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Zu nett für diese Welt

Begonnen von Coppelia, 15. Mai 2008, 06:37:52

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Lisande

Für mich ist ein ganz entscheidender Punkt, dass der Mann möglicherweise ein ziemlicher Harmoniesüchtel war - irgendwer, ich glaube Drachenelfe, hat das schon kurz angesprochen. Und da kann man bestimmt gut ansetzen, Leute mit Harmoniesucht versuchen IMMER, andere zu verstehen und immer das Positive selbst in den grässlichsten Typen, wie Du sie nennst, zu sehen. Wenn dann noch ein gewisses Charisma dazu kommt, dann wirken diese Leute wirklich immer nett und freundlich und verständnisvoll für jeden.

Aber - auch schon erwähnt, ich will es trotzdem noch mal betonen: solche Leute brauchen auch mal jemanden, an dem sie ihren Frust auslassen können - und wenn es nur Frust in Richtung "wie kann ich denn Person X nur helfen, ich weiß nicht mehr, was ich machen soll" ist. Irgendjemanden, bei dem man sich auskotzen kann. Das ist überaus wichtig, und als bester Freund Deines Protagonisten ist besagter Protagonist einfach prädestiniert dafür, sich dieses Auskotzen hin und wieder mal anhören zu müssen. Ich finde, das ist ein toller Ansatz für eine Charakterisierung von Mr. Sonnenschein!

Coppelia

Danke auch dir. :)

Ja, er ist ein Harmoniesüchtling. *bestempel* Dann wird er also immer, wenn irgendwie Disharmonie auftritt, versuchen, wieder Harmonie herzustellen. Erfreulicherweise wird das schon sehr bald geschehen.
ZitatLeute mit Harmoniesucht versuchen IMMER, andere zu verstehen und immer das Positive selbst in den grässlichsten Typen, wie Du sie nennst, zu sehen.
So muss es sein, so ergibt es Sinn, aber richtig in meinen Kopf will das noch nicht ... du hast nicht zufällig ein Beispiel für sowas?

Mein Protagonist ist selbst Person X, der man so schwer helfen kann. Daher wird es für Mr. Sonnenschein schwierig, sich gerade bei ihm auszukotzen, zumindest zu dieser Zeit. Aber vielleicht hat er es vorher schon mal gemacht und denkt sich jetzt: "Mir geht es auch nicht besonders bei alldem, aber ihm kann ich das ja jetzt wohl nicht sagen". Er geht wohl besser zu seiner Frau.

Ary

Zitatdu hast nicht zufällig ein Beispiel für sowas?
Mich.
Ich bin so ein harmoniesüchtiges Etwas, allerdings eher in der Richtung, dass ich mich selbst und meine Bedürfnisse zurücknehme, um niemanden zu ärgern. ich versuche immer, es allen recht zu machen, stelle immer wieder fest, dass ich das nicht kann und fühle mich dann ziemlich zerrissen.
Vielleicht ist dein Protagonist ja so einer - der nach Außen hin immer nett und freundlich ist und versucht, es allen recht zu machen. Vielleicht ist sein Selbstbewusstsein nicht besonders gut ausgeprägt und er sucht deswegen nach Anerkennung, will, dass ihn alle mögen? Dann könntest Du sein mangelndes Selbstbewusstsein oder diese innere Zerrissenheut des "es nicht allen recht machen könnens" vielleicht als "Ecke und Kante" des Protas einbauen.
Einfach mal machen. Könnte ja gut werden.

Coppelia

Hm *grübel* Ist echt alles nicht so einfach.

Mangelndes Selbstbewusstsein traue ich dem Mann eher nicht zu. Gut, er hatte wohl kein riesiges Ego, aber er hat doch eine Menge Dinge gemacht, die man sich ohne Selbstbewusstsein nicht traut. Nach Anerkennung würde er natürlich trotzdem suchen.
Die innere Zerrissenheit gefällt mir da schon besser. Ich müsste noch mal überlegen, wie sich das äußert ... da es ja ein unangenehmer Zustand ist, würde er bestimmt versuchen, möglichst schnell von diesem Problem wegzukommen oder Situationen zu finden, wo er es wirklich allen recht machen und seine Umgebung glücklich machen kann ... :)

Lisande

Zitat von: Coppelia am 15. Mai 2008, 22:12:38
Hm *grübel* Ist echt alles nicht so einfach.

Mangelndes Selbstbewusstsein traue ich dem Mann eher nicht zu. Gut, er hatte wohl kein riesiges Ego, aber er hat doch eine Menge Dinge gemacht, die man sich ohne Selbstbewusstsein nicht traut.

Das glaubst Du auch nur. Ich bin ja nicht umsonst auf die Bezeichnung "Harmoniesüchtel" gekommen - ich gehöre selber genauso dazu, wie Aryana. Und ich habe wenig Selbstbewusstsein. Aber ich habe schon oft erlebt, dass Leute mich mit GANZ großen Augen angesehen haben und behauptet haben, ich wäre sehr selbstbewusst - weil ich mich einfach selber trete, Dinge einfach zu tun. Das ist aber kein Selbstbewusstsein, sondern Selbstüberwindung.

Coppelia

#20
Ich überlege noch immer ... wenn man sich dazu treten muss, eine Sache zu machen, dann ist sie doch unangenehm bzw. man findet es unangenehm, sie tun zu müssen, selbst wenn andere es gern tun.
Wegen der philosophischen Ausrichtung des Mannes - damit hab ich noch nicht angefangen, lasse ich auch lieber ;) - ist es relativ unwahrscheinlich, dass er sich ständig zu Dingen zwingt, die er eigentlich nicht tun will, es sei denn, wenn er sie nicht täte, würde es noch unangenehmer ...

edit: Das mit der Frau oben nehm ich zurück. Sie ist schon tot. Das hört sich fast so an, als hätte der Mann zur Abwechslung mal kein Glück gehabt. Obwohl zynische Zungen auch andere Dinge behaupten könnten ...

Lisande

Zitat von: Coppelia am 16. Mai 2008, 06:25:38

Wegen der philosophischen Ausrichtung des Mannes - damit hab ich noch nicht angefangen, lasse ich auch lieber ;) - ist es relativ unwahrscheinlich, dass er sich ständig zu Dingen zwingt, die er eigentlich nicht tun will, es sei denn, wenn er sie nicht täte, würde es noch unangenehmer ...


Sich immer sagen zu müssen, dass man ein Versager ist, IST unangenehmer. Also tritt man sich zu Dingen, die man eigentlich nicht so gerne macht. Und kompensiert das, indem man sich das Leben mit anderen einfach macht und da Komplikationen vermeidet.

Coppelia

Ein Versager zu sein, würde ja bedeuten, dass man bestimmte Ansprüche an sich stellt und sie nicht erfüllen kann. Das wäre dann allerdings wirklich frustrierend.

Ich hatte heute Morgen die Erleuchtung, glaube ich. Mir fiel ein, was dieser Mann versäumt haben könnte, es wurde hier ja auch schon gesagt. Manchmal ist es nötig, Trauer und schlechte Laune bei sich und anderen zuzulassen, sonst fehlt einem auch etwas. Vor allem dann, wenn wirklich Anlass zum Trauern besteht. Trauer "wegzuerklären" hat wohl noch nie funktioniert, selbst bei einem Philosophen nicht.

Hr. Kürbis

Ich finde die Person echt interessant, auch wenn der Kerl so vordergründig nett ist. Man kann diese Figur wunderbar psychologisch ausstaffieren, die besondere Gabe der Empathie vielfältig erklären und nutzen, geniale Abgründe konstruieren ... Als Perspektiventräger super geeignet, warum er dir Probleme bereitet ist mir ein Rätsel. Jetzt wüsste ich aber auch gerne, von wem hier die Rede ist. ;)

Coppelia

ZitatIch finde die Person echt interessant, auch wenn der Kerl so vordergründig nett ist. Man kann diese Figur wunderbar psychologisch ausstaffieren, die besondere Gabe der Empathie vielfältig erklären und nutzen, geniale Abgründe konstruieren ... Als Perspektiventräger super geeignet, warum er dir Probleme bereitet ist mir ein Rätsel.
Wenn du es so sagst, klingt es ganz einfach. Also, falls du mich an deinen Ideen teilhaben lassen möchtest, würde mich das freuen. :D
Empathie? Ja ... irgendwie so. Aber dass du ihn interessant findest, finde ich gut. Mein erster Eindruck von ihm war nämlich genau gegenteilig. ;D

ZitatJetzt wüsste ich aber auch gerne, von wem hier die Rede ist.
Tut mir Leid, aber ich plane noch zu sehr, um das zu verraten. :) So weit ist meine Idee noch nicht. Ich charakterisiere ja noch an den Figuren rum, wie man sehen kann. Das dauert noch ein Weilchen.

Hr. Kürbis

Ich würde den Kerl so anlegen, dass er eben diese besondere Gabe hat, sich in Menschen hineinzuversetzen, ihre Beweggründe nachvollziehen zu können und darauf zu reagieren. Gleichzeitig "fühlt" er selbst sich aber nicht so, hat eigentlich nur den Wunsch, sich in den Menschen zu finden, eine Art Spiegel, in der er sich sieht. Da er ein guter Kerl sein will, provoziert er aber nur wohlwollendes Klima ihm gegenüber, was ihm überhaupt nicht weiterhilft. Er fühlt sich zu glatt, bekommt keine Reibungsfläche geboten und verkümmert immer mehr als eigenständige Person. Seine "wahren" Freunde  erkennen das, können aber auch nicht wirklich helfen, immerhin erkennt der Mann, wenn ihm gegenüber unehrliches Verhalten an den Tag gelegt wird, und sei es nur aus reiner Freundlichkeit (versteht man das jetzt?) ihm gegenüber.

Verdammt, ich darf jetzt nicht mehr weiterschreiben, die Ideen kommen über mich und ich fühle mich versucht, so eine Person bei mir einzubauen. Obwohl, ich glaube, so in der Art könnte ich meinen Gestaltwandler anlegen, bei dem mir jegliche Motivation bisher verschlossen blieb ...  :hmmm:

Coppelia

Das ist wirklich gut! :) Ja, so ergibt es Sinn. Dann kann der Mann ja sogar noch eine Erkenntnis über sich selbst haben.

Ansonsten bedien dich nur - ich habe ja kein Anrecht auf diese Figur, da er ja eine historische Person ist. Hoffentlich war er kein Gestaltwandler, das würde mich ECHT auf böse Ideen bringen!  :rofl:

Hr. Kürbis

Nee, keine Amgst, ich klaue die Figur nicht, nur ihr Wesen und ihre Motivation! :darth:

FeeamPC

Könnte sich nicht schon alleine daraus ein Drama ergeben, daß ein gut gemeinter Ratschlag dieses speziellen Menschen von einem anderen Menschen völlig anders (und in seinen Augen mit verheerenden/bösen Folgen) umgesetzt wurde? Daraus könnte sich  in der bislang rundum perfekten Person ein innerer Zwiespalt, Zweifel entwickeln, er könnte Hlfe brauchen, um zu klären, ob es seine Schuld ist, ob er etwas hätte anders machen können, was auch immer... damit hätte die Person eine der gewünschten Ecken und Kanten.
Wie es immer so schön heißt, das Gegenteil von "gut" ist "gut gemeint".

Coppelia

#29
@ FeeamPC
Ja, es ist möglich, dass genau der Fall eingetreten ist. Leider nicht zu dem Zeitpunkt, wo die Geschichte spielt, sondern erst später. Ich kann nur sehr hoffen, dass das den netten Menschen in einen Zwiespalt gestürzt hat.  :darth: Es wäre spannend, in dieser Phase des Lebens über ihn zu schreiben ... mach ich vielleicht irgendwann mal.

Aber der nette Mensch hat schon immer viele Tipps verteilt, und wenn er sich einsichtig zeigt, wird er erkennen, dass seine Art zu leben nicht für jeden geeignet ist. So könnte man es tatsächlich machen: Er gibt Tipps und wundert sich, dass es dadurch nicht besser wird, wo ihm die Tipps immer selbst so gut helfen. Und dann kommt es zum Konflikt. Ja, das ist schön. *Händereib* Das ist ein schöner Konflikt, zu erkennen, dass man aufgrund fester Überzeugung Fehler gemacht hat und "grausam" war, wenn man doch menschenfreundlich sein wollte, einfach, weil die Menschen so grundverschieden sind.

Danke. :)