Tintenzirkel - das Fantasyautor:innenforum

Handwerkliches => Workshop => Thema gestartet von: Manja_Bindig am 01. Januar 1970, 01:00:00

Titel: Sterbende Figuren
Beitrag von: Manja_Bindig am 01. Januar 1970, 01:00:00
Dieses Thema ist kein akutes Problem.
Es ist - für mich jedenfalls - auch kein technisch-handwerkliches Problem(eher ein emotionales).
Und trotzdem hat es was mit dem Schreiben zu tun.

Falls es trotzdem nciht in das hierige(was für ein Wort) Forum gehört, haut mir bitte eins auf den Deckel.

Eine Frage an alle - was tut ihr, wenn ihr Figuren töten müsst, weil es die Handlung erfordert oder die Charas - brutal ausgedrückt - nciht mehr gebraucht werden? Weint ihr um sie? Hört ihr einen Tag oder so auf mit Schreiben, um still zu trauern(ja, drastisch...)
Ich erinnere mich noch sehr gut an einen morgen, halb sieben vor zwei jahren.
Wie imemr saß ich in der Küche, schrieb vor mich hin, ganz selbstvergessen - und ließ meine Zwillinge Mendrik und Mavrud sterben, zwei Charas, die ich über alles geliebt habe. Der tod war storytechnisch nötig, außerdem gab er eienn Spannungsbogen ab - aber trotzdem hab ich mcih erst gesträubt, dann doch geschrieben und schließlich geweint. Besonders weil Mendrik relativ schnell tot war, Mavrud aber erst nach ziemlichen Qualen abgetreten ist(und Mavrud war immer schon mein Liebling).
Ich hab wirklich dagehockt und geheult, bis meine Mutter herunterkam und gefragt hat, was denn los sei.

So ist es, wenn ich Charas töte.
Genauso Rinyl... ich hab mich geweigert, ihn am anfang von "Seelensuche" zu töten, obwohl sein Tod eine Grundlage für die Handlung ist. Ich musste mich schon bei der rückblende arg überwinden... und der gute Mann, den Rinyl egoistisch wie er ist, zurückgelassen hat, hat ziemlich viel von meiner Traurigkeit abbekommen.

Und wenn man bedenkt, dass mir Sterbeszenen hin und wieder doch leicht fallen und das immer dann passiert, wenn meine eigentlich überwundenen Suiziden Phasen wieder anklingen... (wobei das gut ist - solang ich Figuren töte und nciht mich selber... *tropf*)

Also, auspacken. Wann schreibt ihr Sterbeszenen, wann fallen sie euch leichter, wann nicht? Trauert ihr um Figuren?

*den Casettenrecorder auspack und auf "Aufnahme"-Taste drück* *Mikrophon hinhalt*
Titel: Re: Sterbende Figuren
Beitrag von: Lastalda am 01. Januar 1970, 01:00:00
Ich habe noch nicht so oft Figuren sterben lassen. Gerade bei Hauptfiguren weigere ich mich im Allgemeinen (wenn auch nicht immer; wenn ich irgendwann das 12. Kapitel von "Schwerttänzers Lied" erreichen sollte, steht mir da ganz was Feines bevor).

So richtig in Erinnerung geblieben ist mir eine Sache, wo ein Kind für den Fortgang der Handlung sterben musste und ich sie einfach nicht sterben lassen wollte... Aua, das tat weh.
Geweint habe ich nicht. Aber ich weine auch selten um meine Charaktere, wenn ich ihnen viel schlimmere Sachen als den Tod antue... ::) Aber ich musste mich physisch dazu zwingen, das zu schreiben.

Ob und wann sowas leichter fällt, dazu kann ich nichts sagen - einfach zu wenig Erfahrung. Aber ich glaube, wenn sie gut werden soll, dann darf eine Sterbeszene nciht leicht fallen. Umso schwerer sie Dir als Autor fallt, umso mehr Du trauerst, destoo mehr wird sich (hoffentlich) davon auf den Leser übertragen.
Titel: Re: Sterbende Figuren
Beitrag von: Silvia am 01. Januar 1970, 01:00:00
Also bisher mußte ich kaum Charas umbringen. Bei einem fiel es mir echt schwer, weil er in den Kapiteln zuvor so richtig zu leben anfing und als dann seine Stunde schlug, was auch sein mußte, mußte ich mir einen richtigen Ruck geben.
Als es dann vollbracht war *Friede seiner Asche* habe ich mir erstmal ein Glas Wein gegönnt ;-)
Aber das war auch schon alles.
Vermissen tut man die Charas trotzdem, vor allem, wenn man sich später überlegt, was für Möglichkeiten es noch gegeben hätte, wäre er lebendig geblieben ...
Titel: Re: Sterbende Figuren
Beitrag von: Elena am 01. Januar 1970, 01:00:00
Ich habe nur zweimal Hauptfiguren getötet, aber so richtige Probleme hatte ich damit nie. Da ich es ja von Anfang an wusste, konnte ich mich gut damit abfinden.
Das ist auch im realen Leben so, habe ich gemerkt: Wenn ich etwa ein halbes Jahr vorher schon weiß, dass jemand sterben wird, dann habe ich dieses halbe Jahr Zeit dafür, mich damit abzufinden, und das klappt ganz gut.

Bei Hauptcharakteren ist es ja sowieso schwer, sie nicht kurz vor Schluss sterben zu lassen, weil die Geschichte dann zu Ende wäre. Und da ich mich am Schluss sowieso von ihnen trennen muss (ich schreibe keine Fortsetzungen), macht es keinen Unterschied, oder?

Liebe Grüße,

Elena
Titel: Re: Sterbende Figuren
Beitrag von: Rei am 01. Januar 1970, 01:00:00
Sagen wir es so: Wenn ich von anfang an weiß, die und die Figur muß draufgehen, dann ist es nicht ganz so schlimm, als wenn sich die Geschichte von alleine entwickelt, sprich: ohne, daß ich die geschichte großartig geplant habe...

Aber im Grunde genommen tut es immer ein wenig weh, ob geplant oder nicht geplant. So ging es mir bei Alana. Vier Jahre lang hat sie mich begleitet und umgekehrt. Ich wußte, daß der Tag kommen würde, an dem ich sie opfern würde. Vielleicht hat ihre Geschichte daher soviel Zeit in Anspruch genommen. Ich wollte sie nicht töten, aber es mußte sein. Eine andere Möglichkeit gab es nicht, nicht nach allem, was passiert ist.

Aber geweint habe ich nicht. Auch nicht bei anderen Figuren, so tragisch sie auch aus dem Leben scheiden mußten. Ich muß zugeben, daß ich beim Lesen nie weine, dann schon eher bei Filmen (Bollywood... *seufz*), die mir wirklich ans Herz gehen. Oh, obwohl... Beim Buch "Wüstenplanet" mußte ich heulen, als Paul weggegangen ist... Aber auch nur, weil ich damals dermaßen in den Darsteller des Paul aus dem Film "Dune" verknallt gewesen war... Und wenn der Geliebte geht... *heul*
Titel: Re: Sterbende Figuren
Beitrag von: Termoniaelfe am 01. Januar 1970, 01:00:00
Ich denke, dass ist bei mir der Grund, warum ich den zweiten Teil vom Hüter einfach nicht weiter schreiben kann oder will. In diesem Teil wird Kathys Mutter sterben, da es von der Geschichte her so sein muss. Aber beim Gedanken daran ist mir schon irgendwie komisch. Ich hatte am Schluß des ersten Teils schon so eine ergreifende Szene, als Kathy den Geist ihres verstorbenen Vaters zum ersten Mal sieht und ihn unter Tränen bittet da zu bleiben. Noch bevor ich diese Szene zu ende geschrieben hatte war ich schon am Heulen. Ich denke, dass man als Autor eine ganz besondere Beziehung zu seinen Charas aufbaut und deshalb fällt es einem so schwer loszulassen.

LG
Termi
Titel: Re: Sterbende Figuren
Beitrag von: Jules am 01. Januar 1970, 01:00:00
Bei 'Syrin' wusste ich ab dem zweiten Kapitel, dass sie sterben würde und die zweite Hauptperson zurückbleiben würde, allein gelassen und ungeliebt...das war jetzt nicht so schlimm, aber ich habe im Moment das Problem, dass irgendwo in 'Stein' oder 'Asche' eine der Nebenhauptpersonen sterben muss. Da nur zwei in Frage kommen, die ich 'opfern' könnte, ist der Kreis, wer denn jetzt nun von diesem elenden Verräter hingemeuchelt wird relativ klein, aber das macht es mir umso schwerer...die beiden sind ein Paar und ich kann entweder den Mann töten (*heul* *schluchz*) oder die Frau umbringen, die er liebt. (und dann wid er mich hassen und er wird ganz furchtbar traurig sein und...) Das ist eine Entscheidung, bei der es mir im Moment ein wenig mulmig wird, vor allen Dingen, da ich gerade dabei bin, beide zu charakterisieren und ihnen Hintergrundinfos zu geben. Wer stirbt? Oh mein Gott, das ist irgendwie ein wenig krank...
Gut, und es wird das gesammte Dorf, sammt Mutter und Freunden niedergebrannt, was die Hauptperson am Anfang von 'Asche' mitbekommt. Und eine meiner Lieblingspersonen stirbt, allerdings wird er vorher noch betrogen und er stirbt nicht so wie jeder andere, sondern ist auf einmal einfach nicht mehr existent, als hätte man ihn ausradiert...neeeeeein! Rajik! Nicht sterben... Gut, ich weine auch nicht, aber ich werde wirklich extremst depressiv. Irgendwie sterben zu viele bei diesem Buch...
Titel: Re: Sterbende Figuren
Beitrag von: Manja_Bindig am 01. Januar 1970, 01:00:00
Momenan ist es eher eine verarbeitung... ich lasse den armen alten Lehrer meiner Zwillinge langsam sterben, genauso wie jemand aus meiner Verwandschaft bis vor kurzem dahingesiecht ist(es war am ende nicht mehr als das - und genau DESWEGEN bin ich für Sterbehilfe). Man kann es mit einer art Krebs vergleichen... aber naja.
Besonders schlimm geht es nicht einmal Mirash, der hat sich mit dem Kommenden ausgesöhnt und er hatte schon extrem viel länger, als man gedacht hätte.
Schlimmer ist es eher für seine Schüler(für die war er fast ein Vaterersatz) und für seine Freundin(die gleichzeitig seine Ärztin war, deswegen ist es für sie noch schlimmer)
Das ist das schwierige... das leid und die Verzweiflung, die sich da breitmacht, wenn man jemanden verliert, den man über alles geliebt hat.
Titel: Re: Sterbende Figuren
Beitrag von: Moni am 01. Januar 1970, 01:00:00
Bisher habe ich noch niemanden "umgebracht", aber das wird noch kommen. Allerdings kann ich jetzt noch nicht sagen, wie ich mich dann fühlen werde....

Lg
Moni
Titel: Re: Sterbende Figuren
Beitrag von: Roland am 01. Januar 1970, 01:00:00
Bei mir stirbt eigentlich in fast jeder Geschichte jemand, ich weiß auch nicht, wie das kommt  :P
Ich verspüre persönlich nicht viele Emotionen, versuche aber, sie beim Leser auszulösen. Das mache ich nicht etwas in der Form, dass ich drei Seiten lang beschreibe, wie er/sie genau starb, alles genau beschreibe und haargenau irgendetwas sage, das sich ereignet hat. Ich mache das meistens ziemlich kurz und schildere es auch oft etwas härter. Vielleicht ist das mein Stil, ich weiß nicht. Meinen Testlesern gefällt es :) Vielleicht liegt es auch daran, dass ich mich mit meinem Geschriebenen eher im Gruselbereich befinde und nicht direkt im totalen Fantasybereich.

                                Lg Wulli!
Titel: Re: Sterbende Figuren
Beitrag von: Möchtegernautorin am 01. Januar 1970, 01:00:00
Greetings auch <lippenschürz>

Hmm.. und ehrlich zu sein, ich glaube ich habe schon lange keine Sterbeszene mehr geschrieben. Das mag wohl einfach damit zusammenhängen, dass ich derweil eher an Kurzgeschichten arbeite, denn an einem langen Werk. Auch wenn es da irgendwie zwei Sachen gibt, die ich endlich einmal schreiben muss.
Die Charaktere, die bisher ums Leben gekommen waren, waren keine an denen ich sehr gehangen hätte. Das Schreiben fiel mir dahingehend recht leicht. Es hat mich zwar mitgenommen und ich war danach nur fertig und hab den Tag gar nichts mehr geschrieben, sondern lieber in die Glotze gestarrt <hüstel> Aber... es ging leicht von der Hand.

Ich gebe allerdings zu, dass ich... mir bei den wichtigen Charas auch überlegt habe, wie sie denn sterben werden. Es steht alles fest, dass wann, das wo und das wie – auch wenn es meinem Mann gelinde gesagt gar nicht passt, dass ich überhaupt jemandem sterben lassen will – Nur... geschrieben ist es noch nicht. Und es steht in den Sternen, wann ich mich daran traue das auch wirklich niederzuschreiben. Ich vermute, das würde mich sehr mitnehmen. Es sind immerhin drei meiner aller liebsten Charaktere, ei denen ich es genau weiß... aber ich glaube da habe ich mir einen Satz zur Devise gemacht: Spür' das Glück der Traurigkeit.. Eine gewisse Dramatik mag ich einfach gerne.


Jule
Titel: Re: Sterbende Figuren
Beitrag von: Manja_Bindig am 01. Januar 1970, 01:00:00
Ah, da kennt jemand TdV. *grins*

Gestern hab ich wieder geheult... Mirash ist tot.
Seine Freundin und meine Zwillinge versinken momentan in Verzweiflung. Und mavrud geht so weit, dass er alles runterwürgt, was in ihm los ist und sich sehr um die "Trauerkollegen" kümmert(he, er redet nciht mal mit seinem Bruder über SICH) - also ungefähr so, wie ich an diese Dinge herangehe. Runterwürgen, verdrängen, sich um andere kümmern(und jetzt fangt mir nciht an, dass das ungesund ist, das mach ich schon immer so und bis jetzt hats mir gut getan).

Das ist allgemein das wirklich interessante - nciht der ttod und das Sterben selbst, sondern die Wunde, die das Verlieren den zurückgelassenen zufügt.
Titel: Re: Sterbende Figuren
Beitrag von: Zealot am 01. Januar 1970, 01:00:00
Mein Problem ist momentan eher umgekehrt.
Ich habe einen Char erschaffen den ich selbst so hasse und verabscheue, dass ich kaum erwarten kann ihn endlich möglichst Qualvoll ableben zu lassen.
Er ist ein rassist, ein Sexist und ein richtiger Kotzbrocken... Das problem ist, das er mich ablenkt, weil ich sobald ich anfange von ihm zu schreiben anfange nachzudenken was wohl die beste Sterbeversion für ihn wäre...  ???
Titel: Re: Sterbende Figuren
Beitrag von: Roland am 01. Januar 1970, 01:00:00
Wenn du ihn so beschreibst, dass die Leser ihn als als schrecklich nervend empfinden, dann viel Spaß beim qualvollen Tod (oder kurzen Tod, der oft besser und brutaler wirkt). Wenn nicht, solltest du dir überlegen, wie er stirbt, weil der Leser sonst sehr sehr sauer werden kann, wenn es zu grotesk aussieht....:D

Lg Wulli!
Titel: Re: Sterbende Figuren
Beitrag von: Zealot am 01. Januar 1970, 01:00:00
naja, ich hab mir inzwischen überlegt das der Tod tatsächlich ziemlich schnell gehen wird, nur die Angst die er vorher durchmachen wird, die wird's ihm richtig geben. Ich lasse ihn etwas in seinem Angstschweiss baden, als kleine Rache dafür, das er mich dazu gebracht hat aus einer Story die als Kurzgeschichte geplant war, nun doch ein grösseres Projekt zu machen!! ;D
Titel: Re: Sterbende Figuren
Beitrag von: Geli am 01. Januar 1970, 01:00:00
komisch, dass Ihr gerade dieses Thema zu einem Zeitpunkt aufgreift, da ich gerade eine meiner Figuren umgebracht habe.

Nein, ich habe kein Problem damit, einen Charakter in meinen Stories oder Romanen zu töten. Nicht mehr, seitdem ich den Helden und die Heldin meines zweiten Romans im dritten ungefähr auf Seite 10 abgemurkst habe.
Es war einfach taktisch notwendig. Denn wie hätte sonst der Helden dieses dritten Romans, der beide liebte, vor der Notwendigkeit stehen können, eine eigene Entwicklung durchzumachen?
Ich musst ihm zuerst das Herz brechen, das war mir völlig klar.
Außerdem ist nichts so ausgelutscht, wie das tragende Paar des Romans 1 in Roman 2. Siehe "Scarlett".

Titel: Re: Sterbende Figuren
Beitrag von: Ronya am 01. Januar 1970, 01:00:00
Also bei mir ist das einfach: ich bin kalt wie Eis und hab ein Herz aus Stein und wenn ein Chara sterben muss, dann seh ich das ganz nüchtern: muss eben sein. Leider kann ich durch diese innerliche Kälte die Emotionen nicht rüber bringen. Deswegen versuche ich überhaupt Szenen mit starken Emotionen zu vermeiden, da ich immer das Gefühl habe, dass sie eh daneben gehen.
Kann man es lernen richtig mitzufühlen? Findet ihr, dass es absolut nötig ist oder glaubt ihr, dass jemand, der das alles nüchtern betrachtet auch überzeugend schreiben kann?
Gruß Ronya
Titel: Re: Sterbende Figuren
Beitrag von: MarkOh am 01. Januar 1970, 01:00:00
Naja, hier und da muss es eben auch mal sein, dass einer der Charas den Löffel abgibt. Allerdings muss ich mir da schon ziemlich sicher sein, dass dessen Geschichte wirklich zu Ende ist, und es in der Story auch einen Sinn macht. Emotionen meinerseits? Nee... Wenn es die Geschichte erfordert, dann muss es eben sein.

LG MarkOh
Titel: Re: Sterbende Figuren
Beitrag von: Manja_Bindig am 01. Januar 1970, 01:00:00
Was ist der letzte Gedanke einer Figur, ehe sie stirbt... *Grübel*

Bei mir wundert sich ein alter Opa noch, dass sein Neffe zur Hochzeit seiner Tochter kommt(in die er selbst verliebt war), weil er eben noch hört, wie er irgendwas ruft...
Titel: Re: Sterbende Figuren
Beitrag von: Rei am 01. Januar 1970, 01:00:00
Bei "Guardian Angel" ist "mein" letzter Gedanke "Sch...!"

Die Geschichte in der Ich-Form ist eh ein wenig derb, da kann das auch gerne das letzte Wort sein, finde ich. Vor allem, da die Geschichte damit anfängt. Und mit "Sch...!" kriegt man die Leser...  ;)
Titel: Re: Sterbende Figuren
Beitrag von: Zealot am 01. Januar 1970, 01:00:00
ZitatWas ist der letzte Gedanke einer Figur, ehe sie stirbt... *Grübel*
ich denke das kommt zum einen auf die Figur an, zum anderen auf das wie sie stirbt.
Kommt es überraschend, dann denkt sie vielleicht gerade an was sie für die Feier heute Abend anziehen soll. Kommt es vorherseebar, dann kann sie resignieren und noch mal an ihre liebsten und das schöne im Leben denken, oder sie wehrt ssich mit dem Gedanken daran was sie noch alles vollbringen will/muss bis zum letzten Atemzug.
Titel: Re: Sterbende Figuren
Beitrag von: Astrid am 01. Januar 1970, 01:00:00
ZitatKann man es lernen richtig mitzufühlen? Findet ihr, dass es absolut nötig ist oder glaubt ihr, dass jemand, der das alles nüchtern betrachtet auch überzeugend schreiben kann?

Naja - kann ja sein, daß DU das ganz nüchtern und sachlich siehst, aber deine Charaktere sollten dann doch emotional beteiligt sein. Die wissen ja nicht, daß es für die Geschichte nötig ist, sie erfahren nur den Verlust. Wenn du das beschreiben kannst, ist es gut. :) Ich beschreibe lieber so wenig wie möglich, weil ich nicht in Kitsch abrutschen will.

Ich habe eigentlich die meisten Figuren in Rabenzeit schon vor vielen Jahren umgebracht, so daß ich mich an wirkliche Gefühlsausbrüche gar nicht mehr so recht erinnern kann. Ich weiß aber noch, daß es zum Teil wie eine Katharsis war - ich habe meinen damaligen Freund angerufen und ihm völlig euphorisch erzählt, daß ich gerade jemanden umgebracht hatte. Gut, daß wir damals nicht abgehört wurden...  ;D Wirklich getrauert habe ich nur selten, weil ja auch von Anfang an feststand, wer sterben würde und wer nicht.

Aber in Band 3 gibt es eine längere Episode, in der es Argon so richtig scheiße geht, und diese Szenen kann ich auch nach zehn oder fünfzehn Jahren nicht lesen, ohne daß mir die Hände wehtun. Sehr psychosomatisch.

... Ich stelle gerade fest, daß ich an diese Szene nicht mal DENKEN kann, ohne daß mir sofort die Hände wehtun.
Titel: Re: Sterbende Figuren
Beitrag von: Rei am 01. Januar 1970, 01:00:00
Hmm, ich grüble gerade... Gibt es eine Figur, die ich überraschend habe sterben lassen...?

Alana aus "ALANA - Rache" richtet sich selbst - Nicht sonderlich überraschend...

Cara aus "Abschied der Seelen" verabschiedet sich von ihrem Mann, bevor sie ihn bittet, sie dem tosenden Wasserfall zu überlassen...

"Ich" aus "Guardian Angel" kriegt eine Knarre an den Kopf gehalten, aus einem trifitgen Grund, wie der Leser am Ende noch feststellen wird...

Nee, also so nen richtigen "Huch, jetzt ist es also soweit"-Moment hatte ich in noch keiner Geschichte... *grübel* *notier*

Ich denke schon, daß es wichtig ist, dem Leser rüberzubringen, was in der Figur vor sich geht. Immerhin soll der Leser mit ihnen fühlen, soll sie fast für real halten... Wenn ich dann einfach schreibe: "Manni fiel die Klippe hinunter und war tot, ehe er unten ankam" ist das zwar eine Erzählung, aber da könnte man genausogut schreiben: "Heute einkaufen: Eier und Milch". Aber Manni hat Panik, Manni hat Angst. Er weiß, was ihn erwartet, wenn er unten ankommt. Er fühlt den Wind in den Haaren, wie er an seiner Kleidung zerrt und zieht... Sein Herz klopft zum Zerspringen. Ihm fallen tausend Dinge ein, die er gerne noch getan hätte, bevor es ihn die Klippe runterhaut. Sogar der Gedanke an das Bügeleisen, das er heute morgen nicht ausgeschaltet hatte, als ers so eilig hatte, bedrückt ihn jetzt. Und er konnte sich nicht einmal von seinen Lieben verabschieden, konnte ihnen nicht sagen, wie sehr er sie liebte... Ich denke, diese Gefühle sind schon wichtig, um eine Figur an einen Leser heranzubringen.
Titel: Re: Sterbende Figuren
Beitrag von: Zealot am 01. Januar 1970, 01:00:00
Überaschung kann auch ein Gefühl sein ;)

getreu dem Motto: "Sie war gerade dabei ihr sich um zu sehen, als sie einen Stich im als fühlte. Als danach tastete stelltsie fest, dass er von einer Klinge durchborht war. "OH!" dachte sie sich, dann wurde es grell....

ich weiss, das ist nicht gerade überragend Literarisch war, ist haltnur mal so ein Beispiel ;)
Titel: Re: Sterbende Figuren
Beitrag von: Aneirin am 01. Januar 1970, 01:00:00
Hallo zusammen,

ich habe keine Probleme, meine Figuren sterben zu lassen. Da geht es mir wie ronya, ich habe ein Herz aus Stein. Wenn storytechnisch einer sterben muss, dann stirbt er auch. Ich bringe auch gerne mal eine symphatisch besetzte Figur um - auch die Guten müssen sterben. Besonders häufig sterben bei mir Pferde, obwohl ich diese Tiere sehr mag, früher selbst geritten bin und eines hatte.

Ich habe mal einen von den Guten einen langsamen Foltertod sterben lassen. Das habe ich dann beim Überarbeiten entschärft - nicht weil es mir um das Opfer leid getan hat, mir haben die Leser leid getan.

Grüße
Aneirin
Titel: Re: Sterbende Figuren
Beitrag von: Möchtegernautorin am 01. Januar 1970, 01:00:00
Greetings auch noch mal :)

Ist ne gute Frage ob es gut oder schlecht ist, wenn es einen mitnimmt, dass jemand stirbt. Wenn man dann heulend da sitzt und versucht zu schreiben ist das auch nicht gerade zuträglich, dann lieber versuchen das Ganze kühle und gelassen anzugehen, der Notwenigkeit entsprechend. Dass sich eine solche Sachlichkeit nicht in der Geschichte auswirken sollte indem alle anderen nicht betroffen sind oder gar nichts fühlen glaube ich steht gar nicht zur Debatte. Wenn ich gar nichts von dem mitbekomme, was in den Charakteren vorgeht, wenn jemand stirbt, der irgendwie wichtig war, dann fehlt da etwas. Dann... wirkt das ganze auf mich eigentlich eher platt.
Was ich allerdings nicht kann sind Tiere... bei Tieren kann ich glaube ich nicht schreiben, ohne das mich so etwas wirklich mitnimmt. Ok, die sind auch nur ausgedacht, aber da bin ich wahrscheinlich dann doch zu empfindlich.

Was das Denken angeht... erm.. <hüstel> Ich glaube die Charas, die sterben denken selten noch an etwas. Ich beschreibe meistens eher die Leere, die dann eintritt und meine Todesbotin, die zwangsläufig auftaucht.
Aber jemanden einmal einen letzten Gedanken fassen zu lassen ist auch mal ne Idee <grübel>


Jule
Titel: Re: Sterbende Figuren
Beitrag von: Judith am 01. Januar 1970, 01:00:00
Also ich hab mal in einer Kurzgeschichte die beiden einzigen vorkommenen Figuren am Ende sterben lassen und in einer weiteren, eher langen Kurzgeschichte die Protagonistin, getötet von dem, der sie liebte. Sehr romantisch, nicht? ;D Da hat mich ihr Tod ziemlich kalt gelassen (erstens hat sie mich ein wenig genervt, zweitens war es ja eh am Ende), aber ihr "Mörder" hat mir sehr leidgetan, weil ich den total mochte.

Warum ich oben geschrieben hab "war ja eh am Ende": Ich habe an sich kein emotionales Problem damit, Figuren sterben zu lassen, aber ich find es total schade, wenn jemand mittendrin sterben muss, mit dem ich eigentlich gern weiterschreiben würde. Gottseidank bin ich noch nicht allzu oft in diese Situation gekommen, aber falls ich irgendwann mal bei meinem Roman weiterschreiben sollte, dann wird mir das noch einige Male bevorstehen.  :-/
Titel: Re: Sterbende Figuren
Beitrag von: Manja_Bindig am 01. Januar 1970, 01:00:00
Bei mir ist es momentan so, dass einer meiner Nebencharas gestorben ist.
Waryl war mal mit mineen Hauptcharas befreundet, aber die beiden haben bei einer Zauberei wirklich SCH gebaut. Über 20 Magier tot, der rest mehr oder weniger schwer verletzt.
Und unter den Toten der beste Freund... zum einen wissen die beiden, dass sie schuld sind, zum anderen ist Waryls Freundin... nun ja, halb wahnsinnig, ist leicht untertrieben. Waryl ist ihr wirklich unter den Händen weggestorben...

Soviel zum Thema, was mit den Hinterbliebenen ist.
Titel: Re: Sterbende Figuren
Beitrag von: Roland am 01. Januar 1970, 01:00:00
Auch bei mir wird heute Abend ein Nebenchar sterben...von einer Gestalt zu Grunde gerichtet und übel aussehend.
Tut sie mir leid? Nein- The show must go on  ;D
Schließlich ist doch alles für die Geschichte, das muss selbst die sterbende Figur einsehen.  ;D

Lg Wulli!
Titel: Re: Sterbende Figuren
Beitrag von: Zealot am 01. Januar 1970, 01:00:00
ZitatAuch bei mir wird heute Abend ein Nebenchar sterben...von einer Gestalt zu Grunde gerichtet und übel aussehend.
Tut sie mir leid? Nein- The show must go on  ;D
Schließlich ist doch alles für die Geschichte, das muss selbst die sterbende Figur einsehen.  ;D

Lg Wulli!


Ich bin sicher der Char. ist Stolz, sozusagen als Märtyrer für deine Geschichte sterben zu dürfen. ;)
Titel: Re: Sterbende Figuren
Beitrag von: Roland am 01. Januar 1970, 01:00:00
HaHa, du Halunke!  ;D ;D


Lg Wulli!
Titel: Re: Sterbende Figuren
Beitrag von: Arielen am 01. Januar 1970, 01:00:00
Ich hatte eigentlich nie Probleme, Charaktere sterben zu lassen, wenn es sich in der Geschichte anbot. Auch im Rollenspiel manchmal nicht, obwohl ich da schon geweint habe - aber na ja, man gewöhnt sich dran. Das stimmt wirklich!
Titel: Re: Sterbende Figuren
Beitrag von: Manja_Bindig am 01. Januar 1970, 01:00:00
ich nciht... aber ich gestehe, wenn ich Figuren umbringe, dann spare ich mir diese Szenen meist ein wenig auf... und zwar für meine suiziden Phasen. Solange ich die überwinde, indem ich nur meine Figuren umbringe, muss man sich also keine sorgen um mich machen. ;) (und ich hab nciht vor, diese angewohnheit zu ähndern)
Titel: Re: Sterbende Figuren
Beitrag von: Arielen am 01. Januar 1970, 01:00:00
Ich kriege solche Anwandlungen im Rollenspiel, wenn ich mir selber weh tun will. In Geschichten passiert das eher seltener. Aber das mit den suizidalen Phasen, das hat was...
Titel: Re: Sterbende Figuren
Beitrag von: Manja_Bindig am 01. Januar 1970, 01:00:00
Mir machen die eher sorgen... ich hätte eigentlich gedacht, dieses Kapitel endlich abgeschlossen zu haben.
Aber wiegesagt, solang es nicht schlimm genug ist, dass schreiben nciht mehr reicht, bin ich in ordnung.

*soeben ihre Trauerfeierszene beendet* Harhar...
Titel: Re: Sterbende Figuren
Beitrag von: Steffi am 01. Januar 1970, 01:00:00
Und was macht man, wenn man keine suizidalen Phasen hat?  ::)

Ich bringe Figuren äußerst ungern um, und nur wenn es wirklich, wirklich wichtig für die Geschichte ist. Mir wachsen die zu sehr ans Herz, als das ich sie kaltblütig ermorden könnte. Und ja, wenn, dann wein ich auch dabei :)
Titel: Re: Sterbende Figuren
Beitrag von: Rei am 01. Januar 1970, 01:00:00
Durch diesen Thread habe ich nun endlich eine Idee bekommen, wie ich die Fortsetzung von "Die alte Magie" gestalten könnte... Pah, verrückte Welt... Aber wenigstens hab ichs jetzt... Und wie sollte es anders sein, wird jemand umgebracht... harharhar... Ganz bestialisch, darauf hab ich jetzt Bock. harharhar. *Plot aufschreib* *Ärger mit Chef riskier*
Titel: Re: Sterbende Figuren
Beitrag von: Arielen am 01. Januar 1970, 01:00:00
nana, das klingt aber sehr brutal!
Titel: Re: Sterbende Figuren
Beitrag von: Rei am 01. Januar 1970, 01:00:00
Jajaja, das muß so sein. Rhiamon muß es einfach schaffen, an diesen einen Mann heranzukommen, da er der Einzige ist, mit dem sie das "Kind" zeugen kann, das die Welt verändern soll (haha, aber nicht im positiven Sinne...dumdidum...). Und da sie eh ein wenig, ähm, rabiat veranlagt ist, paßt das ganz gut zu ihr, wenn sie die Frau, ähm, abschlachtet... *plot noch immer im Kopf hab* *kaum zum Aufschreiben komm*
Titel: Re: Sterbende Figuren
Beitrag von: Arielen am 01. Januar 1970, 01:00:00
Ist dein Charakter dann gut oder böse? Ein Mord passt ja nicht so ganz ins Heldenschema. Und je brutaler sie wird, desto mehr könnte das einige Leser irritieren!
Titel: Re: Sterbende Figuren
Beitrag von: Rei am 01. Januar 1970, 01:00:00
Sagen wir mal so: Rhiamon ist die Hauptperson, aber die Böse. Die Geschichte wird aus ihrem Blickwinkel erzählt und der Gute weiß gar nicht, wie ihm mitgespielt wird. Und da paßt so ein brutaler Mord ganz gut rein, denke ich...
Titel: Re: Sterbende Figuren
Beitrag von: Moni am 01. Januar 1970, 01:00:00
ZitatSagen wir mal so: Rhiamon ist die Hauptperson, aber die Böse. Die Geschichte wird aus ihrem Blickwinkel erzählt und der Gute weiß gar nicht, wie ihm mitgespielt wird. Und da paßt so ein brutaler Mord ganz gut rein, denke ich...
Klingt gut, wann kann man das mal lesen?
Titel: Re: Sterbende Figuren
Beitrag von: Rei am 01. Januar 1970, 01:00:00
Den ersten Teil gibt es hier (zu ersten Testzwecken mal gepostet, um Reaktionen zu kriegen...):

http://www.travar.de/koops/fantasyguide/index.php?action=display;threadid=3190594;board=178

Und am zweiten feile ich gerade... Bin aber schon am Kribbeln, ob ich das Ganze nicht zu einer Geschichte zusammenfasse...
Titel: Re: Sterbende Figuren
Beitrag von: Kalderon am 23. Juni 2006, 20:18:32
Ich habe keine Probleme damit, Charaktere sterben zu lassen. Im Gegenteil: es gefällt mir alles zu zerstören (Shinji-Syndrom ;)). Was mich zum weinen bringt ist seelischer Schmerz. Wenn Einsamkeit, Ablehnung und dergleichen den Charakter quälen, dann bin ich ganz dabei. Alles, was mit mir und meinen Romanen zu tun hat, hat mit seelischen Qualen zu tun. Der Tod ist bei meinen Charakteren somit eher eine Erlösung, die sie sich wünschen sollten, aber darauf kommen sie von alleine nicht. Und dummerweise schaffen die Charaktere es nicht, die Qualen auf andere Weise zu bewältigen. Darauf folgt: ewiges Leid bis zum bitteren Ende. *Ich sollte doch mal zum Psychater gehen*
Titel: Re: Sterbende Figuren
Beitrag von: Arielen am 24. Juni 2006, 19:03:32
Zitat von: Kalderon am 23. Juni 2006, 20:18:32
Ich habe keine Probleme damit, Charaktere sterben zu lassen. Im Gegenteil: es gefällt mir alles zu zerstören (Shinji-Syndrom ;)). Was mich zum weinen bringt ist seelischer Schmerz. Wenn Einsamkeit, Ablehnung und dergleichen den Charakter quälen, dann bin ich ganz dabei. Alles, was mit mir und meinen Romanen zu tun hat, hat mit seelischen Qualen zu tun. Der Tod ist bei meinen Charakteren somit eher eine Erlösung, die sie sich wünschen sollten, aber darauf kommen sie von alleine nicht. Und dummerweise schaffen die Charaktere es nicht, die Qualen auf andere Weise zu bewältigen. Darauf folgt: ewiges Leid bis zum bitteren Ende. *Ich sollte doch mal zum Psychater gehen*

Das ist auc mal eine interessante Einstellung. Und gar nicht masl so unrealistisch.
Titel: Re: Sterbende Figuren
Beitrag von: Manja_Bindig am 24. Juni 2006, 19:38:13
Wie gesagt: Das Sterben einer Figur ist mir manchmal nciht so wichtig. Nicht, dass es mich nicht mitnimmt, wenn ich die figur gemocht habe - aber noch wichtiger ist für mich die Lücke, die der tote hinterlässt. Bei einigen die Unfähigkeit zu trauern, bei anderen die schiere Verzweiflung... andere wieder versuchen, damit klarzukommen, indem sie alles runterwürgen und andere trösten.
Und eines auch: eben ist jemand gestorben, den man geliebt hat. Wie geht es weiter? Wie schnell kehrt man zum Alltagsgeschehen zurück... und wie fällt das Gewissen darüber aus?(hat man ein schlechtes, weil man einfach weitermacht?)

Todesfälle sind wunderbare anlässe, die Psyche der Charas zu sezieren.
Titel: Re: Sterbende Figuren
Beitrag von: Hyndara am 05. Juli 2006, 02:13:26
Mh, ich sag mal, es kommt drauf an. Im allgemeinen fällt es mir nicht sehr schwer, Figuren, auch Hauptfiguren sterben zu lassen. Wenn ich an den Fantasyzyklus denke, an dem ich schreibe ... Der Vater der Hauptfigur wurde vor seinen Augen geköpft, seine Geliebte im Auftrag seines leiblichen Bruders im wahrsten Sinne des Wortes geschlachtet, Maskot selbst hatte kurzzeitig einen Faible fürs Hautabziehen entwickelt (okay, das war ein Kapitel, und er war nicht er selbst). Und am Ende wird er ja selbst das Zeitliche segnen ...

Ich denke, es kommt drauf an. Wenn es für die Handlung vonnöten ist, muß die Figur eben geopfert werden, auch wenn es eine Hauptfigur ist. Im allgemeinen fällt mir das meist nicht sehr schwer. Aus irgendeinem, mir damals nicht klaren, Grund fiel es mir allerdings schwer, Maskots Geliebte zu töten. Mit der Szene hatte ich Schwierigkeiten, bis mir klar wurde, daß ich da meinen eigenen Tod inzenierte (ja, ich bekenne, in irgendeiner Figur in jeder meiner Geschichten stecke ich). Angelegt war es eigentlich anders, keine Ahnung, warum ich dann plötzlich die Rollen getauscht habe.

Ich denke auch, es kommt auf die Handlung an, wie explizit man eine solche Szene beschreibt. Ist es für die Dramaturgie wichtig oder eher unwichtig. Den Mord an Maskots Vater habe ich mir vor kurzem noch mal durchgelesen. Normalerweise schreibe ich sehr figurenbezogen, durch die Sicht irgendeines Charakters. Diese Szene habe ich aber mehr von außen beschrieben, zwar durch Maskots Augen, aber irgendwie ganz weit weg. Es kommt nicht so recht Emotion rüber. Aber ich glaube, das ist auch richtig an dieser Stelle, wenn man den Hintergrund kennt. Hyndaras Tod dagegen habe ich, nach diversen Fehlversuchen, fast ganz gestrichen und nur den Anfang der Szene gelassen, um dann zum Ergebnis des ganzen zu kommen. Es war einfach ein Ding der Unmöglichkeit, das ganze glaubhaft rüberzubringen.

Ich gehöre eigentlich zu der Sorte Schreiberlingen, die ein, auf den ersten Blick, böses Ende bevorzugen, da kommen bei mir öfter Hauptfiguren um (gell, Linda). Auf der anderen Seite schreibe ich aber auch mal ein Happy End, und da wird, außer dem Bösen, eigentlich wenig gekillt und am Ende stehen die Figuren entweder vor einem Scherbenhaufen, den sie wieder aufbauen müssen, oder sie haben sich alle lieb.

Bis denne
Ramona
Titel: Re: Sterbende Figuren
Beitrag von: silsi am 05. Juli 2006, 21:27:00
Interessante Frage, Manja.
Ich habe noch nie darüber nachgedacht, dass es schwer sein könnte, einen Charakter sterben zu lassen. Vermutlich, weil ich mehr an der Geschichte hänge als an einem Charakter.

Eine schöne (d.h. gekonnt geschriebene) Sterbeszene ist für mich genauso befriedigend wie eine schöne Liebesszene - obwohl ich zugeben muss, dass ich, wenn ich fröhliche Szenen schreibe, besser gelaunt bin, als wenn ich traurige Szenen schreibe. Die Stimmung des Textes färbt also durchaus ab.

Aber ich denke, ein guter Charkter verdient auch ein würdiges Ende, d.h. ein Ende mit Aussagekraft.

Liebe Grüße
Stefanie
Titel: Re: Sterbende Figuren
Beitrag von: Isabel am 05. Juli 2006, 22:14:10
Bisher habe ich nur sehr wenige Charaktere in meinen Geschichten "umgebracht", und das hat mich emotional kaum berührt. Ich wusste ja vorher, dass sie an einem bestimmten Punkt der Geschichte sterben werden. Das war von mir schließlich so geplant und kam nicht etwa unerwartet, und ehrlich gesagt: Es macht mir sogar irgendwie Spaß, denn ich liebe dramatische Szenen. Ich würde gerne mal eine Figur über die Klinge springen lassen, die so richtig sympathisch ist, um den Leser zu schocken ;).

Allerdings fällt es mir schwer, von Charakteren Abschied zu nehmen, wenn ich mit einer Geschichte fertig bin. Schließlich haben sie mich über Monate oder sogar Jahre begleitet. Ich bin so daran gewöhnt, mich gedanklich ständig mit ihnen zu beschäftigen, da ist diese Umstellung ein bisschen wie ein Entzug. Dann brauche ich eine Weile, um mit der nächsten Geschichte und den neuen Figuren warm zu werden.

Aber dass ich mit dem Tod eines Charakters grundsätzlich Probleme gehabt hätte ist noch nicht vorgekommen.
Titel: Re: Sterbende Figuren
Beitrag von: Kalderon am 05. Juli 2006, 22:46:14
Zitat von: Rei am 01. Januar 1970, 01:00:00
Den ersten Teil gibt es hier (zu ersten Testzwecken mal gepostet, um Reaktionen zu kriegen...):

http://www.travar.de/koops/fantasyguide/index.php?action=display;threadid=3190594;board=178

Und am zweiten feile ich gerade... Bin aber schon am Kribbeln, ob ich das Ganze nicht zu einer Geschichte zusammenfasse...

Der erste Abschnitt hat einen sehr harmonischen Klang. Gefällt mir. Es wirkt sehr klar und verständlich. Das war für mich der erste Text, bei dem ich wirklich etwas über das Schreiben gelernt habe. Wirklich - sehr anregend.  :jau:
Titel: Re: Sterbende Figuren
Beitrag von: MarkOh am 06. Juli 2006, 05:34:46
Also ich muss ehrlich zugeben, dass in meinem Roman-Zweiteiler auch nur Randfiguren den Löffel abgeben. Meine Hauptcharas an sich sollten  ja eigentlich das Ende der Story in die Happy End Schiene drücken. So stirbt nur, was auch sterben muss um die Geschichte am Laufen zu halten...

LG MarkOh
Titel: Re: Sterbende Figuren
Beitrag von: lapaloma am 06. Juli 2006, 07:37:16
Da ich an die Wiedergeburt glaube, betrachte ich das Sterben als das Durchschreiten eines Tors zu einer anderen, neuen Welt. Sterben ist deshalb für mich zugleich Abschluss und Neubeginn. Das versuche ich auch in meinen Geschichten zu vermitteln.
Im Übrigen denke ich, dass ein Autor tausend andere Möglichkeiten hat, seine Protagonisten aus der Geschichte 'verschwinden' zu lassen, als sie einfach 'abzumurksen'. Um mal so richtig in der Klischee-Kiste zu wühlen: Es ist doch wunderschön, wenn der siegreiche Held am Schluss einfach davon reitet, hinein in den Sonnenuntergang, einem neuen, unbekannten Ziel entgegen ;-) Das lässt nicht nur alle Möglichkeiten für die Zukunft offen, ein solcher Schluss hinterlässt auch beim Leser ein besseres Gefühl - und das kann beim Kauf einer eventuellen Fortsetzung entscheidend sein:
Aus marketing-technischen Gründen möchte ich davon abraten, Protagonisten einfach sterben oder sogar Geschichten 'schlimm' enden zu lassen. Mag sein, dass sich der Autor damit selber therapiert, doch für die meisten Leser ist das keineswegs befriedigend: sie bevorzugen ein Happyend.
Grüsse, Sid
Titel: Re: Sterbende Figuren
Beitrag von: Arielen am 06. Juli 2006, 08:22:33
Zitat von: MarkOh am 06. Juli 2006, 05:34:46
Also ich muss ehrlich zugeben, dass in meinem Roman-Zweiteiler auch nur Randfiguren den Löffel abgeben. Meine Hauptcharas an sich sollten  ja eigentlich das Ende der Story in die Happy End Schiene drücken. So stirbt nur, was auch sterben muss um die Geschichte am Laufen zu halten...

LG MarkOh

Na ja, das ist ja eigentlich normal. Aber manchmal denke ich bietet es sich im Rahmen der Dramaturgie auch an, eine der Hauptfiguren sterben zu lassen. Vor allem wenn sie in dem ein oder anderen Happy End stören könnte. Ganz klassisch ist ja der Tod der Rivalin, die dann den Helden sozusagen für die wahre Liebe freigibt. Vor allem in Filmen wird das praktiziert. Oder der Nebenbuhler haucht in der Schlußszene den Geist aus.
Titel: Re: Sterbende Figuren
Beitrag von: Manja_Bindig am 06. Juli 2006, 11:00:39
Oder die eine "Rivalin" verliert ihren langjährigen Freund, erkennt, dass sie ihn eigentlich die ganze Zeit geliebt hat und zieht von Dannen... und das Hauptpaar ist wieder ungestört. So gesehen: Record of Lodoss War... Sheera...(die hat mir wirklich leid getan... arme Kleine...)

Ich merke grad, ich drohe, schon wieder jemanden umzubringen... komischerweise eine figur, die mir ähnlich ist. *schluck*
Titel: Re: Sterbende Figuren
Beitrag von: Lomax am 06. Juli 2006, 12:52:41
Zitat von: Sid am 06. Juli 2006, 07:37:16... doch für die meisten Leser ist das keineswegs befriedigend: sie bevorzugen ein Happyend.
... das hängt natürlich auch von der Zielgruppe ab: Wenn man "Literatur" schreiben und Preise kriegen will, dann gilt ein "Happy End" geradezu als unfein. Worüber sich allerdings ein deutscher Fantasy-Autor keine Gedanken machen muss, weil hierzulande dann schon die Fantasy als unfein genug anzusehen ist ;D
Titel: Re: Sterbende Figuren
Beitrag von: Linda am 06. Juli 2006, 13:04:08
Zitat von: Sid am 06. Juli 2006, 07:37:16
Aus marketing-technischen Gründen möchte ich davon abraten, Protagonisten einfach sterben oder sogar Geschichten 'schlimm' enden zu lassen. Mag sein, dass sich der Autor damit selber therapiert, doch für die meisten Leser ist das keineswegs befriedigend: sie bevorzugen ein Happyend.
Grüsse, Sid


das möchte ich noch mal deutlich unterstreichen.

Ich habe, verstärkt in den letzten Tagen, den Eindruck gewonnen, dass einige bei ihrem Schreiben doch stärker an sich selbst, als an potentielle Leser denken. Ich möchte Schreiben zum Ausdruck der Persönlichkeit oder zum absichtslosen Selbstzweck aus Spaß an der Kreativität nun wirklich nicht verurteilen. Es kommen nicht zwanghaft die schlechtesten Werke dabei heraus. (nicht ironisch gemeint) Aber, und das sollte einem klar sein, auch nicht unbedingt die Bücher, um die Verlage sich reißen.
Das sollte man sich vor Augen halten, um Enttäuschungen zu vermeiden.
Es muss kein seichtes oder unglaubwürdiges Happy End sein. Aber ein Großteil bevorzugt dennoch einen positiven Ausblick für die Helden, die man auf hunderten Seiten lieb gewonnen oder doch zumindest respektiert hat. So ein Ende sollte einfach abgerundet sein, alle tot empfinde ich persönlich als einfach nur ärgerlich (bei einer Kurzgeschichte ist das vielleicht ja mal eine nette Pointe),
Aber das Thema Happy End wäre dann vielelicht wirklich wieder ein neues Thema.

Gruß,

Linda
Titel: Re: Sterbende Figuren
Beitrag von: lapaloma am 06. Juli 2006, 13:17:25
Zitat von: Lomax am 06. Juli 2006, 12:52:41
Zitat von: Sid am 06. Juli 2006, 07:37:16... doch für die meisten Leser ist das keineswegs befriedigend: sie bevorzugen ein Happyend.
... das hängt natürlich auch von der Zielgruppe ab: Wenn man "Literatur" schreiben und Preise kriegen will, dann gilt ein "Happy End" geradezu als unfein. Worüber sich allerdings ein deutscher Fantasy-Autor keine Gedanken machen muss, weil hierzulande dann schon die Fantasy als unfein genug anzusehen ist ;D
Mhm...dann ist das ja fast ähnlich wie beim Theater. Wenn die Akteure auf der Bühne bumsen wie die Karnickel und mit wüsten Zoten das Publikum beleidigen, nennt man das Kunst  ;D
Titel: Re: Sterbende Figuren
Beitrag von: Kalderon am 06. Juli 2006, 15:23:56
Zitat von: Linda am 06. Juli 2006, 13:04:08
Ich habe, verstärkt in den letzten Tagen, den Eindruck gewonnen, dass einige bei ihrem Schreiben doch stärker an sich selbst, als an potentielle Leser denken. Ich möchte Schreiben zum Ausdruck der Persönlichkeit oder zum absichtslosen Selbstzweck aus Spaß an der Kreativität nun wirklich nicht verurteilen. Es kommen nicht zwanghaft die schlechtesten Werke dabei heraus. (nicht ironisch gemeint) Aber, und das sollte einem klar sein, auch nicht unbedingt die Bücher, um die Verlage sich reißen.
Das sollte man sich vor Augen halten, um Enttäuschungen zu vermeiden.
Es muss kein seichtes oder unglaubwürdiges Happy End sein. Aber ein Großteil bevorzugt dennoch einen positiven Ausblick für die Helden, die man auf hunderten Seiten lieb gewonnen oder doch zumindest respektiert hat. So ein Ende sollte einfach abgerundet sein, alle tot empfinde ich persönlich als einfach nur ärgerlich (bei einer Kurzgeschichte ist das vielleicht ja mal eine nette Pointe),
Aber das Thema Happy End wäre dann vielelicht wirklich wieder ein neues Thema.

Gruß,

Linda

Da kann man wohl nur nicken. Die meisten Menschen sind Optimisten, auch wenn sie viel nörgeln und quaken. Deshalb möchten die meisten Leute auch ein Happy-End haben (In Filmen, in Büchern und ganz wichtig: im richtigen Leben). Folglich will auch ein Verlag lieber Manuskripte mit einem Happy-End haben. Verkauft sich doch viel besser  ;)
Als Autor jedoch (die meiner Meinung nach alle einen kleinen oder großen Knacks haben), nimmt man sich ja auch mal herraus, seine eigene Sicht und Meinung dem Leser zu unterbreiten, ob er sie nun hören mag oder nicht - einfach um seiner Selbst willen. Damit er nicht nur redet, sondern auch etwas sagt. Das ist jedenfalls mein Steckenpferd. Problematisch, da meine Geschichten meist sehr finster sind. Mein Lieblingsprojekt lässt es nicht zu, dass der Hauptcharakter überlebt. Er erkennt am Ende seine Fehler, doch der Tod ist ihm gewiss. Es ist auch geschichtstechnisch und stiltechnisch nicht möglich, dem ganzen ein Happy-End zu verpassen. Und krampfhaft kann man soetwas ja dann auch nicht versuchen. Obwohl ich mich natürlich bemühe, Happy-Ends zuzulassen. Aber ich nehme dann lieber einen toten Hauptcharakter in Kauf, der die Leser verstimmt, als einen weiterlebenden Hauptcharakter, der mich verstimmt, weil es das gesamte Buch zerstört, und die Leser verwirrt, weil es nicht in die Geschichte passt. :pfanne:
Titel: Re: Sterbende Figuren
Beitrag von: Arielen am 06. Juli 2006, 15:40:01
Manchmal dürfen Hauptcharaktere ja auch sterben, weil sie damit ihr Schicksal erfüllen. Wenn dann einige der Nebencharaktere, die die Leute auch lieb gewonnen haben, ein bi0ßchen Glück für sich finden sind die meisten Leser ja auch schon zufrieden, weil das Lichtlein der Hoffnung weiter brennt. Nur ganz selten funktionert der völlige Untergang aller Charaktere und ihrer Welt so wie bei Elric, da ja auch er und seine Welt nur ein Teil, eine Facette des Multiversums waren.
Titel: Re: Sterbende Figuren
Beitrag von: Linda am 06. Juli 2006, 16:09:36
@Kalderon

dass Hauptfiguren sterben, muss nicht unbedingt bedeuten, dass es kein Happy End ist. Ich verweise da mal auf "Die sieben Zitadellen" wo der Held auch stirbt, nachdem er eine ganze Menge Erkenntnisse gewonnen hat. Er stirbt an dieser Stelle quasi stellvertretend für sein ganzes Reich und deren dekadenten Lebensstil.
Aber andere kommen davon, die Kultur wird zerstört, um neu geschaffen zu werden. Im Stile von "Stirb und werde"

Wenn eine heroische Hauptfigur stirbt, damit es überhaupt ein Happy end gibt, dann ist das wiederum der nahezu klassische Weg des Helden. Und damit so ungewöhnlich auch nicht.

Es sollte nur passen und nicht zur Regel werden, sonst ist es auch wieder langweilig...

edit: ich sehe gerade, dass Arielen auch was ähnliches zum Thema geschrieben hat.
Titel: Re: Sterbende Figuren
Beitrag von: Manja_Bindig am 06. Juli 2006, 16:25:03
Ich wette, wir alle waren überrascht, als wir den "Herrn der ringe" lasen und Gollum Frodo den Ring vom Finger biss... das war wirklich ne interessante Auflösung.
Andernfalls hätt ich mir vorstellen können, dass Sam sich und Frodo in die Lava gestürzt hätte. Und damit hatte ich auch gerechnet, aber dann kam Gollum und machte HAPS.
Titel: Re: Sterbende Figuren
Beitrag von: Hyndara am 08. Juli 2006, 01:29:04
Tod kann auch eine Weiterentwicklung sein, sehe ich zumindest so. Okay, ich oute mich, ich glaube auch an Wiedergeburt.

Und es kommt auf die Story an. Wenn ich an mein Atlantis denke, da MÜSSEN am Ende fast alle sterben, denn die Insel geht ja bekanntlich unter (okay, bei mir sprengt ein Vulkan die Insel). Nur einige Nebencharaktere überleben, die von den Hauptfiguren weggeschickt wurden. Die aber kommen um (ist im Fall von Maironas auch besser so *hüstel*).

Wenn ich mir vorstelle, ich hätte die ganze Sippschaft am Leben gelassen, ne das geht nicht! Das häte heilloses Chaos hinterher angerichtet. Also besser mit einem Knalleffekt abtreten lassen, meine Meinung.
Titel: Re: Sterbende Figuren
Beitrag von: Manja_Bindig am 08. Juli 2006, 16:21:25
Hm... Knalleffekte sind toll, wenn man sie richtig setzt - und gerade bei atlantis hat man was, wo man nicht an Knalleffekten sparen muss(solange man noch ne Story drinhat :) ) Ich liebe knalleffekte. Kann nur keine schreiben. :rofl:
Titel: Re: Sterbende Figuren
Beitrag von: Zealot am 08. Juli 2006, 16:28:00
bei den Brüdern Löwenherz von Astrid Lindgren sterben auch beide am schluss.
Oder sie treten über nach Nangidingsda...
Titel: Re: Sterbende Figuren
Beitrag von: Arielen am 08. Juli 2006, 16:35:18
Zitat von: Zealot am 08. Juli 2006, 16:28:00
bei den Brüdern Löwenherz von Astrid Lindgren sterben auch bei am schluss.
Oder sie treten über nach Nangidingsda...

Was ich für ein Kinderbuch schon immer bemerkenswert gefunden habe. Sie treten praktisch vom Tal der Prüfungen in das Paradies ein. Interessant, wie sie hier die nordische Mythologie mit christlichen Elementen vermischt hat
Titel: Re: Sterbende Figuren
Beitrag von: Linda am 08. Juli 2006, 19:03:56
Zitat von: Zealot am 08. Juli 2006, 16:28:00
bei den Brüdern Löwenherz von Astrid Lindgren sterben auch bei am schluss.
Oder sie treten über nach Nangidingsda...

Nangijala und Nagilima, wenn ich bitten darf.

PS. das ist so ein tolles Buch!
Titel: Re: Sterbende Figuren
Beitrag von: Zealot am 08. Juli 2006, 20:14:47
Zitat von: Linda am 08. Juli 2006, 19:03:56
Zitat von: Zealot am 08. Juli 2006, 16:28:00
bei den Brüdern Löwenherz von Astrid Lindgren sterben auch bei am schluss.
Oder sie treten über nach Nangidingsda...

Nangijala und Nagilima, wenn ich bitten darf.

PS. das ist so ein tolles Buch!

waren sie nicht in Nangijala und Nagilima (das eine war das gute das andere wurde beherrscht von Tengil)?
Titel: Re: Sterbende Figuren
Beitrag von: Karin am 11. Juli 2006, 11:38:09
Es gab das Kirschtal (glaube ich - das gute) und das Heckenrosental, das beherrschte.

Nangijala war die Welt an sich, die nächste Ebene, in die sie kommen, wenn sie in Nangijala sterben, ist Nangilima.

Wobei ich einmal gelesen habe, dass Frau Lindgren evtl. Nangijala als Traum und Nangilima dann als Paradies gesehen hatte. Nur, stimmt das? Ich weiß es nicht.

Jedenfalls weine ich jedesmal am Anfang des Buches. Es ist so schlimm, wenn Jonathan stirbt. Ich wollte es einmal meiner Tochter vorlesen und konnte das Weinen nicht unterdrücken. War das unangenehm.  ;)
Titel: Re: Sterbende Figuren
Beitrag von: Papiervogel am 13. Juli 2006, 16:12:00
Wobei das schon eine Art Sonderfall ist: Wenn eine Hauptfigur am Anfang des Buches stirbt und dann doch das ganze Buch über da ist, ist das ja eigentlich kein "richtiges" Sterben, oder?
Titel: Re: Sterbende Figuren
Beitrag von: Manja_Bindig am 13. Juli 2006, 20:04:54
Hallo Papiervogel(bitte im entsprechenden Thread vorstellen, ja? :) )

Unterschiedlich... ich hab mal ein Buch gelesen, wo die Hauptfigur am Anfang strb. Die Schwester des Mannes erzählte sein Leben aus ihrer Erinnerung. Er ist die ganze Zeit da, es ist ein auktorialer Erzähler(mehr oder weniger), aber es ist so eine Verdammte Traurigkeit in dem Buch - er IST tot. Und das macht das relativ glücklliche Leben, das die Schwester schildert, umso bitterer
Titel: Re: Sterbende Figuren
Beitrag von: Volker am 13. Juli 2006, 21:43:49
Ich schreib' gerade an einem Drehbuch, an dem *keiner* der Haupt- und Nebencharaktäre überleben kann - und auch ihre Familien und Freunde nicht.  Die letzten Überlebenden in Flucht und aussichtslosen Kampf (mit dem Rücken zur Wand) gegen eine erdrückende Übermacht.

Nicht einfach, da der Leser/Zuschauer das zwar durchaus vom Start weg wissen kann, aber sich trotzdem noch mit den Hauptrollen identifizieren bzw. sympathisieren soll.
:-\
Titel: Re: Sterbende Figuren
Beitrag von: Papiervogel am 14. Juli 2006, 12:40:31
Es überlebt gar keiner?
Ist das nicht doch ein bisschen deprimierend beim Schreiben?
Titel: Re: Sterbende Figuren
Beitrag von: Volker am 14. Juli 2006, 13:27:15
Zitat von: Papiervogel am 14. Juli 2006, 12:40:31
Es überlebt gar keiner?
Nein - nach derzeitiger Planung nicht. Naja, ein halber vielleicht. Seine Seele und Lebensenergie auf ewig gefangen und endlos auf sich selbst zurückgeworfen. Wird entsprechend schnell wahnsinnig - aber "überlebt", wenn man das denn so formulieren will.

Zitat von: Papiervogel am 14. Juli 2006, 12:40:31
Ist das nicht doch ein bisschen deprimierend beim Schreiben?
Ja und nein. Dadurch, dass ich das schon lange weiß, ist das okay. Denn der Film stellt einen Schlüsselpunkt in der (lang' vergangenen) Geschichte eines Volkes dar, der bis heute auswirkt. Auch für den Zuschauer soll das insgesamt nachvollziehbar, akzeptabel und okay sein. Grob ein Drittel der Charaktäre wird wohl in den letzten 5 Minuten des Films 'dran glauben müssen, der Rest verteilter über den gesamten Film.

Entsprechend könnte das für Unvorbereitete stellenweise ziemlich böse werden - auch wenn eigentlich keine Schlacht-/Splatterszenen 'drin sind, würde ich den nicht unter FSK16 freigeben wollen. Die Brutalität entsteht dabei v.a. in der Vorstellung des Zuschauers.

So gesehen - nein, nicht wirklich deprimierend. Einige Stellen wunderschön, so dass man weinen könnte (hoffentlich). An anderen aber brutal. Allein wie ich jetzt gerade 'drüber schreibe wird mir schon vom Gedanken an ein paar Szenen schlecht - kalter Kloß im Magen, Gänsehaut.

Ich hoffe, das kann ich 'rüberbringen...
Titel: Re: Sterbende Figuren
Beitrag von: Espérance am 08. Juli 2007, 23:37:44
Charaktere sterben zu lassen finde ich ist eines der schwersten Sachen überhaupt.

Selbst wenn ich genau weiß, dass sie sterben müssen, hader ich immer wieder mit mir selbst, überarbeite den Plot 1000mal und überlege immer wieder aufs neue, ob ich die Person doch nicht vielleicht weiter leben lassen kann.

Bislang habe ich noch keine Hauptpersonen umgebracht, bei einem Plot steht einer der Hauptcharaktere jedoch immer wieder auf der Todesliste, dann streiche ich ihn wieder mit dem Gedanken "nein, das kannst du den anderen (Charakteren) nicht antun", dann schreibe ich ihn wieder drauf "aber er muss doch sterben" und so weiter. Das geht inzwischen schon eine gute Ewigkeit so und ich weiß immer noch nicht, was ich im Endeffekt mit ihm machen soll.

Ich hasse es mehr als alles andere, Charaktere umbringen zu müssen, aber wenn ich es nicht täte, wäre es auch unlogisch, also müssen eben ein paar dran glauben. Nur Friede-Freude-Eierkuchen Geschichten will ich schließlich auch nicht schreiben. Ich habe mal ein ganzes Dorf niederbrennen lassen, das fand ich ziemlich grauenvoll.  :'(

Eigentlich sehr beunruhigend, wenn ich bedenke, dass ich in meinen zukünftigen Projekten öfters mal den Tod eines Hauptcharakters eingeplant habe. Ich bin sehr gespannt, ob ich das überhaupt hin bekomme.  :schuldig:

Bin alles andere als ein eiskalter Mörder...
Titel: Re: Sterbende Figuren
Beitrag von: Lavendel am 09. Juli 2007, 06:46:25
Auch wenn es traurig ist, lass den/die Chara ruhig sterben. Wenn es teil der Geschichte ist und sie besser macht, solltest du ihn/sie nicht krampfhaft retten wollen.
Bei mir sind die Charaktere eigentlich immer vor dem Plot da. Trotzdem weiß ich, wer von ihnen vermutlich sterben wird. Es gibt so Figuren, denen steht kein anderes Schicksal.
Aber ich sehe den Tod von Protas auch nicht als etwas Schlimmes. Für mich wird es in meinem momentanen Projekt wahrscheinlich eine riesige Erleichterung sein, wenn es soweit ist (obwohl ich die Dame wirklich sehr mag).
Mir geht es darum eine gute Geschichte zu schreiben - und eine Geschichte wird auch durch ihre Chraktere gut. 'Gutes' Sterben gehört für mich einfach dazu. Auch weil es etwas ist, das Emotionen beim Lesen auslöst (auslösen sollte, wenn man alles richtig macht). ;)
Und in deinen Gedanken lebt der/die Chara ja weiter! ;)
Titel: Re: Sterbende Figuren
Beitrag von: Manja_Bindig am 09. Juli 2007, 12:05:19
Andererseits... es beruhigt mich immer gewissermaßen, wenn ich um meine Charaktere trauern kann. Ich hab schon dermaßen viele Charas umgebracht, dass ich ganz ehrlich Angst habe, dass ich mich irgendwann daran gewöhne, sie zu töten und quasi abstumpfe. Ich weiß nähmlich ganz genau, dass sich das auf meine Schreibe auswirken würde und das wäre ein Horror.
Ich kann abgestumpft schreiben und gleichzeitig rotz und Wasser heulen.
Aber abgestumpft sein und den Leser heulen lassen - neee.

Ganz schlimm war es damals, als ich meinen Mirash habe sterben lassen... ich wusste, dass er sterben muss, er selbst wusste auch, dass er keine Zeit mehr hat. Das war ein echter Alptraum, weil er sehr ruhig und abgeklärt an die Sache heranging, aber sein Umfeld hat schrecklich drunter gelitten...
... fiel auch mit einem ähnlich gearteten Todesfall in meiner Familie zusammen. Als er dann tot war, konnte ich für eine ganze Weile nicht mehr schreiben. Es war wirklich ein absolutes Alptraumgefühl... aber wenn ich mir das heute durchlese, sein Sterben und wie seine Mitmenschen um ihn trauern... das ist eines der besten Dinge, die ich je zustande gebracht habe, zumindest meinem Empfinden nach.

Titel: Re: Sterbende Figuren
Beitrag von: Grey am 09. Juli 2007, 12:50:43
Ich hatte da mal einen Charakter, der hatte in seinem Leben nie ein Schachspiel verloren... er war so gut, dass er es sich leisten konnte, in jedem Spiel die Springer zu retten, weil er so ein Pferdenarr war. Aber eines Tages hat er dann eine junge Dame getroffen, die ihm im Schach tatsächlich das Wasser reichen konnte. Da hat er seine Pferde geopfert und rettet sie jetzt nur noch, wenn die Partie sowieso verloren ist.

Damit möchte ich Lavendel meine volle Zustimmung zu ihrem Kommentar geben. ;)  :jau:

Ich hoffe immer nur, dass ich den Tod meiner Lieben so schildern kann, dass der Leser darüber genau so traurig ist wie ich...
Titel: Re: Sterbende Figuren
Beitrag von: caity am 09. Juli 2007, 13:28:06
Hallo Manja,

also eine bestimmte Zeit wann ich Sterbeszenen schreiben kann und wann nicht habe ich so eigentlich nicht. Also zumindest könnte ich es nicht so wie du jetzt an Suizid oder etwas ähnlichem fest machen. Heulen tue ich auch nicht, aber teilweise nimmt es mich schon ziemlich mit. Einfach, weil ich viel zu sehr in Azzura drin bin, der das Ganze relativ nahe geht. Den richtig schlimmen Tod habe ich allerdings noch nicht geschrieben. Ich bin mal gespannt, wie das läuft, ich fürchte nämlich, das mich mein zweiter Teil in eine ziemliche Depriphase stürzen wird *räusper* Es passiert ziemlich viel "schlimmes", zwei Charaktere sterben, die Azzura verdammt wichtig sind, aber es geht nicht anders. Sie wird im dritten Teil wieder aufgebaut, aber im zweiten ist es richtig schlimm. Ich glaub ich schneid das Thema noch einmal an, wenn ich den hinter mir hab ^^"

Bye
caity
Titel: Re: Sterbende Figuren
Beitrag von: Artemis am 09. Juli 2007, 13:33:53
Ich wähle auch immer behutsam aus, wen ich wie sterben lasse, und bemühe mich dann, diese Person so sauber wie möglich zu zeichnen, damit der Leser auch den gleichen Stich empfindet, den ich beim Schreiben spüre. Dieses sinnlose Abschlachten finde ich ganz furchtbar  :gähn:

Kennt jemand von euch die Elfen-Trilogie von Jean-Louis Fetjaine?
Der Mann "entsorgt" seine Charaktere wie andere den Biomüll! Zuerst wirft er zig Figuren ins Buch, um sie dann nacheinander abzumurksen, möglichst grausam und widerlich, weil sie ihn wahrscheinlich aufregen oder er mit ihnen im weiteren Geschichtsverlauf nix mehr anfangen kann. Das Schlimme ist, dass die Charaktere dann noch so platt sind, dass man beim Lesen bloß die Schulter zuckt und denkt: "Ups, also noch einer ..."

Ehrlich, ich verstehe den Sinn in so was nicht. Wir sind doch keine Regisseure aus Hollywood, die mit Blut und Tod die Leute locken ...  :nöö:
Titel: Re: Sterbende Figuren
Beitrag von: Lavendel am 09. Juli 2007, 17:44:16
Right Artemis! Sag ich ja immer: ein Roman ist kein Popcornkino! Man tötet einfach keine Charas, nur weil man eben jemanden töten will. Das will nun wirklich keiner lesen. Wo bleibt denn da die Spannung? Spätestens nach der dritten Leiche weiß man erstens, dass die nächsten drei garantiert auch draufgehen. *gähn* Wie öde!
Titel: Re: Sterbende Figuren
Beitrag von: Anathor am 09. Juli 2007, 18:01:05
Hmm also bei mir ist inzwischen erst eine Figur gestorben, dieser Tod ist wichtig und bringt die Geschichte überhaupt erst in Gang.

Ich hab aber schon einige Tode geplottet, und es ist kein sinnloser dabei... Aber ich freu mich auch gar nicht darauf, diese Szenen zu schreiben.
Ein paar Tote müssen, so meine Meinung, nun mal sein- sonst ist es... hmm.. kinderbuchartig. Oder in den Worten einer Druiden aus einem Computerspiel:
"Important things are never free."

Und so versuch ich eben, die Tode sinnvoll zu gestalten. Einfach so, nur um jemand zu entsorgen, mach ich das nicht. Jeder Tod einer wichtigen Person löst irgendwas aus oder bringt schwierige Folgen mit sich, mehr als die Schwächung der Party um einen Mann.

Dann tipp ich mal weiter ab *eigenehandschriftentziffermuss*
Titel: Re: Sterbende Figuren
Beitrag von: Grey am 09. Juli 2007, 18:47:50
Zitat von: Anathor am 09. Juli 2007, 18:01:05

Ein paar Tote müssen, so meine Meinung, nun mal sein- sonst ist es... hmm.. kinderbuchartig.


Hmm... würd ich so jetzt nicht verallgemeinern... zu einem Kinderbuch gehört schon etwas mehr als einfach nur niemanden sterben zu lassen...

Ich muss ja tatsächlich zugeben, dass ich meist eher mehr als weniger Leute sterben lasse... eben WEIL in meinen Geschichten schlimme Dinge passieren... gemeinerweise bringen sich die Protas auch schonmal gegenseitig um die Ecke...
Titel: Re: Sterbende Figuren
Beitrag von: THDuana am 09. Juli 2007, 19:01:08
@ Anathor
Wenn für dich Sterben eine Kindergeschichte ausmacht, dann kenne ich viele Kindergeschichten, die falsch eingeordnet sind. ::)
Es gibt auch Bücher für Jugendliche, da muss niemand sterben damit es keine Kindergeschichte ist.
Sterben gehört in sofern für mich zu Geschichten, als das es zum Leben, also auch zu den Figuren gehört. Aber in einer Geschichte muss für mich niemand sterben.
Aber interessant wird es, wenn es einen festen Plan für die Protagonisten gibt und dann jemand stirbt, alles umwirft und die Figuren stehen im Nirgendwo. Das finde ich höchst interessant und spannend, aber nur, damit gestorben wird - nein.
Allerdings wenn jeder Tote nach sich eine starke Veränderung zieht und diese Veränderungen in der Geschichte praktisch "nur noch" durch den Tod erzeugt werden, nervt mich das. Ich möchte die Figuren auch verfolgen und nicht nur immer tot sehen. 
Titel: Re: Sterbende Figuren
Beitrag von: Füchslein am 09. Juli 2007, 19:24:39
Lange Zeit hab ich mich sehr darüber aufgeregt, wenn wieder ein Autor meine Lieblingsfigur hat sterben lassen - bis ich gemerkt habe, dass ich es selbst tue. ;)
Wer sterben muss, steht meist schon von Anfang an fest, weil seine charakterliche Entwicklung oder der Verlauf der Geschichte (oder eben beides) es gar nicht anders zulässt. Deshalb dachte ich lange, dass mich das so kalt lassen würde wie bei der Planung. Aber wenn einem die Charaktere dann erst ans Herz wachsen... Es ist jedes Mal von Neuem eine Überwindung, auch wenn ich weiß, dass es sein muss (denn ich lasse niemanden sinnlos sterben). Es ist ja nicht nur beim Schreiben, sondern bei jedem weiteren Lesen traurig. Als kleinen Trost sehe ich es dann aber doch an, wenn rüberkommt, dass es... eigentlich das Beste für die Figur ist, dass sie dadurch erst endgültig ihren Sinn erfüllt. Ich wäge trotzdem immer lange ab, ob es denn wirklich sein muss. Mit einem Charakter ringe ich ganz aktuell um sein zukünftiges Schicksal - ob es tatsächlich der Sinn seiner Existenz ist oder nicht. Er sagt nein, ich prinzipiell auch, nur leider ist mir eine gute Idee gekommen, die nur diesen einen Haken hat... Mal sehen, wie es sich entwickelt. Vielleicht ist die Geschichte ja auch auf andere Art zu retten...  :-\
Titel: Re: Sterbende Figuren
Beitrag von: Isabel am 10. Juli 2007, 00:44:50
Falle ich total aus dem Rahmen, wenn ich sage, dass es mir in gewisser Weise sogar Spaß macht, Charaktere sterben zu lassen? Bisher zumindest habe ich *nachzähl* in zwei Romanen etwa sechs Charaktere umgebracht - allesamt Figuren, an denen ich mehr oder weniger hing, darunter auch einige meiner absoluten Lieblinge, in deren Entwicklung ich viel Herzblut gesteckt habe. Trotzdem habe ich die entsprechenden Kapitel gerne geschrieben und plane schon voller Vorfreude die nächsten Tode. :snicker:
Titel: Re: Sterbende Figuren
Beitrag von: Judith am 10. Juli 2007, 10:58:05
Nö, ich denke nicht, dass du aus dem Rahmen fällst. Sterbeszenen können sehr faszinierende, interessante Szenen sein (also schreibtechnisch), insofern ist es keineswegs abwegig, wenn mansie gern schreibt.
Ich selbst hab auch kein wirkliches Problem damit, Charaktere sterben zu lassen und emotional berührt mich das eher wenig. Das liegt daran, dass ich es selbst ja in der Hand habe und von Anfang an weiß, wer sterben muss. Als Leserin bin ich da ganz anders - da bin ich sehr nahe am Wasser gebaut und leide unendlich, wenn Charaktere sterben, die ich mag.
Beim Schreiben selbst berührt mich am ehesten noch die Trauer der anderen Charaktere, aber der Tod eines Charakters an sich bereitet mir keine Kopfzerbrechen.  :innocent:
Titel: Re: Sterbende Figuren
Beitrag von: Anathor am 10. Juli 2007, 14:10:01
Zitat von: Duana am 09. Juli 2007, 19:01:08
@ Anathor
Wenn für dich Sterben eine Kindergeschichte ausmacht, dann kenne ich viele Kindergeschichten, die falsch eingeordnet sind. ::)
Es gibt auch Bücher für Jugendliche, da muss niemand sterben damit es keine Kindergeschichte ist.
Sterben gehört in sofern für mich zu Geschichten, als das es zum Leben, also auch zu den Figuren gehört. Aber in einer Geschichte muss für mich niemand sterben.
Aber interessant wird es, wenn es einen festen Plan für die Protagonisten gibt und dann jemand stirbt, alles umwirft und die Figuren stehen im Nirgendwo. Das finde ich höchst interessant und spannend, aber nur, damit gestorben wird - nein.
Allerdings wenn jeder Tote nach sich eine starke Veränderung zieht und diese Veränderungen in der Geschichte praktisch "nur noch" durch den Tod erzeugt werden, nervt mich das. Ich möchte die Figuren auch verfolgen und nicht nur immer tot sehen. 
Zitat von: Grey am 09. Juli 2007, 18:47:50
Hmm... würd ich so jetzt nicht verallgemeinern... zu einem Kinderbuch gehört schon etwas mehr als einfach nur jemanden sterben zu lassen...

Ich muss ja tatsächlich zugeben, dass ich meist eher mehr als weniger Leute sterben lasse... eben WEIL in meinen Geschichten schlimme Dinge passieren... gemeinerweise bringen sich die Protas auch schonmal gegenseitig um die Ecke...

Ich hab das nicht als DAS Kriterium eines Kinderbuchs eingeordnet, sondern als EIN Kriterium, und das auch nur auf den Bereich Fantasy bezogen- ich weiß, hätte ich erwähnen sollen.

Genau genommen: Bei einem Fantasy-Roman ist für mich eine Todlosigkeit ein klares Kinderbuchelement.

Das ist einfach unvorstellbar, dass solch große Aktionen, die man im (guten) Fantasy meist hat, ohne Verluste wichtiger Personen abgehen... Auch wenn ich "unvorstellbar" selten aus meinem Wortschatz herauskrame, diesmal tu ich das.
Titel: Re: Sterbende Figuren
Beitrag von: THDuana am 10. Juli 2007, 14:16:48
Zitat von: Anathor am 10. Juli 2007, 14:10:01Ich hab das nicht als DAS Kriterium eines Kinderbuchs eingeordnet, sondern als EIN Kriterium, und das auch nur auf den Bereich Fantasy bezogen- ich weiß, hätte ich erwähnen sollen.
Es kam aber so an, als würdest du sagen: "Jedes Fantasybuch, in dem nicht gestorben wird, ist ab 10 Jahre."
Das würde ich so nicht sagen. Wie du bereits angedeutet hast: Ein Kinderbuch besteht aus mehreren Kriterien. Aber auch Tod kommt in Kinderbüchern vor.
Und es gibt auch Bücher, die nicht ab 12 sind und dennoch ohne Tod auskommen.


Titel: Re: Sterbende Figuren
Beitrag von: Grey am 10. Juli 2007, 14:22:10
ZitatDas ist einfach unvorstellbar, dass solch große Aktionen, die man im (guten) Fantasy meist hat, ohne Verluste wichtiger Personen abgehen... Auch wenn ich "unvorstellbar" selten aus meinem Wortschatz herauskrame, diesmal tu ich das.

Hm, ich schätze, dann gehen unsere Meinungen schon an einem viel früheren Punkt auseinander... nämlich dass gute Fantasy immer über große Aktionen berichten muss. ;) Klar, oft ist das so. Aber ich habe vor ner Weile ein Buch gelesen... jetzt hab ich den Titel vergessen... *argh*, da ging es bloß darum, dass der Prota einen Brief bekommen hat, der nicht für ihn war, mit einer offenbar für den Empfänger wichtigen Nachricht, die er aber nicht verstanden hat, und wie er den Brief seinem richtigen Empfänger zuzukommen lassen versucht. Voll großartig, aber es geht wirklich nicht um eine große Sache, es stirbt auch niemand - aber ich fand es trotzdem wirklich gut und interessant und war traurig als es zu ende war...
Titel: Re: Sterbende Figuren
Beitrag von: Anathor am 10. Juli 2007, 19:42:37
Da fällt mir das gute alte "Geschmackssache" ein... Wenn ich Fantasy lesen will, dann eben schon etwas größeres, kleine Abenteuer bietet mir der Alltag.

Aber ich kann mir schon vorstellen, das manche Leser auch "unwichtigere" Handlungen interessieren...

Tut mir Leid, wenn ich mich manchmal etwas undeutlich ausdrücke... Das wird schon, glaubt mir  ;).
Titel: Re: Sterbende Figuren
Beitrag von: Lavendel am 10. Juli 2007, 20:52:51
Unwichtig ist auch Definitionssache. Du meinst wohl epische Schlachten, Ungeheuer und vielleicht eine Prise elementaren Kampf Gut gegen Böse, Anathor.
Ja, Geschmackssache. Ich finde diese Mythen überholt, aber das gehört in einen anderen Thread ;).
In so einem Szenario wäre es aber, denk ich mal, wirlklich etwas kinderbuchmäßig, wenn niemand draufgehen würde. Wenn man aber vom Megakampf um Leben und Tod absieht, braucht es nicht unbedingt Leichen für ein gelungenes (Fantasy)Buch.
Titel: Re: Sterbende Figuren
Beitrag von: Anathor am 10. Juli 2007, 21:29:49
bitte nicht hauen, Mods und Admins, das letzte mal, dass ich etwas dazu schreibe  :pfanne:.
Lavendel,

ungefähr das meine ich, weshalb ich unwichtig in Anführungszeihen gesetzt habe...

Wobei es bei mir auch kaum große Schlachten gibt, auch kaum Ungeheuer. Was ich Kriegstechnisch dran bringe, gleicht eher Nadelstichen als Schlachten.  Wenn 500.000 gegen 250.000 kämpfen oder es Leute gibt, die Sätze wie "Führwahr, so lasset uns denn den Drachen erschlagen." loslassen, das finde ich überholt (vielleicht meinst du auch unter anderem so etwas).

Aber nun back to topic, ich Spammer... :darth:
Titel: Re: Sterbende Figuren
Beitrag von: Antigone am 10. Juli 2007, 22:32:17
Ich gebe es zu: ich mag keine perfekten Happy-Ends, dh. wenn es zum Schluß 2 Pärchen gibt, muss zumindest einer von denen sterben.

ABER: als ich meinen Beitrag für den HOhlbein-Wettbewerb geschrieben habe, hat mich die Frage, ob ich in einem Jugendroman auch einen Sympathieträger sterben lassen darf, in einen schweren Konflikt gestürzt. So sehr, dass ich tatsächlich ein "positives" Ende, wo derjenige überlebt, entworfen habe. Hab ich letztendlich wieder verworfen.... he, vielleicht hab ich deswegen nicht gewonnen?  ;)

Früher schien es Usus zu sein, dass in Büchern für jüngere Zielgruppen niemand sterben darf (zumindest nicht die Guten). Deswegen gibt es doch eine unsägliche Menge an älteren Werken, wo sich zum Schluß alles als ein Traum herausstellt und all die lieben Verstorbenen wieder putzmunter sind. *würg* Spontan fällt mir das Hohlbeins Elfentanz oder auch Märchenmond ein.

Mittlerweile scheinen die lieben Kinder heutzutage abgebrühter zu sein, und der Tod ist kein Tabuthema mehr.

Lg, A.
Titel: Re: Sterbende Figuren
Beitrag von: Grey am 11. Juli 2007, 00:29:41
Jo... wie Goldman schon in die Brautprinzessin so schön schreibt: "Das Leben ist nicht gerecht!"
Das müssen Kinder schließlich auch lernen... ::)

Nein, mal ernsthaft... ich finde tatsächlich nicht, dass in Kinderbüchern jemand sterben muss. Also wirkliche KINDERbücher. Jugendbücher sind schon noch ein bisschen was anderes, aber ich presönlich finde es schön, wenn man zumindest Kindern noch ein Stück heile Welt lässt. Und dazu gehört dann auch, dass man mit dieser Traum-Wiederkehr-Geschichte gar nicht erst anfängt. Das kann ich nämlich auch nicht leiden. ^^

Andererseits habe ich mal gemerkt, dass ich überhaupt nicht gut darin bin, Kinderbücher zu schreiben. Ist mir nicht grau genug... (Wortwitz gemerkt? *applaus applaus* ;D )
Titel: Re: Sterbende Figuren
Beitrag von: Drachenfeder am 11. Juli 2007, 20:05:17
Ich habe in meinem ersten vollendeten Manuskript eine Hauptfigur sterben lassen (wie sich das anhört) ... also sie musste leider sterben. Heftige Verletzungen.
Beim Schreiben war das ok, aber als ich mir es dann selbst noch mal durchgelesen habe, da bekam ich Gänsehaut und etwas Pippi in die Augen... Warum? Ich mein, es ist doch meine eigene Geschichte... sehr merkwürdig.

Aber als meine "Lektoren" es gelesen haben und beide unabhängig voneinander gesagt haben "Wie konntest du das zulassen?" da war mir klar das es die richtige Entscheidung war :) Ich liebe es wenn ich Leute schocken kann  :jau:
Titel: Re: Sterbende Figuren
Beitrag von: Maran am 07. August 2007, 18:33:43
Meiner Meinung nach sollten in reinen Kinderbüchern die Charaktere nicht sterben. Die Kinder heutzutage werden so schnell erwachsen, und ihr Leben ist meist nicht halb so perfekt, wie es sein sollte, da sollten schon die Bücher eine mehr oder weniger heile Welt zeigen.

Wie ich reagiere, wenn ich einen liebgewonnenen Charakter sterben lasse? Es kommt auf die Figur an. Bei Jasper habe ich geheult wie ein Schloßhund  :'(
Letztens habe ich einen Romanentwurf hervorgekramt und durchgelesen ... und bin zu dem Entschluß gekommen, daß zumindest eine von den Hauptfiguren überleben sollte, falls ich das Ding jemals zuende schreibe. Ich glaube, ich war in einer etwas morbiden Phase, als ich das schrieb.  :seufz:
Titel: Re: Sterbende Figuren
Beitrag von: Termoniaelfe am 07. August 2007, 21:46:58
ZitatMeiner Meinung nach sollten in reinen Kinderbüchern die Charaktere nicht sterben. Die Kinder heutzutage werden so schnell erwachsen, und ihr Leben ist meist nicht halb so perfekt, wie es sein sollte, da sollten schon die Bücher eine mehr oder weniger heile Welt zeigen.

Nun ich denke da etwas anders. Ich bin der Ansicht, je eher man erkennt, wie die Welt da draußen funktioniert, um so besser. Der Tod gehört nunmal zum Leben dazu. Und das Leben ist eben nicht nur schwarz und weiß, nein bisweilen ist es auch ganz schön grau. Natürlich ist es immer vom Alter der Zielgruppe abhängig. Ich halte gar nix davon nur über eine heile Welt zu schreiben. Es würde der Kontrast flöten gehen. Für mich ist es wichtig, dass das Gute am Ende sich durchsetzt. Aber möchte ich auch zeigen, dass dies nicht immer ohne Opfer geht.

LG
Termi
Titel: Re: Sterbende Figuren
Beitrag von: Lavendel am 08. August 2007, 08:28:12
Naja, also kommt drauf an. Ich denke für Kinder ab 8 oder 9 ist es (je nach Kind natürlich) schon in Ordnung, wenn in einem Buch jemand stirbt. Das muss man nur kindgerecht rüberbringen. Ich kann mich noch gut an Sophiechen und der Riese erinnern. Also, ich finde das Buch ist ganz schön grausam, dafür dass es ein Kinderbuch ist. Ich meine, der Blutgurgler, der Mädchenmanscher... und die fressen ja tatsächlich Waisenhäuser leer. Aber ich fand das Buch toll. Ich finde es immer noch toll. Und für meine Begriffe hatte das mir Erwachsenwerden gar nüscht zu tun.
In einem Buch für fünfjährigen würde ich das aber auch etwas fragwürdig finden... Generell würde ich aber sagen, es kommt drauf an, wie weit ein Kind in seiner Entwicklung ist. Und dann liegt es natürlich in der Verantwortung der Eltern, das zu erkennen.
Titel: Re: Sterbende Figuren
Beitrag von: Grey am 08. August 2007, 09:01:13
Ich denke, es gibt für Kinder viel verstörendere Sachen als dass in einem Buch jemand stirbt, vielleicht einfach weil so ein kleines Kind vom Tod noch nicht den gleichen Begriff hat wie ein Erwachsener.

Kennt jemand "Das Traumfresserchen" von Michael Ende? Das Buch hat mich als Kind voll fertig gemacht, und ich finds immer noch total gruselig ...
Titel: Re: Sterbende Figuren
Beitrag von: Maran am 08. August 2007, 09:13:26
Ich habe als kleines Kind viel Märchen gelesen und gehört. Märchen fand und finde ich immer noch toll. Aber Andersen ... ? Dessen Geschichten mochte ich gar nicht. Dabei ist es bis heute geblieben. Die einzige Ausnahme bildet "Das häßliche Entlein", wobei die Verfilmung von Walt Disney an dieser Einstellung nicht ganz unschuldig ist.
Titel: Re: Sterbende Figuren
Beitrag von: Grey am 08. August 2007, 09:20:05
Es gibt eine Disney-Verfilmung von "Das hässliche Entlein"? :o

Aber Grimms Märchen sind ja nun auch schon doch recht grausam ... was sie nicht weniger großartig macht ;D
Titel: Re: Sterbende Figuren
Beitrag von: Chuck am 08. August 2007, 09:39:03
Ich erinnere mich in dieser Insicht an den Däumling... auf meiner Hörspiel MC hatte ich durchaus Schiss, wenn der dicke Riese mit kratziger, mörderischer Stimme androhte, die Kinder zu zerfetzen und sie anschließend zu Essen.

Ich denke, dass man es natürlich handhaben kann, wie man will. Aber sterbende Personen im Märchenbüchern würde ich insofern "unterstützen", weil damit in der Hauptlernphase des Kindes gegen den dämlichen (meist chistlich angehauchten) Gedanken von Tod angegangen wird.
Allerdings sollte ein Buch oder eine Geschichte nicht primär die Aufgabe übernehmen müssen, aufzuklären. Aber schaden kann es auch nicht.
Titel: Re: Sterbende Figuren
Beitrag von: Maran am 08. August 2007, 10:24:49
@ Grey: "Ugly Duckly"  ;). Ist ein Kurzfilm, der wahrscheinlich - und dabei kann ich mich auch irren - mal als Vorfilm diente.
(Sry für das OT)

Natürlich sind die Grimmschen Märchen grausam, aber ein Kind liest ein Märchen mit dem Wissen, daß es ein Märchen ist und gut ausgeht. So erging es mir jedenfalls. Ich hatte einen gewissen Abstand zu diesen Geschichten. Anders dagegen bei den Andersen-Märchen. "Das Mädchen mit den Schwefelhölzern", "Die kleine Meerjungfrau" - ich war todtraurig nach dem Lesen.
Titel: Re: Sterbende Figuren
Beitrag von: Dorte am 08. August 2007, 13:41:09
In Kinderbüchern darf auch ruhig gestorben werden, aber da gilt für mich dasselbe wie in Büchern für Erwachsenen: Ich mag es nicht, wenn der Tod bagatellisiert wird. Wenn Leute sterben wie die Fliegen, ohne dass es für den Plot, die Atmosphäre oder einen anderen Charakter relevant wäre, sondern nur, damit jemand stirbt (Stichwort HP7), dann nervt mich das.
Andersherum können gut geschriebene Tode einfach unheimlich gut sein. "Die Brüder Löwenherz" handelt ja zum Großteil vom Tod und ist eines der tollsten Bücher aller Zeiten... Die Hauptfiguren sterben ja jeweils gleich zweimal, das ist ziemlich harter Tobak. Und in "Ronja Räubertochter" stirbt Glatzenper. Aber gut, wer schreibt schon wie Astrid Lindgren? Da muss man erstmal hinkommen...
Es hängt immer davon ab, wie man mit dem Leser bei Sterbeszenen umgeht. Betroffenheitsbücher nerven mit ebenso wie "Sterben ist cool"-Bücher, aber es ist glaub ich ziemlich schwer, die richtige Balance zu finden.
Titel: Re: Sterbende Figuren
Beitrag von: Coppelia am 08. August 2007, 16:18:12
Oh Mann, bei dieser Diskussion wird mir allmählich klar, was ich mir da mit meinem nächsten Projekt aufgehalst hab ... es wird ein Jugendbuch sein, in dem sozusagen um das "Prinzip Hoffnung" geht, verpackt in eine schöne Fantasy-Geschichte mit vielen Sagenmotiven. Dabei spielt auch Sterben eine Rolle (allerdings auch Geboren-Werden).
Ich war den ganzen Tag am Überlegen, ob meine Hauptfigur zwischendurch oder am Ende sterben muss. Also, ich weiß, sie muss nicht dauerhaft sterben. Aber es kann sein, dass sie entweder ziemlich am Anfang oder ziemlich am Ende - zweimal wäre ja doof - eine Art Nahtodeserfahrung macht, sodass sie von anderen für tot gehalten wird. Ganz sterben und wiederbelebt-Werden ist selbst mit Unterstützung eines alten Gottes nicht so der Reißer. ;)
In diesem Buch stirbt auf jeden Fall eine Figur, die der Hauptfigur sehr nahe geht, aber ich habe keine Lust, das einfach nur nebenbei geschehen zu lassen, auch wenn es plotrelevant ist. Meine Hauptfigur ist erst 15, und sie sollte betroffen sein und trauern, selbst wenn sie kurz darauf nun wirklich andere Sorgen hat.

Die besten Fantasy-Kinderbücher und, wie ich denke, überhaupt die besten Kinderbücher, behandeln ja meiner Meinung nach die ernstesten und bittersten Themen, aber "unter der Oberfläche". Manchmal sogar noch mit leichter Hand. Lindgren und Ende (vor allem die Lummerland-Bücher) sind Beispiele dafür, aber es gibt sicher noch andere. Das ist sehr wirksam, denn die Kinder werden spüren, dass ihnen diese Geschichten etwas Wichtiges vermitteln, auch wenn es ihnen nicht ausdrücklich eingebläut wird. Was bringt es einem Kind, ein Buch über ein Kind zu lesen, dessen Eltern sich scheiden lassen, wenn es selbst darunter leidet, dass sich seine Eltern scheiden lassen? Diese Problembücher mag ich ja gar nicht, und sie hätten mir auch nie bei meinen eigenen Problemen geholfen. ;)

Na ja, ich werde wohl etwas ot. :)
Titel: Re: Sterbende Figuren
Beitrag von: Maran am 08. August 2007, 20:50:13
Ich denke, Problembücher können eine Hilfe sein, wenn es um eigene Probleme geht und der jeweiligen Altersklasse entsprechend geschrieben sind.

"Die Brüder Löwenherz" ist eine wunderbare Geschichte, zwar teilweise traurig, aber nicht hoffnungslos. Ich denke auch, daß es nicht für dieselbe Altersklasse geeignet ist wie beispielsweise Bullerbü oder "Pippi Langstrumpf", genauso wie ich "Ronja Räubertochter" eher als Jugendbuch einstufe.
Titel: Re: Sterbende Figuren
Beitrag von: felis am 08. August 2007, 21:04:16
@Coppelia, die Brüder Löwenhewrz, das ich für eins der besten kinderbücher aller Zeiten halte, könnte man durchaus auch als "Problembuch" einordnen. Wenns gut gemacht ist, habe ich deswegen nix gegen das Aufgreifgen -  auch schwerwiegender Probleme in Kiner- und jugenbüchern.
Was mich abtörnt ist die sorte "zeigefingerheb" moralischer super politisch korrekter Bücher, wie sie anscheinend von Alt68er bevorzugt werden, so ala "Als Hitler das rosa Kanninchen stahl." Unsrer Lehrer sind damals in der schule voll drauf abgefahren.
Ich fand den moralischen Zeigefinger so derart schmalztriefend, dass man auf der Schleimspur nur noch ausrutschen konnte....
Titel: Re: Sterbende Figuren
Beitrag von: Firerain am 19. August 2007, 01:07:11
Ich lasse meine Charaktere häufig sterben, ohne dabei ins Grübeln zu kommen.
Ich stehe dem Tod positiv gegenüber.
Titel: Re: Sterbende Figuren
Beitrag von: Grey am 19. August 2007, 09:40:59
Darf man fragen, was für dich "positiv" heißt?

Keine Angst vr dem Tod? Oder ist der Tod an sich ne gute Sache?
Titel: Re: Sterbende Figuren
Beitrag von: Firerain am 19. August 2007, 11:53:47
Zitat von: Grey am 19. August 2007, 09:40:59
Darf man fragen, was für dich "positiv" heißt?

Keine Angst vr dem Tod? Oder ist der Tod an sich ne gute Sache?

Positiv heißt für mich  – auf den Tod bezogen –  ein leichter Wert über Null.

Ich hoffe, dass Ihnen das weiterhelfen konnte, wenn nicht, fragen Sie ruhig nach.
Titel: Re: Sterbende Figuren
Beitrag von: Manja_Bindig am 19. August 2007, 17:10:19
Nein, eigentlich hilft das nciht weiter, tut mir leid...
ein leichter Wert über Null...

um mir darunter etwas vorstellen zu können, müsste ich wissen, was "Null" heißt. Ich vermute mal "Nichts gutes, nichts Schlechtes, es gehört zum Leben."?
Wenn der WErt dann leicht über Null ist...
Was heißt das?
Dass sie ihre Figuren gern sterben lassen, um des Sterbens willen?
Oder doch was anderes?

Verwirrte Grüße
Manja
Titel: Re: Sterbende Figuren
Beitrag von: Berjosa am 26. August 2007, 17:46:54
Ich schreibe gerade an einem Krimi. Die Sterbeszene kann ich mir dabei sparen,  meine Helden finden ihren Gefährten eben tot am Straßenrand. Eine potentielle Kitsch-Falle habe ich also elegant vermieden. Aber dann ...
Ich schaffe es nicht, den anderen angemessene Reaktionen "zuzuschreiben". Machen sie einfach so weiter, als ob nichts passiert wäre? Oder stellen sie jetzt alles auf den Kopf? Kann ich ihnen ein paar Seiten zugestehen, um über das Leben, das Universum und den ganzen Rest zu meditieren? (Eher nicht; das wäre wohl kaum "so spannend wie ein Krimi".)
Wie kriegt ihr das hin: dass Leute glaubhaft auf den Tod eines Gefährten reagieren und dabei die Geschichte weitergeht?
Titel: Re: Sterbende Figuren
Beitrag von: Hr. Kürbis am 26. August 2007, 18:43:18
@Berjosa
Also ich wäre erstmal schockiert, ihn am Straßenrand zu finden! :o
Titel: Re: Sterbende Figuren
Beitrag von: Maran am 27. August 2007, 12:29:06
Wer behauptet, daß ich das hinkriege?  ??? Ich fürchte, ich nehme jede Kitsch-Falle mit, die sich mir in den Weg stellt.  :wums:
Titel: Re: Sterbende Figuren
Beitrag von: Isabel am 27. August 2007, 14:59:02
Zitat von: Berjosa am 26. August 2007, 17:46:54
Wie kriegt ihr das hin: dass Leute glaubhaft auf den Tod eines Gefährten reagieren und dabei die Geschichte weitergeht?

Hm... also in meinem zweiten Roman stirbt der Vater der Protagonistin schon im ersten Drittel der Story. Ich habe es so gemacht, dass meine Protagonistin zwar über den Tod schockiert ist, das Ereignis jedoch erst einmal verdrängt, da zur gleichen Zeit ihr eigenes Leben in Gefahr ist und sie sich in Sicherheit bringen muss. In den späteren Kapiteln gibt es immer wieder Momente, in denen sie an ihren Vater denken muss und traurig ist, allerdings habe ich versucht, das ganze nicht zu übertrieben und melodramatisch klingen zu lassen (was ansonsten meine Spezialität ist - meine Geschichten haben allesamt eine gründliche "Entschmalzung" nötig :rofl: ).
Titel: Re: Sterbende Figuren
Beitrag von: Lavendel am 27. August 2007, 16:29:59
Es gibt so eine Theorie über Trauerphasen:

1. Verleugnung
2. Aufbrechende Gefühle/Gefühlschaos (Wut, Schmerz, Schuldgefühle)
3. Sich erinnern (Gemeinsame Erlebnisse noch mal durchleben etc.)
4. Akzeptanz und Rückkehr ins normale Leben

Vielleicht hilft das?
Titel: Re: Sterbende Figuren
Beitrag von: Silvia am 27. August 2007, 16:53:42
Ich glaube, es waren 5 Phasen. Irgendwo zwischen 3 und 4 lag noch "Trauer".
Titel: Re: Sterbende Figuren
Beitrag von: Lavendel am 27. August 2007, 17:02:37
Hmmm, das kann sein... kann es sein, dass das zwischen 2 und 3 war?
Titel: Re: Sterbende Figuren
Beitrag von: Rumpelstilzchen am 27. August 2007, 17:48:15
Die Theorie ist ein guter Ansatz, aber zuviel Beachtung würde ich ihr nicht schenken, denn nicht jeder verhält sich so. Mehr kommt es auf den Charakter deiner Protas an. Stelle dir doch einige Fragen über deine Helden, wie z.B.

Sind sie Personen, die ihre Gefühle offen zeigen oder sich eher gedanklich damit beschäftigen, ohne ihre wahren Gefühle preiszugeben?
Handeln sie  mit Bedacht oder emptionsbedingt?
Sind sie rachsüchtig?
Sind sie schön öfter mit dem Tod konfrontiert wurden?

So erfährst du am Besten, wie deine Protas sich in der Situation verhalten würden.
Titel: Re: Sterbende Figuren
Beitrag von: Coppelia am 28. August 2007, 07:32:53
Die Theorie finde ich schon ganz nützlich, danke!
Dann kann ich ja vielleicht davon ausgehen, dass sich die Stimmung einer meiner Hauptfiguren noch ändert, als sie von dem Tod ihrer Verwandten und anderer Leute erfährt ... bisher ist er nämlich hauptsächlich erstaunt und kann es nicht so recht glauben. Und im Vergleich dazu, was passiert ist, ist es irgendwie nicht ganz angemessen. Nicht, dass es ein Mann von tadelloser Moral wäre ...
Titel: Re: Sterbende Figuren
Beitrag von: Lavendel am 28. August 2007, 17:24:03
Klar reagieren unterschiedliche Menschen anders. Wie das mit Schemata so ist, haben sie ihre Grenzen. Und nicht alle Leute, die sich mit diesem Thema befassen, sind von dieser Einteilung überzeugt.
Diese Phasen sind ja auch nur ein Ansatz. Es gibt jede Menge Material dazu, wenn man mal 'Trauerphasen' bei google eingibt. Das könnte immerhin Anregungen geben.
Titel: Re: Sterbende Figuren
Beitrag von: Coppelia am 28. August 2007, 18:51:39
Ich hab tatsächlich mal gegoogelt ... Mann, mich macht schon das Googeln ganz traurig.  :'(
Jedenfalls wird es sicher schwer, in einer actionreichen Fantasygeschichte angemessen mit Trauerarbeit umzugehen. Ich denke gerade, dass ich da bei meinem momentanen Buchprojekt wohl ziemlich schlampig bin. Selbst wenn die Ehefrau ihren Mann nicht geliebt hat, würde sie sicher mehr um ihn trauern, als sie es bei mir tut ... von dem Schock ganz zu schweigen, den die Ermordnung einer ganzen Regierung verusacht ... *seufz* Wenn man sämtliche Regierungsmitglieder persönlich kennt.
Ich muss wohl etwas mehr Trauer oder zumindest Emotionen einbauen, auch wenn meine Hauptfigur ein rechter Zyniker ist. Sogar ihn sollte das berühren! Und seine Umgebung natürlich erst recht! Jedenfalls weiß ich jetzt auch, dass ich die Geliebte einer Nebenfigur NICHT sterben lasse, sonst würde ich den armen Mann auch noch die ganze Zeit trauern lassen müssen ...
Titel: Re: Sterbende Figuren
Beitrag von: Breanna am 28. August 2007, 19:51:40
Aber ich finde, man muss die Trauer auch nicht allzu breit treten, sonst langweilt man den Leser irgendwann damit und außerdem haben auch Figuren ein Recht auf Privatleben.  ;D
Titel: Re: Sterbende Figuren
Beitrag von: Manja_Bindig am 28. August 2007, 20:01:36
Tja, Breanna... die Schüler meines toten Magiers, die sich zu seinen ehren versammelt haben, sind überrascht, beschämt und geschockt, dass sie nach zwei Tagen schon wieder lachen können...
Titel: Re: Sterbende Figuren
Beitrag von: Lisande am 29. August 2007, 21:27:20
Zitat von: Manja am 28. August 2007, 20:01:36
Tja, Breanna... die Schüler meines toten Magiers, die sich zu seinen ehren versammelt haben, sind überrascht, beschämt und geschockt, dass sie nach zwei Tagen schon wieder lachen können...

Das ist aber sehr natürlich! Und muss noch nicht mal 2 Tage dauern, je nach Situation.
Titel: Re: Sterbende Figuren
Beitrag von: Berjosa am 03. September 2007, 20:12:18
Danke für die Fragen, Rumpelstilzchen. Ich glaube, mit denen komme ich schon weiter.
Besonders die letzte Frage finde ich schwierig. In dieser Welt ist der Tod sehr viel präsenter, als er es bei uns üblicherweise ist. Meine Helden haben alle schon etliche Leute in unterschiedlichen Situationen sterben sehen. Es fällt mir schwer, mich da hineinzuversetzen.

Irgendwie ist es schon so, dass in Romanen die meisten Leute keine Zeit haben, auf den Tod nahe stehender Menschen zu reagieren, weil gerade so viele Dinge passieren, um die sie sich kümmern müssen. Nun gut, ich schreibe einen Krimi, es geht also darum, herauszufinden, wer den Toten umgebracht hat. Das bewahrt mich in diesem Fall vor einem anderen Lieblingsfehler, nämlich davor, dass auch ich als Autorin den Toten im allgemeinen Betrieb einfach vergesse. Davor, dass auch dann, wenn die Welt gerettet ist, niemand trauert, wenigstens an ihn denkt, für ein ehrliches Begräbnis sorgt o.ä.

Übrigens bin ich schon der Meinung, dass im Verlauf des Endkampfs zwischen Gut und Böse unter Umständen viele Leute ums Leben kommen können, je nach dem, wie groß die Schlacht angelegt ist. So, wie in einer Tavernenszene eben Leute auftauchen, die Bier trinken, grölen, evtl. eine Schlägerei anfangen, damit die Szenerie stimmt. Welche Bedeutung sie für den Rest der Geschichte haben, ist eine Frage der Dramaturgie.
Extra zum Zweck des Umgebracht-werdens eingeführte Schnellsterber erfreuen sich ja nicht gerade allgemeiner Beliebtheit. Hauptfiguren ersten Ranges, andererseits, haben meiner Meinung nach einen sorgsam inszenierten Heldentod verdient. Ein paar Stufen dazwischen muss es meines Erachtens auch noch geben.
Titel: Re: Sterbende Figuren
Beitrag von: Grey am 04. September 2007, 10:44:09
Wenn  man denn einen Endkampf zwischen Gut und Böse und eine dazugehörige Schlacht überhaupt hat ...
Titel: Re: Sterbende Figuren
Beitrag von: Manja_Bindig am 04. September 2007, 10:56:05
@Lisande: Natürlich ist das natürlich. Aber trotzdem hast du in dem Moment ein schlechtes Gewissen: "er ist noch nicht mal verbrannt und wir tun schon so, als ob nie was gewesen wäre." Das gehört genauso dazu.
Args, ich werd schon wieder traurig, wenn ich nur an diese 5 Kapitel denke.
Titel: Re: Sterbende Figuren
Beitrag von: Lisande am 04. September 2007, 18:08:32
@Manja: ich meinte auch nicht nur, dass es sehr natürlich ist, wieder lachen zu können, sondern auch den Schock darüber. War etwas zu kurz formuliert.  :)
Titel: Re: Sterbende Figuren
Beitrag von: Manja_Bindig am 04. September 2007, 20:56:45
Ah! *Glühbirne über dem Kopf anknips*
(Aber tatsächlich - es ist natürlich in der trauerzeit zu lachen - schon allein, wenn man Anekdoten erzählt, die mit der verstorbenen Person zusammenhängen - nur sag das mal einem, der grad in der Phase ist, der wird dich nur anstarren.)
Titel: Re: Sterbende Figuren
Beitrag von: Lisande am 04. September 2007, 22:04:20
Eine vernünftige Totenwache läuft ja auch so ab, dass Geschichten aus dem Leben des Toten erzählt werden, und dabei gelacht und geheult wird, je nachdem, was gerade erzählt wird.
Das finde ich eigentlich eine sehr gute Art der Trauerarbeit, weil dadurch derjenige wirklich so in Erinnerung gerufen wird, wie er war, und wie verschiedene Personen ihn erlebt haben.
Titel: Re: Sterbende Figuren
Beitrag von: Immortal am 04. September 2007, 22:08:26
Ich lass in meinem aktuellen Roman den Vater meines Protas sterben kurz nachdem sich mein Prota auf ins Abenteuer gestürzt hat  ;D

So bleibt mir erst einmal die lästige Trauer weg und später, vielleicht im zweiten oder dritten Band der Trilogie darf dann die Trauer ein bisschen ausbrechen und während er heult blende ich einfach zu einem anderen Prota um. Ich bin nämlich ein klassischer Vielsichten-Schreiber.

Wenn ich dann wieder zu dem Trauernden komme schreibe ich etwas in der Art:
Lange hatte er geweint. Doch sein Herz blutete auch noch, auch als seine Tränen versiegten.
Oder was in der Art und dann kann er schon wieder halbwegs normal handeln ;)
Titel: Re: Sterbende Figuren
Beitrag von: Mercury am 14. September 2007, 10:11:49
Schwierig... wen es nur NEbencharas sind, hab ich kein Problem, aber einen wichtigen Protago ? Ne - nie - never - oder wenn dann abermit Rückfahrtschein ;) Sprich in meinem aktuellen Werk ist auch der Tod eines Hauptcharas geplant, doch ein anderer Hauptchara macht sich dann schnurstracks auf Richtung Unterwelt um die Sache "auszudiskutieren".
Titel: Re: Sterbende Figuren
Beitrag von: Manja_Bindig am 14. September 2007, 13:40:18
Orpheus-like? ;)

Tja... Rinyl und Vyren sterben zwischenzeitlich auch mal - weia, hab ich schlucken müssen, als ich damals die Szene geschrieben hab... ich weiß jetzt schon, dass es ganz schlimm wird, wenn ich DAS überarbeite.
Allerdings war es noch erträglich, weil die beiden erstmal im Jenseits... oder besser gesagt, in der götterwelt - rumgewuselt sind, ehe sie beschlossen haben, zurückzumüssen.

An dieser Stelle hatte mein Evil Overlord(ich nenn ihn mal so, die korrekte Bezeichnung ist zu lang) eine Lektion fürs Leben gelernt:
Auch, wenn deine Feinde tot sind und du ein perverses Vergnügen bei Leichenschändung empfindest - du solltest die Leichen der Feinde niemals in konsevierenden Kristall einschließen und dir an die Wand hängen. Nach ca. 200 Jahren könnte es sein, dass sie wiederkommen. :)
Da es so geplant war und ich mir auch vorher lang und breit überlegt hatte, wie ich das möglichst logisch mache, ging es...
... ich musste bei der Sterbeszene der beiden wenigstens nicht heulen.

...
bei meinen Twins lag die Sache schon anders. Ich war wohl... 2 Wochen nicht wirklich ansprechbar. (das waren die beiden, wo meine Mutter mcih Heulend am Kücnetisch vorgefunden hatte...)
Titel: Re: Sterbende Figuren
Beitrag von: zitatus am 14. September 2007, 19:42:25
Wow, ich bin überrascht! Zehn Seiten zum Thema Sterben und Sterbenlassen. Welch emotionale Bindung ihr alle zu Euren Charakteren habt.
Da ich mich dem Genre der Kurzgeschichte verschrieben habe, ist meine Bindung zu meinen Protagonisten schon vom Format her nicht so eng. Außerdem bin ich in der Beziehung auch schon fast ein Massenmörder. :snicker:
Was soll's. Wenn ich so richtig in Fahrt bin und mich tief in eine Story eingefühlt habe, dann tut's mir manchmal auch leid um den mit Schreibfeder hingerichteten.
Titel: Re: Sterbende Figuren
Beitrag von: caity am 15. September 2007, 21:19:11
Hallo,

mmh ... hab gerade meine erste "Serbeszene" fertig und ich muss sagen ... es geht mir noch vergleichsweise gut. Jetzt frage ich mich natürlich, ob ich da überhaupt aus Azzuras Sicht habe schreiben können oder ob das alles viel zu objektiv und weit weg ist. Gut, es war noch nicht der richtig schlimme Tod, aber trotzdem ... ein Charakter, der ihr verdammt wichtig war. Sie hat sich übergeben müssen, aber letzten Endes wohl eher, weil er zugerichtet war ... ach, Müll ... ich glaub, ich brauch mal einen Betaleser, der da drüber geht... Mmh ^^"

Bye
caity
Titel: Re: Sterbende Figuren
Beitrag von: Marek am 15. September 2007, 22:59:58
Ich habe auch gerade jemanden getötet, der mir ans Herz gewachsen war, und ich habe ein schlechtes Gewissen, weil diese Figur von einem Team erarbeitet wurde - und ich ihn jetzt umgebracht habe.

Und es wäre noch etwas dramatischer, wenn ich nicht geschrieben hätte:
Schreit vor Scherz unter Todesquallen...
Titel: Re: Sterbende Figuren
Beitrag von: Ary am 15. September 2007, 23:05:48
@Maja: Ohje. Diese Vertippser gehören auf jeden Fall in die Stilblütensammlung! *schubs*
Wen hast du umgebracht?
Titel: Re: Sterbende Figuren
Beitrag von: Marek am 15. September 2007, 23:08:13
Darf ich nicht sagen. Caity weiß es.
Titel: Re: Sterbende Figuren
Beitrag von: caity am 15. September 2007, 23:10:19
Meine Güte, Maja, wie konntest du daraus nur einen "Scherz" machen  :'(
;)

Aber ich bin wirklich sehr, sehr gespannt *gg*
Titel: Re: Sterbende Figuren
Beitrag von: Ary am 14. März 2008, 23:27:41
*Den Thread aus aktuellem Anlass wieder ausgrab*
Ich habe heute meine erste richtige Sterbeszene geschrieben. Und es war irgendwie seltsam. ich habe gar nichts gefühlt dabei, das hat mich fast ein bisschen erschreckt. Das Planen der Szene und das Warten darauf, sie endlich schreiben zu müssen, war viel schlimmer als das Schreiben selbst. Meine Beta (zu Lisande  :winke: ) schrieb, dass sie beim lesen des Rohentwurfs schon Tränen in den Augen hatte. So schlecht kann die Szene wohl nicht sein. Auch wenn ich sie wirklich grottig finde. Liegt wahrscheinlich daran, dass ich mich damit so schwergetan habe. *seufz* Und nun ist Silbersang endgültig weg vom Fenster. Der Charakter, von dem ich schon bei seiner Erschaffung wusste, er würde am Ende des Buches sterben. Ich bin so böse.
Titel: Re: Sterbende Figuren
Beitrag von: Grey am 15. März 2008, 09:55:49
Ohje, Ary. Da sprichst du was an. Ich schreibe seit Wochen nur kleckerweise (und werde mein TiNo-Pensum diesem Monat niemals schaffen  :-\ ), weil ich mich schleichend einer furchtbar traurigen Szene nähere - und Angst habe, sie zu vermurksen ...
Titel: Re: Sterbende Figuren
Beitrag von: Moni am 15. März 2008, 10:33:28
Ich habe vor ein paar Jahren in einer Hintergrundgeschichte zu einer AD&D Runde einen Charakter getötet und mich dabei richtig gut gefühlt. Obwohl die Szene eigentlich traurig sein sollte, habe ich manisch kichernd an meiner Tastatur gesessen und mich diebisch dabei gefreut. Im Nachhinein macht mir das doch irgendwie Sorgen, auch wenn es zu diesem Zeitpunkt ein guten Grund für mich persönlich gab, diese Person um ihr Leben zu bringen. (Die Szene steht auf der Webseite unter den Kriegsszenen, der arme AEmric... eigentlich hat er es nicht verdient... )
Seither habe ich nie wieder einen Charakter getötet, der mehr als eine Statistenfunktion hat. Vielleicht habe ich jetzt Hemmungen und plotte nun so, daß niemand wichtiges "von meiner Hand" sterben muß?

@Ary: sei froh, daß du traurig darüber sein kannst, denn dann hast du nicht so eine unpersönliche Distanz zu deinen Figuren, wie sie sich bei mir scheinbar aufgebaut hast. Das macht die Charaktere sicherlich lebendiger und wirklichkeitsnäher und bringt sie auch näher an den Leser. Also, auch wenn es momentan traurist ist, ist es letztendlich eher ein Grund sich zu freuen, auch wenn das jetzt makaber klingt...
Titel: Re: Sterbende Figuren
Beitrag von: Ary am 15. März 2008, 11:36:57
Zitat von: Moni am 15. März 2008, 10:33:28
@Ary: sei froh, daß du traurig darüber sein kannst, denn dann hast du nicht so eine unpersönliche Distanz zu deinen Figuren, wie sie sich bei mir scheinbar aufgebaut hast. Das macht die Charaktere sicherlich lebendiger und wirklichkeitsnäher und bringt sie auch näher an den Leser. Also, auch wenn es momentan traurist ist, ist es letztendlich eher ein Grund sich zu freuen, auch wenn das jetzt makaber klingt...

Klingt es, aber es stimmt, ich bin stolz auf die Szene. Zumnidest werde ich es sein, wenn ich sie noch mal überarbeitet habe.  :gähn: Aber ich brauchte erst mal Abstand. Armes Silberchen.
Titel: Re: Sterbende Figuren
Beitrag von: Lisande am 15. März 2008, 16:45:26
Zitat von: Aryana am 15. März 2008, 11:36:57
Klingt es, aber es stimmt, ich bin stolz auf die Szene. Zumnidest werde ich es sein, wenn ich sie noch mal überarbeitet habe.  :gähn: Aber ich brauchte erst mal Abstand. Armes Silberchen.

Kannst Du auch sein! Ich *wusste*, dass es passieren würde, und trotzdem...  :'(
Jetzt bügeln wir noch ein paar Falten glatt, und dann ist das eine richtig geile, richtig böse Szene.

Ehrlich, wie konntest Du nur?  ;D
Titel: Re: Sterbende Figuren
Beitrag von: Wargomar am 23. März 2008, 14:47:20
Oh Gott.

Sterbende Figuren sind immer einen Seelenschmerz wert. Aber wir alle wissen ja, wie es so ist im Leben. Alle werden irgendwann mal gehen müssen.
Richtig weh tut es immer dann, wenn eine Hauptfigur bei einem Versuch stirbt, jemand anders, vor dessen Tod zu bewahren. Da ist es mir auch schon passiert, daß ich echte Schwierigkeiten hatte, ein zu schlafen. Da hatte ich am nächsten Tag auch so meine Schwierigkeiten, mich auf meine Arbeit zu konzentrieren. Zu Mittag bin ich dann wieder nach Hause und hab meinem Kunden erklärt, daß ein sehr guter Freund am Tag zuvor gestorben ist. Er hatte "Gott sei dank" Verständnis für meine Lage.
Zu Hause angekommen, habe ich ihn dann erst einmal eine ein ehrenvolles Begräbnis geschenkt.

Ich bin immer so Emotional. Da kann man nichts machen.
Titel: Re: Sterbende Figuren
Beitrag von: Romy am 04. Mai 2008, 19:02:14
Hm, komischerweise passiert es bei mir am Ende eines Romans fast immer, dass eine meiner Hauptfiguren stirbt. Da ich außerdem meist mehrere Hauptpersonen habe, ist das ja auch quasi 'problemlos' möglich  ;D Keine Ahnung, warum ich mir diese Taktik nicht abgewöhnen kann, ich habe während meiner Schreibanfänge damit angefangen, weil ich dachte, dass es aus Gründen der Dramatik notwendig wäre, dabei soll man doch Hauptfiguren eigentlich gar nicht sterben lassen ...  ::) Fragt mich nicht  :-\
Nichtsdestotrotz fällt es auch mir sehr sehr schwer, einen sympathischen Prota zu töten  :seufz:
Am Schlimmsten war es wohl bei einem alten Romanprojekt, wo ich als Hauptfiguren Zwillinge habe, und von Anfang an genau wusste, dass einer von ihnen sterben MUSS. Ich war mir nur noch nicht sicher, wer von beiden. Bis zu meiner Entscheidung musste ich lange rum überlegen und hab es zwischenzeitlich auch mit Würfeln probiert  ;D Letztlich fiel es mir wirklich schwer, die entscheidende Szene zu schreiben, aber ich finde trotzdem noch immer, dass dieser Tod notwendig war, weil die Sterbende sonst in der Fortsetzung ohnehin überflüssig gewesen wäre und ihr Tod die Lebenseinstellung ihres Zwillings natürlich entscheidend mitformt ...  :seufz:
Titel: Re: Sterbende Figuren
Beitrag von: THDuana am 04. Mai 2008, 19:48:17
Zitat von: Romilly am 04. Mai 2008, 19:02:14und hab es zwischenzeitlich auch mit Würfeln probiert  ;D
Das finde ich ja auch interessant, wenn man so bestimmt, welche seiner Figuren sterben soll, ich versuche es da ja immer noch mit einem driftigen Grund. ;)
Ich finde es aber auch schwierig, schon vor dem Schreiben fest zu legen, welche Figuren daran glauben müssen. Im Konzept fällt es einem vielleicht noch nicht auf, aber mir geht es gerade so, dass ich jede Szene mit der Figur genieße und eigentlich doch gar nicht schreiben will. :-[
Titel: Re: Sterbende Figuren
Beitrag von: Romy am 06. Mai 2008, 21:11:26
Zitat von: Duana am 04. Mai 2008, 19:48:17
Das finde ich ja auch interessant, wenn man so bestimmt, welche seiner Figuren sterben soll, ich versuche es da ja immer noch mit einem driftigen Grund. ;)
Ja nee, dass das Los auf die Ärmste fiel, war letztlich auch nicht der entscheidende Grund für ihren Tod  ;D Wie gesagt, einer von beiden MUSSTE sterben und bei ihr hat es dann doch mehr Sinn gemacht  :engel:
Titel: Re: Sterbende Figuren
Beitrag von: Drachenfeder am 11. Oktober 2009, 18:16:19
Aus gegebenen Anlass lasse ich dieses Thema wieder mal aufleben.

Mein Manuskript ist auf den letzten paar Meter geradewegs auf die Ziellinie. Und das ist total aufregend und spannend. Nun habe ich in der letzten Woche oder sagen wir mal lieber, in den letzten 8 - 10 Tagen 3 Personen sterben lassen. Bei der Ersten fand ich es jetzt nicht so dramatisch... die hats nicht anders verdient. Zumindest sagen das meine Lieblingscharas. Bei der Zweiten, verdammt ich gebs zu, kamen wir selbst ein paar Tränchen. *hust*, ähm ja und beim Dritten (heute) war ich fast schon geschockt und mich gefragt ob es richtig war. Ist ganz schön heftig jemanden sterben zu lassen. Kannte ich vorher noch nicht wirklich. Ob ich heute Nacht davon träume? Momentan verfolgt mich das Manuskript überall hin  :o
Titel: Re: Sterbende Figuren
Beitrag von: Vali am 11. Oktober 2009, 18:49:12
Damals hatte ich gedacht "Ach, das kann ja nicht so schlimm sein. Schließlich hast du als Autor selbst entschieden, dass diese Figur sterben muss."

Gestern abend habe ich aber Schuld auf mich geladen. Ich habe meine erste, etwas wichtigere Figur umgebracht :'( Er gehört nicht zu den Hauptfiguren und ist bisher nur zweimal vorgekommen, aber er hatte einen Namen, eine eigene Geschichte und er hatte im Glauben gekämpft, etwas Gutes zu tun. Und ich lasse ihn auf so eine hinterhältige Art und Weise aus der Geschichte scheiden, unter Feinden und dem Glauben, dass alles umsonst war und nun alles zusammenbrechen wird.
Als ich seine Sterbeszene fertig geschrieben hatte, hat es mich doch mitgenommen. Ich konnte einfach nicht mehr weiterschreiben für den Tag, es war einfach schrecklich. Ich konnte nicht die nächste Szene schreiben, ihn einfach so ad acta legen. Ich brauchte eine kleine Schreibpause, vielleicht um ein bißchen über ihn zu trauern.
Jetzt geht es mir schon wieder besser und schreibe wieder weiter. Auf jeden Fall bin ich nun zur Erkenntnis gekommen, dass meine frühere Meinung doch nicht so ganz zutrifft.

@ Drachenfeder: Mein Herzliches Beileid für deine Figuren. Jetzt sind sie in einer besseren Welt, erlöst von den bösen Autoren :)
Titel: Re: Sterbende Figuren
Beitrag von: Luna am 11. Oktober 2009, 18:54:40
Wenn man die Figur während des Schreibens richtig zum Leben erweckt hat, dann trifft es einen besonders hart, sobald sie ablebt, so als ob man einen Teil von sich selbst sterben sieht.
Im Endeffekt habe ich mich bisher gescheut, wichtige Figuren, die mir ans Herz gewachsen sind, zu töten (höchstens vielleicht temporär) oder Figuren, die sterben sollten, richtig lebendig werden zu lassen.

Aber ich fürchte, dass man als guter Autor über diesen Schatten springen muss und irgendwann kann man das vielleicht einfacher tun ... wer weiß? Vielleicht kann man als Autor später gut andere ... nah, ich werde die Idee jetzt nicht weiter ausbreiten ^^;
Titel: Re: Sterbende Figuren
Beitrag von: Cythnica am 12. Oktober 2009, 06:47:53
Ich persönlich hab meine erste wirklich wichtige Figur eigentlich erst in meiner ganzen Handlung nachträglich aufleben lassen, als ich zum Schluss kam, dass es seiner Geschichte und dem Verlauf des Buches am besten bekommt, wenn er seinem eigenen Fanatismus zum Opfer fällt ~

Ich glaub es gibt bis jetzt auch kaum eine Szene die ich so oft gelesen und editiert habe wie seinen Tod, nicht zuletzt, weil Sterbeszenen für mich teils die einprägsamsten Szenen von Büchern und Filmen sind, darum finde ich es oft sehr schade, wenn Todesfälle meiner Lieblingscharas in Büchern und Filmen sehr verkürzt oder zufällig wirken ( ich erinnere mich daran, wie in Emergency Room ein Hubschrauber auf Robert Romano gefallen ist ...) ~
Für mich zeigt der Tod eines Charas immer so ein bisschen, wie er gelebt hat.
Rückkehrer hingegen hab ich nicht ~ nur Erinnerungen...
Titel: Re: Sterbende Figuren
Beitrag von: Joscha am 12. Oktober 2009, 17:41:01
Hmmm, entweder ich bin nicht so sehr mit meinen Figuren verbunden oder ein schlechter Schreiber, aber ich habe mich noch nie wirklich mies gefühlt, weil ich einen Protagonisten sterben lassen habe und wenn es einer meiner liebsten war. Vielleicht, weil ich den Tod selbst als nichts allzu schlimmes ansehe. So, es ist halt vorbei. Ich weiß jetzt schon, dass meine beiden Lieblingsprotagonisten am Ende des Romanes sterben werden, aber ich sehe dem nicht wirklich trübsinnig entgegen.
Titel: Re: Sterbende Figuren
Beitrag von: Kati am 12. Oktober 2009, 20:13:41
Ich hasse es, Protagonisten sterben zu lassen. Die Guten wie die Bösen. Manchmal weine ich sogar, besonders, wenn mir die Figuren sehr ans Herz gewachsen waren.
Dann sage ich mir immer: "So, das ist das Ende. Du wirst nie wieder über diese Figur schreiben, über ihn/sie wird es niemals mehr etwas Neues zu erzählen geben."
Allerdings geht es mir auch so, wenn ich einen Roman beende.  :(

LG,

Kati
Titel: Re: Sterbende Figuren
Beitrag von: Rhiannon am 12. Oktober 2009, 20:28:06
Naja, ich bringe keine Protas um, die brauche ich noch, naja, bei meinem Erstling stirbt am Ende die Mutter der Prota, die selber auch eine Prota war, aber die war ohnehin schon lange über ihrer Zeit.
Aber bei den Nebenpersonen wird fleißig gestorben. Allein die Protagonistin meines NaNo-Projekts verliert zwei Ehemänner und ihre Kinder. Und auch ansonsten geht es bei mir nicht unbedingt friedlich zu.
Als die Prota in meinem aktuellen Projekt ihre Seelenschwester und Geliebte verliert, ist mir das schon nahe gegangen. WEinen tu ich aber bei solchen Szenen grundsätzlich nicht, egal, ob ich sie schreibe, lese oder bei einem Film sehe, ich habe alles andere als nah am Wasser gebaut.
Aber ich weiß schon von Anfang an, welche Figuren, die nicht erst mit ihrem Tod in der Schlacht auftreten, sterben werden und so ist das einfach nur etwas Erwartetes, das eintritt.
Allerdings ist es bei mir wirklich nach dem alten Sprichwort "Only the Good die young...", tragische Todesfälle treten nur bei den Guten auf, die Bösen werden meistens einfach gekillt, ohne explizite Sterbeszenen, da ich bei dem Showdown gerne Duelle ansetze, haben diese wenigstens einen sauberen Tod. Oder sie sterben gar nicht, sondern werden verbannt, oder sonst irgendwie bestraft. Fragt mich nicht, warum das so ist.
Titel: Re: Sterbende Figuren
Beitrag von: Lucien am 12. Oktober 2009, 23:56:31
Hm, ich habe bis jetzt nur in meinem Erstling schon gemordet, bei den anderen bin ich einfach noch nicht so weit. Okay, mein Erstling ist auch noch längst nicht fertig,  :schuldig: aber ich habe bereits eine Sterbeszene eingebaut, die mir beim ersten Schreiben doch sehr zu Herzen gegangen ist. Und ich war von mir selbst überrascht, dass ich solche Szenen schreiben kann.
Ich habe auch schon eine Sterbeszene geschrieben, in der gleich zwei Hauptfiguren gemeinsam sterben. Es wird zwar noch eine Weile dauern, bis ich sie einsetzen kann, aber es war mir wichtig, sie schon zu haben. Sie ist nicht wirklich traurig, sondern in meinen Augen sogar sehr glücklich.  :hmmm: Zumindest wenn man die Geschichte der beiden kennt.
Titel: Re: Sterbende Figuren
Beitrag von: Cythnica am 13. Oktober 2009, 00:07:37
Ich hab auch fällt mir so ein, eine Sterbeszene für meinen absoluten Antagonisten meines Jupiter-Werks geschrieben ~
Bei den ganzen Protas deren Tod ich irgendwo einkalkuliert habe muss ich doch sagen... dieses kalte, herzlose Monster sterben zu lassen tut mir einfach am meisten weh.
Ich glaube, ich steh einfach zu sehr auf die Bösen.

Welche Sterbeszene mir auch mal wieder durch einen Film in den Kopf gerissen wurde ist der Tod von Beckett bei Fluch der Karibik... das hat einfach solchen Stil, wie er so langsam die Brücke runter geht, während alles um ihn herum in Stücke bricht. Sone Gänsehaut wie die, die ich dabei hätte, würd ich auch gern bei einer Sterbeszene weitergeben .
Titel: Re: Sterbende Figuren
Beitrag von: Lavina am 13. Oktober 2009, 06:57:32
Auch ich hab Szenen mit Strebenden Protas in meinen Geschichten. Na ja, zumindest die Lücken dafür sind vorhanden, denn bisher hab ich es noch nicht übers Herz gebracht die (schon geschrieben) Sterbeszene einzufügen. Ich glaub ich hab die leise Hoffnung in mir, dass die Protas (es sind Zwei) doch noch gerettet werden können.

Irgendwie blöd von mir, oder?
Titel: Re: Sterbende Figuren
Beitrag von: Drachenfeder am 13. Oktober 2009, 07:55:40
Nein, irgendwie völlig normal für uns Autoren  ;D Ich kenn das
Titel: Re: Sterbende Figuren
Beitrag von: Moa-Bella am 23. Oktober 2009, 22:31:33
Wenn ich einen Protagonisten lieb gewonnen habe, dann lasse ich ihn meistens nicht sterben, wenn sein Tod nicht schon von Anfang an feststeht. Meisten weiß ich schon von Anfang an, wer stirbt und wer nicht, dann kann ich mich darauf vorbereiten. Ich denke und schreibe mir dass dann alles noch ein wenig schön, sodass ich am Ende sagen kann, es war besser so. Oder ich suche mir einen anderen Weg. Bei meinem derzeitigen Projekt ist ein Charakter von Anfang an Tod, d.h. er erscheint als Geist, jedoch weiß niemand davon. Das macht alles noch ein wenig schwerer.
Titel: Re: Sterbende Figuren
Beitrag von: Maran am 23. Oktober 2009, 22:37:23
@Lavina: Ich kenne das auch. Ich habe einen fertig geplotten Roman, der schon zur Hälfte fertig ist, nicht weitergeschrieben, weil ich die Szene nach dem Tod meines Lieblingscharas schon geschrieben habe. Er muß sterben, anders geht es nicht, aber ich bringe es einfach nicht über´s Herz es zu schreiben. :schuldig: :no:
Titel: Re: Sterbende Figuren
Beitrag von: Anamalya am 24. Oktober 2009, 17:22:54
In meinem Buch sterben relativ wenige wichtige Figuren. Ein paar sind schon tot, wenn die Handlung einsetzt, und ich beschreibe nur die Auswirkungen auf andere.
Es gibt schon ein paar Personen, die öfter vorkommen und dann sterben, aber das beschreibe ich dann hauptsächlich aus der Sicht einer anderen Figur. Das sind aber auch nicht unbedingt meine Lieblingspersonen... Mein Plot kommt insgesamt zum Glück mit relativ wenig Todesfällen aus (abgesehen natürlich von all den Namenlosen in den Schlachten), ich kann verstehen, dass es Personen gibt, die man so lieb gewinnt, dass man sie einfach nicht sterben lassen will.
LG
Anamalya
Titel: Re: Sterbende Figuren
Beitrag von: Zeitenwandler am 22. November 2009, 11:04:40
Bei mir ist es sehr unterschiedlich. In meinen Kurzgeschichten sterben immer ziemlich viele Menschen, manchmal ist es sogar das Thema der Kurzgeschichte. Das ist für mich nicht so schlimm, weil ich die Charaktere nicht so gut kenne und sie mir noch nicht so ans Herz gewachsen sind. Bei meinen Büchern ist es etwas anderes. Wenn mich ein Charakter jahrelang begleitet hat und er plötzlich verschwinden soll, bringe ich das kaum übers Herz. Im zweiten Band meiner Trilogie wird ein recht wichtiger Charakter sterben und obwohl ich weiß, dass diese Szene kurz bevor steht (ich schreibe gerade am zweiten Band), schlottern mir die Knie vor dieser Szene.
Titel: Re: Sterbende Figuren
Beitrag von: Redwood am 22. November 2009, 16:47:39
Hui, ihr seid ja alle so mordlustig! :o Da überleg ich doch gleich, ob es richtig ist, dass in meiner Geschichte gar
nicht so viele sterben. Ich hadere noch mit mir, ob meine Hauptperson ihren Onkel jetzt doch noch töten soll, oder
nicht. Dann hätte ich nämlich evtl noch Stoff für einen zweiten Teil. Ansonsten lasse ich eher Nebenfiguren sterben.
Dafür manchmal dann auf recht grausame Art und weise (wenn, dann richtig ;) )...
LG, Redwood
Titel: Re: Sterbende Figuren
Beitrag von: Lucien am 22. November 2009, 17:28:57
Ob es richtig ist oder nicht, hängt ganz von deiner Geschichte ab.  ;)

Ich habe übrigens eine Figur vor dem Tod gerettet ... dafür stürze ich sie nun in den Wahnsinn. Ich glaube, sie wird sich den Tod noch wünschen.  :darth:
Titel: Re: Sterbende Figuren
Beitrag von: Joscha am 22. November 2009, 18:06:18
Ich fühle mich mit meiner Geschichte momentan ganz mies, weil ich weiß, dass mein Lieblingscharakter am Ende sterben wird. Normalerweise rührt mich das nicht so sehr, allerdings habe ich bisher auch noch nie ein Werk von solchem Ausmaß so weit geschrieben, dass das Ende und damit der Tod des Protagonisten in Sichtweite ist...
Titel: Re: Sterbende Figuren
Beitrag von: Nachtaktive am 22. November 2009, 19:23:15
Ich versuche meine Geschichten immer nach Möglichkeit realistisch zu schreiben. Wenn ich dann in eine Situation komme, wo es völlig unmöglich ist das meine Protas überleben, dann müssen sie eben sterben. Dann sitz ich da anschließend und hab das Problem gerade einen Handlungsträger gekillt zu haben und nicht mehr weiß wie ich weiter machen soll  ;D
Titel: Re: Sterbende Figuren
Beitrag von: Kati am 22. November 2009, 19:35:45
Nachtaktive: Deshalb plane ich alles vor.  ;D Trotzdem stirbt immer mal wieder wer, obwohl es nicht vorgesehen war...

LG,

Kati
Titel: Re: Sterbende Figuren
Beitrag von: Lucien am 22. November 2009, 20:47:40
@ Nachtaktive: Joar, das schreit dann wohl nach nem Cliffhanger.  ;D
Titel: Re: Sterbende Figuren
Beitrag von: Nycra am 23. November 2009, 14:37:05
Hallo, ich wollte auch mal (aus aktuellem Anlass) meinen Senf hierzu abgeben.

Als ich angefangen habe zu schreiben, durften keine meiner Protas sterben. Für mich waren sie wie eigene Kinder, die ich gehegt und gepflegt habe. Selbst wenn sie sich verletzten, Mutti war ja da und hat es irgendwie wieder hingebogen.

Über kurz oder lang musste ich aber feststellen, dass etwas fehlt. Unter anderem die Wächter wurden erst dadurch zu einer echt großartigen Story, als ich gleich 3 wichtige Protas habe sterben lassen. Allerdings gebe ich gerne zu, dass ich mir hier ein Hintertürchen offen gelassen habe. Je nachdem, ob ich die Fortsetzung schreibe oder nicht, könnte einer der drei noch am Leben sein.

Bei Lili dagegen geht es nicht anders. Um meine Prota voranzutreiben, damit sie ihren Hintern endlich hochbekommt, muss ich den Großteil ihrer Familie sterben lassen. Darunter auch Personen, die ich sehr gern habe. Und da das Ende schon steht, weiß ich, dass auch einer ihrer besten Freunde noch drauf gehen wird. Der ist mir richtig ans Herz gewachsen. Und es tut weh. Ich weiß, es ist notwendig, aber ein bisschen Melancholie darf doch erlaubt sein, oder? :'( Und genau deshalb werde ich immer ein bisschen komisch, wenn ich auf eine Stelle zuarbeite, die das Ende nachher plausibel macht...

Ganz anders ist es, wenn ich Nebenchars töte. So verarbeite ich zu gern Leute, die mich geärgert haben. Da kann ich dann sogar richtig sadistisch werden. (Ich hoffe bloß, mein Chef bekommt das Skript niemals in die Finger....   :rofl:)

LG

Nycra
Titel: Re: Sterbende Figuren
Beitrag von: Antonia Assmann am 23. November 2009, 20:07:41
Ich habe mal einen Prota nicht sterben lassen, weil er mir so ans Herz gewachsen war und meine Betaleser gedroht hatten nicht weiterzulesen, wenn es soweit käme.
nun gut ich habe also überlegt, wie ich ihn a, leben lasse und dann erscheint er nach ein paar Szenen und anstatt dankbar zu sein, war er ein richtiges A... geworden.
Ist das der Dank?
Das nächste Mal lass ich jeden, wie ich es auch gleich gedacht habe über die Klinge springen.
Dieser Undank! :d'oh:

Liebe Grüße Antonia
Titel: Re: Sterbende Figuren
Beitrag von: Sprotte am 23. November 2009, 20:44:51
Im Übersinnlichen habe ich schon öfter Helden sterben lassen - mit viel Vergnügen. Des kam als Schutzdämon wieder, Maynard ist ohnehin ein Vampir (zeitweise) und hat diverse Sterbeszenen hinter sich. Das macht Spaß!
Meine normalen, sterblichen Helden wollte ich auch zu gerne mal umbringen, aber da drohte Mama, daß sie nie wieder etwas von mir liest.

Eine Sterbeszene kann die verbleibenen Protagonisten extrem vorwärtsbringen. Im aktuellen Maynard-Projekt wird ein Nachfahr sterben, den Maynard mag und der zwischen dem Titel "Burgherr" und einem von Maynard sehr ungeliebten jüngeren Bruder steht. Da kommt einiges an Emotionen zusammen.
Titel: Re: Sterbende Figuren
Beitrag von: Feather am 01. Dezember 2009, 21:40:07
Zitat von: Sprotte am 23. November 2009, 20:44:51
Im Übersinnlichen habe ich schon öfter Helden sterben lassen - mit viel Vergnügen. Des kam als Schutzdämon wieder, Maynard ist ohnehin ein Vampir (zeitweise) und hat diverse Sterbeszenen hinter sich. Das macht Spaß!

Wenn man so sieht und dein Prota mehr oder weniger wiedererweckt werden kann bzw. weiterlebt, dann macht das bestimmt auch hin und wieder ganz nett.

Selber hadere ich gerade mit mir, da ich einige Szenen für den späteren Teil im groben geschrieben habe und einen meiner Antagonisten näher kennen gelernt habe. Da ich aber schon weiß, das er gegen meinen Prota verliert und am Ende doch stirbt, nimmt mich das doch etwas mit. Eigentlich mochte ich ihn nicht, als ich meinen Plot erdachte, doch er wird mir, trotz seiner etwas arroganten Art, immer sympathischer. *meinem Prota eben die Ohren zu halt.*
Ich glaube wenn ich dann mal explizit an dieser Stelle bin werde ich mich hier noch einmal richtig ausheulen.

Sonst habe ich mit dem Sterben lassen von Nebenfiguren auch kein großes Problem, da meist schon feststeht, wer das sein soll. Oder es lässt sich auf längere Sicht erkennen und ich kann mich an den Gedanken gewöhnen.

Titel: Re: Sterbende Figuren
Beitrag von: Lavina am 02. Dezember 2009, 07:11:29
Heute Nacht hat mein Prota Selbstmord begangen!
Es ist nur eine Szene von nicht ganz drei Seiten aber ich habe fast die ganze Nacht daran gesessen.
Warum?
Weil ich während dessen Rotz und Wasser geheult hab.
Leider ließ sich diese Szene überhaupt nicht umgehen und es hat mir das Herz gebrochen.
Ich hab zu diesem Thema schon einmal geschrieben, dass ich meine Figuren gar nicht gerne sterben lasse und trotzdem lässt es sich manchmal nicht umgehen.
Und dabei hatte ich mir als Tennie vorgenommen, dass in meinen Geschichten nie jemand stirbt.
Ach, wie naiv man in der Jugend ist.
Titel: Re: Sterbende Figuren
Beitrag von: LaMaga am 02. Dezember 2009, 10:40:27
Zitat von: Antonia am 23. November 2009, 20:07:41
Ich habe mal einen Prota nicht sterben lassen, weil er mir so ans Herz gewachsen war und meine Betaleser gedroht hatten nicht weiterzulesen, wenn es soweit käme

Ich habe im fünften Band meiner Schattenherz-Chroniken u.a. meinen Protagonisten sterben lassen und habe das Gefühl, dass Leser, die sich bis dahin tatsächlich chronologisch durch die Geschichte kämpften, tatsächlich aus Protest nicht weiter gelesen haben. (Einerseits spricht das natürlich dafür, dass mir da eine wohl sehr beliebte Figur gelungen ist, andererseits schade für die späteren Geschichten und Figuren, die ich persönlich eigentlich sogar für besser gelungen halte...  ::) )...
Titel: Re: Sterbende Figuren
Beitrag von: Romy am 02. Dezember 2009, 19:36:18
Manchmal muss man sich und seinen Lesern halt was zumuten. Und den Figuren sowieso  ;) 
Eine Figur nicht sterben zu lassen, weil sonst die Leser protestieren, halte ich für falsch. Man muss immer das tun mit den Figuren, was wichtig und richtig ist, um die Geschichte voran zu bringen.

Ich würde nicht sagen, dass ich es gerne mache, aber bei mir sterben ständig Figuren, auch Protagonisten.
Mir steht sehr bald (vielleicht heute noch, wenn ich denn jetzt mal was tun würde?!) so eine Szene bevor, wo eine Prota und ihr Liebster den Tod finden. Ursprünglich hatte ich geplant, dass auch das noch ungeborene Kind der beiden mit sterben wird, aber jetzt habe ich die Geburt einige Stunden vorgelegt. Das arme Kleine wird sehr früh Waise werden  :'(
Es sträubt sich etwas in mir, diese Szene zu schreiben, aber andererseits brauche ich die Tode der beiden, um einen großen Krieg zwischen zwei großen Herrschern anzuzetteln. Der Eine ist der Vater der Prota und ansonsten ein besonnener Mann. Wenn es nicht um den Mord an seiner Tochter ginge, würde er ansonsten niemals freiwillig in den Krieg ziehen, sondern versuchen, auch das letzte diplomatische Mittel einzusetzen ... Mir fällt kein anderer Weg ein, ihn zum Krieg zu überreden, also muss das Töchterchen und ihr Liebster sterben. Ich mag sie, aber ich glaube, ansonsten hätte ich sie schlichtweg aus der Geschichte rausgekürzt, weil ich sie gar nicht gebraucht hätte ... Traurig sowas, aber wahr ...

Und am Ende wird der Roman auch noch einen sehr blutigen und dramatischen Showdown bekommen. Es tut mir zwar selbst weh, aber ich fürchte, ich bin da gnadenlos :engel:
Titel: Re: Sterbende Figuren
Beitrag von: Lucien am 02. Dezember 2009, 20:22:17
Ich werde manchmal etwas schwermütig, wenn ich mich nach Monaten mal wieder an mein "Hauptwerk" begebe. Ich habe die Story auf lange Zeit angelegt, eine regelrechte Chronik ... an deren Ende alle tot sein werden. Es gibt einfach kein Erretten.  :'(
Titel: Re: Sterbende Figuren
Beitrag von: Waffelkuchen am 03. Dezember 2009, 14:05:09
Ich bin ziemlich sicher, dass einer meiner Lieblingsprotagonisten am Ende meiner Geschichte sterben wird und schon bei der Vorstellung wird mir schon ganz anders.
Ich mag ihn sehr, sehr gerne, aber am traurigsten werde ich wohl nicht wegen ihm selbst sein- er sieht den Tod als Erlösung von seiner Schuld- sondern wegen der Prota, die er damit zurücklässt. Sie seine Seelenverwandte und hängt eigentlich sehr an ihm.
Bäh. Ich mag das nicht schreiben, aber seine Entwicklung und seine Hintergründe machen es einfach stimmig. Es passt so gut, obwohl es mir eigentlich gar nicht passt.
Irgendwie paradox.   
Titel: Re: Sterbende Figuren
Beitrag von: Bisou am 03. Dezember 2009, 15:55:05
Der Tod ist mit Sicherheit ein tragendes Mittel, um einen Roman umso spannender zu machen. Umso besser finde cih es, wenn ein Autor ohne Tod auskommt, bzw. scheinbar ausweglose Probleme nicht gleich mit den Tod der perspektiventragenden Figur beendet. Den Tod als Stilmittel, bzw. als immer funktionierendes Mittel finde ich ziemlich ätzend und verwende ihn deswegen in solchen Fällen auch nicht, sondern suche mir anderweitig eine Lösung. Oder gebe den Roman auf, weil mir nix einfällt.  :wums:

In einem meiner Romane ist es so, dass ich den Leser quasi die Hälfte der Geschichte lang an der Nase herumführe, indem ich ihm den richtigen Protagonisten, der letztendlich auch die leitende und verwaltende Rolle im Ganzen, vorenthalte. Erst nachdem die beiden augenscheinlichen Protagonisten gestorben sind, springt die Perspektive einige Monate in die Zukunft und der Roman wird Ich-Perspektivisch erzählt.
Deshalb ist der Tod der beiden unabwendbar, denn darauf baut das gesamte Buch auf und nur durch ihren Tod können spätere Ereignisse eintreten.
Ich lasse Romanfiguren zwar nicht gerne sterben, aber wenn es nötig ist und das Buch weiterbringt, muss es eben sein. Auch wenn es mir bei einer Figur, die mir richtig ans Herz gewachsen ist, wohl sehr schwer fallen wird. Zwar stirbt diese figur nicht selbst, aber die Gefährtin dieser Figur...auch das bringt dann wieder eine Wendung.
Und so ist der Tod irgendwie wieder das Mittel zum Zweck.  :-\
Ich will nicht, geht aber nicht anders. Und es war von vorneherein geplant. Was also machen?
Titel: Re: Sterbende Figuren
Beitrag von: Sin am 16. Dezember 2009, 18:31:40
Ich wollte mal einen Prota sterben lassen, um die beiden anderen zusammen zu bekommen. Am anfang mochte ich ihn nicht sonderlich, deshalb dachte ich noch, es wäre eine gute Idee.
Inzwischen ist er mir so ans Herz gewachsen, dass ich es einfach nicht mehr übers Herz bringe. Also habe ich mir eine andere Lösung ausgedacht. Vorerst wird er 'nur' sein Gedächtnis verlieren. Die beiden anderen werden trotzdem zusammenkommen, nur eben auf einem anderen Weg.

Bei nicht so wichtigen Charas stört es mich meist weniger, wenn einer stirbt. Bei einem Prota allerdings trauere ich dann schon. Bisher ist es mir noch erspart geblieben, einen von ihnen sterben zu lassen. Bei meiner neuen Planung sieht es allerdins so aus, als würde es doch einen treffen...  :'(

Mal sehen, wie sich die ganze Geschichte weiterentwickeln wird....
Titel: Re: Sterbende Figuren
Beitrag von: Wuo Long am 16. Dezember 2009, 19:44:32
Hmm,

nennt mich kaltblütig, aber ich baue in der Regel keine so innige emotionale Bindung zu irgendeinen meiner Charaktere auf, als das es mir zu schade wäre, sie über die Klinge springen zu lassen. Vorrausgesetzt es tut dem Plot gut. Überhaupt bin ich ein sehr plotverliebter Mensch. Für einen (in meinen Augen) guten Plot würde ich glaube ich alles tun, was erlaubt oder auch nicht erlaubt wäre.

Aus dieser Argumentation heraus erschließt sich aber, dass ich Protagonisten sehr selten sterben lasse, weil ich meistens nicht so viele von ihnen in einer Geschichte habe. Zwei, wenn es mal hochkommt. Bringe ich sie um...aus wessen Sicht soll ich dann weitererzählen?

Bringe ich sie am Ende um, dann ist die Handlung meist schon erzählt. Da kann ich sie auch am Leben lassen, damit der potentielle Leser mich nicht zu sehr hasst. Und klischeehafte Heldenopferungen, um ein dramatisches Ende zu erzielen, kann ich auf den Tod nicht ausstehen.

Es gibt eine Situation, wo ich den Tod einer Figur als sinnvoll betrachte: Und das ist die Wirkung ihres Sterbens auf die Hinterbliebenen. Wie gehen Menschen mit dem Tod einer anderen Person um, die eine wichtige Rolle in ihrem Leben gespielt hat? Wie gehen sie mit dem Wissen um ihre eigene Sterblichkeit um? So etwas zu erzählen bringt nicht nur den Plot voran, es ist je nach Umsetzung auch ein gutes Mittel um Charakterentwicklung anzukurbeln. 

Das wäre mein Senf zu dem Thema...
Titel: Re: Sterbende Figuren
Beitrag von: Joscha am 16. Dezember 2009, 21:38:25
Zitat von: Wuo Long am 16. Dezember 2009, 19:44:32
nennt mich kaltblütig, aber ich baue in der Regel keine so innige emotionale Bindung zu irgendeinen meiner Charaktere auf, als das es mir zu schade wäre, sie über die Klinge springen zu lassen.

So geht es mir meistens auch. Normalerweise habe ich keine sehr innige Bindung zu meinen Charakteren, was aber nicht heißt, dass ich mich nicht in sie hineinversetzen könnte. Vielleicht liegt das aber auch daran, dass meine Verbindungen zu den Charakteren wächst, je länger ich an ihnen schreibe. Ich habe lange Zeit kaum Werke mit mehr als zwanzig, dreißig Seiten zustande gebracht, weil ich sie ganz einfach aufgrund einer neuen Idee aufgegeben habe. Das hat sich - zumindest bei meinem NaNo-Roman - verändert, über den ich jetzt schon 90.000 Worte verloren habe - und plötzlich erscheint mir die Vorstellung grausam, meinen mir ans Herz gewachsenen Protagonisten sterben zu lassen. Wobei letztendlich nur sein Tod die Entstehung eines wirklichen Endes herbeiführen kann.

Den dramatischen Heldentot am Ende der Geschichte halte ich normalerweise auch für überflüssig. À la: Held besiegt Bösewicht und kommt dabei um oder opfert sich, um die Welt zu retten, wobei es im letzteren Fall durchaus auf die Ausgestaltung ankommt. Aber das hängt davon ab, was man als dramatischen Heldentot betrachtet und was als eine konsequente Weiterführung des im Laufe des Plots herbeigeführten Konfliktes. Wenn sich zwei Parteien bis aufs Blut bekriegen und am Ende überleben alle und keiner nimmt schaden, dann ist das schlicht und ergreifend unrealistisch.
Titel: Re: Sterbende Figuren
Beitrag von: Anamalya am 17. Dezember 2009, 20:11:56
Zitat von: Wuo Long am 16. Dezember 2009, 19:44:32

Es gibt eine Situation, wo ich den Tod einer Figur als sinnvoll betrachte: Und das ist die Wirkung ihres Sterbens auf die Hinterbliebenen. Wie gehen Menschen mit dem Tod einer anderen Person um, die eine wichtige Rolle in ihrem Leben gespielt hat? Wie gehen sie mit dem Wissen um ihre eigene Sterblichkeit um? So etwas zu erzählen bringt nicht nur den Plot voran, es ist je nach Umsetzung auch ein gutes Mittel um Charakterentwicklung anzukurbeln. 

Da kann ich dir nur zustimmen. Zu Beginn meines Romans stirbt die Mutter meines Protas, der zu dem Zeitpunkt erst 9 Jahre alt ist. Dieses Ereignis wird sein ganzes Leben bestimmen, weil sein Vater daraufhin zum Alkoholiker wird, der ihn dann schlägt, er ist auf sich allein gestellt, entwickelt eine Verachtung gegenüber seinen Mitmenschen etc. Ihr Tod löst also eine ganze Kette von Ereignissen aus.

Bei meinem Buch habe ich schon eine Bindung zu den Charakteren, ich glaube ich wäre wirklich in sehr bedrückter Stimmung, wenn ich einen von ihnen umbringen würde, zumindest bei meinen Lieblingspersonen. Allerdings weiß ich ja, wer überlebt, und in meinen Plot passen allzu viele Todesfälle allein inhaltlich nicht.
Ich schreibe allerdings gerade eine Horrorkurzgeschichte, die meine Protagonistin nicht überleben wird. Dadurch dass ich das jetzt schon weiß, versuche ich auch lieber überhaupt nicht, sie sonderlich lieb zu gewinnen. Und das ganze ist ja eine Kurzgeschichte, also nicht zu lang, da habe ich nicht so viel Zeit, eine Bindung aufzubauen...

LG
Anamalya
Titel: Re: Sterbende Figuren
Beitrag von: Jara am 18. Dezember 2009, 00:04:58
Ich liebe meine Charaktere. Ich fiebere und lache und weine und kämpe und . . . mit ihnen!
Tragischerweise nicht nur mit den Protas, sondern - ich hab da ein Faible scheint mir - besonders mit den lieben, bösen Antagonisten.
Dementsprechend bin ich immer traurig, wenn jemand stirbt egal von welcher Seite :seufz:.
Aber gerade weil es mich so mitnimmt, glaube ich, das ganz gut darstellen zu können. Gut heißt für mich in dem Fall emotional, nur das wiederrum ist ja nicht jedermanns Sache ;).
Aber es ist toll, wenn ich mir so eine richtig schöne Sterbeszene im Nachhinein durchlesen kann und selbst davon begeistert bin. Das war bei meinem Erstling so. Mein Anta hat sich schlussendlich selbst das Leben genommen aus Reue. Da haben sogar meine zwei Protas getrauert, weil es so schaurig schön war. Ähm ja :wums:, ich hör schon auf mit dem selbstverliebten Geschwafel.
Auf jeden Fall kann ich meine Figuren nicht kurz - und schmerzlos sterben lassen. Sie müssen ja nicht wie bei Schillers Kabale& Liebe oder wie bei drittklassigen Bühnenaufführungen ewig vor sich hinsterben. Aber etwas Herzschmerz, Leid und Emotion muss schon dabei sein.
Titel: Re: Sterbende Figuren
Beitrag von: KiwiKatze am 18. Dezember 2009, 08:43:14
Ich lasse selten Charaktere wirklich sterben, aber wenn es denn einmal sein muss, leide ich unglaublich mit.
Das ist mir sogar bei zwei Nebencharakteren (einem Pärchen) passiert, die ich nur erschaffen habe, damit erst einer von beiden stirbt und der andere daraufhin einen der Hauptcharaktere darum bittet, ihn zu töten (er bzw. im Roman war es eine Sie, konnte sich wegen ihrer dämonischen Herkunft nicht selbst umbringen). Dieser Konflikt war für die Handlung wichtig und ich dachte auch nicht, dass mich das irgendwie mitnehmen würde.
Als es dann allerdings soweit war, dass der erste Teil des Paares nun gleich sterben sollte, wurde mir bereits ziemlich mulmig zumute. Als er dann tatsächlich starb ging es mir noch einigermaßen gut, doch als seine Gefährtin zu ihm lief und es darum ging, ihre Verzweiflung darzustellen, hatte ich Tränen in den Augen und konnte die Szene nur noch mit einem dicken Kloß im Hals zu Ende schreiben. Den Rest des Tages verbrachte ich dann damit durch die Wohnung zu geistern und mich immer wieder selbst zu beschimpfen, dass ich ein schlechter Mensch sei und wie ich den beiden das nur antun konnte  ::)
Im Endeffekt gehört diese Szene allerdings zu den Besten, die ich jemals zustande gebracht habe und ich glaube, einige meiner Charaktere sollten sich in Zukunft lieber vor mir in Acht nehmen  ;D
Titel: Re: Sterbende Figuren
Beitrag von: Kati am 18. Dezember 2009, 18:09:18
ZitatTragischerweise nicht nur mit den Protas, sondern - ich hab da ein Faible scheint mir - besonders mit den lieben, bösen Antagonisten.

Das kommt mir sehr bekannt vor. Meine armen Antas.  :'( Ich hasse es, wenn sie sterben, deshalb suche ich immer einen Weg drum herum.

LG,

Kati
Titel: Re: Sterbende Figuren
Beitrag von: Bisou am 18. Dezember 2009, 18:33:10
Ja, irgendwie fällt es mir mit meinen Antagonisten auch sehr schwer. Das kann zum einen den grund haben, dass der Antagonist ja stets dem  Protagonisten entgegenarbeitet und man im Prinzip immer im Zwiespalt steht. Meine Antas sind zum Beispiel auch besser ausgearbeitet als meine Protagonisten  :innocent:
Aber bei mir sterben nicht alle Antagonisten, die, um die sich alles dreht und die schlussendlich dann doch die Protagonistin ist, stirbt nicht...bei sowas liebe ich offene Enden.  ;)
Titel: Re: Sterbende Figuren
Beitrag von: Lucien am 18. Dezember 2009, 20:39:49
Ich habe es geschafft, meine Anta zu hassen, weil sie schrecklich böse zu meinem Lieblingsnebenchara ist. Leider passt ein großer Showdown mit ihr nicht in das Konzept der Story, aber wenn ich es mir recht überlege, hat sie den auch nicht verdient. Pah! Sie stirbt so, wie sie gelebt hat: Hinterhältig und ganz, ganz ... alleine!! *diabolisches Lachen*

Ich finde diese Art des Sterbens übrigens besonders tragisch, egal, ob ich Figuren mag oer nicht. Alleine Sterben, ohne jemandem sein Herz erleichtern zu können ...  :d'oh:
Titel: Re: Sterbende Figuren
Beitrag von: Gwendelyn am 20. Dezember 2009, 21:06:05
ZitatIch habe es geschafft, meine Anta zu hassen, weil sie schrecklich böse zu meinem Lieblingsnebenchara ist.

Mhh... Das habe ich bisher noch nicht geschafft. Ich nehme mir am Anfang jeder Geschichte vor meinen Antagonisten nicht zu mögen, aber kaum habe ein bisschen über ihn (oder sie) geschrieben, bricht mir schon der Gedanke das Herz, dass er/sie am Ende den Weg alles Irdischen geht. Ich frage mich was ein Psychologe zu meiner Bösewichtephilie sagen würde...  ;)

Bei Charakteren, die ich nicht besonders gerne mag, hängt es eigentlich größtenteils von meiner aktuellen Laune ab, ob mich eine Todesszene mitnimmt oder nicht. Es ist schon vorgekommen, dass ich einen ganzen Tag mein Notebook angestarrt habe, weil ich nicht in der Lage war zwei meiner Nebencharaktere zu töten, obwohl ihr Tod für den Verlauf der Handlung unendbehrlich war. Tja... Und am nächsten Tag habe ich mich ziemlich über einen Komilitonen geärgert, mein Zug hatte verdammt viel Verspätung und noch ein paar äußert unangenehme Dinge, die alle dazu geführt haben, dass ich abends völlig genervt war. Als ich mich dann an den Computer gesetzt habe, war meine Blockade vergessen und die beiden betreffenden Charas (und noch ein paar andere) sind auf ziemlich spektakuläre Art und Weise aus dem Leben geschieden. Naja.. was soll ich sagen? Es war ein RICHTIG mieser Tag...

Bei Charakteren, die ich mag, sieht es schon wieder ganz anders aus. Bei ihnen fällt es mir immer unheimlich schwer sie sterben zu lassen und tue es nur wenn es absolut notwendig ist. Wenn es sich wirklich nicht vermeiden lässt, brauche ich immer ewig bis ich den Text geschrieben habe und bin danach furchtbar depremiert.

Ich glaube jeder Psychiater würde an mir seine Freude haben... und sich eine goldene Nase verdienen.  ::)
Titel: Re: Sterbende Figuren
Beitrag von: Moa-Bella am 21. Dezember 2009, 14:04:34
Ich stehe jetzt wieder davor zu entscheiden, ob zwei Figuren im Laufe der Geschichte sterben sollen. Mit der einen weiß ich im Laufe der Geschichte einfach nichts mehr anzufangen, aber ich mag sie zu sehr um sie wegzulassen und mit der anderen weiß ich auch nichts anderes anzufangen als sie im Showdown dramatisch das Zeitliche segnen zu lassen, alles andere ist nicht dramatisch genung oder zu kitschig oder zu moralisch. Er arbeitet die ganze Zeit gegen meine drei Protagonisten, auch wenn er das nicht ganz freiwillig tut und wenn er am Ende doch überlebt, was mache ich dann mit ihm? Ich werde mir das nochmal ganz genau überlegen und wie das ganze dann passiert, aber ich will beide nicht sterben lassen, ein schönes Buch will ich aber auch schreiben. Schönes Dilemma :(
Titel: Re: Sterbende Figuren
Beitrag von: Lucien am 21. Dezember 2009, 18:22:19
Zitat von: Gwendelyn am 20. Dezember 2009, 21:06:05
Ich nehme mir am Anfang jeder Geschichte vor meinen Antagonisten nicht zu mögen, aber kaum habe ein bisschen über ihn (oder sie) geschrieben, bricht mir schon der Gedanke das Herz, dass er/sie am Ende den Weg alles Irdischen geht.
Ich verrate dir (und allen anderen) mein todsicheres Anta-Hass-Geheimnis:
Denk an eine Person, die du auf den Tod nicht ausstehen kannst und erschaffe nach diesem Ebenbild deinen Anta.  :darth:
Bei mir hat das SO GUT funktioniert, dass ich das auch nur einmal gemacht habe. 
Bei meinen anderen Bösewichten werde ich auch mehr oder weniger Schwach.

Ich hatte mir schon eine coole Sterbeszene für meinen aktuellen Anta zurecht gelegt (ist nämlich ein Greis):
Sein vermeintlich ach so loyaler Gefolgsmann betrügt ihn, wopraufhin Anta sich so aufregt, dass er einfach ein Herzklabastern bekommt und tot umfällt.  ;D
Leider muss sein Gefolgsmann schon zu Beginn der Story von ihm gehen, was diese Sterbeszene leider hinfällig macht.  :(
Dabei hätte ich sooo gerne meine (potenzielle) Leserschaft ein wenig geärgert.  ::)
Titel: Re: Sterbende Figuren
Beitrag von: Arrisull am 22. Dezember 2009, 10:22:10
Da kann ich Jenny nur beipflichten mit ihrer Methode. Die wende ich nämlich auch an. Konsequent bis zum Ende durchziehen und bloß keine Gefühlsregungen aufkommen lassen. Das haben die alle nicht verdient !  ;)
Titel: Re: Sterbende Figuren
Beitrag von: Vali am 22. Dezember 2009, 12:37:49
Ach, mit Antas umbringen habe ich keine Probleme. Mein Hauptanta mag vielleicht eine mitleiderregende Hintergrundgeschichte haben, aber seine Art Probleme zu lösen ist einfach verachtenswert, dass ich es nicht so schade finde, wenn er von meinem Prota über den Jordan geschickt wird. Ob die Leser das genauso sehen oder mir das sehr übel nehmen, werden wir ja sehen :snicker: Bei seinem Fall habe ich jedenfalls keinen Skrupel.
Titel: Re: Sterbende Figuren
Beitrag von: Gwendelyn am 22. Dezember 2009, 16:42:26
ZitatDenk an eine Person, die du auf den Tod nicht ausstehen kannst und erschaffe nach diesem Ebenbild deinen Anta.

Wow!  :pompom:
Auf die Idee bin ich ehrlich gesagt gar nicht gekommen. Ich habe es auch gleich mal versucht, da mir in meinem aktuellen Projekt noch ein richtig mieser Antagonist (oder besser gesagt der Charakter zu meinem Anta) gefehlt hat. Und es hat funktioniert! Ich kann ihn absolut nicht ausstehen! Ich freue mich jetzt schon auf das Finale. Hehe...

Die Idee mit dem Herzanfall ist übrigens spitze!  :jau: Ich hab versucht es mir bildlich vorzustellen und habe Tränen gelacht! Schade, dass es nicht in die Geschichte passt.
Titel: Re: Sterbende Figuren
Beitrag von: Lucien am 23. Dezember 2009, 20:16:04
 @ Arrisull: Jaa, immer weg damit! Es macht ja eigentlich auch nicht viel Sinn, mit Gefühl über eine (gefühlslose?) Person zu schreiben.  :hmmm:

@ Gwendelyn: ;D Freut mich, dass es bei dir auch so gut funktioniert! Und das mit dem Herzanfall spare ich mir vielleicht noch für den Schluss auf oder so, ich weiß nämlich noch nicht, wie er letztendlich aus dem Leben scheiden wird. Und so lächerlich wäre es ja eigentlich auch gar nicht, schließlich sterben im realen Leben ja auch nicht alle Bösewichte auf spektakuläre Art und Weise.
Andererseits könnte er ja noch ne Weile zuckend und röchelnd am Boden liegen und ... *räusper*  :psssst:
Titel: Re: Sterbende Figuren
Beitrag von: Joscha am 23. Dezember 2009, 20:38:57
Das finde ich aber eine interessante Frage: Inwiefern sollte man bei sterbenden Figuren auf Realitätsnähe und wie weit auf Dramatik setzen? Die Realität ist natürlich: Es sterben jeden Tag Menschen, häufig durch Unfälle, Krankheiten oder ganz einfach das Alter, auch die meisten Bösewichte.

Nun ist das natürlich kein praktikabler Weg für eine Geschichte. Wer will ein Buch lesen, in dem der Antagonist in der Mitte der Handlung unerwartet den Herztod stirbt? Oder wo der Protagonist urplötzlich Fieber bekommt und dahinscheidet? Vor einigen Jahren hatte ich, angeregt durch einen Freund, der sich über die mangelnde Realitätsnähe der meisten Bücher beschwert hat, eine Phase, in der ich unbedingt alles realistisch haben wollte. Das Ergebnis war, dass einer meiner Protagonisten mitten in der Handlung zufällig von einer Klippe fiel und starb.

Kein sehr dramatisches Ende und vor allem keines, dass der Leser lesen will. In der Hinsicht muss man sich, finde ich, arrangieren. Einerseits muss man sich an den unterbewussten Erwartungshaltungen eines Lesers orientieren und somit am Urgestein der Sterbeszenen, dem dramatischen Tod, andererseits sollte es auch nicht allzu konstruiert wirken. Ein berühmtes Beispiel sind da die letzten Worte. Wann hat man das letzte Mal ein (Fantasy-)Buch gelesen, in dem der Held oder Gegenheld nicht nach einem spektakulären Schwertstoß oder einem schleichenden Gift noch Zeit für einige tiefgründige, prophetische letzte Worte gehabt hätte? Schon bei Karl May stirbt Ribanna mit "dem Namen meines Bruders auf den Lippen". Von Winnetou selbst einmal ganz zu schweigen.

Mittlerweile bin ich aus der Phase heraus, in der ich revolutionär die Literatur umwälzen wollte und endlich mehr Realismus und Lebensnähe hineinbringen. An einem Herzanfall lasse ich keine halbwegs wichtige Figur sterben, zumindest nicht im Verlauf der Handlung, denn Literatur ist ja gerade dazu da, ein wenig Ordnung und Struktur und vor allem: Sinn! in unser chaotisches, scheinbar zufälliges Leben zu bringen und da haben plot-irrelevante Todesfälle nun Mal nichts verloren. ;)

Grüße
Joscha

Titel: Re: Sterbende Figuren
Beitrag von: Kati am 23. Dezember 2009, 20:48:24
ZitatDas Ergebnis war, dass einer meiner Protagonisten mitten in der Handlung zufällig von einer Klippe fiel und starb.

Das finde ich gar nicht so schlecht, wenn es einer der Protagonisten war. Es kommt überraschend und, wenn es gut geschrieben ist, gerät der Leser sicherlich schon aus der Fassung. Finde ich eigentlich gut.
Ich mache sowas nicht gerne, aber bloß aus dem Grund, dass meine armen Charas nicht sterben sollen. Nur, wenn es absolut notwendig ist.
Die letzten Worte finde ich meist sehr übertrieben. Ich sage nur "Faust", wo Valentin noch drei Seiten gedichteten Monolog runterrattern kann, bevor er dann doch stirbt.  ;D Meine Charas haben selten noch letzte Worte übrig, bloß der Anta in meinem allerersten Roman. Aber die sind mir schon so lieb geworden, die mag ich nicht wegkürzen. (Denkt an ihren Lieblingsanta  :'() Das bisschen Würde lasse ich ihm jetzt.

LG,

Kati
Titel: Re: Sterbende Figuren
Beitrag von: Lucien am 23. Dezember 2009, 20:58:21
 :rofl: Das mit der Klippe finde ich gut!
Man sollte es mit der Realtitätsnähe wirklich nicht übertreiben, aber deshalb darf ein natürlicher Tod wichtiter Figuren auch nicht gleich zum Tabu werden, finde ich.
Aber das mit dem Herzanfall wird wohl so oder so nichts, ich habe eben in den Notizen seinen ganz persönlichen "Jungbrunnen" gefunden. Sein Herz wird also nicht so schnell aufgeben.
Aber vielleicht schreibe ich ja doch noch zum Spaß die Szene und packe sie als "Bonus" hinten dran.  ;D
Als Kontrast zum Herzanfall: Mein jüngster Prota hat mir heute verraten, dass er mit ansehen musste, wie sein bester Freund zu Tode gefoltert wird und er soll sich dran erinnern, d.h. ich werde die Szene schreiben müssen. *Hände reib*
Titel: Re: Sterbende Figuren
Beitrag von: Kati am 23. Dezember 2009, 21:08:07
ZitatAls Kontrast zum Herzanfall: Mein jüngster Prota hat mir heute verraten, dass er mit ansehen musste, wie sein bester Freund zu Tode gefoltert wird und er soll sich dran erinnern, d.h. ich werde die Szene schreiben müssen. *Hände reib*

Bei sowas weine ich immer fast.  :-\ Der Freund meiner Prota hat ihr gerade den Selbstmord seines Bruders geschildert. Ich war sooo nah dran... :'(
Was haltet ihr eigentlich davon, wenn Charaktere grundlos von Autoren getötet werden? Und, das Gegenteil, wenn in einem Buch, in dem es durchaus angebracht wäre, überhaupt niemand stirbt?

LG,

Kati
Titel: Re: Sterbende Figuren
Beitrag von: Lucien am 23. Dezember 2009, 21:15:12
Ich bin auch nah am Wasser gebaut, wenn gute Freunde sterben. Ich habe mal einen an einem üblen Virus sterben lassen, im Beisein seines Sohnes und seiner engsten Freunde. Ich muste es überarbeiten und habe dreimal abgebrochen, weil ich heulen musste.  :psssst:

Wenn jemand grundlos stirbt oder an angebrachter Stelle niemand stirbt, finde ich das doof. Natürlich bin ich da auch manchmal etwas voreingenommen (wenn ihr mich fragt, in Harry Potter ist der Tod von Sirius und Lupin VÖLLIG überflüssig), aber alles in allem akzeptiere ich es, wenn die Handlung es plausibel macht.
Aber so unsinnige (nicht vorhandene) Todesfälle finde ich blöd, vor allem, wenn sie nicht die geringsten Folgen mit sich bringen.
Titel: Re: Sterbende Figuren
Beitrag von: Romy am 23. Dezember 2009, 22:03:02
Zitat von: Kati am 23. Dezember 2009, 21:08:07
Was haltet ihr eigentlich davon, wenn Charaktere grundlos von Autoren getötet werden?
Wenn es sich um eine wichtige Figur handelt, dann finde ich das wirklich seeehr blöd, das geht soweit, dass mein Kopf das ignoriert und ich das dann (nachdem ich das Buch ausgelesen habe und wenn ich eine Weile später wieder dran denke), völlig vergesse. Bei den beiden Beispielen von Jenny aus HP ging/geht es mir z.B. auch so.
Andererseits, wenn ein Autor einen Grund sucht, eine Figur zu töten, findet er auch einen. Und es ist ja auch unrealistisch, wenn in einem Krieg oder Kampf niemand stirbt. Vermutlich waren das auch die Beweggründe von JK Rowling, die beiden um die Ecke zu bringen  :'( 

Zitat von: KatiUnd, das Gegenteil, wenn in einem Buch, in dem es durchaus angebracht wäre, überhaupt niemand stirbt?
Das finde ich vor allem ziemlich unrealistisch und wenn es zu auffällig wird, kann ich so eine Geschichte irgendwann nicht mehr ernst nehmen. Wie gesagt, wenn da ein Krieg oder eine gefährliche Queste stattfindet, und alle Hauptfiguren überleben es (womöglich noch völlig unverletzt), dann ist das einfach komplett unglaubwürdig. Es ist zwar immer traurig für den Leser, wenn eine geliebte Figur stirbt, aber Opfer müssen auch sein.
Bei mir ist es eigentlich immer so, dass einer meiner Perspektiventräger, oder eine sehr nahestehende Person, am Ende tot ist. That's life  ;)
Titel: Re: Sterbende Figuren
Beitrag von: Moa-Bella am 24. Dezember 2009, 13:43:22
Ich habe mal ein Buch gelesen, in dem die Charaktere auf einmal anfingen, wie die Fliegen wegzusterben. Der eine wurde im Kampf verwundet, am nächsten Tag war er tot, eine opferte sich und einer beging völlig sinnlos Selbstmord. Hat mihc dann doch irgendwie genervt. Wenn sie aber nachdem sie, ich übertreibe, von zwei Dutzend Kugeln durchlöchert wurden immernoch weiterkriechen nervt das genau so. Man muss ein gutes Mittelmaß finden.
Titel: Re: Sterbende Figuren
Beitrag von: Lucien am 25. Dezember 2009, 18:26:36
Na ja, ich habe es sicher schon erwähnt, aber in einem meiner Werke werden am Schluss auch alle Hauptfiguren tot sein.
Das ist allerdings notwendig, schließlich kann ich nicht allen plötzlich eine Art von Unsterblichkeit andichten (einer bekommt eh schon drei Leben geschenkt, aber dann ist wirklich Schlus).
Und nach 600 Jahren ist für jeden mal Schluss.
:-\ Aber mir fällt grad auf, ich habe auch eine Phase im Buch, in der die Leute gehäuft sterben oder auf wundersame Weise überleben.  :psssst:
Titel: Re: Sterbende Figuren
Beitrag von: Nashi am 22. März 2010, 18:06:29
Also ich habe zwei meiner Hauptcharaktere sterben lassen und ich fand es gut. Ich mochte diese beiden Charas wirklich gerne und habe sie deswegen auch gerne sterben lassen -lach-. Beide wurden im Kampf getötet, allerdings geschah das erste mehr im ersten Drittel des Buches und der andere Tod weiter hinten. Ja klar, irgendwie wars auch sehr traurig, ich mochte vor allem die erste Person, die starb, aber die Szene zu schreiben, hat mir total Spaß gemacht. Da konnte ich wenigstens all mein Gefühl reinlegen. Naja gut, so richtig sterben die beiden auch nicht, aber sie verabschieden sich fürs Erste von der Bildfläche ;D.
Schlimmer fand ich es da, eine Person, die ich eigentlich schon länger mit eingeplant hatte und die auch theoretisch fester Bestandteil des Plots war, einfach wegzustreichen, weil dann war es ja so, als hätte die Person nie existiert. Das fand ich weitaus trauriger.

Naja, in meiner neuen Geschichte stirbt auch die Hälfte der Familie der Protagonistin in der Vorgeschichte und zu Anfang des Buches stirbt eine sehr gute Freundin. Aber das war leider notwendig, denn sonst würde meine Protagonistin nicht Selbstmord begehen und in die Hölle gelangen ;D. Ja ich weiß, ich bin fies und diabolisch, aber es macht ja auch übelst Spaß -grins-
Titel: Re: Sterbende Figuren
Beitrag von: Kolibri am 08. April 2010, 15:04:02
Bei mir ist es ja meistens so, dass ich einen Charakter im Kopf habe und daraus eine Geschichte ergibt.. sich sozusagen alles von selber ergänzt. Und desswegen entwickelt sich die Geschichte von anfang an so, dass die Charaktere die ich mag nicht sterben müssen. :'D Sozusagen Selbstschutz... aber gut finde ich es nicht!
Titel: Re: Sterbende Figuren
Beitrag von: Simara am 27. April 2010, 14:23:03
Manchmal sehe ich sie plötzlich vor meinem inneren Auge sterben, und wenn ich es nicht aufschreibe, wir dieses Bild auch nicht mehr verschwinden. Trotzdem drücke ich mich oft davor sie zu töten, einfach, weil es etwas so schrecklich entgültiges hat, selbst wenn man noch weiter über sie schreibt, man weis einfach das sie den Abschluß der Geschichte nicht mehr erleben werden. (Aber dafür gibt es ja Rückblenden... ;D)
Titel: Re: Sterbende Figuren
Beitrag von: Geli am 28. April 2010, 08:27:33
@Simara: Du darfst Dich als Autor nicht vor irgend etwas drücken. Mogeln merkt man dem Text nämlich an. Zweitens, auch wenn es noch so schmerzt: Jeder eigene Text gehört überarbeitet. Es ist völlig normal, eine Todesszene drei-, vier-, fünffach zu schreiben. Erstens gewöhnst Du Dich dabei daran, Figuren umzubringen. Zweitens lernst Du, das sind wirklich nur Pappkameraden. Es gibt definitiv einen Unterschied.
Und zuletzt -  ich warne ganz ausdrücklich vor Rückblenden. Ein einziger Satz in einem Kapitel, der sich auf die Vergangenheit einer Figur bezieht, ist okay, so lange Du aus deren Erzählperspektive schreibst. Ganze Kapitel, die erzählen, was vor dem Roman geschah, machen Dir klar: Du setzt mit der Handlung zu spät ein.
Titel: Re: Sterbende Figuren
Beitrag von: THDuana am 28. April 2010, 16:04:27
Zitat von: Simara am 27. April 2010, 14:23:03Trotzdem drücke ich mich oft davor sie zu töten, einfach, weil es etwas so schrecklich entgültiges hat, selbst wenn man noch weiter über sie schreibt, man weis einfach das sie den Abschluß der Geschichte nicht mehr erleben werden.
Meine Figuren "entscheiden" sich meist selbst für den Tod. Nicht unbedingt im Sinne von Suizid, aber dahingehend, dass ich mir nicht vornehme, sie umzubringen. Wenn es in die Geschichte passt und ihr eine entscheidende / spannende Wendung gibt, muss die Figur sterben, wenn es keinen Einfluss auf die Geschichte hat, kann sie von mir aus überleben. Sinnloses Morden ist sogar auf dem Papier mehr als unangebracht.

Aber ist stimme Geli zu, umso öfter du dich von Figuren trennst, desto leichter fällt es dir. Und jede Geschichte findet ein Ende und damit trennen sich die Wege von Autor und Figur. Ob die Figur in den Sphären der Unwirklichkeit weiterlebt oder nicht, spielt eigentlich keine Rolle. Egal wie viele Fortsetzungen du schreibst, um mehr Zeit mit der Figur zu verbringen, irgendwann ist es vorbei. ;)
Titel: Re: Sterbende Figuren
Beitrag von: Kati am 28. April 2010, 17:50:55
Vor ein paar Tagen musste ich eine Sterbeszene schreiben, die eigentlich gar nicht richtig eine ist. Meine Hilary überlebt nämlich und stirbt später an den Folgen.  :'( Ich habe auch überlegt, ob ich sie überleben lasse, aber irgendwie wäre das nicht richtig. Dann wäre in dem Roman nämlich alles gut gegangen für die Prota und so etwas finde ich nicht gut. Traurig bin ich trotzdem. Sie war wirklich eine der unwichtigsten Nebenfiguren, aber irgendwie...

Rückblenden finde ich persönlich gar nicht so schlimm, wenn es sich bloß um einige Sätze, einen Absatz vielleicht, handelt oder etwas, dass der Prota gar nicht wissen kann, etwas, dass ihm dann erzählt wird. Ich schreibe ja immer aus der Ich-Perspektive, da ist es eigentlich unvermeitlich ein paar Rückblenden einzubauen.  :)
Titel: Re: Sterbende Figuren
Beitrag von: Joscha am 28. April 2010, 19:27:53
Ich musste kürzlich auch eine meiner Figuren umbringen. Was ich interessant fand: Davor war die Person eigentlich relativ flach gewesen, ich hatte mich kaum mehr um ihren (bzw. seinen, es war ein Mann) Charakter gekümmert, bevor er schließlich vor dem Henker stand. Dann habe ich gemerkt, dass der Szene eindeutig die emotionale Tiefe fehlt und mir ist überhaupt erst aufgefallen, wie wenig ich über die Person weiß.

Jetzt weiß ich mehr, der Fast-Tote hat außerdem noch eine Lebensgefährtin, die später eine wichtige Rolle spielt und was am wichtigsten ist: Er hat eine nachvollziehbare Motivation. Da hat es um so mehr geschmerzt, als ich ihn schließlich doch umbringen lassen musste. Zumal es meinen Prota als Perspektiventräger ziemlich mitnimmt, weil er glaubt, an dessen Tod Schuld zu sein (was zum Teil auch stimmt ;)).

Ich glaube, ich muss häufiger mal Figuren über die Klinge springen lassen und die Szene danach einfach streichen und weitermachen, als wäre nichts passiert. ;D
Titel: Re: Sterbende Figuren
Beitrag von: Grey am 29. April 2010, 10:07:55
Da ihr ja alle so fleißig eure Charaktere tötet: Ich mache mal wieder ein bisschen Werbung in eigener Sache, weil die Nekropedia (http://nekropedia.de/doku.php) mittlerweile ein wirklich stiller Friedhof geworden ist. Und das ist schon schade. Ich versuche mich auf diesem Wege also mal ein bisschen in Nekromantie. ;)
Titel: Re: Sterbende Figuren
Beitrag von: Antonia Assmann am 29. April 2010, 10:27:12
Guten morgen,  Grey!

Da hast du Recht, das ist ja eine wunderschöne Seite, die ich schon ganz aus meinen Gedanken verloren habe.... Ich hab sie gleich mal wieder auf Favoriten gesetzt!

LG
Antonia
Titel: Re: Sterbende Figuren
Beitrag von: Romy am 29. April 2010, 19:54:45
Von der Nekropedia habe ich schon mal gehört, aber aus irgendwelchen mit unbekannten Gründen, habe ich mir die Seite noch nie näher angesehen  :hmmm:
Das habe ich jetzt gleich mal nachgeholt ;)

Irgendwie sterben in meinen zwei aktuellsten Projekten so wenige Leute, oder höchstens die Antas, aber ich muss mir die Seite unbedingt vormerken! Spätestens, wenn ich mich mal wieder mit Sessian und meinem Ewigen Krieg befasse, kommen da einige traurige Todesfälle zusammen  :'( , die ich mal nachtragen könnte.
Titel: Re: Sterbende Figuren
Beitrag von: Vivian am 02. Dezember 2010, 12:44:43
Hallo,

Ja, das Gefühl, eine gebliebte Figur töten zu müssen, ist sehr erdrückend. In meinem dritten Band meiner Geschichte stirbt eine meiner liebsten Persönlichkeiten, die mein Herz eroberte. Aber es war ihr Schicksal, denn sie opferte sich für jemanden, damit derjenige unversehrt blieb - und starb dabei. Die Erinnerung daran ist noch ziemlich schmerzhaft, es ist noch nicht allzu lange her.
Als ich die Szene fertig geschrieben hatte, machte ich eine Schreibpause von einer Woche. So traurig war ich, so sehr liebte ich diese Frau, die so ein reines Herz und immer gutmütig zu anderen war. Denn auch wenn sie nicht mein Hauptcharakter war, sie hatte etwas besonderes an sich. Sie ragte aus der Menge hervor, weil sie wirklich eine liebe Person war.
Na ja, so ist es nunmal. Die Realität ist manchmal nicht anders.  :)
Titel: Re: Sterbende Figuren
Beitrag von: Churke am 02. Dezember 2010, 14:39:46
Zitat von: Vivian am 02. Dezember 2010, 12:44:43
Aber es war ihr Schicksal, denn sie opferte sich für jemanden, damit derjenige unversehrt blieb - und starb dabei.

Der hollywoodeske Heldentod ist nicht so mein Fall, weil ihm das tragische Element fehlt. Mit tragisch meine ich, dass der Tod im Charakter angelegt und notwendige Konsequenz seines Handelns ist. Wo ist da der Konflikt, wenn jemand den Jesus macht?
Titel: Re: Sterbende Figuren
Beitrag von: KaPunkt am 02. Dezember 2010, 15:09:50
Naja, wenn der Tod logische Konsequenz des Charakters ist, wo bleibt da die Tragik? Ist doch eine gerade Rutsche ohne Abzweig oder Bremse.

Wobei der tragische Heldentod natürlich nicht das Nonplusultra der Kreativität ist. Ich hab auch wieder einen in meinem aktuellen Projekt.
Der Opfertod hat meiner Meinung nach aber zumindest den Konflikt des Geretteten: 'Oh mein Gott, er hat sich für mich geopfert, was fang ich nun mit meinem Leben an, damit es das wert war?!'
Und u.U. den Konflikt des Opferlamms 'Ist es das wert, soll ich das tun? Ich möchte so gern leben, aber er soll auch leben (...)'

Andererseits kann es ja auch schon im Charakter angelegt sein, dass er sich für diese Figur opfern würde, sollte es jemals nötig sein. Was dann die Synthese aus beiden Möglichkeiten wäre.

*shrug*

Bis jetzt hatte ich noch keinen Charaktertod, der mir wirklich nahe gegangen ist.
Die einzige Gute, die in der 'Stadt am Kreuz' draufgeht, musste weg. Sie war die einzige in dem Haufen, die klar denken konnte, hätte sie die anderen zur Räson gebracht und alle mal fünf Minuten miteinander überlegt, wäre mein Plot gelöst und das Buch zu Ende.
Das war keine Option.   :ätsch:
Außerdem war sie mit ihrem Leben zufrieden, hatte keine offenen Fragen oder Konflikte mehr. Wäre es nicht gerade auf so unapetittliche Weise vor sich gegangen, hätte die Gute vermutlich überhaupt keine Angst vor dem Tod gehabt.
Also, wegen ihr hatte ich echt keine Probleme.  ;D
Und meine Bösen haben so einen schönen, ruhigen Tod bekommen ... Das Schreiben hat soviel Spaß gemacht, da war es mir echt egal, dass die beiden zwei Sätze weiter den Löffel abgeben.  :darth:

Allerdings sehe ich mit Grausen und makaberen Interesse einen Tod am Horizont warten, der mir wohl schon an die Nieren gehen wird.
Sie war die erste Figur, die im aktuellen Roman lebendig geworden ist (Gerade mal vier Seiten als Nebenfigur hat sie dafür gebraucht  :o) und hat mir dann erstmal erzählt, was ich alles falsch gemacht habe. Natürlich ist sie noch mit ihrem Mann verheiratet. Ehrlich mal, so ja nun nich.
Und sie ist mir so sympathisch, diese sehr mechanisch, burschikose Magierin. Das wird wehtun.
Muss es ja aber auch, wenn es ein guter Tod werden soll. Wenn ich nicht leide, wie sollen da die Leser leiden?

Liebe Grüße,
Kirsten
Titel: Re: Sterbende Figuren
Beitrag von: Mika am 02. Dezember 2010, 16:40:30
Ich glaube ich war 15 als ich zum ersten mal eine meiner Figuren tötete... Das war richtig schlimm, es war überhaupt nicht geplant, er war einer meiner liebsten Charaktere und eigentlich hätte ich ihn auch noch gebraucht, dachte ich, bis ich feststellte das die Geschichte auch ohne ihn aufging. Ich war so sehr im Schreibfluss, ohne Plan, ohne Ziel, so wie ich anfänglich einfach geschrieben habe, vollkommen versunken in der Geschichte und merkte erst was ich gerade getan hatte als meine eigenen Tränen auf die Tastertur tropften, besser gesagt habe ich geheult als wäre ein wirklicher Freund von mir gestorben, ging mir also extrem nahe. Allerdings auch nur weil er keine absolute Nebenfigur war sondern einfach so etwas wie der Sonnenschein in meiner Geschichte.
Verwirrt habe ich also nochmal nachgelesen und dann erst richtig realisiert dass ich so eben getötet hatte. Hat mich ziemlich hart getroffen, habe diese Stelle immer und immer wieder angesehen, habe laufend überlegt ob ich sie noch ändern könnte. Ich tat es nicht, denn der Chara war tot, nebensächlich mit einem Satz einfach aus der Geschichte gestrichen.

Mittlerweile fällt mir das Töten nicht mehr ganz so schwer. Im Gegenteil, es ist in meiner aktuellen Geschichte sogar so was wie in Mittel zum Zweck geworden. Manchmal ist es einfach nötig jemanden zu töten um die Handlung voran zu bringen, einen solchen Fall habe ich momentan, aber dieser Tod ist zum Glück nicht endgültig, weshalb es mir leichter fällt.
Aber insgesamt habe ich die Hemmungen davor verloren, es tut nicht mehr ganz so weh, ich weine nicht mehr wenn eine geliebter Charakter sterben muss, es passiert, so ist das Leben und wie das Leben ist so ist es auch in Geschichten. Ich denke zwar noch immer mit Wehmut an den ein oder anderen, aber es passiert eben einfach und wenn ich einen Charakter nicht mehr brauche, sein Plot endet, seine Geschichte endet, dann habe ich doch eigentlich keine andere Wahl oder?

Bei mir opfert sich aber niemand im altbekannten Sinne, auch wenn ich sowas früher toll fand, mittlerweile tue ich das nicht mehr. Wenn eine meiner Personen stirbt dann ist es meist einfach ihr Schicksal, es gibt keine andere Möglichkeit.
Man könnte es zwar durchaus als Opfer betrachten dass meine Tiriael, meine offizielle Antagonistin, sich selbst, als sie sich letztlich doch noch auf das Gute besinnt, in Flammen setzt und so den wahren Bösewicht mit sich in den Tod reißt, aber sie tut es nicht um jemanden zu beschützen, sie hat zuvor schon alles verloren, sie tut es einzig und allein um sich zu rächen. Kann man hier von einem klassischen Opfertod sprechen? Ich denke eher nicht.

Andere Charaktere sterben bei mir einfach weil sie zu viel wissen, meine Seherin zum Beispiel. Eine Vision brachte sie einer Verschwörung auf die Spur, es wurde enttarnt dass sie davon wusste und um zu verhindern dass sie es jemandem erzählt wird sie sang und klanglos getötet. Tragisch ja, aber was soll ich machen? Sie wusste einfach zu viel, so sehr ich diesen Chara auch mochte, ich kam nicht drum herum, es schmerzt mich noch ein wenig, aber es musste sein. *schulterzuck*

Ich staune gerade selbst ein wenig über meine Worte, wie abgeklärt ich dem Tod gegenüber geworden bin, aber in meinem aktuellen Projekt ist er zu einem notwendigen Übel geworden. Irgendwann stumpft man glaub ich etwas ab. Meine Mutter würde mich jetzt wieder mit einem "mein Gott bist du kalt" maßregeln, aber so ist es nunmal. Als Schreiber spielt man Gott, man hat manchmal absolute Macht über seine Figuren (ich sage manchmal weil sie einem ja gelegentlich abhanden kommen und tun was sie wollen) und kann mit ihnen tun und lassen was man will so lange einem nicht die eigenen Moralvorstellungen in die Quere kommen. Irgendwie ein unheimlicher Gedanke...

Fakt ist, ob tot oder am leben, es gehört dazu sich gelegentlich von Figuren zu trennen und irgendwie wird es wahrscheinlich trotzdem immer ein bisschen wehtun, so abgeklärt und kalt ich auch sein mag...
Titel: Re: Sterbende Figuren
Beitrag von: Vivian am 02. Dezember 2010, 17:48:56
Zitat von: Churke am 02. Dezember 2010, 14:39:46
Der hollywoodeske Heldentod ist nicht so mein Fall, weil ihm das tragische Element fehlt. Mit tragisch meine ich, dass der Tod im Charakter angelegt und notwendige Konsequenz seines Handelns ist. Wo ist da der Konflikt, wenn jemand den Jesus macht?

Es ist nicht so, wie du denkst. Würde sie nicht sterben, wäre mein Hauptcharakter tot. Ich meine ... wen nehme ich da? Die Entscheidung ist da sehr einfach und unkompliziert, auch wenn ich jemanden sterben lassen muss, der mir eigentlich sehr ins Herz gewachsen ist.
Bei mir ist nichts Hollywood. Ich habe keinen Helden im Buch. Es ist nunmal blöd, dass sie sich vor sie wirft und einen vergifteten Dolch in die Brust gerammt bekommt. Ich hätte gerade so gut einen anderen Charakter nehmen können. Aber einer musste eben dran glauben. Egal wie kalt das jetzt klingen mag, aber das ist einfach so.

Es ist also kein Opfertod. Sie beschützt meinen Hauptcharakter und stirbt dabei, obwohl das von ihr NICHT beabsichtig war.

Ich habe mich in dem Sinne falsch ausgedrückt, tut mir Leid.
Titel: Re: Sterbende Figuren
Beitrag von: Valaé am 02. Dezember 2010, 22:08:39
Achja... die Toten.
Ich habe schon sehr viele geplante Tote, auch einen, von dem ich weiß, dass er weh tun wird. Ich habe auch schon ein paar Charaktere auf dem Gewissen, aber bis vor kurzem keine wirklich wichtigen, lebendigen. Eher so nebenbei-Tode.
Dann kam der NaNo und mit ihm kam Jargo.
Mein Jargo v.v.
Er ist hier im TZ geboren worden, hat mich von Anfang an fasziniert. Obwohl ich die andere Hauptperson der Geschichte, Eila, immer gemocht hatte weil sie ich faszinierte, riss Jargo alle Symapthien an sich. Ich liebte die Szenen mit ihm, schrieb sie lieber als alles andere. Wenn ich am Abend ins Bett ging, dachte ich an ein paar seiner Zitate und musste drüber lachen. Er war sehr lebendig und schien mich immer wieder zum Schreiben bringen zu wollen.
Ich wusste allerdings von Anfang an, dass ich ihn hineingeschrieben hatte, damit er ganz am Ende sterben würde.
Es war einfach, weil das Buch ohne große Trauer mit dem Schock über seinen Tod endet.
Aber es war trotzdem schwer. Am Tag zuvor jammerte ich hier noch rum, ihn nicht umbringen zu wollen  ;) und ich wollte es auch wirklich nicht. Ich habe mich an dem Tag dazu durchringen müssen, zu schreiben und als ich das letzte Kapitel schrieb, indem er zu Wort kommt hab ich sogar ein wenig geweint, weil er so süß in Erinnerungen schwelgte.
Dann kam das Kapitel vor dem ich mich gesträubt habe. Ich habe es langsamer geschrieben als den ganzen Roman davor.
Es war ein Kampf und das lag nicht daran, dass auch ein Kampf beschrieben wird. Als er das tat, was ihn das Leben kosten würde, habe ich ihm beim Schreiben des Gegenteils zugerufen (wirklich laut ausgeprochen), dass er es lassen soll.
Ich gebe allerdings zu, dass ich nicht geweint habe, als er tot war, da war ich nur noch froh dass die Geschichte vorbei war.
Ich habe aber den ganzen Abend noch an ihn gedacht und auch jetzt schleicht er sich immer noch mal in meine Gedanken rein, mein liebes Jargoleinchen. So sehr sogar, dass ich mir geschworen habe, ihm in einem der an dieser Geschichte hängenden Bücher ein Denkmal zu setzen. Vielleicht eine Kneipe die "Jargo's" heißt?
Titel: Re: Sterbende Figuren
Beitrag von: Churke am 06. Dezember 2010, 16:31:13
Ich habe Flavius Stilicho getötet.
Er ist der Testamentsvollstrecker von Theososius dem Großen. Er ist der Superstar des weströmischen Reiches, gebietet über die mächtigste Armee der Welt. Drei Mal rettet er Rom vor dem Untergang. Der Kaiser Honorius verdankt ihm alles.
Leider verdient Honorius seine Treue nicht. Ängstlich, feige und schlecht beraten befiehlt er Stilichos Ermordung. Stilichos germanischen Truppen wollen nach Ravenna ziehen und Honorius beseitigen. Aber Stilicho kann seinen einstigen Mündel nicht verraten. Er hofft bis zuletzt, dass Honorius Lüge und Wahrheit unterscheiden kann.
Mit einem Meineid vor dem Bischof wird er aus dem Kirchenasyl gelockt und getötet. Sein Mörder wird mit Afrika belohnt.

Die Tragik: Als Stilicho die Macht über Honorius verliert, muss in der Konsequenz einer von beiden sterben. Aber während Honorius Stilichos Verrat fürchtet, kann Stilicho den Kaiser, den er liebt wie einen Sohn, nicht verraten.

Geradezu mythisch sind die Folgen von Stilichos Ermordung. Verhaftungswellen, Folter, Terror und Progrome erschüttern Italien. Die Armee löst sich auf, die Goten plündern Rom, das Imperum zerbricht. Von allen verlassen will Honorius nach Konstantinopel fliehen. Da treffen rettende Truppen aus dem Osten ein. Stilicho hatte sie angefordert. Honorius flüstert: "Noch im Tod beschützt er mich."
Titel: Re: Sterbende Figuren
Beitrag von: KaPunkt am 06. Dezember 2010, 17:14:48
Zitat von: Churke am 06. Dezember 2010, 16:31:13
Ich habe Flavius Stilicho getötet.
(...)
Wow.
Jetzt hast du mich dazu gebracht, nach Stilicho bei wikipedia zu schauen.
Aber das hier ist noch cooler.
Wann hast du ihn den umgebracht? War's schwer?

Liebe Grüße,
Kirsten
Titel: Re: Sterbende Figuren
Beitrag von: Churke am 07. Dezember 2010, 10:38:03
Zitat von: Kirsten am 06. Dezember 2010, 17:14:48
Jetzt hast du mich dazu gebracht, nach Stilicho bei wikipedia zu schauen.
Wann hast du ihn den umgebracht? War's schwer?

Eine Figur solches Unrecht widerfahren zu lassen, ist niemals einfach. Szenenisch habe ich es durch einen Abfolge retardierender Momente gelöst: Ständig scheint sich alles zum Guten zu wenden. Stilichos Tod ist dramaturgisch ebenso zwingend wie vermeidbar. Das verleiht Tiefgang.  :engel:

Seine Witwe Serena habe ich auch getötet. Die Biedermänner des Senatorengerichts verurteilen sie wegen angeblichen Hochverrats ("Offensichtliches braucht keinen Beweis") zum Tode. Ihre Leiche wird öffentlich ausgestellt und dann in den Tiber geworfen. Nur Ausgestoßene zeigen Mitgefühl: Die Gladiatoren, die sie befreien wollten, und der Henker, der sie erdrosselt.