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Autor Thema: "Hatte, hätte doch, hatte nicht?" oder wie man Wiederholungen vermeidet  (Gelesen 6277 mal)

Darielle

  • Gast
Hallöchen,

ich komme jetzt mal mit einem ganz blöden Thema, das mich in letzter Zeit total nervt.
Ich schreibe häufig im Präteritum, insbesondere meine Shadows. Hier tritt das Problem auf, dass ich ständig "hätte" oder "hatte" wiederhole und beim Tippen jedes Mal denke, ich kann es nicht anders schreiben.

Ein Beispiel:
"Gestern hatte ich noch Kopfschmerzen. Warum hatte [habe, geht hier auch aber in meinem Roman leider nicht] ich nur die Tabletten verkramt? Jetzt wurde mir sogar übel. Hätte ich doch gleich den Arzt angerufen. Dann wäre alles wieder gut. Aber nein, ich sah ja nur meinen Berg von Aufgaben vor mir..."

Also bei mir steht mindestens in jedem zweiten Satz entweder Hätte oder Hatte, wenn nicht gar beides. Wie kann man das umgehen? Denn nur mit Habe/würde gern... kann man doch auch nicht arbeiten, oder?
Wenn ich einen Roman lese, dann fällt mir das meistens nicht so sehr auf. Verschwindet also der Eindruck, man habe zu oft das gleiche Wort getippt und es geht im Meer von Buchstaben unter? Ich bin grade etwas ratlos was das angeht und hoffe, dass ich nicht die einzige bin, die so einen blöden Fehler macht.

*jetzt hab ich doch glatt den Titel falsch geschrieben, ist schon korrigiert, man möge mich nun steinigen* ;D

Runaway

  • Gast
Ich formulier da immer gnadenlos um oder versuche, die hätte's so weit auseinanderzuziehen, daß es nicht auffällt... das erse vorn in dem einen Satz und das andere ganz hinten im nächsten Satz.
Mir passiert das auch, aber in Büchern sehe ich das eigentlich auch nie. Haben die vorher bestimmt drauf geguckt ;)

Umformulieren... zum Beispiel:
Zitat
Gestern hatte ich noch Kopfschmerzen.
Ich dachte an die gestrigen Kopfschmerzen... oder... Gestern war ich wieder von Kopfschmerzen heimgesucht worden... oder so.

Zitat
Warum hatte [ich nur die Tabletten verkramt?
Wie waren mir nur die Tabletten abhanden gekommen?

Zitat
Hätte ich doch gleich den Arzt angerufen.
Ich bereute, nicht den Arzt gerufen zu haben.

Das kann man also so schön auf die Spitze treiben, daß nachher gar kein hätte mehr übrig ist ;)
Hätte ist vor allem deshalb doof, weil es ein schwaches Hilfsverb ist. Ich versuch das von vornherein zu umgehen, indem ich präzisere Formulierungen mit anderen Verben suche. Das ist gutes Hirntraining :)

Churke

  • Gast
Ich glaube, du meinst kein Präteritum, sondern Plusquamperfekt. (Hinweis: In deinem Beispieltext wirfst du die Zeiten wild durcheinander!)

Mit dem Problem habe ich mich schon oft herum geschlagen. Wenn du im Plusquamperfekt über eine Vorvergangenheit schreibst, lässt sich das "hatte" nicht vermeiden, weil die Zeitform nun mal mit dem Hilfsverb "sein" gebildet wird.

So etwas wirkt immer schwerfällig und, nun, wiederholend. Was kann man dagegen tun?
a) Man schränkt die Vorvergangenheit ein. Solche Passagen sind meistens Rückblenden oder erklärende Einschübe, die ich sowieso nicht für den besten Stil halte.

b) Man erzählt auch von der Vorvergangenheit im Präteritum. Da das Präteritum eine dichterische Zeitangabe ist, kann man das machen.


Wenn ich einen Roman lese, dann fällt mir das meistens nicht so sehr auf.

Plusquamperfekt wirkt immer schwerfällig. Die Kunst es Autors besteht darin, es zu vermeiden bzw. nur wohl dosiert einzusetzen.

Eine andere Quelle der inflatorischen Verwendung von "haben" ist der farblose Nominalstil. Zum Bleistift "Gestern hatte ich noch Kopfschmerzen." Man könnte auch schreiben: "Gestern brummte mir der Schädel." Schon wieder ein "hatte" weniger.

Darielle

  • Gast
Ihr seid genial! Lieben lieben Dank für die Hinweise!  :knuddel:
Ja, bisher dachte ich, dass ich die Zeitformen beherrschend würde, nun muss ich wohl doch noch einmal üben.  :d'oh: Der Beispieltext war auch blöd gewählt, den habe ich grad frei aus dem Kopf aufgeschrieben.

Aber trotzdem, das hier

Zitat
"Gestern brummte mir der Schädel."

finde ich sehr passend und wirklich sehr hilfreich. Einfach danke euch beiden. Jetzt hab ich wieder neuen Mut und neue Lust, meinen Roman weiter zu basteln. Das ist toll.  :rofl:

Adalia

  • Gast
Das Problem kenne ich auch. Ich gehe die Text am Schluss auch immer durch und versuche schwache Verben und Hilfsverben zu ersetzen, wenn möglich.

b) Man erzählt auch von der Vorvergangenheit im Präteritum. Da das Präteritum eine dichterische Zeitangabe ist, kann man das machen.

Bei einer aktuellen Geschichte habe ich mich auch dafür entschieden, eine Rückblende (die sich leider nicht umgehen ließ) im Präteritum zu schreiben. Weil sich aus dem Zusammenhang klar ergibt wie die zeitliche Abfolge ist, habe ich das auch nicht als störend empfunden. Die vielen "hatte" beim Plusquamperfekt haben dagegen sehr gestört.
Ich mache ja alles eher nach Gefühl. Deshalb bin ich froh zu hören, dass das wohl auch in Ordnung ist  ;)

Darielle

  • Gast
Also ich habe mir jetzt überlegt (nein, ich überlegTE mir), dass ich das Hatte etc einfach erstmal als Platzhalter hinschreibe und dann bei der ersten Korrektur, die ich alleine mache, nochmal ersetze. Ich denke, das braucht Zeit, aber in den nächsten Tagen bin ich sowieso wegen Feiertag und arbeitsfreien Tagen zu Hause, auch weil ich meine Katze jetzt erst eingewöhnen muss. Jedenfalls habe ich jetzt viel Zeit zum schreiben und da wird am Tag aber mindestens die 7000-Wörter-pro-Tag-Marke geknackt. Wenn nicht...  :snicker: ... tja, dann kann ich auch nichts ändern.  :pfanne:

Schommes

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Kleiner Trick bei einer längeren Rückblende ist auch, sie im Plusquamperfekt zu beginnen und dann irgendwann zwanglos wieder ins Präteritum zu wechseln, wenn der Leser Zeit genug hatte, zu bemerken, dass man eine Vorvergangenheit schildert.

Offline Nuya

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Mir wird jedes Plusquamperfekt von Sprotte liebevoll um die Ohren gehauen. :D
"Das bremst, mach das weg!"
Muss auch sagen, seit ich darauf achte, passiert es mir seltener und ich bemerke schon beim Schreiben, dass ich hätte verhindern können, das hätte zu schreiben. ;)
Ich denke es ist Übungssache.

Um die Vorvergangenheit flüssig erzählen zu können, stimme ich Schommes zu. Mit dem Plusquamperfekt beginnen und dann ins Präteritum wechseln - nimmt den Leser wunderbar mit sich. :jau:

Sprotte

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Ja, Danke, Dir hau ich sie um die Ohren - und Nycra haut sie mir bei Kenna um die Ohren  :wums: Aber nur bei Kenna   :laugh:

Offline Ary

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OT - wieso nur bei Kenna?
Ich versuche, das Plusquamperfekt zu vermeiden, so gut es geht, ich versuche aber auch, Rückblenden möglichst zu vermeiden und die benötigten Informationen irgendwie anders an den Leser zu bekommen. Wenn Rückblenden, dann nur kleine, weil mich Endlosrückblenden immer fürchterlich aus dem Fluss reißen, egal, wie gut sie gemacht sind. Schön finde ich für solche Fälle sowas wie Taagebuchaufzeichnungen, die jemand liest - die Tagebuchaufzeichnungen sind im Präteritum geschrieben, aber vom Storyverlauf weiß ich als Leser, dass da gerade war erzählt wird, was eine Person schon vor einiger Zeit erlebt hat. Mir fallen da gerade die Tagebuchaufzeichnungen aus Greys Blutgabe ein. Super.
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Sprotte

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Wenn ich das wüßte, wäre mir wohler.
Rückblenden kann man wunderbar als Träume einbauen - nicht im Plusquamperfekt (siehe Arrions Folter)

Offline Ary

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Auch eine gute Möglichkeit, ja. Mache ich auch gern.
Aber ich glaube, wir kommen ein bisschen vom Thema weg, oder? Wenn ich mich recht erinnere, haben wir irgendwo einen eigenen Rückblendenthread, den könnten wir für die Rückblendendiskussion auch wieder ausgraben. Auch wenn das ja doch alles irgendwie miteinander zusammenhängt. Bin irgendwie noch niht ganz wach.
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Sprotte

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Gerade die Familie "Hatte" hängt meistens dicht mit Rückblenden zusammen.
Es gibt aber auch sehr umständliche Formulierungen "ach, hätte er das nur früher gewußt, dann hätte er jetzt nicht solchen Kummer", die  Familie "Hatte" beherbergt.
Oder mitten im Lauftext ohne zwingenden Grund ein kleiner Ausflug in den Plusquamperfekt.
Wie ich gestern lernte, nennt man das auch Verbfaulheit. Und ich achte seit dieser Erkenntnis verstärkt darauf, Hilfsverben wo möglich zu vermeiden und mir notfalls ein anderes Verb zu suchen.  :D

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