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Autor Thema: Grammatikalische Kleinigkeiten  (Gelesen 287104 mal)

Wargomar

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Re: Jede, jegliche
« Antwort #45 am: 22. März 2008, 08:45:30 »
Eigentlich müsste man den Zusammenhang und die Schreibart kennen, um einen Tip geben zu können.
Vielleicht würde es ja auch helfen, den Satz anders zu formulieren.

z.B.:  Er achtete darauf, sie keinen Augenblick aus den Augen zu lassen.
         Er ließ sie keinen Augenblick aus den Augen und wartete ab, was nun als nächstes käme.

Issun

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Re: Jede, jegliche
« Antwort #46 am: 22. März 2008, 10:43:33 »
Man könnte auch schreiben "Keine ihrer Regungen entging ihm" bzw. "Er hielt sie genau unter Beobachtung. Keine ihrer Regungen konnte ihm entgehen."

Aber die Frage ist, ob das in den Zusammenhang passt.

Wargomar

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Re: Jede, jegliche
« Antwort #47 am: 22. März 2008, 13:57:24 »
Ah ja.

Dann würde ich doch eher bei  "Jede" bleiben.

Offline Ratzefatz

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Grammatikalische Kleinigkeiten
« Antwort #48 am: 29. März 2008, 12:01:24 »
Hallo allerseits!

Ich habe die letzten paar Tage mit einem Duden und meinem aktuellen Projekt verbracht; habe auch fast alles gefunden, aber bei ein paar Grammatikfragen stehe ich eben doch an und wäre für jedwede Hilfe sehr dankbar!

1) falsch herum oder falschherum? ("er hat das Bild falschherum aufgehängt")
2) auf jemanden zupeitschen, auf jemanden zufliegen - oder - auf jemanden zu peitschen, auf jemanden zu fliegen?
3) das Kleid war ein Traum in Rot-weiß-grün (oder rot-weiß-grün oder Rot-Weiß-Grün?)
4) Balken, die vor sich hinmoderten und faulten (oder vor sich hin moderten und faulten, oder vor sich hinmoderten und -faulten?)
5) Gibt es das Wort "angezunden" oder ist nur "angezündet" richtig?
6) keine Grammatik, sondern eine Formulierungsfrage: Ich kenne die Phrase "jemanden unter seine Fittiche nehmen", aber was wäre die richtige Beschreibung für den darauffolgenden Zustand? Unter seinen Fittichen stehen? stecken? oder ganz was anderes?
7) "Er sagte immer nur, nein, er wüsste von nichts" - stimmt da die Zeichensetzung?

Vielen Dank im Voraus für eure Ideen!
„Dein Name ist Venko“, raunte Zoya in sein Ohr. „Venko, Venko, Venko.“ Sie gab ihm für jedes „Venko“ einen Kuss und ermahnte ihren Mann: „Vergiss deinen Namen nicht!“
„Wie könnte ich ihn vergessen, meine Zoya“, raunte er zurück, „wenn ihn vergessen auch dich vergessen hieße?“

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Offline Linda

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Re: Sammlung von Grammatikfragen
« Antwort #49 am: 29. März 2008, 12:09:51 »
Hallo,

zu 5) das Wort gibts nicht.
zu 6) 'unter seinem Schutz stehen' geht, aber das mit den Fittichen verbinden geht nicht. Sprichworte und Redewendungen sind eigentlich "festzementiert" und man hat entweder das richtige, oder man hat es nicht und muss etwas eigenes suchen.

Gruß,

Linda
“We like to think we live in daylight, but half the world is always dark, and fantasy, like poetry, speaks the language of the night.”

― Ursula K. Le Guin

Offline Ratzefatz

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Re: Sammlung von Grammatikfragen
« Antwort #50 am: 29. März 2008, 12:19:46 »
Liebe Linda,

vielen Dank für die rasche Antwort!

zu 5) Gibt es das Wort überhaupt nicht oder ist es bloß nicht hochsprachlich? (Die Person, die es verwendet, ist eh nicht sehr gebildet.)
zu 6) "Unter seinem Schutz stehen" hatte ich vorher schon, aber ich wollte es durch etwas Schöneres ersetzen. Schade.
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Offline Linda

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Re: Sammlung von Grammatikfragen
« Antwort #51 am: 29. März 2008, 14:19:02 »
Hallo,

zu 5) ich kenne es überhaupt nicht, was natürlich nicht bedeuten muss, dass es in irgendeinem Dialekt / einer Mundart evtl verwendet wird. Ich denke aber, im Zuge der Lautverschiebung müsste das ü dabei sein.

zu 6) es gibt eine alte, orientalische Redensart, die umschreibt, was du meinst. Wenn also jemand "Im Schatten des Sultans, Padishahs usw" steht, dann steht er unter dessen Schutz (gegen die sengende Sonne). Hierzulande bedeutet "im Schatten jemandes stehen" aber etwas negatives und dürfte für den Leser nicht funktionieren.
Für die Fantasy kannst du aber selbstverständlich eigene passende Redewendungen kreieren, die vor dem Hintergrund glaubwürdig sind.

Gruß,

Linda
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Julia

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Re: Sammlung von Grammatikfragen
« Antwort #52 am: 29. März 2008, 14:26:39 »
Hallo Ratzefatz,

1) Richtig heißt es "falsch herum" (Quelle: Wörterbuch von www.canoo.net)
2) Meines Wissens kann man nicht auf jemanden zupeitschen, sondern nur etwas auf jemanden zupeitschen, oder auf jemanden zugepeitscht werden (also passiv); ansonsten würde ich eher "auf jemanden zuschießen" oder ähnliches verwenden.
3.) Ich würde schreiben: "... ein Traum in rot, weiß und grün"; ansonsten wird beispielsweise "Rotgrünblindheit" tatsächlich zusammen geschrieben (ist allerdings auch ein fester Begriff).
4) Das erste Wort kenne ich gar nicht; wie wäre es mit "angezündelt" ?
5) Siehe obiges Wörterbuch
6) Da habe ich jetzt auch keine Idee.
7) Dazu wurde schon vor einiger Zeit im Montsegur-Autorenforum diskutiert (und umfangreicher, als ich es hier wiedergeben kann). Wenn du selbst recherieren möchtest:
http://autorenforum.montsegur.de/cgi-bin/yabb/YaBB.pl?num=1202896389
In den Thread geht es mehr um gelebte und erlebte Rede, aber die Abgrenzungen zueinander dürften auch dein Beispiel mit behandeln.

Viele Grüße,

Julia


Beate

  • Gast
Re: Sammlung von Grammatikfragen
« Antwort #53 am: 29. März 2008, 14:41:18 »
1) falsch herum (ohne Quelle, Bauchgefühl *g*)
2) auf jemanden zupeitschen, auf jemanden zufliegen - rein grammatikalisch zusammen - rein bedeutungsmäßig würd ichs vom Zusammenhang abhängig machen, ob ich sowas überhaupt verwende ;).
3) rot-weiß-grün (auch Bauchgefühl)
4) vor sich hin faulten/moderten (hin gehört zu "vor sich" meiner Meinung nach)
5) angezunden kenne ich so schon, würde es in Althochdeutsch stecken ehrlich gesagt. Von dem her, nimm angezündet, das ist bekannter...
6) unter seinen Fittichen genommen sein... ("er war von blablabla unter dessen Fittiche genommen worden")
7) Ich würde sagen es stimmt, würde aber vom Sprachfluss her das nein einfach rauslassen. In passiver Rede werden solche "Füllwörter" meist rausgelassen. "Er sagte immer, er wüsste von nichts" klingt für mich besser. Je nachdem, wie der Originalsatz wäre sogar eher "Er sagte immer, er wisse von nichts" -

FeeamPC

  • Gast
Re: Sammlung von Grammatikfragen
« Antwort #54 am: 30. März 2008, 01:17:14 »
Hallo Ratzefatz!

Dann krame ich auch einmal mein Bauchgefühl heraus:

Zu 2: man kann auf jemanden einpeitschen, aber nicht zupeitschen, und die Bedeutung wäre damit eine ganz andere. Etwas kann aber wie von einer Peitsche getrieben auf jemanden zuschnellen.

Zu 5: es gibt zwar Zunder, aber auch der wird angezündet.

Zu 6: wenn mich eine Person unter ihre Fittiche nimmt, ist sie mein Protektor oder Förderer, protegiert mich, fördert mich, hilft mir, weiter zu kommen. Früher wurde wohl auch ein Benvolator oder Wohltäter daraus, oder ein wie auch immer gearteter Pate. (Heute wäre das wohl eher ein Investor in Risiko-Kapital  ;)). Geht das eventuell in die Richtung, die Du suchst?

Offline Ratzefatz

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Re: Sammlung von Grammatikfragen
« Antwort #55 am: 30. März 2008, 10:10:48 »
Vielen lieben Dank für die bisherigen Vorschläge!

Unschlüssig bin ich vor allem noch bei

- vor sich hin modern und faulen
- ein Traum in rot-weiß-grün

(Mein Bauchgefühl geht auch eher in die von Beate vorgeschlagene Richtung, aber weiß irgendjemand die definitive Antwort?)

LG
Ratzefatz
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Beate

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Re: Sammlung von Grammatikfragen
« Antwort #56 am: 30. März 2008, 12:27:38 »
Bei hinmodern/hinfaulen bin ich mir zu 99% aus der Logik heraussicher.

Wenn das "hin" zu modern/faulen gehört,  dann muss es auch ohne "vor sich" stehen können.

"er moderte hin" - na wohin denn? Nach osten? Oder in die nächste Stadt?

Das wäre so meine Logikerklärung ;) "er moderte vor sich hin" geht. und modern/faulen alleine geht auch: "Der Baumstamm faulte".

Lomax

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Re: Sammlung von Grammatikfragen
« Antwort #57 am: 30. März 2008, 13:09:55 »
Bei hinmodern/hinfaulen bin ich mir zu 99% aus der Logik heraussicher.
Das Problem bei solchen Dingen ist halt immer, dass Sprache eine Sache der Konvention ist, der man mit Logik schwer beikommen kann :-\ Darum kann man mit nachdenken nie sicher sein, sondern letztlich nur mit nachschlagen ...

Bei "vor sich hin ..." sind beide Varianten korrekt, aber die Zusammenschreibung ist die Ausnahme. "Vor sich hin modern" wäre also die übliche Schreibweise.

Nach den Angaben im Duden 9 und den allgemeinen Regeln zur Koppelung müsste es heißen: "Ein Traum in Rot-Weiß-Grün". Ich gebe allerdings zu, dass das ziemlich übel aussieht. Wenn jemand dafür noch eine Ausnahmeregel ausgraben kann, wäre das gewiss ein ästhetischer Zugewinn ... Aber wie es aussieht, muss man wohl alles groß schreiben.  :(

Offline Coppelia

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Re: Sammlung von Grammatikfragen
« Antwort #58 am: 30. März 2008, 13:13:50 »
Ehrlich gesagt weiß ich auch nicht, ob die Angaben mit "Bauchgefühl" so sinnvoll sind. Entweder ist es richtig oder nicht oder es gibt mehrere Möglichkeiten, das kann man im Duden nachschlagen. Ist jetzt nicht böse gemeint, aber Intuition entscheidet leider nicht über Rechtschreibung. :)

Offline Ratzefatz

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Grammatikalische Kleinigkeiten
« Antwort #59 am: 30. April 2008, 18:34:56 »
Hallo allerseits,

ich schleife und bastle gerade wieder an einem Text und bitte euch um Hilfe bei ein paar Fragen!

1) Kann man das Wort "säumig" nur für Personen ("ein säumiger Schuldner") oder auch für das Geschuldete benutzen ("Wo soll ich bloß die säumige Miete hernehmen?") Wenn nein, gibt's für letzteres ein anderes Wort als "ausständig"?

2) "Das Schlimmste daran war, dass ..." Schreibt man "Schlimmste" nach der NDR groß (weil es als Nomen gebraucht wird) oder klein (weil man ebenso gut "am schlimmsten" sagen könnte)?

3) Fällt jemandem ein Synonym für "erziehen" ein? "Ausbilden" und "schulen" hätte ich gefunden, aber mir geht es eher um das Vermitteln von moralischen Werten als um eine Ausbildung zB zum Bäcker. "Heranbilden" klingt für meine Zwecke ein bisschen zu geschwollen. ("Wir bilden unsere Kinder zu aufrechten Bürgern heran.")

4) Mein Protagonist befindet sich auf einem Schiff. Zwischen der Reling und der Kabinenaußenwand ist genug Platz zum Rummarschieren, nur - wie nennt man den? "Pfad" scheint mir nicht wirklich angebracht.

5) Und, weil mich die viele Grammatik schon ein wenig verwirrt: Ringt man UM Halt (oder Luft) oder NACH Halt?

6) "Er hieb ihr den Stab ins Gesicht." Ist ist grammatikalisch richtig? Es klingt irgendwie merkwürdig, aber mir fällt auch kein besseres Verb ein.

Für Vorschläge wäre ich euch sehr dankbar!

Liebe Grüße

Ratzefatz
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Barbara Schinko, Ein Mantel so rot, 2017

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