Tintenzirkel - das Fantasyautor:innenforum

Handwerkliches => Workshop => Thema gestartet von: PinkPuma am 18. Dezember 2015, 10:11:03

Titel: Wenn eure Geschichten euch zum Weinen bringen
Beitrag von: PinkPuma am 18. Dezember 2015, 10:11:03
Liebe Zirkler,

aus gegebenem Anlass musste ich einfach diesen Threat eröffnen, weil mich eure Erfahrungen sehr interessieren.

Es ist sicher keine Seltenheit, dass Bücher einen zu Tränen rühren. Ich jedenfalls habe das ein oder andere Exemplar im Regal, bei dem ich einfach weinen musste – egal ob aus Rührung oder weil es so traurig und schmerzlich schön war. Wie aber sieht es bei den eigenen Texten aus?

Ich bin normalerweise relativ hart im Nehmen, was das Schicksal meiner eigenen Figuren angeht. Tränen haben sie mir bislang nie in die Augen getrieben, vielleicht allein deswegen, weil ich als Autor ja weiß, wie es ausgehen wird. Naja, aber ich bringe auch ab und an Figuren um – auch das macht mir eigentlich nichts aus.

Momentan schreibe ich aber meinen diesjährigen NaNo-Roman fertig und muss gestehen, dass ich schon mehr als einmal mit Tränen in den Augen vor dem Laptop saß. Im Roman geht es viel um Drogen und bezahlten Sex – beides Dinge, die ich selbst nie am eigenen Leib erfahren habe. Ich kann also nicht behaupten, dass mich die Geschichte so berührt, weil viel von mir selbst drinnen steckt. Es ist eher so, dass mich die Interaktion der beiden Protagonisten berührt. Sie kämpfen verzweifelt um sich selbst und ihre Liebe. Sie wissen beide, dass es nicht gut gehen kann und trotzdem können sie einander nicht loslassen.

Kennt ihr das, dass eure eigenen Geschichten euch zum Weinen bringen?
Ich finde es beinahe merkwürdig, weil es schon ein wenig selbstverliebt rüberkommt. Es hat so einen Touch von ,,oh, meine Geschichte ist so toll, dass ich weinen muss". So ist das natürlich nicht gemeint.
Erzählt mal! :)



P.S. Sollte der Beitrag hier im falschen Board gelandet sein, sorry!
Titel: Re: Wenn eure Geschichten euch zum Weinen bringen
Beitrag von: LinaFranken am 18. Dezember 2015, 10:31:45
Also als erstes habe ich Angst, deine Geschichte weiter zu verfolgen  ::)

Aber ich kann das gut nachvollziehen. Bei mir geht das sogar so weit:
-schlimme Nachrichten im Fernsehn - *Schulterzucken*
-schlimme Nachrichten aus Bekannten/Familienkreisen - *Schulterzucken*
-schlimme Nachrichten im Lieblingsbuch/Serie - *Gott, neeein! Waruuum?!!! Er war noch so jung! *  :d'oh:

Ein Psychiater würde vielleicht sagen, das ich ungern emotionale Bindungen eingehe und fiktive Bindungen im Gegensatz zu echten nicht so verletzend sein können. Aber ich bin eher der Meinung, dass man zu fiktiven Figuren durchaus eine emotionale Bindung aufbauen kann und das auch wenn man schon die 30 hinter sich hat. Besonders wenn die Figuren von einem selbst erschaffen wurden. Bei mir entwickelt sich da so ein bisschen Verantwortungsgefühl und ich fühle mich auch schuldig, wenn ich sie leiden lasse. Andererseits, wenn das traurige Ereignis für die Geschichte wichtig ist, kann ich auch nicht anders. Ich kann mich in meine Geschichten aber auch gut hineinversetzen und habe dann das Gefühl, ich wäre live dabei, weshalb es mich dann auch mitnimmt. Und da ist es auch egal, wie oft ich die Stelle überarbeite und wie oft ich sie lese, ich muss trotzdem jedes Mal aufs neue weinen. Ich stelle auch fest, das ich gerade bei Dingen, die ich selbst noch nie erlebt habe, eher mitfühle, als bei solchen, die ich selbst kenne und schon desensibilisiert bin.
Titel: Re: Wenn eure Geschichten euch zum Weinen bringen
Beitrag von: Guddy am 18. Dezember 2015, 10:49:27
Zitat von: PinkPuma am 18. Dezember 2015, 10:11:03
Ich finde es beinahe merkwürdig, weil es schon ein wenig selbstverliebt rüberkommt. Es hat so einen Touch von ,,oh, meine Geschichte ist so toll, dass ich weinen muss".
Das finde ich gar nicht. :)
Ich habe eigentlich auch eher den Verdacht, dass man bei seinen eigenen Geschichten schneller weint. Zumindest ist es bei mir der Fall und das nicht, weil ich meine eigenen Geschichten so geil finden würde, dass mir vor lauter Glück über meinen Schreibstil Tränen in die Augen schießen. Sondern einfach, weil ich mich sehr in die Geschichte hinein versetzen muss, um sie schreiben zu können. Meinen eigenen Figuren bin ich oft näher als den Figuren anderer Autoren - weil ich sie besser kenne, mir ihre Hintergründe klarer sind und ich nicht nur die gerade erlebte Gegenwart, sondern auch die Vergangenheit und ihre Zukunft, sprich die Gründe und auch die Konsequenzen kenne.

Meine derzeitige Geschichte finde ich deswegen auch hochemotional auf diversen Ebenen. Also ja, ich kenne das auch.

Zitat-schlimme Nachrichten im Fernsehn - *Schulterzucken*
-schlimme Nachrichten aus Bekannten/Familienkreisen - *Schulterzucken*
-schlimme Nachrichten im Lieblingsbuch/Serie - *Gott, neeein! Waruuum?!!! Er war noch so jung! *
Das wiederum ist bei mir genau anders gewichtet. Schlimme, reale Nachrichten berühren mich sehr, Familien- und Freundesgeschichten sowieso, doch da geht es zum Glück nicht um Totschlag, Familiendramen und Krieg, insofern...
Titel: Re: Wenn eure Geschichten euch zum Weinen bringen
Beitrag von: Trippelschritt am 18. Dezember 2015, 10:55:50
Ich habe ganz nah am Wasser gebaut. Aber es sind bei mir immer Tränen der Rührung. Und die fließen auch in meinen eigenen Geschichten und da schäme ich mich auch nicht, denn ich lebe meine Gechichten und wenn ich dann aufhören muss zu schreiben, weil ich nichts mehr sehe, dann weiß ich wenigstens, dass mich diese Stelle gepackt hat. Aber ich bin auch ein sentimentaler Hund, der bei anderen Geschichten oder Filmen weint, wenn dort auf den richtigen Knopf gedrückt wird.
Bei viel Sentimentalität empfieht es sich allerdings später die eigene Geschichte auf den Kitschfaktor zu überprüfen.

Liebe Grüße
Schnüff
Trippelschritt
Titel: Re: Wenn eure Geschichten euch zum Weinen bringen
Beitrag von: PinkPuma am 18. Dezember 2015, 11:01:28
Zitat von: Guddy
Zitat von: PinkPuma
Ich finde es beinahe merkwürdig, weil es schon ein wenig selbstverliebt rüberkommt. Es hat so einen Touch von ,,oh, meine Geschichte ist so toll, dass ich weinen muss". So ist das natürlich nicht gemeint.
Das finde ich gar nicht. :)
Ich habe eigentlich auch eher den Verdacht, dass man bei seinen eigenen Geschichten schneller weint. Zumindest ist es bei mir der Fall und das nicht, weil ich meine eigenen Geschichten so geil finden würde, dass mir vor lauter Glück über meinen Schreibstil Tränen in die Augen schießen. Sondern einfach, weil ich mich sehr in die Geschichte hinein versetzen muss, um sie schreiben zu können.
Puuuuh, dann bin ich ja beruhigt, dass nicht nur ich heulend vor dem Laptop sitze. ;D

Dass man den eigenen Figuren näher sein muss, macht natürlich absolut Sinn und ist wahrscheinlich auch der Knackpunkt. Dennoch bin ich auf weitere Meinung gespannt, da es mir bislang wie gesagt nie so ging, dass eigene Geschichten mich dermaßen mitgenommen haben.


Zitat von: Lina FrankenEin Psychiater würde vielleicht sagen, das ich ungern emotionale Bindungen eingehe und fiktive Bindungen im Gegensatz zu echten nicht so verletzend sein können.
Da ist natürlich was Wahres dran. Eine selbst erfundene Figur wird mich nie verletzen, denn ich kann sie einfach so schreiben, dass sie es nicht tut. Aber genau deshalb können eigene Figuren/eigene Geschichten ja auch ein Weg sein, Erlebtes zu verarbeiten. Oder es muss nicht mal unbedingt selbst Erlebtes sein - einfach Dinge, die einen auf irgendeiner Ebene berühren und beschäftigen.


Ich frage mich gerade, was es für Themen sind, die uns am meisten in den eigenen Geschichten bewegen?
Ich bin eher abgeklärt, wenn es darum geht, Figuren umzubringen - und das, obwohl ich mit dem Tod im engsten Familienkreis als Jugendliche Erfahrungen gemacht habe. Meine derzeitige Geschichte hat wie gesagt viel mit Drogen zu tun, aber was mich berührt ist eher der Kampf, den die beiden Protas mit sich selbst und ihrer Liebe ausfechten. Dieses Gefühl, genau zu wissen, dass es nicht funktionieren kann und dennoch nicht loslassen zu können. Zuzusehen, wie der Partner sich kaputt macht und sich damit selbst wehzutun. Und das Wissen, dass man dem anderen gerade weh tut und man macht es trotzdem.


EDIT: Hat sich mit Trippelschritt überschnitten.


Off Topic:
Zitat von: Lina FrankenAlso als erstes habe ich Angst, deine Geschichte weiter zu verfolgen  ::)
Musst du nicht, ich poste gleich noch was im Romanthreat. ;)
Titel: Re: Wenn eure Geschichten euch zum Weinen bringen
Beitrag von: Sturmloewin am 18. Dezember 2015, 12:35:09
Also ich kenne das auch von mir. Ich weine nicht bei jeder Kleinigkeit, aber manchmal eben doch.
Ich glaube auch, dass das stimmt:

Zitat von: Guddy am 18. Dezember 2015, 10:49:27

Ich habe eigentlich auch eher den Verdacht, dass man bei seinen eigenen Geschichten schneller weint. Zumindest ist es bei mir der Fall und das nicht, weil ich meine eigenen Geschichten so geil finden würde, dass mir vor lauter Glück über meinen Schreibstil Tränen in die Augen schießen. Sondern einfach, weil ich mich sehr in die Geschichte hinein versetzen muss, um sie schreiben zu können. Meinen eigenen Figuren bin ich oft näher als den Figuren anderer Autoren - weil ich sie besser kenne, mir ihre Hintergründe klarer sind und ich nicht nur die gerade erlebte Gegenwart, sondern auch die Vergangenheit und ihre Zukunft, sprich die Gründe und auch die Konsequenzen kenne.

Denn ich ertappe mich oft, wie ich etwas höchst emotional finde, was andere vielleicht in einem Seitensatz hinnehmen.
Ich glaube, es liegt daran, wenn es Themen sind, die uns besonders berühren und da ist es denke ich egal, ob es nun so etwas "Schlimmes" wie Tod ist oder "einfach nur" ein emotionaler Kampf.

Wichtig ist, wie nah wir unseren Figuren sind und das kann dann auch sehr traurig werden.

Ich weiß aber zum Beispiel auch, dass Sachen, die man persönlich mit sich in Verbindung bringt, emotionaler bei mir ankommen.

In meinem Nano/momentanen Projekt zum Beispiel kommt eine Katze drin vor. Diese Katze war ursprünglich angelehnt an meine eigene Katze. Dann wurde mir klar: Ich muss  sie für den Handlungsverlauf sterben lassen. Aber das ging einfach nicht, das hat mir physische Schmerzen bereitet. Ich konnte doch nicht meine eigene Katze umbringen!
Also Figur umgeschrieben. Fiktive Katze. Und die sterben lassen.
Ich habe trotzdem geflennt wie ein Schlosshund, aber da weniger wegen meinem eigenen Kummer als stärker wegen der Geschichte.

Lange Rede, kurzer Sinn: Ich stimme Guddy zu.

UND ich finde es überhaupt nicht merkwürdig, wenn einen die eigenen Geschichten zu Tränen rühren. Ist doch eigentlich ein gutes Zeichen, oder?
Titel: Re: Wenn eure Geschichten euch zum Weinen bringen
Beitrag von: HauntingWitch am 18. Dezember 2015, 19:34:03
Also, ich finde das auch nicht merkwürdig. Ich weine sehr oft beim Schreiben emotionaler Szene, einerseits weil ich mich sehr tief in die Charaktere hineinversetzen muss und möchte, weil ich sie dadurch natürlich besser schreiben kann. Wenn ich es schaffe, nicht einfach nur mit ihnen mitzufühlen, sondern zu fühlen, wie sie fühlen, dann kann ich die Emotion auch besser transportieren. Das finde ich nur logisch. Deshalb denke ich auch, dass es ein gutes Zeichen ist, wenn man bei der eigenen Geschichte weinen muss. Die besten Texte entstehen aus den stärksten Gefühlen. Und ja, es klingt sicher eingebildet, wenn ich das sage, aber eigentlich ist es nur, was ich bei anderen beobachte und hoffe, dass es auch auf mich zutrifft. ;D ;)

Ein weiterer Punkt ist für mich, dass man seine Charaktere ja mag. Ich weiss nicht, wie es euch geht, aber für mich sind sie ein bisschen wie Freunde oder Familie. Natürlich nicht genau wie die realen Freunde, weil sie ja nicht real sind, aber vom Gefühl her... Natürlich macht mich das dann traurig, wenn einer sterben muss oder verletzt wird oder schlimme Dinge erlebt.

Welche Themen es sind? Hm, da stimme ich Regentänzerin zu. Ich denke, es hat viel damit zu tun, wie man zu einem bestimmten Thema steht. Ich musste beispielsweise vor Kurzem bei einer Fernsehserie weinen, weil die eine Protagonistin mit ihrer Mutter konfrontiert wurde, die etwas schwierig ist. Und ich dachte nur noch: Mensch, woher kennen die Autoren dieser Serie mein Leben?! Natürlich hat mich das mehr berührt, als sagen wir, wenn ein Charakter stirbt, den ich sowieso doof fand. Ich glaube, so haben wir alle unsere Themen, die uns mehr berühren und jene, die uns eben kalt lassen.
Titel: Re: Wenn eure Geschichten euch zum Weinen bringen
Beitrag von: Franziska am 18. Dezember 2015, 22:53:47
Da bin ich ja froh, dass ich nicht die einzige bin. Ich weine normalerweise nicht schnell. Auch nicht bei Filmen oder Büchern, so gut wie nie. Aber bei meinen eigenen Figuren? Das geht so weit, dass mir manchmal spontan Szenen kommen, von neuen Figuren und wenn das eine emotionale Szene ist, kann ich schon mal weinen. Und dann denk ich mir ähm, das war jetzt aber etwas übertrieben. ::) Wenn es Figuren sind, die mich länger begleiten kann ich mich da noch besser hineinversetzen. Ich fühle das eigentlich immer komplett mit. Manchmal denke ich, dass ist schon fast nah am Schauspiel. Besonders wenn meine Hormone eh durcheinander sind, ich eh etwas angeschlagen bin oder so kann ich da echt losheulen.  ;D Besonders, wenn ich die Figuren leiden lasse oder auch wenn es einfach emotional oder rührende  Szenen sind. Können ja auch schöne Szenen sein.
Titel: Re: Wenn eure Geschichten euch zum Weinen bringen
Beitrag von: Asterya am 23. Dezember 2015, 00:35:05
Ich bin ebenfalls erleichtert, dass es so vielen anderen auch so geht. Ich leide bei Filmen und Büchern immer mit, aber bei meinen eigenen Figuren ist das nochmal eine Spur stärker und das liegt sicher nicht daran, dass ich meinen Schreibstil gut finde. Es kommt für mich also kein bisschen selbstverliebt rüber, wenn man sagt, dass man bei seinen Geschichten weint. Wenn ich eine lustige Szene schreibe, fange ich manchmal wild an zu kichern, bei traurigen (oder seltener auch bei besonders schönen) Szenen fließen dann eben auch mal Tränen. Das ist einer der Gründe, warum ich überhaupt nicht schreiben kann, wenn jemand anders im Raum ist. Wenn ich mich einer besonders emotionalen Szene nähere, versuche ich, die möglichst dann zu schreiben, wenn ich danach noch ein bisschen Zeit habe, wieder runterzukommen. Schlimm finde ich auch diese kleinen Nebensätze, die man eigentlich nur versteht, wenn man die Figur wirklich kennt. Ein Außenstehender nimmt das vielleicht mit einem Schulterzucken hin, als Autor erschließt sich jedoch die vollständige Bedeutung. Manchmal verfolgen mich diese Kleinigkeiten sogar länger als wirklich dramatische Szenen. Da passiert dann halt gerade in dem Moment etwas besonders Schlimmes/Trauriges. In den ständigen kleinen Andeutungen zeigt sich jedoch, dass die Figur in ihrem ganzen Denken und Leben von irgendeiner Sache beeinflusst wird, die sie nicht mehr loslässt. Das berührt mich meist noch viel mehr.
Zu den Themen: Ich denke, es sind Dinge, die einen im Alltag umgeben. Da ich bis auf ein paar Knochenbrüche noch keine größere Verletzung hatte, leide ich so gut wie gar nicht mit, wenn eine Figur körperlichen Schaden davonträgt. Bei Themen wie hoffnungsloser Liebe (die ja viele schonmal erlebt haben, oder zumindest einen Fall im Bekanntenkreis haben), Streit, dem Gefühl, jemanden leiden zu sehen und ihm nicht helfen zu können, etc. sieht das ganz anders aus, zumindest bei mir.
Titel: Re: Wenn eure Geschichten euch zum Weinen bringen
Beitrag von: Romy am 23. Dezember 2015, 01:40:21
Natürlich nehmen mich meine eigenen Geschichten mich auch immer sehr mit, trotzdem passiert es mir eher selten, dass ich Tränen in die Augen bekomme, oder gar richtig weinen muss. Es kommt aber auch vor. Das letzte Mal beispielsweise auch im zurückliegenden NaNo, bei einer sehr emotionalen Szene, wo ich beim Schreiben regelrecht weggedriftet bin und erst, als die Szene fertig war, so richtig bemerkt habe, dass ich geweint habe. Das war mir selbst schon etwas unheimlich.  :d'oh:
Insgesamt passiert es mir aber doch noch öfters, wenn ich "fremde" Texte lese, Filme gucke, oder schreckliche/anrührende Dinge in den Nachrichten höre. - Vermutlich liegt es daran, dass ich bei meinen eigenen Geschichten ja schon weiß, was passiert.
Der NaNo ist aber auch noch mal eine besondere Ausnahmesituation, da lebt und leidet man einfach einen ganzen Monat lang so eng mit diesem Roman und den Figuren und schreibt (jedenfalls die meisten von uns) mehr als in jedem anderen Monat, was die Bindung noch einmal intensiviert.
Titel: Re: Wenn eure Geschichten euch zum Weinen bringen
Beitrag von: Klecks am 23. Dezember 2015, 06:19:04
Oh ja, meine Geschichten bringen mich zum Weinen, und das nicht nur, während ich schreibe.  :versteck:  Ich habe viele Plots ohne Happy End, und wenn ich dann zum Beispiel im Fernsehen oder durch ein trauriges Lied an diesen Plot erinnert werde, geht es bei mir sofort los. Mir tut das Herz weh, ich weine ... das volle Programm. Einerseits kommt das von mir als sowieso sehr emotionale Person, die ihre Figuren liebt, also traurig ist, wenn sie leiden; und dann gibt es noch den Aspekt, dass man ja sehr nahe dran ist an seinen Figuren, sie kennt, sich in sie hineinfühlen muss; und das bedeutet für mich beides, dass Tränen fließen, wenn etwas Trauriges passiert.  :d'oh:
Titel: Re: Wenn eure Geschichten euch zum Weinen bringen
Beitrag von: PinkPuma am 23. Dezember 2015, 09:54:21
Puuuh ich bin ja erleichtert, dass offenbar doch so viele manchmal beim Schreiben mitweinen. Dann kann ich ja beruhigt weiter heulend vor dem Laptop sitzen. ;D


Zitat von: Asterya
Schlimm finde ich auch diese kleinen Nebensätze, die man eigentlich nur versteht, wenn man die Figur wirklich kennt. Ein Außenstehender nimmt das vielleicht mit einem Schulterzucken hin, als Autor erschließt sich jedoch die vollständige Bedeutung. Manchmal verfolgen mich diese Kleinigkeiten sogar länger als wirklich dramatische Szenen. Da passiert dann halt gerade in dem Moment etwas besonders Schlimmes/Trauriges. In den ständigen kleinen Andeutungen zeigt sich jedoch, dass die Figur in ihrem ganzen Denken und Leben von irgendeiner Sache beeinflusst wird, die sie nicht mehr loslässt. Das berührt mich meist noch viel mehr.
Das finde ich auch einen super wichtigen Punkt! Ich liebe diese kleinen Momente, diese kleinen Sätze, die oft mehr vom Innenleben einer Figur offenbaren als ein seitenlanger Absatz. Besonders toll natürlich, wenn das beim Leser dann genauso ankommt.


Je länger ich über dieses Thema nachdenke, desto mehr stelle ich fest, dass die Intensität des "Mitleidens" bei mir auch ein wenig genreabhängig ist. :hmmm: Meinen Figuren in Fantasy-Romanen kann ich echt eine Menge antun, ohne mit der Wimper zu zucken. Während ich bei allem, was unter Contemporary fällt, mehr mitleide. Ich würde nicht sagen, dass ich zu meinen Fantasy-Figuren einen weniger innigen Bezug habe. Im Gegenteil, gerade Ranvé, ein Prota aus meinem "Elfendiener" begleitet mich schon seit Jahren. Aber irgendwie ist die ganze Fantasy-Welt fiktiver, vielleicht ist es das, was mehr emotionalen Abstand schafft. Hingegen gerade bei meinen Gay Romances leide ich wirklich mit. Vielleicht, weil es näher an der Realität ist und man dann dieses Gefühl von "das könnte wirklich so passieren" hat.
Titel: Re: Wenn eure Geschichten euch zum Weinen bringen
Beitrag von: Trippelschritt am 23. Dezember 2015, 10:52:32
@ PinkPuma. Ich bewege mich jetzt hart an der Grenze des OT, wenn ich Deiner Position, dass die Fantasy-Welt genrebedingt fiktiver ist und mehr emotionalen Abstand schafft als andere Welten, eine Gegenposition gegenüberstelle. Dass es in Deinen Geschichten so ist, wie Du beschreibst, möchte ich nicht bestreiten, denn ich kenne sie nicht. Aber für mich, meine Art zu schreiben und was ich damit bewirken möchte, ist eine Fantasywelt, die sich emotional von mir entfernt hat, eine Fehlschöpfung. Vielleicht lohnt es sich, darüber mal generell zu diskutieren. Für mich kann ich nur sagen, dass das, was in meinen Welten wichtig ist, ganz nah an mir dran ist. Es wurde auch bewusst von mir so gewählt. Ob der Leser das goutiert, ist eine andere Sache. Tolkien ist ebenfalls nahe dran, wie auch Rowling mit Harry Potter sie hat auch geweint). Krieg der Sterne hat Distanz gewählt und das Lied von Eis und Feuer nimmt eine Zwischenposition ein. Der Rosenkrieg ist weit weg, weil es so etwas heute nicht mehr gibt. Die Probleme einzelner Figuren sind allgemeingültig menschlich. Aber das mag jeder anders sehen.
Und ich weine bei meinen Fantasyfiguren (bei einigen jedenfalls und das immer vor Rührung), aber nie bei einem Kriminalroman. Bei Liebesromanen nur, wenn sie wirklich exzeptionell geschrieben sind wie die von Nina George beispielsweise, und generell bei Contemporaries auch nie, weil die Figuren in meinen Augen immer jede Menge Wahlmöglichkeiten haben.

Kurzum: Es mag bei Dir so sein, weil Du so schreiben möchtest, wie Du schreibst, was ich hier ganz bestimmt nicht kritisieren will. Bei mir verhält es sich allerdings genau anders herum. Aber das Wichtigste ist doch vor allen anderen Dingen, dass man als Autor und Leser zu seinen Gefühlen stehen sollte. Und da sind wir wieder eng beieinander.

Liebe Grüße
Trippelschritt
Titel: Re: Wenn eure Geschichten euch zum Weinen bringen
Beitrag von: PinkPuma am 23. Dezember 2015, 11:08:29
Lieber Trippelschritt, vielen Dank für deine Einschätzung! Ich finde es spannend, dass es bei dir quasi genau andersrum ist. Generell möchte ich auch nicht sagen, dass Fantasy weniger emotional ist. Ich mache lediglich beim Schreiben die Erfahrung, dass ich persönlich bei Contemporary mehr mitleide.
ABER als Leser widerum kann ich bei Fantasy genauso weinen, mitfühlen, lachen etc. wie bei jedem anderen Genre auch. Ein Fantasy-Roman, der keinerlei Emotionen in mir weckt, wäre auch für mich eine "Fehlschöpfung" - aus Lesersicht. Wenn ich ein Buch lese, will ich berührt werden - egal welches Genre.
Als Autorin aber merke ich, dass mich "alltägliche Figuren" mehr berühren, als meine Elfen, Zwerge usw. Es ist irgendwie so ein Nachbarschafts-Gefühl.  ;)
Titel: Re: Wenn eure Geschichten euch zum Weinen bringen
Beitrag von: foxgirl am 23. Dezember 2015, 16:31:28
Schön, das auch mal von anderen Leuten zu lesen. Ich habe das bei meinem aktuellen Projekt unheimlich gemerkt. Vielleicht liegt das daran, dass ich sonst "gnädiger" war, als ich es dieses Mal bin. Ich habe natürlich auch wichtige Figuren sterben lassen, aber sie waren mir noch nie so nahe, wie meine jetzigen. Vor Kurzem kamen mir tatsächlich die Tränen, nur als ich festgestellt habe, dass ich nicht darum herum komme meinen absoluten Liebling zu töten. Ich dachte daran, wie viel er bis zu diesem Punkt zu leiden hat und dann war es vorbei. Ich war recht froh, dass ich zu dem Zeitpunkt allein war, die meisten Leute um mich herum verstehen es nicht einmal, wenn mir bei Büchern, die ich lese, die Tränen kömmem.
Ich glaube bei mir hat die Emotionalität bei diesem Roman auch damit zu tun, dass er mir ein ganz besonderes Anliegen ist. Ich habe an keiner Idee je so lange gegrübelt, so viele fehlgeschlagene Anfänge fabriziert. Ich nehme an, deshalb fiebere ich noch mehr als sonst mit meinen Figuren mit. Ich freue mich, wenn ich glückliche Szenen schreibe, aber weine auch unheimlich oft, wenn die Szene traurig ist. Manchmal finde ich das selber auch etwas schwer zu begreifen, besonders wenn ich weiß, ich könnte im Prinzip das Schicksal der einzelnen Charaktere ändern, aber es geht einfach nicht, selbst wenn mir das manchmal ein bisschen das Herz bricht. Ich weiß, das ist jetzt etwas seltsam erklärt, aber vielleicht versteht ihr ja, was ich meine.
Titel: Re: Wenn eure Geschichten euch zum Weinen bringen
Beitrag von: FeeamPC am 23. Dezember 2015, 18:36:22
Eine gute Geschichte hat immer eine ihr innewohnende Logik und Folgerichtigkeit. Und genau deshalb kann man das Schicksal seiner Figuren nicht einfach ändern.
Titel: Re: Wenn eure Geschichten euch zum Weinen bringen
Beitrag von: Kare am 23. Dezember 2015, 20:07:33
@FeeamPC - da stimme ich dir zu. Es fühlt sich dann einfach so an, dass die Geschichte den Tod oder das Leid eines Charas eben erfordert.

Aber das macht es dennoch nicht leichter, finde ich. Man spürt, dass man es tun muss, obwohl man es vielleicht nicht will.

Und natürlich hat man schon selber als Autor die Eigendynamik der Geschichte gelenkt, die am Ende vielleicht den Tod eines geliebten Charas erforderlich macht. Man hat ihn doch auf dem Gewissen, selbst wenn es sich in dem Moment so anfühlt, dass man einfach nicht anders kann, dass es sein muss.
Titel: Re: Wenn eure Geschichten euch zum Weinen bringen
Beitrag von: Arcor am 24. Dezember 2015, 12:54:59
Erstaunlicherweise ist es bei mir wirklich komplett andersherum. Es ist nicht so, dass mich das Schicksal meiner Figuren komplett kalt lässt, aber irgendwie basiert es häufig auf einer "professionellen" Ebene. Ich bin der Autor, du bist meine Figur, und was dir passiert, passiert, weil die Story es so verlangt.  :darth:

Ich kann den ganzen Story-Hinterbau und die Konzeption nicht wirklich ausblenden, deswegen besteht da mitunter eine emotionale Distanz zu meinen eigenen Figuren. Ich leide schon mit, wenn ihnen was Schlimmes passiert, habe mich auch manchmal schon gefragt, ob das jetzt zu heftig ist, aber Tränen hatte ich noch nie in den Augen.

Bei Filmen und Büchern von anderen ist das dagegen komplett anders. Da reagiere ich mitunter ziemlich emotional.  :'(
Titel: Re: Wenn eure Geschichten euch zum Weinen bringen
Beitrag von: Big Kahuna am 16. Januar 2016, 10:14:30
Ich hab das Pferd meines Protas getötet und geheult wie ein Schlosshund :'(
Titel: Re: Wenn eure Geschichten euch zum Weinen bringen
Beitrag von: Loki am 16. Januar 2016, 10:51:40
Als nicht komplett emotionsloser Autor merke ich schon ab und zu das Ziehen in Armen und Händen wenn ich kurz davor bin eine Hauptperson sterben zu lassen. Als würde mich mein Gewissen zurück halten wollen und zu einer Tasse Tee einladen um die Entscheidung noch einmal zu überdenken  ;D
Allerdings denke ich auch, dass in den meisten Fällen einfach die Geschichte den Tod fordert und nicht ich, der blutrünstige Autor. Nur ab und zu denke ich mir einfach - wenn jetzt keiner stirbt, stirbt die Glaubhaftigkeit  :omn:
Titel: Re: Wenn eure Geschichten euch zum Weinen bringen
Beitrag von: Guddy am 16. Januar 2016, 11:04:14
Zitat von: Big Kahuna am 16. Januar 2016, 10:14:30
Ich hab das Pferd meines Protas getötet und geheult wie ein Schlosshund :'(
Artax!
Die Szene, in der ich das Pferd meines Protas umbringen muss, steht mir auch unmittelbar bevor. Ich fürchte, das wird auch eine der schlimmsten Szenen für mich.
Titel: Re: Wenn eure Geschichten euch zum Weinen bringen
Beitrag von: Fianna am 16. Januar 2016, 11:15:37
Ich habe beschlossen, dass mein emotional etwas distanzierter Prota seine Pferde nicht mit Namen benennt, sondern durchnummeriert. Also habe ich in den Fließtext mal den Namen "Neunzehn" als Platzhalter eingeflochten, ich überlege noch ob das realistisch ist oder ob er erst die Dreizehn reiten soll.
Titel: Re: Wenn eure Geschichten euch zum Weinen bringen
Beitrag von: Vic am 17. Januar 2016, 17:37:01
Ab und an schon.
Es passiert nicht oft, aber manchmal. Meistens dann wenn mir Charaktere schon sehr ans Herz gewachsen sind und ich ihnen furchtbare Dinge antun muss und ab und an muss ich dann echt inne halten und mal ne Runde weinen.
(Ich bin aber eh sehr nah am Wasser gebaut, also von daher....)
Ich tue mich auch echt schwer Leute umzubringen. Und zwar weniger wegen dem Charaktere der stirbt sondern wegen denen die zurückbleiben.
Wenn am Ende alle tot sind, macht mir das gar nichts aus. Aber mich mit den Gefühlen deren auseinander zu setzen die grade jemanden verloren haben .... das macht mich echt fertig.
Liegt aber vielleicht auch an persönlichen Erfahrungen.
Mein Vater ist gestorben als ich 14 war und jetzt bin ich 33 und immer noch nicht drüber weg.  Irgendwie will ich das meinen Charakteren nicht zumuten .... auch wenn es manchmal nötig ist.
Titel: Re: Wenn eure Geschichten euch zum Weinen bringen
Beitrag von: Aljana am 17. Januar 2016, 17:42:53
Zitat von: Big Kahuna am 16. Januar 2016, 10:14:30
Ich hab das Pferd meines Protas getötet und geheult wie ein Schlosshund :'(

Ich stehe im Moment vor der entscheidung, dass ich den geliebten Hund des Protas eigentlich umbringen muss, weil realistisch und so. ICH WILL ABER NICHT!  :brüll:

Also muss ich mir jetzt eine an den Haaren herbeigezogene Gechichte einfallen lassen, dass ausgerechnet der Hund den Weltuntergang überlebt.
Titel: Re: Wenn eure Geschichten euch zum Weinen bringen
Beitrag von: foxgirl am 17. Januar 2016, 19:54:43
@Big Kahuna Ohje ja, wenn ich geliebte Tiere von Protagonisten töten muss, bin ich auch immer unheimlich traurig. Das geht mir allerdings auch schon in "fremden" Büchern und Filmen so. Da sterben Menschen und ich zuck nicht mal mehr, doch wehe sie bringen den Hund oder so um. Dann heule ich unter Garantie. Schon ein wenig eigenartig, wenn ich so darüber nachdenke :D.
Titel: Re: Wenn eure Geschichten euch zum Weinen bringen
Beitrag von: KaPunkt am 17. Januar 2016, 19:56:14
@Aljana Bring den Hund um. Und dann heule, so lange du musst.
An den Haaren herbeigezogen ist niemals gut.

Liebe Grüße,
KaPunkt
Titel: Re: Wenn eure Geschichten euch zum Weinen bringen
Beitrag von: Big Kahuna am 19. Januar 2016, 11:38:38
Zitat@Big Kahuna Ohje ja, wenn ich geliebte Tiere von Protagonisten töten muss, bin ich auch immer unheimlich traurig. Das geht mir allerdings auch schon in "fremden" Büchern und Filmen so. Da sterben Menschen und ich zuck nicht mal mehr, doch wehe sie bringen den Hund oder so um. Dann heule ich unter Garantie. Schon ein wenig eigenartig, wenn ich so darüber nachdenke :D.

Ja, ich kenn das. Da können Menschen reihenweise sterben und ich denk mir dabei meist nur: "Naja, gehört in Geschichten dazu bzw. Kollateralschaden", aber sobald ein Pferd oder ein Hund nur verwundet wird, fiebere ich voll mit und fluche, wenns nicht gut ausgeht.
Titel: Re: Wenn eure Geschichten euch zum Weinen bringen
Beitrag von: Sturmloewin am 21. Januar 2016, 10:28:42
Zitat von: Big Kahuna am 19. Januar 2016, 11:38:38
Zitat@Big Kahuna Ohje ja, wenn ich geliebte Tiere von Protagonisten töten muss, bin ich auch immer unheimlich traurig. Das geht mir allerdings auch schon in "fremden" Büchern und Filmen so. Da sterben Menschen und ich zuck nicht mal mehr, doch wehe sie bringen den Hund oder so um. Dann heule ich unter Garantie. Schon ein wenig eigenartig, wenn ich so darüber nachdenke :D.

Ja, ich kenn das. Da können Menschen reihenweise sterben und ich denk mir dabei meist nur: "Naja, gehört in Geschichten dazu bzw. Kollateralschaden", aber sobald ein Pferd oder ein Hund nur verwundet wird, fiebere ich voll mit und fluche, wenns nicht gut ausgeht.

Das geht mir auch immer so! Wie bei Game of Thrones, als der Berg das Pferd erschlagen hat. Das fande ich schlimmer als alles andere bis zu dem Zeitpunkt.



@Aljana
Kapunkt hat Recht. Bring es über dich. Das macht deine Geschichte für den Leser nur emotionaler, aber an den Haaren herbei gezogene Erklärungen wirken unnatürlich und machen stutzig.
Titel: Re: Wenn eure Geschichten euch zum Weinen bringen
Beitrag von: flowrite am 24. Januar 2016, 01:06:00
Hallo,

mich befremdet die Vorstellung, bei einer Geschichte zu weinen, die man selbst gerade schreibt. Wenn ich das überhaupt beurteilen kann in Anbetracht der überschaubaren Menge von Kurzgeschichten und keinen Romanen, die ich bisher geschrieben habe.

Eine gewisse professionelle Distanz zu allen Figuren zu wahren, gehört für mich zum A&O schriftstellerischen Schaffens. Wenn mir dabei Tränen in die Augen schießen., heißt das: Schreibstift beiseite legen und der Trauerphase frönen. Vielleicht mit anderen Stellen weiterschreiben, erst mit unverfänglichen (in der es also eh keine Bezüge zur toten oder leidenden Figur gibt), dann die Reminiszenzen ... Mit dem Tod der Figur ins Reine kommen, sich in den Fortlauf der Geschichte fügen. Es ist ja mitnichten so, dass man als Intuitivschreiber (im Gegensatz zu Planschreibern) Macht darüber hätte, gell. Erst dann wieder dransetzen und die Gefahr, dass der Text über meinem Tränenfilm in rührseligen Kitsch abgleitet, ist gebannt. Bei mir würde diese Gefahr nämlich bestehen, deshalb habe ich nämlich schon mal eine Kurzgeschichte rigoros auf die Hälfte gekürzt.

Ob nicht auch hilft, einen Text vom Ende her zu schreiben, oder wechselweise von vorn und von hinten, kapitelweise rückwärts, bis man zum Schluss die beiden Hälften verbindet, gewissermaßen den Schlussstein setzt? Ich weiß nicht. Nur um zu vermeiden, dass ich beim Schreiben heule, die Schreibpraxis umstellen, ist doch etwas drastisch ...

Ach, würde ich noch schreiben, wüsste ich bestimmt, dass es so einfach nicht ist. ;)
Titel: Re: Wenn eure Geschichten euch zum Weinen bringen
Beitrag von: Thaliope am 24. Januar 2016, 08:42:52
Beim Schreiben selbst passiert mir das eher selten, (ich hab auch noch nie direkt jemanden umgebracht, glaub ich) aber: Ich bin gerade dabei, meinen bisher persönlichsten Roman zu überarbeiten, und an einigen Stellen kommen mir immer wieder die Tränen. Das sind gar nicht unbedingt die Momente, wenn jemand stirbt, sondern einfach emotionale Passagen, in denen die Verletzlichkeiten und Verletzungen der Figuren zum Ausdruck kommen ... Im Moment hab ich noch keine Ahnung, wie ich eine Lesung durchstehen sollte, (sollte das Buch je veröffentlicht werden) ohne in Tränen auszubrechen. Da weiß ich ja, woran ich noch arbeiten muss :)
Titel: Re: Wenn eure Geschichten euch zum Weinen bringen
Beitrag von: Trippelschritt am 24. Januar 2016, 11:39:55
@ flowrite
Ich habe keine Probleme Deine Befremdung zu verstehen, denn Tränen erwecken immer zwiespältige Gefühle. Vor allem die Tränen anderer. Ich habe nur Schwierigkeiten zu verstehen, was Du unter professioneller Distanz eines Autors verstehst. Für mich ist das ein Widerspruch in sich. Als Profi brauche ich Nähe und keine Distanz. Distanz würgt meinen Kreativprozess völlig ab. Allerdings gleite ich nicht (hoffentlich) in rührseligen Kitsch ab.
Wahrscheinlich gibt es diesbezüglich so viele Meinungen und Wahrnehmungen wie es Autoren gibt und ich möchte meine eigene Sicht der Dinge auch nicht als besonders wichtig herausstellen. Nur möchte ich davor warnen, dass ein Autor in allen Phasen seines Schreibprozesses eine Distanz aufbauen und behalten sollte. Verallgemeinert wäre das für mich nicht professionell.

Liebe Grüße
Trippelschritt
Titel: Re: Wenn eure Geschichten euch zum Weinen bringen
Beitrag von: Aljana am 24. Januar 2016, 12:16:10
Zitat von: flowrite am 24. Januar 2016, 01:06:00

Eine gewisse professionelle Distanz zu allen Figuren zu wahren, gehört für mich zum A&O schriftstellerischen Schaffens. Wenn mir dabei Tränen in die Augen schießen., heißt das: Schreibstift beiseite legen und der Trauerphase frönen. Vielleicht mit anderen Stellen weiterschreiben, erst mit unverfänglichen (in der es also eh keine Bezüge zur toten oder leidenden Figur gibt), dann die Reminiszenzen ... Mit dem Tod der Figur ins Reine kommen, sich in den Fortlauf der Geschichte fügen. Es ist ja mitnichten so, dass man als Intuitivschreiber (im Gegensatz zu Planschreibern) Macht darüber hätte, gell. Erst dann wieder dransetzen und die Gefahr, dass der Text über meinem Tränenfilm in rührseligen Kitsch abgleitet, ist gebannt. Bei mir würde diese Gefahr nämlich bestehen, deshalb habe ich nämlich schon mal eine Kurzgeschichte rigoros auf die Hälfte gekürzt.



Ja flowrite ein wenig kann ich dich verstehen. Und ich gebe dir völlig recht. als intuitivschreiber hat man nicht immer die Macht darüber. es kommt plötzlich und teils unerwartet und dann steht man da und der eigene geleibte Held liegt in seinem eigenen Blut vor einem und das schon im zweiten Kapitel ... Ich lege dann allerdings den Stift nicht weg, sondern schreibe, oder denke die Szene dann einfach mal in all ihrer kittchigen Schönheit zu Ende. Wenn es raus muss muss es raus. auch der Kitsch. Ihn später nochmal zu überabeiten (und zwar rigoros) ist dann aber ein wichtiger Schritt. Dennoch denke ich, dass man nicht zu distanziert sein sollte, wenn man den Leser berühren will. Es gibt große Gefühle in Romanen und sie kleinzureden oder zu schreiben ist auch falsch. Aber das richtige Maß finden ist definitiv schwierig.
Titel: Re: Wenn eure Geschichten euch zum Weinen bringen
Beitrag von: Judith am 24. Januar 2016, 12:58:44
Wenn ich mir eure Beiträge so durchlese, fühle ich mich nun wie eine seltsame Schreiberin. Ich muss zwar sehr schnell und häufig weinen, wenn ich ein Buch lese, aber wenn ich schreibe, dann ist mir das noch nie passiert. Egal, wie emotional die Szene ist oder wie gern ich die Figur habe, die ich gerade umbringe.
Ob das etwas mit der von flowrite gewünschten Distanz zu tun hat, weiß ich nicht, aber ich bezweifle es. Meine Figuren spuken bei mir immer sehr lebhaft im Kopf herum und selbst jetzt, da ich ewig nicht mehr geschrieben habe, sind sie in meinen Gedanken sehr präsent. Manchmal bringe ich es auch kaum übers Herz, ihnen etwas schlimmes anzutun und muss mich sehr überwinden, um solche Szenen dann zu schreiben. Aber weinen: nein, noch nicht einmal annähernd; nur bei "fremden" Geschichten.
Ich hoffe mal sehr, dass das nicht bedeutet, dass solche Szenen von mir dann auch Lesern nicht nahegehen.  :hmmm: Aber andererseits finde ich meine eigenen Geschichten auch nicht spannend (wie denn, wenn ich in der Hand habe, was als nächstes passiert) und konnte trotzdem schon Betaleser damit fesseln.
Titel: Re: Wenn eure Geschichten euch zum Weinen bringen
Beitrag von: Fynja am 24. Januar 2016, 13:56:48
Zitat von: Judith am 24. Januar 2016, 12:58:44
Wenn ich mir eure Beiträge so durchlese, fühle ich mich nun wie eine seltsame Schreiberin. Ich muss zwar sehr schnell und häufig weinen, wenn ich ein Buch lese, aber wenn ich schreibe, dann ist mir das noch nie passiert. Egal, wie emotional die Szene ist oder wie gern ich die Figur habe, die ich gerade umbringe.
Ob das etwas mit der von flowrite gewünschten Distanz zu tun hat, weiß ich nicht, aber ich bezweifle es. Meine Figuren spuken bei mir immer sehr lebhaft im Kopf herum und selbst jetzt, da ich ewig nicht mehr geschrieben habe, sind sie in meinen Gedanken sehr präsent. Manchmal bringe ich es auch kaum übers Herz, ihnen etwas schlimmes anzutun und muss mich sehr überwinden, um solche Szenen dann zu schreiben. Aber weinen: nein, noch nicht einmal annähernd; nur bei "fremden" Geschichten.
Ich hoffe mal sehr, dass das nicht bedeutet, dass solche Szenen von mir dann auch Lesern nicht nahegehen.  :hmmm: Aber andererseits finde ich meine eigenen Geschichten auch nicht spannend (wie denn, wenn ich in der Hand habe, was als nächstes passiert) und konnte trotzdem schon Betaleser damit fesseln.

Ehrlich gesagt beruhigt es mich ein wenig, dass du das schreibst, denn mir geht es in allen Punkten genau so. Beim Schreiben selbst empfinde ich zwar sehr wohl Emotionen, aber geweint habe ich noch nie dabei, aber flowrites Sicht trifft auf mich auch nicht zu, weil ich manchmal trotzdessen eher zu wenig Distanz zu meinen Figuren wahre. ::)  Und beim Schreiben selbst finde ich meine Geschichten auch nie spannend, was oft genug zu Selbstzweifeln führt. Wenn ich aber Jahre nach dem Schreiben mal wieder in ein Projekt hineinschnuppere, nur zum Lesen, nicht zum Überarbeiten, dann sehe ich da auf einmal einen Spannungsbogen und verdrücke die ein oder andere Träne. Aber nur dann. Nur gerade, wenn genügend Abstand zur Geschichte da ist, obwohl ich ja immer noch weiß, was passieren wird.  :hmmm:
Hier unterscheidet sich bei mir also ganz klar die Perspektive des passiven Lesers und des aktiven Schreibers. Weshalb es aber so ist, kann ich gerade nicht herausfinden. Ich denke allerdings nicht, dass wir deshalb so seltsame Schreiber sind, vielleicht versetzen wir uns nur auf eine andere Weise in unsere Figuren hinein. Eine Hypothese meinerseits wäre, dass ich auch im realen Leben eher weine, wenn ich das Leid "anderer" sehe, wenn es mir selbst schlecht geht, empfinde ich zwar auch heftige Emotionen, aber das Weinen kommt immer erst später, beim Verarbeiten der Erlebnisse, und nicht während den Geschehnissen selbst.
Titel: Re: Wenn eure Geschichten euch zum Weinen bringen
Beitrag von: Klecks am 24. Januar 2016, 15:34:46
Zitat von: flowrite am 24. Januar 2016, 01:06:00
Eine gewisse professionelle Distanz zu allen Figuren zu wahren, gehört für mich zum A&O schriftstellerischen Schaffens.

Das ist nicht persönlich gemeint, aber als ich das gelesen habe, war ich sehr erstaunt, weil ich mir das einfach für mich persönlich überhaupt nicht vorstellen kann. Für mich gehört zum A und O schriftstellerischen Schaffens nämlich die Nähe zu allen Figuren. Für mich ist es das schönste Gefühl überhaupt, ihnen nahe zu sein, und für mich hat das überhaupt nichts mit Professionalität oder Nicht-Professionalität zu tun. Ob jemand weint oder nicht weint, übrigens auch nicht.  :hmmm:
Titel: Re: Wenn eure Geschichten euch zum Weinen bringen
Beitrag von: Vic am 24. Januar 2016, 19:37:12
Zitat von: Klecks am 24. Januar 2016, 15:34:46
Das ist nicht persönlich gemeint, aber als ich das gelesen habe, war ich sehr erstaunt, weil ich mir das einfach für mich persönlich überhaupt nicht vorstellen kann. Für mich gehört zum A und O schriftstellerischen Schaffens nämlich die Nähe zu allen Figuren. Für mich ist es das schönste Gefühl überhaupt, ihnen nahe zu sein, und für mich hat das überhaupt nichts mit Professionalität oder Nicht-Professionalität zu tun. Ob jemand weint oder nicht weint, übrigens auch nicht.  :hmmm:

Sehe ich genauso. =)
Ich denke beides kann funktionieren, aber ich brauche diese Nähe zu meinen Charakteren auch.
Ich muss sie immerhin besser kennen als ich meine engsten Freunde kenne und dabei bleibt einfach nicht aus, das man ihnen sehr nah kommt. Ich bin immerhin in den emotionalsten wichtigsten Momenten ihres Lebens nicht nur Anwesend sondern vermutlich sogar in ihrem Kopf. Viel näher kann man jemandem eigentlich nicht sein, oder?  :lehrer:
Titel: Re: Wenn eure Geschichten euch zum Weinen bringen
Beitrag von: Fianna am 24. Januar 2016, 19:58:41
Ich finde, es geht beides. Ich fühle mich meinen Charakteren auch nahe, dennoch ist mein Verhältnis zu ihnen meist das eines Schachspielers zu seinen Figuren.
Titel: Re: Wenn eure Geschichten euch zum Weinen bringen
Beitrag von: Trippelschritt am 24. Januar 2016, 22:03:59
Und ich bin in guten Szenen in ihnen drin und lebe sie. Leider gelingt mir das nicht immer.

Trippelschritt
Titel: Re: Wenn eure Geschichten euch zum Weinen bringen
Beitrag von: foxgirl am 24. Januar 2016, 22:14:50
Ich denke bis zu einem gewissen Punkt ist das auch Geschmackssache. Ich persönlich brauche die Nähe zu meinen Figuren, damit sie glaubhaft und lebendig sind. Das heißt in meinem Fall eben auch in Kauf zu nehmen, dass mir immer mal wieder die Tränen kommen. Ich denke nicht, dass das Weinen etwas über die Nähe oder Distanz an sich aussagen muss, ich bin nur ohnehin ein emotionaler Mensch und weine eben bei meinen ebenso wie bei fremden Büchern. Ich schreibe dann auch weiter währenddessen und obwohl es danach, wie alles andere auch, Überarbeitung braucht, finde ich nicht einmal dass es bei mir dann besonders kitschig wird oder so. Ich glaube, dass es da nicht einen richtigen Weg gibt, sondern viele Ansätze. Man muss nur einen finden, der für einen selbst funktioniert, egal ob das heißt, dass man weiterschreibt oder pausiert wenn man weinen muss, ist eben persönliche Vorliebe.
Titel: Re: Wenn eure Geschichten euch zum Weinen bringen
Beitrag von: Moni am 25. Januar 2016, 12:38:22
Ich gehöre auch zu denen, die von ihren eigenen Geschichten nicht zu Tränen gerührt werden und ich muß gestehen, mir passiert es auch höchstselten bei Werken anderer. Generell habe ich eher bei Filmen oder Musik einen Kloß im Hals (oder Videospielen, ich sag da nur: Anfang von Last of us... )
Mich nimmt es durchaus auch mal mit, wenn ich eine sehr emotionale Szene schreibe, aber eher in Richtung Erschöpfung, als daß ich weinen muß. Vielleicht bin ich aber auch nicht empathisch genug, wer weiß.  ;D
Dabei würde ich nicht sagen, ich wäre distanziert zu meinen Figuren. Aber vielleicht "lebe" ich meine Geschichten auch nicht genug, es fällt mir in der Regel sehr leicht, einen Schritt zurückzutreten und einmal neutral zu betrachten.


Titel: Re: Wenn eure Geschichten euch zum Weinen bringen
Beitrag von: Big Kahuna am 05. Februar 2016, 11:53:54
ZitatEine gewisse professionelle Distanz zu allen Figuren zu wahren, gehört für mich zum A&O schriftstellerischen Schaffens. Wenn mir dabei Tränen in die Augen schießen., heißt das: Schreibstift beiseite legen und der Trauerphase frönen. Vielleicht mit anderen Stellen weiterschreiben, erst mit unverfänglichen (in der es also eh keine Bezüge zur toten oder leidenden Figur gibt), dann die Reminiszenzen ... Mit dem Tod der Figur ins Reine kommen, sich in den Fortlauf der Geschichte fügen. Es ist ja mitnichten so, dass man als Intuitivschreiber (im Gegensatz zu Planschreibern) Macht darüber hätte, gell. Erst dann wieder dransetzen und die Gefahr, dass der Text über meinem Tränenfilm in rührseligen Kitsch abgleitet, ist gebannt. Bei mir würde diese Gefahr nämlich bestehen, deshalb habe ich nämlich schon mal eine Kurzgeschichte rigoros auf die Hälfte gekürzt.

Ich hake mich zu der Aussage auch mal kurz ein:
Ich kann dir weder zustimmen noch widersprechen, da ich glaube, es ist Ansichtssache. Ich bin allerdings der Meinung, dass man Gefahr läuft, seine Figuren emotionslos wirken zu lassen, wenn man sich zu sehr von ihnen distanziert. Und wenn ich wegen der Gefühle in meinem Buch nicht mal selbst gerührt bin, ist es doch ziemlich wahrscheinlich, dass es beim Leser auch nichts hervorruft.
Aber das liegt vielleicht an mir, und ich bin ein seeehr emotionaler Schreiber.
Titel: Re: Wenn eure Geschichten euch zum Weinen bringen
Beitrag von: Adalind am 20. Februar 2016, 10:34:27
Meine Geschichten bringen mich nicht zum Weinen, auch, wenn sie noch so tragisch sind und auch, wenn noch so viele Hauptpersonen sterben. Ich finde die Vorstellung, beim Schreiben Tränen zu vergießen, eher merkwürdig, auch, wenn ich nicht genau sagen kann, warum. Vielleicht liegt es zu einem Teil daran, dass ich kein sonderlich emotionaler Mensch bin und generell sehr selten weine?

Was hin und wieder passiert, ist, dass mir etwas mulmig zumute wird, wenn ich eine meiner Figuren sterben lasse oder einer meiner Figuren das Leben kaputt mache. Besonders, wenn ich einer sehr liebgewonnen Figur, die mich schon lange begleitet, Schlimmes antue, habe ich ein schlechtes Gewissen.
Titel: Re: Wenn eure Geschichten euch zum Weinen bringen
Beitrag von: Waldhex am 20. Februar 2016, 12:41:16
Also ich bin ohnehin reichlich sensibel und emotional, von daher kommen mir schon immer wieder beim Schreiben die Tränen. Aber ich weine auch bei Filmen etc.
Ich werte es für mich eher als gutes Zeichen. Wie Big Kahuna schon geschrieben hat - wenn es mich nicht rührt, wenn soll es dann rühren?
Titel: Re: Wenn eure Geschichten euch zum Weinen bringen
Beitrag von: Judith am 20. Februar 2016, 12:49:31
Zitat von: Waldhex am 20. Februar 2016, 12:41:16
Wie Big Kahuna schon geschrieben hat - wenn es mich nicht rührt, wenn soll es dann rühren?
Nun ja, die Leser.  ;)
Ich gehe als Autorin logischerweise anders an meine Texte heran als als Leserin an fremde Texte. Wenn einen die Texte beim Schreiben nicht zum Weinen bringen, sagt das meiner Meinung nach nichts darüber aus, wie es dann den Lesern damit ergeht.
Titel: Re: Wenn eure Geschichten euch zum Weinen bringen
Beitrag von: Siara am 20. Februar 2016, 13:09:03
Zitat von: Judith am 20. Februar 2016, 12:49:31
Zitat von: Waldhex am 20. Februar 2016, 12:41:16
Wie Big Kahuna schon geschrieben hat - wenn es mich nicht rührt, wenn soll es dann rühren?
Nun ja, die Leser.  ;)
Ich gehe als Autorin logischerweise anders an meine Texte heran als als Leserin an fremde Texte. Wenn einen die Texte beim Schreiben nicht zum Weinen bringen, sagt das meiner Meinung nach nichts darüber aus, wie es dann den Lesern damit ergeht.
Dem stimme ich nur sehr begrenzt zu. Meiner Meinung nach merkt man doch sehr deutlich, wie sehr die Geschichte den Autor selbst mitgerissen hat. Weinen muss vielleicht nicht unbedingt sein, da ist sicher jeder anders, auch als Autor. Aber wenn eine traurige Szene einfach nur runtergetippt ist, und sei es in noch so hübschen Wörtern, ist das zu spüren. Es liegt vielleicht einfach an der mangelnden Empathie zu seinen Figuren, die dafür sorgt, dass man die Gefühlslage nur um einen Ton verfehlt. Traurig ist ja schließlich nicht gleich traurig. Damit man den Leser an der richtigen Stelle trifft, muss man meiner Erfahrung nach auch selbst tief berührt sein.

Was mich angeht: Ich habe beim Schreiben erst ein einziges Mal geweint. Meistens habe ich mich an extremen Stellen des Romans eher in einer Art Rausch befunden, in dem das Herz schnell schlägt, man starke Gefühle durchlebt. Aber ich bin einfach nicht so nah am Wasser gebaut. Diese eine Szene, wo es dann doch soweit kam, war eine vorgegriffene. Ich bin morgens aufgestanden, und musste sie einfach schreiben, obwohl chronologisch noch hundert Seiten zuvor kamen. Da habe ich dann tatsächlich von Anfang bis Ende geweint.
Titel: Re: Wenn eure Geschichten euch zum Weinen bringen
Beitrag von: Maubel am 20. Februar 2016, 13:21:14
Ich gehör da wohl auch zu der emotionalen Fraktion. Richtig geweint habe ich beim Schreiben nicht, aber kurz mal der Traurigkeit Ausdruck verleihen ist drin. Das liegt daran, dass ich am besten schreiben kann, wenn ich mich direkt in die Figuren rein versetze. Das sieht dann mitunter komisch aus, weil sich meine Mimik beim Schreiben lustig verzieht und mein Mann immer fragt, was denn nu los sei, wenn er mal hinguckt, aber für mich funktioniert diese Methode, bzw. kann ich sie auch gar nicht vermeiden. Ein Zeichen für Qualität ist es deshalb noch nicht.

Als Zeichen für Lesequalität sehe ich es, wenn ich eine Geschichte/Szene nach genügend langer Zeit wieder vorhole und ich beim Lesen meiner eigenen Geschichte noch gerührt bin. Ich weiß ja, was passiert und bin ja nicht davon überrascht, deshalb finde ich es ein gutes Zeichen, wenn es dennoch Gefühle hervor ruft, ob das nun Traurigkeit oder auch lustig ist. Und ob die Leser dabei emotional werden, hängt wahrscheinlich auch wieder vom Typ ab. Ich muss häufiger lachen, aber wenn ich bei einem Buch wirklich weine und nicht einfach nur ein bisschen traurig bin, dann muss das schon verdammt gut aufgebaut sein.
Aber ich denke, da lässt sich keine Regel ableiten, ob das nun gut oder schlecht ist, dass man stark oder gar nicht mitfühlt - da ist einfach jeder anders.
Titel: Re: Wenn eure Geschichten euch zum Weinen bringen
Beitrag von: canis lupus niger am 20. Februar 2016, 14:31:27
Zitat von: Guddy am 16. Januar 2016, 11:04:14
Zitat von: Big Kahuna am 16. Januar 2016, 10:14:30
Ich hab das Pferd meines Protas getötet und geheult wie ein Schlosshund :'(
Artax!
Die Szene, in der ich das Pferd meines Protas umbringen muss, steht mir auch unmittelbar bevor. Ich fürchte, das wird auch eine der schlimmsten Szenen für mich.

Ich habe lange mit mir gerungen und mir von meinen Töchtern, die mit dem Prota und seinem Pferd quasi aufgewachsen sind, schwerste Vorwürfe anhören müssen. Auch die Konfrontation mit einem meiner Betaleser, einem ausgesprochenen Pferdeliebhaber, steht mir noch bevor. Aber ich habe das auch getan. Ich habe meinem Prota sein Pferd genommen, das ihm extrem viel bedeutete. Aber geweint habe ich nicht, nur monatelang ein schlechtes Gewissen gahabt.

Ähnlich ging es mir in einem anderen Roman mit einem wichtigen Nebencharakter, dem "Guten", einem , nein, DEM Sympathieträger, dessen Schicksal praktisch wie ein Avatar für den Verlauf der ganzen Geschichte steht. Aber so wie der Verlauf der Geschichte an dieser Stelle einen absoluten Tiefpunkt erreicht, bleibt nichts anderes übrig, als den jungen Mann zu opfern. Tat mir leid, war aber nötig. :darth: 
Titel: Re: Wenn eure Geschichten euch zum Weinen bringen
Beitrag von: Culham am 23. Februar 2016, 17:38:38
Wenn einen die eigene Geschichte zum weinen bringt ist das gut. Das heißt ja, man wird emotional angesprochen. Man schreibt etwas, was etwas in einem selbst zum klingen bringt...
ABER: bei keinen anderen Szenen braucht man so dringend einen Beta-Leser, denke ich. Zumindest bei mir ist es so, dass ich in solchen Szenen dazu neige zu dick aufzutragen... Gut, das ist bei mir doppelt problematisch weil ich sonst recht nüchtern schreibe. Aber ich habe für mich selbst entschieden, dass ich bei Szenen, die mich sehr berühren, skrupelloser den Rotstift ansetzen als irgendwo sonst.