Tintenzirkel - Das Fantasyautor:innenforum

Allgemeines => Tintenzirkel => Thema gestartet von: Hochkogler am 28. Januar 2020, 01:07:21

Titel: Ist Autor ein aussterbender Beruf?
Beitrag von: Hochkogler am 28. Januar 2020, 01:07:21
Ziemlich reißerischer Titel, ich weiß.

Aber dennoch finde ich eine sehr berechtigte Frage.

Beobachtet man die Entwicklung am KI (künstliche Intelligenz) Markt ist ein Trend zur Supermacht KI zu erkennen.

Gerade wer sich wie ich in der Gamingszene bewegt wird z.b. schon von Googles DeepMind KI gehört haben. Eine junge KI die es bereits jetzt schafft über 95% aller Spieler im Strategiespiel Starcraft 2 zu schlagen.

Die Übermacht scheint überwältigend, die KI reagiert schneller, kann zehntausende Taktiken auswerten, kennt alle Stärken und Schwächen.

Wenn man diesen Gedanken weiterspinnt kommt man zu dem Punkt an dem ich gerade stehe:

Vor 20 Jahren haben wir noch in olle Röhrenfernseher geglotzt und unsere Handys waren kleine Atomreaktoren. Heute haben wir Plasma Ultra 4k Fernseher und Handys die leistungsfähiger sind als die Computer die man bei der Mondlandung benutzt hatte.

Wo sind wir in den nächsten 20 Jahren wenn sich die KI unweigerlich mit Riesenschritten weiterentwickelt?

Wenn vielleicht ganze Epen im Umfang von Song of Fire and Ice in Minuten von KIs berechnet und geschrieben werden, dabei auch noch spannend und in sich logisch da die KI Zugriff auf alle Bücher der Welt haben wird und somit weiß was gut und schlecht ist.

Wo ist dann noch Platz für die menschlichen Autoren? Wird es nur mehr ein paar Hardliner als Kundschaft geben die sagen sie kaufen nichts das nicht von Menschenhand geschrieben wurde?

Wird das geschriebene Wort überhaupt noch Bedeutung haben wenn selbige KI alles ebenfalls quasi in Echtzeit in unglaublicher Grafik als Film produzieren kann?

Führt die KI wie von Hawking prophezeit vll sogar zum Untergang der Menschheit?
Was denkt ihr?
Titel: Re: Ist Autor ein aussterbender Beruf?
Beitrag von: Maja am 28. Januar 2020, 02:24:32
Ich schreibe seit über fünfdreißig Jahren Bücher. Erst per Hand, dann mit der Schreibmaschine, später mit dem Computer. All die Jahre über haben immer schon andere Leute Bücher geschrieben, und sie waren durch die Bank erfolgreicher damit als ich. Hat mich das abgeschreckt? Nein. Ich habe immer schon meine Bücher geschrieben, weil das kein anderer kann. An der Stelle kann mir egal sein, ob die anderen Bücher von Menschen geschrieben werden oder von Affen oder von einem Computerprogramm. Ich will meine Geschichten erzählen, und ich tue es.

Mein Eindruck ist, dass heute deutlich mehr Leute schreiben als noch von zwanzig Jahren. Es ist einfacher geworden, sich mit anderen Autoren auszutauschen, Internet sei Dank, man ist nicht mehr nur allein und wird gemobbt und gibt das Schreiben dann auf - man ist unter Gleichgesinnten, spornt sich gegenseitig an, gibt sich gegenseitig Feedback, und hat Spaß. Und für diesen Spaß am Schreiben ist wirklich irrelevant, ob irgendwo ein Computerprogramm Texte ausspuckt, die man lesen kann - es geht beim Schreiben immer erstmal um einen selbst.

Autor ist kein aussterbender Beruf, weil Autor überhaupt kein Beruf ist. Autor ist jeder, der schreibt. Betreibt man das Schreiben beruflich, hat man Romane veröffentlicht, ist man Schriftsteller. Und Schriftstller sterben so schnell nicht daran aus, dass es clevere Algorithmen gibt. Schrifttsteller sterben eher daran, dass die Verlage sie nicht gescheit bezahlen, dass Ebook- und Hörbuchpiraterie die Einnahmen empfindlich schmälert, und dass die Leute generell weniger Bücher kaufen.

Was die Veröffentlichung von KI-produzierten Büchern anstelle von menschgeschriebenen Büchern angeht - es gibt bestimmt ein paar Verlage, die da in Lauerstellung liegen. Für andere kommt das nicht infrage. Wer sich Hohe Literatur auf die Fahnen geschrieben hat, kann nicht vom Mensch auf die Maschine umsatteln, es geht immer auch um die Zusammenarbeit von Lektor und Autor, und es gibt immer noch Verlage, die mit Leidenschaft handwerklich gute Bücher machen und das auch weiterhin machen werden.

Einen wesentlichen Teil des Geschichtenschreibens macht die Empathie aus, und ich sehe da bei der KI noch deutliche Mängel. Ein glaubwürdiges Gesicht zusammensetzen können heißt noch nicht, einen glaubwürdigen Charakter zu konstruieren, und geschmeidige Sätze machen noch keine tolle Story. Für manche Belange werden Algorithmen vielleicht reichen - ich denke, Heftromane, die nach Schema F schnell und kostengünstig produziert werden, werden die ersten sein, die mit KI-unterstütztem Schreiben experimentieren. Aber es wird das Schreiben nicht verdrängen, und es wird die Schriftsteller nicht verdrängen.

Übrigens hatten wir auch vor zwanzig Jahren keine Handys, die ihren eigenen Strom produzieren konnten. Sie haben nur deutlich weniger davon verbraucht als heute.
Titel: Re: Ist Autor ein aussterbender Beruf?
Beitrag von: Schneerabe am 28. Januar 2020, 02:28:19
Ich glaube, kreative Berufe sind die letzten die eine KI (wenn überhaupt jemals) meistert. Computer schlagen uns in Mathe, aber sie knabbern sehr an Linguistik (menschlicher, nicht der informatischer) und haben keine Kreativität. Neulich habe ich ein Fachbuch von Umberto Eco gelesen das hat beschrieben das Informatiker momentan (ok das buch ist schon paar Jahre alt aber soviel ich weiß hat sich nicht viel getan in dem Bereich) sogar daran scheitern PC's beizubringen sinnvolle, extrem kurze und simple Tierfabeln schreiben zu lassen weil sie sich irgendwann immer in Logik-Schlaufen verrennen und dann nur noch repetitiven Nonsens schreiben. Geschichten sind erstaunlich komplex auf eine Art die PC's noch nicht fassen können (falls sie es überhaupt je schaffen). Außerdem haben PC's keinen Sinn für Ästhetik, ein Mensch müsste ihnen einprogrammieren was das ist und stünde dabei vor ähnlich kniffligen Problemen wie mit der Tierfabel. Und sobald KIs all das meistern können, ist glaube ich JEDER Beruf obsolet. Wobei ich nicht weiß ob sie/wir so weit kommen.
Titel: Re: Ist Autor ein aussterbender Beruf?
Beitrag von: Coppelia am 28. Januar 2020, 05:43:28
Es mag verschiedene Gründe geben, warum Autor*in ein aussterbender Beruf ist, aber ich halte die KI für keine große Bedrohung. Jedenfalls nach momentanem Stand.

Ich spiele ja sehr gern mit "Talk to Transformer" herum (talktotransformer.com) und habe auch schon Artikel darüber gelesen, dass diese KI Texte so genial schreibt, dass man nicht merkt, dass sie nicht von einem Menschen stammen. Wer auch immer den Artikel verfasst hat, kennt den Transformer nicht so wie ich. ;D Tatsächlich hat die KI stilistisch einiges drauf, was erstaunlich ist. Ihre Texte sind aber nur immer maximal ein paar Sätze lang, und schon da geht der Sinn immer ziemlich verloren. Vielleicht lässt sich mehr tun, wenn der KI ein ungefährer Handlungsverlauf einprogrammiert wird. Auch dann sehe ich aber auch auf lange Sicht nicht, wie eine KI den "Überblick" behalten soll und sinnvolle Entscheidungen treffen. Dass Romane aber teilweise von KIs geschrieben werden, halte ich schon für realistisch. Und auch, dass das dann die Romane sind, die sich wegen ihrer Mainstreamigkeit besonders gut verkaufen, während "Kunst" dann nur noch ein kleines Publikum anspricht (und daher als Beruf noch schwieriger ausgeübt werden kann als bisher schon).

Übrigens finde ich, dass der Transformer manchmal erstaunliche und sogar witzige "Ideen" hat und interessante (und oft sinnlose) Twists passieren. Das ist natürlich Zufall, aber gerade deshalb spiele ich ja so gern damit, es ist irgendwie inspirierend. In einem regulären Buch wäre das aber nicht unbedingt wünschenswert. ;)
Titel: Re: Ist Autor ein aussterbender Beruf?
Beitrag von: Tintenteufel am 28. Januar 2020, 06:42:56
Gab's Verzweiflung nach Neujahr irgendwo im Sonderangebot? Geez.

Deine Frage geht von so  vielen unwahrscheinlichen und nicht zu beantwortenden Voraussetzungen aus, dass man die weder positiv noch negativ beantworten kann.
Möglich, dass KI irgendwann mal etwas wirklich neuartiges auf die Reihe kriegt. Möglich, dass es wie mit Bitcoins und der Dotcom-Blase läuft und in fünf Jahren keine Sau mehr was von KI wissen will, weil's nicht halb so gut funktioniert wie der ganze Hype vermuten lassen würde.
Titel: Re: Ist Autor ein aussterbender Beruf?
Beitrag von: Yamuri am 28. Januar 2020, 07:20:12
KIs der heutigen Zeit sind noch sehr weit entfernt von dem was in Science Fiction als KI gezeigt wird. Diese KIs, die wir heute KI nennen sind Programme, die zu keinerlei Gefühlen fähig sind, anders als die KI, die wir zum Teil in Science Fiction sehen. Es wird noch sehr lange dauern, wenn es überhaupt möglich ist, einen Computer zu erschaffen, der zu Gefühlen fähig ist. Um eine gute Geschichte erzählen zu können, sind Algorithmen nutzlos, weil sie herzlos sind. Man spürt als Leser*in ob eine Geschichte Herz hat und Gefühle. Ohne Gefühle wird man Leser*innen langfristig nicht erreichen. Da nur wir Menschen zu Emotionen fähig sind und diese auch nachempfinden und verstehen können, braucht es einen Menschen, der die Geschichte schreibt.

Meine Schwester und ich hatten zwar auch mal die Vision von einem Fernseher mit einer KI, der dazu fähig ist basierend auf unseren Ideen eigene Filme zu produzieren, aber die Technik ist da noch viel zu weit davon entfernt. Sie hat u.A. Robotik und Mechatronik studiert und sie kritisiert sehr stark die Bezeichnung für KI, weil sie nicht das bezeichnet, was in der Science Fiction als Künstliche Intelligenz gezeigt wird. Von der Science Fiction sind wir noch sehr sehr weit entfernt und das wird gut so sein. Der Begriff KI ist daher eigentlich irreführend für diejenigen, die den Begriff aus der Science Fiction kennen, weil KI in unserer Gegenwart wenig mit dem zu tun hat was KI in der Science Fiction ist.

KIs von heute sind nur Programme, von Menschenhand programmiert. Sie haben Grenzen und können sich nicht selbstständig weiter entwickeln. Wer das Programm versteht, kann auch jede KI in einem Spiel besiegen. Ihre Reaktionen sind vorhersehbar und berechenbar. Sie kann nicht ausbrechen aus diesem Verhalten. Geschichten würden folglich auch immer generisch und nach einem bestimmten Muster ablaufen, weil diesen KI das Verständnis komplexer Denkleistung und emotionaler Zustände fehlt. Vgl. auch hier, diesen Artikel: https://www.planet-wissen.de/technik/computer_und_roboter/kuenstliche_intelligenz/

Wie soll eine KI, die nicht versteht wie Gefühle funktionieren, eine Geschichte über fühlende und oft unlogisch handelnde Menschen schreiben? Die Charaktere wären folglich alle Mary Sues und Gary Stus, perfekte Maschinen, die keine Fehler machen, immer logisch und vorhersehbar reagieren. Das wären ziemlich langweilige Geschichten. Insofern denke ich, es wird immer Menschen brauchen, die Geschichten erzählen und daher stirbt diese Profession auch nicht aus. Generell dürfte es schwierig werden Kreativberufe nachzuahmen und der Stand der Technik ist wie gesagt von einer echten KI im Science Fiction Sinne noch weit entfernt. Würden wir in einem Star Trek Universum leben, dann ja, könnte ich mir vorstellen, dass es gelingt einen denkenden und fühlenden Computer zu erschaffen, der dann aber mit Sicherheit von uns verlangen würde als Person wahrgenommen zu werden.
Titel: Re: Ist Autor ein aussterbender Beruf?
Beitrag von: Alina am 28. Januar 2020, 07:33:42
Ich schließe mich Yamuri und anderen Vorrednern an.
In den kreativen Prozess des Schreibens spielt ganz viel hinein: Gefühle, Erfahrungen, Assoziationen, was man selbst alles schon gesehen, gelesen und erlebt hat, die eigene Weltanschauung, Wertmaßstäbe und das eigene Urteilsvermögen.
Ich denke, hinter künstlerischer Arbeit steht immer eine menschliche Persönlichkeit. Meine Prognose wäre auch, das KI erst dann gute Texte schreiben wird wenn sie dem Menschen schon ziemlich ähnlich ist, inklusive Bewusstsein und Gefühlen.
Titel: Re: Ist Autor ein aussterbender Beruf?
Beitrag von: Trippelschritt am 28. Januar 2020, 09:14:36
Autor ist kein aussterbender Beruf.

Mehr habe ich dazu nicht zu sagen.
Trippelschritt
Titel: Re: Ist Autor ein aussterbender Beruf?
Beitrag von: Araluen am 28. Januar 2020, 09:25:23
Ich stimme dir absolut zu @Yamuri (und werde über dich vielleicht mal deine Schwester interviewen zum Thema KI zu Recherchezwecken ;)), ausgenommen dieser Satz:
Zitat
Da nur wir Menschen zu Emotionen fähig sind und diese auch nachempfinden und verstehen können, braucht es einen Menschen, der die Geschichte schreibt.
Auch Tiere sind zu Emotionen fähig, einige auch zu Empathie. Das ist schon vielfältig beobachtet worden. Den künstlerischen Prozess verbuchen wir Menschen aber tatsächlich für uns allein, soweit mir bekannt ist.

Und ich glaube auch nicht, dass KIs in nächster Zeit kreative Prozesse erlernen und dabei den Menschen noch übertreffen. Wie Alina schon sagte, spielt da ganz viel mit rein, allen vorran eine eigenständige Persönlichkeit. KIs sind heutzutage tatsächlich nicht mehr als Programme, die stur ihren Algorithmus abspulen und lediglich ein paar neu erlernte Variablen austauschen. So kann eine KI zwar Daten sammeln, entsprechend eines Algorithmus auswerten und verwenden, aber sich keine Meinung dazu bilden. Die KI weiß dann zwar zum Beispiel irgendwann, dass rot eine beliebte Rockfarbe ist, hat aber keine Meinung dazu, ob sie selbst rot als Farbe für einen Rock gut findet.
Reale Spieler in einem Strategiespiel zu schlagen, ist für einen Rechner keine große Kunst, sofern es vorher ein Mensch geschafft hat, das nötige Programm zu schreiben. Das ist pure Mathematik und Trail and Error. Das Programm probiert aus, speichert Fehlschläge und Erfolge ab und handelt im weiteren Verlauf entsprechend. So lernt es die beste Strategie - eine Leistung, die auch reale Spieler mit genug Geduld, Notizbüchern und Zeit ebenfalls erbringen können. Der Vorteil des Programms ist an der Stelle nur, dass es schneller mehr Daten verarbeiten und vorausberechnen kann als ein Mensch und im Falle von Computerspielen muss es sich nicht mit dem menschlichen Reaktionsvermögen herumplagen oder der Tatsache, dass man als Mensch eben nur an eine Stelle auf den Bildschirm klicken kann und nur eine Taste/Tastenkombination drücken kann. Die KI kontrolliert das gesamte Spielfeld. Das ist aber weit weg von kreativer Leistung. Und bis auf wenige Forschungsprojekte sind die meisten Spiel-KIs einfach nur dumm und leicht auszuhebeln.

Also von einer KI sehe ich mich als Autor noch lange nicht bedroht.
Titel: Re: Ist Autor ein aussterbender Beruf?
Beitrag von: Sascha am 28. Januar 2020, 09:36:47
Um diese sogenannten KIs wird viel zu viel Wirbel gemacht. Die sind noch meilenweit von echter Intelligenz entfernt, von allem Emotionalem mal ganz zu schweigen.
Und sollte es jemals soweit kommen, daß computergenerierte Texte veröffentlicht werden, werde ich sie boykottieren.
Ich geh nicht mal an die Selbst-Scanner-Kassen im Supermarkt, weil ich den Kassiererinnen nicht den Job wegnehmen will. ;D
Titel: Re: Ist Autor ein aussterbender Beruf?
Beitrag von: Cooky am 28. Januar 2020, 10:21:34
Vor nicht allzu langer Zeit habe ich einen Bericht über Roboter im japanischen Dienstleistungsgewerbe gelesen, die jetzt wieder ausgemustert werden, weil sie den Erwartungen einfach nicht gerecht wurden. So viel dazu, dass Roboter den Menschen in allen Bereichen irgendwann ersetzen werden. Wenigstens nicht in der nahen Zukunft.

Jeder Bereich ist unterschiedlich schwer automatisierbar. Bei allem was ohnehin programmiert wurde und die einzigen Schnittstellen die Funktionsaufrufe des Programms sind, ist eine KI unweigerlich schneller. Kein Informationsaufnahme durch den langsamen Menschen, kein Zögern bei Entscheidungen und keine manuelle Betätigung, die wieder an das Programm weitergeleitet werden muss.

Sobald aber die KI eine Schnittstelle zum Menschen verwenden muss, wird es schwieriger. Spracherkennung und -Nachbildung war lange Zeit ein Problemfeld und ist auch heutzutage noch nicht perfekt. Das Buch als Schnittstelle, um Interesse, Spannung und Emotionen bei einem Leser hervorzurufen, ist ungemein schwieriger. Jeder Mensch ist verschieden und wird durch andere Geschichten berührt. KIs glänzen in den Bereichen, auf die sie spezialisiert worden. Vielleicht kann man eine KI so programmieren, dass sie in einem gewissen Genre Bücher nach Schema F schreiben könnte. Diese Geschichten sind ja schon heute ähnlich. Ob es helfen würde, dass sie noch platter und vorhersehbarer werden? Das kann ich mir kaum vorstellen. Das wäre sicher so toll, wie sich mit einer monotonen Computerstimme zu unterhalten, die jedes dritte Wort und das Satzende falsch betont. 
Titel: Re: Ist Autor ein aussterbender Beruf?
Beitrag von: Nycra am 28. Januar 2020, 10:35:55
Ich glaube da auch nicht dran. Vor zwanzig Jahren sagte mein Vater mir: "Lern den Beruf nicht, du wirst in ein paar Jahren von einem Computer ersetzt." Mein Job ist einer der wenigen, der tatsächlich nicht nur von Maschinen erledigt werden kann, denn eine Maschine würde niemals Privatkram für einen Chef machen, weil sie nur für die jeweilige Firma programmiert ist und schon dann haben die Chefs keine Lust mehr darauf. Am Buchmarkt sehe ich es ähnlich. Es mag sein, dass einige Verlage darauf schielen, aber mal ehrlich, wenn der erste Hype vorbei ist, mit wem vermarkten sie denn die Bücher auf Messen? Stellen die dann einen Computer/Roboter da hin, der Interviews gibt? Auch das mag vielleicht 1-2 Messen lang gehen, danach verlieren die Leser daran das Interesse und die Verlage, die noch auf Fleisch und Herzblut setzen bekommen wieder Oberwasser. Denn ich glaube, die menschliche Angst, von Maschienen generell ersetzt zu werden, spielt da auch eine sehr große Rolle mit.
Titel: Re: Ist Autor ein aussterbender Beruf?
Beitrag von: FeeamPC am 28. Januar 2020, 10:54:09
Solange es Menschen gibt, werden Geschichten erzählt und wird es Autoren dieser Geschichten geben. Die viel interessantere Frage ist es, ob die Menschheit es schafft, sich nicht selbst zu vernichten. Dann, aber auch erst dann, wäre der Beruf des Autors ausgestorben.
Titel: Re: Ist Autor ein aussterbender Beruf?
Beitrag von: Valkyrie Tina am 28. Januar 2020, 12:44:09
Gab's Verzweiflung nach Neujahr irgendwo im Sonderangebot? Geez.

 ;D

Deine Frage geht von so  vielen unwahrscheinlichen und nicht zu beantwortenden Voraussetzungen aus, dass man die weder positiv noch negativ beantworten kann.
Möglich, dass KI irgendwann mal etwas wirklich neuartiges auf die Reihe kriegt. Möglich, dass es wie mit Bitcoins und der Dotcom-Blase läuft und in fünf Jahren keine Sau mehr was von KI wissen will, weil's nicht halb so gut funktioniert wie der ganze Hype vermuten lassen würde.

Schließe mich Tintenteufel an: die heutige Ki ist kaum in der Lage, gerade Sätze zu schreiben. Komplexe Handlungsketten und tiefe Charaktere? Das dauert noch. Da ist es wahrscheinlicher, dass vorher die globale Ökonomie wegen Klimawandels zusammenbricht und/oder wir wieder im Faschismus versinken.

...Was? ich hab nen Sechserpack gekauft!  ;D
Titel: Re: Ist Autor ein aussterbender Beruf?
Beitrag von: Luna am 28. Januar 2020, 13:11:56
Ich habe jetzt nicht alles gelesen, kann aber folgendes sagen: Auch wenn man neuronale Netze gut trainiert und die Sätze die diese trainierten Algorithmen schreiben im besten Fall grammatikalisch korrekt sind, so können diese nicht den Sinn hinter den Wörtern verstehen, geschweigedenn einen Roman schreiben der einen großen durchgängigen Handlungsstrang hat. Vor der KI muss man sich daher nicht fürchten.
Titel: Re: Ist Autor ein aussterbender Beruf?
Beitrag von: Regentänzerin am 28. Januar 2020, 16:27:12
Tatsächlich muss ich bei diesem Thread ein wenig schmunzeln. Denn dabei muss ich an zwei Sachen denken: Erstens an das Buch Quality Land von Marc-Uwe Kling und die darin vorkommende Autorin in Form einer künstlichen Intelligenz Kalliope 7.3 - eine sogenannte E-Poetin, eine schreibende Androidin, die jedoch verschrottet werden soll, weil sie eine Schreibblockade hat. In diesem Buch wird ganz überspitzt dargestellt, dass viele menschliche Berufe in der Zukunft Schwierigkeiten haben, sich zu halten, da die menschlichen Arbeiter durch Maschinen ersetzt werden. Und ja, darunter fallen auch so kreative Berufe wie "Autor".
Das klingt im ersten Moment total abwegig, ist es aber nur bedingt.

Tatsächlich gibt es bereits viele Ansätze von künstlichen Intelligenzen auf dem Literaturmarkt. Eine künstliche Intelligenz hat nach dem Einspeisen sämtlicher Harry Potter Bände ein komplett neues Harry Potter-Kapitel geschrieben. Es gibt Algorithmen, die Gedichte, Geschichten und ganze Bücher schreiben. Die Journalistin und Schriftstellerin Kathrin Passig hat beispielsweise auf Twitter einen Bot programmiert, der aus eingespeisten Rohdaten jeden Tag ein Gedicht im Stil von Eugen Gromringers Gedicht "Avenidas" errechnet und veröffentlicht (Wen es interessiert, es nennt sich "Gromringador")
Und wie eben schon gesagt gibt es tatsächlich auch ganze Bücher, die durch Algorithmen geschrieben werden.
Heißt das, dass der Beruf des Schriftstellers ausstirbt? Ich denke nicht.

Zitat von: Valkyrie Tina
Schließe mich Tintenteufel an: die heutige Ki ist kaum in der Lage, gerade Sätze zu schreiben. Komplexe Handlungsketten und tiefe Charaktere?

Künstliche Intelligenzen schreiben nicht einfach so Bücher oder erfinden interessante Geschichten. Algorithmen müssen programmiert werden, um zum gewünschten Ergebnis zu führen. Menschen müssen die Programme mit Rohdaten/Datensätzen speisen, Programmierungen vornehmen und schließlich auch die richtigen Ergebnisse auswählen. Das wird im Bewerben der entstehenden Werke oft unterschlagen.

Zitat
Es wirkt eben gleich viel weniger exotisch, wenn man nicht sagt ,hier erzählt ein Computer‘, sondern ,hier hat ein Computer viele Variationen von Textbausteinen ausgespuckt und ein Mensch hat sie auf eine ansprechende Art zusammengesetzt.

So formuliert es eben bereits genannte Kathrin Passig. (wer sich diesbezüglich mehr einlesen will, dem empfehle ich (wenn auch mit Einschränkungen) das Buch "Vielleicht ist das neu und erfreulich" von ihr)

Technik funktioniert nicht völlig unabhängig von Menschen. Ich glaube, man muss aufhören, sich vor der Technik in diesem Sinne zu fürchten, da kann ich meinen Vorrednern nur zustimmen. Stattdessen denke ich, dass man tatsächlich sogar ganz gut von solchen neuen Techniken profitieren kann.
Es gibt verschiedene Versuche, bei denen gezeigt werden konnte, dass zufällig von Computern generierte Vorschläge Künstlern das Arbeiten an diversen Kunstgegenständen (also eben auch Literatur) erleichtern.

Ich finde die Ansätze von berechneten Geschichten tatsächlich super interessant und oft amüsant, fühle mich aber dadurch nicht bedroht und ich glaube, das sollte man auch nicht.
Titel: Re: Ist Autor ein aussterbender Beruf?
Beitrag von: Zit am 28. Januar 2020, 17:03:27
Mensch, seid ihr heute alle mal wieder freundlich. ;D

Zitat
Beobachtet man die Entwicklung am KI (künstliche Intelligenz) Markt ist ein Trend zur Supermacht KI zu erkennen.

Was ist der KI-Markt? Kannst du Beispiele dafür geben, dass du einen Trend erkennst? (Ehrlich gemeint, weil ich nichts davon gehört habe.)

Die Sache mit der künstlichen Intelligenz ist momentan noch, dass sie immer nur für sehr spezielle Anwendungsgebiete trainiert und benutzt wird. Versuch mal mit AlphaStar Go zu spielen – wird nicht klappen. (Und das ist sicherlich auch beim Menschen so. 1a Dame-Spieler sind nicht unbedingt sofort 1a-Schachspieler, wenn sie das erste Mal mit Schach konfrontiert werden.)

Insofern von Supermacht zu sprechen halte ich für seeehr verfrüht. Auch die, sicherlich bewusst übertriebene, "Angst" vor KI, die in deiner Eröffnung mitschwingt, halte ich für verfrüht. Angst vor KI sollten wir erst bekommen, wenn unterschiedliche KI kombiniert werden. Also so ein KI-Cluster, das nicht nur einzelne KI-Teilgebiete gleichzeitig und unabhängig voneinander nutzen kann sondern vor allem in der Lage ist, zur Problemlösung verschiedene Teilgebiete auf dasselbe Problem anzuwenden und die daraus resultierenden Ergebnisse/ Prozesse zu kombinieren. Dann können wir Angst bekommen.

Zitat
Wo sind wir in den nächsten 20 Jahren wenn sich die KI unweigerlich mit Riesenschritten weiterentwickelt?

Ich denke nicht, dass man die KI-Entwicklung mit einer Bauteil-Entwicklung vergleichen kann (Moore's Law und so), eben weil KI nicht nur abhängig von materiellen Bauteilen ist. Ich stecke nicht drin, aber ich denke auch, dass Programmiersprachen ihre Grenzen haben, dass für komplexe KI-Cluster auch komplexe Algorithmen notwenidg sind, die erst erdacht werden müssen.

Zitat
(...) und in sich logisch da die KI Zugriff auf alle Bücher der Welt haben wird und somit weiß was gut und schlecht ist.

Was ist gut, was ist schlecht sind philosophische Fragen, die sich auch nur mit dazugelieferten Sets an Ausgangsbedingungen beantworten lassen. Das ist das eine.

Das andere ist: Ja, gerade Genre-Literatur ist eben genau das, was sich durch "automatische Prozesse" erschaffen lässt, weil es so schematisch ist. Dass viele im Thread so unterschwellig Groschenromane bashen als wäre nur die schematisch und dadurch ersetzbar, finde ich bestenfalls amüsant. Je nach Datengrundlage bin ich mir schon sicher, dass Programme in der Lage sind, Romane zu schreiben. Gibt ja jetzt schon unzählige Generatoren, die baukastenartig Plots zusammenstückeln. (Wofür es noch nichtmal Intelligenz und Lernen benötigt sondern nur einen großen Datensatz, aus dem es sich "zufallsartig" bedienen kann.) Nur denke ich nicht, dass sie das jetzt schon können oder in den nächsten zwanzig Jahren. Wir wissen nicht, was durch Klimawandel und andere akute Probleme noch auf uns zukommt. Ich glaube, in 20 Jahren haben wir andere Probleme als KI-Romane. Die Entwicklung von KI-Systemen wird sich eher weltlicheren und überlebenswichtigeren Dingen zuwenden als Unterhaltungsmedien.

Zitat
KIs von heute sind nur Programme, von Menschenhand programmiert. Sie haben Grenzen und können sich nicht selbstständig weiter entwickeln.

Nope. Neuronale Netzwerke können selbst Code schreiben und sich entwickeln. Man kann sogar neurale Netzewerke einsetzen, um andere Netzwerke zu trainieren: https://cloud.google.com/automl/

Zitat
Geschichten würden folglich auch immer generisch und nach einem bestimmten Muster ablaufen, weil diesen KI das Verständnis komplexer Denkleistung und emotionaler Zustände fehlt.

Ich halte es grundsätzlich für fraglich, ob man auch als Mensch "Emotionen" verstehen muss.
Klar, Literatur als solches ist immer sehr menschbezogen und sehr auf Emotionen oder gerade ihr Fehlen fokussiert. Um soetwas aber zu erschaffen, glaube ich, ist es nicht unbedingt notwendig Emotionen selbst zu verstehen. Gerade bei Genre-Literatur muss man nur aufmerksam genug sein, um Genrekonventionen und -erwartungen aus einer Datengrundlage filtern zu können, um sie dann anzuwenden. Alles, was man braucht, ist Erfahrung und kombinatorische Kreativität –– und das sind Dinge, die auch man auch in Computercode fassen kann.

Zitat
Würden wir in einem Star Trek Universum leben, dann ja, könnte ich mir vorstellen, dass es gelingt einen denkenden und fühlenden Computer zu erschaffen, der dann aber mit Sicherheit von uns verlangen würde als Person wahrgenommen zu werden.

Au contraire. Gerade die alten Star-Trek-Folgen mit Kirk & Co beweisen immer wieder, dass Computer/ Künstliche Intelligenz den Menschen unterlegen ist und bleiben wird. Die Folgen und Kirks Resumees sind immer so geschrieben, dass eine (komplexe) KI niemals das technische Äquivalent zu einem fleischlichen Menschen sein kann. Ja, es gibt sogar eine Folge, die es in Frage stellt, ob man Menschlichkeit ohne Fleisch möglich und erstrebenswert ist (s. S2E20 Return To Tomorrow / Geist sucht Körper).

Es gab auch einen Computer ...
Spoiler (click to show/hide)

(Und jetzt habe ich solange hier dran geschrieben, dass ich andere Gedanken völlig vergessen habe. Haha.
Hm, vielleicht fällt es mir später wieder ein.)
Titel: Re: Ist Autor ein aussterbender Beruf?
Beitrag von: Hochkogler am 28. Januar 2020, 17:18:34
Wow, ich bin ja wirklich erstaunt welche Gesprächskultur hier im Forum herrscht nur weil jemand eine Frage stellt deren Meinung man nicht teilt :)

Jedenfalls wollte ich hauptsächlich auf die technologische Singularität hinaus, also den Zeitpunkt an dem sich eine KI selbst verbessern kann. Manche prognostizieren den Zeitpunkt ihrer Entstehung bereits in die späten 2020er.

Beobachtet man z.b. Google DeepMind mit seinen Abzweigprogrammen wie Alphago das bereits Weltmeister zur Aufgabe ihres Feldes gezwungen hat kann man durchaus davon sprechen dass KI ernstgenommen werden kann.

Wie dem auch sei ist es echt mühsam in diesem Forum eine halbwegs vernünftige Diskussion anzustoßen die ein sinnvolles Für- und Wider von Meinungen anregt, dass war auch schon damals der Grund warum ich so frustriert und inaktiv wurde, auch beim zweiten Anlauf hat sich an der Holzhammermethode mancher Zeitgenossen nichts geändert und ich würde darum bitten mich einfach zu löschen, wünsche allen die den Sinn eines Forums verstehen und ein Mindestmaß an Respekt für ihre Mitmenschen aufbringen alles gute und Ciao  :pfanne:  :winke:

Titel: Re: Ist Autor ein aussterbender Beruf?
Beitrag von: Sascha am 28. Januar 2020, 17:44:43
Wow … Tintenteufel hat etwas schnodderig eröffnet, aber ansonsten sind doch alle recht sachlich geblieben.
 :hmmm:
Muß ich das jetzt verstehen?
Titel: Re: Ist Autor ein aussterbender Beruf?
Beitrag von: FeeamPC am 28. Januar 2020, 18:56:50
Sorry, @Protoxin  - du wolltest doch unsere Meinung zu deiner Frage lesen. Dass Meinungen nicht notwendigerweise übereinstimmen, und dass die nicht übereinstimmenden Meinungen auch gerne mal etwas emotional vorgetragen werden (ist normales menschliches Verhalten) würde ich nicht gerade als unsachliche Diskussion sehen. Ich fand die diversen Informationen, die hier eingebracht wurden, im Gegenteil durchaus brauchbar und freundlich vorgetragen. Und der Denkanstoß, den du mit deiner Frage ursprünglich gegeben hast, war damit auch sehr fruchtbar.
Titel: Re: Ist Autor ein aussterbender Beruf?
Beitrag von: Zit am 28. Januar 2020, 20:57:46
Schade, ich hatte die Frage durchaus ernst genommen. Wobei man natürlich auch sagen muss: Mit einem polemischen Aufreißer starten und sich dann wundern, dass Leute nicht todernst antworten, ist auch eigen. Da musst du dich dann auch selbst an die Nase fassen, @Protoxin.
Titel: Re: Ist Autor ein aussterbender Beruf?
Beitrag von: Churke am 28. Januar 2020, 21:45:04
Jedenfalls wollte ich hauptsächlich auf die technologische Singularität hinaus, also den Zeitpunkt an dem sich eine KI selbst verbessern kann. Manche prognostizieren den Zeitpunkt ihrer Entstehung bereits in die späten 2020er.

Dem Thread-Titel war so nicht zu entnehmen.  :hmmm:

Davon abgesehen sind herkömmliche Deep-Learning-Algorithmen nur eine Simulation von Intelligenz. Die KI hat keine Vorstellung von ihrer Umwelt oder der Bedeutung ihrer Daten. Sie ist sie technisch gesehen dumm wie Brot. Man kann nicht mal sagen, dass sie nur tut, wofür sie programmiert wurde, weil der Programmierer ihrer Entscheidung nicht vorhersagen kann.
So lange sich Schreibratgeber damit befassen, wie man richtig abschreibt, gibt es ich sicherlich auch einen Markt für Schreib-Bots.