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Wortwiederholungen vermeiden

Begonnen von Coppelia, 03. Januar 2009, 08:20:38

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Mondfräulein

Ich hole das Thema mal wieder nach oben, weil ich in letzter Zeit immer wieder darüber nachdenke. Grund ist vor allem, dass ich gerade ein Hörbuch höre, das anscheinend Wortwiederholungen um absolut jeden Preis vermeiden will. Leider zu Kosten des Schreibstils, denn der klingt dadurch gestelzt und an Stellen wie ein Reiseführer. In ein paar Fällen wäre ich deshalb sehr vorsichtig:

Umschreibungen: Aus "Erdbeere" wird "die süße Frucht", aus "David" wird "der blonde Junge", aus "Veronika" wird "meine beste Freundin", aus "Wasser" wird "das kühle Nass", aus "Bier" wird "das beliebte, alkoholische Getränk auf Hopfenbasis". Das muss nicht immer furchtbar sein, aber oft ist es das, weil sich das für mich sehr unnatürlich liest, weil Menschen so einfach nicht denken. Manchmal kann so eine Umschreibung wichtige Informationen vermitteln, aber oft liest sich das sehr künstlich und distanziert. Die Umschreibung fällt mir oft viel negativer auf, als es die Wortwiederholung würde.

Inquit-Formeln: "sagte sie" überlese ich sehr viel häufiger als "merkte sie an". Ich würde "sagen" ehrlich gesagt nie ersetzen, um eine Wortwiederholung zu vermeiden, sondern wenn dann nur, um dem Gesagten einen bestimmten Tonfall zu verleihen, zum Beispiel durch "rief sie" oder "flüsterte sie". Ich finde es da insgesamt viel sinnvoller, Inquit-Formeln ganz zu vermeiden, wo es geht.

Namen: In meinem aktuellen Hörbuch wird eine Figur abwechselnd Charles und Charlie genannt, was ehrlich gesagt ziemlich verwirrend ist. Mir fallen Namen ehrlich gesagt nicht als Wortwiederholungen auf. Wenn dann ersetze ich Namen durch Pronomen, aber ehrlich gesagt kann ich echt gut damit leben, wenn ein Name auf einer Seite sehr oft wiederholt wird, weil mir das einfach nicht negativ auffällt. Wenn er genannt wird, ist das ja eine wichtige Information. Das gilt auch für einheitliche Umschreibungen, also zum Beispiel, wenn meine Protagonistin in einer Szene mit einem Polizisten redet, dessen Name sie nicht kennt, dann ist "der Polizist" in der Szene für mich wie ein Name.

Ich glaube, Wortwiederholungen sind ein wenig wie Katzenhaare auf meinem schwarzen Poncho. Meine Katze ist schwarz-weiß, deshalb fallen ihre schwarzen Haare auf dem Poncho kaum auf, auch wenn sie da sind, die weißen Haare also schon. In vielen Fällen kann ich ein Wort sehr oft wiederholen, aber weil es ein schwarzes Katzenhaar ist, fällt es nicht weiter auf und ist nicht weiter schlimm. Weiße Katzenhaare sollte ich aber vermeiden.

Cooky

Aua, das mit dem Hörbuch hört sich böse an. Ich habe in einer meiner Geschichten in den ersten Kapiteln sehr viel Schnee und Eis. Ich will mir gar nicht vorstellen, wer sich da krampfhaft hundert verschiedene Variationen für ausdenken wollte. :D

Mich stören Wiederholungen in der Regel nur, wenn sie sehr dicht aufeinander folgen. Im Folgesatz oder noch im selben Absatz. Ein Synonym nehme ich nur, wenn es passt. Eher schreibe ich den Satz so um, dass man die Wiederholung gar nicht erst braucht.

"Sagen" oder "Fragen" sehe ich ebenfalls als harmlos an. Das ist die Grundform, an die unser Gehirn gewöhnt ist, weil wir es schon vom Kindesalter aus Geschichten kennen. Und die besten Inquits sind die, die man nicht bemerkt und trotzdem weiß, wer spricht. Mir fällt das gerade bei meinen frühen Sachen negativ auf, wie viele unnötige, falsche und auffällige Inquits drin sind. Ich habe einige Stimmen gehört, die bei Inquits Variation fordern, frage mich aber, ob die wirklich Spaß an einer Geschichte hätten, die das volle Spektrum ausreizt.

Wenn ich irgendwo "der Blonde" oder etwas Entsprechendes sehe, rollen sich mir immer die Zehennägel hoch. Das reißt mich so sehr aus dem Lesefluss. Namen sind harmlos. Hat man eine Person mit Titel, Dr. Müller, kann man das auch variieren, indem man an ihn an manchen Stellen nur als Doktor bezeichnet. Sowas ist für mich okay. Ob mich der Wechsel zwischen Charlie und Charles stören würde? Aus der selben Perspektive vielleicht. Wenn er in der wörtlichen Rede Charly genannt wird und im Erzähltext Charles, könnte das für mich gerade noch gehen.

Manchmal darf man bei den schwarzen Katzenhaaren auch nicht zu genau hinsehen. Sonst verbringt man Jahre damit, seinen Mantel mit der Lupe abzusuchen. ;)

Ary

@Mondfräulein der Katzenhaarvergleich ist klasse (wobei ich tatsächlich tragen kann, was ich will, bei drei Bunten, einem Tiger und einem Schwarzen sieht man IMMER irgendjemandes Haare ...).

Den Namen durch Beschreibungen zu ersetzen finde ich auch eher zehennägelaufrollend, vor allem dann, wenn die beteiligten Personen einander schon namentlich kennen. Ich verzichte auch lieber auf Inquitformeln als auf Namen - die nenne ich lieber einmal zu viel, als zu wenig, denn ich arbeite viel mit gleichgeschlechtlichen Paaren, und da sind Pronomina dann nicht immer eindeutig.
Was ich aber gern vermeide, sind diese "Lieblingswörter". In einem meiner ersten Romane war irgendwie immer alles "sanft", was auch mal "leise", "zärtlich", "liebevoll", "sacht" oder so hätte heißen können - da habe ich bei der Überarbeitung ordentlich aufgeräumt. Und ich habe oft irgendwie nur drei Gesichtsausdrücke für meine Figuren: Lächeln, hochgezogene Augenbrauen oder die gerunzelte Stirn. Da muss ich auch aufpassen, dass sich das nicht häuft und ich da mehr Variation reinbekomme.
Aber das mit dem Hörbuch klingt wirklich gruselig.

Mondfräulein

Zitat von: Cooky am 22. September 2022, 09:30:18Ob mich der Wechsel zwischen Charlie und Charles stören würde? Aus der selben Perspektive vielleicht. Wenn er in der wörtlichen Rede Charly genannt wird und im Erzähltext Charles, könnte das für mich gerade noch gehen.

Ich wünschte. Im Text außerhalb der wörtlichen Rede wird er wirklich abwechselnd Charles und Charlie genannt. Von derselben Person. Die Umschreibungen in diesem Buch machen mich absolut wahnsinnig.

Zitat von: Ary am 22. September 2022, 11:27:16Was ich aber gern vermeide, sind diese "Lieblingswörter". In einem meiner ersten Romane war irgendwie immer alles "sanft", was auch mal "leise", "zärtlich", "liebevoll", "sacht" oder so hätte heißen können - da habe ich bei der Überarbeitung ordentlich aufgeräumt. Und ich habe oft irgendwie nur drei Gesichtsausdrücke für meine Figuren: Lächeln, hochgezogene Augenbrauen oder die gerunzelte Stirn. Da muss ich auch aufpassen, dass sich das nicht häuft und ich da mehr Variation reinbekomme.

Das kenne ich von mir auch! Ich glaube, solche Wortwiederholungen sind sogar schwieriger zu finden, weil sie auch auffallen, wenn sie nicht zu nah beieinander sind. Dieselbe Formulierung auf derselben Seite fällt mir beim Überarbeiten bestimmt auf, aber manche Phrasen stören auch, wenn ich sie alle fünf Seiten oder einmal pro Kapitel benutze, fallen mir aber beim Überarbeiten vielleicht gar nicht auf...

caity

Ich kämpfe gerade auch sehr damit, ab wann ich eine Wiederholung als störend empfinde und als wann nicht. Die Empfindungen sind da zum Teil, fürchte ich, sehr unterschiedlich. Wobei ich absolut eurer Meinung bin: es gibt Wörter, da sind Wiederholung mehr oder weniger egal und es gibt Wörter/Phrase, deren Wiederholung auffällt und bei denen man sich überlegen muss, ob man das will. Zu letzterem zähle ich auch Vergleiche. Ich mag es allerdings auch, Figuren dadurch zu charakterisieren, in dem ich ihnen bestimmte Formulierungen zuschustere. Klappt nicht immer und ich fürchte, Leser*innen wird das weniger auffallen, aber wenn es gelingt, mag ich es gerne  ;D

Zitat von: Ary am 22. September 2022, 11:27:16Und ich habe oft irgendwie nur drei Gesichtsausdrücke für meine Figuren: Lächeln, hochgezogene Augenbrauen oder die gerunzelte Stirn. Da muss ich auch aufpassen, dass sich das nicht häuft und ich da mehr Variation reinbekomme.

Dazu werfe ich mal kurz, falls noch nicht bekannt, den "The Emotion Thesaurus" ins Feld. Ich habe ihn mir leider immer noch nicht geholt, aber um Vielfalt reinzubringen, klingt das Konzept richtig gut.
Wenn ein Autor behauptet, sein Leserkreis habe sich verdoppelt, liegt der Verdacht nahe, daß der Mann geheiratet hat. - William Beaverbrook (1879-1964)

Ary

Danke @caity für den Tipp mit dem Emotion Thesaurus, das schaue ich mir mal an!

Yamuri

Ich empfinde Wortwiederholungen in der wörtlichen Rede absolut normal. Ich wiederhole mich auch sehr oft, teilweise auch inhaltlich. Das ist einfach so. Wir Menschen nutzen meist ähnliche oder dieselben Wörter, wenn wir uns ausdrücken, besonders in Stresssituationen überlegt man nicht lange, ob man nun Wortwiederholungen hat. Daher finde ich wörtliche Rede mit Wortwiederholungen sogar authentischer.

Im Fließtext habe ich mir bei Papyrus die Wortwiederholungen anzeigen Funktion eingeschaltet. Insbesondere für aber, doch, jedoch, oder eine übermäßige Verwendung von Hilfsverben finde ich Papyrus sehr hilfreich.

Bei Namen nutze ich meist einfach die Namen, nur sehr selten vielleicht eine Berufsbezeichnung oder ein anderes Charakteristikum und noch seltener sowas wie der Schwarzhaarige. Grade in ostasiatischen Settings ist das sowieso absolut sinnfrei, weil so gut wie jeder schwarze Haare hat, es sei denn sie sind gefärbt.