.
Beschreibungen jeglicher Art finde ich beim Schreiben von Dialogen mehr als müßig und rauben mir die Dynamik.
So klingt das schon ganz anders und ich kann verstehen, was du meinst.
Tatsächlich füge auch ich manchmal noch im Nachhinein dazu, wohin sich die Figuren bewegen, um den Dialog, wenn er denn lang geworden ist, abwechslungsreicher zu gestalten.
Problem dabei:
Wenn man später erneut an den Dialog geht um irgendetwas zu verändern, steht die Person plötzlich zwei Mal auf, obwohl sie doch bereits im Raum umherwandert. Dem versuche ich manchmal zu begegnen, indem ich die 'Regieanweisungen' in Gelb hervorhebe. Dann kann ich die Stimmigkeit der Handlungen überprüfen, ohne den Dialog zu lesen. Allerdings ist dies recht mühsam. Hat jemand von euch eine bessere Methode?
Titel: Re: Verben des Sprechens nach wörtlicher Rede
Beitrag von: Gilwen am 18. September 2018, 08:53:12
Ich mache es meistens so, dass ich den Dialog als Ganzes runterschreibe, also mit den "Regieanweisungen" zusammen. Wenn mir ein Dialog ganz besonders schwer fällt, skizziere ich ihn vorher grob im Notizbuch, und ich schreibe mir auch oft auf, wo ich in diesem Gespräch hin möchte. Das klappt oft, manchmal machen mir meine Figuren allerdings einen Strich durch die Rechnung ;D
Mir persönlich fällt es immer schwer, hinterher noch etwas in ein Gespräch einzufügen. Ich mache viel auch nonverbal über Gestik und Mimik, und wenn ich das hinterher erst mache, wirkt das Gespräch schnell hölzern.
Titel: Re: Verben des Sprechens nach wörtlicher Rede
Beitrag von: Gizmo am 18. September 2018, 14:14:26
Bei mir kommt es auf die Art des Dialogs an. Schreibe ich ein sehr emotionales Gespräch oder hitziges Wortgefecht, lasse ich oft zunächst alles außer der eigentlichen wörtlichen Rede weg. Auf diese Art fällt es mir leichter, den Wortwechsel natürlicher zu halten und zu überprüfen, ob die Antworten zu den vorangegangenen Aussagen passen. Körpersprache usw. füge ich dann anschließend ein. Handelt es sich stattdessen um ein 'normales' Gespräch, schreibe ich in der Regel alles auf einmal runter.

Im ersten Entwurf mache ich mir keine Gedanken darum, ob ich Wortwiederholungen im Text habe, jemand z.B. doppelt aufsteht oder plötzlich auf einem anderen Stuhl sitzt als zuvor. Solche Fehler entdecke ich bei der Überarbeitung, wenn ich mir bereits recht sicher bin, dass die gesprochenen Teile der Szene zum Großteil so sind, wie ich sie haben will. Was ich dann immer noch übersehe, erwischen in der Regel meine Testleser. :)
Titel: Re: Verben des Sprechens nach wörtlicher Rede
Beitrag von: chaosqueen am 18. September 2018, 21:17:22
OT: Liebe @Philian, Nachrichten an Sprotte sind toll, aber wenn Du möchtest, dass ein Mod einen überflüssigen Beitrag löscht, dann schick lieber einem von uns eine PN mit Link zum Beitrag, dann verschwinden die auch ganz fix und wie von Zauberhand! ;)

Und wie Sprotte schon erwähnt hat, haben wir ganz bewusst die Möglichkeit abgeschaltet, den eigenen Beitrag zu löschen, weil wir zwar Käse mögen, aber nicht käselöchrige Threads. ;)
Titel: Re: Verben des Sprechens nach wörtlicher Rede
Beitrag von: Fledermaus am 18. September 2018, 21:20:18
Spannend, hier die unterschiedlichen Meinungen zu lesen. Ich persönlich denke, im Endeffekt ist die Mischung wichtig. Es wird (finde ich) mühsam zu lesen, wenn jeder Dialog gleich aufgebaut ist.

Derzeit übersetze ich viel (von Englisch auf Deutsch) und mir kommt irgendwie vor, derzeit ist es bei englischsprachigen Autoren üblich, kaum noch Sprechverben zu verwenden, sondern dazwischen irgendeine Handlung desjenigen, der spricht, einzustreuen. Interessanterweise finde ich das auf Englisch nicht so störend wie auf Deutsch :hmmm: Bin mir auch nicht sicher warum, aber es liest sich auf Deutsch einfach so "abgehackt", finde ich.

Solche Einstreuungen können dann ca. so klingen: 
"Blabla." Hans ging zum Schreibtisch. "Blablabla." Er nahm seinen Locher. "Bla." Er heftete ein paar Dokumente zusammen. "Blablabla."
Peter kratze sich am Kinn. "Bla." Er stand auf. "Blabla." Er ging im Zimmer herum.
Und da finde ich irgendwie, dass zu wenig Abwechslung drin ist, es wird monoton. Irgendwann beginnt man, das zwischen der wörtlichen Rede zu überlesen, und ist verwirrt, wenn doch mal irgendetwas wichtiges drin war. Ein bisschen Abwechslung zwischendrin lockert das dann auf.

Grundsätzlich versuche ich immer, wirklich nur Verben des Sprechens zu verwenden (also kein "nickte er", "grinste sie" etc.) Aber ich muss zugeben, dass ich z.B. ein Fan von "fauchen", zischen", knurren", etc. bin, solange es nicht zu viel wird ;D Auch sowas wie "wiederholte ich" usw. finde ich nicht schlimm, wenn es nicht ständig gebraucht wird. Holprig soll es eben nicht klingen.
Titel: Re: Verben des Sprechens nach wörtlicher Rede
Beitrag von: Alia am 19. September 2018, 08:39:55
Ich bin ein Fan vom kleinen Inquit. Meist beschränke ich mich bei den Verben auf "sagte er/sie". Da Text in Anführungszeichen ja immer gesprochen wird, ist das oft auch überflüssig. Solange erkennbar ist, wer redet, muss der Zusatz nicht sein und dann fliegt er.

Geflüstert, gehaucht, gestöhnt, gewispert, etc. wird nur sehr wenig und nur dann, wenn dieser Zusatz wichtig ist und sich der Effekt nicht anders erreichen lässt.
Aktuell habe ich ein Projekt, bei dem beide Protas eine gemeinsame Sprache sprechen, aber die Heldin noch eine zweite, die er nicht versteht. Wenn ich bei ihm im Kopf stecke, bin ich oft bei "Sie zischte ein Wort auf [Sprache]" Da hier ja nicht klar ist, was gesagt wurde, ist die Information, wie es gesagt wurde wichtiger und kommt in den Text.

Am Schlimmsten finde ich, wenn bei einem normalen Gespräch alle möglichen Verben aus dem Hut gezaubert werden. Man sitzt am Esstisch und spricht darüber wer die Knder von der Schule holt. Sie stöhnt, er grinst, sie flüstert, er haucht, sie erwidert, er tadelt. Nein - so lieber nicht.

Ähnlich grausam finde ich, wenn man die kuriosesten Bezeichnungen für eine Person oder Sache findet, nur um Wortwiederholungen zu vermeiden. Er/sie/es sind zB Wörter die man m.E. ruhig häufig benutzen kann, ohne dass es komisch wird.

Die "Einstreuungen" finde ich extrem wichtig.  Einfach nur Füllmaterial ist das eben nicht. Ich finde es verschwendete Worte, wenn man "irgendwas" zwischen den Dialog packt, nur um da etwas stehen zu haben, das zeigt, wer redet.
Dieser Füllstoff hat so viele Möglichkeiten: Körpersprache kann das Innenleben der Personen zeigen, die mit der/dem Prota reden. Die Innenansichten der Protas während dem Gespräch zeigen innere Konflikte oder Entwicklungen. Man kann mit der Beschreibung von Handlungen Stimmungen erzeugen, Alltag der Protas zeigen, den versteckten Konflikt auf einer anderen Ebene darstellen. Oder auch andersherum: Die Protas zoffen sich, die Handlung/die Innenansicht zeigt aber, dass sie sich sehr zueinander hingezogen fühlen.
Titel: Re: Verben des Sprechens nach wörtlicher Rede
Beitrag von: Anjana am 19. September 2018, 09:43:27
Das ist wirklich interessant, wie die Meinungen dazu sind. Ich glaube, ich habe noch nie "sagte" als Inquit benutzt und wenn ich das in einem Buch lese, dann ist bei mir die Wahrscheinlichkeit hoch, dass es zugeklappt wird, weil ich dann das Gefühl habe, den Aufsatz eines Viertklässers zu lesen, der einfach nicht genug Wortschatz hat, um ein präzises Verb zu finden. Insbesondere, wenn es zweimal direkt nacheinander passiert :versteck:
Bei mir wird manchmal ein Inquit verwendet, dass das gesprochene zusätzlich charakterisiert und ich finde, dass fauchen, knurren, zischen usw einfach präzisere Synonyme zu sagen sind. Auch wenn das durch den umliegenden Text ohnehin deutlich werden soll, braucht die Sprachmelodie für mich manchmal einfach diese Formulierungen. Und da ich denke, dass einfache Leser stärker auf die Gesamtmelodie achten als auf die Regeln über die wir Autoren uns die Köpfe zerbrechen, ist die für mich im Zweifelsfall immer wichtiger. In der Regel benutze ich allerdings gar keine Inquits, sondern Handlungen oder Beschreibungen um klar zu machen wer spricht. Lediglich geantwortet wird bei mir häufiger, wenn sich der Dialog nicht durch besondere Emotionen auszeichnet. Das ist bei mir auch das einzige Inquit über das ich hinweglese. Am besten finde ich Dialoge aber inzwischen wirklich, wenn kaum Inquits nötig sind, weil sich die Szene im Kopf so entfaltet, dass die Rede gleichwertig neben der Handlung stehen kann und der Fokus eben immer irgendwie automatisch auf der sprechenden Person liegt.

Etwas zu grinsen ist allerdings so eine Sache. Für mich ist das sehr stimmig, wenn es etwas schelmisches ausdrücken soll, auch wenn es nicht eigentlich nicht optimal formuliert ist. Aber necken funktioniert da für mich nicht, weil ich das widerum als krasses tell empfinde und auch mehr ist, als in den entsprechenden Situationen wirklich passiert. Wenn es aber nicht diese ganz bestimmte Stimmung trifft, empfinde ich es auch als unpassend, eben weil grinsen ja eigentlich nicht die Stimme näher präzisiert, sondern einfach ein mimisches Signal ist.
Titel: Re: Verben des Sprechens nach wörtlicher Rede
Beitrag von: Alia am 19. September 2018, 10:08:20
Ich glaube, dass es dir nicht auffallen wird. Habe gerade mal den erstbesten Viertklässlerroman aus dem Regal gezogen (Vorsicht, Ironie! Buch und Autorin mag ich sehr!):
Zitat von: J.K. Rowling, Harry Potter
"Ich nehme an", sagte Mrs Dursley steif.
"Wie war noch mal sein Name? Howard, nicht wahr?"
"Harry. Ein hässlicher, gewöhnlicher Name, wenn du mich fragst."
"O ja", sagte Mr. Dursley und das Herz rutschte ihm in die Hose.

Ist nicht die einzige Stelle. z.B. die ersten Verben des Sprechens in dem Kapitel "Der Hüter der Schlüssel" im selben Buch:
sagte er dumpf
rief er
sagte der Fremde
sagte der Riese
sagte der Riese
sagte er
sagte der Riese
sagte der Riese
 ;)
Titel: Re: Verben des Sprechens nach wörtlicher Rede
Beitrag von: Felsenkatze am 19. September 2018, 10:14:45
Wobei es im Englischen üblicher ist, nur "sagte" zu nehmen, weil der Leser über "says" oder "said" wohl einfach hinwegliest, und es den Lesefluss nicht stört. Hat sogar Stephen King mal in seinem Schreibratgeber propagiert.
Deswegen kommt es in deutschen Übersetzungen von englischsprachigen Büchern so viel vor. Im Deutschen selbst wirkt es mMn nicht ganz so rund, also besser mal ein ursprünglich deutsches Beispiel raussuchen, wenn man selbst deutsch schreibt.
Titel: Re: Verben des Sprechens nach wörtlicher Rede
Beitrag von: Alia am 19. September 2018, 10:57:47
Okay, dann:
Heinrich Böll, Ansichten eines Clowns, die Verben des Sprechens im ersten Kapitel:
sagte er, sagte ich, sagte ich, und sagte, er sagte, ich sagte, murmelte er, sagte ich, und sagte, sagte ich, sagte er milde, sagte ich, und sagte, rief ich, rief er, sagte ich, sagte er, brüllte ich

Franz Kafka, Die Verwandlung:
rief es, zu sagen, rief er, antwortete Gregor, flüsterte die Schwester, sagte er sich, sagte er sich, sagte er sich, sagte sich, sagte der Prokurist, flüsterte die Schwester, sagte Gregor, sagte nun der Vater, rief der Prokurist, sagte die Mutter, sagte Gregor, sagte der Prokurist, fragte der Vater, sagte Gregor

Auch hier: Es wird hauptsächlich gesagt, gefragt und geantwortet.
Die anderen Verben verfolgen jeweils einen klaren Zweck:
Gerufen wird durch geschlossene Türen. (Und zwar von denen, die draußen stehen. Gregor und der Ich-Erzähler sagen die Antwort)
Das Flüstern der Schwester zeigt ihre Schüchternheit.
Gebrüllt wird, als die Situation eskaliert.
Das Murmeln unterbricht ein längeres Schweigen und zeigt, dass der Sprecher unwillig und leise spricht.
Das kommt alles nur dadurch zur Geltung, dass es aus dem normalen "sagte er" heraussticht.
Titel: Re: Verben des Sprechens nach wörtlicher Rede
Beitrag von: Anjana am 19. September 2018, 18:34:43
Zitat von: Alia
Ich glaube, dass es dir nicht auffallen wird. Habe gerade mal den erstbesten Viertklässlerroman aus dem Regal gezogen (Vorsicht, Ironie! Buch und Autorin mag ich sehr!):
Zitat von: J.K. Rowling, Harry Potter
"Ich nehme an", sagte Mrs Dursley steif.
"Wie war noch mal sein Name? Howard, nicht wahr?"
"Harry. Ein hässlicher, gewöhnlicher Name, wenn du mich fragst."
"O ja", sagte Mr. Dursley und das Herz rutschte ihm in die Hose.
Naja, hier ist es erstens ja nicht direkt hintereinander und zweitens stört mich das beim Lesen der Bücher inzwischen durchaus. Wobei ich darauf tatsächlich erst bewusst achte, seit ich selbst schreibe. Vorher wäre es mir vermutlich tatsächlich nicht aufgefallen. Wenn es alle paar Seiten mal einmal in einem Dialog auftaucht habe ich da auch kein Problem mit, wenn ich einen Text lese. Was ich aber inzwischen bei recht vielen deutschen Autoren in den Leseproben feststelle, ist das Inquit nach nahezu jeder Dialogzeile. Also in dem Beispiel mindesten noch ein sagte mehr, wenn nicht sogar jedesmal. Und das mag ich eben absolut nicht. Und sicherlich gibt es Ausnahmen, in denen mich etwas anderes so fesselt, dass ich nicht mehr jede Formulierung lese und dann über so etwas auch komplett hinweglese. Aber die sind inzwischen schon eher rar gesäht. Und wenn mich etwas anderes im Buch fesselt, dann kann ich mich sogar durch einen Fitzek quälen, bei dem es mir zum Beispiel bei mindestens jedem 2. Satz aufgrund des Stils die Fussnägel aufrollt. (okay, ich habe nur ein Buch komplett geschafft, aber immerhin). Dass es also Bücher gibt, die trotz einer Sache, die man nicht mag, funktionieren, heißt nicht, dass diese Sachen einem nicht auffallen. Und mir ist heute beim überprüfen eben aufgefallen, dass ich in der Schnellsuche durch die Dialoge bei mir selbst kein einziges sagte gefunden hab. Mir wurde das aber auch noch nie angemerkt und ich habe schon verdammt viele Testleser gehabt. Von daher geht es scheinbar eben doch auch mit den Synonymen und ohne sagte.
Und wie gesagt, ich denke, diesen krassen Fokus haben ausschließlich andere Autoren oder vielleicht Leser, die wegen bestimmter Formulierungen lesen. Aber die lesen auch komplett andere Sachen als ich. ;)
Zitat von: Alia
Heinrich Böll, Ansichten eines Clowns, die Verben des Sprechens im ersten Kapitel:
sagte er, sagte ich, sagte ich, und sagte, er sagte, ich sagte, murmelte er, sagte ich, und sagte, sagte ich, sagte er milde, sagte ich, und sagte, rief ich, rief er, sagte ich, sagte er, brüllte ich

Franz Kafka, Die Verwandlung:
rief es, zu sagen, rief er, antwortete Gregor, flüsterte die Schwester, sagte er sich, sagte er sich, sagte er sich, sagte sich, sagte der Prokurist, flüsterte die Schwester, sagte Gregor, sagte nun der Vater, rief der Prokurist, sagte die Mutter, sagte Gregor, sagte der Prokurist, fragte der Vater, sagte Gregor
Ja, die fand ich auch schon immer unlesbar^^ Nur weil eine große Masse etwas als Klassiker oder guten Stil deklariert, ist das für mich aber auch noch lange kein objektives Kritierium oder eine gültige Wahrheit, bzw. Regel der ich folgen muss. Ich weiß, ich stehe mit dieser Meinung recht alleine da, aber ich wollte ja auch nur mal einwerfen, dass es durchaus auch ganz andere Empfindungen geben kann. Ich gebe aber auch gern zu, dass ich bei allem, was als Regel bezeichnet wird oder bei Geschmacks-, bzw. Gewohnheitsfragen das eine als besser als das andere betrachtet wird, einen extremen Widerwillen verspüre und ohnehin bei extrem vielen Sachen anders ticke als die Mehrheit der Menschen in meinem Umfeld.

Und ganz grundsätzlich finde ich es auch sehr schade, dass ich bei so vielen Autoren das Gefühl habe, ich könnte die Texte einfach austauschen, weil sie eben keine Ecken und Kanten mehr haben, sondern irgendwie alle nach demselben Rezept geschrieben wirken. Und leider trifft das aktuelle Rezept vieler deutscher Autoren einfach nicht meinen Geschmack. :/ (Auch wenn ich inzwischen doch einige wenige Perlen gefunden habe, bei denen das anders ist und die den Mut haben, einen klaren eigenen Stil zu verfolgen.)

Zitat von: Alia
Solange erkennbar ist, wer redet, muss der Zusatz nicht sein und dann fliegt er.
Darauf kann ich mich mit dir allerdings sehr gut einigen. Das handhabe ich genauso ;)
Titel: Re: Verben des Sprechens nach wörtlicher Rede
Beitrag von: Philian am 20. September 2018, 09:22:50
@ Anjana
Dein Beitrag hat mich nun tatsächlich etwas überrascht. Ich habe mich so total darauf verlassen, dass es stimmt, wenn die Schreibratgeber vermitteln: benutze ruhig 'sagte', denn darüber liest der Leser einfach hinweg. Bei dir funktioniert das offensichtlich nicht so.

Demzufolge ist der andere Hinweis, das 'sagte' noch etwas zu spezifizieren, nicht falsch gewesen. Gehe ich recht in der Annahme, dass dich ein ("...", sagte er zögernd) nicht so stören würde? Ein ("...", zögerte er kurz) jedenfalls wäre grauenvoll. Alternativ wäre noch ein: (XY wandte sich ab und sprach zum Fenster hinaus) möglich, um die Unwilligkeit, mit der der Sprecher seine Worte hervorbringt zu unterstreichen. Da hier aber ebenfalls das Verb 'sprechen' auftaucht, kann ich mir das auch sparen.

Einig sind wir uns sicher alle, dass der Hinweis auf den Sprecher nur dann gegeben werden muss, wenn er nötig ist, weil der Leser ansonsten abzählen muss, wer denn jetzt gerade mit Sprechen an der Reihe ist. Dass dich ein 'sagte' nach jedem Satz ärgert, kann ich total nachvollziehen. Das würde mir auch nicht gefallen.

Etwas im Zweifel bin ich noch, wenn es darum geht, ob ein: 'hauchte sie', 'zischte er' im Gegensatz zum 'sagte er' so viel Aufmerksamkeit des Lesers auf sich lenkt, dass es vom Eigentlichen - dem Gesprochenen - ablenkt. Ich habe dahingehende Warnungen gelesen, ertappe mich aber selbst dabei, dass ich lieber ein 'stöhnte er' verwende, als ein unspezifisches 'sagte er'.
Titel: Re: Verben des Sprechens nach wörtlicher Rede
Beitrag von: Felsenkatze am 20. September 2018, 09:27:14
@ Anjana
Dein Beitrag hat mich nun tatsächlich etwas überrascht. Ich habe mich so total darauf verlassen, dass es stimmt, wenn die Schreibratgeber vermitteln: benutze ruhig 'sagte', denn darüber liest der Leser einfach hinweg. Bei dir funktioniert das offensichtlich nicht so.


Welcher Ratgeber war das denn? Falls es eine Übersetzung aus dem Englischen ist, dann ist die Aussage in ihrer Ursprungssprache richtig. Wie schon gesagt: Der Engländer/Amerikaner liest über "said" leichter hinweg als der Deutsche über "sagte". Da funktioniert unsere Sprachauffassung halt ein bisschen anders.
Titel: Re: Verben des Sprechens nach wörtlicher Rede
Beitrag von: Anjana am 20. September 2018, 09:47:55
Huhu Philian

Demzufolge ist der andere Hinweis, das 'sagte' noch etwas zu spezifizieren, nicht falsch gewesen. Gehe ich recht in der Annahme, dass dich ein ("...", sagte er zögernd) nicht so stören würde? Ein ("...", zögerte er kurz) jedenfalls wäre grauenvoll. Alternativ wäre noch ein: (XY wandte sich ab und sprach zum Fenster hinaus) möglich, um die Unwilligkeit, mit der der Sprecher seine Worte hervorbringt zu unterstreichen. Da hier aber ebenfalls das Verb 'sprechen' auftaucht, kann ich mir das auch sparen.
sagte er zögernd würde mich tatsächlich nicht ganz so stören wie ein einfaches sagte. Aber auch hier finde ich das Inquit völlig überflüssig, denn dass er etwas sagt ist bereits eindeutig klar. Die wichtige Information, die transportiert werden soll, ist das Zögern. Ich persönlich fände also die Variante "...", er zögerte, "..." oder "...", er zögerte und wandte sich zum Fenster deutlich besser. Wobei daaber  sicher auch Gewohnheit der Sprachmelodie eine Rolle spielt und es hier vermutlich eben auch Leser/Autoren gibt, denen in den Versionen etwas fehlt.

Zitat von: Philian
Etwas im Zweifel bin ich noch, wenn es darum geht, ob ein: 'hauchte sie', 'zischte er' im Gegensatz zum 'sagte er' so viel Aufmerksamkeit des Lesers auf sich lenkt, dass es vom Eigentlichen - dem Gesprochenen - ablenkt. Ich habe dahingehende Warnungen gelesen, ertappe mich aber selbst dabei, dass ich lieber ein 'stöhnte er' verwende, als ein unspezifisches 'sagte er'.
Meine persönliche Herangehensweise ist die: Wenn ich etwas krampfhaft mache um etwas anderes zu vermeiden, dann ist die gefahr groß, dass der Leser diese Unstimmigkeit merkt. Das kann durchaus mal in einer Phase sinnvoll sein, in der ich mir Macken abtrainiere oder verschiedenes ausprobiere um das optimale Verhältnis zu finden. Im weiteren Verlauf sollte es sich aber so in den eigenen Schreibstil integrieren, dass ich automatisch das passende Verb finde. Und man kann in sehr vielen Fällen das Inquit im Grunde einfach weglassen, weil es eine Information, die längst im Text vorhanden ist einfach nur noch mal ausspricht.
Im Zweifelsfall die eigenen Texte einfach mal radikal verändern, etwas liegen lassen und dann wieder drüberschauen. Alles, was du nach einigen Tagen/Wochen nicht instinktiv zurückänderst, war noch nicht optimal. Und dann nochmal beide Varianten vergleichen (Am besten geht das mit einem alten Text, den du als Experiment nutzt.) Dadurch kannst du dir recht gut eine erste eigene Meinung bilden. Und dann einfach mal Leser und vielleicht auch ein/zwei Autoren darauf ansetzen und sie den Text daraufhin lesen lassen (oder einfach nur so lesen lassen und alles anmerken lassen.)

Zitat von: Felsenkatze
Welcher Ratgeber war das denn? Falls es eine Übersetzung aus dem Englischen ist, dann ist die Aussage in ihrer Ursprungssprache richtig. Wie schon gesagt: Der Engländer/Amerikaner liest über "said" leichter hinweg als der Deutsche über "sagte". Da funktioniert unsere Sprachauffassung halt ein bisschen anders.
Ja, ich hab das in den einschlägigen deutschen Ratgebern auch bisher nie gelesen. Und auch in den Foren ist mir das bisher eher selten begegnet.Von daher vermute ich auch, dass das aus dem anglo-amerikanischen kommt. Und unterschiedliche Sprachen funktionieren einfach in manchen Dingen unterschiedlich. Wobei in den Reihen die ich so lese, die amerikanischen Autoren das Inquit auch meist weglassen.

Edit:

@Alana
Zitat von: Alana
Ich war da früher auch sehr streng, ebenso wie bei vielen anderen Dingen. Wahrscheinlich ist es auch ganz gut, wenn man als Autor mal so eine Phase durchmacht, in der man mit diesen Dingen wirklich ganz streng ist. Denn man sollte diese Dinge wissen, sie beherrschen und vor allem dafür sensibel sein. Mittlerweile bin ich an einem Punkt angekommen, wo sich bei mir alles der Wirkung im Text unterordnet. Auch die Grammatik. Wenn ich also der Meinung bin, dass eine Formulierung, obwohl sie streng genommen nicht korrekt ist, dem Text an dieser Stelle die beste Wirkung verleiht, und es keine andere korrekte Formulierung gibt, die das genauso gut kann, dann darf sie stehen bleiben.
Das würde ich auch so unterschreiben. Die Wirkung ist für mich letztlich auch das entscheidende. Das Dumme daran ist nur, dass wir in letzter Instanz nicht die Kontrolle darüber haben, ob wir bei anderen dieselbe Wirkung wie bei uns selbst erzielen. Aber gerade das macht ja auch eben den Autor aus. Wenn der Text auf mich ähnlich wirkt wie auf den Autor, dann wird er mir gefallen, ich werde vielleicht ein Fan und kaufe weitere Bücher. Wenn mein Kopfkino, meine Gewohnheiten oder meine Assoziationen anders sind, dann wird es nicht so gut passen. Das bedeutet aber nicht zwangsläufig, dass etwas besser oder schlechter sein muss.
Wobei es nie schadet bei Häufung von eigentlich falschen Texten nochmal zu prüfen ob es nicht doch noch einen besseren Weg gibt. Aber das tun wir ja alle unentwegt, wenn wir unsere Texte zu Betalesern oder Lektoren geben.
Titel: Re: Verben des Sprechens nach wörtlicher Rede
Beitrag von: FeeamPC am 20. September 2018, 16:50:48
Vergesst nicht, Sprache ist etwas, das ständig im Fluss ist und sich verändert. Jeder, der die Sprache benutzt, kann sie auch verändern. Das wird hingenommen, wenn man sich trotzdem untereinander versteht, und begrüßt, wenn es das Verständnis erleichtert oder verbessert. Am besten hat das ein gewisser Martin Luther gezeigt, dem es sogar gelang einen Standard für seine Zeit zu setzen. Aber selbst seine Standards waren nicht für die Ewigkeit, kein Mensch spricht und schreibt heute noch wie Luther.
Titel: Re: Verben des Sprechens nach wörtlicher Rede
Beitrag von: Trippelschritt am 20. September 2018, 17:37:11
Ich lese in der Tat über alle "sagte er/sie/es" hinweg und benutze es selber gern, um Sätze akzentuiert voneinander zu trennen. "Bla, bla, bla, bla", sagte sie. "Bla bla bla bla bla, bla bla bla bla." Die einzige Funktion des "sagte sie", liegt in der Satzmelodie. Warum ich das so machte? Für mich liest es sich so angenehmer. Das Bla-Beispiel hat vier Silben, deutliche Unterbrechung mit Neuanfang, 5 Silben (zwei lang, zwei kurz, eine lang, dann vier Silben.

Liebe Grüße
Trippelschritt
Titel: Re: Verben des Sprechens nach wörtlicher Rede
Beitrag von: Angela am 20. September 2018, 17:57:05
Ich bin auch ein großer Fan von Satzmelodie/Kapitelmelodie und mache auch deshalb gern einen beendenden Einschub, nachdem es wieder neu weitergeht. Es liest sich für mich einfacher.  Wichtig für die Handlung ist in dem Moment der gesprochene Teil. Solange der Rest also nicht dramatisch übertrieben wirkt, geht das alles.
Mich ärgert es weit mehr, wenn ich bei langen Gesprächen irgendwann nicht mehr weiß, wer was gesagt hat.

Bei: "Red red red", schmierte er sich ein Butterbrot, sehe ich es so, dass es eine abgekürzte Version von ...", sagte er und schmierte sich ein Butterbrot ist.
Titel: Re: Verben des Sprechens nach wörtlicher Rede
Beitrag von: caity am 20. September 2018, 18:14:27
Ich bin auch ein großer Fan von Satzmelodie/Kapitelmelodie und mache auch deshalb gern einen beendenden Einschub, nachdem es wieder neu weitergeht. Es liest sich für mich einfacher.  Wichtig für die Handlung ist in dem Moment der gesprochene Teil. Solange der Rest also nicht dramatisch übertrieben wirkt, geht das alles.
Mich ärgert es weit mehr, wenn ich bei langen Gesprächen irgendwann nicht mehr weiß, wer was gesagt hat.

Bei: "Red red red", schmierte er sich ein Butterbrot, sehe ich es so, dass es eine abgekürzte Version von ...", sagte er und schmierte sich ein Butterbrot ist.

Aber was spricht denn bei dem Beispiel dagegen, einfach "Red, red, red." Er schmierte sich ein Butterbrot. zu schreiben?
Titel: Re: Verben des Sprechens nach wörtlicher Rede
Beitrag von: FeeamPC am 20. September 2018, 19:47:24
Lediglich die Tatsache, dass es schlechter klingt.
Titel: Re: Verben des Sprechens nach wörtlicher Rede
Beitrag von: Shedzyala am 20. September 2018, 20:02:00
Lediglich die Tatsache, dass es schlechter klingt.

So subjektiv kann dieses Thema sein: Für mich klingt caitys Beispiel wesentlich besser. Bei "xxx", schmierte er sich ... quietscht bei mir die Satzmelodie.
Titel: Re: Verben des Sprechens nach wörtlicher Rede
Beitrag von: Angela am 20. September 2018, 20:36:29
Lediglich die Tatsache, dass es schlechter klingt.

So subjektiv kann dieses Thema sein: Für mich klingt caitys Beispiel wesentlich besser. Bei "xxx", schmierte er sich ... quietscht bei mir die Satzmelodie.
Ich würde das auch nicht schreiben, aber bei einem anderen Text mag das gehen, wenn auch nur ab und zu. Jeder entwickelt seine eigene Schreibmelodie.
Ich habe gerade ein (englisches) Jugendbuch abgebrochen, mit dem ich aus dem Grund nicht klarkam. Inhaltlich ging es, aber die Sätze waren mir zu abgehackt, unverbunden, durcheinander. Mehr wie Free Jazz. Andere empfinden es aber wohl anders, denn das Buch hat recht gute Bewertungen.
Titel: Re: Verben des Sprechens nach wörtlicher Rede
Beitrag von: Gizmo am 20. September 2018, 23:11:28
Ich denke, es hängt auch damit zusammen, wie man liest. Wenn ich ein Buch lese, geht es eher langsam voran, weil ich es selbst in meinem Kopf 'vorlese'. Sprich, mit Betonung, Pausen, unterschiedlichen Stimmen usw. Eine Freundin liest hingegen sehr schnell und völlig ohne Betonung, sie nimmt kaum mehr als die eigentlichen Worte wahr. Als wir darüber sprachen, hatte ich das Gefühl, ihr fallen deshalb Wortwiederholungen und fehlerhafte Grammatik stärker auf als mir. So wie sie lese ich nur, wenn ich meine Texte Korrekturlese und gezielt nach Fehlern suche.

Unsere Diskussion hat mich übrigens dazu animiert, mich in meinem Bekanntenkreis ein wenig umzuhören. Die meisten, die ich gefragt habe, nehmen Formulierungen wie 'lachte er' überhaupt nicht als problematisch wahr.
Über die Hälfte jedoch bemerkt es, wenn zu oft sagte / fragte auftaucht. Zumindest bei meinen Leuten scheint es allerdings in ihrer Schulzeit verwurzelt zu sein, wo sie lernten, dass dies einfach schlechter Stil sei. Ein Buch deswegen weggelegt hat jedoch noch keiner von ihnen.

Das ist natürlich nur der Eindruck aus meinem Bekanntenkreis, und deshalb in keiner Weise repräsentativ. Außerdem ist keiner meiner Leute selbst Autor, und nur eine hat einen Beruf, der tatsächlich etwas mit Sprache zu tun hat. Interessant waren die Gespräche für mich dennoch, weil ich mir vorher nie Gedanken über dieses Thema gemacht hatte.
Titel: Re: Verben des Sprechens nach wörtlicher Rede
Beitrag von: Araluen am 21. September 2018, 15:35:47
Ich würde die Meinung deines Bekanntenkreises jetzt nicht damit herunter spielen, dass er mit dem Schreiben als Handwerk nichts zu tun hat, @Gizmo. Schließlich ist das die Zielgruppe und deren Meinung fast noch wichtiger als Fachsimpelei.
Ich hab mich auch ein wenig umgehört. Grinste sie, lachte er, usw. wurde dabei als Kombination aus Sprechen und Mimik/Gestik aufgefasst. Sagte verschwindet dabei quasi in einer Ellipse. Für die Leser in meinem Umfeld ist klar, dass da unsichtbar noch ein Verb des Sprechens steht, was aber aus Gründen der Wortwiederholung weggelassen wird.
Ich kann mit dieser Art der Betrachtung gut leben, solange nicht ständig gegrinst wird. Die Dosis macht das Gift.
Titel: Re: Verben des Sprechens nach wörtlicher Rede
Beitrag von: Philian am 21. September 2018, 18:19:41
Das ist natürlich nur der Eindruck aus meinem Bekanntenkreis, und deshalb in keiner Weise repräsentativ. Außerdem ist keiner meiner Leute selbst Autor, und nur eine hat einen Beruf, der tatsächlich etwas mit Sprache zu tun hat. Interessant waren die Gespräche für mich dennoch, weil ich mir vorher nie Gedanken über dieses Thema gemacht hatte.

Freut mich, dass ich deine kleine Forschung anstoßen konnte, Gizmo. Das Ergebnis ist interessant, überrascht mich aber auch. Bekannterweise geht der Mensch von sich selbst aus und so ist es für mich schwer vorstellbar, dass jemand einen Schreibstil anders empfinden könnte, als ich, obwohl ich das in diversen Leserunden natürlich auch schon gemerkt habe. Doch Wissen und wirklich Nachvollziehen sind zwei Paar Schuhe.

Da erklärt die unterschiedliche Art des Lesens, von der du sprichst, schon noch mal einiges. Ich lese einen Text völlig unbetont in meinem Kopf. Das ist für mich die Voraussetzung, dass Bilder entstehen und ich in das Geschehen hineintauchen kann. Lese ich dagegen laut, kommt die Betonung automatisch dazu und ich merke, dass mir das nicht wirklich zusagt.

Zitat
Ich hab mich auch ein wenig umgehört. Grinste sie, lachte er, usw. wurde dabei als Kombination aus Sprechen und Mimik/Gestik aufgefasst. Sagte verschwindet dabei quasi in einer Ellipse. Für die Leser in meinem Umfeld ist klar, dass da unsichtbar noch ein Verb des Sprechens steht, was aber aus Gründen der Wortwiederholung weggelassen wird.

Das ist eine schöne Erklärung.
Titel: Re: Verben des Sprechens nach wörtlicher Rede
Beitrag von: Gizmo am 22. September 2018, 02:02:49
@Araluen:
Ich wollte die Meinung meiner Leute keinesfalls herunterspielen, da habe ich mich missverständlich ausgedrückt (Autoren und Sprache und so...). Denn es ist genau wie du sagst: Sie sind meine Zielgruppe. Mir ging es lediglich darum zu klarzustellen, welchen Hintergrund die Opfer meiner Umfrage haben und dass eine Umfrage mit acht bis zehn Teilnehmern eben nicht repräsentativ ist. :)
Dennoch ist es immer wieder interessant zu sehen, wie sich meine eigene Wahrnehmung eines Textes mittlerweile verändert hat.
Titel: Re: Verben des Sprechens nach wörtlicher Rede
Beitrag von: Trippelschritt am 22. September 2018, 07:33:53
Ich würde die Meinung deines Bekanntenkreises jetzt nicht damit herunter spielen, dass er mit dem Schreiben als Handwerk nichts zu tun hat, @Gizmo. Schließlich ist das die Zielgruppe und deren Meinung fast noch wichtiger als Fachsimpelei.
Ich hab mich auch ein wenig umgehört. Grinste sie, lachte er, usw. wurde dabei als Kombination aus Sprechen und Mimik/Gestik aufgefasst. Sagte verschwindet dabei quasi in einer Ellipse. Für die Leser in meinem Umfeld ist klar, dass da unsichtbar noch ein Verb des Sprechens steht, was aber aus Gründen der Wortwiederholung weggelassen wird.
Ich kann mit dieser Art der Betrachtung gut leben, solange nicht ständig gegrinst wird. Die Dosis macht das Gift.

Sprachpuristen scheint sich dabei der Magen umzudrehen, und auch ich mache es mittlerweile nicht mehr. Vor allem dann nicht, wenn die Mimik wirklich wichtig ist. Zum Beispiel "Bla bla bla." Er grinste während er sprach und XYZ wurde immer wütender. Er schien sie überhaupt nicht ernstzunehmen. Oder: "Bla, bla, bla." Er fand das ungeheuer erheiternd.

Außerdem entgehe ich so den Diskussionen mit meinen Lektoren, die wohl durchweg Sprachpuristen waren.  ;D

Liebe Grüße
Trippelschritt
Titel: Re: Verben des Sprechens nach wörtlicher Rede
Beitrag von: Zitkalasa am 22. September 2018, 14:23:10
Als Einwurf vom Spielfeldrand:

Zitat
(..) und XYZ wurde immer wütender. Er schien sie überhaupt nicht ernstzunehmen.

Wobei sich an dem Beispiel streiten lässt, ob dieser Satz nötig ist. Außer ich will, dass der Leser einer falschen Fährte aufsitzt, streiche ich solche Vermutungen des Perspektivträgers. Meiner Meinung nach blasen sie einen Text nur unnötig auf und stören mich persönlich mehr als allzu bunte Inquits. (Und den Tell-Anteil vorher könnte man auch schöner gestalten.)
Titel: Re: Verben des Sprechens nach wörtlicher Rede
Beitrag von: Trippelschritt am 22. September 2018, 15:20:30
Nimm die Beispielsätze nicht ernster, als sie gemeint sind. Dieser letzte Satz könnte zum Beipsiel auch als einzige Funktion haben, die Perspektive im Nachfolgesatz zu wechseln und das vorzubereiten. Es gibt da unzählige Möglichkeiten. Es ging mir nur darum, dass ein autor sich vorher entscheiden sollte, ob er der Beschreibung der Mimik viel oder kaum Bedeutung zumessen möchte. Ich gehöre zu der Gruppe von Schreibern und Lesern, die keine Probleme mit dem inquit haben, aber jeder Abweichung Aufmerksamkeit schenken. Wenn da also irgendwo steht ... grinste er ... dann fällt mir das auf und ich frage mich, warum grinst er denn nun? Und wenn da nix kommst, halte ich das für schwach geschrieben.

Aber ich möchte kein Grundsatzproblem daraus machen, weil das alles sehr viel mit den eigenen Lesegewohnheiten zu tun hat.

Liebe Grüße
Trippelschritt
Titel: Re: Verben des Sprechens nach wörtlicher Rede
Beitrag von: Philian am 22. September 2018, 16:51:07
Ich gehöre zu der Gruppe von Schreibern und Lesern, die keine Probleme mit dem inquit haben, aber jeder Abweichung Aufmerksamkeit schenken. Wenn da also irgendwo steht ... grinste er ... dann fällt mir das auf und ich frage mich, warum grinst er denn nun? Und wenn da nix kommst, halte ich das für schwach geschrieben.
@Trippelschritt Was müsste deiner Meinung nach denn hinter einem (...", grinste er) kommen?
Und müsste das, was du da gerne stehen hättest auch hinter der einfachen Bemerkung: (Er grinste.) kommen, oder machst du da einen Unterschied?

Ich frage mich übrigens schon die ganze Zeit, ob du dich deshalb Trippelschritt genannt hast, weil du so viel Wert auf die Satzmelodie legst.
Nicht, dass du damit allein stündest! Ich ertappe mich auch manchmal dabei, dass ich bestimmte Worte nur deshalb in einen Satz packe, weil sein Rhythmus dann für mich angenehmer ist, nicht, weil dieses Wort nötig wäre. Ja im Gegenteil, meist handelt es sich dabei dann um Füllwörter wie 'allerdings' oder 'ja' oder 'wohl'.
Titel: Re: Verben des Sprechens nach wörtlicher Rede
Beitrag von: Yvonne am 20. Oktober 2018, 12:54:15
Das letzte Mal, ich Internet habe um in Thread gestöbert habe, hatte er noch 2 Seiten. Wie schön, dass ich so viel nachlesen konnte. Aber das Thema ist ja auch sehr interessant!  :buch:

Wie eigentlich immer kommt es wirklich auf die Mischung und die Art und Weise an. Am allerbesten wäre es wirklich, wenn der Dialog so gut gemacht ist, dass der Leser auch so weiß, a) Wer was sagt und b) wie er was sagt (je nach Wortwahl merkt man schon, ob ein Satz eher normal oder eher gereizt gesagt wird. Zum Beispiel "Kommst du?" gegen "Jetzt komm doch schon!".

Ich merke als Leser, dass es mich nervt, wenn ich über eine Seite oder mehr Dialoge habe, wo dann nie dabei steht, wer das sagt. Selbst wenn das fünf Zeilen passt... sobald es einmal nicht passt, bin ich raus und dann springe ich zurück zum Anfang, um zu gucken, fast schon zu analysieren "Wer sagt jetzt was?" das wird besonders schwierig bei Autoren, die nicht jeden neuen Sprecher in eine neue Zeile schreiben.
Außerdem mag ich es nicht, wenn jede Dialogzeile mit Inquits wie "Zischen, knurren, flüstern etc." begleitet werden. Mal sehr gut, aber ständig bzw. nur nervt es, weil es auf mich zu bemüht wirkt und manchmal ein sagte (oder eben gar nichts) auch reichen würde. Wie gesagt, die Mischung.. :)

Beim Schreiben versuche ich diese Mischung hinzukriegen, aber ich merke auch, dass ich je nach Text, Charaktere und Situation zu dem ein oder anderen Extrem neigen kann. Entweder nur sagte oder ständig Inquits. Manchmal fehlt auch nur das passende Wort im Dialog selbst, um Inquits ganz weg zu lassen. Das muss die Überarbeitung dann ausbügeln.

Titel: Re: Verben des Sprechens nach wörtlicher Rede
Beitrag von: Vidora am 21. Oktober 2018, 10:11:07
Mich als Leser stören gelächelte Dialogzeilen. Wenn ich ausdrücken will, dass jemand lächelt, dann schreibe ich das ganz normal in den Text, ohne es als 'sagte'-Ersatz umzuformen. Ich versuche, sparsam damit umzugehen, und dem Leser schon durch die gewählten Worte klarzumachen, wer spricht und wie er es sagt, aber irgendwo ist da auch eine Grenze. Wenn es zu bemüht wirkt, stört es mich nämlich auch. Was nicht zu verachten ist, ist eine passende Formatierung. :) Wenn eine Person zweimal hintereinander spricht, setze ich das nicht auf eine neue Zeile, sondern in denselben Absatz.

Ich merke als Leser, dass es mich nervt, wenn ich über eine Seite oder mehr Dialoge habe, wo dann nie dabei steht, wer das sagt. Selbst wenn das fünf Zeilen passt... sobald es einmal nicht passt, bin ich raus und dann springe ich zurück zum Anfang, um zu gucken, fast schon zu analysieren "Wer sagt jetzt was?" das wird besonders schwierig bei Autoren, die nicht jeden neuen Sprecher in eine neue Zeile schreiben.

Geht mir genauso! Ich habe schon Schreibratgeber in der Hand gehabt, die es zum Non-Plus-Ultra erklärten, seitenlange Dialoge so zu schreiben, dass sie ganz ohne inquits auskommen. Ich finde schon, dass man durch Wortwahl und Formulierung so klar wie möglich herausstellen sollte, wer gerade spricht. Aber selbst wenn ich als Leser glaube, zu wissen, wer was sagt, ist es mir lieber wenn wenigstens alle paar Zeilen mal irgendwo ein Hinweis kommt, der mir sagt, dass ich noch richtig bin. Das macht es irgendwie entspannter für mich. Sonst kann es auch durchaus mal passieren, dass ich zurückgehe und sogar abzähle.
Titel: Re: Verben des Sprechens nach wörtlicher Rede
Beitrag von: Trippelschritt am 21. Oktober 2018, 11:06:22
Ich gehöre zu der Gruppe von Schreibern und Lesern, die keine Probleme mit dem inquit haben, aber jeder Abweichung Aufmerksamkeit schenken. Wenn da also irgendwo steht ... grinste er ... dann fällt mir das auf und ich frage mich, warum grinst er denn nun? Und wenn da nix kommst, halte ich das für schwach geschrieben.
@Trippelschritt Was müsste deiner Meinung nach denn hinter einem (...", grinste er) kommen?
Und müsste das, was du da gerne stehen hättest auch hinter der einfachen Bemerkung: (Er grinste.) kommen, oder machst du da einen Unterschied?

Ich frage mich übrigens schon die ganze Zeit, ob du dich deshalb Trippelschritt genannt hast, weil du so viel Wert auf die Satzmelodie legst.
Nicht, dass du damit allein stündest! Ich ertappe mich auch manchmal dabei, dass ich bestimmte Worte nur deshalb in einen Satz packe, weil sein Rhythmus dann für mich angenehmer ist, nicht, weil dieses Wort nötig wäre. Ja im Gegenteil, meist handelt es sich dabei dann um Füllwörter wie 'allerdings' oder 'ja' oder 'wohl'.

Oops, ich hatte völlig vergessen, dass ich hier etwas gepostet hatte und deshalb Deine Rückfrage völlig übersehen. Entschuldige.
... grinste er ... ist einfach schlechtes Deutsch. Korrekt wäre ein neuer Satz mit: Er grinste ihn an. Oder etwas Ähnlichem. Aber das meinte ich nicht in meinem Post. Mich stört auch das hundertste , sagte er/sie/es nicht, weil ich es einfach nicht bemerke. Jede Abweichung vom einfachen "sagte" hingegen fällt mir auf. Wenn gegrinst, gelächelt, geschrieen wird, dann versucht mein kopf auch zu verstehen, warum genau das da steht. Und nichts ist schlimmer, wenn ich mich fragen muss, warum der Spreche da jetzt grinst und ich den eindruck habe, er grinst nur, weil der Autor Abwechselung in der Wortwahl haben wollte.

Und als Letztes: Ja, ich lege sehr viel Wert auf Satzmelodie. Und das besonders in Dialogen. Und da habe ich auch keine Hemmungen für Füllwörter. Mit meinem Nick hat das allerdings nichts zu tun. Wahrscheinlich lag es daran, dass ich so gern in der Zeitung stehe udn da werde ich jetzt oft zitiert. "Schon wieder ein weiterer Trippelschritt auf dem Weg zum Erfolg." Ist doch toll, wo man uns Trippelschritte immer und überall findet. Und Trippelschritte sind auch viel häufiger als Sprünge. Hat nicht mal ein großer Mann festgestellt: "Wer seine Hosen hat runterlassen müssen, sollte keine großen Sprünge mehr versuchen."

In diesem Sinne
Trippelschritt
Titel: Re: Verben des Sprechens nach wörtlicher Rede
Beitrag von: Theophilus am 28. April 2019, 23:12:43
Ich würde die Meinung deines Bekanntenkreises jetzt nicht damit herunter spielen, dass er mit dem Schreiben als Handwerk nichts zu tun hat, @Gizmo. Schließlich ist das die Zielgruppe und deren Meinung fast noch wichtiger als Fachsimpelei.
Ich hab mich auch ein wenig umgehört. Grinste sie, lachte er, usw. wurde dabei als Kombination aus Sprechen und Mimik/Gestik aufgefasst. Sagte verschwindet dabei quasi in einer Ellipse. Für die Leser in meinem Umfeld ist klar, dass da unsichtbar noch ein Verb des Sprechens steht, was aber aus Gründen der Wortwiederholung weggelassen wird.
Ich kann mit dieser Art der Betrachtung gut leben, solange nicht ständig gegrinst wird. Die Dosis macht das Gift.

Sprachpuristen scheint sich dabei der Magen umzudrehen, und auch ich mache es mittlerweile nicht mehr. Vor allem dann nicht, wenn die Mimik wirklich wichtig ist. Zum Beispiel "Bla bla bla." Er grinste während er sprach und XYZ wurde immer wütender. Er schien sie überhaupt nicht ernstzunehmen. Oder: "Bla, bla, bla." Er fand das ungeheuer erheiternd.

Außerdem entgehe ich so den Diskussionen mit meinen Lektoren, die wohl durchweg Sprachpuristen waren.  ;D


Ich bin erst jetzt wieder wie schon vor ein paar Tagen auf diese Diskussion gestoßen und habe mich mal in der "großen Literatur" umgesehen, z.B. bei Altmeister Goethe oder Stefan Zweig und auch bei Franz Werfel.
Lese ich bei Franz Werfel eine Dialogpassage, so begegnen mir ein Mensch, der knurrt, oder jemand, der etwas in eine tiefe Stille hineinsagt.
Zitat: ... stemmte er die Fäuste in die Hüften, um dadurch seien überquellende Gestalt vorteilhafter herauszumodellieren, und wippte reitermäßig auf den Zehenspitzen: »Kinder, was macht ihr mir für Geschichten«, begann er väterlich ... (Das Franz Werfel Buch, S. 303)
Altmeister Goethe im 2. Buch des Wilhelm Meisters Wanderjahre lässt seine Figuren etwas erwidern, ausrufen, fortfahren, sprechen, versetzen (das sehr häufig) und natürlich sagen, das noch häufiger.
Stefan Zweig macht es in seinen Büchern sehr geschickt.
Bei ihm wird gelacht, da stellt sich jemand erschrocken, es springt einer auf, ein anderer protestiert und beim nächsten zittern die Nasenflügel.
Zweig schreibt dabei ganze Sätze, indem er die Verfassung der Person beschreibt und bringt dann im nächsten Satz den Dialoganteil.
Beispielzitat:
Er wollte protestieren.
»No, no, es ist ja nix dabei. Sag, Bubi, hast du eigentlich ein Verhältnis?«
Sie lachte ihn an und freute sich unbändig über seine Verwirrtheit. »Da schaut's her, rot wird er auch. ...«
...
Er sprang auf. »Und dann sag' mir nicht immer Bubi. Ich vertrag' das nicht.«
...
Seine Nasenflügel zitterten. »Hör auf damit, hab' ich dir gesagt. ...«

Auch das ist m.E. eine gelungene Version, einen Dialog zu führen. Jedenfalls werde ich mir das für meine weiteren Arbeiten als mögliche Dialogform merken.
Und um ehrlich zu sein, ich schreibe das, wovon ich überzeugt bin, dass es in meine Geschichte hineinpasst und die Situation so wiedergibt, wie ich sie verstanden haben möchte. Natürlich achte ich darauf, den Lesefluss "straff" zu halten und nicht durch zu viele Adverbien und ähnliches ins Stocken geraten zu lassen.
Titel: Re: Verben des Sprechens nach wörtlicher Rede
Beitrag von: Trippelschritt am 05. Juni 2019, 16:52:28
Das sind hervorragende Beispiele. Und "begann" oder "fuhr er fort" sind meines Erachtens durchaus erlaubt. Jedenfalls rührt sich mein Bauch nicht dabei, wenn ich es lese. "Haha, hihi", lachte er. Das erscheint mir sinnvoll. "Ich muss zum Becker", lachte er. Ich kann mir nicht vorstellen wie man sich ein "Ich muss zum Becker" erlachen kann.

Trippelschritt
Titel: Re: Verben des Sprechens nach wörtlicher Rede
Beitrag von: Halblingschruut am 29. Januar 2020, 23:36:18
Oh diese Diskussion ist (oder war) grossartig.
Ich bin noch ein blutiger Anfänger und stand erst heute wieder vor der Herausforderung, einen Dialog zwischen zwei Personen zu schreiben.
Ich hab ihn geschrieben, dann wieder gelöscht weil ich dachte, dass ich doch unbedingt nach jedem Satzteil ein "sagte", "sprach" blablabla einfügen muss, diese Inquits danach nochmals gelöscht, weil es mir doof vorkam und zu guter Letzt nun vollkommen unzufrieden damit bin.  :wums:
Dank eurem Input zu dem Thema konnte ich mir nochmal vor Augen führen, dass man die wörtliche Rede auch einfach ohne einen ergänzenden Teil stehen lassen kann, ohne das Gefühl zu haben, dass etwas fehlt.

Zitat
“Verdammt. Meinst du sie haben sich angesteckt?”, fragte er und spürte, wie Wut in ihm aufstieg.
Das beste Beispiel aus meinem Entwurfdialog.
Der Satz hat mich wahnsinnig gemacht, er klingt einfach wie.. heruntergespült und wieder hoch geholt  :rofl:
Das "fragte er " habe ich jetzt gestrichen, es ist vollkommen logisch wer die Frage stellt und die weitere Beschreibung bringe ich noch anders zur Geltung. (Wird wahrscheinlich noch etwas dauern, falls jemand zufällig gerade einen Tipp auf Lager hat.. blutiger Anfänger halt  :psssst: )

"Haha, hihi", lachte er. Das erscheint mir sinnvoll.

Also liest es sich in dem Fall trotzdem mit einem "lachte er " besser, als das hihi so stehen zu lassen und vielleicht danach noch etwas a la "Ein spöttisches Lächeln umspielte seine Lippen"?
Wobei das dann vermutlich wieder in die Kategorie "show, dont tell" fallen würde.. Ich schleiche dann mal ins nächste Thema zum weiterlernen  :psssst:

"Ich muss zum Becker", lachte er. Ich kann mir nicht vorstellen wie man sich ein "Ich muss zum Becker" erlachen kann.

Dem stimme ich vollkommen zu. Das würde mich als Leser auch sehr irritieren..
Titel: Re: Verben des Sprechens nach wörtlicher Rede
Beitrag von: Evanesca Feuerblut am 30. Januar 2020, 07:25:30
Lektorin hier: Bestimmte Inquits sind schlicht keine. Man kann einen Satz nicht lachen, also bitte nicht nachmachen! Arme Dienstleister*innen müssen sonst darunter leiden.
Titel: Re: Verben des Sprechens nach wörtlicher Rede
Beitrag von: Anjana am 30. Januar 2020, 15:15:14
Lektorin hier: Bestimmte Inquits sind schlicht keine. Man kann einen Satz nicht lachen, also bitte nicht nachmachen! Arme Dienstleister*innen müssen sonst darunter leiden.

Ich kann das Argument ja sehr gut verstehen, muss aber als Leserin sagen, dass manche dieser Inquits für mich lebendig und gar nicht problematisch sind. Sie lösen ein eindeutiges Bild aus und ich persönlich habe manchmal das Gefühl, dass das einfach auch "antrainierte" Reaktionen von Autoren sind, die das extrem wahrnehmen und darauf anspringen. Ich finde sie oft deutlich angenehmer und lesbarer als das 10. sagte xy.

Davon abgesehen bin ich aber grundsätzlich auch der Meinung, dass es in den meisten Fällen noch besser ist, das entsprechende Inquit einfach wegzulassen und im nächsten Satz als Handlung anzufügen. Meiner Meinung nach braucht es in den allermeisten Fällen einfach gar kein Inquit.
Titel: Re: Verben des Sprechens nach wörtlicher Rede
Beitrag von: Aphelion am 30. Januar 2020, 16:23:41
Ich sehe das ähnlich wie Anjana.

Es gibt im Deutschen viele Verben, die auf eine Rede hindeuten, obwohl sie wortwörtlich eigentlich keine Rede ausdrücken. Viele dieser Verben haben sich (nicht nur im Deutschen) trotzdem etabliert, weil sie sinnvolle Verkürzungen darstellen, z.B. "lachte er" statt "sagte er lachend", "entschied sie" usw. Das ist nicht zuletzt eine stilistische Entscheidung.

"lachte" ist in der Inquit-Formel durchaus gängig. Letztens habe ich etwas total Bescheuertes gelesen, aber ich komme leider nicht mehr darauf, was es war. ::) Jedenfalls gibt es für mich Grenzen, wenn die Verben zu abgedreht werden. Es sei denn, der "Hä?"-Effekt ist gewollt, aber das dürfte die Ausnahme sein.

Ich selbst habe die Anzahl der Inquit-Formeln in den letzten Jahren immer weiter zurückgefahren. Das fiel mir erst kürzlich wieder auf, als ich ein älteres Fragment ausgegraben und erst einmal drei Viertel der Inquits gelöscht habe. :D
Titel: Re: Verben des Sprechens nach wörtlicher Rede
Beitrag von: Trippelschritt am 31. Januar 2020, 09:42:57
Und ich möchte Anjanas Annahme widersprechen, aber das ist wohl eine Altersfrage.

Ich habe in der Schule noch gelernt, dass es zu einem guten Deutsch gehört, sich präzise auszudrücken. Damit geht mein Unbehagen manchen "falschen" Inquits gegenüber nicht auf antrainiertes Autorenwissen zurück, sondern auf meine Schulbildung, in der von Anfang an ab der Volksschule darauf geachtet wurde, dass jeder die Deutsche Sprache beherrschte.

Ich weiß aber auch, dass die heutige Schulbildung in dieser Hinsicht eine reine Katastrophe geworden ist, und Sprachschlampereien zur Regel geworden sind. Aber dem sollten wir in einem forum, dass sich ums Schreiben bemüht, m.E. nicht folgen.


Und noch etwas zu den Inquits ohne Aussage wie "sagte" und "fragte", die sich eigentlich von selbst ergeben. Sie sind wundervolle Satz oder Absatzteiler und vermögen es einer Rede einen eigenen Rhythmus zu geben. Ich setze sie deshalb sehr gerne ein.

Liebe Grüße
Trippelschritt
Titel: Re: Verben des Sprechens nach wörtlicher Rede
Beitrag von: Dämmerungshexe am 31. Januar 2020, 10:33:51
@Trippelschritt - zum Einen stimme ich dir zu, dass die Bildung heutzutage unter einigem zu leiden hat. Zum anderen aber ist Sprache wandelbar. Sehr sogar. Das heißt dass das, was vor einigen Jahrzehnten korrekt war heutzutage zum Teil veraltet oder gar ganz falsch ist (wie zB daß/dass). Dazu kommt die Umgangssprache, die sich ja auch mit jeder Saison ändert. Als Autor kann und muss man sich da meiner Meinung nach das herausnehmen was der eigenen Erzählung dienlich ist. Und heutzutage wahrscheinlich auch mehr als früher eine eigene Stimme und einen eigenen Stil bilden.
Titel: Re: Verben des Sprechens nach wörtlicher Rede
Beitrag von: Churke am 31. Januar 2020, 12:00:36
Ich habe in der Schule noch gelernt, dass es zu einem guten Deutsch gehört, sich präzise auszudrücken. Damit geht mein Unbehagen manchen "falschen" Inquits gegenüber nicht auf antrainiertes Autorenwissen zurück, sondern auf meine Schulbildung, in der von Anfang an ab der Volksschule darauf geachtet wurde, dass jeder die Deutsche Sprache beherrschte.

Man findet diese "falschen" Inquits auch bei Klassikern, bei denen sich die Frage fehlender Präzision oder mangelnder Sprachbeherrschung von selbst verbietet.
Mein unmaßgeblicher persönlicher Eindruck ist, dass sich Lektoren penibel an gerade angesagten Schreibregeln abarbeiten, während sie strukturelle und grammatikalische Hämmer übersehen. Kurz: Die Rede darf in der falschen Zeit stehen, aber nicht gelacht werden.
 
Titel: Re: Verben des Sprechens nach wörtlicher Rede
Beitrag von: Mindi am 31. Januar 2020, 12:33:55
Auf "lachte er/sie" reagiere ich irgendwie recht allergisch, während "entscheid sie" für mich vollkommen in Ordnung wäre.

Meine Tochter hat einmal aus der Bibliothek eines der mittleren-Conni Bücher mitgenommen und da wurde auf jeder Seite mindestens einmal ein Satz gelacht.  :gähn: Das war fürchterlich und ich hab die beim Vorlesen fast alle ersetzt. Aber okay, die waren jetzt sprachlich sowieso kein Paradebeispiel, aber seitdem kann ich das gar nicht mehr lesen.
Titel: Re: Verben des Sprechens nach wörtlicher Rede
Beitrag von: Sascha am 31. Januar 2020, 12:49:05
Och ja, die Schulbildung …
Hat nicht der BaWü-Kretschmann letztens allen Ernstes vom Stapel gelassen, auf die Rechtschreibung müsse man in der Schule nicht mehr so achten, weil ja eh kaum noch jemand mit der Hand schreibt? Noch drastischer kann man eine verfehlte Bildungspolitik wohl nicht mehr eingestehen. Die Lehrer sind überlastet, oft im Burnout, insgesamt eh zu wenige, also was machen wir? Das System wieder auf stabile Füße stellen? Nö. Anforderungen und Bildungsziele runterschrauben. :brüll: :brüll: :brüll:
(Und der Grundschulverband stimmt auch noch zu. Na Mahlzeit. Beruf verfehlt.)

Und meine Kinder meinen dann, "wegen dem Dativ" und solche Sachen sind völlig in Ordnung, weil Sprache sich halt ändert. Nein, es ist einfach nur FALSCH!!! :wums:
Titel: Re: Verben des Sprechens nach wörtlicher Rede
Beitrag von: Aphelion am 31. Januar 2020, 13:47:34
Ich bin mir ziemlich sicher, dass es hier im Forum Jugendliche gibt, insofern wäre es vielleicht ganz nett, jungen Leuten nicht pauschal Unfähigkeit oder "Sprachschlampigkeit" vorzuwerfen, die angeblich die Regel ist, nur weil der eigene Stil ein anderer ist. Solche Beleidigungen werden durch "liebe" Grüße nicht besser, @Trippelschritt. Das, was du in der Schule gelernt hast, ist nicht grundsätzlich richtiger oder besser. Es repräsentiert einen kleinen Ausschnitt einer damals vertretenen Sichtweise – so, wie du dich daran erinnerst.

Abgesehen davon ist der Deutschunterricht keine Schriftstellerausbildung. Dass es eine solche nicht verbindlich gibt und auch Literaturkurse nur Möglichkeiten aufzeigen, hat seinen Grund: Stil ist keine pauschale Frage von "richtig" oder "falsch". Du kannst bei einer bestimmten Person in einem bestimmten Kontext eine bestimmte Wirkung mit Worten erzielen. Diese Wirkung kann beabsichtig sein oder nicht. Es führen allerdings viele Wege nach Rom.

@Sascha
Schön und gut Ich könnte dazu jetzt viel schreiben, aber das hat nichts mit dem Thema zu tun. Verben wie "lachte", "entschied" usw. sind eben nicht falsch.

"sagte" bei Fragen wirkt heute vermutlich nicht nur auf mich etwas seltsam, war aber lange Zeit gängig. "fragte" suggeriert, drückt aber nicht explizit aus, dass die Stimmbänder in Schwingung geraten. Das ist eher die Art von Sprachwandel, um die es gerade geht.
Titel: Re: Verben des Sprechens nach wörtlicher Rede
Beitrag von: Sascha am 31. Januar 2020, 17:20:21
Das ist wohl einfach zu OT geworden …

Trippelschritt hat die heutige Schulausbildung moniert, und damit hat er meiner Erfahrung nach Recht. Wo er pauschal alle jungen Leute beleidigt haben soll, erschließt sich mir nicht.

Abgesehen davon ist der Deutschunterricht keine Schriftstellerausbildung.
Da hast Du völlig Recht. Der Deutschunterricht in der Schule sollte dazu führen, daß die Kinder ihre Muttersprache sauber beherrschen. Das bedeutet Rechtschreibung, Grammatik und saubere Ausdrucksweise. Die Inquit-Sache ist da schon ein bißchen drüber raus …

@Sascha
Schön und gut Ich könnte dazu jetzt viel schreiben, aber das hat nichts mit dem Thema zu tun. Verben wie "lachte", "entschied" usw. sind eben nicht falsch.
Richtig, das war zu OT, die Inquits meinte ich da auch gar nicht.
Ich hab mich nur über Kretschmann tierisch aufgeregt. Liegt wohl daran, daß ich mit meinen beiden Kindern gerade das Schulsystem live mitbekomme. Und dabei sind wir in Bayern (und eigentlich auch BaWü) noch vergleichsweise gut dran, wenn die jährlichen Schülervergleiche halbwegs stimmen …
Die Rechtschreibung einfach mal als unwichtig abzutun disqualifiziert die Leute meines Erachtens komplett. Denn das ist Basiswissen und gehört eben dazu, seine Muttersprache sauber zu beherrschen.
Aber, wie gesagt, zu OT.

EDIT: Und bevor Du's ansprichst: Daß ich daß mit ß schreibe, ist Absicht. Mache ich im Forum, aber nicht in wie auch immer zur Veröffentlichung gearteten Texten. Weil ich die neue Linkschreibung einfach dämlich finde. ;D
Titel: Re: Verben des Sprechens nach wörtlicher Rede
Beitrag von: Trippelschritt am 01. Februar 2020, 08:44:05
@ Danke Sascha, genau das habe ich getan.

@ Aphelion, da scheine ich bei dir einen Knopf gedrückt zu haben, dass du da so hochgehst und mir einige recht böse Dinge unterstellst. Und über Schreibstile habe ich gar nichts gesagt.

Trotzdem liebe Grüße
Trippelschritt
Titel: Re: Verben des Sprechens nach wörtlicher Rede
Beitrag von: Judith am 01. Februar 2020, 10:35:53
Ich habe in der Schule noch gelernt, dass es zu einem guten Deutsch gehört, sich präzise auszudrücken. Damit geht mein Unbehagen manchen "falschen" Inquits gegenüber nicht auf antrainiertes Autorenwissen zurück, sondern auf meine Schulbildung, in der von Anfang an ab der Volksschule darauf geachtet wurde, dass jeder die Deutsche Sprache beherrschte.
Ich habe in der Hinsicht ein bisschen andere Erfahrungen gemacht, ohne dass bei mir in der Schule Sprachschlampereien gelehrt/geduldet worden wären. Und zwar ist es bei den Aufsätzen in der Volksschule sehr stark auch darum gegangen, den eigenen Wortschatz zu erweitern und abwechslungsreiche Ausdrücke zu gebrauchen. Daher waren zu häufige "sagte" überhaupt nicht gern gesehen. Um präzises Ausdrücken ist es dann verstärkt erst im Gymnasium gegangen, wobei man da halt keine Aufsätze mehr schreibt, sondern Erörterungen, Interpretationen, etc. - insofern haben Inquits beim Deutschunterricht jenseits der Volksschule meiner Erfahrung nach praktisch keine Rolle mehr gespielt.
Mein Unbehagen mit ständig wechselnden, oft bemüht "originellen" Inquit-Formeln ist bei mir tatsächlich erst durch das Lesen von Schreibratgebern und die vermehrte Lektüre von englischen Büchern entstanden, wo es üblicher ist, durch die Bank nur "said" zu verwenden.
Titel: Re: Verben des Sprechens nach wörtlicher Rede
Beitrag von: Trippelschritt am 01. Februar 2020, 12:19:35
Es sieht so aus, als hätte ich mich missverständlich ausgedrückt. Das passiert, wenn man zu knapp formulliert. Deshalb zur Sicherheit noch einmal.

Mein Argument richtete sich gegen die Meinung, dass die Empfindlichkeit manchen Inquits gegenüber angelerntes Autorenwissen sei.
In der Volksschule ging es in der Tat nur darum ein korrektes Deutsch zu lernen. Da lag der Schwerpunkt auf der Orthographie und der rechten Betonung beim Lesen.
Präziser Ausdruck begann in der Tat erst auf dem Gymnasium. In wie weit das auch auf de Realschulen gelehrt wurde, kann ich nicht sagen, aber das waren damals separate Schulen mit einem recht hohen Niveau und keine zwei Ergänzungsjahre. Deshalb halte ich es für möglich, kann es aber nicht definitiv sagen, weil ich es einfach nicht weiß. Und alle meine Erfahrungen stammen aus Nordrhein-Westfalen.

Liebe Grüße
Trippelschritt
Titel: Re: Verben des Sprechens nach wörtlicher Rede
Beitrag von: Aphelion am 01. Februar 2020, 13:11:27
Ich überlege gerade, ob sich sehr häufige Inquit-Formeln auch aus einer Notwendigkeit heraus entwickelt haben. Seit wann werden Anführungszeichen eigentlich flächendeckend so verwendet, wie wir es heute kennen?

In (einigen?) Übersetzungen von Jule Vernes Geschichten werden sie z.B. nur am Anfang und Ende eines Dialgos verwendet, zwischendurch stehen Gedankenstriche – und eben jede Menge Inquit-Formeln. Allerdings kenne ich auch Geschichten aus ungefähr derselben Zeit, bei denen die Anführungszeichen "modern" verwendet werden.


Edit: OT gelöscht.
Titel: Re: Verben des Sprechens nach wörtlicher Rede
Beitrag von: Fianna am 27. März 2020, 00:51:52
Ich schlage mal den Bogen zurück zu Büchern aktueller Autoren: es ist stark Genre-abhängig, ob das erwünscht ist oder nicht. Ich habe mal ein paar historische Romane von deutschen Autoren aus dem Schrank genommen, weil ich mich zu erinnern glaubte, dass "sagte er" dort eher vermieden wird mit Synonymen.

Häufig werden zwei der im Thread bereits erwähnten Taktiken versucht: mit kurzen eingeschobenen Sätzen der Tätigkeit zwischen den Sätzen gekennzeichnet, welchem der auftretenden Figuren man den Satz jetzt zuordnen soll. Oder vor bzw. nach dem gesprochenen Satz eine Beschreibung geben, damit man es zuordnen kann.

Je nach Stil des Autor werden mehr oder weniger kreative Inquits genutzt, wenn diese genutzt werden, dann aber sehr abwechslungsreich.
Gelächelt, geschmatzt oder geknurrt wird dort nicht, es werden beinahe ausschließlich Verben verwendet, die man auch für eine Gesprächsäußerung verwenden kann. "Wörtliche Rede", freute er/sie sich kommt jedoch auch vor, das ist für mich eher so ein Grenzfall. Wenn ich es lese, ohne mich daran zu stören oder wenn ich es selbst verwenden würde, hätte ich sofort einen bestimmten Gesichtsausdruck oder Tonlage im Kopf. Ob man diese im Umkehrschluss beim Leser auch auslösen kann, indem man dieses 'Synoym' verwendet oder einfach in der Achtung des Lesers sinkt, weiß man vorher natürlich nicht.

Also in den Büchern werden als Synonyme z.B. genutzt: rufen, nuscheln, begrüßen, meinen, flüstern, ergänzen, versichern, fuhr fort, flehen, murmeln, wiederholen, erklären. Ob das jetzt 1-2 mal pro Seite oder beinahe 10 mal pro Seite vorkommt, liegt am Stil.

Mein persönlicher Eindruck, der nur von der Durchsicht meiner Bücher besteht: je weiter die Zielgruppe gefasst ist, desto abwechslungsreicher und häufiger die Synonyme. Das fällt in den Rezensionen wohl durch "lebendige Sprache" auf.  ;)

Eigentlich hatte ich den Eindruck, dass historische Romane deutscher Autoren eher diese kreativen Inquit-Synonyme verwenden als deutsche Fantasyautoren; allerdings habe ich einige Bücher aufgeschlagen von Autoren, bei denen ich das mit den kreativen Inquits nicht vermutet hatte und eher geschätzt hätte, dass sie auf Vermeidung setzen; aber das war ein Trugschluss.
Bei Fantasy scheint es also noch verbreiteter zu sein!?

Vielleicht mache ich, wenn ich meine Bücherregale im Urlaub aufräume, mal eine kleine Statistik zu den deutschen Autoren und ihren Inquit-/Vermeidungen...
Titel: Re: Verben des Sprechens nach wörtlicher Rede
Beitrag von: Christopher am 27. März 2020, 09:31:36
Hm. Da muss ich aber sagen, dass ich "flehte er" in dieselbe Schublade stecken würde wie "freute er sich" und in beiden Fällen würde ich darüber nachdenken, ob der Inhalt der Aussage das nicht eher widerspiegeln sollte, dass er sich freut/dass er fleht als das Inquit.

Will sagen: Das fiel dir nicht auf, obwohl dir das "freute er sich" aufgefallen ist. Ich weiß auch, dass ich nahezu jedes Buch bei mir im Regal aufschlagen kann und etliche Inquits finden werde. Aber wenn du mich fragen würdest, ob mir das irgendwo aufgefallen ist oder ob ich eines nennen könnte, wo ich meine, dass es mehr als sonst sind... Keine Ahnung.

Probe aufs Exempel bei dem Buch was ich als nächstes wieder lesen wollte gibt mir Recht: Da wird zu ca. 50% "sagte er/sie" genutzt, die anderen Hälfte ein bunter Blumenstrauß an Inquits (erklärte, brüstete, entgegnete, etc.) aufgefallen ist mir das beim ersten lesen nicht.
Ist übrigens eine Übersetzung aus dem Englischen, daher vermutlich die Häufung der "sagte er/sie".

In kurz:
Ich denke nach wie vor, dass man sich da zu viele Gedanken macht. Inquits gehören für mich zum Bild und werden einfach überlesen. Die nehme ich nicht mal wahr und ich vermute, dass es vielen genauso geht. Für mich sind sie einfach eine gute Hilfe um Dialoge unmissverständlich und gut nachvollziehbar (wer spricht wann) zu gestalten.


Ich hab aber gerade auch ein bisschen Zeit (Corona undso), ich könnte daher auch eine kleine Übersicht aus meinen Büchern hier im Schrank machen. Hast du ne Idee für ne Tabelle oder so wo man das eintragen könnte? Gefühle sind immer so eine Sache, nackte Zahlen besser ;D
Titel: Re: Verben des Sprechens nach wörtlicher Rede
Beitrag von: canis lupus niger am 28. März 2020, 22:32:45
Stephen King, der nach meiner Meinung einen grandiosen Stil hat, welcher sich auch bei guten Übersetzungen ins Deutsche wiederspiegelt, hat dieses Thema in seinem Buch "Über das Leben und Schreiben" folgendermaßen behandelt.

Nachdem er im Kapitel "Werkzeugkasten" zwei Seiten lang erklärt hat, warum es in einem Dialog in der Regel nachteilig ist, Begleitverben des Sprechens mit Adverbien aufzuhübschen ("rief er" - "rief er mutig" oder "sagte er"- sagte er bescheiden"), geht er ziemlich spöttisch auf andere Verben des Sprechens ein:

Zitat:
Manche Autoren versuchen das Adverbienverbot zu umgehen, indem sie das einleitende Verb mit Steroiden vollpumpen. Das Ergebnis ist jedem Leser von Pulp-Magazinen vertraut.
"Legen Sie die Waffe weg, Utterson", knirschte Jeckyll.
"Hör niemals auf, mich zu küssen!", keuchte Shayna.
"Du verfluchtes Flittchen!", brach es aus Bill hervor.

Tun Sie so etwas nicht. Bitte nicht!
Die beste Art und Weise, wörtliche Rede einzuleiten, lautet sagte wie in er sagte, sie sagte, Bill sagte, Monica sagte.

Zitatende

Er schreibt weiter, dass er ebenso wie andere Schriftsteller diese Adverbien oder sogar die Steroidverben wider besseres Wissen schon eingesetzt hätte, aus Angst, seine Leser würden ihn vielleicht nicht verstehen. Und dass  diese Angst der Grund für viele schlechte Texte sei. Aber [noch ein Zitat]"wahrscheinlich haben Sie Ihre Geschichte so gut erzählt, dass der Leser weiß, wie er etwas sagt, wenn Sie er sagt schreiben - ob schnell oder langsam, glücklich oder traurig. Sollte er in einem Sumpf versinken, werfen Sie ihm in jedem Fall ein Seil zu ... Sie müssen ihn ja nicht mit einem dreißig Meter langen Stahlkabel bewusstlos schlagen."
[Zitatende]

Ich finde, das hat er sehr hübsch und treffend formuliert, und ich stimme ihm sehr zu.

Häufungen in Dialogen in der Form von
"Blabla", sagte er,
"Blabla", sagte sie,
"Blablubb", sagte er,
Sie sagte: "Blablabla.",
"Blubblubb",sagte er
 finde ich allerdings schrecklich zu lesen, schrecklicher als ein gelegentliches Adverb, oder ein "murmelte er". 

Aber in einem Dialog kann man ohnehin das Begleitverb zur wörtlichen Rede ganz weglassen, solange klar ist, wer redet. Und wie derjenige redet oder dabei empfindet, kann man mit kleinen, eingeschobenen Sätzen mindestens so gut zeigen.

Die richtige Mischung macht auch hier den angenehm zu lesenden Stil, denke ich. Damit bin ich bisher ganz gut zurecht gekommen. Aber ich lerne immer noch und lasse mich gerne von guten Argumenten überzeugen.  :)

*edit* Ups, @Felsenkatze hatte das ja auch schon mal erwähnt.
Hat sogar Stephen King mal in seinem Schreibratgeber propagiert.