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Autor Thema: Kulturelle Aneignung in Romanen  (Gelesen 6592 mal)

Offline Arcor

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Re: Kulturelle Aneignung in Romanen
« Antwort #45 am: 07. September 2021, 11:58:48 »
@Araluen und @Mondfräulein
Vielen Dank für eure Rückmeldungen. Jetzt ist es mir noch etwas deutlicher geworden und es deckt sich erfreulicherweise mit meinen eigenen Gedanken dazu.  :)
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Faye - Finding Paradise

Offline Yamuri

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Re: Kulturelle Aneignung in Romanen
« Antwort #46 am: 07. September 2021, 12:09:05 »
@Araluen: ich wusste gar nicht, dass das Skinwalker Konzept jenes ist, das du beschreibst.

Was ist das dann für ein Wesen, das Menschen tötet und die Haut der Menschen überzieht, um wie sie auszusehen? Weiß jemand aus welcher Mythologie oder Kultur das kommt? Oder ist das ein Mythos, den sich einfach irgendwann mal jemand ausgedacht hat? Irgendwie dachte ich immer Skinwalker sei soetwas, ein Wesen, das Menschen frisst und dann die Gestalt des Menschen annimmt. Da lag' ich dann ja komplett falsch mit meiner Vorstellung.  :o


Offline Araluen

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Re: Kulturelle Aneignung in Romanen
« Antwort #47 am: 07. September 2021, 12:21:40 »
Ich pachte da jetzt nicht die komplette Richtigkeit für den Skinwalker-Mythos. Das war die Zusammenfassung des Wikipedia-Artikels dazu. Aber laut des Artikels ist ein Skinwalker eine Hexe/Schamane, der böse Magie wirkt und durch diese die Gestalt des Tieres oder des Menschen annehmen kann, deren Fell/Haut er sich übergestreift hat.
Um den konkreten Mythos ging es mir auch gar nicht (trotzdem entschuldige ich mich, wenn ich hier etwas falsch wiedergegeben haben sollte), sondern darum, dass Mythen sich in ihren Nuancen unterscheiden. Deshalb ist nicht der Mythos selbst problematisch, sondern die Adaption, welche einer bestimmten Nuance folgt und sich einer unterdrückten Kultur bedient, die dadurch zum einen falsch oder klischeebehaftet dargestellt wird und zudem auch nichts von dem Geld hat, was letztlich damit verdient wird, wie der über Twillight verlinkte Artikel eindrücklich zeigt.

Offline Yamuri

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Re: Kulturelle Aneignung in Romanen
« Antwort #48 am: 07. September 2021, 12:39:29 »
Spannend :) Wieder was neues gelernt. Durch meine falsche Assoziation hätte ich nämlich jetzt gedacht, dass dieses Wesen, das ich fälschlicherweise damit assoziiert habe nicht erwünscht wäre, es zu verwenden.

Ich kann mir aber vorstellen, dass der umgekehrte Fall, wenn man einen Begriff unbedarft verwendet und sich herausstellt, dass der Begriff in einer best. Kultur etwas ganz anderes bedeutet, auch nicht ganz unproblematisch ist. Man sollte also auf jeden Fall, wenn man Begriffsbezeichnungen nutzt, die man nicht selbst frei erfunden hat, vorher nachschaun, ob der Begriff schon durch eine andere Beschreibung besetzt ist.

Über Twilight kann ich mir kein Urteil bilden, da ich weder die Bücher gelesen habe, noch die Serie gesehen. Ich empfand die Darstellung der Vampire (ausgehend von Trailern, die ich gesehen habe) als daneben, da Glitterpiere in meinen Augen einfach keine Vampire sind. Das verballhornt den Vampirmythos meiner Meinung nach, weswegen ich mich weigere Twilight zu lesen oder zu schaun.  ;D

Online Mondfräulein

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Re: Kulturelle Aneignung in Romanen
« Antwort #49 am: 07. September 2021, 12:56:07 »
Ich kann mir aber vorstellen, dass der umgekehrte Fall, wenn man einen Begriff unbedarft verwendet und sich herausstellt, dass der Begriff in einer best. Kultur etwas ganz anderes bedeutet, auch nicht ganz unproblematisch ist. Man sollte also auf jeden Fall, wenn man Begriffsbezeichnungen nutzt, die man nicht selbst frei erfunden hat, vorher nachschaun, ob der Begriff schon durch eine andere Beschreibung besetzt ist.

Ja, das stimmt! Das kann auch in manchen Fällen wirklich hart problematisch werden, wie zum Beispiel bei Jay Kristoff. In Nevernight heißt einer der Vampire, der mit Blutmagie arbeitet, heißt Adonai - ein hebräischer Name für Gott. Blutrituale sind ein altes antisemitisches Stereotyp (siehe Ritualmordlegende). Selbst wenn das nicht absichtlich antisemitisch ist, ist es immer noch fürchterlich antisemitisch. Wir bedienen uns als Fantasyautor*innen häufig wirklich überall, wenn wir Namen für Figuren und Schauplätze suchen. Da sollte man immerhin soweit recherchieren, dass nicht so etwas herauskommt. Selbst wenn der Name selbst erstmal unverfänglich wirkt, sollte ich prüfen, ob ich damit nicht irgendwelche diskriminierenden Tropes reproduziere.

(Eine ausführlichere Auseinandersetzung mit Jay Kristoff findet sich hier, falls das jemanden interessiert: http://thequakercampus.org/ae/the-problem-with-publishing-and-the-industry/)

Offline Anjana

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Re: Kulturelle Aneignung in Romanen
« Antwort #50 am: 07. September 2021, 16:13:55 »
Mal eine Frage: Wie weit muss ich aus eurer Sicht als Autor denn zurückgehen? Bzw. ab wann ist aus eurer Sicht (bzw. aus Sicht der Überzeugungen, die ihr hier vertretet) denn irgendein Klischee/ ein Zeichen/ ein Symbol nicht mehr problematisch, weil die Bedeutung gar nicht mehr großflächig bekannt ist oder sie einen Bedeutungswandel erlebt hat?
Ich kenne zum Beispiel einige Zeichen, die nur noch wenige mit rechtsradikalismus in Verbindung bringen, weil sie heute neue Bedeutungen haben und mindestens in einem Segment mit neuer Bedeutung verwendet wird. Ich persönlich würde es sehr begrüßen, wenn diese Bedeutung irgendwann mal in Vergessenheit gerät und vollständig durch die neue ersetzt würde. (Ich persönlich würde mir das auch für viele andere Aspekte wünschen, aber das ist vermutlich auch wieder eine andere Herangehensweise an Dinge als andere sie haben)
Gilt bei euren Überzeugungen die Ansicht, dass alles was irgendwann mal problematisch war auch immer problematisch bleibt?
Wie ist das mit Ritualmorden und Menschenopfern im Krimi- und Thrillersegment? Damit sind für viele die Inkas verknüpft, also dürfte dieses Element doch strenggenommen auch nicht mehr verwendet werden, wenn Blutrituale oer se antisemitisch sind.

Es kann ja durchaus so sein, dass Blutrituale für bestimmte Gruppen automatisch antisemitisch besetzt sind und ich persönlich würde angesichts der aktuellen Entwicklungen in Deutschland an dieser Stelle auch noch weiter recherchieren wollen, bevor ich mich entscheiden würde das zu verwenden, aber ich Blutrituale sind für mich mit anderen Kulturen verbunden und auch nicht per se böse. Ist das in euren Augen (bzw. in Augen der entsprechenden Bewegungen) irrelevant, weil jede Form von Blutmagie als antisemitisch einzustufen ist, weil es diese Verbindung offenbar gibt?

Oder gilt die Assoziationskette Vampir --> Blutritual (ich kenne die Bücher nicht, kann zur Darstellung des Rituals also nix sagen, würde aber nur Blut trinken noch nicht als Ritual betrachten) --> antisemitisch deswegen in dem Beispiel als problematisch, weil der hebräische Gottesname den Bezug zum Judentum herstellt? (Die Kombination könnte, je nach Magiekonzept und Mythos, ja auch ohne Antisemtismus schon merkwürdig sein)

Online Mondfräulein

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Re: Kulturelle Aneignung in Romanen
« Antwort #51 am: 07. September 2021, 16:42:09 »
Ich müsste das selbst nochmal genauer recherchieren, aber es geht glaube ich nicht darum, dass Blutrituale grundsätzlich antisemitisch sind. Es geht vor allem um den Kontext. Bei Jay Kristoff ist, soweit ich das gelesen habe, das Problem vor allem die Kombination der Blutmagie mit dem Namen.

Hier sind dazu nochmal zwei Twitter-Threads:
https://twitter.com/Shvartacus/status/1380194388517683203 (Englisch)
https://twitter.com/Livenitup_DE/status/1379788161505722368 (Deutsch)

Insgesamt muss man sich denke ich wirklich mit diesen Tropes beschäftigen und verstehen, warum sie so schädlich sind. Dann kann man erkennen, wann man drauf und dran ist, sie selbst in seine Bücher einzubauen.

Zitat
Mal eine Frage: Wie weit muss ich aus eurer Sicht als Autor denn zurückgehen? Bzw. ab wann ist aus eurer Sicht (bzw. aus Sicht der Überzeugungen, die ihr hier vertretet) denn irgendein Klischee/ ein Zeichen/ ein Symbol nicht mehr problematisch, weil die Bedeutung gar nicht mehr großflächig bekannt ist oder sie einen Bedeutungswandel erlebt hat?

Ich denke, es kommt darauf an, ob das heute noch reale Auswirkungen auf Menschen hat. Ganz grob gesagt. Aber ich denke, man muss da wirklich jeden Aspekt einzeln recherchieren.

Zitat
Ich kenne zum Beispiel einige Zeichen, die nur noch wenige mit rechtsradikalismus in Verbindung bringen, weil sie heute neue Bedeutungen haben und mindestens in einem Segment mit neuer Bedeutung verwendet wird. Ich persönlich würde es sehr begrüßen, wenn diese Bedeutung irgendwann mal in Vergessenheit gerät und vollständig durch die neue ersetzt würde. (Ich persönlich würde mir das auch für viele andere Aspekte wünschen, aber das ist vermutlich auch wieder eine andere Herangehensweise an Dinge als andere sie haben)

Ich persönlich würde mich nicht wohlfühlen, diese Symbole jemals zu verwenden. Es ist aber denke ich auch nicht an mir, sie zu reclaimen, weil ich kein Opfer des Nationalsozialismus bin. Außerdem ist hier das Problem, dass gerade diese Symbole sehr gerne von Neonazis benutzt werden, weil sie nicht offensichtlich von jedem erkannt werden.

Offline Anjana

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Re: Kulturelle Aneignung in Romanen
« Antwort #52 am: 07. September 2021, 16:45:20 »
Danke für die Antwort.

Offline Evanesca Feuerblut

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Re: Kulturelle Aneignung in Romanen
« Antwort #53 am: 07. September 2021, 18:26:58 »
Oder gilt die Assoziationskette Vampir --> Blutritual (ich kenne die Bücher nicht, kann zur Darstellung des Rituals also nix sagen, würde aber nur Blut trinken noch nicht als Ritual betrachten) --> antisemitisch deswegen in dem Beispiel als problematisch, weil der hebräische Gottesname den Bezug zum Judentum herstellt? (Die Kombination könnte, je nach Magiekonzept und Mythos, ja auch ohne Antisemtismus schon merkwürdig sein)
Zumindest für mich (ich bin jüdisch) ist diese Kombination das Problem. Über Vampire an sich schreibe ich sehr viel selbst.
Aber die Kombination "Gottesname" (der außerdem in genau DIESER Form ausschließlich im Gebet verwendet wird, ansonsten aber mit "Haschem" ersetzt wird, wenn nur über Gebete geredet werden soll, aber nicht tatsächlich gebetet wird) plus "Blutritual als antisemitisches Klischee" plus die Tatsache, dass im Judentum der Konsum von Blut ein Tabu ist, sind einfach drei große Probleme auf einen Schlag.
Es ist also so ziemlich mit das Unsensibelste, was eine schreibende Person machen kann, das Ganze ausgerechnet so zu kombinieren.
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Offline Frostschimmer

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Re: Kulturelle Aneignung in Romanen
« Antwort #54 am: 07. September 2021, 18:37:17 »
@Evanesca Feuerblut wenn ich das jetzt richtig verstanden habe, wäre das Blutritual an sich also nicht problematisch, oder? Problematisch wird es hier dann wegen des Namens?
Blut ist in Judentum ein Tabu, soviel weiß ich, aber ein Blutritual ohne jüdischen Bezug wäre jetzt kein Problem, oder?

Offline Evanesca Feuerblut

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Re: Kulturelle Aneignung in Romanen
« Antwort #55 am: 07. September 2021, 18:39:49 »
Exakt. Blutrituale an sich gibt es in einigen Religionen und magischen Praktiken ja weltweit. Hieße der Vampir "Herbert", wäre der Bezug nicht da. Aber hier hast du auch noch einen der jüdischen Gottesnamen und damit wird es haarig.
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Offline Frostschimmer

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Re: Kulturelle Aneignung in Romanen
« Antwort #56 am: 07. September 2021, 18:44:38 »
Okay, danke für die Antwort und schon mal sorry, dass ich nochmal doof nachfragen muss, aber wäre es auch ein Problem, wenn er nach einem Dämon, zum Beispiel Asmodeus benannt wäre?

Offline Anjana

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Re: Kulturelle Aneignung in Romanen
« Antwort #57 am: 07. September 2021, 21:47:38 »
Ah, danke für die Antwort @Evanesca Feuerblut. Dass der Name nur im Gebet verwendet wird, war mir gar nicht so bewusst. Wieder was gelernt!   :jau:
Ich hab mir inzwischen auch angewöhnt Namen (vor allem ausgedacht, die oft gar nicht do ausgedacht sind) zu googlen.

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