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Autor Thema: Oberst, oder nicht Oberst  (Gelesen 1996 mal)

Schreinhüter

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Oberst, oder nicht Oberst
« am: 03. April 2012, 17:23:03 »
Ich stelle mir seit Anbeginn der Arbeiten immer wieder die Frage, wie ich mit der Figur des Oberst Nagel im Fließtext umgehen soll. Ich beziehe mich auf das Problem, dass "Oberst Nagel" durch seine Berufsbezeichnung deutlich weniger intim ist, als vielleicht "Gard", oder "Gard Nagel". Immerhin nenne ich die restlichen Figuren mit ihren Vornamen und bin ihnen dadurch beim Lesen schon deutlich näher. Da es eine tragende Perspektive ist, empfinde ich das als nicht wenig gravierendes Problem.
Wie steht ihr dazu? Ist es verzeihlich, dass man den Rang ständig nennt? Oder sollte es doch besser Gard heißen und bei Dritten dann wieder Oberst Nagel? Eure Meinungen wären mir wichtig.  :hmmm:

Offline Zitkala

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Re: Oberst, oder nicht Oberst
« Antwort #1 am: 03. April 2012, 17:29:50 »
Was ist "Gard"?

Und ansonsten würde ich beim Oberst bleiben, wenn es zum Charakter passt, der also auch eher distanziert ist. Kann ich mir zumindest bei einem Militärmann gut vorstellen, dass der Rang hoch gehalten wird und er entweder damit oder Nachnamen angesprochen werden will. Außer es ist seine Frau oder sein Sohnemann. ;D

Im Fließtext würde ich auch bei dem Rang bleiben. (Aber mag auch an mir liegen, weil ich Personen häufiger über ihre Tätigkeiten auseinander halten kann, denn über ihre Namen.)

Offline Malinche

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Re: Oberst, oder nicht Oberst
« Antwort #2 am: 03. April 2012, 17:30:29 »
Die Frage ist ja auch, ob du diese Intimität bei Oberst Nagel überhaupt erreichen willst? Ich habe jetzt nicht genau im Kopf, was für ein Typ Mensch dieser Oberst ist, aber ich fände es durchaus legitim, ihn von anderen Figuren abzugrenzen, indem du ihn immer bei seinem Rang nennst - wenn er selbst jemand ist, der darauf entsprechend Wert legt bzw. wenn diese Berufsbezeichnung sein Wesen insgesamt auch prägt und bedingt. Das kannst du also durchaus durchziehen, denke ich.

Und nächster Gedanke: Es kann auch trotzdem genug Nähe zum Charakter entstehen. Ich habe gerade noch mal García Márquez "Der Oberst hat keinen, der ihm schreibt" aus dem Regal gezogen. Der Protagonist ist das ganze Buch über "der Oberst". Und was ich mit dem armen Kerl mitgelitten habe, hätte sich auch nicht gesteigert, wenn er mit seinem Vornamen durchs Buch gegeistert wäre.

[EDIT] Zit war schneller. :)
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Karlmann

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Re: Oberst, oder nicht Oberst
« Antwort #3 am: 03. April 2012, 17:36:22 »
Okay, die Sache ist schwierig.

Zunächst: Es wäre durchaus in Ordnung ihn nur als "den Oberst" oder "Oberst Nagel" zu führen, wenn er so durch und durch militär ist, in seiner ganzen Haltung und Wesen, daß jeder ihn mit diesem Titel anredet und er sich jedem als "Oberst Nagel" vorstellt. Vielleicht nennen jene, die ihn intimer kennen nur "Oberst", während die übrigen "Herr Oberst" zu ihm sagen und nur ganz alte Freunde oder seine Schwester nennt ihn "Gard", was alle anderen unpassend finden.

Zweitens: Natürlich hast du recht, die Benutzung des Titels schafft Distanz, deshalb meine Ausführungen oben, dass er durch und durch "Oberst" sein muss, mit allen Vor- und Nachteilen. Das hindert niemanden daran Freundschaft zu schließen oder sich gemeinsam zu besaufen und mein Vorschlag, dass jene die ihn besser kennen, einfach Oberst nennen.

Offline Alana

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Re: Oberst, oder nicht Oberst
« Antwort #4 am: 03. April 2012, 20:10:13 »
Ich denke, das kommt darauf an, wie du ihn darstellen willst. Empfindet er sich selbst als Oberst? Oder denkt er von sich als Gard? (Ich nehme mal an, das ist der Vorname?)
Wenn er sich so durch und durch als Oberst fühlt, dann kannst du das auch verwenden und trotzdem Nähe zum Leser schaffen.

Ich muss da oft an Jane Austen denken. Ihren Charakter Darcy erlebt man nicht einmal als Perspektivträger und wenn man nicht den Anhang liest, kennt man seinen Vornamen gar nicht. Trotzdem fühle ich als Leser mich ihm sehr nah.
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