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Risiko/Nachteile als Autor bei Kleinverlagen?

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Curlincess:
Da ich vor einiger Zeit meinen ersten Roman fertiggestellt habe, frage ich mich jetzt natürlich, wie ich diesen veröffentlichen soll/kann. Ich habe mich diesbezüglich schon schlau gemacht und habe wo gelesen, dass man es zuerst bei einer Agentur und dann bei einem Verlag versuchen soll, da man im Nachhinein sowieso bei keiner Agentur mehr genommen wird...
Jetzt will ich natürlich realistisch bleiben und sage schon im Vorhinein, dass ich als Neuling ohnehin keine Chance bei einer Agentur bzw. einem Großverlag habe. Und mein Manuskript bzw. das Exposee unnötig in der Weltgeschichte herumzusenden will ich jetzt auch nicht unbedingt... Deshalb habe ich mir ein paar kleinere Verlage herausgepickt und fand die soweit auch ganz sympathisch.
Jetzt stellt sich mir die Frage, ob ich als Autor irgendwelche Risiken habe, wenn mein Manuskript irgendwen dieser Kleinverlage tatsächlich überzeugen sollte. Ich habe hier im Forum schon oft gelesen, dass viele dieser Verlage nach ein paar Jahren wieder "verschwinden". Was würde mit meinem Roman passieren? Welche Nachteile habe ich überhaupt bei einem Kleinverlag?
Und ist es realistisch oder unklug von mir, es gleich bei einem Kleinverlag zu versuchen?

LG

Alana:
Wenn du einen guten Stoff hast, der sich gut verkaufen lässt, hast du als Neuling sogar sehr gute Chancen bei Agenturen. Verlage kaufen gern vielversprechende Debüt-Autoren ein, vorausgesetzt die Qualität und Vermarktungsmöglichkeiten sind da.

Wenn du eigentlich lieber den Weg in den Großverlag gehen möchtest, bewirb dich doch erst mal bei Agenturen, damit verdirbst du dir nichts. Kleinverlage kannst du danach immer noch anschreiben.

Ich habe selbst im Kleinverlag angefangen und wir haben in Deutschland eine wirklich tolle Kleinverlagsszene, besonders im Fantasybereich. Aber du kannst im Normalfall beim Kleinverlag nicht mit wahnsinnigen Verkaufszahlen rechnen und bekommst auch normalerweise keinen Vorschuss. Beim Großverlag ist auch nicht alles Gold, was glänzt, aber man verdient deutlich mehr, die Bücher schaffen es meist in den Buchhandel (leider nicht alle, aber sehr viele, während das im Kleinverlag sehr selten ist) und du solltest niemals denken "die wollen mich eh nicht" und es deshalb nicht mal versuchen.

Viel Erfolg!

Malinche:
Es gibt ein paar Dinge, die man natürlich im Blick haben sollte, wenn man sich für die Zusammenarbeit mit einem Kleinverlag entscheidet:


* Es wird keinen oder bestenfalls einen symbolischen Vorschuss geben.
* Kleinverlagsbücher stehen selten im stationären Buchhandel - Ausnahmen gibt es natürlich, aber im Vergleich zu Großverlagstiteln fällt da natürlich ein Sichtbarkeitspotenzial weg. (Realistischerweise muss man aber auch sagen, dass du auch im Großverlag keine Garantie hast, dass dein Buch in Filialen vorrätig ist oder gar schick auf den Tischen präsentiert wird.)
* Kleinverlage haben in der Regel auch ein eher kleines Budget für Lektorat und Cover sowie für Marketing.
Demgegenüber stehen aber auch andere Aspekte. Viele Kleinverlage sind sehr umtriebig in den sozialen Medien sowie auf Messen und Conventions (Letztere sind während der Pandemie als Einnahmequelle natürlich weggefallen). Wenn sie schon länger dabei sind, haben sie oft auch ein treues Publikum und Blogger*innen, die eben genau zum Verlagsprogramm passen. Das heißt, dass Kleinverlage im Rahmen ihrer Möglichkeiten bei ihrer Zielgruppe auch eine gute Sichtbarkeit für ihre Titel schaffen können.

Viele Kleinverlage arbeiten auch für Lektorat und Cover auf einem professionellen Level und grundsätzlich hast du den Vorteil, dass du potenziell mehr Mitspracherecht bei der Gestaltung hast - oder auch da, wo es um Marketingaktionen und Goodies geht. (Auch im Großverlag kannst du mit dem Lektorat grundsätzlich Pech haben, wenn du und Lektor*in z.B. nicht auf einer Wellenlänge seid.)

Es gibt mittlerweile so einige gut etablierte Kleinverlage, bei denen ich denke, dass die so schnell nicht verschwinden werden. Gerade bei ganz neuen Verlagen gibt es natürlich immer eine gewisse Unsicherheit, wobei es oft auch hilft, sich die Webpräsenzen genau anzugucken und auszuloten, ob die Sache grundsätzlich seriös ist und die Leute am Steuer wissen, was sie tun. (Verlage, die enthusiastisch Manuskripte aller Genres an sich rupfen wollen und für alle Autor*innen Hardcover im Glitzerschmuckschuber versprechen, verraten damit mindestens eine gewisse Blauäugigkeit.)

Und: Im Großverlag kann es dir passieren, dass dein Buch nach Ablauf der Vertragslaufzeit verramscht wird und ebenfalls aus dem Programm verschwindet. Da hast du mit einem langlebigen Kleinverlag ggf. sogar bessere Chancen auf längerfristige Verfügbarkeit. (Wobei auch Kleinverlage ihr Programm verschanken und erneuern können.) Wenn ein Kleinverlag wirklich verschwindet, bekommst du die Rechte am Buch zurück und kannst dir überlegen, was du damit machst.

Meine persönliche Erfahrung ist, dass ich speziell mit "meinem" aktuellen Kleinverlag eine unglaublich wertschätzende und aufmerksame Zusammenarbeit erlebe und für mein Buch einiges an Sonderwünschen und Ideen umgesetzt wurde (und auf einige davon kam die Verlegerin von selbst). Für dieses Projekt und mich war Kleinverlag da definitiv die beste und passendste Lösung. (Fun Fact: Das Buch war zuvor schon in einem anderen Kleinverlag erschienen, der aber dann vor einigen Jahren seine Pforten schloss. Das vielleicht als Beispiel, dass auch so etwas nicht das Ende bedeuten muss. :))

[EDIT] Es kommt natürlich auch aufs Projekt selbst an. Manche Stoffe und Genres passen besser in Kleinverlagsprogramme, aber wie Alana sagt, wenn das Projekt gutes Vermarktungspotenzial hat, kannst du auch bei einem Großverlag unterkommen.

Und wiederum demgegenüber kann es auch ein Vorteil bzw. eine Strategie sein, sich im Kleinverlags-/Indiebereich erstmal einen Namen und eine Leser- und Followerschaft aufzubauen und dadurch mittelfristig dann bessere Chancen bei einer Agentur-/Großverlagsbewerbung zu haben. Keine Garantie, natürlich, aber eine Möglichkeit.

Curlincess:
Vielen Dank @Alana und @Malinche für die schnellen Antworten, hat mir wirklich weitergeholfen  :)
Ich werde mein Glück einfach mal bei ein paar Agenturen versuchen, ist ja nichts verloren. Und falls das nicht klappen sollte, kann ich mich immernoch bei den Kleinverlagen bewerben und bin nicht enttäuscht, da ja auch diese viele Vorteile mit sich bringen (die Frage bleibt natürlich offen ob mich überhaupt ein Verlag nimmt, ist ja auch nicht so selbstverständlich ^^)

Maja:
Du musst jedenfalls keine Angst haben, dass eine Veröffentlichung im Kleinverlag dich für die Veröffentlichung späterer Bücher im Großverlag irgendwie behindert. Es gibt zwar da auch groß gefeierte Debüts, aber die meisten haben irgendwo klein angefangen. Daumen sind gehalten!

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