Tintenzirkel - das Fantasyautor:innenforum

Handwerkliches => Das Sprachbastelboard => Thema gestartet von: Marek am 23. Februar 2006, 15:16:25

Titel: Dialekte
Beitrag von: Marek am 23. Februar 2006, 15:16:25
Gerade las ich im Onlinespiegel -> einen interessanten Artikel <- (http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,402633,00.html): Ein Sprachpfleger aus Bayern versucht, das Wort "Tschüß" aus seinem Heimatort zu verbannen.
Wie immer man zu so einer Aktion stehen mag, es warf in mir die Frage auf: Wie halten wir Weltenschöpfer es denn mit den Dialekten? Damit meine ich nicht Brocken des Elfischen, Altdunistani oder anderen Fremdsprachen, die ein Charakter gelegentlich einwerfen mag, sondern die regionalen Unterschiede - Nord und Süd, Ost und West, überall, wo man eine Einheitssprache spricht, scheint man sie gleich zu sprechen. Keine Benrather Linie, die Wasser und Water trennt. Kein Tschüß, kein Tschö, kein Grüß Gott...

Aber ich erinnere mich, daß ich mir schon einmal Gedanken zu dem Thema gemacht habe, nämlich mit Monica, vor über zehn Jahren, als wie die Öbba schrieben. Damals schöpften wir aus unseren sprachlichen Unterschieden - immerhin trennen 120 Kilometer Niederrhein und Münsterland! - und arbeiteten verschiedene Regionalgepflogenheiten aus für die getrennten Völker Öbs.
Beispiel: In Raköb ist die korrekte Anrede "Mein Herr" für Männer, "Meine Dame" für Frauen. In Asböb dagegen sieht man derartiges als unverschämten Besitzanspruch ("Ich bin doch nicht deine Dame!") und redet sich hochachtungsvoll mit "Meister" oder "Meisterin" an, unabhängig vom tatsächlichen Berufsabschluß.

Habt ihr auch schon mal in dieser Richtung lokalkolorisiert? Und was ist dabei rausgekommen? Hier ist Platz für eure Ideen und Erfahrungen. Und ich warte gespannt.
Titel: Re: Dialekte
Beitrag von: Rei am 23. Februar 2006, 15:49:24
Hmm, darüber habe ich noch nie nachgedacht... Aber ein interessanter Gedanke... In der neuen Version von "IRONSIDE" (der Name wird dann wohl auch gekippt... *seufz*) benutze ich, äh, derbe Umgangssprache, aber keinen Dialekt.

Wäre aber mal zu überdenken...
Titel: Re: Dialekte
Beitrag von: Manja_Bindig am 23. Februar 2006, 15:53:48
Ja, ich mach dialekte rein - ohne wäre es langweilig, die Geshcihcte farblos.
Ein Hafenarbeiter spricht anders als ein Adliger, ein Bauer anders als ein Händler.
Eine elfe beherrscht ihre sprache ohne Dialekt - spricht sie dagegen eine der Menschensprachen... au weh, da kann es böse enden.
Das muss sein, sonst ist de Geschichte nicht richtig plastisch.

Außerdem sind Dialekte süß. Und lustig.
Beispiel: Mendik und Mavrud, meine heißgeliebten Zwillinge... als sie bei den elfen sind, müssen sie sich einen anderen Dialekt zulegen, obwohl sie eigentlich aktzentfrei elfisch können(ihr Meister hat sie getriezt!).
Als Ergebnis... eine Mischung aus Sächsisch, plattdeutsch, schwäbisch und Bayrisch. Man verstand, was sie sagten... aber es gibt ihnen PRofil, schon, weil es total süß klingt...
Titel: Re: Dialekte
Beitrag von: Rei am 23. Februar 2006, 15:58:25
Zitat von: Manja_Bindig am 23. Februar 2006, 15:53:48
Ein Hafenarbeiter spricht anders als ein Adliger, ein Bauer anders als ein Händler.
Das ist klar. Da mache ich auch Unterschiede, nur benutze ich keinen expliziten Dialekt bzw. Mischungen aus Dialekten. Es gibt eben die "einfache" Sprache - nenne ich es mal einfachheitshalber - und die "gehobene" Sprache.  Aber das hat meiner Meinung nach nichts mit Dialekt zu tun... Oder?
Titel: Re: Dialekte
Beitrag von: Zealot am 23. Februar 2006, 16:06:06
ich benutze etwas, das ich wohl eher als Slang bezeichnen würde, ich verschlucke einzelne Buchstaben oder führe Wörter zusammen...
sowas wie: was'n los oder ähnlich verkürzungen aber ob das als Dialekt durchgeht??
Titel: Re: Dialekte
Beitrag von: Marek am 23. Februar 2006, 16:09:01
Es geht nicht um Umgangssprache. Es geht darum, wie sich Figuren, weniger durch ihren sozialen Stand, sondern vor allem durch ihre geografische Herkunft voneinander unterscheiden.
Titel: Re: Dialekte
Beitrag von: Zealot am 23. Februar 2006, 16:20:27
hmm... ich finde das Verwenden von echten DIalekten eher störend. Als Leser wie auch als Schreiber. Ich habe ein paar Bücher deren Dialoge teils in Bayrisch oder Österreischich (ja, ja Östereichisch ist kein Dialekt) ablaufen und wenn diese Dialoge nicht unbedingt wichtig überspring ich sie, weil mir das lesen zu anstrengend ist...

Ich hab ja schon manchmal Probleme Kölsch zu verstehen  :-[
Titel: Re: Dialekte
Beitrag von: Schelmin am 23. Februar 2006, 17:22:40
Hi!
Also Unterschiede von der geografischen Herkunft her gibt es bei mir nicht.
Zwar haben die einzelnen Völker/ Länder ihre eigenen Sprachen, aber alle haben auch eine gemeinsame. Da mein Fünfteiler bis auf wenige Ausflüge in einer Stadt spielt, ist das schon mal kein Problem.
In einem anderen Roman gibt es einen Zauber, der macht, daß man sich verständigen kann.
Schelmin
Titel: Re: Dialekte
Beitrag von: Berjosa am 23. Februar 2006, 17:23:33
Obwohl ich eine begeisterte Anhägerin von Dialekten im Roman bin, passen sie in eine Fantasy-Welt genausowenig wie englische Einsprengsel. Wenn Lords und Ladies herumstiefeln, dann bitte im Vereinigten Königreich von Großbritannien und Nordirland, aber nicht in Fantasmagórien. Erst recht allergisch bin ich gegen redende Namen wie z.B. Red Herring in deutschen Texten.

Schwierig wird es, finde ich, bei Wörtern, die zwar kein Dialekt, aber für die jeweils andere Fraktion eindeutig nord- bzw. süddeutsch sind - wenn z.B. irgendwo gefeudelt wird. Oder bei den Französisch-Schnipseln, die in der Schweiz häufig verwendet werden.

Andererseits gebe ich mir Mühe, innerhalb dieses Rahmens die geographische Herkunft meiner Figuren sprachlich darzustellen. Am weitesten bin ich damit in zwei Ländern meiner Lieblings-Fantasywelt. Die Sprache des Kaiserreichs Stanemark ist leicht altertümlich-gedrechselt, die übliche Anrede ist Ihr bzw. von oben nach unten Sie/Er. Printier sprechen eher flapsig und reden jeden potentiellen Gesprächspartner mit du an.

Wenn ich mir die Sache genau überlege, ist das für mein aktuelles Projekt eine böse Stolperfalle. Meine Helden kommen aus drei verschiedenen Regionen eines Kontinents, sie machen lange Zeit Zwischenstation auf einer Insel, wo Vertreter aller zivilisierten Völker ihrer Welt zusammenarbeiten, und erleben auf einem anderen Kontinent Abenteuer, in denen bisher drei verschiedene Völker eine Rolle spielen. Und, wie oben erwähnt, möchte ich das sprachlich schon irgendwie abbilden ...

Lingus, die Fantasy schreiben, sind eine Landplage.

Schöne Grüße

Susanne
Titel: Re: Dialekte
Beitrag von: Schelmin am 23. Februar 2006, 17:32:17
ZitatWenn Lords und Ladies herumstiefeln, dann bitte im Vereinigten Königreich von Großbritannien und Nordirland, aber nicht in Fantasmagórien. Erst recht allergisch bin ich gegen redende Namen wie z.B. Red Herring in deutschen Texten.
Sehe ich vollkommen anders. Das ist bei mir wenigstens unter dem menschlichen Volk allzeit üblich. Ich bewege mich bei Namen und Titeln stets quer durch Europa. Dagegen kommen bei mir wirkliche Fantasienamen nur bei exotischen Völkern vor. Finde ich auch okay so.
Schelmin
Titel: Re: Dialekte
Beitrag von: Rei am 23. Februar 2006, 19:56:58
Zitat von: Maja am 23. Februar 2006, 16:09:01
Es geht nicht um Umgangssprache. Es geht darum, wie sich Figuren, weniger durch ihren sozialen Stand, sondern vor allem durch ihre geografische Herkunft voneinander unterscheiden.
Nein, das gibt es in keiner meiner Geschichten. Aber wie ich schon gesagt habe, wäre es sicherlich ein interessanter Aspekt, den man in eine Geschichte einbauen kann. Die Frage ist nur, ob eine - sagen wir mal - hessisch sprechende Elfe vom Leser ernst genommen werden kann. Das ist jetzt nicht böse gemeint, aber ich denke, unsere bekannten Dialekte passen nicht in eine Fantasywelt, außer vielleicht, unser schwäbischer Held gerät irgendwie in die andere Welt. Das fände ich dann wieder sehr charmant (in Ermangelung eines passenderen Wortes). Eigens kreierte Dialekte hätten in einer reinen Fantasywelt wieder einen ganz anderen Stellenwert. Das würde wieder passen...

Also, kurz gesagt: In einer reinen Fantasywelt fände ich es nicht passend "unsere Dialekte" zu nutzen, in einer "realen Welt" oder mit Bezug zur realen Welt finde ich es ok. IMHO...
Titel: Re: Dialekte
Beitrag von: Zealot am 23. Februar 2006, 19:59:00
wie bereits gesagt, finde ich Dialekte im allgemeinen schwierig, ausser man kommt aus der Gegend in der dieser Dialekt gesprochen wird.
Und ein erfundener Dialekt dürfte noch schwieriger sein, da der Leser damit überhauptnichts anfangen kann...
just my opinion  ;)
Titel: Re: Dialekte
Beitrag von: Rei am 23. Februar 2006, 20:05:03
Zitat von: Zealot am 23. Februar 2006, 19:59:00
Und ein erfundener Dialekt dürfte noch schwieriger sein, da der Leser damit überhauptnichts anfangen kann...
just my opinion  ;)
Der Dialekt muß ja nicht ganz neu erfunden werden, da habe ich mich wohl unklar ausgedrückt. Klar kann jemand mit einem niegelnagelneuen Dialekt nichts anfangen, so wie manche von uns ja auch mit "unseren" Dialekten Schwierigkeiten haben (also ich zumindest... ;) ). Das ist ganz klar. Aber so eine Mixtur aus bekannten Dingen, die jeder schonmal gehört hat, könnte dem Ganzen doch auch eine gewisse Stimmung verleihen. So meine ich das: Eine Mixtur aus Bekanntem, das hinterher doch etwas Neues ergibt... *verwirrt bin*
Titel: Re: Dialekte
Beitrag von: Zealot am 23. Februar 2006, 20:09:49
willst du Sächsisch mit Bayrisch vermischen??
"joa da shaust hör ö schoggoladenküchen" ;)
*noch verwirrter bin*  ;D
Titel: Re: Dialekte
Beitrag von: Rei am 23. Februar 2006, 20:14:50
Zzzzppp... Da haste Dir aber die, äh, besten Beispiele rausgepickt...!  ;) Den Schokokuchen kapier ich noch, aber dann... Wei oh wei! Natürlich nicht soooo offensichtlich mixen... N bissl Phantasie muß noch dazu und unsere Elfe sagt... Öhm *interpretier, was das heißen soll*: Jo mei, her mit dem Schoggoguchen!"  :P
Titel: Re: Dialekte
Beitrag von: Zealot am 23. Februar 2006, 20:18:44
LOL
das erinnert mich irgendwie an "der Schuh des Manitu" mit Ranger der Mann mit dem Südstaatenakzent.
In so einem Kontext könte das noch witzig sein. (Obwohl sehr Klischeehaft)
Titel: Re: Dialekte
Beitrag von: Geli am 23. Februar 2006, 21:05:21
interessante Diskussion. Weil ich nämlich gerade mit regionalen Unterschieden experimentiere.
Einer meiner Charakter kommt aus Südtirol, ein anderer aus Tschechien.
"Richtig" Dialekt empfinde ich als störend und nicht gut darzustellen. Darum verrät sich der südtiroler geschrieben höchstens durch seine Wortwahl.
Aber der aus Böhmen hat bittescheen eine leicht verdrehte Grammatik, wenn deitsch mit seine Kumpel redet
Mehr kann man, sollte man meiner Meinung nach nicht tun.
Titel: Re: Dialekte
Beitrag von: Zealot am 23. Februar 2006, 21:09:12
heisst das du lässt ihn im Stil vom braven Soldaten Schweijk sprechen?
Titel: Re: Dialekte
Beitrag von: Marek am 23. Februar 2006, 21:20:38
Bei mir kommt der Unterschied vor allem dann zu Tage, wenn unterschiedliche Kulturen aufeinandertreffen - untereinander reden sie so, daß es von allen als "normal" empfunden wird. Bis eben derjenige hinzukommt, der anders redet. Direktes Platt/Kölsch/Bayrisch in Geschichten empfinde ich aber auch eher als bemüht, verkrampft und störend. Vor allem, wenn die Geschichte nicht in Köln oder Bayern spielt, sondern z.B. in Doubladir...

Ich habe im Moment genau so ein Problem mit Varyn. Varyn redet so, wie sie in seinem Bergdorf alle reden. Also normal. Aber in den Ohren seines Hauptmanns spricht er quasi Platt. Ich habe also in Hauptmann Mendrions Perspektive erwähnt, daß Varyn den breiten Dialekt der Bergbewohner spricht, bin aber doch sehr davor zurückgeschreckt, diesen Dialekt nun auch noch phonetisch rüberzubringen. Wenn ich einen Dialog mit Manja vom Tintenzirkeltreffen wiedergeben müßte, würd ich es auch auf Hochdeutsch tun und erwähnen, daß Manja eine ulkige Aussprache hat und vor allem dazu neigt, das Wort *tropf* in mir bis dato unbekannten Zusammenhängen zu benutzen (und, daß ich bis heute nicht weiß, warum Manja immer *tropf* sagt...).
Aber ich weiß gleichzeitig, daß Varyn seinen eigenen Namen in diesem Dialekt ausspricht, also nicht "Wahrien" sagt, sondern "Wraschin" (schwer zu transliterieren, wie das Tschechische Jiri, mit dem umgekehrten Dach auf dem R). Behalte ich dieses Wissen nun für mich, bleibt meine Welt vielleicht arm an Lokalkolorit. Haue ich es dagegen dem Leser um die Ohren - sieht es einfach nur saublöd aus. Was tun?
Titel: Re: Dialekte
Beitrag von: Rei am 24. Februar 2006, 12:01:13
Hmm, vielleicht könntest Du in Dialogen einflechten, wie der andere das ausgesprochene Wort versteht? Das mache ich neuerdings bei Namen... Wäre vielleicht eine Möglichkeit, den Dialket etwas "sichtbar" zu machen... Natürlich nicht bei jedem Satz, aber immer mal wieder bei einigen Wörtern einfließen lassen...
Titel: Re: Dialekte
Beitrag von: Möchtegernautorin am 24. Februar 2006, 22:22:04

Hmm, ja... das ist auch eine Sache, an der ich schon eine ganze Weile knabbere. Irgendwie möchte ich das ganze schon etwas authentisch haben und da nun einmal Personen aus den verschiedensten Regionen zusammentreffen sollten sie auch anders sprechen. Bisweilen habe ich es allerdinsg auch so gehalten, dass sie die Mundart haben, die in dem Kulturkreis eben üblich ist. Jemand aus der Unterschicht redet auch so und meine Magierin spricht auch wieder ganz anders in ihrer Sprache, als wenn sie sich im Elfischen versucht.
Allerdings ist das alles nach wie vor in Hochdeutsch geschrieben, ohne den Dialekt aus der Region auch noch niederzuschreiben. Bisweilen hatte ich mich auch darauf verlegt eben zu schreiben, dass das S zischend ausgesprochen wird oder etwas ähnliches. Allerdings wollte ich immer mal gerne den Versuch starten es zu versuchen auch so zu schreiben, wie man es gesprochen hören sollte. Mir steht da leider nur eines im Wege: Ich habe kaum wirklich Ahnung von Dialekten. Ich kann nicht mal wirklich Hessisch und das, obwohl ich bis auf vier Jahre mit Ausflug ins Schwäbische, mein ganzes Leben schon in Hessen verbracht habe. Und wenn ich etwas in Dialekt lesen muss, habe ich doch arge Schwierigkeiten das zu verstehen. Das sind nun eigentlich keine guten Voraussetzungen um zu versuchen einen Dialekt zu erstellen, auch wenn es nur mit Hinweisen geschieht, dass etwas seltsam ausgesprochen wird.
Titel: Re: Dialekte
Beitrag von: Manja_Bindig am 25. Februar 2006, 16:27:11
ZitatWenn ich einen Dialog mit Manja vom Tintenzirkeltreffen wiedergeben müßte, würd ich es auch auf Hochdeutsch tun und erwähnen, daß Manja eine ulkige Aussprache hat und vor allem dazu neigt, das Wort *tropf* in mir bis dato unbekannten Zusammenhängen zu benutzen (und, daß ich bis heute nicht weiß, warum Manja immer *tropf* sagt...).

Maja...
1) das ist das Ergebnis von säschischer Mundart gemischt mit Brocken Bayrisch(vom Vater, der in München auf Montage ist und das Bayrische hochschleppt) und Kölnisch(Verwandte, die einmal im Jahr kommen). Plus das Bemühen um Hochdeutsch. Das ist nciht ulkig. ;)

2) *tropf* Ist mein Ausdruck von Verwunderung, erstaunen, befremdung.

Warte mal.. was hattest du über deine sächsische Lehrerin und ihre Aussprache des wortes "Genre" gesagt?
Titel: Re: Dialekte
Beitrag von: Marek am 25. Februar 2006, 17:19:29
Zitat
Warte mal.. was hattest du über deine sächsische Lehrerin und ihre Aussprache des wortes "Genre" gesagt?

Frau Werner sprach es "Schangere". Wichtig ist auch immer "Ankaschemmank"
Und von Prof. Ruppert stammt "Retroschpektiff".
Titel: Re: Dialekte
Beitrag von: Manja_Bindig am 26. Februar 2006, 13:02:11
Dialekte sind doch was hübsches, ne?
Lustig ist es, wenn unsere Englischlehrerin mit ihrem Berliner-Sächsich-Dialekte-Gemisch Englisch redet.

okay, back to topic(ja, ich bin SEEEEEEEEEeHR glaubwürdig)
Verändern Figuren auch ihre Dialekte(wenn sie sich in einer anderen Gegend mal niederlassen)
Titel: Re: Dialekte
Beitrag von: Termoniaelfe am 26. Februar 2006, 15:09:37
ZitatVerändern Figuren auch ihre Dialekte(wenn sie sich in einer anderen Gegend mal niederlassen)

Ja, ick denke, dat sie det tun, Manja. Ick hab mir meen Berlinern, fast jans abjewöhnt, seit ick in Jroßenkneten wohne. Aba wenn ick dann ma wieda mit meena Mutter jequatscht hab, dann isset wieda da.

Ansonsten spreche ich ein sehr gepflegtes Hochdeutsch.  ;D

Lg
Termi
Titel: Re: Dialekte
Beitrag von: Manja_Bindig am 26. Februar 2006, 20:53:21
aber das ist gut fürs englische - wir deutschen neigen dazu, englisch OHNE Dialekt zu sprechen udn darüber werden wir entlarvt. Also ist es ganz gut, solange wir uns an grundregeln halten.
So viel zum dialektfreien sprechen.
Titel: Re: Dialekte
Beitrag von: Steffi am 26. Februar 2006, 23:26:41
Ja, bei mir mache ich das auch. Allerdings habe ich nie bewusst darüber nachgedacht sondern das einfach eingebaut.  Ich denke das Wissen, dass jede Region anders spricht ist bei mir durchs Studium einfach wahnsinnig verankert  (Anglistik und Germanistik und bei beidem Linguistik als Teilgebiet.   ;)  Und ich finde Dialekte wahnsinnig interessant) , dass ich das ganz automatisch gemacht habe. Allerdings halte ich es ähnlich wie Maja - wirklich phonetisch niederschreiben tue ich das nicht, ich halte es auch eher so, dass Reisende sie eben aufgrund ihres Akzentes als Bewohner dieses und jenen Landes erkennen etc. :)  Eigentlich ist das sogar ein wesentlicher Bestandteil meiner Geschichte, da die Beiden sozusagen auf der Flucht aus ihrem Heimatland sind und ständig in der Angst leben, erkannt zu werden ;)
Titel: Re: Dialekte
Beitrag von: Möchtegernautorin am 28. Februar 2006, 14:22:26
Zitat von: Termoniaelfe am 26. Februar 2006, 15:09:37
ZitatVerändern Figuren auch ihre Dialekte(wenn sie sich in einer anderen Gegend mal niederlassen)
Ick hab mir meen Berlinern, fast jans abjewöhnt, seit ick in Jroßenkneten wohne. Aba wenn ick dann ma wieda mit meena Mutter jequatscht hab, dann isset wieda da.

Ansonsten spreche ich ein sehr gepflegtes Hochdeutsch.  ;D

Stimmt, das ist mir bei einem Praktikum im Schwabenland auch aufgefallen. Meine Betreuerein hat mit mir Hochdeutschgesprochen, aber sobal sie mit jemandem gesprochen hatte, der auch Schwäbisch sprach, kam bei ihr das selbe raus. Und sie hat es nicht bemerkt. Ich hatte sie einmal darauf aufmerksam gemacht und gefragt ob sie das wissentlich macht :)
Und danach hab ich so was auch irgendwo mal eingebaut... <kopfkratz> ich weiß nur nicht mehr wo... <mal auf die Suche geht>
Titel: Re: Dialekte
Beitrag von: Manja_Bindig am 28. Februar 2006, 16:46:20
Das macht jeder so... untereinander quassln mer Saxsn wie mer wulln, aber treffen wir auf jemanden aus einem anderen Bundesland, bemühen wir uns um Hochdeutsch - es sei denn, es geht um mcih, wie ich mich mit Maja und moni unterhalte.
Titel: Re: Dialekte
Beitrag von: Rei am 28. Februar 2006, 20:37:02
Wenn mich jemand im Dialekt anspricht, antworte ich automatisch im Dialekt. Warum sollte ich es dem anderen einfach machen? harharhar... Ich wechsel auch immer zwischen "vennemarisch" (viernheimerisch) und "mannemarisch" (mannheimerisch) hin und her, was meine Eltern (Mannheimer) und mein Männe (Viernheimer) völlig wuschig machen... harharhar.

Aber in eine Geschichte wollte ich das dann doch nicht einbringen... Do verstäht jo kons, wovon ich babbeln tu...

Und ja, man verändert seinen Dialekt. "Vennemarisch" hab ich nicht gekonnt, ehe ich nach Viernheim gezogen bin und heute "leigt mir des meeh als des monnermerisch"...  ;)

Ja, da gibt es auch einen kleinen Unterschied, obwohl die beiden Städte jetzt nicht wirklich Welten auseinanderliegen: "Mannem" und "Monnem"... Beides heißt Mannheim, aber nur eins ist "vennemarisch"... nämlich des mit dem "o".
Titel: Re: Dialekte
Beitrag von: Escandril am 24. März 2006, 08:01:45
ZitatWenn Lords und Ladies herumstiefeln, dann bitte im Vereinigten Königreich von Großbritannien und Nordirland, aber nicht in Fantasmagórien. Erst recht allergisch bin ich gegen redende Namen wie z.B. Red Herring in deutschen Texten.

Ich verstehe das auch nicht, warum die Adligen praktisch immer mit Lords und Ladies angeredet werden.
Weil ich das auf Dauer so langweilig fand, habe ich einfach eine andere Sprache genommen. Nun reden sich
die Adligen mit "Duinn" an (Herr) und mit "Rioghan" (Dame). Gut, ich weiss, Gälisch ist auch schon
in diversen Fantasyromanen mehr oder weniger abgewandelt aufgetaucht, aber es ist dennoch mal eine Abwechslung.

Ich tue mich mit Dialekten schwer in der Fantasy. Dann muss ich immer an die deutsche Synchronisation
von Monty Python denken, in der John Cleese einen norddeutschen Dialekt bekommen hat ("Der Vogel hier is mausetood!")
Für komische Effekte ist das sicher fein, aber wenn der Held in einer Fantasywelt anfängt zu sächseln oder ähnlich,
dann hätte ich Probleme ihn ernst zu nehmen.
Hat jemand von euch schon mal einen Charakter entworfen mit einem Sprachfehler? Oder einen Stotterer?
Titel: Re: Dialekte
Beitrag von: Moni am 24. März 2006, 14:43:50
Ich finde Sprachfehler furchtbar schwer zu schreiben, darum vermeide ich sie. Stottern wirkt m.E. zu schnell nervtötend, ich denke bei sowas immer "Komm endlich in die Pötte..."
Bisher hatte ich auch keinen Charakter, zu dem so etwas passen würde...
Titel: Re: Dialekte
Beitrag von: Manja_Bindig am 24. März 2006, 20:19:22
@moni: Du hättest an Mendrik und Mavrud deine helle Freude.
Wenn man Elfen-Sprache mal ins deutsche überträgt, klingt denen ihr Dialekt ungefähr so:
"Joa, wundascheen...Greene Wiesn soweed des Oche reecht..."
(ich bin ehrlich, teilweise htte ich selbst PRobleme, sie zu verstehen :P )
Titel: Re: Dialekte
Beitrag von: Moni am 24. März 2006, 21:08:23
Zitat von: Manja_Bindig am 24. März 2006, 20:19:22
@moni: Du hättest an Mendrik und Mavrud deine helle Freude.
Wenn man Elfen-Sprache mal ins deutsche überträgt, klingt denen ihr Dialekt ungefähr so:
"Joa, wundascheen...Greene Wiesn soweed des Oche reecht..."
(ich bin ehrlich, teilweise htte ich selbst PRobleme, sie zu verstehen :P )
Ja, aber das ist sächseln, ich dachte eher an Escandril und ihre Frage zum Sprachfehler... obwohl, sächseln kann man auch als solchen auffassen...  ;D

Dialekte in der Fantasy sind extrem schwierig, denn letztendlich greifen wir doch alle auf die uns bekannten zurück und das kann zu schnell ins ungewollt komische abdriften. Also lasse ich auch davon lieber die Finger.  :-X
Titel: Re: Dialekte
Beitrag von: Steffi am 24. März 2006, 21:52:33
Ich halte es wie Tolkien (weil ich diese Art wirklich gut finde) - erwähne, dass ein Dialekt gesprochen wird, beschreibe auch notfalls den Klang - aber mach aus den Dialogen keine lautschriftliche Übersetzung ;)
Titel: Re: Dialekte
Beitrag von: Moni am 25. März 2006, 12:19:38
Zitat von: Steffi am 24. März 2006, 21:52:33
Ich halte es wie Tolkien (weil ich diese Art wirklich gut finde) - erwähne, dass ein Dialekt gesprochen wird, beschreibe auch notfalls den Klang - aber mach aus den Dialogen keine lautschriftliche Übersetzung ;)

Ja, das ist sicher die beste Lösung. Tolkien wußte eben, was er machte...  :D
Titel: Re: Dialekte
Beitrag von: Escandril am 26. März 2006, 09:43:09
Zitat von: Schelmin am 24. März 2006, 10:43:13
Hi!
In einem meiner Kinderbücher kommt ein zahnloser Vampir vor. Der redet etwa so:
,,Ich beiffe gleich furück!"
Das klingt lustig! Der arme Vampir. An die Möglichkeit habe ich noch gar nicht gedacht, dass jemand durch eine Verletzung
nicht mehr richtig sprechen kann. Kann man doch recht gut lesen, wenn man sich darauf
einstellt. Ich denke, das gilt auch für jüngere Leser.

Mir ist noch eingefallen, bei mir taucht in einer Szene ein Betrunkenener auf - nur als Randfigur -  und
der redet dann ungefähr so: "S-soll'n wir sswei mal  d-die T-taverne wechsseln, was meinsst de?"
Ist auch schon fast stottern.

lg,
Andrea
Titel: Re: Dialekte
Beitrag von: Ary am 27. März 2006, 15:41:05
:) Wenn Betrunkene in meinen Geschichten mit schwerer Zunge sprechen, dann versuche ich, das auch schreibend umzusetzen. Aber Dialekte... hm. Wenn Fantasy-Protagonisten bayerisch oder sächsisch reden, finde ich das irgendwie... unpassend, ich lasse von sowas auch lieber die Finger und in Büchern mag ich erst gar nicht.
Hmpf - ich gehöre irgendwie auch zu der Lord-und-Lady-Fraktion. Für die Traverra-Chronik gewöhne ich mir das gerade ab, nachdem Bines Mann uns darauf hingewiesen hat, daß wir, wenn wir ein Buch auf Deutsch schreiben, venaro schlecht "Lord Venaro" nennen können. Seitdem ist er schlicht und ergreifend das, was er ist - Fürst. Und so reden seine Unterass-äh, Untertanen ihn auch an.
Titel: Re: Dialekte
Beitrag von: Steffi am 27. März 2006, 23:20:16
Ich vermeide in meiner Geschichte so gut es geht Wörter und Namen, die man automatisch mit einer bestimmten Sprache verbindet - deswegen gibt's auch keine Lords und Ladies. Die Königin im nördlichen Königreich wird mit "Fru" angeredet... das ist - na, hat's wer erraten? die norwegische Version unseres "Frau XY" :)
Titel: Re: Dialekte
Beitrag von: Manja_Bindig am 28. März 2006, 19:38:48
Betrunkene lallen bei mir. Je nach Grad der Besoffenheit lallen sie mehr oder minder stark... wenns nur leicht ist, schreib ich das nciht mal in die Reden rein. Nur wenns wirklich heftig ist - oder wenn man - wie Mendrik - dann anfängt, WIRKLICH im Dialekt zu sprechen(sie können eigentlich hochelfisch ohne Akzent - der akzent ist Tarnung)
Titel: Re: Dialekte
Beitrag von: Escandril am 02. April 2006, 21:22:34
Mir ist noch was eingefallen dazu,
das ist aber eigentlich keine Frage von Dialekt.
Wenn nun ein Charakter die Landessprache nur rudimentär beherrscht,
wie setzt ihr das um?

Ich versuche in dem Fall, Grammatikfehler einzubauen, das hört sich dann etwa
so an:

"Mich haben hier verlaufen in diese Wald, kannst Ihr sagen, wohin es geht?"

Man könnte ja auch ein Mischmasch mit einer selbst erfundenen Sprache machen,
dann wird es richtig chaotisch...
Titel: Re: Dialekte
Beitrag von: Manja_Bindig am 03. April 2006, 18:11:35
Das ist immer eine sehr gute Idee... aber man muss aufassen, dass es nciht lächerlich wird.
Titel: Re: Dialekte
Beitrag von: Ary am 03. April 2006, 18:21:56
Hi!

Hin und wieder setze ich mich hin und versuche, eine Sprache zu erfinden, zumindest Brocken, und wenn die Charaktere, die diese Sprache sprechen, dann in Fremde Länder kommen oder (es ist ein nicht menschliches Volk) auf Menschen treffen, dann streue ich gerne mal das eine oder andere fremde Wort ein.
Das Blöde ist - man muß, wenn man sowas macht, natürlich Übersetzungen bereitstellen, also ans Ende der Geschichte ein Glossar anhängen oder mit Fußnoten arbeiten.

@Manja: Betrunkene lallen bei mir auch, das zu schreiben macht immer sehr viel Spaß. Ich mache meine Charas gern mal betrunken. Man darf's nur nicht übertreiben.
Titel: Re: Dialekte
Beitrag von: Arielen am 04. April 2006, 11:44:01
Dialekte zu erfinden oder auch nur zu benutzen fällt mir sehr schwer, das kommt wohl daher, daß ich in einer relativ dialektfreien Gegend lebe und auch in meiner Familie keiner je richtig einen sprechen konnte. Meine Oma hatte zwar noch einen "schlesischen Klang", aber da fehlt mir das Umsetzen in die Schriftsprache.

Daher versuche ich mich auf wenige Ausdrücke etc. zu beschränken.
Titel: Dialekte, Akzente und besondere Arten des Sprechens
Beitrag von: Manja_Bindig am 07. Oktober 2008, 14:25:55
Da noch nichts dazu erwähnt wurde - wie haltet ihr es mit Dialekten und Akzenten?

Ich selber lass in meiner Stadt Yberilur die meisten Nebencharas in einem schönen Dialektmischmasch reden, je nach Schicht - der Adel faselt natürlich hochdeutsch und ab und an auch mal in ellenlangen Schachtelsätzen.
Meine Hauptcharas unterhalten sich meistens in einer Sprache, die für beide mehr oder minder Muttersprache ist, also wird ebenfalls hochdeutsch geschrieben - die Landessprache sprechen sie nahezu akzentfrei, allerdings nehm ich hier ein Umgangshochdeutsch - keine langen Sätze, ab und an fällt eine Silbe unter den Tisch, das was man kennt.

So.
Und dann ist da noch die Wirtin, bei der die Beiden wohnen. Eine an und für sich urgemütliche Frau, allerdings mit dem Temperament eines schlecht gelaunten Drachens(so würde mein Vyren sie beschreiben) aus der unteren Mittelschicht.
Kernwort der Sache ist: "urgemütlich" - und entsprechend bayert sie, was das Zeug hält, was mir beim Schreiben sowohl Spaß macht, als auch Kopfzerbrechen bereitet - der Dialekt soll ja nicht aufgesetzt klingen, entsprechend werden Maikas Zeilen immer durchgesprochen, bis ich eine Formulierung hab, die natürlich klingt.

Andererseits habe ich später ein Zwillingspaar, das sich auf der Flucht befindet. Und zur Tarnung einen ziemlich schweren, antrainierten Akzent haben, den ich mit meiner eigenen Muttersprache(sächsisch) wunderbar nachstellen kann... ab und an mit gekünsteltem Sächsisch.

Ich charakterisiere meine Figuren sehr gern über die Art wie sie sprechen, sowohl den Dialekt, als auch die Wortwahl, entsprechend sind Dialekte für mich ziemlich wichtig. Zumindest zwei wichtige Nebencharas pro Buch sprechen im Dialekt(im ersten sind es die Wirtin und ihre Tochter. Im zweiten meine erwähnten Zwillinge), meist, ohne, dass sie mir das vorher mitzuteilen gedenken.

Wie macht ihr das? Haben eure Charas bestimmte Angewohnheiten, zu sprechen? Benutzt ihr Dialekte? Plant ihr das im Vorraus und legt mehr oder weniger fest, wer wie spricht oder ergibt sich das von selbst?
Oder schreibt ihr - storymilieu-bedingt - nur in Hohem Hochdeutsch?

Lieber Gruß,
Manja
Titel: Re: Dialekte, Akzente und besondere Arten des Sprechens
Beitrag von: Aidan am 07. Oktober 2008, 14:35:18
Hallo Manja!

Ich finde es klasse, wenn die Charaktere an ihren Dialekten zu erkennen sind oder charakterisiert werden. Leider kann ich das nicht bieten, denn ich spreche gar keinen und ich kenne auch keinen so genau, dass ich ihn imitieren oder aufgreifen könnte.

Was ich aber mache, dass ich darauf achte, dass sie kein richtiges Schriftdeutsch sprechen. Da werden dann mal Buchstaben verschluckt, Sätze unvollständig gelassen, oder, wenn sie eine fremde Sprache sprechen, Worte gesucht oder gebrochen gesprochen.

Was ich auch schon überlegt habe, vielleicht dem ein oder anderen Gewohnheiten anzudrehen. So wie meine Tochter immer "gell" sagt, oder halt irgendeinen Spruch, der für diese Person dann typisch ist. Aber da meine Figuren zur Zeit eher schweigsam sind, bin ich noch nicht so recht in die Verlegenheit gekommen.
Titel: Re: Dialekte, Akzente und besondere Arten des Sprechens
Beitrag von: Churke am 07. Oktober 2008, 15:10:19
Mit Dialekten und Akzenten gehe ich sehr sparsam um, weil ungewohnte Schriftbilder den Lesefluss stören. Ich hatte mal eine (angelsächsische) Figur, die sprach so: "Hattan See ine Meenoote Tsite, oom yber Jesus tsoo discooteeran?"
Und ich habe ich mich extrem bemüht, ihn möglichst wenig reden zu lassen - aus Rücksicht auf den Leser.
Titel: Re: Dialekte, Akzente und besondere Arten des Sprechens
Beitrag von: Luisa am 07. Oktober 2008, 16:39:23
Den Figuren Dialekte zu geben ist toll, das macht sie authentischer. Zwar würde ich es nicht wie in Churkes Beispiel machen, denn das ist wirklich schwer zu verstehen. Den Satz habe ich dreimal gelesen.  ;)

Ich selber gebe ihnen aber kaum Dialekte, da ich mich einfach nicht gut genug auskenne. Ich habe verwandte in Berlin, also kann ich ab und zu jemanden berlinern lassen, wenn ich das möchte. Aber ansonsten lasse ich es lieber, damit nicht am Ende eine Eigenkreation herauskommt.

Um zu betonen, dass eine bestimmte Person sich weniger gut ausdrückt als eine andere, mindere ich einfach meine Schriftsprache ein wenig. Man kann einfach nicht immer schreiben, wie man spricht, das klingt irgendwann zu merkwürdig.
Zum Beispiel Wörter wie "wirstes". Das ist "wirst du es" und das verwende ich auch nur, wenn mein Chara gerade besonders schludrig klingen soll.
Titel: Re: Dialekte, Akzente und besondere Arten des Sprechens
Beitrag von: Tenryu am 07. Oktober 2008, 16:48:51
Ich bin nicht so der Anhänger eines naturalistischen Stiles. Daher lasse ich meine Figuren Hochdeutsch parlieren.
Ausnahmsweise habe ich mal eine Nebenfigur ein- oder zwei Sätze auf Kauderwelsch babbeln lassen.

Bei Dialekten besteht zum einen das Problem, daß es bei längeren Reden doch eher mühsam zu lesen ist; und zum anderen es nicht leicht ist, gesprochene Sprache so zu verschriftlichen, daß der Leser sie auch richtig aussprechen kann.
Hinzu kommt auch die Frage der Verständlichkeit.

Echte Dialekte sind schon sehr schwer zu schreiben (vor allem fremde). Und erfundene haben oft etwas künstliches, bemühtes.
Titel: Re: Dialekte, Akzente und besondere Arten des Sprechens
Beitrag von: Rhiannon am 07. Oktober 2008, 17:10:36
Da meine Hauptpersonen gewöhnlich adelig sind, sprechen diese natürlích auch eine geschliffene Sprache. Bei Nebenpersonen sage ich entweder, dass sie schludrig sprechen, oder ich verschludere kleinere SAchen absichtlich, sowas wie z.B. "Wir ham dann das gemacht!" Oder manchmal versaue ich auch einfach den Satzbau, wie es halt geschieht, wenn man gesprochene Sätze schriftlich überträgt. Und diese Figuren berichten dann auch nicht: "Wir gingen in unser Lager!" sonder "Wir sind ins Lager gelatscht!"
Titel: Re: Dialekte, Akzente und besondere Arten des Sprechens
Beitrag von: Berjosa am 07. Oktober 2008, 22:40:31
Ich bin an und für sich eine große Anhängerin von Dialekten. Das ungewohnte Schriftbild stört mich wenig, und wenn die Leute nur genug reden, dann gewöhnt man sich eben dran. (Eine andere Möglichkeit wäre, nur ein paar Sätze so zu schreiben wie in Churkes Beispiel, und die weiteren Dialoge normal, mit gelegentlich einem nicht ganz passenden Ausdruck oder einem unverständlichen Wort, das den Akzent wieder in Erinnerung ruft.)
Hab ich schon mal irgendwo erwähnt, dass ich gern Carl Amery lese? Da geht es z.B. darum, dass der Herzog von Bayern der rechtmäßige König von England ist, weshalb eine Menge bayrisch redender Haupt- und Nebenfiguren auftreten. Bayern kämpfen aber nur unter preußischer Führung gut, also gibt es einen preußisch schnarrenden Kommandanten. Die ganze Bande stolpert in Schottland herum, daher reden sie auch noch Englisch mit deutschem Akzent. Prima. Passt alles hervorrangend.
Wenn es in dem betreffenden Abenteuer nun aber nicht um den Untergang der Stadt Passau geht, sondern um Elfen, die sich in einer Fantasy-Welt im engeren Sinn bewegen, finde ich "Ozapft is" ebenso unangebracht wie Lords und Ladies oder Vergleiche mit dem Räuber Hotzenplotz.
Da wirkt es vielleicht besser, kurz zu beschreiben, wie die Figuren genau reden, oder gelegentlich Verständigungsschwierigkeiten zwischen Leuten aus verschiedenen Regionen einzustreuen, ein Nordlicht und einen Südländer, die sich gegenseitig mit ihrer unterschiedlichen Sprechweise aufziehen, oder ähnliches.
In einer meiner Fantasy-Welten gibt es ein Volk, bei dem ein politischer Flügel versucht, sich auch sprachlich vom anderen abzugrenzen. Da es aber insgesamt kontraproduktiv wäre, alle Dialoge auf Printisch zu schreiben, probiere ich das auf Deutsch nachzuturnen, indem die einen sich ihrzen, mit Vor- und Mutternamen anreden und insgesamt etwas steifer sprechen, während die anderen sich duzen, mit abgekürzten Vornamen bzw. Spitznamen anreden und sich eher flapsig ausdrücken.
Titel: Re: Dialekte, Akzente und besondere Arten des Sprechens
Beitrag von: Ary am 07. Oktober 2008, 23:19:56
Ich mag Dialekte in Fantasygeschichten gar nicht. In irgendeinem Fantasyroman (ich glaube, eswaren ins deutsche übersetzte Bücher von David Eddings) faselte auf einmal eine Nebenfigur berlinerisch. Waaaahrrrgh. Ich hasse das - in der Fantasywelt eines Herrn Eddings exisiet so etwas wie Berlin nicht, darum mag ich da auch keinen beliner Dialekt lesen, auch wenn ich den berliner Dialekt sehr mag.
Manja, eine bayernde Maika kann ich mir nur sehr schwer vorstellen, ebensowenig sächselnde Zwillinge... *duck*
Titel: Re: Dialekte, Akzente und besondere Arten des Sprechens
Beitrag von: Manja_Bindig am 07. Oktober 2008, 23:35:59
Ich fands ehrlich gesagt am Anfang auch komisch. Mitten in ihrem ersten in der neuen Version SAtz fing die Gute an, zu bayern.

Und es passte - es passt sogar hervoragend zu ihr. Inzwischen hat sich das so ausgebreitet, dass die untere Mittelschicht und die Unterschicht mehr oder minder stark im Dialekt spricht(rat mal, was der arme Arinyl für Probleme beim Oktavi-lernen hatte).
Und wenn dann noch ihre Tochter in diesem Dialekt anfängt zu schreien und zu zetern - für mich ist es eine Freude zu schreiben und meine Betas grinsen immer beim Lesen(ich hab ne Öterreicherin dabei, die mich auch darauf hinweist, wenn was so nicht geht - es muss ja immer noch verständlich sein)

Die Zwillinge haben von Anfang an gesächselt - allerdings hab ich den Akzent bewusst bemüht gehalten, immerhin beherrschen sie Eriati eigentlich perfekt... der Akzent IST gekünstelt(DAS war ne elene Artbeit - sächsisch fließt mir ja nun mal sehr leicht und locker aus der Feder - meine Muttersprache da extra gekünstelt zu gestalten! Hilfe).

Meine Hauptcharas sprechen allerdings nicht im Dialekt - da fänd ich es dann auf dauer doch nervig. Da Maika und ihre Tochter aber nicht in jedem Kapitel und nicht auf jeder Seite vorkommen, ist das in Ordnung.
Titel: Re: Dialekte, Akzente und besondere Arten des Sprechens
Beitrag von: Churke am 07. Oktober 2008, 23:38:56
In "Lysistrata" von Aristophanes spricht die Spartanerin Lampito lakonischen Dialekt. In einer Übersetzung, die übrigens ziemlich gelungen ist, hat sich der Übersetzer für Schwäbisch entschieden.  ;D
Titel: Re: Dialekte, Akzente und besondere Arten des Sprechens
Beitrag von: Tenryu am 08. Oktober 2008, 00:39:54
Bei übersetzten Werken finde ich das mit den Dialekten besonders schwierig. Wie soll man im Deutschen darstellen, wenn einer schottisch, irisch oder australisch redet? Läßt man es sein, geht dem Werk etwas verloren, läßt man die Schotten hingegen irgend einen deutschen Dialekt reden, wirkt das unfreiwillig komisch.
Titel: Re: Dialekte, Akzente und besondere Arten des Sprechens
Beitrag von: Hr. Kürbis am 08. Oktober 2008, 06:20:56
Das kommt sehr auf das Setting an, bei Fantasy würde ich eher sagen es funktioniert nur bedingt. Silben verschlucken, nuscheln oder ähnliches ist in Ordnung, aber es gibt eben kein Sachsen, kein Bayern o.ä. in meinen Welten, also warum sollten die Leute so reden?
Das ist dann wie bei Star Wars, wo die Aliens der Handelsföderation mit französischem Akzent reden. Obwohl, die sehen ein bisschen aus wie Frösche, ist das Zufall? :hmmm:

Wenn es allerdings Gegenwartsliteratur ist (oder historisch), dann finde ich das in Ordnung und auch "echt". Hab grad ein Buch von Annie Proulx ausgelesen, Postkarten, in dem sich die Mutter zusammen mit ihrer Tochter über die Aussprache der verstorbenen Großmutter amüsiert. Die Mutter gibt dann wieder, was sie noch behalten hat und auf einmal tauchen viele plattdeutsche Begriffe im Text auf. Jetzt kann es natürlich sein, dass auch im Originaltext dort Plattdeutsch gesprochen wird, immerhin sind viele Deutsche in die Staaten ausgewandert und mit der Sprache relativ weit gekommen (zum Beispiel mein Urgroßonkel), also war das, wenn es eine Übersetzung ist, ziemlich naheliegend, es so zu machen.
Titel: Re: Dialekte, Akzente und besondere Arten des Sprechens
Beitrag von: Coppelia am 08. Oktober 2008, 07:00:57
Bin nicht so der Freund von Dialekten und beherrsche auch kaum einen. Und ich lese leise, Dialekttext kann ich aber praktisch nur laut gelesen verstehen. Und ich mag nicht plötzlich laut lesen.

Außerdem verstehe ich nicht so recht, was Dialekte in Geschichten zu suchen haben, wo es die entsprechenden Gegenden gar nicht gibt. Man kann es vielleicht aus Jux machen, aber ergibt es Sinn? Ok, man kann natürlich ähnliche Verhältnisse innerhalb des Romans schaffen. Aber die Dialekte entwickeln sich ja nicht einfach so, sondern durch Lautwandel im Lauf langer Zeit, dann könnte man sich also auch gleich die Dialekte der benachbarten Gegenden ausdenken ... ;)

Ich hab im Augenblick das "Problem": Mein Prota ist in einer Gegend, wo man Dialekt spricht. Ganz offiziell. Die Menschen, mit denen er zu tun hat, sprechen alle Dialekt. Aber keinen, den es in unserer Welt geben würde. Wie hört er sich also an? Ich weiß es nicht. Ich versuche, ihnen ein paar spanische Einsprengsel zu geben - was durch die Tatsache, dass ich kein Spanisch kann, nicht gerade erleichtert wird - und sie ansonsten umgangssprachlich reden zu lassen. Aber beides ist nicht so einfach, wenn man hochwissenschaftliche Gespräche führt.
Daher werde ich das Dialektproblem wahrscheinlich einfach ignorieren. :-\
Titel: Re: Dialekte, Akzente und besondere Arten des Sprechens
Beitrag von: Ary am 08. Oktober 2008, 08:45:31
Mir geht's da wie Tenryu, das ist genau mein Problem - ich finde Dialekte, da wo sie nicht hingehören, albern und komisch, und das machtmir eine ernsthafte Geschichte einfach kaputt.
Titel: Re: Dialekte, Akzente und besondere Arten des Sprechens
Beitrag von: Lisande am 08. Oktober 2008, 10:55:40
Charaktere anhand ihrer Ausdrucksweise zu charakterisieren, finde ich toll - aber Dialekte halte ich für nicht so geeignet, da sind meiner Meinung nach bestimmte Begriffe, bestimmte Angewohnheiten besser.
Ich finde es sehr schwierig, einen Dialekt vernünftig zu schreiben. Meistens wirkt das furchtbar aufgesetzt, vor allem, wenn in Dialekten Lautbilder auftauchen, für die es keinen eigenen Buchstaben gibt. Gerade, wenn man den Dialekt nicht als "Muttersprache" spricht, sollte man sehr vorsichtig mit dem sein, was man tut und schreibt.

In Fantasygeschichten geht es mir wie Aryana und Tenryu - da haben "echte" Dialekte nichts zu suchen, denn es wird sie so in dieser Welt nicht geben. Ich kann gut damit leben, wenn ein Charakter schlechtes Deutsch spricht, wenn es zu ihm passt, das heißt, wenn die Grammatik verdreht oder vereinfacht wird und Wörter genuschelt oder zusammengezogen werden.

Was in diesem Zusammenhang noch recht gut funktioniert, ist ein Ruhrpott-Dialekt (wenn's denn unbedingt einer sein soll) - denn das ist kein Dialekt im eigentlichen Sinne, sondern einfach schlechtes, genuscheltes Deutsch mit verkorkster Grammatik und nur einigen wenigen, typischen Begriffen, die man aber auch gut weglassen kann. Wenn dann also vielleicht ein Stallknecht von "dem Grafen seine Frau ihr neues Pferd" spricht, könnte ich damit noch leben...

Ich finde Coppis Einwand auch sehr wichtig - Dialekte ins oft nur verständlich, wenn man sich das, was da geschrieben steht, laut vorspricht - und das ist blöd und manchmal auch nicht wirklich möglich (ich möchte nicht in der U-Bahn sitzen und anfangen, laut zu lesen).

Also kurz zusammengefasst: ich finde es toll, wenn Charaktere an ihrer Ausdrucksweise erkannt werden können, aber auf direkte Dialekte würde ich eher verzichten.
Titel: Re: Dialekte, Akzente und besondere Arten des Sprechens
Beitrag von: Steffi am 08. Oktober 2008, 11:40:30
Zitat von: Lisande am 08. Oktober 2008, 10:55:40

Was in diesem Zusammenhang noch recht gut funktioniert, ist ein Ruhrpott-Dialekt (wenn's denn unbedingt einer sein soll) - denn das ist kein Dialekt im eigentlichen Sinne, sondern einfach schlechtes, genuscheltes Deutsch mit verkorkster Grammatik und nur einigen wenigen, typischen Begriffen, die man aber auch gut weglassen kann.

Das Ruhrdeutsche hat sich in den letzten Jahr sehr verflüchtigt, aber eigentlich ist es schon ein Dialekt mit sehr vielen eigenständigen Begriffen, die leider nur mehr und mehr in Vergessenheit geraten. Und die Grammatik ist nicht bloß verkorkst, sondern stammt unter anderem noch aus dem Gotischen (das allseits beliebte "dem Hans sein Fahrrad" ist so in Überbleibsel ;) ). Auch so Sachen wie "wat" und "dat" sind nicht bloß genuscheltes Hochdeutsch, sondern tatsächlich uralte Variationen die sprachgeschichtlich (ich meine durch die Nähe zu den Niederlanden) begründet sind.

/klugscheißmodus :)

Ich finde, wirkliche Dialekte in Büchern nicht nur oft unfreiwillig komisch, sodern vor allem auch sehr schwer zu lesen wenn es kein Dialekt ist, mit dem der Leser im täglichen Leben zu tun hat. Ich wäre da vorsichtig, ich finde, so etwas kann die Leselust eher abschwächen als anspornen. Bloße Eigenheiten in der Ausdrucksweise einer Figur find ich dagegen klasse.

Titel: Re: Dialekte, Akzente und besondere Arten des Sprechens
Beitrag von: Drachenfeder am 08. Oktober 2008, 11:51:13
Manchmal merke ich beim Überarbeiten, dass ich ins Hessische aus Versehen verutscht bin. Das ist mir oft peinlich. Aber ich bin numal aus dem Hessenland und in der Familie wurd auch immer platt gebabbelt. Aber beim Schreiben ärgert es mich das ich manche Wörter so schreibe wie ich sie spreche. In Büchern sollte lieber Hochdeutsch geschrieben sein.

Wie Steffi auch erwähnte finde ich bestimmte Ausdrucksweisen von Charakteren klasse. Hat einen gewissen Wiedererkennungswert. Eine meiner Hauptcharaktere hat solch eine Ausdruckweise (eher etwas Kindlich und frech) - aber genau deswegen wird sie von fast allen die es gelesen haben abgöttisch geliebt.
Titel: Re: Dialekte, Akzente und besondere Arten des Sprechens
Beitrag von: Luisa am 08. Oktober 2008, 18:02:00
ZitatIch mag Dialekte in Fantasygeschichten gar nicht.
In Fantasygeschichten? Auf die Idee bin ich noch gar nicht gekommen. Wenn ich einem Chara einen Dialekt gebe (und ich kann ihn ja nur berlinern lassen), dann nur in realen Geschichten.

Ein paar Silben zu verschlucken finde ich dagegen auch bei den anderen Charas in Ordnung, das passiert in jeder Sprache.

ZitatIch finde, wirkliche Dialekte in Büchern nicht nur oft unfreiwillig komisch
Ich finde die meisten Dialekte sehr lustig, auch da ich selbst keinen spreche. Ich könnte auch jedes Mal lachen, wenn man von älteren Leuten in Platt angesprochen wird, es hört sich einfach komisch an.
Ich würde niemals, auf keinen Fall einer Person, die vom Leser wirklich ernst genommen werden soll, einen Dialekt geben. Das wirkt lächerlich.

Titel: Re: Dialekte, Akzente und besondere Arten des Sprechens
Beitrag von: Lisande am 08. Oktober 2008, 19:17:46
Zitat von: Steffi am 08. Oktober 2008, 11:40:30
Das Ruhrdeutsche hat sich in den letzten Jahr sehr verflüchtigt, aber eigentlich ist es schon ein Dialekt mit sehr vielen eigenständigen Begriffen, die leider nur mehr und mehr in Vergessenheit geraten. Und die Grammatik ist nicht bloß verkorkst, sondern stammt unter anderem noch aus dem Gotischen (das allseits beliebte "dem Hans sein Fahrrad" ist so in Überbleibsel ;) ). Auch so Sachen wie "wat" und "dat" sind nicht bloß genuscheltes Hochdeutsch, sondern tatsächlich uralte Variationen die sprachgeschichtlich (ich meine durch die Nähe zu den Niederlanden) begründet sind.



Einverstanden - aber meine Kernaussage bleibt: nach heutigem Sprachgebrauch ist Ruhrdeutsch nur noch schlechtes und grammatikalisch verdrehtes Deutsch, ganz egal, wo es herkommt, und damit kann man damit noch halbwegs was anfangen. Selbst wenn Ruhrdeutsch ursprünglich das einzig wahre Deutsch gewesen wäre - heute ist es nicht mehr so, es klingt falsch und verkorkst.
Titel: Re: Dialekte
Beitrag von: Marek am 23. Oktober 2008, 10:20:33
Zitat von: Manja am 07. Oktober 2008, 14:25:55
Da noch nichts dazu erwähnt wurde - wie haltet ihr es mit Dialekten und Akzenten?


Noch nichts dazu erwähnt  UNGLEICH das Wort "Dialekte" in der Forensuche ausprobiert...
Da wir längst einen Thread zu dem Thema haben, und das im passenden Board, habe ich mal verschoben und zusammengeführt.
Titel: Re: Dialekte
Beitrag von: Leon am 09. Dezember 2008, 09:40:07
Guten Morgen allerseits,

also ich finde Dialekte nicht schlecht. So lange sich diese auf Figuren beschränken, die nur eine Nebenrolle im Roman spielen. In meinem Roman zum Beispiel spricht der Drachenpfleger ein gepflegtes Plattdeutsch. :) Was sich übrigens auch gut ausmacht, ist Deutsch mit eingefärbten Akzent.

Gruß
Leon
Titel: Re: Dialekte
Beitrag von: Churke am 09. Dezember 2008, 10:06:00
Das Platt muss aber schon sehr gepflegt sein, sonst versteht *man* es nämlich nicht.  :hmmm:
Titel: Re: Dialekte
Beitrag von: Leon am 09. Dezember 2008, 13:21:03
Hallo Churke

Das ist es! In der Tat, das ist es wirklich!
Denn würd aisch im allerbreitesten Plattdütsch quasseln, würd mir ja kan Daifel verstehe! ;D

Von daher spricht mein Drachenpfleger sozusagen ein "Platt-Hochdeutsch". So dass man ihn problemlos verstehen kann, und dennoch ein unverkennbarer Charme nicht verloren geht.

Gruß
Leon  
Titel: Re: Dialekte
Beitrag von: Schreiberling am 09. Dezember 2008, 15:30:42
Zitat von: Churke am 09. Dezember 2008, 10:06:00
Das Platt muss aber schon sehr gepflegt sein, sonst versteht *man* es nämlich nicht.  :hmmm:

Auch für Leute die Platt können (verstehen), gibt es immer wieder Ausdrücke, die man nicht kennt.
Bei uns z.B. liegen zwei Dörfer nahe beieinander, aber zum einen unterscheidet sich die Aussprache  schon voneinander und zum anderen gibt es generell immer wieder Ausdrücke, die es nur in einer bestimmten (Landes-)Region gibt und meist nur von der Generation 70+ verstanden werden.
Manchmal haben meine Großeltern Sachen gesagt, wo ich nicht im entferntesten wusste, was sie bedeuten und die haben sich dann angehört...  :rofl:

Liebe Grüße
Schreiberling
Titel: Re: Dialekte
Beitrag von: hima am 01. Februar 2009, 15:10:42
Ich erinnere mich mit Schaudern an ein Buch mit sehr viel Platt drin. Was war das nochmal... Schloss Gripsholm?

Jedenfalls, mit Dialekten in Büchern kann ich absolut rein gar nichts anfangen. Sie stören den Lesefluss, und wenn man den Dialekt nirgends zuordnen kann, macht das Lesen erst recht keinen Spass. Sinn machen Dialekte, wenn der Schauplatz auch stimmt, z.B. ein Krimi, der in München spielt, darf ruhig viel Dialekt enthalten, da passt es schliesslich gut hin. Aber in einem Fantasyroman? Niemals.

Ich bin Schweizerin und spreche ich 3 von 26 Dialekten (mindestens!), die sich jedoch vermischt haben und der Zürcher Dialekt dominiert leider ganz schön. Lustigerweise verstehen wir uns untereinander manchmal selbst nicht, was dann zu abstrusen Wortwechseln und Missverständnissen führt  ;D
Wir schreiben zum Teil auch Dialekt, jedenfalls die unter 30-jährigen. SMS, E-Mail, Notizgekritzel. Alles andere natürlich in Hochdeutsch, wobei sich da öfters die berüchtigten Helvetism reinschleichen (z.B. Velo statt Fahrrad, Spital statt Krankenhaus, tönen statt klingen ect ect.)


Hm... ich müsste mal eine meiner Kurzgeschichten in Dialekt übersetzen. Wär bestimmt lustig zu lesen  ;D
Titel: Re: Dialekte
Beitrag von: RockSheep am 23. September 2013, 20:19:46
Hallo zusammen.
Aus aktuellem Anlass würde ich dieses Thema hier gerne aus der Versenkung holen.
In meinem NaNo-Roman verlässt der Protagonist das erste Mal sein ländliches Tal und wird schon in der ersten Taverne als Fremder abgestempelt, weil man es deutlich an seinem Dialekt hört.
Nun stellt sich die Frage, wie setze ich das um? Ich bin eigentlich der selben Meinung, wie die meisten hier, und finde es absolut unschön, Dialekt zu lesen/schreiben. Wie könnte ich das sonst verdeutlichen? Es einfach als Beschreibung erwähnen? Oder gibt es da vielleicht andere Möglichkeiten?
Titel: Re: Dialekte
Beitrag von: Sprotte am 23. September 2013, 20:21:21
Ich würde es beschreiben, vielleicht, daß die Figur sich ihres Dialekts im Vergleich zu der Aussprache der anderen bewußt wird, daß diese z.B. keine Endsilben verschlucken.
Titel: Re: Dialekte
Beitrag von: Berjosa am 23. September 2013, 20:40:06
Lass ihn zwei, drei Sätze im Dialekt sagen, den Rest der Welt drüber lachen und blöde Bemerkungen machen, und von da an wird definiert, dass er sich Mühe gibt und weitgehend verstanden wird. Das sollte reichen, um die Situation deutlich zu machen, und keine Leser verständnislos zurücklassen.

Wenn du willst, kannst du vielleicht später eine kurze Erinnerung daran einbauen, dass er in den Ohren der anderen doch noch nicht perfekt spricht. Er könnte z.B. bei einer wichtigen, offiziellen Gelegenheit etwas sagen müssen und aufgeregt sein, ob er alles richtig herausbringt. Eventuell haut er bei dem einen oder anderen Laut tatsächlich daneben.
Oder er erwischt ein Wort aus der Kategorie "Gibt es diese Wörter eigentlich überall?", das es in der Gegend, wo er sich gerade aufhält, eben nicht gibt oder etwas ganz anderes bedeutet.

Titel: Re: Dialekte
Beitrag von: RockSheep am 04. Oktober 2013, 08:05:11
Danke für die Tipps!

Ich denke ich werde es in etwa so handhaben, wie ihr sagt. In der bestimmten Szene vielleicht ein paar Dinge einbauen, die dem Leser auch auffallen und danach beschreibend weiterfahren. Und dann halt immer wieder ein paar Worte einflechten, die es nur in bestimmten Gegenden gibt.
Ich seh schon, ich muss mir wohl das Buch zulegen, dass meine ehemaliger Schulrektor geschrieben hat: Ein Wörterbucht für den Dialekt, der bei uns gesporchen wird ;)