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Autor Thema: Werbung als Subplot - zum Haare ausreißen  (Gelesen 4726 mal)

Offline Maja

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Re: Werbung als Subplot - zum Haare ausreißen
« Antwort #15 am: 18. Februar 2015, 01:46:29 »
Ich denke, wir reden hier von zwei verschiedenen Dingen. So, wie ich Alana verstanden habe, geht es um Bücher, die vom gleichen Autor stammen, aber inhaltlich nicht direkt zusammenhängen und auch nicht immer die gleiche Hauptfigur haben, aber im gleichen Kosmos spielen und die verschiedenen Bücher quasi Spin-offs voneinander sind, man als Leser nicht zwingend alle lesen muss und es keinen Rahmenplot gibt, aber trotzdem die Handlung des nächsten Bandes schon im Vorgänger angekündigt/vorweggenommen/angefangen wird. Dass man sich als Leser darüber ärgern kann, kann ich nachvollziehen, auch wenn mir so etwas noch nicht untergekommen ist und ich es im Einzelfall von der Umsetzung abhängig machen würde - das kann plump rüberkommen, aber auch raffiniert, je nach Machart.

Bei Jainoh Beitrag habe ich mehr das Gefühl, sie liest eine Reihe aus in sich abgeschlossenen Einzelbänden, die aber eine sich langsam aufbauende Rahmenhandlung haben, und darauf bezog sich meine Kommentar - weil ich finde, dass so eine Reihe ohne einen übergeordneten Plot, der sich von Band zu Band entwickelt, nicht funktioniert. Aber natürlich bin ich da voreingenommen, weil ich mit Percy gegenwärtig genau so eine Reihe schreibe - während man die Figuren besser kennenlernt, geht auch ihre Geschichte weiter, und Fragen, die im ersten Buch aufgeworfen werden, beantworten sich eben erst nach und nach. Aber ich glaube, das ist auch nicht das, was Alana mit ihrem Startpost gemeint hat.
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Robert Gernhardt

jainoh

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Re: Werbung als Subplot - zum Haare ausreißen
« Antwort #16 am: 18. Februar 2015, 09:40:04 »
Ich meinte eine Krimiserie, in der jeder Band die selben Nebenfiguren und die selben Orte enthält, alles findet sich in der gleichen Stadt und innerhalb derselben Familie. Aber in jedem einzelnen Band gibt es für sich allein funktionierende Krimis mit für sich allein funktionierenden Paaren. Und in jedem Band gibt es, meist gegen Ende, eine Art Vorschau auf das nächste Buch, versteckt in der Handlung um eine der Nebenfiguren. Es ist sozusagen so, dass in allen bis auf dem ersten Band schon der nächste begonnen wurde. Das hat mich gestört.
Der Umstand, dass dieselben Nebenfiguren, Schauplätze oder Ereignisse in allen Büchern wichtig waren und es natürlich einfacher war, alle Bücher und dazu in der richtigen Reihenfolge zu lesen, hat mich nicht gestört. Das kenne ich von anderen Serien, vor allem Krimis, wie unten schon genannt, sehr gut.
Es hätte mich auch nicht gestört, wenn es sich wie bei vielen Serien so verhalten hätte, dass die Bände zwingend aufeinander aufbauen, dann will man sich ja bewusst der Serie widmen. Aber diese Mischung aus für sich stehenden Büchern mit diesen kleinen Widerhaken, die einen weiter zerren, wenn das Buch endet, die hat sich angefühlt wie Werbung im Subplot.

Offline chaosqueen

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Re: Werbung als Subplot - zum Haare ausreißen
« Antwort #17 am: 18. Februar 2015, 22:17:16 »
Hier werden von Anfang an zwei gehensätzliche Dinge vermischt:

Zum einen das, was Alana und jainoh ansprechen, dass ohne Grund plötzlich die Perspektive wechselt und man schon mal mit den "Helden" des Folgebands bekannt gemacht wird, diese Szene aber mit der Handlung des aktuellen Romans wenig bis gar nichts zu tun hat. Das ist die erwähnte Werbung.

Dem gegenüber stehen Reihen, in denen Figuren aus vorigen (!) Bänden immer mal wieder auftauchen und sich ins Geschehen einfügen. Das entspricht ungefähr dem, was Tanrien und Maja ansprachen.

Letzteres mag ich sehr, weil ich auf Plots stehe, die sich über mehrere Bände entwickeln. Diese "Werbung" hatte ich auch schon mal und war doch sehr irritiert - das ist ein bisschen so, als würde Rotkäppchen schon mal kurz erzählen, dass sie gleich ihre Großmutter besuchen geht, während man noch mitfiebert, ob Rapunzels Haar wohl den Prinzen halten kann. ;)

Offline Ratzefatz

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Re: Werbung als Subplot - zum Haare ausreißen
« Antwort #18 am: 06. März 2015, 16:25:39 »
In Büchern ist mir das, was Alana anspricht, bisher noch nicht aufgefallen. Bei Fernsehserien gibt es das aber schon relativ lange - die sogenannten "backdoor pilots", also quasi Pilotfolgen für eine geplante neue Serie, die sich als Folgen einer bereits etablierten Serie tarnen. Typischerweise taucht da plötzlich ein Verwandter oder Freund der Serienhelden auf und wir verbringen die halbe Folge mit ihm; oder die Helden haben auf einmal ein ungewöhnliches Problem und müssen dazu einen ungewöhnlichen Spezialisten befragen, mit dem wir dann wiederum die halbe Folge verbringen. Oder es verschlägt einen der Helden ausnahmsweise in eine andere Stadt und er lernt dort lauter interessante Leute kennen.

Ich kann mir schon vorstellen, dass so etwas funktioniert, wenn die neuen Charaktere interessant genug sind und ihr Einstieg zu einem Zeitpunkt erfolgt, an dem die Zuseher/Leser aufnahmefähig sind (also eben nicht dann, wenn wir eigentlich nur wissen wollen, ob unser bisheriger Held die Gefahr, in der er sich gerade befindet, überlebt). Und vermutlich ist es umso leichter durchzuziehen, je mehr Charaktere es in der alten Serie gibt, da die Zuseher/Leser dann schon daran gewöhnt sind, dass ihre Lieblinge nicht immer im Rampenlicht stehen können. Plump gemachte Werbung ist natürlich immer schlecht.

LG
Ratzefatz
„Dein Name ist Venko“, raunte Zoya in sein Ohr. „Venko, Venko, Venko.“ Sie gab ihm für jedes „Venko“ einen Kuss und ermahnte ihren Mann: „Vergiss deinen Namen nicht!“
„Wie könnte ich ihn vergessen, meine Zoya“, raunte er zurück, „wenn ihn vergessen auch dich vergessen hieße?“

Barbara Schinko, Ein Mantel so rot, 2017

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