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Der Sidekick - Zum Totlachen?

Begonnen von Nayoni, 05. Mai 2012, 14:54:31

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Nayoni

#15
Erstmal vielen Dank an alle für eure Antworten, ihr habt mich zum Nachdenken gebracht und mir bestätigt, dass mein Bauchgefühl mich richtig geleitet hat.  :knuddel:

Meine vier Charaktere sind alle recht unterschiedlich, vor allem die Freundschaft zwischen Maari und Lora birgt durch die Gegensätzlichkeit viel Konfliktpotenzial in sich, aber auch wirklich komische Situationen, wenn die eine mal so gar kein Verständnis für die andere aufbringt und sich dann einfach kaputtlachen muss. Das reflektiert die Schwächen sehr schön und sorgt zudem für Humor. Der Love Interest (wieder ein neues Wort dazu gelernt) ist sehr charmant und nimmt viele Dinge mit einem Augenzwinkern, so dass man z.B. starre Standesgesetze und das Titelgehabe der Adligen aus einem  unverschämten Blickwinkel betrachten kann. Ich glaube, ich werde diese Eigenschaften einfach noch etwas deutlicher aus ihnen herauskitzeln und definitiv auf einen humorigen Trottel verzichten. Gut, da meine kleine Reisegruppe ja viel unterwegs ist, können sie ja immer mal wieder auf einen echten Trottel treffen.

Zitat von: Farean am 05. Mai 2012, 22:27:15
In einem meiner frühesten Romane hatte sich ganz von selbst ein hübscher Running Gag ergeben. Zu meinen Charakteren gehörten ein Dieb sowie ein ehrenhafter Paladin namens Hontariel. Der Dieb hatte die saloppe Angewohnheit, den Paladin mit "Hont" abzukürzen, was unweigerlich von letzterem ein genervtes "Hon-ta-ri-el" nach sich zog, manchmal auch mitten in einer spannungsgeladenen Action-Szene. Diese kleine Schrulle hat mehr von meinen Betalesern zum Lachen gebracht als die humorigen Einlagen, die ich vorher lang und breit ausgearbeitet hatte. ;)

Find ich herrlich  :rofl: Du hast völlig recht, kleine Schrullen können so viel besser sein, als geplante Einlagen! Man sollte sich wohl öfters auf die feinen Kleinigkeiten besinnen und die  Ratgeber beiseite legen. Es ist auch gar nicht so, dass ich viele Ratgeber besitze, aber manchmal hat mir die Theorie schon weiter geholfen und es kann ja nicht schaden, den Werkzeugkasten zu kennen - nur anwenden sollte man ihn wohl nicht immer. Auf jeden Fall kann ich mit dem Begriff Sidekick jetzt mehr anfangen. Es gefällt mir, ihn als jemanden zu sehen, der den Helden reflektiert, aber dennoch genug eigene Persönlichkeit hat, um auch mal selbst in die Heldenrolle zu schlüpfen und dem Plot seinen eigenen Stempel aufzusetzen.

Linda

#16
Zitat von: Farean am 06. Mai 2012, 17:33:29
Genau das ist es, was (zumindest meinem Bauchgefühl nach) den Sidekick zum "Sidekick" macht: Er ist eben kein vollwertiger Charakter. Nimm ihm den großen, heroischen Protagonisten weg, und von ihm bleibt nichts übrig, das der Erwähnung in einem Roman wert wäre. Daher habe ich auch eine so große Abneigung gegen den bloßen Begriff "Sidekick".

genau das denke ich auch. Typische Sidekicks sind erbärmliche Ersatzpappsoldaten für richtige (Neben-)Figuren.

ZitatUnd aus genau diesem Grund sträubt sich in mir alles, Watson als "Sidekick" von Holmes zu bezeichnen. In vielen Verfilmungen, Spinoffs und sonstigen Adaptionen ist er auf diese Rolle reduziert worden, ja. In den Originalgeschichten von Arthur Conan Doyle dagegen war Watson doch sogar der Ich-Erzähler, ein gestandener Mann, hat als Arzt in der Armee des British Empire gedient, besaß Kampferfahrung und hatte mehr als genug eigene Fähigkeiten, um in kritischen Augenblicken die Nerven zu behalten und richtig zu handeln.

oha, die Sherlockianer reden sich über das Thema auch die Pfeife voll.  Meinereiner hat ja auch zwei Holmes-Pastetchen verzapft, einiges übersetzt und drückt sich gelegentlich in Holmes Pubs herum. Sinnbldlich gesprochen. In real wären die mir zu verqualmt.

ZitatMan kann ihn höchstens mit derselben Berechtigung als "Holmes' Sidekick" bezeichnen, mit der man Holmes als "Watsons Plothook" bezeichnen könnte.

;D
      Alive and sidekicking

Runaway

Meine Sidekicks sind immer vollwertige Charaktere! Aber sind sie dann noch Sidekicks? ;D

HauntingWitch

Zitat von: Dani am 06. Mai 2012, 20:05:44
Meine Sidekicks sind immer vollwertige Charaktere! Aber sind sie dann noch Sidekicks? ;D

Das ist tatsächlich eine spannende Frage. Ich muss schon die ganze Zeit an die Serie Merlin denken: Merlin als Diener von Jungprinz Arthur könnte insofern als Arthurs Sidekick bezeichet werden - aber im  Grunde ist Merlin die Hauptfigur der Serie, somit Arthur Merlins Sidekick. Dafür aber wiederum, ist Arthur viel zu wichtig für die Geschichte, weil die Serie auf der Legende um ihn aufbaut. Also wer ist hier nun Sidekick und wer Hauptcharakter? Irgendwie sind sie beide beides, was ich sehr faszinierend finde und auch mal so hinbringen möchte.

Ist also die wirklich gute Geschichte die, in der es keinen Sidekick mehr gibt, weil der Ausgleich zu stark/stark genug ist? Vielleicht komme ich jetzt etwas vom Thema ab, aber, braucht es überhaupt klassische Sidekicks (ergo Trottel oder blosse Unterstützer, wie in Nayonis Anfangspost beschrieben)? Wenn die Charaktere alle gut sind, bestimmt nicht.

*Abneigung zu dem Wort Sidekick trotz Verwendung selbigen inbegriffen.  ;)*

Alana

Ich glaube überhaupt nicht, dass man unbedingt einen klassischen Sidekick braucht. Es hängt einfach davon ab, wie die Story angelegt ist und wie der Charakter des Protas dargestellt werden soll. Das wirkt sich automatisch auf die Nebencharaktere aus.
Alhambrana