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"The Artist's Way" für blockierte Kreative (Julia Cameron)

Begonnen von Jen, 15. Mai 2026, 19:53:14

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Jen und 1 Gast betrachten dieses Thema.

Jen

Beim Bookcrossing ist mir kürzlich eines von den vielenvielen "Artist's Way"-Büchern von Julia Cameron über den Weg gelaufen, und zwar die "Meditationen". 100 Textstellen aus dem großen, "richtigen" Buch. Und die haben mich größtenteils überzeugt, sodass ich mir das aktuell mal genauer anschaue.

Worum geht's?
"A Spiritual Path to Higher Creativity" für Menschen, die kreativ blockiert sind. Es geht nicht nur um Schreibende, aber ich habe das Gefühl, dass wir dennoch die größte Zielgruppe sind (zumal Cameron selbst viel geschrieben hat.)
Das Spirituelle konnte ich bislang übrigens gut ausblenden, also lasst euch davon bitte nicht verunsichern. Ggf. lohnt aber ein Blick auf Camerons Wikipediaseite + den dazugehörigen Absatz hier.

Heute bin ich dann in Woche 3 von 12 gestartet, denn bei TAW handelt es sich um ein relativ zeitintensives Unternehmen.

Die Aufgaben für die 12 Wochen beinhalten:
  • 12 thematische Texte, die je ein anderes Kernthema haben* + eine Revision der Woche
  • 10 dazu passende Aufgaben pro Woche, es sollen ca. 5 erledigt werden**
  • 3 Morning Pages***, jeden Tag
  • 1 frei gewähltes Artist Date**** pro Woche

*Safety, Identity, Power, Integrity, Possibility, Abundance, Connection, Strength, Compassion, Self-Protection, Autonomy, Faith
**"Welche Berufe würdest du gerne in einem anderen Leben ausüben und warum? Welche Aspekte davon kannst du in dein Leben integrieren?" – "Welche fünf Personen bewunderst du und warum?" – "Liste 20 Dinge auf, die du gerne tust. Wann hast du sie das letzte Mal gemacht? Nimm von der Liste zwei und erledige sie diese Woche." [...]
***In meinem Fall handgeschriebene DinA5-Seiten, auf denen man alles loswerden soll, was einen beschäftigt, damit man den Kopf für andere Dinge frei hat.
****Man tut eine Stunde lang etwas allein, das einen kreativ beflügelt ... ein Spaziergang, eine Fototour, ein künstlerisches Experiment, Playlisting, eine Tarot-Legung, whatever.


Summa summarum hab ich bislang bestimmt sieben, acht Stunden pro Woche nur mit den Aufgaben, dem Lesen, dem Artist Date UND den verdammten Morning Pages verbracht, die andere bestimmt ganz toll finden, in meinen Alltag aktuell aber nicht so super reinpassen. Das schreibe ich direkt hier hin, weil es wirklich ein Commitment ist, das zu machen.

Bislang finde ich die Aufgaben gut und es gibt in den Texten wenig, dem ich widersprechen will. Persönlich halte ich nicht viel von einer höheren Macht, aber alles, was in diesem Buch mit Gott zu tun hat, kann man getrost überspringen. Die Autorin schreibt das sogar selbst rein.
Damit ihr euch ein Bild machen könnt, was da so drin steht, zitiere ich unten ein paar Dinge, die ich besonders gut fand. Ich habe aber noch nicht geschaut, was in den kommenden Wochen passiert.

ZitatMany blocked people are actually very powerful and creative personalities who have been made to feel guilty about their own strength and gifts.

ZitatYes, I am asking you to baby yourself. We believe that to be artists we must be tough, cynical, and intellectually chilly. Leave that to the critics. As a creative being, you will be more productive when coaxed than when bullied.

ZitatRemember that it is far harder and more painful to be a blocked artist than it is to do the work.

Und interessant fand ich auch ihre "Rules for dealing with criticism", die ich heute in Vorbereitung auf Woche 3 gelesen habe.
Leicht gekürzte "Rules for dealing with criticism"
  • Recieve the criticism all the way through and get it over with.
  • Jot down what bothers you.
  • Jot down what seems useful.
  • Do something nurturing for yourself (recall a compliment, read an old good review)
  • Remember: Art requires ugly growth stages.
  • Look at the criticism again and remind yourself of criticism from your past (esp. childhood). Acknowledge triggering grief over old wounds.
  • Defend your work in a letter that will NOT be sent.
  • Get back on the horse. Make an immediate commitment to do something creative.
  • Do it. Creativity is the only cure for criticism.
[close]

Habt ihr "The Artist's Way" mal gemacht? :hmmm: Was sind eure Gedanken dazu?
Wenn ich Anfang Juli noch dabei bin, nehm ich das Buch bestimmt mit in den Schieferpark.
Guilty feet have got no rhythm.

Hanna

Ich habe es tatsächlich auf Deutsch im Bücherregal und vor vielen Jahren (ich glaube, da wohnte ich noch bei meinen Eltern  :rofl:) zur Hälfte gelesen. Das einzige, was hängen geblieben ist, sind die Morgenseiten. Vielleicht nehme ich es mal wieder in die Hand.
#notdeadyet

Jen

Nur gelesen oder auch mitgemacht? Weißt du das noch?
Guilty feet have got no rhythm.

RobertK

Klingt spannend, aber auch nach einem großen Zeitinvestment. Hast du denn bisher das Gefühl, dass es dir tatsächlich was bringt?

Jen

Ich hab einen emotional und schreibtechnisch aufreibenden Winter hinter mir und hatte mich schon langsam wieder aufgerappelt, aber das Buch stützt mich in diesem Prozess. Ich schreibe aktuell auch wieder mehr. Werde aber berichten, was die langfristigen Auswirkungen sind (man hält die eigenen Fortschritte + Gefühle auch jede Woche fest, bei mir immer donnerstags). Wird sich zeigen, ob ich aktuell das "Shiny New Thing"-Syndrom habe. :engel:
Guilty feet have got no rhythm.

Elona

Ich habe das Buch auch auf Deutsch und schon ewig lange. Hatte das damals auch in einer schwierigen Phase empfohlen bekommen und es hat mir wirklich sehr geholfen. Es gehört deshalb auch zu den Büchern, das ich aus nostalgischen Gründen nie weggeben würde.
Ich bin tatsächlich auch für die spirituellen Aspekte zu haben. Fand gerade an dem Konzept mit den Energiefressern ist so viel dran. Da habe ich durchaus mal einige Freundschafen und Beziehungen reflektiert, was mir gutgetan hat. Aber, und das finde ich immer das Wichtigste an so Büchern, man nimmt sich das raus, was einem hilft/supported und ignoriert die Dinge, die nichts für einen sind. So, wie du es ja auch gemacht hast.

Freut mich total, dass es dir dahingehend auch weiterhilft.  :knuddel:

Emmi

#6
Bin gerade über diesen Thread gestolpert und denke, dass das was für mich ist, sobald ich mein Sabatical beginne. Ich würde mich auch erstmal einlesen und dann entscheiden, was, und in welcher Dosierung, für mich passt.
Ein Buch, das sich ebenfalls mit dem Auflösen von kreativen Blockaden beschäftigt, ist Point Zero von Michelle Cassou. Es ist nicht mit so vielen Aufgaben versehen. Vielmehr geht es darin um eine Fragemethode, die man anwendet um wieder zu seiner ursprünglichen Kreativität zurückzufinden. Das Buch bezieht sich auf Malerei, lässt sich aber genauso auf andere kreative Prozesse anwenden. 
 :)

Jen

Mein Fazit zu ,,The Artist's Way" (Durchgang vom 01.05. bis 03.08.2026)
13 Wochen sind vorbei, und in dieser Zeit habe ich mit einer minimalen Verlängerung das erste Mal Julia Camerons vielbesprochenes Buch durchgearbeitet. Erstmal: Man merkt, dass es aus den Neunzigern stammt, dass die Zielgruppe eher verheiratete Frauen sind – und das regelmäßige ,,trust in God" muss man sich ggf. umdichten, was zumindest bei mir gut funktioniert hat. Lasst euch davon nicht abschrecken! Dieses Buch ist dafür gemacht, sich nur das zu nehmen, was einem nützt.

Wer ist die Zielgruppe? Blockierte Artists und alle, die eigentlich gerne welche wären, aber aus unterschiedlichen Gründen Angst haben (,,Was wird mein Mann denken?").
Jedes Kapitel beginnt mit einem längeren Text, aus dem ich gleich zitiere, damit ihr ungefähr wisst, was da so drinsteht. Anschließend gibt es Übungen und ,,verpflichtende" Routinen, nämlich die Artist Dates und die Morning Pages (beide habe ich nicht lange durchgehalten, weil sie nicht in meinen Alltag gepasst haben).
Artist Date: 1x wöchentlich idealerweise allein etwas Kreatives tun, ausprobieren, erkunden, ... da geht echt alles
Morning Pages: 1x täglich drei Seiten schreiben, bis der Kopf leer ist ... super zum entmüllen, und danach will man meiner Erfahrung nach ran an den Speck

Persönliches Fazit:
Bevor ich jetzt etwas detaillierter werde, möchte ich festhalten: Dieses Projekt hat mir viel Spaß gemacht, war flexibel, nicht unfassbar aufwühlend, manchmal dennoch gruselig-spot-on ... und der Wandel, den ich erlebt habe, ist ziemlich subtil verlaufen, aber spürbar. Mir geht es jetzt besser. Da waren einige Worte drin, die ich dringend hören musste.

Die Kapitel behandeln die Themen (abgeschrieben von den Kapitelüberschriften für Woche 1-12): Safety, Identity, Power, Integrity, Possibility, Abundance, Connection, Strength, Compassion, Self-Protection, Autonomy, Faith

Ein paar Beispiele für (Ab)sätze, die ich als hilfreich empfunden habe:
– Remember that it is far harder and more painful to be a blocked artist than it is to do the work. (Week 2)
– Many blocked people are actually very powerful and creative personalities who have been made to feel guilty about their own strengths and gifts. (Week 3)
– Yes, I am asking you to baby yourself. We believe that to be artists we must be tough, cynical, and intellectually chilly. Leave that to the critics. As a creative being, you will be more productive when coaxed than when bullied. (Week 3)
– Art lies in the moment of encounter. (Week 4)
– One reason we are miserly with ourselves is scarcity thinking. We don't want our luck to run out. (Week 5)
– Art is not about thinking something up, it is about getting something down. (Week 7)
– The perfectionist writes, paints, creates with one eye on her audience. (Week 7)
– All artists must learn the art of surviving loss: loss of hope, face, money, self-belief. [...] Artistic loss can be turned into artistic gains and strength – but not in the isolation of the beleaguered artist's brain. [...] We must acknowledge and share it. [...] Because they are seldom openly acknowledged or mourned, they become artistic scar tissue that blocks artistic growth. (Week 8.)
– In order to catch the ball, you have to want to catch the ball. Stop complaining about the lousy curves you get thrown and stretch, reach for what you really want. (Week 8.)
– In a creative career, thinking about the odds is a drink of emotional poison. It robs us of the dignity of art-as-a-process and puts us at the mercy of imagined powers 'out there'. Taking this drink quickly leads to a severe and toxic emotional bender. It leads us to ask, 'What's the use?' instead of 'What next?' (Week 8.)
– A productive artist is quite often a happy person. This can be very threatening as a self-concept to those who are used to getting their needs met by being unhappy. (Week 9)
– Fame is not the same as success. (Week 10)
– As an artist, my self-respect comes from doing the work. (Week 11)
– To kill your dreams because they are irresponsible is to be irresponsible to yourself. (Week 11)
– The first rule of magic is self-containment. (Week 12)

Übungen, die ich gemacht habe:
WOCHE 1: 6, 10, 2, 8, 5, 9
Lieblingsübung: Als Artist Date (Übung 2) habe ich mich selbst als Mixtape zusammengestellt und auf eine Kassette übertragen – positive Eigenschaften, die ich fördern möchte. Das Artist Date war nicht vorgegeben. Von den vorgegebenen Aufgaben mochte ich Übung 8 besonders (,,Was ich in einem anderen Leben machen würde").
WOCHE 2: 3, 4, 7, 8, 9, 10, 6, 2
Lieblingsübung: 3+4, ,,20 Dinge auflisten, die ich gerne mache + 2 davon diese Woche tun")
WOCHE 3: 5, 8, 9, 10, 2, 3, 4
Lieblingsübung: 8+9+10, ,,Menschen, die ich besonders schätze, welche Eigenschaften diese Menschen haben und welche Schlüsse ich daraus für mich ziehe"
WOCHE 4: 5, 1, 2, 3, 9
Lieblingsübung: 1, ,,Meine ideale Umgebung", hier umgesetzt als Collage.
WOCHE 5: 8, 2, 6, 7, 9
Lieblingsübung: 9, ,,Warum lohnt es sich für mich, blockiert zu bleiben?"
WOCHE 6: 6, 8
Lieblingsübung: keine, dafür habe ich in der Zeit etwas anderes gemacht (s.u.)
WOCHE 7: 8, 4, 2
Lieblingsübung: keine besonders
WOCHE 8: 3, 1
Lieblingsübung: 1, ,,Zielsuche, kurz-, mittel- und langfristig"
WOCHE 9: 2, 4
Lieblingsübung: keine, war hier aber im Stress/Schieferpark und habe etwas pausiert
WOCHE 10: 2, 3, 4, 5
Lieblingsübung: 5, ,,Small victories, nurturing actions for my artist und promises to myself" (Liste)
WOCHE 11: 4, 5, 7
Lieblingsübung: 7, ,,Welchen Wandel gab es in den vergangenen Wochen?"
WOCHE 12: 1, 8, (10)
Lieblingsübung: 10, ,,Lies das Buch nochmal" (habe es vor).

Außerdem:
Zwischen Woche 6 und 7 habe ich darüber nachgedacht, welche Projekte ich wann genau schreiben will (was zwei Tage Denkarbeit waren).
Der Schieferpark war zwischen Woche 9 und 10.
In Woche 11 habe ich verschiedene Schreibroutinen zusammengestellt und angefangen, sie auszuprobieren.
In Woche 12 habe ich nach insg. 13 Monaten Schreibzeit eine Rohfassung beendet.
(Die Links führen zu meinem T12-Thread, falls ihr darauf keinen Zugriff habt, aber die Listen/Tabellen und den Prozess dahinter doch mal sehen möchtet, könnt ihr mir gerne schreiben).

Guilty feet have got no rhythm.

Novae

Da sind viele spannende Sätze und Gedanken dabei. Vor allem der mit dem catching ball ...

Und es ist toll, wenn es dir geholfen hat.

Barra

Hab's mir nach euren Nennungen im T12 als Leseprobe mal geladen.
Zitatdas regelmäßige ,,trust in God" muss man sich ggf. umdichten, was zumindest bei mir gut funktioniert hat. Lasst euch davon nicht abschrecken
Uff, das fiel mir wirklich mehr als schwer. Ja, es ist älteren Datums, ja, ich nehm mir eh immer nur, was mir schmeckt mit aus Ratgebern. Dennoch war es ein trübendes "G'schmäckle".
ZitatThe first rule of magic is self-containment. (Week 12)
Oh! Das gefällt mir.
Wahrscheinlich werd ich es aber trotzdem mal komplett lesen. Danke auf jeden Fall für deinen Eindruck!

Jen

Zitat von: Novae am Heute um 19:38:24Da sind viele spannende Sätze und Gedanken dabei. Vor allem der mit dem catching ball ...

Ich habe mir daraufhin ernsthaft einen Baseball gekauft, der seitdem auf meinem Schreibtisch liegt.

Zitat von: Barra am Heute um 20:29:36
Zitatdas regelmäßige ,,trust in God" muss man sich ggf. umdichten, was zumindest bei mir gut funktioniert hat. Lasst euch davon nicht abschrecken
Uff, das fiel mir wirklich mehr als schwer. Ja, es ist älteren Datums, ja, ich nehm mir eh immer nur, was mir schmeckt mit aus Ratgebern. Dennoch war es ein trübendes "G'schmäckle".

Ja, hatte ich auch erst ein ungutes Gefühl mit. Ich bin selbst nicht getauft (war im Alter von 16-20 trotzdem auf ev. Kirchenfreizeiten dabei und fand das grundsätzlich sehr bereichernd in puncto Werten wie Dankbarkeit oder auch mit den gemeinschaftlichen Aspekten). Es ist aber nicht besonders 'preaching' und kann auf verschiedene Weise ausgelegt werden. In meinem Fall hab ich "God" meistens mit "meine Intuition" oder auch mal "meine Bestimmung" gleichgesetzt, das passt.
Guilty feet have got no rhythm.