Hallo,
eigentlich steht meine Frage schon im Betreff drin. Wie viel km kann man auf einem Pferd am Tag zurücklegen? Dabei interessieren mich auch verschiedene Stufen, z. B.: gemütlicher Tagesritt mit einigen Butterbrot-Pausen,
auf der Flucht vor einer großen Horde Orks
oder andere Stufen der Schnelligkeit des Tagesritts.
Auch wichtig ist für mich, inwiefern sich die Jahreszeit auf das Pferd auswirkt.
Ich hoffe, ich habe meine Frage einigermaßen verständlich formuliert und dass ihr mir helfen könnt.
Miltan Stil
Jahreszeit - nicht nennenswert. Im Winter, bremst eher das kurze Tageslicht und ggfs. Scheewehen. Im Hochsommer kann die Hitze ein leistungsbegrenzender Faktor werden.
Viel entscheidender ist, wie lange und wo du unterwegs sein willst, was du dabei hast und wie fit das Pferd ist.
Untrainiertes Pferd (wenn man Spätfolgen verhindern will) max. 20 bis 25 km, an einem Tag. Danach Pause.
Trainiertes Pferd:
Mehrwöchiger Wanderritt mit Gepäck in Mittelgebrigslandschaft: ca. 35 bis 40 km/Tag.
Im Hochgebirge: max. 25 km/Tag
In der Ebene 50 km/Tag.
Spitzenleistung an einem Tag (wenn das Pferd danach ausruhen kann und mit leichtem Gepäck) 160 km/Tag. (Das ist die Strecke des Hochleistungs- "Pferdemarathons".)
Dankeschön. Beziehen sich die Angaben zum trainierten Pferd auf einen gemütlichen oder auf einen zügig schnellen Ritt?
Man muss auch ein wenig den Reiter berücksichtigen, der im Sattel sitzt. Ist der Reiter reiten gewohnt, oder ist er unerfahren? Denn dann variieren die Distanz und die Geschwindigkeit, die ein Pferd zurücklegen bzw. seinem Reiter zumuten kann, doch nicht unerheblich. Nicht umsonst legt man im Sattel nur unwesentlich mehr Kilometer als zu Fuß zurück, will man Pferd und Hintern schonen. Nur hat man eben die Möglichkeit, mehr Gepäck mit sich zu führen und Füße und Rücken (in Bezug auf die Last des Gepäcks) zu entlasten.
In meinem Fantasy-Projekt ist eine Reise per Pferd eher ungewöhnlich, meist reist man mit einem Ochsenkarren oder auf Schusters Rappen, also "realistischer" als die Geschichten, in der ein Pferd einem vierbeinigen Auto gleichgesetzt wird und in Kamerafahrten über malerische Ebenen grundsätzlich im Galopp gejagt wird ...
Zitat von: Stefan am 01. Juni 2008, 12:33:57In meinem Fantasy-Projekt ist eine Reise per Pferd eher ungewöhnlich, meist reist man mit einem Ochsenkarren oder auf Schusters Rappen, also "realistischer" als die Geschichten, in der ein Pferd einem vierbeinigen Auto gleichgesetzt wird und in Kamerafahrten über malerische Ebenen grundsätzlich im Galopp gejagt wird ...
Bei mir wird ausschließlich zu Fuß, allenfalls zu Schiff gereist. Händler laufen auch neben ihren Pferden her, da kein Platz mehr auf den Tieren ist. ;)
Ich muss Stefan zustimmen, wenn der Reiter unerfahren ist, kannst du ihn nicht einen Tag lang über 40 km auf einem Pferd sitzen lassen. Ich war schon nach einer Stunde Reiterei erschöpft und mir tat der Hintern weh. Ich reite aber auch nicht regelmäßig bzw. nie.
Du solltest eben schauen, wie das Verhältnis des Trainings bei Reiter und Pferd ist. Und natürlich, für was du das Gereite brauchst. Ist er auf der Flucht, oder reist er nur so (sprich, hat Zeit)?
Nun, die ganze Zeit auf dem Pferderücken dem Wind hinterherjagen sollen meine Helden auch nicht... Nur möchte ich wenigstens Richtwerte haben, was denn so ein Pferd schafft.
Somit danke ich euch für eure Antworten, das war genau das, was ich gesucht habe!
Also da muss ich mich doch noch mal kurz einmischen! Solltest du Wert auf Details legen erwähne auf jeden Fall einen gemütlichen Sattel, der gut gepolstert ist. Denn wenn du so einen normalen Sattel vewendest den du z.B. bei den Reitern im Fernsehn siehst, wird deine Romanfigur nach einem Tagesritt kein Sitzflesich mehr haben! Ich spreche da aus eigener Erfahrung :rofl:
Worum gehst denn in deinem Roman? Hast du irgendwo eine Zusammenfassung
LG das Finsterchen
Zitat von: Mrs.Finster am 01. Juni 2008, 15:16:16
Worum gehst denn in deinem Roman? Hast du irgendwo eine Zusammenfassung
OT ein:
In dem Zusammenhang möchte ich mal ganz schnell auf diesen Thread hinweisen:
http://forum.tintenzirkel.de/index.php?topic=901.0 (http://forum.tintenzirkel.de/index.php?topic=901.0)
Auch wenn er zugegebenermaßen schon sehr weit in der Versenkung verschwunden ist, hindert euch niemand daran, ihn wieder auszugraben und eure Projekte dort vorzustellen ;)
OT aus.
@Mrs.Finster
Leider habe ich noch keine genaue Zusammenfassung, da ich selbst noch nicht weiß, wohin mich meine Geschichte überhaupt führt.
Aber ich muss doch wissen, wie lange die Elfenbotschafter brauchen könnten, wenn sie mehr oder minder wichtige Botschaften zu Pferd überliefern. Da meine Elfen magische Wesen sind, sind meiner Geschichte bezüglich der Glaubwürdigkeit des Pferdemarsches nur gewisse Richtwerte gesetzt, nicht aber Grenzen, die in unserer irdischen Welt gesetzt sind.
Das gibt der Angelegenheit noch einen anderen Aspekt:
Wenn es sich um wichtige Nachrichten handelt, könnte es auf dem Weg auch Stationen zum Pferdewechsel geben, um die Geschwindigkeit zu verbessern. Geübte Reiter sollten die Boten ja dann auf jeden Fall sein.
Das stimmt, das ist wirklich ein interessanter Aspekt! Ich werde mir da schon was überlegen, wenn ich an der Stelle in meinem Roman ankomme.
Danke für diese Erweiterung.
Solche Stationen mit Staffetten für Botschaften gabs schon mehrfach. Die mongolen habe auf die Art bis zu 360 km/d geschafft. Die sind dann allerdings tatsächlich 2 std. lang galoppiert, haben dann das Pferd gewechslet und sind wieter galoppiert.
Hat man nur ein Pferd zur Verfügung und Gepäck dabei reitet man weit überwiegend Schritt und nur gelegentlich zu mAuflockern etwas Trab. Galopp besser gar nicht, weil das Gepäck dazu neigt, sich da selbstständig zu machen.
Distanzpferde (die Marrathonläufer) werden bei nem Hundertmeiler übverwiegend getrabt.
Was die Sattelbequemlichkeit angeht - alles Gewöhnungssache. Nur wenn der Sattel anatomisch überhaupt nicht zum Reiter passt gibts Probleme. Wesntlich häufiger sind aber Probleme beim Pferd. Wenn der Sattel nicht wirklich optimal passt gibts bei mehrstündigen Ritten rasend schnell Satteldruck.
Auf dieser Webseite http://ssma_g-j.tripod.com/id8.html (http://ssma_g-j.tripod.com/id8.html) ist zu lesen, daß amerikanische Mustangs durchaus durchschnittlich mehr als 40 Meilen (entspricht über 60 km) am Tag schafften, und das über eine größere Distanz und mehrere Tage durchhielten, ohne hinterher in besonders schlechter Form zu sein.
@FeeamPC, das finde ich durchaus glaubhaft.
Mein eigener Wanderreit-Rekord liegt bei Tagesetappen zwischen 45 und 65 km in durchaus nicht unanstrengenden dt. Mittelgebirgen (Bergisches Land, Sauerland, Rothaargebirge.. Leider lag die route Quer zum Verlauf der Höhenzüge) über 12 Tage mit 1 Pausentag in der Mitte. Die Pferde habens gut überstanden. Für uns Reiter wars aber grenzwertig anstrengend. Nicht unbedingt weiterzuempfehlen. ;)
Da kann ich mich doch gleich noch mit ner Frage an die Reiterfraktion anhängen...
Auf dieser Seite
http://www.payer.de/entwicklung/entw084.htm
ist unten eine Tabelle Elefant/Ochse/Esel/Mautier/Pferd als Lasttiere.
Daraus kann man doch schließen, dass ein Maultier auf langen Strecken gnadenlos schneller ist. :o
Aber warum reiten die Helden dann immer Pferde und nur die Diener Maultiere? ::)
@Churke,
Maultieren sagt man nicht zu Unrecht eine gewisser Dickschädeligkeit nach, die sie erheblich schwerer trainierbar macht, als Pferde. Pferde sind natürlich auch prestigeträchtiger als Maultiere. Außerdem meist auch etwas größer, auf der Kurzstrecke und mittelstrecke mit leichter Last auch schneller. Als Tragtiere und im unwegsamen Gelände sind die Mulis allerdings im Vorteil (weswegen sie als Saumtiere bei den Gebrigsjägern u. ä. sehr beliebt waren/sind.
Trotzdem gibt es Helden, die Maultiere reiten (Sam Hawkins z. B.) ;)
Zitat von: felis am 01. Juni 2008, 22:22:08
Hat man nur ein Pferd zur Verfügung und Gepäck dabei reitet man weit überwiegend Schritt und nur gelegentlich zu mAuflockern etwas Trab. Galopp besser gar nicht, weil das Gepäck dazu neigt, sich da selbstständig zu machen.
Zu diesem Thema kann ich leider überhaupt nichts beitragen, da ich mich mit Pferden gar nicht auskenne.
Aber eine zusätzliche Frage taucht bei mir gleich auf, die mir felis vielleicht beantworten kann? Du hast Schritt, Trab und Galopp erwähnt. Sind das 3 grundsätzlich verwendbare Definition für die Laufart/Laufgeschwindigkeit eines Pferdes?
Also das Pferd reitet Schritt, d.h. dann dass es langsam unterwegs ist?
Bitte verzeiht meine Unwissenheit!
Hier wird ganz ordentlich erklärt, was diese Gangarten sind:
http://de.wikipedia.org/wiki/Pferdegangart (http://de.wikipedia.org/wiki/Pferdegangart)
Ich hoffe, das trifft die Fragestellung.
@Frankensteyn, das Pferd reitet (hoffentlich gar nicht. ;D Das tut der Reiter.
Das Pferd geht entweder Schritt (die langsamste Gangart,ca. 5 - 6 km/h, ein Viertakt)
oder es geht Trab/ trabt. (mittelschnell ca. 12 - 15 km/h, ein 2Takt)
oder es geht Galopp/gallopiert - schnellste Gangart, Dreitakt - Spurtgeschwindigkeiten bis 60 km/h möglich, aber überhaupt keine Reisegangart. Die Western, in denen ewig galoppiert wird, sind völliger Blödsinn. Würde in Wirklichkeit kein Mensch machen, weil die Pferde zu schnell ermüden.
DAs Problem an den Mulis ist eben auch, dass man mit denen z.B. nicht so gut kämpfen könnte, weil das Muli keine Lust hat, sich für seinen Reiter zu opfern, dazu ist es viel zu intelligent. Also würde der Her Ritter gezwungen werden seine Rüstung selber zu tragen und das kann man ja nicht machen. Außerdem sind Pferde wesentlich größer, das heißt, auch ein sehr großer Mensch schleift die Füße nicht am Boden, wenn das Pferd schnell unterwegs ist, weil im Galopp geht der Bauch doch ziemlich weit in Bodennähe. Und durch ihre Größe sind Pferde deutlich bequemer zu sitzen, als Mulis, die sehr viel abgehackter gehen.
Um die Sache noch etwas vewirrender zu machen. Pferde sind zwar die vielseitigeren Tiere, wenn es um den Transport von Lasten pro Einzeltier geht. Aber sie sind sehr anfällig auf langen Strecken und ermüden entsprechend schnell. Das Säugetier, dass die längste Strecke am Stück zurück legen kann, ist der Husky (vor allem der Sibirische Husky und der Alaskan Malamute). Beim Yukon Quest in Alaska legen sie 1.600 Kilometer in zehn bis 14 Tagen zurück. Mit ein paar hundert Kilo Gepäck und einem Führer als Ballast (sie könnten also viel schneller sein!) Bei Minus 30 Grad und bis zu 150 km/h Wind. Ein trainierter Husky kann 80 Kilometer am Stück laufen, ohne Pause. Das schafft kein Pferd. Das einzige Tier mit vergleichbarer Ausdauerleistung ist der Mensch, aber wie würden bei den Minusgraden keine zehn Kilometer rennen, ohne an Überhitzung zu sterben. (kurios, nicht wahr?)
Also setzt deinen Elfen auf einen Wolf (die sind nahe Verwandte und nicht annähernd so ausdauernd wie ein Husky, aber immer noch besser als ein Pferd). Erinnert dann natürlich an Prinzessin Mononoke...
Hallo!
Habe auch eine Frage zur Ausdauer von Pferden.
Wusste gar nicht das Pferde im Galopp 60 km/h erreichen.
Aber wie lange kann ein (Normales ) Reitpferd am Stück Galoppieren bevor es zusammen bricht? 10km? weniger? mehr? Bestimmt keine 60km am Stück ohne Pause ?
Man kennt doch den Satz ein Pferd zu Tode bzw. zu Schanden reiten.
Gruß Juni
Zitat von: Blake am 22. August 2008, 13:15:10
Ein trainierter Husky kann 80 Kilometer am Stück laufen, ohne Pause. Das schafft kein Pferd.
Sorry, Blake, aber da muss ich Dir widersprechen - die Königsdisziplin im Distanzreiten ist der Hundertmeiler - one hundred miles in one day. Das sind 160 Kilometer - eine Distanz, die auch heutzutage noch auf (hervorragend trainierten) Pferden geritten wird. Eine Strecke von 50 - 90 km gilt gerade mal als "Mittlere Distanz". Einzige Einschränkung bei den Ritten: Das Pferd wird auf verschiedenen Streckenabschnitten immer wieder von Tierärzten kontrolliert - es geht also nicht mehr darum, die Strecken nur möglichst schnell hinter sich zu bringen, sondern die Leistung auch im Sinne des Pferdes zu absolvieren. Bei der preußischen Kavallerie war das noch anders ...
Einzig unter Extrembedingungen können Pferde diese Leistung nicht erbringen - dazu gehören tiefe Minusgrade (in der Arktis haben Hunde dann tatsächlich Vorteile), oder extrem schlechtes Gelände (hohe Berge, etc). das Temperaturoptimum eines Pferdes liegt übrigens zwischen +10 und -15 Grad Celsius, d.h. das ist der Bereich, in dem das Pferd keine zusätzliche Stoffwechselleistung erbringen muss, um die Umgebungstemperatur auszugleichen (Bei scharfem Wind verschiebt sich die ganze Sache wieder ein wenig, aber das würde jetzt wohl zu weil führen ... ;) )
@ Junipera: 60 km/h schaffen nur Rennpferde auf kurzen Strecken (etwa eine Viertelmeile) - und das mit so wenig Gewicht wie möglich.
10 Kilometer am Stück zu galoppieren sind aber (im moderaten Tempo) für ein gesundes, halbwegs trainiertes Pferd kein Problem - danach wird es langsam haariger. Der berühmte "Pony-Express" im Wilden Westen hatte seine Stationen in Abstand von etwa 15-20 Kilometern - dass sehe ich damit als realistische Distanz an, die man ein Pferd im vollen Tempo laufen lassen kann, ohne es dabei Zuschanden zu reiten. Für längere Distanzen muss es dann entweder langsamer angehen lassen, oder zwischendurch Pause machen (aber dann kann man auch gleich langsamer reiten), oder man muss das Pferd wechseln.
Liebe Grüße,
Julia
@Julia
Sozusagen der Widerspruch zum Widerspruch. Ein Husky läuft sein Maximaltempo über 80 Kilometer, da war ich vielleicht ein wenig ungenau. Ich kenne mich zwar nicht so gut mit Pferden aus, aber vertraue hier den Posts, dass ein Pferd nicht wirklich lang im Galopp unterwegs sein kann. (Ich habe einen Husky und wenn ich mit dem unterwegs bin schaut er mich jedesmal vorwurfsvoll an, wenn ich stehen bleibe. Undankbarer Köter!)
@ Blake: Dann hast Du Recht, denn das mit dem Maximaltempo bei Huskys wußte ich nicht. Pferde müssen zwischendurch tatsächlich immer mal wieder eine langsamere Gangart einlegen ...
... etwas OT: Und manche Pferde galoppieren freiwillig gerade mal 200 Meter, dann bleiben sie wieder stehen. So wie mein fauler Isländer. Warum rennen, wenn man auch hübsch langsam gehen kann? *grrr*
Vielleicht sollte ich ihn mal mit Deinem Husky bekanntmachen ... *OTwiederaus*
Liebe Grüße,
Julia
@Blake, dass der Husky sein Maximal-Tempo über 80 km läuft kaufe ich dir schlicht nicht ab.
Auch ein Husky ist vermute ich mal, in der Lage zwischen schnellem Spurt und ausdauernder Langstrecke zu unterscheiden.
Bei Pferden gibts da Spezialisten (wie bei Menschen, nebenbei bemerkt, auch.)
Quarter Horses sind die schnellsten Pferde auf der Kurzstrecke, aber für Langstreckenrennen bekanntermaßen ungeeignet. Typische Distanzpferde, wie Araber erreichen bei weitem nicht so hohe Endgeschwindigkeiten wie die Quarters, können eine geringere Geschwindigkeit aber sehr viel länger durchhalten. Das hat was mit der Muskulaturzusammensetzung zu tun. auch ein Araber kann eine Spurt einlegen, der schneller als sein Distanztempo auf der Langstrecke ist.
Dass ein gut trainiertes Pferd bis zu 160 km am Stück schafft, hatte Julia schon erwähnt. Allerdings ist das wie beim Marathon-Lauf bei Menschen: Solche Spitzenleistungen kann es nur alle paar Wochen mal bringen. Distanzreiter planen ihre Wettkampfsaison sorgfältig um wenige Jahreshöhepunkte und reitern pro Jahr nur eine Handvoll 100Meiler.
Wie ist das beim Husky? Schafft der über mehrere Tage hinweg 80 km oder ist das auch nur eine momentane Spitzenleistung.
Im Vergleich machst du übrigends noch ein Fehler: du erwähnst die Zugleistung. Diese ist bei (Kutzschpferden) ebenfalls weitaus höher, als das was sie auf ihrem Rücken spazieren tragen können.
LG
Felis, deren alter "Rennzossen" schnelle lange Ritte liebt. ;)
Zitat von: Julia am 22. August 2008, 19:50:01... etwas OT: Und manche Pferde galoppieren freiwillig gerade mal 200 Meter, dann bleiben sie wieder stehen. So wie mein fauler Isländer. Warum rennen, wenn man auch hübsch langsam gehen kann? *grrr*
Haha, so ein Pferd kannte ich auch mal. Das war ein Friese. Ein lieber Kerl und sehr dekorativ anzuschauen, aber zum Reiten ziemlich mühsam. :)
Nach meiner Erfahrung spielt es auch ein Rolle, wie gut das Tier "gefedert" ist. Ich kenne Pferde, da sitzt man auch im Trab, wie auf einem Schaukelpferd und andere, da wird man bei jedem Schritt zusammengestaucht, daß einem schon nach ein paar hundert Metern das Kreuz weh tut.
@Felis
Glaube mir das ruhig. Huskys besitzen einige über Jahrtausende gezüchtete Besonderheiten. So haben sie von allen Säugetieren im Vergleich zum Körper das größte Herz. Ihre Muskulatur verbraucht relativ wenig Sauerstoff und ihr ganzer Stoffwechsel ist darauf ausgelegt, weit und schnell zu laufen. (Da sieht man die im Vergleich zu unseren "normalen" Haushunden engere Verwandschaft zu Wölfen. Die Rudel verfolgen ihre Beute teilweise über Tage und Nächte.) Aber natürlich gibt es auch Huskys, die zum Rennen schlichtweg ungeeignet sind. Wir hatten mal ein Weibchen, das bewegte sich so gern wie ein Bettvorleger. Außerdem sind Höchstleistungen im Tierbereich nicht so ungewöhnlich. Eisbären schwimmen über 65 km, Mauersegler verbringen ihr ganzes Leben in der Luft (von der kurzen Nestzeit und dem Brutzeitraum mal abgesehen), Spinnen weben 60 Meter Seide in einer Stunde usw. Huskys sind nunmal spezialisiert und sozusagen Rennwagen auf vier Beinen.
@Blake, klingt ja faszinierend. Ich hab mir immer einen Husky gewünscht, wil ich die so hübsch finde, aber ich fürchte ich könnte so einen Hund nicht im geringsten auslasten.
Zitateim Yukon Quest in Alaska legen sie 1.600 Kilometer in zehn bis 14 Tagen zurück. Mit ein paar hundert Kilo Gepäck und einem Führer als Ballast
Die Last verteilt sich doch aber auf wieviele? Hunde im Gespann.
Einen direkten Vergleich mit Pferdeschlitten kebnn ich jetzt leider nicht, weil hierzulande im Regelfall zu wenig Schnee liegt, aber mit Kutschen ziehen Pferde auch ein vielfaches ihres Eigengewichts über nicht unerhebliche Strecken, sofern das geläuf es hergibt. Ich nehme mal an, die durchscbittliche zugleistung der Hunde hängt auch nicht unerheblich von der Qualität des Untergrundes ab?
Zitat von: Blake am 23. August 2008, 10:41:34
Huskys besitzen einige über Jahrtausende gezüchtete Besonderheiten. So haben sie von allen Säugetieren im Vergleich zum Körper das größte Herz. Ihre Muskulatur verbraucht relativ wenig Sauerstoff und ihr ganzer Stoffwechsel ist darauf ausgelegt, weit und schnell zu laufen. (Da sieht man die im Vergleich zu unseren "normalen" Haushunden engere Verwandschaft zu Wölfen.)
Was nu? Sind die Eigenschaften nun gezüchtet oder sind sie nah an den Wölfen? ???
Beides! :vibes: Wozu dient denn Zucht? Um vorhandene Merkmale zu verstärken und weniger gewünschte zu verringern. Huskys haben zum Beispiel gegenüber Menschen eine Beißhemmung entwickelt, was sie ungeheuer friedlich macht, obwohl sie ein starkes Scherengebiss haben (was ein Merkmal für einen Kampfhund ist). Sie sind genetisch nah an den Wölfen dran, nicht nur phänotypisch (vom Aussehen her). Was aber so nicht viel heißen mag. Wir Menschen sind schließlich nahe Verwandte der Affenarten, wenn wir uns auch vor Millionen Jahren abgespalten haben, so unterscheiden wir uns genetisch kaum voneinander. :buch:
Und Hunde lassen sich sehr leicht in bestimmte Richtungen züchten. Schaut euch mal ein Hundebuch an, da sind manche Arten kaum hundert Jahre anerkannt und die Vorfahren sehen ganz anders aus. Ein besseres Beispiel sind hier Perserkatzen, die vor knapp hundert Jahren normale Nasen und kein so langes Fell besaßen.
Zitat von: Tenryu am 23. August 2008, 05:10:54
Nach meiner Erfahrung spielt es auch ein Rolle, wie gut das Tier "gefedert" ist. Ich kenne Pferde, da sitzt man auch im Trab, wie auf einem Schaukelpferd und andere, da wird man bei jedem Schritt zusammengestaucht, daß einem schon nach ein paar hundert Metern das Kreuz weh tut.
Deshalb bin ich zum Isländer gekommen. Neben dem superbequemen Tölt hat er auch noch einen sehr angenehmen Vierschlag-Galopp (böser, böser Taktfehler ;D ), der sich wie Schaukelstuhl sitzen läßt - wenn er denn mal freiwillig galoppiert.
Vielleicht wäre ein Gangpferd (für die Nicht-Pferdeleute: im Mittelalter hießen sie "Zelter") sowieso die bessere Wahl für eine längere Reisestrecke (auch im Fantasyroman). Ich meine, wer will schon 40 Kilometer leichttraben? Obwohl - bei den Männern gibt das dann immer diesen ganz besonderen John-Wayne-Gang, wenn sie später absteigen ;D ;D ;D
@Julia, hättest du wie ich einen Tennessee Walker genommen - die laufen lieber als dein Isi. ;)
Finde auch: in einen ordentlich recherchierten Fantasyroman gehören einfach Gangpferde. (In guten Western gibts die übrigends gelegentlich!) ;D
Obwohl ich auch einmal eine extrem bequem joggende Morgan-Stute mein Eigen nannte. (Für nicht - Fachleute: Jog ist der langsame, relativ schwunglose und flache aber sehr bequem zu sitzende Trab der Westernpferde). Da braucht man dann auch nicht mehr unbedingt ein Gangpferd.
Apaloosa-Pferde haben auch einen angenehmen Gang und sie sind sehr trittsicher. Aber leider sehen sie nicht so hübsch aus mit ihren kurzen dünnen Mähnen und den unregelmäßigen Fellzeichnungen.
Zitat von: felis am 23. August 2008, 21:44:10
@Julia, hättest du wie ich einen Tennessee Walker genommen - die laufen lieber als dein Isi. ;)
Ein TWH wäre aber schon sehr ungewöhnlich in einem Fantasyroman ;D
Liebe Grüße,
Julia
P.S.: @Tenryu: Schönheit liegt im Auge des Betrachters. ;) :D
Hm, bei mir ist die Frage eher anders herum - nicht wie weit kommt man mit einem Pferd, sondern eigentlich, wie groß ist die Entfernung, wenn man mit gut trainierten Pferden rund 6 Wochen reitet. Wobei ich keinen Spaziergang meine, aber auch keine Treibjagd.
Ich kann immer so furchtbar schlecht Distanzen abschätzen, weiß aber, dass ich meinen Typen maximal 6 Wochen Reisezeit zugegestehen kann, wobei sie ein paar Tage Ruhezeit eingeplant haben, wenn sie ihr Besuchsziel erreicht haben und bevor sie wieder nach Hause reiten. Und ich muss ja mal irgendwann überlegen, wo eigentlich die blöde Hauptstadt von Vatachan liegt, deren Namen ich auch immer noch nicht kenne.
@Julia: Muss ja nicht so heißen, nur so sein, wie ein TWH! ;)
@Tenryu: Mag sein, dass sie nicht so hübsch sind, aber ich finde die Flecken einfach lustig - hebt sie ein wenig von den anderen Rassen ab. :)
Hm, ich träume immer noch von der Oldenburgerstute, die ich mal eine zeitlang reiten durfte. Nur, ich kam gar nicht allein drauf, weil die Gute so groß war. Aber einfach nur ein tolles Tier!
Große Pferde sind unpraktisch. Da fällt man so tief... :seufz:
Dafür kommen sie mit einem Schritt weiter als ein Pony mit 5! ;D
:psssst: Im Wald sollte man vorsichtig sein und sich häufiger ducken, aber das lernt man mit der Zeit - und wenn nicht ...
Auf einem Pony habe ich mich immer gefühlt wie auf Nähmaschine. tak-tak-tak-tak-tak in schnellem Rhythmus. Die Große hatte schöne, ruhige, raumgreifende Gänge. Herrlich!
Zitat von: Winterkind am 24. August 2008, 14:16:51
Dafür kommen sie mit einem Schritt weiter als ein Pony mit 5! ;D
Ha, du kennst meinen Isländer nicht - das ist zwar kein Galopper, aber ein "Schreiter". Der hält locker mit meiner Hannoveranerin mit im Schritt ;D
Und was das taktaktak anbetrifft - dafür hat man ja schließlich ein Gangpferd. Meine Große übt sich übrigens auch im Tölten, wenn sie mal einen guten Tag hat. Das sieht beim Hannoveraner schon etwas ungewöhnlich aus ...
Ja, meine nur 1,48 m große Walkerin hält auch mühelos mit jedem Warmblut mit (sie schummelt einfach mit ihrem Autpomatikgetriebe ;D)
Alles nix gegen einen ordentlichen Shirehorsehengst in Schlachtenpanzerung :jau:
Zitat von: Solatar am 25. August 2008, 14:31:47
Alles nix gegen einen ordentlichen Shirehorsehengst in Schlachtenpanzerung :jau:
Jo, wohl wahr ... ich habe letztes Jahr auf der Appassionata eine Friesenhengst (leider ohne Schlachtenpanzerung) gesehen, der steigenderweise auf den Hinterbeinen vorwärts sprang (ich weiß nur gerade nicht, wie der korrekte Ausdruck der Hohen Schule dazu heißt). Das Ganze hat er bestimmt über zehn, fünfzehn Meter durchgehalten - wow, was für ein Anblick (wenn man nicht gerade direkt davor steht :gähn: ).
Allerdings haben diese schwer gepanzerte Geschütze einen Nachteil (okay, mehr die Reiter, weniger die Pferde): Wenn unten, dann unten. Ein Ritter, der erst mal vom Pferd gefallen ist, liegt meist wie ein Käfer auf dem Rücken und ist völlig hilflos (würde mir aber auch so gehen bei einem Zentner Panzerung ;D ).
... okayokay, ich hör ja schon wieder auf mit der Besserwisserei ... ;)
Liebe Grüße,
Julia
@Julia: Courbette
@Solatar, nur dass der Shire in Schlachtenpanzerung leider völlig unauthentisch ist.
Der durchschnittlich 1,65 m große MA-Mann hätte ihn wohl auch gar nicht erst erklimmen können, in Rüstung ;D
klugscheißmodus aus
@felis und julia
ich gebe Euch ja recht... aber wir sind hier ein Fantasyforum und so ein Riesenoschipferd in Schlachtenpanzerung auf den Hinterbeinen mit den Vorderhufen ausschlagend, bei Gewittersturm vor Gebirgskulisse und einem schwertschwingenden Hünen in schwarz glänzender Rüstung auf dem Rücken wirkt nun einmal mehr als ein 1,65 m großer Held auf einem Shetland Pony, auch wenn er am Ende weniger tief fallen sollte und wer will schon sehen, wie sich ein solch gigantischer Recke auf den Pferderücken müht??? Ich nicht... im Zweifel ist er dort angewachsen, wenn es Autors Wille ist ;D
Zitatund wer will schon sehen, wie sich ein solch gigantischer Recke auf den Pferderücken müht???
Als Bestandteil einer Fantasy-Persiflage stell ich mir dieses Szenario durchaus rizvoll vor... ;D
@felis
ähm... ja. Für eine Persiflage, ok. :hmhm?:
Nun ja, bevor das Thema Hund/Pferd in den Einzelfällen erstickt und "alles relativ" wird, sollte man doch den wesentlichen Punkt festhalten: Im Gegensatz zu Hund und auch Mensch sind Pferde von Natur aus keine Distanzläufer. Pferde können lange Strecken langsam wandern, und kurze Strecken rennen. Sowohl Hunde/Wölfe wie auch Menschen sind dahingehend optimiert, dass sie lange Strecken im Laufschritt zurücklegen können.
Natürlich kann man durch Zucht auch Pferde auf Langstrecke optimieren, natürlich können Pferd, Mensch und Hund durch individuelles Training dazu gebracht werden, dass man ihnen ihre naturgegebenen Vorzüge und Schwächen auf den ersten Blick nicht mehr anmerkt. Ich denke mal, für die meisten modernen Menschen trifft heute eher Ersteres zu ;)
Aber die Natur gibt doch die Tendenzen vor. Und wenn man realistisch bleiben möchte, sollte man das zumindest auch darstellen - also beispielsweise deutlich machen, dass man ein Pferd bei einer Höchstgeschwindigkeit-Ausdauerleistung nicht einfach nur "laufen lässt", sondern dass die Betreuung des Reittiers für den Reiter quasi zur Hauptaufgabe wird - sowohl was die Führung betrifft, wie auch die Versorgung und die Pflege.
Und das ein auf Ausdauer optimierter Hund mehr schafft als ein auf Ausdauer optimiertes Pferd, kommt vor dem Hintergrund eigentlich auch nicht überraschend.
Auch darf man nicht vergessen, daß Pferde bei solchen Ausdauerleistungen leicht verdauliches Kraftfutter benötigen, das man (wenn man es nicht unterwegs kaufen kann) mitführen muß, was natürlich auch nicht unbegrenzt möglich ist.
@Tenryu, Kraftfutter wird überschätzt. Unsere einheimischen Warmblutrassen verbrauchen vergleichsweise viel davon. Die meisten Arbeitspferderassen brauchen ungleich weniger. Bei den argentinischen Criollos z. B. gibt es eine Leistungsprüfung in der die ein einwöchiges Distanzrennen zurücklegen müssen, ohne einen einzigegen Krümel Kraftfutter zu bekommen.
Ich hab noch mal im Wikipedia geschaut. Wenn ich richtig gesehen habe bedeutet ein Tagesritt 40 Meilen, wenn ich die richtige Umrechnung genommen habe, sind das etwa 65 km. Klingt irgendwie nicht so viel. (Nach heutigen Verhältnissen mit Auto...)
Aber immerhin, vier Wochen Ritt sind doch immerhin 1800 km. Komisch, ich hatte meine Länder für größer gehalten, na, muss wohl alles ein wenig mehr zusammen rutschen.
Zitat von: Winterkind am 02. September 2008, 20:27:21Aber immerhin, vier Wochen Ritt sind doch immerhin 1800 km. Komisch, ich hatte meine Länder für größer gehalten
Ja, aber vergiss nicht, dass Pferde nicht fliegen - also nicht einfach 65km/1800km mit dem Lineal in Luftlinie auf der Karte abmessen. Je nach Terrain können die Straßenkilometer in Luftlinie umgerechnet ganz erheblich weniger werden.
Hi, Lomax!
Ist schon klar. Ist ja nicht alles optimiert glatte Rennstrecke. Abgesehen davon dürfte es eine ordentliche Tortour sein, über Wochen jeden Tag so lange im Sattel zu sitzen. Ob man da nicht mal einen Ruhetag einlegt? Oder ein paar Kilometer früher anhält, weil man gerade ein Gasthaus vor sich hat, so dass man ein wenig komfortabler rasten kann, oder mal ein Zwischenfall hat, der einen aufhält...
Ich muss wohl meine Hauptstädte etwas näher zusammenbringen. Aber auch 1000km sind ja schon eine ordentliche Strecke.