0 Mitglieder und 1 Gast betrachten dieses Thema.

  • Drucken

Autor Thema: Ist Autor ein aussterbender Beruf?  (Gelesen 1738 mal)

Offline Regentänzerin

  • Forengott
  • *****
  • Beiträge: 618
  • Geschlecht: Weiblich
  • some people dance in the rain, others just get wet
Re: Ist Autor ein aussterbender Beruf?
« Antwort #15 am: 28. Januar 2020, 16:27:12 »
Tatsächlich muss ich bei diesem Thread ein wenig schmunzeln. Denn dabei muss ich an zwei Sachen denken: Erstens an das Buch Quality Land von Marc-Uwe Kling und die darin vorkommende Autorin in Form einer künstlichen Intelligenz Kalliope 7.3 - eine sogenannte E-Poetin, eine schreibende Androidin, die jedoch verschrottet werden soll, weil sie eine Schreibblockade hat. In diesem Buch wird ganz überspitzt dargestellt, dass viele menschliche Berufe in der Zukunft Schwierigkeiten haben, sich zu halten, da die menschlichen Arbeiter durch Maschinen ersetzt werden. Und ja, darunter fallen auch so kreative Berufe wie "Autor".
Das klingt im ersten Moment total abwegig, ist es aber nur bedingt.

Tatsächlich gibt es bereits viele Ansätze von künstlichen Intelligenzen auf dem Literaturmarkt. Eine künstliche Intelligenz hat nach dem Einspeisen sämtlicher Harry Potter Bände ein komplett neues Harry Potter-Kapitel geschrieben. Es gibt Algorithmen, die Gedichte, Geschichten und ganze Bücher schreiben. Die Journalistin und Schriftstellerin Kathrin Passig hat beispielsweise auf Twitter einen Bot programmiert, der aus eingespeisten Rohdaten jeden Tag ein Gedicht im Stil von Eugen Gromringers Gedicht "Avenidas" errechnet und veröffentlicht (Wen es interessiert, es nennt sich "Gromringador")
Und wie eben schon gesagt gibt es tatsächlich auch ganze Bücher, die durch Algorithmen geschrieben werden.
Heißt das, dass der Beruf des Schriftstellers ausstirbt? Ich denke nicht.

Zitat von: Valkyrie Tina
Schließe mich Tintenteufel an: die heutige Ki ist kaum in der Lage, gerade Sätze zu schreiben. Komplexe Handlungsketten und tiefe Charaktere?

Künstliche Intelligenzen schreiben nicht einfach so Bücher oder erfinden interessante Geschichten. Algorithmen müssen programmiert werden, um zum gewünschten Ergebnis zu führen. Menschen müssen die Programme mit Rohdaten/Datensätzen speisen, Programmierungen vornehmen und schließlich auch die richtigen Ergebnisse auswählen. Das wird im Bewerben der entstehenden Werke oft unterschlagen.

Zitat
Es wirkt eben gleich viel weniger exotisch, wenn man nicht sagt ,hier erzählt ein Computer‘, sondern ,hier hat ein Computer viele Variationen von Textbausteinen ausgespuckt und ein Mensch hat sie auf eine ansprechende Art zusammengesetzt.

So formuliert es eben bereits genannte Kathrin Passig. (wer sich diesbezüglich mehr einlesen will, dem empfehle ich (wenn auch mit Einschränkungen) das Buch "Vielleicht ist das neu und erfreulich" von ihr)

Technik funktioniert nicht völlig unabhängig von Menschen. Ich glaube, man muss aufhören, sich vor der Technik in diesem Sinne zu fürchten, da kann ich meinen Vorrednern nur zustimmen. Stattdessen denke ich, dass man tatsächlich sogar ganz gut von solchen neuen Techniken profitieren kann.
Es gibt verschiedene Versuche, bei denen gezeigt werden konnte, dass zufällig von Computern generierte Vorschläge Künstlern das Arbeiten an diversen Kunstgegenständen (also eben auch Literatur) erleichtern.

Ich finde die Ansätze von berechneten Geschichten tatsächlich super interessant und oft amüsant, fühle mich aber dadurch nicht bedroht und ich glaube, das sollte man auch nicht.
So when the world knocks at your front door
Clutch the knob tightly and open on up
And run forward and far into its widespread, greeting arms
With your hands outstretched before you
Fingertips trembling, though they may be
--- Anis Mojgani "Shake the Dust"

Offline Zit

  • Blaustern
  • *****
  • Beiträge: 5.226
  • Ritterin Rost
Re: Ist Autor ein aussterbender Beruf?
« Antwort #16 am: 28. Januar 2020, 17:03:27 »
Mensch, seid ihr heute alle mal wieder freundlich. ;D

Zitat
Beobachtet man die Entwicklung am KI (künstliche Intelligenz) Markt ist ein Trend zur Supermacht KI zu erkennen.

Was ist der KI-Markt? Kannst du Beispiele dafür geben, dass du einen Trend erkennst? (Ehrlich gemeint, weil ich nichts davon gehört habe.)

Die Sache mit der künstlichen Intelligenz ist momentan noch, dass sie immer nur für sehr spezielle Anwendungsgebiete trainiert und benutzt wird. Versuch mal mit AlphaStar Go zu spielen – wird nicht klappen. (Und das ist sicherlich auch beim Menschen so. 1a Dame-Spieler sind nicht unbedingt sofort 1a-Schachspieler, wenn sie das erste Mal mit Schach konfrontiert werden.)

Insofern von Supermacht zu sprechen halte ich für seeehr verfrüht. Auch die, sicherlich bewusst übertriebene, "Angst" vor KI, die in deiner Eröffnung mitschwingt, halte ich für verfrüht. Angst vor KI sollten wir erst bekommen, wenn unterschiedliche KI kombiniert werden. Also so ein KI-Cluster, das nicht nur einzelne KI-Teilgebiete gleichzeitig und unabhängig voneinander nutzen kann sondern vor allem in der Lage ist, zur Problemlösung verschiedene Teilgebiete auf dasselbe Problem anzuwenden und die daraus resultierenden Ergebnisse/ Prozesse zu kombinieren. Dann können wir Angst bekommen.

Zitat
Wo sind wir in den nächsten 20 Jahren wenn sich die KI unweigerlich mit Riesenschritten weiterentwickelt?

Ich denke nicht, dass man die KI-Entwicklung mit einer Bauteil-Entwicklung vergleichen kann (Moore's Law und so), eben weil KI nicht nur abhängig von materiellen Bauteilen ist. Ich stecke nicht drin, aber ich denke auch, dass Programmiersprachen ihre Grenzen haben, dass für komplexe KI-Cluster auch komplexe Algorithmen notwenidg sind, die erst erdacht werden müssen.

Zitat
(...) und in sich logisch da die KI Zugriff auf alle Bücher der Welt haben wird und somit weiß was gut und schlecht ist.

Was ist gut, was ist schlecht sind philosophische Fragen, die sich auch nur mit dazugelieferten Sets an Ausgangsbedingungen beantworten lassen. Das ist das eine.

Das andere ist: Ja, gerade Genre-Literatur ist eben genau das, was sich durch "automatische Prozesse" erschaffen lässt, weil es so schematisch ist. Dass viele im Thread so unterschwellig Groschenromane bashen als wäre nur die schematisch und dadurch ersetzbar, finde ich bestenfalls amüsant. Je nach Datengrundlage bin ich mir schon sicher, dass Programme in der Lage sind, Romane zu schreiben. Gibt ja jetzt schon unzählige Generatoren, die baukastenartig Plots zusammenstückeln. (Wofür es noch nichtmal Intelligenz und Lernen benötigt sondern nur einen großen Datensatz, aus dem es sich "zufallsartig" bedienen kann.) Nur denke ich nicht, dass sie das jetzt schon können oder in den nächsten zwanzig Jahren. Wir wissen nicht, was durch Klimawandel und andere akute Probleme noch auf uns zukommt. Ich glaube, in 20 Jahren haben wir andere Probleme als KI-Romane. Die Entwicklung von KI-Systemen wird sich eher weltlicheren und überlebenswichtigeren Dingen zuwenden als Unterhaltungsmedien.

Zitat
KIs von heute sind nur Programme, von Menschenhand programmiert. Sie haben Grenzen und können sich nicht selbstständig weiter entwickeln.

Nope. Neuronale Netzwerke können selbst Code schreiben und sich entwickeln. Man kann sogar neurale Netzewerke einsetzen, um andere Netzwerke zu trainieren: https://cloud.google.com/automl/

Zitat
Geschichten würden folglich auch immer generisch und nach einem bestimmten Muster ablaufen, weil diesen KI das Verständnis komplexer Denkleistung und emotionaler Zustände fehlt.

Ich halte es grundsätzlich für fraglich, ob man auch als Mensch "Emotionen" verstehen muss.
Klar, Literatur als solches ist immer sehr menschbezogen und sehr auf Emotionen oder gerade ihr Fehlen fokussiert. Um soetwas aber zu erschaffen, glaube ich, ist es nicht unbedingt notwendig Emotionen selbst zu verstehen. Gerade bei Genre-Literatur muss man nur aufmerksam genug sein, um Genrekonventionen und -erwartungen aus einer Datengrundlage filtern zu können, um sie dann anzuwenden. Alles, was man braucht, ist Erfahrung und kombinatorische Kreativität –– und das sind Dinge, die auch man auch in Computercode fassen kann.

Zitat
Würden wir in einem Star Trek Universum leben, dann ja, könnte ich mir vorstellen, dass es gelingt einen denkenden und fühlenden Computer zu erschaffen, der dann aber mit Sicherheit von uns verlangen würde als Person wahrgenommen zu werden.

Au contraire. Gerade die alten Star-Trek-Folgen mit Kirk & Co beweisen immer wieder, dass Computer/ Künstliche Intelligenz den Menschen unterlegen ist und bleiben wird. Die Folgen und Kirks Resumees sind immer so geschrieben, dass eine (komplexe) KI niemals das technische Äquivalent zu einem fleischlichen Menschen sein kann. Ja, es gibt sogar eine Folge, die es in Frage stellt, ob man Menschlichkeit ohne Fleisch möglich und erstrebenswert ist (s. S2E20 Return To Tomorrow / Geist sucht Körper).

Es gab auch einen Computer ...
Spoiler (click to show/hide)

(Und jetzt habe ich solange hier dran geschrieben, dass ich andere Gedanken völlig vergessen habe. Haha.
Hm, vielleicht fällt es mir später wieder ein.)
"I think therefore I am
getting a headache."
Unbekannt

Hochkogler

  • Gast
Re: Ist Autor ein aussterbender Beruf?
« Antwort #17 am: 28. Januar 2020, 17:18:34 »
Wow, ich bin ja wirklich erstaunt welche Gesprächskultur hier im Forum herrscht nur weil jemand eine Frage stellt deren Meinung man nicht teilt :)

Jedenfalls wollte ich hauptsächlich auf die technologische Singularität hinaus, also den Zeitpunkt an dem sich eine KI selbst verbessern kann. Manche prognostizieren den Zeitpunkt ihrer Entstehung bereits in die späten 2020er.

Beobachtet man z.b. Google DeepMind mit seinen Abzweigprogrammen wie Alphago das bereits Weltmeister zur Aufgabe ihres Feldes gezwungen hat kann man durchaus davon sprechen dass KI ernstgenommen werden kann.

Wie dem auch sei ist es echt mühsam in diesem Forum eine halbwegs vernünftige Diskussion anzustoßen die ein sinnvolles Für- und Wider von Meinungen anregt, dass war auch schon damals der Grund warum ich so frustriert und inaktiv wurde, auch beim zweiten Anlauf hat sich an der Holzhammermethode mancher Zeitgenossen nichts geändert und ich würde darum bitten mich einfach zu löschen, wünsche allen die den Sinn eines Forums verstehen und ein Mindestmaß an Respekt für ihre Mitmenschen aufbringen alles gute und Ciao  :pfanne:  :winke:


Sascha

  • Gast
Re: Ist Autor ein aussterbender Beruf?
« Antwort #18 am: 28. Januar 2020, 17:44:43 »
Wow … Tintenteufel hat etwas schnodderig eröffnet, aber ansonsten sind doch alle recht sachlich geblieben.
 :hmmm:
Muß ich das jetzt verstehen?

FeeamPC

  • Gast
Re: Ist Autor ein aussterbender Beruf?
« Antwort #19 am: 28. Januar 2020, 18:56:50 »
Sorry, @Protoxin  - du wolltest doch unsere Meinung zu deiner Frage lesen. Dass Meinungen nicht notwendigerweise übereinstimmen, und dass die nicht übereinstimmenden Meinungen auch gerne mal etwas emotional vorgetragen werden (ist normales menschliches Verhalten) würde ich nicht gerade als unsachliche Diskussion sehen. Ich fand die diversen Informationen, die hier eingebracht wurden, im Gegenteil durchaus brauchbar und freundlich vorgetragen. Und der Denkanstoß, den du mit deiner Frage ursprünglich gegeben hast, war damit auch sehr fruchtbar.

Offline Zit

  • Blaustern
  • *****
  • Beiträge: 5.226
  • Ritterin Rost
Re: Ist Autor ein aussterbender Beruf?
« Antwort #20 am: 28. Januar 2020, 20:57:46 »
Schade, ich hatte die Frage durchaus ernst genommen. Wobei man natürlich auch sagen muss: Mit einem polemischen Aufreißer starten und sich dann wundern, dass Leute nicht todernst antworten, ist auch eigen. Da musst du dich dann auch selbst an die Nase fassen, @Protoxin.
"I think therefore I am
getting a headache."
Unbekannt

Churke

  • Gast
Re: Ist Autor ein aussterbender Beruf?
« Antwort #21 am: 28. Januar 2020, 21:45:04 »
Jedenfalls wollte ich hauptsächlich auf die technologische Singularität hinaus, also den Zeitpunkt an dem sich eine KI selbst verbessern kann. Manche prognostizieren den Zeitpunkt ihrer Entstehung bereits in die späten 2020er.

Dem Thread-Titel war so nicht zu entnehmen.  :hmmm:

Davon abgesehen sind herkömmliche Deep-Learning-Algorithmen nur eine Simulation von Intelligenz. Die KI hat keine Vorstellung von ihrer Umwelt oder der Bedeutung ihrer Daten. Sie ist sie technisch gesehen dumm wie Brot. Man kann nicht mal sagen, dass sie nur tut, wofür sie programmiert wurde, weil der Programmierer ihrer Entscheidung nicht vorhersagen kann.
So lange sich Schreibratgeber damit befassen, wie man richtig abschreibt, gibt es ich sicherlich auch einen Markt für Schreib-Bots.

  • Drucken