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Autor Thema: SO VIEL Recherche für EIN Buch - Hilfe?  (Gelesen 981 mal)

Offline Niyaha

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Re: SO VIEL Recherche für EIN Buch - Hilfe?
« Antwort #15 am: 13. September 2021, 10:57:57 »
Ich kenne das "Dilemma" auch sehr gut. Recherche sollte auf keinen Fall unter den Tisch fallen, aber ich habe mich hin und wieder ertappt, dass das viele recherchieren eine gute Ausrede für mich ist, um nicht zu schreiben. Man darf die gesunde Balance zwischen Fantasie und Realität nicht verlieren. Irgendwann habe ich mir die Frage gestellt, ob ich wirklich alles bis ins letzte Detail erklären können muss wie meine Welt funktioniert. Und für mich lautet die Antwort nein. Solange der rote Faden im Erzählstrang nachvollziehbar ist und die Welt und ihre physikalischen Gegebenheiten, sowie Naturgesetze verständlich und logisch sind, muss ich nicht alles zerlegen. Weil da stoße ich, eher früher, als später, an meine eigenen Grenzen.
Außerdem finde ich gewissen Freiheiten beim Schreiben völlig in Ordnung. Durch die Worte, dem Leser einen Impuls geben, aber es seiner eigenen Fantasie überlassen, wie er meine Welt und die Charaktere wahrnimmt. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass wenn ich versuche dem Leser genau das zu vermitteln, was ich beim Schreiben sehe und fühle, dass meistens nach hinten losgeht. Ich verrenne mich total in komplizierten Beschreibungen und/oder in mit unnötigen Adjektiven überfüllten Schachtelsätzen.  ;) Meistens führt das zu Verwirrung.
Recherche ja, aber das Schreiben sollte nicht zu kurz kommen.

Offline Manouche

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Re: SO VIEL Recherche für EIN Buch - Hilfe?
« Antwort #16 am: 13. September 2021, 15:04:29 »
Ich kann mich eigentlich dem meisten, was hier schon geschrieben wurde anschliessen.
Bei mir gibt es Zeiten, da verliere ich mich ebenfalls in Recherche. Oder aber, da es eine eigene Welt ist in Worldbuilding, was für mich etwa in dieselbe Richtung geht, da ich auch hier versuche, alles richtig und logisch aufeinander abzustimmen. Das ist absolut wichtig und macht macht ja manchmal auch Spass (Sowohl Recherche wie auch Worldbuilding). Aber wenn ich merke, dass ich Prokrastinieren komme, muss ich mich zwingen aufzuhören. Und schliesslich habe ich dann doch mehr Spass am Schreiben, als am Recherchieren :D
Folgendes habe ich mir angewöhnt: Wenn ich am Schreiben bin und etwas Neues auftaucht, dass ich noch nicht durchdacht oder recherchiert habe, markiere ich es farbig und notiere in Klammer Recherchieren. So verhindere ich, dass ich ewig herumrecherchiere für etwas, was dann vielleicht am Ende doch nicht in der Geschichte bleibt.

Offline Malou

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Re: SO VIEL Recherche für EIN Buch - Hilfe?
« Antwort #17 am: Gestern um 09:41:59 »
@Phlox

Danke für deine aufmunternden Worte  :knuddel: ich erwarte nicht von mir, schon "perfekt" zu sein. Allerdings wäre ich schon gerne sehr gut (in meinem eigenen Verständnis), wenn die erste Veröffentlichung ansteht. Und bis dahin scheint es noch ein weiter Weg. Aber man geht ihn ja Schritt für Schritt.

Zitat
Was dir zu schaffen macht - ist das dann eher so etwas wie ein innerer Miesmacher?
Oder ist es eher die Befürchtung, "nie" fertig zu werden mit deinem Projekt, also die zeitliche Komponente?
Vielleicht fällt es dir leichter, eine Strategie zu finden, wenn du das genauer identifiziert hast?
Ein innerer Perfektionist wohl eher. Ja, es ist auch die Befürchtung, "nie" fertig zu werden. Oder nicht früh genug. Noch bin ich kinderlos, aber was passiert, wenn sich das einmal ändern sollte? Ich weiß, hier gibt es genug Mamas und Papas, die trotzdem schreiben und dass das eigentlich kein Hinderungsgrund ist. Weil ich aber das Gefühl habe, es bereits jetzt nur schwer stemmen zu können neben allem, was sonst noch ist, befürchte ich, dass ich es dann gar nicht mehr schaffe. Ich kann auch immer nur schlecht "ein bisschen" an etwas arbeiten. Bin mehr der alles oder nichts Typ. Jede Woche nur 2-3 Stunden am Projekt sitzen zu können, würde mich todunglücklich machen. Solange ich aber noch keine Verdienstmöglichkeit sehe mit dem Schreiben, will ich auch meinen Vollzeitjob nicht loslassen. Ich weiß, dass manche meinen, dass es das Risiko wert ist. Ich brauche aber Sicherheit, damit ich funktioniere. Meinen Job zu kündigen würde meinen Stresslevel so dermaßen hochschießen lassen, dass ich vermutlich "erstarren" würde und dann ist es auch futsch mit der Kreativität. Hausbau ist das Ziel im Moment und da muss man erstmal Geld verdienen... Eigentlich mag ich meinen Job ja auch ganz gern. Runterschrauben kam mir schon in den Sinn, aber das geht nicht bis Dezember 2022, weil ich noch im Praktikum bin. Das ist Vollzeit.
Ich hasse es auch einfach, Fehler aus Unwissenheit zu machen. Ich weiß, aus Fehlern lernt man und deswegen sehe ich sie nicht prinzipiell als etwas Schlechtes an, gar nicht. Aber bei meinem 7-bändigen-Romanbaby einen Fehler machen, der das Floppen provoziert? Hm. Ich erwarte nicht, sensationell viel Erfolg zu haben (ist eh unrealistisch), aber ich will eben für mich selbst wissen, dass ich alles gegeben haben.


Zitat
Ein bisschen hört es sich für mich auch so an, als müsstest du deinen ganz persönlichen Mut zur Lücke finden, also definieren, was für dich am wichtigsten ist. Vielleicht sind weitere Plotmethoden nicht so interessant, wenn du gerade das Gefühl hast, ganz gut voranzukommen mit dem Schreiben. Hauptcharaktere sind u.U. zunächst mal die wichtigsten (und vielleicht brauchen sie auch nicht ganz so viele Hobbies...? ;)). Der erste Band ist erst mal wichtig, nicht der sechste. Usw. usw...
Ja, da hast du Recht. Mut zur Lücke war noch nie mein Ding, ich bin ein totaler Detailmensch. So war ich schon immer und es ist ziemlich schwer, das zu ändern - es ist auch oft nicht so, dass ich einfach "Stopp!" sagen könnte und gut is. Erstens lässt meine Neugier mich nicht in Ruhe, zweitens verstehe ich viele Dinge überhaupt nicht, ohne viiiiele Details zu kennen. Oft denke ich "Das ergibt keinen Sinn", "Das ist unlogisch" oder "OK, klingt auf den ersten Blick gut, ABER wenn X, was dann? Dann klappt das alles doch gar nicht mehr?". Schrecklich  ::) Ich habe für mich selbst noch nicht herausgefunden, wo mein natürlicher Stopp-Punkt beim Schreiben liegt. Dass ich zufrieden bin mit der Menge an Wissen, die ich angesammelt habe, dass ich die Dinge auch ausreichend selber verstehe und dass meine Neugier die Klappe hält. Vielleicht, weil ich ihn noch nicht erreicht habe, da man als Neuling natürlich gleich super viel auf vielen verschiedenen Ebenen zu lernen hat.


@Niyaha
Zitat
Außerdem finde ich gewissen Freiheiten beim Schreiben völlig in Ordnung. Durch die Worte, dem Leser einen Impuls geben, aber es seiner eigenen Fantasie überlassen, wie er meine Welt und die Charaktere wahrnimmt. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass wenn ich versuche dem Leser genau das zu vermitteln, was ich beim Schreiben sehe und fühle, dass meistens nach hinten losgeht. Ich verrenne mich total in komplizierten Beschreibungen und/oder in mit unnötigen Adjektiven überfüllten Schachtelsätzen.  ;) Meistens führt das zu Verwirrung.
Ja, die Balance muss gefunden werden. Die habe ich noch nicht. Manchmal beschreibe ich zu viel, manchmal zu wenig und man ist irritiert. Üben, üben, üben  :)

@Manouche
Zitat
Folgendes habe ich mir angewöhnt: Wenn ich am Schreiben bin und etwas Neues auftaucht, dass ich noch nicht durchdacht oder recherchiert habe, markiere ich es farbig und notiere in Klammer Recherchieren. So verhindere ich, dass ich ewig herumrecherchiere für etwas, was dann vielleicht am Ende doch nicht in der Geschichte bleibt.
Ein guter Tipp, den ich auch schon so umsetze :) Es ist allerdings ein wenig gruslig, wie viele Dinge ich mir markiere  :rofl: Detail-Mensch eben  ::)
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I write stories based on one single song I randomly heard.


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