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Wortwiederholungen vermeiden

Begonnen von Coppelia, 03. Januar 2009, 08:20:38

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Coppelia

#15
Die Wiederholung "sagte er" finde ich nicht problematisch. Aber eigentlich hab ich an solchen Stellen nie groß mit Wiederholungen zu kämpfen. Ich finde es sehr einfach, klar zu machen, wann jemand spricht. Dass es vom Leser nicht zu verstehen ist, finde ich eigentlich nicht. Ich weiß nicht, an was für komplizierte Mechanismen da gedacht wird, aber mir hat das nie Probleme gemacht. Wenn unklar ist, wer spricht, muss man es natürlich kennzeichnen, aber das kann man ja ohne weiteres machen, ohne dass es gekünstelt wirkt.

Ich kämpfe auch bei Wörtern wie "Augen" ... im Moment muss ich es irgendwie schaffen, aber man sagt nun einmal "aus meinen Augen!" und "vor aller Augen", das kann man doch kaum anders sagen ... :hmmm:

Schreiberling

Zitat von: Coppelia am 03. Januar 2009, 18:46:58
Ich kämpfe auch bei Wörtern wie "Augen" ... im Moment muss ich es irgendwie schaffen, aber man sagt nun einmal "aus meinen Augen!" und "vor aller Augen", das kann man doch kaum anders sagen ... :hmmm:

Bei mir ist es eher Blick ("er maß sie mit seinem Blick...", "ihr Blick glitt über den Wald..."). ;)
Wenn ich ein Problem mit Wortwiederholungen habe, dann immer nur über einzelne Szenen oder Kapitel. Machmal will ich ein bestimmtes Wort in einem Kapitel (das können ganz unterschiedliche sein: sagte er, Blick, denn, während,...) andauernd schreiben, im Nächsten ist es ein anderes.

Liebe Grüße,
Schreiberling

Julia

Zitat von: Lomax am 03. Januar 2009, 14:16:07
Vermutlich meinte der Agent nicht die Wortwiederholungen der einzelnen Begriffe, sondern die Häufung dieser rein verstärkenden Adjektive im Text insgesamt.
  Wobei es auch dabei sicher auch eine Geschmacksfrage ist, wo man seine persönliche Grenze zieht. Ob bei deinem Text erst mal nur diese persönliche Grenze überschritten war, oder schon ein wenig mehr - wer weiß?

Genau darüber hatte ich ziemlich lange nachgedacht - und bin trotzdem zu keinem Ergebnis gekommen. Ich selbst finde keine derartige Häufung im Text (natürlich nicht, schließlich ist es mein Baby  :omn:).
Bleibt eben dieses mysteriöse "Wer weiß?" ... Persönliche Grenze des Agenten - oder vielleicht doch noch handwerklicher Nachholbedarf meinerseits?
Gute Frage.
Wenn ich mir meine Lieblingsbücher ansehe, finde ich jedenfalls sowohl Beispiel für opulente Ausschmückungen (bezogen auf die verstärkenden Adjektive), als auch sehr spartanisch gehaltene Texte. Eine Regel konnte ich deshalb noch nicht daraus ableiten (abgesehen von der etwas trockenen Zusammenfassung meines Mannes: "Natürlich gibt es einen Unterschied zwischen den Büchern und deiner Geschichte: Diese Romane wurden veröffentlicht - deiner nicht."
Äh ja ... danke.

Aber vielleicht ist das an der Aussage etwas Wahres dran - vermutlich ist es egal, ob in  dem Text eine Wortwiederholung mehr oder weniger vorkommt (oder um auf Coppelias ursprüngliche Frage zurückzukommen: Ob es sinnvoll ist, etwas immer gleich zu benennen - oder es umständlich zu umschreiben). Wichtiger ist es vermutlich, dass der Text insgesamt wirkt. Das allein ist schon von so vielen Unbekannten abhängig (handwerkliches Können des Autors, Geschmack und persönliche Vorlieben des Lesers/Lektors/Agenten, usw.), dass es vermutlich schwierig sein dürfte, auch nur annähernd eine Art Richtlinie bezüglich Wortwiederholungen aufzustellen.

Andererseits: Ich lasse mich auch gern eines Besseren belehren. Es würde auch für mich die Sache einfacher machen ...

Mit seufzenden Grüßen,

Julia

Julia

#18
Zitat von: Coppelia am 03. Januar 2009, 18:46:58
Ich kämpfe auch bei Wörtern wie "Augen" ... im Moment muss ich es irgendwie schaffen, aber man sagt nun einmal "aus meinen Augen!" und "vor aller Augen", das kann man doch kaum anders sagen ... :hmmm:

Was die Augen betrifft, kann ich Dich beruhigen - die kommen bei mir auch recht häufig vor (insgesamt ca. 120 mal in gesamten Text, als Auge(n), Augenblick, etc.) - und wurden nicht kritisiert.

Augen scheinen sich also wiederholen zu dürfen  ;D

*räusper* Damit ich auch noch etwas Konstruktives von mir gebe: Man könnte in Deinem Fall aber auch z.B. "Hinfort", "Hinweg" "Schert Euch fort" und ähnliches verwenden. Oder: "unter den Blicken aller", unter dem Starren der gesamten Garnision" etc.

Liebe Grüße,

Julia

Coppelia

Nein, Julia, kann man leider nicht. ;) Es handelt sich nämlich zweimal um wörtliche Rede, und die Situation ist nicht so, dass man einen der anderen Begriffe wählen könnte. Leider klingen sie auch recht gekünstelt, sodass es einer der Fälle wäre, wo man merken würde, dass hier jemand die Wiederholung tilgen wollte, und das war bisher auch noch in jedem meiner eigenen Versuche so. *noch immer grübel* Ich muss sie wohl drin lassen, denn ich bekomme es trotz tagelangen Überlegens einfach nicht besser hin. Auf jeden Fall danke für deine Mühe. :)

"Scher dich weg" ist einfach nicht dasselbe wie das königliche "aus meinen Augen" ... :seufz:

Shay

Ich kämpfe vor allem mit dem Wörtchen "aber". Irgendwie neige ich dazu, Szenen in einer langen Kette von These und Antithese zu beschreiben. "Es war so... aber das war so... das dagegen war so...". Mittlerweile kenne ich die Synonmye für aber ganz gut ;)
bei unserer Eisgeschichte hatten Silph und ich darüber hinaus noch das Problem, das ein schlichtes "er" nahezu unbrauchbar war. Wir hatten nur vier handelnde Personen, alle männlich und eigentlich immer alle zusammen. Insbesondere wenn es dann zu einem Hin und Her zwischen zwei der mehr Personen kommt, bringt ein schlichtes Pronomen gar nichts mehr. In einem Absatz jeden Namen aber dreimal zu wiederholen, geht irgendwie auch nicht. Wir haben uns dann viel mit "sein Bruder", "sein Freund" etc beholfen, aber da muß man halt auch immer genau auf die Situation schauen, ob es passt oder nicht

Grey

Bei mir ist es meist das klassische "dann" ... "und dann" ... usw. das sich wiederholt. Ich fange sogar ziemlich oft meine Sätze damit an. So schlimm, dass es mir sogar schon beim Schreiben auffällt. Fürchterlich.

Alana

Das kenne ich auch.
Ich habe immer "Und so" am Satzanfang. Ist ja sehr, sehr selten verwendet, zum Abschluss des Buches mal ganz nett, aber bei mir kommt das viel zu häufig vor, wenn ich nicht aufpasse.
Ich bin gerade dabei, das auszumerzen.
Was bei mir noch richtig häufig ist, ist "fast".
Ich brauche jetzt kein Entenfett.

Julia

#23
@ Coppelia: Schade ... aber vermutlich hing ich auch in der falschen Epoche fest (ich bin insgesamt mehr Mittelalter-lastig  :), da erwartet man sprachliche Schnörkel  ;D).

Ein Versuch war's wert - und ich drück Dir die Daumen, dass Du die optimale Formulierung noch findest  :jau:

Liebe Grüße,

Julia

P.S.: Ziemlich OT, aber ich liebe diese schnörkelige Sprache:

"Sintemal sich schon viele unterwunden haben, kundzutun von den Geschichten, die unter uns ergangen sind ..."
Martin Luther

Franziska

das Problem habe ich auch. Ich habe mal überprüft, welche Wörter bei mir am häufigesten vorkommen, und die alle markitert.
Dabei bekam ich raus, das meine Charas ständig sich gegenseitig oder etwas ansehen. Es ist schrecklich, manchmal sechs mal auf einer Seite. Und oft ist das überflüsig. Ich versuche es zu reduzieren, aber manchmal müssen sie sich einfach ansehen und es gibt auch kein gutes Synonym dafür.

Coppelia

@ Julia
So schreibst du aber nicht, oder? ;)

Irgendwer hat neulich drüber gesprochen, ich glaub, es war Felsenkatze ... oder Maja? wie Sprache der Zeit des Lesers angepasst werden kann ...
Ist ja auch sonst etwas seltsam. Die meisten historischen Romane wären dann unmöglich zu lesen, und überlegt mal, wie viele Menschen schon Probleme mit Romanen in Goethes Sprache haben (obwohl das ja eigentlich keins sein sollte).

Irgendwie hab ich es noch geändert, aber ich weiß selbst nicht mehr wie.

Aber für ansehen gibt es doch viele schöne Synonyme ... :) Ich nutz ja oft den eingebauten Synonymer von Word.

Julia

@ Coppelia: Nein, natürlich nicht (leider ...).
Obwohl ich Romane kenne, in denen die Figuren in Anlehnung an diese schnörkelige Sprache "sprechen". Und es paßt gut, finde ich. "Der Spiegel ihrer Träume" von Donaldson fällt mir da spontan ein. Oder auch die "Almut-Romane" von Andrea Schacht.
Allerdings muss es natürlich zum gesamten Stil passen. Und so gern ich mal jemanden in meinen Romanen mit "Hinfort" entlassen würde, genauso wenig würde es zu meinem eigenen Stil passen.

Na ja, wie gesagt, ein Versuch war's wert (auch wenn es kein besonders guter war ...)

Liebe Grüße,

Julia

Alana

Hallo ihr Lieben,

also das Thema "Stilistisch gut schreiben" lässt mich einfach nicht mehr los.
Gibt es ein Buch oder eine Internetseite, wo mal alle Regeln des guten Schreib-Stils zusammengetragen werden?
Ich habe danach gesucht, aber nichts gefunden.

Außerdem habe ich gerade meine alten Posts in diesem Thema nochmal gelesen und festgestellt, dass sie viel selbstsicherer klingen, als ich es eigentlich gemeint habe.
Ich bin noch Anfänger und mir dessen auch bewusst und daher für alle Tipps dankbar.
Wenn das manchmal anders ankommt, tut es mir leid und auch hierfür benötige ich wohl dringend mal ein wenig Übung in der Kategorie: Genau das schreiben, was ich wirklich sagen will. ;)
Ich brauche jetzt kein Entenfett.

Lavendel

Hallo Alana,

Stil ist natürlich immer ein besonders Schwieriges Thema. Wir haben schon eine ausführliche Diskussion dazu. Schau dich doch mal in diesem Thread hier um: http://forum.tintenzirkel.de/index.php?topic=2685.0
Vielleicht hilft er dir ja ein wenig weiter.

LG
Lavendel

Linda

Zitat von: Alana am 06. Januar 2009, 17:50:28
Gibt es ein Buch oder eine Internetseite, wo mal alle Regeln des guten Schreib-Stils zusammengetragen werden?

Die Suche ist vergebens, es gibt ihn nicht, den einen, guten Stil. Zum einen ist das immer vom Empfänger abhängig, zum anderen von dem, was du gerade schreibst und kann je nach Textart differieren. Es gibt höchstens Stilmittel und ihr gekonnter und bewusster Einsatz.
Gerade einem Anfänger würde ich dazu raten, erst mal jede Menge zu schreiben, es zu lesen und zu überarbeiten. Und noch einmal von vorne. Und außerdem jede Menge anderes zu lesen in der Sprache, in der man schreiben will. Englisch, Sorry, nutzt niemandem bei der Entwicklung seines Schreibstils im Deutschen.
Denn nur durch konsequentes Arbeiten oder weniger konzentrierte, dafür aber sehr umfangreiche Beschäftigung mit Sprache kann man seinen persönlichen Stil finden und weiterentwickeln. Ich finde einen unverwechselbaren Stil sehr wichtig, aber wichtiger ist es wohl erst mal, verschiedene Ausdrucksformen auszuprobieren und die eigenen Fertigkeiten auszubauen, ehe man sich etwas Bestimmtes angewöhnt und anderes ablegt. Nichts anderes ist eigener Stil.

Gruß,
Linda