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Handwerkliches => Workshop => Thema gestartet von: Wildfee am 13. Mai 2019, 16:56:31

Titel: Für die Tonne geschrieben - Was macht ihr mit dem "Müll"?
Beitrag von: Wildfee am 13. Mai 2019, 16:56:31
Ich bin bei meinem Herzensprojekt an einem Punkt angelangt, bei dem ich mir eingestehen muss, das Ding vor die Wand gefahren zu haben.

Jetzt stehe ich vor der Entscheidung,
a) den Roman komplett in der Versenkung verschwinden zu lassen
b) neu zu schreiben in anderer Perspektive oder mit anderen Perspektivträgern
c) sehr, sehr zeitraubend zu überarbeiten (was einem neu schreiben meiner Einschätzung nach sehr nahe käme)

Nur, was mache ich mit dem "Müll"?
Verwendet ihr in solchen Momenten schon bestehende Szenen und Kapitel für den Neuanfang?
Oder macht ihr einen klaren Schnitt und legt alles beiseite und baut bereits Geschriebenes nicht ein?

Liebe Grüße
Wildfee
Titel: Re: Für die Tonne geschrieben - Was macht ihr mit dem "Müll"?
Beitrag von: Nebula am 13. Mai 2019, 17:25:54
Ich hab schon sehr viel "Müll" produziert, eigentlich nur "Müll".

Früher hatte ich die Angewohnheit alles in einem Anflug von Selbsthass zu löschen, mittlerweile hebe ich aber alles auf, da ich nie weiß, ob ich das Projekt nach Jahren vielleicht nicht doch noch einmal angehen will. :)

Falls das der Fall ist verwende ich auch bestehende Szenen noch. Manche Szenen schreibe ich auch um oder komplett neu. Manchmal verwerf ich auch alles ganz und fang neu an mit anderen Charakteren oder recycle die Idee/Charaktere teilweise für ein anderes Projekt. :D
Titel: Re: Für die Tonne geschrieben - Was macht ihr mit dem "Müll"?
Beitrag von: Antigone am 13. Mai 2019, 17:27:34
Nur, was mache ich mit dem "Müll"?
Verwendet ihr in solchen Momenten schon bestehende Szenen und Kapitel für den Neuanfang?

Auf jeden fAll aufheben! Man weiß nie, wann man wieder etwas braucht.
 Und ja, man kann Bestehendes durchaus - ob ganz oder teilweise - recyclen. Man muss nur aufpassen, nicht an der gleichen Stelle wieder falsch abzubiegen und wieder gegen die Wand fahren.
Titel: Re: Für die Tonne geschrieben - Was macht ihr mit dem "Müll"?
Beitrag von: Angela am 13. Mai 2019, 17:28:06
Ich lass das erstmal liegen und sehe es mir später erneut an. Manchmal über Jahre. Gerade habe ich ein Projekt fertiggestellt, an dem ich locker fünf Jahre geschrieben habe. Perspektive zweimal geändert und das Alter der Heldin von Kind auf Jugendliche mit Love-Interest hoch. Da habe ich oft genug gedacht, das wird nichts mehr, aber die Probeleser fanden es bisher richtig gut.
Ich habe noch so ein Projekt, da überlege ich noch, ob ich das mit Fantasy schreibe oder nur als Lovestory. Das habe ich auch schon mehrfach umgeschrieben.
Titel: Re: Für die Tonne geschrieben - Was macht ihr mit dem "Müll"?
Beitrag von: Araluen am 13. Mai 2019, 17:33:00
Bisher habe ich ein Projekt komplett vor die Wand gefahren. Nachdem mich die Erkenntnis traf, habe ich den Totalschaden erst einmal so gut wie möglich versteckt. Mittlerweile plane ich den Neuanfang. Ich plotte neu, bei der Perspektive wird sich einiges ändern, das Setting wird angepasst.
Die alten Szenen behalte ich. Ich werde vermutlich nur wenig davon noch einmal eins zu eins verwenden können, aber man weiß ja nie, was sich retten lässt und manche Formulierungen kriegt man einfach nur einmal perfekt hin.

Wenn man ein Projekt wirklich völlig vor die Wand gefahren hat, würde ich generell zum Neuschreiben raten. Ein Totalschaden hat grundlegende Mängel an der Substanz. Da hilft Verschlimmbessern nur wenig. Man schaue zum BER, auch wenn der Vergleich etwas hinkt  ;D
Titel: Re: Für die Tonne geschrieben - Was macht ihr mit dem "Müll"?
Beitrag von: FeeamPC am 13. Mai 2019, 17:35:44
Abwarten. Nach frühestens 14 Tagen noch einmal lesen. Dann überlegen, ob eine neue Perspektive möglich ist. Und wenn weiterschreiben, dann würde ich tatsächlich mit einer komplett anderen Perspektive starten, und die eisern durchhalten. Manchmal löst sich dann der Knoten von ganz allein.
Titel: Re: Für die Tonne geschrieben - Was macht ihr mit dem "Müll"?
Beitrag von: Evanesca Feuerblut am 13. Mai 2019, 17:39:50
Ich hebe alles auf - das gibt am Ende Bonusmaterialien, Outtakes, deletes scenes ohne Ende ;-)
Titel: Re: Für die Tonne geschrieben - Was macht ihr mit dem "Müll"?
Beitrag von: Silvia am 13. Mai 2019, 17:56:45
Ich sammel auch alles. Erst letztes Jahr habe ich aus meiner großen Kiste einen Anfang gezogen, der sich wunderbar zur Hintergrundstory eines Projekts verarbeiten ließ, an dem ich jetzt sitze. Die Idee zur neuen Version speiste sich auch aus dem alten Ding. Und das ist gute 20 Jahre alt gewesen!  ;)
Titel: Re: Für die Tonne geschrieben - Was macht ihr mit dem "Müll"?
Beitrag von: Coppelia am 13. Mai 2019, 18:12:42
Auch ich werfe nie nicht etwas weg oder lösche es! Ok, es gab Momente, da habe ich meine Manuskripte zerfetzt. ;D Aber die Dateien hätte ich nie angerührt.
Oft verwende ich Elemente aus "Müll" später neu, wie es hier schon einige anführen. Meist ist ja doch einiges dabei, was einem gefällt.

Ich produziere eine ganze Menge Müll. Sogar, wenn ich überarbeite, streiche ich Text meist nicht, sondern kopiere ihn nur ans Ende des Dokuments (oder bei Scrivener, in den Mülleimer). Da kann er dann verbleiben. Die Arbeitsversion des Dokuments hebe ich auch immer auf. Man weiß ja nie, ob man irgendwas nicht wieder braucht!

Meine Lieblings-Elemente würde ich jederzeit wieder verwenden.

Oft hilft es auch, eine misslungene Version nicht als Müll, sondern als erste Fassung zu verstehen. ;)
Titel: Re: Für die Tonne geschrieben - Was macht ihr mit dem "Müll"?
Beitrag von: Robin am 13. Mai 2019, 19:07:06
Ich habe soooo viele angebrochene Dateien auf dem Computer, aber Müll habe ich interessanterweise bis jetzt wenig produziert, relativ zum Veröffentlichten gesehen (ist aber beides eher wenig). Das meiste meiner Dateien sind verschiedene Pläne, Entwürfe, alles mögliche. Wirklich Geschriebenes ist recht wenig.
Titel: Re: Für die Tonne geschrieben - Was macht ihr mit dem "Müll"?
Beitrag von: Ananke am 13. Mai 2019, 20:43:20
Ich bin ein absoluter Datensammler – Speicherplatz ist billig, daher gibt es für mich keinen Grund, irgendetwas Geschriebenes dauerhaft zu löschen. Und alte Versionen von Texten hab ich schon so oft wieder rausgesucht, um einzelne Szenen oder auch nur Sätze dann doch wieder zu verwenden …

Was ein ganzes an die gefahrenes Manuskript angeht? Ich hatte den Fall schon zwei oder drei Mal, genauer genommen bei jedem meiner früheren Werke, die ich nicht einfach so aufgeben wollte, weil ich aus ihnen "herausgewachsen" bin.
Was ich dabei mache, ist, mir den Text einmal genau durchzulesen (tut weh, ich weiß). Dann wird jede Szene, die mir wirklich gefällt, in eine Extra-Datei kopiert, der Rest kommt erstmal weg. Und dann beginne ich, das ganze Buch neuzuschreiben – die aufgehobenen Szenen dabei immer im interkopf. Und wenn ich dann unterwegs eine davon gebrauchen kann, umso besser. Eine gründliche Überarbeitung ist hier natürlich unerlässlich. Aber was tut man nicht alles, um dann und wann doch noch ein paar Darlings zu retten …  ;D
Titel: Re: Für die Tonne geschrieben - Was macht ihr mit dem "Müll"?
Beitrag von: Linda am 13. Mai 2019, 22:08:37
Es gibt keinen geschriebenen Müll - nur Teile, die nicht (mehr) passen. Was für den einen Müll ist, ist für den anderen die Offenbarung.
Sprich, selbst wenn man die Grundidee rettet oder eine Szene aufhebt, hat sich die Lagerung schon gelohnt.
Neu bedeutet nicht immer besser, ich arbeite lieber akribisch am Text (wobei meine Erstfassungen auch schon sehr durchdacht sind). Andere, weiß ich, brauchen tabula rasa, und kreativen Neuanfang, das ist wohl Geschmackssache.
Titel: Re: Für die Tonne geschrieben - Was macht ihr mit dem "Müll"?
Beitrag von: Coppelia am 14. Mai 2019, 06:27:51
Was ich gestern noch sagen wollte:

Zitat
c) sehr, sehr zeitraubend zu überarbeiten (was einem neu schreiben meiner Einschätzung nach sehr nahe käme)

Auch wenn ich manchmal den Eindruck habe, dass zeitraubendes Überarbeiten nicht mehr so richtig üblich ist, ist es meiner Erfahrung nach gar nicht so selten und oft nötig. Überarbeiten ist halt oft nicht nur Glattbügeln von Formulierungen oder wenigen Szenen, sondern extrem aufwendig, gerade wenn Inhalte überarbeitet werden müssen.
Bei mir selbst läuft es gerade auch in Richtung Neu-Schreiben.

Ob es den Aufwand wert ist, weiß ich nicht, aber wenn man nicht wirtschaftlich auf eine sofortige Veröffentlichung angwiesen ist und einem die Geschichte am Herzen liegt, vielleicht doch. Neu-Schreiben kann schneller gehen, muss es aber nicht. Je nachdem, ob der Grundplot bestehen bleibt, wäre es also nur eine umfangreichere Überarbeitung nach meiner Definition.
Titel: Re: Für die Tonne geschrieben - Was macht ihr mit dem "Müll"?
Beitrag von: Arcor am 14. Mai 2019, 08:33:38
Ich würde auch alles verwahren. Es kann sein, dass du es nicht mehr verwenden kannst, aber manchmal kommt doch der Punkt, wo du Beschreibungen, Szenen, Dialoge woanders einbauen kannst.  :)

Und es kann immer sein, dass du zu einem späteren Zeitpunkt zu der Geschichte zurückkehren möchtest. Dann wäre es absolut schade, wenn du alles einfach weggeschmissen hast und du nicht mehr nachsehen kannst, wie du was beschrieben hast, wie weit du gekommen bist usw.

Ich sitze gerade selbst an einem Projekt, dass ich schon zweimal vor die Wand gefahren habe. Aktueller Stand ist, dass ich den ersten Anfang, den ich für den zweiten Anlauf verworfen hatte, jetzt im dritten zu großen Teilen wiederverwenden kann. Wenn ich ihn nicht mehr hätte, würde ich vor Verzweiflung wohl ein drittes Mal abbrechen.
Titel: Re: Für die Tonne geschrieben - Was macht ihr mit dem "Müll"?
Beitrag von: Wildfee am 14. Mai 2019, 08:46:09
Das bisher Geschriebene löschen kommt für mich auch nicht in Frage.

Ich hänge an diesem Ding, ich sitze mit teilweise sehr langen Unterbrechungen seit mehr als 10 Jahren dran. Was ich alleine in den Weltenbau an Zeit investiert habe, da mag ich gar nicht drüber nachdenken.

Mal sehen, da ich keine Deadline habe und mir keiner im Nacken hängt und brüllt, dass ich das Baby endlich fertigschreiben soll, beerdige ich es vorläufig.
Ist ja nicht so, als ob ich jetzt nichts mehr zu schreiben hätte, da schwirren noch genug Plotdrachen herum  ;)
Titel: Re: Für die Tonne geschrieben - Was macht ihr mit dem "Müll"?
Beitrag von: Aryana am 14. Mai 2019, 09:47:07
Wenn ich ein Projekt an die Wand gefahren habe, entsorge ich beim Überarbeiten den Müll erst mal ans Ende des Dokuments, wo er stehenbleibt, bis ich fertig bin. Danach werfe ich ihn aber wirklich rigoros weg, weil Müllszenen, die wegen "an die Wand gefahren" geflogen sind, für mich wirklich nur noch gedanklicher Mist sind, der mich belastet, mich an Frustzeiten und Blockaden erinnert und deswegen weg muss. Da mache ich tatsächlich Manuskript-Konmari. Alles weg, was mich nicht glücklich macht.
Titel: Re: Für die Tonne geschrieben - Was macht ihr mit dem "Müll"?
Beitrag von: Trippelschritt am 14. Mai 2019, 11:13:24
Ich speichere Textblöcke, die keine Verwendung gefunden haben immer irgendwo hin. Und angefangene, aber nicht beendete Romane erst recht. Aber dabei bleibt es nicht. Die Textteile hole ich nach einiger Zeit wieder hervor und überlege, ob etwas darin steckt, das zu retten es sich lohnt, etwas das so gut ist, dass es sich beim Neuschreiben nicht automatisch in gleicher Qualität einstellen könnte.

Ohne ausmisten hätte ich schon lange jegliche Übersicht verloren. Blindes Sammeln kommt also bei mir nicht in Frage.

Liebe Grüße
Trippelschritt
Titel: Re: Für die Tonne geschrieben - Was macht ihr mit dem "Müll"?
Beitrag von: Linda am 14. Mai 2019, 13:04:34
 ;D Altes aufzubewahren, dann und wann abzustauben und neu zu bewerten, bringt auch die Einsicht, wie man sich seitdem stilistisch verändert hat.
Titel: Re: Für die Tonne geschrieben - Was macht ihr mit dem "Müll"?
Beitrag von: Fianna am 14. Mai 2019, 17:54:52
Ich hebe Sachen immer auf.
Ein Projekt habe ich vor ein oder  zwei Jahren meiner Low-Fantasy-Plotgruppe vorgestellt, die strukturelle Probleme festgestellt hat...
... kein Grund es wegzuwerfen. Irgendwann wird es in anderer Form neu geschrieben
Titel: Re: Für die Tonne geschrieben - Was macht ihr mit dem "Müll"?
Beitrag von: FeeamPC am 14. Mai 2019, 18:27:06
Mal abgesehen davon, selbst wenn man den alten Text nie wieder braucht, kann er beim erneuten Lesen trotzdem die Keimzelle abgeben für etwas völlig Neues.
Titel: Re: Für die Tonne geschrieben - Was macht ihr mit dem "Müll"?
Beitrag von: Pety am 14. Mai 2019, 18:47:14
Ich hebe auch alles auf... und wenn ich sage alles, meine ich das so. Ich habe sogar noch Geschichten und Bruchstücke aus meinen Kindertagen...  :rofl:

Jetzt ist es allerdings tatsächlich leichter, die abgelegten Sachen neu aufzuarbeiten und was Neues daraus zu machen, Dank PC und co.  :D
Titel: Re: Für die Tonne geschrieben - Was macht ihr mit dem "Müll"?
Beitrag von: Aphelion am 15. Mai 2019, 18:05:58
Ich hebe nicht alles auf. Nicht mehr. ;) Was ich aufhebe, hängt allerdings nicht vom Alter der Ideen, Fragmente usw. ab, sondern von ihrem "Wert".

Die Frage ist, womit du es zu tun hast. Mit einem Vollschaden? Dann kannst du den "Schrotthaufen" einschmelzen, vorher noch ein paar brauchbare Teile abschrauben, und den Rest wegwerfen. In so einem Fall kann es sogar schaden, sich an den "Schrott" zu klammern. Ob der erste Entwurf aus nostalgischen Gründen oder aufgrund von allgemeiner Datensammelwut archiviert wird oder nicht, ist dafür aber unerheblich. Ich hebe nicht mehr alles auf, weil ich mich dadurch wie ein Datenmessie fühle. Ich muss nicht alles speichern, was ich speichern kann.

Wenn die verunfallte Geschichte keinen Vollschaden hat, sondern nur hier und da ausgebeult (=überarbeitet) werden muss und einige Ersatzteile benötigt, ist die Lage natürlich anders.

Ich würde mich deshalb nicht als direkt fragen, was ich mit der Geschichte mache, sondern erst einmal überlegen, wie der Zustand nach der Kollision mit der Wand ist. Den Tipp, die Geschichte erst einmal liegen zu lassen, finde ich gut – bei mir hat das auch schonmal mehrere Jahre gedauert, aber das will ich nicht verallgemeinern. Erst, wenn klar ist, wie schwer der Schaden ist, kannst du eine sinnvolle Entscheidung treffen.

Nach einem Vollschaden kannst du die alten Konstruktionspläne (z.B. eine Outline) neu umsetzen oder erstmal die Konstruktionspläne überarbeiten oder oder oder.

Wenn dir der Roman am Herzen liegt, solltest du ihn nicht "in der Versenkung verschwinden" lassen, aber eine Pause kann gut tun. Vor allem: Du hast vielleicht "Müll" produziert (kann ich nicht beurteilen), aber der Versuch war dadurch nicht automatisch sinnlos. :) Mir ist bewusst, dass das auch niemand behauptet hat, aber mir ist es wichtig, das zu betonen. Du weißt jetzt, dass die Geschichte so nicht funktioniert, und du hast wahrscheinlich auch ein paar grundsätzliche Schwachstellen gefunden, die du beim nächsten Mal vermeiden kannst. Herzblutprojekte brauchen manchmal mehr Zeit als andere, eben weil sie dir so wichtig sind. Nimm dir die Zeit ruhig. :)
Titel: Re: Für die Tonne geschrieben - Was macht ihr mit dem "Müll"?
Beitrag von: Silvasurfer am 16. Mai 2019, 13:46:40
Ich glaube das kommt ganz darauf an.
Manche Ideen brauchen Zeit und sollten bearbeitet werden nachdem ein langer Zeitraum emotionale Distanz aufgebaut hat. Darüber hinaus filtert das Gehirn schlechte Ideen, habe ich das Gefühl und vergisst sie eben, weil sie als unwichtig empfunden werden und einem dabei kein Licht aufgegangen ist. Vor allem nach langer Zeit bleiben, glaube ich, nur die guten Ideen im Kopf und geben einem keine Ruhe.
"Schreib mich, bring mich zu Papier!"

Bei meinem Baby kommt mir erst jetzt nach Jahren die Ideen, die zumindest ich sehr mag und manchmal gab es zwischendurch auch in heftigen Schreibblockaden wo der innere Schweinehund monatelang gesiegt hat einige Lichtmomente. Und das sage ich obwohl ich an Muse nach getaner Arbeit glaube, also keinen blassen Schimmer.

Andere Ideen müssen sterben und auf dem Friedhof begraben werden, damit neue Ideen kommen können und manche Ideen erfahren sogar eine Widergeburt und werden von Anfang an neu geschrieben, wenn ich so Interviews mit meinen Lieblingsautoren verfolge, da gibt es auch einfach verschiedene Persönlichkeiten.

Insofern hängt das glaube ich sehr vom Fall ab und in deinem scheinst du selbst unzufrieden zu sein. Dafür gibt es einen Grund und den zu identifizieren und akzeptieren ist der erste Schritt, bleibt aber dir überlassen.
Du musst, und das dir zuliebe, wirlich nichts erzwingen geb dir selbst Freiraum und hab geduld mit dir, alles zu seiner Zeit.
Es gibt so vieles, was man machen kann, was einen glücklich macht und auf Trab hält.
Ich an deiner Stelle würde mich einem frischen Projekt zuwenden, um meinem Schweinehund nicht die Gelegenheit zu geben, mich zu übermannen gleichzetig aber diese bestimmte Geschichte ruhen lassen, oder lesen, oder Rollenspiele spielen aber jeder hat seine Hobbies.

Manche Autoren lassen sich enorm Zeit für ihre Bücher es sind, und darüber bin ich dankbar, nicht alle wie Stepen King. Denn um ehrlich zu sein sind das auch meine Lieblinge, obwohl ich "Es" schon schwer in Ordnung finde und auch die grüne Meile.
Wobei King nach eigenen Angaben auch an mehreren Projekten zeitversetzt schreibt, gerade deswegen; um weiter zu schreiben und mit gutem Gewissen Werke, die nicht weiter kommen liegen zu lassen.
Wobei Stehen King das wohl im halbjahreswechsel macht, vollprofi mässig, kann man ja machen, wie man will. Schiller, um einen Klassiker zu benennen, den ich sehr mag, hat glaube ich einige seiner Werke über Jahre hinweg liegen gelassen, ehe er daran weitergeschrieben hat. Er hat auch parallel geschrieben, meine ich gelesen zu haben, er schien ja von Inspiration wie besessen, hat man das Gefühl und hat anderenfalls, wenn es keine reine Musse war sein Schreiben für Müll empfunden bz dann an einem anderen Werk geschrieben.
Titel: Re: Für die Tonne geschrieben - Was macht ihr mit dem "Müll"?
Beitrag von: Oneira am 17. Juni 2019, 09:24:05
Ich hebe auch alles auf, was ich an "Müll" herumliegen habe. Meistens setze ich mich dann irgendwann mal darüber und teile das angefangene Buch in Szenen auf, denen ich Überschriften verpasse, anstelle von Kapiteln Auf die Art habe ich dann eher einen inhaltlichen Anhaltspunkt, was darin steht, und diese Szenen kann ich dann für neue Bücher benutzen. Auf die Art habe ich aus zwei alten Büchern zum Beispiel mal ein neues "zusammengeklebt", an dem ich jetzt weiterschreibe.
Und selbst wenn sich daraus keine komplette neue Geschichte ergibt, kann man ja bestimmte Formulierungen, die gut gelungen sind, wieder hervorkramen oder auch nach Jahren eine Idee wiederfinden, die plötzlich ganz gut in ein neues Konzept passen würde.
Also kurz und gut: Müll ist zwar manchmal Müll, aber bei mir eigentlich nie für die Tonne geschrieben  ;)
Titel: Re: Für die Tonne geschrieben - Was macht ihr mit dem "Müll"?
Beitrag von: Oneira am 06. September 2019, 17:18:34
Schreibt ihr eigentlich manchmal auch so Sachen, bei denen ihr von vornherein wisst, dass sie nicht direkt in einen Roman gehören? Ich habe manchmal kleine Szenen im Kopf, die ich aufschreibe und sammle, aber noch nie für ein größeres Werk benutzt habe. Entweder sind das völlig aus dem Konzept gerissene Ideen oder auch Kapitel aus den Büchern anderer Autoren, die ich ein wenig verändere - nur so zum Spaß. Macht ihr so was auch manchmal?
Titel: Re: Für die Tonne geschrieben - Was macht ihr mit dem "Müll"?
Beitrag von: Trippelschritt am 06. September 2019, 17:45:00
Ständig

Trippelschritt
Titel: Re: Für die Tonne geschrieben - Was macht ihr mit dem "Müll"?
Beitrag von: Topaz am 06. September 2019, 23:25:23
Schreibt ihr eigentlich manchmal auch so Sachen, bei denen ihr von vornherein wisst, dass sie nicht direkt in einen Roman gehören? Ich habe manchmal kleine Szenen im Kopf, die ich aufschreibe und sammle, aber noch nie für ein größeres Werk benutzt habe. Entweder sind das völlig aus dem Konzept gerissene Ideen oder auch Kapitel aus den Büchern anderer Autoren, die ich ein wenig verändere - nur so zum Spaß. Macht ihr so was auch manchmal?

Ja, schreibe ich.
Ich hebe diese Sachen auf. Vielleicht lässt sich etwas ähnliches daraus machen wie mit den Outtakes am Ende von DVDs. Quasi ein Bonus für Fans, Newsletterabonennten etc ..
Titel: Re: Für die Tonne geschrieben - Was macht ihr mit dem "Müll"?
Beitrag von: Gizmo am 07. September 2019, 09:15:36
Mache ich auch. Aus manchen ist schon was geworden, andere werde ich vermutlich nie benutzen. Aber die Idee ist aus meinem Kopf und geistert dort nicht mehr herum, und im "schlimmsten" Fall hatte ich Spaß und es war eine gute Schreibübung. :)
Titel: Re: Für die Tonne geschrieben - Was macht ihr mit dem "Müll"?
Beitrag von: Cooky am 07. September 2019, 10:30:14
Ich schreibe oft Sachen zur Vorbereitung der Charaktere, die dann nicht im Buch landen.
Jetzt wo der Nano beginnt, wird das sicher auch vielen anderen so gehen, da es da viele Gelegenheiten gibt (etwa Vorbereitungs-Challenges), auch Szenen zu beschreiben, die außerhalb des Rahmens des Romans liegen. Und ganz regulär haben wir ja z.B. auch die Vorstellungsgespräche der Charaktere.
Titel: Re: Für die Tonne geschrieben - Was macht ihr mit dem "Müll"?
Beitrag von: FeeamPC am 07. September 2019, 10:58:34
Keine Ahnung, wie viele solcher "Fetzen" ich schon geschrieben habe, aber es sind bestimmt über 1000. Ich sammle sie in einem Ordner, und wenn ich zwischendurch mal auf Ideensuche bin, durchforste ich den. Findet sich immer etwas.
Titel: Re: Für die Tonne geschrieben - Was macht ihr mit dem "Müll"?
Beitrag von: Alina am 08. September 2019, 10:45:59
Ich schreibe auch häufiger Szenen, bei denen ziemlich klar ist, dass sie nicht im Roman landen. Allerdings stehen die dann schon im Zusammenhang mit dem Projekt, an dem ich gerade dran bin. Das sind entweder Ideen, die mir gut gefallen, die mir durch den Kopf geistern, aber leider gar nicht in den Plot passen ...  oder ich schreibe Probeszenen, um einen Charakter besser kennenzulernen.
Kapitel aus Büchern anderer Autoren umschreiben - auf die Idee bin ich noch nie gekommen. Klingt aber spannend!
Titel: Re: Für die Tonne geschrieben - Was macht ihr mit dem "Müll"?
Beitrag von: Aphelion am 08. September 2019, 11:10:59
In letzter Zeit schreibe ich öfter unnötige Szenen, wenn mir kein guter Schnitt zwischen zwei Szenen einfällt. D.h. ich schreibe einfach, was zwischen diesen beiden Szenen geschieht (je länger die Zeitspanne, desto gröber zur Mitte hin), und suche dann eine geeignete Stelle, um die erste Szene zu beenden und die zweite zu beginnen; alles dazwischen kommt raus. Da dabei im Prinzip ein Fließtext unterbrochen wird, entstehen dadurch oft kleine Cliffhanger.

Manchmal habe ich aber auch Szenen im Kopf oder Fragmente auf digitalem Papier, die sich erst später zu Geschichten entwickeln. Allerdings tut es mir gut, die zwischendurch mal auszumisten. :)
Titel: Re: Für die Tonne geschrieben - Was macht ihr mit dem "Müll"?
Beitrag von: Miezekatzemaus am 08. September 2019, 12:17:54
Dito, ich schreibe auf häufig kleinere Szenen, bei denen mir absolut nicht klar ist, was ich eigentlich damit machen will. Aber wenn ich sie dann nicht aufschreibe, ärgere ich mich hinterher - man weiß ja nie, wofür sie nochmal brauchbar sein könnten.

(Selbiges gilt für eingangs angesprochene praktisch verworfene Projekte: Ich lösche nichts. Vielleicht kann ich doch noch mal die ein oder andere Szene für etwas anderes gebrauchen. Außerdem verändert sich der Blick auf die Dinge ja nochmal, wenn man sie eine Weile liegen lässt. Auch wenn ich überarbeite, habe ich immer ein Dokument mit der unangetasteten Erstfassung. Ich brauche die zwar selten, aber es beruhigt mich, dass sie da ist, man kann ja auch beim Überarbeiten mal falsch abbiegen und möchte dann möglicherweise doch nochmal zum Ausgangsstatus zurückkehren.)

Diese zusammenhangslosen Szenen müssen auch nicht immer perfekt ausformuliert sein, ich muss bloß den groben Gedanken einmal zu Papier (oft genug auch nur in die Notizapp auf meinem Handy) bringen. Manchmal habe ich auch nur Satzfragmente im Kopf, bei denen ich denke, daraus könnte man was Schönes machen - das landet auch irgendwo und kommt vielleicht irgendwann mal zum Einsatz. :)
Titel: Re: Für die Tonne geschrieben - Was macht ihr mit dem "Müll"?
Beitrag von: canis lupus niger am 08. September 2019, 19:44:02
Ich schreibe auch sehr gerne solche Szenen auf, weil sie sowieso dauernd in meinem Kopf entstehen und es mir dabei hilft, meine Charaktere besser kennen zu lernen und zu entwickeln. Außerdem schreibe ich zu Beginn eines Romanprojekts ohnehin relativ unstrukturiert, so dass es durchaus möglich ist, solche Schnipsel später noch zu verwenden.

Und für die Tonne ist das schonmal gar nicht. Zumindest dient es als Übung.

Ich habe die Idee, dass ich sie, wenn ich mal sehr, sehr berühmt geworden bin, in (m)einem Blog veröffentlichen werde, zur Freude meiner dankbaren Leser.  :rofl:
Titel: Re: Für die Tonne geschrieben - Was macht ihr mit dem "Müll"?
Beitrag von: Oneira am 19. September 2019, 11:40:20
@canis lupus niger: Ja, also mit Berühmtheit lässt sich das alles gut vermarkten  ;D

Ich fange mit solchen Szenen manchmal sogar einen Roman "von hinten" an - wenn ich mich auf eine spezielle Szene am Schluss freue oder auch in der Mitte bestimmte Schlüsselszenen habe, die ich zuerst schreibe. Danach fülle ich dann die Lücken zwischen den Szenen-Schnipseln. Dann habe ich aber manchmal wieder das Problem, dass die "Lücken" so unbedeutend erscheinen, dass das Schreiben von denen einen etwas langweiligen Touch bekommt...
Titel: Re: Für die Tonne geschrieben - Was macht ihr mit dem "Müll"?
Beitrag von: canis lupus niger am 21. September 2019, 18:11:18
Ich fange mit solchen Szenen manchmal sogar einen Roman "von hinten" an - wenn ich mich auf eine spezielle Szene am Schluss freue oder auch in der Mitte bestimmte Schlüsselszenen habe, die ich zuerst schreibe.
Danach fülle ich dann die Lücken zwischen den Szenen-Schnipseln.
Ja, genau so mache ich das auch. Weniger, weil ich mich so auf die Szene freue, sondern um auch die Details sofort festzuhalten, solange ich sie noch lebendig vor Augen habe. Diese Phase ist für mich die schönste beim Schreiben eines umfangreicheren Werkes, weil ich die Kreativität so richtig ungehemmt sprudeln lassen kann.


Dann habe ich aber manchmal wieder das Problem, dass die "Lücken" so unbedeutend erscheinen, dass das Schreiben von denen einen etwas langweiligen Touch bekommt...
Ja, genau. Es hat mich bei meinem letzten Roman Monate und Monate gekostet, diese Lücken so zu füllen, dass sie dem Rest angemessen waren. An einer Stelle habe ich geschummelt, indem ich die Lücke bestehen lassen habe. Ich habe den akuellen Perspektivträger im Nachhinein versuchen lassen herauszufinden, was passiert war, indem er verschiedene Leute gefragt hat. Die Ereignisse blieben aber ein Rätsel, dem er sich nur annähern konnte.  ;D Das fand er so unbefriedigend, dass er sich noch mehr dahinter geklemmt hat.  ;)
Titel: Re: Für die Tonne geschrieben - Was macht ihr mit dem "Müll"?
Beitrag von: FeeamPC am 21. September 2019, 19:29:47
Szenen, die nicht im Roman landen, ergeben aber manchmal sehr schöne, ergänzende Kurzgeschichten. Die wiederum mögen die Leser (besonders, wenn sie gratis sind).
Titel: Re: Für die Tonne geschrieben - Was macht ihr mit dem "Müll"?
Beitrag von: Oneira am 30. September 2019, 15:10:10
An einer Stelle habe ich geschummelt, indem ich die Lücke bestehen lassen habe. Ich habe den akuellen Perspektivträger im Nachhinein versuchen lassen herauszufinden, was passiert war, indem er verschiedene Leute gefragt hat. Die Ereignisse blieben aber ein Rätsel, dem er sich nur annähern konnte.  ;D Das fand er so unbefriedigend, dass er sich noch mehr dahinter geklemmt hat.  ;)

Die Idee ist total gut - warum bin ich da nicht drauf gekommen??? Ich arbeite viel mit Perspektivwechsel und notfalls auch mit kleinen Zeitsprüngen, wenn es sich anbietet. Ich finde sowieso, es muss nicht jeder einzelne Tag eines Jahres in die Handlung, aber ich neige eben dazu, ziemlich viele Zeitsprünge zu machen ... Manchmal löse ich so Probleme auch mit Prolog oder Epilog - bei denen habe ich kein schlechtes Gewissen, wenn Jahre zwischen diesem einen Kapitel und dem Rest der Handlung liegt  ;)
Titel: Re: Für die Tonne geschrieben - Was macht ihr mit dem "Müll"?
Beitrag von: Oneira am 30. September 2019, 15:11:13
Szenen, die nicht im Roman landen, ergeben aber manchmal sehr schöne, ergänzende Kurzgeschichten. Die wiederum mögen die Leser (besonders, wenn sie gratis sind).

Bei mir ergibt das Brainstorming mit völlig aus dem Zusammenhang gerissenen Szenen manchmal sogar das Konzept für ein neues Buch  ;)
Titel: Re: Für die Tonne geschrieben - Was macht ihr mit dem "Müll"?
Beitrag von: Teben von Westend am 13. Oktober 2019, 20:45:16
Ich schreibe jetzt seit über sechs Jahren. Der ganze "Müll" aus der Anfangszeit zaubert mir noch heute ein Lächeln ins Gesicht, weil er mich daran erinnert, wie weit ich schon gekommen bin. Manchmal bin ich erstaunt und frage mich, wie ich mit so einer schlechten Ausgangslage überhaupt drauflosschreiben konnte. Echt bekloppt, wie schlecht ich damals geschrieben habe  ;D aber ich habe durchgehalten und würde mich mittlerweile als einen ganz passablen Schreiberling bezeichnen; der bald auch den Meilenstein der Erstveröffentlichung erreichen wird.

Gelagert wird das ganze auf insgesamt drei Festplatten, weil ich schon ziemlich traurig darüber wäre, diese kostbaren Schätze zu verlieren. Irgendwie ist das ja wie ein Fenster in die eigene Vergangenheit, wie Tagebücher oder alte Photos.
Titel: Re: Für die Tonne geschrieben - Was macht ihr mit dem "Müll"?
Beitrag von: Oneira am 26. Oktober 2019, 16:31:09
@Teben von Westend:

Das Gefühl kenne ich  ;)  Mein Satz ist dann immer typischerweise: "Mein Laptop muss mit - da ist mein ganzes Leben drauf!" Aber meine ganz ältesten Sachen rühre ich kaum noch an. Was ich in der Grundschule so geschrieben habe, war vielleicht für das Alter ganz gut, aber heute finde ich es echt zum Naserümpfen.
Meine frühesten Geschichten sind eher so Nacherzählungen oder so eine Art Fanfictions, die nützen mir als neue Ideen für Romane wirklich nichts mehr. Gibt es manchmal bei dir noch so Sachen von vor ganz vielen Jahren, aus denen du noch Ideen bekommst oder eher nicht?
Titel: Re: Für die Tonne geschrieben - Was macht ihr mit dem "Müll"?
Beitrag von: Wallrabe am 29. Oktober 2019, 19:31:48
@Teben von Westend - Um das dauerhaft auf den Festplatten zu lagern, da wäre ich fast zu paranoid dazu. Auch wenn es bei mir nicht anders aussieht :-D Ich denke mir immer, bei älteren Sachen der letzten Jahre, dass ich die irgendwann 'mal noch fertig mache und am besten ein einziges Exemplar davon drucke, falls so eine Festpaltte oder USB-Stick o.ä. doch einmal den Geist aufgibt...

Gaaanz alte Sachen aus Schulzeiten... gruselig trashige Abenteuergeschichten... bei denen habe ich immerhin gar nicht erst das "Problem" dass sie als Daten irgendwo herumfleuchen, weil ich damals noch keinen Rechner hatte/es dann aus den Umständen heraus immer gleich ausgedruckt wurde. Einmal sogar in der Schülerzeitung  :versteck: Glaube digital gibt es diese alten, grusligen Dinge gar nicht mehr. Da ist der Müll dann allenfalls bisweilen im tatsächlichen Papiermüll gelandet. So oder so würde ich es nicht wagen, da noch einmal einen Finger d'ranzulegen, da war wirklich nichts innovatives dabei.
Titel: Re: Für die Tonne geschrieben - Was macht ihr mit dem "Müll"?
Beitrag von: Dämmerungshexe am 31. Oktober 2019, 08:42:58
@Wallrabe - das erinnert mich gerade daran, wie sehr ich doch ein uraltes Notizbuch vermisse, das schon vor Jahren - viiiielen Jahren - in den Müll gewandert ist, und in dem die allererste Version der Geschichte war, an der ich seit vier Jahren mit unheimlich viel Herzblut arbeite.  :'(
(Das Lustige ist, dass ich für der Projekt gerade ein anderes Notizbuch verwende, dass aber genauso alt ist - ich schmeiß solche DInger nicht weg, die überleben jeden Umzug.)

Ansonsten habe ich einen Dateienordner, in den ich alles verschiebe, was veraltet oder einfach nur "zum Spaß" geschrieben wurde - Spin-Offs, Sequels, Out-takes, Fanservice ... Solche Sachen muss ich aufschreiben damit ich sie "aus dem System" habe und sie mich nicht dauerns ablenken.  :pfanne:
Titel: Re: Für die Tonne geschrieben - Was macht ihr mit dem "Müll"?
Beitrag von: Lana am 31. Oktober 2019, 10:02:51
Ich glaube, dass es kein Müll ist, was ich geschrieben habe. Entweder kann ich es noch umschreiben, oder in eine andere Geschichte packen. Andere Absätze kann ich an meinen besten Freund weiter geben, der aus der Grundidee etwas Neues zaubert. Alles was ich geschrieben habe zeigt mir, wie viel besser ich geworden bin in meinem Handwerk und möchte irgendwann trotz allem auch diese alten Schulzeitblöcke, die voll gekritzelt sind mit meinen Ideen, abtippen und für mich als Buch binden lassen.
Titel: Re: Für die Tonne geschrieben - Was macht ihr mit dem "Müll"?
Beitrag von: Lorelei am 31. Oktober 2019, 16:03:17
Manchmal ist ein Projekt einfach noch nicht reif. Einfach irgendwo sicher einlagern. Notizen machen, wo das Problem liegt, was noch geschehen muss, warum es hakt. Zeit verstreichen lassen, erneut draufgucken. Dann entscheiden.

Es gibt veröffentlichte Autoren, die wahrscheinlich keine Mühe hätten, alte Manuskripte zu verlegen, nachdem sie berühmt geworden sind, aber die äußern sich in Interviews immer so, dass sie die alten Projekte als Fingerübungen bezeichnen. Diese alten Hasen scheinen es vorzuziehen, ein neues Projekt, für das sie sich frisch begeistern können, anzugehen, und dabei die Fehler der Vergangenheit diesmal zu umschiffen.
Titel: Re: Für die Tonne geschrieben - Was macht ihr mit dem "Müll"?
Beitrag von: Oneira am 03. Januar 2020, 12:19:05
Unter "Müll" fallen bei mir auch FFs zu Filmen, Büchern etc., die ich einfach nur aus Spaß schreibe, aber definitiv NIE veröffentlichen will. Was sich daraus aber dann für die "echten" Werke richtig gut übernehmen lässt, sind bestimmte Redewendungen oder einfach geschriebene Stimmungen, die sich übertragen lassen. Dafür sind auch Oneshots richtig gut. Wenn ich manchmal in der Stimmung bin, irgendeine ganz besondere Szene zu schreiben, setze ich manchmal sogar für die Charaktere einfach nur so was wie "A" und "B" ein, dann lässt sich dafür jeder Zeit einfügen, wer immer das in meinem Roman gerade erleben soll.
Solches Festhalten von bestimmten, momentanen Ideen und Gefühlen kann ich auf jeden Fall empfehlen! Selbst wenn es sich nicht gleich in irgendein Werk einfügt, ist es einfach lesenswert.
Titel: Re: Für die Tonne geschrieben - Was macht ihr mit dem "Müll"?
Beitrag von: Tanja am 05. Januar 2020, 20:18:17
Ich würde "Müll" auf jeden Fall aufheben. Ich habe zB einen Roman insgesamt dreimal geschrieben: Die erste Fassung war einfach aus dem Bauch heraus geschrieben und am Ende ein furchtbares Chaos.
Die Grundidee hat mich allerdings nicht losgelassen. Also habe ich Jahre später eine zweite, geplante Version geschrieben auf Basis derselben Grundidee. Doch auch diese Variante war einfach langweilig (abgesehen von der Grundidee, die mir immer noch gefiel).
Also habe ich das Projekt wiederum einige Jahre später erneut aufgegriffen, mit geändertem Plot, aber immer noch mit derselben Grundidee.
Dieses Mal war ich mit dem Ergebnis zufrieden und es hat in sich funktioniert.

So ist es mir inzwischen noch einmal ergangen: Eine Grundidee, die ich in Szenen, Satzfetzen und kurzen Dialogen aufschreibe, die noch nicht reif war für einen "richtigen" Roman stieß irgendwann in meinen Gehirnwindungen auf eine zweite Idee - und BÄHM - auf einmal hatte die Idee, was ihr gefehlt hatte: Die Idee für einen spannenden Plot drumherum.

Deswegen würde ich immer alles aufheben und vielleicht lassen sich aus dem "Müll" irgendwann Charaktere, Szenen oder Ideen wiederverwenden.

Es tut weh, ein Projekt loszulassen, doch ich würde es mehr als "Archiv" bezeichnen als als "Müll", das hilft.
Titel: Re: Für die Tonne geschrieben - Was macht ihr mit dem "Müll"?
Beitrag von: Evanesca Feuerblut am 05. Januar 2020, 22:17:49
Mir ist noch eine Ergänzung eingefallen: Dadurch, dass ich alles aufhebe, auch Verworfenes und Sachen, die ich resette, habe ich stets den Nachweis über Arbeitsschritte, falls mir mal jemand ein Manuskript plagiiert. Das halte ich zwar für unwahrscheinlich, aber man weiß nie und es ist dann ganz praktisch, Sachen zu zeigen. Inklusive "Tja, da habe ich eine komplette Rasse aus meinem Buch rausgeschmissen, aber hier ist die noch drin!" oder ähnlichen Aussagen.
Es kann also zumindest nicht schaden, ein Archiv irgendwo auf der Festplatte zu haben, selbst wenn man es nie anschaut.
Titel: Re: Für die Tonne geschrieben - Was macht ihr mit dem "Müll"?
Beitrag von: Möchtegernautorin am 06. Januar 2020, 08:58:10

Ok, unter den Aspekten, die hier schon genannt wurden, habe ich wirklich schon sehr sehr viel „für die Tonne“ geschrieben. Eigentlich fast alles, was ich so geschrieben habe.
Ich habe noch einen ganzen Schrank von handgeschriebenem Zeug; Ordner mit Manuskripten, vollgeschriebene Notizbücher. Und fragt nicht, was noch alles auf meiner Festplatte so liegt, weil das nehme ich auch immer alles mit. Das einzige, was mir da jemals verlorengegangen ist, sind tatsächlich meine aller ersten Schreibversuche, weil das Schreibprogramm alles im eigenen Format abgespeichert hatte und ich es nie geschafft habe, die Dateien von der Diskette wieder in eine lesbare Form zu bringen.

Aber ich sehe das so: alles, was ich geschrieben habe, ist sozusagen die Basis meines Weltenaufbaus und meiner Überlegungen zu Charakteren, Ereignissen und was weiß ich nicht alles :) Wirklich „für die Tonne“ halte ich also wirklich nichts davon.
Im Gegenteil: Manchmal schreibe ich sogar Szenen, von denen ich weiß, dass sie letztlich rausgeschmissen werden müssen, weil sie beim Lesen selbst spoilern würden.

Und ja, ich brauche die genau diese Einstellung beim Schreiben, sonst hätte ich mit meiner enormen Erfolgsrate schon längst aufgegeben  :omn:
Titel: Re: Für die Tonne geschrieben - Was macht ihr mit dem "Müll"?
Beitrag von: Venetia am 20. Januar 2020, 15:59:14
Also ich teile meinen Muell ein: FF und Texte.
Die FF sind teilweise hochgeladen auf diversen Seiten, aber laengst nicht alle. Ich habe sie nicht mehr im Kopf, um ehrlich zu sein. So gesehen sind sie in einem Muelleimer am anderen Ende im Raum. Ich schreibe keine FF nicht mehr und meine bisherigen, ob nun fertig, angefangen oder abgebrochen, habe ich bisher nicht wieder angefasst. Sie sind unbearbeitet, aber falls ich jemals doch wieder daran arbeiten moechte, greifbar. Ich weiss nicht, was ich in einigen Jahren vielleicht doch nochmal lesen will. Insofern kommt hier nicht die Muellabfuhr vorbei. Daher wird man nur einen kleinen Teil der FF lesen koennen, nicht alles und jede. Ich habe den Rest nicht mehr hochgeladen und veroeffentlicht, weil nicht alle (absolut peinlichen) FF meines sehr klischeehaften Teenie-Ichs der Welt anvertrauen wollte. Gluecklicherweise wusste ich schon frueh mit Pseudonymen anzufangen, auch wenn ich Pizza in meinen Namen enthielt.

Nun, die Texte habe ich ueberall verstreut. Fast alle habe ich wieder hochgeladen und sogar veroeffentlicht, sodass andere Menschen es lesen koennen, sofern sie moechten. Sie werden sogar gelesen, auch wenn klar ist, dass die Texte kein Ende bekommen werden. Allerdings habe ich das groesstenteils fuer meine Familie oder Freunde, die gerne etwas von mir lesen moechten, getan. Auch hier wieder mit Pseudonym, nur ohne die Pizza darin. Leider.  :rofl:
Den Rest von meinen Muell, sei es Notizen oder Anfaenge von Szenen, usw. sind abgespeichert. Das war sehr hilfreich, als ich einmal eine Szene weiter ausarbeiten wollte und sie hiermit mit "Muell" vergleichen wollte.
Ja, mein Müll wird also auch recycelt.  ;)
Titel: Re: Für die Tonne geschrieben - Was macht ihr mit dem "Müll"?
Beitrag von: Annie am 01. Mai 2020, 19:41:02
Ich habe den "Müll" früher auch aus Frust gelöscht. Letztens hab ich dann eine Szene geschrieben, in der ich altes Material gut verwenden konnte. Ich war froh, das noch in der Versenkung meiner Emails gefunden zu haben. Daher speichere ich rausgeschnittenes Material immer in einem separaten Dolument. Dann kann ich immer wieder drauf zurückgreifen  :)
Titel: Re: Für die Tonne geschrieben - Was macht ihr mit dem "Müll"?
Beitrag von: Marius am 02. Mai 2020, 10:11:21
Das ist kein "Müll". Das ist ein Steinbruch.

Rohes Material, das an sich vielleicht nicht lesbar ist oder veröffentlicht werden kann. Aber aus dem vielleicht doch der passende Stein für XY geschlagen werden kann.

Außerdem zeigt es einem seine eigene Fehler in sehr direkter Art und Weise auf - schließlich hat es ja einen Grund, warum man den/die Texte beiseite gelegt hat. Jeder Fehler, den man darin erkennt, schärft den eigenen Blick fürs nächste Projekt. Für mich ist das eigentlich das beste am Steinbruch, auch wenn es ziemlich doof ist, sich das dann anzuschauen (Wer sieht schon gerne eigene Fehler?).

ALso zumindest geht das mir so. Würde alte Sachen nie löschen.
Titel: Re: Für die Tonne geschrieben - Was macht ihr mit dem "Müll"?
Beitrag von: canis lupus niger am 02. Mai 2020, 12:31:14
Das ist kein "Müll". Das ist ein Steinbruch.

Großartige Formulierung!!!  :D :jau:
Titel: Re: Für die Tonne geschrieben - Was macht ihr mit dem "Müll"?
Beitrag von: Natascha am 02. Mai 2020, 13:14:03
Das ist kein "Müll". Das ist ein Steinbruch.

Steinbruch ist echt ein gutes Wort dafür und klingt auch so viel weniger deprimierend.
Ich habe auch etliches auf dem PC und von früher noch in Papierform, das ich weder veröffentlichen, noch jemandem zum Lesen geben würde. Aber gelernt habe ich trotzdem etwas beim Schreiben.
Titel: Re: Für die Tonne geschrieben - Was macht ihr mit dem "Müll"?
Beitrag von: Ivy am 28. Mai 2020, 18:50:30
"Steinbruch" ist wirklich eine klasse Bezeichnung.

Ich hebe auch so viel wie möglich auf, bei jedem Umzug mit etwas Sorge, dass keine der Kisten mit den Notizbüchern und Ordnern der ausgedruckten Texte Schaden nimmt oder gar verloren geht. Ich war schon angefressen genug, als ich nach einem Umzug heraus fand, dass einige Bücher feucht geworden waren ... zum Glück ließen sie sich trocknen und ich musste sie nicht wegschmeißen.

Nimm dir ein paar Tage Zeit, mach eine Schreibpause von diesem Projekt und schau später, mit genügend Abstand, was du davon wie verändern möchtest oder solltest, was sich weiter verwenden lässt. Bei manchen Geschichten reichen ein paar Tage Pause, bei anderen warte ich länger, wenn ich das Gefühl habe, nicht weiter zu kommen, oder gar einen Teil an die Wand gefahren zu haben.
Irgendwann kommt die Zeit. Man holt den Roman, die Novelle oder die Kurzgeschichte wieder hervor und beginnt zu lesen, und je nachdem einen Teil neu zu platten oder umzuschreiben ...
wie ein paar ander Zirkler hier auch schon geschrieben haben, manchmal hilft es, die Perspektive zu ändern oder das Alter der Protagonisten. Oder manchmal hilft es auch, eine Perspektive hinzu zu fügen oder ...
es gibt viele Möglichkeiten.
Aber wegschmeißen könnte ich nicht. Ich hänge viel zu sehr an meinen Geschichten. (Klar, wenn es zu viel an Daten oder Ausgedrucktem wird, muss man vielleicht mal etwas ausmisten - aber noch habe ich zum Glück genügend Platz).
Umschreiben, zum Teil neu schreiben, etwas verändern, hinzu fügen und .... wie auch bereits von anderen erwähnt - die Outtakes. Später mal zu Kurzgeschichten ausformulieren. Oder auf der Autorenseite oder dem Blog die Leser und Leserinnen damit erfreuen.
Es gibt viele Möglichkeiten.
Aber weggeschmissenes ist weg. Lieber nicht.