Tintenzirkel - das Fantasyautor:innenforum

Handwerkliches => Workshop => Thema gestartet von: Solatar am 18. Mai 2007, 16:14:08

Titel: Kurzgeschichten
Beitrag von: Solatar am 18. Mai 2007, 16:14:08
Was mich wirklich mal brennend interessieren würde...worauf achtet Ihr beim Verfassen von Kurzgeschichten?

Hintergrund:
Ich schreibe normalerweise keine oder eben nur selten Kurzgeschichten, weil ich meist viel zu ausufernd formuliere und mit den Beschränkungen von oft max. 10.000 Zeichen so meine liebe Mühe habe. Lange Rede kurzer Sinn...worauf kommt es wirklich an?
Wie packt Ihr eine vernünftige Charakterzeichnung, Story und Entwicklung in einen so schmalen Rahmen? Über eine Art Prolog dürfte eine vernünftige KG aus dem Fantasybereich für mich eigentlich kaum hinauskommen.
Was ist Euer bevorzugter Erzählstil?
Titel: Re: Kurzgeschichten
Beitrag von: Elena am 18. Mai 2007, 16:34:09
Ich finde Kurzgeschichten im Fantasybereich sehr schwer. Von meinen Kurzgeschichten sind vielleicht nur 5%-10% im Fantasygenre angesiedelt, eben weil es so schwierig ist, eine Welt kompakt zu beschreiben.
Was Charaktere angeht, versuche ich, außergewöhnliche Charaktere zu nehmen, die sich innerhalb von wenigen Zügen von anderen unterscheiden und einprägen (und damit meine ich NICHT, dass sie ein grünes und ein braunes Auge haben, wunder-wunder-wunderschön sind, Catgirl und letzte ihres Volkes). Halt jemand, der sich gut skizzieren lässt, weil er einige markante Merkmale hat. Viele meine Kurzgeschichte beherbergen deswegen auch eher seltsam anmutende Gestalten, mit denen ich (und ein Leser) es vermutlich auch keine 300 Seiten aushalten würden.

Darauf achte ich, und natürlich, dass alles verständlich ist. Andeutung und Ähnliches halte ich eher zurück, weil oft keine Zeit bleibt, es auszuführen und der Lesern sonst mit zu vielen Fragezeichen überm Kopf stehen bleibt. Das ist gerade bei Fantasykurzgeschichte ein Probelm, die entweder wie ein Ausschnitt aus einer größeren Geschichte oder eine Zusammenfassung wirken. Da muss man sehr auf die Abgeschlossenheit achten, dass die Motive der Figur auch wirklich innerhalb der Story erklärt werden können und nicht noch zweihundert Seiten Vorgeschichte für das Verständnis wichtig wären.

Ansonsten ... tja, mehr fällt mir gerade nicht ein. Stil, Spannung und interessantes Ende sind natürlich mit dabei. Andererseits gestatte ich mir bei den Kurzen mitunter auch etwas mehr Narrenfreiheit und probiere viel aus, zumal nur ein kleiner Teil für ein Publikum gedacht ist. Wichtig ist es, auch wirklich die richtigen Ideen für Kurzgeschichten zu finden und nicht zu versuchen, eine Romanidee in eine Kurzgeschichte zu pressen. Dann klappt's oft auch besser mit der Zeichenbegrenzung.

Liebe Grüße,

Elena
Titel: Re: Kurzgeschichten
Beitrag von: Artemis am 18. Mai 2007, 16:38:47
Oh, gute Frage  :hmmm:

Ich persönlich hatte früher öfter Kurzgeschichten geschrieben, die aber meist in sehr begrenztem Rahmen gehalten. Lass mich mal nachdenken, worauf ich da immer geachtet hab ...

- Welt kaum oder nur kurz anreißen (zumindest den Bereich, in dem die Geschichte spielt, der ja eh nicht groß sein wird)
- der Leser sollte kein Hintergrundwissen brauchen (Götter, Erschaffung der Welt, Besonderheiten der Welt ect.) DAS frisst nämlich Seiten ohne Ende!
- Anzahl der Charaktere gering halten, damits nicht zu verwirrend wird (man wird sie eh nie alle behandeln können, also spart man sich das besser und fixiert sich nur auf eine kleine Gruppe)
- Plot so fein wie möglich ausarbeiten - sobald man anfängt rumzuspinnen, gehen die Gedanken zu weit und die Story fällt aus dem Rahmen
- den Hauptcharakter weder zu flach noch zu komplex machen - er braucht kein Heini zu sein, aber auch kein Psychopath, der vielleicht noch mit Shizophrenie zu kämpfen hat
- die Entwicklung des Charakters möglichst in eine einzige Lektion pressen - in der KG wird er niemals sein ganzes Ich umkrempeln, also gib ihm bloß einen "Aha-Effekt", das reicht (vielleicht ändert er seine Meinung gegenüber einem Thema, er findet in einem Feind plötzlich einen Freund, er überwindet eine Angst ect.)
- kein Geschwafel am Anfang, kein Gezülze am Ende - man sollte flüssig in den Brennpunkt rutschen und die Pointe Pointe sein lassen
- der Erzählstil sollte knapp, aber nicht zu knapp sein - poetisches Gelaber ist ein unnötiger Zeilenfresser und oft unpassend, aber zu kurze Sätze schaden dem Lesefluss
- im Bereich Fantasy am besten auf Wohlbekanntes zurückgreifen - wer erst noch mit fremden Rassen und Kulturen um sich wirft, hat sich rasch verzettelt
- und vor allem: nicht zu viel auf einmal wollen - es bringt dir nix, wenn du zwar eine geniale Story hast, aber allein das Storyboard schon zwei Seiten braucht. Beleuchte eine Szene, eine gute Sequenz, in die du Handlung, Umgebung und Protagonist bettest und geradlinig vom Ausgangspunkt zum Ziel führst


So, mehr krieg ich auf Anhieb nicht zusammen  ::)

Kleiner Tip am Rande: Wirf doch einfach mal ein Auge in ein altes Lesebuch. Da drin sind so viele KGs, von denen du dir Stil, Satzbau und Spannungsbogen abschauen kannst!
Titel: Re: Kurzgeschichten
Beitrag von: gbwolf am 18. Mai 2007, 16:50:27
Bei mir ist es derzeit umgekehrt: Ich komme aus der Kurzgeschichtenecke und fange jetzt mit den Romanen an, muss also meinen Schreibstil komplett umstellen. Plötzlich habe ich ganz viel Platz, um noch mehr zu beschreiben und längere Dialoge zu machen. Nachdem meine Kurzgeschichten sehr komplex wurden, halte ich mich mit Kgs mittlerweile etwas zurück.

Das ist für mich schon einer der wichtigsten Punkte: Geringe Komplexität. Am besten fasst man die Handlung kurz für sich zusammen, ob im Kopf oder auf Papier ist egal, und streicht dann gnadenlos alles, was nicht mit der geraden Linie zu tun hat.
Ein Hauptcharakter, der stark beschrieben wird.
Ein Problem.
Ein Fokus.
Ein Ausschnitt der Welt.

Meistens schreibe ich Kgs, weil ich eine Idee reizvoll finde oder eine Situation, mir ein Bild gefällt. Ich versuche, den Plot auf den Kern herunter zu brechen und nur zu erzählen, was relevant ist. Am besten finde ich einen spannenden Einstieg in der Handlung, eventuell eine Kurzbeschreibung der Welt ("In der tropischen Bucht von Blah liegt die Stadt Umpfa, in der die Geschichte beginnt, als Hero seinen zwanzigsten Sommer erlebt."). Eine Pointe braucht es für meinen Geschmack nicht, nur einen runden Schluss.

Im Roman habe ich auch Zeit, zu beschreiben, viel Kleinkram und Atmo reinzubringen, etc., in der Kg interessiert das niemanden.
@Solatar: Ich habe mal den Anfang Deiner Leseprobe aufgestöbert und gesehen, dass Du sehr großen Wert auf Details legst. Die alle streichen, macht schon die halbe Kurzgeschichte. Dann geht nur jemand über den Boden aus Eis und die Diener wuseln: Zwei Sätze, statt zwei Seiten. Man muss sich bei Kurzgeschichten sehr zwingen, zu reduzieren und trotzdem genug Fleisch dran lassen, um Atosphäre zu haben.

Ich kann übrigens jedem, der an Fantasy-Kurzgeschichten interessiert ist, empfehlen mal auf Kurzgeschichten.de vorbei zu schauen (Federfeuer.de kenne ich nicht so gut, sonst würde ich für euch Werbung machen ;) ) und sich z.B. die Empfehlungen zu Gemüte zu führen und teilweise auch die Kommentare, weil man da schon sehr viel Über Aufbau und Stil von Kurzgeschichten erfährt (man muss nur aufpassen, dass man kein Märchen erwischt). Ich habe jedenfalls mit Analyse und Kritik von Leuten, die mich nicht kennen, sehr viel gelernt.

Grüße, Wölfin
Titel: Re: Kurzgeschichten
Beitrag von: Volker am 18. Mai 2007, 18:02:17
Zitat von: Solatar am 18. Mai 2007, 16:14:08
Was mich wirklich mal brennend interessieren würde...worauf achtet Ihr beim Verfassen von Kurzgeschichten?

[...] Beschränkungen von oft max. 10.000 Zeichen so meine liebe Mühe habe. [...]

Ich habe mit "Feierabend" ein Extrem extrem ausprobiert. Nach Kürzen, Kürzen, Kürzen waren gerade mal 301 Worte übrig. So eine Story würde also gut 30x in das Limit passen.    ;D

Kurzgeschichten sind eher Momentaufnahmen denn Geschichte(n). Wenn ich mit dieser Prämisse (Foto statt Film sozusagen) daran gehe, kurzgeschichtet es sich einfacher.
;)
Titel: Re: Kurzgeschichten
Beitrag von: Solatar am 18. Mai 2007, 18:47:44
Vielen Dank für die Tipps.

Ich denke, das ist fürs Erste schon ganz hilfreich. Dann will ich mal versuchen zu kürzen, zu kürzen, zu streichen, zu kürzen, rauszuschmeissen und nochmals zu kürzen.

Etwa so ?

Die Sonne ging auf. Das Schwert schimmerte im Sonnenlicht.
Der Held nahm es auf, führte es in die Schlacht und gewann. Am Ende des Tages stand er allein. Als die Sonne versank, ging er nach Hause und legte sich ins Bett. Er fühlte sich schrecklich einsam.

Ende

Aber im Ernst...ich denke, dass ich einfach mal KG schreiben werde. Das mit den Ideen, Bildern, Situationen und Momentaufnahmen finde ich gut. Es eignet sich, diese in der Kurzform festzuhalten. Vielleicht kann man sie später sogar in einen längeren Roman einbauen.

@gbwolf

"Ich habe mal den Anfang Deiner Leseprobe aufgestöbert..."

...oh nein :o ...ausgerechnet dieser für mich so peinliche Internetauftritt mit Minimalistenausstattung...wie konntest Du das denn überhaupt finden ? Ich dachte, da guckt sowieso nie jemand rein. Aber Du hast recht, die Details sind mir in den Romanen schon wichtig.
Titel: Re: Kurzgeschichten
Beitrag von: gbwolf am 18. Mai 2007, 18:51:52
Zitatwie konntest Du das denn überhaupt finden ?
Nachdem Du im Vorastellungsthread den Titel des Romans verraten hast, war das über google nicht schwer. Ich bin so ein Informationsbuddelwolf und chronisch neugierig  8)
Titel: Re: Kurzgeschichten
Beitrag von: Solatar am 18. Mai 2007, 18:57:11
OK. Nachvollziehbar. Da sind wir uns wahrscheinlich ähnlich.
Ich wühle auch gelegentlich und muss gestehen, dass ich Deine Internetseite auch schon mal gesehen habe und was von Dir gelesen habe... :buch:
Titel: Re: Kurzgeschichten
Beitrag von: THDuana am 18. Mai 2007, 19:27:47
Ich muss gestehen, dass die allerwenigstens KGs von mir im Fantasybereich stattfinden.

Das Problem mit der Länge habe ich auch - nur sind die Geschichten bei mir zu kurz.

Ich finde, wenn man Kurzgeschichten übt, also ein paar von ihnen schreibt und dabei im Hinterkopf behält, dass es nicht zu einem Roman ausufern soll, fällt es sehr viel leichter, als wenn man "mal so" eine KG schreiben will.

Meist ist es bei mir eine kurze Szene, die ein offenes oder sehr kurzes, abruptes Ende hat und einen schnellen Einstieg (ich war sehr erleichtert, als ich mal gelesen habe, dass das so auch zu Kurzgeschichten gehört und nicht als "komisch" gilt. :))
Die Charaktere haben bei mir meist sehr viel Innenwelt, weshalb ich glaube, dass sie den Lesern schneller nah treten können.
Aussehen und Umgebung beschreibe ich kaum.

Und wenn es um Fantasy geht... gut, da bediene ich mich der ganz klischeehaften Fabelwesen, damit der Leser nicht zu sehr im Unwissen schwebt.
Traditionen oder Ähnliches würde ich nur ganz kurz anreißen.
Auf den Kern der Geschichte solltest du immer sehr achten und nur wenig Beiwerk drumherum basteln, denn sonst - passiert mir öfter ::) - wird ganz schnell eine Romanidee daraus.

Das schwierige an KGs ist eben, dass sie nur kleine Geschichten mit weniger Inhalt in weniger Zeit sind. Aber ich glaube, das kann man nur durch Ausprobieren und Schreiben üben.


Duana
Titel: Re: Kurzgeschichten
Beitrag von: Volker am 18. Mai 2007, 21:56:07
Zitat von: Solatar am 18. Mai 2007, 18:47:44
Dann will ich mal versuchen zu kürzen, zu kürzen, zu streichen, zu kürzen, rauszuschmeissen und nochmals zu kürzen. Etwa so ?

Die Sonne ging auf. Das Schwert schimmerte im Sonnenlicht.
Der Held nahm es auf, führte es in die Schlacht und gewann. Am Ende des Tages stand er allein. Als die Sonne versank, ging er nach Hause und legte sich ins Bett. Er fühlte sich schrecklich einsam.

Naja, da sind wohl die falschen Stellen gekürzt worden - und immer noch überflüssiges/banales 'drin, die Sprache noch nicht dicht genug.  ;)
Für mich geht "Kurzgeschichte" eher in so eine Richtung (als Schnellschuss):

Blutig rot  hing die Abendsonne über dem Schlachtfeld. Oben auf dem Hügel stand allein noch der Held.  In den frischen Scharten seines Schwertes glitzerte es ein letztes Mal, als die Sonne hinter den Bäumen versank. Dem Held fröstelte. "Helden sterben einsam, sagt man." Er verzog einen Mundwinkel.  "Kein Wunder - sie sind es bereits."

Titel: Re: Kurzgeschichten
Beitrag von: gbwolf am 18. Mai 2007, 22:10:35
Bevor der Pathospegel hier überläuft noch ein Vorschlag zur Kurzgeschichtenübung: Ein Schwank aus dem Leben des Romanhelden, den man in den Roman nicht einbauen kann, der aber zwischen den Zeilen mit einfließt.

Wieviel Mühe mag es den Ritter gekostet haben, seinen besten Freund aus einer Streitigkeit mit der Nachbarbaronie rauszuhauen? Was haben die beiden auf der Sauftour verbrochen, an das sie sich am nächsten Tag nicht mehr erinnern und die Folgen beseitigen müssen? Wie war das, als der Held den ersten Ork erschlug?

Vorteil ist, dass man den Charakter und die Welt bereits kennt und sich erstmal auf den Plot und den veränderten Stil konzentrieren kann.
Titel: Re: Kurzgeschichten
Beitrag von: caity am 19. Mai 2007, 10:08:28
Hallo Solatar,

ja, das Problem kenne ich gut.
Früher habe ich viele "Kurzgeschichten" im Fantasygenre geschrieben. Sie waren dann meistens so, dass den Charakteren keinerlei Beachtung geschenkt wurde und nur auf die Handlung eingegangen wurde. Die Geschichte waren platt und uninteressant, außerdem voller Klischees ...
Mittlerweile finde ich das Kurzgeschichtenschreiben in anderen Genres wesentlich einfacher. Ein paar philosophische Gedanken zur Liebe, der Alltag eines Menschen in seinen wichtigsten Punkten festgehalten, usw.
Erst nachdem ich diese Dinge einigermaßen abgewickelt hatte, hab ich mich wieder an das Kurzgeschichtenschreiben im Genre Fantasy gemacht... und daraus auch einiges mitgenommen. Die Kunst des Kurzgeschichtenschreibens ist imho, wirklich die wichtigste Phase aus dem Leben eines Menschen herauszupicken und nur über sie zu berichten. Keine langen Vorreden, vielleicht in einem kurzen Satz Hinweise auf die Vergangenheit geben, ansonsten aber auf die Gegenwart konzentrieren. Die Welt ist auch nicht so wichtig, die kann man in einem langen Wälzer vorstellen. Wichtige Punkte, ohne die die Geschichte nicht funktionieren können, sollten erwähnt werden, ansonsten: Schweigen!
Imho ist das wirklich eine Kunst und sehr schwierig: Das wichtige, vom unwichtigen trennen. Aber eigentlich unterscheidet sich da ein Roman kein bisschen von der Kurzgeschichte. Nur ist es im Roman eben so, dass die Handlung auf ienen längeren Zeitraum angesiedelt werden darf :)

Bye
caity
Titel: Re: Kurzgeschichten
Beitrag von: Solatar am 22. Mai 2007, 18:50:23
Vielen Dank für Eure wirklich guten und hilfreichen Tipps.
Dank Euch konnte ich jetzt zwei nette Kurzgeschichten verfassen, die ich dann mal gleich eingereicht habe. Sollten sie tatsächlich ausgewählt und veröffentlicht werden, waren die Tipps nicht nur gut und hilfreich, sondern geradezu phänomenal. ;D
Titel: Re: Kurzgeschichten
Beitrag von: Judith am 31. März 2010, 10:50:52
Ich buddel hier mal einen uralten Thread aus ...

Momentan stehe ich mal wieder vor meinem alten Problem: Ich kann keine Kurzgeschichten schreiben. Oder besser gesagt: Ich habe keine Ideen für Kurzgeschichten.
Allerdings bin ich gerade an einem Punkt, wo ich ein paar kürzere Sachen "zur Entspannung" brauche. Vor ein paar Jahren hab ich mal die eine oder andere Fantasykurzgeschichte geschrieben und fand das für zwischendurch ganz angenehm. Aber zur Zeit stehe ich wie der Ochs vorm Berg und frage mich ratlos, wie man denn auf eine Handlung kommt, die es wert ist, erzählt zu werden, aber überschaubar genug, um in ein paar Seiten zu passen. Dabei habe ich als leidenschaftliche Weltenbastlerin eigentlich eine Welt, die randvoll ist mit Geschichten.

Kennt ihr das Problem? Woher holt ihr euch Inspiration für kürzere Geschichten? Fliegen euch die Ideen dafür einfach zu oder lasst ihr es gleich ganz bleiben und schreibt nur Romane?
Titel: Re: Kurzgeschichten
Beitrag von: Darkstar am 31. März 2010, 10:54:57
Hast du schon versucht, einen interessanten Punkt aus deiner Welt auszugreifen, die du im Lauf deines Romanprojekts nur gestreift hast, und die du jetzt mit einer Kurzgeschichte vertiefen könntest?

Und wenn du etwas zum Entspannen brauchst: Warum schreibst du nicht eine kurze Szene darüber, wie jemand erstmals auf eine bestimmte Umgebung aus deiner Welt trifft und wie er die wahrnimmt. Da kommt wahrscheinlich keine Kurzgeschichte bei rauß, aber mit etwas Glück bekommst du ein facettenreicheres, vertieftes Bild deiner eigenen Welt und kannst den einen oder anderen Absatz später vielleicht gar für dein Romanprojekt ausschlachten.
Titel: Re: Kurzgeschichten
Beitrag von: zDatze am 31. März 2010, 11:15:55
Ich liebe es, einen/mehrer meiner Protas aus Projekten in Kurzgeschichten zusammen zu packen. Da kommen dann interessante Konstruktionen raus, die es in dem Projekt so gar nicht gegeben hat. Das ganze verarbeite ich als "Szene". Es ist also nur ein Ausschnitt.
Nebencharas eigenen sich gut dafür.  ;)

Inspiration kann von vielen Seiten kommen. Bei mir sind typische Auslöser ein Bild oder ein Wort.
Manchmal versuche ich auch nur ein bestimmtes Gefühl in einem Text aus zu drücken (als kleine Übung).
Oder aus der Sicht eines Gegenstandes schreiben. Ein Zauberschwert, das sich über sein Dasein beklagt ... *notizbuch rauskram* Das muss ich mal probieren. ;D

Muss bei dir eine Kurzgeschichte abgeschlossen sein? Das macht das ganze Schwieriger, finde ich ...
Titel: Re: Kurzgeschichten
Beitrag von: Judith am 31. März 2010, 13:34:31
Es soll auf alle Fälle eine abgeschlossene Geschichte sein. Mit "zum Entspannen" war eher gemeint, dass ich momentan etwas Auszeit von langen Romanprojekten brauche (bzw. die alle erst plotten muss und inzwischen was für meinen T12-Wordcount brauche *hüstel*), aber ich möchte nicht einfach nur Fragmente schreiben.
Ich bin leider oft eine Niete im Plotten und tu mir irrsinnig schwer mit ordentlichen Enden. Eine Handlung (und sei es auch noch so eine kurze) zu einem angemessenen Ende zu führen - so etwas kann man gut mit Kurzgeschichten üben, denke ich. Aber gerade deshalb finde ich es auch so schwer, mir etwas einfallen zu lassen. Kurze Szenen oder Fragmente - kein Problem. Kurze Handlung mit Anfang und Ende - uff.  :seufz:

Jetzt mal ganz doof gefragt: Meint ihr, dass man das lernen kann? Oder ist das etwas, das man "hat" oder eben nicht? Die, die Kurzgeschichten schreiben: Sucht ihr bewusst nach einer Geschichte oder sind die Ideen dafür einfach da?
Titel: Re: Kurzgeschichten
Beitrag von: Wuo Long am 31. März 2010, 14:59:56
Zu einem gewissen Grad kann man eigentlich alles lernen. Aber diese Antwort hilft dir wahrscheinlich nicht weiter. Hmmm...

Als ich angefangen habe, Kurzgeschichten zu schreiben, blickte ich schon auf fünf Jahre Schreiben von Romanen zurück. Das Problem mit dem Ausufern hatte ich deswegen auch und daher sind die meisten Kurzgeschichten von mir auch in der realen Welt angesiedelt. Fantasy-Kurzgeschichten habe ich um ehrlich zu sein erst letztes Jahr angefangen zu schreiben und bisher sind gerade mal zwei davon fertig.

Mein Tipp wäre es daher auch, zuerst mit Geschichten aus dem Alltag (oder einem anderen Genre, das dir besonders gut liegt) anzufangen und sich erst dann auf Kurzgeschichten in der Fantasy zu konzentrieren, wenn du etwas mehr Übung hast. Ich kann für mich persönlich sagen, dass das Verfassen von Kurzgeschichten dazu beigetragen hat, dass ich mich auch in meinen Romane um einen knapperen, konzentrierten Stil bemühe.

Was Inspirationen betrifft, würde ich einfach sagen, Augen offen halten - und das ist einfacher gesagt als getan. Inspirationen von Kurzgeschichten gewinne ich aus Szenen von Filmen oder Serien, aus Gesprächen und Begegnungen mit Menschen (die meistens seltsamer Natur sind). Es kann ein Satz oder die Überschrift eines Zeitungsartikels sein, der erste Besuch in einem Casino für Arme oder ein Essaywettbewerb, bei dem ich die Deadline verpasse, weil ich im letzten Augenblick beschließe aus dem Essay eine Kurzgeschichte zu machen.  ;D

Zwei meiner Fantasy-Kurzgeschichten beleuchten die Vergangenheit von wichtigen Nebenfiguren in meinem Roman und ich halte mich bei der Konstruktion dieser Geschichten (und auch jeder anderen Kurzgeschichte) gerne nach der englischen Definition des  "slice of life". Eine Kurzgeschichte soll nur ein Querschnitt sein. Nicht mehr. Charakterentwicklung ist für Romane. In Kurzgeschichten breche ich es lieber auf ein ganz besonderes Ereignis hinunter, der der Zünder für eine starke Veränderung des Charakters ist. Dadurch bekomme ich dann auch das Ende hin, denn bei mir ist das Ende meiner Kurzgeschichten oft der Anfang einer Veränderung. (oder sollte es im Idealfall sein)
Titel: Re: Kurzgeschichten
Beitrag von: Drachenfeder am 31. März 2010, 16:00:38
Ich schreibe zwischendurch immer mal wieder eine Kurzgeschichte. Hierbei verlasse ich auch mal die Pfade der Fantasy, aber auch eher selten. Kurzgeschichten schreibe ich meistens in der Ich-Perspektive.
Ach ja und ich plotte nicht. Bei den Short Storys schreibe ich einfach blind drauf los. Funktioniert  :vibes:
Titel: Re: Kurzgeschichten
Beitrag von: Judith am 31. März 2010, 22:47:21
Ich hab jetzt erstmal begonnen, eine Episode meiner Riava aus den Göttersteinen zu schreiben, die im Roman nur rückblickend erwähnt wird. Eine wirkliche Kurzgeschichte ist das noch nicht, aber es gibt zumindest eine abgeschlossene Handlung. Und vielleicht schreib ich mich damit ein bisschen von meiner Blockade frei - ich muss mich erst wieder dran gewöhnen, auch mal wieder etwas anderes zu schreiben als einen ganzen Roman.
Titel: Re: Kurzgeschichten
Beitrag von: gbwolf am 31. März 2010, 23:05:20
Zitat von: Judith am 31. März 2010, 10:50:52
Kennt ihr das Problem? Woher holt ihr euch Inspiration für kürzere Geschichten? Fliegen euch die Ideen dafür einfach zu oder lasst ihr es gleich ganz bleiben und schreibt nur Romane?
Die meisten Lösungen beim Schreiben beginnen für mich beim Lesen. Wenn ich ein neues Genre schreiben möchte, dann lese ich sehr viel. Bevor ich an einem Jugendbuch schreibe, lese ich mindestens zwei, um emotional in Stil und Sprache zu sein und mich auf die Zielgruppe einzustellen.
Da ich nach meinen ersten Romanversuchen sehr lange Kurzgeschichten gelesen habe, ist es bei mir natürlich so, dass ich viele Ideen gar nicht für Romane oder Novellen geeignet empfinde. Oder ich kürze das Drumherum oder mache einen geschlossenen Abschnitt. Zum Beispiel habe ich mich immer aufgeregt, dass Elben übermächtig beschrieben werden, ihre Sinne aber im Hinterhalt ganz plötzlich versagen, weil der Plot sonst nicht mehr passt.
In einer Kurzgeschichte habe ich experimentiert, wie ein Hinterhalt funktionieren kann, wenn der Reingelegte eigentlich ein Übermensch ist. Die schwelenden Konflikte, die zu dieser Situation geführt haben, die Hintergründe von Protagonisten, Sidekicks und Co., habe ich so angedeutet, dass der Leser sich zurechtfindet, aber für die Handlung keine Frage offen bleibt.

Vielleicht ist das ja etwas für dich? Mal etwas ausprobieren, dass du in einem Roman machen wolltest, eine Eigenschaft, eine Gesellschaft, aber du bist unsicher, ob das funktioniert? Oder - wie bereits vorgeschlagen - einen Charakter testen oder in eine Extremsituation werfen.
Setz doch eine zickige Stadtfrau mal mit einem Koffer auf einer einsamen Insel aus  :)
Titel: Re: Kurzgeschichten
Beitrag von: caity am 04. April 2010, 11:21:45
@ Judith:

ZitatDabei habe ich als leidenschaftliche Weltenbastlerin eigentlich eine Welt, die randvoll ist mit Geschichten.

Also, da hast du deinen Fundus, auch an Kurzgeschichten: wichtig ist, dass ein Charakter etwas erlebt, das sie/ihn in irgendeiner Weise verändert.
Ich mag es gerne, Kurzgeschichten in der Welt anzusiedeln, die ich bereits kenne, denn das Wissen, das ich habe, muss nicht zwangsläufig direkt in der Geschichte erwähnt wirden, aber es schwingt mit. Manchmal kommen mir auch Ideen, wenn ich Charaktere näher begutachte. Oft es lediglich eine Szene, doch auch sie hat Anfang und Ende.
Dabei gilt für eine Kurzgeschichte: sie soll unvermittelt anfangen und unvermittelt aufhören.
Was ich beim Kurzgeschichten-Schreiben auch wichtig fand: man lernt unglaublich mit den Worten zu spielen, der Stil entwickelt sich und man kann Experimente wagen, die einem beim Roman-Schreiben später unglaublich hilft. ^^"

Bye
caity
Titel: Re: Kurzgeschichten
Beitrag von: Moa-Bella am 10. April 2010, 10:21:02
Ideen für Kurzgeschichten zu finden fällt mir meist viel schwerer als für Romane. Diese sind eher mit einem Film vergleichbar, haben eine Handlung, da kann man viel machen. Bei einer Kurzgeschichte muss man eher wie bei einem Foto einen Moment einfangen und eine Idee zu haben, bei der dieser für sich alleine wirkt, ist schwer. Ich habe ehrlich gesagt noch nie eine Fantasy-Kurzgeschichte geschrieben, ein paar könnte man so einsortieren, dennoch würde ich gerne mehr Kurzgeschichten schreiben. Einen Roman zu schreiben erfordert erst einmal Durchhaltevermögen und bei einer Kurzgeschichte kommt man schneller zum eigentlichen Schreiben. 

Meine Kurzgeschichten sind meistens Momentaufnahmen. Eine Person in einer Situation, die sie erlebt hat oder gerade erlebt und die irgendwie für sich alleine wirkt. Manchmal weiß man, was passiert ist, manchmal nicht. Man kann vieles machen, wenn es in sich stimmig ist, also kann man gar keine wirklichen RFegeln formulieren. Eine Kurzgeschichte kann auch zwanzig Seiten oder noch länger sein, das haben schon einige gemacht, dann muss man aber auch einen guten Grund haben, sie so in die Länge zu ziehen.
Titel: Re: Kurzgeschichten
Beitrag von: Judith am 10. April 2010, 11:31:11
Moa-Bella, du sprichst mir hier aus der Seele. Auch mir geht es so mit der Ideenfindung für Kurzgeschichten und dem Wunsch, dennoch mehr zu schreiben.

Übrigens lande ich - anders als anscheinend die meisten hier - selbst bei Kurzgeschichten immer wieder in meiner Fantasywelt. Nun hab ich eine Kurzgeschichte begonnen, die in unserer Welt angesiedelt ist und einigermaßen banal beginnt (eine Wanderin ist im norwegischen Kongsberg unterwegs) - und schon hab ich wieder ein phantastisches Element drin. Unglaublich.  ;D

Insgesamt aber muss ich mich wohl damit abfinden, dass Kurzgeschichten nicht mein Ding sind.  :schuldig:
Titel: Re: Kurzgeschichten
Beitrag von: Grummel am 02. Juni 2010, 13:24:19
Ich wollte keinen neuen Thread aufmachen, deshalb hier noch eine Frage zu Kurzgeschichten.

Ich habe endlich mal eine fertig und mußte notgedrungen bestimmte Tatsachen als gegeben und bekannt voraus setzen, da ich die verlangte Maximalgröße sonst bei Weitem überschritten hätte.
Aus diesem Grunde habe ich quasi einen Miniprolog und einem Miniepilog (jeweils ein knapper Absatz mit 2 Sätzen) zu dieser Kurzgeschichte geschrieben, in der der Protagonist, sein Werdegang und der geschichtliche Hintergrund kurz beschrieben werden.

Kann man das so machen?
Titel: Re: Kurzgeschichten
Beitrag von: Kerimaya am 02. Juni 2010, 13:41:27
Kann man, da ist aber die Frage, ob das wirklich so glücklich ist (heisst ja Kurzgeschichte das Ding und nicht Mini-Buch ;)) Kannst du die Infos nicht in einem Satz packen bzw. braucht die geschichte WIRKLICH diesen Hintergrund?
Titel: Re: Kurzgeschichten
Beitrag von: Grummel am 02. Juni 2010, 14:20:27
Ob sie ihn wirklich braucht werde ich feststellen, wenn meine Betaleser das Ding mit und ohne bekommen haben (also erst ohne)! :hmhm?:

Das ist so die Probe... es ist auch wirklich jeweils nur ein Satz.
Titel: Re: Kurzgeschichten
Beitrag von: Telas am 02. Juni 2010, 17:14:58
Zitat von: Grummel am 02. Juni 2010, 13:24:19
Ich wollte keinen neuen Thread aufmachen, deshalb hier noch eine Frage zu Kurzgeschichten.

Ich habe endlich mal eine fertig und mußte notgedrungen bestimmte Tatsachen als gegeben und bekannt voraus setzen, da ich die verlangte Maximalgröße sonst bei Weitem überschritten hätte.
Aus diesem Grunde habe ich quasi einen Miniprolog und einem Miniepilog (jeweils ein knapper Absatz mit 2 Sätzen) zu dieser Kurzgeschichte geschrieben, in der der Protagonist, sein Werdegang und der geschichtliche Hintergrund kurz beschrieben werden.

Kann man das so machen?


Also ich habe mal gehört, dass ein klassisches Merkmal der Kurzgeschichte der offene Anfang, wie auch das offene Ende ist. So hab ich es in der Schule gehabt, glaube ich, aber ich finde es besser, wenn jeder so schreibt, wie er es für richtig hält und deswegen würde ich den Anfang nicht streichen, wenn er gut zum Rest der Geschichte passt.
Titel: Re: Kurzgeschichten
Beitrag von: Maran am 02. Juni 2010, 22:12:22
Zitat von: zDatze am 31. März 2010, 11:15:55
Muss bei dir eine Kurzgeschichte abgeschlossen sein?

Da sind wir bei einem meiner Probleme. Ich hatte Englisch als zweiten Leistungskurs. Wir haben uns damals mit vielen short stories herumgeschlagen. Ich habe folgende Merkmale (zumindest in Bezug auf amerikanische Kurzgeschichten und u.a.) gelernt: Offener Anfang, offener Schluß. Beziehen sich diese Merkmale nur auf die amerikanischen short stories? Wie ist es im deutschprachigen Bereich?

Im Prinzip mag ich dieses Konzept gerne, es läßt viel Interpretationsspielraum. Aber das ist meine persönliche Meinung.
Titel: Re: Kurzgeschichten
Beitrag von: Linda am 02. Juni 2010, 22:52:01
Zitat von: Judith am 31. März 2010, 13:34:31
Jetzt mal ganz doof gefragt: Meint ihr, dass man das lernen kann? Oder ist das etwas, das man "hat" oder eben nicht? Die, die Kurzgeschichten schreiben: Sucht ihr bewusst nach einer Geschichte oder sind die Ideen dafür einfach da?

alles auf einmal, aber nicht immer :-)

Bevor ich Kurzgeschichten geschrieben habe, hab ich ein, zwei Romane verfasst. Irgendwann kam dann die Inspiration für Kürzeres, bei mir eng verknüpft mit der Möglichkeit der Veröffentlichung (ich schreibe nun mal nicht für mich, sondern immer für ein, sei es noch so klein(es), Publikum - und für kurze Texte hatte ich ein Podium, für Romane noch nicht). Und dann war es recht einfach, fast 100 Geschichten habe ich + / - geschrieben (in letzter Zeit seltener, da ich halt viele Romane schreibe).

Ich denke, es ist eine Trainingssache, wie vieles. Man kann das schreiberisch/handwerkliche lernen, was man allerdings nicht so einfach lernen kann, ist die Ideen richtig zu behandeln.

Meine Erfahrung: Man kann Kurzgeschichten schreiben, indem man eine kleine Idee größer macht (also verallgemeinert, symbolisch aufbereitet, ausformuliert oder durch Pointen 'umdreht') oder umdeutet.

Oder man kann einen Plot verdichten und nur das Finale aufschreiben :-) also eine große Idee auf kleinem Raum an einem tragenden Punkt festnageln. Die Entwicklung, die sonst über Seiten und Kapitel dargelegt wird, kommt ganz punktuell zur Klimax und erfolgt beispielhaft in wenigen Sätzen, am besten sogar durch show don't tell.

Kurzgeschichten können von einer Stimmung leben oder einer Pointe, es können 'Märchen' oder 'Legenden' einer eigenen Welt sein - da ist so vieles möglich, dass es einfach Spaß macht. Genau das richtige zur Erholung von langen Romanen, würde ich sagen.

Ich bin übrigens kein Freund dieses offenen Anfang/offenes Ende bzw es muss halt gekonnt sein und sollte nicht durch Wegfallen wichtiger Infos erkauft werden. Die Reduktion auf das zentrale Element ist allerdings schon wichtig.

Gruß,
Linda
Titel: Re: Kurzgeschichten
Beitrag von: Linda am 02. Juni 2010, 22:56:59
Zitat von: Grummel am 02. Juni 2010, 13:24:19
Kann man das so machen?

Ja. Wenn es funktioniert. Ich denke, das ist die einzige Regel, auf die ein Schreiber wirklich achten sollte  ;)

Ach ja, es empfiehlt sich, die Abschnitte dann auch optisch abzutrennen (zB. durch Asterixe), da in Kleinverlagspublikationen (nicht nur bei denen) oder beim allgemeinen Datenaustausch zwischen verschiedenen Plattformen und Dateiformaten immer mal wieder Leerzeilen im Layout oder Dateien 'verschwinden'. Und dann wirkt der Wechsel nur noch verwirrend.

Gruß,
Linda

Titel: Re: Kurzgeschichten
Beitrag von: Telas am 03. Juni 2010, 12:27:43
Zitat von: Maran am 02. Juni 2010, 22:12:22
Da sind wir bei einem meiner Probleme. Ich hatte Englisch als zweiten Leistungskurs. Wir haben uns damals mit vielen short stories herumgeschlagen. Ich habe folgende Merkmale (zumindest in Bezug auf amerikanische Kurzgeschichten und u.a.) gelernt: Offener Anfang, offener Schluß. Beziehen sich diese Merkmale nur auf die amerikanischen short stories? Wie ist es im deutschprachigen Bereich?

Im Prinzip mag ich dieses Konzept gerne, es läßt viel Interpretationsspielraum. Aber das ist meine persönliche Meinung.

Dann müsste es im deutschsprachigen Bereich auch der Fall sein. Damit bestägist du meine Vermutung, dass ich auch zum letzten Mal in der Schule mit Kurzgeschichten zu tun hatte und das hieß es immer Anfang und Ende sollten (vielleicht auch müssen) offen sein.
Die Diskussionen im Anschluss an die Geschichten waren bei uns in der Schule auch immer sehr abwechslungsreich und interessant, weil jeder es etwas anders auffasste.
Titel: Re: Kurzgeschichten
Beitrag von: Assantora am 02. Mai 2011, 19:17:31
*Thread mal wieder ausbuddel*

So, dann will ich dieses schöne Thema mal wieder aufgreifen und freudig durch die Runde fragen, wie ihr Kurzgeschichten gegenüber steht. Seit dem letzten Post ist ja schon viel Zeit vergangen und sicher haben sich hier auch neue Leutchen eingefunden. Aber ich fange mal an und berichte :)

Also Kurzgeschichten habe ich eigentlich ja von Beginn meiner schreibenden Karriere *hust* geschrieben. Mal mit mehr, oder weniger großen Erfolg. Habe in einem Forum schon mal einen Schreibwettbewerb gewonnen, aber ich hatte nicht viel Konkurenz, da nicht viel mitgemacht haben, nun ja.

Seitdem ich meine Welt Assantora aus meinem Kopf in Texten und Bildern beschrieben habe, konzentriere ich mich bei meinen Kurzgeschichten darauf, dass sie halt in dieser Welt spielen. Ich habe genügend Platz, um mich auszutoben und führte auch dazu, dass ich ganz viele verrückte Ideen hatte, die ich dann sehr gut in meinen Geschichten umsetzen kann.
Das Assantora schon existiert hilft mir, da ich keinen Rahmen mehr schaffen muss für meine Geschichten, da ich diesen Rahmen schon habe.

Seit längerer Zeit hapert es bei mir auch, längere Geschichten zu schreiben. Derzeit arbeite ich an einer Geschichte, wo ich hoffe, dass da mehr als nur ein paar Seiten daraus werden, aber ich habe mir überlegt, wie es aussehen würde, wenn man einen ganzen Band Kurzgeschichten zusammenfassen würde, in ein Buch, alle spielen in der gleichen Welt. Möglich, dass sich manche Geschichten überschneiden, etc.
Wenn ich irgendwann einen ganzen Stapel Geschichten habe, kann ich mir ja Infos holen, wie die Aussichten sind, dass an den Mann zu bringen, aber momentan sehe ich das nur als Ansporn noch mehr zu schreiben. Wer weiß, vielleicht helfen mir die Kurzgeschichten, irgendwann mal einen dicken Schinken fertig zu bekommen :)

So, jetzt seid ihr dran. Habt ihr auch so eine Affinität zu Kurzgeschichten, wie ich, oder was haltet ihr ganz allgemein von Kurzgeschichten?
Titel: Re: Kurzgeschichten
Beitrag von: Malinche am 02. Mai 2011, 19:23:58
Bevor ich den Tintenzirkel kennenlernte, war ich eher auf Kurzgeschichtenseiten aktiv. Ich habe früher eigentlich fast nur Kurzgeschichten geschrieben, hauptsächlich deshalb, weil ich an langen Sachen regelmäßig gescheitert bin und mich dann irgendwann auch gar nicht mehr an Langes getraut habe.

Ich mag Kurzgeschichten. Die Zeit, in der ich fast ausschließlich kürzere Sachen geschrieben habe (die allerdings dann auch schon wieder lang genug waren), war für mich auch eine sehr lehrreiche Zeit. Ich habe mich da schreibtechnisch auf jeden Fall entwickelt und für mich fühlt es sich so an, als wären die Kurzgeschichten ein logischer Schritt auf dem Weg zum ersten Roman gewesen.

Das heißt aber nicht, dass ich jetzt keine mehr schreibe. Mittlerweile ist es aber meistens so, dass ich mich gezielt von interessanten Ausschreibungen inspirieren lasse, nur für mich schreibe ich eigentlich kaum noch Kurzgeschichten. Und es gibt auch oft eine Beziehung zu längeren Projekten. Aus einer Kurzgeschichte habe ich einen Romanplot entwickelt, den ich vielleicht noch dieses Jahr angehe. Und umgekehrt werde ich wahrscheinlich bald einen Offspin mit zwei meiner Lieblingscharaktere schreiben, deren Roman zwar fertig ist, von denen ich mich aber nicht trennen kann.
Titel: Re: Kurzgeschichten
Beitrag von: Wollmütze am 02. Mai 2011, 19:30:06
Hiho Assantora,  :winke:

Ich finde Kurzgeschichten auch ganz nett, aber wirklich intensiv welche geschrieben habe ich nie. Ich bin direkt mit einem Romanprojekt ins Schreiben rein gekommen und seitdem arbeite ich eigentlich nur an größeren Sachen, bzw. momentan an einer Sache, damit die bis September fertig wird. Ich würde ganz gerne mal ein paar Kurzgeschichten schreiben, aber schon wenn ich daran denke, graut es mir. Ich schaffe es irgendwie nicht, einen Plot klein zu halten, der nimmt bei mir immer gleich gigantische Ausmaße an mit vielen Verzweigungen usw. Außerdem will ich im Moment an gar nichts anderem schreiben als an meinem Hasipups ( :d'oh:). Vielleicht wenn ich endlich fertig bin,- vielleicht schreib ich dann mal ein paar kleine Sachen. So als Pause vor dem nächsten größeren Projekt.
Bisher hab ich zwei Satiren geschrieben, eine davon für die Schülerzeitung. Dann eine Kurzgeschichte zu einer Antagonistin eines alten, aber verworfenen Plots und eine philosophische Kurzgeschichte, bei der es um die Reise zum Horizont ging. Ansonsten nichts dergleichen. Aber mich juckt es da halt auch nicht.

LG,
Wolli.
Titel: Re: Kurzgeschichten
Beitrag von: Luna am 03. Mai 2011, 10:53:11
Interessanter Thread, den muss ich irgendwie übersehen haben.
Ich bin auch durch mein Romanprojekt zum Schreiben gekommen und habe mich bislang nur damit befasst. Ich trage mich ebenfalls schon länger mit dem Gedanken, es mit ein paar Kurzgeschichten zu versuchen. Ich bin da nur leider immer so ideenlos und bislang hatte ich noch keinen zündenden Einfall für eine, bis ich den Thread hier gelesen habe. Die Infos hier sind wirklich hilfreich und anregend. Mir schwirren da jetzt einige nette kleine Sachen im Kopf rum. Ich denke, ich werde mir einfach mal eine Szene aus der Vergangenheit meiner Prota greifen und festzuhalten, die im Buch nur kurz erwähnt werden soll. Oder ich entführe einige Protas aus dem Projekt und schreibe die Szenen, die mir beim Plotten gekommen sind, die ich aber letztendlich streichen musste, weil sie nicht mehr passten. Die Ideen waren zu gut, um sie wegzuwerfen und wären ja jetzt gut aufgehoben. Oder ich werde ein Volk oder Stamm in meiner Welt erfinden und mir eine Begebenheit/Situation ausdenken, die das sehr gut beschreibt. Das hätte sogar den Vorteil, dass es meine Welt bunter machen würde, da ich die Weltenbastelei leider recht stiefmütterlich behandelt habe.
Hach, wirklich toll der Thread :D.
   
 
Titel: Re: Kurzgeschichten
Beitrag von: sirwen am 03. Mai 2011, 18:29:20
ZitatBevor ich den Tintenzirkel kennenlernte, war ich eher auf Kurzgeschichtenseiten aktiv. Ich habe früher eigentlich fast nur Kurzgeschichten geschrieben, hauptsächlich deshalb, weil ich an langen Sachen regelmäßig gescheitert bin und mich dann irgendwann auch gar nicht mehr an Langes getraut habe.

Hehe, das kann ich grad so übernehmen. Als Kind habe ich sowieso nichts Längeres geschrieben, und als ich dann im Teenie-Alter meinen ersten Roman schreiben wollte, bin ich kläglich an Logikfehlern und Plotlöchern gescheitert, so dass ich mich nur noch auf Kurzgeschichten beschränkt habe. Meistens ist es eine kleine Idee, eine Stimmung oder ein Bild, die mich inspirieren. Oder Szenen aus dem Alltag, denen ich dann eine runde Form geben möchte. Kurzgeschichten eignen sich prächtig als Schreibübung, finde ich. Man verliert sich weniger im Schwafelmodus, muss dafür aber auch einen gewissen Perfektionismus betreiben.
Erst durch den Tintenzirkel habe ich endlich den Mut fassen können, etwas Längeres zu schreiben. :)
Titel: Re: Kurzgeschichten
Beitrag von: Rosentinte am 04. Mai 2011, 17:22:31
Hallo,
Also ich habe direkt mit Romanen angefangen - sie aber nie zuende gebracht (oh Wunder...)
Kurzgeschichten schreibe ich eher so nebenbei, vor allem, wenn ich keinen PC habe und die Muse mich küsst. Ich kriege die Charaktere in Kurzgeschichten nie richtig zu fassen...
LG, Rosentinte
Titel: Re: Kurzgeschichten
Beitrag von: Antonia Assmann am 23. Mai 2011, 09:52:06
Oh ja, Kurzgeschichten...

Ich habe mit Kurzgeschichten angefangen und bin/ war in Fictionwriting dem Autorenportal für Kurzgeschichten aktiv. (Die gibt es heute immernoch und sie sind mittlerweile nach XING gezogen)
Es hat mir damals sehr viel gebracht Kurzgeschichten zu schreiben und zu lernen, die Regeln dafür eizuhalten. Da auf Fictionwiriting die Geschichten gegenseitig gelesen und kommentiert werden, hatte ich auch gleich ein Feedback.
Heute kann ich kaum noch welche schreiben, da meine Ideen immer über die Kurzgeschichtenregelung hinausschießen. Aber ich will diese Lehrzeit nicht missen, da ich dort gelernt habe auf den Punkt zu kommen und nicht seitenweise Ausschmückungen und Gefasel von mir zu geben ;D

Liebe Grüße
Antonia :winke:
Titel: Re: Kurzgeschichten
Beitrag von: FeeamPC am 23. Mai 2011, 11:19:13
Kurzgeschichten sind für mich wie die Vorspeise zu einem opulenten Menue. Ich lese sie gerne und ich schreibe sie gerne, immer mal wieder und zwischendurch, wenn ich bei den Romanen hänge.
Die eine oder andere Kurzgeschichte hat dann auch schon mal das Potential zu mehr gehabt. In einer, die ich noch nicht weiter verfolgt habe, steckt sogar ein Basisplot für einen Zwei- oder Dreiteiler.
Kurzgeschichten gehören für mich einfach dazu.