• Willkommen im Forum „Tintenzirkel - das Fantasyautor:innenforum“.
 

Charakterschema und Archetypen - gut oder nicht?

Begonnen von Hoellenpfau, 03. April 2011, 19:23:40

« vorheriges - nächstes »

0 Mitglieder und 1 Gast betrachten dieses Thema.

Mondfräulein

Zitat von: Schneerabe am 30. März 2022, 10:44:39
Das Campbells Heldenreise speziell männlich orientiert ist, da gab es schon eine ganze Weile Überlegungen aus der Forschung zu. Ich glaube, im archetypischen Forschungsfeld haben sie inzwischen auch Entwürfe für eine weibliche Heldenreise. In jedem Fall gibt es in dem Feld inzwischen auch Theorien, die sich stärker auf weibliche Perspektive stützen. Da habe ich neulich erst ein sehr spannendes Buch gelesen.

Ich lese gerade The Heroine's Journey von Gail Carriger (Vielleicht ist das auch das Buch, das du meinst? Ich finde es auf jeden Fall super spannend!) und darin erwähnt sie 45 Master Characters von Victoria Lynn Schmidt, das ich als nächstes lesen möchte. Vielleicht kennt das hier jemand schon? Ich werde berichten, was ich darüber denke, wenn ich es gelesen habe.

Carriger finde ich sehr spannend, weil es eben nicht nur um eine Heldenreise mit einer weiblichen Protagonistin geht, sondern um ein ganz anderes Plotkonzept, das mit Protagonist*innen aller Geschlechter funktionieren kann, genauso wie die Heldenreise. Vielleicht lohnt sich dazu auch mal ein Thread. Natürlich kommt die Heldinnenreise dann nochmal mit ihren eigenen Archetypen. Interessant finde ich dabei, dass sie in der Heldenreise jeweils eine ganz andere Funktion haben als in der Heldinnenreise. Die Heldin (aka der*die Protagonist*in der Heldinnenreise, er*sie kann jedes Geschlecht haben, genauso benutze ich Held als Begriff für den*die Protagonist*in der Heldenreise) sucht Gemeinschaft, der Held meidet Gemeinschaft. Für die Heldin bedeutet Gemeinschaft Sicherheit und Stärke, für den Held bedeutet sie Gefahr und birgt das Potenzial, ihn von seinem Ziel abzubringen. Weil ihre Ziele so gegensätzlich sind, kann der Held also innerhalb einer Heldinnenreise auch als Antagonist dienen.

Franziska

@Mondfräulein Ich habe dazu sogar mal einen Thread gemacht.  ;D

Freut mich, dass dir das Buch gefällt. Es ist auf jeden Fall sehr interessant. Ich denke aber, man kann es auch etwas weiter fassen und Heldenreise und Heldinnenreise zu mischen ist auch eine gute Idee.

Mondfräulein

Da weiß ich schon, wo ich mich austobe, wenn ich das Buch durchgelesen habe! :vibes: Aber ja, du hast natürlich Recht! Es gibt glaube ich auch ein extra Kapitel darüber, wie man beides mischen kann, auf jeden Fall geht es viel darum, wie man Helden in die Heldinnenreise integrieren kann und umgekehrt.

Yamuri

Ich befasse mich seit einiger Zeit mit dem Human Design Konzept und den Gene Keys. Die sind zwar eigentlich nicht für die Literatur entwickelt worden, doch ich finde, dass man sie sehr gut als Werkzeuge zur Charaktererschaffung verwenden kann. Mit den Archetypen nach Jung konnte ich noch nie wirklich viel anfangen, aber das gilt generell für viele europäischen Schema F Konzepte. Kennt ihr vielleicht Bücher zu außereuropäischen Erzählkonzepten und Charakterschemata? Die würden mich sehr interessieren.

Alana

#19
Ich habe mich immer gegen diese Archetypen gewehrt, bis ich das Buch 45 Master Characters gelesen und festgestellt habe, dass das wirklich gut funktioniert. Ich habe damit für meinen letzten Roman gearbeitet und noch nie so schnell und unkompliziert ein Buch geschrieben wie dieses. Das lag sicher auch an anderen Faktoren, aber die Arbeit mit Archetypen erleichtert den Einstieg, das Erschaffen von spannenden, runden Charakteren und auch das Setzen von Kontrapunkten mit anderen Figuren. Man sollte das wie alles nicht als Dogma sehen, sondern als Inspirationsquelle und es nur soweit nutzen, wie es hilft und sich gut anfühlt. Über die Archetypen, die hier im Thread genannt wurden, kann ich nicht so viel sagen. In dem Buch 45 Master Characters sind es andere und die sind sehr gut aufgedröselt nach Eigenschaften, Einsatzmöglichkeiten in verschiedenen Plots und mit Tipps für passende Begleitarchetypen. Das Buch 20 Masterplots kann ich übrigens auch sehr empfehlen.
Ich brauche jetzt kein Entenfett.

Yamuri

@Alana : vielen Dank für den Tipp. :) 20 Masterplots kenne ich schon und gefällt mir auch sehr. 45 Master Characters werde ich mir mal anschaun :)