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Wer ist für den Hinterhalt verantwortlich? [erledigt]

Begonnen von Cairiel, 29. März 2023, 14:52:20

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Cairiel

Hallo zusammen,
ich habe ein Problem bei meinem aktuellen Projekt. Ein Plotkätzchen hat sich meine Handlungsstränge geschnappt und durchgeknäuelt. Jetzt muss ich Ordnung ins Chaos bringen.

Setting: Fantasywelt, zwei verfeindete Königreiche Arka und Ehira. Alles spielt in Ehira. Prota1 ist ein arkanischer Legionär namens Faerin, Prota2 ein ehirischer Gladiatorentrainer namens Chezaram.

Vorgeschichte: Farins Trupp gerät trotz Waffenstillstand in einen Hinterhalt und er wird bewusstlos geschlagen. Als er wieder zu sich kommt, ist er Gefangener eines ehirischen Sklavenhändlers. Der Roman beginnt, wenn Chezaram ihn kauft, um ihn als Gladiatoren auszubilden.

In Ehira gibt es einen politischen Komplott. Chezaram nutzt den Umstand aus, dass der Prinz (Antagonist) Gefallen an ihm findet, um diesen auszuspionieren. Mein ursprüngliches Problem war, dass ich nicht wusste, welche bedeutsamen Infos Chezaram dort finden könnte, um sein großes persönliches Opfer zu rechtfertigen. Außerdem störte mich, dass die Handlungsstränge meiner beiden Protas so unabhängig voneinander ablaufen.
Plotkätzchen schlug mir spontan vor, dass Chezaram einen arkanischen Brief beim ehirischen Prinzen findet. Der Brief stammt vom arkanischen Tribun, der andeutet, dass der Hinterhalt auf Faerins Trupp fingiert war. Er fordert Faerins Herausgabe und meint, Faerins Sicherheit wäre Teil ihrer Abmachung gewesen.
Eigentlich ganz gute Idee. Der Prinz will Krieg mit Arka und als Tribun des überladenen arkanischen Militärs könnte man das auch wollen, weil sonst mindestens zwei von drei Legionen überflüssig wären.

Aber. Der Tribun ist für Farin wie eine Vaterfigur. Wieso sollte er ausgerechnet seinen Schützling in einen Hinterhalt schicken? Und während ihm selbst relativ egal ist, ob Krieg oder Frieden herrscht, ist seinem wichtigsten Menschen Frieden sehr wichtig und somit dem Tribun by proxy auch.

Dann kam mir, dass es genial ist, wenn Chezaram den Tribun verdächtigt und mit Farin darüber spricht. Dieser verteidigt den Tribun natürlich vehement, gerät aber irgendwann ins Grübeln. Am Ende stellt sich heraus, dass es gar nicht der Tribun war, und alles wird gut.
Jetzt ist die Frage: Wenn nicht der Tribun dahintersteckt, wer dann? Und wie kann man den Brief erklären? Chezaram hat den Brief nur bruchstückhaft verstanden, da er nicht viel Arkanisch kann. Das könnte mit reinspielen. Aber wer sonst könnte sich mit dem Prinzen verschwören, um einen Krieg anzuzetteln? Ich könnte mir irgendeinen Rando ausdenken, aber das wäre nicht gut. Wenn dann müsste es ein wohl durchdachter weiterer Antagonist evtl auf arkanischer Seite sein.

Habt ihr eine Idee für mich? Ich bin auch offen für ganz andere Vorschläge. Vielleicht sehe ich den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr.

Meine bisherigen Überlegungen:
- Ein neuer Antagonist in Form eines arkanischen Legionärs oder Adeligen etc., der Interesse am Krieg hat. Gibt es genug. Nachteil: Ich habe keine Möglichkeit, die Figur einzuführen, und kann sie dem Leser relativ am Ende nur als Bösewicht präsentieren.
- Chezarams Frau Sarada. Sie liebt ihren Job als Gladiatorentrainerin und hat exzentrische Vorlieben. Ihr Vater will auch Krieg und sie will unbedingt einen arkanischen Legionär in ihrer "Gladiatorensammlung". Sie existiert schon und hätte noch Raum für so eine Rolle. Aber wie erklärt das den Brief und inwiefern ist sie bei so einem Hinterhalt eine Hilfe?

Ansonsten gäbe es im Roman noch diverse ehirische Minister, die ausgebaut werden könnten. Aber überall fehlt mir der Wow-Faktor.

Soly

Hmm, also wenn ich das richtig überblicke, hätte eine Mitverschwörer:in auf arkanischer Seite mehr Brisanz, weil dann wirklich Einzelpersonen in beiden Ländern "zusammenarbeiten", damit die beiden Länder wieder im offenen Krieg liegen. Wäre es eine Person aus Ehira, dann würden die kriegerischen Bestrebungen ja komplett aus dem einen Land kommen, und damit hätten wir insgesamt ein böses Land, das Krieg will, und ein gutes Land, dass sich nur verteidigt - jedenfalls wäre das unweigerlich das Bild, dass man als Leser:in dann im Kopf hätte, egal wie komplex die Vorgeschichte des Krieges ist. Ich würde da persönlich eine arkanische Person bevorzugen.

Zum fehlenden Wow-Faktor würde ich mal ganz frech zurückfragen: Brauchst du den?
Ich finde, dadurch dass du mit dem ehirischen Prinzen einen ganz klar umrissenen Antagonisten hast, wäre es auch verschmerzbar, wenn die arkanische Mitverschwörer:in relativ schattenhaft bleibt und nur klar ist, es ist irgendein Adlige:r. Das macht es zum Einen etwas bedrohlicher, zum Anderen bleibt der Fokus automatisch mehr bei den Protas und dem etablierten Anta. Du könntest damit ja auch durchaus spielen, indem Faerin zum Beispiel völlig egal ist, wer auf arkanischer Seite Dreck am Stecken hat, solange es nicht wie befürchtet der Tribun ist. Oder indem du verdeutlichst, dass es völlig egal ist, wer genau da drinsteckt, weil nur wichtig ist, dass der Prinz Krieg will und genug Resonanz auf arkanischer Seite findet, um den auch lostreten zu können - damit ist sowieso nicht viel damit gewonnen, eine einzelne Verschwörer:in zu enttarnen (weiß ja auch niemand, wie viele es noch gibt), sondern es ist klar, dass der Krieg früher oder später eh wieder losbrechen wird, weil die Interessenlage auf beiden Seiten so ist.

Das sind meine spontanen Gedanken dazu.
"Wenn Klugheit ein verwinkeltes Haus wäre, dann würden diese Leute außen vor der nackten Wand stehen und sich wundern, warum es innen so dunkel ist." - Babaduck, interdimensionaler Parasit (verkatert)

Cairiel

Vielen Dank für deinen Input, @Soly! Ein guter Punkt, dass die Mitverschwörer:in lieber aus Arka kommen sollte, damit die Kriegstreiberei nicht zu einseitig wird. Es beruhigt mich, dass du das nicht problematisch siehst, wenn die Mitverschwörer:in im Schatten bleibt. Dann werde ich das mal versuchen und schaue mal, wie es sich in der Umsetzung macht. Aber dank deinen Worten bin ich schon viel zuversichtlicher, dass das trotzdem gut funktionieren wird.

Tasha

Ich teile da die Einschätzung von Soly. Ich fände es auch spannend, wenn es in beiden Ländern Kriegstreiber gibt. vielleicht könnte die Mitverschwörer*in aus dem engeren Umkreis des Tribuns kommen? Das gäbe ihm oder ihr auch ggf. die Möglichkeit den Brief zu fälschen. Vielleicht beabsichtigt er oder sie ja sogar, dass es so aussieht, als sei der Tribun derjenige, der den Krieg wil?
We are all in the gutter, but some of us are looking at the stars (Oscar Wilde)

Cairiel

Danke für die Bestätigung, Tasha! Das ist eine gute Idee für die Mitverschwörer:in, das werde ich machen. Das sorgt bestimmt für etwas mehr Würze.