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Serien planen und schreiben

Begonnen von Valkyrie Tina, 18. April 2018, 22:34:54

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Koboldkind

Ich wollte hierzu noch was sagen:
Zitat von: RockSheep am 14. Juni 2019, 08:48:38Nun wurde ja mal erwähnt, dass jede Folge den übergreifenden Plot vorantreiben muss. Meine Frage wäre, wie stark muss der Leser das mitkriegen? Im Moment sieht mein (noch sehr grober) Plan so aus, dass die Protagonistin eigentlich erst in Band 3 oder sogar 4 merkt, dass es einen Antagonisten gibt, der ihr ans Leder will. In den Bänden vorher gibt es zwar Anspielungen und offene Fragen, aber weder Leser noch Protagonistin kapieren da so richtig, was läuft. Wäre es besser, wenn die Bedrohung schon viel früher deutlich wird und sich ein überspannender Plot abzeichnet?
Ich denke, in dem Fall sind deine Protagonisten gleich deinen Lesern. Wenn sie erst in Band vier von sechs einen Antagonisten kennenlernen, und plötzlich die vorherigen drei Bände einen völlig anderen Sinn ergeben, kann das völlig funktionieren, klar! Am besten hat der Anta viele Connections zu der Vergangenheit (muss ja nicht alles sein). Kann aber auch bestimmt funktionieren, wenn die vorherigen Antagonisten bzw. Troublemaker nicht mit dem Anta zu tun hatten, aber im nachhinein sich zusammen tun. Warum nicht.
Ein Antagonist kann zu jedem Zeitpunkt veröffentlich/aufgedeckt werden. Das kann unabhängig vom Plot (aus Sicht der Protas) geschehen. Beispielsweise haben die Protas das Ziel, Artefakt B zu finden, der Anta hat damit gar nichts am Hut, die Protas kommen ihm aber bei seinem Kram in die Quere. Oder ein Antagonist wird erst später zum Antagonisten, z.B. wenn er erst durch die Aktionen der Protagonisten wahnsinnig wird (denke, das könnte dann ein Folge-Antagonist werden, wenn die Prota bis dahin gegen einen anderen Anta gekämpft haben). Natürlich kann auch schon ab der ersten Szene ein Kapuzenmensch auftauchen, um ein Bedrohungsszenario für die Leser aufzubauen, bei Sailor Moon begann jede Staffel damit, das ein neuer Clan auftauchte, die Monster schickten - woher die Viecher kamen haben die Mädels immer erst später herausgefunden. Nur ein Beispiel, ich persönlich finde das Vorgehen heute sehr einfach (war ja auch für Kinder). Im krassen Gegensatz will ich in meiner Serie den Drahtzieher-Antagonisten erst in der letzten Folge enttarnen lassen, die Serie hindurch wird es aber drei-vier andere Antagonisten geben, die sich nach und nach aufbauen, aber alle miteinander zu tun haben. Meine Prota bekommen daher erst ziemlich in der Mitte mit, dass es einen Hintergrund-Plan geben könnte. Ob das funktioniert, mal sehen, auf jeden Fall haben die Protas bis zum Schluss genug Gegner, die jeder ihre eigenen Pläne umsetzen.
Wer jetzt nicht wahnsinnig wird, muss verrückt sein.

Marta

Hallo ihr Lieben,

ich schreibe jetzt seit 10 Folgen an meiner Serie und habe endlich einen nützlichen Tipp (ähem): Schreibt die Danksagung/das Über-das-Buch-Gelaber direkt am Anschluss an die Rohfassung. Wenn ihr bis zur VÖ wartet, habt ihr längst vergessen, was in der Folge passiert ist und wer euch wie geholfen hat. Das ... war's. Dafür hat es sich doch gelohnt, den Thread aus der Versenkung zu holen, oder?  :rofl:

Ansonsten kann ich nur meine persönlichen Erfahrungen beisteuern, die vermutlich Typsache sind. Ich habe für mich beschlossen, die nächste Serie komplett fertig zu schreiben, bevor ich auch nur eine einzige Folge veröffentliche. Nicht nur, weil Corona und die dadurch fehlende Kinderbetreuung die letzten eineinhalb Jahre unplanbar gemacht haben. Es ist viel entspannender zu schreiben, wenn niemand darauf wartet. Und man hat keine Stimmen im Hinterkopf, die darauf warten, dass Figur X und Figur Y ein Paar werden, obwohl das überhaupt nicht geplant war.

Nachteil: Man kann nicht mehr auf Fanwünsche eingehen. In der Leserunde kam z.B. raus, dass eine Nebenfigur, deren Existenz ich ständig vergesse, total beliebt ist. Hätte ich vorher nie gewusst und sie vermutlich auf halber Strecke versehentlich rausgeschrieben. Ich meine, wer rechnet denn damit, dass "Gurke, die fette Taube" zum Publikumsliebling wird? Ich nicht.

Es hat also alles wie immer Vor-und Nachteile und man muss Serien so schreiben, wie es einem liegt.

Abgesehen davon haben Serien den gleichen Nachteil wie Bücher: Um wirklich herauszufinden wie es geht, muss man sie schreiben. Theorie bringt einen nur über die ersten Meter. Und, um mit etwas Positivem abzuschließen: Es geht leicher als man denkt. Ich habe in meinem Leben so viele Serien gesehen, dass ich eigentlich immer weiß, was als nächstes kommen muss. Die Struktur hat man nach ein paar Jahren Fernsehen im Blut.
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Klecks

Danke für den Tipp mit der Danksagung/Über-das-Buch, bei mir geht es im Oktober mit Episode 1 meiner Serie los und ich mache mir mehr denn je in die Hose vor einer Veröffentlichung.  :rofl:  Serie ist schon irgendwie nochmal etwas ganz anderes ...

Marta

Serie ist irgendwie so viel. 😅 Was für eine schreibst du denn? Fantasy?
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Leann

Das ist ein sehr guter Tipp. Ist auch passend für Einzelbände, finde ich. Für die Danksagung am besten immer schon zwischendurch eine Liste führen.

Komplett fertig schreiben ist auch sinnvoll. Habe ich bei Jericho March so gemacht. Aber: Ich hatte nur die Rohfassungen beendet, als ich schon mit der Veröffentlichung anfing. Daher hätte ich theoretisch noch auf Wünsche eingehen können. (Ansonsten hoffe ich sehr, dass X und Y ein Paar werden  ;D.)  Tatsächlich habe ich einer Nebenfigur eine etwas größere Rolle gegeben. Dass Gurke der Liebling wird, war ja wohl klar, oder? Gurke ist toll.
Nachteil: Auch bei der Überarbeitung kann noch Plotgedöns in Folge sechs auffallen, das dringend Änderungen in Folge eins erfordern würde, die dann aber leider schon veröffentlicht ist. Das Gute am SP: Könnte man klammheimlich ändern und einfach die neue Version hochladen ... Das funktioniert natürlich nur bei Kleinigkeiten. 

Marta

Zitat von: Leann am 20. August 2021, 12:53:41
Nachteil: Auch bei der Überarbeitung kann noch Plotgedöns in Folge sechs auffallen, das dringend Änderungen in Folge eins erfordern würde, die dann aber leider schon veröffentlicht ist.
Ooh, stimmt! Du bist so schlau! Erfahrungsgemäß sind das bei mir nur Kleinigkeiten, aber ich war schon froh, dass Folge 1 noch nicht draußen war, als ich Folge 6 geschrieben habe. 😁
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Elona

Schönen guten Morgen ihr Lieben,

ich hoffe, ich habe die Antwort auf meine Frage nicht überlesen. Aber mich würde total interessieren, wie viele Wörter ihr ca. für den Band einer Serie angesetzt habt?

Vor allem @Marta und @Leann (weil ich ja weiß, dass ihr veröffentlichte Serien habt). Wenn natürlich noch andere Erfahrung haben, gern her damit.  :vibes:

Lieben Dank und liebe Grüße
Elona

Goldrabe

Ich habe in einem Podcast mit Nicole Böhm gehört, dass eine Folge ihrer Serie "Die Chroniken der Seelenwächter" ca. 35k Wörter hat. Das Finale hat ungefähr doppelt so viele Wörter.
"Die Tugend nistet, wie der Rabe, mit Vorliebe in Ruinen."
Anatole France

Elona

Lieben Dank dir schon mal @Goldrabe das hilft mir schon mal als Richtwert weiter.  :vibes:

Marta

Bei mir hat es mehr variiert als ich wollte ... so zwischen 25k und 40k. Ab und zu gab's Beschwerde-Rezis, wenn die Folgen kurz waren. Natürlich keine Komplimente für die 40k-Folgen.  :rofl: Das Finale hatte fast 60k, das passiert wohl automatisch.
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Leann

Jericho March waren pro Folge immer so 30.000 Wörter, plusminus ein paar Tausend. Der finale Band war dann doppelt so lang, ca. 60.000 Wörter. Insgesamt gab es sechs Folgen.

Elona

Zitat von: MartaNatürlich keine Komplimente für die 40k-Folgen.
Ja, das ist klar.  :rofl:

Nein quatsch, lieben Dank euch beiden, das hilft mir schon mal weiter.  :vibes:

Wie viele Folgen hatten eure Serien?

Marta

#117
12 Folgen. Stimmt, das Mid-Season-Finale war auch länger. Das scheint automatisch zu passieren, wenn die Haupthandlung große Schritte nach vorne macht.

Was ich allgemein zum Serien schreiben gelernt habe, ist übrigens, dass ich es einfach machen musste, um es zu lernen. Teils war es viel einfacher als ich dachte (als alter Serienfan hatte ich viele strukturelle Sachen einfach im Blut) und teils gab es Dinge, die mir kein Schreibratgeber je beibringen könnte. Die nächste Serie wird noch viel, viel besser. ;D

EDIT: Ups, das hatte ich weiter oben schon geschrieben. Na ja ... Ich lass das jetzt mal so. Stimmt ja immer noch.
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