Das Thema kam schon einmal in einem anderen Thread ein wenig zur Sprache, aber soviel ich weiß, gibt es noch keinen eigenen dafür.
"Meide ein unbekanntes Wort wie eine Klippe", schreibt Caesar, der für seinen sauberen und gewählten Stil bekannt ist. Aber damit kann man es zweifellos auch übertreiben. Mich interessieren abgedroschene Formulierungen und Wendungen, die man so schon viel zu oft irgendwo gelesen hat. Man kann aus diesen Formulierungen ganze Bücher stricken, die sich gut verkaufen. Ich habe schon häufiger welche gesehen. Ihre Vermeidung muss also kein Kriterium für Erfolg sein. Viele Leser werden es lieben, solche Formulierungen zu lesen, weil sie sie schon kennen und mögen und sie ins Gehirn schlittern wie Cornflakes mit Milch in den Magen.
Wie auch immer, ich versuche sie zu vermeiden. Mir liegen originelle Formulierungen am Herzen. Aber manchmal ist das auch nicht ganz leicht, weil genau das ausgedrückt wird, was man nun einmal sagen will. Zum Beispiel die beliebte Formulierung: "Er umklammerte (was auch immer) so fest, dass sich seine Knöchel weiß abzeichneten", das trifft ja irgendwie den Punkt. Gelesen hat man es trotzdem schon viel zu oft. Ich kann diese Formulierung manchmal nicht vermeiden. :d'oh:
Dann gibt es Verbindungen von Substantiven und Adjektiven, die sehr üblich sind. Z. B. metallisch schmeckendes Blut, rasiermesserscharfe Krallen usw. Weniger "unangenehm" finde ich Verbindungen, die so häufig sind, dass sie schon quasi eine Wendung sind wie z. B. tiefe Dunkelheit und dergleichen.
Tja, wie sieht es bei euch aus? Habt ihr schon Allerweltsformulierungen benutzt? Welche fallen euch selbst bei euch und bei anderen auf? Findet ihr ihre Verwendung sinnvoll oder eher nicht?
Alles, was ich schon derart oft irgendwo gelesen habe, so dass es mich sofort anspringt, versuche ich, so gut es geht zu vermeiden. Gegen gewisse Floskeln habe ich sogar eine regelrechte Abneigung, wie z. B. ein "energisches Kinn". Bei solchen abgedroschenen Phrasen rollen sich mir die Fußnägel hoch. Besagte weiße Fingerknöchel sind schon grenzwertig, wohingegen ich gegen metallisch schmeckendes Blut nichts einzuwenden hätte ;D, bei dem anderen wiederum die Galle hochkommt. Ich denke, das liegt auch im Auge des Betrachters, von daher kann ich so pauschal nicht sagen, welche Allerweltsformulierungen denn nun sinnvoll sind. Ich versuche, wie gesagt, alles, was ich zu oft irgendwo gelesen habe, zu vermeiden, aber das geht ja manchmal nicht. Ein energisches Kinn wird bei mir jedenfalls keiner zu lesen bekommen, da hört der Spaß auf ;D.
Der Cornflakes-Vergleich gefällt mir. Da sollte man dann nur keine Lactose-Unverträglichkeit haben.
Gerade wenn man sich einige Bestseller anschaut fällt auf, dass dort sehr viel mit Allerweltsformulierungen gearbeitet wird. Da werden Phrasen gedroschen bis zum Gehtnichtmehr und ein und dieselbe überstrapazierte Redewendung wird dermaßen oft wiederholt, dass der Eindruck entsteht, es war eher ein uninspiriertes automatisches Schreibprogramm am Werke denn ein Autor. Da sich diese Bücher aber gut bis sehr gut verkaufen, ist das offenbar das, was die meisten Menschen lesen wollen. Es könnte daran liegen, dass ständige Wiederholungen von Bekanntem dem menschlichen Naturell entsprechen. Viele reden ja auch nur in Phrasen. Da muss man nur mal Mäuschen spielen, wenn sich Bekannte treffen. Begrüßungsrituale laufen immer nach dem gleichen Muster ab und statt miteinander zu sprechen werden leere Worthülsen ausgetauscht. Daran stört sich aber kaum jemand, im Gegenteil scheint diese Phrasendrescherei zu einer verbindenden Struktur zu werden.
Die Wiederholungen bekannter Wendungen gleichen dem alltäglichen Sprachgebrauch der meisten Menschen daher und werden in Büchern als angenehm und vertraut empfunden.
Ich bin mir nicht sicher, ob ich das beruhigend oder erschreckend finden soll. Mir persönlich gehen solche Bücher auf die Nerven, ich empfinde sie subjektiv als qualitativ minderwertig. Es stimmt mich traurig, dass Romane, in denen auf kreative, originelle Formulierungen Wert gelegt wird, von vielen Lesern als zu kompliziert empfunden werden.
Andererseits neige ich selbst sehr dazu, mich ständig zu wiederholen und in "Allerweltsformulierungen" zu ergehen, besonders, wenn ich dramatische Szenen schreibe. Da geht's dann mit mir durch (auch das eine überstrapazierte Redewendung) und das Blut gefriert in den Adern, das Herz schlägt bis zum Hals, die Augen brennen, glühende Röte steigt in Gesichter, Herzen setzen einige Schläge aus und Atem wird geraubt. Wenn sich dann noch die Kehle zuschnürt ist das Maß für mich voll.
Zitat von: Leann am 11. April 2013, 09:05:02
Da werden Phrasen gedroschen bis zum Gehtnichtmehr und ein und dieselbe überstrapazierte Redewendung wird dermaßen oft wiederholt, dass der Eindruck entsteht, es war eher ein uninspiriertes automatisches Schreibprogramm am Werke denn ein Autor.
Da muss wohl einer Wolfgang Hohlbeins Programm benutzt haben :versteck:. /OT
ZitatGegen gewisse Floskeln habe ich sogar eine regelrechte Abneigung, wie z. B. ein "energisches Kinn". Bei solchen abgedroschenen Phrasen rollen sich mir die Fußnägel hoch.
Genau DAS ist auch etwas, bei dem sich mir regelmäßig die Nägel ... naja, lassen wir das. :D Bei all diesen "energisch nach vorne gereckten" Kinnpartien würd ich doch im Alltag, im Supermarkt usw. nicht anderes mehr sehen, oder? Wo sind die Doppelkinne? Oder ein extrem langes Kinn a la Bruce/Rumer Willis?
Zitat von: Coppelia am 11. April 2013, 06:07:18
Zum Beispiel die beliebte Formulierung: "Er umklammerte (was auch immer) so fest, dass sich seine Knöchel weiß abzeichneten", das trifft ja irgendwie den Punkt.
Also wenn
ich etwas umklammere, tritt da kein Knöchel weiß hervor. Vielleicht habe ich ja andere Hände, aber... ich befürchte, dass vielfach einfach unreflektiert abgeschrieben wird. Eine aufwandsoptimierte Variante von "show don't tell". Man ist einfach zu faul, sich was zu überlegen, und greift in Textbausteinkiste.
@Churke: Also bei mir ist das so. oO Vielleicht sind die Knöchel nicht weiß im Sinne von Porzellanweiß/Kreideweiß o.ä. aber schon weißlich unter der Haut. Ich vermute daher einfach mal, dass die Formulierung so falsch nicht ist.
... oder aber ich habe unnormale Hände. :seufz:
Aber du hast recht. Ich glaube, dass viele (nicht alle) da einfach ein bisschen faul sind und sich sagen "Formulierung XY geht doch immer. :D
Zitat von: Luna am 11. April 2013, 09:10:56
Da muss wohl einer Wolfgang Hohlbeins Programm benutzt haben :versteck:. /OT
:rofl: Genau das wollte ich auch schreiben! Alle Bücher, die mir auf Anhieb einfallen, in denen mir das Phrasendreschen und Klischeeformulieren stark aufgefallen sind, stammen aus Hohlbeins Feder. Vor allem
Die Chronik der Unsterblichen strotzt nur so davor.
Mir passieren ehrlich gesagt auch ab und zu solche Allerweltsformulierungen, aber seitdem ich drauf aufmerksam gemacht wurde, versuche ich es einzudämmen. Vor allem Sätze mit "verschwinden" und "beginnen" habe ich noch bis vor kurzem sehr oft verwendet, wenn sie im Grunde gar nicht gepasst haben. Also zum Beispiel "sie verschwand in Richtung Bühne" oder "mich begann Unruhe zu erfassen". Einem meiner Protas wurde auch häufiger mal "heiß und kalt" und so Zeug.
Hm, vor ein paar Wochen wurde mir ein ganz übler Fall von Allerweltsformulierung angestrichen, nur will der mir jetzt partout nicht mehr einfallen...
Eine gelegentliche Phrase darf von mir aus aber auch ruhig mal vorkommen in Büchern. Manchmal denk ich dann zwar "oje, Klischee", aber in der Regel ist das für mich kein Kriterium, einem Buch gleich einen Kritikstern abzuziehen. Manche Allerweltsformulierungen passen ja auch durchaus und werden idealerweise deshalb so oft verwendet. Hab das mit den weißen Knöcheln grad mal ausprobiert - bei mir werden die weiß. ;)
@ Churke und Tinnue: Hab auch die weißen Knöchel. Besonders weiß sind die oben auf der Hand, also an der Stelle, wo die Finger dran sind.
Viele Formulierungen hat man selbst auch so oft gelesen, dass sie schon in Fleisch und Blut (Argh, schon wieder sowas!) übergegangen sind und man sie darum so in den alltäglichen Wortschatz integriert hat, dass sie sich beim Schreiben als erstes aufdrängen. Beim Schreiben des Rohentwurfs finde ich das auch völlig in Ordnung, wenn nicht sogar notwendig. In der Überarbeitungsphase versuche ich dann aber schon, mir etwas mehr Mühe zu geben und ungewöhnlichere Formulierungen zu suchen, die sich sehr oft sogar als treffender und anschaulicher herausstellen. Aber nicht um jeden Preis. Wie so oft scheint mir auch hier der goldene Mittelweg am geeignetsten (für mich persönlich und für meinen Stil). Originalität auf Kosten der Lesbarkeit ist auch nicht das Gelbe vom Ei.
Ich glaube Leann liegt nicht ganz falsch mit ihrer Vermutung dass sich solche vertrauten Formulierungen für den Leser leichter verdauen lassen. Häufig wird doch wegen der Geschichte und weniger wegen der Sprache gelesen, das heißt, je flüssiger die Sprache einen voran kommen lässt, desto schneller bekommt man das was man wirklich will - den Inhalt. Da auch das Medium Buch häufig ein pures Konsumgut ist, wollen viele Leser vermutlich nicht stolpern über einen Vergleich oder eine Formulierung, die sie so noch nicht kennen und über die sie deshalb zunächst nachdenken müssen.
Manche Dinge passen einfach. Manche Formulierungen treffen den Kern der Sache und dann macht es, finde ich, wenig Sinn, gekünstelt zu versuchen etwas anderes daraus zu machen. Aber ein kreativer Text gibt so viele Möglichkeiten, Dinge anders zu beschreiben und zu formulieren, dass ich denke, es ist hier wie überall die Mischung auf die es ankommt. Wenn der Autor gerade versucht den kompletten Sprachgebrauch neu zu erfinden (und sind wir doch mal ehrlich, Idiome gibt es nicht umsonst, wieso erlernen wir sie denn sonst in der Fremdsprache, wenn nicht, um authentisch zu sein?), dann verliere ich die Lust am Lesen eben so wie bei Hohlbein's berühmt-berüchtigten Textbaukasten.
Problematisch wird es mit den Neuschöpfungen oder kreativen Beschreibungen nur, wenn sie am Ziel vorbei gehen, und auch das hat man ja schon das eine oder andere mal gelesen (und wäre es jetzt nicht schön das mit einem Beispiel zu belegen? Zu meiner Schande habe ich aber keins.)
Ich selbst verwende solche Phrasen sicherlich auch sehr häufig im ersten Draft. Das liegt vor allem daran dass sie nicht nur leicht zu lesen sind, sondern eben auch beim Schreiben sehr leicht von der Hand gehen und ich hinterher beim Überarbeiten weiß, was ich ausdrücken wollte. Beim editieren kann ich mir dann klügeres, passenderes, schöneres, kreativeres einfallen lassen ohne den Fluss der Geschichte zu verlieren.
Ich mag keine allgemeinen Verteufelungen von irgendwelchen Techniken oder Wörtern. Das gleiche gilt für solche Phrasen. Ich denke, wie immer macht es die Menge. Es hat ja durchaus seinen Grund, dass viele dieser Phrasen so oft verwendet werden. Sie lesen sich eben einfach gut und treffen, was man sagen will. Trotzdem überlege ich, bevor bei meiner Prota das Herz einen Schlag aussetzt, ob ich das anders formulieren kann und mit eigenen Worten beschreiben. Manchmal geht es, manchmal nicht. Es gibt solche Phrasen, die ich sogar wahnsinnig mag, und wenn ich die in einem bestimmten Kontext nicht geboten kriege, dann fehlt mir was. Das ist aber sehr selten, das gebe ich zu.
Meine Knöchel werden übrigens weiß, wenn ich etwas fest umklammere, aber es können sich stattdessen ja auch mal die Fingernägel in die Haut bohren oder man zieht sich einen Splitter ein.
Ich bin da ganz bei Alana - die Dosis macht das Gift. Redewendungen, stehende Begriffe und Formulierungen, die der Leser gut gewohnt ist, finde ich nicht grundsätzlich vermeidenswert. "Das Gelbe vom Ei" ist so ein Standard, über den ich nie stolpern würde. Manchmal findet man auch Dinge, die noch cooler sind, aber wenn man mit so ungewöhnlichen Alternativen (ich schrieb zum Beispiel über eine Prothese deren Knacken wie das hämische Quaken eines Froschs klang) übertreibt, fällt es mir eher unangenehm auf, als wenn sich gelbe Eier häufen.
Aber ich glaube, das kommt viel auf den sonstigen Stil, die Sprache und die persönlichen Vorlieben des Lesers an.
Zitat von: Leann am 11. April 2013, 09:05:02
Ich bin mir nicht sicher, ob ich das beruhigend oder erschreckend finden soll. Mir persönlich gehen solche Bücher auf die Nerven, ich empfinde sie subjektiv als qualitativ minderwertig. Es stimmt mich traurig, dass Romane, in denen auf kreative, originelle Formulierungen Wert gelegt wird, von vielen Lesern als zu kompliziert empfunden werden.
Andererseits neige ich selbst sehr dazu, mich ständig zu wiederholen und in "Allerweltsformulierungen" zu ergehen, besonders, wenn ich dramatische Szenen schreibe. Da geht's dann mit mir durch (auch das eine überstrapazierte Redewendung) und das Blut gefriert in den Adern, das Herz schlägt bis zum Hals, die Augen brennen, glühende Röte steigt in Gesichter, Herzen setzen einige Schläge aus und Atem wird geraubt. Wenn sich dann noch die Kehle zuschnürt ist das Maß für mich voll.
Ich muss
mal eine Lanze für die andere Seite
brechen. Bei mir ist es genau andersherum. Ich finde allzu origenelle Wendungen viel schlimmer.
Wenn z.B "Brauen gelupft werden" sich "die Lippenränder heben", oder "Ihre Umarmung dem fernen Licht der heimischen Laterne glich", muss ich damit kämpfen, dass Buch nicht gegen die nächste Wand
zu pfeffern.
Ich glaube, jeder Autor hat den Anspruch irgendwie besonders zu Schreiben, oder zumindest das Gefühl zu haben, eine gute Geschichte erzählen zu wollen. Bei reiner Unterhaltungsliteratur gehört dazu, für mich, auch zwingend, die Sprache dem Erzähltempo anzupassen.
Ein Buch, dass man weglesen können soll, muss daher imho in einer Sprache formuliert sein, die genau das ermöglicht. Und dazu gehören auch Allerweltsformulierungen. Weil sie jeder kennt und weil sich fast immer funktionieren. Anders sieht es bei Szenen/Projekten aus, die zum Nachdenken anregen sollen. Da können ungewöhnliche Formulierungen ein tolles Stilmittel sein, um den Leser nicht nur über den Inhalt, sondern auch über die Sprache
stolpern zu lassen.
Aus sprachwissenschaftlicher Sicht betrachtet, haben Allerweltsformulierungen auch den entscheidenen Vorteil, dass die entsprechenden Assoziationen schon gebildet sind und der Inhalt vom Konsumenten apperzativ ergänzt wird. Wenn man mit all zu ungewöhnlichen Formulierungen kommt, muss der Leser also eine Leistung erbringen, die ihn aber letztlich zum gleichen Ergebnis führt. Das verschleppt imho Tempo.
Was ich niemals, in meinem ganzen Leben nicht benutzen werde, ist die "behandschuhte Hand". Das find ich furchtbar. Weil es abgedroschen ist und weil eine Wortdopplung drinsteckt.
Nee, ganz furchtbar!
Wenn man es etwas theoretischer angeht, dann muss man zwischen gängigen Beschreibungen wie den erblassenden Knöcheln und sprichwörtlichen Redensarten wie dem Gelben vom Ei unterscheiden.
Mit sprichwörtlichen Redensarten kann man Vertrautheit schaffen, gerade im Fantasybereich auch und vor allem, in dem man eigene entwickelt, die der Leser nachvollziehen kann und die immer wieder auftauchen. Bei mir z.B. "tot wie Riq der Elfenkönig". Das funktioniert ganz gut.
So etwas wirkt, wenn man es nicht übertreibt, meist in Texten Herrn Rörig, der dazu ein immerhin drei dicke Bücher umfassendes Standardwerk verfasst hat, für die meisten Leser nach lebendiger Sprache. "Keinen Bock auf was zu haben" und Sache "voll krass" finden, muss aber halt auch passen. Das fände ich jetzt bei einem Paladin eher seltsam.
Bei den gängigen Beschreibungen habe ich eine anhaltend zwiespältige Einstellung. Einerseits nervt mich, wenn es zuviele kommen, bis der ganze Text zusammengeklaut wirkt, weil man 2/3 irgendwo in anderem Zusammenhang auch schon mal gelesen hat. Andererseits nervt mich mindestens genauso, wenn sie mit Gewalt vermieden werden. Solche Standard-Beschreibungen sind so ähnlich wie Klischees. Als sowas wird man nicht geboren, das muss man sich verdienen. Am Ende stimmen sie halt und fühlen sich richtig an. Dann bleibt es vermutlich bei dem, was Alana gesagt hat: Die Menge macht's. Und die richtige Platzierung. Man muss den Nagel eben auf den Kopf treffen. Auch wenn man dabei den Hammer so fest hält, dass die Knöchel weiß unter unserer makellosen Haut hervortreten, bis die empfindlicheren unter uns mit den Zähnen knirschen, sich die Haare raufen oder vor Wut schnauben... :ätsch:
Ich verwende beim Draft auch Allerweltsformulierungen, damit der Schreibfluss nicht unterbrochen wird. Bei der Editierung formuliere ich aber diejenigen um, die an der Stelle ruhig einmal den Lesefluss unterbrechen können. Wobei ich dann trotzdem immer ein zwiespätliges Verhältnis zu neuen Eigenkreationen habe. Nicht das es mir keinen Spaß macht, neue Formulierungen zu finden, und so den eigenen 'Stempel' aufzudrücken. Aber diese Stellen unterbrechen immer den Lesefluss, da der Leser die Ausdrücke nicht kennt. Sie sind ihm nicht vertraut, weshalb sein Geist erst mal auf Wanderschaft geht. Das sind Momente, in denen er versucht ist, den Roman zur Seite zu legen und sei es nur, um ins Bad zu verschwinden. Mir persönlich geht es jedenfalls an solchen Stellen so.
Aus dem Grund verteufel ich keinen Roman, nur weil er Allerweltsformulierungen enthält. Wichtiger ist mir, dass mich ein Buch fesselt und ich mich nicht von ihm trennen kann, bis ich es durchgelesen habe.
Fast denke ich ja, dass nicht die Formulierungen an sich das Problem sind. Sondern dass sie nur als Standartbeschreibung heran gezogen werden statt etwas anderem.
Beispiel: Wenn jmd. etwas für riskant hält, kann er ja anderes machen als die Luft einzuziehen. Er könnte die Augenbrauen heben, den Kopf schütteln, die Hände heben, "No way!" ausspucken und sich abwenden.
Oder (verhaltene) Wut. Gibt ja mehr Möglichkeiten als nur zufällig etwas in der Hand zu haben und es fest zu umklammern. (Auf die weißen Knöchel kann man ja auch dann und wann verzichten, denke ich.) Mancher reagiert vll. hochtrabent oder lässt sich nichts anmerken.
Also, hinter den "Allerweltsformulierungen" stehen eher Allerweltsaktionen, die wir zwar alle verstehen -- aber in der Realität nicht alle anwenden. Charakter zeigt sich ja auch in den Aktionen.
Ich hoffe, ihr versteht mich.
Ich fände es jetzt trotzdem (obwohl alles etwas relativiert wird) interessant zu lesen, wer denn welche Formulierungen nicht mag. Mir würde das beim Schreiben helfen, auch wenn jeder halt wieder anderer Ansicht ist.
Was ich persönlich immer gähnend langweilig finde, sind diese:
- Prusten... ausser in einem Jugendbuch, dort finde ich es wieder passend, ansonsten kommt mir prusten immer zu niedlich rein
- "jem. schnürte es vor Angst die Kehle zu" (schnarch, schlaf, dösen....bei dieser Metapher lösch ich das Licht und leg mich ins Bett)
- Windhauch: ich weiss nicht warum, aber immer wenn in einer Story das Wort Windhauch im metaphorischen Sinn gebraucht wird, möchte ich das Buch weglegen
Aber es gibt auch alte, abgegriffene Metaphern oder Ausdrücke, die mich nie stören, z.B.
- schnell wie der Blitz
- wie ein Wahnsinniger
- federleicht
Die gefallen mir einfach, egal, ob ich sie schon hundert Mal gelesen habe.
Zitat von: Verwirrter Geist am 11. April 2013, 22:21:56
Ich finde allzu origenelle Wendungen viel schlimmer.
Aus sprachwissenschaftlicher Sicht betrachtet, haben Allerweltsformulierungen auch den entscheidenen Vorteil, dass die entsprechenden Assoziationen schon gebildet sind und der Inhalt vom Konsumenten apperzativ ergänzt wird. Wenn man mit all zu ungewöhnlichen Formulierungen kommt, muss der Leser also eine Leistung erbringen, die ihn aber letztlich zum gleichen Ergebnis führt. Das verschleppt imho Tempo.
Danke, das trifft es für mich exakt :jau:. Die Geschichte steht im Vordergrund. Wenn der Autor es schafft, sie auch noch originell zu erzählen, ist das super, aber sehr leicht wirken solche Bemühungen eher kontraproduktiv und bringen mich aus dem Lesefluss.
Gilt meiner Meinung nach auch für "show, don't tell". Mich persönlich nervt es, wenn völlig unwichtige Dinge sätzelang mühselig umschrieben werden, statt "einfach zu sagen, was Sache ist" :wart:.
Ich denke, es kommt wie immer darauf an, welches Publikum man mit welcher Art von Geschichte erreichen will. Ich muss zugeben, dass ich bei meinem Buch kaum darauf achte, wie ich etwas schreibe, sondern es so schreibe, wie meine Hände es halt gerade tun. Da passiert es auch schonmal, dass jemand zum Beispiel einen Gegenstand "so fest packt, dass er ihm ins Fleisch schneidet" oder das Kleid oder die Haare einer Frau "wie ein Wasserfall an ihr herabfallen". Da geht es nicht um sprachliche Schönheit, sondern darum, gezielt ein Bild im Kopf der Leser zu erzeugen. Und das funktioniert nicht, wenn ich Formulierungen benutze, die die Leser noch nie zuvor gehört haben.
Ich denke, wenn ich es so schreibe, wie es mir zuerst in den Sinn kommt, ist es am natürlichsten und die Leser nehmen es am einfachsten in sich auf. Mir ist es auch nicht so wichtig, dass die Leser nun lange über eine Formulierung nachdenken und wie schön doch meine Art zu schreiben ist, es ist viel wichtiger, dass sie über das, WAS da beschrieben wird, nachdenken, was für eine Aussage hinter dem Ereignis steckt. Darum ich ändere auch nur etwas, wenn mich jemand auf eine bestimmte Stelle, die er sprachlich geradezu hässlich findet, anspricht. Ich finde, man sollte nicht künstlich irgendwelche verschönten Formulierungen einbauen, um gebildet zu klingen oder so. In meinem Freundeskreis nennen wir so etwas "rumfappen", angelehnt an ein englisches Wort ;) Wenn man eben so sehr seine Bildung präsentiert, dass die Leute glauben könnten, man hole sich zu seiner Bildung einen runter. So ist das Wort entstanden.
Naja, damit will ich nun nicht sagen, dass ein Roman keine sprachliche Schönheit haben darf. Um ganz ehrlich zu sein, würde ich meine Geschichten am liebsten in fast schon biblischem Stil schreiben. Aber dann kann ich mich auch gleich mit einem Schild mit "Will work for food" in eine Einkaufsstraße setzen, denn, so schade das auch ist, sowas lesen dann nur irgendwelche Germanistikprofessoren oder Linguisten, oder so Freaks wie ich. Kunst ist natürlich nicht da, um vielen Menschen zu gefallen und ich würde zum Beispiel nie meinen Plot abändern, weil ich Angst habe, dass der sich nicht gut verkauft oder so.
Aber die meisten Künstler haben denke ich auch ein Bedürfnis, dass ihre Kunst gesehen und genossen wird und dafür muss man sie so gestalten, dass viele Menschen bereit sind, sie sich anzusehen, aber ohne die Aussage zu verändern. Deswegen versuche ich zumindest, mein Buch vond er Verpackung, also der Sprache her, so zu schreiben, dass ein durchschnittlicher Bürger, der lesen und schreiben kann, versteht, was die Leute in dem Buch tun und nicht erst irgendwelche Metaphern übersetzen muss, und das, was dann die Intellektuellen erfreut, die auf "seltene" Formulierungen verzichten müssen, steht dann zwischen den Zeilen. :)
Ich habe eine zeitlang sehr gerne Hohlbein gelesen, aber nach dem dritten oder vierten Buch wurde es dann langweiliger, weil irgendwie immer dasselbe passiert ist. Und das ist auch ein Aspekt, den ich hier noch mit hineinbringen möchte. Standardformulierungen sind ja oft mit bestimmten Handlungsteilen verwoben und gerade bei Hohlbein fand ich die Formulierungen deshalb so öde, weil sie oft in demselben Zusammenhang vorkamen und oft ähnliche Dinge passierten. Z. B. "er brach in die Knie" war eine Formulierung, die ich anfangs mochte, aber jedes Mal, wenn sie auftauchte, wurde jemand zusammen geschlagen, und dadurch wurden die ständigen Wiederholungen für mich extrem deutlich.
Davon abgesehen ist es m. E. ein kontinuierlicher Übergang zwischen Standardfloskel und origineller Formulierung und man hat da schon einen gewissen Spielraum, ohne dass das Lesetempo gleich gebremst wird. Die Worte prallten an ihm ab ist standard, die Worte perlten an ihm ab vielleicht eher nicht. Ein Schauer rieselte über seinen Rücken standard, der Schauer streichelte seinen Rücken vielleicht nicht usw. Ich persönlich benutze schon Standardformulierungen, aber ich versuche diese auch ein bisschen abzuwandeln, sodass sie noch auffallen können, ohne dass der Leser gleich anhält und überlegen muss, was gemeint ist. Gefährlicher als den Standardbaukasten finde ich ja schon fast den eigenen Baukasten, aus dem man sich immer wieder bedient :)
LG Sanjani
Zitat von: Sanjani am 09. August 2013, 21:22:20
Die Worte prallten an ihm ab ist standard, die Worte perlten an ihm ab vielleicht eher nicht. Ein Schauer rieselte über seinen Rücken standard, der Schauer streichelte seinen Rücken vielleicht nicht.
LG Sanjani
Ich muss gestehen, dass ich die Veränderung von "prallten" auf "rieselten" jetzt nicht unbedingt prall finde. Das Prallen zeigt dem Leser ja etwas von Härte und Konsequenz auf. Da empfinde ich ein "rieselte" als schwach, als Sanftheit.
Und das stört mich dann, weil ich eben Härte in dieser Szene erwarte. Natürlich ließe sich dies auch wieder umformulieren, aber eben in etwas, was genau diese "Ignoranz" widerspiegelt.
Ich ziehe einmal einen Vergleich mit den so genannten Mainstreamradiosendern: Die meisten Radiohörer lassen die Kiste laufen und hören dabei Dudelfunkmusik, Musik, die sich den Charts rumwuselt, die Chancen haben, in die Top 100 zu kommen, die einfach auf Masse gebügelt sind.
Man hatte testhalber mal Musik eingestellt, die sich extrem vom Mainstream unterschied. Mit dem Ergebnis, dass die Zuhörer nach recht kurzer Zeit den Raum verlassen haben.
Ich glaube, der Hörer respektive Leser ist derweil so erzogen worden, dass er positiv annimmt, was er kennt und dass er ablehnt, was für ihn ungewohnte Gefilde sind. "Was der Bur net kennt..." Mal eine etwas spezielle Formulierung ist in Ordnung, das ist wie eine hochfeine Praline zum ansonsten bekannten Vollmilch-Schoko-Stückchen. Aber zuviel des Guten kann meiner unbescheidenen Meinung nach den Geschmack verderben.
Zitat von: Feuertraum am 11. August 2013, 17:13:00
Ich muss gestehen, dass ich die Veränderung von "prallten" auf "rieselten" jetzt nicht unbedingt prall finde. Das Prallen zeigt dem Leser ja etwas von Härte und Konsequenz auf. Da empfinde ich ein "rieselte" als schwach, als Sanftheit.
Und das stört mich dann, weil ich eben Härte in dieser Szene erwarte. Natürlich ließe sich dies auch wieder umformulieren, aber eben in etwas, was genau diese "Ignoranz" widerspiegelt.
Das mit der Sanftheit könnte aber natürlich auch wieder gewollt sein. Bei "prallen" denke ich an jemanden, der stur mit bösem Blick irgendwo steht oder geht und sich nicht umstimmen lässt, egal wieviele logische Argumente ihm an den Kopf geworfen werden. Bei "perlen" denke ich entweder an jemanden, der ganz melancholisch und weltfern irgendwo liegt oder sitzt und zwar hört, was die Leute sagen, aber einfach wegen seiner Trauer gerade nicht in der Lage ist, das alles überhaupt zu erfassen, oder an jemanden, der fröhlich wie Heidi durch die Gegend hüpft und singt und egal was man negatives sagt, er bleibt einfach immer weiter fröhlich. Denn dann ist die Person ja nicht abwehrend, sondern lässt sich nur nicht die Laune vermiesen.
Bei allem anderen stimme ich dir weitestgehend zu (wobei das oben auch nicht als Widerrede, sondern mehr als Ergänzung gedacht war, ich vermute, das wusstest du auch so schon ;) )
@Feuertraum: Die Veränderung muss natürlich passen, das hatte ich eigentlich für selbstverständlich gehalten :) Prallen und perlen vermitteln natürlich unterschiedliche Nuancen in dem Bild, das man transportiert, und dessen sollte man sich bewusst sein.
LG Sanjani
Allerweltsformulierungen? Folgende Ausdrücke habe ich kürzlich gelesen und im Zusammenhang als übertrieben empfunden:
- seine Kehle schnürte sich zu
- Schweiß brach ihm aus allen Poren
- sie hatte Schmetterlinge im Bauch
- er zitterte am ganzen Leib
- leuchtete in allen Regenbogenfarben
Abgedroschen ist auch, wenn sich Leute ständig die Augen reiben, rot werden oder die Haare zurückstreichen (es kommt aber, wie die Vorredner gesagt haben, auf die Dosis an).
Außerdem stört es mich generell, wenn häufig Ausrufezeichen und zu viele Adjektive /plakative Ausdrücke verwendet werden (z.B.: irrsinnig schnell; rasend; tobender Sturm; gigantischer Wasserstrudel; endlose Weite usw.)
Show, don't tell :)
Man sollte da wirklich aufpassen - und zwar darauf, dass man nicht krampfhaft gängige Formulierungen meidet, nur weil sie eben gängig sind. Man könnte denken, ein Text müsse interessanter werden, wenn man statt "zitterte am ganzen Leib/Körper" irgendeinen total kreativen Vergleich heranzieht. Es ist eher das Gegenteil der Fall. Solche Passagen wirken so gut wie nie elegant, sonder ganz einfach sperrig. Schweiß zum Beispiel kann vornehmlich zwei Dinge, nämlich ausbrechen und fließen - möglicherweise auch noch (hervor-)quellen, wenn man denn will. Jemand kann viellcht vor Schweiß kleben und man kann schweißnass sein, aber dann hört es schon fast auf. Der Versuch, da was anderes zu schreiben geht höchstwahrscheinlich in die abgedroschene Hose.
Es ist natürlich immer störend, wenn eine Figur ständig das gleiche tut - oder noch schlimmer, wenn alle Figuren ständig die gleichen Dinge tun. Wenn also auf jeder zweiten Seite jemand rot wird oder sich die Haare hinters Ohr streicht.
Das sollte aber nicht dazu führen, dass sich niemals jemand das Haar hinters Ohr streichen oder dass niemals jemand einfach rot werden darf. "Er wurde rot" oder "Er lief rot an" ist unmissverständlich, wirft im Normalfall niemanden aus dem Lesefluss und ist die schnörkelloseste Art die Sache auszudrücken.
Es gibt sicher Romane, zu denen etwas poetische Formulierungen gut passen, aber in bestimmten Genres ist das auch wieder völlig unangebracht. Generell ist es fast immer die bessere Alternative, feststehende Wenungen so zu lassen, wie sie sind. Man bewahrt eben einen klaren Kopf, man macht jemandem Beine, tut oder ist etwas mit Leib und Seele, man behält etwas im Auge und so weiter und so weiter. Ein Schauer streichelt einem einfach nicht den Rücken hinunter. Er läuft. Ausnahmsweise rinnt er auch mall. Es gibt nun mal feststehende Phraseologismen. Punkt, aus. Es ist keine Alternative ständig das Rad neu zu erfinden. Dadurch wird man kein guter Autor - eher ein schlechter. Wir sind nicht dazu da, die Sprache neu zu erfinden. Sie ist unser Baukasten, und die Bauteile, Wortschatz (auch Phrasen, Phraseologismen und Redewendungen), Grammatik oder Syntax, sind wie sie sind. Wenn man sie auseinandersägt und anders wieder zusammenklebt, sieht das Endergebnis halt aus wie gewollt und nicht gekonnt.
Und jetzt viel Spaß beim Phrasenzählen. ;)
Hallo Lavendel,
grundsätzlich stimme ich dir zu, aber ich finde, du mischst da verschiedene Dinge in einen Topf.
Zitat von: Lavendel am 12. August 2013, 17:50:49
behält etwas im Auge und so weiter und so weiter. Ein Schauer streichelt einem einfach nicht den Rücken hinunter. Er läuft. Ausnahmsweise rinnt er auch mall. Es gibt nun mal feststehende Phraseologismen. Punkt, aus.
Ich verstehe nicht ganz, wieso man hier so streng sein sollte. Irgendjemand hat diese Sachen ja mal erfunden und sie wurden gängig, weil viele Leute sie benutzten, das ist ja aber hoffentlich nicht das Ende der Fahnenstange?
Wenn man z. B. Schauer im Wörterbuch nachschlägt (hier Wiktionary), dann steht da nur körperliche Reaktion bei Angstgefühlen. Das schreibt ja aber niemand: Ich empfand eine körperliche Reaktion / ein Zucken meiner Haut :)
Ich wüsste aber auch nicht, was da im streng biologischen Sinne laufen oder rinnen könnte. Schauer als kurzer Niederschlag (falls es aus dieser Bedeutung stammen sollte) kann für mich allerhöchstens prasseln, aber auch nicht laufen oder rinnen. Und gerade Angst ist ja was sehr Subjektives, und ich finde, je subjektiver etwas ist, desto mehr Freiheiten kann man sich nehmen. Es kommt m. E. ja auch darauf an, ob man einen Sachverhalt beschreibt, eine Redewendung benutzt oder einen bildhaften Vergleich heranzieht, wobei die Grenze zwischen letzteren m. E. sehr fließend ist.
Bei Schweiß und Rotwerden usw. stimme ich dir natürlich zu, aber das beschreibt m. E. einen Sachverhalt. Ich sehe, wie jemand rot wird oder wie ihm der Schweiß auf die Stirn tritt.
Dinge wie "einen klaren Kopf bewahren" sind fest stehende Redewendungen, auch dagegen ist nichts zu sagen, außer vielleicht, dass das eigentlich auch nur eine Metapher ist.
Der Schauer oder der Kloß im Hals oder der Ring um die Brust usw. sind für mich Bilder, mit denen man physiologische Empfindungen beschreibt, die von Personen sehr subjektiv wahr genommen werden. Ich kenne keine zwei Leute, bei denen sich Angst oder Traurigkeit gleich anfühlt, und die Freiheit nehme ich mir als Autor dann auch.
LG Sanjani
Nur falls es missverstanden wurde: Ich wollte in meinem obigen Beitrag nicht sagen, dass man die genannten oder ähnliche (feststehende) Ausdrücke überhaupt nicht verwenden darf/soll. Momentan lese ich allerdings ein Buch, in dem solche Ausdrücke quasi aneinandergereiht werden - und das ist dann einfach zu viel des Guten.
Ich habe auch bestimmt nicht gemeint, dass man feststehende Wendungen aufbrechen solle. Es stimmt natürlich: Schweiß kann nur ausbrechen, fließen usw. Auf keinen Fall sollte man andere (unglückliche) Verbkombinationen ausprobieren. Aber es wird langweilig und abgedroschen, wenn der Protagonist zum zehnten Mal in eine brenzlige Situation gerät und wir erfahren, dass er schon wieder einen Schweißausbruch hat und (z.B. wie Coppelia sagt) sich an etwas klammert, das seine Fingerknöchel hervortreten lässt ;)
Krampfhaftes Vermeiden von Redewendungen, sodass der Leser merkt, dass die resultierenden Formulierungen schräg wirken, ist das andere Extrem. Dazu will ich bestimmt nicht raten.
Bei zu vielen Redewendungen wünsche ich mir dann und wann, dass wieder auf einfache Feststellungen zurück gegriffen wird. Statt "er brach in Tränen aus" lieber ein "er weinte". Je nach Situation und Vorbereitung durch andere Formulierungen kann so etwas einfaches durchaus sehr ergreifend sein. Aber vorallem, weil es durch seine einfache Unmissverständlichkeit besticht.
Zitat von: LavendelWenn man sie auseinandersägt und anders wieder zusammenklebt, sieht das Endergebnis halt aus wie gewollt und nicht gekonnt.
Da fällt mir ein Spiel ein, das ich letztens gesehen habe: Sprücheklopfer (http://szshop.sueddeutsche.de/Spielen/SZ-Edition-Spiele/Spruecheklopfer.html). Allerdings nimmt es nicht ganz die Art von Phrasen auf, über die wir hier reden, wenn ich es genau betrachte. :hmmm: