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Autor Thema: Reale Orte im Roman - darf man das?  (Gelesen 33763 mal)

Grey

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Reale Orte im Roman - darf man das?
« am: 01. Juni 2007, 10:44:04 »
Guten Tag zusammen.

Ich schreibe ja derzeit, wie vielleicht manche von euch wissen, an einem Phantastikroman, der zu einigen Teilen in meiner Heimatstadt, zu anderen in Edinburgh und Barcelona spielt.

Jetzt soll einer der Hauptcharas abends in einer Kneipe in Bielefeld arbeiten, und ich hätte da schon eine bestimmte im Auge, aber ich bin mir nicht ganz sicher, ob ich diese Kneipe so wie sie ist mit Namen und allem drum und dran einfach so in mein Buch übernehmen darf oder ob ich da rechtliche Probleme kriege. Nur *falls* das ganze mal veröffentlicht wird, meine ich.  Weiß da jemand genauer drüber Bescheid oder hat das schonmal gemacht?

Danke für eure Hilfe!
Grey

Cailin

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Re: Reale Orte im Roman - darf man das?
« Antwort #1 am: 01. Juni 2007, 10:52:39 »
Ob du dich einfach dieser Kneipe ohne Erlaubnis bedienen darfst, weiß ich leider nicht. Ich könnte mir aber vorstellen, dass es da Probleme bzgl Namensrecht (Der Kneipe) bzw Persönlichkeitsrecht geben könnte ...

Wäre es nicht möglich, diese Kneipe nur als Vorbild zu nehmen (du kannst sie ja weiter am gleichen Ort lassen) und ihr 'nur' einen anderen Namen zu geben? - so zumindest würde ich es machen.

Ansonsten würde ich zum Pächter gehen, ihm die Sache erklären und ihn um Erlaubnis bitten (die ich mir dann aber auch schriftlich geben lassen würde) - Kannst ihm ja im Gegenzug eine Danksagung im Buch anbieten und ein signiertes Exemplar.


Offline Duana

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Re: Reale Orte im Roman - darf man das?
« Antwort #2 am: 01. Juni 2007, 10:53:10 »
Hallo Grey,

rechtlich weiß ich nicht genau darüber bescheid, aber ich würde dir empfehlen der Kneipe einen anderen Namen zu geben und sie etwas anders auszugestalten. Wer weiß, was dir sonst blüht.

Aber ich glaube sowas hatten wir schon einmal mit Namen, den Thread finde ich jedoch gerade nicht.


Duana
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Offline caity

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Re: Reale Orte im Roman - darf man das?
« Antwort #3 am: 01. Juni 2007, 11:38:32 »
Hallo Grey,

Ich schließe mich da Duana an.
Normalerweise "Orte an sich" sind soweit ich weiß erlaubt, aber jetzt eine spezielle Kneipe und deren Namen benutzen ... das halte ich persönlich für ziemlich heikel  ::)
Und selbst wenn du sie anders benennst, ist das so ein Beinbruch? Die Atmosphäre und alles, was du dort herhast, kannst du ja trotz des anderen Namens reinbringen ;)

Bye
caity
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Manja_Bindig

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Re: Reale Orte im Roman - darf man das?
« Antwort #4 am: 01. Juni 2007, 12:35:01 »
Genau. Nenn die Kneipe anders, ändere vielleicht in der Beschreibung ein, zwei Details - statt Eiche rustikal vielleicht helles Lindholz, zum Beispiel.
Zur Sicherheit aber frag beim Wirt nach und lass dir eventuell eine schriftliche Betätigung seiner Einwilligung geben. Falls es hinterher doch Scherereien geben sollte.

Schelmin

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Re: Reale Orte im Roman - darf man das?
« Antwort #5 am: 01. Juni 2007, 17:02:54 »
Mit der Kneipe wäre ich auch vorsichtig. Zudem weißt du gar nicht, ob es sie noch gibt, wenn dein Buch mal erscheint. Ich würde mir eine fiktive Kneipe in einem Stadtteil schaffen, in der es einige Kneipen gibt.
Eine Möglichkeit wäre es noch, den Kneipenwirt zu fragen, ob es in Ordnung ist.

Ansonsten mache ich es immer so, daß ich Orte, die definitiv zur Stadt gehören (Kurhaus, Theater, Brunnen,...), einfach eins zu eins übernehme, denn die machen ja den Lokalkolorit aus. Wenn ich ein Buch lese, das definitiv in Barcelona spielt, dann will ich auch, daß Barcelona drin vorkommt.
Aber bei Wohnhäusern, Kneipen oder sonstigen Institutionen bin ich vorsichtig.
Wenn ich irgendwo einen Mord oder eine Tätersuche ansiedeln will, spielt die Sache z.B. in irgendeiner Altbauwohnung in einer Straße, in der es viele Altbauwohnungen gibt. Da verliere ich mich dann auch nicht in Details, die erkennen lassen könnten, welches Haus gemeint ist, sondern ich beschreibe nur die Umgebung.

Offline Nina

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Re: Reale Orte im Roman - darf man das?
« Antwort #6 am: 01. Juni 2007, 19:24:29 »
Ansonsten mache ich es immer so, daß ich Orte, die definitiv zur Stadt gehören (Kurhaus, Theater, Brunnen,...), einfach eins zu eins übernehme, denn die machen ja den Lokalkolorit aus. Wenn ich ein Buch lese, das definitiv in Barcelona spielt, dann will ich auch, daß Barcelona drin vorkommt.

Das sehe ich genauso, Denkmäler, etc. sollten schon der Realität entsprechen. Bei realen Straßennamen und Hausnummern wäre ich jedoch genauso vorsichtig, wie bei realen Kneipennamen, denn die Menschen, die dort wohnen, finden das bestimmt nicht so toll, zumindest dann, wenn es ein Ein- oder Zweifamilienhaus ist.
Allerdings stelle ich es auch schwierig genauer über eine Stadt zu schreiben, die man nicht kennt, weil man die nie so wiedergeben kann, wie sie ist. Zumal ich es ziemlich übel fände, wenn ich in einem Buch lese, wo in einer Straße ein Hochhaus steht, obwohl es in Wirklichkeit eine Villengegend oder so ist. Dann lieber keine Straßennamen erwähnen.

Offline Duana

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Re: Reale Orte im Roman - darf man das?
« Antwort #7 am: 01. Juni 2007, 19:27:27 »
Für Straßennamen wird Grey sicher genauer recherchieren, würde ich ja auch.
Aber man bekommt überall einen Straßenplan von Barcelona oder Edinburgh, das ist also nicht das Problem. Und im Internet oder Reiseführern kann man sich auch prima über eine Stadt erkundigen, die Verteilung von einfachen Wohnhäusern und Ähnlichem recherchieren.
Man muss nicht unbedingt dort gewesen sein, auch wenn es helfen kann.

Und Denkmäler bzw. wichtige und bekannte Gebäude würde ich auch exakt so beschreibeun und benennen, wie es auch in Wirklichkeit ist.
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Offline Nina

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Re: Reale Orte im Roman - darf man das?
« Antwort #8 am: 01. Juni 2007, 19:42:31 »
Man muss nicht unbedingt dort gewesen sein, auch wenn es helfen kann.

Ein Straßenplan ist denke ich, ist nicht unbedingt das Problem, sondern eher wie es dort in den Straßen aussieht, sondern eher kleine Gassen, Anhebungen und wie die Häuser dort aussehen. Besonders Edinburgh halte ich diesbezüglich für schwierig, wenn man nicht dort war. Ich hatte sie mir z.B. ganz anders vorgestellt und ich habe mir von hier aus eine Wohnung, bzw. Zimmer dort gesucht und habe mich dementsprechen informiert.
Wenn ich genauer über einen realen Ort schreibe und ins Detail gehe, würde ich mir den vorher selbst ansehen und vor Ort recherchieren...bin beim Schreiben nun mal Perfektionist.

Offline Duana

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Re: Reale Orte im Roman - darf man das?
« Antwort #9 am: 01. Juni 2007, 19:53:29 »
@Rumpelstilzchen
Aber man kann nicht immer für eine Woche oder so an einen Ort reisen, nur weil man über ihn schreibt.
Wenn man wissen will, wie die Häuser dort aussehen, kann man sich die Bilder in Reiseführern anschauen oder bei Google auf "Bilder" klicken. Da gibt es auch genug Fotos von Leuten, die dort Urlaub gemacht haben.

Ich Prinzip stimme ich dir zu: Man kann einen Ort detailreicher und ein Stück weit vielleicht auch "besser" beschreiben, wenn man dort war und ein wenig das Leben dort mitverfolgt hat.
Aber es ist nicht immer die Zeit und die Möglichkeit da, das zu tun und wenn man den Roman dennoch schreiben will, müssen Beschreibungen, Bilder und Videos reichen.
Anders geht es sonst ja nicht.
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MarkOh

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Re: Reale Orte im Roman - darf man das?
« Antwort #10 am: 01. Juni 2007, 21:28:27 »
Hallo...

Nun ja, den Kneipenwirt nach seiner Erlaubnis zu fragen ist eigentlich Blödsinn. Man nehme mal an, es wird ein 300 Seiten Wälzer mit verschiedenen Schauplätzen, die allesamt auch halbwegs realistisch existieren. Dann müssen ja fast die ersten 15 Seiten des Buches für Danksagungen reserviert werden. Und nicht vergessen die Nachbarn der Kneipe zu fragen, denn die fühlen sich dann vielleicht auch betroffen. Die ersten hundert signierten Freiexemplare sind auf jeden Fall erstmal weg...    ;D

Nee, real existierende Kneipen ( oder andere Örtlichkeiten ) sind natürlich nicht beim Namen zu nennen. Mit Straßenname, Hausnummer und dergleichen schon überhaupt nicht. Glaubt tatsächlich jemand, dass es später den Leser wirklich interessieren wird, ob das Gasthaus zum Goldenen Anker nun in der Leopoldstraße Hamburgs liegt, oder in der Seeuferstraße und ja eigentlich Gasthof Ankerhaus heißt?
Die Burmington Street in Edinburgh werden wahrscheinlich auch gerade mal 0,1% der Leser kennen. Geht es um ein Rathaus in Wernigerode oder einen Dom in Köln, kann man solche Dinge auch beim Namen nennen. Ansonsten sollte man Vorsicht walten lassen.
Eine Unterlassungsklage kann schneller zum Ärgernis werden als man denkt. Ob berechtigt oder unberechtigt ist dann nämlich "absolutly wurscht".   :hmmm:

Schelmin

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Re: Reale Orte im Roman - darf man das?
« Antwort #11 am: 02. Juni 2007, 21:00:59 »
Man darf diese Recherche-Sache nicht unterschätzen. Ich dachte, ich kenne meine eigene Stadt, bis ich ins Detail gehen wollte, bzw unsicher wurde, was von wo aus wirklich sichtbar ist, etc. Da hilft kein Google-Earth und kein Reiseführer, ich mußte zu den Orten hin und Fotos machen. Entweder hält man es schwammig und erwähnt die Dinge nur am Rande, nach dem Motto, "als ich über den Kurfüstendamm lief, fing es an zu regnen". Dann ist man noch auf der sicheren Seite. Oder man geht ins Detail und recherchiert wirklich genau. Denn irgendwann hält das Buch vielleicht doch mal jemand in der Hand, der die Orte wie seine Westentasche kennt und entlarvt eine schlampige Recherche als Blödsinn. Das ist dann peinlich.

Offline Duana

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Re: Reale Orte im Roman - darf man das?
« Antwort #12 am: 02. Juni 2007, 21:14:38 »
Das mit der Recherche ist gut und schön, aber man möchte ja nicht so ins Detail gehen, dass man einen Reiseführer schreibt, sondern die Handlung nur mit einer Kulisse unterstützen.
Für wichtige Handlungspunkte denke ich schon, dass man sehr viele Details kennen muss, aber sonst?

Allerdings muss ich sagen, dass ich das auch noch nie gemacht habe, über eine richtig, existierende Stadt zu schreiben.
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Grey

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Re: Reale Orte im Roman - darf man das?
« Antwort #13 am: 03. Juni 2007, 23:21:08 »
N'Abend!

Erstmal: Danke für die Antworten und Ratschläge! :)
Ich habe mittlerweile durch Zufall herausgefunden, dass es wohl so ist, dass man alle Orte, die keinen Privatpersonen gehören, so mit Namen verwenden darf, bei allen anderen (also auch Kneipen) wohl die ausdrückliche Erlaubnis des Eigentümers braucht.

Weiterhin kann ich euch alle beruhigen: Bielefeld kenn ich gut, weil meine Heimatstadt, in Barcelona war ich während meines halbjährigen Spanienaufenthaltes auch diverse Male und bin gut mit der Stadt vertraut. Nach Edinburgh fahre ich im Herbst, und vorher wird nix über die Stadt geschrieben. Ein Hoch auf die Recherche ;D , ich will schließlich so lebendig und glaubwürdig wie möglich schreiben! ^^ Dazu gehört allerdings nicht, auf Straßennamen etc. herumzureiten, weil das wirklich nur für Leute interessant ist, die sich da gut auskennen. Und so klein wollte ich meine leserschaft nun doch nicht halten...  ::)

Ich kaufe einfach eine kleine Lokalität, lasse sie leer stehen, mache eine fiktive Kneipe an genau der Stelle draus und wenn mein Buch erstmal ein Bestseller ist eröffne ich die Kneipe in real und werde reich ;D

Jetzt aber gute Nacht und nochmals Danke! :)

Offline Duana

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Re: Reale Orte im Roman - darf man das?
« Antwort #14 am: 03. Juni 2007, 23:27:38 »
Ich kaufe einfach eine kleine Lokalität, lasse sie leer stehen, mache eine fiktive Kneipe an genau der Stelle draus und wenn mein Buch erstmal ein Bestseller ist eröffne ich die Kneipe in real und werde reich ;D
Das ist eine Idee!
Aber du wirst doch schon durch deinen Bestseller reich, dann... wirst du "doppel reich". ;)
Und für die Lesungen hast du auch immer einen Ort parat.

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